VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Im Duell bei den Unüberwindbaren

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Im Duell bei den Unüberwindbaren

Die Luft am Tabellenende wird zunehmend dünner. Durch den Sieg von Mainz 05 in Mönchengladnach am vergangenen Samstag trennt Hertha nur noch ein mickriger Zähler vom direkten Abstiegsplatz. Die punktgleichen Arminen haben zudem noch das Nachholspiel gegen Bremen in der Hinterhand, durch das sie demnach im schlimmsten Fall auf drei Punkte davonziehen können. Für Hertha, die nunmehr seit acht Spielen sieglos sind, wird es allerhöchste Zeit, dieser Serie ein Ende zu setzen. Doch der Spielplan meint es bei dieser Mission gerade alles andere als gut mit der „Alten Dame“. Nach Leipzig bekommt es die Mannschaft von Pal Dardai am Samstag mit dem hinter Frankfurt formstärksten Team der Liga zu tun – dem VfL Wolfsburg.

Um einen Einblick in die Situation beim VfL zu bekommen, haben wir mit Wolfsburg-Experte Dennis gesprochen, der uns unter anderem erzählt, was der große Trumpf der Wolfsburger in dieser Saison ist.

Die Null muss stehen

Neuzugang Lacroix hat großen Anteil an Wolfsburgs stabiler Defensive. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Bei der Suche nach Gründen, wieso es aktuell angenehmere Gegner als den VfL gibt, muss man nicht allzu tief graben. Kein einziges Mal musste Koen Casteels in den zurückliegenden sechs Partien hinter sich greifen. Was Wolfsburg aktuell so stark macht und auf Platz Drei in der Tabelle rangieren lässt, liegt also auf der Hand. Lediglich Leipzig kann mit einem Gegentor weniger eine noch stabilere Defensive aufweisen.

Für Dennis hängt dieser Umstand auch ganz stark mit einem ehemaligen Herthaner zusammen: „Das sind mehrere Faktoren, die da reinspielen. Einerseits die große Eingespieltheit – wir spielen seit einigen Spielen mehr oder weniger durchgängig mit derselben Startaufstellung, was sich ja gegen die Hertha jetzt erstmals wieder ändern wird. Jay Brooks, der wirklich eine beeindruckende Entwicklung gemacht hat, ist leider gelbgesperrt.

Anderseits ist es die Einsatzbereitschaft der ganzen Mannschaft. Man ist in den Bereichen der Lauf- und Sprintbereitschaft ligaweit vorne mit dabei, alle wissen genau, wo sie hinlaufen müssen, die Mechanismen innerhalb der Mannschaft funktionieren blind, Schlager und Arnold im Verbund mit der Innenverteidigung machen das Zentrum sehr, sehr gut dicht. Die Außenspieler in beiden Reihen sind zweikampfstark, einsatzfreudig und auch da funktioniert die Abstimmung richtig, richtig gut.“

Auch Neuzugang Lacroix, den man im Sommer für mittlerweile läppisch wirkende 5 Millionen Euro aus der zweiten französischen Liga geholt hat, spielt dabei eine wichtige Rolle und sei “brutal eingeschlagen“, wie Dennis sagt. Der Franzose drängte sich von Beginn an auf und stand bislang in 19 von 22 Ligaspielen in der Startelf.

Nur Wout Weghorst ist unverzichtbar

Die Ausgewogenheit des Kaders ist Wolfsburgs großer Trumpf. (Photo by Friedemann Vogel – Pool via Getty Images)

Doch auch fernab der Defensivabteilung fällt es aktuell schwer, eine Schwäche im von Jürg Schmadtke zusammengestellten Kader ausfindig zu machen. Zwar gab es im November letzten Jahres Dissonanzen zwischen dem Geschäftsführer Sport Jörg Schmadtke und Oliver Glasner, da Letzterer öffentlich seinen Unmut bekundete, keinen weiteren, temporeichen Außenspieler bekommen zu haben. So musste Oliver Glasner improvisieren und den eigentlich für die eine Position weiter hinten vorgesehenen Baku auf die rechte Offensivseite beordern. Dieser macht seine Sache seitdem zwar äußerst überzeugend. Dennoch sagt Dennis: „[…] ich finde nach wie vor, dass [Glasner] da nicht unrecht hat. Klar, letzte Woche hat Renato Steffen zwei wichtige Tore gemacht, auch Ridle Baku hat schon 4 Saisontreffer, so dass das gut abgefangen wird, aber es würde wirklich nicht schaden, diesen Wunsch umzusetzen. Ich gehe auch davon aus, dass dieser Wunsch des Trainers im Sommer sicher bedacht wird.“

Aber selbst für diese nach VfL-Maßstab unzureichend besetzte Position haben die „Wölfe“ mit „Brekalo, Victor, Philipp und Mehmedi starke Alternativen“. Optionen, von denen Hertha auf der Außenposition nur träumen könnte. Auch in den weiteren Mannschaftsteilen ist es den Verantwortlichen beeindruckend gelungen, sowohl in der Spitze als auch in der Breite Qualität zu holen: „Auf den Aussen hinten spielen momentan Mbabu und Otavio, die das wirklich gut machen“  

Auch im zentralen Mittelfeld muss sich Wolfsburg nicht vor allzu vielen Vereinen in der Bundesliga verstecken: „Spieler wie Arnold und Schlager (endlich, endlich komplett fit, nach dem Knöchelbruch in der letzten Saison) sind sicher nicht zu ersetzen – aber mit Gerhardt und dem Kapitän Guilavogui stehen hervorragende Ersatzspieler parat.“ Einzig das Sturmzentrum, in dem man mit Wout Weghorst an der Spitze der Nahrungskette einen der treffsichersten Spieler der Liga hat, würde bei einem Ausfall des Niederländers wohl Bauchschmerzen bereiten: „Hier ist der Qualitätsverlust sicher am höchsten“, ordnet Dennis ein.

