Vorschau: 1. FC Köln – Hertha BSC: Hauptsache kein 0:0

Vorschau: 1. FC Köln – Hertha BSC: Hauptsache kein 0:0

Der großen Erleichterung nach dem Heimsieg gegen den FC Schalke 04 folgte die herbe Enttäuschung auf der Bielefelder Alm. Anstatt mit einer Siegesserie beginnt das Jahr 2021 also für Hertha BSC erneut mit großen Schwierigkeiten. Am Samstag ist die Elf von Bruno Labbadia beim 1.FC Köln zu Gast, wo sich zwei Teams in chaotischen Lagen treffen. Beim abstiegsgefährdeten „Effzeh“ wird wie schon gegen Arminia Bielefeld ein Sieg der „alten Dame“ erwartet, doch Optimismus macht sich angesichts der Form und der personellen Ausfälle in Berlin nicht wirklich breit.

Wir werfen einen Blick auf die Ausgangslage beider Clubs. Dabei werden wir wieder von Thomas Reinscheid, Chefredakteur von effzeh.com unterstützt, der seine Expertise über den 1. FC Köln mit uns teilt.

Große Abstiegssorgen in Köln, Debakel in Freiburg

Das Jahr 2021 fängt für den 1. FC Köln alles andere als gut an. Erst die 0:1 Heimspielniederlage gegen den FC Augsburg, dann ein 0:5 in Freiburg. Den letzten Bundesligasieg holten die Kölner Mitte Dezember, beim knappen 1:0 beim FSV Mainz 05. Dort erzielten sie auch ihren letzten Bundesligatreffer. So richtig läuft es also nicht, und die Sorgen am Geißbockheim werden größer.

Foto: IMAGO

Wir haben unseren Experten gefragt, wie groß denn die Abstiegssorgen beim „Effzeh“ nun wirklich sind: „Groß. Sehr groß. Was aber weniger an der aktuellen Tabellensituation liegt, sondern vielmehr an den unfassbar schwachen Auftritten, die sich durch die ganze Saison ziehen. Es ist auch nach 15 Saisonspielen noch nicht erkennbar, wie der FC Tore erzielen will.“ Der negative Höhepunkt kam bereits im zweiten Spiel in 2021, als der 1. FC Köln in Freiburg mit 0:5 unterging. „Ein gebrauchter Tag letztlich. Ohne die Leistung der Freiburger schmälern zu wollen: Alle fünf Tore hat sich der FC praktisch selber ins Tor gehauen, da war keinerlei Gegenwehr zu spüren“, sagt unser Experte.

Dabei sei auch die mangelnde Qualität in der Offensive ein Problem: „Die Mannschaft ist fußballerisch nicht gerade mit Leistungsträgern gesegnet, kommt im Offensivspiel kaum Bundesliga-tauglich daher. Irgendwann schlägt sich dies natürlich auch auf die Stabilität im Abwehrverbund durch, wenn jeder Ball postwendend zurückkommt. Zumal der FC selbst in den erfolgreichen Spielen Glück hatte, dass die Gegner nachlässig in der Chancenverwertung waren. Diesen Gefallen hat Freiburg dem Team nicht getan.“

Großes Vertrauen in die eigene Mannschaft hatten die Fans schon vor dem Freiburg-Spiel nicht mehr, und so hilft nur der Blick auf andere schwächelnde Clubs : „So ist eigentlich nur zu hoffen, dass es zwei, wenn nicht sogar drei dümmere in der Bundesliga gibt.“ Letztes Wochenende zeigte jedoch, dass die Konkurrenz im Abstiegskampf durchaus noch punkten kann. So brauchen die Kölner dringend eigene Punkte, auch für Trainer Markus Gisdol.

Gisdol unter Druck, Zurückhaltung bei der Clubführung

Kölns Chefcoach steht nämlich stark in der Kritik, der Rückhalt der Mannschaft wird schwächer: „Sollte es stimmen, dass die Mannschaft irritiert war, die Trainingsinhalte aus der Woche vor dem Freiburg-Spiel nicht in der Herangehensweise an die Partie wiederzufinden, dann kann der Rückhalt nicht mehr allzu groß sein.“ Kein Wunder also, dass nach einer so deutlichen Niederlage wie gegen Freiburg, in einer ohnehin brenzlichen Lage, der Trainer infrage gestellt wird.

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Doch ein Rauswurf scheint nicht so simpel zu sein, wie sich das viele Außenstehende vorstellen. Thomas erklärt: „Eigentlich, das muss deutlich gesagt werden, hätte dieses Debakel mit den anschließenden Äußerungen Gisdols Folgen haben müssen. Eigentlich müsste auch eine Niederlage gegen die Hertha Folgen haben. Wir reden aber immer noch über den 1. FC Köln. Und da das Schicksal des Sportchefs sehr eng mit dem des Trainers verknüpft ist, der Club aufgrund miserablem Wirtschaften arm wie eine Kirchenmaus ist, die Verantwortlichen im Vorstand eher auf Tauchstation gehen, dürfte zumindest in der Englischen Woche nichts passieren.“

Einigen Hertha-Fans sollte diese Beschreibung, bis auf die der wirtschaftlichen Lage, bekannt vorkommen. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen beiden Clubs, wo nicht nur der Trainer oder die Spieler für die sportliche Lage verantwortlich gemacht werden. Das sieht auch unser Köln-Experte: „die Gründe der Misere sind vermutlich die Gleichen. Bescheidene Kaderzusammenstellung, viel Geld für wenig Leistung und schwache Entscheidungsträger. (…) von außen betrachtet scheint mir das Team und dessen vermeintliche Leistungsfähigkeit von den Verantwortlichen ähnlich überschätzt zu sein wie am Geißbockheim.“

Bekannte Gesichter in der Kölner Startelf

Wie also will der 1. FC Köln im Heimspiel gegen Hertha BSC das Spiel angehen? Wie ist die taktische Organisation? „Das ist eins der Hauptprobleme derzeit: Der FC wechselt zwischen Vierer- und Fünferkette, zwischen einer Formation mit zwei „falschen Neunen“ und einer mit Stoßstürmer hin und her, ohne sich auch nur in einer dieser taktischen Marschrouten wirklich wohlzufühlen“, meint unser Experte.

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„Viel Wert wurde zumindest zuletzt auf die defensive Stabilität gelegt, was bis zum Freiburg-Spiel auch größtenteils funktionierte. Jedoch ging das massiv auf Kosten der Offensivbemühungen – so richtig gefunden hat der FC seine Identität in dieser Saison noch nicht.“ Wenig helfen konnten dabei zuletzt die Ex-Herthaner Ondrej Duda und Marius Wolf, die am Samstag zum ersten Mal gegen die „alte Dame“ spielen werden. Bei beiden sei noch ordentlich Luft nach oben, sagte uns Thomas.

