Vorschau: Hertha BSC – Eintracht Frankfurt: Der erste Härtetest

Vorschau: Hertha BSC – Eintracht Frankfurt: Der erste Härtetest

So schnell kann es im Fußball gehen. Musste man letzte Woche nach blamablem Ausscheiden gegen Eintracht Braunschweig in der ersten Runde des DFB-Pokals und den Eindrücken nach einer schwachen Saison-Vorbereitung noch darum fürchten, dass auch der Ligastart komplett in die Hose gehen könnte, sieht die Welt nach dem 4:1 bei Werder Bremen wieder komplett anders aus. Zwar stimmte auch beim Auftritt an der Weser längst noch nicht alles, aber einen 8:0-Kantersieg am ersten Spieltag einer neuen Saison kann wohl kein Fan von seinem Verein verlangen.

Doch welche Schlüsse lassen sich nun nach den ersten beiden absolvierten Pflichtspielen ziehen? Zum einen ist klar zu erkennen, dass sich aktuell niemand wegen fehlender Torgefahr sorgen muss. Dodi Lukebakio scheint seine in der Vorsaison oftmals noch fehlende Kaltschnäuzigkeit entdeckt zu haben; Cunha trifft sogar in einem Spiel, in dem ihm sonst nicht allzu viel gelingen will; Neuzugang Jhon Cordoba knipst direkt in seinem ersten Spiel in blau-weiß und wenn Peter Pekarik plötzlich zum Goalgetter mutiert, wer soll dieses Team dann noch stoppen? Hört sich in der Theorie schön an. Doch leider zählt zum Fußball bekanntermaßen auch noch das Toreverhindern. Das hat in Bremen, bis auf eine Ausnahme, ebenfalls gut funktioniert. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Werder über weite Strecken des Spiels erschreckend ideenlos war. Da dürfte der kommende Gegner schon ein anderer Gradmesser für die Stabilität von Herthas Hintermannschaft werden.

Für den aktuellen Vorbericht haben wir uns Verstärkung in Form von Patricia geholt und der Frankfurt-Expertin unsere Fragen zu ihren Eindrücken rund um die Eintracht gestellt.

Das Schielen nach Europa

Nach dem 1:1 gegen Bielefeld gibt es für Frankfurt viel Luft nach oben. (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Mit der Eintracht trifft Hertha auf eine Mannschaft, die sich den Start in die Saison sicherlich etwas anders vorgestellt hatte. Das 1:1 zum Auftakt gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld ist eher ernüchternd. Zwar bewies die Eintracht immerhin Moral und war nach dem zwischenzeitlichen Rückstand das bessere Team mit einem klaren Chancenplus. Letzten Endes bleibt aber der Eindruck, dass sowohl im Spiel nach vorn als auch in der Rückwärtsbewegung noch Luft nach oben besteht.

Dies war auch schon in der ersten Pokalrunde der Fall, in der man, alles andere als dominant geschweige denn überzeugend, 1860 München knapp mit 2:1 schlagen konnte. So muss möglichst bald eine Steigerung erfolgen, will man sich den Traum von Europa, den Fredi Bobic jüngst formulierte, wieder erfüllen. Auch Patricia teilt diese Hoffnung: „[…] Die Sehnsucht nach Europa ist nach wie vor da. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, wird die Eintracht auch versuchen, die europäischen Plätze anzugreifen. […] Gleichzeitig schränkt sie jedoch ein, dass […] die Corona-Krise […] der Eintracht in ihren Planungen sicherlich den ein oder anderen Strich durch die Rechnung gemacht [habe]. Einnahmen, mit denen man eigentlich fest geplant hätte, sind weggebrochen.“

Das Problem der Linkslastigkeit

So hat die Eintracht dieselbe Herausforderung, die so viele Vereine in Zeiten von Corona haben. Große Investitionen in den Kader sind – sofern man nicht jüngst einen spendierfreudigen Investor hinzugeholt hat – aktuell keine Option. Und dennoch lässt sich die derzeitige Transferphase, gerade mit Hinblick auf die finanziell angespannte Situation, als Erfolg verkaufen. Sicherlich auch dank der Erlöse aus den Verkäufen von Haller und Jovic im vergangenen Jahr war die Eintracht nicht gezwungen, Leistungsträger abzugeben. So sagt Patricia: „Das Grundgerüst des Kaders steht und ist – vorausgesetzt es gibt keine Last-Minute-Abgänge – aus letzter Saison zusammengeblieben: Trapp, Hinteregger, Kostic, Rode und Silva sind Leistungsträger, die in allen Mannschaftsteilen den Kern des Teams bilden.“

Wie schon im letzten Jahr könnte auch in dieser Spielzeit die Abhängigkeit von Kostic zum Problem werden. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Insbesondere bei André Silva dürften die Hoffnungen groß sein, dass er in seiner zweiten Spielzeit bei der Eintracht richtig durchstartet. Nimmt man noch Bas Dost dazu, braucht es nicht allzu viel Fantasie bei der Frage, welche Spieler aufseiten der Frankfurter in der Lage sein könnten, für 15+ Tore zu sorgen. Das Problem, das auch schon in der letzten Spielzeit offensichtlich wurde und für das es bisher keine Lösung zu geben scheint, ist allerdings die Unklarheit, wer diese 15+ Tore auflegen soll. Denn das Schema „Ball auf Kostic und der bringt den Ball schon irgendwie in die Mitte“ lahmte bereits in der letzten Spielzeit, da sich die Gegner zunehmend leichter darauf einstellen konnten. Der Eintracht fehlt es an einem Plan B, wenn Kostic mal einen schlechten Tag hat oder aus dem Spiel genommen wird. So fasst es Patricia treffend zusammen: „Nach wie vor ist die leichte Ausrechenbarkeit der Eintracht ein großes Problem. Kostic ist immer noch der wichtigste Spieler in der Offensivbewegung. Auf der rechten Seite fehlt (Stand jetzt) weiterhin ein offensiver Spieler für die Außenbahn. Auch im zentralen Mittelfeld mangelt es an Kreativität, weshalb Flanken und lange Bälle das Mittel der Wahl sind. In der Zentrale erhofft man sich, dass Kamada nach seiner Vertragsverlängerung nun den nächsten Schritt macht und konstantere Leistungen bringt. Die große Baustelle ist aber weiterhin die rechte Außenbahn. Es braucht hier dringend einen Gegenspieler zu Kostic, um die Disbalance im Angriffsspiel der Eintracht zu beheben.“ 

Weiteren Nachbesserungsbedarf sieht Patricia auf der 10, wo es einen Vertreter für Daichi Kamada benötigt sowie im Sturm, wo nach der etwas überraschenden Leihe von Goncalo Paciencia nach Schalke eine Lücke klafft: „Hütter lässt mit einer Doppelspitze spielen, Dost war letzte Saison extrem verletzungsanfällig und auf der Bank sitzt nur noch der junge Neuzugang Ache. Das kann im Sturm ganz schnell sehr eng werden.“, führt Patricia aus.

Maier auf Abwegen?

