FC Bayern München – Hertha BSC: Do it again, Dodi!

FC Bayern München – Hertha BSC: Do it again, Dodi!

Was gibt es Schlimmeres, als wenn Hertha am Wochenende knapp im Heimspiel verliert? Richtig: wenn das nächste Spiel dann auswärts in München stattfindet. So droht der Mannschaft von Pal Dardai einen Alptraum-Start von null Punkten aus drei Spielen. Dabei präsentierte sich die „alte Dame“ unter Dardai fast immer gut bei den Bayern. Warum auch am Samstag die Chancen auf einen Punktgewinn beim Favoriten noch intakt sind und was für Argumente dafür sprechen, wollen wir genauer besprechen.

Um den Rekordmeister dabei besser einzuschätzen, stand uns wieder Justin Kraft, Autor, Journalist und Podcaster (u.A. von FC-Bayern-Blog Miasanrot.de) zur Seite.

Neuer Trainer – alte Dominanz

Wir wollten zunächst von Justin wissen, ob bereits Tendenzen zu erkennen sind, was der neue Chefcoach Julian Nagelsmann verändern wird: „Tendenzen schon, aber mehr ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Nagelsmann betonte auch selbst oft, dass er vieles von dem, was die Bayern zuletzt ausgezeichnet hat, erstmal übernimmt. Für größere Veränderungen war die Sommervorbereitung viel zu kurz – die meisten Schlüsselspieler standen erst acht Tage im Training, als das Auftaktspiel gegen Gladbach stattfand.“

Foto: IMAGO

Dennoch seien kleinere Anpassungen bereits jetzt zu beobachten, erklärt uns unser Experte: „So positioniert sich vor allem der rechte Außenverteidiger nicht nur recht tief, sondern auch sehr zentral, sodass mit und gegen den Ball eine hohe Kompaktheit entsteht. Obwohl die Bayern nach wie Gegentore kassieren, stehen sie damit sicherer. Auch im Angriffspressing schieben die Außenverteidiger seltener so hoch wie noch unter Flick. Dadurch wirkt das Pressing stabiler.“

„Ansonsten ist vieles noch recht ähnlich.”, sagt schließlich Justin. Tatsächlich ist auch unter Neutrainer Nagelsmann die Ballbesitzquote extrem hoch, die Dominanz im Spiel oft erdrückend. Auch wenn es noch einige Baustellen gibt, scheint sich der Rekordmeister auch diese Saison wieder in jedem Spiel als absoluter Favoriten zu präsentieren.

FC Bayern München noch nicht im Rhythmus – Herthas Chancen

Dabei lief es sowohl in der Vorbereitung als auch im Saisonstart nicht optimal. Nur ein Unentschieden im ersten Saisonspiel gegen Borussia Mönchengladbach und zuletzt ein knapper Sieg gegen den 1. FC Köln, wo der Außenseiter lange Zeit mehr als nur mithalten konnte. Wir haben unseren Experten gefragt, woran es noch hakt und welche Schwächen möglicherweise Hertha ausnutzen könnte.

Foto: IMAGO

„Bayerns größtes Problem ist aktuell noch der Rhythmus. Durch die ungünstige Vorbereitung und die sehr lange Vorsaison sind viele Spieler noch nicht bei 100 % – teils sind sie noch sehr weit davon entfernt. Trotzdem sieht das in Phasen schon richtig gut aus. In den Mittelteilen der jeweiligen Pflichtspiele haben die Bayern angedeutet, was sie können. “

Justin sieht Chancen auch im Fitnessvorteil von Hertha. Schließlich spielten auch die Münchener vier Spiele in zwei Wochen: “Gerade am Ende ging ihnen (den Spielern vom FC Bayern München) oft die Luft aus. Hertha braucht vor allem einen guten Start ins Spiel, um am Ende vielleicht einen möglicherweise vorhandenen Fitnessvorteil auszunutzen. Die Bayern bieten in jedem Fall noch einiges an.”

Leichte Ballverluste im zweiten und letzten Drittel seien noch ein Problem, verrät uns Justin: „Da muss Hertha eng an den Gegenspielern sein und anschließend schnell in die Offensive umschalten. Eine weitere Schwachstelle waren zuletzt Flanken. Sowohl in den Testspielen als auch jetzt gegen Köln schien die kompakte Grundformation über außen anfällig zu sein.”

Dardais Hertha beim FC Bayern– Geduld oder Blitzstart nötig

Doch inwieweit Hertha in der Lage sein wird, diese Schwachstellen auszunutzen, ist unklar. Auf den schwachen Saisonstart der Blau-weißen angesprochen sagt Justin: „Hertha ist nicht gut in die Saison gestartet, aber das bedeutet für Samstag nichts. Bayern hatte schon viele unangenehme Duelle mit der damaligen Dardai-Hertha und ich traue ihnen zu, dass sie am Wochenende ein anderes Gesicht zeigen werden.“

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Dabei könne laut Justin die Spielweise von Pal Dardais Hertha einen Vorteil bringen: “Das ballbesitzorientierte Spiel liegt dem Dardai-Fußball eher nicht, dafür ist man eigentlich stark in offensiven Umschaltmomenten. Bayern wird für einen Sieg vor allem Geduld mitbringen müssen, wenn man keinen Blitzstart hinlegt. Eine kompakte und tiefstehende Defensive auseinanderzuspielen, liegt ihnen eigentlich, aber ob sie so früh in der Saison schon die Kraft dafür haben, das über 90 Minuten zu tun, ist fraglich.”

Herthas Schwäche liege seiner Meinung nach vor allem darin, dass sich das Team noch nicht optimal gefunden habe. „Wenn Bayern sie mit vielen Läufen unter Druck setzt, sind sie für Fehler gut.“ So erwartet er „eine Hertha-Mannschaft, die aggressiv, kompakt, aber eben auch sehr tief verteidigen wird. Alles wird davon abhängen, wie Bayern ins Spiel findet und welche Angebote sie machen. Behalten sie ihre bisherige Entwicklung bei, sollte es aber zu einem Heimsieg reichen.”

Belfodil im Kader, Boateng noch nicht fit, Lukebakio in Form

Unser Experte nimmt also doch Schwachstellen beim Rekordmeister wahr. Das wird auch Pal Dardais Trainerteam nicht entgangen sein. Doch Hertha hat wie bereits von Justin angesprochen einige Probleme damit, sich als Mannschaft zu finden. Zwar ist bald die Transferperiode vorbei: Fragezeichen gibt es leider noch einige.

Foto: Sebastian Räppold/Matthias Koch/IMAGO

individuell wird es wohl Änderungen im Hertha-Kader geben. Neuzugang Ishak Belfodil wird im Kader stehen. Dafür kommt es für den am Rücken lädierten Kevin-Prince Boateng wohl noch zu früh. Auch Marton Dardai und Krzysztof Piatek fallen weiter aus. Für den noch in der Reha stehenden Rune Jarstein wurde diese Woche für die Torhüterposition mit Oliver Christensen einen talentierten Keeper geholt, der Alexander Schwolow einen größeren Konkurrenzkampf bieten soll.

Auf einen Spieler, bei dem zuletzt die Formkurve nach oben zeigte, setzen natürlich die Berliner ganz besonders. Dodi Lukebakio trifft bekanntlich besonders gerne gegen den FC Bayern München. Gerade er war gegen Wolfsburg sehr auffällig, wurde fast zum Matchwinner. Da Hertha weiterhin die Optionen auf den offensiven Außenpositionen fehlen, ist davon auszugehen, dass der Belgier von Beginn an auflaufen wird.

Hertha will sich treu bleiben – auch gegen Bayern

Doch auch Lukebakio wird laut Justin nicht das Spiel entscheiden: „Hertha wird ein unangenehmer Gegner sein, letztendlich aber nicht genug entgegensetzen können. Ich tippe ein 3:1, wobei das dritte Bayern-Tor eher später fällt.” Einen kompletten Fehlstart will aber Hertha mit aller Kraft (höhö) verhindern, und auch gegen den so starken FC Bayern irgendwie punkten.

Bei aller Enttäuschung nach dem ersten Heimspiel der neuen Saison konnte die „alte Dame“ dabei auch Optimismus schöpfen. Die Spielweise gegen den VfL Wolfsburg, insbesondere in der zweiten Halbzeit, war im Vergleich zum Spiel in Köln stark verbessert. Pal Dardais Mannschaft konnte phasenweise guten Fußball zeigen und einen eigentlich stärkeren Gegner im eigenen Stadion dominieren.

