Drei Thesen für Hertha BSC – VfB Stuttgart

Drei Thesen für Hertha BSC – VfB Stuttgart

Das erste „Finale“ hat Hertha für sich entscheiden können. Mit dem knappen 1:0 Erfolg in Augburg verbesserte die „alte Dame“ ihre Ausgangsposition gegenüber der Konkurrenz im Abstiegskampf. Doch am Wochenende wird die Partie wohl noch entscheidender, noch wichtiger. Bevor es für die Elf von Felix Magath nach Bielefeld geht, muss sie zunächst gegen den VfB Stuttgart Zuhause bestehen. Ein „Sechs-Punkte-Spiel“, ein „Abstiegskracher“ – wie auch immer man es nennen möchte: Hertha muss es unbedingt schaffen, im Heimspiel einen Schritt in Richtung Klassenerhalt zu machen.

Bevor es auf dem Platz wieder um alles geht, stellen wir nochmal 3 Thesen zum Spiel Hertha BSC – VfB Stuttgart auf.

Davie Selke steht für Hertha in der Startelf – und trifft nicht

Wenn man ehrlich ist: Herthas Sturm ist aktuell nur bedingt Bundesliga-tauglich. Herthas bester Torschütze Stevan Jovetic (6 Bundesliga-Treffer) ist mal wieder nicht fit und Ishak Belfodil wurde zuletzt aufgrund seiner fehlenden Einsatzbereitschaft vom Cheftrainer aus dem Kader geschmissen. Zwar ist der Algerier bereits zurück im Mannschaftstraining, ob er wieder in die Startelf rotiert, ist allerdings zweifelhaft.

Toller Einsatz aber zu selten erfolgreich – Davie Selke bei seinem Treffer gegen Arminia Bielefeld in der Hinrunde 2021. (Foto: Matthias Kern/Getty Images)

Deshalb wird man wohl erneut Davie Selke in der Sturmspitze sehen. Der großgewachsene Mittelstürmer hat wahrlich keine grandiose Bilanz, ist mit seinen zwei Bundesligatreffern diese Saison nicht gerade eine Tormaschine. Was ihm allerdings ganz sicher nicht fehlt, ist Einsatzbereitschaft, was er auch im Spiel gegen den FC Augsburg unter Beweis stellte. Und genau deshalb wird er wohl wieder seine Chance bekommen. Nur wahrscheinlich wieder ohne Torerfolg. Was auch nicht schlimm ist … solange bei Hertha andere treffen.

Santiago Ascacibar und Lucas Tousart– die Löwen brüllen weiter

Zwei weitere Spieler, die über Einsatzbereitschaft kommen, sind Santiago Ascacibar und Lucas Tousart. Kein Wunder also, dass sie beide aktuell unumstrittene Stammspieler sind. Bisher setzte Felix Magath jedes Spiel auf das Duo. Beide tragen auch den Spitznamen „Löwe“, zumindest nannte so Pal Dardai den französischen Mittelfeldspieler, während bei Ascacibar die argentinischen Wurzeln zu „El León“ führten.

Unter Magath immer zusammen in der Startelf – Santiago Ascacíbar und Lucas Tousart (Foto: John Macdougall/AFP via Getty Images)

Der Turban-Träger vom Augsburg-Spiel wurde zuletzt nicht nur in den Medien für sein entschlossenes Auftreten gelobt, sondern auch vom eigenen Trainerteam. Gegen den Ex-Club sollte der Argentinier besonders motiviert und voller Tatendrang sein. Die gegen Augsburg sehr stabile Zentrale mit Ascacibar und Tousart wird wohl auch am Sonntag wieder zu sehen sein. Es bleibt zu hoffen, dass sie auch im so wichtigen Heimspiel ihrem Ruf als kämpferische Raubtiere gerecht werden.

Stuttgart bleibt im Jahr 2022 sieglos – zumindest Auswärts

Zum Abschluss lehnen wir uns mal weit aus dem Fenster und wagen eine optimistische These: der VfB Stuttgart wird die Auswärts-Sieglos-Serie in 2022 fortführen. Aus den letzten Spielen auf fremdem Platz konnten die Schwaben nur vier Punkte holen (4 Remis, 3 Niederlagen). In Bieleld spielten sie 1:1, in Mainz nur 0:0. In den letzten beiden Partien konnte Stuttgart keinen Treffer erzielen. Zugegeben: Herthas Bilanz sieht nicht viel besser aus. Doch die Berliner holten immerhin aus den letzten vier Spielen zwei Siege und erzielten jedes Mal mindestens einen Treffer.

Überhaupt schoss Hertha in dieser Saison bisher in jedem Heimspiel ein Tor oder mehr. So bleibt die Hoffnung, dass auch am Sonntag die Auswärtsmannschaft keine drei Punkte holt. Ganz klar: ein Sieg gegen Stuttgart wäre für Hertha fast schon der entscheidende Rettungsschlag. Doch auch ein Remis könnte immerhin dafür sorgen, dass die Blau-Weißen in der Tabelle auf dem rettenden Ufer bleibt. Bleibt also nur Punkten. Irgendwie. Und das Tor treffen. Sowieso.

Titelbild: Alexander Hassenstein/Getty Images

Kaderanalyse 2020/21 – Herthas zentrales Mittelfeld

Kaderanalyse 2020/21 – Herthas zentrales Mittelfeld

Endlich ist die Alptraum-Saison 2020/2021 vorbei. Nach einer hochemotionalen Schlussphase gab es doch noch ein „Happy End“ für Hertha BSC. Diese verrückte Spielzeit haben wir sehr ausführlich in unserer Saisonrückblick-Podcastfolge besprochen. Doch jetzt wollen wir uns der Kaderanalyse widmen. Dabei gehen wir nicht nur auf die abgelaufene Saison ein, sondern werfen auch einen Blick nach vorne. Welche Kaderstellen müssen Bobic, Dufner, Friedrich und co. noch dringend bearbeiten? Wo hat man Bedarf, welche Spieler werden wohl den Verein verlassen?

