Herthaner im Fokus: Bayer Leverkusen – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Bayer Leverkusen – Hertha BSC

Nach der ernüchternden zweiten Hälfte bei der 2:5-Heimpleite gegen Borussia Dortmund galt es für unsere Hertha diesmal beim Drittplatzierten Bayer Leverkusen Wiedergutmachung zu leisten. In einem ereignisarmen Spiel am ersten Adventssonntag blieb wenigstens auch die Defensive fehlerlos, sodass sich Hertha zumindest mal wieder mit einem Punktgewinn in Richtung Derby aufmacht.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner bei diesem 0:0 der schlechteren Sorte.

Herthas Viererkette – Geht doch!

Die Berliner Abwehrreihe um Kapitän Dedryck Boyata bekam trotz verheerender zweiter Hälfte gegen Dortmund wieder das Vertrauen von Trainer Bruno Labbadia, sodass Hertha mit unveränderter Startaufstellung gegen Leverkusen begann.

Und siehe da – es geht doch! Ohne haarsträubende Ein-Mann-Abseitsfallen und dafür mit einer disziplinierten koordinierten Abwehrleistung konnte die Defensivabteilung der Hertha dichtmachen und ließ Leverkusen so nicht gefährlich vors Tor kommen. Auch die schnellen Leverkusener Außenspieler konnten Peter Pekarik und Marvin Plattenhardt keine Probleme bereiten. Etwas Gefahr ergab sich nur aus Fernschüssen und ruhenden Bällen, bei denen mit Alexander Schwolow und der nötigen Prise Glück die Null stehen blieb.

Foto: IMAGO

Und über die Kernkompetenz des Verteidigens hinaus, blitzte auch wenige Male offensive Kreativität auf. So leitete Boyata in der achten Minute eine der wenigen Hertha-Chancen durch Dodi Lukébakio mit einem schönen langen Ball ein, wenngleich diese belgische Koproduktion im Endeffekt auch nur in einem ungefährlichen Schüsschen resultieren sollte.

Auch Omar Alderete versuchte sich im Spielaufbau und spazierte in der 26. Minute in der Manier eines Jordan Torunarigha durch die Leverkusener Offensivabteilung und fasste sich schlussendlich ein Herz, um einen etwas zu motivierten Fernschuss weit über das Tor zu setzen. Da hätte es nach dem ordentlichen Raumgewinn vermutlich eher der Pass zum Mitspieler getan.

Aber auch sonst versuchte Alderete zeitweise schöne Schnittstellenpässe durchs Zentrum zu spielen, was allerdings mit der Zeit parallel zu Herthas Angriffsbemühungen immer mehr abnahm. Ehrlicherweise muss auch gesagt werden, dass der Neuzugang vom FC Basel bei seinen Pässen das ein oder andere Mal mit dem Feuer spielte.

In der 75. Minute schließlich ging es für Alderete mit einer augenscheinlichen Muskelverletzung nicht mehr weiter. Dafür durfte sich der mittlere Dárdai-Sohn Márton seine nächsten Bundesligaminuten abholen – und machte das ordentlich und unaufgeregt. Im Spiel gegen den Ball konnte er noch zwei wichtige Ballgewinne verzeichnen, mit dem Ball ließ er sich von pressenden Leverkusenern nicht aus der Ruhe bringen. Erst in der Nachspielzeit ließ er sich an der rechten Außenbahn etwas übertölpeln und wusste sich nur noch mit einem etwas plumpen Foul zu helfen. Und wie es dann halt immer ist, führte der anschließende Freistoß natürlich direkt zur größten Chance der Partie durch Lars Bender. Aber – auch das wurde überstanden und Márton Dárdai konnte seine ordentliche Leistung mit einem Punktgewinn feiern.

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Insgesamt zeigte sich die Abwehrkette deutlich stabilisiert gegenüber der zweiten Halbzeit gegen Borussia Dortmund. Zur Wahrheit gehört aber ebenso, dass Bayer Leverkusen Herthas Defensive auch nicht vor die ganz großen Prüfungen gestellt hat. Nichtsdestotrotz wurde eine ordentliche Leistung gezeigt, auf der man grundsätzlich aufbauen kann. In der Offensive dürfen gerade die beiden Außenverteidiger gerne etwas mehr Akzente setzen. Klar ist aber, dass gegen ein spielstarkes Leverkusen das Augenmerk auf der Defensive lag und Hertha endlich einmal wieder ohne Gegentor bleiben wollte. Und das ist geglückt.

Zwar muss Bruno Labbadia seine Viererkette mit der neu gefundenen Stabilität im Derby am Freitag voraussichtlich wieder umbauen, sofern Alderete mit einer Muskelverletzung tatsächlich ausfällt. Dann sollte allerdings auch Jordan Torunarigha wieder einsatzbereit sein, der sich mittlerweile wieder im Mannschaftstraining befindet und so die Stammbesetzung in der Innenverteidigung wieder komplettieren könnte. Und das Eigengewächs dürfte für die Partie gegen Union Feuer und Flamme sein. Genau der richtige Zeitpunkt also für ein Comeback. Ob mit oder ohne Jordan – wir sind heiß, Union kann kommen!

Niklas Stark – Auf Nummer sicher

Kennern der Szene mittlerweile als „menschliche Stützräder“ bekannt, steht Niklas Stark für die sichere Nummer in der Defensive und arbeitet als Staubsauger im defensiven Mittelfeld. Gegen Bayer Leverkusen agierte er dabei relativ unauffällig – üblicherweise kein schlechtes Zeichen auf dieser Position.

So konnte er der spielstarken Leverkusener Zentrale immer wieder auf den Füßen stehen und hat diese dadurch nicht zur Entfaltung kommen lassen. Hier und da wurde auch mal ein sinnvolles Foul zur Störung des Spielflusses eingestreut.

Doch so solide der defensive Auftritt Starks geriet, so viel Luft nach oben blieb in seinen offensiven Aktionen. Wenn sich der Nationalspieler in die Offensive einschaltete, missrieten seine Abspiele derart, dass diese im Ansatz gefährlichen Situationen in der ersten Hälfte völlig verpufften.

Auch in der eigenen Hälfte zeigte Stark, dass er sich zurzeit ohne Ball wohler fühlt als mit. Als er in der 32. Minute von zwei Mann unter Druck geriet, konnte er sich nicht befreien, geschweige denn das Leder auf die Tribüne kloppen und ermöglichte Kerem Demirbay so, einen Flatterball auszupacken, den Alexander Schwolow glücklicherweise relativ unproblematisch über die Latte lenkte.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Bezeichnend schließlich eine Szene in der 68. Minute, als Stark zunächst einen Ball nach aufmerksamem Einsteigen gewinnen konnte, im Angesicht des Drucks von zwei Gegenspielern im Umkreis von fünf Metern aber keinen geraden Pass mehr an den Mitspieler brachte und so den Ball direkt wieder verlor.

Auch wenn Niklas Stark es wieder einmal ordentlich gemacht hat, keimt zaghaft der Wunsch auf, die Position vor der Abwehr mit einem etwas spielstärkeren Sechser zu besetzen, der auch die Offensive bereichern kann. Und siehe da, mit Lucas Tousart steht ein passender Spielertyp eigentlich auch schon zur Verfügung. Der Franzose hatte in den ersten Spielen der Saison defensiv weitestgehend überzeugt, aber im Gegensatz zu Stark auch einige sehenswerte Spielverlagerungen an den Mann gebracht. Tousart stand nach einer kleineren Knieverletzung nun zum zweiten Mal wieder im Hertha-Kader, scheint aber noch nicht wieder auf absolutem Top-Niveau angekommen zu sein und blieb so noch einmal 90 Minuten auf der Bank.

Das könnte aber schon im Derby gegen Union Berlin anders sein und eine französische Doppelsechs gemeinsam mit Mattéo Guendouzi dem Spiel unserer Hertha eine neue Note hinzufügen.

