Herthaner im Fokus: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende

Herthaner im Fokus: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende

Eine in allen Belangen negative und leider auch denkwürdige Woche der Hertha geht mit einer deutlichen 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern München zu Ende. Nach dem Ausscheiden im Pokal gegen den Lokalrivalen aus Köpenick und einer lautstarken Aussprache mit Teilen der Fanszene stand das Spiel gegen den Rekordmeister im Zeichen des Engagements und der Schadensbegrenzung.

Gegen die Münchner wählte Trainer Tayfun Korkut eine deutlich defensivere Variante als zuletzt und stellte sein System auf ein 5-3-2 um. Aufgrund des Fehlens von Niklas Stark, der schon im Derby angeschlagen den Platz verlassen musste, rückte Marton Dardai in die Startelf. Es war der erste Auftritt, den das Hertha-Eigengewächs unter Tayfun Korkut bekam. Zusammen mit Kapitän Dedryck Boyata und dem Startelf-Debütanten Linus Gechter stellte er die Innenverteidigung. Peter Pekarik und Maximilian Mittelstädt kümmerten sich, wie zuletzt regelmäßig, um die Außenverteidigung. Vladimir Darida, Lucas Tousart und Suat Serdar sollten die Mitte dicht machen. Myziane Maolida und Ishak Belfodil waren die anzuspielenden Akteure im Sturm.

Wir schauen auf hoffnungsvolle Entwicklungen, ein Spiegelbild der Saison und das was der Hertha in der Offensive fehlt.

Maximilian Mittelstädt: Eine erkennbare Entwicklung

Maximilian Mittelstädt hatte zuletzt sämtliche Spiele über die volle Distanz bestreiten dürfen. So war es nach den zuletzt zu kräftezehrenden Wochen ihm zugestanden, dass er die letzte halbe Stunde des Spiels von der Bank aus betrachten durfte. Mit Frederik Andre Bjørkan ist seit neuestem nicht nur ein Konkurrent, sondern zunächst einmal eine sinnvolle Entlastung für den ehemaligen Juniorenspieler der Hertha, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive vorhanden.

Mittelstädt machte da weiter, wo er gegen Union Berlin aufgehört hatte. Er beackerte seine linke Seite, hatte aber mit Serge Gnabry allerlei zu tun und seine Schwierigkeiten. Er gewann nur drei seiner zehn Zweikämpfe. Beim 0:1 konnten er und Marton Dardai Corentin Tolisso nicht entscheidend am Abschluss hindern. Auch wenn man hier ganz klar Peter Pekarik in die Kritik nehmen muss, der exemplarisch in dieser Situation seine Probleme mit Robert Lewandowski und dem flankenden Kingsley Coman hatte.

hertha bayern
(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Trotzdem konnte auch er seinen Stempel der Abwehr aufdrücken und machte es gerade Robert Lewandowski im Abwehrverbund nicht leicht. Drei Aktionen konnte er klären und im Verlaufe der Partie traute er sich zu drei Dribblings, von denen zwei gelingen sollten. In der 52. Minute hätte er seine durchaus engagierte Leistung mit einem Assist krönen können, doch Vladimir Darida konnte die Riesenchance zum Anschlusstreffer nach feiner Flanke von links nicht nutzen und setzte das Spielgerät aus kürzester Entfernung am Pfosten vorbei.

Maximilian Mittelstädt selbst, der mit 42 Ballaktionen wieder einen recht hohen Anteil am Spiel der Hertha hatte, hat in den letzten Wochen, so scheint es, eine Entwicklung durchgemacht. Der Welpenschutz ist vorbei und der Status als Eigengewächs der Hertha hilft nicht mehr viel. Auch wenn seine fußballerischen Qualitäten auf einem höheren Niveau limitiert sind, entwickelt er sich mehr und mehr zum Kämpfer des Teams und versteckt sich nicht mehr hinter anderen vermeintlichen Leitwölfen.

Linus Gechter: Solides Startelfdebüt

Der 17-jährige Linus Gechter hätte sich sicherlich angenehmere Gegner vorstellen können für seine ersten kompletten 90 Minuten Bundesliga-Fußball. Aber wie es jeder aus dem beruflichen Alltag kennt, ist ins kalte Wasser geworfen zu werfen, meist die beste Feuerprobe.

Im Dreiergespann mit Boyata und Dardai war ihm anzumerken, dass ihm der gemeinsame Auftritt in der Verteidigung Sicherheit verschaffte. Er konnte zwar bei keinem der Gegentore großartig eingreifen, vielleicht hätte er in der ein oder anderen Aktion Boyata unterstützen können. Er selbst war 47 Mal am Ball, was vor allem dem vorsichtigen Aufbauspiel der Hertha zuzuschreiben war. 64 Prozent seiner Pässe brachte er an den Mann, 15 Mal versuchte sich Gechter mit langen Bällen, nur vier kamen an. Diese Bälle waren meistens die letzte Möglichkeit, sich aus dem Pressing der Bayern zu befreien. Fünf Klärungsaktionen kamen hinzu.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Dabei war seine Rettungstat auf der Linie in der 77. Minute nach einem feinen Lupfer von Serge Gnabry die spektakulärste. Auch der Offensive konnte er nochmal helfen, auch wenn die Aktion schon geklärt zu sein schien. In der 80. Spielminute wollte er mit einem langen Ball Stevan Jovetic und Jurgen Ekkelenkamp in Szene setzen. Verteidiger Dayot Upamecano bekam zwar den Ball, ermöglichte durch seinen schwachen Rückpass auf Manuel Neuer aber den Ehrentreffer.

Kurzum, Gechter macht seine Arbeit grundsolide und durfte nach dem Spiel sogar zum Interview antreten.

Alexander Schwolow: Ein Spiegelbild

Torhüter Alexander Schwolow hat es nicht leicht in Berlin. Immer wieder steht er in der Kritik und das auch oft zurecht. Doch in den letzten Wochen schienen sich seine Leistungen gefestigt zu haben. Gegen den VfL Wolfsburg zeigte er eine hervorragende Leistung, blieb sogar ohne Gegentor, im Derby konnte er auch immerhin zwei bis drei Großchancen vereiteln und bei den Gegentoren herzlich wenig eingreifen.

Das Spiel gegen die Bayern war seine nächste Chance, sich auszuzeichnen. Und das gelang ihm auch zunächst. Der Keeper bekam auch einiges zu tun, er wurde zu 14 Paraden gezwungen. Weltklasse waren dabei seine Aktionen gegen Lewandowskis Hackenabschluss in der 20. Minute und in der 36. Minute nach dem der Pole freistehend flach abschloss. Auch bei Distanzschüssen konnte er sich auszeichnen, wie in der 10. Minute gegen Kingsley Coman und Leroy Sané in der 47. Minute.

hertha bayern
(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Natürlich hatte er bei mehreren Aktionen gegen Thomas Müller auch ein wenig Glück, dass diesem das nötige Zielwasser fehlte, doch es schien so, als würde Schwolow ein weiteres hervorragendes Spiel abliefern. Zusätzlich war er 64 Mal am Ball und oft gesuchte Anspielperson im Spielaufbau bzw. der Ballsicherung. Doch den positiven Eindruck machte er selbst zunichte. Seinen viel zu kurzen Pass auf Linus Gechter wusste der wache Leroy Sané eiskalt auszunutzen, um auf 0:3 zu erhöhen. Sehr bitter und bezeichnend für die Hertha in diesen Tagen.

