BVB – Hertha: Drei Schlüsselduelle

BVB – Hertha: Drei Schlüsselduelle

Die tabellarische Situation ist vor dem 34. Spieltag aus Hertha-Sicht klar und zugleich trügerisch. Bei einem Punktgewinn ist der Klassenerhalt sicher, genauso wenn der VfB Stuttgart nicht dreifach punktet. Vorteil VfB: Ein Heimspiel gegen den 1. FC Köln ist auf dem Papier zumindest die leichtere Aufgabe als ein Gastspiel beim BVB. Auf welche Duelle es im Signal-Iduna-Park ankommen kann, damit Hertha sein Schicksal in die eigene Hand nimmt, und die Klasse ohne ständigen Blick nach Stuttgart hält, lest ihr hier.

Für den BVB geht eine unruhige Saison zu Ende. Zunächst das Aus in der Champions League trotz leichter Gruppe, dann das Aus in der Europa League gegen den späteren Finalisten Glasgow Rangers. Im Pokal scheiterten die Schwarz-Gelben an Zweitligist St. Pauli. Das Meisterschaftsrennen in der Liga konnten sie nie offen halten.

Dazu die ständige Transferposse um Starstürmer Erling Haaland, der in Manchester City nun endlich einen Verein für die kommende Saison gefunden hat. Generell dürfte der Sommer in Dortmund einiges hergeben. Mit Niklas Süle, Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi wurden immerhin schon drei namhafte Transfers eingetütet.

Dem Saisonabschluss wird bei Borussia Dortmund also entgegengefiebert. Und nach dem etwas blamablen 3:4 im letzten Heimspiel gegen den VfL Bochum dürfte es den Spielern wohl auch daran liegen, sich mit einem Erfolgserlebnis in die Sommerpause oder gar vom Verein zu verabschieden.

Marcel Lotka: Gegen den BVB zwangsläufig im Fokus

Einer, der den BVB-Spielern den Abschied in die spielfreie Zeit vermiesen könnte, ist mit Keeper Marcel Lotka einer, der im kommenden Jahr womöglich ihr Teamkollege sein könnte. Dass der HerthaBASE-Herthaner des Monats April am Sonnabend zwangsläufig im Mittelpunkt stehen wird, steht außer Frage.

Keeper Marcel Lotka spielt aktuell bei Hertha BSC, könnte ab Sommer aber für den BVB auflaufen.
(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Und das nicht wegen seines Patzers zuletzt gegen Mainz 05. Dass Lotka es besser kann, hat er in den Wochen davor mehrfach bewiesen. Vielmehr wegen des drohenden Rechtsstreits zwischen beiden Vereinen um seine Person. Als er bei Hertha sportlich keine Perspektive hatte, unterschrieb Lotka, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, einen Kontrakt bei Dortmund. Primär für die zweite Mannschaft gedacht. Weil Lotka, als die anderen Torhüter ausfielen, dann aber mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machte, zog Hertha eine Klausel, die seinen Vertrag in der Hauptstadt über den Sommer hinaus verlängerte.

Wie die Rechtsfrage ausgeht, ist offen. Fakt ist: Beim Aufeinandertreffen beider Teams werden die Augen auf ihn gerichtet sein. Für einen 20-Jährigen eine anspruchsvolle Aufgabe. Doch Lotka strahlte, seit er die Chance bei den Hertha-Profis bekam, auch mental die nötige Reife aus.

Gegen den BVB wird er nicht nur mental, sondern allen voran sportlich gefragt sein. Mit durchschnittlich 13,3 Versuchen pro 90 Minuten gibt Dortmund die viertmeisten Schüsse der Liga ab.

Zeigt sich Lotka von den Diskussionen um seine Person und dem Patzer aus der vergangenen Woche unbeeindruckt, kann er eine wichtige Grundlage bilden, damit Hertha zumindest einen Punkt holt.

Santiago Ascacibar und Lucas Tousart: Das Zentrum dicht halten

Während die Dortmunder bei den abgegebenen Torschüssen noch ganz oben dabei sind, sind sie in einer anderen Rubrik Vorletzter: Bei den geschlagenen Flanken aus dem Spiel. Kein Grund zur Sorge für den BVB, denn das Zentrum ist außergewöhnlich stark besetzt. Hier muss Hertha präsent sein.

Bereits auf der Sechs ist Dortmund mit Jude Bellingham extrem spielstark. Der Engländer ist im Spiel durchschnittlich 65,5 Mal am Ball. Dabei kommt er auf einen überragenden Wert von 3,2 schusskreierenden (top 15% im Ligavergleich) und sogar 0,6 torkreierenden Aktionen (top 5%). Auch die expected Assists pro 90 Minuten Bellinghams (0,15) unterstreichen seine für einen Sechser außergewöhnliche Torgefahr. Ihm immer wieder Druck zu geben, wird nicht alleine Aufgabe der beiden Sechser Herthas sein, hier müssen schon die Offensiven mithelfen.

Im Hinspiel besiegte Hertha den BVB mit 3:2.
(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Denn mit Marco Reus und Julian Brandt werden Lucas Tousart und Santiago Ascacibar zwei weitere, sehr spielstarke Gegenspieler haben. Brandt ist mit neun Saisontoren (dazu acht Assists) nicht nur Dortmunds zweitbester Torschütze, vielmehr ist er eine wichtige Anlaufstelle im Offensivspiel. Sein Wert von 5,43 progressiven Pässen auf 90 Minuten ist ein top-3% in der Liga. 3,17 Pässe spielt er ins letzte Drittel (top 6%). Gibt man Brandt zu viel Raum, weiß er ihn zu nutzen. Durchschnittlich bereitet er pro Spiel zwei Torschüsse direkt vor. Hieran gilt es ihn zu hindern.