Mattéo Guenduozi – Die ordnende Hand

Herthas Arsenal-Leihe lieferte in seinem erst dritten Spiel von Beginn an wieder eine überzeugende Partie ab.

Der Franzose besticht mit einer beeindruckenden Ruhe am Ball. Diese Ballsicherheit auch bei gegnerischem Pressing bringt eine Selbstverständlichkeit ins Zentrum, die zu Saisonbeginn noch schmerzlich vermisst wurde. Zwar wirkt Guendouzi mit seiner demonstrativen Ruhe manchmal geradezu sorglos, blieb dabei gestern aber trotzdem fehlerlos und konnte sich einige Male sehenswert aus Pressingsituationen befreien und offene Räume bespielen. So brachte er gute 83% seiner Pässe zum Mitspieler – zum Vergleich: bei Stark waren es nur 44%, bei Cunha 60%.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Etwas auffällig ist dabei, dass seine raumbringenden Chipbälle das Spiel regelmäßig auf die rechte Seite verlagerten. Das ist aber ganz einfach in Herthas Aufstellung begründet. Der nominelle Offensivspieler für die linke Seite, Matheus Cunha, bewegt sich eher im Bereich der Zehnerposition. Marvin Plattenhardt hielt sich dagegen gestern offensiv extrem zurück und wagte nur seltenst Ausflüge in die Leverkusener Hälfte. So konnte das Spiel über die Außen also nur über die rechte Seite initiiert werden.

Die ordnende Hand von Mattéo Guendouzi tut Hertha extrem gut. Schon jetzt ist er die erhoffte Verstärkung – und kann gemeinsam mit seinen Kollegen sicherlich noch eine Schippe drauflegen. Vielleicht demnächst neben dem spielstarken Abräumer Tousart?

Mit seiner buddhistischen Ruhe am Ball ist Mattéo Guendouzi jedenfalls schon in kürzester Zeit zum Schlüsselspieler in Herthas – Vorsicht – Zen-trale geworden.

Und dann war da noch:

Alexander Schwolow, der in der ersten Halbzeit bei Demirbays Flatterball auf dem Posten war und sich auch von Leon Baileys Versuch nicht übertölpeln ließ. In der zweiten Hälfte bekam er wie auch Lukas Hradecky auf Leverkusener Seite kaum mehr zu tun. Im Zuge eines intensiven Blickduells mit dem Spielgerät wünschte er sich Lars Benders Kopfball erfolgreich um den Pfosten herum und hielt so den Kasten in der Nachspielzeit sauber.

Matheus Cunha, der von Beginn an überhaupt nicht ins Spiel fand. Verzettelte er sich zunächst noch in Dribblings gegen zu viele ihm auf den Füßen stehende Gegenspieler, entschied sich der Brasilianer später auch in seinen anderen Offensiv-Aktionen für zu umständliche Lösungen und die sonst ab und an eingestreuten genialen Momente blieben aus. Ein Zusammenspiel mit den Sturmpartnern Krzysztof Piątek und Dodi Lukébakio fand kaum statt. Wenn sich einmal Räume öffneten, kamen die Pässe Cunhas nicht an. Ein gelinde gesagt durchwachsener Auftritt, der bereits in der 30. Minute mit der gelben Karte noch garniert wurde. Anscheinend haben auch Fußballgötter mal einen schlechten Tag.

Krzysztof Piątek, der wieder einmal sehr unglücklich agierte. Die alte Leier – er bekommt keine Bälle in Abschlusssituationen, allerdings kommt auch sonst im Spiel deutlich zu wenig von ihm.  Immerhin sah das Anlaufen und damit die Arbeit gegen den Ball ganz brauchbar aus. Offensiv war das aber wieder einmal sehr dünn. Bälle festmachen und weiterverteilen wird wohl nicht mehr seine Stärke. Aber auch sein Kombinationsspiel ist zurzeit einfach nicht das Gelbe vom Ei. So konnte er Herthas Spiel in keiner Szene irgendwie weiterhelfen. Der Pole wurde folgerichtig in der 70. Minute gegen Jessic Ngankam ausgetauscht, der ebenfalls viel arbeitete, aber auch kaum in Erscheinung trat. In der Nachspielzeit köpfte er den Ball zum einzigen Berliner Abschluss der zweiten Hälfte etwas zu unplatziert aufs Tor – hätte das Eigengewächs in der Situation durchgelassen, wäre der besser postierte Cunha zum Abschluss gekommen.

Hendrik Herzog, der sich in der Nachspielzeit nach lautstarken Protesten wohl als erster Hertha-Zeugwart in der Vereinsgeschichte den gelben Karton abholte.

[Titelbild: Lars Baron/Getty Images]

Vorschau: Bayer 04 Leverkusen – Hertha BSC: Per Trotzreaktion dem Tabellenkeller fernbleiben?

Vorschau: Bayer 04 Leverkusen – Hertha BSC: Per Trotzreaktion dem Tabellenkeller fernbleiben?

Nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund trennen die Hertha nur noch drei Punkte vom Relegationsplatz. Nur vier Punkte sind es, welche die Alte Dame von einem direkten Abstiegsplatz trennen. Und nach Borussia Dortmund ist vor Bayer 04 Leverkusen. Mit der Werkself trifft Hertha auf eine Mannschaft, die aktuell gut drauf zu sein scheint.

Licht und Schatten – so scheint Hertha BSC in dieser Saison bisher gut zusammengefasst. Strahlt insbesondere die Berliner Offensive, scheint es in der Defensive oftmals umso düsterer auszusehen. Nach oben in die Tabelle zu schauen, fällt den Berlinern aktuell schwer – es muss zunächst vermieden werden, in den Sog des Abstiegskampfes gesogen zu werden. Mit Bayer 04 Leverkusen wartet nun der nächste spielstarke Gegner, der die Berliner Defensive fordern wird. Die Werkself um Trainer Peter Bosz rangiert aktuell auf dem dritten Tabellenplatz.

Grund genug, um sich als Hertha-Fan sorgen zu machen? Darüber haben wir mit Leverkusen-Expertin Friederike vom “Neverkusen Podcast” gesprochen. Und sie verrät: Nicht alles, was glänzt, ist auch aus Gold.

Auf dem dritten Tabellenplatz – doch täuscht der Eindruck?

Mit drei Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg, RB Leipzig und den VfB Stuttgart ist die Werkself zunächst schleppend in die neue Saison gestartet. Damit hatte sich Leverkusen zunächst in der unteren Tabellenhälfte auf Platz 14 eingereiht. Zu wenig für eine Mannschaft mit Champions-League-Ambitionen. Allerdings hatten die Leverkusener auch schmerzhafte Abgänge zu vermelden.

Kai Havertz zog es vor der Saison für 80 Millionen zum FC Chelsea, Kevin Volland wechselte für knapp 16 Millionen Euro zum AS Monaco und Trainer Nico Kovac. Beide waren jahrelang feste Größen und Stützen im Team. Mit Beginn des vierten Spieltages gelang es der Mannschaft aber, die Abgänge aufzufangen. Dann folgten Siege gegen Mainz 05, FC Augsburg, SC Freiburg und auch gegen Borussia Mönchengladbach. Am vergangenen Wochenende gegen Arminia Bielefeld konnte die Mannschaft ebenfalls drei Punkte einfahren.

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Dennoch sieht Friederike auch Grund für Kritik: „Unser Tabellenplatz stimmt gar nicht mal so mit den Leistungen überein“, sagt sie. Am letzten Spieltag gegen Bielefeld habe die Mannschaft laut ihr eher schwach gespielt. „Aber der Gegner halt noch schwächer“, weshalb Aleksander Dragovic in der 88. Spielminute noch der 1:2 Siegtreffer gelang.