Herthas Chefcoach sprach in der Pressekonferenz vor der Partie davon, dass sich Hertha „treu bleiben“, und nicht die Spielweise vom 1. FC Köln gegen den Rekordmeister imitieren wolle. Man habe „einen Plan“ und wolle wie in den guten Phasen gegen Köln und Wolfsburg sein Spiel durchziehen, die eigenen Stärken nutzen.

Ob das für einen Punkt reicht, bleibt natürlich eher unwahrscheinlich. Doch in dieser Phase der Saison stehen die Chancen gegen die Münchener besser als im späteren Verlauf. Verlieren kann Hertha nicht viel: zu gewinnen sind dafür die ersten Punkte der Saison. Hochmotiviert werden die Hertha-Profis dementsprechend sein, und sicherlich bis zur letzten Minute um diese Punkte kämpfen.

(Titelbild: IMAGO)

Herthaner im Fokus: Bittere Heimpleite gegen Wolfsburg

Herthaner im Fokus: Bittere Heimpleite gegen Wolfsburg

Täglich grüßt das Murmeltier. Im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg ließ Hertha BSC viele Parallelen zum Saisonauftakt in Köln erkennen. Erneut gingen die Berliner in Führung, erneut verspielten sie diese wieder und verloren sogar. Erneut konnte die Mannschaft nicht viel länger als 30 Minuten wirklich überzeugen. Die 1:2-Niederlage zeigte auf, dass noch viel zu tun ist – in der Arbeit mit der Mannschaft als auch in der Kaderplanung.

Wir haben bei der bitteren Heimpleite vor 18.000 Zuschauer:innen wie immer auf die Leistungen einzelner Herthaner geblickt.

Dodi Lukebakio – Herthas Bester gegen Wolfsburg

Wie bei der Bewertung eines Schulreferates fangen wir mal bei den guten Dingen an. Denn: Dodi Lukebakio zeigte gegen Wolfsburg seine beste Leistung in einem Hertha-Pflichtspiel seit längerer Zeit. Wenn für die Hausherren offensiv etwas ging, dann über den Belgier.

Hertha und der VfL Wolfsburg lieferten sich im ersten Durchgang ein äußerst dröges Kräftemessen. Die „Wölfe“ waren auf Spielkontrolle aus, fanden aber den Schlüssel nicht, die Berliner Defensive zu knacken. Hertha hingegen war sehr darauf bedacht, zunächst einmal sehr diszipliniert gegen den Ball zu arbeiten. Dadurch ergaben sich wenige spielerische Glanzmomente. Das nun wieder mit Fans bestückte Olympiastadion erhob sich meist nur, wenn Lukebakio am Ball war. In der ersten Halbzeit konnte er zwar auch noch nicht vollständig glänzen, doch mit ein bis zwei Aktionen zeigte er mehr, als der Rest seiner Mannschaft zusammen. Immer wieder ging der Belgier mutig ins Dribbling, versuchte sich auch an (sehr glücklosen) Abschlüssen. In einer Szene setzte er sich mit einer überraschenden Beschleunigung rechts auf dem Flügel durch, spielte sich bis in den Strafraum vor, doch seine Hereingabe fand keinen Abnehmer.

Hertha Wolfsburg
Foto: xSebastianxRäppoldx/xMatthiasxKochx

Vor allem im zweiten Durchgang sollte der Stern Lukebakios aufgehen. Von der ersten Minute an wirkte der 23-Jährige wie aufgedreht. Nahezu jede Offensivaktion lief über den Flügelspieler. Darüber hinaus sah man Lukebakio so engagiert gegen den Ball arbeiten wie selten zuvor. Immer wieder sprintete er mit in die Defensive, um dort die Bälle zu erobern. In der Phase zwischen der 45. und 65. Minute war es das Spiel des Dodi Lukebakio. Dieser holte in der 58. Minute den Foulelfmeter heraus, welchen er selbst souverän zum 1:0 verwandelte. Neben der individuellen Klasse, die man Lukebakio nie absprechen würde, stimmte in dieser Phase auch die Einstellung – und dann ist er eben ein sehr guter Fußballer.

Mit dem Bruch im Herthaner Spiel rund um 70 Minute herum wurde auch Lukebakios Spiel immer blasser. An der Niederlage konnte er nichts mehr ändern. Dennoch war es eine mehr als überzeugender Auftritt. Trainer Pal Dardai sagte nach dem Spiel: „Wenn alle so spielen wie Dodi, können wir mit Champions-League-Teams mithalten.“

Dedryck Boyata – Der Kapitän übernimmt wieder das Steuer

Positiv kann bei Dedryck Boyata weitergemacht werden. Herthas Kapitän feierte gegen Wolfsburg sein Saisondebüt, stand aus der Kalten direkt in der Startelf. So ist es nicht selbstverständlich, welch gutes Comeback der Belgier am Samstag hinlegte.

Pal Dardai versprach sich von der Startelfnominierung Boyatas mehr Stabilität für die Berliner Defensive, die gegen Köln teils vogelwild agierte. Von der ersten Minute versprühte der 30-jährige Innenverteidiger eben jene Sicherheit, er brauchte keine Anlaufszeit. Quasi mit der ersten Aktion ließ Boyata den heranpreschenden Wout Weghorst mit einer einfachen Finte aussteigen und spielte den Ball anschließend cool zu IV-Partner Niklas Stark. Im Spielaufbau steht der A-Nationalspieler zwar nicht für die spektakulären Bälle, aber Fehler leistet er sich hingegen auch beinahe nie. 97,3 Prozent seiner Pässe kamen beim Mitspieler an – die beste Quote aller Feldspieler in diesem Spiel! Mit seiner immensen Passsicherheit tat er dem Mannschaftsgebilde sichtlich gut.

Hertha Wolfsburg
Foto: IMAGO

Vor allem aber seine Lufthoheit war ein Faustpfand. Immer wieder suchte Wolfsburg seinen hochgewachsenen Stürmer mit Flanken oder versuchte mit Standards für Gefahr zu sorgen. Boyata verteidigte eben jene Hereingaben mit einer beeindruckenden Verlässlichkeit. Ecke um Ecke, Flanke um Flanke wurden aus dem Berliner Strafraum geköpft – am Ende der Partie hatte Boyata starke sechs Bälle geklärt, so viele wie sonst niemand.

Auch Boyata sah beim 1:1-Gegentreffer nicht ideal aus, allerdings sah man, dass er in der Szene einen Elfmeter verhindern wollte und Torschütze Ridle Baku nach außen drängte, um den Schusswinkel zu verschlechtern. Torhüter Alexander Schwolow hätte den Ball am kurzen Pfosten parieren müssen, dann wäre wohl auch nicht über Boyata geredet worden. Insgesamt kann man also von einem wirklich gelungenem Comeback des Hertha-Kapitäns reden.

Marvin Plattenhardt – Es war mehr drin

Manchmal bemisst sich die Beurteilung einer Leistung auch danach, was der Spieler nicht gemacht hat. So auch bei Marvin Plattenhardt, der am Samstag sehr viel Platz sehr ungenutzt ließ.

Es ist die 52. Minute. Hertha hat einen Freistoß aus sehr aussichtsreicher Position zugesprochen bekommen: Direkt vor dem Sechszehner, aber doch soweit entfernt, als dass man den Ball noch über die Mauer bekommt. Wer wird antreten? Vielleicht einer der Neuzugänge, Serdar oder Jovetic? Nein, Plattenhardt nimmt sich der Aufgabe an. Einst galt er als einer der besten Freistoßschützen der Liga, der letzte Treffer dieser Art liegt aber schon lange zurück. Am 11. März 2017 erzielte Plattenhardt gegen den BVB sein letztes direktes Freistoßtor – über vier Jahre sind seitdem vergangen. Aber vielleicht wird es ja jetzt etwas. „Platte“ nimmt Anlauf, schießt, vielversprechende Flugkurve, doch der Ball bleibt in der Mauer hängen.

