Vor dem Wolfsburg-Spiel: Vorsicht vor Versprechen!

Vor dem Wolfsburg-Spiel: Vorsicht vor Versprechen!

Tayfun Korkut verspricht allen Hertha-Fans, dass individuelle Fehler in der Abwehr nicht mehr passieren werden. Schaut man sich Herthas größte Schwächen der vergangenen Jahre und die Fehlerquote an, ist das gewagt. Und: Vor dem Wolfsburg-Spiel hat Korkut die Qual der Wahl im Sturm. Dabei könnte doch alles so einfach sein …

Es ist wie in der Politik

In der Pandemie machen viele Politiker:innen gerade die Erfahrung, von zu abschließenden Aussagen und Versprechen eingeholt zu werden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und andere prominente Politiker:innen versprachen noch vor wenigen Monaten, dass es keine Impfpflicht geben werde und FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner ging im Wahlkampf mit dem Versprechen auf die Straße, dass ungeimpfte Menschen keinerlei Einschränkungen erfahren würden.

Das Virus ist mutiert, die Sachlage hat sich geändert, die Politik muss reagieren, ihre Versprechen brechen und einsehen, dass einige Aussagen voreilig getroffen wurden. Letztlich kann das in Politikverdrossenheit und Vertrauensverlust resultieren.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Bei Hertha BSC geht es „nur“ um Fußball. Und doch sieht man in diesen Tagen einige Parallelen zwischen diesen politischen Fehlgriffen und den Aussagen von Hertha-Trainer Tayfun Korkut. Schon nach dem Köln-Spiel reduzierte er die Niederlage vielleicht ein bisschen zu sehr auf individuelle Fehler und wiederholte dann auch bei der heutigen Vor-Spieltags-Pressekonferenz: „Diese Fehler werden so nicht mehr passieren. Wir werden viel, viel stabiler stehen im nächsten Spiel.“ Schließlich sei es im Köln-Spiel nur um „Nuancen“ gegangen, die man im Training nun abschließend ausgebessert habe. „Keine großen Themen“, so Korkut.

Die Niederlage gegen Köln war symptomatisch

Insbesondere mit Blick auf Herthas teils löchrige Abwehrarbeit in den vergangenen Jahren ist das ein sehr gewagtes Versprechen. Denn die meisten Niederlagen hatten zwei systematisch verankerte Ursachen: Erstens mangelnde Überzeugung (uninspirierte Offensive, zu große Abstände zum Gegenspieler, teils abwesende Pressing-Arbeit, reaktives Spiel, etc.) und zweitens Präzision, also genau diese individuellen Fehler.

Das erste Gegentor im Union-Hinspiel, das 1:1 in der 97. Minute gegen Augsburg, das völlig desolate Abwehrverhalten in der ersten Hälfte im Stuttgart-Spiel liefern zumindest Hinweise darauf, dass Herthas Abwehrfehler doch etwas größer sind. Aber: Wir lassen uns gerne vom Gegenteil überzeugen und hoffen darauf, dass Korkut nicht wie einige Spitzenpolitiker:innen in wenigen Tagen analysieren muss, dass er seine Vorhersage revidieren muss.

Welches Pärchen stürmt gegen Wolfsburg?

Es gibt ja auf der anderen Seite auch durchaus gute Gründe, warum man Korkut Vertrauen schenken sollte. Seine Umstellungen in Herthas Offensive haben beispielsweise dafür gesorgt, dass das Team nun viel mehr Szenen im gegnerischen Strafraum hat. Viele konnten sich nicht vorstellen, dass Herthas Kader nach all den Dardai-Jahren auf eine Doppelspitze ausgelegt ist. Doch nach Korkuts ersten Spielen kann man fast festhalten, dass es fast egal ist, welches Pärchen da vorne spielt – in jedem Fall ist man gefährlicher, flexibler und agiler geworden.

Besonders aufgefallen ist allerdings die Paarung Jovetic-Belfodil. Diese wird am kommenden Wochenende allerdings nicht gemeinsam auflaufen, weil Stevan Jovetic immer noch an seinen Wadenproblemen leidet. Immerhin: Yshak Belfodil ist wieder genesen. Dass Korkut nun auf einen Ein-Mann-Sturm ausweicht, ist ausgeschlossen. Bei der heutigen Pressekonferenz philosophierte er vielmehr darüber, welches Pärchen denn am besten zum Gegner passen könnte.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Wie gewohnt, blieb der Hertha-Trainer hier aber vage, um nicht zu viel preiszugeben. Korkut wörtlich: „Ich habe noch nicht entschieden, wir haben da zum Glück Möglichkeiten. Ishak und Myziane sind sehr beweglich vorne, Davie ist eher ein zentralerer Stürmer.“ In jedem Fall sei er froh darüber, dass er in der zweiten Halbzeit einen „echten Stürmer“ einwechseln könne.

Die Zahlen der Hertha-Stürmer

Dabei könnte die Auswahl des Stürmer-Paares recht einfach sein – wenn man sich ausschließlich von Zahlen leiten lässt: Belfodil hat in den Profi-Ligen und Pokalwettbewerben Italiens, Frankreichs, Deutschlands und Japans sowie im Europapokal 64 Tore in 271 Spielen erzielt – rein rechnerisch schießt Belfodil also etwa 0,24 Tore pro Spiel, oder statistisch gesehen in jedem vierten Spiel ein Tor.

