Hertha gegen Bayern: Drei Schlüsselduelle

Hertha gegen Bayern: Drei Schlüsselduelle

Die bittere Pokal-Niederlage gegen den Stadtrivalen Union Berlin sitzt noch tief. Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation treffen die Berliner auch noch auf den Rekordmeister. Zählbares mitzunehmen, scheint für die Berliner unwahrscheinlich – doch zeigte der Sieg gegen Borussia Dortmund: Möglich ist alles. Auf welche Schlüsselduelle kommt es am Sonntag an?

Die Verteidigung muss endlich ihren Job machen

Im Spiel gegen Bayern wird es vor allem auf die Verteidigung ankommen, die in der bisherigen Saison schlichtweg grausam agiert. Insgesamt 38 Gegentore – der schlechteste Wert aller Bundesligisten – belegen das. Selbst in der zweiten Bundesliga haben mit jeweils 39 Gegentoren nur Sandhausen und Ingolstadt mehr Treffer ins eigene Tor kassiert.

Positiv ist, dass auch die Verteidigung unter Korkut vermehrt versucht, das Spiel aufzubauen. Gelungen ist das gegen Union ab der 30. Minute, als sich mit Darida oder Ascacibar jeweils ein Sechser zwischen die Innenverteidiger gestellt hat und im kollektiv versucht wurde, den Ball über schnelle und direkte Pässe ins vordere Drittel zu bugsieren.

Im eigenen Defensiverhalten wirkt die Berliner Verteidigung oft – leider muss man es so deutlich sagen – amateurhaft. So sagte Sportdirektor Arne Friedrich bezüglich der Abwehrleistung im Derby: “Wir verteidigen wie eine Schülermannschaft.” Im Spiel gegen Bayern werden vor allem die Außenverteidiger (vermutlich Pekarik und Mittelstädt) gefordert sein.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Bayerns eigene Außenverteidiger überlaufen die offensiven Kräfte oft und schaffen somit ein Überzahlspiel. Gleichsam verlagern sich die zentralen Spieler, etwa Musiala, Goretzka und Kimmich auf die linke oder rechte Seite – je nachdem wo von welcher Seite Bayern aufbaut – um zusätzliche Anspielmöglichkeiten zu schaffen und noch mehr Überzahl entstehen zu lassen.

Für Herthas Außenverteidiger bedeutet das Stress pur – und absolute Konzentration bezüglich der taktischen Ausrichtung. Sie werden zudem Unterstützung der Innenverteidiger und der Sechser brauchen, um gegen das Überzahlspiel der Bayern anzukommen. Ein starkes Kollektiv und das Ausstellen der so vielen individuellen Fehler wird von Nöten sein, um gegen die Münchener defensiv bestehen zu können.

Tiefe Pässe in die Spitze – der Sturm muss gefüttert werden

Gegen Union Berlin versuchte Hertha das offensive Spiel über Belfodil als „Sturmtank“ aufzubauen. Heißt, er wird angespielt und hält den Ball gegen ein, zwei attackierende Verteidiger, bis weitere Spieler nachrücken und er diese mit Pässen in die Tiefe anspielen konnte.

Ein gewohntes Bild im Hertha Spiel – hat man es zuvor genauso etwa mit Jhon Cordoba gemacht. Allerdings kann nur darauf kein offensives Spiel aufbauen. Auch das Mittelfeld muss endlich damit anfangen, die Stürmer mit tiefen Pässen zu füttern – ausgenommen Suat Serdar, der das bisher stark macht.

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Zu wenig kommt aber bisher von Vladimir Darida, der zwar bemüht ist, dessen hohe Fehlpassquote und schwache Entscheidungsfindung in der gegnerischen Hälfte jedoch zahlreiche Angriffe zunichte machen. Auch Jurgen Ekkelenkamp, eigentlich exakt für das Herausspielen von Chancen verpflichtet, kann sein Potenzial noch nicht ausschöpfen. Im 4-2-2-2-System von Trainer Tayfun Korkut fühlt er sich als verkappter Außenspieler sichtlich nicht wohl, was in vielen Ballverlusten und wenigen guten Zuspielen mündet.

Da auch von Spielern wie Myziane Maolida zu wenig kommt, liegt die Hoffnung auf eine Rückkehr von Stevan Jovetic. Der Montenegriner fehlte aufgrund von Wadenproblemen in den letzten vier Spielen, bildete zuvor eine starke Doppelspitze mit Belfodil. Trainer Korkut nennt Jovetic einen “Verbindungsspieler” für Mittelfeld und Sturm. Womöglich kann der 32-Jährige diese Fähigkeit gegen den FC Bayern wieder in die Mannschaft bringen.