Eine engagierte Leistung und am Ende doch wieder ein brachialer Patzer. Und mittlerweile geschieht dies fast wöchentlich. Im Endeffekt war Schwolow nur ein Spiegelbild der gesamten Mannschaft in den letzten Wochen.

Ishak Belfodil, Jurgen Ekkelenkamp und Stevan Jovetic: Fit und in Form offensive Waffen

Er hat es mal wieder getan. Das dritte Saisontor Jurgen Ekkelenkamps und damit das dritte Tor als Joker des jungen Niederländers. Wie schon bei seinen ersten beiden Toren in der Hinrunde gegen Fürth und Frankfurt brauchte er kaum Eingewöhnungszeit und erzielte mit seiner ersten Aktion einen Treffer.

Sobald die beiden Spieler auf dem Feld stehen und im Fall von Stevan Jovetic mit Ishak Belfodil, der ein weiteres Mal einer der gefährlichsten und spielstärksten Spieler der Mannschaft war, harmonieren, ist in Herthas Offensive ein erheblicher Qualitätsanstieg zu bemerken. Ishak Belfodil hatte in der 21. Minute die Möglichkeit per Kopf den Führungstreffer zu erzielen, leitete in der 52. Minute die Großchance Daridas ein und bewies immer wieder seine technischen Fähigkeiten.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Doch der besagte Qualitätsanstieg konnte im Endeffekt den Bayern nicht genug anhaben und war auch nur punktuell zu sehen. Zusätzlich fehlt der Mannschaft im Abschluss das nötige Glück. Im Abstiegskampf ist das zu wenig.

Fazit: Die Woche dringend abhaken und die Pause nutzen

Das Spiel gegen den FC Bayern München war ein Bonusspiel und offenbarte einen Klassenunterschied. Das 1:4 hätte durchaus noch höher ausfallen können, im Endeffekt kann man sich bei Torhüter Schwolow bedanken, dass nicht noch weitere Gegentore das sowieso schon sehr schwache Torverhältnis verschlechtern.

Die Mannschaft, das Trainerteam und die Vereinsführung müssen diese schwarze Woche dringend abhaken. Probleme mit den Fans, die Derby-Niederlage und die Situation in der Liga, nach zuletzt nur einem Punkt aus drei Spielen, stellen den Verein und das Team vor eine große Herausforderung. Man muss hoffen, dass der Schaden der letzten Tage nicht einen weiteren Tiefpunkt darstellt, sondern den endgültigen. Denn sollte es noch schlimmer um Hertha BSC werden, kann es zur unaufhaltsamen Abwärtsspirale führen.

Die Länderspielpause kann der Alten Dame guttun, um etwas zur Ruhe zu kommen und danach sich auf die wichtigen Spiele im Abstiegskampf vorzubereiten.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Herthaner im Fokus: Zu grün hinter den Ohren

Herthaner im Fokus: Zu grün hinter den Ohren

Es läuft die 85. Minute im Berliner Stadtderby und Hertha-Jungprofi Linus Gechter fällt nach einem unglücklichen Zusammenprall ungünstig zu Boden. Nach kurzer Behandlungspause geht es für ihn zwar weiter, doch diese Szene und der Auftritt Gechters zeigen gut, was das komplette Spiel der alten Dame beschreibt. Gegen Union Berlin zeigte man sich mit zu viel Respekt vor dem Gegner, über weite Strecken agil, aber glücklos. Und am Ende lag man leider am Boden.

Personelle Veränderungen, aber weiter 4-4-2

Trainer Tayfun Korkut musste verletzungsbedingt kurzfristig auf Jordan Torunarigha verzichten und kehrte somit zur altbewährten Innenverteidigung mit Niklas Stark und Dedryck Boyata zurück. Myziane Maolida und Jurgen Ekkelenkamp machten außerdem Platz für den nach seiner Gelbsperre zurückgekehrten Suat Serdar und den im zentralen Mittelfeld agierenden Lucas Tousart.

In einem 4-4-2 stellte Korkut seine Mannschaft auf und wollte damit für eine stabile Zentrale sorgen und mit Ishak Belfodil und Marco Richter im Sturm offensive Gefahr kreieren. Im Derby gelang es der Hertha nach komplett verschlafener Anfangsphase irgendwann am Spielgeschehen teilzunehmen. Die Mannschaft zeigte aber über das gesamte Spiel deutliche Defizite in der Spielidee, im Spielaufbau und in der geschlossenen Verteidigung.

Wer die sowohl positiven als auch negativen Ausreißer in diesem ernüchternden Spiel waren und wer zumindest Leidenschaft zeigte, wollen wir hier nennen.

Suat Serdar: Der beste Herthaner

Wieder einmal war er der stärkste Spieler der Hertha. Auch wenn er wie seine Mitspieler wenig zu Beginn der Partie beizutragen hatte, war er es, dem es nach etwa einer halben Stunde gelang, das Zepter in die Hand zu nehmen und für die ersten offensiven Akzente zu setzen.

Im Verlauf des Spiels bereitete er zwei Torschüsse vor und scheiterte mit seinem Kopfball ans Außennetz in der 36. Minute relativ knapp. Er war 54 mal am Ball und brachte 73 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler. Eine ordentliche Quote. Oft wirkte es allerdings, als wäre Serdar der einzige Spieler der Hertha, der in irgendeiner Form im Stande war Mittelfeld und Angriff miteinander zu verbinden. Sechsmal versuchte es Serdar mit einem Dribbling. Manchmal allerdings mit dem Kopf voraus durch die Wand. Immerhin konnte er vier davon erfolgreich abschließen, nur blieb die positive Wirkung für die Offensive zu oft aus.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Doch sein Verdienst war es, dass Hertha zumindest kurz Hoffnung schöpfen konnte, als er im Zusammenspiel mit Ishak Belfodil im Strafraum das Eigentor von Rani Khedira erzwang. Das 2:3, welches er und die Mannschaft erzwingen konnten, ging ebenfalls auf seine Kappe, war allerdings in Anbetracht der gespielten Zeit viel zu spät.

Suat Serdar zeigte unheimlich großes Engagement, konnte das aber vor allem wegen der fehlenden Stärke seiner Mitspieler zu selten ausnutzen. In der 16. Spielminute kassierte er nach einer Grätsche gegen Baumgartl die einzige gelbe Karte der Hertha in diesem Spiel. Auch ein Zeichen, mit welcher Intensität ein Derby geführt werden kann oder eben nicht.

Maximilian Mittelstädt: Bemüht aber glücklos

Auf seiner linken Seite hatte Mittelstädt relativ viel Spielraum. Mit 110 Aktionen war er nach Dedryck Boyata der jenige, der die meisten Ballkontakte im Spiel hatte. Anmerken muss man allerdings, dass gerade die beiden sich den Spiel oft ideenlos zuspielten, ohne einen Angriff kreieren zu können.

hertha
(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Im Gegenteil, das Unioner Pressing sorgte oft dafür, dass die Verteidigung mit langen Bällen schlimmeres verhindern musste, nachdem sie zu langsam hintenrum gespielt hatte. Ihm fehlte oft die Unterstützung auf der linken Seite, wie bei Öztunalis Angriff in der 50. Minute, als er unbedrängt in den Strafraum laufen und flanken konnte und so das Eigentor von Niklas Stark zum 0:2 erzwang. Mittelstädt selbst war bei dem Angriff viele Meter hinter dem Geschehen und konnte nach seinem offensiven Aufrücken nicht mehr ins Spiel eingreifen.