Myziane Maolida ist viel jünger, hat aber nach 2016 in 94 Profispielen in Frankreich und Deutschland elf Tore geschossen – eine Quote von etwa 0,12. Davie Selke hat in 254 Profispielen 58 Treffer erzielt – eine Pro-Tor-Quote von rund 0,22, also ähnlich wie Belfodil und ebenfalls besser als Maolida.

Natürlich spricht aber auch einiges gegen das Stürmer-Pärchen Selke-Belfodil. Belfodil hat in Verbindung mit Jovetic gezeigt, dass er von einem beweglichen, spielerisch kreativen Stürmer an seiner Seite profitiert. Diesen würde er wohl eher in Myziane Maolida neben sich haben.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

1. FC Köln – Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

1. FC Köln – Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

Schon wieder ist ein halbes Jahr Bundesliga vorbei und so wirklich zur Ruhe kommt unsere Hertha mal wieder nur bedingt. Als unsere Alte Dame mit Neu-Manager Fredi Bobic im August gegen Köln in die Saison 2021/22 startete, war die Hoffnung auf einen positiven Umschwung groß. Doch Hertha wäre nicht Hertha, wenn das auch eingetreten wäre und spätestens nach Schließung des Transferfensters war die Euphorie aufgrund des dünnen Kaders verflogen. Mit einigen Totalausfällen gegen Bayern, Leipzig, Köpenick, Lichtblicken gegen Frankfurt, Gladbach und Dortmund und einem Trainerwechsel hat die Mannschaft die Hinrunde irgendwie überstanden. Jetzt gilt es den positiven Schwung vom Sieg gegen Dortmund mit in die Rückrunde zu nehmen und mehr Konstanz zu beweisen.

Steffen Baumgart hat den Effzeh wiederbelebt

Die Rheinländer zählen definitiv zu den Überraschungen der Hinrunde. Mit der Verpflichtung von Trainer Steffen Baumgart ist der Vereinsführung ein absoluter Glücksgriff gelungen, denn dem gebürtigen Rostocker ist es gelungen, der Mannschaft eine Spielphilosophie zu geben.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Darüber hinaus sprechen die Zahlen für sich: Köln steht nach 17 Spieltagen mit 25 Punkten auf dem 8. Tabellenplatz. Nachdem die Mannschaft in der vergangenen Saison mit Glück in der Relegation die Klasse hielt, schielen sie aktuell eher auf die europäischen Plätze als auf die Abstiegsränge. Wir schauen, auf welche Schlüsselduelle es ankommen wird, um die formstarken Kölner zu ärgern.

Stark/Torunarigha vs. Modeste

Wenn ein Spieler vom Trainerwechsel besonders profitiert hat, dann Anthony Modeste. Der Franzose hatte seit seiner Rückkehr nach Köln nicht mehr richtig Fuß fassen können, schaffte es unter Baumgart aber, zu alter Stärke zurückzufinden. In 19 Pflichtspielen erzielte Modeste 13 Treffer und legte ein weiteres Tor auf. Dabei fiel der Stürmer besonders durch seine Kopfballstärke auf, die auch im kommenden Spiel eine Gefahr für unsere anfällige Innenverteidigung werden kann.

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(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Durch den Corona-bedingten Ausfall von Kapitän Boyata fällt zudem eine wichtige Säule unserer Abwehr weg, die diese Tendenzen in diesem Schlüsselduell zugunsten der Rheinländer verschiebt. Aktuell gehen wir von dem Innenverteidiger-Duo Stark/ Torunarigha aus. Während Stark nur bedingt für Wucht im Zweikampf und Kopfballstärke steht, hat Jordan bisher nur selten in der Hinrunde seine unbestreitbare Defensivstärke zeigen können. Umso wichtiger ist es, dass die beiden Verteidiger gut kommunizieren, aufmerksam bei hohen Bällen sind und Modeste nie aus den Augen verlieren.

Gelingt es unserer Abwehr, den Stürmer auszuschalten, verliert Köln einen riesigen Eckpfeiler ihrer Offensive, was auch das nächste Schlüsselduell beweist.


Hertha BSC will gegen den 1. FC Köln gut in die Rückrunde starten. Wir prognostizieren, ob das gelingt und welcher Spieler dafür liefern muss.


Unausgewogenes Duell auf den Außen

Während Hertha auf den Außen eher dünn besetzt ist, ist das Offensivspiel des 1. FC Köln stark von diesen Positionen abhängig, denn genau diese Spieler füttern Modeste mit starken Flanken. Das gilt für die Außenverteidiger und die offensiven Flügelspieler.

