Hertha BSC – Eintracht Braunschweig: Drei Thesen

Hertha BSC – Eintracht Braunschweig: Drei Thesen

Endlich geht sie los, die neue Pflichtspielsaison. Startschuss ist traditionell die 1. Runde des DFB-Pokals, in der Hertha nach Braunschweig zur Eintracht fährt. Der Kader weist noch die ein oder andere Baustelle auf, insbesondere auf der Abgangsseite muss definitiv noch etwas passieren. Doch der Pflichtspielauftakt kümmert sich recht wenig um die Transferpläne von Fredi Bobic, daher kommen hier unsere ersten drei Thesen der Saison.

These 1: Der Schwarz-Fußball wird erkennbar, aber unausgereift sein

Mit der ersten These haben wir es uns ehrlicherweise sehr einfach gemacht. Der neue Chefcoach Sandro Schwarz ist mit der klaren Aufgabenstellung nach Berlin gekommen, die Art des Fußballspielens bei Hertha einmal komplett umzukrempeln. Statt defensiv abwartendem Fußball ist für die Zukunft eine pressing-orientierte und aktive Spielweise gefragt. Eine Systemumstellung, an die sich viele Akteure der Blau-Weißen erst noch gewöhnen müssen, insbesondere was das direkte und vertikale Umschaltspiel angeht.

Sandro Schwarz

Photo by Cameron Smith/Getty Images

In den Testspielen ließ sich die Herangehensweise bereits gut erkennen, doch gerade defensiv stimmte vieles noch nicht. Es ist daher davon auszugehen, dass man auch gegen Braunschweig sieht, wie Hertha in Zukunft auftreten will. Die Unsicherheiten werden jedoch noch vergleichsweise ausgeprägt vorhanden sein.

These 2: Derry Scherhant bekommt Spielminuten

Klassischerweise fahren jeden Sommer ein paar hoffnungsvolle Nachwuchstalente mit ins Trainingslager. Einer von ihnen war in diesem Jahr der 19-jährige Derry Scherhant, welcher erst vor zwei Jahren zu Hertha stieß. Für einen Nachwuchskicker in der Akademie der Alten Dame eine durchaus ungewöhnliche Entwicklung. Scherhant trumpfte insbesondere in der Rückrunde unter Ante Covic bei Herthas U23 ordentlich auf, kam vergangene Saison auf 24 Torbeteiligungen in 34 Spielen.

Während der Sommervorbereitung kam der Stürmer auf vergleichsweise viele Einsatzminuten, erzielte gegen Nottingham das einzige Tor für die Berliner. Insofern wäre es nicht verwunderlich, wenn Scherhant sich das Privileg verdient haben sollte, mit nach Niedersachsen zu fahren und je nach Spielverlauf eventuell sogar auf seine ersten paar Minuten im DFB-Pokal zu kommen.

These 3: Hertha gewinnt das „Best of 3“

Für den Hauptstadtklub, der in dieser Woche sein 130-jähriges Bestehen feiert, ist der Gegner kein Unbekannter. Bereits 2018 und 2020 traf man in der ersten Runde des Pokals auf Braunschweig. Während Hertha vor vier Jahren unter anderem dank eines äußerst sehenswerten direkten Volleys von Neu-Kapitän Marvin Plattenhardt mit 1:2 gewinnen konnte, verlor man in der vorletzten Saison in einem spektakulären Spiel mit 5:4. Ex-Unioner Martin Kobylanski besiegelte mit einem Dreierpack das frühe Ausschneiden der blau-weißen Gäste, spielt mittlerweile aber bei 1860 München.

Kobylanski

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Nun folgt also das dritte Spiel innerhalb von fünf Jahren und wahrscheinlich wird es kein schönes. Hertha wird sich trotz defensiver Unsicherheiten am Ende jedoch aufgrund des Qualitätsunterschieds in den Kadern knapp durchsetzen. Und damit das gestreckte „Best of 3“ gewinnen.

[Titelbild: ANDERSEN/AFP via Getty Images]

 

Vor der Relegation: Der HSV im Gegner-Check

Vor der Relegation: Der HSV im Gegner-Check

Hertha muss nachsitzen. Wie vor zehn Jahren. Nach drei verpassten Matchbällen geht es in diesem Jahr gegen den HSV. Die Hamburger wollen ihrerseits nach vier Jahren Zweitklassigkeit ins Oberhaus zurückkehren. Wie der HSV es auf Position drei geschafft hat, welche Rolle der „Walter-Ball“ dabei spielt und warum es für beide Teams auch gegen ein Narrativ anzukämpfen geht, lest ihr im Gegner-Check.

Nach dem 34. Spieltag der regulären Saison gab es erstmals die Konstellation, dass der HSV dritter in der 2. und Hertha zeitgleich drittletzter in der 1. Liga waren. An jedem anderen Spieltag der Saison hätte das Aufeinandertreffen in der Relegation anders geheißen. 

Doch die Abschlusstabelle ist nun einmal entscheidend. Und so stehen sich in der Relegation zwei Schwergewichte des deutschen Fußballs gegenüber. Platz drei bedeutet für den HSV die beste Platzierung in ihrer Zweitliga-Geschichte. Der Erfolg ist eng verknüpft mit dem Trainer Tim Walter.