Rein von den Statistiken kann Reus zwar nicht bei allem mithalten, doch seine Spielstärke ist unbestritten. Auch er spielt 3,06 Pässe ins letzte Drittel, bereitet 1,9 Torschüsse vor und weiß mit 0,93 torkreierenden Aktionen (top 4%) definitiv zu überzeugen.

Schwere Aufgaben für Tousart, der sich immerhin in einem Formhoch zu befinden scheint, und Ascacibar, der sich gegenüber seinem Auftritt gegen Mainz 05 steigern muss.

Offensive Flügel: Mehr Mut gefragt

Bei allem Lob für die starke BVB-Offensive, die Hintermannschaft kann in dieser Spielzeit nicht mithalten. 51 Gegentore kassierte Dortmund in dieser Saison bereits, die zweitmeisten in der oberen Tabellenhälfte. Besonders gegen Bochum fiel zuletzt wieder auf: Über die Flügel ist der BVB extrem anfällig.

Linksverteidiger Raphael Guerreiro mag offensiv zu den stärksten der Liga gehören, doch defensiv mangelt es an vielem. Nur 9,87 Mal übt er pro Spiel im Durchschnitt Druck aus (schwächste 5% im Ligavergleich) und das nur 3,01 Mal erfolgreich (ebenfalls schwächste 5%). Auch seine Werte von nur 1,48 Blocks und 2,22 Tackles unterstreichen, dass er defensiv nicht seine Stärken hat. 

Etwas besser sehen die Werte bei Rechtsverteidiger Felix Passlack aus, der in dieser Spielzeit allerdings erst auf 472 gespielte Minuten kommt. An seiner Stelle könnte auch Ex-Herthaner Marius Wolf spielen, dessen Statistiken im Defensivbereich sich ähnlich wie die Guerreiros lesen. Zwar übt er 18,79 Mal Druck aus, doch kommt auch nur auf 1,46 Tackles, 1,46 Blocks und gerade einmal 0,44 klärende Aktionen.

Myziane Maolida könnte aufgrund seiner Position gegen den BVB zur Alternative werden.
(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Die Dortmunder Defensive auf den Außen zu beschäftigen, könnte Hertha also zu Chancen bringen. Denn sich alleine auf die Defensive zu konzentrieren, wäre gegen die zweitbeste Offensive der Liga naiv.

Hier scheint Felix Magath jedoch über seinen Schatten springen zu müssen, zuletzt ließ der Hertha-Trainer mit Suat Serdar und Vladimir Darida zwei zentrale Spieler auf den Außen beginnen. Stattdessen könnten Maximilian Mittelstädt und Myziane Maolida (oder ein fitter Marco Richter) ernsthafte Alternativen darstellen, um den BVB zu knacken.

[Titelbild: Boris Streubel/Getty Images]

Hertha BSC – 1. FSV Mainz 05: Drei Schlüsselduelle

Hertha BSC – 1. FSV Mainz 05: Drei Schlüsselduelle

Mit einem Heimsieg zur besten Spielzeit um 18:30 Uhr kann Hertha BSC am Samstag gegen den 1. FSV Mainz 05 den Klassenerhalt sichern. Worauf es ankommt, lest ihr hier.

Für die letzten beiden Spiele der Saison hat sich Hertha BSC in eine gute Ausgangslage manövriert. Vier Punkte trennen die Berliner von dem VfB Stuttgart, welcher sich auf dem Relegationsplatz befindet.

Der direkte Abstieg scheint derweil abgewendet zu sein. Nur wenn Arminia Bielefeld die letzten beiden Partien gewinnt und Hertha gleichermaßen verliert, würde Hertha wegen der schlechteren Tordifferenz noch direkt absteigen – ein nicht unmögliches, aber durchaus unrealistisches Szenario.

Selbst ein Punkt gegen Mainz könnte Hertha den direkten Klassenerhalt sichern, insofern der VfB Stuttgart nicht gegen die Ibiza-Partykönige aus München gewinnt. Damit Hertha im eigenen Stadion den Klassenerhalt feiern kann, entscheiden folgende Aspekte:

Das Fünfer-Bollwerk knacken

Seit dem ersten Spieltag glaubt Mainz an die eigene defensive Fünferkette – und das nicht zu unrecht. Mit lediglich 42 Gegentoren haben nur drei andere Teams der Liga (Bayern, Freiburg und Union Berlin) weniger Treffer aus dem eigenen Netz fischen müssen. Defensiv spielt Mainz innerhalb der Bundesliga also Champions League.

Stefan Bell, Alexander Hack und Moussa Niakhate bilden dabei die Säulen der Innenverteidigung. Vor allem die beiden Letztgenannten weisen über die gesamte Saison hin starke Zweikampfwerte auf. Laut Kicker gewann Hack in 26 Spielen insgesamt 62 Prozent seiner Zweikämpfe, Niakhate absolvierte 28 Spiele und gewann insgesamt 60 Prozent seiner Zweikämpfe.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Zum Vergleich Marc Oliver Kempf gewann auf der Berliner Seite lediglich 53 Prozent seiner Zweikämpfe, bei Dedryck Boyata sind es immerhin 58 Prozent.

