Hertha BSC – Das Grab für jeden Optimisten

Hertha BSC – Das Grab für jeden Optimisten

Es ist 18:24, ich sitze von Bergen umringt an einem kleinen See auf ca. 1.500m Höhe in den französischen Alpen. Die Abendsonne scheint, man hört Vogelgezwitscher und die Welt scheint wunderbar und friedlich. Doch der Kontrast zwischen äußerer Umgebung und innerer Gefühlslage könnte größer nicht sein. Ein kleiner Text über den heutigen Spieltag, die Saison von Hertha und dem Leid eines Menschen, der sich selbst als Optimisten bezeichnen würde.

Hertha, du tust weh

Eigentlich hatte ich nicht geplant, in diesen Wochen einen Text für Hertha BASE zu schreiben. Befinde ich mich immerhin in meinen Flitterwochen und bereise Europa mit dem Wohnmobil. Daher kommt es auch, dass ich das letzte Saisonspiel meiner Hertha nicht gucken kann. Und wenn ich ehrlich bin, war ich froh drum. Ich wusste seit Tagen, dass das heute ein emotionaler Krimi wird, gänzlich unabhängig vom Ergebnis. Das hat Fußball halt so an sich und macht ihn besonders. Wir können mit ihm und durch ihn emotionale Höhen erleben, wie es kaum eine andere Sache auf der Welt vermag. Doch auf der anderen Seite kann er einem das Herz brechen, wie es ebenfalls nur wenige andere Dinge können. Und ein solcher Tag ist heute.

Sisyphos – nur anders

Wer mich ein wenig kennt, sei es über Twitter, die Podcastfolgen, den Blog hier oder auch persönlich, merkt schnell, dass ich ein tendenziell positiv gestimmter und optimistischer Mensch bin. Das hat so seine Vorteile: Man kann oft mit einem Lächeln und schönen Gedanken durch die Welt spazieren, viel Vorfreude empfinden und sich gut gelaunt fühlen. Doch dem Optimist-Sein findet sich inhärent ein großes Problem wieder: Oft ist die Welt eben nicht so positiv, wie man annimmt oder zumindest annehmen möchte. Und in solchen Momenten wird man regelmäßig enttäuscht, auf den Boden der Tatsachen zurück geschleudert und muss danach versuchen, erneut aufzustehen.

Hertha BSC versteht es so gut wie niemand anders, diesen Kreislauf in rasanter Geschwindigkeit Woche für Woche aufs Neue in Schwung zu bringen. Am Wochenende spielt die Alte Dame scheiße und verliert, oft verdient Man ist den Abend nach dem Spiel geknickt, doch schon ab Sonntagmorgen rede ich mir ein, dass es ja nicht so schlimm sei. Irgendeine Ausrede oder Begründung findet man immer: Der Gegner ist ein Top-6-Klub, der Schiri hat schlecht gepfiffen, man hatte Alu-Pech beim Abschluss oder der Gegner macht das Tor seiner Karriere (looking at you, Vogelsammer im DfB-Pokal). Montag, spätestens Dienstag dann fängt man an sich auf das Spiel am nächsten Wochenende zu freuen, dröhnt sich die Woche über mit Hertha-Content zu und wartet am Morgen des Spieltags gespannt auf den Anpfiff. Nur um wieder zu verlieren. Und wieder, und wieder, und wieder.

Hingeworfene Brotkrumen

Bis irgendwann ein gutes Spiel oder gar ein Sieg dabei ist. Beispielsweise das 3:2 gegen den BVB kurz vor Weihnachten oder ein 3:0 gegen einem zu diesem Zeitpunkt extrem starke TSG aus Hoffenheim, die in den Vorwochen 13 von möglichen 15 Punkten geholt hat. Und so steigt das gesamte Grundniveau des Optimismus sprunghaft an, nur um die Wochen danach Stück für Stück wieder abzusinken.

