Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC: Abstiegskampf mit “Déjà-vu”

Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC: Abstiegskampf mit “Déjà-vu”

Leichter wird es im Verlauf dieser Rückrunde nicht, Woche für Woche die Vorberichte zu schreiben. Als Hertha-Fan ist die aktuelle Lage so belastend, wie lange nicht mehr. Trotzdem geht das Leben weiter und es sind noch genug Spiele, um die Saison wieder einigermaßen versöhnlich zu beenden. Den Anfang könnte Hertha BSC direkt am Freitagabend machen, wenn es zu Fortuna Düsseldorf ins Rheinland geht.

In Düsseldorf hat die “alte Dame” zuletzt nur Horror-Szenarien erlebt und muss sich noch von der letzten Pleite erholen (1:4). Dazu kommt das “déjà-vu”: nach einer anderen Horror-Saison traf man in der Relegation aufeinander. Gute Erinnerungen sind diese zwei Spiele für Hertha-Fans sicher nicht. Dabei laufen Auswärtsspiele in dieser Rückrunde deutlich besser als die Auftritte zu Hause. Kann Hertha endlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen?

Unser Fortuna-Düsseldorf-Experte Dennis (auf Twitter @Scheff83), und Podcaster bei “Neues vonne Pommesbude” , stand uns wieder einmal zur Seite. Er beantwortet unsere Fragen zu unseren Gastgebern.

“Mit neuem Feuer im Abstiegskampf”

Hertha BASE: Zunächst einmal: in Berlin ist gerade die Hölle los, wie ruhig ist es aktuell vergleichsweise in Düsseldorf, trotz Abstiegskampf?

Dennis: Bei der Fortuna war es in den letzten Wochen auch sehr unruhig, auch wenn das Ausmaß nicht diese “HSV-Züge” wie aktuell bei der Hertha angenommen hat. Nach der Entlassung von Friedhelm Funkel nach der Pleite in Leverkusen, hat in der letzten Woche überraschenderweise auch der sportliche Leiter Lutz Pfannenstiel seinen Abschied verkündet. Er wird aus persönlichen Gründen F95 am Saisonende nach erst knapp 1 1/2 Jahren verlassen. Kontinuität auf den wichtigsten Positionen im sportlichen Bereich sieht anders aus… 

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Im letzten Spiel konnte die Fortuna 2:0 in Freiburg siegen. Wie ist die Form der Mannschaft im Moment wirklich einzuschätzen?

Dennis: Seitdem Uwe Rösler das “Trainer-Zepter” schwingt, steht die Fortuna kompakter und spielt auch offensiver. Man ist wieder im Stande Chancen herauszuspielen und weniger von “Geniestreichen” eines Rouven Hennings abhängig. Der Sieg in Freiburg war sehr bedeutend, da dadurch nun der Abstand zum 15. Platz auf zwei Zähler geschmolzen ist. Schon in den Partien gegen Frankfurt und Wolfsburg (beide 1:1) wären Siege meines Erachtens verdient gewesen. Gegen Mönchengladbach spielte man eine Hälfte gut mit, am Ende fiel die 1:4-Niederlage um ein bis zwei Tore zu hoch aus. 

Wie schätzt du die Stärken deines Teams ein? Was macht sie so stark im Vergleich zu den anderen Abstiegskandidaten?

Dennis: Die letzten Spiele haben Mut gemacht. Gegen Freiburg hat man gut verteidigt und die Chancen auch endlich mal genutzt. Erik Thommy hat herausragend gespielt. Trotz der angesprochenen Turbulenzen im Verein scheint die Mannschaft unbeeindruckt und agiert durch den Trainerwechsel mit “neuem Feuer” im Abstiegskampf. Jedem Spieler ist bewusst, dass allein der Klassenerhalt zählt und scheinbar ist deswegen auch F95 ein Schritt weiter als beispielsweise Werder Bremen. Die Mannschaft steht wieder deutlich kompakter und lässt wenige Großchancen im Strafraum zu. Das ist meines Erachtens aktuell der große Trumpf, da außer Hennings insgesamt leider doch wenig Torgefahr von der Fortuna ausgeht. 

Unter Uwe Rösler wieder unangenehm zu bespielen

Wird es am Freitag im Team zu Änderungen kommen? Wer ist bei euch gesperrt oder verletzt?

Dennis: Fraglich ist Suttner in der hinteren Dreierreihe. Gießelmann hat ihn aber sehr gut gegen Freiburg vertreten. Vielleicht wird aber auch Jörgensen hinten aufgeboten. Als Aufbauspieler wäre Gießelmann aber besser geeignet. Ansonsten kann Rösler aus dem Vollen schöpfen. Kenan Karaman hat nach seiner langen gesundheitlichen Pause (Lungenentzündung) gegen Freiburg einen vielversprechenden Eindruck gemacht. Ich denke, er wird neben Hennings wieder als zweite Spitze auflaufen. 

Wie stellt Funkel-Nachfolger Uwe Rösler sein Team auf? Was hat sich taktisch verändert?

Dennis: Er hat ein neues System etabliert mit einer Dreierkette und zwei Schienenspielern auf den Seiten. Fortuna spielt nun im 5-3-2 oder 3-5-2, je nach Spielverlauf. Die äußeren Innenverteidiger wie z. B. Ayhan sind sehr aktiv im Spielaufbau und das bringt eine große Dynamik ins Fortuna-Spiel. Wichtig für das Offensivspiel ist, dass Kevin Stöger nach seiner Kreuzbandverletzung wieder spielt. Er macht im zentralen Mittelfeld mit Winterneuzugang Valon Berisha den Unterschied aus. Beide Spieler bringen technische- und Pass-qualitäten mit, die im Kader vorher nicht vorhanden waren. Fortuna ist wieder unangenehm zu bespielen, die große offensive Durchschlagskraft fehlt aber weiterhin.

Schafft es Hertha mit individueller Klasse?

Was müsste Hertha schaffen, um bei euch Freitag zu punkten?

Dennis: Bei aller Häme in der letzten Woche – Hertha weiß, wie man auswärts punkten muss. In den letzten drei Auswärtsspielen gab es drei Siege, auch wenn das zum Teil fürchterliches Gebolze war. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass das Spiel am Freitag kein Augenschmaus werden wird und von beiden eher defensiv geprägt ist. Hertha verfügt über die individuelle Klasse das Spiel nach Hause zu fahren.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Dodi Lukebakio kehrt zurück an alter Wirkungsstätte: wie wird er in Düsseldorf empfangen?

Dennis: Ich denke es wird gemischte Reaktionen des Publikums geben. Er hat eine tolle Saison bei der Fortuna gespielt, war aber auch nur ein Jahr hier. 

Zum Schluss noch die Frage: was ist dein Tipp für Freitag?

Dennis: So wie die Saison läuft, wird Hertha kurz vor Schluss das 1:1 schießen. 

Der sportliche Stand bei der “alten Dame”

Während der (noch in Lyon spielende) Hertha-Neuzugang Lucas Tousart in der Champions League zum Matchwinner gegen Juventus Turin wurde, verbrachten seine zukünftigen Mitspieler erneut eine turbulente Woche in Berlin. Abstiegskampf wäre an sich schon schwer genug, da hätten die Blau-Weißen gerne diese Woche auf den erneuten Wirbel um Jürgen Klinsmann und seinen Machtspielchen mit der Hertha-Chefetage verzichtet. Dabei wollen wir an dieser Stelle nur auf das sportliche eingehen, in der Hoffnung, dass es sich auch demnächst wieder nur um den runden Ball drehen wird.

Die schwierige Aufgabe in Düsseldorf muss Hertha BSC ohne Niklas Stark bestreiten. Dieser fehlt bei den Rheinländern gelb-gesperrt. Auch auf Santiago Ascacibar wird Hertha aufgrund dessen in Stuttgart gesammelten Karten verzichten müssen. Das könnte in Theorie eine Systemumstellung mitbringen, allerdings könnte Alexander Nouri auch einfach positionsgetreu seine gesperrten Spieler ersetzen.