Mit “Walter-Ball” zum Erfolg

Christian Titz, Hannes Wolf, Dieter Hecking, Daniel Thioune. Der HSV hat nach dem Abstieg Trainer mit unterschiedlichsten Philosophien an der Seitenlinie gehabt. Mit Tim Walter ist man vor dieser Spielzeit dann durchaus ein Risiko eingegangen. Schließlich hatte Walter mit seiner Spielidee beim VfB Stuttgart im Unterhaus keinen Erfolg.

Dabei hat der 46-jährige ehemalige Trainer von Bayerns U23 und Holstein Kiel seine ganz eigene Idee entwickelt: den „Walter-Ball“. Sein Team tritt dabei in der Grundordnung 4-3-3 auf. Hier sind die Spieler extrem flexibel. Im Ballbesitz werden Positionen immer wieder getauscht, viel Bewegung ist der Schlüssel.

Will mit dem HSV aufsteigen: Tim Walter

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Das fängt im Spielaufbau an. Der HSV spielt keine langen Bälle, sondern sich stets flach raus. Dabei ist der Torwart der erste Aufbauspieler. Ist er im Ballbesitz, rücken die Außenverteidiger gerne mal auf, die Innenverteidiger schieben breit raus und ein Mittelfeldspieler lässt sich ins Zentrum fallen. Dabei folgt der Spielaufbau keineswegs einem Schema F. Variabilität ist auch hier der Schlüssel.

Der Vorteil des „Walter-Balls“: der HSV überbrückt schon im Aufbau, so er denn gelingt, die ersten Ketten des Gegners. Bei Ballverlusten setzt der HSV wuchtig nach, probiert den direkten Wiedergewinn zu erzwingen. Eine tiefere Analyse des „Walter-Balls“ lieferte Taktik-Experte Tobias Escher vor wenigen Monaten.

Die Schlüsselspieler

Walters anspruchsvolle Spielidee fängt beim Keeper an. Daniel Heuer Fernandes glänzt in dieser Spielzeit nicht nur als Elfmeter-Killer, sondern auch als guter Fußballer. Im Ballbesitz rückt er mitunter weit auf, um das Spiel aufzubauen. Was meistens funktioniert, birgt auch ein Grundrisiko. Wie im Spiel gegen den SC Paderborn, als ein Hamburger in der eigenen Hälfte den Ball verlor und der Paderborner Srbeny über den weit aufgerückten Heuer Fernandes einschießen konnte.

In der regulären Saison stellte der HSV mit 35 Gegentoren die beste Abwehr der Liga. Hervorzuheben ist hierbei die Innenverteidigung, bestehend aus Kapitän Sebastian Schonlau und Mario Vuskovic. Mit 64,14 Prozent gewonnener Zweikämpfe ist Vuskovic der beste Hamburger in dieser Disziplin. Auf Platz drei kommt Schonlau, der 61,21 Prozent seiner Duelle gewinnt. Mit 91,17 Prozenr angekommenen Pässen wies Schonlau in dieser Hinsicht gleich den zweitbesten Wert der gesamten Liga auf.

Im Dreier-Mittelfeld ist der defensiv starke Jonas Meffert gesetzt. Seine knapp 90 Prozent angekommenen Pässe unterstreichen seinen Wert im „Walter-Ball“, immer wieder kann er sich fallen lassen und Bälle verteilen.

Vor ihm ist neben Ludovit Reis vor allem Sonny Kittel extrem auffällig. Der polyvalente Spieler kommt in dieser Saison auf neun Tore und 16 Vorlagen. Wie die gesamte Hamburger Offensive legt er Tore besonders gern per Flanke auf.

Und am aller liebsten auf Hamburgs Zielspieler Nummer eins in der Offensive: Mittelstürmer Robert Glatzel. Mit 22 Toren spielt der 28-Jährige seine persönlich stärkste Saison. Sowohl aus dem Mittelfeld, vor allem aber über die Flügel wird Glatzel immer wieder gesucht. Zwölf seiner Tore erzielte der 1,93m-große Stürmer per Kopf. Vor allem seinetwegen stellte der HSV die drittbeste Offensive der 2. Liga.

Bester Torschütze des HSV: Robert Glatzel

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

“Walter-Ball” knacken

Die drittbeste Offensive der Liga, die beste Defensive der Liga. Klingt im ersten Moment nicht wie der typische Drittplatzierte, der in die Relegation muss. Doch der HSV ließ im Saisonverlauf immer wieder Federn.

Denn der HSV zeigte sich im Vergleich zu den Aufsteigern aus Gelsenkirchen und Bremen zu oft verwundbar. Ein Paradebeispiel, wie man den HSV knacken kann, lieferte in der Rückserie Werder Bremen. Dem variablen Spielaufbau der Hamburger setzte man ein mannorientiertes Anlaufen entgegen, setzte die HSV-Defensive unter Dauerdruck. 

Werders zentrale Mittelfeldspieler übernahmen dabei Hamburgs Außenverteidiger, die Stürmer Werders verdichteten das Zentrum. So entwickelte Werder ein extrem hohes Pressing, zwang den HSV immer wieder zu Ballverlusten.

Das funktionierte, auch weil Werder im entscheidenden Moment taktisch umstellte. Mit der Führung im Rücken stand man tiefer, überließ dem HSV den Ball. Und konzentrierte sich darauf, Glatzel aus dem Spiel zu nehmen. Fast wie ein Bewacher stand ihm Bremens Ömer Toprak an der Seite.

