Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Eintracht Frankfurt

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Eintracht Frankfurt

Nach dem erfolgreichen Auftakt gegen enttäuschende Bremer eröffnete unsere Hertha am Freitagabend zuhause gegen Eintracht Frankfurt den zweiten Spieltag der Bundesliga-Saison. In Sondertrikots  „für Pauline“ als Aufruf zur Stammzellenspender-Registrierung bei der DKMS stand das erste Flutlichtspiel vor 4.000 Fans im Olympiastadion und für beide Teams die Aussicht auf eine Nacht an der Tabellenspitze an. Die Frankfurter behielten nach einer erschreckend harm- und ideenlosen ersten Berliner Hälfte schlussendlich mit 1:3 die Oberhand.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner bei dieser Pleite zum Heimauftakt.

Maxi Mittelstädt – Kategorie Uff

Nach dem doch recht erfolgreichen Auftritt gegen Werder Bremen inklusive einer Torvorlage wähnte man sich mit Maxi Mittelstädt auf der Linksverteidiger-Position gegen Frankfurt gut aufgestellt, zumal auf Frankfurter Seite mit Almamy Touré ein eher defensiv orientierter Konterpart die Außenbahn beackerte.

So schaltete sich Mittelstädt schon früh in die Offensive ein und konnte in der 16. Minute mit einem harmlosen Fernschuss-Versuch den ersten Torschuss der Partie verbuchen. Aber schon direkt im Gegenzug offenbarten sich defensive Schwächen, als Mittelstädt im Duell mit André Silva unter einem langen Ball hindurchsegelte und Silva dabei derart aus den Augen verlor, dass Jordan Torunarigha helfend einschreiten musste. Auch in der Folge war Mittelstädt immer mehr in der Defensive gefordert, konnte dabei aber in schöner Regelmäßigkeit dem eher limitierten Dribbler Almamy Touré kaum etwas entgegensetzen und fiel größtenteils durch fragwürdiges Stellungsspiel und unglückliche Zweikampfführung auf. Insgesamt mag es da auch noch etwas an der Abstimmung mit Lucas Tousart gefehlt haben, Mittelstädt war aber keineswegs gegen einen übermächtigen Gegner auf sich alleingestellt. So war es dann auch folgerichtig, dass sowohl der Angriff, der zum Elfmeter vor dem 0:1 führte, als auch der Freistoß zum 0:2 über die rechte Frankfurter Angriffsseite und somit in Mittelstädts Wirkungsbereich entstanden.

Foto: IMAGO

Zwar konnte sich das Berliner Eigengewächs in der Offensive hin und wieder präsentieren und so beispielsweise mit einem Pass in den Rückraum der Frankfurter Abwehrreihe die große Chance zum Ausgleich von Dodi Lukébakio in der 32. Minute vorbereiten, er blieb aber in der Defensive insbesondere in Halbzeit eins derart überfordert, dass man glücklich sein konnte, Filip Kostic bis zu dessen Verletzung auf der anderen Seite des Feldes zu wissen.

In der zweiten Halbzeit konnte der 23-Jährige nach der Hereinnahme von Arne Maier und den sich zurückziehenden Frankfurtern defensiv etwas verschnaufen und sich wieder etwas gestaltend ins Offensivspiel einschalten, wo er bei Ballbesitz nun plötzlich regelmäßig Lucas Tousart in Linksaußen-Position vor sich fand. Die beiden kombinierten sich einige Male bis auf Strafraumhöhe an der Auslinie, wirklich gefährlich wurde es dabei dann aber auch nicht.

In der 67. Minute musste Maier verletzungsbedingt das Feld wieder verlassen und Maxi Mittelstädt rückte für ihn auf die Position im rechten zentralen Mittelfeld, während der eingewechselte Marvin Plattenhardt als Linksverteidiger auf den Platz kam. Mit Maiers Auswechslung ging der gewonnene Spielwitz etwas verloren und auch Mittelstädts bescheidene Leistung setzte sich auf der neuen Position fort. Teils unerklärliche Fehlpässe konnten von wenigen offensiv nennenswerten Aktionen wie der Flanke von halbrechts auf Niklas Stark in der 88. Minute nicht ausgeglichen werden.

In der Defensive war Hertha in Halbzeit zwei kaum noch gefordert, umso bitterer, dass Sebastian Rode in der 71. Minute mit dem ersten Frankfurter Angriff seit dem Seitenwechsel das 0:3 erzielte. Nach einer kurzen Klärungsaktion von Jordan Torunarigha hatten sich die Berliner zu siebt im Strafraum verschanzt, ohne den an der Sechzehnerkante lauernden Sebastian Rode auf dem Schirm zu haben. Mittelstädt traf dabei noch am wenigsten Schuld, die Szene stand dennoch sinnbildlich für die fehlende Absprache und Abstimmung im just neu formierten Mittelfeld aus Niklas Stark, Lucas Tousart und ihm.

Insgesamt ein sehr unglücklicher Auftritt von Maxi Mittelstädt, der in der ersten Hälfte einige Male zu spät kam und viele gefährliche Frankfurter Angriffe über seine Seite rollen ließ. Auch im zentralen Mittelfeld konnte er bei der anvisierten Aufholjagd nicht mehr viel bewirken, was sich insbesondere im Kontrast zum dynamischen und spielfreudigen Arne Maier zeigte.

Mittelstädt ist natürlich keine Rolle in schaltender und waltender Funktion in der Zentrale zugedacht, auf der Linksverteidiger-Position ist sein gerade gewonnener Stammplatz aber schon wieder in Gefahr. Wenn Bruno Labbadia eher auf defensive Stabilität setzt – und davon ist nach neun Gegentoren in den letzten drei Spielen in Anbetracht der kommenden Gegner auszugehen – kann sich Mittelstädt schnell auf der Bank wiederfinden und dem defensiv solideren, offensiv etwas unagileren Marvin Plattenhardt beim Flanken zusehen.

Lucas Tousart – Un nouvel espoir

Auch Lucas Tousart durfte in der unveränderten Startelf wieder auf der Position im linken zentralen Mittelfeld im neuen 4-3-1-2-System der Hertha ran.

Tousart kam neben dem defensiv orientierten Abräumer Niklas Stark dabei im Aufbau eine Toni Kroos-Rolle zu, indem er sich hinter den aufgerückten Maxi Mittelstädt auf die Linksverteidiger-Position fallen ließ und von da den Ball nach vorne bringen sollte. Nach wenigen gelungenen Anspielen in die Spitze zu Beginn, ließen die Offensivbemühungen immer mehr nach und Tousart sah sich mit Defensivaufgaben konfrontiert. Dabei war er in einer zweikampfschwachen und zögerlichen Hertha-Mannschaft der auffälligste Zweikämpfer, der keinem Duell aus dem Weg ging und den Großteil dieser für sich entscheiden konnte. Neben der Zweikampfstärke und dem generellen kämpferischen Einsatz konnte Tousart nach dem 0:1 im direkten Gegenzug den gefährlichen Angriff über Vladimir Darida einleiten, der nach dem weiten Seitenwechsel des Franzosen rechts im Strafraum den Ball auf Matheus Cunha zurücklegen wollte, wo der Brasilianer dann aber nicht mehr zum Abschluss kommen konnte.

In der 37. Minute ging Tousart etwas unaufmerksam mit dem Fuß zu einem halbhohen Ball, in den sich der Frankfurter Rode bereits in bekannter Manier mit allem, was er hat, reingeworfen hatte, sodass Herthas Mittelfeldspieler ihn mit dem Fuß am Kopf erwischte. Keine schmerzhafte Sache, die gelbe Karte war eventuell etwas zu hart, der Freistoß aber sicherlich richtig. Aus der Freistoßflanke von Daichi Kamada fiel dann in der Mitte das 0:2 durch Bas Dost. In der 45. Minute langte der Mittelfeldmann tief in der Frankfurter Hälfte ordentlich gegen André Silva zu und hatte etwas Glück, nicht verfrüht den Gang in die Duschen antreten zu müssen.

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In der zweiten Hälfte hatte Tousart dann wohl Wiedergutmachung geschworen und war deutlich höher auf dem Feld zu finden. Das lag zum einen an den tiefer stehenden Frankfurtern, zum anderen auch an Spielmacher Maier, der zur Pause für Darida eingewechselt wurde und größtenteils den Spielaufbau übernahm, sodass Tousart offensivere Räume besetzen und dort Gegenspieler binden konnte. So war der französische Neuzugang teilweise vor Maxi Mittelstädt vorne an der linken Außenbahn anzufinden.

Auch sonst zeigte Tousart etwas Zug zum Tor, zwang Kevin Trapp nach einem Offensivausflug von Torunarigha in der 53. Minute mit seinem Nachschuss zu einer Parade. In der 81. Minute brachte er eine Flanke von Dodi Lukébakio volley aufs Tor, der Ball war aber etwas zu unplatziert und schwach, um Trapp ernsthafte Probleme zu bereiten.

Beim dritten Gegentor in der 71. Minute schob Tousart nach der Klärungsaktion von Torunarigha mit zur linken Seite heraus, schuf so eine Überzahl auf der Seite und hatte dadurch aber dem freien Rode am Sechzehner Raum verschafft. Hier hätte in Absprache entweder Lucas Tousart oder Niklas Stark den Rückraum abdecken müssen. So waren beide in anderen Räumen mit Mitspielern in der Überzahl – hilft nur nichts, wenn dann der freie Mann den Ball bekommt.

Über die gesamte Spielzeit war Tousart körperlich sehr präsent, giftig und konsequent in den Zweikämpfen. Er konnte viele starke Ballgewinne verbuchen und mit seiner Körpersprache vorangehen. Trotzdem war er in der ersten Hälfte wie seine Mittelfeldkollegen im Aufbau überfordert und konnte das Spiel offensiv nicht in die richtigen Bahnen lenken.

In Hälfte zwei sah man dann im Zusammenspiel mit Arne Maier, wie sich Bruno Labbadia den Spielaufbau und das Offensivspiel seiner Mannschaft vorgestellt hatte. Nur musste der verletzungsanfällige Maier schon nach 21 Minuten mit bandagiertem Knie wieder vom Platz und so zeigt sich, warum Hertha noch immer auf der Suche nach einem zentralen Mittelfeldspieler mit Offensivdrang ist. Ein solcher ist Tousart nämlich eben nicht. Dafür defensiv sehr stark, offensiv brauchbar und mit seiner Körpersprache und dem Einsatzwillen nach einer gewissen Eingewöhnungszeit auch sicher ein so dringend gesuchter und benötigter Leader für das junge Hertha-Team.

Dedryck Boyata & Jordan Torunarigha – Kapitän Dedo über Bord, Jordan übernimmt das Steuer

Die Labbadia-Erfolgs-Innenverteidigung um Neu-Kapitän Dedryck Boyata und seinen kongenialen Partner Jordan Torunarigha durfte wie auch schon gegen Bremen von Beginn an ran. Und die beiden kompromisslosen Zweikämpfer waren von Beginn an gefordert.

Schon in der neunten Minute konnte André Silva über die rechte Abwehrseite an Niklas Stark vorbei durch Boyata hindurch in den Berliner Strafraum eindringen, wo Jordan Torunarigha wie so oft in höchster Not klären konnte. Dabei verletzte sich sein Gegenspieler Filip Kostic unglücklich am Knie und musste in der Folge ausgewechselt werden. Auch in der 16. Minute war Torunarigha zur Stelle, als Mittelstädt einen hohen Ball im Duell gegen Silva unterschätzt hatte.