Dabei tue ihm Ondrej Duda sogar ein wenig Leid: „denn er zeigt immer wieder in Ansätzen, welch feiner Fußballer er doch sein kann. Leider deckt sich dieser Eindruck nicht mit den Befunden bei seinen Mitspielern. Dieses „Hoch und weit“, das unter Gisdol einen Großteil des Spielaufbaus ausmacht, kommt ihm dabei wahrlich nicht entgegen. Er müht sich trotzdem nach Kräften und ist definitiv einer der Besseren in dieser Saison.“

„Das gilt auch für Marius Wolf, der auf der rechten Seite schon jede Position übernehmen musste.“, fügt er hinzu. „Als Rechtsverteidiger war das wenig überzeugend, nach vorne macht er aber ordentlich Druck und zeigt sich auffälliger als seine Pendants auf der anderen Seite.“ Thomas sieht im Hinblick auf das Samstagsspiel ohnehin weniger die Individualitäten im Mittelpunkt: „Es wird in meinen Augen weniger darauf ankommen, ob ein einzelner Spieler die Hoffnungen erfüllt, sondern ob es der Mannschaft gelingt, im Kollektiv stabiler zu agieren. Und vielleicht sogar anfangen, etwas auf den Rasen zu bringen, das annähernd an Fußball erinnert.“

Personelle Sorgen bei Labbadia – eine Chance für Luka Netz?

Dasselbe wird wohl auch für den Hauptstadtclub gelten. Schließlich wird man aufgrund von vielen Ausfällen gerade nicht auf alle Individualitäten zählen können. Neben den ohnehin verletzten Dedryck Boyata und Javairo Dilrosun sind auch Leistungsträger wie Matheus Cunha oder Vladimir Darida fraglich. „Das bedeutet für uns, noch enger zusammenzurücken”, meinte Bruno Labbadia in der Pressekonferenz vor der Partie.

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Auch Marvin Plattenhardt wird nicht zur Verfügung stehen, was allerdings dem jungen Luca Netz Hoffnungen machen dürfte, zum ersten Mal in der Startelf stehen zu dürfen. Da Maximilian Mittelstädt wohl als linker Verteidiger spielen muss, könnte Netz auf die linke offensive Außenbahn rutschen. „Wir haben keine Scheu davor“, meinte Herthas Chefcoach, „er macht einen guten Eindruck.“

Eine weitere Option wäre ein Einsatz von Jordan Torunarigha auf der linken Verteidigerposition. Der 23-Jährige stand bisher in 2021 keine Spielminute auf dem Platz. Als linker Innenverteidiger spielte stattdessen Neuzugang Omar Alderete, der jedoch gegen Arminia Bielefeld eine schwache Leistung zeigte. Ob als linker oder als Innenverteidiger: ein erster Einsatz von Torunarigha in 2021 scheint jedenfalls am Samstag wahrscheinlich.

Sollten sowohl Matheus Cunha als auch Vladimir Darida ausfallen, hätte Labbadia auf die zentral offensive Position keine Option mehr und wäre zum Systemwechsel gezwungen. Es wird also bis kurz vor der Partie ein großes Rätsel bleiben, wie die Startaufstellung von Hertha BSC tatsächlich im Rhein Energie Stadion aussehen wird.

Schützenfest oder 0:0?

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Während im Hintergrund auf Herthas Führungsebene einiges in Bewegung gesetzt wird, steht weiterhin die sportlich gefährliche Lage im Vordergrund. Wie bereits festgestellt, sieht es bei unseren Gegnern aus Köln ähnlich aus. Keine besonders guten Vorzeichen für attraktiven Fußball am Wochenende. Die beiden geschwächten Teams im Geisterspiel werden es nicht leicht haben, wieder ein Schützenfest abzuliefern. Dabei ging es vergangene Saison im Hin- und Rückspiel ordentlich rund: das Heimteam ließ sich jeweils vor eigenem Publikum abschießen, ganz zur Freude der Auswärtsfahrer.

Foto: IMAGO

Auch unser Köln-Experte erwartet dieses Mal nicht gerade ein hohes Ergebnis: „Das Duell wirkt tatsächlich wie der Krisengipfel des kommenden Wochenendes. Viel Erbauliches ist da in meinen Augen nicht zu erwarten. Dazu dürfte der Druck auf beiden Seiten die Beine und Köpfe zu schwer machen. Ich tendiere daher tatsächlich Richtung 0:0.“  Ein 0:0 wäre dabei eigentlich für beide Seiten kein gutes Ergebnis und würde weder etwas an der schwierigen Lage verändern noch handfeste Gründe für eine Trainer- oder Managerentlassung liefern.

Auf einen Spieler wird Hertha leider nicht aufbauen können, der in der Vergangenheit öfters in Köln die Punkte für die „alte Dame“ durch seine Tore sicherte. „Immerhin besteht diesmal nicht die Sorge, dass einen Vedad Ibisevic zum x-ten Mal abschießen wird“, stellt Thomas fest. Im Gegenzug wird Jhon Córdoba nicht mehr für Köln treffen können. Stattdessen könnte er der Spieler sein, der dafür sorgt, dass das Spiel doch nicht mit 0:0 endet.

*Titelbild: IMAGO

Vorschau: Arminia Bielefeld – Hertha BSC: Auf Mission Wiedergutmachung

Vorschau: Arminia Bielefeld – Hertha BSC: Auf Mission Wiedergutmachung

Neues Jahr, neues Glück. Im ersten Spiel in 2021 widerlegte Hertha all jene, die befürchteten, die „Alte Dame“ könnte zum wiederholten Male als Aufbaugegner für angeschlagene Teams in die Bresche springen. Stattdessen gelang es dem Team von Bruno Labbadia, nach überschaubarer Leistung in den ersten 25 Minuten im Anschluss daran etwas mehr als eine Stunde das Spiel gegen Schalke 04 zu dominieren und sich letzten Endes mit einem für den Gegner sogar noch schmeichelhaften 3:0 durchzusetzen. So wohltuend dieser Sieg für die nach den schwachen Spielen gegen Mainz und Freiburg geschundene Fanseele war, so sehr muss jedoch gefragt werden, wieviel dieser Sieg tatsächlich über die drei Punkte hinaus Wert ist. „War Hertha so gut oder Schalke so schlecht?“, wird nach derartigen Auftritten gern gefragt. Ob es sich nun tatsächlich um eine nachhaltige Leistungssteigerung handelt und es doch noch Grund für Optimismus in Bezug auf den Rest der Saison gibt, wird sich am Sonntagabend zeigen, wenn Hertha den Spieltag gegen Arminia Bielefeld beschließt.

Um einen detaillierten Einblick rund um den Aufsteiger zu bekommen, haben wir mit Arminia-Expertin Eva-Lotta Bohle, unter anderem bekannt aus „The 2. Bundesliga Podcast“, gesprochen und sie gefragt, wie sich ihre Mannschaft bisher im Oberhaus schlägt.

Mit langem Anlauf endlich wieder Bundesliga

Seit dieser Saison ist Bielefeld, nach 11 Jahren zweiter und dritter Liga, wieder Bundesligist. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Im Juni 2020 hatte die Leidenszeit endlich ein Ende: Nach elfjähriger Abwesenheit war Arminia Bielefeld die Rückkehr in die Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Trotz der starken Konkurrenz aus Stuttgart und Hambung, die als Aufsteiger gesetzt schienen, waren es die Bielefelder, die sich als Zweitligameister ab dem 15. Spieltag an die Tabellenspitze setzten und seither nicht mehr von dort zu verdrängen waren. Zehn Punkte Vorsprung auf Mitaufsteiger Stuttgart, die meisten erzielten und die wenigsten kassierten Treffer – an der Verdientheit dieses Aufstiegs kann es keinerlei Zweifel geben. Insbesondere dann nicht, wenn man berücksichtigt, wie viel Anlauf die Arminia und deren Anhänger für diesen Erfolg nehmen mussten.