Kein Spiel für Ballbesitzfanatiker

Doch trotz dieser Ausgewogenheit im Kader zeigt ein Blick auf die erzielten Tore, dass der Ruf von Glasner nach weiteren Verstärkungen durchaus seine Berechtigung hat. Hinter Wout Weghorst, der auf starke 14 Treffer in dieser Spielzeit kommt, ist Renato Steffen mit fünf Toren bereits der zweitgefährlichste Akteur im Kader. Gerade, wenn der VfL das Spiel machen muss, fiel es in der letzten Spielzeit oft schwer, sich Chancen herauszuspielen. Laut Dennis hat sich das Team in dieser Hinsicht weiterentwickelt: „Deutlich ist, dass die Mannschaft durch den hohen Einsatz und das Pressing auch gegen tiefstehende Gegner, Chancen kreieren kann. Das war letzte Saison noch ein klares Problem, das ist wesentlich besser geworden.“

Gleichzeitig bemerkt er aber auch, dass in der Offensive noch Luft nach oben besteht: „Es sind aber trotzdem nur 35 Tore – nicht die Welt für eine Mannschaft, die in den Europapokal will. Die Abläufe und Mechanismen werden besser, die Ruhe und das Bewusstsein, dass die Abwehr aktuell dicht hält, machen es aber leichter und gegen Bielefeld beispielsweise wurden ja auch wirklich schöne Tore erzielt. Es ist noch reichlich Potential da, aber die Mannschaft arbeitet daran.“

Da Hertha auf der anderen Seite sein Heil unter Pal Dardai in erster Linie im Umschaltspiel sucht, ist keine Partie mit langen Ballbesitzphasen zu erwarten. Aus blau-weißer Sicht wird es vor allem darauf angekommen, sich aus dem hohen Pressing der Wolfsburger zu befreien. Wie man das nicht macht, zeigten Guendouzi und Co. am letzten Sonntag schon sehr eindrucksvoll gegen Leipzig. An genügend Videomaterial dürfte es Pal Dardai also nicht mangeln.

Herthas Hoffen auf den „Krieger“

Nach dem zwar engagierten, aber letztlich einmal wieder punktlosen Auftritt gegen Leipzig, ruht die Last der Hoffnungen im blau-weißen Lager vor allem auf dem nach Muskelfaserriss wiedergenesenen Jhon Cordoba. Angesprochen auf den „Krieger“, wie ihn Pal Dardai in der jüngsten Pressekonferenz nannte, kam der Ungar aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Ob es aber für einen Startelfeinsatz reicht, ließ Dardai noch offen. Wieviel zusätzlichen Schub Jhon Cordoba dem Team geben kann, war eindrucksvoll am 14. Spieltag gegen Schalke zu beobachten, als der Angreifer, ebenfalls nach Verletzungspause, in die Startelf zurückkehrte und prompt seinen Treffer zum 3:0-Sieg beisteuerte. Dies war im Übrigen gleichzeitig der letzte Sieg der „Alten Dame“. Wenn das kein gutes Omen ist.

Quelle Titelbild: Photo by Odd Andersen – AFP via Getty Images

Hertha BSC – Leipzig: Im Duell mit dem letzten Bayernjäger

Hertha BSC – Leipzig: Im Duell mit dem letzten Bayernjäger

Da ist Hertha so gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen – und das in doppelter Hinsicht. Am vergangenen Spieltag – dem dritten seit der Rückkehr von Pal Dardai – reichte es nach desolater erster Halbzeit immerhin noch zu einem Remis gegen den VfB Stuttgart. Zwei Tage darauf war man nach einer 3:1-Führung von Arminia Bielefeld in München zwischenzeitig dennoch auf dem Relegationsplatz wiederzufinden. Eine Leistungssteigerung der Bayern inklusive des folgenden Ausgleichs verhinderte das Schlimmste, jedenfalls vorerst. Denn Bielefeld hat weiterhin das Nachholspiel gegen Werder Bremen in der Rückhand. Hertha tut also gut daran, schleunigst zu punkten. Dass ausgerechnet in dieser Situation der Tabellenzweite Leipzig ins Olympiastadion kommt, ist nicht gerade dankbar.

Vor der anstehen Partie gegen die Sachsen haben wir Leipzig-Experte Kai Bieler gesprochen, der uns unter anderem erzählt, was Teams wie Frankfurt und Wolfsburg der Mannschaft von Julian Nagelsmann voraus haben.

Leipzig als letzter Konkurrent für Bayern?

Leipzig ist mit fünf Punkten Rückstand auf Bayern noch dabei im Rennen um den Titel. (Photo by ANNEGRET HILSE / POOL / AFP via Getty Images)

Spricht man dieser Tage von der nicht enden wollenden nationalen Dominanz der Bayern, gingen die Blicke derer, die sich etwas Abwechslung an der Tabellenspitze wünschen, in der Vergangenheit immer häufiger nach Leipzig denn nach Dortmund. Die Sachsen sind auf gutem Wege, dem BVB den Rang als Nummer zwei der Liga abzulaufen. Spätestens mit der Verpflichtung von Nagelsmann, an dem auch Dortmund zu dessen Hoffenheimer Zeiten starkes Interesse hatte, wurde dieser Anspruch untermauert.