Der nächste Ball in die Spitze auf den portugiesischen Stürmer der Eintracht führte in der 28. Spielminute zum Laufduell in welchem der Frankfurter nur auf die Bewegung Boyatas wartete, um geistesgegenwärtig den Ball vorbeizuspitzeln und sich vom Belgier abräumen zu lassen. Ein sehr plumpes Einsteigen des Berliner Kapitäns, was man leider auch in der vergangenen Saison schon das ein oder andere Mal beobachten konnte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Silva in der 30. Minute zur Frankfurter Führung.

Auch beim 0:2 sah die Herthaner Innenverteidigung nicht besonders glänzend aus. Beim Freistoß noch Boyata zugeteilt, konnte sich Dost durch einen leichten Schieber von diesem absetzen und zum Kopfball hochsteigen. Torunarigha versuchte noch zu retten, was nicht mehr zu retten war, sah gegen den niederländischen Riesen aber auch kein Land und konnte im Luftduell eigentlich nur noch zusehen, wie der Ball links im Tor einschlug.

Hatten die beiden Abwehrspieler in Hälfte eins noch dem glücklosen Mittelfeld den Spielaufbau überlassen, nahm sich Torunarigha von der linken Innenverteidiger-Position in der zweiten Halbzeit in altbekannter Manier immer häufiger selbst dessen an. Gemeinsam mit Maier auf halbrechts hatten die Berliner plötzlich zwei zuvor ungenutzte Waffen auf dem Weg nach vorne.

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So kam nach dem ersten Lúcio-esken Ausflug von Herthas Nummer 25 in Minute 52 der Ball per Flanke beinahe zu ihm zurück und nach Trapps notwendiger Faustabwehr zu Tousart, der den Frankfurter Schlussmann zu einer Parade zwang. Auch in der Folge konnte Torunarigha mit einigen klugen vertikalen Pässen die Frankfurter Reihen durchbrechen und gefährliche Aktionen einleiten.

Als auch das nicht mehr half, wurde es dem Berliner Urgestein zu bunt und er begab sich in Minute 77 einmal mehr selbst nach vorne, überlief die gesamte Frankfurter Defensivabteilung bis in den Strafraum, legte von der Grundlinie zurück und ließ Hinteregger keine andere Chance als den Ball vor Jhon Córdoba ins eigene Netz zu setzen.

Gestoppt werden konnte Torunarigha schließlich nur durch ein Foul von Kamada in der 84. Minute, nach welchem er nur noch humpelnd in beschränktem Aktionsradius unterwegs war.

Ganz im Gegensatz zu dieser Energieleistung des Berliner Eigengewächses präsentierte sich Dedryck Boyata ungewohnt ungenau und unkonzentriert. Nach den zwei unglücklichen Aktionen zu den Gegentoren in der ersten Hälfte verlor er in der 88. Minute als letzter Mann den Ball an Aymen Barkok, der glücklicherweise alleine vor Schwolow knapp rechts vorbei zirkelte.

Auch sonst ist Boyata nicht der Schlüsselspieler für den Spielaufbau, dafür aber umso wichtiger in der Zweikampfführung und körperlichen Präsenz in der Defensive. Gegen die starken und großen Frankfurter Stürmer sah er gestern ein ums andere Mal etwas ungelenk und zögerlich aus.

Abhaken. Solche Tage gibt es. Boyata und Torunarigha haben oft genug bewiesen, wie stark sie als Abwehrduo speziell im Zweikampf sind. An einem normalen Tag sollte man sich diesbezüglich keine Sorgen machen müssen. Und wenn sich Torunarigha ein Herz fasst, den riskanten Pass spielt oder direkt das Tempo anzieht und in die gegnerische Hälfte vorstößt, hat die Hertha eine offensive Option mehr im Spielaufbau. Sofern sich daneben noch ein kreativer Ballträger in die Spitze findet, der selbst auch etwas Torgefahr ausstrahlen kann, sollte auch die zuletzt so gelobte Offensive wieder Zugang zum Spiel finden.

Und dann war da noch:

Alexander Schwolow, der bei den Gegentoren chancenlos war und sich im Spiel kein Mal wirklich auszeichnen konnte, dafür nach dem Spiel im Interview deutliche Worte für die schwache erste Halbzeit fand und zurecht die fehlende Körperlichkeit der Herthaner „Schülermannschaft“ anprangerte.

Matheus Cunha, der sich in den ersten fünf Minuten zwei Mal kurz zeigte, dann völlig abtauchte, um in der starken Herthaner Phase zu Beginn der zweiten Hälfte wieder einige gefährliche Angriffe auf das Frankfurter Gehäuse zu fahren. Der Neu-Nationalspieler Brasiliens hätte in der 72. Minute im Anschluss an das 0:3 nach einem Frustfoul gegen Martin Hintereggers Schienbein eher Rot statt Gelb sehen müssen.

Krzysztof Piątek, der mal wieder kaum Anspiele bekam und völlig in der Luft hing. Die wenigen halbwegs brauchbaren hohen Bälle konnte er nicht verarbeiten und zog im Zweikampf mit den Hünen in der Frankfurter Innenverteidigung stets den Kürzeren. Der Pole musste zur Halbzeit raus und wurde von Jhon Córdoba ersetzt, der seinerseits von den zielstrebigeren Angriffen Herthas zu Beginn der zweiten Hälfte profitieren konnte, sich das ein oder andere Mal erfolgreich als Wandspieler einsetzte. So kam er in der 62. und 65. Spielminute auch gefährlich vors Frankfurter Tor und ließ in der 77. Minute nach starkem Sololauf von Torunarigha einschussbereit Martin Hinteregger den Vortritt zum 1:3-Endstand.

Deyovaisio Zeefuik, der zur Halbzeit für den offensiv unauffälligen aber defensiv soliden Peter Pekarik kam und mehr Druck nach vorne entwickeln sollte. Der niederländische U21-Nationalspieler zeigte sich dann auch ab und an in der Frankfurter Hälfte, ohne dabei besonders gefährlich zu werden, blieb defensiv trotz teils unkonventioneller Zweikampfführung fehlerlos, konnte dem Spiel aber insgesamt keine neue Wendung mehr geben.

Arne Maier, der nach neuerlich öffentlich geäußerten Wechselabsichten in der zweiten Hälfte für Vladimir Darida ins Spiel kam, um als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff zu fungieren und den Ball auch mal zu den Stürmern gelangen zu lassen. Er führte sich direkt dynamisch ein und ließ in seiner ersten Aktion zwei pressende Frankfurter in der Berliner Hälfte verdutzt stehen. Maier initiierte einige vielversprechende Angriffe und zeigte exakt auf, was der Hertha in der ersten Hälfte noch abging, musste aber tragischerweise schon 21 Minuten nach seiner Einwechslung verletzt vom Platz.

[Titelbild: IMAGO]

Herthaner im Fokus: SV Werder Bremen – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: SV Werder Bremen – Hertha BSC

Nach dem turbulenten Pokalaus in Braunschweig ging es am ersten Bundesligaspieltag für die Mannschaft der „Alten Dame“ in die Hansestadt nach Bremen. Erneut schoss man vier Tore, jedoch konnten die Berliner dieses Mal mit einem Sieg in der Tasche nach Hause fahren. Man zeigte einen deutlich stabileren Auftritt und konnte seine individuelle Qualität offensiv gut auf den Platz bringen. Auch in dieser Saison wollen wir auf herausstechende – positiv wie negativ – Leistungen von Herthanern blicken – heute für den 4:1-Sieg über den SV Werder Bremen.

Dedryck Boyata – sorgt für Stabilität

Zum Pokalspiel letzte Woche wurde Dedryck Boyata aufgrund von Beschwerden an der Achillessehne noch schmerzlich vermisst. Nun kehrte der Belgier zusammen mit Jordan Torunarigha in die Herthaner Innenverteidigung zurück und konnte sogleich mit einer starken Leistung überzeugen.

In der insgesamt chancenarmen ersten Hälfte des Spiels hatte Hertha die größeren Spielanteile und 60% Ballbesitz. Boyata war also vor allem im flachen Spielaufbau der Hertha gefragt. Gewohnt sicher verteilte er die Bälle ohne dabei zu sehr ins Risiko zu gehen. 53 seiner 59 Pässe kamen so beim Mitspieler an, Bestwert unter allen 22 Spielern. Die meisten davon spielte er nicht in die Tiefe, sondern zu seinen Partnern in der Viererkette, einem abkippenden Mittelfeldspieler oder Alexander Schwolow im Tor. Nur eine Szene im Spielaufbau muss man dem 29-Jährigem ankreiden: in der 30. Minute spielte er unbedrängt einen Fehlpass zum Gegenspieler. Werder konnte von diesem Fehler dank einer Parade von Alexander Schwolow aber nicht mit einem Treffer profitieren. Sonst blieb Boyata fehlerfrei und stand stets als Anspielstation in der Viererkette zur Verfügung. Insgesamt kommt „Dedo“ so auf 76 Ballkontakte. Höchstwert bei der Hertha.

Photo by Martin Rose/Getty Images

In der zweiten Hälfte nahm das Spiel mehr Fahrt auf und die Bremer übten nach Rückstand gezwungenermaßen zeitweise mehr Druck aus. So waren auch die Defensivspieler stärker gefragt. Besonders Boyata konnte neben Torunarigha bei der Arbeit gegen den Ball glänzen. Zahlreiche Hereingaben fing er durch kluges Stellungsspiel ab, Flanken klärte er mit starkem Kopfballspiel und insgesamt zeigte er eine große Präsenz rund um den eigenen Sechszehner. Einige Angriffe konnte Boyata bereits früh unterbrechen indem er herausrückte, um den Gegenspieler unter Druck zu setzen. Diese starke Defensivleistung schlägt sich auch in den Statistiken nieder: Sieben geklärte (alle zentral am und im Strafraum), drei abgefangene Bälle.

Nur einmal sorgte Boyata bei seiner Defensivarbeit für einen Schreckmoment, als er einen Fernschuss gefährlich per Kopf ablenkte. Doch Schwolow war auch hier zur Stelle. Ansonsten zeigte sich der rechte Innenverteidiger deutlich stärker im Zweikampf und in der Arbeit gegen den Ball als seine Kollegen eine Woche zuvor. Auch seine Bedeutung bei Standards konnte er gegen Bremen zeigen, als er sich in der 71. Minute bei einer Ecke gut durchsetzte und den Kopfball knapp über das Tor köpfte. Ähnlich stark präsentierte er sich auch defensiv bei den ruhenden Bällen.

Boyata war durch seine gute Leistung mit dafür verantwortlich, dass Werder Bremen über weite Teile so wenig Gefahr ausstrahlte. Zusammengefasst erfüllte Boyata also die Hoffnungen auf einen stabileren Auftritt mit ihm in der Innenverteidigung und zeigte, wie schon in weiten Teilen der letzten Saison, eine gewohnt starke Darbietung als Abwehrchef.

Peter Pekarik – nicht nur defensiv gefragt

Der Ein oder Andere wird sicherlich überrascht gewesen sein als am Samstag um 14:30 die Aufstellung bekannt gegeben wurde. Denn nicht etwa der vielversprechende Neuzugang Deyovaisio Zeefuik startete für die Berliner auf der Rechtsverteidigerposition, sondern Peter Pekarik, der über die letzten Jahre eigentlich nur als Ersatzspieler gefragt war. Der Slowake sollte seine Berufung in die Startelf jedoch absolut rechtfertigen.

