Warum Labbadia der Richtige für Hertha ist

Warum Labbadia der Richtige für Hertha ist

Trainer Nummer vier in der aktuell noch ruhenden Saison: Bruno Labbadia ist neuer Hertha-Chefcoach. Am Montag ist der 54-Jährige bei der Pressekonferenz in Berlin offiziell vorgestellt worden. Für zunächst zwei Jahre soll er die Profi-Mannschaft von Hertha BSC leiten. Eine große Überraschung ist die Nachricht nicht völlig: der Name „Labbadia“ geisterte bereits bei der Entlassung von Ante Covic im vergangenen Winter, und sogar als die Amtszeit von Pal Dardai zu Ende war, durch die Medien. Traineralternativen, die Arbeit des Managers oder den Zeitpunkt der Verpflichtung soll zunächst kein großes Thema sein: an diesem Ostersonntag wollen wir uns darauf konzentrieren, was für ein Trainer Bruno Labbadia überhaupt ist. Was er bisher geleistet, in seinen letzten Clubs für Spuren hinterlassen hat und wie seine Ausgangslage bei der „alten Dame“ aussehen wird.

Zur Seite standen uns dazu Sven als HSV- und Dennis als VfL Wolfsburg-Experte. Sven (auf Twitter @SvenGZ) ist HSV-Blogger und -Podcaster beim „HSV-Talk”, wo er auch über Bruno Labbadia in einer kurzen Podcastfolge sprach. Dennis (auf Twitter @WobTikal) half uns bereits im letzten Vorbericht gegen den VfL, die Wolfsburger besser einzuschätzen.

Vorgezogene Sommerpause als Wechsel-Gelegenheit

Labbadia kommt also zu Hertha BSC, zusammen mit seinem Staff bestehend aus Eddy Sözer, Günter Kern und Olaf Janßen. Und das nicht erst im Sommer, sondern bereits in der Corona-bedingten Ruhephase der Saison, die Michael Preetz als „vorgezogene Sommerpause“ bezeichnet. Der neue Coach soll also auch in der kommenden Saison Hertha trainieren. Dass Interimstrainer Alexander Nouri nur noch die „Lame Duck“ war, war kein Geheimnis. Von der Klubführung wurde bereits deutlich gemacht, dass im Sommer ein anderer Fußballlehrer die Mannschaft leiten würde.

Zum Teil lassen sich auch aus Spielerinterviews Zeichen herauslesen, dass der Nouri nicht mehr zu hundert Prozent bei der Sache war. Beispielsweise behauptete Maximilian Mittelstädt, sein Trainer hätte ihn während dessen Quarantäne nicht einmal kontaktiert. Jetzt herrscht wieder Klarheit und die Trennung mit Jürgen Klinsmanns Team ist endgültig vollzogen – bis auf Arne Friedrich ist kein Mitarbeiter mehr bei Hertha beschäftigt, der zusammen mit Klinsmann kam. Torwarttrainer Zsolt Petry, die Athletiktrainer Henrik Kuchno und Hendrik Vieth bleiben dem Hertha-Stab erhalten. Labbadia bei seiner ersten Pressekonferenz bei Hertha: “Hertha war mein Wunschverein im Sommer, jetzt auch. Ich sehe in der Mannschaft und im Verein Potenzial. In meiner Situation ist mir wichtig, mit welchen Menschen ich arbeite. Ich muss nicht mehr alles machen. Die Gespräche mit Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer haben mir richtig gut gefallen. Auch die Menschen, die ich bisher hier getroffen habe.”

Noch lange bevor die Zusammenarbeit offiziell wurde – kurz nach dem Abgang von Jürgen Klinsmann – wurde der Manager auf der danach stattfinden Pressekonferenz befragt, ob nun einer der in der Bundesliga üblichen Verdächtigen nun übernehmen würde, wie beispielsweise ein Labbadia. Preetz’ etwas genervte Antwort lautete damals: „Entschuldigung, aber wir sprechen über einen Kollegen, der in den letzten Jahren in der Bundesliga sehr, sehr gute Arbeit geleistet hat.“ Ein Schelm, wer hier eine Verbindung erkennen will. Die Aussage vom Hertha-Manager wollen wir aber überprüfen: Wie ist Labbadias Arbeit in den letzten Jahren zu bewerten? Hier wechseln wir unsere Hamburger und Wolfsburger Experten ein.

Eine Dino-Rettung in zwei Akten

Beim HSV hatte Bruno Labbadia sogar zwei Amtszeiten. Sven fasst diese für uns zusammen: „In der ersten Amtszeit (2009/10) spielte der HSV zu Anfang einen wunderbaren, vielleicht sogar seinen besten Fußball der 2000er Jahre. Top motiviert und auch taktisch gut aufgestellt. Im Frühjahr 2010 verlor die Mannschaft jedoch das Vertrauen in Bruno, der mit Rückschlägen schlecht umgehen konnte und so wurde er entlassen, obwohl man im Halbfinale der Europa League, deren Finalort in diesem Jahr Hamburg war, stand. Ehrlich gesagt blutet mir bei dem Gedanken daran immer noch das Herz.“

Einige Jahre später kehrte der gebürtige Darmstädter nach Hamburg zurück: dieses Mal in einer ganz anderen Rolle. Er habe seine Geschichte beim HSV als „unvollendet“ gesehen und versuchte sich dieses Mal als Feuerwehrmann. „In der zweiten Amtszeit (April 2015 bis September 2016) schaffte Labbadia ein kleines Wunder. Sechs Spieltage vor dem Saisonende war der HSV quasi abgestiegen, die Mannschaft tot und die Lage hoffnungslos. Bruno hauchte dem Team den Glauben an sich selbst ein und man schaffte noch die Relegation gegen Karlsruhe und schlussendlich den Klassenerhalt.“

Und trotz dieses Erfolgs genoss Labbadia kein allzu großes Vertrauen beim ehemaligen Bundesliga-Dino. „Eine Mannschaft zu stabilisieren, spielerisch und taktisch zu formen war nicht sein Ding und auch wenn die Saison 2015/16 auf Platz 10 (41 Punkte) abgeschlossen wurde, mehrten sich die Zweifel an seinem Wirken und so wurde er nach einem Fehlstart in die Saison 2016/17 (1 Punkt aus 5 Spielen) beurlaubt“, erinnert sich Sven.

Stärken und Schwächen in Hamburg

Dennoch hat Labbadia damals seine Stärken aufzeigen können, zu denen Sven folgende zählt: „Motivation und Zusammenhalt erzeugen! 2015 hat er binnen kürzester Zeit aus den Spielern eine Einheit geformt, hat ihnen positives Denken eingeimpft und so den Klassenerhalt ermöglicht. Übrigens sehen das die Spieler auch so (…). Die Veränderung war also weniger taktischer, denn moralischer Natur.“

Die damaligen Defizite des Ex-Trainers hingegen schätzt Sven folgendermaßen ein: „Vielleicht kann man herauslesen, wie sehr mir diese Rettung 2015 in Erinnerung geblieben ist, allerdings kann sie auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Labbadia es nicht geschafft hat, das Team nachhaltig zu stabilisieren, oder gar weiterzuentwickeln.“ Allerdings ordnet Sven seine Aussage auch im chaotischen HSV-Kontext ein und führt aus: „Wie weit dies zu dieser Zeit in Hamburg überhaupt möglich war, ist allerdings mehr als fraglich, da sich am HSV seit Jahr und Tag die Trainer die Zähne ausbeißen.“

Die Eindrücke unseres HSV-Experten bestätigen zunächst das, was allgemein über Labbadia gesagt wird. Er sei ein Arbeiter, Motivator und Feuerwehrmann, der seine Stärken vor allem im Aufbau einer soliden Mannschaft hat, seine Grenzen jedoch in der spielerischen Weiterentwicklung seiner Mannschaft findet. Ob sich das auch in Wolfsburg bewahrheitet hat, besprechen wir mit unserem VfL-Experten Dennis. Auch er beschreibt die Zeit beim VfL unter Bruno Labbadia:

„Wir steigen ab, wir kommen nie wieder…“

„Bruno kam zu uns, nachdem Martin Schmidt für Außenstehende sehr überraschend nach einem knappen 1:2 gegen die Bayern zurückgetreten ist”, erinnert sich Dennis an den Februar 2018, “Er hatte früh in der Saison von Andries Joncker übernommen, man war vorsichtig optimistisch, umso erschreckender war der Rücktritt. Und dann holt man Bruno Labbadia. Es wirkte wie eine reine Verzweiflungstat, roch nach purer Panik.“

„Die Abstiegsränge kamen immer näher und die Stimmung wurde nicht besser, dauerte es doch sechs Spiele, bis der erste Sieg eingefahren werden konnte. Das größte Problem bekam er auch erstmal nicht in den Griff: Die Lethargie, die diese Mannschaft ausstrahlte, war erschreckend. So kam es auch zum Bruch mit den Fans (“wir steigen ab und kommen nie wieder, denn wir ham Bruno Labbadia”). Es folgten noch einige Niederlagen, teilweise schlimme Spiele, bis dann am letzten Spieltag gegen die mausetoten Kölner der “rettende” Sieg geholt wurde. Relegation. Schon wieder.”

“Die wurde dann, den Umständen entsprechend, ganz okay überstanden und es ging in die neue Saison. Einen völlig unausgereiften Kader reorganisieren, neu motivieren, vorantreiben”, beschreibt Dennis die damalige Aufgabe Labbadias. Wie also verlief die Wandlung von der knappen Rettung in der Relegation zu einer offensivstarken Mannschaft mit europäischen Ambitionen?