Alexander Nouri sah sein Spielsystem allerdings nicht als Thema, wie er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel erklärte. Was wir in unserer letzten Podcast-Folge zu Herthas Taktik zu sagen hatten, findet ihr hier:

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Gute Spieler hat Hertha noch in der Hinterhand. Jordan Torunarigha könnte zum Beispiel nach zuletzt starken Leistungen endlich wieder in der Startelf stehen. Arne Maier ist zurück im Mannschaftstraining und bis auf Peter Pekarik, der noch fraglich ist, stehen Alexander Nouri alle Profis zur Verfügung. Ausreden gibt es für den noch-Cheftrainer nicht: Hertha muss in Düsseldorf punkten.

Hertha BSC – 1.FC Köln: Karneval oder Samba in Berlin?

Hertha BSC – 1.FC Köln: Karneval oder Samba in Berlin?

Bunt, turbulent, laut, ein Hauch von Skandal und für Außenstehende zum Teil lächerlich und nüchtern schwer zu ertragen. Nein, es ist keine Beschreibung vom Kölner Karneval, sondern von den letzten Wochen bei Hertha BSC. So wirklich ist in Berlin keine Ruhe eingekehrt, trotz des knappen 2:1 Erfolgs gegen den SC Paderborn vergangenes Wochenende. Am Samstag um 15.30 Uhr ist der 1. FC Köln zu Gast im Olympiastadion. Die Kölner haben nur drei Punkte weniger im Abstiegskampf und wollen daher unbedingt zu Hertha aufschließen.

Während in Köln aktuell Karneval gefeiert wird, gab es in Berlin zuletzt nur selten Party-Stimmung, auch wenn ein Hauch von Samba in Person von Matheus Cunha zu spüren war. Um herauszufinden, welche Mannschaft am Samstag wohl die besseren Chancen hat, haben wir uns erneut Verstärkung geholt. Mit Thomas Reinscheid, Chefredakteur von effzeh.com blicken wir auf die Partie Hertha BSC – 1. FC Köln.

Der Gisdol-Effekt

Die starken Ergebnisse unter Neu-Coach Markus Gisdol in den letzten Monaten sorgen natürlich für gute Stimmung in der Domstadt. Thomas sagt uns zu der Lage am Rhein: „Die Stimmung ist mittlerweile prächtig, auch wenn es lange nicht danach aussah. Durch die starken Auftritte zum Ende der Hinrunde und den Heimsiegen zum Jahresstart hat sich der FC ein ordentliches Polster auf die Abstiegsränge geschaffen und kann etwas entspannter in die Spiele gehen. Nun muss das Team allerdings auch dran bleiben und die wichtigen direkten Duelle im Abstiegskampf für sich entscheiden.“

Köln in den letzten Monaten mit vielen Siegen. ( Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Zuletzt gab es nur zwei Niederlagen gegen Borussia Dortmund und den FC Bayern München. Ansonsten sammelte Köln seit der Niederlage gegen Union Berlin nur Siege. Auf die Frage, was sich, unter anderem mit dem Trainerwechsel zu Markus Gisdol, verändert habe sagt uns Thomas: „Die Mannschaft tritt geschlossener auf, läuft mehr und wirft sich in jeden Zweikampf. Es scheint, als haben die Spieler begriffen, was es im Abstiegskampf braucht, um erfolgreich zu sein. Vor allem durch die jungen Spieler wie Ismail Jakobs oder Noah Katterbach ist eine andere Intensität auf dem Platz zu erleben. Dazu hat der FC auch das notwendige Spielglück, das ihm über weite Strecken der Hinrunde nicht hold war.“

Die Niederlage vergangene Woche gegen den amtierenden Deutschen Meister sei bereits abgehakt. „Wie schon in Dortmund hat der FC zu Beginn der Partie seine Grenzen aufgezeigt bekommen, was aber gegen solche Spitzenteams nicht schlimm ist. Man muss daraus lernen – und das Positive, das in der zweiten Halbzeit gezeigt wurde, in die Partie in Berlin mitnehmen.“

Kölner Standards die große Gefahr für Hertha

Als größte Waffe bringen die Rheinländer dazu ihre Standardstärke mit: „Wir sind bei Ecken ungemein torgefährlich, zusammen mit Eintracht Frankfurt haben wir dort die meisten Treffer erzielt. Insgesamt sind unsere Standardsituationen eine echte Waffe geworden – völlig ungewohnt für den FC.“

Standards sind jedoch nicht die einzige Stärke unserer Gegner am Samstag: „Darüber hinaus hat die Gisdol-Elf mit Jonas Hector, Ellyes Skhiri und Mark Uth ein spiel- und laufstarkes Mittelfeldzentrum und mit Jhon Cordoba über einen körperlich beeindruckenden Angreifer, der sich in jeden Zweikampf wirft.“

Wir haben unseren Köln-Experten auch gefragt, womit sich der „FC“ noch schwer tut. Dazu sagt Thomas: „Aktuell verpennt der FC regelmäßig den Start ins Spiel. In Dortmund und gegen die Bayern hat uns das wohl das Spiel gekostet, gegen Wolfsburg und Freiburg konnte der Gegner das zum Glück nicht nutzen. Dazu ist im Spiel nach vorne noch viel Luft nach oben. Wir erobern uns regelmäßig in recht aussichtsreichen Situationen den Ball, um ihn dann durch große Hektik im Umschaltspiel leicht wieder herzuschenken.“

„Aggressiv und Zweikampforientiert“

Zu der Frage, wie sich die Karnevalszeit auf die Kölner Leistung auswirkt, antwortet unser Köln-Experte: „Eigentlich ist die Bilanz an Karneval fürchterlich, besonders in der Bundesliga. Liegt zumeist daran, dass der FC auswärts spielen muss. Aber: Im vergangenen Jahr holte der FC einen Tag vor Rosenmontag tatsächlich einen Sieg. Hoffentlich gelingt eine Wiederholung in dieser Saison.“

Sebastiaan Bornauw fehlt in Berlin aufgrund einer gelb-Sperre. (Foto: TF-Images/Getty Images)

Was die Aufstellung der Kölner angeht, wird es gezwungenermaßen zu Änderungen kommen. Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw fehlt gelb-gesperrt, Linksverteidiger Noah Katterbach ist verletzt. Thomas verrät uns, wie Gisdol wohl beide Stammspieler ersetzen wird: „Für Katterbach wird sicherlich Jakobs nach hinten rücken und als Linksverteidiger agieren. Bei Bornauw, dessen Sperre echt unnötig zustande gekommen ist, ist die Frage, ob FC-Coach Markus Gisdol mit Toni Leistner eher auf die rustikale Variante setzt oder doch der spielerisch stärkere Jorge Meré zum Einsatz kommt. Ich tippe, um ehrlich zu sein, auf ersteres.“ Genannter Mere hatte auch einen eher unglücklichen Auftritt im Hinspiel, als er für ein grobes Foul an Vladimir Darida die rote Karte sah.

Trotz dieser beiden Wechsel tippt unser Köln-Experte nicht auf große Änderungen in der taktischen Einstellung der Mannschaft: „Wir werden keine Experimente versuchen, auch wenn zwei wichtige Stammspieler ausfallen. Intensiv gegen den Ball, mit schnellem Umschaltspiel nach vorne – das wird die Marschroute sein. Das sieht nicht immer schön aus, hat sich bisher aber als erfolgreich erwiesen.“ In der Presskonferenz sagt der Cheftrainer der Kölner, man wolle „aggressiv und zweikampforientiert spielen“.

1. FC Köln, Lieblingsgegner von Vedad Ibisevic

Köln wird also wie erwartet erneut eine schwere Aufgabe für die Mannschaft von Alexander Nouri werden. Die Bundesliga-Heimbilanz der „alten Dame“ gegen die Kölner kann sich zumindest sehen lassen: aus den letzten fünf Heimspielen holte man vier Siege und einen Remis. Die letzte Bundesliganiederlage Zuhause geht auf das Jahr 2009 zurück (0:1), im Pokal hingegen gewann Köln im Olympiastadion im Jahr 2017 mit 3:1.

Köln, Lieblingsgegner von Vedad Ibisevic.

Auch das letzte Spiel gegen die Rheinländer wird in beiden Fanlagern noch in den Köpfen sein. Mit 4:0 konnten sich die Herthaner durchsetzen. Zwei Treffer konnte dabei Kapitän Vedad Ibisevic erzielen, der allgemein besonders gerne gegen den „Effzeh“ trifft. In acht Spielen gegen die Kölner erzielte er neun (!) Treffer. Dazu schoss der gebürtige Bosnier seine zwei ersten Treffer für die Blau-Weißen im Olympiastadion gegen die Rheinländer (am 22.09.2015).