Nachdem Bielefeld 2009 den Gang in die zweite Liga antreten musste, hielten sie es dort lediglich ein Jahr aus und verabschiedeten sich 2011 gar in die Drittklassigkeit. Zwar gelang im zweiten Anlauf die Rückkehr in Liga Zwei, doch nur ein Jahr später musste man auf die tragischst mögliche Weise erneut Vorlieb mit der dritten Liga nehmen. Ein Gegentreffer in der 122. Minute im Rückspiel der Relegation gegen Darmstadt verhinderte den Klassenerhalt. Doch auch davon ließ sich Bielefeld nicht beirren und konnte sich seit dem unmittelbaren Wiederaufstieg in der zweiten Liga etablieren.

Dass es nun, nach dieser schier endlosen Leidenszeit, gar für die Bundesliga gereicht hat, wird eng mit Trainer Uwe Neuhaus verknüpft, der seit Dezember 2018 als Cheftrainer agiert und seither mit offensivem, attraktivem Fußball der Arminia neues Leben eingehaucht hat. In der für ihn ersten Bundesliga-Saison steht er nun vor der Herausforderung, genau diesen Spielstil wieder anzupassen.

Mit Pragmatismus zum Klassenerhalt

Fabian Klos konnte aufgrund veränderter Rolle seine Torgefahr erst selten unter Beweis stellen. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Denn ebenjener dominante Fußball lässt sich nun in der ersten Liga nicht mehr umsetzen. Zu groß sind die Unterschiede in der individuellen Qualität zum Rest der Konkurrenten. Zum Vergleich: Der Marktwert des Kaders der Bielefelder liegt laut transfermarkt.de bei knapp 45 Millionen Euro, der von Mitaufsteiger VfB bei etwa 103 Millionen.

Dementsprechend geht es für das Team, wie für alle „klassischen“ Aufsteiger, in erster Instanz darum, in der Defensive möglichst kompakt zu stehen und das eigene Spiel mit dem Ball hinten anzustellen, wie es Eva beschreibt: „Zunächst ist der ruhige Spielaufbau, den Uwe Neuhaus bei Arminia etabliert hat, nicht mehr so ohne weiteres möglich: Gerade in Spielen gegen den VfL Wolfsburg oder, aktueller, gegen Borussia Mönchengladbach hat man gesehen, dass die zentralen Spieler für das Aufbauspiel (Innenverteidiger und Sechser), starke Probleme mit dem hohen Pressing der gegnerischen Spieler hatten. Auch das Passspiel zwischen Torhüter Stefan Ortega Moreno und den beiden Innenverteidigern (meistens Mike van der Hoorn und Amos Pieper) musste im Laufe dieser Saison immer weiter zurückgefahren werden, spätestens nach dem Missverständnis zwischen Pieper und Ortega gegen Leipzig. Daher werden doch vermehrt lange Bälle nach vorne gewählt als ursprünglich von Neuhaus vorgesehen.“

Auch personelle Probleme führen dazu, dass die in Liga Zwei so starke Offensive bislang (lediglich Schalke erzielte in der laufenden Saison weniger Tore) nur sehr selten zum Tragen kommt. Fabian Klos, der mit 21 Treffern und 10 Vorlagen maßgeblich für den Aufstieg im vergangenen Jahr verantwortlich war, hat aktuell „eher die Rolle als „Ballfestmacher“ dieser langen Bälle […]. Das Hauptproblem hierbei ist, das sich Klos‘ Sturmpartner Andreas Voglsammer erneut verletzt und Leihspieler Sergio Cordova bisher noch nicht vollständig als Goalgetter erwiesen hat. Daher fehlt ein Abnehmer dieser gewonnen Bälle im Sturm, die Klos logischerweise nicht auch noch einnehmen kann. Klos kann sich ebenfalls gegen die Verteidiger der Bundesliga nicht mehr so einfach durchsetzen, wie es in der 2. Liga noch der Fall war“, ordnet Eva ein.

Bielefeld holt die Pflichtsiege

Auf ihn muss Hertha besonders aufpassen: Bielefelds Flügelläufer Ritsu Doan. (Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Trotz der klaffenden Lücke hinsichtlich des Budgets im Vergleich zum Rest der Liga sind es beispielsweise zu Hertha lediglich sechs Punkte Unterschied. Der Hauptgrund liegt darin, dass die Arminia die sogenannten Sechs-Punkte-Spiele gewinnt. Alle drei bisherigen Saisonsiege wurden gegen Schalke, Mainz und Köln, die allesamt Tabellennachbarn sind, eingefahren.

Gegen den Rest der Liga sieht die Bilanz dagegen finster aus: „Das einzige Spiel gegen ein Topteam, wo man Bielefeld gewisse Chancen auf einen Punktgewinn hätte zutrauen können, war das Spiel gegen RB Leipzig. Das war eines der wenigen Spiele, wo man selbst von Anfang an gut ins Spiel reinkam und mit Doan sogar die erste Chance des Spiels hatte. Gegen Bayern, Leverkusen, Dortmund, Union Berlin und Gladbach, die für mich bisher die stärksten Gegner waren, fehlte vor allem der Zug zum Tor, gegen Union fehlte über 90 Minuten komplett die Zuordnung und der Zugriff“, sagt Eva. Gerade die „mangelnde Torgefahr“ werde den Bielefeldern in diesen Spielen zum Verhängnis, so Eva.

Als Lichtblick in Bezug auf die fehlende Durchschlagskraft im Offensivspiel darf Ritsu Doan bezeichnet werden: „Doan hat bisher 2 Tore und 2 Assists in 14 Spielen, außerdem bringt er gewisse Fähigkeiten mit, beispielsweise seine Dribblingstärke, die Bielefeld bis jetzt gefehlt haben. Einziger Nachteil ist bei ihm, dass man ihm manchmal sowohl sein Alter als auch seinen Status als Leihspieler anmerkt: In einigen Situationen fehlt Doan das Auge für seine Mitspieler beziehungsweise er ist zu egoistisch und sucht selbst den Abschluss. Überwiegen tun jedoch die Qualitäten, die er mitbringt, die ihm auch bereits zwei Nominierungen als Rookie of the Month eingebracht haben“, beschreibt Eva den Neuzugang aus Eindhoven. Ein anderer Leihspieler, in Berlin bestens bekannt, schlägt bislang jedoch nicht ein: Arne Maier ist in Bielefeld noch nicht angekommen.

Aus Berliner Sicht wird es also vor allem darauf ankommen, den spielfreudigen Japaner in den Griff zu bekommen und gegen eine kompakt verteidigende Defensive Ideen zu entwickeln.

Herthas Chance auf Wiedergutmachung

Für Hertha ist das Spiel auf der Alm vor allem eine Möglichkeit, das verkorkste Ende von 2020 und das insgesamt schwer zu ertragende letzte Kalenderjahr ein Stück weit ertragbarer zu machen. Der Auftritt gegen Schalke muss nun als Startpunkt für eine Serie dienen, will man in dieser Spielzeit noch etwas erreichen und nicht nur Schlimmeres verhindern. Mit Bielefeld, Köln, Hoffenheim und Bremen stehen nun vier Gegner auf dem Programm, die gemäß dem eigenen Selbstverständnis allesamt geschlagen werden können.