Leverkusen scheint die Pflichtaufgaben zu meistern, während die Mannschaft – mit Ausnahme des Sieges gegen Gladbach – gegen spielstärkere Teams wie Wolfsburg, Leipzig und diese Saison auch Stuttgart ihre Schwierigkeiten hat. Und hier kann Hertha ansetzen. Denn wenn die Berliner diese Saison eines können, dann ist es Offensive.

Die Leverkusener Mannschaft im Detail

Doch wenn Hertha ein ähnliches Defensivverhalten wie gegen Dortmund präsentiert, kann es für die Berliner auch schnell zu einem Debakel werden. Denn Leverkusen ist seit jeher als offensiv spielstarke Mannschaft bekannt. Sie spielen One-Touch-Fußball, oft mit schnellen Spielern auf den Außen. Auch die Abgänge von Kai Havertz und Kevin Volland scheinen vergessen zu sein.

„Wir waren alle skeptisch, wer die Lücken füllen soll“, sagt Friederike. Doch mit der Transferpolitik ist sie zufrieden. Auch wenn nicht viele neue Spieler hinzukamen. Denn „die Dagebliebenen machen es gut“, sagt sie. Als Beispiel nennt sie Moussa Diaby, der sich auf der linken offensiven Außenbahn „die Hacken wund läuft“ und die wiedergewonnene Spielfreude von Leon Bailey. Zusammengezählt haben beide diese Bundesligasaison nach acht Spieltagen drei Tore und vier Vorlagen erzielt.

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Hinzu kommt Lucas Alario – mit sieben Treffern steht er auf dem vierten Platz der Torschützenliste. Und nach überstandener Verletzung steht nun auch wieder Stürmer Patrik Schick zur Verfügung. Auch wenn man im Leverkusener-Trikot noch nicht viel von ihm sehen konnte, „scheint er sehr gut zu uns zu passen“, sagt Friederike. „Er ist ein toller Typ Stürmer – torgefährlich und immer präsent“, sagt sie. Der Tscheche ist diese Saison ihr Lieblingstransfer gewesen.

Als „Glücksgriff“ bezeichnet sie Innenverteidiger Edmond Tapsoba, der gegen Bielefeld wegen eines positiven Corona-Tests jedoch ausfiel. Zuvor stand er in jedem Bundesligaspiel in der Startelf. Ebenso wichtig für das Team sei Florian Wirtz. „Er wird uns noch viel Freude bereiten“, sagt Friederike. Hier scheinen Parallelen zu Hertha zu sein – wenn aus Berliner Sicht auch eher negative.

Während es den Berlinern bisher nur mäßig gelungen ist, die Abgänge mit neuen Stützen im Team wettzumachen, scheint das in Leverkusen bereits gelungen. „Trainer Peter Bosz hat eine klare Spielidee, da sieht man wenig Experimente und das scheint bei den Spielern gut anzukommen“, sagt sie.

Matchplan: Ein offensives Feuerwerk

Beide Mannschaften haben ihre Stärken in der Offensive. Hier hat Hertha nach der Verletzung von John Córdoba einen Nachteil. Denn Krzysztof Piatek muss weiterhin erst ins Spiel eingebunden werden. „Und auch er muss sich mehr einbinden“, wie Bruno Labbadia nach dem Spiel gegen Dortmund analysierte. „Beide Seiten müssen aufeinander zugehen“, sagte er.

Matheus Cunha hingegen bleibt in dieser Saison weiterhin heiß gelaufen. Auf ihm baut das offensive Spiel der Hertha auf. Abzuwarten bleibt, ob Dodi Lukebakio die Bank droht. Die Kritik des Trainers an dem abwehrmüden Stürmer hört nicht auf. Jesse Ngankam könnte ihn ersetzen, auch Javairo Dilrosun stünde bereit.

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Über die Leverkusener Offensive muss man sich auch in dieser Saison Sorgen machen. 16 Treffer hat die Werkself bereits erzielt – einer mehr als Hertha. Zu erwarten ist ein schnelles, offensiv geprägtes Spiel beider Mannschaften. Hertha braucht nach dem enttäuschendem Spiel gegen Dortmund einen Befreiungsschlag. Gegen Augsburg gelang das. Die Mannschaft muss sich ebenso trotzig zeigen.

Für den neutralen Fußballfan könnte es sich lohnen einzuschalten. Aus blau-weißer Sicht: Hoffentlich bleibt die Defensive gegen die schnellen Pässe und Laufwege der Leverkusener dicht. Das glaubt Friederike jedoch nicht – ihre Prognose: „Sorry, aber 3:2 für Leverkusen.”

[Titelbild: IMAGO]

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Borussia Dortmund

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Borussia Dortmund

Den Schwung aus dem guten Augsburg-Spiel kann Hertha nicht über die Länderspielpause hinaus mitnehmen und unterliegt deutlich gegen den BVB. Auf eine gute erste Hälfte folgt eine deutlich schwächere Zweite, in der Dortmund fünf Tore erzielt. Wir schauen auf die individuellen Leistungen einiger Herthaner.

Krzysztof Piatek – Chance nicht genutzt

Nach dem Ausfall von Stammstürmer Jhon Cordoba stellte man sich in Berlin die Frage, ob Krzystof Piatek nun seine Chance nutzt und sein 24-Millionen-Euro-Versprechen einlösen würde. Für das Dortmund-Spiel lautet die Antwort auf diese Frage sicherlich nein.

Fairerweise muss hier jedoch erwähnt werden, dass es für den Mittelstürmer kein einfaches Spiel war. Es gab nicht allzu viele Szenen, in denen er sich hätte auszeichnen können und mit Mats Hummels und Manuel Akanji hatte er zwei Innenverteidiger mit guter Tagesform als Gegenspieler gegen sich. Hinzukommt, dass Labbadias Spielweise weiterhin nicht ideal auf seine Stärken zugeschnitten ist.

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Es muss jedoch genauso festgehalten werden, dass Piatek in einigen Phasen des Spiels fast unsichtbar und kaum in das Spiel der Hertha involviert war. So blieb er über weite Strecken des Spiels sehr unauffällig. Nur die Beteiligung am Kopfballduell vor dem 1:0 lässt sich noch wohlwollend hervorheben. Keine Schussaktion und die wenigsten Ballaktionen von allen Herthaspielern, die in der Startelf standen, unterstreichen den Eindruck einer schwachen Leistung noch einmal. Solche Spiele sind für Abschlussstürmer, wie Piatek einer ist, nicht untypisch, aber trotzdem enttäuschend.

Der Mittelstürmer hat wenig angeboten und wurde aber auch selten eingesetzt. Beides muss sich in den nächsten Spielen ändern, wenn er längerfristig als ernsthafter Konkurrent zu Cordoba gelten möchte.

Peter Pekarik – Kein Zeichen von Müdigkeit

Zweimal stand Peter Pekarik in der Woche vor dem Dortmund-Spiel bereits über 90 Minuten für die slowakische Nationalmannschaft auf dem Platz und am Samstag folgte dann direkt der nächste Einsatz im Berliner Olympiastadion. Ein enormes Spielpensum, welches der Rechtsverteidiger in dieser Woche absolviert hat. Umso erstaunlicher ist es, dass er einer der besseren in der Viererkette gegen Dortmund war.

In der ersten Halbzeit ließ er über seine Seite fast gar nichts zu und machte es Raphael Guerreiro schwer. Im Strafraum war Pekarik sehr aufmerksam und blockte unteranderem einen gefährlichen Schuss von Erling Haaland. Auch die Abstimmung mit Vladimir Darida passte und so erledigte er seine Aufgabe gewohnt routiniert. In den Spielaufbau war er aber nicht allzu stark eingebunden.

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In der zweiten Halbzeit lief für den Slowaken defensiv nicht mehr alles so optimal und besonders beim 1:4-Treffer kam er etwas zu spät und konnte Guerreiro nicht mehr ausreichend am Abschluss hindern. Dafür konnte er sich in zwei Szenen nach dem 1:2 offensiv einschalten. In beiden Szenen rückte er hoch bis in den Sechzehner auf und wurde am zweiten Pfosten angespielt. Beide mal konnte er seine Chance auf den Ausgleich jedoch nicht nutzen.