Schon in Nagelsmanns erster Saison sah es so aus, als könnte der ganz große Coup gelingen. Mit vier Punkten Vorsprung vor dem Branchenprimus aus München beendete Leipzig als Herbstmeister die Hinrunde. Am Ende lief man nach einer an den Ansprüchen gemessen enttäuschenden Rückrunde lediglich auf Platz Drei mit 16 Zählern Rückstand ein.

Eine vertane Chance, von der man im Sommer nicht unbedingt dachte, dass sie so schnell wiederkommen könnte. Immerhin verlor man mit Timo Werner und Patrik Schick 38 Saisontore. Und dennoch bleibt nach 22 Spieltagen zu konstatieren, dass die Meisterschaft, auch wenn dazu einiges zusammenkommen muss, bei fünf Punkten Differenz zu den Bayern noch keinesfalls abgeschrieben werden muss. Durch den Ausrutscher vom FCB gegen Bielefeld ist wieder etwas Spannung in die Gemengelage gekommen. Hinzu kommt, dass sich Leipzig durch die 0:2-Niederlage im Hinspiel des Champions League-Achtelfinals gegen Liverpool vermutlich demnächst auf einen Wettbewerb weniger konzentrieren muss. Es ist also alles anbereitet für eine spannende Rückrunde.

Die eine (entscheidende) Schwäche im Leipziger Kader

Die Neuzugägen rund um Alexander Sörloth schlagen bislang noch nicht ein. (Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Dass es diese fünf Punkte Rückstand sind und Leipzig aktuell nicht von der Spitze aus das Treiben beobachtet, liegt aus Sicht von Kai neben „unnötigen Punktverlusten gegen Köln, Mainz und Wolfsburg“ an der Tatsache, dass den Sachsen ein „erfolgreicher Stürmer wie Lewandowski, Silva, Haaland oder Weghorst“ fehlt. Während die angesprochenen Kandidaten allesamt für 20 plus X Tore (im Falle von Lewandowskis aktueller Quote eher 40 plus X) gut sind, geht der Mannschaft von Julian Nagelsmann solch ein Spieler komplett abhanden.

Bis auf Rang 28 muss man sich durch die Torjägerliste navigieren, um mit Marcel Sabitzer, der zusammen mit Angelino, Forsberg, Nkunku und Poulsen bei vier geschossenen Toren steht, den treffsichersten Leipziger zu finden. So stellt Kai ernüchtert fest: „Mittlerweile ist das Fehlen eines treffsicheren Mittelstürmers im Kader nicht mehr wegzudiskutieren. In der bisherigen Saison hat man sich die drittmeisten Torchancen erspielt (425), daraus aber nur 37 Tore erzielt. Zum Vergleich: Der FC Bayern machte aus 460 Chancen 61 Tore. Dieses Defizit verhindert ganz klar alle weitergehenden Titelambitionen.“

Nun ist es aber keinesfalls so, als wären die Leipziger Verantwortlichen sehenden Auges in diese Problematik hineingeraten. Dass es nach den Abgängen von Schick und allen voran natürlich Timo Werner Zugänge im Sturm braucht, wurde sehr wohl erkannt. So investierte Leipzig unter anderem 20 Millionen Euro in den Norweger Alexander Sörloth, der in der vergangenen Saison mit 24 Toren in 34 Spielen immerhin Torschützenkönig in der Türkei wurde. Von diesem Torinstinkt ist, seit er das Trikot der Sachsen trägt, allerdings nichts zu erkennen, wie Kai resümiert: „Der Norweger erzielte in 19 Einsätzen erst ein einziges Tor. Er wirkt zwar zunehmend besser eingebunden in die Abläufe auf dem Platz, vergibt seine wenigen Chancen auf fast schon tragisch-komische Art und Weise. Hier an einen späten Durchbruch zu glauben, fällt mir zusehends schwer.“

Die fehlende Breite als Vorteil für Hertha?

Doch Sörloth ist nicht der einzige Neuzugang, der bislang nicht zu überzeugen weiß. Generell lässt sich konstatieren, dass die angedachten Verstärkungen dieser Bezeichnung aktuell noch nicht gerecht werden. So fasst Kai zusammen, dass „weder im letzten Bundesliga-Spiel gegen Augsburg noch gegen Liverpool in der Champions League einer der Neuzugänge in der Startaufstellung stand. Sowohl Hwang mit ganzen 142 Einsatzminuten als auch Samardzic (177). Kluivert (344) und Henrichs (344) konnten bisher aufgrund von Verletzungen in besonderer Weise auf sich aufmerksam machen. Abschreiben würde ich deshalb aber noch keinen der vier.“

Zumindest für den kommenden Spieltag zeichnet sich also nicht ab, dass einer der Neuzugänge seinen großen Durchbruch erleben wird. Nach dem kraftraubenden Spiel gegen Liverpool am Dienstag könnte hierin ein kleiner Hoffnungsschimmer für Hertha bestehen, da Nagelsmann zumindest auf ein paar Positionen wird rotieren müssen.

Leipzigs Dominanz = Herthas Chance?