Trotz guter Leistungen in den vergangenen Wochen wird es Hertha – spielerisch stets limitiert – schwer haben, gegen das Mainzer Bollwerk entscheidend durchzubrechen. Wie das dennoch gelingen kann, folgt im nächsten Abschnitt.

Gleichsam muss Hertha vor allem auf die eigene linke Seite aufpassen: Es ist die Offensivere der Mainzer. Selbst Rechtsverteidiger Silva Widmer bereitete diese Saison fünf Treffer vor. Vor ihm steht Anton Stach, auch er steuerte für Mainz vier Assists bei.

Ein angreifendes Hertha-Mittelfeld

Seit dem 1:0-Sieg gegen den FC Augsburg und vor allem seitdem Felix Magath das Zepter übernommen hat, stehen die Berliner kompakter. Die Verteidigung scheint kein Schweizer Käse mehr zu sein – und endlich schießt das Team auch wieder Tore. Doch das zumeist durch Impulse aus der Verteidigung.

Gegen den VfB Stuttgart bereitete Marvin Plattenhardt das 1:0 per Flanke vor, auch gegen die Arminia aus Bielefeld war es Plattenhardt, der einen Eckball auf Lucas Tousart schlug, welcher per Kopf einnetzte. Doch sollte es eigentlich das Mittelfeld sein, welches Treffer maßgeblich einleitet.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Hier scheint vor allem Suat Serdar auf der linken offensiven Außenbahnen in seinen Fähigkeiten beraubt. Als „Achter“ braucht er das Spielfeld vor sich, um Angriffszüge mit tiefen Pässen klug einleiten zu können und dabei gegnerische Spieler mit seinen Pässen zu überspielen. Als zentraler Mittelfeldspieler gelang ihm das deutlich besser, als auf der linken Außenbahn.

Sich auf Plattenhardts Flanken zu verlassen, wird gegen die dichte Fünferkette der Mainzer aber schwierig. Wichtig wird sein, dass sich vor allem die offensiven Außenspieler der Hertha maßgeblich in die Offensivbemühungen integrieren, sich dann beispielsweise von den eigenen Verteidigern überlaufen lassen, um den Pass zu ihnen zu spielen oder nach innen, in den Strafraum hinein zu ziehen.

Den Strafraum beherrschen

Zwangsläufig wird sich Herthas Stürmer, vermutlich Davie Selke, zumeist allein im Mainzer Strafraum wiederfinden. Damit sich beispielsweise Boateng als Zehner als hängende Spitze leicht versetzt hinter Selke im Sturm integrieren und ebenfalls den Strafraum besetzen kann, ist Herthas Spiel in der Offensive noch zu schwerfällig. Zu sehr wird Boateng als Initiator vor dem Strafraum gebraucht, als dass er sich selbst dort wiederfinden würde.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Allein wird es Selke gegen die drei Innenverteidiger aber schwer haben. Umso mehr muss Hertha auf die „zweiten Bälle“ lauern. Das bedeutet: Im offensiven Spiel muss das Halbfeld vor dem Mainzer Strafraum mit Hertha Spielern besetzt sein. Im Idealfall drängt man die Defensive, auch die Mittelfeldspieler so weit in den Strafraum hinein, das man vor dem Strafraum auf die zweiten Bälle lauern kann.

Zugegeben: Hertha ist nicht Bayern. Mainz allerdings auch nicht – auch wenn es ihnen gelang, den Partywütigen Meister am vergangenen Spieltag zu schlagen.

[Titelbild: Alex Grimm/Getty Images]

Hertha BSC – VfB Stuttgart: Drei Schlüsselduelle

Hertha BSC – VfB Stuttgart: Drei Schlüsselduelle

Gegen den VfB Stuttgart geht es für Hertha um die nächsten Big Points im Abstiegskampf. Um im heimischen Olympiastadion etwas Zählbares mitzunehmen, muss das Team von Felix Magath an die Leistung aus dem Augsburg-Spiel anknüpfen. Gleichwohl erwartet sie ein ganz anderes Spiel. Denn anders als die Bilanz der Stuttgarter von erst sechs Siegen und 28 Punkten vermuten lässt, ist der größte Trumpf der Schwaben, dass sie guten und gradlinigen Fußball spielen.

Insgesamt verläuft die Saison des VfB enttäuschend. Im ersten Jahr nach dem Aufstieg überzeugte die Elf von Pellegrino Matarazzo mit offensivem Fußball und hielt ungefährdet die Klasse. Im zweiten Jahr im Oberhaus, dem bekanntlich schwersten für Aufsteiger, wollte Stuttgart seinen Stil fortsetzen, doch besonders durch viele Verletzungen bekam der VfB nie die gewünschte Konstanz rein und findet sich vier Spieltage vor Saisonende auf dem Relegationsplatz wieder. Auf welche Duelle es beim Aufeinandertreffen mit der Alten Dame ankommen kann, lest ihr hier.