Dabei fing die Saison im weiteren Sinne doch so gut an. Der Sieg gegen Liverpool im Testspiel ließ mein Fan-Herz höher schlagen. Ich dachte mir: Klar, war nur ein Testspiel. Aber es war halt doch immerhin Liverpool, die nicht mit ihrer C-Elf, sondern Spielern wie van Dijk und Mane gespielt haben. Dieser Neuzugang bei uns, der Jovetic, Mensch ist der gut. Und auch Serdar, wieso hat der nur acht Millionen Euro gekostet? Ich war mir sicher, dass wir mit Pal Dardai an der Seitenlinie, dem emotional und sportlich extrem gut verlaufenem Saisonabschluss 2020/21 unter ihm und dem neuen Sportdirektor Fredi Bobic nach zwei Chaosjahren eine vergleichsweise entspannte Saison erleben dürfen.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Doch schon die letzten Testspielen gegen Hannover 96 und St. Pauli ergaben nur Unentschieden, gegen Meppen quälte man sich 90 Minuten bis mich Davie Selke in der Nachspielzeit erlöste. Anschließend: Saisonauftakt gegen Köln. Die zwar einen neuen Trainer hatten, in der abgelaufenen Spielzeit jedoch erst in der Relegation die Klasse hielten, das Hinspiel gegen Kiel ging vor heimischem Publikum sogar verloren. Keine großen Sorgen also, man sollte das Spiel doch locker gewinnen können, dachte ich. Tja, ich lag falsch. Es sollte nicht das letzte Mal in dieser Saison bleiben.

Jovetic traf zwar bereits nach fünf Minuten zur Führung, doch das Spiel ging am Ende verdient und deutlich mit 1:3 verloren. Der Rest ist soweit bekannt, Derby-Niederlage, Dardai-Demission, Korkut-Installation, Derby-Niederlage, Korkut-Entlassung und Magath-Einstellung. Felix Magath. Das saß, ich brauchte mehrere Tage, um das wirklich zu verarbeiten. In meiner Kindheit Bayern-Trainer und Meistermacher bei Wolfsburg, in meinem Kopf war er eine Legende. Dieser Mann sollte MEINE Hertha trainieren? Unmöglich!

Aufschwung

Und Magath lieferte. Im ersten Spiel durch Corona verhindert und im Hotel, doch sein Co-Trainer Fotheringham war für ein paar Tage der Messias in Berlin. Ein Sieg gegen Hoffenheim und drei so dringend benötigte Punkte, gleichzeitig das erste gewonnene Spiel der Rückrunde. Der Optimist in mir erstrahlte. Die anschließend dritte und letzte Derby-Niederlage vor seit über zwei Jahren erstmals ausverkauftem Olympiastadion tat extrem weh und hinterließ tiefgehende Spuren im Verhältnis zwischen (sogenannten) Fans und Mannschaft. Es ist halt einfach so Hertha-like, das erste aufkeimende Gefühl der Hoffnung nach dem Sieg gegen die TSG unmittelbar im Anschluss niederzubrennen.

Sicher geglaubter Klassenerhalt

Das Spiel gegen Augsburg, das erste von drei Endspielen gegen direkte Konkurrenten ließ dann selbst mich staunend zurück. Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheit ging ich fest von einer Niederlage aus. Und wurde dafür belohnt. Der große Vorteil eines Pessimisten, er kann nun mal im Worst Case bestätigt, im Best Case positiv überrascht werden. Gegen Stuttgart wählte ich einen ähnlichen Ansatz, wurde wieder belohnt. Und auf was für eine Art und Weise. Das 2:0 von Belfodil in der Nachspielzeit emotionalisierte mich und gefühlt das komplette Olympiastadion wie kaum ein anderes Tor der letzten Jahre. Es fühlte sich nach Klassenerhalt, nach Rettung an. Wie sollte Stuttgart nach diesem Spiel, lust- und kraftlos, jetzt zusätzlich endgültig gebrochen, noch einmal zurück kommen?

Magath mahnte

Trainer Magath zeigte sich schon vor Bielefeld vorsichtig, mahnte Fans und Presse und sagte, er habe schon die seltsamsten Dinge an den letzten Spieltagen erlebt. Ich war so blöd und glaubte ihm nicht, dachte mir: „jaja, lass ihn mal reden, wir schaffen das schon.“ Ich war wieder zum Optimisten geworden. Was danach folgte ist ein Saisonendspurt, wie ihn nur Hertha hinbekommt.

Führung in Bielefeld, Stuttgart gleichzeitig gegen Wolfsburg hinten. Der Klassenerhalt war rechnerisch sicher. Bin man in der Nachspielzeit ein Gegentor kassierte, zusätzlich glich Stuttgart in der 87. Minute ebenfalls aus. Heimspiel Mainz, schmeichelhaftes Unentschieden bis zu 82. Minute. Mir war scheißegal, dass der Punkt absolut unverdient gewesen wäre, was macht das in dieser Situation für einen Unterschied. Doch die Mannschaft zeigte sich erneut in den Schlussminuten unkonzentriert. Wie schon in Bielefeld. Wie schon gegen Augsburg in der Hinrunde. Und wie schon gegen Leverkusen in der Hinrunde.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Dass Bayern nicht in der Lage ist, die Normalform gegen Stuttgart am nächsten Tag abzurufen? In Anbetracht der Umstände leider keine Überraschung, und dennoch massiv ärgerlich. Klar, man soll nicht auf die Konkurrenz hoffen, aber mal ehrlich, wer tut das nicht im Abstiegskampf? Denn wie gesagt, ob man Spiele am Ende verdient gewinnt oder verliert, verdient absteigt oder nicht, interessiert schlussendlich doch keinen.

