Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach: Der Abschluss einer turbulenten Woche

Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach: Der Abschluss einer turbulenten Woche

An ereignisreichen Wochen mangelt es Hertha in den seltensten Fällen. Die zurückliegenden fünf Tage waren dann allerdings doch ein wenig zu viel des Guten. Aber eins nach dem anderen: Zunächst war da die Punkteteilung am Sonntagabend, mit der Hertha, rein nüchtern betrachtet, gegen den Tabellensiebten der Fußball-Bundesliga gut leben kann. Bekanntermaßen ist ein Punkt jedoch in der aktuellen Situation eigentlich nicht genug, zumal es sich eben nicht um irgendeinen Bundesligisten handelte, sondern den Stadtrivalen Union Berlin. Hier scheint es mittlerweile zur unschönen Tradition zu werden, dass Hertha in Duellen an der Alten Försterei, auch ohne Zuschauer, nicht ganz auf der Höhe ist, um es mal euphemistisch auszudrücken. Von der Kombinationssicherheit, die man noch in der Vorwoche gegen Leverkusen bestaunen durfte, war nicht das Geringste zu sehen, sodass das 1:1 am Ende der Alten Dame sogar noch schmeichelte.

Viel Zeit, sich über diesen uninspirierten Auftritt aufzuregen, blieb allerdings nicht, denn bereits am Montag wurde ein Interview von Herthas Torwarttrainer Zsolt Petry veröffentlicht, das in der Hanns-Braun-Straße für kollektives Kopfschütteln gesorgt haben dürfte. In diesem offenbarte der 54-jährige, neben diversen weiteren Verfehlungen, seine homophoben und migrationsfeindlichen Ansichten und ließ Hertha damit keine andere Wahl, als die Zusammenarbeit zu beenden.

Hertha ist politisch – und das ist auch gut so

Ex-Torwarttrainer Zsolt Petry mit dessen Schützling Rune Jarstein (Imago images via Getty Images, nordphoto GmbH, Engler)

So schwer Hertha es seinen Fans auch immer mal wieder macht, diese toxische Beziehung weiterhin aufrecht zu erhalten, so stolz darf man angesichts dessen, wie Carsten Schmidt, Arne Friedrich und Co. in dieser Causa agiert haben, auf den Klub sein. Nach interner Beratung und unter Einbeziehung aller beteiligten Personen – insbesondere der von Petry trainierten Torhüter – gab Hertha nur einen Tag nach Bekanntwerden von Petrys Aussagen, mit Verweis auf die Werte des Vereins, die Trennung vom Ungarn bekannt. Hertha hat damit eindrucksvoll gezeigt, dass rassistisches Gedankengut in keinster Weise zu tolerieren ist. Liest man sich die teils entlarvenden Kommentarspalten bei Facebook und Co. durch, weiß man, wie wichtig es war, dass Hertha hier ein Zeichen gesetzt und wiederholt klar gemacht hat, dass man nicht gleichzeitig Rassist und Anhänger von Hertha BSC sein kann.

Zeit für sportlich positive Schlagzeilen

Gladbachs jüngste Mini-Erfolgsserie steht auf wackeligen Beinen. (Imago images via Getty Images, Guido Kirchner)

Nachdem die Blau-Weißen in dieser Woche also vor allem neben dem Platz Haltung gezeigt haben, wird es nun Zeit, auch auf dem Rasen für gute Nachrichten zu sorgen. Denn trotz vier Zählern aus den letzten beiden Spielen ist man weiterhin mittendrin im Abstiegskampf. Mit Borussia Mönchengladbach wartet nun ein Gegner, der auf dem Papier wieder im Aufwind zu sein scheint. Nachdem infolge der Verkündung des Abgangs von Cheftrainer Marco Rose vier Ligaspiele hintereinander verloren wurden, gab es zuletzt wieder zwei Siege. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass der erste Dreier dabei gegen Schalke heraussprang, die in der diesjährigen Verfassung aus jeglicher, sportlichen Analyse herausgerechnet werden müssen. Auch der Sieg gegen Freiburg am Samstagabend war alles andere als überzeugend. So hätte Freiburg zum Pausenpfiff gut und gern mit 4:0 führen können. In der zweiten Halbzeit steigerte sich das Team von Marco Rose zwar deutlich, doch die Souveränität der Vorsaison ist Gladbach längst abhandengekommen. In den seltensten Fällen gelingt es den „Fohlen“, eine Partie über 90 Minuten zu dominieren und einen Sieg ungefährdet über die Zeit zu bringen.

Dachte man vor der Saison noch, dass mit den Zukäufen von Lazaro und Wolf, die offensiv ohnehin schon stark besetzte Mannschaft nun noch stärker werden würde, ist das Gegenteil der Fall. Sowohl Plea als auch Thuram, Gladbachs Torgaranten im Vorjahr, rennen ihrer Form aktuell weit hinterher. Hinzu kommt, dass die Defensive längst nicht mehr so stabil steht. Bereits jetzt, nach 27 absolvierten Partien, hat der VfL mit 41 Gegentreffern ein Tor mehr kassiert als in der gesamten zurückliegenden Saison. Es darf sich aus blau-weißer Sicht also durchaus etwas ausgemalt werden.

Hoffnung auf Dardai und Khedira

Auch der Blick auf die Personalsituation gibt dabei Grund für vorsichtigen Optimismus. Marton Dardai, der beim Derby wegen einer Innenbanddehnung im Knie nicht bereitstand, könnte am Samstag wieder Kandidat für die Startelf sein. Insbesondere dessen starke Spieleröffnung habe Hertha gegen Union gefehlt, wie Trainer Dardai in der Pressekonferenz vom Donnerstag hervorhob. Auch bei Sami Khedira, der gegen Union in der Schlussphase eingewechselt wurde, sollte es laut Dardai für mindestens 45 Minuten reichen. Ein großer Wehrmutstropfen ist indes die Lage rund um Kapitän Dedryck Boyata. Nachdem der Belgier nach dreimonatiger Verletzungspause eine Halbzeit für Belgien absolvierte, zog er sich vor der Partie gegen Union einen Muskelfaserriss zu. Ob es in dieser Saison noch für Einsätze reicht, darf zumindest mal mit einem Fragezeichen versehen werden. Hinzu kommt, dass auch Vladimir Darida nach seiner Rot-Sperre gegen den BVB und Tousart wegen der fünften gelben Karte nicht zur Verfügung stehen werden. Dasselbe gilt für Eduard Löwen, der noch mit muskulären Problemen zu kämpfen hat. Umso wichtiger wäre daher die Einsatzfähigkeit von Dardai und Khedira, um diese turbulente Woche mit einem Erfolgserlebnis zu beschließen.