Nachdem wir bereits die Torhüter die Innen– und Außenverteidiger ins Visier genommen haben, widmen wir uns jetzt dem zentralen Mittelfeld

Niklas Stark – über die Sechs zu mehr Sicherheit

Blicken wir zunächst an den Anfang der Saison zurück. Bruno Labbadia hatte die Aufgabe, das Team fußballerisch weiterzuentwickeln. Dazu wählte er häufig eine 4-3-3-Formation mit einem Sechser und zwei Achtern davor, ganz ähnlich zu seiner Amtszeit in Wolfsburg. Eine Schlüsselfigur in diesem System war Niklas Stark, der normalerweise eine Reihe weiter hinten in der Innenverteidigung spielt. Er sollte der Mannschaft Stabilität geben und auch selbst wieder Sicherheit gewinnen. Denn die Vorsaison war für ihn von Verletzungen und schwache Leistungen geprägt. Er sollte als „Abräumer“ vor der Abwehr für eine bessere defensive Stabilität sorgen und seine Vorderleute etwas von ihren Defensivaufgaben entlasten.

hertha zentrales mittelfeld
Foto: IMAGO

Stark machte seine Aufgabe dabei sehr solide und wurde von Spiel zu Spiel etwas sicherer. Er war nicht mehr der Risikofaktor, den er in der vorherigen Saison noch zu oft verkörperte. Robustes Zweikampfverhalten, Kopfballstärke und Ballgewinne brachte er in das Hertha-Mittelfeld. Jedoch konnte man sich auch mit Niklas Stark auf der Sechs nie defensiv stabilisieren. Das lag aber weniger an ihm selbst als an mannschaftstaktischen Nachlässigkeiten. Hinzukommt aber, dass Stark das Spiel mit dem Ball in keiner Weise positiv beeinflussen konnte. Er zeigte sich im Mittelfeld mit dem Ball am Fuß teilweise etwas überfordert. Für diesen Bereich des Spiels ist er schlicht nicht der ideale Spielertyp. So entschied sich Bruno Labbadia zum Ende der Hinrunde dazu, Stark wieder in der Innenverteidigung einzusetzen.

Lucas Tousart – Da muss noch mehr kommen

An den vielen Problemen mit und gegen den Ball in der letzten Saison konnte auch Lucas Tousart, der mit sehr hohen Erwartungen nach Berlin kam, wenig ändern. Seine persönliche Saison lief sicherlich nicht katastrophal schlecht, aber es bleibt das Gefühl, dass er ein absolutes Leistungsniveau, das auch seine hohe Ablösesumme von 25 Millionen Euro rechtfertigen könnte, noch nicht erreicht hat.

Zu Beginn der Saison merkte man ihm noch sehr stark an, dass er sich eingewöhnen musste. Ein neues Land, eine neue Sprache und eine lange Phase ohne Training werden die Gründe für diese Startschwierigkeiten gewesen sein. Nach einiger Zeit wurden die Leistungen dann zwar besser, aber immer noch nicht durchgehend zufriedenstellend.

hertha zentrales mittelfeld
Foto: Andreas Gora/IMAGO

Einsatz und Laufbereitschaft konnte man ihm definitiv nicht absprechen. Auch seine starken Ballgewinne und diagonalen Verlagerungen konnte er immer wieder zeigen. Man hatte auch über bestimmte Phasen das Gefühl, dass er von der Erfahrung, die ein Sami Khedira mitbringt, sehr profitiert. Insgesamt war aber in zu vielen Spielen zu unauffällig, um an dieser Stelle ein positiveres Fazit ziehen zu können. Kann er seine Leistung in der kommenden Saison aber steigern, kann er für Hertha der entscheidende Stabilisator im Mittelfeld werden.

Santiago Ascacibar – Erst außen vor, dann kämpferisch

Ascacibar spielte in der ersten Saisonhälfte überhaupt keine Rolle. 13 der 17 Hinrundenspiele verpasste er verletzungsbedingt, die anderen vier, weil Bruno Labbadia nicht auf ihn setzte. Mit Niklas Stark und Lucas Tousart hatte Labbadia bereits zwei defensivstarke Optionen für das Mittelfeld und so musste sich Ascacibar hintenanstellen.

Zwei entscheidende Faktoren sorgten neben seiner eigenen Fitness und Leistung dafür, dass sich das zur Rückrunde änderte. Der eine war sicherlich, dass Stark nun wieder in der Innenverteidigung gefragt war. Der andere, vermutlich noch wichtigere Punkt für Ascacibar, war die Rückkehr von Pal Dardai.

hertha zentrales mittelfeld
Foto: IMAGO

Dieser versuchte seine Mannschaft schnellstmöglich zu stabilisieren und die Zahl der Gegentore endlich zu senken. Ascacibar passte gut in dieses Anforderungsprofil. Solide bis gute Leistungen konnte er in der Endphase der Saison zeigen. Mit seiner kämpferischen Art und seiner Stärke Bälle zu gewinnen, war er mit dafür verantwortlich, dass man sich dieser Stabilität in der Rückrunde immer mehr annäherte.

Es wird spannend zu sehen sein, wo sich in der kommenden Saison Platz für den Argentinier ergeben wird. In der Rückrunde konnte sich “Santi” durchaus empfehlen, ein bedingungsloser Stammplatz wird dennoch nicht drin sein. Eins ist klar: Ascacibar darf man niemals abschreiben.

Vladimir Darida – dauerhafter Dauerläufer

Vladimir Darida ist und bleibt ein faszinierender, aber auch unterschätzter Spieler. Er ist keiner, der im Alleingang ein Spiel entscheiden kann und drei Tore schießt, aber jemand, der so viele andere Qualitäten mitbringt und sie ziemlich konstant abrufen kann. So war er in der vergangenen Saison einer der Schlüsselspieler und vielleicht der konstanteste Mittelfeldspieler.