Auch beim 1:3 war er viel zu weit vom einschussbereiten Robin Knoche entfernt. Trotz allem ist die Passquote von Mittelstädt akzeptabel. 82 Prozent seiner Bälle kamen an den Mann. Sein Torschuss in der 87. Minute war schön anzusehen, ging aber leider knapp am Tor vorbei. Maximilian Mittelstädt ist bekanntlich kein Lautsprecher auf dem Platz, doch mit seinen Bemühungen gelang ihm es zumindest temporär das Team immer wieder mitzuziehen.

Ishak Belfodil: Der geniale Partner fehlt

Er ist Stürmer Nummer eins und kann jederzeit etwas bewirken. Doch sein oft so trauriges und verzerrtes Gesicht spricht Bände. Mit viel Einsatz und guter Technik konnte Belfodil mal wieder für Gefahr sorgen. Zehn seiner siebzehn Zweikämpfe gewann er, was für einen Offensivspieler okay ist. 74 Prozent seiner Pässe kamen an und mit 55 Aktionen war er einer der aktivsten Spieler in der Offensive. drei Schlüsselpässe gelangen ihm.

Er versuchte seine Mitspieler in Szene zu setzen, selbst für Gefahr zu sorgen, aber ein nennenswerter Abschluss sollte ihm nicht gelingen. fünf von sechs Dribblings waren erfolgreich. Seine Vorlage für Serdar, der nach 54 Minuten das 1:2 erzwang, gehört sicherlich zu einem seiner Highlights.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Doch was nützt das größte Engagement, wenn die Mitspieler die Bälle nicht nutzen können? Wie in der 47. Minute, als sich Belfodil fein durch die Unioner Verteidigung dribbelte und zurück auf den freistehenden Vladimir Darida legte. Doch dieser bekam nur wenige Meter vor dem Tor freistehend, nicht annähernd den Ball auf das Gehäuse und schoss deutlich drüber. Eine Situation die recht bezeichnend für den Auftritt war.

Es fehlen neben Suat Serdar weitere Anspielpartner in der Offensive, die was mit dem Spielgerät anfangen können. Einer davon, ein gewisser montenegrinischer Stürmer, kann hoffentlich schon bald diese Lücke wieder ausfüllen.

Linus Gechter: Junge Unerschrockenheit

Zugegeben, das 17-jährige Abwehr-Talent hatte nicht so viel zu tun. Die Unioner, die ihr Angriffsspiel in der 2. Halbzeit nach dem 1:3 praktisch einstellten, stellten Gechter nur noch selten vor Herausforderungen. Er kam nach 58 Minuten für den angeschlagenen Niklas Stark in die Partie. Aber – und das ist für einen 17-Jährigen durchaus erwähnenswert – alles was in seine Richtung kam, konnte er recht souverän verteidigen.

Er warf sich in die Bälle, lief fleißig mit und blieb weitgehend fehlerfrei. 79 Prozent seiner Pässe kamen an den Mann und er versuchte mit sechs langen Bällen für Gefahr im gegnerischen Strafraum zu sorgen. – davon kamen allerdings lediglich zwei an. Doch auch er selbst hatte Möglichkeiten. In der 61. Minute verlängerte er Daridas Ecke von der linken Seite. Suat Serdar verpasste freistehend am langen Pfosten den Ball. Erfolgreicher lief es in der Nachspielzeit, als Gechter mit seinem wuchtigen Kopfball nur knapp am auf der Linie klärenden Kevin Behrens scheiterte. Den Nachschuss brachte Suat Serdar zum 2:3 ins Tor. Allerdings kam dieses Tor viel zu spät.

hertha
(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Linus Gechter zeigte, was möglich ist, wenn man ihm Vertrauen schenkt. Er ist engagiert und geht – wie in der 85. Minute – dahin, wo es wehtut. Er ist durchaus in der Lage, einem Spiel den Stempel aufzudrücken. Trotz allem muss man aber auch zugeben, dass ihm Union das Leben nicht mehr wirklich schwer gemacht hatte. Er wäre eine Alternative, vor allem wenn Niklas Stark und Dedryck Boyata so spielen wie im Derby.

Beide hatten nicht die gewohnte Sicherheit und verschliefen oft – wie in der Anfangsphase bei Max Kruses Schuss nach wenigen Sekunden – das Spielgeschehen. Beide sahen bei keinem der drei Gegentore sonderlich gut aus und müssen zum Teil mit ihrem sehr schwachen Stellungsspiel die Tore auf ihre Kappe nehmen.

Fazit: Zu viel Respekt und Naivität bevor Hertha anfing Fußball zu spielen

Zwei von drei Derbys sind gespielt. Und auf dem Zettel stehen zwei Niederlagen. Das ist mehr als ernüchternd. Es tut weh in diesen Tagen Fan der Alten Dame zu sein.

Qualitativ war dieses Spiel sicherlich eine deutliche Leistungssteigerung zum Derby vor ein paar Wochen im Stadion an der Alten Försterei oder auch gegenüber den letzten beiden Bundesliga-Spielen in Wolfsburg und gegen Köln. Doch wie man die erste halbe Stunde verschlief, ist bedenklich. Es war Unions schwacher Chancenverwertung zu verdanken, dass man noch so lange im Spiel blieb.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Schön zu sehen war, wie man sich zurück ins Spiel malochte, doch sobald bei Hertha zwei, drei oder mehr Spieler nicht ihre Topform erreichen, ist nur wenig zu holen. Zwei engagierte Serdars und Belfodils reichen nun einmal nicht, um Union Berlin in ihrer aktuellen Form zu stoppen. Und das schon gar nicht in einem Spiel, das kopftechnisch nochmal eine andere Bedeutung hat. Ohne einen sinnvollen Spielplan des Trainers kann es auch nur höchstens über individuelle Momente gehen.

Alles Punkte, an den Fredi Bobic dringend arbeiten muss. Das Transferfenster ist noch ein paar Tage geöffnet und die nächsten Gegner sind Bayern, Bochum und Fürth. Es muss etwas geschehen, wenn man nicht im tiefen Abstiegskampf versinken möchte.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Herthaner im Fokus: Nullnummer vor dem Saisonhighlight

Herthaner im Fokus: Nullnummer vor dem Saisonhighlight

So richtig entscheiden konnte man sich am Samstagabend nicht: war das 0:0 gegen den VfL Wolfsburg jetzt ein Rückschlag oder eher eine leichte Verbesserung? Am Ende holt Hertha Auswärts immerhin einen wichtigen Punkt und hält den dünnen Abstand zum Tabellenkeller. Da bei dieser Partie gerade in der Offensive wenig passiert, werfen wir einen Blick auf Herthas Hintermannschaft.

Schwolow – Endlich wieder weiße Weste

Die Kritik an Alexander Schwolow wurde zuletzt etwas lauter. Zu viele Gegentore, zu wenig Spiele zu Null. Dabei hatte es Herthas Keeper diese Saison mit seiner Defensive nun wirklich nicht leicht und wurde immer wieder in Stich gelassen, wie auch am vergangenen Wochenende im Heimspiel gegen den 1. FC Köln.

Wahr ist: gerade die Konkurrenz auf dieser Position ist aktuell eher gering. Rune Jarstein trainiert noch individuell und Oliver Christensen fällt aufgrund einer Covid-19 Infektion aus. So saß am Samstag Nils Körber als Ersatzkeeper auf der Bank. Doch große Sorge sollte nicht aufkommen: Schwolow zeigte sich von Beginn an besonders aufmerksam und hellwach.