Von der Relegation zur Europa League

Auch das erklärt uns Dennis: „Das erste war: Fitness. Gemeinsam mit Eddy Sözer wurde die Mannschaft getrimmt, eine Sache, die ihr ganz schön abging. Der Kader wurde analysiert, einige Spieler aussortiert oder, wie im Falle von Divock Origi, gehen gelassen und so wurde viel am Zusammenhalt geschraubt. Das hat toll funktioniert. Die Mannschaft funktionierte ganz anders, fightete, war erfolgreich.“ Einmal mehr hatte es Labbadia also geschafft, eine Mannschaft zu einer Einheit zu formen, welche die wichtigsten Tugenden des Fußballs lebte.

„Die Spielweise selbst war gar nicht so anders, als sie es unter Schmidt war. Aber mit Weghorst war ein anderer Stürmer involviert, der durch seine Laufstärke und Nervigkeit zum Spiel passte. Das war erfolgreich, man kam in einen positiven Lauf und plötzlich klappte fast alles. Auch unter Labbadia gab es schlechte Spiele, aber in Summe hat er eine Mannschaft genommen, die am Boden lag und hat sie aufgebaut, Motiviert, zusammengeschweisst und die Spielweise optimiert, ohne sie umzuwerfen. Das hat ein bisschen gedauert, aber es hat geklappt. Es war längst nicht alles Gold, was glänzt – das wird in Anbetracht des 8:1 an seinem letzten Spieltag gerne übersehen. Aber es war positiv.“

Am Saisonende lief der Vertrag von Labbadia aus und wurde nicht verlängert. Auch da hatte es verschiedene Gründe, ein wichtiger Grund war jedoch der längere Konflikt mit dem Geschäftsführer Sport Jörg Schmadtke. Doch was blieb nach seinem Abgang noch übrig?

„Ich finde, der Zusammenhalt im Team ist deutlich gewachsen. Das Gefühl, ein mündiges Team zu haben, das hält heute noch an. Als Glasners Taktik einfach nicht mehr richtig funktionieren wollte, stand die Mannschaft auf und diskutierte mit dem Trainer – der Schritt zurück zum erfolgreichen 4-3-3 aus der Vorsaison funktionierte prima. Ich glaube nicht, dass es das vorher so gegeben hätte. Er nahm einen Kader, der offensichtlich nicht funktionierte, zu viele Eigenbrödler (Origi, Didavi…) besaß und formte gemeinsam mit Schmadtke daraus ein Team. Er erreichte die Mannschaft immer und hatte oft gute Lösungen für den Gegner.“

Über 4-3-3 und Offensivfußball

Unsere Experten haben also unterschiedliche Situationen mit demselben Trainer erlebt. Die knappe Rettung beider Klubs als einzigen Erfolg zu sehen, würde allerdings zu greifen. Auch Labbadia zeigte mehr Qualitäten, als nur die eines „Feuerwehrmannes“. Doch was für ein Fußball wird er in Berlin wohl spielen lassen?

Wie bereits von Dennis angesprochen, lässt Labbadia am liebsten im 4-3-3 spielen. Dieses System versuchte er mit überdurchschnittlich viel Ballbesitz und einer offensiven Grundausrichtung zu leiten. Gerade beim VfL Wolfsburg funktionierte es phasenweise sehr gut und es ist davon auszugehen, dass er eine ähnliche Spielweise auch bei der „alten Dame“ einbringen wird. Da Hertha eigentlich schon seit den Zeiten unter Jos Luhukay bereits an ein 4-3-3/4-2-3-1 gewöhnt ist, sollte die Ausrichtung Labbadias gut nach Berlin passen.

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An dieser Stelle empfehlen wir die Folge des “Immerhertha”-Podcast zu Bruno Labbadia. Dort sprechen die Journalisten unter anderem auch über die Qualitäten von Bruno Labbadia als “Offensivtrainer”.

„Mein Team und ich freuen uns total auf diese Aufgabe“, sagte Labbadia, nachdem seine Verpflichtung offiziell wurde, und ergänzte: „Es liegt viel Arbeit vor uns“. Arbeit ist ein gutes Stichwort, denn gerade als Arbeiter ist der gebürtige Darmstädter bekannt. Auch die Spieler bei Hertha BSC sollten gewarnt sein. Gerade auf fleißige, hart arbeitenden Mentalitätsspieler legt der 54-Jährige viel Wert.

Für Statistiken- und Zahlen-Liebhaber lohnt sich natürlich ein Blick auf die historische Punkteausbeute des neuen Hertha-Coaches. In seinen zwei kompletten Spielzeiten in der Bundesliga holte er 2015/2016 mit dem HSV im Durchschnitt 1,21 Punkte pro Spiel, 2018/2019 mit dem VfL dafür 1,62 Punkte pro Spiel.

Im Vergleich dazu bietet sich in den letzten Jahren die Bilanz von Pal Dardai an: 2015/2016 holte er 1,47 Punkte pro Spiel, 2016/2017 noch 1,44. 2017/18 und 2018/2019 waren es nur noch 1,26. Die letzten drei Hertha-Trainer diese Saison holten nicht mehr als 1,25 Punkte pro Spiel (Alexander Nouri in vier Partien).

Mit Labbadia eine Wiederauferstehung für Hertha?

Gerade die Kritik, Hertha könne die notwendigen Schritte für seine Ambitionen nicht einfach mit Millionen-Beträgen von Lars Windhorst und großen Sprüchen überspringen, war zuletzt oft zu lesen und zu hören. Eine kaputte, verunsicherte und womöglich auch schlecht zusammengestellte Mannschaft wieder aufzubauen ist der Schritt, den Hertha BSC jetzt braucht. Gerade ein solcher Schritt dauert bekanntlich länger als eine Saison. Die zwei Jahre Vertrag, die Bruno Labbadia zunächst als Cheftrainer bei Hertha BSC bekommt, könnten allerdings genau dieser „kleinere“, wichtige Schritt sein, die der Haupstadtklub beschreiten muss, um nach höheren Sphären zu greifen.

Der gebürtige Darmstädter scheint für so etwas genau der Richtige zu sein. Gerade in Wolfsburg hat er bewiesen, dass genau das seine Stärke ist. Auch seine Vorliebe für Offensivspiel könnte die Sehnsucht der „alten Dame“ nach attraktiverem Fußball befriedigen. Die große Frage bleibt: wird man ihm in Berlin die Zeit lassen? Gerade die Wunschvorstellung von Investor Lars Windhorst, mit Hertha bereits in den nächsten Jahren europäisch vertreten zu sein, könnte problematisch werden. Fehlende Geduld der Vereinsführung hatte bereits in Hamburg und Wolfsburg zu Spannungen mit dem Trainer geführt, und auch in Berlin wäre ordentlich Konfliktpotenzial vorhanden.

Doch zunächst kann an der Spree ein Stück weit Vertrauen zurückkehren: der neue Cheftrainer von Hertha BSC bringt alles mit, um die Mannschaft aufzurichten, sie als Team zu besserem Fußball zu führen und vor dem Abstieg zu bewahren. Quasi eine Wiederauferstehung des Berliner Klubs also. Sollte ihm das gelingen, wäre das bereits ein großer Erfolg. Mit Labbadia ist der Realismus nach Berlin zurückgekehrt, ein Schritt nach dem anderen gehen zu müssen und nicht bereits vom fünften zu reden, während man beim dritten noch droht zu stolpern.

Labbadia will’s wissen

Und während Hertha gewillt ist, aus seinen Fehlern der Vergangenheit zu lernen, scheint Labbadia das bereits getan zu haben. Der 54-Jährige soll bei seinen ersten Stationen menschlich noch als recht schwierig gegolten haben, hinzu kamen seine taktischen Defizite. Labbadia ist allerdingsein immer größerer Teamplayer geworden (immerhin haben Schmadtke und er die Saison trotz ihrer Differenzen noch gemeinsam zu Ende gebracht) und hat auch fußballerisch dazugelernt. In den Zeiten, in denen er ohne Traineramt war, hat er sich bei anderen Vereinen weitergebildet und so ließ er bei Wolfsburg schon einen deutlich besseren Fußball spielen als noch bei seinen vorherigen Stationen. Bei Hertha will Labbadia nun endgültig den Imagwechsel vollziehen – weg vom Feuerwehrmann, hin zum Entwickler.

Wenn man es so formulieren will, vereint Labbadia das beste aus den letzten Hertha-Trainern in sich: er bringt die Akribie und lange Bundesliga-Erfahrung eines Pal Dardai mit sich, zusätzlich den fußballerischen Anspruch eines Ante Covic und schlussendlich die Gelassenheit eines Jürgen Klinsmann, der bereits alles im Fußball gesehen hat und daher eine gewisse Gelassenheit ausstrahlt. Labbadia ist zwar “schon” 54 Jahre alt, was bei den Nagelsmännern und Kohfeldts dieser Liga bereits rüstig daherkommen könnte, aber der Mann hat noch nicht fertig – im Gegenteil, Labbadia will es allen beweisen, dass er mehr kann, als nur zu retten. “Unser Spiel bedarf vieler Sprints und Tempoläufe. Wir werden in allen Bereichen arbeiten: Athletik, Organisation, Taktik. Das findet nicht nur auf dem Platz statt. Das wird sehr intensiv. Einige sagen, es ist zu intensiv. Aber das ist unser Spiel. Für mich ist es ein geiles Spiel. Ich habe Bock auf Fußball. Ich lasse mir die Freude am Fußball nicht mehr nehmen. Ich will das leben”, gab sich Labbadia bei seiner Antritts-PK hoch motiviert.