Foto: xSebastianxRäppoldx/xMatthiasxKochx

Diese Szene steht ein wenig stellvertretend für das Potenzial, dass Plattenhardt in diesem Spiel liegen ließ. Gemeint ist damit: Während Wolfsburg das Zentrum komplett dicht machte, wurde Hertha auf den Außenbahnen hingegen auffällig viel Platz gelassen. Vor allem auf der Wolfsburger rechten Seite ergaben sich immer wieder große Lücken, da Baku und Kevin Mbabu sehr offensiv agierten. So ergab sich regelmäßig die Möglichkeit, in eben jene freien Räume zu stoßen. Plattenhardt war zwar oft dort zu finden, doch ließ die vielen Möglichkeiten stets liegen. Viel zu selten versuchte der Linksverteidiger, auch mal in den Strafraum zu ziehen, um den Rückraum zu finden. Stattdessen flog eine Flanke nach der anderen in den Wolfsburger Strafraum, die ein so großgewachsenes IV-Duo wie John Anthony Brooks und Maxcence Lacroix vor keine Herausforderungen stellten. Zwei der insgesamt elf (!) Hereingaben Plattenhardts fanden einen Abnehmer.

Plattenhardts Offensivspiel am Samstag lässt sich mit dem Wort „schade“ wohl am besten beschreiben. Es wäre sehr viel mehr drin gewesen, hätte er den Platz zu nutzen gewusst, den ihm Wolfsburg bot. Defensiv hatte er immer wieder kleinere Probleme mit dem Baku-Mbabu-Gespann, er ließ jedoch nichts sonderlich Gefährliches zu. Defensiv solide, so wie meistens, agierte der 29-Jährige. Zusammenfassend war es zwar keine auffällig schlechte Partie Plattenhardts, aber sie hätte eben so viel besser sein können. Und hier stellt sich dann schon die Qualitätsfrage, da es wahrlich nicht sein erster Auftritt dieser Art war. „Platte“ fehlen oftmals Kreativität und Druck in seinen Aktionen – Hertha-Wolfsburg war ein gutes Beispiel dafür.

Suat Serdar – Auf der Doppelsechs verschenkt

Auf kaum einen Spieler freuten sich die Hertha-Fans vor dieser Saison so sehr wie auf Suat Serdar. Der Neuzugang hatte eine herausragende Vorbereitung gespielt, mit starken Spielen und phänomenalen Toren auf sich aufmerksam gemacht. Serdar schien das fehlende Puzzleteil im Hertha-Mittelfeld zu sein. Nach zwei Ligaspielen ist von dieser Anfangseuphorie nur noch wenig übrig.

Dabei kann der Ex-Schalker dafür womöglich sogar nur wenig. Wie schon im Spiel gegen Köln – wo er als Rechtsaußen ran musste – wurde Serdar gegen Wolfsburg auf einer ungewohnten Position eingesetzt. Um das Pressingverhalten zu verbessern, wurde Kevin-Prince Boateng von Dardai nach vorne gezogen, sodass im 4-2-3-1 agiert wurde. Serdar rutschte dafür auf die Doppelsechs, neben Santiago Ascacibar. Eine Rolle, die dem 24-Jährigen augenscheinlich nicht liegt.

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„Ihn beraubte die tiefe Position seiner größten Stärken: Weil er das Spiel selbst eröffnen musste, konnte er weder seine Dynamik noch seine Drehungen in den freien Raum ausspielen. Warum Dardai stattdessen nicht Lucas Tousart aufbot, der gerne viel Feld vor sich hat, bleibt sein Geheimnis“, schrieb Till Oppermann in seinem Artikel zum Spiel für den rbb. Damit hat der werte Kollege das Hauptproblem perfekt erkannt. Serdar fehlte als reiner Sechser komplett die Tiefe und Vertikalität im Spiel – Eigenschaften, die ihn erst so stark und nützlich machen.

Serdars Positionierung war wohl einer der Hauptgründe, weshalb Hertha das Zentrum völlig aufgab und Wolfsburg das Spiel dadurch dominierte. Einzig in der großen Drangphase, die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit, konnte Serdar etwas von seinem Potenzial aufblitzen lassen. Ihn zog es immer wieder vor und in den Strafraum, er eroberte Bälle sehr früh, sicherte sie oder zog Fouls. Vor und nach dieser Phase war jedoch nur noch wenig von Serdar zu sehen. Man kann eigentlich nur dafür plädieren, den Neuzugang endlich auf seiner Paraderolle, der Achter-Position, einzusetzen. Mit dem vermeintlichen Ausfall von Boateng (gute Besserung!) hat Dardai wohl gar keine andere Wahl.

Und dann waren da noch …

Davie Selke: Mit Selke hat Dardai sein „Mentalitätsmonster“ zurück. Der Mittelstürmer zeigte sogleich die Eigenschaften, die man an ihm so schätzt. Er kämpfte, presste und lief unermüdlich. Immer wieder rieb sich Selke in Zweikämpfen auf, erhob es beinahe zu einer Kunst, wie man möglichst viele Fouls ziehen kann. Mit dieser Art half er seinem Team in jedem Fall, sein Feuer überträgt sich nun einmal. In seiner Kerndisziplin, dem Toreschießen, konnte Selke jedoch nicht glänzen. Gegen Brooks und Lacroix hatte der recht alleingelassene Stürmer nur wenig Schnitte, kaum Bälle kamen bei ihm an. Ein einziger Torschuss belegt dieses Bild.

Foto: xSebastianxRäppold/MatthiasxKochx

Stevan Jovetic: Seien es Testspiele, die Pokalpartie in Meppen oder die ersten beiden Liga-Auftritte – Jovetic hatte bislang jeder Partie seinen Stempel aufgedrückt. So auch gegen Wolfsburg, als er kurz vor der Halbzeitpause für den verletzten Boateng in die Partie kam. Nach der Pause war Jovetic einer der Hauptgründe für Herthas beste Phase. Mit großer Übersicht und starkem Zug zum Tor war der 31-Jährige überaus präsent. In der 49. Minute zwang Jovetic Wolfsburgs Casteels zur Parade, hinzukamen ein weiterer Abschluss und zwei Torschussvorlagen. Jovetic macht bislang Spaß.

Fazit: Ja, ist denn schon wieder letzte Saison?

In Kombination mit dem Auftritt in Köln wirft das Wolfsburg-Spiel gravierende Fragen für Hertha auf. Wieso kann die Mannschaft nur maximal 30 Minuten eine stabile, gute Leistung zeigen? Warum bricht das Team immer wieder unerklärlicherweise zusammen? Wieso schlägt sich Hertha regelmäßig selbst?

Fragen, die von außen kaum beantwortet werden können. Dass das Team zu gutem Fußball in der Lage ist, wurde in der Vorbereitung, in Meppen, Köln und auch gegen Wolfsburg phasenweise bewiesen. Doch scheitert das Team aktuell schon daran, eine Konstanz über 90 Minuten aufzubauen. Womöglich hängen die letzten zwei Horror-Saisons noch immer in den Knochen und sobald man führt, ist die Angst zu verlieren größer als der Hunger, das zweite Tor zu schießen.

Zudem ist spürbar, dass die Saison bislang noch eine Operation am offenen Herzen ist. Der Kader ist noch nicht fertiggestellt, viele Baustellen und Fragezeichen begleiten ihn. Die Situation rund um Cunha macht die Lage nicht entspannter, zudem ist offensichtlich, dass es z.B. an Flügelspielern noch dringend fehlt. Hertha kommt nicht zur Ruhe, ein guter Saisonstart hätte hier Abhilfe leisten können. So werden es wohl sehr anstrengende Wochen – Druck ist auf jeden Fall da. Als nächstes wartet der FC Bayern, mit dann womöglich null Punkten aus drei Spielen muss gegen Bochum und Fürth gewonnen werden. Eine Situation, die man hätte vermeiden wollen und können.

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Hertha BSC – VfL Wolfsburg: Van Bommel vs. Dardai

Hertha BSC – VfL Wolfsburg: Van Bommel vs. Dardai

Auch wenn man als Hertha-Fan dicke Haut hat, nicht zuletzt aufgrund der zwei letzten Spielzeiten, war die Enttäuschung nach der Niederlage am ersten Spieltag in Köln groß. Jetzt ist im ersten Heimspiel der „alten Dame“ am Samstag ausgerechnet eine starke Mannschaft zu Gast, die aus einer großartigen Saison kommt. Doch wie gut ist denn der VfL Wolfsburg wirklich?

Ein Trainerwechsel, einige Neuzugänge, eine verrückte Episode im Pokal und ein erster Bundesligasieg gegen den Aufsteiger Bochum: Gesprächsstoff gab es rund um die Wolfsburger Mannschaft genug! Gerade deshalb haben wir uns mit Dennis (@WobTikal auf Twitter ) unterhalten. Er konnte unsere Fragen ausführlich und detailreich beantworten und mit ihm blicken wir auf die kommende Partie im Olympiastadion.