Stuttgarts Erfolgs-Duo: Borna Sosa und Sasa Kalajdzic

Eine der größten Waffen Stuttgarts ist das Zusammenspiel von Linksverteidiger Borna Sosa und Mittelstürmer Sasa Kalajdzic. Das ist in der Liga schon seit letzter Saison bekannt, als Sosa zehn Tore vorbereitete, am Liebsten auf Kalajdzic, der auf 16 Saisontore kam. In dieser Saison wurde der zwei Meter große Stürmer lange von einer Schulterverletzung ausgebremst, kommt bisher auf vier Tore in elf Partien. Sosa steht derweil immerhin schon wieder bei sieben Vorlagen.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Ein Blick auf die Zahlen des fleißigen Linksverteidigers zeigt, was ihn so gefährlich macht. 4,8 Flanken schlägt er durchschnittlich in 90 Minuten, ein Top-5%-Wert aller Außenverteidiger der Bundesliga. Dabei kommt er auf 0,2 Expected Assists. Er ist ins Offensivspiel des VfB elementar eingebunden, kommt im Durchschnitt auf 66,38 Pässe pro Spiel. 6,15 progressive Pässe spielt er und 1,89 in den Strafraum. Alles Offensivwerte, die im Liga-Vergleich für seine Position top sind. Darunter leidet sein Defensivverhalten allerdings mitunter. Nur 1,26 Tackles übt er pro Spiel aus und kommt nur auf 1,81 klärende Aktionen. Nur 1,31 Bälle fängt Sosa im Durchschnitt ab. Alles Werte, mit denen er zum unteren Drittel der Liga gehört. Ihn defensiv zu fordern, könnte für Hertha eine Chance darstellen.

Kalajdzic im Sturm derweil ist trotz seiner Größe nicht auf sein Kopfball-Spiel zu reduzieren. Auch mit dem Fuß ist er sehr gefährlich. Sein Durchschnittswert von 0,48 Expected Goals pro 90 Minuten unterstreicht seine permanente Torgefahr. Am liebsten knipst er im Strafraum, seine durchschnittliche Distanz bei Torschüssen liegt bei 11,8 Metern. Ihn zu verteidigen wird also allen voran eine Aufgabe für…

Dedryck Boyata und Marc Oliver Kempf: Endlich konstant?

Mit bereits sage und schreibe 15 verschiedenen Konstellationen in der Innenverteidigung hat es Hertha in dieser Bundesliga-Saison probiert. Doch die Zeit der andauernden Rotation scheint vorbei, denn seit Magath an der Seitenlinie steht, sind Boyata und Kempf gesetzt. Und sie scheinen sich besser zu finden, zuletzt hielten sie gegen Augsburg die Null.

Dabei scheinen sich die Innenverteidiger auf die Basics zu besinnen. Boyata etwa lieferte sechs Tacklings gegen den FCA, sein Saisondurchschnittswert liegt bei vier. Ebenfalls sechs Mal übte er Druck aus, bei einem Durchschnitt von 4,21.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Auch Kempf performte über seinen Durchschnittswerten, übte etwa 14 Mal Druck aus (Durchschnitt: 12,58). Gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, für den er bis zum letzten Winter spielte, dürfte Kempf besonders motiviert sein. Wichtig wird sein, dass er seine Motivation produktiv nutzt und performt wie zuletzt und nicht überdreht, wie teilweise zu Beginn seiner Zeit bei Hertha, etwa gegen Leipzig, als er mit Rot vom Platz flog.

Suat Serdar: Aufschwung durch Traumtor?

Die Saison von Suat Serdar ist insgesamt durchwachsen. Als offensiver Hoffnungsträger gestartet, ist die Bilanz von bisher erst drei Saisontoren und keiner einzigen Vorlage eher ernüchternd. Doch zuletzt zeigte der Neuzugang aus Schalke, was ihn so wertvoll machen kann. Nicht nur wegen seines Traumtors machte er bei Augsburg eine gute Partie und daran gilt es nun anzuknüpfen.

Durch die Gelbsperre Marco Richters könnte Serdar auf beiden offensiven Flügeln zur Option werden. Dass er es auf rechts spielend mit Sosa zu tun haben wird, der seine Stärken in der Offensive hat, dürfte Serdar eher in die Karten spielen, als wenn er auf links startet. Denn dann würde sein Gegenspieler Pascal Stenzel heißen.

(Photo by Daniel Kopatsch/Getty Images)

Anders als sein Pendant auf links hat Stenzel seine Stärken klar in der Defensive. 2,57 Tackles leistet er im Durchschnitt, 1,85 davon erfolgreich. 2,36 Bälle fängt er pro Spiel ab und hat 1,95 klärende Aktionen. Offensiv ist er hingegen kaum aktiv, schlägt durchschnittlich nur 1,03 Flanken. Serdars Qualitäten können gegen Stuttgart ein entscheidender Faktor sein. Denkbar ist, dass er Richters Position auf rechts einnimmt, um die defensiven Schwächen Sosas auszunutzen und gleichzeitig Pekarik hinten zu unterstützen. Für den Fall wäre Mittelstädt eine Option für den linken Flügel.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Drei Schlüsselduelle: FC Augsburg – Hertha BSC

Drei Schlüsselduelle: FC Augsburg – Hertha BSC

Nach der desolaten 1:4 Niederlage im Derby gegen Union Berlin hat die seit Wochen anhaltende Krise der Hertha ihren Höhepunkt erreicht. Die Stimmung ist auf einem neuen Tiefpunkt, insbesondere die der Hertha-Anhänger:innen. Gegen den FC Augsburg hat Hertha die Chance einer kleinen Wiedergutmachung mit den eigenen Fans – und die Möglichkeit, extrem wichtige drei Punkte für den Klassenerhalt zu sichern. Damit das gelingt, sind diese drei Faktoren entscheidend.

