“Hertha wärmt” – Einblicke in eine soziale Fan-Initiative

“Hertha wärmt” – Einblicke in eine soziale Fan-Initiative

Seit vielen Jahren und immer umfangreicher ist Hertha BSC sozial aktiv und wird damit seiner Verantwortung zumindest auf dieser Ebene zunehmend gerechter. Doch nicht nur der Verein selbst, auch oder vor allem viele Fans sind nicht untätig und engagieren sich ehrenamtlich. Ein Beispiel ist die Aktion „Hertha wärmt“, die auf eine Initiative der Harlekins Berlin ́98 zurückgeht und dieses Jahr bereits zum zehnten Mal und seit langer Zeit auch in Zusammenarbeit mit der Berliner Stadtmission stattfindet.

Wir haben mit Cody von den Harlekins und mit Sabine und Veikko von der Berliner Stadtmission gesprochen, um Einblicke in die Aktion zu sammeln, Hintergründe zu erfahren und das Miteinander der beiden Partner kennenzulernen.

Harlekins Berlin ́98 – Herthas älteste Ultragruppe

Die seit mittlerweile 23 Jahren bestehende Ultra-Gruppe der Harlekins Berlin ́98 hat den Anspruch bei möglichst allen Spielen der „Alten Dame“ anwesend zu sein. Die aktuelle Corona-Situation mit eingeschränkter Stadionkapazität und den dazugehörigen Maßnahmen bildet gerade natürlich eine Ausnahme. Das ist jedoch noch einmal ein eigenständiges Thema und soll hier nicht behandelt werden.

Laut Cody versteht sie sich dabei als Motor der Kurve, ist laut, kreativ und manchmal auch unbequem. Die Mitglieder sind zu großen Teilen dafür verantwortlich, was in der Kurve passiert, engagieren sich federführend im Förderkreis Ostkurve und organisieren Auswärtsfahrten, Choreos und alles, was dazu gehört. All ihre Aktionen machen sie dabei nach dem eigenen Verständnis stets für den Verein und Traditionen sowie ihre Werte sind elementare Bestandteile.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Das soziale Engagement war dabei nicht von Beginn an Teil der eigenen Arbeit. Angefangen hat alles mit dem an Leukämie erkrankten und verstorbenen Mitglied Benny. Cody erzählt, dass sie zwar einen Freund verloren, aber im Rahmen der Blutspende- und allen sonstigen Aktionen gelernt hätten, was alles möglich sei und dass sie diese Energie irgendwie beibehalten wollten.

Aus einer kleinen Sammelaktion wird „Hertha wärmt“

Eine Form, wie dieses Vorhaben umgesetzt wurde, ist die Aktion „Hertha wärmt“. Sie ist ursprünglich als eine kleine Sammlung unter Freunden gestartet und mittlerweile ein „Selbstläufer“ geworden. Seit mehreren Jahren werden in Zusammenarbeit mit der Berliner Stadtmission mehrere LKW mit den Spenden der Hertha-Fans gefüllt und an Obdachlose in der Stadt verteilt.

Vor dem Spiel gegen den FC Augsburg am 27.11.2021 wird auch dieses Jahr zwischen 12 und 15 Uhr auf dem Olympischen Platz am Osttor gesammelt. Nach Codys Meinung ist es auch gar nicht schwer, den Bedürftigen Menschen, die zum Teil nicht einmal die Möglichkeit haben die Nacht in einer warmen Unterkunft zu verbringen, unter die Arme zu greifen. Immerhin leben wir in einem absoluten Überfluss.

Lest jetzt unsere Drei Thesen zum Spiel gegen den FC Augsburg! Zeigt Hertha eine Reaktion aufs Derby? Und was, wenn nicht?

Ein verlässlicher Partner in der Berliner Stadtmission

Nachdem die Harlekins in den ersten beiden Jahren von „Hertha wärmt“ mit dem mob e.V. (bekannt für den „Straßenfeger“) zusammen arbeiten konnte, musste im Jahr 2014 ein neuer Partner gefunden werden. Aufgrund eines persönlichen Kontaktes wurde dies die Berliner Stadtmission, die seitdem verlässlich und durch viele positive Erfahrungen geprägt, mit den Harlekins zusammenarbeitet. Wer mehr über das Zustandekommen der Partnerschaft erfahren möchte, kann das Interview zwischen Cody und Hertha BSC lesen.