Showdown in Dortmund und Stuttgart

Kommen wir zum Samstag. Und ich merke, dass der Text um einiges länger geworden ist als geplant. Wenn du, wenn Sie noch lesen, herzlichen Glückwunsch und vielen Dank.

Die Spieltage 32 und 33 haben mich konditioniert. So, wie jahrelang vor mir Hertha-Fans konditioniert wurden. Ich bin zum Pessimisten geworden. Alles andere als eine Niederlage beim BVB und gleichzeitigem Sieg der Stuttgarter gegen Köln hätte mich gewundert. Wie passend, ausgerechnet das Köln, welches uns am ersten Spieltag vor Augen geführt hat, dass auch diese Saison ein Krampf werden wird, hatte es mit in der eigenen Hand, ebenjene Saison für uns trotz aller Umstände tabellarisch zu retten. Das Führungstor von Belfodil kam überraschend, änderte jedoch nichts an meiner mentalen Verfassung, ich blieb pessimistisch. Auch weil Stuttgart zu diesem Zeitpunkt bereits führte.

Um die 60. Minute rum sagte ich zu meiner Frau, Köln hatte mittlerweile ausgeglichen: „Hey, es bräuchte noch drei Tore in 2 Spielen, damit wir in die Relegation müssen. Aber das wird auch passieren.“ Innerlich keimte dennoch eine Hoffnung auf. Wie so oft in dieser Saison. Tja, was folgte ist bekannt. 84. Minute Führung für Dortmund, 90+2 in Stuttgart erneute Führung für die Schwaben. Relegationsplatz für uns.

Zweite Liga, wir kommen!

Und ich? Ich hatte den großen Fehler begangen, für ein paar Minuten, insbesondere ab der 90. Minute in Stuttgart, zum Optimisten zu werden. Ich wollte es ein letztes Mal in dieser Saison sein, der Optimist. Vier Minuten? Ach das wird Köln schon hinbekommen. Wie gesagt, großer Fehler. Wäre ich Pessimist geblieben, vielleicht wäre der Fall nicht so tief gewesen. So habe ich eine Leere gespürt, die seit 2012 nicht mehr da war. Die vermutlich jeder Hertha-Fan gerade spürt. Wie soll man damit klar kommen? Ich weiß es momentan nicht und kann keine Lösung bieten. Ich kann nur darauf hoffen, dass die Zeit hilft die Wunden zu heilen.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Und so bleibe ich jetzt dabei und bin für die Relegationsspiele pessimistisch. Wir werden verlieren, egal gegen wen. Und wir werden in die zweite Liga gehen. Das steht für mich fest. Doch wir haben heute den Morgen nach dem Spiel. Ich kenne mich, leider. Ich werde spätestens ab Montag davon ausgehen, dass wir gewinnen. Ein ewiger Kreislauf, den Hertha auch noch ein letztes Mal in dieser Saison weiterführt. Und egal wie es ausgeht, ob 1. oder 2. Liga. Ich werde mich auf die neue Saison freuen. Und vom bestmöglichen Szenario ausgehen. Weil ich das nun mal bin. Und Hertha wird mir erneut wehtun und mich erneut enttäuschen. Und es wird ok sein. Wahrscheinlich. Denn es geht weiter immer weiter, wird für immer Hertha bleiben.

HaHoHe, auf eine bessere Zukunft!

Hertha BSC – Arminia Bielefeld: Silber sicherstellen

Hertha BSC – Arminia Bielefeld: Silber sicherstellen

Die Stimmung rund um Hertha BSC könnte unter Würdigung der Gesamtumstände kaum besser sein. Mit dem zweiten Sieg in Folge gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten hat man sich in eine hervorragende Ausgangslage für die Klassenerhalt gebracht. Doch die Saison ist nicht vorbei, ein Verbleib in der Bundesliga noch lange nicht sicher. Es gilt daher, auch gegen die Arminia aus Bielefeld an die letzten Leistungen unbedingt anzuknüpfen.

Unser Artikel zur Pressekonferenz vor dem Spiel.