Foto: Stuart Franklin/Getty Images

Das extrem hohe Pressing des Heimteams zum Beispiel erkannte der Keeper früh und wechselte von kurzen zu langen Abstößen, um seine Mannschaft zu entlasten. Zudem war er bei den Wolfsburger Torchancen zur Stelle, erlaubte sich keine Fehler. Auch beim Rauslaufen, wie in der 80. Minute gegen Dodi Lukebakio, bleib er konzentriert.

Ganz besonders Schwolow sollte sich darüber freuen, dass am Ende Hertha endlich wieder zu Null spielte. Es war nur das dritte Mal diese Saison, dass der 29-Jährige mit einer weißen Weste ein Bundesligaspiel zu Ende bringen konnte. Nur in den Heimspielen gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) und Arminia Bielefeld (2:0) musste er nicht hinter sich greifen.

Maximilian Mittelstädt – „Under Pressure“

Bereits vergangenes Wochenende war Maximilian Mittelstädt bei uns im „Fokus“. Wie auch gegen Köln konnte der 24-Jährige in Wolfsburg Offensiv kaum Akzente setzen. Dieses Mal jedoch wurde er ganz besonders gefordert und musste gerade in der Anfangsphase hohe Konzentration und Nervenstärke beweisen.

Foto: Stuart Franklin/Getty Images

Die Offensive des VfL presste in den ersten 20 Minuten der Partie extrem hoch und lief Herthas Defensive früh an. Gerade Mittelstädt wurde von seinen Gegenspielern Baku und Steffen oft unter Druck gesetzt. Er durfte sich keinen Fehler erlauben. So ist es kein Wunder, dass er laut „Bundesliga.com“ der Spieler war, der am häufigsten unter Druck gesetzt wurde (ganze 48 Mal). Diesem Druck hielt Mittelstädt allerdings stand, gewann viele Zweikämpfe (17, bester Wert bei Hertha) und fing drei wichtige Bälle ab.

Im Ergebnis war die linke Seite der Blau-Weißen in der ersten Halbzeit deutlich weniger anfällig für Wolfsburgs Angriffe. Wie auch seine Mitspieler traute er sich im Laufe der zweiten Hälfte etwas mehr zu, hatte dabei jedoch genauso wenig Erfolg. Der Linksverteidiger lieferte insgesamt eine solide Leistung ab und hatte seinen Anteil daran, dass Hertha am Ende zu Null spielte.

Lukas Klünter – Einsatz in Notfalllage

Ob es viele gibt, die vor einigen Wochen darauf gewettet hätten, dass am 19. Spieltag Lukas Klünter in Herthas Startelf stehen würde, ist zu bezweifeln. Doch Herthas Personallage sorgte dafür: nach dem Wechsel von Deyovaisio Zeefuik und der kurzfristigen Covid-19 Infektion von Peter Pekarik stand nur noch ein gelernter Rechtsverteidiger zur Verfügung. Der 25-Jährige absolvierte im Auswärtsspiel in Wolfsburg die kompletten 90 Minuten.

Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass er drei Monate aufgrund einer Schulter-Operation ausfiel, erst vor kurzem wieder ins Mannschaftstraining einstieg und sein letzter Startelf-Einsatz Mitte September war. „Ich kann meinem Körper in solchen Situationen nach Verletzungen vertrauen, auch nach dem Muskelbündelriss 2018 war ich recht schnell wieder fit“, sagte Klünter noch Anfang Januar zu seiner Rückkehr.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Dass die lange Verletzung nicht spurlos an ihm vorbei gegangen ist, merkte man allerdings zu Beginn der Partie. Herthas rechte Seite war besonders anfällig, gerade Jérôme Roussillon stellte Klünter vor großen Schwierigkeiten. Klünter selbst hatte Anfangs Probleme mit den Abständen, war oft ein Schritt zu spät oder zu weit vom Gegenspieler weg. Im Laufe der Partie steigerte er sich allerdings. So nahm Wolfsburgs Druck über die rechte Seite ab.

Der 25-Jährige hatte dann gegen Ende der Partie erneut Schwierigkeiten. Es war zu spüren, dass der Tank langsam leer wurde. So musste er öfter zu Fouls greifen und hatte am Ende Glück, nicht mit gelb-rot vom Platz zu fliegen. Mit 33,44 km/h war er immerhin der schnellste Spieler bei Hertha und ackerte unermüdlich auf der rechten Seite bis zum Abpfiff. Seine Rückkehr kommt zum richtigen Zeitpunkt, im Hinblick auf Herthas Personallage. Es bleibt zu hoffen, dass auch für Klünter die Rückrunde besser läuft als die Hinrunde.

Santi Ascacibar – Defensiv unermüdlich, Offensiv un-inspiriert

Wie die gesamte Mannschaft von Hertha BSC war auch von Santiago Ascacibar am Samstag offensiv wenig zu sehen. Zwar gab er zu Beginn der zweiten Halbzeit einen Schuss per Direktabnahme ab, dies war aber die einzige Aktion, die einen Hauch von Torgefahr mit sich brachte. Auch konnte er seine Mitspieler in der Offensive kaum in Szene setzen und fokussierte sich auf die Defensivarbeit.

Dies gelang ihm recht ordentlich: zwei Bälle konnte er abfangen und zwei weitere klären. Besonders auffällig war jedoch seine Passgenauigkeit: 87% seiner 73 Pässe fanden den richtigen Mitspieler (Höchstwert bei Hertha). Auch wenn diese meistens nach Hinten gespielt wurden, konnte er damit immerhin das Spiel beruhigen und vermied unnötige Ballverluste.

Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

In einzelnen Szenen zeigte er sich auch mal unkonzentriert und überhastet, wie in der 45. Minute, wo er mit beiden Beinen am Gegner vorbei grätschte und damit überspielt wurde. Auch bei Luftzweikämpfen konnte er in der Zentrale wenig Bälle behaupten – bei einer Körpergröße von nur 1,68m aber keine große Überraschung.

Der 24-Jährige Argentinier zeigte gegen Wolfsburg, warum er in solchen Spielen wertvoll sein kann. Es zeigte sich aber auch, dass das Duo Darida-Ascacibar im zentralen Mittelfeld nur sehr begrenzt dafür geeignet ist, durch die Zentrale eine Offensive anzukurbeln. Die Abwesenheit von Suat Serdar war dabei besonders stark zu verspüren.

[Titelbild: Stuart Franklin/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Ernüchternder Jahresbeginn

Herthaner im Fokus: Ernüchternder Jahresbeginn

Wie schon im Hinspiel unterlag Hertha BSC dem 1. FC Köln zum Rückrundenstart mit 1:3. Ein ideenloser und auch blutleerer Auftritt sollte die Erwartungen nach dem positiven Jahresabschluss 2021 gegen Borussia Dortmund trüben. Wir blicken auf die Partie.

Aufstellung gegen Köln von Corona gezeichnet

Tayfun Korkut musste auf zahlreiche Leistungsträger verzichten. Kapitän Dedryck Boyata konnte sich zwar nach seiner Corona-Infektion freitesten, das Spiel gegen die Kölner kam für ihn allerdings noch zu früh, weshalb wie gegen Dortmund Niklas Stark und Jordan Torunarigha in der Startelf standen. Neben Deyovaisio Zeefuik und dem Neuzugang Fredrik André Bjørkan fehlte auch Ishak Belfodil wegen einer Corona-Infektion. Stevan Jovetic fällt wegen Wadenproblemen weiter aus. So kam es, dass Davie Selke und Suat Serdar für Jurgen Ekkelenkamp und Ishak Belfodil starteten.