Insgesamt kein einfaches Spiel für Peter Pekarik, in dem man ihm trotz fünf Gegentoren nicht allzu viel vorwerfen kann und der trotz vieler Minuten in den Beinen ein solides Spiel machte.

Omar Alderete und Dedryck Boyata – Ein Rückschritt

Ähnlich wie bei fast allen Spielern von Hertha war auch bei Dedryck Boyata und Omar Alderete der Leistungsunterschied zwischen den beiden Halbzeiten groß. In der ersten 45 Minuten schafften es die Innenverteidiger sehr gut, Dortmund weitestgehend aus dem eigenen Strafraum fernzuhalten. Viele Bälle fing man mit solidem Stellungspiel ab und lies nur wenige Chancen zu. So hatte Dortmund sich zur Halbzeit nur einen xG-Wert von ca. 0,4 erspielt.

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In der zweiten Halbzeit änderte sich dieses Bild komplett. Man bot den Dortmundern deutlich mehr Räume und konnte nicht mit dem herausragend aufspielendem Erling Haaland mithalten. Besonders die Geschwindigkeitsnachteile der beiden Innenverteidiger zeigte dieser noch einmal auf und konnte sich Chance um Chance erspielen. Gleich bei mehreren Gegentoren war zudem der Abstand zu Haaland deutlich zu groß. Außerdem passten Abstimmung und Zusammenspiel in Herthas Defensive in vielen Szenen überhaupt nicht und so machte man es den Dortmundern oft sehr leicht auf dem Weg zum Tor.

Ein klarer Rückschritt zu den Auftritten gegen Wolfsburg und Augsburg, bei denen man sich deutlich stabilisierter in der Abwehr zeigte.

Und dann waren da noch:

Das Mittelfeld: In der ersten Halbzeit machte das Mittelfeld aus Matteo Guendouzi, Niklas Stark und Vladimir Darida das Zentrum dicht und war oft sehr nah am Gegenspieler. In der zweiten wurde man mehrmals deutlich zu einfach überspielt und kam kaum noch in die Zweikämpfe. Guendouzi war erneut der Spielmacher aus dem Mittelfeld und besonders in den Spielaufbau stark eingebunden. Aber auch er zeigte trotz herausgeholtem Elfmeter in der zweiten Hälfte des Spiels nicht mehr seine beste Leistung.

Matheus Cunha: Cunha war auch gegen Dortmund bester Herthaner auf dem Platz und machte besonders mit seinem wunderschönen Fernschusstor erneut auf sich aufmerksam. Er war der Aktivposten in Herthas Offensive und an nahezu jedem Angriff der Hertha beteiligt. Auch die Zahlen stimmten bei ihm erneut: zwei Tore, drei Torschüsse und vier gewonnene Dribblings.  Umso verärgerter zeigte er sich über die zahlreichen Gegentore, die seine Mannschaft kassierte und ließ sich das auch in einigen Szenen anhand seiner Körpersprache anmerken.

[Titelbild: Clemens Bilan – Pool/Getty Images]

Selbstbewusst das fehlende Glück erzwingen

Selbstbewusst das fehlende Glück erzwingen

Gegen die großen Mannschaften zeigte Hertha BSC in dieser Saison gute Leistungen. Für Zählbares reichte es aber nur gegen den VfL Wolfsburg. Oft fehlte das Glück, Pech und Ungeschick kamen hinzu. Auch die kommenden Teams werden Hertha alles abverlangen. Doch auch gegen sie muss nun gepunktet werden, will man Unruhen im Verein vermeiden. Gründe, um selbstbewusst zu sein, hat sich das Berliner Team erspielt. Ein Ausblick.

Es war der dringend benötigte Befreiungsschlag: Eine spielerisch starke Hertha besiegte am vergangenen Spieltag den FC Augsburg mit drei zu null. Und der Sieg war in mehrfacher Hinsicht wichtig. Einerseits, weil sich die Berliner bei einer Niederlage gefährlich nahe an den Abstiegsplätzen befunden hätten. Medial wäre es unruhig geworden. Die Kritik an den Verantwortlichen und der Mannschaft aufgrund des fehlenden Erfolgs trotz historischer Transferausgaben von Hertha wäre nicht mehr zu vermeiden gewesen. Aber auch, weil sich die Mannschaft mit dem Sieg endlich selbst belohnt hat. Darauf kann das Team nun aufbauen.

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Denn drei der nächsten vier Gegner sind Teams, mit denen sich Hertha mittel- bis langfristig vergleichen will: Borussia Dortmund, Bayer 04 Leverkusen und Borussia Mönchengladbach heißen sie. Und sie alle spielen in den europäischen Wettbewerben mit. Dort, wo Hertha auch hin möchte.

Den Anspruch gegen sie zu gewinnen, hat man bei Hertha BSC aktuell aber noch nicht. Dennoch muss nun auch gegen sie Zählbares her. Vorher hat es die Mannschaft verpasst, sich ein Punktepolster zu erspielen. Hätte man gegen Eintracht Frankfurt oder den VfB Stuttgart punkten können, wären Niederlagen gegen die kommenden Mannschaften verkraftbar gewesen.

So aber steht man mit sieben Punkten nach ebenso vielen Spieltagen auf dem zwölften Tabellenplatz. Das ist weit weg von Europa. Auch wenn man das bei Hertha gut einzuordnen weiß. Weder Manager Michael Preetz noch Trainer Bruno Labbadia werden darin müde, zu betonen, dass sich das Team in einem Umbruch befindet. Und die ewigen Parolen haben durchaus ihre Berechtigung. Doch holt man keine Punkte gegen die oben genannten Teams, verliert womöglich sogar alle Spiele, wird es vermutlich unruhig im Verein werden. Doch Hertha kann optimistisch sein – und selbstbewusst. Denn gegen die Top-Teams der Liga spielte die Mannschaft bisher zwar fast punktelos, spielerisch aber stark.

Ungeschick in den eigenen Reihen – trotz starker Leistungen

Gegen den FC Bayern München, RB Leipzig und VfL Wolfsburg zeigte das Team von Trainer Bruno Labbadia starke Leistungen. In München glich die blau-weiße Truppe gar drei Mal aus, bevor Maximilian Mittelstädt in der Nachspielzeit ungeschickt agierte und Robert Lewandowski im eigenen Strafraum umriss. Der Pole verwandelte den Strafstoß und schnürte seinen Viererpack.

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Zwei Spieltage später ging man gegen RB Leipzig sogar in Führung. Die Leipziger glichen drei Minuten später zwar schnell aus, dennoch bewies die Mannschaft Moral. Nach zwei Fouls zu Beginn der zweiten Halbzeit flog Deyovaisio Zeefuik mit gelb-rot vom Platz – fast 30 Minuten hielt Hertha in Unterzahl das Unentschieden. Erst als Jhon Córdoba im eigenen Strafraum Willi Orban zu Fall brachte, konnten die Leipziger per Elfmeter in Führung gehen. Vorher taten sich die Leipziger schwer, Wege an der Hertha-Abwehr vorbei zu finden. Sogar offensive Nadelstiche waren mit einem Mann weniger zu erkennen.

Und auch gegen den VfL Wolfsburg spielte die Mannschaft allen voran in der zweiten Halbzeit groß auf. Spielerisch stark, scheiterte die Truppe gleich mehrmals an der eigenen Chancenverwertung. Mehr als ein Punkt wäre wohl verdient gewesen. Doch alle drei Auftritte zeigen: Hertha hat Grund für Selbstvertrauen, auch gegen Top-Teams. Gegen den FC Augsburg hat das Team gezeigt, dass die Mannschaft ihre starken Leistungen auch in Punkte ummünzen kann.