Dedryck Boyata und Javairo Dilrosun werden für diese Mission, wie auch schon in der vergangenen Woche, verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen. Vor diesem Hintergrund und auch, weil insbesondere Torunarigha-Vertreter Omar Alderete seine Sache gegen Schalke außerordentlich gut gemacht hat, sind zunächst keine Änderungen in der Startelf zu erwarten. Womöglich kehren aber Santiago Ascacibar und Eduard Löwen zurück in den Kader.

*Titelbild: Clemens Bilan – Pool/Getty Images

Vorschau: Hertha BSC – FC Schalke 04: Duell der Pessimisten

Vorschau: Hertha BSC – FC Schalke 04: Duell der Pessimisten

Endlich ist 2020 vorüber: sehr viel Gutes konnten Hertha Fans im vergangenen Jahr nicht erleben, zumindest in sportlicher Hinsicht. Doch der Gegner der „alten Dame“ am Samstagabend erlebte ein Jahr, das so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird. Der FC Schalke 04 beendete das Jahr mit einer Serie von 29 sieglosen Bundesligaspielen, nur vier Punkten aus den ersten 13 Spielen und eine hübsche rote Laterne. Wie groß die Sorgen in Gelsenkirchen sind, wie beide Mannschaften aktuell drauf sind und warum Hertha-Fans trotzdem noch vergeblich Ihren Optimismus für diese Partie suchen, wollen wir in unserem Vorbericht besprechen.

Dabei stand uns wieder Hassan Talib Haji (auf Twitter @hassanscorner) unterstützend zur Seite, der uns freundlicherweise seine Eindrücke aus dem Schalker Umfeld schilderte.

Horror-Serie und Trainerwechsel

Aus der Ferne betrachtet ist es weiterhin schwer vorstellbar, wie es zu dieser schwierigen Lage bei Schalke 04 kommen konnte. Wir wollten natürlich von unserem Experten wissen, ob er uns da weiterhelfen kann: „Aus der Ferne betrachtet ist das wirklich nicht ganz einfach. Ich glaube, dass es in der Mannschaft nicht ganz stimmt. Zudem macht Vorstand Jochen Schneider keinen souveränen Eindruck auf mich. Er vermittelt mir nicht das Gefühl, dass sich Schalke aus der schlechten Lage befreien kann.”

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Nur vier Punkte aus 13 Spielen, dazu nur acht erzielte Treffer und 36 (!) Gegentore: das ist zweifellos eine schreckliche Bilanz. So wirklich lässt sich das nicht erklären, Hassan drückt es wie folgt aus: „Jeder Gegner hat Schalke bisher vor große Probleme gestellt. Manche mehr, manche weniger. Es ist auf den Punkt gebracht halt so: Schalke kassiert zu viele Gegentore, schießt selbst kaum welche. So kann man dann auch nicht erfolgreich sein.“

Kein Wunder also, dass es noch vor Ende des Jahres zum Trainerwechsel kam. Christian Gross wurde schließlich Cheftrainer und wird am Samstagabend sein erstes Spiel mit seiner neuen Mannschaft bestreiten. Viel über den neuen Coach kann uns Hassan nicht sagen, doch eines ist für ihn klar: „Dass etwas passieren musste, war längst abzusehen. Ob der Trainerwechsel hin zu Gross sinnvoll war, zeigt sich ja noch. Notwendig war der Abgang von Baum aber auf jeden Fall.”

Klar ist: in Gelsenkirchen kann man sich kaum noch Punktverluste leisten. Erste Siege müssen geholt werden, um nicht bereits nach Abschluss der Hinrunde quasi schon abgestiegen zu sein. „Gross wird zunächst mal versuchen, die Verunsicherung aus den Köpfen der Spieler zu bekommen“, sagt Hassan und fügt hinzu: „Das wird vermutlich ein hartes Stück Arbeit.”

Mark Uth wieder da– Kolasinac noch nicht

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Auf wen der neue Trainer insbesondere setzen wird, ist noch unklar. Der zuletzt noch am Kopf verletzte Mark Uth wird wieder fit sein und in die Mannschaft zurückkehren. Unsicher dafür sind noch Salif Sané und Knappen-Kapitän Omar Mascarell. Fest steht, dass der Rückkehrer Sead Kolasinac noch nicht für die Partie am Samstagabend zur Verfügung stehen wird, da dessen Leihe erst am 04. Januar beginnt.

Auf die Frage, auf welche Spielelemente und auf welchen Spieler bei Schalke 04 Hertha ganz besonders Acht geben muss, antwortet Hassan: „Schalke ist leider oft nur phasenweise gut (…). Im Moment macht Schalke generell als Mannschaft keinen guten Eindruck. Da gibt es im Speziellen jetzt keinen, der besonders heraussticht.“ Immerhin konnte man sich im DFB-Pokal zuletzt gegen den SSV Ulm 1846 mit 3:1 durchsetzen. Dabei erzielte Benito Raman gleich zwei Treffer, ein Spieler der leider besonders gerne auch gegen Hertha BSC trifft (fünf Treffer in drei Aufeinandertreffen).

Personell wird man in der Hauptstadt jedenfalls auf Dedryck Boyata verzichten müssen. Der Kapitän wird in den nächsten Wochen aufgrund einer Fußverletzung ausfallen. Dazu ist Santiago Ascacibar noch nicht wieder einsatzbereit und eine Einwechslung von Mathew Leckie werden Hertha-Fans ebenfalls nicht erleben. Der Australier hat Probleme an der Bauchmuskulatur. Ansonsten sind alle Profis aktuell fit.

Same procedure as last year? Same procedure as every year.

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Während man sich in Gelsenkirchen existenzielle Sorgen macht und verzweifelt Punkte braucht, basieren die Berliner Ängste vor allem auf subjektiver Ebene. Für viele steht es nämlich schon geschrieben: der unbeliebte Gegner aus dem Ruhrpott kommt angeschlagen in die Hauptstadt, hat seit 29 Spielen nicht mehr gesiegt und jagt den Negativ-Rekord von Tasmania Berlin. Wie soll es da anders kommen, als das Hertha das Spiel verliert? So kennt man die „alte Dame“, als Aufbaugegner, als Mannschaft, die mit der Favoritenrolle nicht umgehen kann. „Same procedure as every year“, würde man fast schon aus „Dinner for one“ zitieren wollen. All diese Elemente sind jedoch weder objektiv noch irgendwie mit Fakten zu belegen.

Bruno Labbadia zumindest wollte in der Pressekonferenz vor der Partie von Pessimismus oder Ängsten nichts hören: „Erstens geh’ ich nie mit Furcht in ein Spiel, sondern mit Optimismus. Das sollte auch die Mannschaft machen. Und wenn einer die Serie fürchten muss, dann ist es der Klub, der die Serie hat. Wir machen uns weniger Gedanken darum, dass ein Rekord aufgestellt werden kann, da es ist nicht unserer ist.”

Warum sich Hertha trotzdem keine zu großen Hoffnungen machen sollte, erschließt sich aus der Beobachtung der letzten Partien. Tatsächlich zeigten Labbadias Spieler beim SC Freiburg im letzten Spiel des Jahres 2020 insbesondere in der ersten Halbzeit eine desolate Vorstellung. Grundlegende Elemente im Spiel funktionierten nicht, die Profs wirkten weder motiviert noch bereit, sich an taktische Vorgaben zu halten. Dazu traten sie erneut verstärkt als Individualisten auf, und nicht als geschlossene Einheit auf dem Platz.