Ein Wechsel zu viel – Wolfsburg fliegt trotz Sieg aus dem Pokal

Hertha Base: Wir stellen direkt die unangenehme Frage, aber was ist deine Meinung zum kuriosen Pokalaus der Wolfsburger?

Dennis: „Kurios ist charmant formuliert – es ist halt vor allem sackdumm. Da muss man nicht groß drum herumreden, das muss in einem Verein funktionieren. Ein Ausscheiden wäre verdient.“

„Dass der VfL trotzdem Einspruch gegen das Urteil einlegt, kann ich trotzdem gut verstehen. Der 4. Offizielle wurde diverse Male gefragt, hat jedes Mal bestätigt, dass man noch mal wechseln dürfe, nur um direkt nach dem Wechsel (während des Wechsels war er zu sehr auf die Ecke konzentriert) darauf zu kommen, dass es doch anders ist. Also schreibt er es auf einen Zettel – den er dann verliert.“

„Das alles klingt sehr holperig und gerade die Tatsache, dass man im Urteil die Offiziellen komplett aus der Verantwortung genommen hat, was dem Regelwerk einfach widerspricht, sollte man noch mal besprechen. Weiterkommen sehe ich kritisch, aber ich fände es gut, wenigstens eine gute Begründung zu bekommen … Und wenn man mal ehrlich ist: Ich glaube nicht, dass man so ein Urteil bekommen hätte, wenn der betroffene Bundesligist Bayern München heißen würde.“

Van Bommel – warum der neue Coach eine faire Chance verdient

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HB: Der Wechsel auf die Trainerposition hat ja für sehr viel Gesprächsstoff gesorgt. Jetzt ist Mark van Bommel als Coach bei euch, und einige Fans in Deutschland sehen ihn schon diese Saison wieder fliegen. Was stimmt dich optimistisch, dass es unter van Bommel eine erfolgreiche Zeit wird?

Dennis: „Ich gehe eigentlich immer optimistisch in eine Saison, auch was die Trainer angeht. Wenn man mal guckt – Labbadia, Glasner, die wurden auch zu Beginn nicht geliebt. Einer war sowieso falsch, der andere nur die B- oder C-Lösung. Am Ende war es dann wieder falsch, sich zu trennen. Jetzt dann also van Bommel. Ich kann mich nicht erinnern, wann zuletzt ein Trainer mit so einem negativen Bild in der Bundesliga debütiert ist. Selbst bei Stefan Effenberg hieß es „wart’s mal ab, der fuchst sich da richtig rein“. Und bei van Bommel reden alle vom Untergang, dass Wolfsburg vielleicht sogar in Abstiegsgefahr geraten würde.“

„Ich verstehe das nicht. Ich bin echt gespannt, was er aus dem VfL macht, wie seine Ideen greifen und wie sich das Team verändert. Selbstverständlich kann das schief gehen, keine Frage. Wir haben mit der Champions League jetzt einen Riesen-Belastungsfaktor dazubekommen, das kann sich in der Liga schon mal negativ auswirken. Aber eine Chance sollte man ihm geben. Sein Auftreten bisher finde ich sehr angenehm, selbst diese Blödheit aus dem Pokal wurde gut kommuniziert.“

Nach der Hammer-Saison – Wie sieht es beim VfL in 2021/22 aus?

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HB: Was hat sich unter van Bommel spielerisch verändert? Wie will Wolfsburg diese Saison das Spiel gestalten?

Dennis: „Wolfsburg will vor allem das Spiel gestalten. Die Idee ist es, die Stärken des Teams zu nehmen (hervorragende Abwehrarbeit, stark im Pressing und Umschalten) und dieses um ein durchdachteres, ballorientierteres Offensivspiel zu ergänzen. Es werden wesentlich mehr Pässe gespielt, um Chancen zu generieren, am offensiven Positionsspiel wird gearbeitet. Das ist noch lange nicht abgeschlossen, aber man merkt, dass die Mannschaft daran Spaß hat.“

HB: Ihr habt ja im Sommer ordentlich viel Geld ausgegeben, für Spieler wie Nmecha, Bornauw, Phlipp usw. Ist Wolfsburg bereit für die Doppelbelastung mit der CL?

Dennis: „Noch nicht. Die geholten Spieler sind bisher dafür geholt wurden, um die Spitze etwas breiter zu machen, etwas flexibler zu sein. Phillip war ja ohnehin schon da und hat am Ende der letzten Saison gezeigt, dass er angekommen ist, Bornauw, Nmecha und auch Vranx sind alternativen zu Spielern, die letzte Saison praktisch durchgespielt haben.“

„Trotzdem fehlt es vor allem auf den offensiven Flügelpositionen noch an Möglichkeiten und vor allem Geschwindigkeit, gerade wenn man neben Joao Victor jetzt auch noch Brekalo abgeben sollte, wonach es aktuell aussieht. Hier kann ich noch nicht einschätzen, inwiefern die beiden Nmechas oder auch Marmoush da helfen können, ich denke aber schon, dass da noch wer kommen sollte. Davon ab denke ich, dass der Kader gerüstet ist.“

Wolfsburgs stabile zentrale Achse und Torgarant Wout Weghorst

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HB: Casteels im Tor, Lacroix, Brooks und Bornauw in der IV und Gerhardt, Arnold, Schlager, Guilavogui im ZM: eure zentrale Achse kann sich echt sehen lassen! Wird der VfL dadurch wieder so stabil wie letzte Saison?

Dennis: „Schön wär’s, nix hätte ich lieber. Aber: Ganz so einfach wird es nicht. Letzte Saison hat die Mannschaft praktisch jedes Spiel komplett gleich gespielt. Spiel für Spiel. So sehr, dass es unter den Reservespielern für Unmut gesorgt hat, den die Mannschaft aber intern geklärt hat, was ich echt beeindruckend finde. Das wird dieses Jahr nicht funktionieren, allein die intensiven Champions League Spiele werden das verhindern.“

„Und so müssen auch mal andere Spieler spielen und selbstverständlich sorgt das für den Verlust an Stabilität und Souveränität. Damit muss man umgehen lernen, da werden sicher auch ein paar Punkte auf der Strecke bleiben, das ist aber für einen Club dieser Größe normal und kein Stück dramatisch. Das Gerüst steht und ist einfach sehr, sehr gut, kennt sich seit Jahren und wird immer weiter gut ergänzt.“

HB: Weghorst ist vorne natürlich eure beste Waffe. Traust du ihm diese Saison wieder 20 Tore zu?

Dennis: „Na sicher. Wout ist eine Waffe, nicht nur durch seine Tore sondern auch durch seine unglaubliche Nervigkeit. Dieses ständige Anlaufen und Pressen nimmt jedem Gegner den Spaß. Und wenn er seine Chancenverwertung aus dem ersten Spiel gegen Bochum ein bisschen optimiert, dann wird es wieder eine ganze Menge Tore geben (…).“

Welche Schwächen hat Wolfsburg? Kann Hertha punkten?

HB: Hat eure Mannschaft denn überhaupt Schwächen? Was könnte Hertha tun, um Wolfsburg doch noch vor Schwierigkeiten zu stellen?

Dennis: „Nein. Eine Mannschaft ohne Schwächen 😀 Na sicher hat sie das. Die erste Elf ist sehr, sehr homogen, zweikampfstark und körperlich kann sie voll dagegenhalten. Was ihr ein wenig abgeht, ist das Tempo, dazu sind unsere Außenverteidigerpositionen durch die Verletzungen von William und Paolo „die Schere“ Ottavio dünn besetzt. Gerade hinten links ist der wieder aufblühende Roussillion konkurrenzlos.“

„Die Hertha kann und wird vor allem versuchen, über Ballgewinne schnell hinter die Abwehr zu kommen, die traditionell sehr hoch steht. Lacroix und Brooks sind sehr schnelle Innenverteidiger, trotzdem ist es natürlich möglich, sie zu überlaufen. Das ist ne gute Chance. Sonst sind Standards immer ne gute Sache, die man gut nutzen kann.“

HB: Zum Abschluss: was ist dein Tipp für Samstag?

Dennis: Ich glaube, dass es kein besonders hübsches Spiel wird, dass der VfL 1:0 gewinnen wird.

Vielen Dank an Dennis für das Interview!