In 28 Bundesligaspielen kam er zum Einsatz, häufiger als jeder andere Mittelfeldspieler bei Hertha. Das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, wie intensiv Daridas Spielweise ist. Schaut man auf die gelaufenen Kilometer pro Spiel der vergangenen Saison und berücksichtigt nur Spieler, die auf mindestens 1000 Spielminuten kamen, war Darida der durchschnittlich laufstärkste Spieler der gesamten Liga. 12,88 Kilometer lief er durchschnittlich pro Spiel. Neben seiner sehr fleißigen Spielweise ist Darida aber auch ein überdurchschnittlicher Offensivspieler. In seinen Offensivaktionen ist er aber meist sehr direkt und schnörkellos, sodass das nicht unbedingt auf den ersten Blick auffällt. 6 Vorlagen (Topwert bei Hertha), die zweit meisten Torschussvorlagen und die meisten angekommen Pässe in den Strafraum spielte Darida über die letzte Spielzeit.

hertha zentrales mittelfeld
Foto: Koepsel/Witters/Pool/Witters/IMAGO

Da bleibt eigentlich wenig Raum für Kritik. Zwei Aspekte fehlen ihm aber wohl leider, um absolut unverzichtbar für Hertha zu sein. Einerseits ist das die Torgefahr, die ihm seit seiner Zeit bei Freiburg immer mehr verloren ging. Anderseits konnte auch die Darida nicht der tonangebende Akteur im Mittelfeld sein, den Hertha erst in Sami Khedira fand. Er ist ein Spieler, der mit guter und konstanter Leistung vorangeht, nicht aber durch verbale Führungsstärke. So fehlt ein wenig die Präsenz.

Auch unter Pal Dardai war Darida zuletzt mehr Stammspieler. Das wird in der kommenden Saison vermutlich ähnlich sein. Für die möglichst ruhige Saison, die man anstrebt, könnte Darida genau der passende Spieler sein.

Die Zehner-Position

Auf der Zehn hat Hertha mit Vladimir Darida und Matheus Cunha zwei Spieler, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine dribbelstark, ein guter Distanzschütze und häufig sehr verspielt, der andere mit einem riesigen Aktionsradius, einer unglaublichen Lautstärke und Disziplin sowie einem schnörkellosem, aber effektivem Offensivspiel. Der eine hatte in der vergangenen Saison eine sehr schwankende Formkurve mit vielen Formtiefs, der andere hat stets ein solides. Gemeinsam haben Cunha und Darida aber mit Blick auf die vergangene Saison aber, dass sie beide mehrfach auf den Flügel ausweichen mussten, weil Hertha dort sonst kaum Alternativen hatte. Cunha unterlag diesem Schicksal aber noch etwas häufiger als Darida, der meistens in der Schlussphase auf dem Flügel aushelfen musste.

Foto: IMAGO

Auch damit lässt sich sicherlich Cunhas Formtief in der Saison erklären. Auf dem Flügel kann er seine Stärken weniger gut auf den Platz bringen. Cunha bleibt der herausstechendste Spieler bei Hertha und kann das Spiel aus dem Zentrum noch mehr beeinflussen. Zu oft war Hertha auch von seiner Kreativität abhängig und erhöhte so den Druck auf den 22-Jährigen. Dennoch war Matheus Cunha in der vergangenen Saison mit acht Toren und acht Vorlagen Herthas Topscorer und hat sich so eine Vertragsverlängerung verdient. Sollte man ein entsprechendes Angebot bekommen, würde man Cunha wohl dennoch gehen lassen.

Ziel für die kommende Saison sollte hier sein, Cunha einerseits wieder in Form zu bringen, gleichzeitig aber die Abhängigkeit im Offensivspiel von ihm zu verringern. Keine einfache Aufgabe für Pal Dardai und sein Trainerteam.

Wie ist Hertha für die kommende Saison aufgestellt?

In diesem Sommer werden wohl insgesamt drei Mittelfeldspieler den Verein verlassen. Die Leihe von Matteo Guendouzi endet, Sami Khedira hat seine Karriere beendet und Eduard Löwen hat keine Perspektive bei Hertha. Den Kader verstärken werden hingegen Arne Maier, der nach seiner Leihe zu Bielefeld wohl zur Hertha zurückkehren wird und Suat Serdar, der vom Schalke 04 kommt und Kevin-Prince Boateng. Somit besteht Herthas Mittelfeld-Gerüst für die kommende Saison aus zwei defensivstarken Sechsern (Ascacibar und Tousart), einem torgefährlichen Box-to-box-Spieler (Serdar), einen guten Passgeber (Maier) und einen sehr umtriebigen Achter (Darida). Grundsätzlich ist man damit nicht schlecht aufgestellt und jede Position im zentralen Mittelfeld kann besetzt werden.

Einige Probleme der vergangenen Saison lassen sich auch mit der Kaderstruktur fürs zentrale Mittelfeld zurückführen. Anhand derer lässt sich auch ganz gut einordnen, wie Hertha aktuell für die kommende Saison aufgestellt ist und an welchen Ecken es vielleicht noch fehlt. So fehlte zum Beispiel ein Spieler, der aus dem zentralen Mittelfeld heraus sowohl gefährliche Situationen kreieren kann, aber auch selbst torgefährlich ist. Bei diesem Problem soll in der kommenden Saison Suat Serdar Abhilfe schaffen. Phasenweise konnte er genau diese Qualitäten auch bei Schalke zeigen. Es ist aber gut vorstellbar, dass Serdar zunächst etwas Zeit braucht, um wieder an frühere Leistungen, die ihm auch zum Nationalspieler gemacht haben, anzuknüpfen.

Foto: IMAGO

Noch viel schwerwiegender war aber, dass der Mannschaft auch ein bestimmter Spielertyp fehlte, der eine spielerische Weiterentwicklung deutlich erleichtert hätte. Ein kontrollgebender, sicherer pressingresistenter Passgeber, der das Ballbesitzspiel strukturieren kann, aber auch ein kreatives Element mitbringt. Diese Lücke im Kader könnte Rückkehrer Arne Maier schließen. Er ist jedoch aktuell der einzige Sechser, der durch spielerische Elemente herausragt. Man wünscht ihm, dass er diese Chance endlich richtig nutzen kann und an seine zuletzt guten Leistungen bei der U21-EM und bei Bielefeld anknüpfen kann. Gelingt ihm das unter seinem größten Förderer (Pal Dardai), kann er eine wichtige Rolle spielen. Man kann aber zumindest hinterfragen, ob es vielleicht nicht noch eine spielstarke Alternative bräuchte, falls sich Maier erneut verletzen sollte oder sein Leistungsniveau nicht halten kann. Es fehlt in der breite an guten Passgebern im Mittelfeld.