Ausgebremst: Werder Bremen knackte den HSV

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Der Schlüssel zu diesem Sieg widerspricht zwar allem, wofür Hertha in dieser Saison steht. Denn mit gerade einmal durchschnittlich acht ballerobernden Aktionen pro Spiel in der gegnerischen Hälfte war in dieser Disziplin in der Bundesliga niemand so ungefährlich wie Hertha. Doch Mut sollte machen, dass dieses hohe Pressing gar keine 90 Minuten durchgezogen werden musste.

Um den HSV zu schlagen, muss Hertha in jedem Fall mutiger auftreten als zuletzt. Und auch taktisch variabler. Denn überlässt man den Hamburgern den Ball dauerhaft, werden sie Mittel finden, um Glatzel ins Spiel zu bringen. Gleichzeitig muss das Risiko, selber das Spiel zu machen, oder früh zu pressen, immer wieder abgewägt werden. Denn so könnten sich Gelegenheiten für den HSV bieten und es steht viel auf dem Spiel…

Mit dem Narrativ brechen

Der HSV und die Relegation – das galt mal als die perfekte Symbiose. In den Jahren 2014 und 2015 rettete sich der einstige Bundesliga-Dino gleich doppelt über diesen Modus. Gegen Fürth half die Auswärtstorregel, gegen den Karlsruher SC ein zumindest zweifelhafter Freistoß. 2017 rette sich der HSV am letzten Spieltag spektakulär, entging einer erneuten Relegation erst in der 88. Minute.

Doch das Bild des Clubs, der in letzter Sekunde immer wieder den Kopf aus der Schlinge zieht, ist  längst verwischt. 2018 mussten die Hamburger den Gang in die Zweite Liga antreten. Es folgten drei Versuche der Rückkehr ins Oberhaus, alle endeten auf dem undankbaren vierten Platz. Teils verspielte man in der Hansestadt große Vorsprünge.

Und so tritt der HSV zum dritten Mal in acht Jahren in der Relegation an. Doch es geht nicht nur gegen Hertha, sondern auch gegen das Narrativ des Scheiterns. Aus den einst unabsteigbaren Hamburgern droht das genaue Gegenteil zu werden. Und auch der HSV weiß: Jedes weitere Jahr in der Zweiten Liga ließe die Lücke zum Oberhaus weiter wachsen.

Der HSV möchte kein weiteres Mal scheitern

(Photo by Cathrin Mueller/Getty Images)

Doch nicht nur für den HSV geht es darum, eine sich selbsterfüllende Prophezeiung abzuwenden. Auch bei der Hertha würde ein Erfolgserlebnis eine Erzählweise über den Verein zumindest vorläufig verstummen. Denn nach einer Aneinanderreihung von Negativerlebnissen in den vergangenen Jahren wäre ein Abstieg, noch dazu über die Relegation, die es in den vergangenen Jahren stets gut mit dem Erstligisten meinte, der nur allzu gut ins Bild passende vorläufige Tiefpunkt.

[Titelbild: Martin Rose/Getty Images]

Hertha BSC – Arminia Bielefeld: Silber sicherstellen

Hertha BSC – Arminia Bielefeld: Silber sicherstellen

Die Stimmung rund um Hertha BSC könnte unter Würdigung der Gesamtumstände kaum besser sein. Mit dem zweiten Sieg in Folge gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten hat man sich in eine hervorragende Ausgangslage für die Klassenerhalt gebracht. Doch die Saison ist nicht vorbei, ein Verbleib in der Bundesliga noch lange nicht sicher. Es gilt daher, auch gegen die Arminia aus Bielefeld an die letzten Leistungen unbedingt anzuknüpfen.

Unser Artikel zur Pressekonferenz vor dem Spiel.

Magath mahnt bei Hertha zur Vorsicht

Die pure Erleichterung und Freude, die im gesamten Stadion nach dem Tor von Belfodil zum 2:0-Endstand gegen Stuttgart zu spüren war, dürfte bei vielen Fans von Hertha auch noch tagelang danach angehalten haben. Alle wussten: dieser Moment könnte der Entscheidende im Hinblick auf den Klassenerhalt werden.

Doch Cheftrainer Felix Magath stellt klar, dass man sich noch keinesfalls am Ziel befinde: „Wir sind auf dem Weg und haben jetzt vielleicht Bronze erreicht. Wir können jetzt in Bielefeld noch Silber holen und nur darauf werden wir uns fokussieren.“ Er wäre schon zu lange dabei und hätte zu oft Dinge erlebt, die sich dann völlig verkehrt haben. Fest steht: Rechnerisch hat Hertha den Klassenerhalt nicht sicher, selbst mit einem Sieg gegen Bielefeld könnte man sich unter Umständen „nur“ das Erreichen der Relegation sichern.

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(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

„Es geht um drei Punkte in Bielefeld, die wollen wir holen, dann haben wir wahrscheinlich wieder einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt, aber für was es dann reicht, werden wir hinterher auf der Tabelle ablesen können“, arbeitet Magath heraus. Der Fokus auf das eigene Spiel wurde somit noch einmal betont, auch wenn es auf der Bank sicher den einen oder anderen Blick nach Stuttgart geben dürfte, unabhängig vom eigenen Spielstand.