Die Berliner Stadtmission ist eine evangelische Organisation, die sich in den Bereichen Mission, Diakonie, Bildung und Begegnung in Berlin und darüber hinaus engagiert. Insbesondere die Arbeit mit Menschen, die oft übersehen sehen werden, ist dabei zentraler Bestandteil. Dies betrifft unter anderem Obdachlose, Geflüchtete und Straffällige, die auf dem Weg zurück in die Gesellschaft sind. Die wahrscheinlich bekanntesten Projekte der Stadtmission sind der Kältebus und die Bahnhofmission. Sabine und Veikko freuen sich vor allem, dass die Hertha-Fans genau das spenden, was gebraucht wird (warme, saisonale Männerkleidung und Schuhe der Größe 41-50). Sie betonen, dass sich mit Cody mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt hat.

Durch die Arbeit der Stadtmission konnten im Jahr 2020 über 17.000 obdachlose Personen eingekleidet werden – und auch „Hertha wärmt“ trägt einen Teil dazu bei. Wer mehr über die Stadtmission sowie besonders dringend benötigte Kleidung und Sachspenden erfahren möchte, kann sich auf der Website unter dem Punkt „Sachspenden“ informieren.

Die soziale Verantwortung von Hertha BSC – und was der Verein mehr tun könnte

Sowohl Sabine und Veikko als auch Cody freuen sich selbstverständlich darüber, dass Hertha BSC sozial engagiert ist und Aktionen wie „Hertha wärmt“ unterstützt. Trotzdem wünschen sich beide, dass der Bundesligist noch stärker aktiv wird. Auch wenn Cody berechtigterweise einwirft, dass der Verein in erster Linie natürlich im Profifußball zu Hause und keine Hilfsorganisation ist. Fakt sei dennoch, dass die „Alte Dame“ seit fast 130 Jahren fest in der Stadt verankert sei und sich immer wieder der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst wird.

hertha wärmt
(Photo by Michael Sohn – Pool/Getty Images)

Alle drei meinen, schon die Reichweite der Aufmerksamkeit, die Hertha über die sozialen Netzwerke besitzt, helfe viel. Denn dadurch ließe sich so manche kleine Aktion zu einer „Riesensache“ machen. Hertha könnte daher noch aktiver soziale Projekte öffentlichkeitswirksam bewerben und mehr Menschen erreichen. Ganz persönlich wünscht sich Cody, dass gerade Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien stärker integriert und gefördert werden. Als Beispiele nennt er Freikarten für Heimspiele und Jugendclubs in sozialen Brennpunkten. Der Aufwand für diese Dinge dürfe nicht so groß sein und kaum etwas kosten, doch der darauf resultierende Effekt sei immens.

Und auch die Zusammenarbeit zwischen Hertha BSC und der Stadtmission soll ausgebaut werden. Der Kontakt bestehe bereits, so Sabine und Veikko. Zum Abschluss betont Cody, gemeinsam sei man bekanntlich stärker und gerade die Pandemie habe gezeigt, was für tolle Aktionen entstehen können.

[Titelbild: Photo by Soeren Stache – Pool/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Ein Derby zum Vergessen

Herthaner im Fokus: Ein Derby zum Vergessen

Das erste von drei Berliner Derbys in dieser Saison ist gespielt. In einer fragwürdiger Weise ausverkauftem Alten Försterei erlebte Hertha (mal wieder) ein uninspiriertes Duell gegen den Rivalen aus Köpenick. Wir wollen dennoch den Blick auf einige Herthaner und die wirklich wenigen Lichtblicke dieses Spiels werfen.

Peter Pekarik: Noch einer der besten

Dass hier der Name von Pekarik auftaucht ist symptomatisch für Hertha. Dass der Slowake auch mit 35 Jahren Stammspieler ist und dabei mit die besten Leistungen zeigt, lässt tief in die Kaderzusammenstellung der letzten Jahre blicken. Auch gegen Union war der dienstälteste Herthaner einer der auffälligsten Spieler der Blau-Weißen, hielt die rechte Seite dicht, wagte gelegentliche Vorstöße bis tief in die gegnerische Hälfte und flankte drei Mal.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Mit 29 von 33 angekommenen Pässen (88%) strahlte er zudem etwas Sicherheit aus. Krönung seiner Leistung war das aufgrund von Piateks Abseitsstellungen ein paar Spielsituationen vorher aberkannte Tor, welches den Spielverlauf potential hätte stark verändern können. Acht Ballverluste und nur 50% gewonnene Zweikämpfe (2 von 4) zeigen allerdings auch, dass Pekarik kein rundum gelungenes Spiel ablieferte.