Mal wieder zurück zu den “basics”

Ausreden gibt es nach dieser Partie also nicht. Das machte auch Bruno Labbadia nach dem Freiburg-Spiel klar, als er medial die Einstellung und taktische Disziplinlosigkeit seiner Mannschaft kritisierte. Zum ersten Mal gab es auch eine öffentliche Kritik des Chefcoachs an Matheus Cunha, der erneut enttäuschte. Während die Gerüchteküche im Berliner Umfeld wieder aufkocht, wird man sich am Schenkendorffplatz wieder um grundlegende Dinge kümmern müssen. Um die sogenannten fußballerischen „Basics“ und um die nötige Mannschaftseinstellung. Hertha-Fans werden sich zum Jahreswechsel jedenfalls wünschen, dass ihre Mannschaft diese Grundtugenden wieder auf dem Platz zeigen.

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Zum Jahreswechsel wünscht man sich schließlich einiges, bei Schalke 04 natürlich am allermeisten eine Rettung aus der schwierigen Lage. So geht es auch Hassan: „Selbstverständlich wünsche ich mir, dass der Klub da unten herauskommt und die Abstiegszone verlässt. Das wird ein harter und langer Weg.“ In Pandemie-Zeiten bleibt aber auch der Fußball nur eine Nebensache: „Persönlich hoffe ich natürlich, dass mein persönliches Umfeld und auch ich weiterhin gesund bleiben. Das wünsche ich euch natürlich auch.” Dem können wir uns an dieser Stelle nur anschließen.

Duell der Pessimisten

Das Duell am Samstagabend wird sicherlich kein Wunschkonzert und sonderlich optimistisch scheint wohl keines der Beiden Fanlager zu sein. Unser Experte ist da keine Ausnahme und tippt auf eine knappe Niederlage seiner Mannschaft. Nach Berlin fährt mit Gelsenkirchen ein angeschlagener Boxer, der kurz vor dem K.O. noch zum letzten großen Schlag ausholt. Dabei muss die „alte Dame“ darauf achten, diesen Schlag auszuweichen, um nicht selbst k.o. zu gehen. Hertha wird jede Kraft brauchen, um nicht wieder in alte Muster zu verfallen, und im Jahr 2021 endlich ein neues, besseres Gesicht zu zeigen. Aufbaugegner war man bereits in jüngerer Vergangenheit zu oft.

Egal welche Taktik Labbadia wählt, wie der Rasen aussieht, wie der Schiedsrichter pfeift oder was die Spieler gefrühstückt haben: im ersten Spiel des Jahres muss Hertha BSC siegen, um das Ruder umzudrehen. Ansonsten werden auch den geduldigsten Anhänger die Argumente ausgehen und ein weiteres Chaos-Jahr kann starten.

Titelbild: IMAGO

Vorschau: SC Freiburg – Hertha BSC: Von wegen Favorit

Vorschau: SC Freiburg – Hertha BSC: Von wegen Favorit

Und plötzlich war es dann eigentlich doch gar nicht mehr so schlimm, dass man aktuell nicht ins Stadion darf. Waren auch schon, mit Ausnahme des Derbysieges, die vorangegangenen Heimspiele nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig, unterbot Hertha das bisher Dargebotene am Dienstagabend nochmal um einiges. Statt mit breiter Brust gegen ein Mainz 05, das mitten im Abstiegskampf steckt, aufzutreten, war die Alte Dame trotz der Rückkehr von Matheus Cunha komplett ideenlos, sodass das Ergebnis tatsächlich noch das mit Abstand beste am Spiel war. Dass es auch anders geht, hat die Mannschaft in dieser Spielzeit bereits des Öfteren bewiesen. Umso unerklärlicher ist es, wie eine derartige Leistung zustande kommen kann. Konnte man die dürftige Punkteausbeute bisher noch mit der Stärke der Gegner erklären, zählt diese Ausrede nun nicht mehr. Hertha muss jetzt anfangen, Siege einzufahren. Der nächste Versuch startet am Sonntagnachmittag gegen den SC Freiburg.

Im Vorfeld der Partie gegen den SC haben wir mit Freiburg-Experte Mischa, unter anderem bekannt durch seinen Blog zerstreuung-fussball.de, gesprochen, der uns unter anderem erklärt, wie die Breisgauer nach schwachem Saisonstart wieder in die Spur fanden.

Der ewige Fluch der guten Tat

Mit Robin Koch und Luca Waldschmidt hat der SC Freiburg im Sommer zwei Nationalspieler verloren. (Quelle: THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images)

Papiss Demba Cissé, Maximilian Philipp, Caglar Söyüncü, Matthias Ginter… Die Liste der Spieler, die in Freiburg aus-oder auf hohem Niveau weitergebildet wurden, um dann von finanziell potenteren Vereinen abgeworben zu werden, könnte noch eine Weile fortgesetzt werden. Im zurückliegenden Transferfenster kamen die beiden Nationalspieler Robin Koch und Luca Waldschmidt hinzu. Gerade der Abgang des Defensivspezialisten fällt laut Mischa ins Gewicht: „Koch war sicher der schwierigste Abgang. Das sah man insbesondere zu Saisonbeginn. Es fehlt körperliche Präsenz in der Defensive.“

Doch wie auch schon in den vergangenen Jahren scheint es Freiburg wieder gelungen zu sein, die Abgänge durch Spieler aus den eigenen Reihen sowie Neuverpflichtungen aufzufangen. So ist der im Vorjahr an Union Berlin ausgeliehene Keven Schlotterbeck ein Stabilisator in der Abwehrkette: „Seit er zentral in der Dreierkette spielt, steht man wieder etwas besser.“ Im Gegensatz zu Schlotterbeck, legte man für einen anderen Akteur eine nicht gerade unbeachtliche Summe von rund 10 Millionen Euro auf den Tisch. Der Franzose Baptiste Santamaria wurde ins Breisgau gelotst. Zu ihm macht Mischa den Vergleich mit einem Freiburger aus, der vor einigen Jahren den Weg an die Spree gefunden hat: „Santamaria erinnert manchmal an Darida: Immer der laufstärkste Spieler, gut in den Zweikämpfen, ist aber kein Abräumer, sondern auch technisch stark.“  

Ein Spieler, der es Darida in diesem Sommer gleichtat und ebenfalls von Freiburg nach Berlin wechselte, ist Alexander Schwolow, dessen Abgang aus Freiburg einige unglückliche Umstände nach sich zog: „Hier sollte eigentlich Flekken der Ersatz sein, doch der zog sich vor dem ersten Pokalspiel eine größere Verletzung zu. Man konnte kurzfristig noch Müller aus Mainz ausleihen. Er fiel weniger auf. Aber es gibt doch einen sehr großen Kontrast zu Schwolow. Immer wieder lässt Müller den Ball nach vorne prallen. In dieser Disziplin war Schwolow herausragend. Er fing Bälle oder wehrte sie sauber zur Seite ab.“, ordnet Mischa ein.