Während auch Hertha noch auf der Suche nach Verstärkungen, insbesondere auf rechten Offensivbahn sowie im zentralen Mittelfeld, ist, könnte sich derweil zuerst etwas auf der abzugebenden Seite tun. „Täglich grüßt das Murmeltier“ möchte man meinen, wenn zu lesen ist, dass der Berater von Arne Maier einen Wechsel des Berliner Eigengewächs ins Gespräch bringt. Der Wunsch nach mehr Spielzeit ist angesichts der überschaubaren Einsätze Maiers in diesem Kalenderjahr durchaus nachvollziehbar. Ob es aber der Weg an die Öffentlichkeit sein muss, ist die andere Frage. Dass dies Maiers Chancen auf einen Startelfeinsatz am Freitagabend steigert, darf jedenfalls stark bezweifelt werden. Nach der erfolgreichen Vorstellung vom vergangenen Wochenende und unter der Prämisse, dass sich spontan niemand mehr verletzt, wird Labbadia aller Wahrscheinlichkeit nach derselben Elf wie in Bremen vertrauen.

[Titelbild: JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images]

Vorschau: SV Werder Bremen – Hertha BSC: Zwei Teams im Selbstfindungsmodus

Vorschau: SV Werder Bremen – Hertha BSC: Zwei Teams im Selbstfindungsmodus

Dieses nicht enden wollende Kribbeln nach der Sommerpause; die Vorfreude, nach einer verheißungsvollen Vorbereitung die Früchte erfolgreicher Arbeit auch in der Liga ernten zu können; die Euphorie, die ein souveränes Weiterkommen im Pokalsieg mit sich bringt – all das kennt man als Hertha-Fan dieser Tage höchstens vom Hörensagen. In der Vorbereitung ließ man sich das ein ums andere Mal düpieren (unter anderem mit einer 0:2-Niederlage beim HSV). Die Leistungen auf dem Feld waren ebenso wenig erbaulich, wie die Ergebnisse und zu allem Überfluss schied man dank mehrfacher Slapstick-Einlagen in der Hintermannschaft trotz vier geschossener Tore gegen Eintracht Braunschweig aus – ein Team, das in der vergangenen Saison noch in der dritten Liga beheimatet war. Aber das Fan-Herz ist nun mal kein rational-denkendes Organ. So reicht schon die Verkündung eines neuen Stürmers, um all die logischen Bedenken flugs beiseite zu wischen und von Europa zu träumen. Wo die Wahrheit zwischen diesen beiden Extremen letzten Endes liegen wird, weiß niemand. Das ist ja bekanntlich das Schöne an diesem Sport.

Um trotz all dieser Unwägbarkeiten ein paar Fakten zu ergänzen, werden wir uns auch in dieser Saison für unsere Vorberichte Hilfe von Expert*innen rund um die jeweiligen Gegner holen. Den Auftakt macht Joey, der uns einen ausführlichen Einblick in die Situation an der Weser gewährt hat.

DIE TÜCKEN DES BREMER WEGS

Dass die Situation in Bremen derart eskalieren konnte, hat vielschichtige Gründe. So waren es neben Fehlentscheidungen der Verantwortlichen auch Faktoren, die niemandem anzulasten sind. So zog sich Niclas Füllkrug, der in den ersten vier Partien an drei Toren beteiligt war, am vierten Spieltag einen Kreuzbandriss zu. Zeitgleich verletzte sich auch Yuya Osako und fiel fünf Spieltage aus. Die Liste ließe sich beliebig fortführen, wohl kein Team war derart verletzungsgebeutelt, wie der SV Werder. Doch selbstverständlich erklärt dies allein einen derartigen Absturz nicht. In jedem anderen Verein greifen zu so einem Zeitpunkt die viel zitierten Mechanismen des Fußballgeschäfts, was übersetzt bedeutet: Der Trainer wird zum Bauernopfer gemacht.

Mit Ach und Krach rettete sich der SV Werder Bremen in der Relegation vor dem Abstieg. (Photo by Ronald Wittek/Pool/Getty Images)

Werder hingegen verfolgt als Teil des „Bremer Weges“ eine andere Politik. So wurden zu keinem Zeitpunkt spürbare Diskussionen um Florian Kohfeldt aufgemacht. Ein Punkt, für den Joey Verständnis hat: „Der entscheidende Punkt war meiner Meinung nach – das wurde so auch von den Verantwortlichen immer betont – dass man in Kohfeldt insbesondere langfristig den richtigen Trainer für Werder gesehen hat und von seiner Arbeit grundsätzlich überzeugt war. […]In der Hinrunde gab’s auch durchaus noch viele Argumente, die man entweder zu Kohfeldts Gunsten auslegen konnte oder zumindest als erklärende Faktoren für den Negativlauf, um Kohfeldt aus der Schusslinie zu nehmen. Der Saisonbeginn beispielsweise war spielerisch durchaus vielversprechend, trotz zahlreicher Verletzter. […] Da konnte man noch denken: Lass die Verletzten zurückkommen, lass die Truppe die Standardschwäche abstellen und das wird zumindest eine Saison im ruhigen Mittelmaß. Leider wurde es mit der Zeit immer schlimmer.“

Statt sich also Schritt für Schritt wieder aus der Schlinge zu lösen, schien es für Bremen mit zunehmendem Fortschreiten der Spielzeit irgendwann keinen Ausweg mehr zu geben. Die anhaltende Erfolgslosigkeit trieb Kohfeldt, der für eine offensive Spielidee bekannt ist und dafür in der Vergangenheit viel Lob erntete, dazu, von seiner Philosophie abzuweichen und einen defensiveren Ansatz zu wählen. Allein die Ergebnisse blieben nach wie vor aus und „das war furchtbar anzusehen“, wie Joey zu Protokoll gibt.

WIE KONSEQUENT SIND DIE KONSEQUENZEN?

Trotz der sportlichen Misere hielt Werder Bremen unumstößlich an Trainer Kohfeldt fest. (Photo by Ronny Hartmann/Getty Images)

Dass dann auch nach dem erfolgreichen Klassenerhalt weiterhin mit Kohfeldt geplant wird, ist nur der logische Schritt – sonst hätte sich das Risiko, auf einen Trainerwechsel zu verzichten, auch gespart werden können. Dass es aber ein „Weiter so“ nach einer solch katastrophalen Spielzeit unter keinen Umständen geben darf, daran besteht kein Zweifel.

Zu diesem Schluss kamen auch die Werder-Verantwortlichen und so gab es einige Umstellungen beim Personal, das sich um die Mannschaft kümmert. „Es gab Veränderungen im Co-Trainer-Stab, es gab Veränderungen im „Team ums Team“, d. h. bei Physios, in der medizinischen Betreuung der Spieler, und es gab Veränderungen im Analyse-Team. Ob diese Änderungen dann wirklich spürbar werden, wird man abwarten müssen. Das gilt auch für Kohfeldts Trainingsarbeit: In der Vorsaison hat er selbst auch viele Fehler gemacht, die wird er nun abstellen müssen. Bisher kann man zumindest festhalten, dass wir weitgehend ohne nennenswerte oder längere Verletzungen durch die Vorbereitung gekommen sind, das ist schon mal ein Pluspunkt.“, so Joey. Ob diese Maßnahmen ausreichen, oder der Makel der Fehler aus der Vorsaison doch zu sehr an Kohfeldt heften, steht in den Sternen.

DIE SUCHE NACH DEM HOFFNUNGSSCHIMMER

Während sich also im Trainerstab einiges getan hat, war der Handlungsspielraum in Bezug auf Spieler aufgrund der Corona-Krise und der traditionell begrenzten finanziellen Mittel eher limitierter Natur. Aus Joeys Sicht gibt es dennoch Gründe, nicht um eine Wiederholung der letzten Saison bangen zu müssen: „Mit Rashica wird uns zwar einer der Spieler mit dem größten spielerischen Potenzial verlassen, aber dafür wird man hoffentlich endlich das eklatante Defizit im defensiven Mittelfeld beheben bzw. es zumindest versuchen. Gerade das Mittelfeld war letzte Saison überwiegend eine Katastrophe bei uns.”