Nahezu unveränderte Personallage und Tousart-Lob

Was die Aufstellung angeht, lässt der Übungsleiter die Frage nach einer möglichen neuen Doppelspitze aus Selke und Belfodil schmunzelnd offen: „Lassen Sie mich heute und morgen noch ein bisschen spielen mit dem Gedanken, dass die beiden auch mal beginnen könnten, aber sicher bin ich mir dahingehend noch nicht.“

Es wäre durchaus überraschend, sollte sich die zuletzt erfolgreiche Aufstellung ändern, lediglich der nach Gelbsperre zurückgekehrte Marco Richter wird den jetzt gesperrten Vladimir Darida ersetzen. Es darf davon ausgegangen werden, dass die exakt gleiche Elf wie gegen den FC Augsburg beginnen wird. Was die weiteren fehlenden Spieler angeht, hat sich im Vergleich zur letzten Woche nichts geändert, Stevan Jovetic, Lukas Klünter, Dong-Jun Lee, Kelian Nsona und Alexander Schwolow stehen weiterhin nicht zur Verfügung.

Ein besonderes Lob erfuhr derweil Rekordeinkauf Lucas Tousart: „Er ist ein echter Mannschaftssportler.“ Tousart sei ein kompletter Mittelfeldspieler, sowohl defensiv als auch offensiv. Gleichzeitig denkt Magath, das Problem für Tousarts bisherigen Schwierigkeiten in dieser Saison gefunden zu haben. Die Olympiateilnahme im letzten Sommer habe dazu geführt, dass er nicht die notwendige Pause gehabt hätte, um richtig frisch in der Saison anzukommen.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Und auch die ungünstige sportliche Situation sei beim Einleben nicht förderlich gewesen. Eine Aussage, die man so sicher auf den Großteil der Neuzugänge in den letzten Jahren anwenden kann.

Kampfbereiter Gegner auf der Alm

Was das kommende Spiel angeht, weiß der Trainer genau, was ihn erwartet: „Das wird eine ganze harte Nuss in Bielefeld, denn auf der Alm ist es sowieso schwierig zu spielen.“ Und schiebt hinterher: „Mir braucht keiner was zu erzählen, freudig fahre ich da nicht hin, sondern konzentriert und fokussiert auf diese Aufgabe, es wird 90 Minuten ein harter Kampf, denn Bielefeld kämpft natürlich gegen uns um ihre letzte Chance uns in diesen Abstiegskampf mit reinzunehmen und daher erwarte ich eine ganz heiße und harte Partie und es wird eng werden.“

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Etwas überraschend kam es vor gut einer Woche beim kommenden Gegner zu einem Trainerwechsel. Der Torwarttrainer Marco Kostmann übernahm für den freigestellten Frank Kramer. Als Co-Trainer steht im Michael Henke zur Seite, der in dieser Rolle unter anderem schon für Ottmar Hitzfeld tätig war.

Magath zeigte sich ob der neuen möglichen taktischen und personellen Marschroute der Bielefelder allerdings nicht sonderlich besorgt: „Nach der Analyse kann man sagen, es hat sich ja nicht viel verändert bei der Arminia durch den Trainerwechsel, insofern denke ich können wir auf die Erfahrung, die wir im Laufe der Saison mit und über die Arminia gesammelt haben auch für uns kalkulieren am Wochenende.“ Klar ist aber, freiwillig wird Bielefeld keine Punkte in die Hauptstadt ziehen lassen, eine Selbstläufer wird die Partie für Hertha unter keinen Umständen.

Ungeklärte Situation zwischen Mannschaft und Fans

Der Trikot-Aktion nach dem Derby zog deutschlandweit Aufmerksamkeit auf sich. Nach den letzten zwei Spielen kam die Mannschaft aufgrund der Vorkommnisse jeweils nicht in die Kurve zum Feiern. Darauf angesprochen, ob es mittlerweile einen Dialog zwischen Mannschaft und Fans gäbe, sagte Magath: „Es gab dahingehend noch keinen Austausch, wir werden uns auch jetzt nicht vor diesem Auswärtsspiel mit dieser Problematik ablenken lassen, sondern wir werden uns auf die Partie fokussieren, damit wir da die Punkte holen. Aber rechtzeitig zum letzten Heimspiel werden wir sicher dann Gespräche geführt haben und sehen, wie wir das lösen können.“

Im Idealfall kann man zu diesem Zeitpunkt gegen Mainz bereits den Klassenerhalt feiern. Es wäre schade, wenn die Saison mit solch einem faden Beigeschmack endet. Eine Versöhnung zwischen den Beteiligten wäre daher sicher wünschenswert. Klar ist, dass die Unterstützung am kommenden Wochenende gesichert ist – das Auswärtskontingent in Bielefeld ist vollkommen ausgeschöpft. Fast 3.000 Fans werden der Mannschaft von Hertha BSC somit dabei helfen, auch den dritten Abstiegskracher in Folge zu gewinnen.

[Titelbild: Maja Hitij/Getty Images]

Hertha BSC – SC Freiburg: Einfache Dinge außerordentlich gut machen

Hertha BSC – SC Freiburg: Einfache Dinge außerordentlich gut machen

Hertha BSC wartet weiterhin auf den ersten Sieg im Jahr 2022. Am Samstag geht es dafür im achten Versuch nach Baden-Württemberg zur Mannschaft des SC Freiburg, die diese Saison wieder einmal eindrucksvoll beweist, dass man auch mit kleinem Geld, aber guter und konstanter Arbeit, durchaus um Europa mitspielen kann. Kann Hertha an die zwischenzeitlich guten Minuten gegen Leipzig anknüpfen oder wird man auch hier mit leeren Händen nach Hause fahren?