Herthas Offensive – wer siegen will, braucht Tore

An dieser Stelle beschreiben wir meist Spielerduelle, die für einen Sieg entscheidend sind. Aufgrund der schwachen Offensive von Hertha, steht an dieser Stelle der gesamte Sturm-Block der Berliner.

Gegen Union Berlin stellte Hertha-Trainer Felix Magath wie beispielsweise auch schon gegen Bayer Leverkusen extrem defensiv auf. In einem 4-1-4-1 System sollte die anfällige Hertha-Abwehr gestärkt werden – und über Konter Tore für Hertha fallen.

Beide Male ging das nicht auf: Herthas Offensive schien in beiden Spielen nahezu unsichtbar. Den Offensivspielern kann man dafür kaum die Hauptschuld geben. In einem solch defensiven System ist es für die generell spielerisch schwache Hertha kaum möglich, über eigene Ballstafetten Torchancen zu kreieren.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Nunmehr befindet sich Hertha allerdings mit mageren 26 Punkten auf dem 17. Tabellenplatz. Es blieben nur noch fünf Spiele, um zu punkten. Das bedeutet: Tore müssen her. Entscheidend wird sein, ob Felix Magath sich traut, offensiv aufzustellen. Auch wenn das zu Lasten der defensiven Stabilität geht – aber Gegentore erhält Hertha die gesamte Saison sowieso schon wie am Fließband.

Mit einer offensiven Ausrichtung muss es Hertha gelingen, in Führung zu gehen, diese lange zu halten und über die Führung Selbstvertrauen zu generieren. In den verbleibenden Spielen ist das der Schlüssel zum Sieg.

Der fehlende Leader: Die Zeit vom Prinzen

Nahezu die gesamte Saison über nahm Kevin-Prince Boateng auf der Bank Platz. Lediglich Kurzeinsätze gab es für ihn – 421 Minuten hat er laut transfermarkt.de in dieser Saison insgesamt gespielt. Was er in diesen wenigen Minuten gezeigt hat ist, dass er das Spiel auf der achter Position spielerisch durchaus bereichern kann – mit schnellen Entscheidungen und klugen Pässen in die Spitze. Beides fehlt Hertha, allen voran wenn Suat Serdar nicht spielt oder auf dem Flügel eingesetzt wird.

Zudem ist er ein Leader und Kämpfer – wohl der Einzige im gesamten Team, wie auch Felix Magath gegenüber Sky äußerte: „Er könnte seine Mitspieler mitreißen und Spiele wie gegen Union mit seiner Mentalität umbiegen.“ Doch immer wieder ist er von Verletzungen geplagt. Hertha muss es gelingen, Boateng fit zu bekommen. Für den Abstiegskampf würde seine Präsenz auf dem Spielfeld ein weiterer Antrieb sein.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Wenn es nicht gelingt. ihn über 90 Minuten spielen zu lassen, dann doch mindestens eine Halbzeit. Bis jetzt, zum 30. Spieltag spielte Boateng spielerisch keine Rolle und hatte genügend Zeit zur Regeneration und um seinen Körper fit zu kriegen: Jetzt ist die Zeit für ihn, um auf das Spielfeld zu treten.


Nach der peinlichen 1:4-Niederlage gegen Union Berlin sieht sich Hertha BSC am Rande des Abstiegs. Nur noch fünf Spiele bleiben, um auch nächste Saison in der Bundesliga spielen zu dürfen. Ein Weckruf.


Niklas Dorsch und Arne Maier: Das Augsburg-Herz

Niklas Dorsch, vor der Saison bei Hertha gehandelt und der verliehene Herthaner Arne Maier bilden das Herzstück des Augsburger Spiels. In der Defensive rackert sich vor allem Dorsch ab, Maier glänzt mit einem guten Stellungsspiel und läuft die Räume zu. In der Offensive verlagern sie das Spiel oft auf die Flügel – und initiieren die Angriffe aus den Achter-Positionen heraus.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Beide Spieler muss Hertha kalt stellen, um die Offensive von Augsburg lahmzulegen. Die Spieler dazu hat Hertha: Mit einem giftigen Ascacibar und laufstarken Spielern wie Tousart und Darida, welche die Passwege der beiden Augsburger zu laufen können.

Gleichsam braucht Hertha gegen Augsburg schnelle Balleroberungen im Mittelfeld, um über wenige Stationen die Offensive ankurbeln zu können – denn läge Ballstafetten liegen den Berliner nicht.

[Titelbild: Matthias Kern/Getty Images]

Hertha BSC – TSG 1899 Hoffenheim: Drei Schlüsselduelle

Hertha BSC – TSG 1899 Hoffenheim: Drei Schlüsselduelle

Am Sonnabend steht es an: Das erste von acht Endspielen gegen den Abstieg. Zu Gast wird die TSG Hoffenheim sein. Aktuell ist das Team von Trainer Sebastian Hoeneß Tabellensechster, jedoch punktgleich mit dem Vierten RB Leipzig und damit mittendrin im Rennen um die Champions League-Plätze.

Mit welcher Formation und taktischer Einstellung Hertha die TSG empfangen wird, lässt sich nur schwer prognostizieren. Schließlich sollte Felix Magath erstmals an der Seitenlinie, sein Comeback nach über neun Jahren Bundesliga-Abstinenz und mehr als vier Jahre nach seiner letzten Trainerstation in China. Doch coronabedingt wird sich das verschieben.