Der Blick auf Hertha BSC

Foto: IMAGO

Eine schwierige Aufgabe also, die auf Pal Dardais Mannschaft im Olympiastadion wartet. Umso ärgerlicher, dass noch viel Ungewissheit im Kader herrscht. Ob Matheus Cunha noch im Hertha-Dress auflaufen wird, ist unklar. Zudem warten Hertha-Fans sehnsüchtig auf weitere Spielerzugänge für die Außenpositionen. Immerhin wird „Dachschaden“-Davie Selke wieder zur Verfügung stehen, sowie Kapitän Dedryck Boyata. Auch Neuzugang Marco Richter, der in Köln eingewechselt wurde, könnte eine größere Rolle spielen.

Trotzdem scheinen die Blau-Weißen aktuell noch weit entfernt von der Stabilität zu sein, die gerade die Wolfsburger ausstrahlen. Hertha muss gegen die Wolfsburger mit allen Mitteln versuchen, irgendwie zu punkten, um einen Fehlstart zu vermeiden. Null Punkte aus drei Spielen würden nämlich drohen: der nächste Gegner heißt … FC Bayern München.

Mit einer großartigen Kulisse im Olympiastadion wird wohl nach den letzten Schätzungen und mit dem Fehlen der Ultras nicht zu rechnen sein. Man kann jedoch hoffen, dass sich die Mannschaft von Pal Dardai anders präsentiert und sich insbesondere kämpferischer zeigt als noch vergangenes Wochenende in der Domstadt. Inspirieren lassen können sich die Spieler am Samstag sicherlich von ihren Trainern: sowohl Van Bommel als auch Dardai mussten sich diesbezüglich in ihrer Spielerkarriere nicht verstecken. Ob das Trainerduell zwischen den Beiden auf der Seitenlinie genauso kämpferisch ablaufen wird, wie damals auf dem Platz, werden wir beobachten können.

(Titelbild: IMAGO)

Herthaner im Fokus: Ernüchternde Auftaktniederlage in Köln

Herthaner im Fokus: Ernüchternde Auftaktniederlage in Köln

Hertha BSC ist mit einer 1:3-Niederlage gegen den 1.FC Köln in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Nach etwa 20 Minuten hat das Team von Trainer Pal Dardai quasi das Fußballspielen eingestellt und Eigenschaften gezeigt, die Hertha in der vergangenen Saison zu einem Abstiegskandidaten machten: fehlender Siegeswille, mangelnder Zusammenhalt, schlechtes Zweikampfverhalten sowie ein unkreatives Offensivverhalten.

Baumgart-Elf schlägt Hertha mit hoher Intensität

Nach der vergangenen Saison trennte Hertha und Köln nicht viel: Die Domstädter gingen mit 33 Zählern in die Relegation, Hertha rette sich mit 35 Punkten. Für beide Vereine war also klar, dass etwas passieren muss, um nicht noch eine Zittersaison zu erleben. Knapp drei Monate hatten beide Vereine für diese Umstellungen, bevor sie am heutigen Sonntagabend am 1. Spieltag der neuen Saison aufeinandertreffen sollten.

Köln hat bislang keinen bezahlten Neueinkauf getätigt und einen fast unveränderten Kader – mit Steffen Baumgart allerdings einen neuen Trainer verpflichtet. Hertha hat mal wieder einiges umgestellt, insbesondere im offensiven Bereich Spieler abgegeben und schon zum jetzigen Zeitpunkt mehr als 15 Millionen Euro in Neuverpflichtungen investiert. Kurzum: Während Köln an seinen Kader glaubt und mit Steffen Baumgart insbesondere an der Mentalität des Teams schmieden will, hat Hertha weiter am Personal herumgebastelt.

hertha köln
Foto: xMatthiasxKochx/IMAGO

Nach dem Aufeinandertreffen beider Teams bleibt festzuhalten, dass die Kölner mit ihrer Strategie bislang deutlich besser gefahren sind. Trotz einer laut Pal Dardai nahezu perfekten Vorbereitung ist Hertha leider keinen Schritt weiter als im Mai. Ganz im Gegenteil: Die heutige Leistung erinnert an Tiefpunkte aus der vergangenen Saison. Das liegt auch an teilweise wirklich schlechten Einzelleistungen.

Matheus Cunha – Das Verfallen in alte Muster

Derzeit vergeht fast kein Tag, an dem der Brasilianer nicht mit irgendeinem europäischen Top-Club in Verbindung gebracht wird. Nach dem Gewinn der olympischen Goldmedaille hatte in der Tat kaum noch jemand damit gerechnet, dass Cunha überhaupt nochmal zurückkehrt nach Berlin. Umso überraschender war es, ihn heute in der Startelf zu sehen.

Leider stand Cunha im heutigen Köln-Spiel quasi sinnbildlich für das, was Hertha insgesamt zeigte: Ein engagiertes Auftreten im ersten Spieldrittel, dem ein Einstellen des Spielbetriebs folgte. Cunha begann furios, bekam einige kluge Bälle von Kevin-Prince Boateng durchgesteckt und funktionierte sehr gut im Zusammenspiel mit Stevan Jovetic und Suat Serdar. Das 1:0 hätte der Brasilianer per Kopf fast selbst erzielt, Kölns Keeper Horn konnte den Ball nur mit viel Not ablenken.

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Aber was ist dann passiert? Wie in seinen schlechtesten Spielen in der letzten Saison fiel Cunha nur noch durch Schwalben und halbherzig gefühlte Zweikämpfe auf. TV-Analyst und Ex-Fußballer Erik Meijer äffte Cunha nach dem Spiel in gewohnt provakanter Manier nach: Cunha hatte einen wichtigen Zweikampf gegen Kainz verloren und blieb sekundenlang auf dem Boden sitzen, beschwerte sich händeringend, während Kainz sich auf dem Weg zum Tor machte.

Wenn der Brasilianer in Berlin bleibt, sollte er endlich seine Bedeutung für diese Mannschaft verstehen. Er ist das offensive Gehirn Herthas, spätestens mit dem Gewinn der Goldmedaille ist Cunha auch Vorbild für jüngere Spieler. Meckern, hadern und über den Platz schlendern steckt an – im negativen Sinne.

Petr Pekarik – Große Überforderung

Leider eine extrem schlechte Leistung von Herthas Rechtsverteidiger. Pekarik wurde unzählige Male überlaufen, schätzte lange Bälle falsch ein, verlor wichtige Zweikämpfe an der Außenlinie und ließ somit zu, dass Köln nach Herthas Führung über die linke Angriffsseite mehrere gefährliche Flanken in den Strafraum brachte.

Das 1:1 durch Modeste hätte wegen eines Fouls an Marton Dardai wahrscheinlich nicht gegeben werden dürfen, die Flanke vorher war aber ein gutes Beispiel dafür, dass Pekarik über seine Seite einfach zu viel zuließ. Auch das 2:1 fiel über die Seite des slowakischen Nationalspielers. Nachdem Keeper Schwolow den Ball auf Pekariks Seite abfälschte, konnte Kainz problemlos und unbewacht einköpfen.

hertha köln
Foto: xMatthiasxKochx/IMAGO

Sicherlich hatte Pekarik auch damit zu kämpfen, dass Herthas Mittelfeldraute wenig abgestimmt wirkte und er somit quasi keinerlei Unterstützung auf dem Flügel bekam. Dennoch hatte der 34-Jährige einen rabenschwarzen Tag erwischt. Seine Auswechslung für Deyovaisio Zeefuik wirkte wie eine Erlösung.

Lucas Tousart – Weiterhin kaum Impulse

Mit 25 Millionen Euro ist Lucas Tousart weiterhin der teuerste Neueinkauf in Herthas Transfer-Geschichte. Bis heute hat Tousart es aber nicht geschafft, dem Hertha-Spiel seinen Stempel aufzudrücken.

Herthas neuer Ballverteiler und Gegenangriff-Verhinderer zugleich sollte Tousart werden, das Hertha-Team der Zukunft sollte um den Franzosen herum aufgebaut werden. Tousart wird dieser ihm zugeschriebenen Rolle bislang in keiner Weise gerecht. Ein einziges Mal mischte sich Tousart am heutigen Abend in die Offensive ein, sein Torschuss verpuffte harmlos. Sicherlich führt er viele wichtige Zweikämpfe – auch im eigenen Strafraum – und hilft somit in der Innenverteidigung aus.

hertha köln
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Aber Tousart müsste der Ausgangspunkt für Herthas Umschaltspiel sein, die Außenspieler in Szene setzen, öffnende Bälle spielen und noch viel wichtiger: die Mannschaft auch als Persönlichkeit antreiben. Nach einem Jahr Mannschaftszugehörigkeit darf er diese Eigenschaft gerne bald zeigen.