Erneut dünne Personaldecke, Kapitän aber zurück an Bord

Zuerst die guten Nachrichten: Maxi Mittelstädt (24) und Jurgen Ekkelenkamp (21) konnten sich nach dem positiven Coronabefund in der vergangenen Woche freitesten und stehen damit im kommenden Spiel theoretisch wieder zu Verfügung. Und auch Suat Serdar (24) kehrte wieder in die Mannschaft zurück. Ob die ebenfalls mit Corona infizierten Kevin-Prince Boateng (34), Dong-jun Lee (25), Lukas Klünter (25), Marvin Plattenhardt (30) und Niklas Stark (26) die Isolation noch rechtzeitig verlassen und spielen können, ist momentan noch offen.

Zudem gab Hertha am Donnerstag bekannt, dass auch Stammtorwart Alexander Schwolow (29) positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ein Einsatz scheidet daher definitiv aus. Kelian Nsona (19), Marton Dardai (20), Oliver Christensen (22) und Rune Jarstein (37) befinden sich nach jeweils überstandener Verletzung im Aufbautraining und werden für das Spiel am Wochenende daher auch nicht zur Verfügung stehen.

hertha freiburg
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Nachdem Marc Oliver Kempf (27) aufgrund der berechtigten roten Karte gegen Leipzig für ein Spiel gesperrt ist, hat sich unser Kapitän Dedryck Boyata (31) gerade rechtzeitig für das Duell mit den Breisgauern zurückgemeldet und konnte die gesamte Trainingswoche voll absolvieren. Trainer Korkut (47) zeigte sich bezüglich eines Einsatzes von Boyata optimistisch: „Er hat sehr konzentriert trainiert, von daher ist er mit Sicherheit eine Option. Er ist ein sehr erfahrener Spieler, ich bin guter Dinge, dass er bereit sein wird.“ Schlussendlich wird dem Übungsleiter auch keine andere Wahl bleiben, befindet sich neben Boyata mit Linus Gechter (17) nur noch ein weiterer etatmäßiger Innenverteidiger im Spieltagskader.

Wer hütet das Hertha-Tor in Freiburg?

Wie bereits erwähnt, fällt Schwolow aufgrund seiner Coronainfektion aus. Auch die Torhüter Nummer zwei und drei stehen mit Christensen und Jarstein noch nicht zur Verfügung. Nils Körber (25) trainiert nach wochenlanger Pause erst seit wenigen Tagen wieder voll mit. Es spricht also vieles dafür, dass der zwanzigjährige Nachwuchstorhüter Marcel Lotka sein Profi- und Bundesligadebut feiern dürfte. Der Deutsch-Pole gilt als durchaus talentiert, doch Bundesliganiveau wird er mit Sicherheit noch nicht besitzen. Umso mehr wird er brennen, sich zu beweisen und ein gutes Debüt abzuliefern.

hertha freiburg
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Korkut wollte sich derweil noch nicht in die Karten schauen lassen: „Wir haben natürlich Gedankengänge wie wir es machen können, aber abschließend entschieden haben wir noch nicht.“ Zuversichtlich ist er dennoch: „Für was ist die Nummer drei da, für was ist die Nummer vier da? Die machen hier nicht Urlaub. Ich kann Ihnen sagen, die sind heiß.“ Man darf also gespannt sein, wer am Samstag im Tor steht und wie sich derjenige präsentiert.


In unserer letzten Podcast-Episode sprachen wir über das bittere 1:6 gegen Leipzig. Darüber hinaus sprachen wir aber auch noch über die Aussagen von Lars Windhorst, den möglichen Abgang von Michael Hartmann und Underground of Berlin Staffel 2.


SC Freiburg – Verein mit Vorbildcharakter

Dass sich der Gegner gut präsentieren wird, steht indes so gut wie fest. Durch eine sehr ordentliche Hinrunde stehen die Breisgauer trotz eines leichten Einbruchs in den vergangenen Wochen mit 37 Punkten auf Tabellenplatz sechs und würden sich damit Stand jetzt für die Europa League qualifizieren. Manager Fredi Bobic zeigt offen seine Anerkennung: „Die machen das wirklich hervorragend und mit einer sympathischen Art, meine Wertschätzung ist groß.“ Und er macht auch die Faktoren für die guten Leistungen des Konkurrenten treffend aus: „Die haben sich eine gute Mannschaft in den letzten Jahren zusammengebaut und es ist eine gute Kontinuität da, auch auf den Positionen der Entscheider.“

Eines der Kernmerkmale der Freiburger ist dabei vor allem die Weiterentwicklung junger Spieler, welche dann mit hohem Gewinn weiterverkauft werden können. So gehen im Südwesten der Republik sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand. Ein Szenario, welches man sich auch in Berlin bei Hertha BSC gut vorstellen kann.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Tayfun Korkut hat auch schon ausgemacht durch welche Art und Weise der kommende Gegner so gut dasteht: „Wir treffen auf eine Mannschaft, die die einfachen Dinge außerordentlich gut macht und die als Mannschaft unglaublich gut funktioniert.“

Während es die 25.000 zugelassenen Zuschauer im neuen Europa-Park Stadion des SC Freiburg so schwer wie möglich machen werden, liegt es an Korkut und seiner Mannschaft, es den Breisgauern nachzueifern, die einfachen Dinge außerordentlich gut zu machen und so endlich die ersten drei Punkte in diesem Jahr einzufahren.