Statt also zu mutmaßen, auf welche Herthaner es am Wochenende ankommen wird, lohnt sich vielmehr der Blick auf den Gegner. Bei den drei Schlüsselduellen für die Partie Hertha gegen Hoffenheim konzentrieren wir uns auf drei Hoffenheimer Schlüsselspieler, auf die auch Magaths Trainerteam Hertha vorbereiten sollte.

Schlüsselspieler eins: David Raum

Hoffenheim spielt im 5-3-2. Eine besonders wichtige Rolle nehmen die Außenverteidiger ein, die auf ihrer jeweiligen Seite als Schienenspieler sowohl offensiv als auch defensiv gefragt sind. Als wahrer Glücksgriff entpuppte sich in dieser Spielzeit auf der linken Seite der vor der Saison ablösefrei von Aufsteiger Fürth gekommene David Raum.

15 Vorlagen steuerte Raum als Linksverteidiger zum Früher Aufstieg bei. Dass er eine Liga höher bei Hoffenheim nahtlos daran anknüpfen kann, dürfte wohl selbst die kühnsten Optimisten unter den Hoffenheim-Fans überraschen. Doch Raum beweist seine Qualität in der Bundesliga Woche für Woche, steht in der laufenden Saison bereits bei neun Vorlagen und durfte im vergangenen Jahr sogar sein Debüt in der Nationalmannschaft feiern.

Ein Blick auf die Statistiken Raums unterstreichen seinen Wert für die TSG. 5,99 Flanken schlägt Raum durchschnittlich pro 90 Minuten. Er kommt dabei auch einen überragenden Wert von 0,34 Expected assists. Ebenfalls für einen Außenverteidiger herausragend: Raum hat durchschnittlich 4,22 schusskreierende Aktionen (top 2% im Liga-Vergleich) und sogar 0,59 torkreierende Aktionen (top 1%). Raum spielt überragende 2,66 Schlüsselpässe (top 2%), 2,32 Pässe in den Strafraum (top 2%) und immerhin noch 4,55 progressive Pässe.

Für Hertha wird es wichtig sein, den Flügelfokus der Hoffenheimer zu unterbinden und insbesondere Raum früh zu stören. Eine Aufgabe, die aller Voraussicht nach auf Peter Pekarik zukommen wird. Nicht nur gehört er zu den wenigen Spielern, die bei Magaths letzter Anstellung in der Bundesliga überhaupt schon in selbiger gespielt haben, in Wolfsburg haben die beiden sogar zusammen gearbeitet. Es deutet vieles darauf hin, dass der Rechtsverteidiger als verlängerter Arm von Magath auf dem Feld eine wichtige Aufgabe haben wird. Mit Raum als Gegenspieler kommt eine weitere anspruchsvolle dazu.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Schlüsselspieler zwei: Andrej Kramaric

Als eine der beiden Spitzen agiert seit Jahren einer, der im besinnlichem Sinsheim Legendenstatus genießt: Andrej Kramaric. Der Kroate beweist in dieser Saison, dass es nicht nur auf Tore ankommt (steht bei vier Saisontoren), wenn du ein herausragend guter und mannschaftsdienlicher Spieler bist.

Kramaric ist in der Hoffenheimer Offensive das Gehirn und immer dann besonders wichtig, wenn es dem Team an Ideen mangelt. 1,99 Pässe ins letzte Drittel spielt Kramaric durchschnittlich, 1,45 in den Strafraum. Generell ist der Kroate sehr aktiv, kommt auf 32,92 kontrollierte Ballaktionen pro Spiel. 35,87 Passversuche auf 90 Minuten, 27,99 davon kommen an, verdeutlichen, wie sehr er am Spiel teilnimmt. Kramatic liefert 3,03 schusskreierende Aktionen und immerhin noch 0,45 torkreierende.

Kramaric ist kein klassischer Mittelstürmer. Ihn zu verteidigen ist nicht erst Aufgabe der Innenverteidiger, sondern muss schon im Mittelfeld losgehen. Seine durchschnittliche Schussdistanz von 15,6 Metern zeigt, dass Kramaric nicht erst bis vors Tor kommen muss, um Gefahr zu erzeugen.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Schlüsselspieler drei: Florian Grillitsch

Einer, der sich seit dieser Saison auf einer neuen Position eingefunden hat, ist Florian Grillitsch. Der gelernte defensive Mittelfeldspieler spielt inzwischen als zentraler Innenverteidiger in der Dreierkette und das herausragend.

Allen voran wegen seines zielgenauen Aufbauspiels. Seine durchschnittlichen 61,96 Passversuche (89,9% Passgenauigkeit) sind zwar durchaus noch ausbaufähig, doch bei Grillitsch sticht vor allem die Qualität der Pässe gegenüber der Quantität heraus.

0,77 Schlüsselpässe (Pässe, die unmittelbar zu einem Torschuss führen) spielt Grillitsch und sogar 0,96 in den Strafraum (beides top 2%-Werte im Vergleich der Innenverteidiger in der Bundesliga). 5,51 Pässe spielt der Österreicher ins letzte Drittel und 4,99 progressive Pässe. Deshalb kommt er auf einen für einen Innenverteidiger überragenden Wert von 2,11 schusskreierenden Aktionen pro 90 Minuten.