In der Anfangsphase machte Pekarik nur in einer Szene wirklich auf sich aufmerksam. Nach einem Einwurf auf der rechten Seite tief in der Bremer Hälfte erhielt Pekarik den Ball. Er schaltete schnell und schlug eine präzise Flanke genau auf den Elfmeterpunkt. Dort lauerte bereits Piatek, setzte sich stark gegen zwei Gegenspieler durch und lenkte den Ball per Kopf an die Latte. Die erste richtige Tormöglichkeit für Hertha. Ansonsten nahm Pekarik solide am Kombinationsspiel und den längeren Ballbesitzstaffetten der Mannschaft teil. Aber so wie das ganze Spiel zu Beginn sonst recht ereignislos blieb, war auch Pekarik nicht sonderlich auffällig, machte seine Arbeit aber solide. Wie unter Labbadia üblich positionierte sich der Rechtsverteidiger etwas höher, während Darida abkippte. Von seiner Positionierung profitierte Pekarik dann auch in 41. Minute als das 1:0 fiel. Pekarik entschied sich bei einer potentiellen Gefahrensituation dazu, mit bis in den Strafraum der Bremer zu gehen. Pekariks Gespür und die gute Strafraumbesetzung der Berliner zahlte sich aus, denn Mittelstädt brachte den Ball nun von links mit viel Schnitt in den Raum zwischen Torwart und Bremer Defensivspielern. Während Lucas Tousart und Krzysztof Piatek den Ball zentral knapp verpassten, lauerte Pekarik am zweiten Pfosten und versenkte den Ball im Netz.

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Nur drei Minuten später stand Peter Pekarik erneut im Fokus. Am rechten Strafraumrand erhielt er den Ball und versuchte mitsamt an Gegenspieler Marco Friedl vorbei in den Strafraum zu gehen. Dieser konnte ihn jedoch nur mit einem Foul aufhalten und brachte Pekarik zu Fall. Schiedsrichter Sasha Stegemann entschied zunächst auf Elfmeter, wurde dann aber vom VAR informiert und gab Freistoß, da das Foul außerhalb des Strafraums begonnen habe. Eine knappe Entscheidung nach der erneut starken Aktion des 33-Jährigen.

Nach der Halbzeit war Pekarik vor allem defensiv gefordert, denn das Spiel wurde zerfahrener und Herthas Ballbesitzphasen kürzer. Und auch das machte er gewohnt stark. Nur einmal kamen die Bremer über seine Seite gefährlich vors Tor. Pekarik setzte Flankengeber Ludwig Augustinson nicht ausreichend unter Druck. So schlug dieser den Ball an den zweiten Pfosten, wo Davie Selke nur noch einköpfen musste. Sonst gab es kaum ein durchkommen für die Bremer auf der rechten Seite und Pekarik verteidigte stark. Dafür sprechen auch die fünf abgefangenen Bälle, die vier Ballsicherungen und zwei klärenden Aktionen. Hinzukommt, dass er ganz ohne Foul auskam.

Erneut zeigt Pekarik also eine insgesamt sehr starke Leistung und knüpfte an seine Einsätze aus der letzten Saison an. Nach dem Spiel bekam er auch von Trainer Bruno Labbadia Lob: Pekarik sei ein „Vorbild für jeden jungen Spieler“ und würde sich stets sehr professionell verhalten. Pekarik zeigte sich in Bremen als ältester Spieler bei Hertha auf dem Platz vielleicht nicht als der dringend gesuchte Wortführer, aber er ging die mit seiner starken Leistung voran und führte das Team so zum Sieg. Spiet Pekarik so weiter, wird es nicht leicht für Neuzugang Zeefuik an ihm vorbeizukommen.

Matheus Cunha – da geht noch mehr

Matheus Cunha spielte am Samstag, wie auch schon in der Vorbereitung, als kreatives Element hinter dem Mittelsturm. Er ließ sich zwar oftmals fallen, um als Anspielstation zu dienen, konnte aber in den ersten 40 Minuten nicht dazu beitragen, mehr Zug zum Tor und Dynamik in das Spiel zu bringen. Dabei ist Cunha einer der wenigen Spieler in Herthas Kader, die das Ballbesitzspiel mit ihrer Kreativität noch unberechenbarer und gefährlicher machen können. Diese Qualität ließ er zwar immer wieder aufblitzen, einen bleibenden Eindruck aus der ersten Halbzeit konnte er aber nicht schaffen. Aber auch als Mannschaft schaffte man es zu wenig Cunha in Eins-gegen-eins-Situationen zubringen, in denen er so gefährlich sein kann.

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In der zweiten Hälfte war Cunha vor allem in Umschaltsituationen involviert, nachdem er sich auch recht fleißig im Gegenpressing und in der Arbeit gegen den Ball präsentierte. Neun Ballsicherungen und vier abgefangene Bälle sind für einen Angreifer ein sehr guter Wert. In den angesprochenen Umschaltmomenten zeigte sich Cunha nicht immer allzu glücklich. Öfters wählte er die falsche Entscheidung oder ihm fehlte die nötige Übersicht. So zum Beispiel in der 58. Minute als er anstatt den freistehenden Tousart anzuspielen, den eigenen Abschluss wählte. Und es gab weitere Situationen, bei denen man das Gefühl hatte, dass man diese hätte besser lösen können. Teilweise blieb Cunha zu lang am Ball oder verschleppte das Tempo ein wenig. So hatte der Brasilianer insgesamt 20 Ballverluste zu verantworten.

Und obwohl Cunha bei weitem nicht sein bestes Spiel zeigte, traf er erneut. Nach einem langen Ball und der Weiterleitung über Cordoba und Darida, zielte er auf das lange Toreck, traf den Ball aber nicht optimal. Jiri Pavlenka schaffte es dennoch nicht den Ball zu halten und so konnte Cunha mit dem Team das 3:0 bejubeln. Außerdem muss auch seine Dribbelstärke erneut hervorgehoben werden. Fünfmal schaffte er es seine Gegenspieler auszuspielen und ermöglichte dem Team so oft einen wichtigen Raumgewinn oder sich aus dem Druck zu befreien.

Schafft es Cunha noch etwas konstanter in seinen Aktionen zu werden und seine Entscheidungsfindung zu verbessern, steht einer tollen Saison mit vielen Torbeteiligungen als Unterschiedsspieler nichts im Weg.

Valdimir Darida – Spieler des Spiels

Vladimir Darida wurde gegen Bremen zum Spieler des Spiels. An seiner Leistung gab es quasi nichts zu kritisieren und an fast allen Offensivaktionen war er beteiligt. Im Ballbesitz ließ er sich viel auf die Rechtsverteidigerposition fallen und beteiligte sich so am Spielaufbau. Aus genau so einer Situation spielte er auch einen sehenswerten langen Ball auf Piatek. Dieser nahm den Ball gut an, stand jedoch knapp im Abseits. Immer wieder löste sich der Tscheche von seinem Gegenspieler, war anspielbar und bildete Dreiecke auf der rechten Seite. 

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Besonders das Zusammenspiel mit Pekarik hinterließ einen positiven Eindruck. Beim Lattentreffer von Piatek legte er den Ball zu Pekarik zurück, der dann die Flanke schlug. Beim beinahe gegebenen Elfmeter in der 44. Minute steckte Darida dann den Ball clever zu Pekarik durch. Eine Minute später war er erneut am Angriff beteiligt. Den Ballgewinn von Cunha in zentraler Position nutzte Darida herausragend und spielte einen perfekt getimten Schnittstellenpass auf den einlaufenden Dodi Lukebakio, der sicher verwandelte. In der 62. Minute gab es eine ganz ähnliche Situation. Jhon Cordoba schirmte einen Ball gut ab, Darida übernahm und spielte erneut mit viel Übersicht einen guten Pass auf den besser positionierten Cunha, der ebenfalls traf. Die Antwort auf die Frage, wer den Angriff jetzt eigentlich eingeleitet hatte, lautete gegen Bremen fast immer Darida. Er behielt stets die Übersicht und traf gute Entscheidungen.

Das gilt auch für die Defensivarbeit. Mit hoher Intensität beteiligte sich Darida am Pressing und Gegenpressing und unterstütze Pekarik auf der rechten Seite. Sehr diszipliniert verrichtete er seine Arbeit und war gewohnt laufstark (13,1 Kilometer, 34 Sprints und 109 Intensive Läufe sind jeweils Bestwert der Partie). Auch in anderen Bereichen lohnt sich ein Blick auf die Zahlen: zwei Torvorlage, drei Torschussvorlagen, eine herausgespielte Großchance, ein Keypass, drei abgefangene Bälle und sechs Ballsicherungen. Alle Werte unterstreichen seine Leistung noch einmal.

Rundum also eine starke Leistung von Valdimir Darida, der sowohl für die nötige Stabilität sorgte und gleichzeitig wichtiger Bestandteil im Offensivspiel war.

Jhon Cordoba – schlägt direkt ein

Erst am Dienstag wurde der Transfer von Jhon Cordoba offiziell gemacht. Zu seiner Vorstellung wurde mit den Attributen „Wucht, Dynamik und Durchsetzungsvermögen“ von Michael Preetz beschrieben. Vier Tage später kam er bereits zu seinem ersten Einsatz für Hertha.

Photo by Martin Rose/Getty Images

In der 61. Minute kam Cordoba für Piatek, der nicht seine beste Leistung zeigte, auf den Platz. Nur wenig später konnte er diese Stärken das erste Mal zeigen. Einen langen Abschlag von Alexander Schwolow schirmte er perfekt vom Gegenspieler ab, setzte dafür seinen Körper gut ein und ermöglichte Darida die Torvorlage zum 3:0. Nur rund zehn Minuten später hatte Cordoba dann selbst die Chance auf ein Tor. Nach einem Ballgewinn startete Torunarigha einen seiner berüchtigten Offensivläufe, war nicht zu stoppen und spielte einen tollen Pass auf den startenden Cordoba. Dieser stand nun allein vorm Torwart, vergab jedoch eine Riesenmöglichkeit. Zwei weitere Male kam Cordoba in der Schlussphase noch zu nennenswerten Abschlüssen, bevor er sein Debüt-Tor feiern konnte und den Sieg der Hertha endgültig besiegelte. Ein schöner Konter über Tousart und den ebenfalls eingewechselten Mathew Leckie, der gut in die Tiefe startete und den Ball überlegt mit dem Außenrist rüber zum freistehenden Cordoba legte, führte zum ersten Tor des Kolumbianers für seinen neuen Verein.

Insgesamt wirkte Cordoba in den etwas mehr als 30 Minuten deutlich präsenter als zuvor Piatek. Das lag auch an der ereignisreicheren Schlussphase des Spiels, aber der 15-Millionen-Neuzugang schaffte es in der kurzen Zeit sehr gut sich in die Mannschaft einzufügen und konnte mit seiner physischen Präsenz für Gefahr sorgen. Noch ein kurzer Blick auf die Zahlen bestätigt diesen Eindruck. Vier Torschüsse, alle sieben Pässe angekommen und ein Tor sind für einen in der 61. Minute eingewechselten Spieler sehr starke zahlen.    

Cordoba brauchte also keine lange Eingewöhnungszeit und bereitet Vorfreude auf weitere Auftritte.

[Titelbild: IMAGO]

Herthaner im Fokus: Ajax Amsterdam – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Ajax Amsterdam – Hertha BSC

Am Dienstag stand der zweite Test der diesjährigen Sommervorbereitung an. Nach Viktoria Köln wartete nun mit Ajax Amsterdam ein renommierter Name auf unsere Hertha. In der Johan Cruijff ArenA zu Amsterdam konnten sogar über 5.000 Zuschauer das Spiel live vor Ort verfolgen und den Spielern schon einen kleinen Ausblick auf die Stimmung in zukünftigen Spielen vor corona-gerechtem Publikum geben.

Wir blicken auf die auffälligsten Herthaner in diesem internationalen Härtetest.

Alexander Schwolow – Hand und Fuß – Licht und Schatten

Der Neuzugang vom SC Freiburg durfte sich auch im zweiten Testspiel von Anfang an beweisen und in der ersten Hälfte gegen das international vertretene Ajax Amsterdam auf mehr Arbeit als gegen Drittligist Viktoria Köln hoffen.