Dieses Feuer kann Hertha sehr gut nutzen, auch weil der neue Trainer durch seine Ambitionen sicherlich nicht als Ja-Sager auftreten und somit Michael Preetz Paroli bieten wird. Schaffen es Geschäftsführer und Trainer, diese potenziellen Reibungen konstruktiv zu nutzen, kann etwas entstehen. Hier sind beide Seiten gefordert. “Ich habe Michael Preetz sofort zu dieser sehr guten Lösung gratuliert”, berichtete Frankfurts Sportvorstand und Ex-Hertha-Profi Fredi Bobic der BamS, “Bruno ist menschlich eine Eins mit Sternchen, ein total gerader Typ, extrem motiviert. Er gehört sicher zu den Top-3-Lösungen, die der Markt gerade zu bieten hat.” Auch Bobic kann bezeugen, dass Labbadia an sich gearbeitet hat: “Er will immer den totalen Erfolg, das treibt ihn an. Er ist sehr erfahren, aber nicht mehr ganz so verbissen wie früher.“ Von einem abgehalftertem Verwalter kann bei Herthas neuem Übungsleiter also keinesfalls die Rede sein.

„Bittersüße“ Abschiedsgrüße

Gerade bei Fußballtrainern zählt auch die Art und Weise des Abschieds eine Rolle. Genauso wichtig, wie die reinen sportlichen Zahlen, ist der Eindruck, den Trainer in alter Wirkungsstätte hinterlassen. Deshalb haben wir unsere Experten gefragt, was sie Ihrem Ex-Trainer heute noch sagen würden.

Sven würde folgendes loswerden: „Ich würde Bruno darauf hinweisen, dass er es bei seinem ersten Versuch nicht geschafft hat mit einer guten Mannschaft (Vereins-) Geschichte zu schreiben, ihm dies fünf Jahre später jedoch gelungen ist. Dafür würde ich ihm danken und ihm das Versprechen abnehmen, es nicht noch einmal zu versuchen!“

Auch die Abschiedsbotschaft von Dennis an Labbadia ist eher in der Kategorie „Bittersüß“ einzuordnen: „”Danke.” Und auch – da werden einige VfL-Fans aber lautstark einer anderen Meinung sein: “Ist besser so gewesen, für alle”. Denn wenn Bruno Labbadia in seiner Karriere was gezeigt hat, dann, dass er Mannschaften retten kann, zusammenraufen, das Beste herausholen. Woran er häufig scheiterte, war der nächste Schritt, weg vom Optimieren, hin zum Entwickeln. Und ich hatte gegen Ende seiner Zeit hier und da schon das Gefühl, dass es knirschte, die Zusammenarbeit mit Schmadtke war offenkundig kein großes Vergnügen für ihn, deswegen: Vielen Dank Bruno. Alles Gute.”

Bei beiden Experten ist trotz der Trennung auffällig, dass eine gewisse Dankbarkeit bleibt, was nicht selbstverständlich und eher ein gutes Zeichen ist. Die meisten Hertha-Fans würden beispielsweise bei Jürgen Klinsmann gar keine Worte mehr brauchen. Eine simple Handgeste wäre sicher ausreichend.

Die Messlatte wurde also durch Klinsmann so dermaßen tief gesetzt, dass dem neuen Hertha-Trainer etwas Druck abgenommen wird. Als neuer Trainer wird Labbadia zum Start trotz vieler Vorurteile ein gewisses Grundvertrauen von Fans und Umfeld erhalten – vielleicht auch, weil dieser Artikel aufzeigt hat, dass die Ressentiments einiger Anhänger gegenüber Labbadia unbegründet sind. Zumindest so lange, wie er nicht plötzlich anfängt Facebook-Live Sitzungen zu organisieren und sich mit „Hahohe, euer Bruno“ zu verabschieden.

Danke für Nichts, Jürgen

Danke für Nichts, Jürgen

Vor genau einer Woche erreichte mich die Whatsapp-Nachricht eines mir bekannten Berliner Sportjournalisten. Er könne mir ein paar Anekdoten zu dem „Blender“ Jürgen Klinsmann erzählen, mit dem es laut ihm kein gutes Ende nehmen würde. Damals war die Hertha-Welt noch eine andere und auch wenn ich weiterhin gewisse Zweifel an der Arbeit Klinsmanns hatte, so verwunderten mich diese Aussagen in ihrer Schärfe dann doch. „Naja, wie schlimm können die Geschichten schon sein“, fragte ich mich. Das war am 4. Februar. Sieben Tage später brennt der Verein, nachdem Klinsmann völlig überraschend seinen Rücktritt als Cheftrainer Herthas verkündet hat und mittlerweile muss ich der Nachricht meines Kollegen Recht geben. Ein Versuch der Einordnung.

Der morgendliche Gang auf Twitter gehört mittlerweile zur Alltagsroutine dazu. Ein bisschen über das Tagesgeschehen informieren, über die aktuelle Politik schimpfen – das Übliche halt. Dass am Dienstagmorgen jedoch eine mediale Bombe platzen sollte, mitten im Epizentrum meines Vereins, hätte ich nicht gedacht. Immer mehr Menschen teilten einen Facebook-Link von Jürgen Klinsmanns Account. „Na, welche größenwahnsinnige Zukunftsfantasie hat sich Jürgen dieses Mal ausgedacht, die alle zum Lachen bringt“, hatte ich mir gedacht, doch beim Lesen seines Posts fiel mir die Kinnlade herunter. Klinsmann verkündete, nicht länger Cheftrainer von Hertha BSC zu sein. „(…) Ich bin fest davon überzeugt, dass die Hertha das Ziel – den Klassenverbleib – schaffen wird. (…) Als Cheftrainer benötige ich allerdings für diese Aufgabe, die noch nicht erledigt ist, auch das Vertrauen der handelnden Personen. Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente. Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden“, schreibt „Klinsi“.

Schlechter Stil Klinsmanns

Rumms! Das Aus nach zehn Wochen, nach genau genommen 76 Tagen. Twitter überschlug sich: Panik hier, Häme da, verzweifelte Versuche einer ersten Einordnung dort. Sicherlich lief es zuletzt sportlich nicht mehr so erfolgreich wie im Hinrunden-Endspurt unter Klinsmann: in den letzten fünf Spielen vor Jahresende holte die Mannschaft unter ihm sehr solide acht Punkte, doch in den vier Partien in 2020 nur vier Zähler, zusätzlich das Pokal-Aus auf Schalke. Und klar, die 1:3-Heimniederlage gegen Mainz 05 war enttäuschend. Doch all das konnte doch nicht diesen plötzlichen Rücktritt erklären, oder? Schließlich präsentierte sich Klinsmann in den Tagen nach der Pleite noch gewohnt positiv gestimmt und beteuerte in seinem Facebook-Live vom Montag die gute Entwicklung der Mannschaft. „Die nächsten Spiele werden nicht einfach, aber wir sind insgesamt auf dem richtigen Weg und guter Dinge, dass wir noch mehr Punkte einfahren werden“, so seine Prognose. Wie üblich schien Klinsmann alles locker zu nehmen und gute Stimmung zu verbreiten. Zu dem Zeitpunkt, als er in seinen Laptop grinste, stand seine Entscheidung, zurückzutreten, aber schon fest. „Aaand the Oscars goooeees tooo …“

Doch auch der Verein selbst wurde ob dieser Entscheidung lange im Dunkeln gelassen. Klinsmann verkündete sein Ende als Cheftrainer eigenmächtig auf Facebook und ließ den Hertha-Verantwortlichen gar keine Chance, die Sache einigermaßen souverän über die Bühne zu bringen. „Wir sind von dieser Entwicklung am Morgen überrascht worden. Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen“, erklärte Geschäftsführer Sport Michael Preetz ein paar Stunden nach dem Facebook-Beitrag Klinsmanns. Bis dahin ist Klinsmann also schlechter Stil und dem Verein größeres Chaos zu attestieren. Besonders, wenn man erfährt, dass Investor Lars Windhorst bereits Montagabend von Klinsmann über dessen Entscheidung informiert wurde und dieser es obendrein nicht für nötig hielt, mal selbst den Hörer in Hand zu nehmen und die Berliner Verantwortlichen zu informieren. Doch sollte das alles fast nur die Spitze Eisbergs sein, auf den die „alte Dame“ zusteuert. Denn wie mittlerweile klar ist: das Klinsmann-Aus resultierte aus einem scharfen Machtkampf.