Magath mahnt bei Hertha zur Vorsicht

Die pure Erleichterung und Freude, die im gesamten Stadion nach dem Tor von Belfodil zum 2:0-Endstand gegen Stuttgart zu spüren war, dürfte bei vielen Fans von Hertha auch noch tagelang danach angehalten haben. Alle wussten: dieser Moment könnte der Entscheidende im Hinblick auf den Klassenerhalt werden.

Doch Cheftrainer Felix Magath stellt klar, dass man sich noch keinesfalls am Ziel befinde: „Wir sind auf dem Weg und haben jetzt vielleicht Bronze erreicht. Wir können jetzt in Bielefeld noch Silber holen und nur darauf werden wir uns fokussieren.“ Er wäre schon zu lange dabei und hätte zu oft Dinge erlebt, die sich dann völlig verkehrt haben. Fest steht: Rechnerisch hat Hertha den Klassenerhalt nicht sicher, selbst mit einem Sieg gegen Bielefeld könnte man sich unter Umständen „nur“ das Erreichen der Relegation sichern.

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(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

„Es geht um drei Punkte in Bielefeld, die wollen wir holen, dann haben wir wahrscheinlich wieder einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt, aber für was es dann reicht, werden wir hinterher auf der Tabelle ablesen können“, arbeitet Magath heraus. Der Fokus auf das eigene Spiel wurde somit noch einmal betont, auch wenn es auf der Bank sicher den einen oder anderen Blick nach Stuttgart geben dürfte, unabhängig vom eigenen Spielstand.

Nahezu unveränderte Personallage und Tousart-Lob

Was die Aufstellung angeht, lässt der Übungsleiter die Frage nach einer möglichen neuen Doppelspitze aus Selke und Belfodil schmunzelnd offen: „Lassen Sie mich heute und morgen noch ein bisschen spielen mit dem Gedanken, dass die beiden auch mal beginnen könnten, aber sicher bin ich mir dahingehend noch nicht.“

Es wäre durchaus überraschend, sollte sich die zuletzt erfolgreiche Aufstellung ändern, lediglich der nach Gelbsperre zurückgekehrte Marco Richter wird den jetzt gesperrten Vladimir Darida ersetzen. Es darf davon ausgegangen werden, dass die exakt gleiche Elf wie gegen den FC Augsburg beginnen wird. Was die weiteren fehlenden Spieler angeht, hat sich im Vergleich zur letzten Woche nichts geändert, Stevan Jovetic, Lukas Klünter, Dong-Jun Lee, Kelian Nsona und Alexander Schwolow stehen weiterhin nicht zur Verfügung.

Ein besonderes Lob erfuhr derweil Rekordeinkauf Lucas Tousart: „Er ist ein echter Mannschaftssportler.“ Tousart sei ein kompletter Mittelfeldspieler, sowohl defensiv als auch offensiv. Gleichzeitig denkt Magath, das Problem für Tousarts bisherigen Schwierigkeiten in dieser Saison gefunden zu haben. Die Olympiateilnahme im letzten Sommer habe dazu geführt, dass er nicht die notwendige Pause gehabt hätte, um richtig frisch in der Saison anzukommen.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Und auch die ungünstige sportliche Situation sei beim Einleben nicht förderlich gewesen. Eine Aussage, die man so sicher auf den Großteil der Neuzugänge in den letzten Jahren anwenden kann.

Kampfbereiter Gegner auf der Alm

Was das kommende Spiel angeht, weiß der Trainer genau, was ihn erwartet: „Das wird eine ganze harte Nuss in Bielefeld, denn auf der Alm ist es sowieso schwierig zu spielen.“ Und schiebt hinterher: „Mir braucht keiner was zu erzählen, freudig fahre ich da nicht hin, sondern konzentriert und fokussiert auf diese Aufgabe, es wird 90 Minuten ein harter Kampf, denn Bielefeld kämpft natürlich gegen uns um ihre letzte Chance uns in diesen Abstiegskampf mit reinzunehmen und daher erwarte ich eine ganz heiße und harte Partie und es wird eng werden.“

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Etwas überraschend kam es vor gut einer Woche beim kommenden Gegner zu einem Trainerwechsel. Der Torwarttrainer Marco Kostmann übernahm für den freigestellten Frank Kramer. Als Co-Trainer steht im Michael Henke zur Seite, der in dieser Rolle unter anderem schon für Ottmar Hitzfeld tätig war.