Sowohl der „Kölsche Cafú“ Benno Schmitz als auch Ex-Nationalspieler Jonas Hector überzeugten in der Hinrunde besonders in der Offensive und legten jeweils vier Treffer auf. Ähnlich stark war Mittelfeldspieler Florian Kainz, der weitere vier Vorlagen beisteuerte. Hinzu stellen Alternativen wie Thielmann und Schaub weitere Optionen da und auch Mark Uth spielte unter Baumgart zum Ende der Hinrunde auf den Flügelpositionen. Insgesamt legten die Außenverteidiger und offensiven Flügelspieler 70 Prozent der 27 Kölner Tore auf – ein beachtlicher Wert.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Mit diesen Statistiken kommt eine große Wucht auf unsere Außenverteidigung zu. Sollte sich Marvin Plattenhardt nicht rechtzeitig von seiner Erkältung erholen, werden voraussichtlich Maxi Mittelstädt und Peter Pekarik diese Aufgabe übernehmen. Besonders Mittelstädt überzeugte in der Hinrunde eher in der Offensive und weißte defensiv immer wieder Defizite auf. Plattenhardt machte diesen Job nicht unbedingt besser. Auch hier müssen Mittelstädt/ Plattenhardt enorm aufmerksam verteidigen und mit gutem Stellungsspiel die Flanken der Kölner Außenspieler im Optimalfall schon vorher verhindern.

Mehr Zugriff über das Zentrum

Während die Außenbahnen zum Problemfall gegen Köln werden können, bietet sich für Hertha eine Chance im zentralen Mittelfeld und der Innenverteidigung. Mit Ljubičić und Özcan spielen im defensiven Mittelfeld eher offensiv ausgerichtete Sechser/ Achter. Dementsprechend muss es Herthas schaffen, den Zugriff im zentralen Mittelfeld zu gewinnen und die Angriffe über Box-to-Box Spieler Suat Serdar einzuleiten.

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(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Weiter fraglich ist Jovetić, der mit seiner starken Technik weitere Bälle gut festmachen könnte und somit besonders im Spiel gegen Köln enorm wertvoll wäre. Dennoch stehen mit Richter, Maolida, Ekkelenkamp und Belfodil Optionen zur Verfügung, die technisch auch für diese Aufgabe gewachsen sind. Hier liegt es besonders an Trainer Korkut, diese Akteure taktisch gut vorzubereiten, um die defensiven Defizite im Mittelfeld auszunutzen.

Hinzu fällt mit Abgang Czichos weitere defensive Stabilität im Abwehrzentrum weg. Innenverteidiger Kilian und Hübers sind noch nicht eingespielt. Die Kölner könnten demzufolge neben dem zentralen Mittelfeld auch in Abwehrzentrum anfällig sein.

Modeste ausschalten, Flanken verhindern und Nadelstiche in der Zentrale

Die drei Schlüsselduelle klingen auf den ersten Blick simpel. In der Realität wird diese Aufgabe für Hertha dennoch schwer. Mit der nötigen taktischen Schulung, Aufmerksamkeit und Formstärke aus dem Hinrundenabschluss gegen Dortmund haben wir trotzdem eine realistische Chance, die Punkte in Berlin zu behalten.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Hertha BSC – 1. FC Köln: Drei Thesen

Hertha BSC – 1. FC Köln: Drei Thesen

Der 1. FC Köln zählt zu den positiven Überraschungen der bisherigen Bundesliga-Saison. Hielt man im vergangenen Jahr nur über den Umweg Relegation die Klasse, zeigt sich die Elf von Steffen Baumgart in dieser Serie grundverbessert. Die „Geißböcke“ rangieren im gesicherten Mittelfeld und dürfen sogar auf die Europapokal-Plätze schielen. Der gute Eindruck aus dem 3:1-Hinspielsieg der Kölner gegen Hertha BSC, Baumgarts erstem Liga-Spiel für seinen neuen Arbeitgeber, hat sich in den folgenden 16 Spielen bestätigt. Doch auch bei der „Alten Dame“ ist seitdem viel passiert. Grund genug, mit drei Thesen auf das anstehende Wiedersehen zum Rückrundenauftakt zu blicken.

These 1: Kein Tor für Modeste

Eng verknüpft ist der Kölner Aufschwung mit dem persönlichen Formhoch ihres Stürmers Anthony Modeste. Eigentlich galt der 33-Jährige als abgeschrieben, doch Baumgart setzte auf ihn und Modeste zahlte das Vertrauen mit elf erzielten Toren in der Hinserie zurück. Auf 0,67 expected goals + expected assists pro 90 Minuten kommt Modeste, was ihn zum torgefährlichsten Kölner macht.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Ein Top-Stürmer in den gegnerischen Reihen: Schlechte Nachricht für die zweittoranfälligste Abwehr der Liga – möchte man meinen. Doch Herthas Abwehr bewies jüngst, dass sie es auch mit den besten Stürmern der Liga aufnehmen kann. Gelingt es der Abwehr um Niklas Stark, den Kölner Modeste mit genauso viel Leidenschaft und Disziplin zu verteidigen, wie man es bei Erling Haaland im letzten Heimspiel gegen den BVB getan hat, wird es Modeste schwer haben.

Davon ausgehend, dass die Abwehr ähnlich auftritt, lautet die erste These: Kölns Goalgetter Anthony Modeste wird gegen Hertha am Sonntag kein Tor erzielen.