Klinsmann ging es nicht um Hertha

Wie mehrere Medien berichten und Klinsmann mittlerweile in einem fragwürdigen Bild-Interview bestätigt, soll er für die kommende Saison geplant haben, zum in England bereits etablierten Job des „Teammanagers“ aufzusteigen, sprich weiterhin Cheftrainer Herthas zu sein, aber auch deutlich mehr Kompetenzen im Gestalten der Hertha-Zukunft zu erhalten und somit auch deutlich in den Aufgabenbereich von Michael Preetz einzugreifen. „Nach meinen Verständnis sollte ein Trainer die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers.“ Hinzu sollte eine Gehaltvorstellung kommen, die jeglichen Realitätssinn vermissen ließ. An diesem Punkt wurde es den alten Hertha-Kräften um Preetz und Präsident Werner Gegenbauer zu bunt. Sie verwiesen darauf, dass zunächst einmal der Klassenerhalt gesichert werden müsste, um die sportliche Situation neu zu bewerten und die zukünftige Ausrichtung zu planen. Dieses Machtwort veranlasste Klinsmann, unverzüglich hinzuschmeißen und den Verein – so deutlich muss man es sagen – im Stich zu lassen. „Die Anhänger, die Spieler und die Mitarbeiter sind mir in dieser Zeit natürlich ans Herz gewachsen und deshalb werde ich weiter mit der Hertha fiebern“, heißt es in seiner Rücktrittserklärung. Nein, Jürgen, hier ging es dir nur um dich. Sei ehrlich, du hast dich daran berauscht, doch noch einmal Trainer eines Bundesligisten sein zu dürfen, nachdem dein Ruf durch das Bayern-Intermezzo so gelitten hatte. Du hattest die große Bühne vermisst, wolltest deinen Namen über dem „spannendsten Projekt Europas“ hängen haben und als großer Macher glänzen, der den schlafenden Riesen aus Berlin emporsteigen lässt. Hertha war Mittel zum Zweck, um deinen Namen im deutschen Fußball reinzuwaschen, doch als man dir zum ersten Mal „nein“ sagte, bist du gegangen.

Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images

Wer nach zehn Wochen hinschmeißt, weil der Verein sich nicht seinen Allmachtsfantasien hingeben will, dem geht es nicht um die Sache. Nein, hier erkennt man den fehlenden Respekt vor dem Verein Hertha BSC. Anstatt seinen Stolz runterzuschlucken und den Klub, wie versprochen, vor dem Abstieg zu bewahren, bockt Klinsmann lieber rum und stellt sich über diesen. „Wenn ich etwas übernehme, mache ich das nicht halb“, posaunte er bei seinem Amtsantritt im November noch herum. Soviel dazu. Ohnehin entpuppen sich die vielen Aussagen des Sommermärchen-Machers mit dieser Aktion als heiße Luft und Wichtigtuerei. Nein, was hatte Klinsmann mit Hertha nicht alles vor. Dieses Jahr Klassenerhalt, ab nächstem Jahr Europa und irgendwann die Weltherrschaft. Natürlich schreckte man auch als Hertha-Fan bei diesen Aussagen auf, doch irgendetwas in einem freute sich über diese Ambitionen. Lange genug hatte man das Dasein als „graue Maus“ der Liga gefristet, lange genug wurde man für eben jenes kritisiert. Mit Klinsmann schien ein neues Zeitalter angebrochen zu sein, er schien den Verein, der schon viel zu lange in seiner eigenen Suppe schwamm, aufzuwecken. Da störten seine regelmäßigen Ausbrüche des Größenwahns kaum, denn endlich passierte etwas in dem Verein. Alte Strukturen wurden aufgebrochen, neues Personal eingestellt und angefangen, eine neue Mentalität zu etablieren. All das kann man auch machen, wenn man mit ganzem Herzen bei der Sache ist und eben nicht nach zehn Wochen wieder geht. Mein Gott, habe ich mir bei allen Zweifeln einfach nur gewünscht, dass das alles klappt und man das Gegenbeispiel zu einem Hamburger SV, 1860 München oder Hannover 96 werden könnte. Wie blöd ich mir jetzt vorkomme, Klinsmann und seine Rhetorik so lange verteidigt zu haben. „Lasst ihn doch erstmal machen“, „Ist doch gut, dass jetzt mal Schwung reinkommt und neue Wege gegangen werden“ – ich fühle mich peinlich berührt. Weil ich ihm auf den Leim gegangen bin, wie so viele andere auch. Der Sommermärchen-Macher weiß nun einmal um sein Charisma.

Der Machtkampf mit Windhorst

Stattdessen fühlt es sich so an, als wenn einem mehrere Teller mit Spaghetti Bolognese, auf die man sich riesig gefreut hatte, runtergefallen und man versteinert auf seinen Küchenboden voller Scherben und verteiltem Essen blickt, weil man nicht weiß, wo man überhaupt anfangen soll. Denn was bleibt? Klinsmann hat in seiner Zeit als Cheftrainer etliche (verdiente) Spieler wie Salomon Kalou und Ondrej Duda vom Hof gejagt, weil sie angeblich nicht sein Konzept (was auch immer das beinhaltet) gepasst haben sollen. Ganze Räumlichkeiten des Vereinsgeländes wurden nach seinen Vorstellungen umgestaltet. Zudem wurden 75 (!) Millionen Euro im Winter für Neuzugänge ausgegeben, die allesamt angegeben haben, auch wegen des Namens Klinsmann nach Berlin gewechselt zu sein. Insgesamt vier Spieler hat man hinzugeholt und sieben abgegeben – alles auf Klinsmanns Wunsch hin. All das, damit er nach fünf Spielen im Jahr 2020 hinschmeißt und damit seinem Egoismus freien Lauf lässt. Klinsmann hat einen absoluten Scherbenhaufen hinterlassen.

Foto: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images

Dass man sich ihm zunächst so ausgeliefert hatte, kann der Vereinsführung sicherlich negativ ausgelegt werden und erhält durch die Windhorst-Komponente noch eine weitere Dimension. Der Investor, der im zurückliegenden Sommer für 225 Millionen Euro 49,9 Prozent der Anteile der Hertha BSC KGaA erworben hatte, hatte Klinsmann als seinen engen Vertrauten bei Hertha installiert – erst als Aufsichtsratsmitglied, dann als Cheftrainer. Die beiden befanden sich stets im engen Austausch – so verwundert es auch nicht, dass Windhorst vor den Hertha-Verantwortlichen vom Klinsmann-Aus wusste. Auch wenn Preetz immer wieder betonte, wie lange er und Klinsmann sich bereits kennen und über etwaige Möglichkeiten der Zusammenarbeit diskutierten, so ist festzuhalten, dass Klinsmann ein Windhorst-Mann ist. Wie Klinsmann mit dem Klub in nur zehn Wochen umspringen durfte und dass er nahezu keinen Stein auf dem anderen ließ, ist somit der feste Beweis für den bereits riesigen Einfluss Windhorts. All das, vor dem man im Vorfeld bei solch einem Investor gewarnt wird, scheint sich bewahrheiten. Schritt für Schritt wird versucht, Einfluss auf die sportlichen Geschicke des Vereins zu nehmen und seine eigenen Leute in das Projekt einzubauen. „Wir sind nicht Spielball, sondern Treiber dieser Entwicklung“, beteuerte Präsident Gegenbauer auf der Mitgliederversammlung im November letzten Jahres. Durch die Ereignisse der letzten Monate lässt sich diese Aussage mehr als nur anzweifeln. Womöglich ist den Verantwortlichen durch den nimmersatten Machthunger Klinsmanns endlich klar geworden, dass Lars Windhorst alles andere als ein stiller Teilhaber ohne eigene Vorstellungen ist. Aktuell zeichnet sich ein deutlicher Machtkampf zwischen dem „alten“ Hertha-Lager und den neuen Mächten ab. Öffentlich wird zumindest das Bild vermittelt, momentan eher gegen- als miteinander zu arbeiten.

Auch Preetz gibt ein schlechtes Bild ab

Natürlich muss auch die Personalie Michael Preetz noch kritisch aufgegriffen werden. Sieht man die einstige Entscheidung, Jürgen Klinsmann als Übungsleiter zu installieren, als reine Trainerwahl an, hat Herthas Geschäftsführer einmal mehr aufs falsche Pferd gesetzt – in der laufenden Saison nach Ante Covic sogar zum zweiten Mal. Funkel, Babbel, Skibbe, Rehhagel, Luhukay, Covic und Klinsmann – bis auf Pal Dardai sind sämtliche Trainer unter Preetz gefloppt oder haben sich nicht nachhaltig halten können. Einzig die ungarische Vereinsikone hat eine Ära prägen können und auch hier ließ sich nicht von der Weitsicht Preetz‘ reden, da dieser Dardai zunächst als reinen Feuerwehrmann installierte und es sich als überraschender Glücksfall hinausstellte, dass er viereinhalb Jahre lang insgesamt erfolgreich arbeitete. Dardai war einst die letzte Patrone von Preetz, der sich nach der vergangenen Saison entschied, dass die Entwicklung unter Dardai nicht steil genug voranschritt. Dafür gab es sicherlich stichhaltige Argumente und auch ich selbst glaube nach wie vor, dass Dardai seinen Zenit bei Hertha erreicht hatte. Entscheidet man sich aber bewusst dafür, den eigenen Trainer „ohne große Not“ vor die Tür zu setzen, um nun den nächsten Entwicklungsschritt einzuläuten, dann muss man auch liefern – sprich eine große Lösung mit Signalwirkung präsentieren.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Letztendlich wurde es Ante Covic, den man aufgrund seines Stallgeruches als Wunschlösung präsentierte. Schnell wurde jedoch klar, dass die große Bundesliga-Bühne mit all ihren Aufgabenbereichen eine Nummer zu groß für den einstigen U23-Trainer Herthas war. Nach nur vier Monaten und zwölf Ligaspielen trennte man sich von Covic, der offensichtlich überfordert war. Es ist einer der wichtigsten Aufgaben des Managers, den richtigen Trainer auszuwählen, doch einmal mehr hatte Preetz in dieser Hinsicht versagt. Es sollte zu seinen Kompetenzen gehören, so etwas wie den Fall Covic vorauszuahnen und sich dementsprechend von Anfang an für einen anderen Trainer zu entscheiden. Stattdessen war die Berliner Schnauze einmal mehr größer als die Realität, denn Preetz lief mit der Entscheidung für Covic mit Ansage in die Kreissäge und hatte den Verein somit einmal mehr in den Abstiegskampf geführt – der Moment, in dem man sich verzweifelt an Klinsmann wandte und erneut einen Schritt näher an den Abgrund trat. Die ganze Causa Klinsmann hätte mit einer vernünftigen Trainerwahl im vorangegangenen Sommer verhindert werden können, so ist man aber Opfer seiner eigenen Taten geworden. Einmal mehr hat Preetz alle Warnsignale ignoriert und mangelndes taktisches Geschick bewiesen.