Quelle Titelbild: Imago images, via Getty Images, Matthias Koch

1. FC Union Berlin – Hertha BSC: Das Derby zum richtigen Zeitpunkt?

1. FC Union Berlin – Hertha BSC: Das Derby zum richtigen Zeitpunkt?

Zurück zum Wesentlichen: Nachdem auch mehr als ein Jahr nach Beginn der Pandemie der Fußball seine Sonderstellung immer weiter ausreizt und heiter seine Akteure rund um den Erdball schickt, sind nun alle wieder zurück bei ihren Vereinen. Aus rein nüchterner, sportlicher Sicht kam die Auszeit für Hertha jedoch tatsächlich gelegen. Sami Khedira konnte das Training wieder aufnehmen und wird am Sonntag, ebenso wie Kapitän Dedryck Boyata, im Kader stehen. Dass seine Antreiberqualitäten vonnöten sein werden, steht wohl außer Frage. Denn zum Abschluss des 27. Spieltags ist es zum nunmehr vierten Mal in der ersten Liga so weit: Das Derby steht auf dem Programm!

Im Vorfeld des Spiels gegen Union Berlin haben wir mit Hans-Martin, bekannt durch den Blog und Podcast textilvergehen, gesprochen und von ihm Einblicke in das Unioner Seelenleben während dieser so verrückten Saison bekommen.

Verkehrte Welt in Berlin

(Imago Images via Getty Images)

Dass Hertha und Union vor einem Aufeinandertreffen am 27. Spieltag 14 Punkte trennen, ist auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. In der Saison 2010/2011, als sich die beiden Rivalen am 21. Spieltag in der zweiten Liga gegenüberstanden, waren es gar 20 Punkte. Allerdings waren es zu diesem Zeitpunkt erwartungsgemäß die Blau-Weißen, die von der Tabellenspitze grüßten, während Union sich im Abstiegskampf befand.

Heute haben sich die Vorzeichen gedreht. Nicht nur die Ligazugehörigkeit beider Teams hat sich geändert, sondern – zumindest, was die aktuelle Spielzeit betrifft – auch die Rangordnung. Hertha bangt dieser Tage um den Verbleib im Oberhaus. Parallel dazu hat Union das Saisonziel des Klassenerhalts faktisch schon erreicht und kann die verbleibenden acht Partien quasi als Bonus angehen.

Ein Satz, den im Vorfeld der Saison so wohl niemand erwartet hätte, wie auch Hans-Martin sagt: „Die Saison übertrifft wirklich alles, was ich zu hoffen gewagt hätte. Gerade nach dem Verlust von Sebastian Andersson hatte ich einen deutlich schwierigeren Verlauf erwartet. Aber Urs Fischer ist es einerseits gelungen, erneut viele neue Spieler einzubinden, und andererseits sozusagen unter Volllast die Spielweise der Mannschaft umzustellen und deutlich weiterzuentwickeln.“

Schwächephase vor dem Derby?

Unions Offensive zeigte sich zuletzt nicht mehr so treffsicher wie in der Hinrunde (Imago Images via Getty Images)

Die „umgestellte Spielweise“ ist dabei sogar fast noch beeindruckender als Unions Tabellenplatz. Während das Mittel der Wahl im letzten Jahr noch in Standards oder langen Bällen auf Andersson bestand, weiß Union nun auch aus dem Spiel heraus Chancen zu kreieren und hat sich in der Hinrunde hinter dem FC Bayern und Borussia Dortmund zum torgefährlichsten Team der Liga gemausert. Zur ganzen Wahrheit zählt aber auch, dass der Höhenflug in den zurückliegenden Spielen nicht mehr fortgesetzt werden konnte. Zu den beachtlichen 28 Zählern aus der ersten Saisonhälfte kamen bis heute nur noch zehn hinzu (zum Vergleich: Hertha holte im selben Zeitraum sieben Punkte). Auch die Torausbeute ist bei weitem nicht mehr so furchteinflößend wie noch in der Hinrunde. Acht Treffer erzielten die Eisernen seit dem 18. Spieltag und damit genauso viele wie Hertha.
Defensiv steht Union derweil weiterhin stabil, hat mit 32 kassierten Toren eine der sichersten Abwehrreihen der Liga. Der Schuh drückt aktuell also vor des Gegners Gehäuse.

Angesprochen darauf sagt Hans-Martin: „Zum einen spielt sicher die Verletzung von Max Kruse eine gewichtige Rolle. Auch wenn ich finde, dass die Mannschaft das insgesamt erstaunlich gut abgefangen hat, so ist er doch in seiner individuellen Klasse und sehr speziellen Spielweise nicht vollständig zu ersetzen. Hinzu kam eine deutlich geringere Effizienz. In der Hinrunde wurden aus 23 xG (expected goals, Anm. d. Red.) noch 32 Tore erzielt, in der bisherigen Rückrunde 8 aus 14. Kruses Fehlen ist da sicher ein Faktor, aber auch individuelle Schwankungen.“

Tatsächlich mangelt es Union neben Max Kruse an einem weiteren Akteur, der als Abschlussspieler fungieren kann. Nach der Verletzung von Awoniyi, mit fünf Treffern immerhin der zweiterfolgreichste Spieler bei den Köpenickern, versuchte es Urs Fischer zuletzt meist mit Joel Pohjanpalo als zweitem Angreifer. Getroffen hat der Finne in dieser Zeit kein einziges Mal. Dabei waren die Chancen, insbesondere am zurückliegenden Spieltag gegen Frankfurt, als man bei der 2:5-Niederlage satte 25 Torschüsse zustande brachte, zuhauf da. Doch auch hier war es wieder Max Kruse, der für die einzigen beiden Treffer sorgte. Dass es Union aber nicht gerecht würde, allein Kruse für die starke Saison verantwortlich zu machen, zeigte sich nach dessen Verletzung beim letzten Derby, in deren Folge er mehrere Wochen ausfiel und Union auch ohne sein Zutun unter anderem den BVB und Leverkusen schlug sowie Bayern und Wolfsburg einen Punkt abluchste. Dass Unions fußballerische Weiterentwicklung auch ohne den ehemaligen Nationalspieler Bestand hat, konnte man während dieser Phase sehen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass es aktuell an einigen Stellen hakt, während der Trend bei Hertha (endlich) wieder in die andere Richtung zu zeigen scheint.