“Die Besetzung in der Spitze hat nicht gepasst“, führte Joey weiter aus, “es haben Ballsicherheit und ein spielerischer Ruhepol gefehlt, Kreativität hat gefehlt, Dynamik hat gefehlt und wir hatten auch einfach keine Alternativen. Möhwald war verletzt, Schmid noch verliehen, Bargfredes Gesundheitszustand hat ihn selten zu einer Alternative gemacht und Sahin war plötzlich aussortiert und auch davor schon nur noch unter besonderen Bedingungen sinnvoll einsetzbar. Aktuell ist man in der Spitze zwar nicht unbedingt besser besetzt, aber man hat zumindest die Chance, wieder unterschiedliche spielerische Profile einzubringen, man hat wieder Alternativen, man hat wieder Konkurrenzsituationen auf diversen Positionen und kann dadurch auch im Training ein ganz anderes Grundniveau anlegen.“ Auch der Kopf, der nun wieder freier sei, als noch im Abstiegskampf, könne laut Joey eine große Rolle spielen. Die Befreiung darf sich aber auch gern erst ab dem zweiten Spieltag bemerkbar machen.

Auch in der aktuellen Episode unseres Podcasts haben wir neben vielen anderen Themen über unsere Erwartungen an den Saisonstart von Hertha besprochen.

STATUS: ES IST KOMPLIZIERT

Nach dem Pokal-Aus in Braunschweig macht vor allem die Rückkehr von Boyata und Torunarigha Hoffnung auf Besserung. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Um aus Herthaner Sicht Gründe für eine zufriedenstellende Saison zu finden, muss man derweil eigentlich nicht allzu kreativ sein. Der Kader war in den vergangenen Jahren schon deutlich schlechter zusammengestellt, in Bruno Labbadia steht ein erfahrener und erfolgshungriger Trainer mit klarer Spielidee an der Seitenlinie und finanziell hat man aktuell ohnehin keine Sorgen. Dass ein solcher Umbruch, wie ihn Hertha mit den Abgängen von Thomas Kraft, Vedad Ibisevic, Salomon Kalou und Per Skjelbred im Sommer erlebt hat, aber eben seine Spuren hinterlässt, macht sich aktuell deutlich. Die Mannschaft muss sich erst noch finden. Dazu muss man ihr Zeit gewähren. Und Zeit ist in diesem Geschäft bekanntlich ein rares Gut, das man sich vor allem durch Erfolge verdienen kann.

Dementsprechend wäre ein Weiterkommen im DFB-Pokal nicht unbedingt hinderlich gewesen, um weiter in Ruhe an der Selbstfindung zu arbeiten. Dass es anders kam, ist zu großen Teilen eklatanten Patzern in der Defensive anzukreiden. Da Boyatas Probleme mit der Achillessehne, die ein Mitwirken in Braunschweig noch verhinderten, rechtzeitig zu verheilen scheinen und Torunarighas Sperre ohnehin nur für den DFB-Pokal galt, dürften beide am Samstag die Innenverteidigung bilden. Nach ihren Leistungen in der vergangenen Spielzeit gibt es berechtigten Anlass, optimistisch zu sein, dass sie sich derart haarsträubende Fehler nicht leisten werden.  

[Titelbild: by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images]

Hertha BSC – SV Werder Bremen: Nur Zuhause holen wir nichts

Hertha BSC – SV Werder Bremen: Nur Zuhause holen wir nichts

Am Samstagnachmittag steht das nächste Heimspiel für Hertha BSC an. Dass das kein Grund zur Freude für die Anhänger der „alten Dame“ ist, ist offensichtlich. Im Jahr 2020 gab es Zuhause nur einen Punktgewinn (0:0 gegen Schalke 04). Ansonsten gab es drei hohe Niederlagen, die letzte gegen Köln schmerzte dabei besonders, weil die Mannschaft mit 0:5 komplett unterging. Jetzt kommt mit dem SV Werder Bremen ausgerechnet ein Angstgegner ins Olympiastadion.

Seit 2013 konnte man nicht mehr gegen die Bremer drei Punkte holen. Dazu kommt, dass Hertha diese Saison öfter als Aufbaugegner für verunsicherte Mannschaften glänzen konnte. Um jedoch in dieser turbulenten Zeit nicht in Panik zu verfallen, wollen wir die nächste Partie objektiv betrachten. Dazu haben wir uns einen kompetenten Interviewpartner geholt, in Person von Kim (auf Twitter @kimosch46) der unter anderem beim Weserfunk regelmäßig zu hören ist. Mit ihm blicken wir auf die so wichtige Partie am Samstag.

Gespaltene Medienlandschaft bei Werder Bremen

Hertha BASE: Die klassische Frage zu Beginn: wie ist so die Stimmungslage in Bremen?

Kim: Liebes Tagebuch, im Moment ist es bei Werder sehr unruhig. Es scheint, als spalte sich die Fanszene sowie die Medienlandschaft in zwei Lager. In dem einen Lager sagen sie, Florian Kohfeldt habe keinen Mehrwert mehr für Mehrder… äh, Werder. In dem anderen Lager, zu dem ich mich selbst auch zähle, sagen sie, dass Florian Kohfeldt nach wie vor der richtige Trainer für Werder ist. Aber dazu später mehr. Ansonsten kann man sagen, dass es lange nicht solch eine Unruhe im und um den Verein gab. Dazu kommt eine immer stärker boulevardeske Berichterstattung über Werder. Es wird alles skandalisiert und dramatisiert und das in einer Situation, die sportlich schon dramatisch genug ist. Ach, liebes Tagebuch, es ist wirklich anstrengend zur Zeit.

Trainer Florian Kohfeldt (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Anstrengend war auch das Pokalaus gegen Frankfurt (2:0). Was nimmt die Mannschaft aus dieser Partie mit?

Kim: So, genug Bezug zu Tagebüchern jeglicher Art. Das Pokalspiel steht für die sportliche Misere: Zunächst steht Werder defensiv solide und versucht situativ den Gegner unter Druck und offensive Nadelstiche zu setzen. Dann kommt ein Rückschlag, meist durch einen Standard, und es gibt Unruhe. Im Pokalspiel war es noch okay nach dem Gegentor, offensiv fand Werder jedoch kaum statt. Die beiden einzigen Tore für Werder in der Liga im Jahr 2020 waren Eigentore. Einzig das Pokalspiel gegen den BVB ließ die Stürmer jubeln, ansonsten herrscht Ebbe in der Offensive. Was man jedoch mitnehmen kann: Defensiv war es weitestgehend in Ordnung und in den meisten Statistiken lag Werder vorne. Punkte in der Liga gibt es dafür jedoch keine.

Und trotzdem scheint Florian Kohfeldt das Vertrauen der Vereinsführung zu behalten. Was denkst du über die Trainersituation?

Kim: Ich halte Kohfeldt nach wie vor für einen talentierten Trainer, der für Werder der richtige Coach ist. Die Situation ist auch gänzlich anders als bei Skripnik und Nouri zu bewerten. Kohfeldt ist großartig in der Kommunikation, die Mannschaft steht hinter ihm und spricht sich auch für ihn aus. Ein Bruch zwischen Team und Trainer ist nicht auszumachen. Darüber hinaus stellt sich ja auch immer die Frage nach einer Alternative: Wer wäre denn für Werder überhaupt verfügbar und auch ein klares Upgrade zu Kohfeldt? Der Kader ist so wie er halt ist, im defensiven Mittelfeld klafft eine eklatante Lücke, was aber in erster Linie Baumann anzukreiden ist und nicht Kohfeldt. Ich bin nach wie vor voller Hoffnung, dass Bremen mit Kohfeldt den Turnaround schafft!