Es gibt zwei Lesarten des Machtwortes der Hertha-Verantwortlichen. Entweder hat Michael Preetz dem Größenwahn Klinsmanns Einhalt geboten und noch schlimmeres verhindert, oder aber er hat nur seine eigene Haut gerettet. Preetz ist schließlich schon öfter nachgesagt worden, sich krampfhaft an seinen Posten zu klammern und nichts zuzulassen, dass ihn in seiner Bedeutung für den Verein schwächen könnte. So wird es kein Zufalle gewesen sein, dass “Performance-Manager” Arne Friedrich erst mit dem Amtsantritt Klinsmann im Verein untergebracht wurde. Friedrich ist eine Identifikationsfigur des Vereins, die man viel früher hätte binden können, doch besteht die Möglichkeit, dass Preetz dies aktiv geblockt hat. Das mag Kaffeesatzleserei sein, aber ein anderes Bild wird von Preetz nicht vermittelt. Am Donnerstag (11.30 Uhr) wird es eine Pressekonferenz mit Preetz, Präsident Werner Gegenbauer und Investor Lars Windhorst geben, die eventuell noch mehr Aufschluss gibt. Präsentiert man sich als Einheit oder gibt man einmal mehr ein katastrophales Gesamtbild ab?

Was bleibt?

Jürgen Klinsmann, der sein Engagement im nachhinein als „Himmelfahrtskommando“ bezeichnet hat, soll sich übrigens bereits auf dem Weg in die kalifornische Wahlheimat befinden. Der Enkeltrick bei der Berliner „alten Dame“ hat nicht geklappt. Was bleibt, ist ein teurer und nach seinen Wünschen zusammengewürfelter Kader mit einigen unzufriedenen weil unfair behandelten Spielern, ein kompletter Betreuerstab ohne genaue Zukunft und eine taktisch heruntergewirtschaftete Mannschaft, die außer solidem Verteidigen nichts neues dazugelernt hat. Also nichts. Oder eigentlich sogar weniger als nichts. Hinzukommt nämlich noch ein massiger Imageschaden für Hertha (also eigentlich beide Seiten), der es dem Verein immens schwermachen wird, in Zukunft Verhandlungen mit Spielern und Trainern zu führen. Also danke für nichts, Jürgen. Das „HaHoHe“ am Ende deines Facebook-Posts hättest du dir sparen können, denn ein Herthaner warst du nie und wirst du auch nie sein. Es ist nämlich absolut unvorstellbar, dass er wie angekündigt noch einmal als Aufsichtsratsmitglied fungieren wird. Nach dieser Aktion ist keine weitere Zusammenarbeit denkbar. Das blau-weiße Tischtuch ist zerschnitten. Um es noch einmal zusammenzufassen: Klinsmann kam, erhielt ohnehin schon mehr Kompetenzen als andere Bundesliga-Trainer, durfte im Winter mehr Geld als jeder (!) andere Verein der Welt ausgeben, schmeißt dann nach fünf Spielen in 2020 hin, weil er verrückterweise nicht die Vereinsführung übernehmen durfte, verkündet unabgesprochen sein Ende per Facebook und erdreistet sich dann auch noch, nicht einmal einen Tag später per Interview nachzutreten. Das ist so schäbig, da fehlen einem die Worte.

Und Hertha? Der Verein hat sich in den letzten Monaten so oft der Lächerlichkeit preisgegeben, dass ich schon gar nicht mehr mitzählen kann. Es ist seit längerem einfach nur beschämend, Fan dieses Vereins zu sein und so langsam verliere ich auch die Lust daran. Früher war man den anderen zumindest egal, nun ist man die Lachnummer der Liga. Alles, was man sich in den letzten Jahren so mühsam aufgebaut hat, scheint man sich innerhalb von wenigen Monaten mit Arsch eingerissen zu haben. Die nächsten Entscheidungen müssen sitzen, sonst wird dieser Klub unter dem Druck des eigenen Anspruches kollabieren. In der Windhorst-Spirale kann es nur nach oben oder unten gingen, aber Mittelmaß ist keine Möglichkeit mehr.

Endlich wieder Samba

Endlich wieder Samba

Ich prophezeie: die vergangene Woche wird nicht wegen des unwürdigen Abgangs von Jürgen Klinsmann in Erinnerung bleiben, sondern weil am Mittwoch Matheus Cunha endlich in Berlin landete und drei Tage später sofort in die Startelf gegen den SC Paderborn rückte. Der Brasilianer belebte sofort das Spiel der Herthaner und erzwang mit einem artistischen Hackenschuss den 2:1 Siegtreffer für die Berliner. Dazwischen sprintete er den Platz auf und ab, grätsche Gegner am eigenen Strafraum ab und sorgte mit einigen härteren Fouls für Aufregung. Endlich ist wieder Samba im Berliner Spiel.

Photo by Sandra Behne/Bongarts/Getty Images

Ich bin zu einer Zeit mit Hertha sozialisiert worden, als noch Alex Alves der Rekordtransfer für Hertha BSC war. Eine meiner frühesten bewussten Erinnerungen an ein Herthaspiel im Olympiastadion ist sein legendäres Anstoßtor gegen den 1. FC Köln im September 2000 (Oh Gott, ist das wirklich schon so lange her?). Der Brasilianer Alves war das Versprechen auf eine glorreiche Zukunft für Hertha (Geschichte wiederholt sich anscheinend doch) und er löste dieses Versprechen ein: 35 Tore und 19 Vorlagen in insgesamt 108 Spielen für die Blau-Weißen. Er sorgte dafür, dass dem Spiel von Hertha immer etwas verrücktes, etwas unberechenbares innewohnte – im guten wie im schlechten Sinne. Hertha BSC wurde wegen Alex Alves wahrgenommen. Mit ihm öffnete sich für Hertha BSC die Tür zur schillernden Fußballkultur Brasiliens.

Dann kam 2001 Marcelinho dazu. Mit ihm erhielt das Mittelfeld von Hertha einen brasilianischen Herzschlag – quasi Samba auf dem Platz. Sein Spiel war so vielseitig und kreativ wie die Farbe und Formen seiner Frisur. Man konnte bei jedem seiner Schritte, Pässe und Torschüsse seine Liebe zum Fußballspielen sehen und fühlen. Er machte Dinge mit dem Ball, die niemand anderes konnte oder sich traute. Marcelinho hob Hertha BSC auf ein höheres Niveau, mit ihm schlossen die Berliner die Spielzeiten zweimal auf Platz 4, einmal Platz 5 und einmal Platz 6 ab. Insgesamt erzielte er für Hertha BSC in 193 Spielen unglaubliche 79 Tore und 60 Torvorlagen.

Duda, Grujic und co. reichten nicht

Photo by Christian Fischer/Bongarts/Getty Images

Der nächste prägende Brasilianer in Berlin war dann Raffael (dazwischen gab es natürlich noch Gilberto und Mineiro – auch sie waren große Spieler). Raffael war die etwas seriösere, strategischere Version eines Brasilianers – gleichzeitig hatte er aber auch das spielerisch Leichte. Auch er dominierte das Offensivspiel der Herthaner über Jahre hinweg mit seinen 39 Toren und 31 Vorlagen in insgesamt 163 Spielen. Das Raffael mittlerweile noch bessere Zahlen im Trikot der Gladbacher (198 Spiele, 71 Tor und 35 Vorlagen) auflegt, bricht mir übrigens ein wenig das Herz. Der notwendige Verkauf von Raffael im Jahr 2012 war die eigentliche Tragödie des Abstiegs in der Saison 2011/12. Hätte er bei Hertha bleiben können, er wäre heute wahrscheinlich eine Berliner Legende und die Goldelse längst durch eine Statue von ihm ersetzt worden.

Selbst Ronny, Raffaels kleinerer und kräftigerer Bruder, hat für Zauber und Magie bei Hertha gesorgt. Er war der Lichtblick in der trostlosen Zweitliga-Saison 2012/13, in der er mit 18 Toren und 14 Vorlagen (darunter fünf direkt verwandelte Freistöße) quasi im Alleingang den sofortigen Wiederaufstieg und damit das Überleben von Hertha BSC sicherte. Auch Ronny war für mich die Garantie, dass jederzeit etwas magisches auf dem Platz passieren kann. Ein Pass, den nur Brasilianer aus dem Fußgelenk zaubern können. Ein Fernschuss aus scheinbar unmöglicher Position, der dann doch seinen Weg in das Tor fand. Ein ruhender Ball, der durch Ronny auch immer eine berechtigte Hoffnung auf ein Tor bedeutete.

Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Und dann kam eine lange Durststrecke. Dem Berliner Spiel fehlte über Jahre hinweg dieses gewisse “Etwas”, das spielerisch Besondere. Niemand außer uns Herthafans schaute gerne unsere Spiele. Zu grau, zu unkreativ, zu langweilig, zu eintönig im Offensivspiel. Am ehesten hatte man zuletzt dieses Besondere von Duda erwartet (der Name klang schonmal etwas brasilianisch). Doch Duda konnte diese Hoffnungen nicht erfüllen, weil er zu oft an sich und/oder dem Trainer Pal Dardai und dessen Spielidee scheiterte. Auch Grujic war auch so ein Versprechen. Der Serbe konnte lediglich eine dreviertel Saison lang beweisen, dass er potentiell “der beste Mittelfeldspieler” seit Marcelinho sein könnte.

Cunhas spektakuläres Debüt in Paderborn

Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Jetzt aber Cunha – der bereits 16. Brasilianer in Blau-Weiß. Er war in seinem ersten Spiel für Hertha an fast allen gefährlichen Szenen gegen Paderborn beteiligt, überzeugte durch Technik und Spielwitz. Ich hatte sofort das Gefühl, dass das Spiel der Hertha wieder das besondere “Etwas” hatte. Sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Ganz vielleicht hat sich Hertha BSC im Winter 2020 ein kongeniales Stürmerduo zusammengekauft. Hier der seriöse Torjäger Krzysztof Piatek (dessen Vorbild Robert Lewandowski ist) und da der dynamische, verspielte Cunha, der Leidenschaft und etwas Verrücktes reinbringt. Wir erinnern uns daran, dass er in einer Szene lieber den lässigen Lupfer als den trockenen Torschuss versucht. Nur ein Brasilianer ist wohl physisch in der Lage mit der Hacke so einen Torschuss zu platzierten, der dann die 2:1 Führung für die Berliner bedeutete.

Ich bin jedenfalls begeistert. Cunha lässt mich an Alves, Marcelinho und Raffael zurückdenken und gibt mir Hoffnung für zukünftig mehr Kreativität im Berliner Offensivspiel. Endlich wieder Samba auf dem Feld. Das ist doch, in den aktuell so turbulenten Zeiten für Hertha, schonmal ein Anfang. Zwar gab es in Herthas Vergangenheit auch weniger erfolgreiche Transfers aus Brasilien wie etwa einen Andre Lima oder Kaka, aber Cunha hat bereits in 90 Minuten bewiesen, dass er wohl endlich wieder ein Positivbeispiel sein kann.

Ein Abend, der bleibt

Ein Abend, der bleibt

Das emotionale Weiterkommen im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden kann dem Verein einen unschätzbaren Auftrieb geben. Und auch wenn nicht, wird dieser intensive Abend in den Gedächtnissen bleiben. Ein Kommentar.

Wenn wir uns auf diesem Blog nach Spielen melden, dann meist mit einer Einzelkritik. Dazu werden Statistiken gebolzt, individuelle und mannschaftstaktische Aspekte analysiert und versucht, in den Kontext des Spiels einzubinden. Doch nicht nach diesem Mittwochabend, nicht nach solch einem unfassbaren Stück Fußball.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

So könnte man sicherlich kritisch hinterfragen, warum es Hertha mit 63% Ballbesitz, 55% gewonnen Zweikämpfen und 28 zu 13 Schüssen (zwölf zu drei aufs Tor) nicht geschafft hat, den Tabellenvorletzten der zweiten Liga zu Hause souverän zu schlagen und wieso es stattdessen drei Gegentore, zwei Rückstände, 120 Minuten und ein Elfmeterschießen gebraucht hat, um die Sachsen niederzuringen. Auch könnten Einzelaktionen wie Starks Einsteigen vor dem Elfmeter zum 2:2 oder Krafts misslungenem Abwehrversuch des Tores zum 2:3 nun zerpflückt werden. Dass Hertha am Mittwochabend nicht alles richtig gemacht und es einmal mehr an der miesen Chancenverwertung und mangelhaften Abwehrarbeit gekrankt hat, ist wohl unstrittig.

So hat sich die Partie im ersten Durchgang wie eine Kopie des letzten Ligaspiels gegen Hoffenheim angefühlt, in welchem sich Hertha ebenfalls nicht für eine starke Anfangsphase mit Toren belohnt und anschließend den Faden verloren hatte. Ruhephasen wären grundsätzlich in Ordnung, würden sie, wie aktuell bei den Blau-Weißen, nicht mit Sicherheit in Gegentoren münden. So auch gegen Dresden geschehen.

Ein neues Selbstbewusstsein

Doch ein Fußballspiel ist manchmal auch einfach nur das, was man daraus nach dem Schlusspfiff macht. Und so dient dieser Kommentar nicht dazu, einmal mehr auf den offensichtlichen Defiziten der Mannschaft herumzuhacken, sondern dazu, die positiven Eigenschaften von Spielern und Trainer ins Flutlicht zu rücken. Oder um es ruppig zu formulieren: nach so einem Fußballfest ist es doch scheißegal, was genau weshalb nicht gepasst hat. Dinge können auch tot-analysiert werden, doch auch für einen Taktikliebhaber wie mir, der oft zur nüchternden Bewertung greift und Sachverhalte faktisch aufarbeiten will, fühlt sich das in dem Kontext dieser Pokalnacht unangebracht an.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Nein, lasst uns das Positive herausarbeiten, und das ist mit dem Wort “Mut” wohl durchaus passend getroffen. Das hatte bereits mit der Aufstellung begonnen, mit der Ante Covic eine klare Richtung vorgegeben hatte. Mit Dilrosun, Lukebakio, Kalou, Duda, Darida und Wolf hatte Herthas Trainer nahezu alles aufs Feld gestellt, das als “technisch beschlagen” eingestuft werden kann. Covic wollte gegen Dresden Fußball spielen lassen, die individuelle Überlegenheit seiner Mannschaft selbstbewusst präsentieren. Während ein Pal Dardai vor solch einem Spiel noch einen Abnutzungskampf ausgerufen und dem Gegner dann dadurch den Zahn gezogen hätte, dass man eben noch mehr kratzt und beißt, will Nachfolger Covic ganz bewusst das Spielerische in den Fokus rücken und einen individuell schwächeren Gegner lieber dominieren, als sich auf sein Niveau “herunterzulassen”.

Das ist eine erkennbare Entwicklung in der Haltung des Vereins. In den letzten Jahren ein Verfechter des Understatements, präsentiert sich Hertha nun mit breiter Brust. Wenn man Waffen wie Duda und co. hat, wieso diese dann nicht auch benutzen? Hört sich selbstverständlich an, wurde in den vergangenen Jahren jedoch deutlich konservativer gehandhabt.

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Blau-weißes Herz

Diese neue Mentalität, die wir bereits Mitte Oktober unter die Lupe genommen haben, hatte sich auch im Spiel gezeigt. “Das war ein unglaubliches Spiel. Ich denke, dass wir die Fans nicht nur verwöhnt haben, aber am Ende sind wir weitergekommen – das zählt. Wir haben nach den Rückschlägen weiter an uns geglaubt und uns immer wieder Torchancen erspielt”, sagte Marko Grujic nach dem Spiel. Und tatsächlich war es beeindruckend zu sehen, wie die Mannschaft trotz des so bescheidenen Spielverlaufs immer wieder zurückkam und sich nicht von der Hoffnung verabschiedete, den Platz noch als Sieger zu verlassen.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

“Wir wissen, was wir nach Rückstand tun müssen, um ein Spiel noch umzubiegen. Auch nach dem 2:3 haben wir den Glauben nicht verloren. Ich bin unheimlich stolz auf die Truppe, auch wenn die Art und Weise des Weiterkommens nicht gut für die Nerven war”, erklärte Covic. Acht Rückstände in elf Pflichtspielen sind zwar eine miserable Bilanz, sorgen in solchen Momenten wohl allerdings für eine gewisse Ruhe. Und so spielte Hertha trotz fortlaufender Rückschläge weiter Fußball, lief unermüdlich an, ließ nie den Kopf hängen – es sollte sich lohnen.

Es war schlichtweg imponierend, welch großes blau-weißes Herz die Mannschaft am Mittwochabend zeigte, mit welch unbedingtem Kampfes- und Siegeswillen sie die widrigen Umstände der Partie einfach nicht akzeptieren wollte. Sinnbildlich dafür stand Jordan Torunarigha, der nach einem Zweikampf aufgrund von Schmerzen zwischendurch kaum noch laufen konnte, jedoch auf dem Platz blieb und den Ball in der 120. Minute zum 3:3 in die Maschen drosch. Es hätte an diesem Abend genügend Gelegenheiten gegeben, den Kopf in den Sand zu stecken, doch anders als in den vergangenen Jahren kapitulierte man nicht. “Es ist nämlich ein immer wiederkehrendes Charakteristikum dieser Mannschaft, sich großen Widerständen gegenüber zu ergeben, anstatt gegen sie anzukämpfen”, schrieb ich im noch im November 2018 – davon war am Mittwoch nichts mehr zu sehen. Stattdessen hat man eine Mannschaft gesehen, die alles für den Sieg geopfert, nie den Glauben verloren und es einfach erzwungen hat.