Mehr als ein kurzes Luftholen im Abstiegskampf?

Der Sieg gegen Leverkusen, noch dazu in dieser nicht für möglich gehaltenen Art und Weise, hat im blau-weißen Teil der Hauptstadt für ganz tiefes Durchatmen gesorgt. Damit hat Hertha nun aus den vergangenen drei Partien sechs Punkte geholt und mit dem Dreier gegen die Werkself auch endlich mal ein Spiel gegen ein Top-Team gewonnen. Dass es in der Mannschaft zu stimmen scheint, konnte auch schon in den Spielen davor konstatiert werden. Allein helfen in dieser so schwierigen Phase nun mal nur Punkte. Während Union also weitestgehend befreit in die Partie gehen kann, liegt der Druck ganz klar aufseiten von Hertha. Für gewöhnlich ist das nicht gerade die Stärke der Alten Dame.

Doch gegen Augsburg und Leverkusen hat das Team gezeigt, dass man ihm mit dieser Einschätzung vielleicht unrecht tut. Mit der Rückkehr von Sami Khedira und Dedryck Boyata sind in jedem Fall zwei enorm wichtige Spieler, nicht nur für den Platz, sondern auch für die Kabine, wieder fit. Gleichwohl es insbesondere bei Kapitän Boyata am Sonntag noch nicht für die Startelf reichen dürfte, sind das allemal gute Nachrichten, die Hertha im Abstiegskampf dringend gebrauchen kann.

Quelle Titelbild: Imago Images via Getty Images

Hertha BSC – Bayer 04 Leverkusen: Punkte gegen die Abstiegsangst

Hertha BSC – Bayer 04 Leverkusen: Punkte gegen die Abstiegsangst

Am Sonntag muss Hertha BSC gegen Bayer 04 Leverkusen antreten. Nach Borussia Dortmund hat Pal Dardais Mannschaft also den nächsten großen Gegner vor der Brust. Die Ausgangslage dürfte jedem klar sein. Hertha ist in der „roten Zone“ angekommen und benötigt dringend Punkte, um einen drohenden Abstieg zu verhindern. Leverkusen ist allerdings der letzte hochfavorisierte Gegner, auf den die „alte Dame“ trifft, bevor es nach der Länderspielpause in eine alles entscheidende Phase geht. Beginnend mit dem Derby gegen Union Berlin am 4. April wird sich dann im nächsten Monat die Abstiegsfrage endgültig klären. Um mit einer besseren Ausgangslage in diesen „Schlusssprint“ zu gehen, werden die Blau-Weißen Zuhause gegen Leverkusen punkten müssen.

Doch wie stehen Herthas Chancen am Sonntag überhaupt? Wie ist die Ausgangslage bei den Gästen und welche Spieler werden im Mittelpunkt stehen? Diese Fragen versuchen wir zu klären. Dabei war uns Bastian eine große Hilfe, um Bayer 04 Leverkusen besser einschätzen zu können.

Aus im DFB-Pokal und in der Europa League – Bosz unter Druck

Den Anfang machen wir gleich mit unserem Gegner. Die Mannschaft aus dem Rheinland erlebte eine teilweise herausragende Hinrunde und war sogar zwischenzeitlich Tabellenführer. Die Rückrunde allerdings gestaltet sich bisher deutlich komplizierter. Nach dem Aus im DFB-Pokal und in der Europa-League ist die „Werkself“ in der Bundesliga mittlerweile auf den sechsten Platz zurückgefallen. Dazu musste die Mannschaft von Cheftrainer Peter Bosz vergangenes Wochenende eine überraschende Niederlage gegen Arminia Bielefeld einstecken.

Foto: IMAGO

Wir wollten von Bastian wissen, wie zufrieden man in Leverkusen eigentlich mit der aktuellen Lage ist. „Überhaupt nicht zufrieden. Auch wenn das eigentliche Saisonziel, nämlich die Champions League zu erreichen, noch möglich ist, hat man durch das vermeidbare Ausscheiden in DFB-Pokal und Europa League jede Chance auf einen Titel frühzeitig verspielt. Zudem zeigt die Formkurve aktuell deutlich nach unten.“

Die obligatorische Frage nach dem Trainer beantwortet uns Bastian wie folgt: „Einerseits ist Peter Bosz durch seine sympathische Art und bisher durchaus erfolgreiche Arbeit sehr beliebt, andererseits sind diese Formschwankungen unter seiner Führung nicht neu. Ich denke, bei dieser Personalie scheiden sich die Geister.“

Sieg gegen Gladbach keine Befreiung – Führungsspieler verletzt

Sollten die Ergebnisse nicht besser werden, scheint es für Peter Bosz in Leverkusen eng zu werden: „Aktuell ist es jedenfalls schwer vorstellbar, dass Bosz in der nächsten Saison noch Trainer in Leverkusen ist. Aber im Fußball kann sich das Blatt auch sehr schnell wieder wenden“, sagt unser Experte dazu.

Dabei hätte sich das Blatt auch schon nach dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach vor zwei Wochen wenden können. Doch besonders aussagekräftig war dieser Erfolg dann doch nicht: „Der Sieg gegen Mönchengladbach hat da wohl etwas getäuscht. Auf dem Papier war das ein Big Point, in Realität gewinnt aktuell so ziemlich jede Mannschaft gegen Gladbach. Niederlagen gegen Freiburg und Bielefeld sprechen dagegen eine deutlichere Sprache“, meint Bastian.