Magath zeigte sich ob der neuen möglichen taktischen und personellen Marschroute der Bielefelder allerdings nicht sonderlich besorgt: „Nach der Analyse kann man sagen, es hat sich ja nicht viel verändert bei der Arminia durch den Trainerwechsel, insofern denke ich können wir auf die Erfahrung, die wir im Laufe der Saison mit und über die Arminia gesammelt haben auch für uns kalkulieren am Wochenende.“ Klar ist aber, freiwillig wird Bielefeld keine Punkte in die Hauptstadt ziehen lassen, eine Selbstläufer wird die Partie für Hertha unter keinen Umständen.

Ungeklärte Situation zwischen Mannschaft und Fans

Der Trikot-Aktion nach dem Derby zog deutschlandweit Aufmerksamkeit auf sich. Nach den letzten zwei Spielen kam die Mannschaft aufgrund der Vorkommnisse jeweils nicht in die Kurve zum Feiern. Darauf angesprochen, ob es mittlerweile einen Dialog zwischen Mannschaft und Fans gäbe, sagte Magath: „Es gab dahingehend noch keinen Austausch, wir werden uns auch jetzt nicht vor diesem Auswärtsspiel mit dieser Problematik ablenken lassen, sondern wir werden uns auf die Partie fokussieren, damit wir da die Punkte holen. Aber rechtzeitig zum letzten Heimspiel werden wir sicher dann Gespräche geführt haben und sehen, wie wir das lösen können.“

Im Idealfall kann man zu diesem Zeitpunkt gegen Mainz bereits den Klassenerhalt feiern. Es wäre schade, wenn die Saison mit solch einem faden Beigeschmack endet. Eine Versöhnung zwischen den Beteiligten wäre daher sicher wünschenswert. Klar ist, dass die Unterstützung am kommenden Wochenende gesichert ist – das Auswärtskontingent in Bielefeld ist vollkommen ausgeschöpft. Fast 3.000 Fans werden der Mannschaft von Hertha BSC somit dabei helfen, auch den dritten Abstiegskracher in Folge zu gewinnen.

[Titelbild: Maja Hitij/Getty Images]

Hertha BSC – VfB Stuttgart: Jetzt nicht nachlassen

Hertha BSC – VfB Stuttgart: Jetzt nicht nachlassen

Drei klassische „Big Points“ im Abstiegskampf, das Traumtor durch Suat Serdar und ein Führungsspieler, der endlich auf dem Platz steht. Das letzte Wochenende lief aus Hertha-Sicht nahezu ideal. Durch den Sieg konnte die Mannschaft der „Alten Dame“ wieder auf einen Nicht-Abstiegsplatz klettern. Doch jetzt Nachzulassen wäre fatal, mit dem VfB Stuttgart kommt ein direkter Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt nach Berlin. Ein Sieg ist für Hertha Pflicht.

Unser Artikel zur Pressekonferenz vor dem Spiel.

Die Punkte aus Augsburg veredeln

„Es war schön und natürlich wichtig für uns, dass wir in Augsburg gewinnen konnten“, resümiert Trainer Felix Magath auch heute noch einmal. Im direkten Anschluss er jedoch klar: „Diese drei Punkte zählen erst richtig, wenn wir auch Sonntag etwas gegen den VfB holen.“ Und auch Fredi Bobic pocht darauf, auf dem Boden und konzentriert zu bleiben: „Viele habe ich erleichtert gesehen nach dem Sieg, aber keinen habe ich jubelnd durch die Kabine oder nach Berlin rennen sehen.“ Der Sieg habe der Mannschaft und dem Verein gut getan, aber es müsse weitergehen. Der Abstiegskampf ist noch lange nicht entschieden, ein Sieg gegen Stuttgart wäre aber ein großer Schritt in die richtige Richtung für Hertha.

Never change a winning team

Auch wenn die gesamte Mannschaft ein geschlossenes und engagiertes Bild gegen die Fuggerstädter zeigte, ragte ein Mann etwas hervor: „Prince war natürlich ein ganz wichtiger Faktor für das Spiel, er hat die Mannschaft geführt und Struktur reingebracht“, so Magath. Für das kommenden Spiel spricht der Trainer daher auch eine Einsatzgarantie aus: „Selbstverständlich wird Prince auch übermorgen auf dem Feld hoffentlich wieder so Regie führen, wie er es in Augsburg getan hat.“ Zugleich zeigte sich der Übungsleiter vom Motto „never change a winning team“ generell angetan. Und ärgerte sich daher ein klein wenig über die Sperre von Marco Richter: „Ich hätte nichts verändern brauchen, wenn Marco nicht die fünfte Gelbe hätte.“

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Es ist daher davon auszugehen, dass lediglich die Position von Richter neu besetzt wird und ansonsten die gleiche Elf wie gegen Augsburg starten wird. Es naheliegendes Szenario wäre, Mittelstädt auf die linke Flügelposition von Serdar zu schieben und diesen nach rechts zu beordern. Alternativ wäre auch ein Startelfdebüt von Youngster Anton Kade denkbar. Dass Magath kein Problem mit dem Reinwerfen junger Spieler, auch in wichtigen Spielen, hat, zeigte er mit Julian Eitschberger im Derby. Doch auch ein Einsatz von Jurgen Ekkelenkamp oder Vladimir Darida wären eine Möglichkeit.