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Ein Sieg, sie alle zu tragen

Und so steht Hertha BSC im Achtelfinale des DFB-Pokals, nachdem man sich gegen einen Zweitligisten durchgesetzt hat. Ganz nüchtern betrachtet klingt dies nach keinem Grund, frenetisch zu jubeln, doch ist dieses Weiterkommen potenziell so viel mehr wert.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Zum einen, weil Hertha es endlich einmal geschafft hat, den großen Rahmen eines Spiels mit fußballerischem Leben zu füllen und der allgemeinen Wahrnehmung als “graue Maus” nun wirklich nicht gerecht zu werden. Olympiastadion, 70.000 Zuschauer (darunter 35.000 Dresdner, die der Partie eine noch dichtere Atmosphäre schenkten), Flutlicht, K.O.-Spiel – alles stand für einen großen Abend bereit. Und Hertha wusste diese Rahmenbedingungen zu nutzen, indem es einen der spektakulärsten Pokalspiel der letzten Jahre ablieferte. “Die Kulisse war der Wahnsinn – ich glaube, ich habe noch nie vor so vielen Fans gespielt. Das gibt einem unglaublich viel Motivation”, zeigte sich Dodi Lukebakio begeistert.

Es gibt so Spiele, die bleiben einfach in Erinnerung. Diese “Weißt du noch damals, als …?”-Spiele. Hertha produzierte in den vergangenen Jahren nicht allzu viele von diesen Erinnerungen, zumindest nicht in positiver Hinsicht. Doch Partien wie die am Mittwochabend bleiben. Sie werden zu Geschichten, zu Legenden, zu Gründen, die man aufzählt, warum man Anhänger dieses Vereins ist. Fußball ist Theater, Fußball ist Storytelling, und Hertha hat mit dem 8:7 n.E. gegen Dynamo Dresden ein dramaturgisches Meisterwerk auf die Bühne gebracht. Das soll keine unkritische Schönmalerei sein, Hertha hätte das Spiel auch souveräner hinter sich bringen oder sogar verlieren können, doch ein Fußballspiel ist manchmal eben auch einfach nur das, was man nach dem Schlusspfiff daraus macht. Und in Jahren wird man sich nicht an die zahlreichen liegengelassenen Torchancen oder Krafts Patzer erinnern, sondern an Torunarighas Last-Minute-Tor, den Elfmeterkiller und wie laut das Olympiastadion denn tatsächlich werden konnte. Diese Erinnerungen bleiben, alles andere verblasst.

Erfolgreiche Generalprobe fürs Derby

Ein anderer Aspekt ist das bevorstehende Spiel für die “alte Dame”. Das lang ersehnte und medial bereits aufgebauschte Stadtderby mit Union Berlin wirft bereits seit einigen Tagen seinen Schatten voraus und drohte den Fokus aufs Pokalspiel sogar leicht zu verrücken. Doch anstatt sich von der Partie in Köpenick verrückt machen zu lassen, nutzte Hertha die Begegnung mit Dresden dazu, sich für eben jenes Derby einzustimmen.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Denn das Pokalspiel konnte durchaus als Generalprobe für den kommenden Samstag angesehen werden: ein individuell schwächerer Gegner, der vor allem über die Leidenschaft ins Spiel findet und von seinen lautstarken Fans angepeitscht wird – das trifft sowohl auf Dresden, als auch auf die “Eisernen” zu. Ich will ganz ehrlich sein, ich hatte meine Zweifel, ob Hertha im Derby an das vermeintliche Feuer der Unioner herankommen wird. Rennen sich ein Dilrosun oder Duda genauso die Seele aus dem Leib wie ein Parensen oder Polter? Gibt Hertha ebenso 110%? Ich bin mir nicht sicher gewesen und da das Derby vermutlich durch Attribute wie Kampf, Wille und Hingabe entschieden wird, sehe ich diese Fragen als entscheidend an.

Am Mittwoch hat mir das Team allerdings eindrucksvoll bewiesen, dass sie diese Attribute auch am Samstag auf den Platz bringen und Union keinen Meter schenken wird. “Das gibt uns so viel, vor allem im Hinblick auf das Derby. Wir haben das Spiel gewonnen, sind im Pokal weiter dabei und freuen uns jetzt auf Union. Das wird ein geiles Spiel, in dem wir Derby-Mentalität zeigen müssen”, sagte Davie Selke nach dem Pokal-Weiterkommen. Diese “Derby-Mentalität” haben die Jungs in blau-weiß auf ganzer Linie bewiesen und somit äußerst gute Voraussetzungen für das Spiel in der Alten Försterei geschaffen. “In zwei Tagen werden wir wieder so fit sein, dass wir bei Union alles geben können, so ein Sieg kann auch beflügeln. Auf das Derby ist jeder heiß. Solche Spiele kitzeln aus einem nochmal ein paar Prozente raus”, so Marius Wolf. Ich habe ebenfalls nicht die Sorge, dass Hertha aufgrund der 120 Minuten in den Beinen zwangsläufig einen spürbaren Nachteil haben muss – stattdessen hoffe ich, dass der Eintracht-Frankfurt-Effekt einsetzt. Bei den Hessen sind seit längerer Zeit trotz immens vieler Spiele kaum Ermüdungserscheinungen zu erkennen, da die Europa-Nächte sie eher beflügeln als belasten. Diesen Antrieb erhoffe ich mir von dem Sieg über Dresden, sodass auch der Abend gegen Union einer ist, der bleibt.

Mentalitätsfragen

Mentalitätsfragen

Für den jüngsten Höhenflug von Hertha BSC (drei Spiele – drei Siege) gibt es diverse Erklärungsansätze. Trainer Ante Covic hat seine Taktik angepasst, seine Einwechslungen fruchten endlich (Köln! Ibisevic! Ein Traum!), Spiel- und Schiriglück (u.a. Skjelbreds Handspiel im Berliner Strafraum gegen Düsseldorf) und mit Javairo Dilrosun hat die Mannschaft endlich einen Unterschiedspieler, der sie auf ein anderes Niveau hebt.

Dilrosun – Garant für die jüngsten Erfolge. (Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images)

Doch noch eine Sache hat sich verändert. Etwas, was man nur schwer fassen und noch schwerer erklären kann. Ein Begriff, der nur allzu gerne rausgeholt wird, wenn es mal nicht so läuft. Etwas was oft nur dann thematisiert wird, wenn angeblich zu wenig davon da ist. Auch ich meide diesen Begriff eigentlich konsequent. So war – meiner Meinung nach – die schwache Rückrunde unter Pal Dardai nicht in erster Linie auf die angeblich mangelnde Mentalität der Mannschaft zurückzuführen, sondern auf ein strukturelles Problem, welches viel mit Dardai als Trainer und seiner Taktik sowie verletzten bzw. formschwachen Spielern zu tun hatte.

Jetzt ist es raus: in dieser Kolumne soll es um Mentalität gehen. Doch was soll das eigentlich sein, diese “Mentalität”?

Men­ta­li­tät, die (Substantiv, feminin)

Geistes- und Gemütsart; besondere Art des Denkens und Fühlens.

Mentalität ist eine bestimmte Geisteshaltung gegenüber den Widrigkeiten im Leben im allgemeinen und auf dem Fußballplatz im speziellen. Und hier hat sich bei Hertha in den vergangenen Wochen merklich etwas geändert.

Paderborn und Düsseldorf sind auch Siege des Willens

Das Spiel gegen Paderborn war spielerisch eine Bankrotterklärung – dass Covics Mannschaft in diesem entscheidenden Spiel jedoch nach dem Anschlusstreffer die Nerven behielt und nicht noch den Ausgleich kassierte, ist ihr hoch anzurechnen. Der Sieg in Köln bewies, dass die fußballerischen Ansätze aus der Vorbereitung auch in der Bundesliga funktionieren, dass mutiger Fußball sich lohnt. Und im Heimspiel gegen Düsseldorf ließ sich das Team nicht vom Führungstreffer der Gäste beeindrucken, sondern spielte konsequent weiter nach vorne und sicherte sich so den zweiten Heimsieg der Saison. Die Mannschaft hat gelernt, dass sie gemeinsam (mit diesem Trainer) etwas bewegen kann. Dass sie Widrigkeiten (schlechter bzw. unglücklicher Saisonstart; Gegentore etc.) überwinden und Erfolg haben kann.

Das Team hat endlich eine gefestigte Achse

In meinen Augen die Gründe für diese bemerkenswerten Leistungen in der aktuellen Zusammenstellung der Mannschaft. Covic hat endlich eine gute Mischung gefunden, in der Spieler wie Jarstein, Boyata, Skjelbred, Darida, Wolf aber auch Ibisevic und Selke im mentalen Bereich beispielhaft vorangehen. Sie stützen somit das Team und ermöglichen, dass Javairo Dilrosun mit seiner leichtfüßigen Spielweise glänzen kann. Ebenso kann Mittelfeldstratege Marko Grujic zwischen den Kämpfern und Dauerläufern Skjelbred und Darida sich darauf konzentrieren, die so wichtige Verbindung zwischen Abwehr und Angriff zu sein. Er kann die Verantwortung für das Spiel ruhigen Gewissens an seine offensiveren Mitspieler im Mittelfeld abgeben. Mit der späten Leihe von Marius Wolf konnte Manager Michael Preetz noch einen echten Mentalitätsspieler nach Berlin locken, der seit vier Spielen ein wichtiger Bestandteil des Teams ist, weil er sichtlich vorangeht.