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Verletzungssorgen plagen den Verein aus dem Rheinland ebenfalls. Darunter habe Bayer 04 weniger an Qualität verloren, sondern eher an Führungsspielern: „Mit Lars und Sven Bender, Lukas Hradecky und Julian Baumgartlinger fallen gleich vier erfahrene Anführer aus. Der von Bosz ernannte Kapitän Charles Aranguiz ist zwar seit einiger Zeit wieder dabei, hat aber mehr mit sich selbst und seiner Form zu tun. Gerade in der Offensive, wo es derzeit noch am meisten hapert, fehlt zudem gar keiner.“

Große Dominanz und Spielstärke – Schwächen beim Torabschluss

Doch bei all den Problemen in Leverkusen bleibt Bayer 04 eine sehr starke Mannschaft mit großen Qualitäten. „Wenn man das Leverkusener Spiel mit dem der sehr erfolgreichen Hinrunde vergleicht, fallen einem gar keine großen Unterschiede auf“, sagt unser Experte. „Bayer hat immer deutlich mehr Ballbesitz als der Gegner und in der Regel auch mehr und bessere Torchancen. Während zu Saisonbeginn aber noch aus einer halben Chance ein Tor erzielt wurde, reichen jetzt drei, vier Gelegenheiten nicht mehr aus, um den Ball ins Netz zu befördern. Es scheint also vor allem eine Kopfsache zu sein, eine Frage des Selbstvertrauens.“

Bastian sieht auch andere Gründe für Leverkusens momentaner Formschwäche: „Dazu wird immer deutlicher, dass der Ballbesitzfußball und die Transferpolitik, vor allem schnelle Spieler zu verpflichten, nicht besonders gut zusammenpassen. Mit etwas mehr Konterfußball sähe das womöglich anders aus.“ Keine große Hilfe wird dabei Mitchell Weiser sein. Der Ex-Herthaner hat sich auch im dritten Jahr am Rhein nicht durchgesetzt.

Wir haben Bastian dazu befragt: „Ganz schwieriges Thema. Er belegt bei Bayer den letzten Kaderplatz (wenn überhaupt) und wenn es einen Abnehmer gegeben hätte, wäre er wohl schon längst nicht mehr da. Er wurde für nicht gerade wenig Geld als Rechtsverteidiger geholt und hat recht schnell gezeigt, dass er diese Position auf diesem Niveau nicht spielen kann. Ich hätte ihn gerne in einer offensiveren Rolle gesehen, aber da war die Konkurrenz bisher groß und Bosz hatte nicht diesen Plan. Nach knapp drei Jahren in Leverkusen muss man sagen, dass dieser Transfer nicht aufgegangen ist.“

Die Rückkehr des Cunhas – Herthas Hoffnungsträger wieder fit

Was tippt also unser Experte zum Schluss für das Sonntagspiel? „Das ist unheimlich schwierig. Ich gehe eigentlich davon aus, dass irgendwann der Knoten platzt und mal wieder etwas mehr Effizienz im Torabschluss einkehrt. Dann müsste ein angeschlagener Gegner wie Hertha eigentlich locker bezwungen werden. Viel hängt auch davon ab, wie Hertha auftritt. Gegen sehr defensiv eingestellte Mannschaften tut sich Bayer traditionell schwer und ist bei Kontern anfällig. Deshalb hoffe ich, dass Hertha einer Heimmannschaft entsprechend offensiv auftritt.“

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Sehr wahrscheinlich scheint dies nicht zu sein. Pal Dardai brachte zuletzt vor allem defensive Stabilität zurück. Volle Offensive wird Hertha am Sonntag auch trotz der brenzligen Lage wohl nicht gehen. Tatsächlich fordert Herthas Cheftrainer aber von seiner Mannschaft ein anderes Gesicht. Insbesondere in der Offensive solle man besser auftreten als gegen Borussia Dortmund.

„Wir haben dort bis 30 Meter vor dem gegnerischen Tor gut gespielt. Danach waren das Können, der Mut, der richtige Abschluss nicht da. In der Endzone muss man Mut haben. Da müssen wir uns umstellen“, so der Trainer. Er erwarte „ein gutes, leidenschaftliches Spiel“ seiner Mannschaft. Ein wichtiger Faktor für ein besseres Offensivspiel bei Hertha wird zweifellos ein Spieler sein, der diese Woche endlich wieder im Mannschaftstraining zu sehen war. Matheus Cunha ist wieder fit und wird Pal Dardai für die Partie definitiv zur Verfügung stehen.

Dass sofort viel Verantwortung auf seinen Schultern liegen wird, ist wohl unvermeidbar. Trotzdem blieb Sportdirektor Arne Friedrich in der Pressekonferenz am Freitag optimistisch: „Er wird unser Unterschiedsspieler sein. Aber wir haben elf Spieler auf dem Platz, es wird sich nicht alles auf ihn fokussieren. Diese Leichtigkeit wollen wir ihm geben.“ Auch Herthas Defensive, die zuletzt viel gelobt wurde, wird wieder eine große Aufgabe vor der Brust haben. Für das zentrale Mittelfeld sind die gegen Dortmund ausgefallenen Matteo Guendouzi und Santiago Ascacibar wieder mit dabei. Eduard Löwen fehlt weiterhin, wie auch Sami Khedira und Dedryck Boyata. Vladimir Darida fehlt wegen seiner Rotsperre.

Hertha BSC gegen Bayer 04 Leverkusen – Verzweifelte Punktejagd im Endspurt

Jetzt steht Hertha BSC also wie lange nicht mehr mit dem Rücken zur Wand. Die entscheidenden Wochen im Abstiegskampf im April will man nicht auf einen direkten Abstiegsplatz beginnen. Der Druck wird von Woche zu Woche größer, die Konkurrenz zeigt sich nicht abgeschlagen. Was Hertha Mut machen könnte: Arminia Bielefeld könnte man mit einem Punkt gegen Leverkusen am Sonntag wieder überholen.