Unser FC Köln-Experte Thomas ist sich dieser Tatsache bewusst und hofft darauf, dass Ibisevic nicht zum Einsatz kommt: „(…) der Bosnier trifft gefühlt in jedem Spiel gegen den FC mehrfach. Im Hinspiel hat er das ja auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ich hatte gehofft, er hätte sich am vergangenen Wochenende die fünfte Gelbe Karte abgeholt, aber leider steht er euch gegen den FC zur Verfügung.“

Wer als Hertha-Fan hingegen auf ein (dieses Mal von der DFL anerkanntes) Tor von Matheus Cunha hofft, wird sich an einen anderen Brasilianer erinnern, der gegen den FC Köln ein unsterbliches Tor erzielte.

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Wer soll es gegen Köln richten?

Zwar sind Alex-Alves-Vergleiche an dieser Stelle wohl verfrüht, allerdings scheint auch der Hype um Cunha aktuell sehr groß zu sein. Auch deshalb ist es wahrscheinlich, dass der 20-Jährige am Samstag erneut in der Startaufstellung der Hauptstädter stehen wird. Doch wie wird die Startelf der Berliner am Samstag aussehen?

Im Auswärtserfolg gegen den SC Paderborn überraschte Cheftrainer Alexander Nouri mit seiner Startelf. Peter Pekarik spielte von Beginn an, genauso wie Neuzugang Matheus Cunha. Die Doppelspitze Cunha-Piatek überzeugte phasenweise, obwohl beide bisher kaum miteinander trainiert hatten. Ob Nouri erneut auf diese Doppelspitze setzt, oder womöglich auf Köln-Schreck Ibisevic setzt, ist eine spannende Frage. Tatsächlich wurde der Bosnier in Paderborn gegen Spielende eingewechselt.

Darf Lukas Klunter gegen den Ex-Club spielen? (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

In der Pressekonferenz ließ sich Nouri nicht in die Karten schauen und gab keine Hinweise darauf, wer für das Spiel am Samstagnachmittag die Nase vorn hat. Optionen wird er genug haben: sowohl Niklas Stark als auch Per Skjelbred sind wieder fit und auch Marius Wolf ist nach seiner Sperre wieder verfügbar. Ein Luxusproblem im Abstiegskampf also, wenn man sich beispielsweise die Verletzungsmisere von Werder Bremen anschaut.

Fraglich ist auch, ob Ex-Kölner Lukas Klünter den Vorzug vor Peter Pekarik bekommt. Der gebürtige Euskirchener spielte in der Jugend des 1. FC Kölns und wurde dort auch Profi. Bereits 18 Mal wurde er diese Saison in der Bundesliga eingesetzt. In den beiden letzten Partien spielte er jedoch nicht. Auch Jordan Torunarigha und Vladimir Darida dürfen sich Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen. Beide wurden gegen den SC Paderborn eingewechselt und konnten überzeugen.

Endlich wieder ein Heimsieg?

Ob Nouri den Schwung aus Paderborn mitnehmen will oder doch punktuell Änderungen vornimmt, wird sich zeigen. Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio werden sicher auch nicht lange mit Tribünen- oder Bankplätze zufrieden sein. Im Tor wird Thomas Kraft nach seiner kuriosen Handverletzung ausfallen, als zweiter Torwart wird der junge Dennis Smarsch auf der Ersatzbank sitzen.

Am tollen Support der Ostkurve liegt die negative Heimserie nicht. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Fakt ist: die Mannschaft tut sich gerade Zuhause schwer. Das letzte Mal konnten die Berliner am 14. Dezember 2019 gegen Freiburg mit 1:0 Zuhause gewinnen. Optimismus kommt also nicht so leicht auf, gerade für Hertha-Fans, die noch das letzte Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 im Kopf haben (1:3-Niederlage).

Thomas hingegen glaubt an seine Mannschaft und tippt auf einen 2:0-Auswärtserfolg der Kölner: „Ein frühes Tor, dann irgendwann in der zweiten Halbzeit ein erfolgreicher Konter.“ Genau dieses Szenario wird Hertha BSC verhindern müssen. Sollten die Berliner die Schwäche des 1. FC Kölns in der Anfangsphase nutzen können, könnte das Spiel auch schnell in die „richtige“ Richtung kippen. Ob mit Köln-Schreck Ibisevic oder mit dem Brasilianer Cunha: die „alte Dame“ hat es selbst in der Hand. Ein Sieg, und der Klassenerhalt wäre zum Greifen nahe. Vielleicht kehrt dann auch wieder Ruhe in die Hauptstadt ein…zumindest bis zum Derby am 21. März.

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Spektakel im Abstiegskampf?

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Spektakel im Abstiegskampf?

Der letzte Spieltag in der Bundesliga lief nicht gerade zugunsten von Hertha BSC. Eine 0:4-Heimniederlage gegen den FC Bayern München gepaart mit Siegen der Konkurrenten haben die Blau-Weißen wieder stärker in den Abstiegskampf versumpfen lassen. Doch bereits am Samstagnachmittag können die Berliner die Stimmungslage ändern. Dafür müssten die Spieler der „alten Dame“ den VfL Wolfsburg auswärts bezwingen. Keine leichte Aufgabe, auch wenn die „Wölfe“ zuletzt in Köln mit 1:3 untergingen.

Wie üblich wurden wir für diesen Vorbericht durch einen Wolfsburg-Experten unterstützt. Dennis Lindner (auf Twitter @WobTikal) stand uns dieses Mal zur Seite und gab uns viele nützliche Informationen über den Gastgeber.

„Nicht euphorisch, aber ruhig bis gut“

Wie diese Saison beim VfL Wolfsburg läuft, beschreibt uns Dennis wie folgt: „Der Start in die Saison war stark, das Team wirkte nicht übermäßig offensiv, aber sehr stabil. Mit dem Ausscheiden aus dem Pokal und dem krachenden Ende der Phase, in der man in allen Wettbewerben unbesiegt war, endete auch die Stabili- und Souveränität. Erst mit dem letzten Europapokalspiel der Gruppenphase und dem damit verbundenen Wechsel zurück zur Viererkette und der Rückkehr von Xaver Schlager hatte man wieder ein besseres Gefühl, die Spielweise war deutlich besser, nur die Ergebnisse haben ein wenig gefehlt.“ Die Stimmung in Wolfsburg vor der Winterpause war also: „Nicht euphorisch, aber ruhig bis gut.“

Trifft auf seinen Ex-Club: John-Anthony Brooks (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Der Start in der Rückrunde verlief dann umso enttäuschender. Dennis beschreibt die Niederlage in Köln: „Vorne Pech und hinten Dumm. Oder umgekehrt. Man hat sich sehr, sehr naiv angestellt, nachdem man vorne die frühen Chancen nicht genutzt und dann keine wirklichen Mittel mehr gefunden hat. Das Kölner Pressing hätte uns eigentlich keine Angst machen dürfen, aber es hat sehr gut funktioniert, unsere Abwehrspieler standen ständig unter Druck und haben dabei viele Fehler gemacht.“

Keine Ausnahme ist da der Ex-Herthaner John-Anthony Brooks: „Dass ein Spieler wie Brooks mit Cordoba solche Probleme hat, ist schon eher peinlich.“ Dennis spricht von „individuellen Fehlern“, insbesondere beim 0:2, das aus seiner Sicht „unfassbar unnötig und vor allem dumm war“.

Wie wird Wolfsburg am Samstag auftreten?

Der Frust sitzt beim Tabellenneunten also noch tief nach der Niederlage in Köln – schließlich war sie die sechste in den letzten neun Ligaspielen. Trotzdem kann unser Experte auch Stärken seines Teams benennen: „Das Zentrum im Mittelfeld ist unser absolutes Prunkstück. In Normalform sind Guilavogui, Arnold und Schlager keine Gegner, die man haben möchte. Drei sehr starke Mittelfeldspieler, die ihre Aufgaben gut aufgeteilt haben, laufstark und kreativ sind. Sein könnten. Sollten.“

In Köln unterlag der VfL Wolfsburg mit 1:3 (Foto: Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Auch im Offensivspiel läuft noch nicht alles glatt. Eine Schwäche des VfLs ist laut Dennis auch: „(…) das Generieren von Chancen aus dem Spiel. Wir haben eigentlich die Leute dafür, aber irgendwie hakt es immer. Auch gegen Köln hat man gesehen, dass mehr als einmal eine gute Idee daran scheiterte, dass nur einer sie hatte.“

Gerade in der Offensive könnte es laut Dennis auch eine Rotation geben. „Statt Ginczek und Brekalo stehen da mit Mehmedi, Steffen und mit Abstrichen Klaus zur Verfügung, die jeweils die Statik der Offensive noch mal deutlich ändern würden.“

Weghorst und Selke – Wer trifft zuerst in 2020?