Außerdem fehlen Führungsspieler im Mittelfeld. Das kann auch in der kommenden Saison ein Problem werden. Sami Khedira ist nicht mehr da und hinterlässt damit vor allem als Persönlichkeit eine Lücke. Ob der 34-Jährige Kevin-Prince Boateng allein für dieses Problem eine gute Lösung sein kann, wird man abwarten müssen. So richtig scheint man diese Aufgabe aber auch aktuell keinem anderen Mittelfeldspieler zuzutrauen.

[Titelbild: IMAGO]

Herthaner im Fokus: VfB Stuttgart – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: VfB Stuttgart – Hertha BSC

So wirklich zufrieden kann Hertha BSC mit dem Punktgewinn beim VfB Stuttgart nicht sein. Wie schon öfters in dieser Saison kamen die Berliner in der ersten Halbzeit nicht in die Partie. Nach einer grausigen Leistung in Halbzeit eins lief man lange einem Rückstand hinterher, bevor der junge Luca Netz doch noch einen Auswärtspunkt sicherte. Wie jede Woche versuchen wir etwas detaillierter auf einzelne Spielerleistungen einzugehen.

Herthas Problem ist jedoch schon länger die Tatsache, dass Individualitäten an sich nichts bedeuten, wenn die Profis sich nicht als Mannschaft verstehen. Auch unter Pal Dardai hat sich eines noch nicht verändert: Hertha BSC ist noch keine Einheit auf dem Platz. In Stuttgart war die erste Halbzeit ein kollektives Versagen. Wir versuchen trotzdem auf individuelle Spielerleistungen einzugehen.

Mannschaftspressing Fehlanzeige – Defensive Standardschwäche

Eigentlich sah es in den ersten Minuten nicht verkehrt aus. Hertha übte in den ersten Momenten des Spiels ein hohes Pressing auf die Stuttgarter Spieler aus, an dem sich alle Blau-Weißen beteiligten. So wurde der Spielaufbau des VfBs schon in deren Hälfte des Feldes gestört, Herthas Profis trauten sich Vorstöße zu und konnten mehrere Bälle erobern.

Doch nach etwa zehn Minuten verschwand dieses Mannschaftspressing von Hertha fast komplett. Von Minute zu Minute wurde die Defensive immer individueller geführt. Nur noch einzelne Spieler pressten die Schwaben und wurden dabei relativ einfach umspielt. Dies führte dazu, dass die Gastgeber immer besser ins Spiel kamen und deutlich dominanter auftraten als die Gäste. Herthas Verteidiger waren zunehmend im Blickpunkt. Peter Pekarik und Maximilian Mittelstädt kamen in der ersten Halbzeit nur zu wenigen Vorstößen, die auch schnell verpufften.

Foto: IMAGO

Herthas Innenverteidigung blieb trotz allem weitestgehend stabil und erlaubte sich nur wenige grobe Fehler. Auffällig war in beiden Halbzeiten, dass der Spielaufbau von Hinten oft von Omar Alderete übernommen wurde. Dieser hatte jedoch große Schwierigkeiten, seine Mitspieler zu finden. Immer wieder musste er lange Bälle schlagen, die nur selten ankamen. Zudem verlor er den Ball gleich zwei Mal in gefährlicher Lage vor dem eigenen Strafraum, was zu Chancen für den VfB führte.

In der wohl schlechtesten Phase, die Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit, war Pal Dardais Team insbesondere defensiv schwach. Defensivstandards wurden außergewöhnlich schlecht verteidigt. Mehrmals standen bei Eckbällen und Freistöße gleich zwei oder sogar drei gegnerische Spieler frei im Strafraum und konnten auf Jarsteins Kasten köpfen. So war es keine große Überraschung mehr, als Sasa Kalajdzic in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit völlig frei zum Flugkopfball kam und traf. Hertha ging mal wieder mit einem Rückstand in die Halbzeitpause.

Steigerung in Halbzeit zwei – Eiskalt eingenetzt

In der zweiten Halbzeit hatte Hertha BSC deutlich mehr Spielanteile. Dadurch wurde auch die Defensive entlastet und Herthas Außenverteidiger konnten etwas mehr Vorstöße riskieren. Vor allem Maximilian Mittelstädt wurde auf seiner linken Seite aktiver. Dieser versuchte einige Vorstöße und schlug einige Flanken. Dabei fehlte erneut die Präzision, sodass er trotz großen Aufwands kaum eine Chance einleiten konnte. Seine Passquote (nur 67 Prozent) war am Ende leider eine der schwächsten auf dem Platz. Auch seine Zweikampfquote war mit 42 Prozent nicht besonders zufriedenstellend. Im Vergleich wies der etwas defensiver agierende Peter Pekarik eine Passquote von 86% auf.

Beide Verteidiger wurden schließlich zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt. Mathew Leckie und Luca Netz kamen in die Partie. Der 17-Jährige krönte sich nach nur drei Minuten zum jüngsten Torschützen der Hertha-Geschichte. Sein etwas glücklicher Treffer zum Punktgewinn kommt dabei nicht allzu überraschend. Schon in seinen ersten Einsätzen für die Profis war er insbesondere durch seine gefährlichen Vorstöße aufgefallen.

(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Obwohl der junge Berliner noch am Anfang seiner Entwicklung steht, wird ihn sein erstes Bundesligator sicherlich beflügeln. Seine Sorglosigkeit tat jedenfalls seiner Mannschaft in der Schlussphase gut und sorgte dafür, dass die „alte Dame“ nicht erneut mit leeren Händen nach Hause fliegen musste.