Stoppt Lewandowski – egal wie

Ganz ausschalten wird man den erst kürzlich zum Weltfußballer geführten Robert Lewandowski nicht können. Zentral wichtig ist es aber, dass er aus dem eigenen Strafraum rausgehalten wird. Bekommt er im Sechzehner den Ball, resultiert daraus nicht selten ein Tor. Ziel muss es sein, ihn per enger Manndeckung aus dem Sechzehner zu drängen und ihn zu zwingen, sich die Bälle hart zu erkämpfen.

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(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Rückt ein Innenverteidiger wegen der Manndeckung dann mit ihm raus, müssen etwa die Sechser schnell schalten und die offene Innenverteidiger-Position kurzfristig besetzten – so lange, bis die Situation geklärt ist. Gegen Borussia Dortmund hatte es Hertha hervorragend verstanden, so Erling Haaland aus dem Spiel zu nehmen – das macht ein wenig Hoffnung.

Wie dem auch sei: Für Hertha wird das Spiel ein Kraftakt werden. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft trotz des Spiels unter der Woche noch genug Tank in Reserve hat. Kaum einer wird gegen Bayern einen Sieg erwarten – vor allem aber nach der Niederlage gegen Union erwarten die Fans, dass sich die Mannschaft bis aufs Letzte aufopfert. Durchaus darf das auch der Anspruch sein.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Hertha gegen Union: Drei Schlüsselduelle

Hertha gegen Union: Drei Schlüsselduelle

Pokal, Mittwochabend, Stadtderby – Wat jibt’s Schöneres? Naja, ein volles Stadion zum Beispiel. Da das unter den derzeitigen Umständen leider nicht möglich ist, wird das Achtelfinale im DFB-Pokal zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union einzig und allein auf dem Platz entschieden. Auf welche Duelle es dabei ankommen kann, und warum der Verlust zweier Leistungsträger Unions dabei zu Herthas Vorteil werden kann, lest ihr hier.

Schlüsselduell 1: Darida und Ascacibar gegen Kruse

Unions Trumpf in der Offensive heißt Max Kruse. Neun Scorer gehen in der laufenden Bundesliga-Saison auf das Konto des Angreifers. Besonders seine 0,26 expected assists pro 90 Minuten unterstreichen seinen Wert. Dabei liegen Kruses Stärken gar nicht unbedingt nur im Spiel in Strafraumnähe, vielmehr sind es die Spielmacher-Qualitäten, die ihn auszeichnen.

3,65 progressive Pässe (Pässe, die den Ball dem gegnerischen Tor maßgeblich näher bringen) spielt Kruse pro Spiel. Besonders auffällig: Diese Pässe legen durchschnittlich eine Gesamtdistanz von 145 Metern zurück, in dieser Kategorie zählt er zu den 1 Prozent der gefährlichsten Stürmer weltweit. Kruse wird also dann stark, wenn er viel Platz und die richtige Anspielstation vor sich hat.

hertha union
(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Es wird also wichtig sein, Kruse frühzeitig zu stören, ihn an seinen gefährlichen langen Bällen zu hindern. Das wird die voraussichtliche Doppelsechs aus Darida und Ascacibar nur im Verbund lösen können. Dabei wird höchste Konzentration und Zweikampfstärke gefragt sein, denn mit seinen 76,2 Prozent gewonnenen Dribblings ist Kruse herausragend stark. Auch die Verteidigung muss gewarnt sein, denn Kruse liefert 3,96 schusskreierende und 0,76 torkreierende Aktionen pro 90 Minuten.

Kruse zu verteidigen wird also eine Aufgabe sein, die die gesamte Defensive beschäftigen muss, angefangen im Mittelfeld. Ein Vorteil könnte sich daraus ergeben, dass mit Taiwo Awoniyi der etatmäßige Sturmpartner Kruses fehlt, da er mit Nigeria am Afrika-Cup teilnimmt. Allein die Hälfte der Vorlagen Kruses in dieser Spielzeit waren für Awoniyi. An seiner Stelle könnte Sheraldo Becker spielen, der Kruses größtes Defizit, das Tempo, ausgleicht. Oder Kevin Behrens, der in der laufenden Pokalsaison schon auf zwei Treffer kommt.