Deutlich positiver schreibt Dennis über den Stoßstürmer unserer Gastgeber, Wout Weghorst. Dabei blieb der beste Torschütze der „Wölfe“ in Köln torlos. Die Schuld daran sieht Dennis jedoch woanders: „Er (Weghorst) ist ein bisschen allein da vorne. Unsere Flügelspieler sind nach wie vor keine, vor denen man Angst hat, einzig Brekalo strahlt da ein bisschen Gefahr aus. Der hat aber auch eine erschreckend schlechte Entscheidungsfindung, aktuell. Wäre es ein Playstation-Spiel, dann würde man bei seinem Controller Schuss- und Passtaste einfach austauschen, man würde auf der Stelle seine Stärke verdoppeln.“

Dass Weghorst zuletzt auch Großchancen liegen ließ, beunruhigt Dennis nicht: „Wird (…) wieder. Als Typ und Spieler ist er völlig unangefochten da vorne, das wird er auch bleiben. Und er wird auch wieder treffen, gerade mit der Unterstützung von Ginczek, der endlich wieder komplett fit ist, wird das nicht lange dauern.“

Soll endlich wieder treffen: Davie Selke. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Auch bei Hertha gibt es aktuell einen Stürmer, der zwar viel arbeitet und durchaus als torgefährlich gilt, der aber kein Erfolg im Abschluss hat. Davie Selke braucht dringend einen Erfolgserlebnis, und Hertha braucht dringend wieder Stürmertore. Mehr zu der Situation des 25-Jährigen gibt es in unserer Einzelkritik zum letzten Spiel zu lesen.

Auch in Wolfsburg wundert man sich darüber, dass Konkurrent Vedad Ibisevic nicht Stürmer Nummer eins ist: „Warum in der Mitte Selke statt Ibisevic spielt, verstehe ich nicht ganz, auch wenn ich Selke als Spieler auch ganz gut finde.“ Möglicherweise ist bereits am Samstag eine Umstellung im Hertha-Sturm zu erwarten. Dodi Lukebakio könnte in die Sturmspitze wechseln, der momentan beste Torschütze der „alten Dame“ (vier Treffer). Für Ihn könnte dann Marius Wolf auf der rechten Außenbahn seine Chance bekommen.

Egal wer am Ende für Hertha stürmt: Inspiration müsste dieser Spieler genug haben. Sowohl der Cheftrainer als auch der Manager waren in ihrer Zeit erfolgreiche Torjäger.

Zeigen sich die Ergebnisse der Wintervorbereitung?

Wie also muss Hertha BSC auftreten, um gegen den VfL Wolfsburg den ersten Sieg der Rückrunde zu holen? Gegen den FC Bayern wollte Hertha eigentlich kompakt stehen und mit hohem Aufwand den Spielaufbau der Gäste stören. Doch die Blau-Weißen liefen insgesamt vier Kilometer weniger als der Gegner. Die zweite Halbzeit offenbarte die Schwächen und Verunsicherung der „alten Dame“, man hatte den Eindruck, dass den Spielern neben dem Mut auch die gewisse Spritzigkeit fehlte.

Dabei wurde ja in der Winterpause genau daran gearbeitet. Die Mannschaft sollte fit in die Rückrunde starten, und Woche für Woche „frischer“ wirken. Im ersten Rückrundenspiel zeigten sich die Ergebnisse der Vorbereitung jedoch noch nicht. Die Laufstärke wird auch am kommenden Wochenende ein wichtiger Aspekt sein. Dennis teilte nämlich mit uns seine „goldene Regel“ beim VfL Wolfsburg: „Rennt der VfL deutlich mehr als sein Gegner, dann gewinnt er“.

Hertha ist also gewarnt: die Mannschaft muss deutlich mehr laufen als noch im letzten Heimspiel. Dabei helfen wird auch Neuzugang Santiago Ascacibar, der gegen den FC Bayern mit 12,58 Kilometer den besten Laufwert hatte.

Ohne Boyata nach Wolfsburg – Stark zurück in der Startelf?

Am Samstag wird die Elf von Jürgen Klinsmann jedenfalls auf Dedryck Boyata verzichten müssen. Der neue Abwehrchef holte sich im letzten Spiel die fünfte gelbe Karte ab. Für ihn könnte Niklas Stark zurück in die Startelf rotieren, wie es der Cheftrainer in der heutigen Pressekonferenz andeutete. Auch Jordan Torunarigha könnte erneut eingesetzt werden, nachdem er sich gegen den FC Bayern auffällig stark präsentiert hatte. Karim Rekik ist ebenfalls wieder fit und damit auch eine Option.

Am Samstag gelbgesperrt: Dedryck Boyata (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Gerade die Abwehr wird gegen den VfL wichtig werden, da Hertha auf der Suche nach der Kompaktheit im Abstiegskampf ist. Sollte der Knoten bei Davie Selke dann auch endlich platzen, und Hertha in Führung gehen, wäre ein Riesenschritt getan. Wie uns Dennis verrät, ist der VfL Wolfsburg “nach Rückständen irre schwach, dieses Jahr. Da wurde noch nichts geholt.“

Unser Wolfsburg-Experte erwartet am Samstag eher kein Fußballfest: „Es wird kein besonders schönes Spiel. Ich vermute, dass wir unser Heimspiel nutzen werden und knapp und mit ach und krach 2:1 gewinnen werden“. Dabei hatten es die letzten Begegnungen beider Teams in Wolfsburg in sich. Ein 2:2 und ein 3:3 gab es zuletzt, davor im Jahr 2016 sogar ein 2:3 Auswärtssieg von Hertha BSC. So viele Tore sind am Samstagnachmittag wohl nicht zu erwarten. Doch Hertha braucht dringend wieder ein Sieg, um sich im Abstiegskampf mehr Ruhe zu verschaffen.

Hertha BSC – FC Bayern München: Wunder wiederholen

Hertha BSC – FC Bayern München: Wunder wiederholen

Es wurde um Hertha BSC in dieser Winterpause sehr viel geredet, sehr viel geschrieben und sehr viel spekuliert. Jetzt heißt es endlich wieder Bundesliga-Alltag. Am Sonntag um 15.30 Uhr ist im ersten Pflichtspiel des Jahres der FC Bayern München im Olympiastadion zu Gast. Keine Zeit also, sich gegen vermeintlich „schwächere“ Gegner warm zu schießen. Die „alte Dame“ muss sich direkt gegen den Rekordmeister beweisen. Kann Hertha dabei erneut für ein Wunder sorgen, und sich als Bayern-Angstgegner etablieren?

Für unseren ersten Vorbericht im Jahr 2020 haben wir uns wieder Unterstützung geholt. Dieses Mal teilt Celine (@Zeilenfieber auf Twitter) ihr Wissen mit uns. Sie ist nicht nur FC Bayern-Expertin, sondern schreibt auch für goal.com über nationalen und internationalen Fußball. Dank ihr bekamen wir einen besseren Eindruck über die aktuelle Lage bei unseren Gästen.

Mit Hansi Flick doch noch zur Meisterschaft?

Allzu viel müssen wir über die Hinrunde unseres Gegners nicht sagen: kein Verein ist in Deutschland mehr im Fokus als der FC Bayern. „Nur“ Platz drei nach 17 Spieltagen und ein spannendes Meisterschaftsrennen, dazu eine Trainerentlassung. Was für den FC Bayern nicht optimal lief, war für viele Fußballliebhaber in Deutschland eine positive Entwicklung. Durch die (zwischenzeitliche) Bayern-Krise ist es im Meisterschaftsrennen deutlich spannender, als in den Jahren zuvor.