Die Defensiv-Statistiken von Grillitsch halten da nicht ganz mit, doch das können seine Nebenleute Kevin Vogt und Stefan Posch oder wahlweise Kevin Akpoguma und Benjamin Hübner auffangen. Das Ergebnis ist eine harmonierende Dreierkette.

Hertha sollte also davor gewarnt sein, dass Hoffenheim binnen weniger Stationen gefährlich wird, wenn Grillitsch in der Zentrale das Spiel eröffnet.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

[Titelbild: Alex Grimm/Getty Images]

Hertha – Frankfurt: Drei Schlüsselduelle

Hertha – Frankfurt: Drei Schlüsselduelle

Hertha ist neben dem VfB Stuttgart das einzige Team im deutschen Oberhaus, das im Kalenderjahr 2022 noch auf den ersten Liga-Sieg wartet. Am Samstag soll es gegen die SG Eintracht Frankfurt im heimischen Olympiastadion endlich klappen. Auf welche Duelle es in der Partie gegen die Hessen, die ihrerseits selber erst bei einem Sieg stehen, ankommen kann, lest ihr hier.

Alles neu in Frankfurt

Viel los war im Sommer bei der Eintracht. Trainer Adi Hütter verabschiedete sich nach Mönchengladbach, Sportvorstand Fredi Bobic zog es nach Berlin und Sportdirektor Bruno Hübner verließ den Verein, um sich privaten Dingen zu widmen. Schon damals betonte Vorstandssprecher Axel Hellmann, dass man nicht in Panik verfallen würde, sondern die Positionen klug besetzen wird. Auf der wichtigsten, der Trainerposition, verpflichtete man mit Oliver Glasner die Wunschlösung. Schließlich hatte der Österreicher sein Können nicht zuletzt unter Beweis gestellt, als er den VfL Wolfsburg in der letzten Saison in die Champions League-Qualifikation geführt hatte.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Die Premierensaison Glasers verläuft indes wie die oft zitierte Achterbahnfahrt. In der Europa League souveräner Gruppenerster, doch in der Liga standen nach elf Spieltagen erst zwei Siege. Auf eine starke Serie mit sechs Siegen aus sieben Ligaspielen zum Jahresausklang folgte in diesem Jahr bis dato erst ein Sieg, zuletzt blieb man sogar dreimal in Serie ohne eigenen Treffer.

Taktisch agiert man variabel, mal mit Doppelspitze, mal mit einem alleinigen Stürmer und wahlweise zwei hängenden Spitzen. Grundlage sind immer drei Innenverteidiger, Schienenspieler auf den Außen und ein robustes zentrales Mittelfeld.

Filip Kostic: Frankfurts Schlüsselspieler

Im Angriffsspiel der Frankfurter ist ein klarer Flankenfokus zu erkennen. Die viertmeisten Flanken aus dem Spiel schlägt man ligaweit. Maßgeblich dafür sorgt Filip Kostic, der sowohl als linker Schienenspieler, als auch als offensiver Flügelspieler aufgestellt werden kann. Durch die Gelbsperre von Christopher Lenz wird Kostic gegen Hertha sicher als Schienenspieler agieren.

6,8 Flanken schlägt Kostic durchschnittlich pro 90 Minuten, ein Top-1%-Wert der Liga. Dabei kommt er auf 0,37 Expected Assists, gehört auch damit auf seiner Position zu den besten ein Prozent. Klar ist: Wenn Kostic am Angriff beteiligt ist, wird’s meist gefährlich. 4,43 schusskreierende Aktionen liefert er pro 90 Minuten, 3,09 Schlüsselpässe spielt er.

Auf bereits sieben Assists nebst drei eigenen Treffern kommt Kostic in dieser Spielzeit. 1,96 Schüsse pro Spiel nimmt er sich durchschnittlich. Auch wenn sein letzter Treffer vom 12. Spieltag datiert, darf man Kostic den Raum zum schießen nicht geben, mit seinem linken Fuß ist er brandgefährlich.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Peter Pekarik wird es bei Filip Kostic mit einem der offensivstärksten Außenverteidiger der Liga zu tun haben. Herthas Rechtsverteidiger muss dafür sorgen, dass Kostic dauerhaft unter Druck steht. Hierfür wird auch die Mithilfe des Mittelfelds entscheidend sein. Durchschnittlich 50,73 Pässe spielt Kostic, nur 7,21 davon unter Druck. Hält man diesen hoch, kann man auch ihn weitgehend aus dem Spiel nehmen. Dazu ist es wichtig, ihn nach Ballgewinnen schnell zu überspielen. Denn übt Kostic im offensiven Drittel noch 4,53 Mal pro Spiel Druck aus (top 9% der Liga), sind es im mittleren Drittel nur noch 5,77 Mal (top 35%) und im defensiven Drittel nur 5,1 Mal (gerade einmal top 72%).

So stark die offensiven Qualitäten, mitunter leiden die defensiven. Lediglich 1,44 Tacklings liefert Kostic durchschnittlich, hat 1,13 geblockte Bälle und 0,57 klärende Aktionen. Es gilt für Hertha also, ihm in der eigenen Hälfte Dauerdruck zu bieten und defensiv zu fordern. Dann kann man aus Frankfurts gefährlichstem Spieler womöglich einen eigenen Vorteil ziehen.