Und dann waren da noch …

Stevan Jovetic – Einer der wenigen Hoffnungspunkte in Herthas neuem Kader. Man merkt einfach, wie viel Spielerfahrung Stevan Jovetic mitbringt. Dass Jovetic beim 1:0 genau da steht, wo der Abpraller hinkommt, ist kein Zufall. Herthas Neueinkauf sieht Lücken in der gegnerischen Abwehr und weiß diese auch kreativ zu nutzen – entweder durch schöne, öffnende Bälle oder durch tiefe Laufwege. Leider ließ auch Jovetic sich aber anstecken von der sich breit machenden Uninspiriertheit.

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Dodi Lukébakio – Als seine Mannschaftskameraden das Spiel schon verloren gegeben hatten, kam Dodi Lukébakio ins Spiel. Lukébakio brachte noch einmal ein wenig Schwung in Herthas Offensive, traute sich mehr zu, ging auch mal in direkte Duelle. Aber auch bei Lukébakio fehlte die letzte Überzeugung. Freistehend vor dem Tor köpfte der Belgier über die Latte und auch er konnte nicht in die letzte, gefährliche Zone vordringen.

Fazit: Ein Schritt zurück

Man benötigt keine großen, wissenschaftlichen Ansätze, um eine Schlussfolgerung aus diesem Spiel zu ziehen. Hertha war in fast allen Belangen (Zweikampfquote, Passquote, gelaufene Kilometer, etc.) schlechter als Köln – obwohl das Team von Pal Dardai nominell sehr gut besetzt war und sogar 1:0 führte. Dass man eine verdient erzielte Führung so leichtfertig aus der Hand gibt, passiert Hertha nicht das erste Mal und ist eigentlich ein Beweis dafür, dass das Team weiterhin vor allem eines braucht: Willenskraft.

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1. FC Köln – Hertha BSC: Ein Auftakt mit Fragezeichen

1. FC Köln – Hertha BSC: Ein Auftakt mit Fragezeichen

Europameisterschaft, Messi, neuer Bundestrainer. Alles schön und gut, aber ab jetzt kann sich endlich wieder dem einzig wichtigen Thema gewidmet werden: Hertha BSC. Nach einer durchaus erfolgreichen Vorbereitung und dem gänzlich ungefährdeten Kantersieg in der ersten Runde des DFB-Pokals geht es nun mit vielen neuen Gesichtern auch in der Bundesliga los. Zum Auftakt bekommt es die Alte Dame mit dem 1. FC Köln zu tun, bei dem sich im Sommer ebenfalls einiges getan hat.

Vor dem anstehenden Spiel haben wir mit Köln-Fan Eike, unter anderem bekannt aus dem gutsport Podcast, gesprochen und detaillierte Einblicke zum Geschehen rund um den “effzeh“ bekommen.

Alles neu macht der Sommer?

Hinter den Kölnern liegt eine Saison zum Vergessen, die mit dem glücklichen Ausgang der Relegation gegen Kiel dann aber doch noch ein Happy End hatte. Nur für einen kam diese Wende zu spät. Horst Heldt, seit November 2019 Geschäftsführer Sport beim “effzeh“, musste die Konsequenzen der Misere der vergangenen Monate tragen: „Im Endeffekt ist die Freistellung nur konsequent. Heldt hatte letzte Saison mehr als 20 Millionen zur Verfügung und hat nichts Vernünftiges damit angefangen. Wir haben quasi die ganze Saison ohne richtigen Mittelstürmer gespielt (zum Schluss musste der GOAT Jonas Hector dort ran).

Transfers wie Emmanuel Dennis, Max Meyer, Dimitrios Limnios oder Tolu Arokodare waren durchgängig teure Flops, die der Mannschaft aus verschiedensten Gründen nicht weiterhelfen konnten. (Wir haben gerade Limnios abgegeben, müssen aber immer noch die Hälfte seines Gehaltes zahlen. Solche Transfers). Auch die Vertragsverlängerung mit Gisdol im letzten Sommer, nach einem super glücklichen Klassenerhalt war total unnötig.“, schätzt Eike die Freistellung ein.

Steffen Baumgart kam im Sommer als neuer Trainer vom SC Paderborn (Foto: imago images via Getty images)

Während die langfristige Nachfolge für den Posten noch nicht geklärt ist – aktuell übernehmen Jörg Jakobs sowie Kölns langjähriger Torhüter Thomas Kessler den Job interimsweise – ist die andere Schlüsselposition schon seit Ende der letzten Saison besetzt. Mit Steffen Baumgart kommt ein Trainer, der für eine klare Spielidee in Form von aggressivem Pressingfußball steht und mit dieser Formel immerhin den SC Paderborn 2018 in die Bundesliga geführt hat. Angesichts des Kölner Kaders ist sich Eike unsicher, ob dieser für den Fußball von Baumgart gemacht ist, sagt aber auch: „Gegen Paderborn mit Baumgart sahen wir immer schlecht aus und ich habe daher große Hoffnungen, dass sich das auf unsere Gegner jetzt überträgt. Baumgart kommt sehr geradeaus rüber und scheint einen sehr ehrlichen Umgang mit den Spielern zu haben. Ich denke, er kann den einen oder anderen auch nochmal weiterbringen.“

Ein Kader voller Fragezeichen

Die Zusammenstellung des angesprochenen Kaders für die kommende Saison birgt dabei durchaus Risiken. So könnten Pessimisten anführen, dass die Mannschaft, die in der zurückliegenden Spielzeit fast abgestiegen wäre, nun in Form von Bornauw und Jakobs zwei der wichtigsten Spieler verloren hat und bisher keinen gleichwertigen Ersatz finden konnte. Das liegt auch daran, dass den Kölnern finanziell die Hände gebunden sind und das Transferfenster unter dem Motto steht, möglichst hohe Überschüsse zu erzielen.

So steht aktuell ein Kader, der vor allem für Ungewissheit steht. Im Tor sieht Eike den “effzeh“ in Person von Timo Horn gut aufgestellt: „Ich war, bin und bleibe ein großer Fan von Timo Horn. Er ist das, was man sich als “effzeh“ Fan wünscht. Ein richtig guter Torwart aus Köln, der nur für seinen “effzeh“ spielen will. Er hätte sicher oft schon gehen können und es woanders leichter gehabt. Leider hat er sich aber in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt, sondern ist eher stagniert. Das kreide ich aber vor allem eurem neuen Torwarttrainer Andy Menger an. Mit Uwe Gospodarek haben wir einen neuen Torwarttrainer, der Timo nochmal pushen wird und dies auch schon öffentlich kundgetan hat.“

Auch beim Mittelfeld, das mit Duda, Jonas Hector, Ellyes Skhiri – der zwar immer wieder mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht wird, aber aktuell noch im Trikot der Kölner aufläuft – und Neuzugang Mark Uth das Prunkstück der Mannschaft ist, ist Eike positiv gestimmt.

Insbesondere der Abgang von Bornauw könnte Köln in dieser Saison weh tun. (Foto: Moritz Müller, imago images via Getty images)

Weniger zuversichtlich gestaltet sich indes der Blick auf die Abwehrreihe: „Aktuell die absolute Problemzone. Bornauw als absoluter Leistungsträger fällt weg und ob Hübers ihn ersetzen kann, muss man sehen. Czichos und Mere haben leider in der letzten Saison nie durchgehend überzeugt. Auf rechts spiel wohl erstmal Ehizibue, der auch schon oft Schwächen in der Rückwärtsbewegung offenbart hat und links spielt Benno Schmitz, der eigentlich Rechtsverteidiger ist. Katterbach ist außer Form und Jannis Horn noch länger verletzt. Komplettiert wird die Abwehr durch Kingsley Schindler, der weder bei uns noch in Hannover überzeugt hat. Wenn man irgendwo aktiv werden muss, dann am ehesten in der Abwehr.“, resümiert Eike.