These 2: Punkt(e) trotz Personalchaos

Die kurze Winterpause brachte der Bundesliga vor allem eines: Corona-Chaos. Reihenweise Spieler werden positiv getestet und müssen in Isolation. Auch bei Hertha wurde das Virus bei einigen Spielern festgestellt. Bei Linus Gechter und Ishak Belfodil zum Beispiel, die das Spiel definitiv verpassen werden. Auch auf Dedryck Boyata, Frederik Andre Bjørkan, Stevan Jovetic, Deyovaisio Zeefuik und Rune Jarstein muss Trainer Tayfun Korkut verzichten. Tendenz steigend.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Doch auf der FC hat seine Probleme. Mit Modestes Sturmpartner Sebastian Andersson und dem zuletzt aufblühenden Kingsley Schindler fallen zwei Spieler krankheitsbedingt aus. Mit Ellyes Skhiri fehlt ein absoluter Leistungsträger, da er mit der tunesischen Nationalmannschaft beim Afrika-Cup in Kamerun weilt.

Hinzu kommt, dass Korkut zuletzt bereits eine schwierige Personalsituation zu bewältigen hatte, als er in der Englischen Woche zum Jahresabschluss zwischen dem Auftritt in Mainz und dem Heimspiel gegen Dortmund kurzfristig auf vier Spieler verzichten musste. Das Resultat: ein 3:2-Sieg mit der stärksten Saisonleistung. Daher die zweite These: Hertha wird trotz der Ausfälle punkten.


Wie Trainer Korkut das Spiel gegen Köln angehen will und wie Hertha mit der derzeitigen Corona-Situation umgeht, könnt ihr hier lesen.


These 3: Richter richtet’s

Unter Korkut hat sich in der Offensive ein Duo bewährt gemacht: Belfodil und Jovetic. Blöd nur, wenn gleich beide ausfallen. Müssen’s halt die anderen richten! Einer, dem das zuzutrauen ist, ist Top-Scorer Marco Richter (fünf Tore, eine Vorlage). Ohne die eingespielte Offensive wird seine Rolle umso wichtiger.

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Dass er in den drei jüngsten Heimspielen drei Treffer erzielt hat, dürfte Richter Aufwind geben. Mit breiter Brust und wichtiger Rolle wird es auch auf ihn ankommen. Ein zusätzlicher Ansporn dürfte sein, dass ihm der 1. FC Köln noch auf der Liste an Mannschaften fehlt, gegen die er in der Bundesliga getroffen hat. Daher lautet die dritte und letzte These: Marco Richter wird am Sonntag sein Premieren-Tor gegen Köln erzielen.

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Hertha BSC – 1. FC Köln: Rückrundenauftakt im Zeichen von Corona

Hertha BSC – 1. FC Köln: Rückrundenauftakt im Zeichen von Corona

Besser hätte der Jahresabschluss nicht laufen können. Der 3:2-Sieg gegen die Borussia aus Dortmund bescherte den Fans von Hertha BSC ein besinnliches Weihnachtsfest und ließ über die Winterpause Ruhe im Verein einkehren. Doch der durch Corona zusammengestauchte Spielplan lässt keine langen Ruhezeiten für Spieler und Fans zu, bereits am Sonntag startet Rückrunde der Bundesliga. Das Hinspiel gegen Köln fing gut an, doch bereits nach 30 Minuten brach die Mannschaft ein und lieferte den ersten von einigen Offenbarungseiden in dieser Saison. Die Hoffnung auf ein besseres Rückspiel ist seit den Auftritten unter Trainer Tayfun Korkut (47) durchaus da, doch Corona-Ausfälle dezimieren die Mannschaft. Unser Blick auf die Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln.

Corona-Fälle und Verletzungen – der ausgedünnte Kader gegen Köln

Mit Dedryck Boyata (31), Deyovaisio Zeefuik (23), Fredrik Bjørkan (23), Lucas Tousart (24), Santiago Ascacibar (24), Linus Gechter (17) und Ishak Belfodil (29) gab es eine ganze Reihe von Spielern, die in den vergangenen Tagen positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Und auch wenn glücklicherweise laut Fredi Bobic nur zwei der Genannten Symptome zeigen, wird es höchstwahrscheinlich keiner von ihnen schaffen, am Sonntag mit von der Partie zu sein. Boyata, Zeefuik und Bjørkan durften die Isolation allesamt verlassen, werden bis Sonntag aber nicht spielfit sein. Bei Ascacibar und Tousart besteht bis zum Köln-Spiel ebenfalls noch die Chance sich freizutesten, doch auch beim Sechser-Duo sieht es eher eng aus.

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(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Manager Bobic hat liefert eine gute Erklärung, warum ausgerechnet bei den Blau-Weißen so viele Corona-Fälle auftauchen: „Man muss eigentlich nicht testen, aber am Anfang hat man natürlich getestet. Normalerweise müssten wir nur Spieler testen, die ungeimpft sind.“ In der Mannschaft ist das laut seiner Aussage lediglich eine Person. Das Problem sei, wenn man einmal einen Fall habe, werde man vom Gesundheitsamt aufgefordert täglich zu testen. Diese Regelung ist gesundheitlich natürlich äußerst sinnvoll und führt dazu, dass wirklich jeder Corona-Fall innerhalb der Mannschaft und des Vereins entdeckt wird. Dass es Vereine gibt, die offiziell keinen einzigen Corona-Fall haben, kann Bobic derweil eigentlich kaum glauben.