Und so kam bereits in der dritten Minute nach einem Freistoß von halbrechts per Kopfballverlängerung ein Amsterdamer frei am Fünfmeterraum zum Kopfball, setzte diesen aber knapp rechts am Tor vorbei, sodass Alexander Schwolow nicht eingreifen musste.

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In der zwölften Minute war Herthas Keeper dann allerdings chancenlos. Der durch Krzysztof Piątek abgefälschte Freistoß von Zakaria Labyad trudelte ins rechte Eck zur Führung für die Niederländer.

In der Folge war „Schwolli“ größtenteils per Fuß gefordert – im Spielaufbau. Weil sich die Herthaner Viererkette sowie die beiden Sechser Lucas Tousart und Vladimir Darida mit Ball am Fuß äußerst schwer taten, folgte häufig zwangsläufig der Pass zurück zum Torwart, der seinerseits ebenfalls kaum Anspielstationen vorfand und das Leder entsprechend oft auf die weite Reise schicken musste. Dabei ging meistens spätestens der zweite Ball verloren, häufiger mussten die Balljungen auch ausschwärmen, um die Spielbälle vom angrenzenden Parkplatz zurückzuholen. Das war man in der letzten Saison so oder ähnlich auch von Rune Jarstein gewohnt gewesen.

Die große Stunde des ehemaligen Freiburgers schlug schließlich in der 25. Minute als er nach einer halbhohen Hereingabe von links den Schuss des heranrauschenden Stürmers aufs kurze Ecke mit einer starken Fußabwehr vereiteln konnte.

Der rechte Fuß des 28-Jährigen stand also heute im Fokus und zeigte dabei Licht und Schatten. Im Spielaufbau wurde er zu häufig allein gelassen und musste sich mit dem langen Hafer zufriedengeben. In seiner Haupttätigkeit, dem Tore verhindern, klappte das Ganze allerdings schon hervorragend und bewies, dass sich Hertha nach den schwächeren Auftritten von Rune Jarstein in der Vorsaison auf der Torhüterposition verstärkt hat.

Tousart / Darida vs. Ascacíbar / Maier – Doppelsechs-Duo-Duell

Herthas Doppelsechs-Besetzung steht weiter unter Beobachtung. Wie schlägt sich Neuzugang Lucas Tousart, wie das zuletzt lange verletzte Talent Arne Maier? Auch Santiago Ascacíbar kam verletzungsbedingt unter Bruno Labbadia erst zu einem Bundesliga-Einsatz über drei Minuten. Und dann gibt es da nach wie vor die Gerüchte um einen neuen Zentrumsspieler…

Hertha-Coach Labbadia ließ Tousart in der ersten Hälfte diesmal mit dem wiedergenesenen Vladimir Darida anstelle seines Vertreters Niklas Stark auflaufen, in Halbzeit zwei durften sich Arne Maier und Santiago Ascacíbar in der gleichen Zusammensetzung zusammenfinden, wie schon gegen Viktoria Köln.

Foto: IMAGO

Lucas Tousart zeigte sich von Anfang an engagiert, lief viel von links nach rechts und von rechts nach links, meist mit einem Ajax-Gegenspieler im Schlepptau. Das Aufbauspiel, das wie für Labbadia üblich vorsah, die beiden Außenverteidiger sehr hoch stehen zu lassen und dafür einen der Sechser in eine der freien Positionen auf außen fallen zu lassen, kam trotzdem nicht so richtig in Gang. Herthas Angriff blieb größtenteils unbeweglich und fiel so fast dauerhaft als Anspielstation von hinten heraus aus. Schwolows Versuche, die Stürmer über lange Bälle ins Spiel zu bringen, schlugen meist fehl. Auch Tousart konnte die Ideenlosigkeit im Aufbau nicht wirklich beseitigen, bot sich zwar immer wieder auch an den Seiten an, konnte dann aber seinerseits nur selten einen freien Mitspieler in der Offensive finden.

In der Defensive zeigte er sich wie auch schon gegen Köln unaufgeregt und souverän bis auf die elfte Minute, als er von einem Amsterdamer Doppelpass übertölpelt wurde und Deyovaisio Zeefuik so zum Foulspiel greifen musste, das zum Treffer per Freistoß für Ajax führte. Dahingegen konnte der französische Neuzugang sowohl in der 16. als auch in der 21. Minute starke Ballgewinne verbuchen und seinen Ruf als intelligenten, spielstarken Abräumer bestätigen.

Als er sich in der 34. Minute dann doch einmal so richtig ins Offensivspiel einschaltete, wurde es auch direkt gefährlich. Tousart verfolgte einen hohen Ball, gewann das Kopfballduell und konnte so die Kugel zu Piątek bringen, der seinerseits auf Matheus Cunha verlängern konnte. Dem Brasilianer aber versprang der Ball leicht, sodass die Ajax-Abwehr die Situation bereinigen konnte.

Das Offensivspiel wäre in dieser Konstellation wohl eher eine Sache für Vladimir Darida gewesen. Der tschechische Nationalspieler blieb aber die gesamte Halbzeit unsichtbar und konnte weder defensiv noch offensiv nennenswerte Akzente setzen. Von seinen omnipräsenten Leistungen am Ende der zurückliegenden Saison scheint er noch weit entfernt, auch wenn dem 30-Jährigen zugute gehalten werden muss, dass das defensive Mittelfeld wohl nicht unbedingt zu seinen Fähigkeiten passt und er weiter vorne eingesetzt werden müsste.

Im Halbzeit zwei durften sich dann wieder Arne Maier und Santiago Ascacíbar gemeinsam auf dem Feld tummeln. Und es scheint, als hätten die gemeinsamen Minuten das Zusammenspiel schon ordentlich verbessert.

Der Argentinier hielt sich mit offensiven Ausflügen sehr zurück, räumte aber wie üblich als Staubsauger auf und hielt Maier den Rücken frei. Seine defensiven Künste konnte er eindrücklich in den Minuten 53 und 68 per kompromissloser (sauberer!) Grätsche wie auch in der 71. Minute zeigen, als er einen Schuss auf das Tor wenige Meter vor der Linie klärte.

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Maier dahingegen riss das Spiel an sich und zeigte auf, was in Halbzeit eins gefehlt hatte – ein Taktgeber, der mit seinen Pässen den Raum öffnen kann.

Der Offensivdrang und die Spielfreude waren unübersehbar. Der Spielaufbau funktionierte insgesamt wesentlich besser als in Halbzeit eins, wobei das gesamte Team einen besseren, dynamischeren Eindruck hinterließ. Über Maier lief das Offensivspiel, schon in der 51. Minute dribbelte er stark nach vorne, später leitete er in der 59. Minute den Pfostenschuss von Daishawn Redan ein. Auch in der 64. Minute schickte er Leckie mit einem lässigen Doppelpass zu einer guten Chance in den Strafraum, wo der Australier allerdings noch an einem Abwehrbein scheiterte.

Insgesamt zeigte Maier, was man von einem spielmachenden Sechser erwartet. Im Zusammenspiel mit Ondrej Duda auf der Zehn kamen einige vielversprechende Angriffe zustande, wenngleich es häufig doch noch am letzten Pass haperte und Hertha nicht mit hundertprozentigen Chancen aufwarten konnte. Maier verband, ganz anders als Darida im ersten Durchgang, die Mannschaftsteile aus Defensive und Offensive. Auch das Zusammenspiel mit Ascacíbar funktionierte noch einmal besser als gegen Köln.

Vielleicht hat Hertha seine Doppelsechs nun also schon gefunden?

Vladimir Darida wird sich jedenfalls noch ordentlich steigern müssen. Lucas Tousart gilt als spielstärkerer Abräumer als Ascacíbar – es könnte sich dort also eine kreative Zentrale mit Arne Maier anbieten, die Bruno Labbadia mit Sicherheit in den kommenden Testspielen ausprobieren wird. Der junge Berliner scheint jedenfalls nach seiner langwierigen Verletzung endlich wieder auf dem richtigen Weg gen Topform zu sein. Auch der argentinische Staubsauger Ascacíbar machte seine Sache jetzt zwei Mal sehr ordentlich – ihm könnte nur Neuzugang Tousart oder die anvisierte Neuverpflichtung im Mittelfeld im Wege stehen.

Herthas Zentrale stellt zurzeit noch die größte Baustelle dar. Die Ansätze in Halbzeit zwei und die sichtbare Verbesserung im Zusammenspiel machen aber Hoffnung, dass auch schon mit dem vorhandenen Personal eine mehr als ordentliche Besetzung der Doppelsechs möglich ist.

Spannend bleibt abzuwarten, welcher Zusammensetzung auf dem Herzstück seiner Spielidee Bruno Labbadia in den nächsten Testspielen den Vorzug gibt und welches Duo sich so langsam aber sicher in der Zentrale festspielt.

Jessic Ngankam – Dauergast in der Testspiel-Startelf

Wie schon im ersten Test gegen Viktoria Köln durfte sich Jessic Ngankam von Anfang an auf der linken Angriffsseite neben Matheus Cunha und Dodi Lukébakio im offensiven Dreiermittelfeld beweisen.

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Und er machte seine Sache ordentlich. Im eher statischen Spiel der Hertha belebte er einige Male mit beherzten Dribblingeinlagen die Offensive und konnte so nach schöner Ballverlagerung von Niklas Stark den ersten Abschluss von Hertha-Seite in Minute 26 verzeichnen und eine Ecke herausholen. Nur drei Minuten später kam Hertha wirklich gefährlich vors Tor, nachdem Cunha einen Konter nach links in den Strafraum zu Ngankam verlagerte, dessen Hereingabe aber viel zu ungenau geriet. Auch in der 45. Minute bewies der Herthaner Nachwuchsangreifer noch einmal Übersicht und zog mit einem Dribbling von der linken Seite nach innen und verlagerte das Spiel auf die rechte Seite, wo der Ball schließlich im Zusammenspiel zwischen Lukébakio, Piątek und Zeefuik versandete.

Wenig überraschend, aber dennoch bemerkenswert zeigte sich Ngankam auch immer wieder in der Defensive und unterstütze Plattenhardt mit helfendem Fuß, wo er nur konnte. Gemeinsam hatten die beiden die linke Abwehrseite im Griff.

Jessic Ngankam konnte im eher lahmen Spiel der ersten Hälfte einige Akzente setzen und zeigt so, warum Labbadia ihn offenbar weiterhin als ernsthaften Kandidaten für den Bundesliga-Kader sieht und ihm in der Vorbereitung schon einiges an Spielzeit einräumt. Möglicherweise kann er in etwas veränderter Mittelfeldkonstellation seine Stärken im Eins-gegen-Eins in Strafraumnähe und den wuchtigen Abschluss noch besser ausspielen. Das müssen die nächsten Testspiele zeigen.

Maxi Mittelstädt – Berliner Reinkarnation Willy Sagnols

Der Berliner hatte im ersten Testspiel gegen Köln noch angeschlagen ausgesetzt und wollte nun den Kampf um den Stammplatz links in der Viererkette aufnehmen.

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Seiner Hauptaufgabe in der Defensive kam Mittelstädt routinemäßig nach, bügelte beispielsweise in der 66. Minute in einem Laufduell eine etwas zu zaghafte Zweikampfführung von Mathew Leckie aus. Im Spiel nach vorne klebte er nicht mehr so sehr an der Seitenlinie wie noch Marvin Plattenhardt in der ersten Halbzeit und konnte die sich ihm bietenden Räume gefährlicher bespielen. Auffällig oft griff der 23-Jährige dabei zum einem Stilmittel, dass zu Willy Sagnols Zeiten beim FC Bayern Hochkonjunktur hatte. So ergab sich die große Chance für den nachsetzenden Daishawn Redan nach einer abgefälschten Halbfeldflanke.