Nach Holperstart wieder in der Spur

Streichs Umstellungen brachten den SC wieder in die Erfolgsspur. (Photo by INA FASSBENDER/POOL/AFP via Getty Images)

Für den schlechten Saisonstart (sechs Punkte nach acht Spieltagen) sieht Mischa jedoch auch andere Gründe als die genannten Abgänge: „Das Auftaktprogramm war gar nicht so leicht, wie man es vielleicht gedacht hat. Bremen war zu dem Zeitpunkt recht gut drauf.

Niederlagen gegen Leverkusen, Dortmund und Leipzig, Unentschieden gegen Union, Wolfsburg und Bremen und ein Sieg gegen Stuttgart schienen okay. Auch weil die Leistungen alle in Ordnung gingen. Dann kam aber die erste Halbzeit gegen Mainz 05 und da war die Konterabsicherung katastrophal. Man lag früh 0:3 zurück, hätte aber auch mehr Tore kassieren können.“

Nach der Niederlage gegen den FSV berappelten sich die Freiburger jedoch eindrucksvoll und holten aus den vergangenen vier Partien acht Zähler. Gerade die Umstellungen von Christian Streich sieht Mischa hierfür als Hauptgrund: „Nach dem Spiel gegen Mainz stellte Streich auf ein 3-4-3 um und legte wieder einen größeren Fokus auf das Spiel gegen den Ball und den Umschaltmoment. Das hat gut funktioniert. Gegen Augsburg war es immerhin stabil. Gegen Gladbach war es auch offensiv herausragend. Freiburg hat gegen die Borussia mit 4,02 den zweithöchsten xG-Wert in dieser Saison überhaupt erspielt. Nur die Bayern gegen Schalke waren da noch besser. Die Chancenverwertung war in einigen Partien ein Problem. Erst gegen Schalke wurde das wieder etwas besser.“

Hertha zum Siegen verdammt

Während man vor dem Spiel gegen Mainz noch davon sprach, dass die kommenden Spiele allesamt welche seien, in denen Hertha qua der Favoritenstellung und der Tatsache, dass es nur noch gegen Teams ginge, die unter Hertha stünden, unbedingt gewinnen müsse, sehen die Vorzeichen jetzt anders aus. Der SC befindet sich gerade in aufsteigender Form und konnte insbesondere gegen Gladbach spielerisch auf ganzer Linie überzeugen. Hertha vor diesem Hintergrund die klare Favoritenrolle zuzuschieben, wäre daher vermessen. Dass das Team von Bruno Labbadia dennoch ohne Wenn und Aber gewinnen muss, das hat es sich aufgrund der katastrophalen Darbietung gegen Mainz selbst zuzuschreiben. Wie Hertha mit diesem Druck umgehen kann, wird sich am Sonntag zeigen.

Titelbild: TOM WELLER/POOL/AFP via Getty Images

Vorschau: Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC: Der Härtetest vor den Wochen der Wahrheit

Vorschau: Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC: Der Härtetest vor den Wochen der Wahrheit

Derbysieger, Derbysieger… Sorry, musste nochmal sein. Nach einer Woche voller Jubel, Trubel, Heiterkeit ob der erfolgreichen Verteidigung der Stadtmeisterschaft geht nun der Ernst des Lebens wieder los. Denn worüber der Sieg gegen Union ein wenig hinwegtäuschte, ist, dass Hertha rein punktemäßig nach wie vor den Erwartungen hinterherhinkt. In den nächsten Wochen hat das Team von Bruno Labbadia allerlei Chancen, dies zu ändern. Bis zum Start der Rückrunde stehen mit Mainz, Freiburg, Schalke, Bielefeld, Köln und Hoffenheim Gegner auf dem Spielplan, die allesamt schlagbar scheinen. Wie Hertha mit dieser Favoritenrolle umgehen kann, wird zu beobachten sein. Bevor es dazu kommt, darf man sich aber am Samstagnachmittag noch einmal in der Position des Außenseiters wähnen. Mit Borussia Mönchengladbach geht es gegen die Positivüberraschung der vergangenen Saison.

Um einen detaillierten Einblick in die Lage bei der Borussia zu bekommen, haben wir mit Gladbach-Expertin Yvonne gesprochen.

Quo vadis, BMG?

Späte Gegentore machen Gladbach aktuell zu schaffen. (THILO SCHMUELGEN/POOL/AFP via Getty Images)

Auch als Nicht-Borusse neigt man dazu, Mitleid mit den Anhängerinnen und Anhängern aus Mönchengladbach zu haben. Nach einer tollen Saison mit attraktivem, vertikalem Fußball gelingt den „Fohlen“ der Einzug in die Champions League. Dort wird man in eine Gruppe mit den europäischen Schwergewichten Inter Mailand und Real Madrid gelost, wird in dieser Hammergruppe gar Zweiter – und das alles ausgerechnet in dem Jahr, in dem kein einziger Fan live im Stadion an diesem Spektakel teilhaben darf. Umso höher ist die Leistung der Borussen in diesem Wettbewerb zu bewerten.

Es ist immer schwierig zu beurteilen, welchen Einfluss eine derartige Mehrfachbelastung auf einen Saisonverlauf hat. Auch in der Vorsaison tanzte Gladbach zu diesem Zeitpunkt noch auf allen drei Hochzeiten, hatte aber keinen derart eng getakteten Spielplan, wie es jetzt aufgrund von Corona der Fall ist. Blickt man auf die reinen Zahlen, könnte man durchaus ableiten, dass dies seine Spuren hinterlässt. Mit 16 Zählern nach zehn Spieltagen rangiert die Mannschaft von Trainer Marco Rose auf dem siebten Rang. Zum selben Zeitpunkt der Vorsaison grüßte Gladbach von der Tabellenspitze mit 22 eingefahrenen Punkten.

Dass es jetzt unter dem Strich sechs Punkte weniger sind, liegt vor allem daran, dass Gladbach zum Ende der Partie oft Nachlässigkeiten zeigt: „Gladbach kassierte leider generell das ein oder andere Gegentor in der Schlussphase und verlor dadurch wichtige Punkte (zum Beispiel gegen Union, Wolfsburg und eben auch Augsburg).“, sagt Yvonne. Entsprechend ernüchtert fällt auch das Zwischenfazit zur bisherigen Bundesligasaison aus: „Es sind ja „nur“ 3 Punkte zu Platz 4. Aber es wurde eben leider der ein oder andere Punkt sehr unnötig verspielt.“

(K)ein Kader für drei Wettbewerbe?

In der Innenverteidigung wird es bei Gladbach personell dünn. (Frederic Scheidemann/Getty Images)

Zugegeben: Die Arbeit von Gladbachs Geschäftsführer Sport Max Eberl kritisch zu beleuchten, scheint mit jedem Jahr schwieriger zu werden. In der zurückliegenden Transferphase stand er vor der Herausforderung, diesen ohnehin schon qualitativ hochwertigen Kader sinnvoll zu ergänzen, sodass die Dreifachbelastung gestemmt werden kann.