Hört auch im Hertha Base Podcast rein: in der aktuellen Folge besprechen wir das Auswärtsspiel in Stuttgart!

Khediras Einwechslung bringt neuen Schwung

Ausschlaggebend dafür war auch ein gewisser Sami Khedira. Der 33-Jährige schlug die Vorlage für seinen fast doppelt so jungen Mitspieler. Erst in der 58. Minute wurde er für Santiago Ascacibar eingewechselt. Der Südamerikaner zeigte sich wie schon gegen Eintracht Frankfurt und FC Bayern München bissig und fleißig.

Foto: Matthias Hangst/Getty Images

Allerdings ging er genauso wie seine Mitspieler in der ersten Halbzeit komplett unter. Ascacibar gewann nur wenige Zweikämpfe (Zweikampfquote 29 Prozent) und stand oft nicht richtig. Außerdem erlaubte er sich Foulspiele in Strafraumnähe, die zu gefährlichen Freistöße für seinen Ex-Klub führten. Auch Matteo Guendouzi hatte große Schwierigkeiten, auf der offensiven zentralen Mittelfeldposition für Aufsehen zu sorgen. Das tat der Franzose vielmehr im negativen Sinne, da er sich einige schmerzhafte Ballverluste erlaubte.

Die Einwechslung von Sami Khedira brachte sofort eine spürbare Dominanz und Ruhe zurück in das zentrale Mittelfeld. Der Weltmeister hatte fast genauso viele Ballaktionen wie Ascacibar (mit weniger Spielzeit) und zeigte sich dafür zweikampfstark und passgenau. Einige Bälle des VfBs konnte er abfangen. Seine fehlende Spritzigkeit und Geschwindigkeit machte er mit gutem Stellungsspiel wieder wett. Hinzu kommt seine so wichtige, aber auch etwas zufällige Torvorlage für Netz.

Herthas Suche nach der Achse

Außerdem gab er Lucas Tousart (von Sky-Kommentatoren neuerdings “Nicolas Toussart” getauft) mehr Sicherheit. Der Franzose war bis dahin im Vergleich zu seinen Mitspielern im zentralen Mittelfeld einer der aktivsten. Er führte viele Zweikämpfe und unterbrach einige Angriffe der Schwaben.

Er steigerte sich aber nach der Einwechslung von Khedira nochmal spürbar und konnte mehr Akzente nach vorne setzen. In der Schlussphase (85.) beispielsweise, als er einen Konter mit einleitete und Nemanja Radonjic in die Spitze schicken konnte. Am Ende war er mit 12,87 gelaufene Kilometer auch der laufstärkste Spieler auf dem Platz.

Herthas Achse steht also weiterhin nicht fest. Lucas Tousart dürfte wohl nach zuletzt drei guten Auftritten in Folge gesetzt sein. Matteo Guendouzi strahlte hingegen zuletzt weniger Frische und Spielwitz als noch vor einigen Monaten aus. Die neue Rolle von Sami Khedira könnte da ein wichtiger Faktor werden. Dessen Präsenz scheint seine Mitspieler zu beflügeln und zumindest ein wenig Ruhe in das Chaos zu bringen. Die nächsten Wochen werden zeigen, wer sich im zentralen Mittelfeld endgültig durchsetzen kann. Dardai muss mal wieder Lego spielen.

Matheus Cunha – Weiter glücklos

Endgültig durchgesetzt hat sich Matheus Cunha bei Hertha schon lange. Doch der wohl gefährlichste Spieler in den Berliner Reihen wartet mittlerweile schon seit November 2020 auf einen eigenen Treffer. Nachdem er kurz vor Ende der Partie gegen Bayern schon eine Riesenmöglichkeit vergeben hatte, bekam er auch in Stuttgart einige Möglichkeiten. Viele dieser Möglichkeiten leitete er selbst ein.

Der Brasilianer war erneut ein Aktivposten, war für seine Gegenspieler nur sehr schwer zu halten und zeigte sich auch im Pressing und in Defensivzweikämpfen sehr fleißig. Er gewann die meisten Berliner Zweikämpfe (22) und war erneut mit Abstand der Spieler auf dem Platz mit den meisten erfolgreichen Dribblings (8). Was bei ihm erneut fehlte, war der Glück im Abschluss.

(Photo by RALPH ORLOWSKI/POOL/AFP via Getty Images)

Lob gab es diese Woche dafür vom neuen Mitspieler Sami Khedira: „Matheus Cunha ist ein unfassbarer Fußballer“. Doch gerade im Abstiegskampf wird seine Qualität auch zu Toren führen müssen. Die Enttäuschung über die vergebenen Chancen war Matheus Cunha immer wieder anzumerken. Gegen den Ex-Club Leipzig bekommt der 21-Jährige die nächste Chance, die Durststrecke zu beenden.

Nemanja Radonjic – noch kein Durchbruch

Ebenfalls enttäuscht von der eigenen Leistung dürfte Nemanja Radonjic sein. Der Neuzugang war wie schon im ersten Einsatz gegen Bayern in einigen Szenen zu sehen. Dass Geschwindigkeit allein nicht zum Erfolg führt, ist selbstverständlich. Warum der junge Flügelstürmer allerdings auf seine stärkste Waffe im entscheidenden Moment verzichtete, bleibt ein Rätsel. Gleich zwei Mal lief der Serbe gegen Stuttgart mit dem Tempo eines Windhundes seinen Gegenspielern davon, beide Male stoppte er jedoch völlig unerklärlich ab und ging ins Dribbling.

Somit gab er seinen Vorsprung freiwillig auf und schaffte sich unnötige Hindernisse. Dazu verstolperte er mehrere Bälle und war mitverantwortlich dafür, dass Herthas Angriffe in der Schlussphase zu oft nicht zu Ende gebracht wurden. Womöglich bremste ihn auch eine leichte Verletzung. Über die vergebenen Chancen dürfte er sich trotzdem tierisch ärgern.