Diese Tormöglichkeit bestärkte Mittelstädt offenbar in seiner Vorgehensweise, sodass der Linksverteidiger auch in der Folge noch das eine oder andere Mal in bester Willy Sagnol-Manier zur Halbfeldflanke griff und damit gefährliche Chancen kreierte. Auch abseits davon präsentierte er sich im Offensivspiel ideenreicher und kombinationssicherer als zuvor noch Plattenhardt, der allerdings auch keinen spielfreudigen Torunarigha neben sich wusste.

Sehenswert auch noch Mittelstädts technisch versierte Volleyflanke in der 61. Spielminute aus dem eigenen Strafraum die ganze Seitenlinie entlang auf den startenden Redan, der schlussendlich aber im Laufduell den Kürzeren zog.

Maxi Mittelstädt wusste in Halbzeit zwei zu überzeugen. Dabei kamen ihm neben dem aktiveren Hertha-Mittelfeld auch leichte Ermüdungserscheinungen in der Ajax-Abwehr zugute, die er allerdings auch klug ausnutzte. Im engen Kampf um den Stammplatz auf der Linksverteidiger-Position konnte er sich so aber einen kleinen Vorteil gegenüber Plattenhardt erarbeiten.

Und dann war da noch:

Karim Rekik, der  sich in der 44. Minute nach einem zu riskanten Pass von Schwolow sehenswert per Hackentrick gegen zwei Ajax-Stürmer durchsetzen konnte, sonst aber wie der Rest des Hertha-Teams in Halbzeit eins ziemlich ideenlos im Spielaufbau wirkte. Defensiv agierte der Niederländer gemeinsam mit Partner Niklas Stark dabei durchaus solide, in der Offensive verzeichnete er die beste Hertha-Chance in Minute 35, als  Ajax-Keeper Maarten Stekelenburg an einer Ecke von Matheus Cunha vorbeisegelte, Rekik unter Bedrängnis den Ball aber per Aufsetzer über das verwaiste Tor bugsierte.

Deyovaisio Zeefuik, der anders als noch gegen die Kölner keine nennenswerten Akzente in der Offensive setzen konnte – was aber auch an der schwachen Performance von Vordermann Dodi Lukébakio lag. Zeefuik verursachte in der elften Minute zwar den Freistoß, der zum 1:0 führte, bügelte dabei aber eigentlich eher einen vorangegangen Fehler von Tousart aus. In der Defensive zeigte sich der Neuzugang insgesamt wieder grundsolide, obwohl er auch mal die Hacken seines Gegenspielers zu Gesicht bekam.

Rune Jarstein, der in der 52. Minute einen Schuss aus dem Strafraum noch gerade an den Pfosten lenken konnte und im Nachschuss dann den Torschützen zum 1:0 Zakaria Labyad derart bedrohlich angeschaut haben muss, dass dieser den Ball aus wenigen Metern haushoch über das leere Tor jagte.

Jordan Torunarigha, der in der zweiten Hälfte mit seinen punktgenauen, riskanteren Pässen zeigte, was Hertha in der ersten im Spielaufbau gefehlt hatte. Wie üblich ließ er es sich auch nicht nehmen, einige Male das Heft des Handelns selbst in die Hand bzw. in den Fuß zu nehmen und per Dribbling bis tief in die Amsterdamer Hälfte vorzustoßen, um dann einen öffnenden Pass zu spielen. Torunarigha fehlte auch im ersten Testspiel noch – und wie. Aus der Startelf nicht wegzudenken.

Daishawn Redan, der sich wie auch schon gegen Viktoria Köln sehr bemüht und umtriebig zeigte und sich ein paar vielversprechende Angriffe selbst erarbeitete. Dabei vereitelte er per unfreiwilliger Hackenabwehr einen Angriff in der 75. Minute selbst und agierte auch sonst öfters unglücklich in den entscheidenden Situationen. Die beste Hertha-Chance in Durchgang zwei verzeichnete in der 59. Minute dennoch der nimmermüde Stürmer aus der Ajax-Jugend, als er bei einer abgefälschten Flanke aus dem linken Halbraum von Maxi Mittelstädt nachsetzte, tatsächlich vor Ajax-Torwart Stekelenburg an den Ball kam und die Kugel an den Außenpfosten setzte.

Ondrej Duda, der sich wie schon im letzten Test nominell auf der Zehn vergnügen durfte, aber eigentlich überall auf dem Platz anzufinden war und insbesondere mit Javairo Dilrosun und Arne Maier einige schnelle Passkombinationen auf den Rasen zauberte. Seine Volleyabnahme in der 90. Minute nach einer abgewehrten Hertha-Ecke setzte den Schlusspunkt unter die 0:1-Niederlage gegen die Niederländer.

Herthas Aufstellungen

1. Halbzeit: Schwolow – Zeefuik, Stark, Rekik, Plattenhardt – Darida, Tousart – Lukébakio, Cunha, Ngankam – Piątek

2. Halbzeit: Jarstein – Pekarik, Dardai, Torunarigha, Mittelstädt – Ascacíbar, Maier – Leckie, Duda, Dilrosun – Redan

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Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Viktoria Köln

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Viktoria Köln

Es geht wieder los. Endlich! Endlich? Die Aussicht auf weitere Bundesligaspiele vor leeren Rängen lässt anders als in bisherigen Sommerpausen nicht unbedingt das Wasser im Munde zusammenlaufen, doch die Welt dreht sich weiter und König Fußball regiert noch immer. So stand am Freitagnachmittag auch für unsere Hertha in Vorbereitung auf die Saison 2020/21 das erste (externe) Testspiel an. Gegner im Amateurstadion war die Viktoria aus Köln.

Und wie immer heißt Vorbereitung und Transferphase auch neue und altbekannte Gesichter auf dem Platz begrüßen – einige haben wir für euch bei diesem Damenduell in den Fokus genommen.

Deyovaisio Zeefuik – Die Lösung auf rechts?

Der niederländische Rechtsverteidiger kam in der Sommerpause nach längerem Hickhack vom FC Groningen und soll die bisherige Schwachstelle in der Viererkette beheben. Und nach zaghaften Anfangsminuten zeigte „Deyo“ auch wofür man ihn geholt hat. Im Zusammenspiel mit Dodi Lukébakio schaltete sich der Abwehrmann mehrmals mit in die Offensive ein und konnte mit seiner Schnelligkeit den Kölner Linksverteidiger vor Probleme stellen.

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Zwar fehlte ihm bei seinem Flankenversuch in der 15. Minute noch ein wenig die Übersicht, doch schon in Minute 29 wurde es nach einem Doppelpass mit Lukébakio gefährlich bis ihn schlussendlich ein eigener Stolperer stoppte. Zwei Zeigerumdrehungen später war der Niederländer schon wieder am rechten Kölner Strafraumeck unterwegs und brachte mit einem schönen Pass in den Rückraum Krzysztof Piątek in Position, der sich aber ein wenig festlief. Schnurstracks nahm sich „Deyo“ selbst der Sache an, setzte nach und konnte die Chance am Leben erhalten, wenngleich Piąteks anschließende Flanke auf Jessic Ngankam zu ungenau kam.

Vor defensive Aufgaben wurde Zeefuik zu keiner Zeit gestellt, da werden naturgemäß ganz andere Kaliber auf ihn zukommen. Aber die angekündigten Offensivläufe, die Hertha in der letzten Post-Lazaro-Saison so vermisst hat, blitzten schon jetzt immer wieder auf und wurden im Laufe der Halbzeit immer koordinierter und vielversprechender. Trainer Bruno Labbadia war mit seinem neuen Rechtsverteidiger durchaus zufrieden, monierte aber das Zusammenspiel mit Lukébakio: “Das lag aber zum Teil auch an Dodi, weil er sich nicht gut bewegt und zu wenige Räume aufgemacht hat. Hinten hat Deyo seinen Laden im Griff, das Spiel nach vorn müssen wir entwickeln.”

Der Mann hat jedenfalls Lust auf Ausflüge und dabei reden wir nicht vom Sonntagspicknick. Es wird spannend, wie er sich in den nächsten Wochen und in der Bundesliga präsentieren kann.

Ondrej Duda – Neuer Trainer, Altes Glück?

Nach der starken Vorsaison kam Ondrej Duda in der Spielzeit 2019/20 nicht mehr wirklich zum Zug und „floh“ im Winter vor Renovator Klinsmann, der bei seiner „Fußballidee“ keine Verwendung mehr für den Slowaken fand, zum englischen Abstiegskandidaten Norwich City. Nachdem Norwich schließlich auch rechnerisch sicher den Gang in die englische Zweitklassigkeit antreten musste, kam Duda vorzeitig von der Leihe zurück, um rechtzeitig mit Hertha in die Vorbereitung zu starten und sich unter dem für ihn neuen Trainer Labbadia präsentieren zu können.

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Und so durfte er in der zweiten Halbzeit im 4-2-3-1 die Zehnerposition übernehmen und war dabei einer der auffälligsten Spieler. Anders als seine Kollegen in Halbzeit eins suchte er auch mal vor dem Sechzehner den Abschluss und war dabei in bester Duda-Manier in Minute 55 nach einem kleinen Haken und in der 83. Minute mit einem Volley nach abgewehrter Flanke äußerst gefährlich.

Auch sonst war der 25-Jährige überall präsent, holte sich Bälle wahlweise zwischen den Innenverteidigern oder auf der Linksaußen-Position ab und suchte immer wieder schnell den Weg in die Spitze, was in der 77. Minute mit dem Hackenpass auf Javairo Dilrosun im Strafraum fast zum Erfolg führte. Dessen Hackenverlängerung auf Daishawn Redan versiegte aber irgendwo in den Kölner Abwehrbeinen. Auch bei Duda sah Labbadia noch Verbesserungsbedarf – “Ondrej muss noch ein Stück präsenter werden und das Spiel im vorderen Drittel noch mehr leiten – und noch mehr Tempowechsel drin haben” – allerdings verbuchen wir das mal unter den Motivationstricks.

Denn insgesamt hinterließ Duda einen sehr ordentlichen Eindruck und zeigte sich in passabler Frühform. Es bleibt zu hoffen, dass Labbadia anders als Klinsmann Verwendung für den Hertha-Topscorer 2018/19 findet und Duda sich weiter mit Lust und Laune dem Konkurrenzkampf um die offensiven Positionen stellt. Vielleicht lässt sich ja einer der Teamkollegen dazu bewegen, Duda für zehn geschossene Tore eine frische Rolex in Aussicht zu stellen.

Arne Maier – Jetzt oder Nie

Herthas Top-Talent, das im Winter noch überraschend mit Wechselabsichten in die Schlagzeilen geriet und in der Rückrunde nach längerer Verletzungspause nicht so richtig in Tritt kam, durfte sich in der Startelf an der Seite von Santiago Ascacíbar als offensiver Part der Doppelsechs beweisen.

Im Wechsel mit dem Argentinier schob Arne Maier bei Spielaufbau des Drittligisten aus dem 4-2-3-1 vor bis auf den gegnerischen Sechser, um diesen ordentlich unter Druck zu setzen, sodass Hertha im Pressing teilweise im 4-1-4-1 auf die Kölner Defensivreihen zukam. Schon früh versuchte Maier das Spiel an sich zu reißen, forderte einige Pässe, war ruhig und souverän am Ball und spielte mehrere sehenswerte Seitenverlagerungen in die Spitze, wie in der 14. Minute, als sein gut getimter Ball von Torunarigha nicht gut kontrolliert werden konnte und so die Kölner Abwehr genügend Zeit zum Formieren bekam. Auch später blieb auffällig, dass Ascacíbar und Maier sich sowohl im Pressing als auch im eigenen Spielaufbau häufig abwechselten, wobei dem Herthaner Eigengewächs dabei die „spektakuläreren“, raumbringenderen Pässe überlassen blieben.

