Vorschau: Hertha BSC – FC Bayern München: Mach‘s noch einmal, Pál

Vorschau: Hertha BSC – FC Bayern München: Mach‘s noch einmal, Pál

Trotz im Ergebnis verdienter Niederlage hat Pál Dárdai schon im Spiel gegen Eintracht Frankfurt gezeigt, dass die von Nostalgie angefeuerte Euphorie der Hertha-Fans nicht ganz unberechtigt war. Das Auftreten der Mannschaft gegen formstarke Frankfurter machte durchaus Hoffnung für die Zukunft. Aber Herthas größter Feind scheint jetzt der Spielplan. Denn in den nächsten Spielen trifft man auf die großen Namen des deutschen Fußballs und RaBa Leipzig. Am Freitagabend wartet zu ungewöhnlicher Anstoßzeit schon um 20 Uhr der FC Bayern München.

Wir haben Bayern-Experte Justin Kraft von FC-Bayern-Blog Miasanrot.de gefragt, wie es um den FC Bayern steht und wo sich Hertha Chancen bieten könnten.

„Formschwach“ zur Meisterschaft

30-maliger Deutscher Meister, mittlerweile 20-facher Pokalsieger, amtierender Champions League-Sieger. Viel mehr braucht es nicht, um den FC Bayern München zu beschreiben. Auch in dieser eng getakteten Corona-Saison stehen die Bayern schon wieder mit sieben Punkten Vorsprung uneinholbar an der Spitze, es winkt die neunte Meisterschaft in Folge.

Dabei war in den letzten Wochen und Monaten doch immer wieder von einer Formschwäche die Rede? Davon weiß die Tabelle nichts. Neben zugegeben glanzloseren, aber eben doch siegreichen Partien, wurden zuletzt die Gegner aus Herthas Tabellenregion auch wieder etwas deutlicher in die Schranken gewiesen.

(Photo by Adam Pretty/Getty Images)

Bayern-Experte Justin Kraft sagt dazu: „Es stimmt, dass die letzten Gegner nicht zu den Top-Teams der Liga gehören. Hertha gehört im Moment aber auch nicht dazu. Demnach erwarte ich schon, dass die Bayern dieses Spiel mit viel Raumkontrolle und einem klaren Chancenplus abschließen werden. […] Gegen Hoffenheim gab es einige Momente, in denen das Spiel hätte anders laufen können.“

„Und warum sollte Hertha das nicht auch gelingen? Bayern ist zwar auf gutem Wege, sich in eine Art Flow zu spielen und Stück für Stück das nötige Selbstverständnis zurückzuerlangen, um Spiele (auch deutlich) zu gewinnen, aber sie sind noch ein Stück entfernt von der Souveränität des vergangenen Sommers, wo sie in nahezu keinem Bundesliga-Spiel Momente aufkamen ließen, in denen der Gegner sich ernsthafte Hoffnungen machen konnte.“

Unruhen? Ärger?! Spannungen?!? Eher nicht

Im neuen Jahr begleiten den Verein dazu (vermeintliche) Unruhen. So tauchte Corentin Tolisso mitten im Lockdown plötzlich mit einem neuem Tattoo auf – das kommt Hertha-Fans doch bekannt vor. „Selbstverständlich ist die Aktion von Tolisso […] mehr als ärgerlich. Ein Klub wie der FC Bayern wird damit aber umgehen können und das auch verkraften“, sieht Justin keine atmosphärischen Probleme.

Zu guter Letzt kamen Gerüchte zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Trainer Hansi Flick[1]  auf. Hasan vs. Hansi – hapert‘s heftig? Eher nicht, verrät uns Justin: „Wie so oft wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Ich bin ganz sicher, dass Salihamidzic und Flick unterschiedliche Ansichten haben, was den Kader angeht. Das liegt größtenteils auch an der Perspektive. Natürlich schaut der eine eher auf die wirtschaftlichen Aspekte, während der andere vor allem auf das sportliche Geschehen schaut. Dafür ist man schließlich auch ein Team: […] Wichtig ist, dass beide trotzdem in eine Richtung arbeiten und ich habe nicht das Gefühl, dass das beim FC Bayern aktuell nicht der Fall ist. […] Den Umständen entsprechend macht der FC Bayern aber einen richtig guten Job. Ich rechne deshalb nicht damit, dass die kleinen Reibereien zu größeren Konsequenzen führen.“

Foto: Maik Hölter/TEAM2sportphoto/IMAGO

Also doch keine störenden Unruhen beim FC Hollywood. Dafür schürten die Münchner bei den Hertha-Fans kurzzeitig Panik, als bekannt wurde, dass die Bayern auf die Idee gekommen seien, dass mit dem Herthaner Eigengewächs Luca Netz ein guter Fang für die Zukunft gelingen könne.

Doch das scheint vorerst vom Tisch, weiß auch Justin: „Netz ist ein toller Spieler und hat das Talent, es weit zu bringen. Dass der FC Bayern da interessiert ist, wundert mich nicht. Mit Torben Rhein konnte man ja vor einigen Jahren schon einen talentierten Herthaner abwerben. […] Aus meinem Berliner Umfeld höre ich schon seit einigen Wochen, dass Netz‘ Vertrag kurz vor der Verlängerung stehe und meinen Informationen nach ist Bayern schon mal bei ihm abgeblitzt. Aber so ist das Geschäft. Bayern wird nicht jeden Spieler verpflichten können und das ist auch gut so. Ich denke, Netz wird bei Hertha gute nächste Schritte machen.“ Vielleicht auch schon wieder gegen den FC Bayern.

Bayern scheint sportlich also aus dem kleineren Tal gelangt zu sein und auch von Unruhe dürfte angesichts des kürzlich vollzogenen Komplettaustauschs der handelnden Personen eher bei Hertha etwas zu spüren sein. Darf man sich dennoch Hoffnung auf Zählbares gegen die Bayern machen?

Angstgegner Dárdai?

Rückkehrer Dárdai konnte der Alten Dame trotz Niederlage gegen Frankfurt durchaus schon wieder Leben einhauchen. Außerdem sieht seine Bilanz gegen den FC Bayern gar nicht mal so schlecht aus – in vier der letzten sechs Partien verließ Hertha dabei nicht als Verlierer den Platz. Bayern-Experte Justin: „Das ist eine interessante Statistik, die ich so zunächst gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Allerdings muss man einschränken, dass Dárdai aus seinen zehn Duellen mit Bayern nur eines gewinnen konnte und die letzten beiden verloren wurden. Der Angstgegner-Ruf muss also neu bewiesen werden. Grundsätzlich sind Spiele bei Hertha BSC aber fast immer kompliziert gewesen für die Bayern.“

Dardais Fußball stand in der Vergangenheit für Solidität statt Spektakel. Das sieht auch Justin so: „Aggressivität, defensive Stabilität, schnörkelloses Umschaltspiel und mitunter eine absurde Effizienz vor dem Tor. Teilweise hat Hertha aus 0 Abschlüssen ein Tor gemacht – Hoffenheim lässt grüßen. […]

Foto: IMAGO

Bayern darf die Qualität Herthas keinesfalls unterschätzen. Es wird darum gehen, den kompakten Block des Gegners ständig in Bewegung zu halten. Ein Schlüsselspieler dafür ist Thomas Müller, der mit seinen Läufen und Pässen aktuell nahezu jede Defensive fast im Alleingang aushebeln kann. Er wird auch gegen Hertha viel unterwegs sein, immer wieder Räume für sich selbst oder seine Mitspieler öffnen und dann kommt es darauf an, mit welcher Schärfe und Präzision die Bayern diese bespielen.“ Für den Primus bahnt sich also ein Geduldspiel an. Für Hertha wird es auf der anderen Seite darum gehen, die Konzentration hochzuhalten und so möglichst keine Fehler zu machen.

Offensiv dürfte Hertha wie schon gegen Frankfurt größtenteils auf Konter über die schnellen Stürmer setzen. Damit hatte die Bayern-Abwehr in der Hinrunde ab und an Probleme und auch Dodi Lukébakio dürfte sich mit einem Lächeln an eine vogelwilde Münchener Hintermannschaft zu Düsseldorfer Zeiten erinnern.

Bayerns Abwehrprobleme – Ein Prozess

Justin fasst mögliche Schwächen der bajuwarischen Defensive zusammen: „Es gab eine Phase in der Hinrunde, da war die ganze Mannschaft nicht gut aufeinander abgestimmt und dementsprechend kam es auch zu Missverständnissen in der Innenverteidigung. Das lag aber auch an der ständigen Rotation. Seit Flick wieder auf das Duo Alaba/Boateng setzt, hat sich das reduziert. Beide werden meinem Eindruck nach von Spiel zu Spiel stabiler und sind für sich genommen in guter Verfassung.

Viel problematischer sehe ich die Außenverteidiger-Positionen. Hier sind Pavard und Davies nach wie vor in einer Formkrise. Gegen Hoffenheim schafften die Bayern es kaum, auch nur eine Flanke oder Kombination von außen im Ansatz zu verteidigen. Wenn dann in 90 Minuten der Ball zehn Mal gefährlich in deinen Strafraum fliegt, hast du als Innenverteidiger zwangsweise irgendwann einen schwachen Moment. Egal, ob du Alaba, van Dijk oder Beckenbauer bist.