Das Spiel ist am Samstag um 15:30 live auf Sky zu sehen.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Hertha BSC in Fürth unter Druck: Ein Sieg ist alternativlos

Hertha BSC in Fürth unter Druck: Ein Sieg ist alternativlos

Die Bundesliga-Rückrunde für Hertha startete ähnlich enttäuschend wie schon die Hinrunde und so stand die Mannschaft letzte Woche wieder stärker unter Druck mit der Erwartung zweier Pflichtsiege gegen die Aufsteiger Bochum und Fürth. Doch die Bochumer stehen mittlerweile vor unserer Hertha und haben sich im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt. Hertha startete zwar gut in die Partie und ging in Führung, doch am Ende reichte es nur für ein Unentschieden. Folglich konnte das Polster zu den Abstiegsrängen nicht ausgeweitet werden und der Abstand zum Relegationsplatz beträgt aktuell nur noch einen Punkt. Um so wichtiger, dass die Jungs in Blau-Weiß am Samstag gegen den Tabellenletzten drei Punkte mit nach Berlin nehmen.

„Die Tabelle interessiert mich nicht“

Ein Blick auf die Tabelle zeigt normalerweise klare Verhältnisse auf. Hertha hat mit 23 Punkten mehr als doppelt so viele wie Fürth. Aber Tayfun Korkut interessiert das nicht. Und zwar aus gutem Grund. Die Franken haben die letzten vier Heimspiele nicht verloren und konnten dabei jeweils zwei Siege und Unentschieden verbuchen.

Darüber hinaus merkte unser Trainer zu Recht an, sich nicht vom Ergebnis der 1:4-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg täuschen zu lassen, denn der Tabellenletzte kassierte unglücklich Gegentore und setzte auch nach vorne einige Nadelstiche. Sie haben sich offensichtlich an das Tempo der Bundesliga gewöhnt. Ein Grund mehr für Korkut, der Mannschaft noch mal klarzumachen, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Eine Devise, die sich bei unserem Trainer als prägendes Merkmal seines Stils bemerkbar macht.

Hertha Fürth
(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Mit einem gut aufgestellten Underdog rechnen und nach einer bisher sieglosen Rückrunde die eigenen Stärken zeigen – eine durchaus schwierige Aufgabe. Doch laut Korkut war die Trainingswoche wieder gut und kein Spieler hat nachgelassen. Auch die „Verbannten“ Marco Richter, Suat Serdar und Marvin Plattenhardt haben gut mittrainiert. Für unseren Trainer ist die gute Trainingswoche Grund genug, optimistisch zu sein. Wichtig sei es jetzt nur, die gute Leistung im Training endlich in Siege umzumünzen. Ein Versprechen gab es deshalb noch: Wie werden am Samstag die drei Punkte mitnehmen.

Personal: In der Innenverteidigung wird es knapp  

Ein Blick auf das Personal lässt besonders zwei Problemstellen hervorrufen. Während mit Rune Jarstein, Oliver Christensen und Nils Körber alle Ersatztorhüter ausfallen, ist auch die Innenverteidigung aktuell ziemlich dünn besetzt. Nachdem Kapitän Dedryck Boyata schon gegen Bochum verletzt ausfiel und weiter fehlt, verletzte Marton sich Dardai am Sprunggelenk und Neuzugang Marc Oliver Kempf wurde unter der Woche positiv auf Corona getestet.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Laut Korkut hat dieser auch Symptome und so besteht zwar die Möglichkeit, ihn am Samstag freizutesten, allerdings zweifelte Korkut hier zu Recht die Sinnhaftigkeit eines Einsatzes an. Oberste Priorität ist, dass es dem Spieler gut geht. Sollte er sich gut fühlen und der Test am Samstag fällt negativ aus, müsste Kempf sich immer noch der routinemäßigen kardiologischen Untersuchung nach einer Infektion unterziehen und die Reise ins Frankenland antreten. Ein Ausfall gilt deshalb als sehr wahrscheinlich.

Interessant war außerdem Korkuts Antwort auf die Frage nach Alternativen in der Innenverteidigung. Durch die Leihe von Torunarigha nach Gent bleiben mit Stark und Gechter nur noch zwei nominelle Innenverteidiger im Kader. Ein riskantes Spiel, das der Trainer nicht mit Alternativen aus der U23, sondern Lucas Tousart und Plattenhardt als Back-Ups lösen möchte. Im Hinblick auf die ohnehin schon wackelige Defensive und fehlende Zweikampfstärke auf dem Boden und in der Luft eine durchaus bemerkenswerte Entscheidung. Drücken wir also die Daumen, dass Linus Gechter und Niklas Stark standhaft und fit bleiben.


Nach dem Unentschieden gegen Bochum ist Hertha in Fürth zum Siegen verdammt. Auf welche Duelle es am Samstag ankommt, erfahrt ihr hier.