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Grundsätzlich funktionierte die Absprache und das Zusammenspiel auf der Doppelsechs ordentlich, Köln geriet aber durch die beiden nicht wirklich unter Druck, was vielmehr aber auch damit zusammenhängen mag, dass Matheus Cunha auf der 10 bis zur 40. Minute einen schwachen Auftritt hinlegte und sowohl offensiv als auch defensiv kaum etwas zustande brachte.

Arne Maier hingegen arbeitet sich so langsam aber sicher wieder an seine Form heran, die ihn vor seiner Verletzung im Frühling 2019 zum Stammspieler bei Hertha machte. Die Verantwortlichen um Michael Preetz, Arne Friedrich und Labbadia scheinen ihm aufgezeigt zu haben, mit ihm weiter geduldig auf seine Topform hinarbeiten zu wollen und in ihm noch immer ein wichtiges Puzzleteil für Herthas Zukunft zu sehen. Zumindest sind keine neuen Abwanderungsgedanken publik geworden, die anderes vermuten lassen.

Nichtsdestotrotz steht Maier vor einer wichtigen Saison. Es liegt an ihm, trotz seines noch jungen Alters jetzt den nächsten Schritt zu gehen und den Talent-Status abzustreifen, um sich bei Hertha zu etablieren und vielleicht auch für größere Vereine interessant zu machen, wie es sein Karriereplan wohl vorsieht. Sofern er verletzungsfrei bleibt, könnte er trotz der großen Konkurrenz im Mittelfeld und den Transfergerüchten um einen weiteren zentralen Mittelfeldspieler genau diesen Schritt gehen und dem Spiel der Hertha neben einem defensiveren Abräumer wie Ascacíbar oder Lucas Tousart offensiv seinen Stempel aufdrücken.

Mit Labbadia hat Arne Maier einen selbsterklärten Förderer der Jugend an der Seitenlinie. Die oft zitierte Tür steht also auf – und Maier muss durch – jetzt oder vielleicht nie.

Und dann war da noch:

Dodi Lukébakio, der mit seinen Dribblings in Halbzeit eins für die meisten der wenigen kreativen Offensivmomente im letzten gegnerischen Drittel sorgte. Das Zusammenspiel mit Neuzugang Zeefuik hakte noch hier und da, dieses Duo sollte man aber aufgrund der immensen Dynamik im Auge behalten. In der 41. Minute drosch er die Kugel nach Vorarbeit von Cunha frei vor Mielitz zum 1:0 ins kurze Eck.

Matheus Cunha, der mit seiner ersten gelungenen Aktion direkt das Tor von Lukebakio vorbereitete. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte traf er dann nach Vorlage von Piątek beinahe selbst. Insgesamt dieses Mal trotzdem weniger Genie als Wahnsinn.

Alexander Schwolow, der mit einer nahezu 100 %-igen Passquote bestach. Seine Torwarthandschuhe hätte er für den Einsatz aber zuhause lassen können.

Daishawn Redan, der stets bemühte Stürmer, der sich in der 79. Spielminute nach starkem Labbadiola’schem Pressingballgewinn durch Dilrosun über die Zwischenstation Leckie mit dem 2:0-Schlusstreffer in die Torschützenliste eintragen durfte.

Lucas Tousart, der dritte „Leihrückkehrer“, der defensiv kaum gefordert wurde, offensiv mit einigen Seitenwechseln seine Übersicht bewies und sich kaum anmerken ließ, dass er zurzeit vielleicht doch lieber gegen Juve und ManCity spielen würde. Ein ordentlicher Ersteindruck, auch aufgrund des Faktes, dass der Franzose zuvor vier Monate nicht mehr Fußball gespielt hatte. Sein erwachsenes Spiel und der Drang, auch mal in den gegnerischen Strafraum zu stürmen, gefielen.

[Titelbild: IMAGO]

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – SV Werder Bremen

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – SV Werder Bremen

Ein Spiel in der Bundesliga beginnt beim Stand von 0:0 und dauert 90 Minuten. Bei Hertha BSC ist es etwas anders. Ein Spiel beginnt in der Regel beim Stand von 0:2. Die katastrophalen ersten Spielminuten der Blau-weißen werden in dieser Rückrunde zur Gewohnheit. Zugegeben: die „alte Dame“ konnte gegen Werder Bremen erneut den frühen Rückstand am Ende ausgleichen und punkten. Trotzdem wird deutlich, dass es so unheimlich schwierig wird, Siege zu holen. Wären da nicht diese „Drecksminuten zu Spielbeginn…

Weil diese Wochen für Hertha-Fans schwierig zu verdauen sind, waren wir dieses Mal in unserer Bewertung vor allem auf der Suche nach positiven Aspekten. Diese fanden wir unter anderem auch Niklas Stark, Maximilian Mittelstädt und Matheus Cunha.

Thomas Kraft – Kein Spiel zum glänzen

Aufmerksame Leserinnen und Leser werden festgestellt haben: der neue Stammkeeper wurde in unserer Einleitung nicht erwähnt. Das liegt daran, dass er als einziger, der heute im Fokus stehenden Spieler nicht wegen seiner sportlichen Leistung ins Auge getreten ist. Ihn jedoch kurz anzusprechen lohnt sich, da eine Änderung auf der Torhüterposition im Laufe der Saison eher unüblich ist. Zudem wurde im Anschluss auf das Düsseldorf-Spiel sehr viel über Thomas Kraft diskutiert. Weniger aufgrund seiner sportlichen Leistung, sondern eher wegen seiner Ansprache in der Kabine. Er sei besonders wichtig für die Mannschaft, solle nervenstärker sein als sein Konkurrent Rune Jarstein und deshalb auch in dieser Situation die beste Wahl sein.

Kraft hatte gegen Bremen wenig zu tun. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Umso bitterer also, dass das Spiel gegen Werder Bremen ihm nicht wirklich die Möglichkeit gab, den Fokus auf seine sportliche Rolle zu legen. Schon nach sechs Minuten lag Hertha mit 0:2 zurück, und das Lächeln im Gesicht von Thomas Kraft war von jeglicher Freude oder Heiterkeit befreit. Auch er wird, wie alle Herthafans und -akteure geglaubt haben, im falschen Film zu sein. Beim ersten Gegentreffer konnte Kraft noch nicht viel machen, beim zweiten hingegen wirkte der Spieler mit der Nummer Eins im Rücken äußerst unglücklich. Seine Positionierung beim Kopfball von Davy Klaassen sah alles andere als Souverän aus. Trotzdem muss zu seiner Verteidigung angeführt werden, dass die gesamte Hintermannschaft ihren Keeper völlig im Stich ließen. Lukas Klünter ließ erst Milot Rashica viel Zeit und Raum zum Flanken, dann schlief die Innenverteidigung und Klaassen bedankte sich.

Nach diesen zwei Treffern bekam Thomas Kraft so gut wie gar nichts mehr auf sein Tor. Eine gute Nachricht eigentlich, allerdings konnte sich der 31-Jährige dann auch nicht mehr durch Paraden auszeichnen. Zumindest konnte er durch einzelne schnelle Abwürfe Angriffe seiner Mannschaft einleiten. Am Samstag konnte Kraft also keine Glanztaten zeigen, trotzdem ist zu hoffen, dass bis zum Ende der Saison die Torhüter-Position kein Thema mehr wird. Angesichts dieser Spielzeit ist allerdings noch alles vorstellbar.

Niklas Stark – Nach Gelbsperre zurück ins Rampenlicht

Niklas Stark gehört sicherlich zu den Spielern, die diese Saison weit unter ihren Möglichkeiten gespielt haben. Nach seiner Gelbsperre kehrte er am Samstag zurück in die Startelf und ersetzte dort Dedryck Boyata, der aufgrund von Muskelproblemen ausfiel. Direkt war Stark im Mittelpunkt des Geschehens, und war auch mitverantwortlich für den erneuten Katastrophenstart von Hertha.

Niklas Stark köpft zum 1:2 Anschlusstreffer. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Beim 0:1 machte er seinem Gegenspieler Joshua Sargent zu wenig Druck, sodass dieser ungestört abschließen konnte. Auch beim 0:2 war er schuldhaft beteiligt: der 24-Jährige verlor Davy Klaassen aus den Augen, der dann einköpfen konnte. Keine gute Rückkehr also. Sichtlich verunsichert spielte Stark auch im Anschluss zunächst sehr hektisch und unpräzise. Durch einen gefährlichen Fehlpass in der 24. Minute hätte er sogar einen weiteren Gegentreffer einleiten können.

Er selbst fand poetische Worte, um den Frust der Anfangsphase zu beschreiben: „wir beißen uns selber in den Arsch“. Doch zumindest schaffte es Niklas Stark, die passende Antwort schon in der ersten Halbzeit zu finden. Wie auch die restliche Mannschaft der „alten Dame“ wurde der junge Verteidiger im Verlauf der Partie sicherer. Dadurch, dass sich Hertha auch mehr Kontrolle sicherte, traute er sich auch mehr im Spielaufbau zu, wie zum Beispiel in der 37. Minute, als er nach einem Vorstoß Krzysztof Piątek in Szene setzte. Diese Leistungssteigerung krönte er dann selbst in der 41. Minute, als er den so wichtigen Anschlusstreffer per Kopf erzielte.

In der zweiten Halbzeit war Stark deutlich sicherer, sein Treffer gab ihm sichtlich Selbstvertrauen. Auch war spürbar, dass er hundert Prozent gab, auch wenn manchmal die Abstimmung mit seinen Mitspielern nicht perfekt funktionierte. In der 64. Minute beispielsweise ließ er noch seinen Gegenspieler frei köpfen. Zwei Minuten später warf er sich aufopferungsvoll in einer Defensivaktion rein und klärte den Ball. Der Wille war da bei Niklas Stark, das zeigt sich auch in seiner Statistik. Er klärte nicht nur 7 Bälle (der beste Wert im Hertha-Team), er konnte auch 75 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnen und lief sogar mehr als 10 Kilometer. Es war ihm anzumerken, dass er seiner schwachen Form der letzten Wochen zum Trotz ein gutes Spiel machen wollte. Seine erste halbe Stunde warf letztlich einen Schatten auf sein ansonsten ordentliches Spiel.

Maximilian Mittelstädt – Mittendrin statt nur dabei

Ein weiterer Spieler durfte sich, nach den vielen Wechsel der letzten Wochen, wieder von Beginn an zeigen. Maximilian Mittelstädt übernahm die linke offensivere Seite bei den Blau-weißen. Er nutze die Tatsache, dass er mit Marvin Plattenhardt einen sehr defensiv aufgestellten Verteidiger hinter sich hatte, um sich in den meisten Angriffen von Hertha mit einzuschalten.

Torschütze und Vorbereiter zum 2:2 (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images).

Der 22-Jährige war sehr präsent im Berliner Spiel und schien unermüdlich zu sein. Ganze 11,55 Kilometer lief er, der beste Laufwert hinter Vladimir Darida und Santiago Ascacibar. Dazu kommen 26 Sprints und 78 intensive Läufe: in beiden Werten ist er damit auf Platz drei bei Hertha. Sein Einsatz zeigte sich unter anderem auch in der 28. Minute, als er den weiten Weg bis in den eigenen Strafraum zurück sprintete, um einen Bremer Angriff zu vereiteln. Besonders interessant wird es, wenn man sich die sogenannten „Heatmaps“ anschaut. Während Marius Wolf vor allem auf seiner rechten Seite blieb war Maximilian Mittelstädt fast überall zu sehen, was sich in der 69 Minute zeigte, als er komplett die Seite wechselte, um einen Ball wegzugrätschen.