Wer Richter definitiv nicht ersetzen wird sind Dong-Jun Lee und Myziane Maolida, beide fehlen verletzt. Nicht zur Verfügung stehen des Weiteren Alexander Schwolow, Lukas Klünter, Kelian Nsona und Stevan Jovetic.

„Rückkehr“ an alte Wirkungsstätte

Sowohl Felix Magath als auch Fredi Bobic besitzen eine nicht unerhebliche Vergangenheit beim kommenden Gegner aus Stuttgart. Da das Spiel jedoch in Berlin stattfindet, lässt sich lediglich metaphorisch über eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte sprechen. „Der VfB Stuttgart war rundherum, nicht nur sportlich, sondern auch privat die schönste Phase“, sinniert Magath. Er denke gerne an diese Zeit zurück, sie wäre ja auch eine erfolgreiche gewesen. Fredi Bobic ergänzt: „Stuttgart ist meine Heimatstadt, das ist natürlich immer etwas Besonderes.“ Viel Zeit für Sentimentalität bleibt beim Manager in der aktuellen Lage selbstverständlich jedoch nicht: „Sie sind unser Gegner und wir wollen die Punkte.“

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(Photo credit should read IAN STEWART/AFP via Getty Images)

Aus sportlicher Sicht könnte sich am Sonntag im Olympiastadion ein interessantes Spiel entwickeln, stehen beide Kontrahenten für sehr verschiedene Ansätze. „Wir wissen, dass der VfB Stuttgart eine spielerisch gute Mannschaft mit schnellen Offensivleuten hat“, so Magath. Hertha auf der anderen Seite zeichnet sich eher durch ein kämpferisches Spiel aus, hat in Augsburg maßgeblich dadurch gewonnen. Der Trainer, der vor seinem 500. Bundesligaspiel als Chefcoach steht, erwartet in dieser Hinsicht sogar noch einmal eine leichte Steigerung gegen Stuttgart. Und gibt das Ziel gegen die Schwaben klar aus: „Wir werden mit allen Mitteln versuchen, drei Punkte hier in Berlin zu behalten.“

Sollte diese gelingen, läge man drei Spieltage vor Schluss mit vier Punkten vor Stuttgart und hätte eine gute Ausgangslage für das Saisonfinale. Und wer weiß, vielleicht kommen bei Klassenerhalt ja dann noch ein paar Spiele für Felix Magath dazu.

(Titelbild: Daniel Kopatsch/Getty Images)

Hertha BSC – Union Berlin: Mit der Unterstützung der Fans zum Klassenerhalt

Hertha BSC – Union Berlin: Mit der Unterstützung der Fans zum Klassenerhalt

812 Tage, so lange wird es beim Derby am Samstag her sein, dass das Olympiastadion zum letzten Mal ausverkauft war. Und wer Zahlenspiele oder Schnapszahlen mag: Das sind exakt zwei Jahre, zwei Monate und 22 Tage. Das ein oder andere Zahlenspiel dürften die Fans von Hertha in der letzten Zeit auch durchgegangen sein, denn jeder Punkt ist im Abstiegskampf bitter nötig. Gegen den Stadtrivalen sollen im dritten und letzten Duell dieser Saison daher unbedingt drei Punkte her, um die Hoffnung auf eine weitere Bundesligaspielzeit mit packenden Aufeinandertreffen innerhalb Berlins zu erhalten.

Unser Artikel zur Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Union Berlin.