Auch wenn dieses Spiel keinen Raum für Lobeshymnen bot, haben wir uns mit den einzelnen Spielern beschäftigt und versuchen auch das letzte bisschen an positiven Punkten aus dieser Partie zu ziehen.

Vladimir Darida: Glückliches Tor, beim Rest nur Pech

Es könnte alles so schön sein. Mit 12,84 km lief der Tscheche mal wieder am meisten. Keiner der Spieler von Hertha und Köln konnten ihm in dieser Statistik das Wasser reichen. Zusätzlich noch ein Tor per Freistoß aus großer Distanz und mit 86 Ballaktionen einer der aktivsten Herthaner.

Doch viel brachte all das nicht. Sein Freistoßtor war eher ein Zufall und dem Glück geschuldet, dass keiner der Leute, denen die Hereingabe galt, mehr an den Ball kam und diesen möglicherweise über oder neben das Tor bugsiert hätte. 81 Prozent seiner Pässe kamen an, was eine recht gute Quote ist. Doch wirklich das Spiel ankurbeln konnte er nur selten. Immerhin gelang es ihm, Maolida in der 28. Minute in Szene zu setzen, ehe dieser scheiterte.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Bis zum Ende merkte man Darida seine Mühe an, doch sowohl in der 32. Minute, als er und Mittelstädt den Einwurf der Kölner, der den Angriff zum 0:2 einleiten sollte, verschliefen, als auch in der Nachspielzeit, als er sich selbst und den Ball nicht kontrollieren konnte und Jan Thielemann praktisch zum Tor einlud, gehörten zu seinen ganz dunklen Momenten in diesem Spiel.

Maximilian Mittelstädt: Viele Aktionen, aber auch ebenso viele Fehler

Wie erwartet bekam Maximilian Mittelstädt nach seinem guten Spiel gegen Dortmund wieder den Vorzug vor Marvin Plattenhardt und stand in der Startelf.

Und auch er konnte eine Statistik für sich gewinnen. Mit 103 Ballaktionen war er am häufigsten mit dem Spielgerät in Verbindung. 45 von 54 Pässen brachte er an den Mitspieler und er gewann zehn seiner zwölf Zweikämpfe. Mittelstädt wirkte ebenfalls bemüht, biss sich aber auf seiner linken Seite gerade in der Offensive die Zähne aus. Zu wenig Durchsetzungskraft und zu wenig Offensivpower sorgten dafür, dass er keine große Hilfe im Angriffsspiel war.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Immerhin konnte er drei Mal den Ball in brenzligen Situationen klären und vier erfolgreiche Tacklings zeigen zumindest, dass er mit viel Einsatz dabei war. Doch auch er war in der 32. Minute an der Entstehung des Gegentreffers beteiligt und lies Florian Kainz unbedrängt flanken.

Myziane Maolida: Der Killerinstinkt fehlt

Ein weiteres Mal durfte sich Myziane Maolida in der Startelf präsentieren. Auf Grund der prekären Situation in der Offensive blieb Tayfun Korkut auch nur wenig Spielraum, weshalb er den Franzosen in den Sturm neben Davie Selke stellte.

In seinen 69 Minuten agierte er zwar motiviert, aber dennoch ziemlich glücklos. Im Gegensatz zu seinem Sturmpartner gelang es ihm aber zumindest Torchancen zu kreieren. Wie in der 5. Minute, als er im Strafraum aus halbrechter Position zum Schuss kam, den Ball allerdings deutlich am Tor vorbei setzte.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Ein frühes Tor hätte Hertha sicherlich gut getan, wirklich nötig wäre es allerdings in der 28. Minute gewesen. Doch nachdem er von Vladimir Darida in Szene gesetzt wurde, verschoss er aus zentraler Position ziemlich kläglich. Torhüter Marvin Schwäbe hatte keine Probleme mit dem Ball und nur wenige Momente später gingen die Domstädter in Führung.

Maolida wirkte in den meisten Situationen überhastet, fehl am Platz und konnte kaum eine Bindung zum Mittelfeld aufbauen. Er gewann zu dem nicht einen seiner vier Zweikämpfe und musste später den Platz für Kevin-Prince Boateng räumen.

Niklas Stark und Jordan Torunarigha: Zu oft unkonzentriert

Die beiden Innenverteidiger hatten einiges zu tun und kamen mit den agilen und schnellen Kölnern oft nicht zurecht. Mark Uth konnte sich nach 20 Minuten mit Schnelligkeit durch die Berliner Defensive tanken und insbesondere Torunarigha konnte bei seinen Tempodefiziten keine Hilfe sein und von Glück reden, dass Uth knapp das Tor verfehlte. Anthony Modests Wucht machte ihnen ebenfalls regelmäßig zu schaffen. Kurz vor der Halbzeit setzte er sich gegen die beiden Innenverteidiger mustergültig durch und hätte das dritte Kölner Tor schießen können, scheiterte jedoch an Schwolow.

Starks Passquote von 82 Prozent und Torunarighas von 80 Prozent waren zwar einigermaßen okay, doch insbesondere an den langen Bällen kann man erkennen, dass es den Berlinern deutlich an Ideen mangelte. Torunarigha versuchte es sechs Mal, Stark sogar elf Mal, die Stürmer in Szene zu setzen. Beide waren mit ihren Versuchen kaum ertragreich. Trotz allem gelangen ihnen zusammen 20 Klärungsaktionen, womit sie oft für Ruhe sorgten. Torunarighas Zweikampfquote von 62 Prozent ist definitiv ausbaufähig und bei der Entstehung des 0:1 war sein Einsatz zu spät.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Niklas Stark sorgte zudem für den kuriosesten Slapstick-Moment im Spiel, als er in der 67. Minute Schwolow mit einem viel zu hart geschossenen Rückpass zu einer Parade zwingen musste. Den folgenden indirekten Freistoß im Strafraum der Hertha konnte der Keeper sehenswert halten. Die Ruhe und Souveränität von Dedryck Boyata werden dringend gebraucht und aktuell schmerzlich vermisst.

Das Spiel gegen Wolfsburg kann richtungsweisend werden

Auch wenn das Team viele Ausfälle zu verkraften hatte, ist das ideenlose Offensivspiel nur schwer erklärbar. Hertha gelingt es nicht eine Serie und Konstanz aufzubauen. Auf gute Spiele folgen schwache. Und zu häufig sind es Spiele, die man überfordert und blutleer einfach hergibt.

Am Sonntag folgt das nächste Spiel. Dann gegen die tief in der Krise steckenden Wolfsburger. Es könnte richtungsweisend werden. Verliert man das Duell und die Konkurrenz punktet, würde man tief im Abstiegskampf stecken. Sollten die einstudierten Abläufe und das Zusammenspiel der Defensive und der Offensive, wie gegen Dortmund zuletzt, aber wieder funktionieren, wäre ein Sieg gegen den VfL allemal drin. Eigentlich ist dieser sogar Pflicht.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Herthaner im Fokus: Starker und versöhnlicher Jahresabschluss

Herthaner im Fokus: Starker und versöhnlicher Jahresabschluss

Mit Kampf und Leidenschaft verabschiedet sich Hertha BSC aus dem Jahr 2021 und kann ein entspanntes Weihnachten feiern. Trotz großer Verletzungssorgen besiegte die Alte Dame Borussia Dortmund und das sehenswert und mit enormen Offensivdrang.