Mit Blick auf den eigenen Verein sollen die Corona-Fälle jedoch nicht als Ausrede genutzt werden. Man müsse auf das Positive schauen und enger zusammenrücken. Formulierungen, die zwar zeigen was gemeint ist, im aktuellen Zusammenhang jedoch zumindest unglücklich gewählt sind. Auf die Nachfrage, ob die Rückkehr in „Blasen“ die Infizierungen verhindern könnten, hat der Geschäftsführer Sport eine klare Antwort: „Das können Sie nicht verhindern. Klar könntest du die Spieler ins Hotel einschließen, aber das bringt doch nichts. Am Ende des Tages wirst du es nie 100 Prozent verhindern können, und wenn es einmal drin ist dann geht’s einmal rum“.

Lichtblicke bei den Spielern, die verfügbar sind

Trainer Korkut befolgte die Aufforderung von Fredi Bobic umgehend und gab sich während der Pressekonferenz betont positiv. Man müsse halt sehr flexibel sein und sich auf Ausfälle durch Krankheiten, Verletzungen oder auch Transfers einstellen. Dafür wurden unter anderem Spieler aus der Jugend hochgeschoben. Es dürfe und werde keine Rolle spielen, welche Spieler schlussendlich zur Verfügung stehen werden, man habe genug Spieler auf dem Platz, die ihre bestmögliche Leistung abrufen werden.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Dass zumindest einige Stützen der Mannschaft zur Verfügung stehen, dürfte Korkut deutlich freuen. Um Rechtsverteidiger Peter Pekarik beispielsweise kursierten Gerüchte, dass er ebenfalls nicht zur Verfügung stehen würde. Dem erwiderte der Trainer mit einem Lächeln auf dem Gesicht: „Dem geht’s gut, wir sind uns sehr sicher, dass der spielen kann“. Pressesprecher Max Jung schob direkt hinterher, nicht alles was durch das Internet schwirre, sei wahr.

Und auch, dass Marco Richter spielen kann, dürfte für einige Erleichterung sorgen. „Die Stärke von Marco ist seine Unberechenbarkeit“, führt Korkut aus. Der Rechtsaußen steuerte in den letzten fünf Siegen von Hertha fünf Scorerpunkte bei und ist damit einer der Aushängeschilder des relativ guten Abschlusses der Hinrunde. Jordan Torunarigha (24) solle ebenfalls so weitermachen, wie er es im letzten Spiel (gegen Dortmund) gemacht habe.

Keine Systemumstellung trotz der Ausfälle

Wer am Ende auf dem Platz steht, wird der Übungsleiter dennoch erst relativ spät entscheiden. Dass beim Spiel gegen die Domstädter am Sonntag jedoch zwei Stürmer auf dem Platz stehen werden, stehe mehr oder weniger fest. Korkut sagt dazu: „Das wollen wir, da wird sich an der Grundordnung nicht sonderlich viel ändern“.

Eine der absoluten Stärken des kommenden Gegners ist das Erzielen von Toren durch Flanken. Zielstürmer Anthony Modeste (33) erzielte bereits elf Tore in der Hinrunde steht damit auf Platz vier der Torschützenliste in der Bundesliga. Und der Trainer gibt zu: „Klar ist das auch Thema“. Aber was viel mehr Thema sei die Frage: „Was machen wir?“ Es zeigt sich erneut die Stärke des gebürtigen Stuttgarters: Der Fokus auf das eigene und aktive Spiel. Dass gerade die Flügelverteidiger wachsam sein sollten, ist dennoch unbestritten. Die Hoffnung besteht darin, dass die Mannschaft aus dem Hinspiel gelernt hat, am ersten Spieltag kassierte man alle drei Gegentore nach Hereingaben von der Seite.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Und auch eine andere Stärke der Gastgeber trifft auf eine Schwäche der Gäste aus Berlin: Das Erzielen bzw. Kassieren von späten Gegentoren. Während Hertha schon acht Gegentore in der Schlussviertelstunde hinnehmen mussten, schoss Köln zehn eigene Tore in dieser Phase des Spiels. Korkut mahnt daher: „Bis zur letzten Sekunde müssen wir sehr fokussiert, sehr aufmerksam und auch in jeder Aktion konzentriert sein, das wird wichtig sein“. Der absolute Fokus sei es, das eigene Spiel auf den Platz zu bringen. Es wird sich zeigen, ob Hertha das bis zur letzten Sekunde wird durchhalten können.

Der Piatek-Wechsel und die Erwartung für die Rückrunde

Eins der größeren Themen diese Woche ist der Abgang von Krzysztof Piatek zur AC Florenz. Bobic bestätigt dies auf der Presskonferenz mehr oder weniger: „Sie haben ja schon die Fotos gesehen, dass er in Florenz ist, er ist sicher nicht da um Pizza zu essen“. Noch seien die Verträge aber nicht final unterschrieben, sobald dies passiert ist, werde man es auch offiziell vermelden. Die Verpflichtung eines neuen Stürmers ist derweil nicht geplant. Das Handy klingele trotzdem viel, laut Bobic sei man auf einem ordentlichen Weg.