Während sich Leipzig also erst ab Mittwoch intensiv in der Trainingsarbeit mit Hertha beschäftigt haben dürfte, konnte Pal Dardai die gesamte Woche mit dem Fokus auf das Team von Julian Nagelsmann ausrichten. Nimmt man die bisherigen Partien gegen Frankfurt, Bayern und Stuttgart als Schablone, könnte den Berlinern Leipzig sogar liegen. Während gegen Stuttgart, die nicht gerade bekannt dafür sind, das Spiel selbst zu machen, nach vorne lange wenig bis gar nichts zustandekam, gelang es Hertha gegen Frankfurt und Bayern, als man sich auf das von Dardai forcierte Umschaltspiel konzentrieren konnte, immer wieder, sich gefährlich vor das Tor zu kombinieren.

Da Hertha auch gegen Leipzig nicht in die Verlegenheit kommen wird, allzu oft aus eigenem Ballbesitz heraus etwas zu kreieren, könnte dies eine Chance für das Team von Pal Dardai sein. So oder so – Punkte müssen schleunigst her.

Quelle Titelbild: Photo by Odd Andersen – AFP via Getty Images

Vorschau: Arminia Bielefeld – Hertha BSC: Auf Mission Wiedergutmachung

Vorschau: Arminia Bielefeld – Hertha BSC: Auf Mission Wiedergutmachung

Neues Jahr, neues Glück. Im ersten Spiel in 2021 widerlegte Hertha all jene, die befürchteten, die „Alte Dame“ könnte zum wiederholten Male als Aufbaugegner für angeschlagene Teams in die Bresche springen. Stattdessen gelang es dem Team von Bruno Labbadia, nach überschaubarer Leistung in den ersten 25 Minuten im Anschluss daran etwas mehr als eine Stunde das Spiel gegen Schalke 04 zu dominieren und sich letzten Endes mit einem für den Gegner sogar noch schmeichelhaften 3:0 durchzusetzen. So wohltuend dieser Sieg für die nach den schwachen Spielen gegen Mainz und Freiburg geschundene Fanseele war, so sehr muss jedoch gefragt werden, wieviel dieser Sieg tatsächlich über die drei Punkte hinaus Wert ist. „War Hertha so gut oder Schalke so schlecht?“, wird nach derartigen Auftritten gern gefragt. Ob es sich nun tatsächlich um eine nachhaltige Leistungssteigerung handelt und es doch noch Grund für Optimismus in Bezug auf den Rest der Saison gibt, wird sich am Sonntagabend zeigen, wenn Hertha den Spieltag gegen Arminia Bielefeld beschließt.

Um einen detaillierten Einblick rund um den Aufsteiger zu bekommen, haben wir mit Arminia-Expertin Eva-Lotta Bohle, unter anderem bekannt aus „The 2. Bundesliga Podcast“, gesprochen und sie gefragt, wie sich ihre Mannschaft bisher im Oberhaus schlägt.

Mit langem Anlauf endlich wieder Bundesliga

Seit dieser Saison ist Bielefeld, nach 11 Jahren zweiter und dritter Liga, wieder Bundesligist. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Im Juni 2020 hatte die Leidenszeit endlich ein Ende: Nach elfjähriger Abwesenheit war Arminia Bielefeld die Rückkehr in die Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Trotz der starken Konkurrenz aus Stuttgart und Hambung, die als Aufsteiger gesetzt schienen, waren es die Bielefelder, die sich als Zweitligameister ab dem 15. Spieltag an die Tabellenspitze setzten und seither nicht mehr von dort zu verdrängen waren. Zehn Punkte Vorsprung auf Mitaufsteiger Stuttgart, die meisten erzielten und die wenigsten kassierten Treffer – an der Verdientheit dieses Aufstiegs kann es keinerlei Zweifel geben. Insbesondere dann nicht, wenn man berücksichtigt, wie viel Anlauf die Arminia und deren Anhänger für diesen Erfolg nehmen mussten.

Nachdem Bielefeld 2009 den Gang in die zweite Liga antreten musste, hielten sie es dort lediglich ein Jahr aus und verabschiedeten sich 2011 gar in die Drittklassigkeit. Zwar gelang im zweiten Anlauf die Rückkehr in Liga Zwei, doch nur ein Jahr später musste man auf die tragischst mögliche Weise erneut Vorlieb mit der dritten Liga nehmen. Ein Gegentreffer in der 122. Minute im Rückspiel der Relegation gegen Darmstadt verhinderte den Klassenerhalt. Doch auch davon ließ sich Bielefeld nicht beirren und konnte sich seit dem unmittelbaren Wiederaufstieg in der zweiten Liga etablieren.

Dass es nun, nach dieser schier endlosen Leidenszeit, gar für die Bundesliga gereicht hat, wird eng mit Trainer Uwe Neuhaus verknüpft, der seit Dezember 2018 als Cheftrainer agiert und seither mit offensivem, attraktivem Fußball der Arminia neues Leben eingehaucht hat. In der für ihn ersten Bundesliga-Saison steht er nun vor der Herausforderung, genau diesen Spielstil wieder anzupassen.

Mit Pragmatismus zum Klassenerhalt

Fabian Klos konnte aufgrund veränderter Rolle seine Torgefahr erst selten unter Beweis stellen. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Denn ebenjener dominante Fußball lässt sich nun in der ersten Liga nicht mehr umsetzen. Zu groß sind die Unterschiede in der individuellen Qualität zum Rest der Konkurrenten. Zum Vergleich: Der Marktwert des Kaders der Bielefelder liegt laut transfermarkt.de bei knapp 45 Millionen Euro, der von Mitaufsteiger VfB bei etwa 103 Millionen.