Foto: Preiss/Witters/Pool/Witters/IMAGO

Es ging von Anfang an darum, die Mannschaft zu stabilisieren und dann sehen die Innenverteidiger automatisch wieder besser aus. Zu diesem Prozess zählt, dass einer der beiden Außenverteidiger (meistens der Rechtsverteidiger) nun konsequenter in einer Art Dreierkette absichert. Dadurch gab es weniger Momente, in denen ein langer Ball die ganze Abwehr ausgehebelt hat. Für Hertha wird es demnach vor allem darauf ankommen, die Außenverteidiger in Eins-gegen-eins-Duelle zu bringen und von den Flügeln nach innen durchzubrechen oder per Flanke erfolgreich zu sein. Drei-Tore-Lukébakio kann mit seinem Tempo, seiner Physis und seinem Gespür für Tore gegen die Bayern natürlich trotzdem eine große Gefahr darstellen.“

Aussichtslos ist die Lage für Hertha also auch nicht. Zugutekommen könnte dabei auch der Corona-bedingte Ausfall Leon Goretzkas.

Wie wird Goretzka ersetzt?

Wird Goretzka wie in der letzten Woche wieder von Sommer-Verpflichtung Marc Roca vertreten oder darf Tolisso nach seinem Tattoo-Fauxpas ran? Und wie schlagen sich die anderen Sommerneuzugänge?

Justin hat für uns eine ausführlichere Antwort auf diese Fragen gefunden: „Gegen Hoffenheim konnte Roca durchaus überzeugen – allerdings im Kontext seiner aktuellen Situation. […] Mit 24 Jahren ist er immer noch ein junger Spieler, von dem man nicht uneingeschränkt erwarten sollte, dass er sofort ankommt. […] Roca hat vor allem gegen den Ball Probleme, sich an Intensität und Laufwege anzupassen. Er rückt oft zu schnell oder zu langsam heraus, verpasst es, Druck auf den Ball auszuüben oder lässt sich einfach überrennen. Das liegt nicht daran, dass er es nicht besser kann, sondern schlicht daran, dass ihm und Flick die Zeit fehlen. […]

Tolisso konnte als Goretzka-Ersatz zwar auch nicht überzeugen, hat aber immerhin die wichtigsten taktischen Abläufe verinnerlicht und macht weniger Fehler, was die Orientierung gegen den Ball und in Umschaltmomenten angeht. Das wird den Unterschied gemacht haben. Gegen Hertha könnte Roca aber tatsächlich erneut eine Chance bekommen, wenn Tolisso nach seinem Tattoo-Gate zurückkehren sollte.

Bayerns Neuzugänge – Noch nicht angekommen

Was für Roca gilt, gilt natürlich für alle Neuen. Je mehr Zeit vergeht, umso besser funktionieren auch einzelne Abläufe. […] Nüchtern betrachtet hat keiner von den Last-Minute-Einkäufen bisher funktioniert. Das ist für den Status-quo ein großes Problem, weil Flick nur dann unbesorgt im größeren Stil wechseln kann, wenn seine Mannschaft hoch führt. Mittelfristig sollte man Spieler wie Roca oder Choupo-Moting aber nicht fallen lassen. Letzterer ist ohnehin nur für die wenigen Augenblicke gedacht, in denen Lewandowski mal pausiert, während ersterer sich noch weiterentwickeln wird.

Von Costa hat man sich eine Art Perišić-Effekt erhofft – also dass der Spieler ohne große Eingewöhnung sofort auf Bundesliga-Niveau funktioniert. Das trat nicht ein, aber die Leihe wird sowieso im Sommer beendet und dann redet kaum mehr jemand darüber. Vom vierten Flügelspieler ist der Erfolg des FCB nicht abhängig.

Sarr ist tatsächlich der einzige Transfer, der mich mit vielen Fragezeichen zurücklässt. Zwar bin ich nach wie vor der Meinung, dass auch er weiterhin eine faire Chance erhalten sollte, aber ich sehe noch nicht die nötige Qualität, die ein Rechtsverteidiger bei den Bayern braucht. Das ist deshalb so ärgerlich, weil Pavard schon länger in einem Formtief ist.

Sané ist der Neuzugang, den ich am unkritischsten sehe. […] Wenn das aktuell der Sané ist, der noch lange nicht bei 100 % ist, dann freue ich mich umso mehr auf den Top-Sané. […] Die meisten seiner Schwächen resultieren aus Momenten, in denen er eine falsche Entscheidung auf den Platz trifft. […] Bei den Bayern spielt er meist stark eingerückt im Halbraum, muss viele Bälle mit dem Rücken zum Tor kontrollieren und kann seltener sein Tempo von außen einbringen. Darüber hinaus fehlt ihm meist die Unterstützung eines hinter- oder vorderlaufenden Rechtsverteidigers. Ich denke, dass ihn die aktuelle Phase stärker und besser machen wird. […] Und wenn wir ganz ehrlich sind, ist das auch Kritik auf sehr hohem Niveau. Seine Torbeteiligungsquote ist jetzt schon sehr stark und spätestens wenn er eine ganze Vorbereitung mit dem Team hatte, wird er einen Sprung nach vorn machen. Da bin ich sicher.“

Photo by Lukas Barth-Tuttas – Pool/Getty Images

Die meisten Bayern-Neuzugänge haben also noch nicht wirklich überzeugt, kommen aber so langsam ins Rollen.

Kurzfristig ist der bisher mäßige Erfolg aber ohnehin noch nicht ins Kontor geschlagen. Denn die Bayern-Achse der letzten Jahre liefert noch immer Spiel für Spiel ab – trotz anstehender Klub-WM auch gegen Hertha, vermutet Justin: „Flick hat im neuen Jahr recht konsequent an der Achse seines Teams festgehalten. Wenn er rotiert hat, dann auf den Außenbahnen. Hier könnte ich mir vorstellen, dass Hernández für Davies beginnt. Vorne wird vermutlich der Würfel darüber entscheiden, welcher der drei Flügelspieler startet und hinten rechts rechne ich eher mit Pavard als mit Süle, wobei letzterer bewiesen hat, dass er eine Option ist. Insbesondere die so wichtige Achse aus Neuer, Innenverteidigern, Kimmich, Müller und Lewandowski wird Flick tendenziell aber nicht verändern.“

Und bei Hertha?

Und wie geht Hertha die Partie an? Am Deadline Day wurden mit Sami Khedira und Leihspieler Nemanja Radonjić noch zwei Last-Minute-Neuzugänge präsentiert, die offensichtliche Schwachstellen beheben sollen. Während Radonjić aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls Javairo Dilrosuns der einzige gelernte Linksaußen im Kader ist, tummeln sich auf Khediras Position im zentralen Mittelfeld einige Konkurrenten. Der deutsche, spanische, italienische und Weltmeister könnte deswegen vor allem als Leader und Mentalitätsspieler gefragt sein.

Foto: xMatthiasxKochx/IMAGO

Fraglich, ob die beiden Wintertransfers nach weniger als einer Trainingswoche schon gegen München beginnen dürfen. Abseits davon hat Dárdai eigentlich wenig Grund, System oder Personal zu wechseln. So fällt Jhon Córdoba weiterhin aus, weswegen Krzysztof Piątek seinen ordentlichen Auftritt gegen Frankfurt und die lobenden Worte Dárdais bestätigen darf. Auch Trainerliebling Marvin Plattenhardt fehlt weiter. Maxi Mittelstädt könnte diesmal gegenüber dem jungen und unerfahrenen Luca Netz den Vorzug und so die Möglichkeit bekommen, seine unglückliche Aktion in der Schlussminute des Hinspiels vergessen zu machen.

Die dárdaische Euphorie ist noch nicht verflogen, die Bayern scheinen in dieser Saison schlagbar und Dárdai sah gegen Bayern sowieso immer wieder gut aus. Aber es bleibt der FC Bayern. Und so warnt uns Justin eindrücklich: „Prozente rausnehmen werden die Bayern […] keinesfalls.“

[Titelbild: Photo by Sebastian Widmann/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Arminia Bielefeld – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Arminia Bielefeld – Hertha BSC

Nach dem im Ergebnis doch recht überzeugenden 3:0-Heimsieg gegen die damaligen Tasmania-Jäger aus Gelsenkirchen in der Vorwoche wollte unsere Hertha gegen zuletzt harm- und zahnlose Bielefelder nachlegen und sich weiter von den Abstiegsrängen entfernen und auf Tuchfühlung mit den Mannschaften der oberen Tabellenhälfte gehen.

Doch davon war im Spiel nicht viel zu sehen. Nach einer unkreativen und recht ereignisarmen ersten Halbzeit verpatzte Bruno Labbadias Elf den zweiten Durchgang nach allen Regeln der Kunst und versagte eklatant auf ganzer Linie.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner bei dieser in allen Belangen enttäuschenden 0:1-Auswärtsniederlage.

Omar Alderete – Wieso Weshalb Warum?

Gegen die sieglosen Gäste aus Gelsenkirchen hatte Omar Alderete zu Beginn des Jahres noch ziemlich gut ausgesehen, sich so seine Startelfnominierung verdient und gezeigt, warum Bruno Labbadia ihn recht überraschend Jordan Torunarigha vorgezogen hatte.

Seine Zweikampfstärke mit dem richtigen Timing und der ordentliche Spielaufbau aus kreativeren und häufig vertikalen Bällen belebte das Hertha-Spiel.