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(Photo by SOEREN STACHE/POOL/AFP via Getty Images)

Hertha-Fans können also wahrscheinlich noch mit der einen oder anderen Verstärkung im Winter rechnen.
Mit Blick auf die Erwartungen in der Rückrunde hält sich der Manager zurück: „Sollen wir über die ganze Rückrunde reden? Wir wissen doch gar nicht was kommt. Wir fangen jetzt erstmal unter den gegebenen Voraussetzungen an.“

Cheftrainer Korkut lässt dennoch durchblicken: „Die Mannschaft gibt mir das Gefühl, dass sie dranbleiben will und dass jeder seinen Beitrag dazu geben will, dass es in der Rückrunde erfolgreich läuft“. Ob die Spieler diese Einstellung auf den Platz bringen können wird sich dann am Sonntag zeigen.

Eine mögliche Aufstellung für das Spiel:

Es fehlen: Rune Jarstein, Dedryck Boyata, Fredrik Bjørkan, Stevan Jovetic, Deyovaisio Zeefuik, Ishak Belfodil, Linus Gechter sowie voraussichtlich Santiago Ascacibar und Lucas Tousart.
Das Spiel ist am Sonntag um 15:30 live auf DAZN zu sehen.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Hertha BSC – BVB: Drei Schlüsselduelle

Hertha BSC – BVB: Drei Schlüsselduelle

Den Schlusspunkt der Hinrunde setzt Hertha BSC am Samstagabend gegen den BVB. Die Berliner haben eine dramatisch deutliche 0:4-Niederlage gegen Mainz 05 hinter sich und stehen nun vor der undankbaren Aufgabe, gegen den Tabellenzweiten einen versöhnlichen Jahresabschluss zu finden. Wir blicken auf die Partie und filtern die womöglich entscheidendsten Duelle auf dem Platz heraus.

Der BVB unter Rose noch nicht auf Kurs

Auch der BVB war bei der großen Trainerrotation im Sommer nicht außen vor. Lucien Favre musste schon im Laufe der letzten Saison gehen, ihn ersetzte sein Co-Trainer Edin Terzic. Dass Terzic immerhin noch den Pokal gewann, änderte nichts an der Tatsache, dass im Sommer ein neuer Trainer kommen sollte. Am besten einer der eine Ära prägen kann, wie einst Jürgen Klopp. In Gladbachs Trainer Marco Rose war dieser gefunden.

Kurz vor Ende von Roses erster Halbserie ist es schwer, ein Fazit zu ziehen. Der BVB ist voll auf Kurs Vizemeisterschaft, doch in der Champions League reichte es in einer vermeintlich leichten Gruppe nur für den dritten Platz und die Erkenntnis, dass die Bayern einmal mehr tabellarisch das Maß aller Dinge sind, kam bei der 2:3-Heimniederlage schmerzhaft.

Taktisch setzte Rose zunächst auf eine Mittelfeldraute, die er in Gladbach schon erfolgreich spielen ließ. Es mangelte jedoch an Gefahr über die Außen und auch weil Starneuzugang und Stürmer Donyell Malen noch dabei ist, sich einzugewöhnen, stellte Rose auf ein 4-2-3-1 um. Dies kann der BVB sowohl mit breiten außen als auch mit eher eingerückten Flügelspielern umsetzen.

Schlüsselduell eins: Boyata gegen Haaland

53 Spiele in der Bundesliga: 53 Tore, 16 Vorlagen. Seitdem Erling Haaland beim BVB spielt, setzt er neue Maßstäbe und zählt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu den Ausnahmespielern. Sein Können stellte er auch beim letzten Besuch im Olympiastadion unter Beweis. Haalands Arbeitsnachweis: Vier Tore, alle im zweiten Durchgang.

Doch nicht nur sein schier nicht endender Torhunger macht ihn so gefährlich, Haaland ist zugleich ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler. In der laufenden Saison hat er ligaweit die meisten Schlüsselpässe im Strafraum gespielt und die zweitmeisten Chancen kreiert. Erst am vergangenen Wochenende in Bochum hat er technisch anspruchsvoll für Teamkollege Julian Brandt aufgelegt.

Den Bochumern gelang es mit aufopferungsvollem Kampf aber auch einer Menge Glück, Haaland daran zu hindern, selbst ein Tor zu erzielen. Das gelang zuvor in dieser Spielzeit nur dem SC Freiburg und die Breisgauer haben bei ihrem 2:1-Sieg über den BVB eine Blaupause geliefert, wie man den Norweger stoppen kann.

(Photo by Clemens Bilan – Pool/Getty Images)

23 Prozent Ballbesitz reichten dem SCF, um das Spiel zu gewinnen. Tief stehend verhinderte man, dass Haaland sein Spiel aufziehen konnte, indem man ihm mit Nico Schlotterbeck jemanden entgegenstellte, der immer eng an ihm blieb und extrem körperbetont spielte. Entscheidend ist hierbei, Haaland nicht erst im Strafraum zu bearbeiten, sondern ihm frühzeitig den Raum zu nehmen. Denn mit drei Torvorlagen von außerhalb des Strafraums hat Haaland bereits bewiesen, dass er von überall assistieren kann. Kein Mittelstürmer in der Bundesliga hat hier einen höheren Wert.