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Durch die 0:1-Niederlage der Ostwestfalen gegen RB Leipzig am Freitagabend und die schlechtere Tordifferenz (-25 für Bielefeld, -17 für Hertha) reicht der „alten Dame“ schon ein Punkt, um wieder die Nase vorn zu haben. Eines scheint sicher zu sein: jeder Punkt wird zählen, wohl bis zum letzten Spieltag. Hertha kann das Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen nicht mehr als „Bonusspiel“ betrachten. Auch gegen den Favoriten müssen Punkte her, am besten dreifach. Wie stark der Gegner ist, kann als Ausrede nicht mehr weiter gelten.

Die Blau-Weißen können sich als Beispiel ihr letztes Heimspiel gegen die „Werkself“ nehmen. Damals konnten sie mit 2:0 das Spiel für sich entscheiden (Torschützen damals Matheus Cunha und Dodi Lukebakio). Doch das Spiel am Sonntag wird wieder eine andere Geschichte sein. Eine gute Halbzeit wie beim Sieg gegen den FC Augsburg wird nicht ausreichen. Hertha BSC wird zwei gute Halbzeiten benötigen. Zwei richtig gute Halbzeiten. Dann ist vielleicht auch die Abstiegsangst, die bei allen Hertha-Fans stark zu spüren ist, vielleicht für ein paar Stunden wieder weg.

[Titelbild: IMAGO]

Borussia Dortmund – Hertha BSC: Der nächste Brocken nach dem Pflichtsieg

Borussia Dortmund – Hertha BSC: Der nächste Brocken nach dem Pflichtsieg

Schon erstaunlich, welche Auswirkungen so ein einfacher Sieg doch haben kann. Plötzlich scheint die Sonne viel heller, das Zwitschern der Vögel hört sich noch schöner an und am Montag war sogar Feiertag! Gut, letzteres hatte jetzt nicht unmittelbar mit dem Sieg von Hertha zu tun, aber sei’s drum. Fakt ist, dass nach dem Abpfiff am Samstagnachmittag quasi durch ganz Berlin ein kollektives Aufatmen zu hören War. Als die Mannschaft gefordert war, Charakter zu zeigen, hat sie ohne Wenn und Aber geliefert und konnte sich wieder etwas in Schlagdistanz zu den weniger bedrohlichen Tabellenregionen bringen. Wie bitter nötig diese drei Punkte waren, wird nochmal deutlicher, wenn man auf die kommenden Wochen schaut. Dort warten Gegner, die Herthas Defensive mit hoher Wahrscheinlichkeit allesamt mehr fordern werden, als es beim FCA der Fall war. Den Auftakt macht am kommenden Spieltag der frisch für das Viertelfinale der Champions League qualifizierte BVB.

Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund haben wir mit Caroline, Redakteurin bei schwatzgelb.de gesprochen und sie unter anderem gefragt, wie sich der Spielstil des BVB seit Favres Abgang entwickelt hat.

Mit Terzic zurück auf Champions League-Kurs

Terzic und der BVB haben in den letzten Wochen wieder Grund zum Lachen (Imago Images via Getty Images)

Edin Terzic ist vielleicht das anschaulichste Beispiel dafür, wie schnell sich der Wind im Fußball doch binnen weniger Tage komplett drehen kann. Von „Dauerlösung“ bis „nicht gut genug“ war schon so ziemlich jede Schlagzeile in den vergangenen Wochen über den aktuellen Dortmunder Cheftrainer zu lesen. Aktuell spricht der Trend – trotz der jüngsten Niederlage in München – wieder für ihn. Unter seiner Regie ist der BVB sowohl im DFB-Pokal als auch in der Champions League in die nächste Runde eingezogen. Und auch in der Liga sind die Schwarz-Gelben nach zwischenzeitlicher Durststrecke mit drei Punkten Rückstand auf Platz Vier wieder auf Kurs Champions League-Qualifikation.

Daher wollten wir von Caroline wissen, was sich seit der Übernahme von Terzic auf dem Spielfeld geändert hat: „Die Spielidee von Lucien Favre war vielen schon länger ein Dorn im Auge. Es hieß: Immer geduldig bleiben, kein Tempo aufbauen, lieber noch 10 Mal hintenherum spielen, statt schnelle Konter zu fahren und den Gegner mit einem guten Umschaltspiel zu überrumpeln. Unter Terzic derweil „darf durchaus auch mal der schnellere Passweg nach vorne gesucht werden, anstatt zu warten, bis sich der Gegner in der Defensive wieder sortiert hat. Was auch im Spiel gegen Sevilla wieder deutlich wurde: Terzic ist an der Seitenlinie wesentlich aktiver als Favre. Er spricht seine Spieler direkt an, feuert sie an, motiviert sie, gibt gezielte Anweisungen, wer wie in einer bestimmten Situation zu handeln hat. Das ist sicherlich für die Spieler auch eine große Unterstützung.“

Ein entscheidendes Spiel – für beide Mannschaften

Der Ausfall von Sancho ist für den BVB kaum zu ersetzen (Maik Hölter/TEAM2sportphoto via Getty Images)

Doch so positiv der Trend unter Terzic auch ist – setzt sich dieser nicht bis zum Saisonende fort und lässt den BVB die Qualifikation für die Champions League verpassen, könnte das auch weitgreifende Auswirkungen für die darauffolgende Spielzeit haben. Schon im letzten Sommer rissen die Gerüchte um einen Abgang von Jadon Sancho nicht ab. Während Caroline beim Engländer ohnehin davon ausgeht, dass dieser unabhängig vom Ausgang der Saison im Sommer den Verein verlassen dürfte, sieht sie gerade in Bezug auf Haaland bei Erreichen von mindestens Platz Vier die Chance, ihn überzeugen zu können „noch ein Jahr in Schwarzgelb aufzulaufen.“

Dementsprechend steht also nicht nur für Hertha, die sich nach dem Sieg gegen Augsburg mit einem weiteren Punktgewinn Luft im Abstiegskampf verschaffen können, viel auf dem Spiel, gerade auch aus wirtschaftlicher Sicht, wie Caroline einordnet: „Der Druck, sich für die Champions League zu qualifizieren, lässt sich nicht von der Hand weisen. Finanziell dürfte das Saisonziel ohnehin fest eingeplant sein – schließlich kann es nicht der Anspruch von Borussia Dortmund sein, außerhalb der Top 4 zu landen. Zudem bleiben andere wichtige Einnahmequellen speziell rund um die Spieltage in Zeiten leerer Stadien während der Corona-Pandemie aus.