Dementsprechend geht es für das Team, wie für alle „klassischen“ Aufsteiger, in erster Instanz darum, in der Defensive möglichst kompakt zu stehen und das eigene Spiel mit dem Ball hinten anzustellen, wie es Eva beschreibt: „Zunächst ist der ruhige Spielaufbau, den Uwe Neuhaus bei Arminia etabliert hat, nicht mehr so ohne weiteres möglich: Gerade in Spielen gegen den VfL Wolfsburg oder, aktueller, gegen Borussia Mönchengladbach hat man gesehen, dass die zentralen Spieler für das Aufbauspiel (Innenverteidiger und Sechser), starke Probleme mit dem hohen Pressing der gegnerischen Spieler hatten. Auch das Passspiel zwischen Torhüter Stefan Ortega Moreno und den beiden Innenverteidigern (meistens Mike van der Hoorn und Amos Pieper) musste im Laufe dieser Saison immer weiter zurückgefahren werden, spätestens nach dem Missverständnis zwischen Pieper und Ortega gegen Leipzig. Daher werden doch vermehrt lange Bälle nach vorne gewählt als ursprünglich von Neuhaus vorgesehen.“

Auch personelle Probleme führen dazu, dass die in Liga Zwei so starke Offensive bislang (lediglich Schalke erzielte in der laufenden Saison weniger Tore) nur sehr selten zum Tragen kommt. Fabian Klos, der mit 21 Treffern und 10 Vorlagen maßgeblich für den Aufstieg im vergangenen Jahr verantwortlich war, hat aktuell „eher die Rolle als „Ballfestmacher“ dieser langen Bälle […]. Das Hauptproblem hierbei ist, das sich Klos‘ Sturmpartner Andreas Voglsammer erneut verletzt und Leihspieler Sergio Cordova bisher noch nicht vollständig als Goalgetter erwiesen hat. Daher fehlt ein Abnehmer dieser gewonnen Bälle im Sturm, die Klos logischerweise nicht auch noch einnehmen kann. Klos kann sich ebenfalls gegen die Verteidiger der Bundesliga nicht mehr so einfach durchsetzen, wie es in der 2. Liga noch der Fall war“, ordnet Eva ein.

Bielefeld holt die Pflichtsiege

Auf ihn muss Hertha besonders aufpassen: Bielefelds Flügelläufer Ritsu Doan. (Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Trotz der klaffenden Lücke hinsichtlich des Budgets im Vergleich zum Rest der Liga sind es beispielsweise zu Hertha lediglich sechs Punkte Unterschied. Der Hauptgrund liegt darin, dass die Arminia die sogenannten Sechs-Punkte-Spiele gewinnt. Alle drei bisherigen Saisonsiege wurden gegen Schalke, Mainz und Köln, die allesamt Tabellennachbarn sind, eingefahren.

Gegen den Rest der Liga sieht die Bilanz dagegen finster aus: „Das einzige Spiel gegen ein Topteam, wo man Bielefeld gewisse Chancen auf einen Punktgewinn hätte zutrauen können, war das Spiel gegen RB Leipzig. Das war eines der wenigen Spiele, wo man selbst von Anfang an gut ins Spiel reinkam und mit Doan sogar die erste Chance des Spiels hatte. Gegen Bayern, Leverkusen, Dortmund, Union Berlin und Gladbach, die für mich bisher die stärksten Gegner waren, fehlte vor allem der Zug zum Tor, gegen Union fehlte über 90 Minuten komplett die Zuordnung und der Zugriff“, sagt Eva. Gerade die „mangelnde Torgefahr“ werde den Bielefeldern in diesen Spielen zum Verhängnis, so Eva.

Als Lichtblick in Bezug auf die fehlende Durchschlagskraft im Offensivspiel darf Ritsu Doan bezeichnet werden: „Doan hat bisher 2 Tore und 2 Assists in 14 Spielen, außerdem bringt er gewisse Fähigkeiten mit, beispielsweise seine Dribblingstärke, die Bielefeld bis jetzt gefehlt haben. Einziger Nachteil ist bei ihm, dass man ihm manchmal sowohl sein Alter als auch seinen Status als Leihspieler anmerkt: In einigen Situationen fehlt Doan das Auge für seine Mitspieler beziehungsweise er ist zu egoistisch und sucht selbst den Abschluss. Überwiegen tun jedoch die Qualitäten, die er mitbringt, die ihm auch bereits zwei Nominierungen als Rookie of the Month eingebracht haben“, beschreibt Eva den Neuzugang aus Eindhoven. Ein anderer Leihspieler, in Berlin bestens bekannt, schlägt bislang jedoch nicht ein: Arne Maier ist in Bielefeld noch nicht angekommen.

Aus Berliner Sicht wird es also vor allem darauf ankommen, den spielfreudigen Japaner in den Griff zu bekommen und gegen eine kompakt verteidigende Defensive Ideen zu entwickeln.

Herthas Chance auf Wiedergutmachung

Für Hertha ist das Spiel auf der Alm vor allem eine Möglichkeit, das verkorkste Ende von 2020 und das insgesamt schwer zu ertragende letzte Kalenderjahr ein Stück weit ertragbarer zu machen. Der Auftritt gegen Schalke muss nun als Startpunkt für eine Serie dienen, will man in dieser Spielzeit noch etwas erreichen und nicht nur Schlimmeres verhindern. Mit Bielefeld, Köln, Hoffenheim und Bremen stehen nun vier Gegner auf dem Programm, die gemäß dem eigenen Selbstverständnis allesamt geschlagen werden können.