Doch alles, was Omar Alderete gegen Schalke 04 ausgezeichnet hatte, ließ er nun in Bielefeld vermissen. Schon nach elf Sekunden (!) setzte er übermotiviert zu einem Roulette-Trick an und hatte Glück, dabei gefoult zu werden, um nicht direkt einem fatalen Ballverlust nacheilen zu müssen. In Sekunde 40 folgte direkt der erste unbedrängte Fehlpass ins Bielefelder Mittelfeld und ließ für das Spiel schon nichts Gutes erahnen.

Konnte Alderete in der ersten Hälfte trotz Unkonzentriertheit und Tollpatschigkeit noch einige Zweikämpfe für sich entscheiden und manche seiner langen Bälle bei Jhon Córdoba anbringen, ging es nach der Pause rapide bergab. Schon mit dem unbedrängten Fehlpass ins Seitenaus bei erstem eigenen Ballbesitz zeigte sich, dass die erste Hälfte hier wohl ein schlechtes Omen gewesen war.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

In der 48. Minute war Alderete dann mit dem Kopf wohl schon wieder beim Rausrücken, als er an einem in den Strafraum gespielten Ball dermaßen vorbeisäbelte, dass der völlig freie Bielefelder Sergio Córdova komplett überrascht war und den Ball schlussendlich nur an den rechten Außenpfosten setzen konnte.

Auch in der Folge kam der Innenverteidiger in keinen Zweikampf mehr, auch im Aufbau funktionierte nicht mehr viel und es häuften sich die langen Ball, die anders als in Halbzeit Eins nicht mal mehr den Stürmer ins Kopfballduell schickten, sondern direkt beim Gegner landeten. So scheint nach den mäßig konstanten Leistungen des Paraguayers als Torunarigha-Ersatz im November das Spiel gegen Schalke nur ein (positiver) Ausrutscher gewesen zu sein und der Sommerneuzugang noch zu sehr mit seiner Inkonstanz zu kämpfen.

Kaum vorzustellen, dass Omar Alderete nach dieser maximal unglücklichen Leistung im nächsten Spiel wieder in der Startelf steht. So dürfte also Eigengewächs Jordan Torunarigha zurückkehren und versuchen, seine unsicheren Auftritte nach der Corona-Erkrankung abzuschütteln und der Hertha-Abwehr wieder die Stabilität zu verleihen, wie er dies in der Rückrunde der letzten Saison unter Labbadia schon getan hatte.

Mattéo Guendouzi – Auf Tauchstation

Wie in den letzten Spielen ließ sich Mattéo Guendouzi zu Beginn im Aufbau im Wechsel mit Lucas Tousart zwischen die Innenverteidiger oder auf die freie linke Seite fallen, trieb den Ball dann mit großen Schritten den Blick über das Feld schweifend durch die eigene Hälfte und suchte seine Anspielstation.

Doch mit der Zeit wurde Guendouzi wie auch seine Mitspieler immer unauffälliger und erlaubte sich in der Offensive viele Unkonzentriertheiten, stemmte sich aber auch nicht gegen diesen unglückbringenden Verlauf. Bezeichnend auch ein Missverständnis mit Peter Pekarik in der 32. Minute, als den beiden ein Doppelpass misslang und Guendouzi gestisch relativ unmissverständlich klarmachte, dass er sich selbst nicht für den Schuldigen hielt.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

In der zweiten Halbzeit war von Guendouzi dann eigentlich gar nichts mehr zu sehen. Hertha gab den Spielaufbau komplett auf und kloppte die Bälle eigentlich nur noch hinten raus in die Bielefelder Abwehrkette. Von Vladimir Darida und Guendouzi war in dieser Phase kaum etwas zu sehen.

Erst in der Nachspielzeit, als Hertha schon eine unsägliche Halbzeit hinter sich hatte, riss Guendouzi das Spiel noch einmal an sich und zeigte einen Hauch kämpferischen Willens, den man zuvor komplett vermisst hatte. Auch wenn der junge Franzose ein Neuzugang und nur zur Leihe bei Hertha ist, muss er sich hinterfragen, wo dieser Wille weite Teile der ersten und die komplette zweite Hälfte gewesen war.

Bezeichnenderweise verendete in der letzten Aktion des Spiels seine Hereingabe in der 97. Minute nach starkem Dribbling dann auch recht kläglich in den Armen des Bielefelder Torwarts. Dieser Hertha-Auftritt hätte aber auch einfach kein Unentschieden verdient gehabt.

Natürlich ist es vermessen, Mattéo Guenduozi eine Führungsrolle aufzwingen zu wollen. Trotzdessen darf man auch von ihm Kampf und Willen erwarten, wenn es mal nicht so läuft. Guendouzi wird mit seiner spielerischen Klasse dennoch auch weiter eine wichtige Stütze im Hertha-Spiel bleiben und es bleibt zu hoffen, dass sich in der Mannschaft langsam aber sicher Wortführer finden, die das Team in einer solchen Phase in Spielen aufrütteln und mitreißen kann – sei es Guendouzi oder (gern auch) jemand anderes.

Hertha Bubis Jessic Ngankam und Luca Netz – Gebrauchter Abend & leise Hoffnung

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Matheus Cunha stellte sich schon vor Spielbeginn die Frage, ob sich Jessic Ngankam nicht langsam aber sicher einen Startelf-Einsatz verdient hatte. Bruno Labbadia vertraute zunächst aber auf die erfahrenere und defensivstärkere Variante Maxi Mittelstädt.

Nach dem harmlosen ersten Durchgang war es dann aber soweit und Jessic Ngankam ersetzte Marvin Plattenhardt, sodass Maxi Mittelstädt auf die Position des Linksverteidigers rückte und Ngankam über die linke Seite in der Offensive mehr Betrieb machen sollte.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Doch wie so häufig blieb der Wunsch Vater des Gedanken. Ngankam kam in eine verunsicherte Hertha-Mannschaft, die gerade im Begriff war, sich ihrem Schicksal hinzugeben und ließ sich von dieser Atmosphäre anstecken. So fiel er in dem ohnehin schwachen Hertha-Spiel zunächst nur durch Ballverluste und Fehlpässe auf und ließ dann in der 56. Minute in Koproduktion mit Mittelstädt nach schwacher Zweikampfführung Ritsu Doan passieren, der Alexander Schwolow zu einer Parade zwang. Zu allem Überfluss verletzte sich Jessic Ngankam kurz danach und musste in der Folge schon in der 65. Minute das Feld wieder verlassen.

Kurze Zeit später wurde mit Luca Netz ein weiterer Nachwuchsspieler gebracht, der zuletzt gegen Schalke sein Bundesliga-Debüt feiern durfte. Etwas überraschend ordnete sich Netz nicht auf seiner angestammten Linksverteidiger-Position ein, sondern spielte den offensiven Part auf der linken Seite, während hinter ihm weiterhin Maxi Mittelstädt sein Glück versuchte.

Auch an Luca Netz ging die spürbare Verunsicherung der Mannschaft nicht spurlos vorbei. Sein Einsatz begann direkt mit einem ziemlich unnötigen Hackenfehlpass, der ihm in der Folge noch etwas nachhing, was sich in zwei, drei schwächeren defensiven und offensiven Aktionen zeigte.

Das 17-jährige Toptalent biss sich aber ins Spiel und traute sich mehr als seine Vorgänger auf der linken Seite. In der 83. Minute brach er nach Zusammenspiel mit Dodi Lukébakio bis zur Grundlinie durch, versuchte sich im Dribbling und konnte so wenigstens eine Ecke herausholen – die gefährlichste Hertha-Aktion von der linken Seite in den gesamten 90 Minuten.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Seinen insgesamt ordentlichen Auftritt rundete Netz durch Einleitung einer Schusschance von Krzysztof Piątekin der Nachspielzeit ab.

Ngankam konnte seine zuletzt stärkeren Joker-Auftritte nicht bestätigen und fällt nun möglicherweise auch noch aus – ein völlig gebrauchter Tag, der für ihn schon vorbei war, bevor es richtig angefangen hatte.
Luca Netz spielt zwar nicht die Sterne vom Himmel, fiel aber gegenüber seinen Konkurrenten auf der linken Seite unter keinem Aspekt ab und dürfte somit bald weitere Minuten bekommen – ob wieder im linken Mittelfeld oder auf seiner Stammposition als Linksverteidiger, wo derzeit weder Marvin Plattenhardt noch Maxi Mittelstädt vorzeigbare Leistungen abliefern.

Kampfgeist – VERMISST  – Bitte um Hinweise und Mithilfe

In Prä-Corona-Zeiten schallte es gerne mal durchs Olympiastadion: „Wie unser Gegner heißt ist scheißegal, denn wir wollen gewinnen – jedes Mal! Jeder singt so laut wie er nur kann, wir sind Herthas zwölfter Mann!“ Die erste Zeile dieses Herthaner Fangesanges kann sich momentan zweifelsohne nicht auf die Mannschaft beziehen. Wie schon die gesamte Saison über fehlte der Hertha-Elf gestern der Biss, der Wille, die „Mentalität“, der Kampfgeist oder wie man es sonst nennen mag.

Schon von Anpfiff weg gab es unnötige Ballverluste und einen kopflosen und unkonzentrierten Aufbau – und das äußerte sich direkt in der Körpersprache. Als sich nach etwa fünfzehn Minute zeigte, dass man Bielefeld wohl nicht herspielen würde, hingen die Köpfe mit jeder missglückten Aktion minütlich tiefer. Da hätte der Elfmeter für Bielefeld nach vermeintlichem Foul von Niklas Stark an Fabian Klos perfekt ins Bild gepasst, doch der Schiedsrichter kassierte die Entscheidung nach ellenlangen vier Minuten Korrespondenz mit dem VAR wieder, sodass sich das anbahnenden Unheil in die zweite Hälfte verschob.