Endlich wieder ein volles Olympiastadion

Nachdem am gestrigen Tag ein kleiner Durchbruch in der Stadionfrage erfolgte (auch an dieser Stelle nochmal ein Riesendankeschön an die Leute von der Aktion Blau-Weißes Stadion!) ist es wahrscheinlich, dass Hertha nicht mehr auf ewig im Olympiastadion bleiben muss. Eine beeindruckende Kulisse, wenn es denn ausverkauft ist, bietet es unbestritten dennoch. Der Verein hat heute bekannt gegeben, dass genau dies nach der durch Corona bedingten über zweijährigen Zwangspause erstmalig wieder der Fall sein wird. „Endlich mal wieder volle Hütte, endlich mal wieder richtige Fußballatmosphäre“, zeigt sich auch Cheftrainer Felix Magath begeistert, „auf so ein Spiel kann man sich nur freuen.“

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(Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Auch Manager Fredi Bobic kann es kaum erwarten: „Das wird morgen einmalig sein, es ist gefühlt eine Ewigkeit her.“ Es werde farbenprächtig und stimmungsvoll, darauf freue man sich, führt er aus. Der Großteil der Mannschaft, Trainer und Manager haben immerhin allesamt noch kein volles Olympiastadion während ihrer aktiven Zeit bei Hertha erlebt, vergangene Spieler und Trainer der letzten Jahre hatten diese Möglichkeit teilweise sogar nie.

Doch auch für die Fans wird es eine Premiere sein: Es ist das erste Derby zwischen Hertha und Union in der Bundesliga, welches vor ausverkauftem Haus in Berlin-Westend stattfindet. Bisher kam lediglich Union in zwei von drei Begegnungen in diesen Genuss.

Wie reagiert die Mannschaft?

Wie die Mannschaft von Hertha BSC mit der „neuen“ Stimmung im Stadion umgehen wird, lässt sich bisher kaum abschätzen. In der Vergangenheit schien eine volle Hütte eher Hindernis als Ansporn zu sein. Magath nimmt daher wie bereits zu seinem Amtsantritt auch die Anhänger in die Pflicht: „Es geht um den Verein. Und wir können nur zusammen diese schwierige Situation meistern und natürlich bitte ich die Fans um möglichst viel Unterstützung. Dann wird es für die Spieler auch leichter werden eine gute Leistung abzuliefern.“ Bobic ist ebenfalls von einer Leistungssteigerung durch das volle Stadion überzeugt: „Ich glaube das Stimmung einer Mannschaft immer guttut, egal ob sie für oder auch gegen dich ist.“ Und schiebt hinterher: „Wer da Angst hat, hat den Beruf verfehlt.“

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(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Nur mittelbar beeinflusst werden definitiv Alexander Schwolow (Oberschenkel) und Kelian Nsona (Aufbautraining), beide stehen für die Partie nicht zur Verfügung. Umso erfreulicher, dass der unter der Woche verletzte Peter Pekarik definitiv spielen kann, bei Niklas Stark bestehen noch ein paar Fragezeichen. Hinsichtlich der Startaufstellung wollte sich Magath trotzdem nicht in die Karten schauen lassen, er wolle zunächst noch das Abschlusstraining abwarten, eine Vorstellung wer von Beginn an spielen wird habe er allerdings.

Der gefestigte Nachbar aus Köpenick

„Es ist wirklich so, dass die Spieler wollen, aber im Grunde genommen im Moment nicht können, weil sie noch zu durcheinander sind, keine Sicherheit haben“, beteuert der Cheftrainer. Dieser Eindruck dürfte sich mit der Meinung der meisten Fans decken, mangelte es diese Saison selten an der Mentalität, sondern vielmehr an der Qualität.

Ein Problem, dass der Rivale aus dem Südosten der Stadt momentan nicht hat. Mentalität und auch Umsetzung stimmen dort schon seit Jahren, sind ein Grund für den aktuellen Höhenflug. Magath begibt sich dementsprechend demonstrativ in die Rolle des Underdogs: „Natürlich ist Union der Favorit, keine Frage“.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Kampflos aufgeben will er glücklicherweise aber nicht: „Ich glaube, dass wir Chancen haben das Spiel zu gewinnen.“ Dass die Verantwortlichen bei Union ausgerechnet in dieser Woche zum ersten Mal der Vereinsgeschichte das Erreichen von Europa öffentlich als Ziel ausgemacht haben, dürfte derweil ein klares Zeichen und eine kleine Spitze gegen Hertha sein.

Als Grund für den Erfolg der Rot-Weißen sieht Magath vor allem zwei Dinge. Einerseits hätten sie in den letzten Jahren eine klare Linie gehabt und diese auch durchgezogen. Andererseits wäre mit Urs Fischer auch der richtige Trainer zur richtigen Zeit verpflichtet worden. Beide Punkte sind bei Hertha schon seit langer Zeit nicht gegeben und damit sicher ein Teil der aktuellen sportlichen Liga.

Ein Spiel mit hoher Bedeutung für den Rest der Saison

Diese gestaltet sich nämlich derart, dass man seit Jahren im dauerhaften Abstiegskampf steckt. Dass ausgerechnet das kommende Derby besonders richtungsweisend sein könnte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. „Klar würde ein Sieg vieles ausmachen, im Stimmungsumfeld würde es vieles bewirken und Energie geben“, erwartet auch Bobic.