Dedryck Boyata und Javairo Dilrosun werden für diese Mission, wie auch schon in der vergangenen Woche, verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen. Vor diesem Hintergrund und auch, weil insbesondere Torunarigha-Vertreter Omar Alderete seine Sache gegen Schalke außerordentlich gut gemacht hat, sind zunächst keine Änderungen in der Startelf zu erwarten. Womöglich kehren aber Santiago Ascacibar und Eduard Löwen zurück in den Kader.

*Titelbild: Clemens Bilan – Pool/Getty Images

Vorschau: SC Freiburg – Hertha BSC: Von wegen Favorit

Vorschau: SC Freiburg – Hertha BSC: Von wegen Favorit

Und plötzlich war es dann eigentlich doch gar nicht mehr so schlimm, dass man aktuell nicht ins Stadion darf. Waren auch schon, mit Ausnahme des Derbysieges, die vorangegangenen Heimspiele nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig, unterbot Hertha das bisher Dargebotene am Dienstagabend nochmal um einiges. Statt mit breiter Brust gegen ein Mainz 05, das mitten im Abstiegskampf steckt, aufzutreten, war die Alte Dame trotz der Rückkehr von Matheus Cunha komplett ideenlos, sodass das Ergebnis tatsächlich noch das mit Abstand beste am Spiel war. Dass es auch anders geht, hat die Mannschaft in dieser Spielzeit bereits des Öfteren bewiesen. Umso unerklärlicher ist es, wie eine derartige Leistung zustande kommen kann. Konnte man die dürftige Punkteausbeute bisher noch mit der Stärke der Gegner erklären, zählt diese Ausrede nun nicht mehr. Hertha muss jetzt anfangen, Siege einzufahren. Der nächste Versuch startet am Sonntagnachmittag gegen den SC Freiburg.

Im Vorfeld der Partie gegen den SC haben wir mit Freiburg-Experte Mischa, unter anderem bekannt durch seinen Blog zerstreuung-fussball.de, gesprochen, der uns unter anderem erklärt, wie die Breisgauer nach schwachem Saisonstart wieder in die Spur fanden.

Der ewige Fluch der guten Tat

Mit Robin Koch und Luca Waldschmidt hat der SC Freiburg im Sommer zwei Nationalspieler verloren. (Quelle: THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images)

Papiss Demba Cissé, Maximilian Philipp, Caglar Söyüncü, Matthias Ginter… Die Liste der Spieler, die in Freiburg aus-oder auf hohem Niveau weitergebildet wurden, um dann von finanziell potenteren Vereinen abgeworben zu werden, könnte noch eine Weile fortgesetzt werden. Im zurückliegenden Transferfenster kamen die beiden Nationalspieler Robin Koch und Luca Waldschmidt hinzu. Gerade der Abgang des Defensivspezialisten fällt laut Mischa ins Gewicht: „Koch war sicher der schwierigste Abgang. Das sah man insbesondere zu Saisonbeginn. Es fehlt körperliche Präsenz in der Defensive.“

Doch wie auch schon in den vergangenen Jahren scheint es Freiburg wieder gelungen zu sein, die Abgänge durch Spieler aus den eigenen Reihen sowie Neuverpflichtungen aufzufangen. So ist der im Vorjahr an Union Berlin ausgeliehene Keven Schlotterbeck ein Stabilisator in der Abwehrkette: „Seit er zentral in der Dreierkette spielt, steht man wieder etwas besser.“ Im Gegensatz zu Schlotterbeck, legte man für einen anderen Akteur eine nicht gerade unbeachtliche Summe von rund 10 Millionen Euro auf den Tisch. Der Franzose Baptiste Santamaria wurde ins Breisgau gelotst. Zu ihm macht Mischa den Vergleich mit einem Freiburger aus, der vor einigen Jahren den Weg an die Spree gefunden hat: „Santamaria erinnert manchmal an Darida: Immer der laufstärkste Spieler, gut in den Zweikämpfen, ist aber kein Abräumer, sondern auch technisch stark.“  

Ein Spieler, der es Darida in diesem Sommer gleichtat und ebenfalls von Freiburg nach Berlin wechselte, ist Alexander Schwolow, dessen Abgang aus Freiburg einige unglückliche Umstände nach sich zog: „Hier sollte eigentlich Flekken der Ersatz sein, doch der zog sich vor dem ersten Pokalspiel eine größere Verletzung zu. Man konnte kurzfristig noch Müller aus Mainz ausleihen. Er fiel weniger auf. Aber es gibt doch einen sehr großen Kontrast zu Schwolow. Immer wieder lässt Müller den Ball nach vorne prallen. In dieser Disziplin war Schwolow herausragend. Er fing Bälle oder wehrte sie sauber zur Seite ab.“, ordnet Mischa ein.

Nach Holperstart wieder in der Spur

Streichs Umstellungen brachten den SC wieder in die Erfolgsspur. (Photo by INA FASSBENDER/POOL/AFP via Getty Images)

Für den schlechten Saisonstart (sechs Punkte nach acht Spieltagen) sieht Mischa jedoch auch andere Gründe als die genannten Abgänge: „Das Auftaktprogramm war gar nicht so leicht, wie man es vielleicht gedacht hat. Bremen war zu dem Zeitpunkt recht gut drauf.