Dann aber war es nicht mehr zu übersehen. Nach dem üblen Bock von Omar Alderete direkt nach der Halbzeit bahnte sich ein Bielefelder Tor immer mehr an. Das Mittelfeld wurde kampflos hergeschenkt. Die eigenen Defensive prügelte den Ball weg wie ein Sechstligist im Pokal, der in der Nachspielzeit noch das Unentschieden halten möchte. Alle Zweikämpfe, die nicht in letzter Linie geführt wurden, gingen verloren, das Stellungsspiel wurde schludrig, der Spielaufbau fahrig bis non-existent.

Und Bielefeld wurde zu Chancen eingeladen. In der 54. Minute konnte Lucas Tousart den Ball noch in höchster Not per Grätsche aus der Gefahrenzone entfernen. Auch Doans Schuss in der 56. Minute wurde noch glücklich überstanden.

Und in dieser Phase war (wieder einmal) kein Herthaner zu sehen, der die anderen wachrüttelt und anführt. Etwas auszunehmen ist dabei Alexander Schwolow, der schon die ganze Saison sowohl lautstark als auch von der Körpersprache her die richtige Einstellung an den Tag legt. Von der Torwart-Position fällt es aber naturgemäß schwer, die Mannschaft mitzureißen, soweit nicht einige Spieler auf dem Feld solche Ansagen aufnehmen und verkörpern.

Doch bei den Hertha-Spielern findet sich kein Wortführer, auch niemand der in solchen Momenten mit Leistung und Kampf vorangeht. Am ehesten kann man dieses Bemühen noch Lucas Tousart zugutehalten, der sich dafür aber im Gespräch mit seinen Teamkollegen auffallend zurückhält. Das Tor in der 64. Minute fiel dann folgerichtig. Während Jessic Ngankam an der Seitenlinie behandelt wurde, schafften die restlichen zehn Spieler es nicht, einen Einwurf zu verteidigen. Schon wieder ein Einwurf – man erinnere sich an das 2:1 der Freiburger.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Passend zur Leistung des Tages gingen Lucas Tousart und Omar Alderete gemeinsam zum Kopfball, behinderten sich gegenseitig, sodass der Ball von Tousarts Kopf zu Reinhold Yabo verlängert wurde. Der stellte seinen Körper hin, ließ Peter Pekarik daran abprallen und netzte dann zu seinem ersten Bundesliga-Tor ein. Ob man hier auf Foulspiel entscheiden kann, tut mit Hinblick auf Herthas Leistung insgesamt und auch in dieser Situation eigentlich nichts zur Sache.

Auch in der Folge hatte man zu keiner Zeit das Gefühl, dass Hertha noch zum Ausgleich kommen könnte. Kein Aufbäumen in der Mannschaft zu sehen. Bielefeld überließ Hertha in den letzten Minuten zwar noch einmal den Ball, wirklich gefährlich wurde es bis auf den abgepfiffenen Zufallstreffer von Piątek aber nicht mehr

Das Team ist keine Mannschaft, man sieht kein wirkliches Zusammenspiel. Auch ein funktionierendes taktisches Offensiv-Konzept ohne Alleinunterhalter Cunha, an dem sich die Spieler festhalten und aufrichten könnten, fehlt. Ein Team bildet sich nur über Zeit. Aber Zeit hatte diese Mannschaft jetzt schon – und noch immer hat sich kein Führungsspieler hervorgetan oder sich eine Geschlossenheit entwickelt.

Das hat zwar auch die Mannschaft selbst zumindest phrasenhaft erkannt. Aber auch das nicht zum ersten Mal. Und bisher hat sich da noch nicht viel getan. Besserung ist also nicht wirklich in Sicht. Kommt Zeit, kommt Rat? Wir können nur abwarten – und hoffen.

Und da war da noch:

Jhon Córdoba, der in Hälfte Eins noch einige Male zeigen konnte, dass er als Zielspieler in Labbadias System mehr taugt als sein polnischer Sturmkumpane. Blieb in der zweiten Halbzeit mangels Anspielen komplett unsichtbar. Der Kolumbianer kam nach der Einwechslung von Krzysztof Piątek häufiger über links und agierte noch unsichtbarer als vorher. Baute wie das gesamte Team mit fortschreitender Spielzeit immer weiter ab und konnte so seine ordentliche Leistung aus dem Schalke-Spiel nicht bestätigen.

Krzysztof Piątek, der nach seiner Einwechslung für den verletzten Jessic Ngankam in der 65. Minute im Rahmen des grauenhaft schlechten Offensivspiels noch so etwas wie Gefahr ausstrahlte. Traf nach einem abgefälschten Mittelstädt-Abschluss zum vermeintlichen Ausgleich. Nachdem der insgesamt wenig überzeugende Schiedsrichter noch auf Abseits entschieden hatte (war es nicht), konnte der VAR ein Handspiel Piąteks ausfindig machen, sodass das Tor regelkonform aberkannt wurde. Hertha hatte aber bei aller Liebe den Ausgleich in keinster Weiser verdient. Kurz später kam Piątek noch zu zwei Schusschancen, die aber das Tor nicht mehr ernsthaft gefährdeten.

Dodi Lukébakio, der nach dem verletzungsbedingten Cunha-Ausfall als Kreativspieler der Herthaner Offensive besonders im Fokus stand – und wieder einmal nicht abliefern konnte. Weder konnte Lukébakio die Offensive mit klugen Seitenverlagerungen steuern noch die Bielefelder Abwehr mit Tempodribblings vor Probleme stellen. Lukébakios Formtief nimmt trotz der unzweifelhaft vorhandenen Anlagen beängstigende Ausmaße an.

Maxi Mittelstädt, der Cunha auf dem linken Flügel vertrat und naturgemäß nicht ersetzen konnte. Das war auch nicht zu erwarten, nichtsdestotrotz hätte offensiv mehr von ihm kommen müssen. Immerhin konnte er sich in der ersten Hälfte mit zwei Ball-Rückeroberungen auszeichnen. Im zweiten Durchgang rückte er für Marvin Plattenhardt auf die Linksverteidigerposition, wurde dort von Gegenspieler Ritsu Doan immer wieder vor Probleme gestellt und reihte sich so nahtlos in die schwer enttäuschende Leistung der Hertha ein.

[Titelbild: (Photo by Stuart Franklin/Getty Images]

Jahresrückblick: Teil 1 – HaHoHe, euer Jürgen

Jahresrückblick: Teil 1 – HaHoHe, euer Jürgen

Am Ende dieses verrückten Jahres blicken wir bei Hertha BASE in einer vierteiligen Serie auf die wichtigsten Ereignisse und Vorkommnisse bezüglich Hertha zurück.

Für den ersten Teil konnten wir unseren schwäbischen Ex-Trainer gewinnen, seine ganz exklusive Sicht auf die Dinge zu Beginn des Jahres zu präsentieren.
Viel Spaß!

Liebe Herthaner:innen,

was für ein Jahr liegt hinter uns.
Auch diesmal konnte ich mit meiner tollen Stiftung wieder viele Herzensprojekte anschieben und auch und gerade in diesem pandemiegeplagten Jahr viel wichtige Hilfe leisten. Wow, großer Care-Wert!

Ach ja und Hertha war ja auch noch!
Vor einem Jahr saß ich unter meiner kalifornischen Nordmanntanne und schrieb meinen Wunschzettel, den ich unserem Bremser Preetz für Weihnachten in die Schuhe schieben wollte.
Und ich hatte ganz konkrete Vorstellungen – so wie das bei einem Wunschzettel sein muss.

Zuerst sollte es natürlich jemand wie ich sein. Kein gutaussehender Mitvierziger (seh ich älter aus?!?), der schon alles gesehen hat und mit jeder Situation perfekt umgehen kann. Nein, ein waschechter Mittelstürmer!
Also habe ich dem „Hohen“, oder wie er nochmal genannt wird, meine Scouting-Ergebnisse notiert – ein polnischer Weltklasse-Mann, der aus einem halben Anspiel zwei Tore macht und für den Jubel dann seine Arme so überkreuzt.

Foto: IMAGO

Dazu brauchten wir einen Staubsauger vor der Abwehr. Einen quirligen, lauf- und zweikampfstarken Spieler, der schon alleine die Gegner defensiv im Griff hat. Einen, der immer ein nettes, unschuldiges Lächeln auf den Lippen hat. Einen französischen Nationalspieler. Die sind schließlich Weltmeister!
Als letztes hatte ich „Uns Michael“ noch meinen „Geheimtipp“ nahegelegt. Ein kleiner Argentinier, Nationalspieler, landläufig als Mega-Talent bekannt. Könnte in Anlehnung an seinen Namen auch als übermenschlich bezeichnet werden.

Na ja, ich denke, es ist klar, wen ich da auf dem Schirm hatte.
Deswegen habe ich dem Micha auch auf seine Nachfrage-SMS gar nicht erst geantwortet.
Und dann ganz große Augen bei mir, als plötzlich die Deals alle fix waren.

Ich musste natürlich gute Miene zum bösen Spiel machen und die Verpflichtungen von Krzysztof Piątek, Lucas Tousart und Santiago Ascacibar als absolute Top-Transfers darstellen. Dabei durfte ich nicht mal mit aufs Foto.