Cheftrainer beim FC Bayern: “Hansi” Flick (Foto: Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Unter der Führung des neuen Trainers “Hansi” Flick gab es bislang nur zwei Niederlagen – gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach. Ansonsten wurden alle Spiele gewonnen. Was für eine Rolle der neue Trainer dabei spielt, erklärt uns Celine: „Flick hat dem Team in erster Linie neues Leben eingehaucht und setzt insgesamt auf eine kompaktere Ausrichtung als Kovac. Die größte Veränderung ist aber das hohe Pressing, das den Gegner zu Fehlern zwingen soll. Dadurch verkürzen sich zudem auch die Wege zum gegnerischen Tor.“

Die – für Bayern-Verhältnisse – schwierige Hinrunde sorgte dafür, dass nicht die Münchener, sondern Red Bull Leipzig die Hinrunde auf Platz eins beendete. Doch für unsere Bayern-Expertin wird es trotzdem am Ende für eine erneute Titelverteidigung reichen: „Bayern ist diese Saison zwar nicht der Favorit, aber ich glaube, dass Gladbach die Leistungen aus der Hinrunde nicht bestätigen kann und dass Leipzig die fehlende Erfahrung im Kader zum Verhängnis wird.“

Viele Misserfolge darf es allerdings nicht geben, sodass auch der Rekordmeister am Sonntag alles daran setzen wird, die drei Punkte mitzunehmen. Laut Celine ist „Bayern für gewöhnlich auf den Punkt zur Stelle, wenn Ergebnisse gefordert sind.“

Lewandowski wieder fit – Kimmich gesperrt

Dabei werden die Gäste, die ihre Vorbereitung in Katar absolvierten, ohne Stars wie Kingsley Coman, Lucas Hernandez, Niklas Süle oder Javi Martinez auskommen müssen. Auch auf Joshua Kimmich müssen sie verzichten, der 24-Jährige ist gelb gesperrt.

Der beste Torschütze der Bundesliga Robert Lewandowski wird rechtzeitig wieder fit. (Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Doch auch ohne die genannten Spieler ist der FC Bayern wesentlich besser aufgestellt als die Hauptstädter. Robert Lewandowski wird wohl bis Sonntag gerade so noch fit werden. In welcher Verfassung der aktuelle Topscorer der Bundesliga (19 Tore) sein wird, ist allerdings noch nicht klar. Doch Celine verrät uns: „Angesichts der angespannten Personalsituation bleibt Flick eigentlich keine andere Möglichkeit, als Lewandowski aufzustellen.“

Sollte dieser nicht fit genug für 90 Minuten sein, hat Bayern zwar keinen gleichwertigen Ersatz parat, jedoch mehrere Alternativen. „Vor dem Trainingslager wäre wohl die B-Lösung gewesen, Gnabry von außen in die Mitte zu versetzen. Nun ist Zirkzee die erste Alternative, der sich mit zwei Toren bereits vor der Winterpause gezeigt hat“, sagt unsere Bayern-Expertin.

Eines ist sicher: selbst angeschlagen und mit den genannten Problemen wird der FC Bayern am Sonntag eine Herkules-Aufgabe für die Blau-Weißen sein.

Große Sprüche, Transfergerüchte und abgelaufene Trainerlizenz

Doch gerade um diese Aufgabe zu bewältigen, haben die Berliner ihre Vorbereitung früher und intensiver begonnen, als ursprünglich geplant. Dabei wurde die Wintervorbereitung nicht nur für die Profis unter Jürgen Klinsmann anstrengend. Auch die Nerven der Hertha-Fans wurden auf die Probe gesetzt, da es rund um Hertha in den Medien viel Unruhe gab.

Ob höchst kritische Bewertungen von Herthas Entwicklung unter dem Einfluss von Lars Windhorst, große Sprüche von „Performance Manager“ Arne Friedrich oder von Cheftrainer Jürgen Klinsmann oder verrückte Transfergerüchte: es gab für Journalisten viel zu schreiben. Nicht zuletzt auch über die kuriose Situation rund um Klinsmanns abgelaufene Trainer-Lizenz. Diese für Hertha-Verhältnisse unverhältnismäßig hohe mediale Aufmerksamkeit mag für Manager Michael Preetz ein „gutes Zeichen“ sein, für den einen oder anderen Hertha-Fan war es sicherlich eine anstrengende Zeit.

Umso glücklicher wird man also sein, dass es ab Sonntag in Berlin wieder um Fußball geht (zumindest für 90 Minuten). Dabei wurde die Mannschaft in der Vorbereitung auch personell verändert. Die Leihen von Eduard Löwen (zum FC Augsburg) und von Ondrej Duda (Norwich City) sowie die Ankunft von Neu-Herthaner Santiago Ascacíbar sind dabei die wohl wichtigsten Änderungen. Auch die Aussortierung von Salomon Kalou sorgte für Gesprächsstoff.

Wie kann Hertha erneut Bayern schlagen?

Umso wichtiger wäre es also am Sonntag für neue, positive Schlagzeilen zu sorgen. Wie man das gegen den amtierenden Meister anstellt, hat Hertha bereits in den letzten Jahren bewiesen. In der Liga ist man Zuhause seit 2016 gegen die Bayern ungeschlagen, in der letzten Partie im Olympiastadion im DFB-Pokal schafften es die Blau-Weißen bis in die Verlängerung und musste sich schließlich knapp mit 2:3 geschlagen geben.

Im letzten Bundesligaspiel gegen den FC Bayern im Olympiastadion gewann Hertha mit 2:0. (Foto: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Doch welche Schwächen müsste Hertha ausnutzen, um Bayern am Sonntag zu schlagen? Celine antwortet: „Ich würde sagen, die größte Schwäche liegt darin, dass Bayern noch zu wenig aus den Möglichkeiten macht. Außerdem müssen bei Kontern die Lücken geschlossen werden, die durch die rausschiebenden Außenverteidiger entstehen.“

Für Celine gibt es also vor allem einen Weg, um gegen die Münchener zu bestehen: „Auch bei der größten Überlegenheit der Bayern nicht aufgeben, sondern weiterspielen und an sich selbst glauben. Siehe die Spiele gegen Leverkusen und Gladbach in der Hinrunde.“ In den genannten Spielen war zwar die Elf aus München haushoch überlegen, verlor aber am Ende trotzdem.

„Keine großen Überraschungen“

Große Überraschungen wird es, wie von Cheftrainer Jürgen Klinsmann während der Vorbereitung angedeutet, nicht geben. Die Startelf scheint bereits fest zu stehen. Die Abwehr wird wohl genauso aussehen wie im letzten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, mit dem wiedergenesenen Marvin Plattenhardt und Lukas Klünter als Außenverteidiger.

Dedryck Boyata ist unumstrittener Stammspieler. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

In der Mitte sind Karim Rekik und Dedryck Boyata erstmal gesetzt. Insbesondere für Boyata gab es von Jürgen Klinsmann in der Pressekonferenz am Freitagnachmittag viel Lob. Der Cheftrainer sieht im Belgier „einen der besten Innenverteidiger Europas“. Für Niklas Stark und Jordan Torunarigha bedeutet diese Rangordnung also erneut nur einen Platz auf der Bank.

Gleiches gilt für Kapitän Vedad Ibisevic und Leihspieler Marius Wolf, denn auch im Sturm scheint alles klar zu sein. Davie Selke, Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio werden auch gegen den FC Bayern starten. Die einzige offene Frage ist, ob Neuzugang Santiago Ascacíbar sofort in die Startelf einrückt. Er könnte die einzige Änderung in der Startelf darstellen, und würde für Per Skjelbred reinrotieren. Neben ihm sind wohl Vladimir Darida und Marco Grujic zunächst einmal gesetzt. Arne Maier ist hingegen noch nicht bei 100 Prozent und wird erst in den nächsten Wochen wieder eine Rolle spielen.

Hoffnung auf das nächste Wunder

Unsere Bayern-Expertin wird wohl am Sonntag ungerne Dodi Lukebakio in der gegnerischen Startelf sehen: „Bayern scheint für Lukebakio inzwischen sowas wie ein Lieblingsgegner zu sein. Er hat damals beim 3:3 von Düsseldorf und dem 2:2 der Hertha in der Hinrunde bewiesen, dass er Bayern gefährlich werden kann.“ Trotzdem bleibt Celine optimistisch und tippt auf ein 2:1-Auswärtssieg für die Münchener. Dagegen hat man als Hertha-Fan natürlich noch frische Erinnerungen am 2:0-Erfolg in der letzten Saison. Eigentlich ein Wunder, auch wenn der Sieg aus Berliner Sicht verdient war.