Lukebakio mehr Flamingo als Känguru

Wer „tierisch“ liest, musste diese Woche schnell an Pal Dardai denken. Dieser gab in der Pressekonferenz einen kleinen Exkurs über Kängurus und erklärte, welche Gemeinsamkeiten dieses Tier mit Dodi Lukebakio hat. Ähnlich wie ein rotes Känguru also, soll Dodi Lukebakio sein. Da müssen wir ihm leider widersprechen. Auch wir bei Hertha BASE sind nämlich echte Tierexperten.

Kängurus sind kräftige Tiere, die sich nur schwer aus dem Gleichgewicht bringen lassen und zum Teil auch durch ihre Körpergröße bedrohlich wirken können. Was die Physis angeht, ähnelt Dodi Lukebakio in der Tierwelt vielleicht eher dem Flamingo, der mit einem Fuß sein ganzes Körpergewicht hält. Ein solches kann man durch einen kleinen Schubser schon aus dem Weg räumen. Wie auch in so vielen Partien in dieser Spielzeit konnte sich der Belgier nämlich körperlich nie gegen seine Gegenspieler durchsetzen.

Foto: IMAGO

Die vom Cheftrainer gelobte Geschwindigkeit des Angreifers konnte dieser ebenfalls nur selten unter Beweis stellen. Zu oft stand am Ende eines Vorstoßes nur ein einfacher Ballverlust. Zu oft war schnell die Enttäuschung in seinem Gesicht zu lesen. Allgemein war die Körpersprache von Dodi Lukebakio wieder alles andere als inspirierend. Seine Mitspieler wird er damit sicher nicht mitreißen können. Ob Flamingo oder Känguru: der belgische Nationalspieler spielt bisher eine höchst enttäuschende Saison.

Alligatoren oder Schafe und Lämmer – Hertha braucht einen Leitwolf

Lukebakio ist nicht der Einzige, der bisher in dieser Saison seine Charakterstärke vermissen lässt. Pal Dardai muss nicht wie befürchtet „20 Alligatoren“ managen, doch eine Mannschaft voller Schafe und Lämmer möchte ein Trainer sicherlich auch nicht haben. Momentan ist die blau-weiße Truppe noch ein bunter Haufen völlig unterschiedlicher Spieler und Charakter, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Die fehlende Kohäsion der Spieler untereinander war in der ersten Halbzeit gegen Stuttgart stark zu spüren. Dabei sah das Team weniger nach einer hungrigen Wolfsmeute und eher wie die Arche Noah aus.

Vielleicht kann ein Alpha-Tier, ein Leitwolf diese Meute doch noch vereinen. Die Hoffnung auf eine zufriedenstellende Saison ist nach den letzten Ergebnissen jedenfalls verschwunden. Jetzt bleibt noch die Hoffnung, den kompletten Absturz zu verhindern. Dafür wird die „alte Dame“ auch im schweren Programm der nächsten Wochen punkten müssen.

*Titelbild: IMAGO

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Viktoria Köln

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Viktoria Köln

Es geht wieder los. Endlich! Endlich? Die Aussicht auf weitere Bundesligaspiele vor leeren Rängen lässt anders als in bisherigen Sommerpausen nicht unbedingt das Wasser im Munde zusammenlaufen, doch die Welt dreht sich weiter und König Fußball regiert noch immer. So stand am Freitagnachmittag auch für unsere Hertha in Vorbereitung auf die Saison 2020/21 das erste (externe) Testspiel an. Gegner im Amateurstadion war die Viktoria aus Köln.

Und wie immer heißt Vorbereitung und Transferphase auch neue und altbekannte Gesichter auf dem Platz begrüßen – einige haben wir für euch bei diesem Damenduell in den Fokus genommen.

Deyovaisio Zeefuik – Die Lösung auf rechts?

Der niederländische Rechtsverteidiger kam in der Sommerpause nach längerem Hickhack vom FC Groningen und soll die bisherige Schwachstelle in der Viererkette beheben. Und nach zaghaften Anfangsminuten zeigte „Deyo“ auch wofür man ihn geholt hat. Im Zusammenspiel mit Dodi Lukébakio schaltete sich der Abwehrmann mehrmals mit in die Offensive ein und konnte mit seiner Schnelligkeit den Kölner Linksverteidiger vor Probleme stellen.

Foto: IMAGO

Zwar fehlte ihm bei seinem Flankenversuch in der 15. Minute noch ein wenig die Übersicht, doch schon in Minute 29 wurde es nach einem Doppelpass mit Lukébakio gefährlich bis ihn schlussendlich ein eigener Stolperer stoppte. Zwei Zeigerumdrehungen später war der Niederländer schon wieder am rechten Kölner Strafraumeck unterwegs und brachte mit einem schönen Pass in den Rückraum Krzysztof Piątek in Position, der sich aber ein wenig festlief. Schnurstracks nahm sich „Deyo“ selbst der Sache an, setzte nach und konnte die Chance am Leben erhalten, wenngleich Piąteks anschließende Flanke auf Jessic Ngankam zu ungenau kam.

Vor defensive Aufgaben wurde Zeefuik zu keiner Zeit gestellt, da werden naturgemäß ganz andere Kaliber auf ihn zukommen. Aber die angekündigten Offensivläufe, die Hertha in der letzten Post-Lazaro-Saison so vermisst hat, blitzten schon jetzt immer wieder auf und wurden im Laufe der Halbzeit immer koordinierter und vielversprechender. Trainer Bruno Labbadia war mit seinem neuen Rechtsverteidiger durchaus zufrieden, monierte aber das Zusammenspiel mit Lukébakio: “Das lag aber zum Teil auch an Dodi, weil er sich nicht gut bewegt und zu wenige Räume aufgemacht hat. Hinten hat Deyo seinen Laden im Griff, das Spiel nach vorn müssen wir entwickeln.”

Der Mann hat jedenfalls Lust auf Ausflüge und dabei reden wir nicht vom Sonntagspicknick. Es wird spannend, wie er sich in den nächsten Wochen und in der Bundesliga präsentieren kann.

Ondrej Duda – Neuer Trainer, Altes Glück?