Schlüsselduell 2: Belfodil und Maolida/Selke gegen Knoche

Nach dem offensiv ingesamt blassen Auftritt gegen den VfL Wolfsburg wäre Rotation im Angriff durchaus angebracht, allein die Optionen fehlen Tayfun Korkut durch den Ausfall von Stevan Jovetic weiterhin. Ishak Belfodil dürfte gegen den 1. FC Union gesetzt sein. An seiner Seite könnten erneut Myziane Maolida oder der zuletzt nur eingewechselte Davie Selke spielen. Zu tun haben wird es der Herthaner Angriff in jedem Fall mit Unions Robin Knoche. Der Abwehrchef der Köpenicker hat in dieser Saison noch keine Minute verpasst.

Eine Passquote von 81,4 Prozent, 1,95 abgefangene Bälle pro Spiel, 0,89 geblockte Schüsse. Knoche ist ein extrem souveräner Verteidiger, der vor allem deshalb so wichtig ist, weil er sich kaum Ausreißer nach unten erlaubt. In der Dreier-Innenverteidigung ist Knoche in der Mitte gesetzt.

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Doch vereinzelt zeigten sich auch in dieser Saison, welche Mittel man gegen Knoche anwenden kann. Eintracht Frankfurt setzte ihn beispielsweise in der Liga im Aufbauspiel immer wieder unter Druck. Teils lief man Knoche mit zwei Mann an, zwang ihn zu Ballverlusten. Einen konnte Knoche nur noch mittels eines Fouls wieder gut machen, das ihm eine Gelbe Karte einbrachte. Auch der BVB demonstrierte, wie man zum Torerfolg kommen kann, indem man Flanken zwischen Knoche und einen seiner Nebenmänner brachte, wo die Abstimmung nicht immer passte. Abstimmungsprobleme zeigten sich auch gegen Bayern München, als Verteidiger Paul Jaeckel in einer Szene zu früh rausrückte, sich ausspielen ließ und Knoche anschließend kurz vor dem Sechzehner zu einem Foul greifen musste. Den fälligen Freistoß verwandelte Robert Lewandowski direkt.

Man kann die Dreierkette Unions um Abwehrchef Knoche also zu Fehlern zwingen, wenngleich sie insgesamt sehr stabil ist. Vorteil Hertha: Ähnlich wie in der Offensive, muss Unions Trainer Urs Fischer auch in der Innenverteidigung einen in der Hinserie sehr wichtigen Spieler ersetzen. Marvin Friedrich schloss sich vergangene Woche Borussia Mönchengladbach an, war vorher an der Seite Knoches gesetzt. Ob nun also Timo Baumgartl, Jaeckel, oder Neuzugang Dominique Heintz neben Knoche spielen wird – allzu oft wird die Dreierkette in dieser Konstellation noch nicht zusammengespielt haben.


Auch in unserer aktuellen Podcast-Folge sprechen wir natürlich über das Pokalderby. Darüber hinaus sind wir auf die Mitgliedersammlung und das Unentschieden gegen den VfL Wolfsburg eingegangen. Hört gerne rein!


Schlüsselduell 3: Serdar und Richter gegen Khedira

Die Rollen Suat Serdars und Marco Richters können gegen den 1. FC Union sehr wichtig werden. Zwar spielen sie nominell auf den Außen, doch genießen alle Freiheiten, auch mal durch das Zentrum zu kommen. Das kann am Mittwoch ein wichtiges Mittel sein, denn Union ist im Zentrum anfällig. Während man auf den Außenverteidiger-Positionen über reichlich Auswahl verfügt (links Bastian Oczipka und Niko Gießelmann, rechts Kapitän Christopher Trimmel und Julian Ryerson), ist auf der Sechs Rani Khedira unangefochten.

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Doch das Spiel des 27-Jährigen ist längst nicht fehlerfrei. Nur 1,24 erfolgreiche Tacklings gelingen Khedira auf 90 Minuten und bloß 1,29 abgefangene Bälle. Ebenfalls blockt Khedira pro Spiel durchschnittlich nur 1,76 gegnerische Pässe ab. Über das Zentrum und damit über ihn zu spielen, kann also ein effizienter Weg sein, um dem Unioner Tor näher zu kommen.

Dazu kommt, dass Khedira mit 71,7 Prozent eine deutlich ausbaufähige Passquote hat. Ihn im eigenen Ballbesitz zu Pässen zu zwingen, ist eine weitere Aufgabe des Herthaner Mittelfelds. Zu erwähnen bleibt jedoch Khediras Stärke in eigenen Dribblings, wovon ihm 81,8 Prozent gelingen.