Große Rotation gegen den BVB

Im Vergleich zur 0:4-Pleite in Mainz rotierten sechs Spieler aus der Startelf von Trainer Korkut. Suat Serdar (Knie), Dedryck Boyata (Achillessehne) und Stevan Jovetic (Wade) fehlten verletzungsbedingt.

Marvin Plattenhardt. Deovaysio Zeefuik und Lucas Tousart wurden aus Leistungsgründen nicht aufgestellt, durften aber auch gegen Borussia Dortmund im Laufe des Spiels Minuten sammeln. Mit Kevin-Prince Boateng (Knie) fehlte eine weitere Führungsfigur verletzungsbedingt.

Doch den Verlust der Leitwölfe für dieses Spiel konnte der Rest des Teams eindrucksvoll auffangen. Wir schauen in unserer Analyse auf die Torschützen, Spieler, die von Tayfun Korkut erstmalig oder wieder Vertrauen bekamen und auf die Abteilung Kreativität.

Ishak Belfodil: Fit und mit Spielpraxis aus der Startelf nicht zu verdrängen

Für Ishak Belfodil war das Spiel gegen Borussia Dortmund das Ende eines großen Kampfes gegen sein Pech im Spiel und der bitteren Schiedsrichterentscheidungen. Aber vor allem war es von ihm hart erarbeitet und nach all den wirklich starken Spielen in den letzten Wochen für Hertha auch redlich verdient. In den 87 Minuten, die er auf dem Feld stand, lief Belfodil fast zehn Kilometer, was für einen Stürmer eine beachtenswerte Strecke ist.

Er änderte nicht viel an seinem Stil der letzten Spiele, was auch gar nicht nötig war. Er verteilte wieder einmal viele Bälle, brachte 17 seiner 22 Pässe an den Mitspieler und setzte schon nach sechs Minuten Jurgen Ekkelenkamp mustergültig in Szene, der allerdings an Marvin Hitz scheiterte.

Nach 15 Minuten hatte man allerdings schon wieder den Eindruck, die Hertha würde weiterhin vom Pech verfolgt und Ishak Belfodil wäre die Personifikation dessen. Bei Myziane Maolidas Tor stand er hauchdünn im Abseits, womit mal wieder ein Abseitstor der Berliner aberkannt wurde.

hertha
(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Doch seinen goldenen Moment sollte er in der 51. Spielminute bekommen. Von Vladimir Darida steil geschickt und das Laufduell gegen Axel Witsel gewinnend spitzelte er den Ball an Hitz vorbei ins Tor und brachte die Hertha auch vom Spielstand her zurück in die Partie. Sein erstes Bundesligator für die Blau-Weißen war damit endlich geschossen.

Auch in der 69. Minute beim Treffer zum 3:1 konnte der Algerier sich aktiv beteiligen. Zwar scheiterte er freistehend vor Hitz mit einem Volley, doch der wuchtige Schuss war die ideale Vorlage für den anstürmenden und abstaubenden Marco Richter. Ein Tor und eine Torvorlage sind die nächsten zählbaren Beiträge von Ishak Belfodil.

Marco Richter: Mit Gefühl und Gewalt das Spiel entschieden

Gegen Mainz zunächst auf der Bank sitzend konnte Marco Richter heute wieder von Anfang an die rechte Seite der Berliner beackern. Er und Pekarik sorgten für viel Sicherheit. Seine Angriffsbemühungen waren in der ersten Halbzeit aber nur selten erfolgreich. Er spielte zunächst Fehlpässe, wurde von der Dortmunder Verteidigung lange aus dem Spiel genommen und konnte nur wenig zählbares rausholen. Er gewann in seinen 72 Minuten Spielzeit die Hälfte seiner Zweikämpfe.

Auch wenn die zweite Halbzeit nicht viel auffälliger von ihm war, avancierte Richter, der seine Beidfüßigkeit erfolgreich unter Beweis stellte, zum entscheidenden Mann auf dem Feld. In der 57. Minute schlenzte er mit dem rechten Fuß vom rechten Strafraumeck den Ball ins lange Eck, nachdem er vom schlau mitdenkenden Maolida in Szene gesetzt wurde. Zwölf Minuten später schoss er wuchtig und ansatzlos aus zentraler Position mit seinem linken Fuß Hitzs parierten Ball in die Maschen zum vorentscheidenden 3:1 und ließ die 5000 Fans im Olympiastadion frenetisch jubeln.

hertha
(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Auch wenn er neben seinen beiden Toren nicht sonderlich auffällig agierte, zeigte Richter wieder einmal, wie wichtig er für das Team ist und für welch goldene Momente er im Stande ist zu sorgen. Mit fünf Toren zieht er nun im Teaminternen Kampf zum Toptorjäger mit Stevan Jovetic gleich. Der im Sommer aus Augsburg gekommene Außenspieler kam in allen Bundesligaspielen in der Hinrunde zum Einsatz und konnte seinen Mehrwert (!) in vielen Spielen klar unterstreichen.

Myziane Maolida und Maximilian Mittelstädt: Das Vertrauen zurückgezahlt

Tayfun Korkut, der in seinen ersten Spielen komplett auf das Hertha-Eigengewächs Mittelstädt verzichtete und Maolida zwar Einsatzzeiten ermöglichte, die dieser allerdings nicht wirklich nutzen konnte, stellte beide Spieler in die Startelf.

Insbesondere mit einem Einsatz von Maximilian Mittelstädt war nach den zuletzt schwachen Auftritten von Marvin Plattenhardt zu rechnen. Seine Leistung war solide und auf Anhieb durfte er über die volle Distanz mitwirken. Auch wenn Mittelstädt zunächst Probleme mit dem sehr aktiven Thomas Meunier hatte und nicht entscheidend Dortmunder Flanken verhindern konnte, waren ihm seine Bemühungen anzusehen.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Und diese lesen sich auch in Zahlen. Er gewann jeden seiner sieben Zweikämpfe, seine Passquote von 76 Prozent lässt sich sehen und mit 68 Ballkontakten war er auf seiner linken Seite extrem aktiv. Während des gesamten Spiels kam er ohne Foul aus. Die Leistung ein wenig schmälern tut sein unglückliches Einsteigen vor dem 0:1 der Dortmunder, als er Julian Brandt den Ball unter Druck zuspielte. Doch mit zunehmender Spielpraxis werden ihm auch solche Fehler nicht mehr unterlaufen. Die Spielpraxis wird er sicherlich bekommen. Denn sein Auftritt war wesentlich besser als Plattenhardts in den letzten Wochen.

Myziane Maolida, der in vielen Spielen für Hertha glücklos agierte und oftmals unmotiviert wirkte, zeigte gegen die Borussia eines seiner besten Spiele für Hertha BSC. Er vertrat den verletzten Stevan Jovetic und agierte als Sturmpartner von Ishak Belfodil. Der Franzose gewann die Hälfte seiner Zweikämpfe und war an 22 Aktionen beteiligt.