Attraktiver Fußball in blau und weiß

Denn so langsam scheint das Gebilde zu stehen. Mattéo Gouendouzi scheint der erhoffte Mittelfeldmotor zu sein. Mit ihm auf dem Platz läuft das Spiel nach vorne agiler und zielstrebiger. Auch unter Druck hält er den Ball und kann ihn passsicher nach vorne verlagern. Mattheus Cunha spielt schon seit Saisonbeginn überragend. Vier Tore und zwei Vorlagen in sieben Bundesligaspielen bestätigen das. Gegen Augsburg stand hinten auch endlich die Null. Nur der Ausfall von Jhon Córdoba tut der Hertha weh, – umso motivierter wird Krzystof Piatek sein, endlich seinen Durchbruch in Berlin feiern zu können.

In Augsburg hat er mit einem Tor und einer Vorlage schon gezeigt, wie er dem Team helfen kann. Er ist ein gänzlich anderer Stürmertyp als Córdoba – gelingt es Labbadia und dem Team aber den Strafraumstürmer in Szene zu setzen, könnte er ein Torgarant werden. Und womöglich ist auch Lucas Tousart eine Option für das Spiel gegen Dortmund, der nach überstandener Verletzung diese Woche wieder mit dem Team zusammen trainiert.

Inzwischen ist auch der 7.Spieltag rum, vor mehr als zwei Monaten begann die Saison. Trotz Länderspielpausen, Corona-Erkrankungen einiger Spieler und Verletzungen scheint sich ein Gebilde gefunden zu haben. Auch Neuzugang Omar Alderete vertritt den verletzten Jordan Torunarigha in der Innenverteidigung stark.

Es wird Zeit für Punkte

Doch nun geht es gegen die restlichen Top-Teams der Liga. Und selbst Stadt-Rivale Union Berlin, aktuell auf dem vierten Tabellenplatz, spielt bisher eine überragende und mit 16 Treffern vor allem eine torreiche Saison. Das Derby gibt es am zehnten Spieltag. Erwartbar sind gegen die Teams keine neun beziehungsweise zwölf Punkte. Aber wegen des fehlenden Punktepolsters, steht Hertha jetzt schon unter Druck, punkten zu müssen.

Zugegeben, nach Dortmund, Leverkusen, Union und Gladbach folgt ein vergleichsweise einfaches Restprogramm. Mainz, Schalke und Bielefeld heißen die Gegner dann etwa. Doch auch diese vermeintlich „leichten“ Gegner dürfen nicht unterschätzt werden.

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Erzielt man in den kommenden Spielen zu wenig Punkte, werden die Verantwortlichen sehr wahrscheinlich unter Druck geraten. Insbesondere, weil man dann vermutlich auch in der Tabelle abrutscht. Die Berliner Haupstadtpresse ist nicht dafür bekannt, geduldig zu sein. Und Investor Lars Windhorst scheint es ebenso wenig. Medial wird diskutiert, dass ihm die Entwicklung der Mannschaft nicht schnell genug gehen könne.  

Dennoch scheint sich die Mannschaft unter Labbadia und dank der Transfers spielerisch stark weiterentwickelt zu haben. Torchancen und Tore gibt es. Daraus sollte das Team schöpfen und den Mut haben, trotz der bisher mageren Punkteausbeute frei aufzuspielen. Gegen drei starke Teams klappte das schon – nur müssen jetzt auch die Punkte her.

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Herthaner im Fokus: RB Leipzig – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: RB Leipzig – Hertha BSC

Was soll man noch zu diesem Saisonstart schreiben? Gegen Leipzig verlor die Hertha zum vierten Mal in Folge und findet sich auf einem temporären 15. Tabellenplatz wieder. Wir blicken auf die Leistung einzelner Herthaner nach diesem gebrauchten Tag, welcher allerdings auch ein paar positive Erkenntnisse hervorbrachte.

Omar Alderete – Durchwachsenes Debüt

Der paraguayische Nationalspieler gab gegen RB sein Startelf- und Hertha-Debüt. Hierbei agierte er zunächst unglücklich. Vor dem 1:1 in der 11. Spielminute klärte er zunächst zu Leipzigs Innenverteidiger Dayot Upamecano, Alderete setzte zwar nach, konnte aber vor dem entscheidenden Schuss den Ball nicht richtig abschirmen und verlor den Ball an den Torschützen Upamecano. Hier wurde ersichtlich, dass sich der Innenverteidiger noch an die Körperlichkeit und das Tempo der Bundesliga gewöhnen muss.

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Die Leistung Alderetes kann man am ehesten mit „gut, aber noch Luft nach oben“ beschreiben. Zwei abgefangene Bälle, fünf klärende Aktionen und zwei geblockte Schüsse stehen einer 64% Passquote gegenüber. Das ist für die im Spielaufbau schwache Hertha einfach zu wenig. Hierbei muss allerdings auch erwähnt werden, dass sich der 23-Jährige auch die meisten langen Bälle aller Herthaner traute – ganze zwölf schlug er, um das Spiel schnell zu machen. Dass dabei nicht alle Pässe ankommen können ist klar und sein Mut ist löblich, dennoch muss sich die Quote noch bessern. Grundsätzlich stand der Paraguayer oft ein wenig zu weit vom Mann entfernt. So ließ er sich in der Nachspielzeit zu einfach von Christopher Nkunku täuschen, sodass der folgende Distanzschuss das Tor nur knapp verfehlte.

Auffällig war aber: Alderete kommuniziert und delegiert seine Mitspieler. Die Führungsspielerdebatte, die seit Anfang der Saison geführt wird, hat also mitunter einen neuen Akteur. Das ist dahingehend von Vorteil, dass man so auch bei einer gewissen Rotation immer jemanden auf dem Platz hat, der die Mannschaft antreibt. Die kommenden Spiele werden zeigen, welche Rolle unser neuer Innenverteidiger im Mannschaftsgefüge einnimmt und ob er sich als ernsthafte Alternative zum verletzen Jordan Torunarigha empfehlen kann.

Maximilian Mittelstädt – Die fehlenden letzten Prozente

Ein erster Knick in der Saison des Maximilian M. zeigt sich, als er in der 83. Minute ausgewechselt wurde. Absolvierte er noch jedes andere Spiel über die vollen 90 Minuten, entzog ihm Trainer Bruno Labbadia hier öffentlich das Vertrauen. Droht dem Youngster jetzt die Bank?

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So ähnlich würde es klingen, wenn man mit vier Weizenbier im Doppelpass sitzen würde. Aber mal im Ernst. Der Linksverteidiger gehörte zu den auffälligsten Spielern dieses Samstagnachmittags. Er hatte nicht nur die zweitmeisten Ballkontakte hinter Torwart Alexander Schwolow, sondern schaltete sich auch oft ins Offensivspiel mit ein und spielte eine Reihe sehenswerter Pässe, darunter einen Vladimir Darida, der den Konter zum 1:0 in der 8. Minute einleitete. Hier wünscht man sich allerdings noch mehr intensive Läufe ins letzte Angriffsdrittel, Mittelstädt könnte in seinem Spiel mit Ball noch prägender sein.

Defensiv lief es wesentlich besser: vier abgefangene Bälle und sechs klärende Aktionen markieren jeweils den Bestwert unter allen Hertha-Spielern. Aber auch hier Licht und Schatten, In einigen Szenen fing Mittelstädt Bälle geistesgegenwärtig ab und gewann direkte Duelle gegen Gegenspieler Justin Kluivert höchst souverän. in anderen Momenten ließ er sich von ihm jedoch düpieren und musste hinterherrennen. Keinesfalls ein schlechter Defensivauftritt des 23-Jährigen, allerdings besteht auch hier noch Luft noch ab oben.

Das Berliner Eigengewächs entwickelt sich immer mehr vom Hoffnungs- zum Leistungsträger. Um diesen Status vollends zu verdienen muss er allerdings noch konstanter werden. Das große Vertrauen Labbadias und die daraus resultierenden vielen Einsatzminuten werden Mittelstädt dabei helfen.