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1. FC Köln – Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

1. FC Köln – Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

Schon wieder ist ein halbes Jahr Bundesliga vorbei und so wirklich zur Ruhe kommt unsere Hertha mal wieder nur bedingt. Als unsere Alte Dame mit Neu-Manager Fredi Bobic im August gegen Köln in die Saison 2021/22 startete, war die Hoffnung auf einen positiven Umschwung groß. Doch Hertha wäre nicht Hertha, wenn das auch eingetreten wäre und spätestens nach Schließung des Transferfensters war die Euphorie aufgrund des dünnen Kaders verflogen. Mit einigen Totalausfällen gegen Bayern, Leipzig, Köpenick, Lichtblicken gegen Frankfurt, Gladbach und Dortmund und einem Trainerwechsel hat die Mannschaft die Hinrunde irgendwie überstanden. Jetzt gilt es den positiven Schwung vom Sieg gegen Dortmund mit in die Rückrunde zu nehmen und mehr Konstanz zu beweisen.

Steffen Baumgart hat den Effzeh wiederbelebt

Die Rheinländer zählen definitiv zu den Überraschungen der Hinrunde. Mit der Verpflichtung von Trainer Steffen Baumgart ist der Vereinsführung ein absoluter Glücksgriff gelungen, denn dem gebürtigen Rostocker ist es gelungen, der Mannschaft eine Spielphilosophie zu geben.

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Darüber hinaus sprechen die Zahlen für sich: Köln steht nach 17 Spieltagen mit 25 Punkten auf dem 8. Tabellenplatz. Nachdem die Mannschaft in der vergangenen Saison mit Glück in der Relegation die Klasse hielt, schielen sie aktuell eher auf die europäischen Plätze als auf die Abstiegsränge. Wir schauen, auf welche Schlüsselduelle es ankommen wird, um die formstarken Kölner zu ärgern.

Stark/Torunarigha vs. Modeste

Wenn ein Spieler vom Trainerwechsel besonders profitiert hat, dann Anthony Modeste. Der Franzose hatte seit seiner Rückkehr nach Köln nicht mehr richtig Fuß fassen können, schaffte es unter Baumgart aber, zu alter Stärke zurückzufinden. In 19 Pflichtspielen erzielte Modeste 13 Treffer und legte ein weiteres Tor auf. Dabei fiel der Stürmer besonders durch seine Kopfballstärke auf, die auch im kommenden Spiel eine Gefahr für unsere anfällige Innenverteidigung werden kann.

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(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Durch den Corona-bedingten Ausfall von Kapitän Boyata fällt zudem eine wichtige Säule unserer Abwehr weg, die diese Tendenzen in diesem Schlüsselduell zugunsten der Rheinländer verschiebt. Aktuell gehen wir von dem Innenverteidiger-Duo Stark/ Torunarigha aus. Während Stark nur bedingt für Wucht im Zweikampf und Kopfballstärke steht, hat Jordan bisher nur selten in der Hinrunde seine unbestreitbare Defensivstärke zeigen können. Umso wichtiger ist es, dass die beiden Verteidiger gut kommunizieren, aufmerksam bei hohen Bällen sind und Modeste nie aus den Augen verlieren.

Gelingt es unserer Abwehr, den Stürmer auszuschalten, verliert Köln einen riesigen Eckpfeiler ihrer Offensive, was auch das nächste Schlüsselduell beweist.


Hertha BSC will gegen den 1. FC Köln gut in die Rückrunde starten. Wir prognostizieren, ob das gelingt und welcher Spieler dafür liefern muss.


Unausgewogenes Duell auf den Außen

Während Hertha auf den Außen eher dünn besetzt ist, ist das Offensivspiel des 1. FC Köln stark von diesen Positionen abhängig, denn genau diese Spieler füttern Modeste mit starken Flanken. Das gilt für die Außenverteidiger und die offensiven Flügelspieler.

Sowohl der „Kölsche Cafú“ Benno Schmitz als auch Ex-Nationalspieler Jonas Hector überzeugten in der Hinrunde besonders in der Offensive und legten jeweils vier Treffer auf. Ähnlich stark war Mittelfeldspieler Florian Kainz, der weitere vier Vorlagen beisteuerte. Hinzu stellen Alternativen wie Thielmann und Schaub weitere Optionen da und auch Mark Uth spielte unter Baumgart zum Ende der Hinrunde auf den Flügelpositionen. Insgesamt legten die Außenverteidiger und offensiven Flügelspieler 70 Prozent der 27 Kölner Tore auf – ein beachtlicher Wert.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Mit diesen Statistiken kommt eine große Wucht auf unsere Außenverteidigung zu. Sollte sich Marvin Plattenhardt nicht rechtzeitig von seiner Erkältung erholen, werden voraussichtlich Maxi Mittelstädt und Peter Pekarik diese Aufgabe übernehmen. Besonders Mittelstädt überzeugte in der Hinrunde eher in der Offensive und weißte defensiv immer wieder Defizite auf. Plattenhardt machte diesen Job nicht unbedingt besser. Auch hier müssen Mittelstädt/ Plattenhardt enorm aufmerksam verteidigen und mit gutem Stellungsspiel die Flanken der Kölner Außenspieler im Optimalfall schon vorher verhindern.