Ohne Selke, Toprak und Pavlenka nach Berlin

Wie gut kann Bremen die Müdigkeit bis Samstag wegstecken?

Kim: Von Mittwoch bis Samstag sollte genug Regeneration möglich sein, zumal die Mannschaft auch von Frankfurt direkt nach Berlin reist. Das darf keine Ausrede sein!

Wie schätzt du die Stärken eures Teams ein? Was kann euch denn da unten raus holen?

Kim: Rashica, Selke (der gegen Hertha fehlt) und Bittencourt werden (hoffentlich bereits am Samstag) den Schalter umlegen und die Liga kurz und klein schießen. Nur durch Eigentore des Gegners wird man die Klasse nicht halten können.

Dafür habt ihr ja Hertha-Schreck Claudio Pizarro auf der Bank. Allerdings fallen jetzt Ömer Toprak und Torhüter Jiri Pavlenka (Muskelfaserriss) aus. Was wird sich im Team durch die Ausfälle am Samstag verändern?

Kim: Toprak ist glücklicherweise nicht so schwer verletzt wie befürchtet, wird gegen die alte Dame jedoch fehlen. Vogt wird deshalb vermutlich in die Innenverteidigung rücken und wohl Sahin in die Mannschaft spülen. Selke darf ja nicht spielen – was für eine Klausel, ach du meine Güte, Baumann! – was vielleicht zum Startelfdebüt von Nick Woltemade führen wird. Vielleicht wird aber auch Josh Sargent starten.

Davie Selke darf aufgrund einer Klausel nicht gegen Hertha spielen. (Gif: https://giphy.com/bundesliga )

À propos Selke: wie macht er sich bisher bei euch? Was hälst du von ihm?

Kim: Der Transfer ließ mich zwiegespalten zurück: Finanziell für Werder ein ordentliches Wagnis, dazu ist Davie auch nicht der Spieler, der die 10+x Tore garantiert. Aber er ist jemand, der voran geht und sich nicht versteckt, dazu für Kohfeldt Art des Fußballs auch der richtige Zielspieler. Ich hätte mir im Winter gewünscht, dass das Geld in einen zentralen Mittelfeldspieler gesteckt wird, aber das ist ja nicht Selke anzulasten. Im Pokal gegen den BVB hat man gesehen, welche Qualitäten er hat und ich hoffe, dass er diese nun konstant und über den Sommer hinaus für Werder zeigen wird.

Und zum Schluss noch die obligatorische Frage nach deinem Tipp für die Partie:

Kim: Die ersten Frames wird Hertha sich holen, dann wird Werder jedoch mit einem Maximum Break das Ruder herumreißen und großartiges Snooker spielen. 9:5 für Werder!

Erwachen der Macht im Hertha-Kader?

Wie wir bereits in unserer Rubrik „Herthaner im Fokus“ feststellten, war das Spiel in Düsseldorf vor allem durch die Spieler geprägt. Nouris taktische Umstellungen trugen keine Früchte, wieder einmal mussten die Berliner zur Halbzeit zwei mal wechseln. Nur durch eine Reaktion innerhalb der Mannschaft, insbesondere gepusht durch die erfahrenen Spieler im Team, konnte die Aufholjagd realisiert werden. Jetzt heißt es aber im Hinblick auf das Spiel am Samstag: war es nur eine einmalige Situation? Oder gab es im Hertha-Kader eine Art „Erwachen der Macht“?

Viel wurde spekuliert, dass sich die Mannschaft quasi „selbst“ leitet. Hertha scheint auch auf diese Reaktion aufbauen zu wollen: Thomas Kraft wurde in der Pressekonferenz als aktuelle Nummer Eins im Tor bekräftigt. Vor allem seine Rolle fürs Teamgefüge sei wichtig für die nächsten Partien. Auch Vladimir Darida, der eine der wenigen Säulen im Team zuletzt darstellt, wird wohl wieder in der Startelf stehen. Eine wichtige Säule fällt hingegen mit Dedryck Boyata weg. Der belgische Abwehrchef leidet noch unter Muskelproblemen. Er wird in der Innenverteidigung wohl durch Niklas Stark ersetzt, der nach Gelbsperre zurückkehrt. Zudem fällt weiterhin auch Peter Pekarik aus, Per Skjelbred hingegen könnte noch rechtzeitig fit werden. Auch Santiago Ascacibar steht wieder zur Verfügung.

Dedryck Boyata fällt am Samstag verletzt aus. (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Kein Spiel für schwache Nerven

Die taktische Ausrichtung bleibt eine große Frage. Die ständigen Wechsel der letzten Wochen führen auch dazu, dass die Startelf kaum vorherzusagen ist. Sollte Hertha den Schwung der zweiten Halbzeit in Düsseldorf mitnehmen wollen, wird die Aufstellung am Samstag um 15:30 Uhr wohl ähnlich aussehen, wie in dieser zweiten Hälfte.

Die Antworten unseres Werder-Experten deuten schon an, dass Hertha auf eine Mannschaft am Samstag treffen wird, die ums Überleben kämpft. Bremen ist angeschlagen, unter Druck und dazu noch personell geschwächt. Hertha könnte durch einen Sieg einen Riesen-Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Bei dieser Ausgangslage klingeln bei allen Hertha-Fans schon die Alarmglocken.

Doch dieses Gerede von Aufbaugegner, Heimschwäche und positiven Druck muss endlich ein Ende finden. Die Mannschaft muss den Charakter-Test bestehen und endlich wieder gegen die Konkurrenz im Abstiegskampf ein Zeichen setzen. Die Trainerdiskussion gibt der Mannschaft keine Ausreden mehr. Die zweite Halbzeit in Düsseldorf und der anschließende Austausch der Spieler mit den Fans und später mit dem Trainer müssen eine positive Energie erzeugen. Diese Kraft wird notwendig sein: das Spiel am Samstag wird wieder kein Spiel für schwache Nerven.

Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC: Abstiegskampf mit “Déjà-vu”

Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC: Abstiegskampf mit “Déjà-vu”

Leichter wird es im Verlauf dieser Rückrunde nicht, Woche für Woche die Vorberichte zu schreiben. Als Hertha-Fan ist die aktuelle Lage so belastend, wie lange nicht mehr. Trotzdem geht das Leben weiter und es sind noch genug Spiele, um die Saison wieder einigermaßen versöhnlich zu beenden. Den Anfang könnte Hertha BSC direkt am Freitagabend machen, wenn es zu Fortuna Düsseldorf ins Rheinland geht.

In Düsseldorf hat die “alte Dame” zuletzt nur Horror-Szenarien erlebt und muss sich noch von der letzten Pleite erholen (1:4). Dazu kommt das “déjà-vu”: nach einer anderen Horror-Saison traf man in der Relegation aufeinander. Gute Erinnerungen sind diese zwei Spiele für Hertha-Fans sicher nicht. Dabei laufen Auswärtsspiele in dieser Rückrunde deutlich besser als die Auftritte zu Hause. Kann Hertha endlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen?

Unser Fortuna-Düsseldorf-Experte Dennis (auf Twitter @Scheff83), und Podcaster bei “Neues vonne Pommesbude” , stand uns wieder einmal zur Seite. Er beantwortet unsere Fragen zu unseren Gastgebern.