Deyovaiso Zeefuik – Bitter

Zwei Fouls und zwei gelbe Karten sorgten dafür, dass der Niederländer schneller weg war als Jürgen Klinsmann. HaHoHe, euer Deyo.

Jhon Córdoba und Krzystof Piatek – Ein entschiedenes Duell?

Die zwei großen Lieben von Jhon Córdoba sind: der Ball und Alexander Schwolow. Anders kann man sich es kaum erklären, warum der Kolumbianer derart oft mit dem Rücken zum gegnerischen Tor steht und dabei aber dermaßen viele Bälle festmacht. Vier Schüsse feuerte der Stürmer zumindest in Richtung Leipziger Tor, einer davon saß.

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Insgesamt also einer der aktivsten Berliner. Beim dritten Tor im  fünften Spiel kann man die vorsichtige Prognose wagen, dass sich dieser Transfer definitiv gelohnt hat. Leider egalisierte er seine gute Leistung mit einem verschuldeten Elfmeter. Um es mit dem Fußballspruch des Jahres 2018 zu sagen: „Stark! Ein Tor gemacht, eins vorbereitet.“

Apropos Transfer, was macht eigentlich der Berliner Lewandowski, Krzystof Piatek? Er ist leider mehr Berliner, als Lewandowski. Eingewechselt zur 83. Minute konnte er gerade einmal einen einzigen Ballkontakt vorweisen. Natürlich darf man jetzt keine Wunder erwarten, wenn man nur noch sieben Minuten zu spielen hat, aber die Tatsache, dass er überhaupt erst so spät eingewechselt wurde, zeigt wer im Konkurrenzkampf um die Sturmspitze momentan die kolumbianische Nase vorne hat. Hoffen wir, dass dieser teure Polenböller sich so verhält wie ein Billiger und ein Spätzünder ist.

Bruno Labbadia – Machtlos

Die „alte Dame“ versetzt den „schönen Bruno“ ein weiteres mal. Vermeidbare individuelle Fehler kosten ein weiteres Mal Punkte. Bei solchen Aussetzern kann auch der beste Trainer nichts machen. Nach den Toren wirkte Labbadia fassungslos und resigniert. Der Frust entlud sich schließlich in Richtung des Schiedsrichters, Tobias Stieler, der durch eine interessante „Leistung“ auffiel, und Labbadia schließlich auch mit Gelb verwarnte.

Grundsätzlich ist die Richtung, in die es unter Labbadia geht, durchaus erfolgsversprechend. Hertha hat, so unglaublich es klingt, die viertbeste(!) Offensive der Liga. Allerdings auch die dritt schlechteste Defensive. Wenn man dieses Problem also in den Griff bekommt, dann kann aus dieser Mannschaft durchaus was werden.

Wen gabs noch?

Alexander Schwolow: Bis jetzt auch als Transfererfolg zu verbuchen, hielt alles was zu halten war. Sieht allgemein bei Gegentoren selten unglücklich aus und macht seinem Namen als Mr. Konstanz alle Ehre.

Dedryk Boyata: Nach bisher durchwachsenen Leistungen präsentierte sich der Belgier sicher und aufmerksam. Gerne mehr davon!

Fazit

Unter Strich bleibt genau das, was sich die letzten Spiele auch gezeigt hat. Das spielerische Können der Hertha ist definitiv vorhanden. Die Mannschaft muss aber noch mehr zusammenwachsen. Abläufe müssen einstudiert und Automatismen verinnerlicht werden. Eine Passquote von gerade einmal 67% ist einfach zu wenig (wenn auch von der Unterzahl beeinflusst). Auffällig ist auch, dass Hertha den Ball in diesem Spiel fast ausschließlich knapp vor dem letzten Drittel verloren hat. Wir kommen also nicht wirklich vors Tor. An dieser Stelle wird das Fehlen eines kreativen Mittelfeldstrategen abseits von Matheus Cunha deutlich. Vielleicht kann Matteó Guendouzi mit seinem Einsatzwillen und der Zweikampfstärke hier Abhilfe schaffen.

Dumme Fehler, die sich zu einer Niederlage aufsummieren. So würde man diesen Saisonauftakt der Hertha dem Fußballgott pitchen. Zweiter Teil des Pitches wäre aber eine heldenhafte Wiederauferstehung, die dafür sorgt, dass es wieder Spaß macht Hertha zu gucken. Hoffen wir mal, dass dieser Wunsch erhört wird.

[Titelbild: Boris Streubel/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – VfB Stuttgart

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – VfB Stuttgart

Nach der lästigen Länderspielpause empfing unsere Hertha den Aufsteiger VfB Stuttgart. Am 20. Todestag des Herthaner Fanbeauftragten Carsten Grab sollte vor 4.000 Zuschauern an die starke Leistung gegen Bayern München angeknüpft und der verpatzte Heimauftakt gegen Eintracht Frankfurt vergessen gemacht werden. Doch gerade die erste Hälfte wirkte wie eine Kopie der Frankfurt-Partie, sodass auch das dritte Spiel im „für Pauline“-Trikot verloren ging.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner bei dieser 0:2-Heimpleite.

Mathew Leckie / Dodi Lukébakio – Pfui und hui

Mit Mathew Leckie auf der linken Außenbahn hatte Bruno Labbadia eine Überraschung in der Startelf aus dem Hut gezaubert. Wurde zuletzt mangels Außenspielern eher auf ein 4-3-1-2 (oder auch 4-4-2 mit Raute) gesetzt, bewegte man sich so wieder in gewohnteren Gefilden und spielte zu Beginn in einem 4-3-3.

Doch der Down Under-Coup von Labbadia schlug fehl. Bereits in der achten Minute ließ sich Mathew Leckie vom Stuttgarter Außenstürmer Tanguy Coulibaly so schlicht düpieren, dass neben dem Herthaner Außenpfosten wohl auch Peter Pekarik angesichts derartiger defensiver Unterstützung auf seiner rechten Seite das Zittern bekam.

In der Folge konnte Leckie weder offensiv noch defensiv auf sich auffällig machen. Insbesondere im letzten gegnerischen Drittel konnte er in keinster Weise sein Tempo einsetzen, anspruchsvolle Passstaffetten waren von ihm ohnehin nicht zu erwarten. Bezeichnend eine Szene in der 35. Minute, als Lucas Tousart mit einem seiner langen, hohen Seitenwechsel Leckie in aussichtsreicher Position fand, dieser aber das Dribbling scheute, abdrehte und die Kugel schlussendlich über Umwege zu Innenverteidiger Boyata schob.

Folgerichtig musste der Australier in der Halbzeitpause in der Kabine bleiben und wurde von Dodi Lukébakio ersetzt. Der Belgier hätte wohl auf der rechten Seite ohnehin die Nase vorn, war aber in den zurückliegenden Wochen mit der belgischen Nationalelf zu drei Länderspielen geflogen, ohne dabei zu seinem Debüt zu kommen.
Mit Dodi Lukebakio auf dem Feld wich Hertha in das defensivere 4-2-3-1 ab. Matheus Cunha zog vom linken Flügel auf die Zehn, während Maxi Mittelstädt aus dem Zentrum verschwand und fortan den linken Mittelfeldspieler gab.

Foto: IMAGO

Und der Belgier brachte direkt mehr Tempo und Zug zum Tor ins Spiel. Im Gegensatz zu Leckie traute er sich ins Eins-gegen-Eins, wenngleich auch das nicht immer zum Erfolg führte. Auch das Anlaufen gestaltete Lukébakio deutlich aggressiver und konnte so in der 53. Minute Gregor Kobel, den Keeper der Stuttgarter, gehörig unter Druck setzen, sodass dieser den Herthaner nur noch anschießen konnte. Von Lukébakio sprang der Ball zu Matheus Cunha, der vielleicht etwas zu überhastet abschloss, sodass Kobel parieren konnte.