Mehr Zugriff über das Zentrum

Während die Außenbahnen zum Problemfall gegen Köln werden können, bietet sich für Hertha eine Chance im zentralen Mittelfeld und der Innenverteidigung. Mit Ljubičić und Özcan spielen im defensiven Mittelfeld eher offensiv ausgerichtete Sechser/ Achter. Dementsprechend muss es Herthas schaffen, den Zugriff im zentralen Mittelfeld zu gewinnen und die Angriffe über Box-to-Box Spieler Suat Serdar einzuleiten.

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(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Weiter fraglich ist Jovetić, der mit seiner starken Technik weitere Bälle gut festmachen könnte und somit besonders im Spiel gegen Köln enorm wertvoll wäre. Dennoch stehen mit Richter, Maolida, Ekkelenkamp und Belfodil Optionen zur Verfügung, die technisch auch für diese Aufgabe gewachsen sind. Hier liegt es besonders an Trainer Korkut, diese Akteure taktisch gut vorzubereiten, um die defensiven Defizite im Mittelfeld auszunutzen.

Hinzu fällt mit Abgang Czichos weitere defensive Stabilität im Abwehrzentrum weg. Innenverteidiger Kilian und Hübers sind noch nicht eingespielt. Die Kölner könnten demzufolge neben dem zentralen Mittelfeld auch in Abwehrzentrum anfällig sein.

Modeste ausschalten, Flanken verhindern und Nadelstiche in der Zentrale

Die drei Schlüsselduelle klingen auf den ersten Blick simpel. In der Realität wird diese Aufgabe für Hertha dennoch schwer. Mit der nötigen taktischen Schulung, Aufmerksamkeit und Formstärke aus dem Hinrundenabschluss gegen Dortmund haben wir trotzdem eine realistische Chance, die Punkte in Berlin zu behalten.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Hertha BSC – BVB: Drei Schlüsselduelle

Hertha BSC – BVB: Drei Schlüsselduelle

Den Schlusspunkt der Hinrunde setzt Hertha BSC am Samstagabend gegen den BVB. Die Berliner haben eine dramatisch deutliche 0:4-Niederlage gegen Mainz 05 hinter sich und stehen nun vor der undankbaren Aufgabe, gegen den Tabellenzweiten einen versöhnlichen Jahresabschluss zu finden. Wir blicken auf die Partie und filtern die womöglich entscheidendsten Duelle auf dem Platz heraus.

Der BVB unter Rose noch nicht auf Kurs

Auch der BVB war bei der großen Trainerrotation im Sommer nicht außen vor. Lucien Favre musste schon im Laufe der letzten Saison gehen, ihn ersetzte sein Co-Trainer Edin Terzic. Dass Terzic immerhin noch den Pokal gewann, änderte nichts an der Tatsache, dass im Sommer ein neuer Trainer kommen sollte. Am besten einer der eine Ära prägen kann, wie einst Jürgen Klopp. In Gladbachs Trainer Marco Rose war dieser gefunden.

Kurz vor Ende von Roses erster Halbserie ist es schwer, ein Fazit zu ziehen. Der BVB ist voll auf Kurs Vizemeisterschaft, doch in der Champions League reichte es in einer vermeintlich leichten Gruppe nur für den dritten Platz und die Erkenntnis, dass die Bayern einmal mehr tabellarisch das Maß aller Dinge sind, kam bei der 2:3-Heimniederlage schmerzhaft.

Taktisch setzte Rose zunächst auf eine Mittelfeldraute, die er in Gladbach schon erfolgreich spielen ließ. Es mangelte jedoch an Gefahr über die Außen und auch weil Starneuzugang und Stürmer Donyell Malen noch dabei ist, sich einzugewöhnen, stellte Rose auf ein 4-2-3-1 um. Dies kann der BVB sowohl mit breiten außen als auch mit eher eingerückten Flügelspielern umsetzen.