“Mit neuem Feuer im Abstiegskampf”

Hertha BASE: Zunächst einmal: in Berlin ist gerade die Hölle los, wie ruhig ist es aktuell vergleichsweise in Düsseldorf, trotz Abstiegskampf?

Dennis: Bei der Fortuna war es in den letzten Wochen auch sehr unruhig, auch wenn das Ausmaß nicht diese “HSV-Züge” wie aktuell bei der Hertha angenommen hat. Nach der Entlassung von Friedhelm Funkel nach der Pleite in Leverkusen, hat in der letzten Woche überraschenderweise auch der sportliche Leiter Lutz Pfannenstiel seinen Abschied verkündet. Er wird aus persönlichen Gründen F95 am Saisonende nach erst knapp 1 1/2 Jahren verlassen. Kontinuität auf den wichtigsten Positionen im sportlichen Bereich sieht anders aus… 

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Im letzten Spiel konnte die Fortuna 2:0 in Freiburg siegen. Wie ist die Form der Mannschaft im Moment wirklich einzuschätzen?

Dennis: Seitdem Uwe Rösler das “Trainer-Zepter” schwingt, steht die Fortuna kompakter und spielt auch offensiver. Man ist wieder im Stande Chancen herauszuspielen und weniger von “Geniestreichen” eines Rouven Hennings abhängig. Der Sieg in Freiburg war sehr bedeutend, da dadurch nun der Abstand zum 15. Platz auf zwei Zähler geschmolzen ist. Schon in den Partien gegen Frankfurt und Wolfsburg (beide 1:1) wären Siege meines Erachtens verdient gewesen. Gegen Mönchengladbach spielte man eine Hälfte gut mit, am Ende fiel die 1:4-Niederlage um ein bis zwei Tore zu hoch aus. 

Wie schätzt du die Stärken deines Teams ein? Was macht sie so stark im Vergleich zu den anderen Abstiegskandidaten?

Dennis: Die letzten Spiele haben Mut gemacht. Gegen Freiburg hat man gut verteidigt und die Chancen auch endlich mal genutzt. Erik Thommy hat herausragend gespielt. Trotz der angesprochenen Turbulenzen im Verein scheint die Mannschaft unbeeindruckt und agiert durch den Trainerwechsel mit “neuem Feuer” im Abstiegskampf. Jedem Spieler ist bewusst, dass allein der Klassenerhalt zählt und scheinbar ist deswegen auch F95 ein Schritt weiter als beispielsweise Werder Bremen. Die Mannschaft steht wieder deutlich kompakter und lässt wenige Großchancen im Strafraum zu. Das ist meines Erachtens aktuell der große Trumpf, da außer Hennings insgesamt leider doch wenig Torgefahr von der Fortuna ausgeht. 

Unter Uwe Rösler wieder unangenehm zu bespielen

Wird es am Freitag im Team zu Änderungen kommen? Wer ist bei euch gesperrt oder verletzt?

Dennis: Fraglich ist Suttner in der hinteren Dreierreihe. Gießelmann hat ihn aber sehr gut gegen Freiburg vertreten. Vielleicht wird aber auch Jörgensen hinten aufgeboten. Als Aufbauspieler wäre Gießelmann aber besser geeignet. Ansonsten kann Rösler aus dem Vollen schöpfen. Kenan Karaman hat nach seiner langen gesundheitlichen Pause (Lungenentzündung) gegen Freiburg einen vielversprechenden Eindruck gemacht. Ich denke, er wird neben Hennings wieder als zweite Spitze auflaufen. 

Wie stellt Funkel-Nachfolger Uwe Rösler sein Team auf? Was hat sich taktisch verändert?

Dennis: Er hat ein neues System etabliert mit einer Dreierkette und zwei Schienenspielern auf den Seiten. Fortuna spielt nun im 5-3-2 oder 3-5-2, je nach Spielverlauf. Die äußeren Innenverteidiger wie z. B. Ayhan sind sehr aktiv im Spielaufbau und das bringt eine große Dynamik ins Fortuna-Spiel. Wichtig für das Offensivspiel ist, dass Kevin Stöger nach seiner Kreuzbandverletzung wieder spielt. Er macht im zentralen Mittelfeld mit Winterneuzugang Valon Berisha den Unterschied aus. Beide Spieler bringen technische- und Pass-qualitäten mit, die im Kader vorher nicht vorhanden waren. Fortuna ist wieder unangenehm zu bespielen, die große offensive Durchschlagskraft fehlt aber weiterhin.

Schafft es Hertha mit individueller Klasse?

Was müsste Hertha schaffen, um bei euch Freitag zu punkten?

Dennis: Bei aller Häme in der letzten Woche – Hertha weiß, wie man auswärts punkten muss. In den letzten drei Auswärtsspielen gab es drei Siege, auch wenn das zum Teil fürchterliches Gebolze war. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass das Spiel am Freitag kein Augenschmaus werden wird und von beiden eher defensiv geprägt ist. Hertha verfügt über die individuelle Klasse das Spiel nach Hause zu fahren.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Dodi Lukebakio kehrt zurück an alter Wirkungsstätte: wie wird er in Düsseldorf empfangen?

Dennis: Ich denke es wird gemischte Reaktionen des Publikums geben. Er hat eine tolle Saison bei der Fortuna gespielt, war aber auch nur ein Jahr hier. 

Zum Schluss noch die Frage: was ist dein Tipp für Freitag?

Dennis: So wie die Saison läuft, wird Hertha kurz vor Schluss das 1:1 schießen. 

Der sportliche Stand bei der “alten Dame”

Während der (noch in Lyon spielende) Hertha-Neuzugang Lucas Tousart in der Champions League zum Matchwinner gegen Juventus Turin wurde, verbrachten seine zukünftigen Mitspieler erneut eine turbulente Woche in Berlin. Abstiegskampf wäre an sich schon schwer genug, da hätten die Blau-Weißen gerne diese Woche auf den erneuten Wirbel um Jürgen Klinsmann und seinen Machtspielchen mit der Hertha-Chefetage verzichtet. Dabei wollen wir an dieser Stelle nur auf das sportliche eingehen, in der Hoffnung, dass es sich auch demnächst wieder nur um den runden Ball drehen wird.

Die schwierige Aufgabe in Düsseldorf muss Hertha BSC ohne Niklas Stark bestreiten. Dieser fehlt bei den Rheinländern gelb-gesperrt. Auch auf Santiago Ascacibar wird Hertha aufgrund dessen in Stuttgart gesammelten Karten verzichten müssen. Das könnte in Theorie eine Systemumstellung mitbringen, allerdings könnte Alexander Nouri auch einfach positionsgetreu seine gesperrten Spieler ersetzen.

Alexander Nouri sah sein Spielsystem allerdings nicht als Thema, wie er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel erklärte. Was wir in unserer letzten Podcast-Folge zu Herthas Taktik zu sagen hatten, findet ihr hier:

Gute Spieler hat Hertha noch in der Hinterhand. Jordan Torunarigha könnte zum Beispiel nach zuletzt starken Leistungen endlich wieder in der Startelf stehen. Arne Maier ist zurück im Mannschaftstraining und bis auf Peter Pekarik, der noch fraglich ist, stehen Alexander Nouri alle Profis zur Verfügung. Ausreden gibt es für den noch-Cheftrainer nicht: Hertha muss in Düsseldorf punkten.

Hertha BSC – 1.FC Köln: Karneval oder Samba in Berlin?