Ob dieses Mal Dodi Lukebakio seinen Status als Bayern-Schreck bestätigt oder der FC Bayern in der letzten Minute einer siebenminütigen Nachspielzeit den Ausgleich erzielt: ein Punktgewinn wäre für die „alte Dame“ durchaus wichtig. Dabei würde man die im vergangenen Jahr gestartete Serie ohne Niederlage weiterführen und die mannigfaltige Berichterstattung wieder aufs Sportliche lenken – denn “wichtig ist auf’m Platz”.

Bayer Leverkusen – Hertha BSC: Jeder Punkt zählt

Bayer Leverkusen – Hertha BSC: Jeder Punkt zählt

Die englische Woche hat für Hertha BSC ganz gut begonnen: am Samstagnachmittag konnte man endlich wieder einen Sieg einfahren. Gegen den SC Freiburg reichte ein knappes 1:0 durch ein Traumtor von Vladimir Darida. Doch am Mittwochabend wartet ein zumindest individuell stärkerer Gegner auf die Blau-Weißen. Können die Spieler von Jürgen Klinsmann auch bei Bayer Leverkusen punkten, und den nächsten Schritt aus der gefährlichen Tabellenregion machen?

Leverkusen vs. Leverkusen in Köln

Herthas Gegner am Mittwochabend ist ohne Frage qualitativ ein ganz anderes Kaliber als der SC Freiburg. Doch in der Tabelle steht Bayer Leverkusen noch unter den Breisgauern auf Platz sieben. 25 Punkte konnte die „Werkself“ bisher sammeln, sieben Siege, vier Remis und vier Niederlagen – eine sehr durchwachsene Bilanz.

Bayer Leverkusen verlor am Samstag zwei Spieler durch rote Karten. (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Zuletzt gab es in der Bundesliga einen glücklichen Sieg gegen den FC Bayern München (2:1) und auch gegen Schalke 04 gab es drei Punkte. In der Champions League konnte sich die Mannschaft von Peter Bosz nicht für das Achtelfinale qualifizieren, spielt als Gruppendritter in der Rückrunde in der Europa League weiter. Am Samstag wurde man dann im Derby vom geschwächten 1.FC Köln erwartet.

Dieses Spiel entwickelte sich allerdings schnell zum Desaster für Leverkusen. Eine verdiente 2:0 Niederlage für den Favoriten, der in der ersten Halbzeit keine Mittel fand und sich in der zweiten Halbzeit quasi selber schlug. Erst eine gelb-rote Karte für Aleksandar Dragovic, dann die glatt rote Karte für Leon Bailey – bereits seine zweite in dieser Saison. Mit zwei Spielern weniger auf dem Platz konnte man die Derbyniederlage nicht mehr verhindern.

Nach dem Spiel zeigten sich nicht nur die Fans sondern auch die Spieler wütend und enttäuscht. Insbesondere Rot-Sünder Bailey musste viel Kritik der eigenen Mitspieler einstecken. Kapitän Lars Bender sprach davon, dass Bailey der Mannschaft „einen Bärendienst“ erwiesen hätte, man erwarte eine Entschuldigung. „Er hat die Mannschaft wieder enttäuscht“, war von Torhüter Lukas Hradecky zu hören. „Wir sind dumm und blöd. Wir nehmen uns selber aus dem Spiel“, hieß es zusätzlich noch von Sven Bender.

Trotz Sperren Hochfavorit

Nicht die beste Stimmung also bei der „Werkself“. Zumal ein verlorenes Derby bekanntlich immer Spuren hinterlässt. Für Hertha wird es trotz der Sperren und der angespannten Nerven in Leverkusen am Mittwoch eine sehr schwere Aufgabe.

Bailey und Dragovic fallen zwar gesperrt aus, doch Bayer Leverkusen wird nichtdestotrotz eine hochkarätige Startelf aufstellen können. Jonathan Tah kehrt nach seiner Rotsperre zurück und wird den Ausfall von Dragovic kompensieren. Der Ausfall von Leon Bailey wird auch durch die Riesenqualität in der Offensive der Leverkusener ausgeglichen werden können. Karim Bellarabi, Moussa Diaby, Nadiem Amiri, Paulinho, Kai Havertz, Lucas Alario oder Kevin Volland – Cheftrainer Peter Bosz kann sich über fehlende Optionen nicht beschweren.

“Die Berliner Mauer” beim letzten Sieg in Leverkusen.

Die Rotsperren werden Hertha zwar nicht schaden, doch einen großen Vorteil können die Hauptstädter sicher nicht erwarten. Leverkusen wird als haushoher Favorit in das Spiel gehen. Auch die Statistik spricht für die Heimmannschaft. Am 10.02.2018 konnte sich Hertha noch mit 2:0 am Rhein in einer denkwürdigen Partie durchsetzen. Bis auf dieses Spiel konnten die Blau-Weißen jedoch in Leverkusen seit 2012 nicht mehr punkten. Alle weiteren Begegnungen in der „BayArena“ verlor die „alte Dame“ klar.

Erster Sieg unter Klinsmann

Nicht allzu viel spricht also für das Team von Jürgen Klinsmann. Dabei konnte man sich am Samstag gegen den SC Freiburg endlich wieder einen Sieg erkämpfen. In einer sehr knappen und umkämpften Begegnung setzten sich die Hertha-Profis nicht unverdient durch ein Traumtor von Vladimir Darida durch.

Eine ähnliche Situation erlebte Hertha diese Saison nach dem ersten Saisonsieg gegen den SC Paderborn. Auch da holte man den Sieg, ohne zu glänzen. Auch da zweifelten viele Fans über die Bedeutung des geholten Dreiers. Es folgte eine Reise an den Rhein zum 1. FC Köln, wo sich Hertha mit 4:0 durchsetzen konnte, wiederum gefolgt von einem weiteren Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf. Ein „dreckiger Sieg“ wie gegen Paderborn oder Freiburg kann mentale Fesseln bei der Mannschaft lösen.

Jetzt fahren die Berliner erneut an den Rhein, dieses Mal nach Leverkusen. Ob der Sieg am Wochenende ausreicht, um mentale Blockaden im Team zu lösen, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass diese drei Punkte der Mannschaft gut getan haben. „Es fühlt sich brutal gut an“, hieß es von Kapitän Vedad Ibisevic.

Keine Feier in der Ostkurve nach dem 1:0 Sieg gegen den SC Freiburg. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Mit den eigenen Fans bleibt die Stimmung jedoch angespannt. Die Nachwirkungen der Auseinandersetzungen mit der Mannschaft nach der Partie gegen Borussia Dortmund waren am Samstag zu spüren. Die Hertha-Profis gingen nach dem Sieg nicht wie gewohnt in die Ostkurve feiern. Im „Kurvenecho“ wurde außerdem erklärt, dass die Derbyniederlage und die damit verbundene Schmach noch nicht verdaut sei und die Mannschaft nicht erwarten könne, durch ein wenig Kampf gegen Dortmund alles wieder gut machen zu können.

Trotzdem ist auch in Leverkusen eine volle und laute Unterstützung der Hertha-Anhängern zu erwarten. Es ist dabei zu hoffen, dass sich keine Kluft zwischen Fans und Mannschaft aufbaut. Gerade in dieser schwierigen Phase wäre eine Eintracht zwischen Fans und Mannschaft wichtig.

Rotation oder Kontinuität?

Hertha war in den letzten Spielzeiten nicht gerade erfolgreich, wenn es um englische Wochen ging. Oft ging man in drei von drei Spielen leer aus. Jetzt startet Hertha mit drei Punkten im Rücken in die englische Woche. Doch die schwierigsten Aufgaben kommen erst noch.

Kräfte werden in der englischen Woche noch getestet. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

In der heutigen Presskonferenz stand nicht Cheftrainer Jürgen Klinsmann sondern Co-Trainer Alexander Nouri der Presse zur Verfügung. Nouri lobte die Kompaktheit in der Defensive, die Hertha gegen den SC Freiburg zeigen konnte. Es erscheint also wahrscheinlich, dass die Berliner auf den Defensiv-Positionen ähnlich aufstellen werden. Die Viererkette mit Marvin Plattenhardt, Karim Rekik, Dedryck Boyata und Lukas Klünter könnte also erneut eingesetzt werden. Auch möglich erscheint ein Wechsel des Spielsystems zurück in eine Dreierkette. Dann würde Niklas Stark zurück in die Startelf rotieren.