Im Vergleich zu seinen Kollegen stach er dennoch in seinem Gesamteindruck positiv hervor. In der 70. Minute musste er aufgrund einer Systemumstellung den Platz für Jastrzembski machen.

Suat Serdar: Ohne ihn geht nichts

Und täglich grüßt das Serdar-Tier. Wie so oft war Suat Serdar der mit Abstand auffälligste Herthaner und wenn überhaupt etwas in der Offensive passierte, hatte Serdar seine Füße im Spiel.

Er gab zwei von acht Torschüssen ab, spielte zwei Schlüsselpässe und kurbelte das Spiel aus der Mitte heraus an. Er war es auch, der Pekarik in der 37. Minute in Szene setzte und dieser die bis dahin beste Chance im Spiel hatte (was ebenfalls noch einmal die gute Leistung von Pekarik hervorhebt). Mit nur vier von 15 gewonnen Duellen (27%) und einer Passquote von 59% (13 von 22) zeigte aber auch Serdar nicht sein bestes Spiel im Hertha-Dress.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Es bleibt dennoch festzuhalten, dass ohne ihn das im Koma liegende Offensivspiel der „Alten Dame“ ohne Zweifel endgültig tot wäre und der ehemalige Nationalspieler eines der ganz wenigen belebenden Elemente und absoluter Schlüsselspieler in dieser Saison ist. Er tut einem beinahe schon leid.

Santiago Ascacibar: So geht Derby

Es gibt kaum einen Spieler in Herthas Kader, der für ein Derby so sehr wie gemacht zu sein scheint, wie Santi Ascacibar. Und das zeigte sich einmal mehr in seinen überragenden Statistiken.

Mit 86 Pässen spielt er die zweitmeisten (nur Dardai hatte vier mehr), von denen 57 angekommen sind (84%). Auch von seinen langen Pässen landeten vier bei seinen Mitspielern Zudem hat der Argentinier trotz seine geringen Körpergröße fünf von sieben Kopfduellen gewonnen, im Gegenzug jedoch nur vier von neun Bodenduellen. Ein geklärter Ball, fünf abgefangene Bälle und ein Tackle unterstreichen seine ansonsten solide Defensivleistung allerdings, die bei nur ein Foul zudem äußerst fair stattfand.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Wenn der 24-Jährige weiterhin solche Leistungen abruft, wird es für Lucas Tousart zunehmend schwerer, seinen Stammplatz auf der Sechs zurückzuerobern, solange Dardai nicht wie heute mit einer Doppelsechs spielt.

Im Gegenzug zu vielen seiner Teamkollegen wirkte „Santi“ wie einer der wenigen, der erkannt hat welch eminent wichtiges Spiel heute stattfand und agierte bissig und kämpferisch, konnte sich alleine aber auch nicht mehr gegen die Niederlage stemmen.

Und dann waren da noch …

Marton Dardai: Nachdem Dardai schon am letzten Spieltag durch ein Foul in der Nachspielzeit den Leverkusener Ausgleich (mit-)verursachte, läutete er die gestrige Niederlage durch einen haarsträubenden Fehler in der 9. Minute ein. Der 19-Jährige ist vergleichsweise neu in der Bundesliga, „Wachstumsschmerzen“ sind daher zu erwarten und gehören ein Stück weit dazu. Hinzukommt, dass Dardai zuletzt immer wieder körperlich bedingt ausfiel – in der Länderspielpause musste er mit Erkältung von der U21 abreisen – und dadurch wenig Rhythmus hat.

hertha union
(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Maxi Mittelstädt: Zeigt auf der offensiven linken Außenbahn weiterhin seine gute Form, schlug drei Flanken und hatte eine Passquote von 74%. Wenn in der 1. Halbzeit offensiv etwas passierte, so war es meist über Mittelstädt. Warum er in der 60. Minute weichen musste, erschließt sich von Außen nicht. Vermutlich, weil auch seine offensiven Ideen zu nichts führten.

Alexander Schwolow: Obwohl Schwolow auch in dieser Saison noch nicht 100% in Berlin angekommen zu sein scheint, lieferte er heute ein solides Spiel ab. Für die zwei Gegentore trug er keine Verantwortung. Gegen Kruse hielt er zwei Mal sehr stark und durch ein gut antizipiertes Herauslaufen in der 70. Minute konnte er ein 1 gegen 1 in einer Unioner Kontersituation präventiv verhindern.

[Titelbild: Martin Rose/Getty Images]