Hertha BSC – 1.FC Köln: Karneval oder Samba in Berlin?

Bunt, turbulent, laut, ein Hauch von Skandal und für Außenstehende zum Teil lächerlich und nüchtern schwer zu ertragen. Nein, es ist keine Beschreibung vom Kölner Karneval, sondern von den letzten Wochen bei Hertha BSC. So wirklich ist in Berlin keine Ruhe eingekehrt, trotz des knappen 2:1 Erfolgs gegen den SC Paderborn vergangenes Wochenende. Am Samstag um 15.30 Uhr ist der 1. FC Köln zu Gast im Olympiastadion. Die Kölner haben nur drei Punkte weniger im Abstiegskampf und wollen daher unbedingt zu Hertha aufschließen.

Während in Köln aktuell Karneval gefeiert wird, gab es in Berlin zuletzt nur selten Party-Stimmung, auch wenn ein Hauch von Samba in Person von Matheus Cunha zu spüren war. Um herauszufinden, welche Mannschaft am Samstag wohl die besseren Chancen hat, haben wir uns erneut Verstärkung geholt. Mit Thomas Reinscheid, Chefredakteur von effzeh.com blicken wir auf die Partie Hertha BSC – 1. FC Köln.

Der Gisdol-Effekt

Die starken Ergebnisse unter Neu-Coach Markus Gisdol in den letzten Monaten sorgen natürlich für gute Stimmung in der Domstadt. Thomas sagt uns zu der Lage am Rhein: „Die Stimmung ist mittlerweile prächtig, auch wenn es lange nicht danach aussah. Durch die starken Auftritte zum Ende der Hinrunde und den Heimsiegen zum Jahresstart hat sich der FC ein ordentliches Polster auf die Abstiegsränge geschaffen und kann etwas entspannter in die Spiele gehen. Nun muss das Team allerdings auch dran bleiben und die wichtigen direkten Duelle im Abstiegskampf für sich entscheiden.“

Köln in den letzten Monaten mit vielen Siegen. ( Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Zuletzt gab es nur zwei Niederlagen gegen Borussia Dortmund und den FC Bayern München. Ansonsten sammelte Köln seit der Niederlage gegen Union Berlin nur Siege. Auf die Frage, was sich, unter anderem mit dem Trainerwechsel zu Markus Gisdol, verändert habe sagt uns Thomas: „Die Mannschaft tritt geschlossener auf, läuft mehr und wirft sich in jeden Zweikampf. Es scheint, als haben die Spieler begriffen, was es im Abstiegskampf braucht, um erfolgreich zu sein. Vor allem durch die jungen Spieler wie Ismail Jakobs oder Noah Katterbach ist eine andere Intensität auf dem Platz zu erleben. Dazu hat der FC auch das notwendige Spielglück, das ihm über weite Strecken der Hinrunde nicht hold war.“

Die Niederlage vergangene Woche gegen den amtierenden Deutschen Meister sei bereits abgehakt. „Wie schon in Dortmund hat der FC zu Beginn der Partie seine Grenzen aufgezeigt bekommen, was aber gegen solche Spitzenteams nicht schlimm ist. Man muss daraus lernen – und das Positive, das in der zweiten Halbzeit gezeigt wurde, in die Partie in Berlin mitnehmen.“

Kölner Standards die große Gefahr für Hertha

Als größte Waffe bringen die Rheinländer dazu ihre Standardstärke mit: „Wir sind bei Ecken ungemein torgefährlich, zusammen mit Eintracht Frankfurt haben wir dort die meisten Treffer erzielt. Insgesamt sind unsere Standardsituationen eine echte Waffe geworden – völlig ungewohnt für den FC.“

Standards sind jedoch nicht die einzige Stärke unserer Gegner am Samstag: „Darüber hinaus hat die Gisdol-Elf mit Jonas Hector, Ellyes Skhiri und Mark Uth ein spiel- und laufstarkes Mittelfeldzentrum und mit Jhon Cordoba über einen körperlich beeindruckenden Angreifer, der sich in jeden Zweikampf wirft.“

Wir haben unseren Köln-Experten auch gefragt, womit sich der „FC“ noch schwer tut. Dazu sagt Thomas: „Aktuell verpennt der FC regelmäßig den Start ins Spiel. In Dortmund und gegen die Bayern hat uns das wohl das Spiel gekostet, gegen Wolfsburg und Freiburg konnte der Gegner das zum Glück nicht nutzen. Dazu ist im Spiel nach vorne noch viel Luft nach oben. Wir erobern uns regelmäßig in recht aussichtsreichen Situationen den Ball, um ihn dann durch große Hektik im Umschaltspiel leicht wieder herzuschenken.“

„Aggressiv und Zweikampforientiert“

Zu der Frage, wie sich die Karnevalszeit auf die Kölner Leistung auswirkt, antwortet unser Köln-Experte: „Eigentlich ist die Bilanz an Karneval fürchterlich, besonders in der Bundesliga. Liegt zumeist daran, dass der FC auswärts spielen muss. Aber: Im vergangenen Jahr holte der FC einen Tag vor Rosenmontag tatsächlich einen Sieg. Hoffentlich gelingt eine Wiederholung in dieser Saison.“

Sebastiaan Bornauw fehlt in Berlin aufgrund einer gelb-Sperre. (Foto: TF-Images/Getty Images)

Was die Aufstellung der Kölner angeht, wird es gezwungenermaßen zu Änderungen kommen. Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw fehlt gelb-gesperrt, Linksverteidiger Noah Katterbach ist verletzt. Thomas verrät uns, wie Gisdol wohl beide Stammspieler ersetzen wird: „Für Katterbach wird sicherlich Jakobs nach hinten rücken und als Linksverteidiger agieren. Bei Bornauw, dessen Sperre echt unnötig zustande gekommen ist, ist die Frage, ob FC-Coach Markus Gisdol mit Toni Leistner eher auf die rustikale Variante setzt oder doch der spielerisch stärkere Jorge Meré zum Einsatz kommt. Ich tippe, um ehrlich zu sein, auf ersteres.“ Genannter Mere hatte auch einen eher unglücklichen Auftritt im Hinspiel, als er für ein grobes Foul an Vladimir Darida die rote Karte sah.

Trotz dieser beiden Wechsel tippt unser Köln-Experte nicht auf große Änderungen in der taktischen Einstellung der Mannschaft: „Wir werden keine Experimente versuchen, auch wenn zwei wichtige Stammspieler ausfallen. Intensiv gegen den Ball, mit schnellem Umschaltspiel nach vorne – das wird die Marschroute sein. Das sieht nicht immer schön aus, hat sich bisher aber als erfolgreich erwiesen.“ In der Presskonferenz sagt der Cheftrainer der Kölner, man wolle „aggressiv und zweikampforientiert spielen“.

1. FC Köln, Lieblingsgegner von Vedad Ibisevic

Köln wird also wie erwartet erneut eine schwere Aufgabe für die Mannschaft von Alexander Nouri werden. Die Bundesliga-Heimbilanz der „alten Dame“ gegen die Kölner kann sich zumindest sehen lassen: aus den letzten fünf Heimspielen holte man vier Siege und einen Remis. Die letzte Bundesliganiederlage Zuhause geht auf das Jahr 2009 zurück (0:1), im Pokal hingegen gewann Köln im Olympiastadion im Jahr 2017 mit 3:1.

Köln, Lieblingsgegner von Vedad Ibisevic.