Auffällig war auch, dass es ihn auch immer öfter in die zentrale Position zog. Auch durch die Passivität der Bremer nach der Anfangsphase hatte er mehr Freiheiten, probierte vieles nach vorne. Dieser Offensivdrang sorgte auch für den 2:2 Ausgleichstreffer: in der 60. Minute kam Mittelstädt im Strafraum zum Abschluss. Der abgewehrte Ball wurde dann von Matheus Cunha ins Tor geschossen. Auch in der 78. Minute glänzte der gebürtige Berliner, als er einen langen Ball per Vollsprint noch erreichte und in die Mitte auf Vladimir Darida spielte. Dessen Schuss sorgte für den, später zurückgenommenen, Handelfmeter für Hertha.

Es war nicht alles gut, was der junge Berliner am Samstag zeigte. Vor allem seine hohen Hereingaben waren oft zu ungenau, doch insgesamt weist er eine gute Passquote auf (85 Prozent, im Vergleich: Marius Wolf hatte eine Passquote von 52 Prozent). Nach Matheus Cunha (20) und Ludwig Augustinsson (19) ist Mittelstädt außerdem der Spieler, der die meisten Zweikämpfe gewann. Sein Einsatz, seine Flexibilität und seine Entschlossenheit beim 2:2 waren für das Berliner Spiel sehr wertvoll. Auch deshalb ist davon auszugehen, dass Maximilian Mittelstädt in der nächsten Partie gegen die TSG Hoffenheim erneut von Anfang spielen wird.

Matheus Cunha – Dauergast bei „Herthaner im Fokus“

Aktuell führt in unserer „Herthaner im Fokus“-Rubrik kein Weg an Matheus Cunha vorbei. Da er auch gegen Bremen der auffälligste Spieler auf dem Platz war, können wir erneut nicht auf eine Bewertung verzichten. Cunha war wie auch in der zweiten Halbzeit in Düsseldorf omnipräsent, verlor kaum Bälle, glänzte durch Dribblings und mit einer guten Übersicht. Kein Wunder also, dass er der Spieler ist, der für Hertha in der 20. Minute den ersten Ausrufezeichen setzte, indem er einen Konter im Vollsprint anführte und dann selbst kurz vor dem gegnerischen Strafraum abschloss. Der etwas zu unplatzierte Schuss war das erste Zeichen, dass sich Hertha anfing zu wehren. Dies sollte nur einer von zahlreichen Schüssen werden: Cunha gab mit neun (!) Torschüssen mit großem Abstand die meisten Schüsse von allen Spielern auf dem Platz ab.

Der Brasilianer schießt das so wichtige 2:2 (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images).

In der 34. Minute zog der junge Stürmer erneut aus der Distanz ab und zwang Keeper Stefanos Kapino zu einer starken Parade. Kaum vier Minuten später war er wieder im Mittelpunkt, setzte sich gegen mehrere Gegenspieler im Strafraum durch und sorgte für den nächsten gefährlichen Angriff. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit hätte er auch mit mehr Glück einen Elfmeter für Hertha rausholen können. Auch mit starken Pässen konnte er glänzen, wie zum Beispiel in der 53. Minute, als er Marvin Plattenhardt sehenswert in Szene setzte, der allerdings durch eine schwache Hereingabe den gefährlichen Angriff verschwendete.

In der 60. Minute war es dann soweit: der Brasilianer belohnte seine erneut starke Leistung und traf zum 2:2. Auch im Anschluss seines Treffers hängte er sich rein. Was auch auffiel: der 20-Jährige lief von allen Berliner Feldspieler am wenigsten, nur 9,27 Kilometer. Seine Läufe waren jedoch intelligent und effektiv. Dies zeigt sich daran, dass er trotz des geringen Laufumfangs an fast allen Berliner Kontern und Angriffen beteiligt war. Zudem gewann er auch die meisten Zweikämpfe (20) und hatte die meisten Sprints (34) und Dribblings.

Auch hier muss bei allen Lobeshymnen festgestellt werden, dass ihm in einigen Situationen die letzte Präzision und Ruhe fehlte. Bestes Beispiel dafür ist die Szene in der 70. Minute, als der junge Stürmer den wunderbar von Jordan Torunarigha eingeleiteten Konter in aussichtsreicher Position nicht gut nutzen konnte. Sein Pass auf Krzysztof Piątek war dann zu ungenau, und eine gute Chance vergeben.

Der laut Werder-Trainer Florian Kohfeldt „beste Spieler auf dem Platz“ Matheus Cunha belebt zweifellos das Berliner Offensivspiel, und sorgt für besondere Momente. In wenigen Spielen hat sich der Brasilianer eigentlich schon komplett unverzichtbar gemacht. Auf ihn wird Hertha in den nächsten Spielen ganz sicher hoffen. Bisher hat er diese Hoffnung nicht enttäuscht.

Herthaner im Fokus: Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC

Als Hertha-Fan hat man das Gefühl, so langsam alles (negative) im Fußball erlebt zu haben. Viel kann es da eigentlich nicht mehr geben, dass einen fassungslos macht. Wie Hertha am Freitagabend jedoch eine katastrophale erste Halbzeit spielte und mit 0:3 zurücklag, um dann im zweiten Durchgang noch per furioser Aufholjagd noch ein 3:3 zu erkämpfen, war wohl auch für jede*r blau-weißen Anhänger*in etwas neues. Zwei so unterschiedliche Halbzeiten für sich einzuordnen und daraus konkrete Bewertungen für die einzelnen Spieler herauszufiltern, scheint nahezu unmöglich, aber wir versuchen uns mal daran.

Jordan Torunarigha – verkappter Linksaußen?

Dass Jordan Torunarigha trotz seiner angestammten defensiven Position stets “geil” auf Offensivausflüge hatte, ist schon lange bekannt. Mindestens einmal pro Spiel probiert sich der Innenverteidiger an Läufen in die gegnerische Spielhälfte. Gegen Fortuna Düsseldorf führte Torunarigha seinen Offensivdrang jedoch auf die Spitze, als er im zweiten Durchgang quasi als Linksaußen auftrat.

Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Überraschend stand Torunarigha am Freitagabend in der Berliner Startelf, nachdem er zuletzt zwei Partien auf der Bank Platz nehmen musste. Ebenfalls überraschend: das Herthaner Eigengewächs lief nicht als Innen- sondern als Linksverteidiger auf, mit Maxi Mittelstädt und Marvin Plattenhardt saßen die zwei angestammten Spieler für diese Position auf der Bank. Trainer Alexander Nouri wird sich davon größere Stabilität in der Abwehr versprochen haben, aber wie die erste Halbzeit mit drei Gegentoren bewies, ging dieser Plan nicht auf. Auch Torunarigha war an einem Gegentreffer direkt beteiligt, als er beim 0:3 Vorlagengeber Zimmermann völlig aus den Augen verlor und so den Weg ebnete. So wie seine Mannschaftskollegen hatte der 22-Jährige große Probleme damit, seine Seite zu schließen – hier scheiterte es immer wieder in der Abstimmung mit Flügelpartner Dilrosun. Zudem verlor der Linksverteidiger immer wieder Bälle im Vorwärtsgang, was Düsseldorf zu Umschaltaktionen einlud. Im ersten Durchgang ging Torunarigha mit seiner Mannschaft unter, einzig seine zwei Torschussvorlagen (9. und 12. Minute) waren positiv hervorzuheben.

Doch wie so viele bei Hertha erlebte Torunarigha in den zweiten 45 Minuten eine unvorhergesehene Leistungssteigerung. Hierfür war auch die Hereinnahme von Maxi Mittelstädt verantwortlich – das Zusammenspiel der beiden Berliner Eigengewächse, die sich seit so vielen Jahren kennen, funktionierte sehr geschmeidig und verpasste Herthas linker Seite nicht nur neue Stabilität, sondern auch mehr Offensivdrang. Hierbei war auffällig, dass Torunarigha mit jeder Minute offensiver wurde und rund um die 60 Minute herum die Rollen mit Mittelstädt tauschte, welcher nun den Linksverteidiger gab. So ergab sich auch, dass die durchschnittliche Positionierung Torunarighas während des Spiels höher verortet war als die Mittelstädts. Dass Torunarigha nun so offensiv agierte, hatte den Vorteil, dass er sich mit seinem wuchtigen Körper sehr gut behaupten und Bälle festmachen konnte. Dadurch schenkte er seinen Kollegen Zeit, die linke Außenbahn zu überladen und somit durchbrechen zu können. So kreierte Hertha im Dreieck mit Mittelstädt, Torunarigha, Cunha oder wahlweise Darida sehenswerte Dreiecks-Situationen, was für Gefahr sorgte. Auch das hohe Pressing Torunarighas im Verbund mit Mittelstädt sorgte für viel Druck, sodass sich Düsseldorf oftmals gar nicht befreien konnte.

Sicherlich gab ein paar Situationen, in denen man sah, dass Torunarigha eben kein kleiner, wieseliger Dribbelkönig wie ein Dilrosun ist – hier und da versprangen Bälle oder kamen Flanken nicht an – aber das war in dieser Partie auch gar nicht von Nöten. Torunarigha ist ein technisch überdurchschnittlich begabter Innenverteidiger, der ein Gespür für Offensivaktionen hat (war in der Jugend lange Mittelstürmer) und mit seinem robusten Körper für Ballsicherheit und Raumgewinn sorgen kann. Ob du die Umstellung von Torunarigha auf die linke Außenbahn tatsächlich Nouris Idee war, werden wir wohl nie erfahren und es ist auch nicht wirklich wahrscheinlich, aber umso imponierender wäre es, wenn der Youngster das Schicksal seiner Mannschaft selbst in die Hand genommen hätte. So oder so war es eine beeindruckende Vorstellung Torunarighas im zweiten Durchgang, nachdem er im ersten genauso wie alle anderen auch untergegangen war.

Vladimir Darida – ein Motor auf Hochtouren

Zuletzt verkündete Vladimir Darida, dass er sich sehr wohl in Berlin fühle und seinen Berater gebeten habe, Gespräche mit Manager Michael Preetz bezüglich einer Vertragsverlängerung aufzunehmen. Blickt man auf seine Leistung vom Freitagabend, kann man sich dieser Bitte nur anschließen. Man muss festhalten: ohne einen Darida in dessen aktueller Form geht wenig bis gar nichts im Spiel der “alten Dame”.

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Es war dieser Sprint in der 64. Minute, der Herthas Aufholjagd einläuten sollte. Geschickt von Torunarigha sprintete Darida dem eigentlich zu steilem Zuspiel hinterher und schaffte es mit einer großen Willensleistung, den Ball – noch gestört von einem Düsseldorfer Gegenspieler – von links in den Strafraum zu schlagen, wo ihn Erik Thommy höchst unglücklich ins eigene Tor bugsierte. Kein schönes Tor, aber eins des Willens. Niemand hätte Darida einen Vorwurf gemacht, wenn er den Ball nicht mehr erreicht hätte, aber der Tscheche zog durch und nahm in Kauf, durch den Check des Düsseldorfers in die Bande gestoßen zu werden. Es war das 1:3-Anschlusstor – was anschließend passierte, weiß der Leser dieses Artikels.

Und auch daran war Darida maßgeblich beteiligt. Durch sein immenses Laufpensum (mit 13,26 Kilometern mit Abstand am meisten gelaufen) und seine klugen Bewegungen im Raum war der 29-Jährige einer der wichtigsten Bestandsteile der Berliner Offensive. Nach den beiden Berliner Innenverteidigern sammelte Herthas Nummer sechs die drittmeisten Ballkontakte und Pässe. Des Weiteren verbuchte er mit drei Torschussvorlagen zusammen mit Torunarigha die meisten bei den Blau-Weißen. Es war überragend, wie Darida das Spiel seiner Mannschaft unermüdlich ankurbelte, als ständige Anspielstation fungierte und den Ball in der gegnerischen Hälfte hielt. Hinzu kommt sein starkes Pressingverhalten, durch das er konstanten Druck auf die Fortuna ausübte. Darida war oftmals erster Abnehmer im Aufbauspiel und gleichzeitig an fast jedem Angriff beteiligt – quasi nichts in Herthas Spiel ging ohne den Nationalspieler, der darüber hinaus äußerst ballsicher agierte (acht Ballsicherungen).