Von Schwolow bis Lee: Fakten und Fragen zu einzelnen Spielern

Im Zuge der Fragerunde war auch unser zuletzt fehleranfällige Torhüter Alexander Schwolow Thema. Die üblichen Fragen zum Umgang der Verantwortlichen und seiner Reaktion auf die zuletzt häufigen Fehler wurden gestellt. Sowohl Korkut als auch Friedrich hatten hier klare Antworten. Trainer Korkut ist der Ansicht, Spielern in schwierigen Phasen auch Ruhe zu geben und den Raum für eigene Gedanken zu lassen. Angesichts der Erfahrung Schwolows könnte das in der aktuellen Situation der richtige Ansatz sein. Laut Friedrich arbeitet der Torhüter ununterbrochen an sich selbst und ist nach dem Training oft noch für Extraschichten im Kraftraum. Beide sind sich aber am Ende sicher: wir werden am Samstag einen gut aufgelegten “Schwolli” im Kasten erleben.

Neben unseren Torhüter waren auch Jurgen Ekkelenkamp, Serdar und Neuzugang Dongjun Lee Thema. Ekkelenkamp, der zuletzt mehr Spielpraxis bekam, macht nach Ansicht von Korkut und Friedrich eine gute Entwicklung. Wichtig sei es hier, dem Niederländer genug Zeit zu geben und möglichst wenig Druck zu machen. Ob er gegen Fürth wieder starten wird, bleibt abzuwarten. Die Fitness würde es zulassen, denn nachdem er am Mittwoch aufgrund eines Schlages auf den Knöchel das Training abbrechen musste, konnte er gestern wieder voll mitttrainieren. Im Hinspiel kam Ekkelenkamp von der Bank und erzielte seinen ersten Bundesliga-Treffer.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Ein Einsatz von Ekkelenkamp wird auch von Suat Serdar abhängen. Für viele ist der Mittelfeldspieler bisher der wertvollste Herthaner, doch gegen Bochum saß unser Neuzugang aus Schalke überraschend auf der Bank. Korkut ließ durchblicken, dass er zwar gut trainiert habe, machte seinen Einsatz aber von der Trainingsleistung aller Anwärter am Freitag abhängig.

Außerdem war auch diese Woche einer unser jüngsten Neuzugänge Lee Thema der Pressekonferenz. Laut den Verantwortlichen wurde Lee besonders gut in der Mannschaft aufgenommen. Ohne Dolmetscher und mit Gestik, Englisch und Hilfe seiner Mitspieler werden auch besonders komplizierte Spielformen schnell verständlich gemacht. Darüber hinaus hat der Verein einen Externen Helfer gefunden, der Lee bei Eingewöhnung und Kennenlernen der Stadt helfen wird. Man ist insgesamt guter Dinge, gibt aber auch dem Südkoreaner die nötige Zeit.

Wie spielt Hertha am Samstag in Fürth?

Zwar wollte Korkut keine genauen Angaben zu Startelf machen, dennoch sind aufgrund des dünnen Kaders einige Positionen eindeutig. Schwolow genießt weiter volles Vertrauen. Spielt die Mannschaft wieder im gewohnten 4-2-2-2, stellt sich besonders die Frage, ob Mittelstädt seinen Platz im Mittelfeld oder Abwehr finden wird. Die Innenverteidigung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Stark und Gechter bestehen. Serdar oder Ekkelenkamp? Auch diese Frage steht offen. Dennoch glauben wir, dass Korkut folgende Spieler auf den Platz schicken könnte:

Hertha Fürth

Der Druck ist groß. Ein Sieg wäre enorm wichtig, um für die kommenden Spiele keine Unruhe im Verein zu kreieren. Korkut und Friedrich sind wie immer zuversichtlich. Hoffen wir, dass sich dies am Samstag auch bestätigt.

(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Hertha BSC gegen Union Berlin – Das Salz in der Suppe

Hertha BSC gegen Union Berlin – Das Salz in der Suppe

Das vergangene Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg kann je nach Betrachtungsweise positiv oder negativ ausgelegt werden. Doch klar ist: Diese Leistung wird im kommenden DFB-Pokalspiel gegen den Nachbarn aus Köpenick nicht reichen. Unsere Vorbesprechung mit Blick auf die Presskonferenz vor dem Duell mit Union Berlin.

Derby im Pokal – ein ganz besonderes Spiel für alle Beteiligten

Obwohl Fredi Bobic (50) in einem Interview mal zugegeben hat, selbst nicht die Geduld zum Kochen zu haben, scheint er dennoch kulinarische Grundzüge zu beherrschen. Zumindest kann man davon ausgehen, immerhin sprach er auf der Pressekonferenz gegen den Stadtrivalen im Achtelfinale des DFB-Pokals darüber: „Als Fußballer lebst du doch für solche Momente, genau das sind die Spiele, das ist das Salz in der Suppe“.

Doch nicht für die Spieler selbst, auch und vielleicht sogar vor allem für die Fans sind solche Spiele die Würze im sonst mittlerweile für einige fade gewordenen Fußballgeschäft. DFB-Pokal, K.O.-Spiele, Achtelfinale, Flutlichtspiel, der Traum vom Finale im eigenen Wohnzimmer und vor allem: Derby. All diese Begriffe lassen das Fan-Herz höherschlagen. Schon in den vergangenen Tagen haben sich wahrscheinlich bei dem ein oder anderen Anhänger der „Alten Dame“ Gefühle wie Aufregung, Vorfreude und Spannung aufgebaut.