Umso bitterer ist es aus schwarz-gelber Sicht, dass bei der Mission Champions League Jadon Sancho verletzungsbedingt einige Wochen nicht zur Verfügung stehen wird: „Sein Ausfall wiegt auch deshalb so schwer, weil es an Alternativen mangelt. Hazard kommt gerade erst von einer langwierigen Verletzungspause zurück. Reyna fehlte zuletzt ebenfalls und hat zudem mit Formschwäche zu kämpfen. Von der Verpflichtung von Julian Brandt hat man sich in Dortmund definitiv mehr versprochen“, ergänzt Caroline. So geht der BVB also personell alles andere als sorgenlos ins Abendspiel am Samstag. Auf blau-weißer Seite sieht die Personallage indes allerdings auch nicht wesentlich erfreulicher aus.

Hertha weiter ohne Cunha – aber mit Dilrosun?

Während beim BVB mit Jadon Sancho der neben Haaland wohl aktuell wichtigste Spieler im Kader ausfällt, plagt sich Hertha mit der Verletzung Matheus Cunhas mit derselben Sorge herum. Der Brasilianer, der bei der 2:5-Niederlage im Hinspiel noch beide Treffer erzielte, wird auch am Samstag noch nicht zur Verfügung stehen können, ebenso wenig wie Sami Khedira und der langzeitverletzte Dedryck Boyata. Neuzugang Radonjic hat derweil seine Leistenprobleme auskuriert und konnte unter der Woche wieder voll beim Training mitwirken. Eine Option für den Kader könnte auch der sehnsüchtig erwartete Javairo Dilrosun sein. Der Niederländer war schon Anfang letzter Woche wieder ins Teamtraining eingestiegen und könnte nun, mit einer zusätzlichen Woche Vorbereitung, wieder eine Option für Pal Dardai sein. Angesichts der Personalsorgen, insbesondere in der Offensive, könnte man diese Rückkehr kaum hoch genug einschätzen.

Titelbild: nordphotox xEngler nph00076 via Getty Images

Hertha BSC – FC Augsburg: Das erste Endspiel

Hertha BSC – FC Augsburg: Das erste Endspiel

Viel Aufwand, kein Ertrag. So lassen sich inzwischen alle Auftritte Herthas der letzten Wochen zusammenfassen. Auch gegen den VfL Wolfsburg, das defensivstärkste Team der Liga, gelang es Hertha ein ums andere Mal, gefährlich nach vorn zu kombinieren. In einer gerechten Welt hätte es zudem im Laufe der ersten Spielhälfte Elfmeter für ein Foul an Matheus Cunha geben müssen – aber das Leben ist nun mal kein Konjunktiv und schon gar nicht gerecht. Und so befindet sich die „Alte Dame“ weiterhin mittendrin im Schlamassel. Zuletzt konnte sich die geschundene Fanseele zumindest damit trösten, dass Gegner der Größenordnung Wolfsburg, Bayern, Frankfurt etc. nun mal nicht die Kragenweite Herthas sind und die Siege woanders geholt werden müssen. Dieses „Woanders“ ist Augsburg. Am Samstagnachmittag wird sich also entscheiden, wie sehr das Team von Pal Dardai Abstiegskampf kann. Alles andere als drei Zähler, zumal mit Leverkusen und Dortmund als nachfolgende Gegner vor der Brust, könnte dem Hauch von Aufbruchstimmung seit Pal Dardais Rückkehr ein jähes Ende bereiten.

Für unseren aktuellen Vorbericht haben wir Augsburg-Experte Andreas befragt, der uns unter anderem Einblicke in die Spielweise des FCA gibt.

Viel Ernüchterung nach kurzer Euphorie

Gikiewicz und Caligiuri waren Augsburgs Königstransfers im Sommer (Quelle: xkolbert-press/UlrichxGamelx via Getty Images)

Viele staunten nicht schlecht, als der FCA im Sommer auf einen Schlag die Verpflichtungen von Tobias Strobl, Rafal Gikiewicz und Daniel Caliguiri bekanntgab. Besonders die beiden Letztgenannten ließen gehörig aufhorchen und angesichts der sportlichen Lage des Ex-Vereins von Caliguiri wird sich die eine oder andere sicher fragen, wie sinnvoll es war, den Leistungsträger ziehen zu lassen.

Des einen Leid, des anderen Freud, denn beim FCA fügten sich beide sofort nahtlos ein und gelten seither für Andreas „sportlich und in der Mannschaft als absolute Gerüst-Spieler.“ Und so sah es zu Saisonbeginn gar so aus, als könnten die Neuzugänge den FCA zu neuen Höhen verhelfen. Nach Siegen gegen Union und den BVB standen für die Fuggerstädter nach zwei Spielen sechs Punkte zu Buche. Die Anfangseuphorie sollte jedoch schnell der etwas graueren Realität weichen. Zwar konnte sich Augsburg mit dem Sieg gegen Mainz am vergangenen Wochenende vorerst der gröbsten Abstiegssorgen entledigen und steht mit acht Punkten vor Hertha vergleichsweise gesichert dar. Aus neutraler und wohl auch aus Fansicht schwer zu ertragen, ist aber die Art und Weise, wie sich das Team von Heiko Herrlich diesen Vorsprung erarbeitet hat.