Schlüsselduell eins: Boyata gegen Haaland

53 Spiele in der Bundesliga: 53 Tore, 16 Vorlagen. Seitdem Erling Haaland beim BVB spielt, setzt er neue Maßstäbe und zählt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu den Ausnahmespielern. Sein Können stellte er auch beim letzten Besuch im Olympiastadion unter Beweis. Haalands Arbeitsnachweis: Vier Tore, alle im zweiten Durchgang.

Doch nicht nur sein schier nicht endender Torhunger macht ihn so gefährlich, Haaland ist zugleich ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler. In der laufenden Saison hat er ligaweit die meisten Schlüsselpässe im Strafraum gespielt und die zweitmeisten Chancen kreiert. Erst am vergangenen Wochenende in Bochum hat er technisch anspruchsvoll für Teamkollege Julian Brandt aufgelegt.

Den Bochumern gelang es mit aufopferungsvollem Kampf aber auch einer Menge Glück, Haaland daran zu hindern, selbst ein Tor zu erzielen. Das gelang zuvor in dieser Spielzeit nur dem SC Freiburg und die Breisgauer haben bei ihrem 2:1-Sieg über den BVB eine Blaupause geliefert, wie man den Norweger stoppen kann.

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23 Prozent Ballbesitz reichten dem SCF, um das Spiel zu gewinnen. Tief stehend verhinderte man, dass Haaland sein Spiel aufziehen konnte, indem man ihm mit Nico Schlotterbeck jemanden entgegenstellte, der immer eng an ihm blieb und extrem körperbetont spielte. Entscheidend ist hierbei, Haaland nicht erst im Strafraum zu bearbeiten, sondern ihm frühzeitig den Raum zu nehmen. Denn mit drei Torvorlagen von außerhalb des Strafraums hat Haaland bereits bewiesen, dass er von überall assistieren kann. Kein Mittelstürmer in der Bundesliga hat hier einen höheren Wert.

Freiburgs Mittel waren schnelle Gegenstöße nach provozierten Ballverlusten. Die Rolle Schlotterbecks, die am Samstag beispielsweise Dedrick Boyata übernehmen könnte, war dabei genauso essenziell wie aufopfernd. Der Innenverteidiger hat sein Spiel nur am Verteidigen ausgerichtet. Nur zehn führende Ballaktionen hatte er im Spiel (persönlicher Saisondurchschnitt: ca. 38), dafür aber vier abgefangene Bälle, was über seinem Durchschnitt von 2,4 pro Spiel liegt. Es braucht gegen Haaland also eine disziplinierte, aufopferungsvolle und körperbetonte Leistung. Gleichzeitig muss in den Situationen, wenn das Spiel von hinten raus aufgebaut wird, sehr aufmerksam gespielt werden, denn hoch anlaufende Dortmunder könnten bei Unsauberkeiten Großchancen erzwingen. Zeitgleich könnte sich Hertha Raum bieten, wenn man die Pressinglinie Dortmunds überspielt.

Schlotterbeck hat gezeigt, wie man Haaland verteidigen kann. Dass neben Fleiß bei einem solchen Ausnahmespieler auch immer Glück dazu gehört, steht außer Frage, doch das kann man zumindest in Teilen erzwingen. Boyata könnte als Kapitän vorangehen und diese Aufgabe übernehmen.

Schlüsselduell zwei: Brandt gegen Plattenhardt

Seitdem Marco Rose Übungsleiter bei den Dortmundern ist, erlebt Julian Brandt ein Formhoch und scheint sich erstmals seit seinem Wechsel 2019 aus Leverkusen endgültig in der Startelf festgespielt zu haben. Seine Polyvalenz ist hier sein großes Argument, denn nicht nur im Zentrum kann Brandt spielen, sondern auch auf der halbrechten Außenbahn, wo Marvin Plattenhardt (oder Maxi Mittelstädt) es mit dem deutschen Nationalspieler zu tun kriegt.

Die neu gewonnene Spielfreude drückt sich auch in Zahlen aus. 0,45 expected assists + expected goals pro 90 Minuten liefert Brandt. In der Vorsaison lag sein Wert bei 0,35. Brandt wird also besser und torgefährlicher. Aktuell liefert er 0,91 torerzeugende Aktionen pro Spiel, eine deutliche Steigerung gegenüber den 0,54 aus der Vorsaison. Zusätzlich entdeckte Brandt seine Freude am Flanken, parallel zur Entwicklung Haalands, der sich in dieser Saison stark verbessert im Kopfballspiel zeigt. Von 1,51 Flanken pro 90 Minuten steigerte sich Brandt auf 2,21 in dieser Spielzeit.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Ob es am Sonntag Plattenhardt oder aus Leistungsgründen nach dem Auftritt in Mainz womöglich Mittelstädt mit Brandt zu tun kriegen wird: Das Ziel muss es sein, ihm den Spaß zu nehmen. Hier wird es auch auf die offensiven Spieler ankommen, die defensiv unterstützen müssen, um den Dortmunder immer wieder zu doppeln. Ein weiteres Mittel kann es sein, Brandt zu langen Bällen zu zwingen, indem man die unmittelbaren Anspielstationen zustellt. Im sauberen Spielen von langen Bällen liegt eine seiner Schwächen.