Auch das letzte Spiel gegen die Rheinländer wird in beiden Fanlagern noch in den Köpfen sein. Mit 4:0 konnten sich die Herthaner durchsetzen. Zwei Treffer konnte dabei Kapitän Vedad Ibisevic erzielen, der allgemein besonders gerne gegen den „Effzeh“ trifft. In acht Spielen gegen die Kölner erzielte er neun (!) Treffer. Dazu schoss der gebürtige Bosnier seine zwei ersten Treffer für die Blau-Weißen im Olympiastadion gegen die Rheinländer (am 22.09.2015).

Unser FC Köln-Experte Thomas ist sich dieser Tatsache bewusst und hofft darauf, dass Ibisevic nicht zum Einsatz kommt: „(…) der Bosnier trifft gefühlt in jedem Spiel gegen den FC mehrfach. Im Hinspiel hat er das ja auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ich hatte gehofft, er hätte sich am vergangenen Wochenende die fünfte Gelbe Karte abgeholt, aber leider steht er euch gegen den FC zur Verfügung.“

Wer als Hertha-Fan hingegen auf ein (dieses Mal von der DFL anerkanntes) Tor von Matheus Cunha hofft, wird sich an einen anderen Brasilianer erinnern, der gegen den FC Köln ein unsterbliches Tor erzielte.

Wer soll es gegen Köln richten?

Zwar sind Alex-Alves-Vergleiche an dieser Stelle wohl verfrüht, allerdings scheint auch der Hype um Cunha aktuell sehr groß zu sein. Auch deshalb ist es wahrscheinlich, dass der 20-Jährige am Samstag erneut in der Startaufstellung der Hauptstädter stehen wird. Doch wie wird die Startelf der Berliner am Samstag aussehen?

Im Auswärtserfolg gegen den SC Paderborn überraschte Cheftrainer Alexander Nouri mit seiner Startelf. Peter Pekarik spielte von Beginn an, genauso wie Neuzugang Matheus Cunha. Die Doppelspitze Cunha-Piatek überzeugte phasenweise, obwohl beide bisher kaum miteinander trainiert hatten. Ob Nouri erneut auf diese Doppelspitze setzt, oder womöglich auf Köln-Schreck Ibisevic setzt, ist eine spannende Frage. Tatsächlich wurde der Bosnier in Paderborn gegen Spielende eingewechselt.

Darf Lukas Klunter gegen den Ex-Club spielen? (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

In der Pressekonferenz ließ sich Nouri nicht in die Karten schauen und gab keine Hinweise darauf, wer für das Spiel am Samstagnachmittag die Nase vorn hat. Optionen wird er genug haben: sowohl Niklas Stark als auch Per Skjelbred sind wieder fit und auch Marius Wolf ist nach seiner Sperre wieder verfügbar. Ein Luxusproblem im Abstiegskampf also, wenn man sich beispielsweise die Verletzungsmisere von Werder Bremen anschaut.

Fraglich ist auch, ob Ex-Kölner Lukas Klünter den Vorzug vor Peter Pekarik bekommt. Der gebürtige Euskirchener spielte in der Jugend des 1. FC Kölns und wurde dort auch Profi. Bereits 18 Mal wurde er diese Saison in der Bundesliga eingesetzt. In den beiden letzten Partien spielte er jedoch nicht. Auch Jordan Torunarigha und Vladimir Darida dürfen sich Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen. Beide wurden gegen den SC Paderborn eingewechselt und konnten überzeugen.

Endlich wieder ein Heimsieg?

Ob Nouri den Schwung aus Paderborn mitnehmen will oder doch punktuell Änderungen vornimmt, wird sich zeigen. Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio werden sicher auch nicht lange mit Tribünen- oder Bankplätze zufrieden sein. Im Tor wird Thomas Kraft nach seiner kuriosen Handverletzung ausfallen, als zweiter Torwart wird der junge Dennis Smarsch auf der Ersatzbank sitzen.

Am tollen Support der Ostkurve liegt die negative Heimserie nicht. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Fakt ist: die Mannschaft tut sich gerade Zuhause schwer. Das letzte Mal konnten die Berliner am 14. Dezember 2019 gegen Freiburg mit 1:0 Zuhause gewinnen. Optimismus kommt also nicht so leicht auf, gerade für Hertha-Fans, die noch das letzte Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 im Kopf haben (1:3-Niederlage).

Thomas hingegen glaubt an seine Mannschaft und tippt auf einen 2:0-Auswärtserfolg der Kölner: „Ein frühes Tor, dann irgendwann in der zweiten Halbzeit ein erfolgreicher Konter.“ Genau dieses Szenario wird Hertha BSC verhindern müssen. Sollten die Berliner die Schwäche des 1. FC Kölns in der Anfangsphase nutzen können, könnte das Spiel auch schnell in die „richtige“ Richtung kippen. Ob mit Köln-Schreck Ibisevic oder mit dem Brasilianer Cunha: die „alte Dame“ hat es selbst in der Hand. Ein Sieg, und der Klassenerhalt wäre zum Greifen nahe. Vielleicht kehrt dann auch wieder Ruhe in die Hauptstadt ein…zumindest bis zum Derby am 21. März.

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Spektakel im Abstiegskampf?

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Spektakel im Abstiegskampf?

Der letzte Spieltag in der Bundesliga lief nicht gerade zugunsten von Hertha BSC. Eine 0:4-Heimniederlage gegen den FC Bayern München gepaart mit Siegen der Konkurrenten haben die Blau-Weißen wieder stärker in den Abstiegskampf versumpfen lassen. Doch bereits am Samstagnachmittag können die Berliner die Stimmungslage ändern. Dafür müssten die Spieler der „alten Dame“ den VfL Wolfsburg auswärts bezwingen. Keine leichte Aufgabe, auch wenn die „Wölfe“ zuletzt in Köln mit 1:3 untergingen.

Wie üblich wurden wir für diesen Vorbericht durch einen Wolfsburg-Experten unterstützt. Dennis Lindner (auf Twitter @WobTikal) stand uns dieses Mal zur Seite und gab uns viele nützliche Informationen über den Gastgeber.

„Nicht euphorisch, aber ruhig bis gut“

Wie diese Saison beim VfL Wolfsburg läuft, beschreibt uns Dennis wie folgt: „Der Start in die Saison war stark, das Team wirkte nicht übermäßig offensiv, aber sehr stabil. Mit dem Ausscheiden aus dem Pokal und dem krachenden Ende der Phase, in der man in allen Wettbewerben unbesiegt war, endete auch die Stabili- und Souveränität. Erst mit dem letzten Europapokalspiel der Gruppenphase und dem damit verbundenen Wechsel zurück zur Viererkette und der Rückkehr von Xaver Schlager hatte man wieder ein besseres Gefühl, die Spielweise war deutlich besser, nur die Ergebnisse haben ein wenig gefehlt.“ Die Stimmung in Wolfsburg vor der Winterpause war also: „Nicht euphorisch, aber ruhig bis gut.“

Trifft auf seinen Ex-Club: John-Anthony Brooks (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Start in der Rückrunde verlief dann umso enttäuschender. Dennis beschreibt die Niederlage in Köln: „Vorne Pech und hinten Dumm. Oder umgekehrt. Man hat sich sehr, sehr naiv angestellt, nachdem man vorne die frühen Chancen nicht genutzt und dann keine wirklichen Mittel mehr gefunden hat. Das Kölner Pressing hätte uns eigentlich keine Angst machen dürfen, aber es hat sehr gut funktioniert, unsere Abwehrspieler standen ständig unter Druck und haben dabei viele Fehler gemacht.“

Keine Ausnahme ist da der Ex-Herthaner John-Anthony Brooks: „Dass ein Spieler wie Brooks mit Cordoba solche Probleme hat, ist schon eher peinlich.“ Dennis spricht von „individuellen Fehlern“, insbesondere beim 0:2, das aus seiner Sicht „unfassbar unnötig und vor allem dumm war“.