Matchwinner Darida kann wohl erneut in der Startelf erwartet werden, genauso wie Nebenmann Marko Grujic. Im Vergleich zum Heimspiel am Samstag kann man jedoch von einer defensiveren Aufstellung ausgehen. Mit vier Stürmern wird Hertha am Mittwoch wohl nicht agieren.

Jürgen Klinsmann und sein Team werden sicherlich im Laufe der Woche eine Rotation vornehmen, um einzelnen Spielern eine Durchschnaufpause zu geben. Optionen gibt es auch in Berlin genug: momentan gibt es kaum Verletzungen oder Sperren. Fast alle Profis stehen dem Trainerteam zur Verfügung. So auch Arne Maier, der laut Klinsmann “voll im Saft” stehen soll.

Punkte gegen die Abstiegsangst

Die Ausgangslage ist aufgrund der derzeitigen Form Leverkusens und dem vorangegangenen Sieg gegen Freiburg nicht die schlechteste für Hertha BSC, und trotzdem wird vieles davon abhängen, wie stark Bayer Zuhause auftritt. Sollte der Favorit sich in guter Verfassung präsentieren, werden es die Berliner sehr schwer haben. Gerade im Abstiegskampf ist jeder Punktgewinn gegen vermeintlich stärkere Gegner besonders wichtig. Jeder Punkt hilft gegen die Angst, den Anschluss in der Tabelle zu verlieren und eine neue negative Serie zu starten. Auch gegen die „Werkself“ ist mit der richtigen Einstellung ein Punkt drin.

Jürgen Klinsmann bringt zumindest in seiner Außendarstellung viel Optimismus und positive Strahlkraft mit. Sollte seine Mannschaft am Mittwoch eine gute Leistung zeigen und einen Punkt mitnehmen, könnte die Hinrunde noch einigermaßen versöhnlich enden. Dann könnten Mannschaft und Fans sogar den Abschluss dieser englischen Woche am Wochenende gemeinsam feiern. Vielleicht sogar vor der Ostkurve.

Hertha BSC – SC Freiburg: Endlich wieder siegen

Hertha BSC – SC Freiburg: Endlich wieder siegen

Hertha BSC empfängt am Samstag um 15.30 Uhr den SC Freiburg und muss endlich wieder drei Punkte holen. In der englischen Woche folgen dann ein Auswärtsspiel in Leverkusen und ein Heimspiel gegen den Tabellenführer Borussia Mönchengladbach. Umso wichtiger also, dass die „alte Dame“ mit dem ersten Sieg unter Jürgen Klinsmann loslegt.

Damit wir auch ordentlich Infos zu unserem Gegner bekommen, haben wir uns wieder einen Experten dazu geholt. Dieses Mal steht uns Mischa (@ZerstreuungFuss) zur Seite. Er betreibt den Blog Zerstreuung Fußball, wo er regelmäßig über den SC Freiburg schreibt und wo zuletzt unser Chefredakteur Marc zu Gast war.

Byebye Abstiegssorgen beim SC Freiburg

Der SC Freiburg steht aktuell in der Tabelle der Bundesliga über dem FC Bayern. Davon kann man sich zwar noch nichts kaufen, zeigt aber, dass diese Spielzeit bisher überragend für die Breisgauer läuft. Auch unser Experte Mischa hätte eine so gute Punkteausbeute nicht unbedingt erwartet: „Mit 25 Punkten nach 14 Spieltagen konnte man sicher nicht rechnen. In den letzten beiden Saisons konnte der SC Freiburg nur jeweils 36 Punkte an 34 Spieltagen sammeln.“

Die Saison des SC Freiburgs läuft bisher hervorragend.(Foto: Thomas Kienzle/AFP/Getty Images)

Unser Freiburg-Experte erkennt aber auch, dass man schon vor der Saison etwas weniger Abstiegssorgen hatte als sonst: „Waldschmidt, Haberer, Koch und Schwolow konnten alle gehalten werden, Sallai hatte sich von seiner Verletzung wieder erholt und der Kader wurde noch durch Itter, Kwon, Jeong, Schmid und insbesondere Grifo verstärkt. Hinzu kam ein längerfristiger Trend. Vor zwei Saison, nach den Abgängen von Grifo und Philipp, sah es beim Sportclub spielerisch teilweise sehr düster aus. Der Abstieg konnte nur knapp verhindert werden.“

Schon in der letzten Saison waren aber bereits Fortschritte zu erkennen, verrät uns Mischa: „Letzte Saison konnte man zwar nicht mehr Punkte sammeln, aber Saisonverlauf und spielerische Qualität sahen ganz anders aus. Nach dem 25. Spieltag hatte man ja bereits 30 Punkte und die Mannschaft entschloss sich wieder mehr auf das Flachpassspiel zu setzen. Das sah zeitweise gut aus, brachte aber keine Ergebnisse.”

Europa-League-Ambitionen oder gesichertes Mittelfeld?

Bereits jetzt scheint der Klassenerhalt in Reichweite zu sein. Wir haben also Mischa gefragt, ob der SC Freiburg neue Ziele für die Saison ausmachen würde. Zwar bleibe man in Freiburg vorsichtig: „(Man) kann ohne Frage die nächsten fünf Spiele verlieren und dann rutscht man in so eine negative Eigendynamik“. Trotzdem erkennt unser Experte: „Andererseits braucht man aus den nächsten 20 Spielen nur noch 10 -15 Punkte, um nicht abzusteigen und diese Mannschaft ist ziemlich stabil. Es wird also immer unwahrscheinlicher.“

Die Europa League sei aber auch in dieser Saison ein zu hohes Ziel: „Für die Europa League benötigt es aber meisten etwas mehr als 50 Punkte und dafür müsste der Sportclub die so erfolgreiche Hinrunde in der Rückrunde wiederholen. Davon ist nicht auszugehen, da so viele Spiele so knapp ausgingen und manchmal schon ein bisschen Glück dabei war.“

Freiburgs Trainerteam rund um Christian Streich haben bisher viel zu feiern gehabt. (Foto: Daniel Kopatsch/Bongarts/Getty Images)

Vielleicht sei es auch einfach zu früh in dieser Saison, um eine Endplatzierung absehen zu können. Neue Ziele könnten aktuell laut Mischa nur noch situationsgebunden sein, wie zum Beispiel: „Besser abschließen als Frankfurt“ oder „mindestens zehn Punkte Abstand zu Hertha halten“. Beim letzten Punkt müssen wir an dieser Stelle natürlich schwer hoffen, dass der SC Freiburg dieses Ziel verfehlt. Fakt bleibt aber: in Berlin würden sich einige die Tabellensituation des SC Freiburg wünschen. Auch dass die Breisgauer ab der kommenden Saison in einer neuen Heimstätte spielen werden, ist etwas, worauf man als Herthaner nur neidisch blicken kann. Verkehrte Welt.

Niederlage in Gladbach, knapper Heimsieg gegen Wolfsburg

Uns haben insbesondere die letzten Partien der Breisgauer interessiert. Dazu sagte Mischa: “Gegen Leverkusen (1:1) und Gladbach (2:4) hat man sehr mutig gespielt, hoch gepresst und wurde sehr häufig ausgespielt. Mit den fünf Toren aus den zwei Spielen war man sehr gut bedient. Gegen Wolfsburg ging es wieder den Schritt zurück. Zuerst wird die Offensive des Gegners mit einem gut ausgearbeiteten Pressingplan neutralisiert und dann schaut man mal, was nach vorne geht.” Eine Sache ist klar festzuhalten: “Der Freiburger Höhenflug baut besonders auf den wenigen Gegentoren auf (17, nur Wolfsburg, Gladbach und Leipzig haben weniger). Das scheint nun wieder mehr in den Fokus zu rücken.“

Unser Experte erklärt außerdem: „In den letzten vier Partien erzielte man kein Tor aus dem laufenden Spiel heraus. Fußballerisch gibt es schon noch Luft nach oben (…). Freiburg kann schon ein bisschen spielen, aber die Stärken sind häufig doch die typischen Stärken eines Underdogs: Standards, disziplinierte Rückwärtsbewegung, gutes Pressing, Effizienz usw.“

Auch gegen Hertha wird die defensive Stabilität wohl das Hauptaugenmerk der Gäste sein. Mischa warnt aber: „Wenn Hertha Freiburg den Aufbau überlässt, dann nimmt der SC das meistens auch an. Tiefe Ballzirkulation und dann schnelle Angriffe über Außen, sind sehr beliebt, aber auch mal der lange Ball, gerade wenn Hertha höher pressen sollte” – klingt ganz nach der unter Pal Dardai etablierten “Hintenrumscheiße”. “In letzter Zeit ziehen Höler und Sallai gerne Fouls. Das wird euch wahrscheinlich aufregen.“ Eines ist wohl klar: „Es ist nicht leicht gegen den SC Tore zu erzielen“.