In der Folge konnte Lukébakio einige Male über rechts gefährliche Situationen erzeugen. Im Zusammenspiel mit dem eingewechselten Deyovaisio Zeefuik gelangen ihm innerhalb von einer Minute zwei vielversprechende Angriffe, von denen Cunha den zweiten in der 66. Minute aus wenigen Metern unter Bedrängnis nur knapp übers Tor setzte.

Mit dem zweiten Gegentor in der 68. Minute war der Wille der Hertha dann größtenteils gebrochen. Auch die Hereinnahme von Krzysztof Piątek als zweitem Stoßstürmer in einem 4-1-3-2 ab der 78. Minute konnte nicht mehr für Torgefahr sorgen.

Der Schachzug mit Mathew Leckie ging leider nicht auf. Hatte der Australier bei seinem Hertha-Debüt vor drei Jahren noch einen Doppelpack gegen die Schwaben erzielt, blieb er dieses Mal gänzlich ungefährlich. Anders Dodi Lukébakio, der sich in der Offensive auch mal etwas zutraute und mit großen Schritten den Außenverteidiger des VfB anlief. Auch wenn die Dribblings und Hereingaben nicht zu einem Tor führten, war Hertha in der zweiten Halbzeit durch den Belgier deutlich aktiver und gefährlicher.

Wenn Hertha mit Außenstürmern spielt, ist Lukébakio zurzeit die beste Option. Auf der linken Seite hat man mit Javairo Dilrosun einen ähnlichen Spielertypen, der aber leider sehr verletzungsanfällig ist. Alternativ kann auch Matheus Cunha über links für Furore sorgen. Dahinter wird es allerdings etwas dünn.

Dodi Lukébakio jedenfalls scheint sich über rechts doch etwas wohler zu fühlen, als neben Jhon Córdoba oder Krzysztof Piątek als wuseliger zweiter Stürmer im Zentrum. Gerade das ordentliche Zusammenspiel mit Deyovaisio Zeefuik wird Bruno Labbadia bezüglich der Wahl des Systems in den nächsten Spielen ins Grübeln bringen.

Deyovaisio Zeefuik – Mehr Konzentration!

Bereits in der 20. Minute wurde der niederländische U21-Nationalspieler für den verletzten Peter Pekarik eingewechselt und übernahm dessen Position als Rechtsverteidiger.

Dem wuseligen Coulibaly auf Stuttgarter Seite konnte Zeefuik mit seinem Tempo etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Dafür ging in der Offensive in der ersten Hälfte im Zusammenspiel mit Mathew Leckie nichts zusammen.
Das besserte sich nach dem Seitenwechsel, als Zeefuik mit Lukébakio einen aktiveren und wendigeren Mitspieler vor sich fand, der sich immerzu für den Pass auf außen anbot und den Rechtsverteidiger auch mit in seine Vorstöße einband. So führten zwei starke Kombinationen auf Herthas rechter Seite im Ergebnis zu einer guten Chance für Matheus Cunha in der 66. Minute.

Foto: IMAGO

Kurz darauf zeigte Zeefuik aber wieder sein unkonzentriertes Gesicht. In der 68. Minute verursachte er einen völlig unnötigen Ballverlust, den Gonzalo Castro nutzte, um den Ball nach vorne zu treiben. Über einige unglückliche Hertha-Umwege landete der Ball schließlich wieder bei Castro, der aus etwas mehr als 20 Metern den Ball trocken ins untere linke Ecke setzte.
Völlig zurecht ärgerte sich Zeefuik maßlos über seine Unkonzentriertheit, die in eine gute Hertha-Phase hinein im Endeffekt die Entscheidung in diesem Spiel herbeiführte.

Zu allem Überfluss musste der Niederländer in der 78. Minute angeschlagen ausgewechselt werden. Es bleibt zu hoffen, dass Deyovaisio Zeefuik nicht allzu lang ausfällt, insbesondere da mit Peter Pekarik auch ein zweiter etatmäßiger Rechtsverteidiger in Halbzeit eins bereits verletzt vom Feld musste.

Trotz der Unkonzentriertheiten, die sich Zeefuik noch zu häufig erlaubt, schafft er es mit seinem enormen Tempo regelmäßig die gegnerischen Stürmer abzukochen. Auch im Angriff ist er mit seiner Schnelligkeit und seinem Offensivdrang gerade im Zusammenspiel mit Lukébakio eine gute Option. In Hinblick auf das vermutlich eher konterlastige Spiel gegen RaBa Leipzig wie auch deren temporeiche Offensive wäre seine schnelle Genesung umso wünschenswerter.

Matheus Cunha – Einer alleine für Alles

Matheus Cunha wollte seine erstmalige Nominierung für die brasilianische Nationalelf bestätigen und seinen Motivationsschub von der Reise zur Seleção gegen die Stuttgarter auf den Rasen bringen. So setzte er bereits in der zweiten Minute engagiert einem langen Ball bis zur Torauslinie nach und konnte das Spielgerät so im Feld halten, wobei der Angriff in der Folge versandete.

Cunhas Motivation zeigte sich auch in einem recht aggressiven Anlaufverhalten. Der Brasilianer scheute kein Duell und sah in der 15. Minute nach zwei Fouls innerhalb von einer Minute eine überharte Gelbe Karte von Schiedsrichter Harm Osmers, der gerade in der ersten Hälfte eine sehr exklusive Zweikampfauslegung an den Tag legte.

In der ersten Hälfte konnte Cunha über die linke Seite kommend das ein oder andere Mal seinen Gegenspieler aussteigen lassen und in gefährlicher Position zur Hereingabe kommen. Leider blieb er dabei entweder an einem Verteidigerbein oder Keeper Kobel hängen oder fand mit seiner Flanke einfach keinen Mitspieler. Entsprechend zog er in Cunha-Manier auch hin und wieder von der Seite in die Mitte, um einen Pass in die Tiefe oder auf die rechte Seite zu spielen. Dabei fand er mehrmals auch Vladimir Darida auf rechts, der seinerseits aber so gar nichts mit dem Ball anfangen konnte und weder einen Schuss noch eine vernünftige Flanke aus dem Fußgelenk schütteln konnte.

Nach der Pause wurde Cunha von der linken Seite ins Zentrum auf die Zehn beordert, Mittelstädt übernahm dafür die offensive linke Außenbahn. Nun aus dem Zentrum kommend, versuchte Herthas Nummer Zehn in der Offensive den Regisseur zu geben. Wie schon in den Spielen zuvor gelang ihm dies nur mäßig. In der 53. Minute konnte er seine Bewacher abschütteln und Jhon Córdoba in Szene setzen, der sich gegen seine Gegenspieler durchsetzen konnte, den Ball aber knapp neben das Tor schoss.

Foto: IMAGO

Im Zentrum war Cunha immer direkt mit mehreren Gegenspielern konfrontiert. Hat er auf außen meist nur den Außenverteidiger zum Gegner und bei erfolgreichem Dribbling zunächst mal nur Wiese vor sich, stehen ihm in der Mitte ohnehin schon mehrere Verteidiger auf den Füßen. Wenn er nun den ersten oder auch den zweiten mit schnellen Dribblings umgangen hat, wartet meist nur der nächste Abwehrspieler auf ihn und macht ihm den Ball streitig. Cunhas dribblinglastiges Spiel kommt so auf den außen häufig besser zur Geltung, wenn er sich mit Tricks oder Tempowechseln an seinem Gegenspieler vorbeidribbelt und direkt Platz für einen Angriff hat. Im Zentrum fehlt ihm dann häufig die Gesamtübersicht oder auch die Handlungssschnelligkeit, um es mit mehreren Gegenspielern aufzunehmen oder auch das Spiel auf einen freien Mitspieler im Mittelfeld zu verlagern.