Nach der starken Vorsaison kam Ondrej Duda in der Spielzeit 2019/20 nicht mehr wirklich zum Zug und „floh“ im Winter vor Renovator Klinsmann, der bei seiner „Fußballidee“ keine Verwendung mehr für den Slowaken fand, zum englischen Abstiegskandidaten Norwich City. Nachdem Norwich schließlich auch rechnerisch sicher den Gang in die englische Zweitklassigkeit antreten musste, kam Duda vorzeitig von der Leihe zurück, um rechtzeitig mit Hertha in die Vorbereitung zu starten und sich unter dem für ihn neuen Trainer Labbadia präsentieren zu können.

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Und so durfte er in der zweiten Halbzeit im 4-2-3-1 die Zehnerposition übernehmen und war dabei einer der auffälligsten Spieler. Anders als seine Kollegen in Halbzeit eins suchte er auch mal vor dem Sechzehner den Abschluss und war dabei in bester Duda-Manier in Minute 55 nach einem kleinen Haken und in der 83. Minute mit einem Volley nach abgewehrter Flanke äußerst gefährlich.

Auch sonst war der 25-Jährige überall präsent, holte sich Bälle wahlweise zwischen den Innenverteidigern oder auf der Linksaußen-Position ab und suchte immer wieder schnell den Weg in die Spitze, was in der 77. Minute mit dem Hackenpass auf Javairo Dilrosun im Strafraum fast zum Erfolg führte. Dessen Hackenverlängerung auf Daishawn Redan versiegte aber irgendwo in den Kölner Abwehrbeinen. Auch bei Duda sah Labbadia noch Verbesserungsbedarf – “Ondrej muss noch ein Stück präsenter werden und das Spiel im vorderen Drittel noch mehr leiten – und noch mehr Tempowechsel drin haben” – allerdings verbuchen wir das mal unter den Motivationstricks.

Denn insgesamt hinterließ Duda einen sehr ordentlichen Eindruck und zeigte sich in passabler Frühform. Es bleibt zu hoffen, dass Labbadia anders als Klinsmann Verwendung für den Hertha-Topscorer 2018/19 findet und Duda sich weiter mit Lust und Laune dem Konkurrenzkampf um die offensiven Positionen stellt. Vielleicht lässt sich ja einer der Teamkollegen dazu bewegen, Duda für zehn geschossene Tore eine frische Rolex in Aussicht zu stellen.

Arne Maier – Jetzt oder Nie

Herthas Top-Talent, das im Winter noch überraschend mit Wechselabsichten in die Schlagzeilen geriet und in der Rückrunde nach längerer Verletzungspause nicht so richtig in Tritt kam, durfte sich in der Startelf an der Seite von Santiago Ascacíbar als offensiver Part der Doppelsechs beweisen.

Im Wechsel mit dem Argentinier schob Arne Maier bei Spielaufbau des Drittligisten aus dem 4-2-3-1 vor bis auf den gegnerischen Sechser, um diesen ordentlich unter Druck zu setzen, sodass Hertha im Pressing teilweise im 4-1-4-1 auf die Kölner Defensivreihen zukam. Schon früh versuchte Maier das Spiel an sich zu reißen, forderte einige Pässe, war ruhig und souverän am Ball und spielte mehrere sehenswerte Seitenverlagerungen in die Spitze, wie in der 14. Minute, als sein gut getimter Ball von Torunarigha nicht gut kontrolliert werden konnte und so die Kölner Abwehr genügend Zeit zum Formieren bekam. Auch später blieb auffällig, dass Ascacíbar und Maier sich sowohl im Pressing als auch im eigenen Spielaufbau häufig abwechselten, wobei dem Herthaner Eigengewächs dabei die „spektakuläreren“, raumbringenderen Pässe überlassen blieben.

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Grundsätzlich funktionierte die Absprache und das Zusammenspiel auf der Doppelsechs ordentlich, Köln geriet aber durch die beiden nicht wirklich unter Druck, was vielmehr aber auch damit zusammenhängen mag, dass Matheus Cunha auf der 10 bis zur 40. Minute einen schwachen Auftritt hinlegte und sowohl offensiv als auch defensiv kaum etwas zustande brachte.

Arne Maier hingegen arbeitet sich so langsam aber sicher wieder an seine Form heran, die ihn vor seiner Verletzung im Frühling 2019 zum Stammspieler bei Hertha machte. Die Verantwortlichen um Michael Preetz, Arne Friedrich und Labbadia scheinen ihm aufgezeigt zu haben, mit ihm weiter geduldig auf seine Topform hinarbeiten zu wollen und in ihm noch immer ein wichtiges Puzzleteil für Herthas Zukunft zu sehen. Zumindest sind keine neuen Abwanderungsgedanken publik geworden, die anderes vermuten lassen.

Nichtsdestotrotz steht Maier vor einer wichtigen Saison. Es liegt an ihm, trotz seines noch jungen Alters jetzt den nächsten Schritt zu gehen und den Talent-Status abzustreifen, um sich bei Hertha zu etablieren und vielleicht auch für größere Vereine interessant zu machen, wie es sein Karriereplan wohl vorsieht. Sofern er verletzungsfrei bleibt, könnte er trotz der großen Konkurrenz im Mittelfeld und den Transfergerüchten um einen weiteren zentralen Mittelfeldspieler genau diesen Schritt gehen und dem Spiel der Hertha neben einem defensiveren Abräumer wie Ascacíbar oder Lucas Tousart offensiv seinen Stempel aufdrücken.

Mit Labbadia hat Arne Maier einen selbsterklärten Förderer der Jugend an der Seitenlinie. Die oft zitierte Tür steht also auf – und Maier muss durch – jetzt oder vielleicht nie.

Und dann war da noch:

Dodi Lukébakio, der mit seinen Dribblings in Halbzeit eins für die meisten der wenigen kreativen Offensivmomente im letzten gegnerischen Drittel sorgte. Das Zusammenspiel mit Neuzugang Zeefuik hakte noch hier und da, dieses Duo sollte man aber aufgrund der immensen Dynamik im Auge behalten. In der 41. Minute drosch er die Kugel nach Vorarbeit von Cunha frei vor Mielitz zum 1:0 ins kurze Eck.