Im Trainingslager habe ich dann auch nochmal von diesen Fans gehört, die sich um ein neues Hertha-Stadion kümmern  wollen. Die stellten das ganze dann als „plumpe Idee“ dar. Seltsame, fast beleidigende Selbstbezeichnung. Ich hätte solch eine Idee ja nach einem ehemaligen eigenen Stadion des Vereins oder so benannt!

Immerhin begann die Rückrunde dann sportlich äußerst erfolgreich, als wir uns mit einer taktisch überaus disziplinierten Leistung beim großen und herrlichen FC Bayern mit einem achtbaren 0:4 aus der Affäre ziehen konnten. Auch das 0:0 und das knappe Ausscheiden im Pokal wenige Tage später gegen die so starken Schalker konnte man mir nicht anlasten. Mir war damals schon klar, dass dieses Schalker Top-Team eine glorreiche Zukunft vor sich haben würde. Und wir hatten sie am Rande einer Niederlage!
Zugegeben – den Tipp mit Pascal Köpke im Sturm hatte mir unser damaliger Torwart-Trainer schon kurz vor dem Jahreswechsel gegeben. Wahnsinn, der Andreas hat einfach ein Auge für Talente.
Zu dem traurigen rassistischen Vorfall in diesem Pokalspiel haben unsere tollen Fans im Hertha BASE Podcast damals und seitdem auch immer wieder schon alles gesagt.

Foto: IMAGO

Als wir eine Woche später im Heimspiel gegen bockstarke Mainzer immerhin ein Tor schießen, aber dem Topstürmer Robin Quaison wieder einmal nichts entgegensetzen konnten, wurde mir die Kritik an meiner Person zu bunt.
Im Schnitt 1,33 Punkte pro Spiel, das soll mir erst mal jemand nachmachen. Selbst der große Otto Rehhagel hat bei Hertha nur durchschnittlich 0,92 Punkte erreicht – und den würde schließlich niemand in Frage stellen! Oder?

Auch der Preetz schien irgendwie ganz anderer Ansicht zu sein als ich und forderte bessere Ergebnisse. Und wo war eigentlich der Arne? Ich hatte ihm doch gesagt: „Arne, du ergreifst jede Möglichkeit, da vorne mit ans Mikro zu treten. Der Preetz, der spürt deinen Atem, Arne, der spürt deinen Atem!“ Aber nichts von dem Arne zu sehen. Und der Lars hatte mir auch schon seit Wochen nicht mehr die Füße geküsst.
So konnte es doch nicht weitergehen!
Also habe ich dem Micha mal ordentlich die Meinung gegeigt. Und der Mannschaft. Und dem Lars – wobei, dem Lars schon ein bisschen früher.
Aber natürlich habe ich nach dem Lars erst meine treuen Fans auf Facebook von meinem Rücktritt unterrichtet. Muss ja auch nicht immer sein, dass der Verein als erstes von einer so wichtigen Personalie erfährt.

Wütend bin ich dann wieder in mein Hotelzimmer chauffiert worden und musste mir auf die Aufregung erstmal einen Beruhigungs-Smoothie andicken. Am nächsten Morgen vor dem Flieger nach Hause noch schnell den Pfand zurückbringen. Am Automaten dann der Schock – die Smoothies werden nicht genommen. Kein Mehrweg. Dann musste ich die Flaschen in die Tonne treten – äh, kloppen.

Apropos für die Tonne – bei unserer Hertha ging es ja nun mit dem ausgetüftelten Spielkonzept meines hochkompetenten Mitarbeiters Alexander Nouri weiter. Was habe ich der Hertha da für ein Goldstück loseisen können. Bei seiner beeindruckenden Vita und mitreißenden Spielweise hat mich ja ernsthaft gewundert, dass der Mann sich auf so ein Himmelfahrtskommando eingelassen hat.

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Nach einem überzeugenden Sieg gegen aufmüpfige Paderborner, kassierte man leider gegen Köln die dritthöchste Heimniederlage der Herthaner Bundesligageschichte. Das muss dann einfach Pech gewesen sein.

Glaubt mir, auch mich hatte das Ergebnis bedrückt, sodass ich es mir eines Abends im netten Ambiente einer Hotel-Bar bequem gemacht hatte. In dieser Nacht kam ich ins Gespräch mit einem wahnsinnig netten Herrn, der mich nach meinem Gefühlsleben ausfragte. Schlussendlich wollte er sogar meine Tagebücher lesen, um sich besser in mich einfühlen zu können. Der Mann verstand mich einfach. Traurigerweise hat er sich danach nie wieder gemeldet. 🙁
Dafür fand ich meine intimsten Seeleneinblicke am nächsten Tag in der Zeitung wieder. Ohje, sowas wollte ich ja wirklich gar nicht!

Und auch für Hertha ging es in Düsseldorf einfach nur unglücklich weiter und man lag schon zur Halbzeit mit 0:3 hinten. Ein Glück kam nach überragend gecoachter zweiter Hälfte ein 3:3 dabei heraus. Hätten nicht Thomas Kraft & Co. die Halbzeitansprache übernommen, sondern den lieben Alex selbst reden lassen, wäre da sicherlich noch mehr bei rumgekommen!

Unverständlicherweise war nach dem sensationellen Punktgewinn gegen die auf Platz 17 liegenden Bremer nach frühem 0:2-Rückstand für den ehrenwerten Alex Schluss auf der Trainerbank. Kein Ehrwert von Preetz, wenn ihr mich fragt.

In der Folge hat dann wohl ein anderer Trainer die Hertha übernommen. Ich habe natürlich weiterhin wahnsinnig mit der Hertha mitgefiebert, die Restsaison aber doch nicht mehr so genau verfolgt.
Und wie ich mich auf die angekündigten Begegnungen in der Stadt gefreut habe. Nur getroffen habe ich dann irgendwie doch keine:n, komisch.

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Nun ja, am Ende dieses langen Jahres sitze ich nun wieder unter der kalifornischen Sonne am Strand und lasse meinen Blick schweifen. Ich habe hier in Kalifornien schnell realisiert, was mir an Berlin auch unterbewusst immer gefehlt hat. Kein Meerwert.
Nichtsdestotrotz wird es im nächsten Jahr sicherlich weiter bergauf gehen.
Wie man hört, hat der Lars ja mit meinem Nachfolger im Aufsichtsrat wieder ein goldenes Händchen bewiesen.

Ich wünsche euch allen eine (blau-)weiße Weihnacht und einen guten Rutsch ins neue Hertha-Jahr.
Bleibt alle vernünftig und gesund!

HaHoHe
Euer Jürgen

Herthaner im Fokus: Bayer Leverkusen – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Bayer Leverkusen – Hertha BSC

Nach der ernüchternden zweiten Hälfte bei der 2:5-Heimpleite gegen Borussia Dortmund galt es für unsere Hertha diesmal beim Drittplatzierten Bayer Leverkusen Wiedergutmachung zu leisten. In einem ereignisarmen Spiel am ersten Adventssonntag blieb wenigstens auch die Defensive fehlerlos, sodass sich Hertha zumindest mal wieder mit einem Punktgewinn in Richtung Derby aufmacht.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner bei diesem 0:0 der schlechteren Sorte.

Herthas Viererkette – Geht doch!

Die Berliner Abwehrreihe um Kapitän Dedryck Boyata bekam trotz verheerender zweiter Hälfte gegen Dortmund wieder das Vertrauen von Trainer Bruno Labbadia, sodass Hertha mit unveränderter Startaufstellung gegen Leverkusen begann.

Und siehe da – es geht doch! Ohne haarsträubende Ein-Mann-Abseitsfallen und dafür mit einer disziplinierten koordinierten Abwehrleistung konnte die Defensivabteilung der Hertha dichtmachen und ließ Leverkusen so nicht gefährlich vors Tor kommen. Auch die schnellen Leverkusener Außenspieler konnten Peter Pekarik und Marvin Plattenhardt keine Probleme bereiten. Etwas Gefahr ergab sich nur aus Fernschüssen und ruhenden Bällen, bei denen mit Alexander Schwolow und der nötigen Prise Glück die Null stehen blieb.

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Und über die Kernkompetenz des Verteidigens hinaus, blitzte auch wenige Male offensive Kreativität auf. So leitete Boyata in der achten Minute eine der wenigen Hertha-Chancen durch Dodi Lukébakio mit einem schönen langen Ball ein, wenngleich diese belgische Koproduktion im Endeffekt auch nur in einem ungefährlichen Schüsschen resultieren sollte.

Auch Omar Alderete versuchte sich im Spielaufbau und spazierte in der 26. Minute in der Manier eines Jordan Torunarigha durch die Leverkusener Offensivabteilung und fasste sich schlussendlich ein Herz, um einen etwas zu motivierten Fernschuss weit über das Tor zu setzen. Da hätte es nach dem ordentlichen Raumgewinn vermutlich eher der Pass zum Mitspieler getan.

Aber auch sonst versuchte Alderete zeitweise schöne Schnittstellenpässe durchs Zentrum zu spielen, was allerdings mit der Zeit parallel zu Herthas Angriffsbemühungen immer mehr abnahm. Ehrlicherweise muss auch gesagt werden, dass der Neuzugang vom FC Basel bei seinen Pässen das ein oder andere Mal mit dem Feuer spielte.