Niederlagen gegen Leverkusen, Dortmund und Leipzig, Unentschieden gegen Union, Wolfsburg und Bremen und ein Sieg gegen Stuttgart schienen okay. Auch weil die Leistungen alle in Ordnung gingen. Dann kam aber die erste Halbzeit gegen Mainz 05 und da war die Konterabsicherung katastrophal. Man lag früh 0:3 zurück, hätte aber auch mehr Tore kassieren können.“

Nach der Niederlage gegen den FSV berappelten sich die Freiburger jedoch eindrucksvoll und holten aus den vergangenen vier Partien acht Zähler. Gerade die Umstellungen von Christian Streich sieht Mischa hierfür als Hauptgrund: „Nach dem Spiel gegen Mainz stellte Streich auf ein 3-4-3 um und legte wieder einen größeren Fokus auf das Spiel gegen den Ball und den Umschaltmoment. Das hat gut funktioniert. Gegen Augsburg war es immerhin stabil. Gegen Gladbach war es auch offensiv herausragend. Freiburg hat gegen die Borussia mit 4,02 den zweithöchsten xG-Wert in dieser Saison überhaupt erspielt. Nur die Bayern gegen Schalke waren da noch besser. Die Chancenverwertung war in einigen Partien ein Problem. Erst gegen Schalke wurde das wieder etwas besser.“

Hertha zum Siegen verdammt

Während man vor dem Spiel gegen Mainz noch davon sprach, dass die kommenden Spiele allesamt welche seien, in denen Hertha qua der Favoritenstellung und der Tatsache, dass es nur noch gegen Teams ginge, die unter Hertha stünden, unbedingt gewinnen müsse, sehen die Vorzeichen jetzt anders aus. Der SC befindet sich gerade in aufsteigender Form und konnte insbesondere gegen Gladbach spielerisch auf ganzer Linie überzeugen. Hertha vor diesem Hintergrund die klare Favoritenrolle zuzuschieben, wäre daher vermessen. Dass das Team von Bruno Labbadia dennoch ohne Wenn und Aber gewinnen muss, das hat es sich aufgrund der katastrophalen Darbietung gegen Mainz selbst zuzuschreiben. Wie Hertha mit diesem Druck umgehen kann, wird sich am Sonntag zeigen.

Titelbild: TOM WELLER/POOL/AFP via Getty Images

Vorschau: Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC: Der Härtetest vor den Wochen der Wahrheit

Vorschau: Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC: Der Härtetest vor den Wochen der Wahrheit

Derbysieger, Derbysieger… Sorry, musste nochmal sein. Nach einer Woche voller Jubel, Trubel, Heiterkeit ob der erfolgreichen Verteidigung der Stadtmeisterschaft geht nun der Ernst des Lebens wieder los. Denn worüber der Sieg gegen Union ein wenig hinwegtäuschte, ist, dass Hertha rein punktemäßig nach wie vor den Erwartungen hinterherhinkt. In den nächsten Wochen hat das Team von Bruno Labbadia allerlei Chancen, dies zu ändern. Bis zum Start der Rückrunde stehen mit Mainz, Freiburg, Schalke, Bielefeld, Köln und Hoffenheim Gegner auf dem Spielplan, die allesamt schlagbar scheinen. Wie Hertha mit dieser Favoritenrolle umgehen kann, wird zu beobachten sein. Bevor es dazu kommt, darf man sich aber am Samstagnachmittag noch einmal in der Position des Außenseiters wähnen. Mit Borussia Mönchengladbach geht es gegen die Positivüberraschung der vergangenen Saison.

Um einen detaillierten Einblick in die Lage bei der Borussia zu bekommen, haben wir mit Gladbach-Expertin Yvonne gesprochen.

Quo vadis, BMG?

Späte Gegentore machen Gladbach aktuell zu schaffen. (THILO SCHMUELGEN/POOL/AFP via Getty Images)

Auch als Nicht-Borusse neigt man dazu, Mitleid mit den Anhängerinnen und Anhängern aus Mönchengladbach zu haben. Nach einer tollen Saison mit attraktivem, vertikalem Fußball gelingt den „Fohlen“ der Einzug in die Champions League. Dort wird man in eine Gruppe mit den europäischen Schwergewichten Inter Mailand und Real Madrid gelost, wird in dieser Hammergruppe gar Zweiter – und das alles ausgerechnet in dem Jahr, in dem kein einziger Fan live im Stadion an diesem Spektakel teilhaben darf. Umso höher ist die Leistung der Borussen in diesem Wettbewerb zu bewerten.

Es ist immer schwierig zu beurteilen, welchen Einfluss eine derartige Mehrfachbelastung auf einen Saisonverlauf hat. Auch in der Vorsaison tanzte Gladbach zu diesem Zeitpunkt noch auf allen drei Hochzeiten, hatte aber keinen derart eng getakteten Spielplan, wie es jetzt aufgrund von Corona der Fall ist. Blickt man auf die reinen Zahlen, könnte man durchaus ableiten, dass dies seine Spuren hinterlässt. Mit 16 Zählern nach zehn Spieltagen rangiert die Mannschaft von Trainer Marco Rose auf dem siebten Rang. Zum selben Zeitpunkt der Vorsaison grüßte Gladbach von der Tabellenspitze mit 22 eingefahrenen Punkten.