Schlüsselduell drei: Serdar gegen Dahoud und Witsel/Can

„Wir wollen mit Mut und Freude in das Spiel gehen“, betonte Tayfun Korkut auf der spielvorbereitenden Pressekonferenz. „Eine resolute Defensivleistung wird wichtig sein, wir müssen alle gemeinsam gegen den Ball arbeiten. Aber auch mit dem Ball wollen wir Elemente sehen, die in Stuttgart und gegen Bielefeld unser Spiel ausgezeichnet haben. Wir wollen selbst Aktionen nach vorne haben.“

Dass die defensive Grundordnung entscheidend ist, wie es auch Korkut formuliert, wurde in Schlüsselduell Eins bereits dargelegt. Doch es muss auch einen Weg nach vorne geben, ein Schlüsselspieler hierbei kann Suat Serdar sein. Ist Dortmunds erste Pressinglinie erstmal überspielt, muss Serdar den sich ihm bietenden Platz klug nutzen. Mittel der Wahl kann immer der lange Ball sein, doch wie Korkut ankündigte, will Hertha auch mit dem Ball was anbieten.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Von Vorteil könnte es für Serdar und das weitere Hertha-Mittelfeld sein, dass mit Jude Bellingham ein elementarer Mittelfeldspieler Dortmunds gesperrt fehlen wird. Mo Dahoud dürfte auf der Sechs gesetzt sein, neben ihm Axel Witsel oder Emre Can spielen. Wirklich eingespielt wird die Doppelsechs in jedem Fall nicht sein.

Die Stärke von Dahoud liegt im Spiel mit dem Ball. Ihn defensiv zu beschäftigen, noch dazu ohne seinen gewohnten Nebenmann Bellingham, kann ein Schlüssel sein, um eigene Torgefahr auszustrahlen.

[Titelbild: Pool/Getty Images]

Hertha BSC – Arminia Bielefeld: Drei Schlüsselduelle

Hertha BSC – Arminia Bielefeld: Drei Schlüsselduelle

Das verflixte zweite Jahr. Für viele Aufsteiger ist es das Schwerste. Auch für die Bielefelder, die in der vergangenen Saison am letzten Spieltag den Klassenerhalt sicherten, scheint es ein langes Jahr zu werden. Derzeit steht das Team von Trainer Frank Kramer auf Abstiegsplatz 17. Dass man nach zehn sieglosen Spielen zu Saisonbeginn allerdings derzeit wieder Anschluss an die Plätze außerhalb der Abstiegszone hält, liegt an einer Trendwende ab dem 11. Spieltag, die eng mit einer Systemumstellung verknüpft ist.

Schlüsselduell 1: Wimmer und Okugawa gegen Plattenhardt und Pekarik

Bielefeld startete in einem klassischen 4-4-2 in die Saison und reagierte auf die ersten sieglosen Spiele mit einem 4-2-3-1. Weil man weiterhin sieglos blieb, probierte Kramer ein defensiv kompakteres 3-5-2. Auch das System sorgte nicht für die gewünschte Stabilität, sodass man zum 4-2-3-1 zurückkehrte. In diesem System scheint sich Bielefeld inzwischen gefunden zu haben.

Zwei Schlüsselspieler im System sind die offensiven Außenspieler. Auf der linken Seite ist Masaya Okugawa gesetzt, rechts Patrick Wimmer. Beide Spieler trumpfen derzeit auf, haben ihre Stärken in Eins-gegen-eins. Besonders viel Gefahr geht von Wimmer aus, der in der aktuellen Spielzeit 0,22 expected Assists auf 90 Minuten vorweist – ein Wert, den im eigenen Team und auch bei Hertha niemand überbieten kann. Okugawa kommt entgegen Wimmer auch über die eigene Torgefahr. Drei Tore erzielte er bisher, ein Weiteres hat er vorgelegt. Erst zehn Tore hat Bielefeld in der Liga geschossen, was den Wert der vier Scorer Okugawas unterstreicht.