In der 75. Minute schließlich ging es für Alderete mit einer augenscheinlichen Muskelverletzung nicht mehr weiter. Dafür durfte sich der mittlere Dárdai-Sohn Márton seine nächsten Bundesligaminuten abholen – und machte das ordentlich und unaufgeregt. Im Spiel gegen den Ball konnte er noch zwei wichtige Ballgewinne verzeichnen, mit dem Ball ließ er sich von pressenden Leverkusenern nicht aus der Ruhe bringen. Erst in der Nachspielzeit ließ er sich an der rechten Außenbahn etwas übertölpeln und wusste sich nur noch mit einem etwas plumpen Foul zu helfen. Und wie es dann halt immer ist, führte der anschließende Freistoß natürlich direkt zur größten Chance der Partie durch Lars Bender. Aber – auch das wurde überstanden und Márton Dárdai konnte seine ordentliche Leistung mit einem Punktgewinn feiern.

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Insgesamt zeigte sich die Abwehrkette deutlich stabilisiert gegenüber der zweiten Halbzeit gegen Borussia Dortmund. Zur Wahrheit gehört aber ebenso, dass Bayer Leverkusen Herthas Defensive auch nicht vor die ganz großen Prüfungen gestellt hat. Nichtsdestotrotz wurde eine ordentliche Leistung gezeigt, auf der man grundsätzlich aufbauen kann. In der Offensive dürfen gerade die beiden Außenverteidiger gerne etwas mehr Akzente setzen. Klar ist aber, dass gegen ein spielstarkes Leverkusen das Augenmerk auf der Defensive lag und Hertha endlich einmal wieder ohne Gegentor bleiben wollte. Und das ist geglückt.

Zwar muss Bruno Labbadia seine Viererkette mit der neu gefundenen Stabilität im Derby am Freitag voraussichtlich wieder umbauen, sofern Alderete mit einer Muskelverletzung tatsächlich ausfällt. Dann sollte allerdings auch Jordan Torunarigha wieder einsatzbereit sein, der sich mittlerweile wieder im Mannschaftstraining befindet und so die Stammbesetzung in der Innenverteidigung wieder komplettieren könnte. Und das Eigengewächs dürfte für die Partie gegen Union Feuer und Flamme sein. Genau der richtige Zeitpunkt also für ein Comeback. Ob mit oder ohne Jordan – wir sind heiß, Union kann kommen!

Niklas Stark – Auf Nummer sicher

Kennern der Szene mittlerweile als „menschliche Stützräder“ bekannt, steht Niklas Stark für die sichere Nummer in der Defensive und arbeitet als Staubsauger im defensiven Mittelfeld. Gegen Bayer Leverkusen agierte er dabei relativ unauffällig – üblicherweise kein schlechtes Zeichen auf dieser Position.

So konnte er der spielstarken Leverkusener Zentrale immer wieder auf den Füßen stehen und hat diese dadurch nicht zur Entfaltung kommen lassen. Hier und da wurde auch mal ein sinnvolles Foul zur Störung des Spielflusses eingestreut.

Doch so solide der defensive Auftritt Starks geriet, so viel Luft nach oben blieb in seinen offensiven Aktionen. Wenn sich der Nationalspieler in die Offensive einschaltete, missrieten seine Abspiele derart, dass diese im Ansatz gefährlichen Situationen in der ersten Hälfte völlig verpufften.

Auch in der eigenen Hälfte zeigte Stark, dass er sich zurzeit ohne Ball wohler fühlt als mit. Als er in der 32. Minute von zwei Mann unter Druck geriet, konnte er sich nicht befreien, geschweige denn das Leder auf die Tribüne kloppen und ermöglichte Kerem Demirbay so, einen Flatterball auszupacken, den Alexander Schwolow glücklicherweise relativ unproblematisch über die Latte lenkte.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Bezeichnend schließlich eine Szene in der 68. Minute, als Stark zunächst einen Ball nach aufmerksamem Einsteigen gewinnen konnte, im Angesicht des Drucks von zwei Gegenspielern im Umkreis von fünf Metern aber keinen geraden Pass mehr an den Mitspieler brachte und so den Ball direkt wieder verlor.

Auch wenn Niklas Stark es wieder einmal ordentlich gemacht hat, keimt zaghaft der Wunsch auf, die Position vor der Abwehr mit einem etwas spielstärkeren Sechser zu besetzen, der auch die Offensive bereichern kann. Und siehe da, mit Lucas Tousart steht ein passender Spielertyp eigentlich auch schon zur Verfügung. Der Franzose hatte in den ersten Spielen der Saison defensiv weitestgehend überzeugt, aber im Gegensatz zu Stark auch einige sehenswerte Spielverlagerungen an den Mann gebracht. Tousart stand nach einer kleineren Knieverletzung nun zum zweiten Mal wieder im Hertha-Kader, scheint aber noch nicht wieder auf absolutem Top-Niveau angekommen zu sein und blieb so noch einmal 90 Minuten auf der Bank.

Das könnte aber schon im Derby gegen Union Berlin anders sein und eine französische Doppelsechs gemeinsam mit Mattéo Guendouzi dem Spiel unserer Hertha eine neue Note hinzufügen.

Mattéo Guenduozi – Die ordnende Hand

Herthas Arsenal-Leihe lieferte in seinem erst dritten Spiel von Beginn an wieder eine überzeugende Partie ab.

Der Franzose besticht mit einer beeindruckenden Ruhe am Ball. Diese Ballsicherheit auch bei gegnerischem Pressing bringt eine Selbstverständlichkeit ins Zentrum, die zu Saisonbeginn noch schmerzlich vermisst wurde. Zwar wirkt Guendouzi mit seiner demonstrativen Ruhe manchmal geradezu sorglos, blieb dabei gestern aber trotzdem fehlerlos und konnte sich einige Male sehenswert aus Pressingsituationen befreien und offene Räume bespielen. So brachte er gute 83% seiner Pässe zum Mitspieler – zum Vergleich: bei Stark waren es nur 44%, bei Cunha 60%.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Etwas auffällig ist dabei, dass seine raumbringenden Chipbälle das Spiel regelmäßig auf die rechte Seite verlagerten. Das ist aber ganz einfach in Herthas Aufstellung begründet. Der nominelle Offensivspieler für die linke Seite, Matheus Cunha, bewegt sich eher im Bereich der Zehnerposition. Marvin Plattenhardt hielt sich dagegen gestern offensiv extrem zurück und wagte nur seltenst Ausflüge in die Leverkusener Hälfte. So konnte das Spiel über die Außen also nur über die rechte Seite initiiert werden.

Die ordnende Hand von Mattéo Guendouzi tut Hertha extrem gut. Schon jetzt ist er die erhoffte Verstärkung – und kann gemeinsam mit seinen Kollegen sicherlich noch eine Schippe drauflegen. Vielleicht demnächst neben dem spielstarken Abräumer Tousart?

Mit seiner buddhistischen Ruhe am Ball ist Mattéo Guendouzi jedenfalls schon in kürzester Zeit zum Schlüsselspieler in Herthas – Vorsicht – Zen-trale geworden.

Und dann war da noch:

Alexander Schwolow, der in der ersten Halbzeit bei Demirbays Flatterball auf dem Posten war und sich auch von Leon Baileys Versuch nicht übertölpeln ließ. In der zweiten Hälfte bekam er wie auch Lukas Hradecky auf Leverkusener Seite kaum mehr zu tun. Im Zuge eines intensiven Blickduells mit dem Spielgerät wünschte er sich Lars Benders Kopfball erfolgreich um den Pfosten herum und hielt so den Kasten in der Nachspielzeit sauber.

Matheus Cunha, der von Beginn an überhaupt nicht ins Spiel fand. Verzettelte er sich zunächst noch in Dribblings gegen zu viele ihm auf den Füßen stehende Gegenspieler, entschied sich der Brasilianer später auch in seinen anderen Offensiv-Aktionen für zu umständliche Lösungen und die sonst ab und an eingestreuten genialen Momente blieben aus. Ein Zusammenspiel mit den Sturmpartnern Krzysztof Piątek und Dodi Lukébakio fand kaum statt. Wenn sich einmal Räume öffneten, kamen die Pässe Cunhas nicht an. Ein gelinde gesagt durchwachsener Auftritt, der bereits in der 30. Minute mit der gelben Karte noch garniert wurde. Anscheinend haben auch Fußballgötter mal einen schlechten Tag.

Krzysztof Piątek, der wieder einmal sehr unglücklich agierte. Die alte Leier – er bekommt keine Bälle in Abschlusssituationen, allerdings kommt auch sonst im Spiel deutlich zu wenig von ihm.  Immerhin sah das Anlaufen und damit die Arbeit gegen den Ball ganz brauchbar aus. Offensiv war das aber wieder einmal sehr dünn. Bälle festmachen und weiterverteilen wird wohl nicht mehr seine Stärke. Aber auch sein Kombinationsspiel ist zurzeit einfach nicht das Gelbe vom Ei. So konnte er Herthas Spiel in keiner Szene irgendwie weiterhelfen. Der Pole wurde folgerichtig in der 70. Minute gegen Jessic Ngankam ausgetauscht, der ebenfalls viel arbeitete, aber auch kaum in Erscheinung trat. In der Nachspielzeit köpfte er den Ball zum einzigen Berliner Abschluss der zweiten Hälfte etwas zu unplatziert aufs Tor – hätte das Eigengewächs in der Situation durchgelassen, wäre der besser postierte Cunha zum Abschluss gekommen.

Hendrik Herzog, der sich in der Nachspielzeit nach lautstarken Protesten wohl als erster Hertha-Zeugwart in der Vereinsgeschichte den gelben Karton abholte.