Wie so ziemlich jede Herausforderung scheint ihm auf den ersten Blick auch das wieder erfolgreich gelungen zu sein. So wurde die Offensive mit Ex-Herthaner Valentino Lazaro und Hannes Wolf verstärkt. Beide Spieler haben bereits in Salzburg unter Marco Rose trainiert und können somit eine sofortige Hilfe sein – so war jedenfalls der Gedanke dahinter. Die Realität stellt sich indes etwas anders dar. Während Hannes Wolf immerhin in jeder Ligapartie zum Einsatz kam – wenngleich auch nur viermal von Beginn an – fiel Lazaro verletzungsbedingt in den ersten fünf Spieltagen aus und stand auch danach erst ein einziges Mal in der Anfangsformation. So ordnet Yvonne ein: „Die Neuzugänge zu bewerten, ist momentan gar nicht so einfach. Wolf und Lazaro haben natürlich gute Ansätze, allerdings spielen beide bisher zu wenig, als dass man da ein festes Urteil bilden könnte. Man muss neuen Spielern ja auch immer ein bisschen Zeit geben.“

Die Fohlen mit personellem Engpass

Diese Zeit hat Gladbach allerdings aufgrund mehrerer Umstände aktuell nicht. Denn so gut bestückt die Offensive eigentlich ist, so sehr offenbaren sich auch hier kleinere Probleme. Jonas Hofmann, der wohl beste Borusse in den ersten Saisonwochen, fällt seit dem achten Spieltag durch einen Muskelbündelriss, den er sich beim Einsatz für den DFB zugezogen hat, aus. Bislang gelang es weder Wolf noch Lazaro, sich nachhaltig dafür zu empfehlen, diese klaffende Lücke zu schließen.  

Während derartige Verletzungen und kleinere Formdellen in der Offensive aufgrund der individuellen Klasse von – zum Beispiel – Plea und Stindl aufgefangen werden können, ist es indes in erster Linie die Abwehr, die gerade ein wenig Sorgen bereitet, wie Yvonne sagt: „Man merkt allerdings doch, wie schnell sich Verletzungen auswirken. In der Abwehr fehlten jetzt Elvedi und Jantschke verletzt, Bensebaini war in Quarantäne. Das schwächt die Defensive natürlich schon.“ Zwar ist Elvedi inzwischen wieder genesen. Durch den Ausfall von Jantschke stehen in Elvedi und Ginter jedoch lediglich zwei fitte Innenverteidiger zur Verfügung. Zwar hat man zwar theoretisch auch noch Mamadou Doucouré im Kader. Der Franzose kam in seinen nunmehr viereinhalb Jahren am Niederrhein allerdings, aufgrund einer dramatischen Verletzungshistorie, erst auf zwei Bundesligaminuten und ist daher wohl keine ernsthafte Alternative für die Startformation. Stattdessen rückte jüngst der eigentlich im zentralen Mittelfeld beheimatete Christoph Kramer auf die Position neben Matthias Ginter. Es ist also nicht auszuschließen, dass Max Eberl hier im Winter nochmal nachjustiert.  

Mit Rückenwind in die Wochen der Wahrheit

Gleichwohl die Favoritenrolle am Samstag ganz klar auf Seiten der Hausherren anzusiedeln ist, scheint Gladbach – auch aufgrund des kräftezehrenden Spiels in Madrid am Mittwoch – nicht unschlagbar. In erster Linie wird es für Hertha aber darum gehen, den positiven Trend der letzten Wochen – mit Ausnahme der zweiten Halbzeit gegen Dortmund – zu bestätigen und sich Selbstbewusstsein für die eingangs erwähnten restlichen Spiele der Hinrunde zu holen, in denen Hertha ohne Wenn und Aber ausgiebig punkten muss.

(Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Da kommt es gerade rechtzeitig, dass sich Krzystof Piatek im Derby via Doppelpack warmschießen konnte. Denn Torgefahr ging nach dem Ausfall von Jhon Cordoba quasi einzig und allein von Matheus Cunha aus, der gegen Gladbach aufgrund einer Gelbsperre zum Zusehen verdammt ist. Wie Labbadia den Brasilianer ersetzen will, wird die spannende Frage im Vorfeld der Partie sein. Zumindest dürfte neben Piatek aber auch Javairo Dilrosun nach seinem überzeugenden Jokerauftritt gegen Union ein Kandidat für die Startelf sein. Es gibt also keinerlei Gründe, schon vor Anpfiff die weiße Wahne zu hissen.

*Quelle Titelbild: WOLFGANG RATTAY/POOL/AFP via Getty Images

Vorschau: Hertha BSC – 1. FC Union Berlin: Ein Derby mit umgekehrten Vorzeichen

Vorschau: Hertha BSC – 1. FC Union Berlin: Ein Derby mit umgekehrten Vorzeichen

Die ersten Reizpunkte sind gesetzt: Nachdem Hertha in der Nacht von Montag auf Dienstag die halbe Stadt in ein blau-weißes Fahnenmeer verwandelt hat, ließen die üblichen Reaktionen in den sozialen Netzwerken nicht lange auf sich warten. Während sich die Anhänger der „Alten Dame“ freuten, dass Hertha nach so manchem Marketing-Fehltritt der letzten Jahre (Stichwort: “We try. We fail. We win“) den zuletzt positiv eingeschlagenen Weg fortsetzt und einen echten Coup landet, waren Union-Fans zu großen Teilen weniger angetan. Aber da die Aktion sicherlich nicht in der Absicht entstand, Unionerinnen und Unioner zu begeistern und Hertha-Fans mutmaßlich genauso verstimmt reagiert hätten, wenn ihre Stadt plötzlich voll rot-weißer Fahnen übersät gewesen wäre, sollte man das Ganze nicht zu hoch hängen. Ein nettes Vorgeplänkel vor dem anstehenden Spiel am Freitag: Nicht mehr und nicht weniger.

Immerhin eines scheint die Aktion aber auf beiden Seiten bewirkt zu haben. Trotz der wideren Umstände ist so etwas wie Derbystimmung aufgekommen. Und wenn es in diesen nervenzehrenden Zeiten eines gebrauchen kann, dann sind es (positive) Emotionen. Es ist also angerichtet für die siebte (Pflichtspiel)-Auflage des Berlin-Duells.

Um einen detaillierten Einblick in die sportliche Situation bei den Köpenickern zu bekommen, haben wir mit Sebastian Fiebrig, unter anderem bekannt vom Textilvergehen, gesprochen und ihn gefragt, wie der momentane Aufschwung der Unioner zu erklären ist.

Mit 13 Toren war Sebastian Andersson in der Vorsaison die Lebensversicherung von Union. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Das verflixte zweite Jahr

Platz 6 in der Tabelle, 16 Punkte und mit 21 erzielten Treffern die zweitbeste Offensive der Liga. Wer diese Zahlen vor der Saison gehört hätte, hätte vermutlich zuallerletzt darauf getippt, dass sie Union Berlin zuzuordnen sind. Immerhin ist hier von einer Mannschaft die Rede, die selbst im Jahr des Aufstiegs nicht gerade durch außergewöhnliche Schlagkraft vor dem Tor auffiel. 54 Treffer genügten letzten Endes, um den Gang in die am Ende erfolgreiche Relegation anzutreten. Zur Einordnung: Mitaufsteiger Paderborn und Köln erzielten im selben Zeitraum 76 respektive 84 Tore. So verwunderte es dann auch nicht, dass Union als krasser Außenseiter, dem nahezu ganz Fußballdeutschland den direkten Wiederabstieg prognostizierte, sein Heil in der Premierensaison im Oberhaus eher in der Defensive suchte und mit 41 geschossenen Toren nur die beiden Absteiger sowie Schalke 04 noch harmloser waren.