Mentalitätsspieler Marius Wolf (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Halt für die jungen Spieler

Die jüngsten Siege und die Achse mit mental starken Spieler ermöglicht es, dass die jüngeren Spieler Sicherheit und damit an Stärke gewinnen. Bestes Beispiel ist hierfür Niklas Stark. Der Vizekapitän hat nach seinem schlechten Saisonstart (unter anderem ein Eigentor auf Schalke) neben dem erfahrenen Abwehrrecken Dedryck Boyata zu alter Stärke zurückgefunden und ist nun wieder einer der Leistungsträger im Team. Wenn die Mannschaft sich auch in Zukunft mental so gefestigt zeigt und an sich glaubt, wird es beispielsweise auch einem Ondrej Duda leichter fallen, zur Form der vergangenen Saison zurückfinden oder einem Selke dabei helfen, endlich seine Tore zu schießen.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Der verkorkste Saisonstart und die aktuellen Erfahrungen können der Grundstein dafür sein, dass Trainer und Mannschaft den Glauben an sich selbst und an ihre Fähigkeiten gefunden haben. Sie haben gelernt, dass es sich lohnt, den Widrigkeiten entgegen zu treten und damit in einer krassen Drucksituation Erfolge erzielt. “Es ist nämlich ein immer wiederkehrendes Charakteristikum dieser Mannschaft, sich großen Widerständen gegenüber zu ergeben, anstatt gegen sie anzukämpfen. Das erlebte man vor allem in der leblosen Rückrunde der vergangenen Spielzeit und auch im letzten Heimspiel gegen RB Leipzig, das mit dem Treffer zum 0:2 beendet war. Kein Aufbäumen, keine “jetzt erst recht”-Attitüde lässt sich erkennen”, schrieben wir nach dem letzten Hinrunden-Aufeinandertreffen mit Fortuna Düsseldorf (12. Spieltag), welches mit 1:4 verloren ging. Trainer Pal Dardai sagte damals: “Die Mannschaft aus diesem Loch, körperlich oder mental, herauszuführen, das ist das Wichtigste” – Nachfolger Covic scheint dieser Aufgabe bereits gerecht geworden zu sein.

Für meinen Teil kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: Hertha BSC in der Saison 2019/20 besitzt Mentalität.

Keep calm and carry on

Keep calm and carry on

Acht Gegentore. Zwei Niederlagen gegen Gegner auf vermeintlicher Augenhöhe. Nach drei insgesamt eher enttäuschenden Spieltagen werden die ersten Hertha-Fans nervös. Erste Zweifel am neuen Trainer Ante Covic werden formuliert, die Notwendigkeit des Trainerwechsels allgemein in Frage gestellt und mit Wehmut an die vermeintlich gute Zeit mit Pal Dardai gedacht.

Geduld und Ruhe sind jedoch die Tugenden der Stunde! Ja, es war nicht alles Gold in den vergangenen beiden Spielen, sondern eher (besonders in der Defensive) billiges Blech. Trotzdem sollte nicht zu früh der Stab über Ante Covic gebrochen werden. Dafür sprechen meiner Meinung nach mehrere Gründe.

Der Misserfolg hat viele (unglückliche) Gründe

Die sportliche Misere ist nicht allein auf strukturelle beziehungsweise taktische Gründe zurückzuführen, sondern beruht auch auf einer ganzen Menge individuelles Pech oder Unvermögen (je nachdem wie man es sehen möchte). Ohne die beiden unnötigen Eigentore von Karim Rekik und Niklas Stark hätte Schalke 04 wohl kein Tor in diesem Spiel geschossen. Auch das unsinnige Foul von Marko Grujic an Robert Lewandowski und der anschließende Elfmeter im Spiel gegen die Bayern wird in dieser Form wohl nie wieder passieren. Gegen Wolfsburg gerät Hertha dumm (Rekiks “Sprungtackle” führt zum Elfmeter) in Rückstand, drückt anschließend auf den Ausgleich und läuft schlussendlich in die Konter. That’s football.

Covic ist flexibel und lernfähig

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Ante Covic ist lernfähig und bereit, seinen und den Weg der Mannschaft an die aktuellen Probleme und Herausforderungen anzupassen. Als Zwischenbilanz nach den ersten drei Spielen erkannte und kommunizierte er die noch vorhandenen Unzulänglichkeit der Mannschaft: „Nach acht Gegentoren wäre es naiv, nicht an der Balance zu arbeiten – wir müssen als Verbund besser stehen.” Fehler zu erkennen und sie dann abzustellen sollte eigentlich eine selbstverständliche Grundtugend sein. Doch es gibt auch die krassen Gegenbeispiele wie beispielsweise im Jahr 2015, als VfB-Trainer Alexander Zorniger seinen Kamikaze-Spielstil bis zum bitteren Ende (seiner Entlassung) voll durchzog und trotz sportlichen Misserfolgen von seiner Philosophie nicht abrückte.

Für solch ein Verhalten gibt es aber auch in der jüngsten Hertha-Vergangenheit ein Beispiel: Pal Dardai. Nach den desolaten Spielen gegen Leipzig und Düsseldorf zeigte sich der Ungarn trotzig und realitätsfern. So sagte er beispielsweise nach der Heimpleite gegen Düsseldorf: „Es gibt keine Krise, das ist Hertha BSC … Wenn ich schaue auf gelaufene Kilometer, den Ballbesitz, gewonnene Zweikämpfe, Torschüsse, war das für Hertha-Verhältnisse ein sehr gutes Spiel. Dieses mal haben wir verloren.“ Solche Töne hat man von Ante Covic bislang noch nicht vernommen.

Covic hat noch genügend Patronen im Gürtel

Ante Covic ist zwar ein Neuling im Profitrainerbereich, hat aber als Jugendtrainer und Profispieler das Geschäft zu genüge kennengelernt. Ihm stehen noch ausreichend taktische, personelle und psychologische Kniffe zur Verfügung, mit denen er das Ruder rumreißen kann. Der Mannschaft fehlt es sichtbar an Mentalität? Dauerkämpfer- und renner Per Skjelbred sowie der wuchtige Marius Wolf sind jederzeit bereit. Niklas Stark und Karim Rekik stehen auf dem Platz weiter neben sich? Jordan Torunarigha und der wiedergenesene Dedryck Boyata sind bereit und heiß. Wenn Arne Maier zurückkehrt, hat Covic noch eine weitere wichtige Option, um das derzeit wackelige Mittelfeld zu stabilisieren. Covic will gegenüber dem Team ein Zeichen setzen? Ein neuen Kapitän zu benennen kann manchmal Wunder bewirken. Vedad Ibisevic weiß das am Besten. Der neue offensivere Ansatz funktioniert (noch) nicht? Die Rückkehr zum altbewährten 4-2-3-1 oder zur Fünferkette aus der vergangenen Saison sollten der Mannschaft nicht schwer fallen. Covic ist derzeit noch nett und stellt sich vor die Mannschaft, aber er wird auch sicherlich andere Saiten aufziehen können.

Dardai ist keine Alternative

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Ja, Pal Dardai hatte einen erholsamen Urlaub und möchte wieder – nicht morgen aber irgendwann – als Trainer arbeiten. Da liegt bei einigen der Gedanke nah, bei weiteren Misserfolgen Covic durch Dardai zu ersetzen. Quasi einmal “Zurück auf Los”. Doch das wird nicht passieren. Michael Preetz wird Covic nicht durch Dardai ersetzen – zu offensichtlich wäre damit das Eingeständnis eines Fehlers. Des Weiteren wäre Pal Dardai in der Saison 2019/20 nicht der Dardai, den wir alle kennen und schätzen gelernt haben. Rainer Widmayer, taktisches Pendant und Co-Trainer von Dardai, arbeitet mittlerweile in Stuttgart. Man wüsste also nicht, ob man “nur” den Motivations- und Mentalitäts-Pal zurückbekäme oder auch einen Trainer, der die Mannschaft mit taktischen Kniffen zu Siegen führt.

Auch wüsste man nicht, ob Dardai mit den Neuverpflichtungen wie Lukebakio, Löwen, Redan, Wolf und Boyata etwas anzufangen wüsste. Der Sinn dieser teilweise sehr teuren Investitionen stünde in Frage, denn jeder Hertha-Fan weiß zu genüge, was mit Spielern passiert, mit denen Dardai nichts anfangen kann. An dieser Stelle gehen Grüße raus Valentin Stocker in Basel und Sandro Wagner in Tianjin. Nicht zuletzt die Worte von Dardai selbst schließen eine Rückkehr als Hertha-Chefcoach aus. “Das war eine schöne Zeit bei Hertha, aber sicherlich war ich zum Schluss auch ein bisschen müde“, sagte der Ungar dem Tagesspiegel.

Keep calm and carry on

Es war klar, dass nach über vier Jahren Dardai-Ära der Umbruch nicht von heute auf morgen passieren würde. Deswegen plädiere ich dafür, Covic auch entsprechend Zeit einzuräumen, damit er mit der Mannschaft und dem Verein den erwünschten nächsten Schritt schaffen kann. Noch ist Hertha nicht verloren. Ante Covic ist ein junger Trainer mit großen Ideen und er verdient Unterstützung, aber vor allem Vertrauen – auch bei einer erneuten Niederlage, einem wackeligen Remis oder einem erstolperten Sieg gegen Mainz. Danach kommen weitere Spiele gegen schlagbare Gegner. Das Leben und der Spielplan gehen weiter und die Saison ist lang. Also ich bleibe ganz ruhig und entspannt.