Freiburgs Mittel waren schnelle Gegenstöße nach provozierten Ballverlusten. Die Rolle Schlotterbecks, die am Samstag beispielsweise Dedrick Boyata übernehmen könnte, war dabei genauso essenziell wie aufopfernd. Der Innenverteidiger hat sein Spiel nur am Verteidigen ausgerichtet. Nur zehn führende Ballaktionen hatte er im Spiel (persönlicher Saisondurchschnitt: ca. 38), dafür aber vier abgefangene Bälle, was über seinem Durchschnitt von 2,4 pro Spiel liegt. Es braucht gegen Haaland also eine disziplinierte, aufopferungsvolle und körperbetonte Leistung. Gleichzeitig muss in den Situationen, wenn das Spiel von hinten raus aufgebaut wird, sehr aufmerksam gespielt werden, denn hoch anlaufende Dortmunder könnten bei Unsauberkeiten Großchancen erzwingen. Zeitgleich könnte sich Hertha Raum bieten, wenn man die Pressinglinie Dortmunds überspielt.

Schlotterbeck hat gezeigt, wie man Haaland verteidigen kann. Dass neben Fleiß bei einem solchen Ausnahmespieler auch immer Glück dazu gehört, steht außer Frage, doch das kann man zumindest in Teilen erzwingen. Boyata könnte als Kapitän vorangehen und diese Aufgabe übernehmen.

Schlüsselduell zwei: Brandt gegen Plattenhardt

Seitdem Marco Rose Übungsleiter bei den Dortmundern ist, erlebt Julian Brandt ein Formhoch und scheint sich erstmals seit seinem Wechsel 2019 aus Leverkusen endgültig in der Startelf festgespielt zu haben. Seine Polyvalenz ist hier sein großes Argument, denn nicht nur im Zentrum kann Brandt spielen, sondern auch auf der halbrechten Außenbahn, wo Marvin Plattenhardt (oder Maxi Mittelstädt) es mit dem deutschen Nationalspieler zu tun kriegt.

Die neu gewonnene Spielfreude drückt sich auch in Zahlen aus. 0,45 expected assists + expected goals pro 90 Minuten liefert Brandt. In der Vorsaison lag sein Wert bei 0,35. Brandt wird also besser und torgefährlicher. Aktuell liefert er 0,91 torerzeugende Aktionen pro Spiel, eine deutliche Steigerung gegenüber den 0,54 aus der Vorsaison. Zusätzlich entdeckte Brandt seine Freude am Flanken, parallel zur Entwicklung Haalands, der sich in dieser Saison stark verbessert im Kopfballspiel zeigt. Von 1,51 Flanken pro 90 Minuten steigerte sich Brandt auf 2,21 in dieser Spielzeit.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Ob es am Sonntag Plattenhardt oder aus Leistungsgründen nach dem Auftritt in Mainz womöglich Mittelstädt mit Brandt zu tun kriegen wird: Das Ziel muss es sein, ihm den Spaß zu nehmen. Hier wird es auch auf die offensiven Spieler ankommen, die defensiv unterstützen müssen, um den Dortmunder immer wieder zu doppeln. Ein weiteres Mittel kann es sein, Brandt zu langen Bällen zu zwingen, indem man die unmittelbaren Anspielstationen zustellt. Im sauberen Spielen von langen Bällen liegt eine seiner Schwächen.

Schlüsselduell drei: Serdar gegen Dahoud und Witsel/Can

„Wir wollen mit Mut und Freude in das Spiel gehen“, betonte Tayfun Korkut auf der spielvorbereitenden Pressekonferenz. „Eine resolute Defensivleistung wird wichtig sein, wir müssen alle gemeinsam gegen den Ball arbeiten. Aber auch mit dem Ball wollen wir Elemente sehen, die in Stuttgart und gegen Bielefeld unser Spiel ausgezeichnet haben. Wir wollen selbst Aktionen nach vorne haben.“

Dass die defensive Grundordnung entscheidend ist, wie es auch Korkut formuliert, wurde in Schlüsselduell Eins bereits dargelegt. Doch es muss auch einen Weg nach vorne geben, ein Schlüsselspieler hierbei kann Suat Serdar sein. Ist Dortmunds erste Pressinglinie erstmal überspielt, muss Serdar den sich ihm bietenden Platz klug nutzen. Mittel der Wahl kann immer der lange Ball sein, doch wie Korkut ankündigte, will Hertha auch mit dem Ball was anbieten.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Von Vorteil könnte es für Serdar und das weitere Hertha-Mittelfeld sein, dass mit Jude Bellingham ein elementarer Mittelfeldspieler Dortmunds gesperrt fehlen wird. Mo Dahoud dürfte auf der Sechs gesetzt sein, neben ihm Axel Witsel oder Emre Can spielen. Wirklich eingespielt wird die Doppelsechs in jedem Fall nicht sein.