Sicherlich war auch Daridas Performance im ersten Durchgang ausbaufähig, aber bei diesen Aussetzern im Berliner Abwehrverhalten ist es auch schwer, seine Rolle in den ersten 45 Minuten zu bewerten. Fakt ist, dass Darida seinem Ruf als Motor nach der Halbzeitpause mehr als gerecht wurde. Agil, unermüdlich und handlungsschnell gehörte er zu den Hauptfaktoren der Berliner Aufholjagd. In dieser Form führt gar kein Weg an dem Tschechen vorbei: Marko Grujic und Arne Maier müssen eine bis 17 Schippen drauflegen, um Darida Konkurrenz machen zu können.

Matheus Cunha – Herthas Adrenalinspritze

Na gut, na gut – kommen wir zu dem Mann des Spiels. Die Fragerunde auf Twitter, welche Spieler in diesem Artikel behandelt werden sollen, ergab das erwartbare Bild: an Matheus Cunha kommt man nicht vorbei. Wie auch? Der Brasilianer erweist sich aktuell als größtes Faustpfand Herthas im Abstiegskampf.

Wie schon bei Darida hatte eine Szene Cunhas Signalwirkung: nachdem er der Offensivspieler in der 67. Minute, als nur drei Minuten nach dem ersten Berliner Tor, zum 2:3 traf, setzte er zum Jubel an. Dabei präsentierte er kein lässiges, eingeübtes Bewegungsmuster – wie man es im modernen Fußball gewöhnt ist – nein, er fasste sich zunächst an die Hertha-Fahne seines Trikots, um anschließend die klare Geste frei nach Oliver Kahn zu machen: “Eier, wir brauchen Eier!” Der Jubel stand stellvertretend für den gesamten Auftritt Cunhas, der Hertha fast im Alleingang wiederbelebte und dem Spiel seinen Stempel aufdrückte.

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Wirklich Fahrt nahm die Vorstellung Cunhas ab der 60. Minute an. Zu diesem Zeitpunkt holte sich der 20-Jährige seine gelbe Karte ab, nachdem er im Dribbling gefoult wurde und zu stark mit dem Schiedsrichter gemeckert hatte. Es war Ausdruck der Unzufriedenheit des Angreifers, der sich mit aller Macht gegen den Spielverlauf stemmte. Er zog mit Abstand die meisten Sprints an, verzeichnete die drittmeisten intensiven Läufe, gab die zweitmeisten Torschüsse ab, führte die meisten Zweikämpfe und dribbelte sieben (!) Mal erfolgreich am Gegner vorbei – zusammengefasst: Cunha machte es im zweiten Durchgang zu seinem Spiel, es war sein Feld! Der Brasilianer war einmal mehr überall zu finden, forderte Ball um Ball und nahm es mit der ganzen Düsseldorfer Mannschaft auf. Sicherlich gab er sich in manchen Momenten zu ballverliebt, aber schließlich hatten ihm seine Mannschaftskameraden bislang nicht das Gefühl gegeben, man könne sich auf sie verlassen.

In der 64. Minute schlenzte Cunha den Ball, der noch leicht abgefälscht war, ins rechte Toreck und erzielte damit das 2:3. Infolge der Jubel und infolge darauf die endgültige Spielübernahme Herthas. Und immer wieder war Cunha mittendrin. Seine Zweikampfbilanz war für einen Offensivspieler absolut herausragend, hinzu kommen sechs Ballsicherungen und eine wirklich gute Passquote in der gegnerischen Hälfte von 83 Prozent. Auffällig war, wie tief sich Cunha immer wieder fallen ließ und vom Achterraum heraus das Spiel mitaufbaute (gab einige sehr gute Spielverlagerungen von ihm) oder selbst ins letzte Angriffsdrittel stürmte. Cunha zeigte eine gute Mischung aus brasilianischer Eleganz und einer gehörigen Portion Kampf. Er war giftig, konnte dem Gegner aber auch mit Ball am Fuß weh tun. Beinahe hätte er der Fortuna noch den Todesstoß gegeben, doch sein Schuss in der 90. Minute traf nur den linken Pfosten. Nichtsdestotrotz war es eine herausragende Vorstellung Cunhas, der einmal mehr seinen unschätzbaren Wert für das Team unterstrichen hat. Auch wenn seine Zahlen aus dem Spiel schon bemerkenswert sind, ist es nicht in Ziffern auszudrücken, welch großen Einfluss er auf das Spiel und die Mentalität seiner Mannschaft hat. “Er ist vorangegangen, hat alle mitgerissen. Das war stark”, lobte Trainer Nouri seinen Stürmer nach dem Spiel.

Dilrosun und Lukebakio in dieser Form nicht zu gebrauchen

Man hatte sich vor dem Spiel wohl noch gefreut, als man sah, dass Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio endlich wieder in der Startelf standen. “Endlich schöpft Nouri die Möglichkeiten des Kaders aus! Ohne die beiden geht es nicht”, werden sich viele gedacht haben. Die Entrüstung nach den ersten 45 Minuten in Düsseldorf dürften dementsprechend groß gewesen sein, nachdem die beiden Flügelspieler jeweils eine grausige Leistung gezeigt hatten. Zur Halbzeit wurden mit Maxi Mittelstädt und Marius Wolf zwei zuletzt in Kritik geratene Spieler für die beiden Flügelkünstler eingewechselt, was eine deutliche Wirkung auf das Spiel haben sollte.

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Doch der Reihe nach: Alexander Nouri entschied sich dazu, gegen Düsseldorf eine pendelnde Fünferkette zu spielen, um deren Flügelfokus Einhalt zu gebieten. Je nachdem, auf welcher Seite die Fortuna durchbrechen wollte, sollte ein offensiver Flügelspieler Herthas mit nach hinten rücken und zusammen mit Torunarigha oder Klünter die Flanke schließen. Das funktionierte im ersten Durchgang überhaupt nicht. Beim 0:1 agierte die gesamte Kette viel zu schläfrig, aber besonders bei den beiden darauffolgenden Gegentoren wurde Herthas unterirdisches Abwehrverhalten ersichtlich. Das 0:2 fällt, nachdem Lukebakio Gegenspieler Thommy erst zu viel Platz lässt, um näher von links außen an den Strafraum zu laufen, um anschließend amateurhaft von ihm ausgedribbelt zu werden – eine handelsübliche Finte ließ den Belgier aus dem Zweikampf aussteigen und Thommy freistehend das 0:2 erzielen. Ein weiteres Problem bei dem Gegentreffer war das völlig falsche Stellungsspiel Klünters, der sich nicht direkt hinter Lukebakio positionierte und damit nochmal hätte eingreifen können, sondern viel zu nahm am eigenen Tor stand und einen toten Raum deckte. Die Szene war exemplarisch für die fehlende Abstimmung zwischen Lukebakio und Klünter, der ebenfalls einen rabenschwarzen Tag erwischte. Aber auch Torunarigha und Dilrosun fanden keine gemeinsame Basis. Beim 0:3 standen beide viel zu weit weg von ihren Gegenspielern und ließen den Angriff einfach so passieren. Die Taktik Nouris ging zunächst also überhaupt nicht auf, da Dilrosun und Lukebakio es offensichtlich abgeht, taktisch diszipliniert mit nach hinten zu verteidigen. Offensiv brachten die beiden Individualisten auch nichts auf die Strecke, ein Torschuss und zwei Torschussvorlagen sind zu dünn. Sie nahmen quasi nicht am Spiel Teil, Lukebakio war 18 Mal am Ball und Dilrosun neun Mal.

Nach diesem Spiel ist wohl klar: die beiden Flügelspieler wird man wohl für eine längere Zeit nicht mehr in der Startelf sehen. In diesem krisengebeuteltem Gebilde können Lukebakio und Dilrosun ihre Stärken nicht gewinnbringend einsetzen und ihre Schwächen sind umso ersichtlicher. Als Joker könnten sie weiterhin funktionieren, aber Startelfansprüche können nicht gestellt werden.

Mittelstädt und Wolf überzeugen nach Einwechslung

Nachdem das Trainerteam gesehen hatte, dass die Idee mit Dilrosun und Lukebakio nicht aufgegangen war, entschied es sich dazu, zur zweiten Halbzeit die weniger spektakulären aber defensiv stabileren Maxi Mittelstädt und Marius Wolf einzuwechseln. Es stellte sich heraus, dass es genau das war, was Herthas Spiel gebracht hatte.

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Mit den beiden Einwechslung erhielt deutlich mehr Ernsthaftigkeit und positive Körpersprache Einzug in das Spiel des Hauptstadtklubs. Sicherlich sind Mittelstädt und Wolf in Sachen Technik und Spielwitz weniger begabt als ihre Flügelkonkurrenten, aber dadurch, dass sie deutlich akribischer gegen den Ball und mit nach hinten arbeiten, wirkte Hertha im zweiten Durchgang deutlich stabiler. Wolf und Mittelstädt beteiligten sich tatkräftig am nun deutlich aggressiveren Pressing und übten so ständigen Druck auf das Düsseldorfer Aufbauspiel aus. Es war auffällig, dass Hertha mit den beiden Jokern auf den Außenbahnen deutlich weniger zuließ und besser gegen Umschaltaktionen gewappnet war. Sicherlich rutschte auch in den zweiten 45 Minuten immer wieder ein Angriff durch, aber das ist auf diesem Niveau und durch das starke Flügelspiel der Fortuna auch nicht zu verhindern. Mittelstädt trat gegen den Ball noch etwas besser als Wolf auf und fing insgesamt starke drei Bälle ab. Sein Zusammenspiel mit Torunarigha funktionierte (siehe oben) hervorragend und so war es wenig verwunderlich, dass Düsseldorf wenn überhaupt über seinen linken Flügel gefährlich wurde (erst durch Thommy, später durch Ampomah) – dies lag sicherlich auch daran, dass Rechtsverteidiger Klünter eine gruselige Vorstellung ablieferte und riesige Lücken zuließ, die auch ein Wolf nicht schließen konnte.

Auch im Spiel mit dem Ball wussten die beiden besser zu gefallen. Wolf legte das 2:3 durch einen starken, weil so kraftvoll und präzise gespielten Pass auf, des Weiteren viel er durch ein hohes Laufpensum (sechs Kilometer in einer Halbzeit) auf, durch das er das gesamte Feld beackerte und teilweise auch auf dem linken Flügel auftauchte, um die Seite zu überladen. Auch Mittelstädt hatte offensiv ein paar gute Szenen, auch wenn seine Flankenqualität nach wie vorne ausbaufähig ist. Mit der Zeit avancierte das Berliner Eigengewächs immer mehr zur Absicherung Torunarighas, der nun den offensiven Part übernahm. Diese Arbeitsaufteilung funktionierte wunderbar. Eine Zahl, die belegt, dass Wolf und Mittelstädt deutlich besser in der Partie waren als Dilrosun und Lukebakio: Wolf war 27 Mal am Ball, Mittelstädt sogar ganze 40 Mal.

Sowohl mit als auch besonders gegen den Ball traten Wolf und Mittelstädt eindeutig besser als Dilrosun und Lukebakio auf. Sie fügten sich weitaus präsenter in das Offensivspiel ihrer Mannschaft ein und agierten taktisch deutlich disziplinierter gegen den Ball, sodass Düsseldorf im zweiten Durchgang viel weniger Raum zum bespielen gelassen wurde. Sie waren somit wichtige Faktoren für die Aufholjagd der zweiten Halbzeit.