Wie wird Wolfsburg am Samstag auftreten?

Der Frust sitzt beim Tabellenneunten also noch tief nach der Niederlage in Köln – schließlich war sie die sechste in den letzten neun Ligaspielen. Trotzdem kann unser Experte auch Stärken seines Teams benennen: „Das Zentrum im Mittelfeld ist unser absolutes Prunkstück. In Normalform sind Guilavogui, Arnold und Schlager keine Gegner, die man haben möchte. Drei sehr starke Mittelfeldspieler, die ihre Aufgaben gut aufgeteilt haben, laufstark und kreativ sind. Sein könnten. Sollten.“

In Köln unterlag der VfL Wolfsburg mit 1:3 (Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Auch im Offensivspiel läuft noch nicht alles glatt. Eine Schwäche des VfLs ist laut Dennis auch: „(…) das Generieren von Chancen aus dem Spiel. Wir haben eigentlich die Leute dafür, aber irgendwie hakt es immer. Auch gegen Köln hat man gesehen, dass mehr als einmal eine gute Idee daran scheiterte, dass nur einer sie hatte.“

Gerade in der Offensive könnte es laut Dennis auch eine Rotation geben. „Statt Ginczek und Brekalo stehen da mit Mehmedi, Steffen und mit Abstrichen Klaus zur Verfügung, die jeweils die Statik der Offensive noch mal deutlich ändern würden.“

Weghorst und Selke – Wer trifft zuerst in 2020?

Deutlich positiver schreibt Dennis über den Stoßstürmer unserer Gastgeber, Wout Weghorst. Dabei blieb der beste Torschütze der „Wölfe“ in Köln torlos. Die Schuld daran sieht Dennis jedoch woanders: „Er (Weghorst) ist ein bisschen allein da vorne. Unsere Flügelspieler sind nach wie vor keine, vor denen man Angst hat, einzig Brekalo strahlt da ein bisschen Gefahr aus. Der hat aber auch eine erschreckend schlechte Entscheidungsfindung, aktuell. Wäre es ein Playstation-Spiel, dann würde man bei seinem Controller Schuss- und Passtaste einfach austauschen, man würde auf der Stelle seine Stärke verdoppeln.“

Dass Weghorst zuletzt auch Großchancen liegen ließ, beunruhigt Dennis nicht: „Wird (…) wieder. Als Typ und Spieler ist er völlig unangefochten da vorne, das wird er auch bleiben. Und er wird auch wieder treffen, gerade mit der Unterstützung von Ginczek, der endlich wieder komplett fit ist, wird das nicht lange dauern.“

Soll endlich wieder treffen: Davie Selke. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Auch bei Hertha gibt es aktuell einen Stürmer, der zwar viel arbeitet und durchaus als torgefährlich gilt, der aber kein Erfolg im Abschluss hat. Davie Selke braucht dringend einen Erfolgserlebnis, und Hertha braucht dringend wieder Stürmertore. Mehr zu der Situation des 25-Jährigen gibt es in unserer Einzelkritik zum letzten Spiel zu lesen.

Auch in Wolfsburg wundert man sich darüber, dass Konkurrent Vedad Ibisevic nicht Stürmer Nummer eins ist: „Warum in der Mitte Selke statt Ibisevic spielt, verstehe ich nicht ganz, auch wenn ich Selke als Spieler auch ganz gut finde.“ Möglicherweise ist bereits am Samstag eine Umstellung im Hertha-Sturm zu erwarten. Dodi Lukebakio könnte in die Sturmspitze wechseln, der momentan beste Torschütze der „alten Dame“ (vier Treffer). Für Ihn könnte dann Marius Wolf auf der rechten Außenbahn seine Chance bekommen.

Egal wer am Ende für Hertha stürmt: Inspiration müsste dieser Spieler genug haben. Sowohl der Cheftrainer als auch der Manager waren in ihrer Zeit erfolgreiche Torjäger.

Zeigen sich die Ergebnisse der Wintervorbereitung?

Wie also muss Hertha BSC auftreten, um gegen den VfL Wolfsburg den ersten Sieg der Rückrunde zu holen? Gegen den FC Bayern wollte Hertha eigentlich kompakt stehen und mit hohem Aufwand den Spielaufbau der Gäste stören. Doch die Blau-Weißen liefen insgesamt vier Kilometer weniger als der Gegner. Die zweite Halbzeit offenbarte die Schwächen und Verunsicherung der „alten Dame“, man hatte den Eindruck, dass den Spielern neben dem Mut auch die gewisse Spritzigkeit fehlte.

Dabei wurde ja in der Winterpause genau daran gearbeitet. Die Mannschaft sollte fit in die Rückrunde starten, und Woche für Woche „frischer“ wirken. Im ersten Rückrundenspiel zeigten sich die Ergebnisse der Vorbereitung jedoch noch nicht. Die Laufstärke wird auch am kommenden Wochenende ein wichtiger Aspekt sein. Dennis teilte nämlich mit uns seine „goldene Regel“ beim VfL Wolfsburg: „Rennt der VfL deutlich mehr als sein Gegner, dann gewinnt er“.

Hertha ist also gewarnt: die Mannschaft muss deutlich mehr laufen als noch im letzten Heimspiel. Dabei helfen wird auch Neuzugang Santiago Ascacibar, der gegen den FC Bayern mit 12,58 Kilometer den besten Laufwert hatte.

Ohne Boyata nach Wolfsburg – Stark zurück in der Startelf?

Am Samstag wird die Elf von Jürgen Klinsmann jedenfalls auf Dedryck Boyata verzichten müssen. Der neue Abwehrchef holte sich im letzten Spiel die fünfte gelbe Karte ab. Für ihn könnte Niklas Stark zurück in die Startelf rotieren, wie es der Cheftrainer in der heutigen Pressekonferenz andeutete. Auch Jordan Torunarigha könnte erneut eingesetzt werden, nachdem er sich gegen den FC Bayern auffällig stark präsentiert hatte. Karim Rekik ist ebenfalls wieder fit und damit auch eine Option.

Am Samstag gelbgesperrt: Dedryck Boyata (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Gerade die Abwehr wird gegen den VfL wichtig werden, da Hertha auf der Suche nach der Kompaktheit im Abstiegskampf ist. Sollte der Knoten bei Davie Selke dann auch endlich platzen, und Hertha in Führung gehen, wäre ein Riesenschritt getan. Wie uns Dennis verrät, ist der VfL Wolfsburg “nach Rückständen irre schwach, dieses Jahr. Da wurde noch nichts geholt.“

Unser Wolfsburg-Experte erwartet am Samstag eher kein Fußballfest: „Es wird kein besonders schönes Spiel. Ich vermute, dass wir unser Heimspiel nutzen werden und knapp und mit ach und krach 2:1 gewinnen werden“. Dabei hatten es die letzten Begegnungen beider Teams in Wolfsburg in sich. Ein 2:2 und ein 3:3 gab es zuletzt, davor im Jahr 2016 sogar ein 2:3 Auswärtssieg von Hertha BSC. So viele Tore sind am Samstagnachmittag wohl nicht zu erwarten. Doch Hertha braucht dringend wieder ein Sieg, um sich im Abstiegskampf mehr Ruhe zu verschaffen.