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(Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Gegen die beiden spielstarken Offensivspieler werden Herthas Außenverteidiger Peter Pekarik und Marvin Plattenhardt gefordert sein. Wichtig wird aber auch die Unterstützung der offensiven Außenspieler sein. Insbesondere Myziane Maolida, falls er wieder starten sollte, muss sich hier steigern und Plattenhardt unterstützen, denn auf ihrer Seite ist mit Wimmer Bielefelds Unterschiedsspieler. Über die rechte Seite liefen bis dato 39 Prozent der Bielefelder Angriffe.


Tayfun Korkut startete als neuer Hertha-Trainer mit einem wilden Unentschieden gegen VfB Stuttgart. Wieder konnten die Berliner nach starker Aufholjagd nicht gewinnen. Platzt gegen die Arminia aus Bielefeld endlich der Knoten? Unsere drei Thesen zum Spiel.


Schlüsselduell 2: Jovetic und Belfodil gegen Pieper

Er zählte zu den Shootingstars der letzten Saison und wurde im Sommer als Stammspieler mit der Deutschen U21-Nationalmannschaft Europameister: Bielefelds Innenverteidiger Amos Pieper. Doch in dieser Saison schleichen sich immer wieder Unkonzentriertheiten und Fehler in das Spiel Piepers ein.

Etwa beim Gastspiel in Köpenick beim 1. FC Union, als er beim 1:0-Siegtreffer der Unioner gegen Sheraldo Becker nicht entschlossen genug verteidigte. Oder bei der 1:2-Niederlage in Mainz, als der Mainzer Siegtreffer infolge eines verunglückten Rückpasses von Pieper auf seinen Torhüter Stefan Ortega folgte. Auch beim 2:2 gegen den VfL Wolfsburg war er am entscheidenden Gegentor beteiligt, als er unter Bedrängnis im Aufbauspiel einen Fehlpass spielte.

Erfahrene Spieler wie Stevan Jovetic oder Ishak Belfodil können solche Fehler erzwingen. In den richtigen Momenten Druck auszuüben, kann ein Mittel sein, um die Bielefelder Hintermannschaft zu knacken, ohne vorher eigens das Spiel aufbauen zu müssen.

hertha bielefeld
(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Auch im gegnerischen Tempodribbling offenbarte die Bielefelder Viererkette in dieser Saison Schwächen, gerade Jovetic kann hier mutig vorangehen und über eine Einzelaktion zum Torabschluss kommen. Trotz der aufgezählten Fehler sei auch vor der Qualität von Pieper gewarnt, 102 gegnerische Pässe hat er in dieser Saison bereits in der eigenen Hälfte abgefangen – Ligahöchstwert.

Schlüsselduell 3: Serdar gegen Prietl

Will man Bielefeld aus dem Spiel heraus im Zentrum knacken, muss Hertha dabei an Kapitän Manuel Prietl vorbei. Der 30-Jährige hat in dieser Saison noch keine Minute verpasst und ist besonders defensiv extrem wichtig. Prietl macht ligaweit die zweitmeisten Tacklings, gewinnt dabei die viertmeisten. Wird beispielsweise Suat Serdar also wiederkommen und im Zentrum spielen, sollte er auf Prietl ganz besonders achten. Hier müsste er auf die Unterstützung seiner spielstarken Mitspieler wie Jovetic oder Belfodil setzen, um das Bielefelder Zentrum spielerisch auszuhebeln.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Ferner muss Hertha im Zentrum auch defensiv immer aufmerksam bleiben. Bei aller angesprochenen Torgefahr, die Bielefeld von den Flügeln ausstrahlen kann, bleibt festzuhalten, dass sie in Summe die torungefährlichste Mannschaft der Liga sind. Ein Grund dafür ist, dass die Arminen im Angriffsspiel mitunter hektisch werden und früh zum Abschluss kommen. Durchschnittlich schießen sie aus 18 Metern aufs Tor, einen höheren Wert weist kein Bundesligist auf. Es wird also im defensiven Mittelfeld Herthas wichtig, die Bielefelder in Szenen zu bringen, wo sie ohne große Chance auf einen Torerfolg zum Abschluss kommen müssen.

Ein Schlüsselduell im zentralen Mittelfeld könnte hier Alessandro Schöpf gegen Santiago Ascacibar lauten, doch stellvertretend für die entscheidenden Momente im Mittelfeld haben wir uns für das Duell Serdar gegen Prietl entschieden.

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[Titelbild: Filip Singer – Pool/Getty Images]