(Photo credit should read TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Doch wer sich an das erste von den drei Derbys in dieser Saison, das Hinspiel der Bundesligasaison erinnert, bei dem werden vermutlich auch andere Gedanken hochkommen: Hoffnungslosigkeit, Angst und Sorge. Hertha zeigte sich zwar durchaus engagiert, aber dennoch kraft- und ideenlos. Tayfun Korkut (47) hingegen beschäftigte sich nach eigener Aussage überhaupt nicht mit dem Duell von vor zwei Monaten. Er gibt sich vielmehr kämpferisch: „Es ist ein Derby, und ein Derby ist dafür da um es zu gewinnen“.

Der Übungsleiter erwartet daher auch ein sehr intensives Spiel. Er fordert von seinen Spielern, dass sie probieren sollen das Spiel in jeder Sekunde zu leben, mit allem was dazugehöre. Und auch von Bobic gibt es klare Worte: „Man muss den Pokal komplett annehmen, muss es mit vollem Herzen angehen“.

Union Berlin – für den Moment vor Hertha

Dass es der Gegner aus Köpenick nicht leicht machen wird in die nächste Runde zu kommen, ist selbstverständlich. Die Mannschaft von Urs Fischer spielt in diese Saison meist in einem kompakten 3-5-2 und setzt auf defensive Stabilität gepaart mit schnellen und vor allem sauber ausgeführten Kontern.

Und mit einem leicht neidischen Blick muss man als Hertha-Fan anerkennen, dass beim Stadtrivalen seit einiger Zeit sowohl sportlich als auch wirtschaftlich vorbildlich gearbeitet wird. Auch Trainer Korkut gibt zu: „Union macht es sehr gut in den letzten Jahren, das ist Fakt.“

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Allerdings stellt er im nächsten Satz eindeutig klar: „Trotz alledem, wenn man sich die Geschichte anschaut weiß man schon, wer die Nummer eins in der Stadt ist“. Gleichzeitig plädiert er dafür, dass man das immer wieder zeigen und beweisen müsse und Hertha diese Chance am Mittwoch habe.

Dass bei Union Topstürmer Taiwo Awoniyi (24) durch die Abstellung zum Afrikacup fehlt und Abwehrchef Marvin Friedrich (26) vor wenigen Tagen zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist, macht die Aufgabe zumindest etwas einfacher als sie es mit diesen zwei Spielern wäre.

Hertha-Kader fast in Bestbesetzung

Während bei Union also aktuelle und ehemalige Schlüsselspieler fehlen lichtet sich bei Hertha langsam das Lazarett. Mittelfeldmotor Suat Serdar (24) und Altstar Kevin-Prince Boateng (34) kehren nach ihren Gelbsperren in der Liga für das Pokalspiel zurück in den Kader.

Allerdings fehlt auch bei den Blau-Weißen mit Stevan Jovetic (32) der vermutlich beste Spieler weiterhin, bis zum Spiel am Mittwoch sieht es laut Pressesprecher Max Jung sehr eng aus. Rechtsverteidiger Peter Pekarik (35) und Ersatztorwart Oliver Christensen (22) können sich eventuell bis zum Duell freitesten, allerdings stehe dahinter momentan noch ein großes Fragezeichen.

hertha union
(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Auf Nachfrage erklärt der Cheftrainer, dass Boyata zumindest eine Option für das Spiel sei. „Boyata war lange raus und hat nicht so viel trainieren können“ führt Korkut aus. Er habe sich in den vergangenen Tagen viele Gedanken bezogen zur Aufstellung gemacht, die finale Entscheidung falle dann morgen nach dem Abschlusstraining.

Basierend auf diesen Aussagen kann man also wohl davon ausgehen, dass Neuzugang Fredrik Bjørkan (23) im Kader stehen wird, ob es für einen Startelfeinsatz reicht ist allerdings zu bezweifeln.

Die E-Frage

Nahezu obligatorisch wurde auf der Presskonferenz vor dem Pokal-Kracher abschließend gefragt, ob man denn Elfmeter trainiert hätte. „Spannende Frage“, gibt Korkut, wohl mehr aus Höflichkeit als allem anderen, zu. „Man denkt immer, man kann alles trainieren. Aber bei einem Elfer gibt es so viele Sachen, die eine Rollen spielen: Der wievielte Schütze ist man? Wie ist man in dem Moment drauf? Der Druck, es gibt einfach ganz viele Aspekte“. Aber klar sei das Trainingsinhalt.

hertha union
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Besser wäre es jedoch, man kläre es vorher und käme gar nicht ins Elfmeterschießen. Anschließend schaut er kurz zu Manager Bobic rüber: „Hast du eigentlich mal einen geschossen, Fredi?“. Der schmunzelt und gibt dann zu: „Ja, aber nicht nur getroffen“.

Der Tisch für einen hochspannenden Pokalabend inklusive eines definitiven Gewinners sowie Verlierers ist also gedeckt. Nun liegt es an der Mannschaft, die Zutaten für eine wohlschmeckende Suppe in Form des Weiterkommens im Pokal bereitzustellen. Denn was nützt das beste Salz, wenn es nichts mehr zu würzen gibt?

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