Cunhas zentralere Position brachte ihn neben der verdichteten Stuttgarter Zentrale aber auch häufiger in Abschlussposition als noch in Halbzeit eins. In Minute 53 hatte er so die Riesenchance allein knapp vor Keeper Kobel, nachdem dieser von Lukébakio angelaufen und zu einem Pressschlag gezwungen wurde. Auch in der 66. Minute konnte Cunha nach einer Hereingabe von Lukébakio von der Torauslinie beinahe den Anschlusstreffer markieren und zielte den Ball aus der Luft nehmend nur knapp über das Gehäuse.

Als mit dem 0:2 in der 68. Minute der Sack praktisch zu war, schwanden mit Herthas auch Cunhas Angriffsbemühungen zusehends und man ergab sich schließlich dem Schicksal.

Cunhas Stärke ist und bleibt das Eins-gegen-Eins. Wie diese Saison zeigt, kann er diese Waffe in der Zentrale häufig nicht gewinnbringend ausspielen, wenn er es schnell mit zwei oder drei Gegenspielern zu tun hat. Für solche Fälle braucht er Unterstützung aus dem Mittelfeld, um mit Passkombinationen oder Spielverlagerungen auch in der Zentrale etwas Raum zu schaffen. „Den Ball auf Cunha und der macht das schon“ ist eine Taktik, die gegen gut gestaffelte Bundesliga-Teams (nicht mehr) erfolgsversprechend ist. Das fehlende Bindeglied zwischen Defensive und Offensive zeigt sich gerade auch am Beispiel des alleingelassenen Matheus Cunha deutlich.

Jhon Córdoba – Stürmer (27), Kolumbianer sucht … vernünftiges Anspiel

Der kolumbianische Neuzugang durfte wie schon gegen den FC Bayern als Stoßstürmer beginnen und sollte seinen Körper einsetzen, um lange Bälle festzumachen, weiterzuverteilen und generell die gegnerische Abwehr aufzuwühlen.

So konnte er in der ersten Hälfte auch die ein oder andere Kopfballablage bei Cunha platzieren und diesen über die linke Seite auf die Reise schicken. In der 32. Minute zeigte er auch seinen Torinstinkt, als er einen umherflippernden Ball direkt nahm, aber über das Tor schoss.

Ohne wirkliche Idee im Spielaufbau sah sich Hertha meist gezwungen, das Spiel mit langen Bällen zu eröffnen. Dabei wurden allerdings meist die schnellen Außen gesucht, die aber in etwaigen Kopfballduellen regelmäßig den kürzeren zogen. Lange Bälle auf Córdoba waren dabei insgesamt eher die Seltenheit, der Kolumbianer konnte bei diesen undankbaren Anspielen aber auch selten etwas mit dem Ball anfangen oder ihn sichern.

Foto: IMAGO

In der zweiten Halbzeit zeigte die Chance in der 53. Minute dann welches Potenzial Hertha sich mit Córdoba eingekauft hatte. Nach einem Anspiel an die Sechzehner-Kante von Matheus Cunha behauptete sich Córdoba mit dem Rücken zum Tor gegen zwei Abwehrspieler, drehte sich um sich selbst und schloss aufs kurze, linke Ecke ab. Der Ball strich knapp am Tor vorbei, aber die Szene zeigte, zu was Córdoba in der Lage ist, wenn er vernünftige Zuspiele bekommt. Ein Stürmer, der auf körperliche Ebene jedem Verteidiger das Leben schwer macht und auch ohne Probleme in der Lage ist, zwei Abwehrspieler zu binden, schafft Räume für die restlichen Offensivakteure. Gegen Bremen beispielsweise zeigte Jhon Córdoba auch schon, dass er in solchen Situationen auch das Auge für den freien Mitspieler hat.

Der technisch feine Kombinationsspieler mag Córdoba nicht sein, er erweitert Herthas Offensiv-Repertoire aber enorm.

Einzig und allein – auch hier zeigte sich die Kreativlosigkeit, die Herthas Aufbau- und Angriffsspiel prägte. Die vernünftigen Anspiele auf Córdoba ließen sich an einer Hand abzählen – ein Problem, dass auch Krzysztof Piątek nur allzu gut kennt. Aus Herthas Mittelfeld kommen einfach nicht genug Vorstöße. Gegen eine Fünferkette wie die der Stuttgarter reichen drei ordentliche Offensivspieler, die noch nicht allzu eingespielt sind und in Kombination und Rotation noch Steigerungspotenzial haben, einfach nicht aus.

Nichtsdestotrotz zeigt Córdoba, warum man ihn geholt hat. Ein körperlich präsenter Stürmer, der sich in jeden Zweikampf wirft, den Gegner nervt und ihm alles abverlangt. Zur Not kann man ihn auch mal mit einem hohen Ball anspielen, sofern sich dann Abnehmer in seiner Nähe aufhalten.

Jhon Córdoba bereichert Herthas Offensive um eine effektive Facette. Jetzt muss Hertha es nur noch schaffen, seine Qualitäten auch sinnvoll einzusetzen.

Und dann war da noch:

Maxi Mittelstädt, der wie zuletzt häufiger überall auf dem Feld im Einsatz war. In Hälfte Eins begann er noch als linker zentraler Mittelfeldspieler in Herthas 4-3-3, konnte aber kaum kreative Akzente setzen oder raumöffnende Pässe verzeichnen. Nach dem Pausentee übernahm er die gewohntere Position im linken Mittelfeld in einem 4-2-3-1, wo der Verbund Marvin Plattenhardt – Maxi Mittelstädt offensiv aber kein kreatives Feuerwerk zünden konnte und sich Mittelstädt in Flanken verlor, die den ersten Gegenspieler nicht überstanden. Ab der 66. Minute fand sich Herthas Eigengewächs schließlich nach Plattenhardts Auswechslung für den Rest des Spiels auf der Linksverteidiger-Position wieder.
Maxi Mittelstädt lief damit auch im vierten Spiel über die volle Spielzeit auf. Trotz wechselhafter Leistungen ein gewaltiger Schritt nach vorne für den Berliner – Stammspieler.

Eduard Löwen, der Hertha-Rückkehrer, der ab der 78. Minute den angeschlagenen Zeefuik als Rechtsverteidiger ersetzte. Löwen wollte auf dieser ungewohnten Position – konnte aber nicht so richtig und versuchte sich an einigen halbgaren Flanken. Die Spielzug ‘Eduard Löwen auf Gregor Kobel’, Keeper der Stuttgarter, dürfte aber wohl der häufigste der letzten Minuten gewesen sein.

Unser Mittelfeld, das wie schon in den letzten Spielen erhebliche Kreativitäts- und Spielaufbauprobleme aufzeigte. Nach Arne Maiers Leih-Abgang und dem coronabedingten Ausfall des französischen Neuzugangs Matteo Guendouzi fehlt ein Balltreiber, ein Verbindungsglied zwischen Abwehr und Angriff, ein Initiatior, ein Lenker des Spiels. Vladimir Darida war wie schon gegen Frankfurt mit dieser Rolle sowohl über halbrechts kommend als auch später auf der Zehn überfordert und konnte einige Male in vielversprechender Position die Kugel weder zum Mitspieler noch aufs Tor bringen. Auch Lucas Tousart kam in der ersten Hälfte kaum in die Zweikämpfe, versuchte sich später reinzubeißen und brachte auch einige Male seine präzisen hohen Seitenwechsel in die Spitze auf den Rasen, blieb insgesamt aber doch blass.
Hier liegt zurzeit bei Hertha der Hase im Pfeffer. Möglicherweise finden sich die vielen Neuzugänge in näherer Zukunft besser zusammen und bringen das Hertha-Spiel ins rollen. Die Hoffnungen ruhen dabei aber wohl vor allem auf Arsenal-Leihgabe Guendouzi. Werd schnell fit, Junge!

[Titelbild: IMAGO]