Dass Union mit der defensiven Spielweise trotzdem beachtliche 41 Punkte einheimste und damit souverän die Klasse hielt, war vor allem einem Mann zu verdanken: Sebastian Andersson zeichnete für 12 Tore der zurückliegenden Spielzeit hauptverantwortlich. Ganze sieben davon erzielte der Schwede per Kopf. Gerade diese Eigenschaft war es, die Trainer Urs Fischer zu nutzen wusste.  So lautete das Erfolgsrezept in der Regel: Langer Ball auf Andersson, der macht den Ball fest und im Idealfall resultiert aus dem dadurch entstehenden Angriff eine Ecke. Denn die Standards waren für die Köpenicker in dieser Phase überlebenswichtig. Ganze 44 Prozent der Tore kamen nach ruhenden Bällen zustande. Abnehmer der Flanken von zumeist Christopher Trimmel war – wie könnte es anders sein – Sebastian Andersson.

So stand vor der Saison also vor allem die Frage im Raum, ob Union wieder auf die altbewährte Formel setzen oder etwas Neues probieren würde. Immerhin ist nicht umsonst oft die Rede davon, dass das zweite Jahr in der ersten Liga das schwierigste ist, da sich die anderen Teams auf die Spielweise des Neulings einstellen konnten. Union Berlin hat diese Frage für sich sehr schnell und sehr eindeutig beantwortet. So ist von der oftmals abwartenden Spielweise und dem Hoffen auf Standardsituationen nicht mehr allzu viel übrig.

Aus der Not eine Tugend machen

Max Kruse hat das Spiel von Union auf ein neues Level gehoben. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Dass Union vom Ansatz aus der Vorsaison abgewichen ist und nun auch vermehrt das Spiel mit dem Ball forciert, hängt zu großen Teilen auch mit der Transferphase zusammen. Zum einen hat der angesprochene Sebastian Andersson den Verein kurz vor Ende der Transferphase verlassen. Zum anderen ist da plötzlich ein gewisser Spieler im Kader, der (und diese Einschätzung wird zerfressen von blankem Neid abgegeben) eigentlich viel zu gut ist, um an der Alten Försterei zu spielen. Die Rede ist natürlich von Max Kruse. Ein Spieler, der aufgrund seiner Spielweise und auch seines Glamours so überhaupt nicht zu Union zu passen schien und der nun nach wenigen Wochen schon den Eindruck vermittelt, als wäre er nie woanders gewesen.

Viele waren gespannt, wie Max Kruse dieses – mit Verlaub – eher destruktiv angelegte Spiel beeinflussen würde. Die Antwort ist: Er hat es um beinahe 180 Grad gedreht. Wobei diese Einschätzung laut Sebastian zu kurz greift: „Den Plan mit dem Ball hatte der Trainer bereits in der vergangenen Saison. Aber die Mannschaft konnte das da nicht so gut umsetzen. Dieses Jahr gibt es Spieler, die in der Spitze das Niveau des gesamten Teams noch einmal gehoben haben. Dazu gehört natürlich Max Kruse in der aktuellen Form. Aber es gibt schon auch andere Spieler wie Knoche, die nicht unwichtig für den Aufbau sind und der regelmäßig die meisten Ballkontakte bei Union hat. Fischer ist ja nicht der dröge Defensivtrainer, als der er gerne mal hingestellt wird, sondern es zeichnet ihn aus, dass er sehr pragmatisch genau den Fußball spielen lässt, zu dem die Mannschaft imstande ist. Es dürfte ihm auch helfen, dass die Mannschaft offensichtlich beim Spiel Dingen begegnet, auf die sie vom Trainerteam vorbereitet wurde.“

So scheint es, als hätte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Sport bei den „Eisernen“, im Sommer, auch fernab der Verpflichtung von Kruse, einen klaren Plan verfolgt, um der Mannschaft in Zusammenarbeit mit Urs Fischer mehr spielerische Elemente zu verleihen. So sagt Sebastian weiter: „Es war ja nicht nur Max Kruse. Auch Robin Knoche wurde verpflichtet. Oder Loris Karius, der noch gar kein Spiel für Union gemacht hat. Nicht zu vergessen solche Verpflichtungen wie Joel Pohjanpalo, Taiwo Awoniyi und Keita Endo. Von letzterem werden wir sicher noch viel hören, wenn er endlich verletzungsfrei bleibt.“

Unions Härtetest beginnt jetzt

(Photo by ANNEGRET HILSE/POOL/AFP via Getty Images)

Zur ganzen Wahrheit des so erfolgreichen Saisonstarts gehört aber auch, dass es die DFL für den Auftakt sehr gut mit Union gemeint hat. Mit Borussia Mönchengladbach hatten die Köpenicker bislang erst ein Topteam auf dem Spielplan. Borussia Dortmund, Leipzig, der FC Bayern, Bayer Leverkusen … all diese Mannschaften folgen erst noch. Dementsprechend ordnet auch Sebastian die Situation ein:  „So ein bisschen ist der Spielplan ja immer Fluch oder Segen. Es war schon vor Saison klar, dass Union von Anfang an wird punkten müssen, weil hinten eher die dicken Brocken warten.“

Dass Union den Zwang, am Anfang punkten zu müssen, aber derart ernst nimmt, war nicht zu erwarten: „Wenn ich mir all das vor Augen halte, muss ich mich eher kneifen. Auch, dass ich in der Tabelle nicht unten schaue, wie viel Abstand Union zu den Abstiegsplätzen hat. Die Integrationskraft der Mannschaft ist vielleicht wirklich das Bewundernswerte und auch die Art und Weise, wie das Trainerteam um Urs Fischer diesen Umbruch moderiert hat. Der Tabellenplatz wird sich bestimmt etwas nach unten entwickeln bis zur Winterpause. Aber die Punkte kann niemand nehmen. Und das gibt Sicherheit.“ Diese Sicherheit ist essenziell. denn trotz des aktuellen Höhenflugs stimmt Sebastian der Maßgabe Urs Fischers zu, dass der Klassenerhalt über allem steht: „Wahrscheinlich steht irgendwo in der Kabine wieder die Zahl 40. Und ich vermute, dass ihr Anblick absolut erdet. Union wird sich jeden Punkt weiter hart erkämpfen müssen.“

Hertha vor dem Derby in ungewohnter Rolle

Während der Umbruch im Kader bei Union also besser kaum laufen könnte, sind bei Hertha nach wie vor einige Bewegungsschmerzen spürbar, auch wenn der Trend mit Ausnahme der Klatsche gegen den BVB zuletzt nach oben zeigte. Beim Blick auf die Tabelle ist es nun erstmals der Fall, dass die Rolle des Favoriten vor einem Derby nicht eindeutig bei Hertha liegt, Trotzdem darf für die “Alte Dame”, gerade aufgrund der tabellarischen Situation, nur ein Dreier zählen. Der Verein hat mit der eingangs erwähnten Fahnenaktion den richtigen Tenor gesetzt, nun sind die Spieler gefragt. Ein zweites Fiasko wie im Hinspiel der Vorsaison, als nur ein Team verstanden hat, worum es in einem Derby geht, darf es unter keinen Umständen geben. In diesem Sinne sollte eher das Rückspiel als Orientierungsmaßstab genommen werden.

[Titelbild: Stuart Franklin/Getty Images]