Rafael Borré: Frankfurts erster Verteidiger

Luka Jovic, Sébastien Haller, André Silva: In den letzten Jahren war das Spiel der Eintracht immer von herausragenden Stürmern gezeichnet. Dass man sich derzeit auf Tabellenplatz zehn wiederfindet, hängt auch damit zusammen, dass man es in dieser Spielzeit nicht geschafft hat, den Abgang Silvas nach Leipzig ansatzweise gleichwertig in der Torgefahr zu ersetzen.

Gesetzter Mittelstürmer ist der Neuzugang Rafael Borré, der auf aktuell sechs Saisontore kommt. Und seine Offensiv-Statistiken lesen sich wahrlich nicht wie die eines Spitzenspielers. 1,99 Schüsse nimmt er sich pro 90 Minuten gerade einmal und liegt bei 0,37 Expected Goals. Dazu kommen 0,14 Expected Assists – auch der Stürmer, der seine Mitspieler laufend in Szene setzt, ist Borré nicht. 1,47 progressive Pässe liefert er, spielt im Durchschnitt 0,78 Pässe in den Strafraum und 0,92 Schlüsselpässe. Alles Statistiken, die im ligaweiten Stürmer-Vergleich nicht mal für die bessere Hälfte reichen.

Doch Borré als unterdurchschnittlichen Bundesliga-Stürmer abzutun, wäre grundlegend falsch. Vielmehr ereilt ihn in seinen Zahlen das Schicksal des Tüchtigen. Denn beim genaueren Hinschauen zeigen sich Borrés Stärken.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

25,96 Mal pro Spiel übt er durchschnittlich Druck auf den Gegner aus (top 1% im Ligavergleich), davon 12,96 Mal im letzten Drittel (ebenfalls top 1%). 7,85 Mal erobert Frankfurt durch seinen Druck innerhalb der nächsten fünf Sekunden den Ball (top 4%). 1,14 erfolgreiche Tacklings liefert er (ebenfalls top 4%). Hinzu kommt, dass er tief mitarbeitet, übt selbst im mittleren Drittel noch durchschnittlich 11,24 Mal pro Spiel Druck aus.

Borré ist gerade gegen den Ball eine Waffe, sorgt immer wieder für Balleroberungen und Umschaltmomente Frankfurts, wovon mitunter die Mittelfeldspieler Jesper Linsdström und Daichi Kamada profitieren. Borré ist sowas wie Frankfurts erster Verteidiger, da er gegen den Ball extrem wichtig und statistisch gesehen auch herausragend gut ist.

Für Herthas Defensive heißt es, bei Balleroberungen und im Aufbauspiel stets hochkonzentriert zu bleiben, um dem ausgeübten Druck nicht zum Opfer zu fallen und den nächsten Frankfurter Angriff zu verursachen.

Die Dreierkette: Erkennbarer Leistungsabfall

36 Gegentore hat Eintracht Frankfurt in der laufenden Bundesliga-Saison kassiert – zu viel für die eigenen Ansprüche, besonders, wenn man sie den 33 eigenen geschossenen gegenüberstellt. Auch wenn Frankfurt zum selben Zeitpunkt in der letzten Saison nur ein paar Tore weniger kassiert hatte, wirkte die Defensive zuletzt doch etwas unsicher. Sinnbildlich hierfür steht Martin Hinteregger.

„Hinti“ galt lange als sichere Bank in der Dreier-Innenverteidigung, doch in dieser Spielzeit läuft es beim Österreicher nicht mehr so rund. Kam er in der letzten Spielzeit noch auf durchschnittlich 1,53 erfolgreiche Tacklings pro Spiel, sind es in dieser Saison nur 1,18. Übte er vergangene Saison noch 7,27 Mal im defensiven Drittel Druck aus, sind es aktuell nur 5,78.

Auch im Spiel von hinten raus nehmen seine Statistiken deutlich ab. Spielte er 2020/21 noch 55,56 erfolgreiche Pässe pro Spiel, sind es derzeit nur 40,13. Sein für einen Innenverteidiger überragender Wert von 5,45 progressiven Pässen ist auf 2,62 gesunken.

(Photo by Alexander Scheuber/Getty Images)

Dazu kommen immer wieder individuelle Fehler, wie im Spiel gegen den VfL Wolfsburg am 23. Spieltag, als er bei der 0:2-Niederlage einen Elfmeter verursachte und beim zweiten Gegentor einen zu kurzen Rückpass spielte, den Dodi Lukebakio dankend annahm und einschoss.

Mit Makoto Hasebe steht den Frankfurtern zwar eine Alternative zur Verfügung, doch für 90 Minuten dürfte es beim zuletzt verletzten Frankfurter Kapitän nicht reichen.

Es wird an der Herthaner Offensive, besonders an Stevan Jovetic Ishak Belfodil, liegen, Hinteregger immer wieder im Aufbau zu stören und zu Fehlern zu zwingen. Mit ihrer Erfahrung können sie erkennen, wann es an der Zeit ist, entscheidend Druck auszuüben. Dazu zeigt Hinteregger Schwächen im Verteidigen von Dribblings – genau hier können Jovetic und Belfodil ihre Stärken ausspielen.

Es sei aber auch vor der Qualität Hintereggers gewarnt, 5,62 klärende Aktionen und 1,66 geblockte Pässe zeigen: Er ist ein aufmerksamer Verteidiger, der sich immer wieder in Aktionen reinarbeiten kann.

[Titelbild: Alex Grimm/Getty Images]