Dass es jetzt unter dem Strich sechs Punkte weniger sind, liegt vor allem daran, dass Gladbach zum Ende der Partie oft Nachlässigkeiten zeigt: „Gladbach kassierte leider generell das ein oder andere Gegentor in der Schlussphase und verlor dadurch wichtige Punkte (zum Beispiel gegen Union, Wolfsburg und eben auch Augsburg).“, sagt Yvonne. Entsprechend ernüchtert fällt auch das Zwischenfazit zur bisherigen Bundesligasaison aus: „Es sind ja „nur“ 3 Punkte zu Platz 4. Aber es wurde eben leider der ein oder andere Punkt sehr unnötig verspielt.“

(K)ein Kader für drei Wettbewerbe?

In der Innenverteidigung wird es bei Gladbach personell dünn. (Frederic Scheidemann/Getty Images)

Zugegeben: Die Arbeit von Gladbachs Geschäftsführer Sport Max Eberl kritisch zu beleuchten, scheint mit jedem Jahr schwieriger zu werden. In der zurückliegenden Transferphase stand er vor der Herausforderung, diesen ohnehin schon qualitativ hochwertigen Kader sinnvoll zu ergänzen, sodass die Dreifachbelastung gestemmt werden kann.

Wie so ziemlich jede Herausforderung scheint ihm auf den ersten Blick auch das wieder erfolgreich gelungen zu sein. So wurde die Offensive mit Ex-Herthaner Valentino Lazaro und Hannes Wolf verstärkt. Beide Spieler haben bereits in Salzburg unter Marco Rose trainiert und können somit eine sofortige Hilfe sein – so war jedenfalls der Gedanke dahinter. Die Realität stellt sich indes etwas anders dar. Während Hannes Wolf immerhin in jeder Ligapartie zum Einsatz kam – wenngleich auch nur viermal von Beginn an – fiel Lazaro verletzungsbedingt in den ersten fünf Spieltagen aus und stand auch danach erst ein einziges Mal in der Anfangsformation. So ordnet Yvonne ein: „Die Neuzugänge zu bewerten, ist momentan gar nicht so einfach. Wolf und Lazaro haben natürlich gute Ansätze, allerdings spielen beide bisher zu wenig, als dass man da ein festes Urteil bilden könnte. Man muss neuen Spielern ja auch immer ein bisschen Zeit geben.“

Die Fohlen mit personellem Engpass

Diese Zeit hat Gladbach allerdings aufgrund mehrerer Umstände aktuell nicht. Denn so gut bestückt die Offensive eigentlich ist, so sehr offenbaren sich auch hier kleinere Probleme. Jonas Hofmann, der wohl beste Borusse in den ersten Saisonwochen, fällt seit dem achten Spieltag durch einen Muskelbündelriss, den er sich beim Einsatz für den DFB zugezogen hat, aus. Bislang gelang es weder Wolf noch Lazaro, sich nachhaltig dafür zu empfehlen, diese klaffende Lücke zu schließen.  

Während derartige Verletzungen und kleinere Formdellen in der Offensive aufgrund der individuellen Klasse von – zum Beispiel – Plea und Stindl aufgefangen werden können, ist es indes in erster Linie die Abwehr, die gerade ein wenig Sorgen bereitet, wie Yvonne sagt: „Man merkt allerdings doch, wie schnell sich Verletzungen auswirken. In der Abwehr fehlten jetzt Elvedi und Jantschke verletzt, Bensebaini war in Quarantäne. Das schwächt die Defensive natürlich schon.“ Zwar ist Elvedi inzwischen wieder genesen. Durch den Ausfall von Jantschke stehen in Elvedi und Ginter jedoch lediglich zwei fitte Innenverteidiger zur Verfügung. Zwar hat man zwar theoretisch auch noch Mamadou Doucouré im Kader. Der Franzose kam in seinen nunmehr viereinhalb Jahren am Niederrhein allerdings, aufgrund einer dramatischen Verletzungshistorie, erst auf zwei Bundesligaminuten und ist daher wohl keine ernsthafte Alternative für die Startformation. Stattdessen rückte jüngst der eigentlich im zentralen Mittelfeld beheimatete Christoph Kramer auf die Position neben Matthias Ginter. Es ist also nicht auszuschließen, dass Max Eberl hier im Winter nochmal nachjustiert.  

Mit Rückenwind in die Wochen der Wahrheit

Gleichwohl die Favoritenrolle am Samstag ganz klar auf Seiten der Hausherren anzusiedeln ist, scheint Gladbach – auch aufgrund des kräftezehrenden Spiels in Madrid am Mittwoch – nicht unschlagbar. In erster Linie wird es für Hertha aber darum gehen, den positiven Trend der letzten Wochen – mit Ausnahme der zweiten Halbzeit gegen Dortmund – zu bestätigen und sich Selbstbewusstsein für die eingangs erwähnten restlichen Spiele der Hinrunde zu holen, in denen Hertha ohne Wenn und Aber ausgiebig punkten muss.

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Da kommt es gerade rechtzeitig, dass sich Krzystof Piatek im Derby via Doppelpack warmschießen konnte. Denn Torgefahr ging nach dem Ausfall von Jhon Cordoba quasi einzig und allein von Matheus Cunha aus, der gegen Gladbach aufgrund einer Gelbsperre zum Zusehen verdammt ist. Wie Labbadia den Brasilianer ersetzen will, wird die spannende Frage im Vorfeld der Partie sein. Zumindest dürfte neben Piatek aber auch Javairo Dilrosun nach seinem überzeugenden Jokerauftritt gegen Union ein Kandidat für die Startelf sein. Es gibt also keinerlei Gründe, schon vor Anpfiff die weiße Wahne zu hissen.

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