Die Stärke von Dahoud liegt im Spiel mit dem Ball. Ihn defensiv zu beschäftigen, noch dazu ohne seinen gewohnten Nebenmann Bellingham, kann ein Schlüssel sein, um eigene Torgefahr auszustrahlen.

[Titelbild: Pool/Getty Images]

Hertha BSC – Borussia Dortmund: Drei Thesen zum Spiel

Hertha BSC – Borussia Dortmund: Drei Thesen zum Spiel

Die englische Woche und damit auch die Hinrunde der Fußball Bundesliga enden. Nach zwei soliden bis guten Spielen musste Hertha unter der Woche eine harte Klatsche in Mainz einstecken. Sich weiter von den gefährlichen Abstiegsrängen zu distanzieren gelang nicht und die Nullfünfer legten Herthas Schwächen gnadenlos offen. Um nun ein einigermaßen ruhiges Weihnachten feiern zu können, muss ein akzeptabler Auftritt am Samstag-Abend gegen Borussia Dortmund her. Ein Gegner, der selber nicht in seiner besten Phase zu sein scheint, doch natürlich alles andere als im Vorbeigehen zu schlagen ist.

These 1: Hertha wird gegen Dortmund zum Favoritenschreck

Auch wenn es gegen den FC Bayern München und RB Leipzig in dieser Saison herbe Niederlagen gab, hielt die Alte Dame gegen vermeintlich stärkere Gegner oft lange mit, war zum Teil die bessere Mannschaft und sammelte auch Punkte – so zu sehen gegen Leverkusen, Gladbach oder Frankfurt. Die Frage, wie attraktiv der Fußball war, bei einem Punktgewinn gegen die Borussen, sollte sich nicht stellen.

Die Berliner sind nach den ersten drei Spielen unter Tayfun Korkut noch nicht wirklich einzuschätzen und damit schwer für den Gegner auszurechnen.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Ein nach nur kurzer Zeit schon wieder ramponierter Rasen im Berliner Olympiastadion, Temperaturen um den Gefrierpunkt und ein Borussia Dortmund, welches alles andere als in der gewünschten Form ist und Hertha nach den letzten Leistungen unterschätzen könnte, lassen die Möglichkeit zu, dass Blau-Weißen hier punkten werden.


Nach zwei ordentlichen Auftritten fiel Hertha BSC beim FSV Mainz 05 völlig auseinander. Ein Offenbarungseid, der viele Fragen aufwirft.


These 2: Hertha verstärkt gegen Dortmund die Außen

Mit vier zentralen Spielern startete die Mannschaft gegen Mainz 05. Das Spiel kann man durchaus als vercoacht werten. Schließlich war mit Marvin Plattenhardt und Deovaisio Zeefuik die Außenverteidigung viel zu dünn besetzt. Beide waren komplett überfordert und das Ergebnis ist bekannt.

Es wäre kurios, wenn Korkut gegen schnelle Gegenspieler wie Thorgan Hazard, Julian Brandt und Marco Reus auf dieselbe Taktik setzen würde. Peter Pekarik kehrt zurück in die Startelf und verdrängt den in den letzten zwei Spielen schwachen Zeefuik zurück auf die Bank.

BERLIN, GERMANY – NOVEMBER 07: Peter Pekarik of Hertha BSC runs with the ball during the Bundesliga match between Hertha BSC and Bayer 04 Leverkusen at Olympiastadion on November 07, 2021 in Berlin, Germany. (Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Marco Richter und möglicherweise Maximilian Mittelstädt, der bisher noch keine Minute unter Korkut spielen durfte und vielleicht überraschend aufgestellt werden könnte, würden die Außen sowohl defensiv als auch offensiv unterstützen.

Myziane Maolida wäre ebenfalls eine Alternative. Dieser hatte sich mit seinen Einsätzen in den letzten Spielen allerdings nicht wirklich für weitere empfohlen.

These 3: Ideenlos + ideenlos = Punktgewinn für Hertha

Bei Borussia Dortmund herrscht aktuell keine gute Stimmung. Das frühe Ausscheiden in der Champions League und die jetzt schon nur noch sehr geringen Chancen den FC Bayern München noch von der Tabellenspitze zu stoßen, lassen die Gemüter etwas geknickt zurück. Und auch das recht öde und ideenlose Spiel unter Trainer Marco Rose lässt im Ruhrpott niemanden zu Luftsprüngen verleiten.

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(Photo by Friedemann Vogel – Pool/Getty Images)

Die Offensive des BVBs darf man selbstverständlich nicht unterschätzen, doch in ihrer aktuellen Form scheint sie definitiv zu verteidigen zu sein. Kompakt stehen und vehementer Zweikampfeinsatz sollten der Schlüssel sein um einiges in diesem Spiel zu ermöglichen. Die Offensive der Hertha, der bei einem Fehlen von Suat Serdar und Stevan Jovetic die größte Qualität fehlen würde, wird es gegen die Abwehr der Dortmunder nicht leicht haben.

Allerdings nicht unbedingt wegen der Qualität dieser, eher wegen der fehlenden Qualität in Herthas Offensive. Trotz allem würde dieses ideenlose Spiel bei einem Blick auf die Begegnungen mit Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen für Hertha nicht unbedingt schlecht sein.

[Titelbild: Lars Baron/Getty Images]