Herrlichs uneingelöstes Versprechen

Der Fußball, den Heiko Herrlich spielen lässt, wird dem Namen des FCA-Trainers aktuell nicht gerecht. (Quelle: Poolfoto Peter Schatz / Pool via Getty Images)

Denn Liebhaber der Fußballästhetik stehen bei Betrachtung der Spiele des FCA nicht gerade in Verdacht, ins Schwärmen zu geraten. So steht man immerhin defensiv stabil und hat mit 35 Gegentoren eine der besseren Hinterreihen der Liga. Im Spiel nach vorn sind die Partien allerdings alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. So sagt Andreas, dass man auch im Spiel gegen Mainz „mit Ballbesitz weiterhin wenig anfangen“ konnte. All das mutet insofern etwas merkwürdig an, als dass Herrlich „mit dem Grundtenor antrat, dass seine Mannschaften etwas mit dem Ball anzufangen wissen. Diesen Beweis ist er in Augsburg nachhaltig noch schuldig geblieben. Bei allem Pragmatismus muss da mehr kommen, um an eine Märchenzukunft glauben zu können.“, so Andreas angesprochen auf die Frage, inwiefern Heiko Herrlich auch der Trainer für die nächsten Jahre sein soll, wie es Stefan Reuter, Geschäftsführer des FCA, jüngst bekräftigte.

Die mangelhafte Kreativität im Spiel nach vorn scheint aber zumindest nicht unbemerkt geblieben zu sein. So verstärkten sich die Schwaben im Winter mit Lászlo Bénes, den man von Borussia Möchengladbach auslieh und der dem Mittelfeld mehr „spielerische Elemente“, wie Andreas es sagt, verleihen soll. Der FCA-Experte ordnet aber gleichzeitig ein, dass die „Eingewöhnung aber noch andauere“.

Hertha muss eine harte (Zirbel-)Nuss knacken

Im Hinblick darauf, dass Pal Dardai vor allem im Umschaltspiel Herthas Stärke sieht, ist Augsburg nicht gerade der Gegner, der dieser Spielweise entgegenkommt. Allzu viele gegnerische Angriffe, aus denen Hertha seinerseits Konterversuche starten kann, wird Herrlichs Mannschaft kaum fahren. Hertha muss es also gelingen, gegen eine tiefstehende Mannschaft Chancen zu kreieren. Wie gerufen kommt da die Nachricht aus dem Lazarett, dass Javairo Dilrosun wieder fit ist und ebenso wie Marvin Plattenhardt und Jordan Torunarigha am Samstagnachmittag im Aufgebot stehen könnte. Ein Comeback Dilrosuns wäre doppelt wichtig, da in Cunha, Randonjic und Leckie drei Offensivkräfte angeschlagen nicht zur Verfügung stehen werden. Selbiges gilt auch für Sami Khedira.  

Um den Ausfällen im Angriff beizukommen, wird es, wie Dardai bereits bestätigte, zu einer Doppelspitze aus Cordoba und Piatek kommen. Diesen Ansatz wählte der Ungar bereits in der zweiten Halbzeit gegen Wolfsburg, als er nach Cunhas Herausnahme umstellen musste. Auch wenn die „Alte Dame“ im zweiten Abschnitt weiterhin torlos blieb, so machten die Ansätze dennoch Lust auf mehr. Nur werden allein Ansätze nicht reichen, um die Klasse zu halten. Der Druck liegt ganz klar aufseiten der Hausherren.

Quelle Titelbild: Poolfoto WITTERS via Getty Images

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Im Duell bei den Unüberwindbaren

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Im Duell bei den Unüberwindbaren

Die Luft am Tabellenende wird zunehmend dünner. Durch den Sieg von Mainz 05 in Mönchengladnach am vergangenen Samstag trennt Hertha nur noch ein mickriger Zähler vom direkten Abstiegsplatz. Die punktgleichen Arminen haben zudem noch das Nachholspiel gegen Bremen in der Hinterhand, durch das sie demnach im schlimmsten Fall auf drei Punkte davonziehen können. Für Hertha, die nunmehr seit acht Spielen sieglos sind, wird es allerhöchste Zeit, dieser Serie ein Ende zu setzen. Doch der Spielplan meint es bei dieser Mission gerade alles andere als gut mit der „Alten Dame“. Nach Leipzig bekommt es die Mannschaft von Pal Dardai am Samstag mit dem hinter Frankfurt formstärksten Team der Liga zu tun – dem VfL Wolfsburg.

Um einen Einblick in die Situation beim VfL zu bekommen, haben wir mit Wolfsburg-Experte Dennis gesprochen, der uns unter anderem erzählt, was der große Trumpf der Wolfsburger in dieser Saison ist.

Die Null muss stehen

Neuzugang Lacroix hat großen Anteil an Wolfsburgs stabiler Defensive. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Bei der Suche nach Gründen, wieso es aktuell angenehmere Gegner als den VfL gibt, muss man nicht allzu tief graben. Kein einziges Mal musste Koen Casteels in den zurückliegenden sechs Partien hinter sich greifen. Was Wolfsburg aktuell so stark macht und auf Platz Drei in der Tabelle rangieren lässt, liegt also auf der Hand. Lediglich Leipzig kann mit einem Gegentor weniger eine noch stabilere Defensive aufweisen.

Für Dennis hängt dieser Umstand auch ganz stark mit einem ehemaligen Herthaner zusammen: „Das sind mehrere Faktoren, die da reinspielen. Einerseits die große Eingespieltheit – wir spielen seit einigen Spielen mehr oder weniger durchgängig mit derselben Startaufstellung, was sich ja gegen die Hertha jetzt erstmals wieder ändern wird. Jay Brooks, der wirklich eine beeindruckende Entwicklung gemacht hat, ist leider gelbgesperrt.

Anderseits ist es die Einsatzbereitschaft der ganzen Mannschaft. Man ist in den Bereichen der Lauf- und Sprintbereitschaft ligaweit vorne mit dabei, alle wissen genau, wo sie hinlaufen müssen, die Mechanismen innerhalb der Mannschaft funktionieren blind, Schlager und Arnold im Verbund mit der Innenverteidigung machen das Zentrum sehr, sehr gut dicht. Die Außenspieler in beiden Reihen sind zweikampfstark, einsatzfreudig und auch da funktioniert die Abstimmung richtig, richtig gut.“

Auch Neuzugang Lacroix, den man im Sommer für mittlerweile läppisch wirkende 5 Millionen Euro aus der zweiten französischen Liga geholt hat, spielt dabei eine wichtige Rolle und sei “brutal eingeschlagen“, wie Dennis sagt. Der Franzose drängte sich von Beginn an auf und stand bislang in 19 von 22 Ligaspielen in der Startelf.