Auch im Sturm ist die Zusammenstellung nicht ganz ohne Risiko. Anthony Modeste ist seit seiner Rückkehr aus China meilenweit davon entfernt, die Kölner nochmal nach Europa zu schießen, wie er es 2017 getan hat. Und Sebastian Andersson, den man zur vergangenen Saison aus Köpenick verpflichtete, konnte im letzten Jahr verletzungsbedingt lediglich 50 Prozent der Spiele absolvieren. So fasst Eike zusammen: „Wenn alles gut geht, haben wir einen schlagkräftigen Sturm. Im worst case haben wir aber wieder zwei verletzte gute alte Stürmer und zwei unerfahrene junge Stürmer (Thielmann und Lemperle).“

Der Faktor Fans

Wie bei vielen Vereinen sorgt natürlich auch bei den Kölnern die Pandemie für ein großes Loch im Konto und ist damit unter anderem verantwortlich für die so komplizierte Kaderplanung in diesem Jahr. Umso wichtiger ist es, dass zum Saisonauftakt gegen Hertha 16.500 Tickets in den Verkauf gehen. Bei der Frage, an wen diese Tickets gehen, verfolgt der 1. FC Köln eine klare Linie. So sollen ab dem zweiten Heimspieltag nur noch in Ausnahmefällen Getestete ins Stadion zugelassen werden. Bereits gegen Hertha sind es nur 1.000 Tickets, die an Getestete – darunter überwiegend Kinder und Jugendliche – verkauft werden. Der Rest des Kontingents ist Geimpften oder Genesenen vorbehalten.

Eike hat hierzu eine klare Meinung, der sich der Autor uneingeschränkt anschließt: „Ich bin wirklich stolz auf meinen Verein, dass wir hier (wie bei vielen anderen gesellschaftlichen Themen) mal wieder Vorreiter sind. Ich würde mir wünschen, dass die ganze Bundesliga und andere Großveranstalter nachziehen. Wir müssen es als Gesellschaft schaffen, diejenigen vor COVID zu schützen, die sich nicht selbst schützen können, weil sie zu klein sind oder sich nicht impfen lassen können. Nur, wenn wir eine hohe Impfrate in der Gesellschaft haben, schaffen wir es, die Pandemie einzugrenzen. Die überfüllten Kinder-Krankenhäuser in vielen Bundesstaaten der USA zeigen, was passiert, wenn Menschen sich nicht impfen. Wer sich bisher nicht impfen lassen hat, das aber könnte, den muss man motivieren und ich kann mir nichts motivierenderes vorstellen als wieder beim „effzeh“ ins Stadion zu gehen.“

Für Eike ist der erste Spieltag in diesem Kontext zudem besonders motivierend, da er eine spezielle Verbindung zu Hertha hat: „Als ehemaliger Wahl-Berliner ist mir die Hertha aus unerfindlichen Gründen auch irgendwie ans Herz gewachsen. Berlin ist auf jeden Fall blau und nicht rot! Und mit der Axel-Kruse-Jugend habt ihr auch einen der coolsten Fanclubs die ich außerhalb vom „effzeh“ kenne. Ich verfolge sehr aufmerksam was die AKJ macht. Und dass die AKJ mit den Roten Böcken befreundet ist und uns per Flutschfinger die Relegation gewonnen hat, sagt eigentlich alles. Ha Ho He, Hertha und „effzeh“.“

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Herthaner im Fokus: TSG Hoffenheim – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: TSG Hoffenheim – Hertha BSC

Nach der unschön anzusehenden, doch im Ergebnis so wichtigen Partie gegen Köln duellierte sich unsere Alte Dame am letzten Spieltag der Saison 2020/2021 mit der TSG Hoffenheim in Sinsheim um die Goldene Ananas. Während auf anderen Plätzen die Kämpfe ums internationale Geschäft und den Klassenerhalt gefochten wurden, konnte Hertha zwar die Ungeschlagen-Serie seit dem 13. März 2021 nicht weiterführen, aber immerhin die obligatorische Klatsche mit vier Toren Differenz zum Saisonabschluss vermeiden.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner bei dieser sportlich irrelevanten 1:2-Auswärtsniederlage. Dabei nehmen wir vor allem die Spieler in den Fokus, die sich am Samstag (höchstwahrscheinlich) von Hertha BSC verabschiedet haben.

Peter Pekarik – Mr. Zuverlässig

Herthas ewiger Rechtsverteidiger startete auch im letzten Spiel der Saison rechts in einer Viererkette. In der chancenreiche Anfangsphase war auch der Slowake vorne zu finden und legte in der 17. Minute eine gute Chance für Jessic Ngankam auf, der am Hoffenheimer Keeper Pentke scheiterte. Als das Spiel immer mehr verflachte und kaum Möglichkeiten bot, tauchte Pekarik plötzlich wieder im Hoffenheimer Strafraum auf. In der 41. Minute brachte er von der Grundlinie aus einen Pass in den Rückraum, wo sich Ngankam und Nemanja Radonji nicht einig wurden und die Schusschance verpuffte.

In der 43. Minute hatte sich der Hertha-Verteidiger wieder nach vorne geschlichen und die Defensive der Gastgeber aufgemischt. Auf der anderen Seite des Spielfelds tankte sich Marvin Plattenhardt durch und brachte eine passgenaue Flanke auf den Fünfmeterraum, wo Vladimir Darida den von Pekarik geschaffenen Freiraum nutzte und unbedrängt zur 1:0-Führung einköpfte.

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Auch wenn der 34-jährige Slowake nicht direkt am Tor beteiligt war, so zeigte sich auch hier sein in dieser Saison neu gewonnener Torriecher, der ihn zum fünftbesten Torschützen bei Hertha in dieser Spielzeit machte. Unter seinen drei Bundesliga-Treffern waren dabei auch so wichtige Tore wie das zum 1:1 beim 3:1-Hinspiel-Sieg gegen Union Berlin wie auch das 2:0 beim 3:0-Erfolg im Nachholspiel gegen den SC Freiburg.

Zu Beginn der zweiten Hälfte zeigte sich Pekarik dann aber wie seine Defensiv-Kollegen nach einer Riesenchance für Vladimir Darida zu unaufmerksam und ließ Ryan Sessegnon auf der rechten Abwehrseite zu viel Raum und Platz. Dessen scharfe Hereingabe konnte Sargis Adamyan in der Mitte zum 1:1-Ausgleich verwerten. Diese Unaufmerksamkeit konnte Herthas Rechtsverteidiger aber nicht auf sich sitzen lassen und so warf sich Mr. Zuverlässig in der 52. Minute in höchster Not in einen Schuss von Andrej Kramaric und konnte so noch eben den nächsten Einschlag verhindern.

Danach bewegte sich das Spiel wieder in ruhigere Fahrwasser und Hertha kam lange nicht mehr wirklich in Bedrängnis – wie immer auch ein Verdienst von Peter Pekarik. Nachdem mit der Khedira-Auswechslung endgültig die Sommerpause eingeleitet schien, tröpfelte das Spiel größtenteils vor sich hin. Als die Partie beinahe schon abgepfiffen schien, kamen die Hoffenheimer doch noch spät zu einem verdienten 2:1-Sieg durch den Treffer von Andrej Kramaric.

Ob Peter Pekariks Vertrag noch einmal verlängert wird, ist zweifelhaft. Die Zuverlässigkeit in Person ist seit 2012 bei Hertha, hat in der zweiten Liga, aber auch in der Europa League gespielt. Er hat Pal Dardai kommen, wieder gehen und wieder kommen sehen. Und der stets unscheinbare Slowake war immer dabei.

Danke, Peter!

Mathew Leckie – Internationale Schnelligkeit

Der Australier durfte wie bei seinem Debüt für Hertha gegen den damaligen Aufsteiger VfB Stuttgart im Sommer 2017 auf der rechten Seite im heut wie damals von Dardai favorisierten 4-2-3-1 beginnen.

Doch anders als einst, als Mathew Leckie den Linksverteidiger Ailton des VfB schwindlig spielte und mit einem unvergessenen Ronaldo-Chop links liegen ließ, um zum Doppelpack einzuschieben, konnte Leckie diesem Spiel seinen Stempel nicht aufdrücken. Er fiel zwar auch nicht ab, konnte aber keine entscheidenden Szenen initiieren. Dass der Moderator eines Bezahlsenders bei Leckies Auswechslung dennoch von einer guten Leistung sprach, ist wohl bezeichnend für die Leistungen, die Leckie bei Hertha größtenteils zeigte. Ebenso, dass der für ihn eingewechselte Daishawn Redan, wenngleich glücklos, schon kurz nach seiner Einwechslung für mehr Wirbel sorgte, als Leckie in seinen gesamten Saisoneinsätzen zusammen.