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Und genau diese Energie wird in den drei Spielen nach dem Derby dringend benötigt. Mit Augsburg, Stuttgart und Bielefeld warten die drei direkten Konkurrenten, Siege oder Niederlagen in diese Begegnungen entscheiden höchstwahrscheinlich über Abstieg oder Klassenerhalt.

Es liegt jetzt also an allen Beteiligten, den Spielern, den Verantwortlichen und nicht zuletzt (erneut) an den Fans: morgen muss alles gegeben werden, ein Sieg könnte der entscheidende Schlüssel zu einem erfolgreichen Saisonendspurt werden. Jetzt gilt es: AUF GEHT’S HERTHA, KÄMPFEN UND SIEGEN!!!

[Titelbild: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images]

Drei Thesen zu Bayer Leverkusen – Hertha BSC

Drei Thesen zu Bayer Leverkusen – Hertha BSC

Die letzte Länderspielpause der Saison hat ein Ende gefunden und die Bundesliga geht endlich weiter. Für Hertha geht es im Saisonendspurt um alles. Ob man absteigt oder am Ende (erneut) den Klassenerhalt feiert, könnte den Verein sportlich, finanziell und vom Ansehen her auf die nächsten Jahre beeinflussen. Doch genug Pathos für diese Einleitung, los geht’s in die letzten Spiele dieser Saison. Den Anfang macht das Rückspiel gegen Bayer Leverkusen. Mit dabei sind ein begeisternder Co-Trainer, ein geschwächtes Top-Team und ein wieder stark aufspielender Sommerzugang.

These 1: Fotheringham wird trotz Magath-Premiere im Rampenlicht stehen

Der eine oder die andere mag es vielleicht bis heute noch immer nicht hundertprozentig glauben können, dass ausgerechnet Felix Magath unsere Hertha trainiert. Und wenn er am Samstag nach überstandener Corona-Infektion endlich das erste Mal an der Seitenlinie der „Alten Dame“ steht, werden viele Kameras auf ihn gerichtet sein.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Es ist allerdings davon auszugehen, dass der ehemalige Meistermacher genau wie im Training eher stiller Beobachter am Rand sein wird. Doch ruhig wird es in der Coaching-Area trotzdem nicht sein. Co-Trainer Mark Fotheringham wird die Mannschaft wie bereits gegen Hoffenheim ständig anpeitschen, ermahnen und motivieren. Und Magath damit während der 90 Minuten fast schon wieder vergessen machen.

These 2: Ersatzgeschwächtes Leverkusen wird keine drei Punkte zu Hause behalten können

Leverkusen spielt auch dieses Jahr um die Champions League mit. Dafür verantwortlich ist vor allem die furiose Offensive rund im Moussa Diaby und Co. Doch die Werkself wird gegen Hertha auf einige Stammspieler verzichten müssen: Strippenzieher Florian Wirtz fällt mit Kreuzbandriss aus, Patrik Schick ist nach seinem Muskelfaserriss noch nicht wieder vollständig einsatzbereit. Mit Amine Adli fällt aufgrund seines Sehnenrisses ein weiterer offensiver Gefahrenherd aus.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Und auch defensiv fehlt für Leverkusen wichtiges Personal: Abräumer Kerem Demirbay (Gelbsperre) sowie die beiden etatmäßigen Rechtsverteidiger Jeremy Frimpong (Syndesmosebandriss) und Timothy Fosu-Mensah (Oberschenkelverletzung) stehen alle nicht zur Verfügung. Da Hertha im Gegensatz fast aus dem Vollen schöpfen kann, werden wir mindestens einen Punkt mit nach Berlin nehmen.

Thema 3: Suat Serdar dreht auf

Er scheint unter Felix Magath wieder richtig aufzublühen: Sommerneuzugang Suat Serdar. Der 24-jährige ist laut Medienberichten im Training absolut motiviert und macht klar, warum man ihn geholt hat.

In der Sommervorbereitung zeigte er, warum er der Mannschaft helfen kann. Mit Balleroberungen, Dribblings in die gegnerische Hälfte und immer wieder gefährlichen Torabschlüssen sollte er Herthas lahmen Mittelfeld ein spielerisches Herz geben.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Während er zu Beginn der Saison noch glänzte, fiel er mit zunehmender Spielanzahl immer weiter ab. Gegen Leverkusen findet er zu alter Stärke zurück und wird mindestens einen Scorer liefern.

[Titelbild: Boris Streubel/Getty Images]