Nur Wout Weghorst ist unverzichtbar

Die Ausgewogenheit des Kaders ist Wolfsburgs großer Trumpf. (Photo by Friedemann Vogel – Pool via Getty Images)

Doch auch fernab der Defensivabteilung fällt es aktuell schwer, eine Schwäche im von Jürg Schmadtke zusammengestellten Kader ausfindig zu machen. Zwar gab es im November letzten Jahres Dissonanzen zwischen dem Geschäftsführer Sport Jörg Schmadtke und Oliver Glasner, da Letzterer öffentlich seinen Unmut bekundete, keinen weiteren, temporeichen Außenspieler bekommen zu haben. So musste Oliver Glasner improvisieren und den eigentlich für die eine Position weiter hinten vorgesehenen Baku auf die rechte Offensivseite beordern. Dieser macht seine Sache seitdem zwar äußerst überzeugend. Dennoch sagt Dennis: „[…] ich finde nach wie vor, dass [Glasner] da nicht unrecht hat. Klar, letzte Woche hat Renato Steffen zwei wichtige Tore gemacht, auch Ridle Baku hat schon 4 Saisontreffer, so dass das gut abgefangen wird, aber es würde wirklich nicht schaden, diesen Wunsch umzusetzen. Ich gehe auch davon aus, dass dieser Wunsch des Trainers im Sommer sicher bedacht wird.“

Aber selbst für diese nach VfL-Maßstab unzureichend besetzte Position haben die „Wölfe“ mit „Brekalo, Victor, Philipp und Mehmedi starke Alternativen“. Optionen, von denen Hertha auf der Außenposition nur träumen könnte. Auch in den weiteren Mannschaftsteilen ist es den Verantwortlichen beeindruckend gelungen, sowohl in der Spitze als auch in der Breite Qualität zu holen: „Auf den Aussen hinten spielen momentan Mbabu und Otavio, die das wirklich gut machen“  

Auch im zentralen Mittelfeld muss sich Wolfsburg nicht vor allzu vielen Vereinen in der Bundesliga verstecken: „Spieler wie Arnold und Schlager (endlich, endlich komplett fit, nach dem Knöchelbruch in der letzten Saison) sind sicher nicht zu ersetzen – aber mit Gerhardt und dem Kapitän Guilavogui stehen hervorragende Ersatzspieler parat.“ Einzig das Sturmzentrum, in dem man mit Wout Weghorst an der Spitze der Nahrungskette einen der treffsichersten Spieler der Liga hat, würde bei einem Ausfall des Niederländers wohl Bauchschmerzen bereiten: „Hier ist der Qualitätsverlust sicher am höchsten“, ordnet Dennis ein.

Kein Spiel für Ballbesitzfanatiker

Doch trotz dieser Ausgewogenheit im Kader zeigt ein Blick auf die erzielten Tore, dass der Ruf von Glasner nach weiteren Verstärkungen durchaus seine Berechtigung hat. Hinter Wout Weghorst, der auf starke 14 Treffer in dieser Spielzeit kommt, ist Renato Steffen mit fünf Toren bereits der zweitgefährlichste Akteur im Kader. Gerade, wenn der VfL das Spiel machen muss, fiel es in der letzten Spielzeit oft schwer, sich Chancen herauszuspielen. Laut Dennis hat sich das Team in dieser Hinsicht weiterentwickelt: „Deutlich ist, dass die Mannschaft durch den hohen Einsatz und das Pressing auch gegen tiefstehende Gegner, Chancen kreieren kann. Das war letzte Saison noch ein klares Problem, das ist wesentlich besser geworden.“

Gleichzeitig bemerkt er aber auch, dass in der Offensive noch Luft nach oben besteht: „Es sind aber trotzdem nur 35 Tore – nicht die Welt für eine Mannschaft, die in den Europapokal will. Die Abläufe und Mechanismen werden besser, die Ruhe und das Bewusstsein, dass die Abwehr aktuell dicht hält, machen es aber leichter und gegen Bielefeld beispielsweise wurden ja auch wirklich schöne Tore erzielt. Es ist noch reichlich Potential da, aber die Mannschaft arbeitet daran.“

Da Hertha auf der anderen Seite sein Heil unter Pal Dardai in erster Linie im Umschaltspiel sucht, ist keine Partie mit langen Ballbesitzphasen zu erwarten. Aus blau-weißer Sicht wird es vor allem darauf angekommen, sich aus dem hohen Pressing der Wolfsburger zu befreien. Wie man das nicht macht, zeigten Guendouzi und Co. am letzten Sonntag schon sehr eindrucksvoll gegen Leipzig. An genügend Videomaterial dürfte es Pal Dardai also nicht mangeln.

Herthas Hoffen auf den „Krieger“

Nach dem zwar engagierten, aber letztlich einmal wieder punktlosen Auftritt gegen Leipzig, ruht die Last der Hoffnungen im blau-weißen Lager vor allem auf dem nach Muskelfaserriss wiedergenesenen Jhon Cordoba. Angesprochen auf den „Krieger“, wie ihn Pal Dardai in der jüngsten Pressekonferenz nannte, kam der Ungar aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Ob es aber für einen Startelfeinsatz reicht, ließ Dardai noch offen. Wieviel zusätzlichen Schub Jhon Cordoba dem Team geben kann, war eindrucksvoll am 14. Spieltag gegen Schalke zu beobachten, als der Angreifer, ebenfalls nach Verletzungspause, in die Startelf zurückkehrte und prompt seinen Treffer zum 3:0-Sieg beisteuerte. Dies war im Übrigen gleichzeitig der letzte Sieg der „Alten Dame“. Wenn das kein gutes Omen ist.

Quelle Titelbild: Photo by Odd Andersen – AFP via Getty Images