Wenn man sich dazu seine Laufleistung von über zehn Kilometern anschaut, kommt man zu dem Schluss, dass er sich mittlerweile häufiger in der Defensive zeigt, viel ohne Ball unterwegs ist und Räume für Mitspieler freimacht. In der 15. Spielminute hätte er das Tor verdient gehabt, welches auf Grund der bekannten Abseitsstellung Belfodils allerdings aberkannt wurde.

hertha
(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Doch auch er konnte seine Leistung mit einer offiziellen Statistik aufpolieren. Mit Konzentration und Spielintelligenz konnte er in der 57. Minute den kapitalen Fehler der Dortmunder Verteidigung eiskalt nutzen, machte den Ball fest, setzte seine Technik hervorragend ein und wartete intelligent auf den abschließenden Marco Richter.

Es war ein wirklich mannschaftsdienliches Spiel Maolidas, auf dem sich nach Einstudieren der Automatismen im Team der Hertha, defintiv aufbauen lässt.

Jurgen Ekkelenkamp: Viel Einsatz, aber noch zu wenig Ertrag

Dem Niederländer merkt man die Lust am Spiel mit jeder Ballberührung an. Seine Kreativität ist erfrischend und jede Spielminute, die er erhält, tut ihm gut. Der 21-Jährige spielte im linken offensiven Mittelfeld, verteilte und empfing viele Bälle. Seine Passquote von 61 Prozent ist dabei definitiv ausbaufähig, aber recht ordentlich für ein Spiel gegen eine Topmannschaft wie Borussia Dortmund.

Allerdings zeigen 20 Prozent gewonnene Zweikämpfe noch deutlich, dass es ihm an Durchsetzungskraft fehlt. Ekkelenkamp hätte schon früh in der Partie die Richtung vorzeigen können, scheiterte aber nach feinem Zuspiel im Strafraum von Belfodil mit einem Flachschuss am stark reagierenden Marvin Hitz.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Während man die Situation in der 6. Minute noch gut und gerne als haltbaren Torschuss deklarieren konnte, war man als Hertha-Fan in der 15. Minute nahe der Verzweiflung, als Ekkelenkamp einen kapitalen Fehler von Axel Witsel und Marin Pongracic nicht zu nutzen wusste und aus wenigen Metern kläglich am Tor vorbeischoss. Doch er bemühte sich weiter, konnte immer wieder Akzente in der Offensive setzen und glänzte in der 69. Minute vor dem Treffer zum 3:1 als Pre-Assistgeber für Ishak Belfodil. Nachdem er Julian Brandts Ballverlust eiskalt ausnutzte, leitete er den entscheidenden Siegtreffer mit einem feinen Chip ein.

Korkut wird Ekkelenkamp in den nächsten Spielen sicherlich weitere Minuten ermöglichen. Vielleicht auch weiterhin so viele wie am heutigen Tag. Kann er die Einsatzzeiten nutzen, hat er durchaus das Zeug zu einer echten Alternative in der Offensive zu werden.

Jordan Torunarigha und Vladimir Darida: Formtiefs überwunden

Nachdem er gegen Mainz 05 und Arminia Bielefeld jeweils nicht zum Einsatz kam, stand Jordan Torunarigha gegen Borussia Dortmund für den angeschlagenen Dedryck Boyata in der Startelf und blieb bis zum Schlusspfiff auf dem Feld. Und er wusste diesen Einsatz für Eigenwerbung auf weitere Startelfnominierungen zu nutzen. Zusammen mit Kapitän Niklas Stark nahm er Erling Haaland komplett aus dem Spiel und brachte dem Team mit acht Interceptions und fünf klärenden Aktionen viel Sicherheit in der Defensive.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Torunarighas Offensivdrang ist bekannt und auch seine Ballsicherheit bewies er schon häufiger. So auch in diesem Spiel. 42 Bälle verteilte er, 79 Prozent der Pässe fanden den Mann. Als Hertha-Fan freut man sich ungemein, Jordan Torunarigha in guter Form zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass das lang der Fall bleibt. Sofern Dedryck Boyata und Niklas Stark fit bleiben sollten, werden die beiden die Stamm-Innenverteidigung bilden und Torunarigha zurück auf die Bank verdrängen. Doch er zeigt, dass auf einen fitten Torunarigha durchaus Verlass ist.

Vladimir Darida wirkte in den letzten Wochen überfordert und oftmals überspielt. Er agierte unglücklich, musste auf für ihn ungünstigen Positionen aushelfen und konnte der Mannschaft nicht die Ruhe und Stabilität früherer Tage ermöglichen. Doch genau an diesen früheren Tagen konnte er gegen Borussia Dortmund anknüpfen. Zusammen mit Ascacibar in der defensiven Zentrale agierend konnte er Dortmunds Angriffsbemühungen oft unterbinden und half selbst viel im Spielaufbau mit. Fünf seiner sechs langen Bälle kamen bei seinen Mitspielern an, 44 Pässe verteilte er, 91 Prozent waren davon erfolgreich, was beachtlich ist.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Zwar unbedrängt, aber trotzdem technisch hochwertig und sehenswert bereitete er mit einem Chip über die Dortmunder Abwehr Belfodil schickend in der 51. Minute den wichtigen Ausgleich vor. Der Tscheche ist Führungsspieler und Identifikationsfigur der Hertha. Tayfun Korkut bewies in den letzten Wochen viel Geduld mit ihm und schenkte Darida immer wieder das Vertrauen. In jedem Spiel unter Korkut stand er in der Startelf, möglicherweise auch aus Mangel an Alternativen, aber gegen den BVB wusste er endlich wieder zu überzeugen.

Fazit: Eines der stärksten Spiele führt zu einem versöhnlichen Jahresabschluss

Nach der deutlichen Niederlage unter der Woche in Mainz wurde es um Hertha BSC noch einmal laut und ungemütlich. Und im Überschwang der Emotionen wirkte das auch durchaus notwendig. Doch die Klatsche scheint eine Art Initialzündung und ein Motivationsschub für Spieler und Trainer gewesen zu sein.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Nüchtern betrachtet hat Hertha seit dem Derby in Köpenick in den letzten fünf Spielen lediglich ein Spiel – jenes in Mainz – verloren und befindet sich in der aktuellen Formtabelle der Bundesliga auf einem sehenswerten sechsten Platz. Tayfun Korkut hat die Mannschaft stabilisiert, hatte bei der Niederlage in Rheinland-Pfalz seinen eigenen schwarzen Tag und konnte nun mit einer starken Reaktion die Mannschaft zu einem Sieg gegen Borussia Dortmund coachen. Eine Situation, auf der sich aufbauen lässt.

2021 war wieder einmal ein verrücktes Jahr für Hertha BSC. Abstiegskampf, der nächste Umbruch im Team, brutale Klatschen, eine emotionale Trainerentlassung, doch am Ende steht Hertha da, wo man sie eigentlich immer verortet: im tiefen Mittelmaß der Bundesligatabelle. Mit dem elften Tabellenplatz lässt es sich momentan ganz gut leben. Frohe Weihnachten und Guten Rutsch!

[Titelbild: Boris Streubel/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Offenbarungseid gegen Mainz

Herthaner im Fokus: Offenbarungseid gegen Mainz

Nach zwei durchaus ermutigenden Spielen und vier Punkten, musste die Elf um Cheftrainer Tayfun Korkut zum FSV Mainz 05 anreisen. Hertha wurde von einer Mannschaft erwartet, die letzte Saison nach einem Trainerwechsel wie ein Phoenix aus der Asche aufgestiegen war. Dass solch eine Entwicklung nicht selbstverständlich ist, erfuhren die Berliner am eigenen Leib. Mit vier Gegentoren und null Punkten wurde man nach Hause geschickt und muss sich ein ums andere Mal die Frage stellen, welche Strategie die Vereinsführung eigentlich verfolgt.