[Titelbild: Lars Baron/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – VfB Stuttgart

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – VfB Stuttgart

Nach der lästigen Länderspielpause empfing unsere Hertha den Aufsteiger VfB Stuttgart. Am 20. Todestag des Herthaner Fanbeauftragten Carsten Grab sollte vor 4.000 Zuschauern an die starke Leistung gegen Bayern München angeknüpft und der verpatzte Heimauftakt gegen Eintracht Frankfurt vergessen gemacht werden. Doch gerade die erste Hälfte wirkte wie eine Kopie der Frankfurt-Partie, sodass auch das dritte Spiel im „für Pauline“-Trikot verloren ging.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner bei dieser 0:2-Heimpleite.

Mathew Leckie / Dodi Lukébakio – Pfui und hui

Mit Mathew Leckie auf der linken Außenbahn hatte Bruno Labbadia eine Überraschung in der Startelf aus dem Hut gezaubert. Wurde zuletzt mangels Außenspielern eher auf ein 4-3-1-2 (oder auch 4-4-2 mit Raute) gesetzt, bewegte man sich so wieder in gewohnteren Gefilden und spielte zu Beginn in einem 4-3-3.

Doch der Down Under-Coup von Labbadia schlug fehl. Bereits in der achten Minute ließ sich Mathew Leckie vom Stuttgarter Außenstürmer Tanguy Coulibaly so schlicht düpieren, dass neben dem Herthaner Außenpfosten wohl auch Peter Pekarik angesichts derartiger defensiver Unterstützung auf seiner rechten Seite das Zittern bekam.

In der Folge konnte Leckie weder offensiv noch defensiv auf sich auffällig machen. Insbesondere im letzten gegnerischen Drittel konnte er in keinster Weise sein Tempo einsetzen, anspruchsvolle Passstaffetten waren von ihm ohnehin nicht zu erwarten. Bezeichnend eine Szene in der 35. Minute, als Lucas Tousart mit einem seiner langen, hohen Seitenwechsel Leckie in aussichtsreicher Position fand, dieser aber das Dribbling scheute, abdrehte und die Kugel schlussendlich über Umwege zu Innenverteidiger Boyata schob.

Folgerichtig musste der Australier in der Halbzeitpause in der Kabine bleiben und wurde von Dodi Lukébakio ersetzt. Der Belgier hätte wohl auf der rechten Seite ohnehin die Nase vorn, war aber in den zurückliegenden Wochen mit der belgischen Nationalelf zu drei Länderspielen geflogen, ohne dabei zu seinem Debüt zu kommen.
Mit Dodi Lukebakio auf dem Feld wich Hertha in das defensivere 4-2-3-1 ab. Matheus Cunha zog vom linken Flügel auf die Zehn, während Maxi Mittelstädt aus dem Zentrum verschwand und fortan den linken Mittelfeldspieler gab.

Foto: IMAGO

Und der Belgier brachte direkt mehr Tempo und Zug zum Tor ins Spiel. Im Gegensatz zu Leckie traute er sich ins Eins-gegen-Eins, wenngleich auch das nicht immer zum Erfolg führte. Auch das Anlaufen gestaltete Lukébakio deutlich aggressiver und konnte so in der 53. Minute Gregor Kobel, den Keeper der Stuttgarter, gehörig unter Druck setzen, sodass dieser den Herthaner nur noch anschießen konnte. Von Lukébakio sprang der Ball zu Matheus Cunha, der vielleicht etwas zu überhastet abschloss, sodass Kobel parieren konnte.

In der Folge konnte Lukébakio einige Male über rechts gefährliche Situationen erzeugen. Im Zusammenspiel mit dem eingewechselten Deyovaisio Zeefuik gelangen ihm innerhalb von einer Minute zwei vielversprechende Angriffe, von denen Cunha den zweiten in der 66. Minute aus wenigen Metern unter Bedrängnis nur knapp übers Tor setzte.

Mit dem zweiten Gegentor in der 68. Minute war der Wille der Hertha dann größtenteils gebrochen. Auch die Hereinnahme von Krzysztof Piątek als zweitem Stoßstürmer in einem 4-1-3-2 ab der 78. Minute konnte nicht mehr für Torgefahr sorgen.

Der Schachzug mit Mathew Leckie ging leider nicht auf. Hatte der Australier bei seinem Hertha-Debüt vor drei Jahren noch einen Doppelpack gegen die Schwaben erzielt, blieb er dieses Mal gänzlich ungefährlich. Anders Dodi Lukébakio, der sich in der Offensive auch mal etwas zutraute und mit großen Schritten den Außenverteidiger des VfB anlief. Auch wenn die Dribblings und Hereingaben nicht zu einem Tor führten, war Hertha in der zweiten Halbzeit durch den Belgier deutlich aktiver und gefährlicher.

Wenn Hertha mit Außenstürmern spielt, ist Lukébakio zurzeit die beste Option. Auf der linken Seite hat man mit Javairo Dilrosun einen ähnlichen Spielertypen, der aber leider sehr verletzungsanfällig ist. Alternativ kann auch Matheus Cunha über links für Furore sorgen. Dahinter wird es allerdings etwas dünn.

Dodi Lukébakio jedenfalls scheint sich über rechts doch etwas wohler zu fühlen, als neben Jhon Córdoba oder Krzysztof Piątek als wuseliger zweiter Stürmer im Zentrum. Gerade das ordentliche Zusammenspiel mit Deyovaisio Zeefuik wird Bruno Labbadia bezüglich der Wahl des Systems in den nächsten Spielen ins Grübeln bringen.

Deyovaisio Zeefuik – Mehr Konzentration!

Bereits in der 20. Minute wurde der niederländische U21-Nationalspieler für den verletzten Peter Pekarik eingewechselt und übernahm dessen Position als Rechtsverteidiger.

Dem wuseligen Coulibaly auf Stuttgarter Seite konnte Zeefuik mit seinem Tempo etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Dafür ging in der Offensive in der ersten Hälfte im Zusammenspiel mit Mathew Leckie nichts zusammen.
Das besserte sich nach dem Seitenwechsel, als Zeefuik mit Lukébakio einen aktiveren und wendigeren Mitspieler vor sich fand, der sich immerzu für den Pass auf außen anbot und den Rechtsverteidiger auch mit in seine Vorstöße einband. So führten zwei starke Kombinationen auf Herthas rechter Seite im Ergebnis zu einer guten Chance für Matheus Cunha in der 66. Minute.

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Kurz darauf zeigte Zeefuik aber wieder sein unkonzentriertes Gesicht. In der 68. Minute verursachte er einen völlig unnötigen Ballverlust, den Gonzalo Castro nutzte, um den Ball nach vorne zu treiben. Über einige unglückliche Hertha-Umwege landete der Ball schließlich wieder bei Castro, der aus etwas mehr als 20 Metern den Ball trocken ins untere linke Ecke setzte.
Völlig zurecht ärgerte sich Zeefuik maßlos über seine Unkonzentriertheit, die in eine gute Hertha-Phase hinein im Endeffekt die Entscheidung in diesem Spiel herbeiführte.

Zu allem Überfluss musste der Niederländer in der 78. Minute angeschlagen ausgewechselt werden. Es bleibt zu hoffen, dass Deyovaisio Zeefuik nicht allzu lang ausfällt, insbesondere da mit Peter Pekarik auch ein zweiter etatmäßiger Rechtsverteidiger in Halbzeit eins bereits verletzt vom Feld musste.

Trotz der Unkonzentriertheiten, die sich Zeefuik noch zu häufig erlaubt, schafft er es mit seinem enormen Tempo regelmäßig die gegnerischen Stürmer abzukochen. Auch im Angriff ist er mit seiner Schnelligkeit und seinem Offensivdrang gerade im Zusammenspiel mit Lukébakio eine gute Option. In Hinblick auf das vermutlich eher konterlastige Spiel gegen RaBa Leipzig wie auch deren temporeiche Offensive wäre seine schnelle Genesung umso wünschenswerter.

Matheus Cunha – Einer alleine für Alles

Matheus Cunha wollte seine erstmalige Nominierung für die brasilianische Nationalelf bestätigen und seinen Motivationsschub von der Reise zur Seleção gegen die Stuttgarter auf den Rasen bringen. So setzte er bereits in der zweiten Minute engagiert einem langen Ball bis zur Torauslinie nach und konnte das Spielgerät so im Feld halten, wobei der Angriff in der Folge versandete.

Cunhas Motivation zeigte sich auch in einem recht aggressiven Anlaufverhalten. Der Brasilianer scheute kein Duell und sah in der 15. Minute nach zwei Fouls innerhalb von einer Minute eine überharte Gelbe Karte von Schiedsrichter Harm Osmers, der gerade in der ersten Hälfte eine sehr exklusive Zweikampfauslegung an den Tag legte.

In der ersten Hälfte konnte Cunha über die linke Seite kommend das ein oder andere Mal seinen Gegenspieler aussteigen lassen und in gefährlicher Position zur Hereingabe kommen. Leider blieb er dabei entweder an einem Verteidigerbein oder Keeper Kobel hängen oder fand mit seiner Flanke einfach keinen Mitspieler. Entsprechend zog er in Cunha-Manier auch hin und wieder von der Seite in die Mitte, um einen Pass in die Tiefe oder auf die rechte Seite zu spielen. Dabei fand er mehrmals auch Vladimir Darida auf rechts, der seinerseits aber so gar nichts mit dem Ball anfangen konnte und weder einen Schuss noch eine vernünftige Flanke aus dem Fußgelenk schütteln konnte.