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Hatte Leckie mit seinem Doppelpack beim Debüt 2017 noch Träume geschürt, zeigte sich danach relativ schnell, dass die Skepsis der Hertha-Anhänger:innen wie auch die 2173 Minuten andauernde Torflaute vor dem ersten Treffer gegen die Stuttgarter doch begründet waren. Leckie fehlte es nie am Einsatz, er zeigte allerdings auch keinerlei Torgefahr. Mehr als die von Dardai so heißgeliebte internationale Schnelligkeit konnte der Australier nie vorweisen. Und so verkam er wie schon sein ehemaliger Teamkollege Alexander Esswein immer mehr zum Meme.

Rückblickend wird ihm das nicht gerecht. Leckie fightete immer, soweit ihn seine Füße trugen, war mit Herz und Leidenschaft dabei und beklagte sich nie, wenn ein Trainer seine limitierten Fähigkeiten erkannte und andere Spieler vorzog. Der sympathische Australier deutet die Zeichen der Zeit richtig und bricht trotz einiger Einsatzminuten in dieser Saison seine Zelte in Berlin ab.

Auch wenn Mathew Leckie in seiner Hertha-Zeit selten Wunderdinge vollbrachte, hat er sich Anerkennung und einen warmen Abschied verdient. Und auch der Autor dieser Zeilen wird sich mit einem Lächeln zurückerinnern an den flinken Rechtsaußen und diesen Samstag im Olympiastadion im August 2017.

Danke, Mathew!

Sami Khedira – Der verlängerte Arm des Trainers

Sami Khedira führte im letzten Spiel seiner Karriere Hertha erstmals als Kapitän auf den Platz. Im Dardai‘schen 4-2-3-1 besetzte er die Doppelsechs mit Eduard Löwen, der zu seinem Startelfdebüt in dieser Saison kam. Während sich Löwen anfangs mit einigen Läufen in die Tiefe anbot, bot Khedira wieder den Ballverteiler dar. Die ordnende Hand im Spielaufbau mit dem richtigen Auge für freie Räume und ordentlichem Timing zeigte, wie wichtig Khedira auch sportlich für Hertha hätte sein können. Doch gerade defensiv offenbarten sich auch die bekannten Geschwindigkeitsdefizite, die von wendigen schnellen Stürmern allzu leicht ausgenutzt werden können.

So wurde etwa Hoffenheims Sargis Adamyan nach unentschlossenem Zweikampfverhalten von Marvin Plattenhardt im Strafraum freigespielt, der daraufhin sowohl von Niklas Stark als eben auch Sami Khedira mit einem kleinen Schlenker ausspielte und wuchtig knapp neben das Tor schoss. Mit zunehmender Spielzeit verflachte Herthas Spiel zusehends, auch Khedira konnte sich nicht gegen die drohende Schläfrigkeit der Hertha Mannschaft stemmen, auch wenn der zu diesem Zeitpunkt überraschende Führungstreffer noch vor der Pause fallen sollte.

In der zweiten Hälfte durfte Khedira dann neben dem eingewechselten Santiago Ascacíbar seine Abschiedsvorstellung weiterführen. Und in der 48. Minute war dieses Duo direkt im Mittelpunkt. Der eingewechselte Argentinier schickte am Sechzehner in Manier seines bekannten Landsmannes vom FC Barcelona drei Hoffenheimer ins Leere, Khedira spitzelte gedankenschnell den Ball aus dem Zentrum nach links zum freistehenden Darida, der sich die Zeit ließ, den Ball anzunehmen und mit etwas zu viel Auge ans rechte Gestänge zu schnörkeln. Auf der Gegenseite trauerte die Hertha-Mannschaft der vergebenen Großchance wohl noch zu sehr hinterher und musste den Ausgleich durch Adamyan fressen.

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Nach diesem furiosen Auftakt in die zweite Hälfte verflachte die Partie zusehends, einzig Redan brachte noch etwas Unruhe in die Hoffenheimer Defensive.

Die Szene des Spiels hatte dann aber wenig mit dem Sportlichen zu tun. In der 74. Spielminute verließ Sami Khedira unter dem Beifall seiner Mannschaftskollegen den Platz. Alle Herthaner vor Ort hatten sich in Trikots der ehemaligen Stationen des Deutschen, Spanischen und Italienischen Meisters vor der Bank aufgestellt, um ihn zum Abschluss seiner Karriere in Empfang zu nehmen. Arne Friedrich ließ es sich nicht nehmen, Khedira in seinem Weltmeister-Trikot des Jahres 2014 in den Arm zu nehmen und ihm noch einige warme Worte mitzugeben. Ein wenig ging unter, dass mit dem eingewechselten Jonas Dirkner ein weiteres Talent der Hertha-Bubis sein Bundesliga-Debüt feierte.

In der Folge lief das Spiel aus und Hertha der Sommerpause entgegen. Die letzte Entschlossenheit fehlte und Hoffenheim kam so noch zu einigen Chancen bis es in der 90. Spielminute dann tatsächlich so weit war – nach einer Hereingabe von rechts stand Topstürmer Andrej Kramaric blitzeblank auf Höhe des Elfemeterpunkts und verwandelte eiskalt ins links untere Eck zum 1:2-Endstand.

Das Ergebnis blieb jedoch nebensächlich. Aus Hertha-Sicht wird der emotionale und gelungene Abschied von Sami Khedira im Gedächtnis bleiben. Trotz verletzungsbedingt nur neun absolvierter Spiele für Hertha, kann man an den Äußerungen der Verantwortlichen seinen Anteil am Klassenerhalt ablesen. Auf dem Platz der erfahrene Lenker war er abseits des Platzes für das so auseinandergedriftete Mannschaftsgefüge Gold wert. Neben seiner Erfahrung und natürlichen Autorität konnte er auch mit seinen Sprachkenntnissen und vorgelebten Professionalität Bindeglied und Vorbild sein.

Sami Khedira wusste im Winter genau, worauf er sich einlässt. Und er hat sich für Hertha entschieden.

Danke, Sami!

Und da war da noch:

Nemanja Radonjić, der insbesondere zu Beginn der Partie als Aktivposten seine Schnelligkeit und Dribbelstärke bewies, das ein oder andere Mal gefährliche Strafraumszenen initiierte und auch selbst zum Abschluss kam. Wieder einmal zeigte sich allerdings seine Schwäche in der Entscheidungsfindung. Mit zunehmender Spielzeit tauchte er wie die meisten seiner Mannschaftskollegen weitestgehend ab. Auch Radonjićs Leihvertrag endet nach diesem Spiel, Hertha soll aber an einer Weiterverpflichtung zu vernünftigen Konditionen interessiert sein. Sicherlich eine sinnvolle Überlegung, ist Hertha doch gerade auf den offensiven Außenpositionen dünn besetzt. Soweit es menschlich passt und man Vertrauen in Dárdais Fähigkeiten hat, den Serben weiterzuentwickeln, dürfte eine Lösung mit seinem Stammverein Olympique Marseille zu finden sein.

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Nils Körber, der seit Rune Jarsteins Corona-Infektion als Herthas Nummer Zwei auf der Bank saß. Seit 2011 im Verein, seit 2015 mit 3-jähriger Leihunterbrechung noch ohne Einsatz für Hertha bei den Profis. Dem Vernehmen nach läuft sein Vertrag aus, eine Ausweitung des Vertrags erscheint aber nicht unmöglich. Nach Jarsteins Verlängerung bleibt aber vorerst weiterhin nur die Perspektive als Nummer Drei, fraglich ob das dem sicherlich zweitligareifen Torhüter in den nächsten Jahren ausreicht.

Mattéo Guendouzi, der das letzte Saisonspiel aufgrund seines gegen Freiburg erlittenen Mittelfußbruchs verpasste und so einen unwürdigen Abschied seines wilden Leihjahres bei Hertha fand. Der Lockenkopf stand beinahe sinnbildlich für das zu selten abgerufene Potenzial der Mannschaft, das ewige Auf und Ab. Konnte er zu Beginn seiner Leihe noch begeistern, trieb er die Fans zwischendurch zur Weißglut, nur um am Ende wieder eine wichtige Stütze im Dardai‘schen System zu sein. Ob er nun tatsächlich in der nächsten Saison bei Arsenal seine Schuhe schnürt, erscheint allerdings eher fraglich. Sicher ist nur („Stand jetzt“), dass eine Verpflichtung für Hertha nicht möglich ist und wir Guendouzi nach der Sommerpause in einem anderen Trikot sehen werden.

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