Im Westen nichts neues

Es ist traurig, aber eigentlich war die Leistung, die die Mannschaft der alten Dame auf den Rasen brachte, wenig überraschend. Wenig Kreativität, Abstimmungsfehler und kaum Zug zum Tor. Hoffte man auf einen vitalisierenden Trainer-Effekt, man wurde in dieser Nacht eines Besseren belehrt. Tayfun Korkut nahm im Vergleich zum Spiel gegen Bielefeld nur eine Änderung vor und ersetzte Marco Richter durch Lucas Tousart.

Damit wurden Torgefahr, Tempo und Offensivdrang gegen defensive Kompaktheit und Balleroberungen getauscht – zumindest in der Theorie. Dass der Plan von Korkut überhaupt nicht aufging und es Hertha allgemein an Synergien mangelt, zeigt sich am besten, wenn man den Blick nicht nur auf einzelne Spieler, sondern auf Spielerpaare wirft.

Lucas Tousart und Santigao Ascacibar – Defensive gewinnt keine Spiele

Die Qualitäten von Tousart, als auch Ascacibar liegen beileibe nicht im Offensivspiel. Das rächt sich insbesondere dann, wenn beide im zentralen Mittelfeld nebeneinander agieren und keinen Spielmacher vor sich haben, dem sie die Bälle zutragen können. Der Spielertyp des Wasserträgers ist relativ nutzlos, wenn es niemanden gibt, der weiß, was man mit dem Wasser anzufangen ist.

Passend dazu agierten Suat Serdar und Vladimir Darida auf der linken beziehungsweise rechten Seite des Mittelfelds. Entsprechende Verlagerungen auf diese Seite scheiterten aber daran, dass die Qualität von Herthas Außenverteidiger kein Hinterlaufen der eigenen Teamkollegen erlaubt und so aus solchen Situationen selten vielversprechende Aktionen erwachsen können.

mainz
(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Dazu kommt, dass Tousart extrem tief stand und die Ballverteilung fast immer über Ascacibar lief, der mit dieser Position gegen kompakt stehende Mainzer sichtlich überfordert war. Die Heatmap der Spielerbewegung offenbart außerdem, dass Ascacibar überall auf dem Spielfeld aushelfen musste, um Lücken in Herthas Verteidigung zu stopfen. Tousart brachte insgesamt nur 50 Prozent seiner Pässe, sein argentinischer Mitspieler immerhin 64 Prozent an den Mann. Mit diesen Spielen kann aus dem Mittelfeld keinerlei Torgefahr ausgehen.

Dedryck Boyata und Niklas Stark – Die Berliner Mauer (1991)

Die Innenverteidigung, gebildet von Kapitän und Stellvertreter, gehörte zu den meistbeschäftigsten Abteilung in jener Nacht. Gleichzeitig gab sie ein erschreckendes Bild ab.

Bei fast allen Gegentoren stimmte die Zuordnung zu den Gegenspielern nicht. Die so entstehenden Räume wurden von Mainz gnadenlos genutzt. In der 58. Minute ging Stark in bester Kreisligamanier in den Mainzer Karim Onisiwo rein, dass dieser sichtlich angeschlagen ausgewechselt werden musste.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Mit dieser Leistung haben sich weder Stark noch Boyata für weitere Einsätze empfohlen. Die Verantwortlichen bei Hertha werden sich die Leistung von Stark ganz genau angucken und ihre Schlüsse ziehen. Sein Vertrag läuft im Sommer aus und mit Marc-Oliver Kempf soll schon ein potentieller Nachfolger in den Startlöchern stehen.

Ishak Belfodil und Stevan „Nicht-so-tief“ Jovetic

Angesichts der eklatanten Kreativitätsdefizite im zentralen Mittelfeld musste sich Top-Torschütze Stevan Jovetic ein ums andere Mal tief fallen lassen um am Spiel teilnehmen zu können. Wie das Überbrücken des nun leeren Zehnerraumes angesichts tief stehender Teamkollegen und Geschwindigkeitsdefizite von Sturmpartner Belfodil gelingen sollte, wusste auch Jovetic nicht zu beantworten. 56 Prozent Passquote sprechen eine deutliche Sprache.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Dazu kam, dass der Stürmer aus Montenegro in der 30. Minute gegen den sichtlich engagierteren, aber ebenso glücklosen Davie Selke verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Bringt Jovetic wenigstens noch das Potential für spielentscheidende Einzelleistungen mit, sieht das bei Selke ganz anders aus. Spätestens nach diesem Wechsel war klar, dass hier spielerisch nicht mehr viel zu erwarten war.

Insgesamt konnte Hertha lediglich einen traurigen Torschuss verzeichnen. Die fünft schlechteste Offensive der Liga kommt also nicht von ungefähr.

Vladimir Darida und Deyovaisio Zeefuik – Es reicht

Nominal eigentlich voreinander angeordnet kamen sich Darida und Zeefuik immer wieder in die Quere. Das lag vor Allem daran, dass der niederländische Rechtsverteidiger es nicht schaffte, seine Seite ordentlich zu verteidigen. Von zwölf abgefangenen Bällen konnte nur einer auf der rechten Seite erobert werden. Darida war gezwungen, ständig nach hinten zu arbeiten und konnte so noch weniger am Offensivspiel der Mannschaft teilnehmen.

(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Dass er nach Auswechslung von Zeefuik auch noch den Rechtsverteidiger geben musste, ist ein Offenbarungseid für Herthas unausgewogenen Kader. Es stellt sich die Frage, was ein Zeefuik dem Spiel eigentlich geben kann. Was sind seine Qualitäten, die rechtfertigen, ihn aufzustellen? Er kann weder mit Offensiv- noch Defensivaktionen glänzen, von seiner mangelnden Konstanz ganz zu schweigen. Hat sich Hertha auf der linken Abwehrseite schon die dringend benötige Unterstützung geholt, wartet auf rechts die nächste Herausforderung für die Transferverantwortlichen. 

Was kann dieser Kader?

In der 88. Minute spielte sich eine Situation ab, die symptomatisch für das ganze Spiel war: Nach einem schnellen Konter hatte Myziane Maolida 18 Meter vor dem Tor die Möglichkeit sowohl zu Selke, als auch Krzysztof Piatek querzulegen. Er entschied sich allerdings für die denkbar schlechteste Alternative und jagte den Ball vier Meter über das Tor.

Das Spiel in Mainz erinnerte an dunkle und leider auch jüngere Tage der Hertha. Es ist keine Verbesserung sichtbar, keine Entwicklung. Die Lichtblicke, die sich ab und zu mal zeigen, verblassen angesichts von Schlechtleistungen am darauffolgenden Spieltag wieder. Der Kader ist so unausgewogen und flach zusammengestellt, dass eine konstante Leistung im Grunde genommen unmöglich ist. Man kann sich nur der verzweifelten Hoffnung hingeben, dass Fredi Bobic einen langfristigen Plan verfolgt, der eine weitere schlechte Saison zum elementaren Bestandteil hat.

Friedrich Nitzsche hat einmal gesagt: „Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens.“ Der Mann war kein Hertha-Fan. 

[Titelbild: Alex Grimm/Getty Images]