Nach der Pause wurde Cunha von der linken Seite ins Zentrum auf die Zehn beordert, Mittelstädt übernahm dafür die offensive linke Außenbahn. Nun aus dem Zentrum kommend, versuchte Herthas Nummer Zehn in der Offensive den Regisseur zu geben. Wie schon in den Spielen zuvor gelang ihm dies nur mäßig. In der 53. Minute konnte er seine Bewacher abschütteln und Jhon Córdoba in Szene setzen, der sich gegen seine Gegenspieler durchsetzen konnte, den Ball aber knapp neben das Tor schoss.

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Im Zentrum war Cunha immer direkt mit mehreren Gegenspielern konfrontiert. Hat er auf außen meist nur den Außenverteidiger zum Gegner und bei erfolgreichem Dribbling zunächst mal nur Wiese vor sich, stehen ihm in der Mitte ohnehin schon mehrere Verteidiger auf den Füßen. Wenn er nun den ersten oder auch den zweiten mit schnellen Dribblings umgangen hat, wartet meist nur der nächste Abwehrspieler auf ihn und macht ihm den Ball streitig. Cunhas dribblinglastiges Spiel kommt so auf den außen häufig besser zur Geltung, wenn er sich mit Tricks oder Tempowechseln an seinem Gegenspieler vorbeidribbelt und direkt Platz für einen Angriff hat. Im Zentrum fehlt ihm dann häufig die Gesamtübersicht oder auch die Handlungssschnelligkeit, um es mit mehreren Gegenspielern aufzunehmen oder auch das Spiel auf einen freien Mitspieler im Mittelfeld zu verlagern.

Cunhas zentralere Position brachte ihn neben der verdichteten Stuttgarter Zentrale aber auch häufiger in Abschlussposition als noch in Halbzeit eins. In Minute 53 hatte er so die Riesenchance allein knapp vor Keeper Kobel, nachdem dieser von Lukébakio angelaufen und zu einem Pressschlag gezwungen wurde. Auch in der 66. Minute konnte Cunha nach einer Hereingabe von Lukébakio von der Torauslinie beinahe den Anschlusstreffer markieren und zielte den Ball aus der Luft nehmend nur knapp über das Gehäuse.

Als mit dem 0:2 in der 68. Minute der Sack praktisch zu war, schwanden mit Herthas auch Cunhas Angriffsbemühungen zusehends und man ergab sich schließlich dem Schicksal.

Cunhas Stärke ist und bleibt das Eins-gegen-Eins. Wie diese Saison zeigt, kann er diese Waffe in der Zentrale häufig nicht gewinnbringend ausspielen, wenn er es schnell mit zwei oder drei Gegenspielern zu tun hat. Für solche Fälle braucht er Unterstützung aus dem Mittelfeld, um mit Passkombinationen oder Spielverlagerungen auch in der Zentrale etwas Raum zu schaffen. „Den Ball auf Cunha und der macht das schon“ ist eine Taktik, die gegen gut gestaffelte Bundesliga-Teams (nicht mehr) erfolgsversprechend ist. Das fehlende Bindeglied zwischen Defensive und Offensive zeigt sich gerade auch am Beispiel des alleingelassenen Matheus Cunha deutlich.

Jhon Córdoba – Stürmer (27), Kolumbianer sucht … vernünftiges Anspiel

Der kolumbianische Neuzugang durfte wie schon gegen den FC Bayern als Stoßstürmer beginnen und sollte seinen Körper einsetzen, um lange Bälle festzumachen, weiterzuverteilen und generell die gegnerische Abwehr aufzuwühlen.

So konnte er in der ersten Hälfte auch die ein oder andere Kopfballablage bei Cunha platzieren und diesen über die linke Seite auf die Reise schicken. In der 32. Minute zeigte er auch seinen Torinstinkt, als er einen umherflippernden Ball direkt nahm, aber über das Tor schoss.

Ohne wirkliche Idee im Spielaufbau sah sich Hertha meist gezwungen, das Spiel mit langen Bällen zu eröffnen. Dabei wurden allerdings meist die schnellen Außen gesucht, die aber in etwaigen Kopfballduellen regelmäßig den kürzeren zogen. Lange Bälle auf Córdoba waren dabei insgesamt eher die Seltenheit, der Kolumbianer konnte bei diesen undankbaren Anspielen aber auch selten etwas mit dem Ball anfangen oder ihn sichern.

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In der zweiten Halbzeit zeigte die Chance in der 53. Minute dann welches Potenzial Hertha sich mit Córdoba eingekauft hatte. Nach einem Anspiel an die Sechzehner-Kante von Matheus Cunha behauptete sich Córdoba mit dem Rücken zum Tor gegen zwei Abwehrspieler, drehte sich um sich selbst und schloss aufs kurze, linke Ecke ab. Der Ball strich knapp am Tor vorbei, aber die Szene zeigte, zu was Córdoba in der Lage ist, wenn er vernünftige Zuspiele bekommt. Ein Stürmer, der auf körperliche Ebene jedem Verteidiger das Leben schwer macht und auch ohne Probleme in der Lage ist, zwei Abwehrspieler zu binden, schafft Räume für die restlichen Offensivakteure. Gegen Bremen beispielsweise zeigte Jhon Córdoba auch schon, dass er in solchen Situationen auch das Auge für den freien Mitspieler hat.

Der technisch feine Kombinationsspieler mag Córdoba nicht sein, er erweitert Herthas Offensiv-Repertoire aber enorm.

Einzig und allein – auch hier zeigte sich die Kreativlosigkeit, die Herthas Aufbau- und Angriffsspiel prägte. Die vernünftigen Anspiele auf Córdoba ließen sich an einer Hand abzählen – ein Problem, dass auch Krzysztof Piątek nur allzu gut kennt. Aus Herthas Mittelfeld kommen einfach nicht genug Vorstöße. Gegen eine Fünferkette wie die der Stuttgarter reichen drei ordentliche Offensivspieler, die noch nicht allzu eingespielt sind und in Kombination und Rotation noch Steigerungspotenzial haben, einfach nicht aus.

Nichtsdestotrotz zeigt Córdoba, warum man ihn geholt hat. Ein körperlich präsenter Stürmer, der sich in jeden Zweikampf wirft, den Gegner nervt und ihm alles abverlangt. Zur Not kann man ihn auch mal mit einem hohen Ball anspielen, sofern sich dann Abnehmer in seiner Nähe aufhalten.

Jhon Córdoba bereichert Herthas Offensive um eine effektive Facette. Jetzt muss Hertha es nur noch schaffen, seine Qualitäten auch sinnvoll einzusetzen.

Und dann war da noch:

Maxi Mittelstädt, der wie zuletzt häufiger überall auf dem Feld im Einsatz war. In Hälfte Eins begann er noch als linker zentraler Mittelfeldspieler in Herthas 4-3-3, konnte aber kaum kreative Akzente setzen oder raumöffnende Pässe verzeichnen. Nach dem Pausentee übernahm er die gewohntere Position im linken Mittelfeld in einem 4-2-3-1, wo der Verbund Marvin Plattenhardt – Maxi Mittelstädt offensiv aber kein kreatives Feuerwerk zünden konnte und sich Mittelstädt in Flanken verlor, die den ersten Gegenspieler nicht überstanden. Ab der 66. Minute fand sich Herthas Eigengewächs schließlich nach Plattenhardts Auswechslung für den Rest des Spiels auf der Linksverteidiger-Position wieder.
Maxi Mittelstädt lief damit auch im vierten Spiel über die volle Spielzeit auf. Trotz wechselhafter Leistungen ein gewaltiger Schritt nach vorne für den Berliner – Stammspieler.

Eduard Löwen, der Hertha-Rückkehrer, der ab der 78. Minute den angeschlagenen Zeefuik als Rechtsverteidiger ersetzte. Löwen wollte auf dieser ungewohnten Position – konnte aber nicht so richtig und versuchte sich an einigen halbgaren Flanken. Die Spielzug ‚Eduard Löwen auf Gregor Kobel‘, Keeper der Stuttgarter, dürfte aber wohl der häufigste der letzten Minuten gewesen sein.

Unser Mittelfeld, das wie schon in den letzten Spielen erhebliche Kreativitäts- und Spielaufbauprobleme aufzeigte. Nach Arne Maiers Leih-Abgang und dem coronabedingten Ausfall des französischen Neuzugangs Matteo Guendouzi fehlt ein Balltreiber, ein Verbindungsglied zwischen Abwehr und Angriff, ein Initiatior, ein Lenker des Spiels. Vladimir Darida war wie schon gegen Frankfurt mit dieser Rolle sowohl über halbrechts kommend als auch später auf der Zehn überfordert und konnte einige Male in vielversprechender Position die Kugel weder zum Mitspieler noch aufs Tor bringen. Auch Lucas Tousart kam in der ersten Hälfte kaum in die Zweikämpfe, versuchte sich später reinzubeißen und brachte auch einige Male seine präzisen hohen Seitenwechsel in die Spitze auf den Rasen, blieb insgesamt aber doch blass.
Hier liegt zurzeit bei Hertha der Hase im Pfeffer. Möglicherweise finden sich die vielen Neuzugänge in näherer Zukunft besser zusammen und bringen das Hertha-Spiel ins rollen. Die Hoffnungen ruhen dabei aber wohl vor allem auf Arsenal-Leihgabe Guendouzi. Werd schnell fit, Junge!

[Titelbild: IMAGO]