Grifo Rückkehr und Standardstärke

Doch was können denn die Hertha-Profis am Samstag von Freiburg erwarten? Was für eine Taktik und Aufstellung wird die Mannschaft von Christian Streich wählen?

Was das Spielsystem angeht erwartet Mischa keine Änderung. Der SC Freiburg wird wohl erneut im 3-4-3 auftreten. Dabei spielt auch die Rückkehr von Vincenzo Grifo eine Rolle. Sollte er von Anfang an spielen, würde Sallai für ihn aus der Startelf rotieren. „Da aber Koch IV und ZM spielen kann, Haberer ZM und RS/ RF, kann man sich nie sicher sein, wie das dann auf dem Platz aussieht.“

Freistoßspezialist Jonathan Schmid. (Foto: Thomas Kienzle/AFP/Getty Images)

Was aber sicher auf Hertha wartet, ist die besondere Standardstärke der Breisgauer: „Günter, Grifo, Waldschmidt und Schmid. Standardschützen hat der Sportclub momentan genug. Schmid ist ein hervorragender Neuzugang. Gerade, weil er eine Rolle ausfüllt, die man lange vermisst hat. Im 3-4-3 fehlte zwei Saisons das Gegenüber von Günter als linkem Flügelläufer. Stenzel und auch Kübler waren eher klassische Rechtsverteidiger. Schmid als Allrounder füllt diese Rolle perfekt aus, hat schon vier Tore erzielt (zwei per direktem Freistoß) „

Dass Hertha BSC mit gegnerischen Standards große Schwierigkeiten und diese Saison diesbezüglich eine katastrophale Statistik hat, ist wohl jedem Hertha-Fan bekannt. Dass unser Gegner am Samstag gerade in dieser Disziplin Stärken hat, klingt zu nächst einmal beängstigend. Trotzdem haben die Berliner Qualitäten, die diese Schwäche auffangen könnte.

Hektik bei Hertha  

Gerade diese Qualitäten sieht unser Experte auch aus der Ferne im Kader der Blau-Weißen: „Wir brauchen uns nicht darüber unterhalten, dass der Herthaner Kader deutlich besser besetzt ist als der von Freiburg. Was Dilrosun gegen die Paderborner Abwehr gemacht hat, habe ich beim Sportclub noch nie gesehen. Grujic und Maier haben riesiges Potenzial und Darida ist immer noch einer meiner Lieblingsspieler.“

Viel dreht sich um Jürgen Klinsmann. (Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Dabei wurde in Berlin in dieser Woche zwar viel geredet und gesprochen, allerdings nur wenig über Taktik und Fußball. Cheftrainer Jürgen Klinsmann äußerte sich zu vielen Themen, beantwortete Fan-Fragen live auf Facebook und war ohnehin im Mittelpunkt einiger Artikel in den Sportmedien. Ob die Transfergerüchte im Winter, die Frage des Torwarttrainers, die Aufregung rund um den Rassismus-Vorfall bei der U23 oder die Unzufriedenheit einiger Hertha-Profis: es gab zu viele Themen rund um Hertha, sodass nur selten Zeit gefunden wurde, um über das Sportliche zu reden.

Ob das gut oder schlecht für Hertha ist, sei dahingestellt. Es bleibt allerdings dabei: Hertha braucht unbedingt die drei Punkte am Samstag, um aus der „roten“ Zone zu kommen und für positive Schlagzeilen zu sorgen. Dafür müssen auf dem Platz Lösungen gefunden werden.

Jarstein zurück im Tor – Stürmer-Duo gesetzt

Wer diese Lösungen in der Berliner Startelf finden soll, ist auf einzelnen Positionen bereits klar. Rune Jarstein kehrt nach seiner Rotsperre ins Team zurück und wird wohl auch laut Jürgen Klinsmann anfangen. Herthas Cheftrainer hatte im Laufe der Woche auch angedeutet, dass er auch gegen Freiburg auf den Doppelsturm aus Davie Selke und Dodi Lukebakio setzen würde.

Torjubel von Dodi Lukebakio beim ersten Treffer in Frankfurt. (Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images)

Ondrej Duda hingegen sollte nach seiner schwachen Leistung am vergangenen Freitag wohl erstmal wieder auf der Bank Platz finden. Wer ihn da ersetzt ist die nächste Frage. Sollte Klinsmann erneut auf einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette setzen, könnte Vladimir Darida Dudas Position übernehmen und Eduard Löwen in die Startelf rotieren. Auch Per Skjelbred könnte eine Option sein, Arne Maier wohl noch nicht. Marvin Plattenhardt wird nach seiner ordentlichen Leistung gegen Eintracht Frankfurt wahrscheinlich erneut von Anfang an spielen können.

Torgefahr nur auf der Bank

Sollte es so kommen, ist davon auszugehen, dass Herthas Flügelflitzer Javairo Dilrosun zunächst wieder auf der Bank sitzt. Auch Salomon Kalou und Vedad Ibisevic würden die Berliner Bank wärmen. Prominente Namen also, die erstmal zuschauen müssen, wie sich die Kollegen schlagen. Insbesondere die zwei letztgenannten Spieler sind in den letzten Jahren Herthas Torgaranten gewesen. Umso erstaunlicher ist es also, wenn der Hauptstadtclub auf beide Stars verzichtet.

Eine kreative und interessante Lösung wäre ein Einsatz von Javairo Dilrosun auf der Zehnerposition. Ondrej Duda wird wie angesprochen wohl aus der Startelf rotieren und der junge Niederländer wäre mit seinen technischen Fähigkeiten und genialen Momente ein Kandidat für dessen Rolle. Es erscheint zwar unwahrscheinlich, dass Herthas Cheftrainer diese Variante wählt, doch gegen einen so defensiv starken Gegner wären gerade die Qualitäten des 21-Jährigen besonders wertvoll.

Womöglich ändert jedoch Klinsmann das Spielsystem komplett und spielt mit nur einer Spitze und zwei Flügelstürmern. Dann würde ein Innenverteidiger auf der Bank Platz nehmen und ein Flügelspieler hinzukommen. Klinsmann ließ sich auch in der Pressekonferenz nicht in die Karten schauen, sodass es spannend bleibt, wie die Mannschaft gegen den SC Freiburg aussehen wird.

Kick it like Julian Schieber

Hertha wird sich definitiv steigern müssen, um die drei Punkte in Berlin zu behalten. In Frankfurt zeigte man sich zwar bissig und zweikampfstark, war allerdings auch spielerisch phasenweise komplett unterlegen. In der Pressekonferenz am Freitag, wo zum ersten Mal nicht Michael Preetz sondern Kapitän Vedad Ibisevic den Cheftrainer begleitete, war klar von “Abstiegskampf” die Rede. Dementsprechend kann auch gegen Freiburg eine körperlich betonte Partie erwartet werden.

Wenn man bei der „alten Dame“ an ein Heimspiel gegen den SC Freiburg denkt, bleibt wohl für sehr lange Zeit noch das Spiel am 28. August 2016 in Erinnerung. Damals konnte sich der Haupstadtclub am ersten Spieltag durch einen „Last-Minute“ Treffer von Julian Schieber zum 2:1 noch durchsetzen und größten Jubel durch das Olympiastadion aufleben lassen.

Julian Schieber im Trikot von Hertha BSC vor seiner Einwechslung.

Unser Freiburg-Experte tippt für die Partie am Samstag ein „2:1“. Diesen Spielstand würden wohl alle in Berlin sofort unterschreiben. Um die Stimmung in Berlin endgültig in die richtige Richtung zu lenken, fehlt noch ein echtes Erfolgserlebnis. Erneut ein Siegtreffer in der letzten Spielminute, wie von Julian Schieber 2016, könnte dabei genau das Richtige sein.