Matheus Cunha, der mit seiner ersten gelungenen Aktion direkt das Tor von Lukebakio vorbereitete. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte traf er dann nach Vorlage von Piątek beinahe selbst. Insgesamt dieses Mal trotzdem weniger Genie als Wahnsinn.

Alexander Schwolow, der mit einer nahezu 100 %-igen Passquote bestach. Seine Torwarthandschuhe hätte er für den Einsatz aber zuhause lassen können.

Daishawn Redan, der stets bemühte Stürmer, der sich in der 79. Spielminute nach starkem Labbadiola’schem Pressingballgewinn durch Dilrosun über die Zwischenstation Leckie mit dem 2:0-Schlusstreffer in die Torschützenliste eintragen durfte.

Lucas Tousart, der dritte „Leihrückkehrer“, der defensiv kaum gefordert wurde, offensiv mit einigen Seitenwechseln seine Übersicht bewies und sich kaum anmerken ließ, dass er zurzeit vielleicht doch lieber gegen Juve und ManCity spielen würde. Ein ordentlicher Ersteindruck, auch aufgrund des Faktes, dass der Franzose zuvor vier Monate nicht mehr Fußball gespielt hatte. Sein erwachsenes Spiel und der Drang, auch mal in den gegnerischen Strafraum zu stürmen, gefielen.

[Titelbild: IMAGO]

Kaderanalyse 2019/2020 – Herthas Mittelfeld

Kaderanalyse 2019/2020 – Herthas Mittelfeld

„Wenn du ein gutes Mittelfeld hast, hast du ein gutes Team“, sagte einmal Casemiro, Mittelfeldspieler bei Real Madrid. Er muss es wissen, denn Real Madrid ist zuletzt erneut spanischer Meister geworden. Eigentlich wissen das auch die meisten, die sich mit Fußball länger befassen, denn insbesondere das zentrale Mittefeld ist das Herzstück einer Fußballmannschaft. Im nächsten Teil unserer Artikelserie geht es genau darum. Wie verlief die Saison für Herthas zentrale Mittelfeldspieler? Wie ist der Stand aktuell und wo ist noch Bedarf?

Mehrere Spieler im Mittelfeld sorgten bei der „alten Dame“ in der vergangenen Saison für Gesprächsstoff. Ob Marko Grujic mit blauem Auge zum Saisonstart, der Abgang von Eduard Löwen nach nur sechs Monaten in Berlin, die Rückkehr in Topform von Vladimir Darida oder auch der Abschied von Per Skjelbred: es war einiges los im „Herzstück“ der Hertha-Mannschaft. Da Mittelfeldspieler ganz besonders im Zusammenhang mit Ihren Mitspielern zu bewerten sind, wollen wir dieses Mal zunächst chronologisch vorgehen.

Saisonstart mit Grujic, Duda und Löwen

Erst Jubel, dann Schmerz beim Treffer von Marko Grujic. (Foto: Daniel Kopatsch/Bongarts/Getty Images)

Die älteren unter uns werden sich erinnern – denn dieser Saisonstart gegen den FC Bayern München ist gefühlt bereits 50 Jahre her. Marko Grujic krönte gegen den Rekordmeister während der Saisoneröffnung eine gute Leistung mit einem Tor. Im Adrenalinschub bemerkte er erst beim Jubeln, dass es ihn im Zweikampf mit Weltmeister Benjamin Pavard am Auge erwischt hatte und er ein blaues Auge davontragen würde.

Im Kader mit dabei waren in München übrigens Eduard Löwen und Sidney Friede. Beide spielten in dieser Hinrunde jedoch kaum bis gar keine Rolle und verließen die „alte Dame“ im Winter. In der Startelf stand dafür Ondrej Duda. Der Slowake fand nach einer überragenden Spielzeit 2018/19 allerdings nicht richtig zu seiner Form, profitierte sicherlich auch nicht vom Trainerwechsel. In den ersten fünf Partien (nur vier Punkte) spielte er von Beginn an, wurde beim ersten Saisonsieg gegen den SC Paderborn dann zur Halbzeit ausgewechselt.

Es folgten nur noch knapp 90 Minuten Einsatzzeit bevor er unter Jürgen Klinsmann nicht mal mehr im Kader stand. Er wurde im Winter zu Norwich City ausgeliehen, wo er jedoch nach dem „Re-Start“ nicht mehr erste Wahl war. Seine Zeit in der Premier League verlief zusammengefasst eher unglücklich, sein Verein musste absteigen und er selbst blieb ohne Erfolg (null Tore, null Vorlagen).

Skjelbreds Rückkehr, Grujic ohne Konstanz

Per Skjelbred war nicht als Stammspieler erwartet, meldete sich aber eindrucksvoll zurück. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Während Hertha unter Ante Covic zu Saisonbeginn vor sich hinkriselte, arbeitete sich nach den ersten zwei Niederlagen ein Spieler zurück in die Startelf, der im Sommer schon fast abgeschrieben wurde. Per Skjelbred stand am vierten Spieltag wieder in der Startelf und spielte eine wichtige Rolle im Laufe der Saison. Dabei übernahm er die defensive Rolle im zentralen Mittelfeld neben Marko Grujic. Die Offensivere Position davor gab Duda an Vladimir Darida ab. Der Tscheche wurde daraufhin eine der wenigen Konstanten im Spiel der „alten Dame“.

Anders verlief es für Marko Grujic. Dieser bekam zwar regelmäßig seine Einsätze, konnte allerdings nicht konstant seine Leistung abrufen. Teilweise blitze seine Qualitäten auf, wie beispielweise im Spiel gegen die Eintracht aus Frankfurt (2:2, ein Tor, eine Vorlage), in vielen anderen Spielen allerdings fiel er durch zu langsames Agieren, Foulspiele und Unkonzentriertheiten auf, die mitunter auch zu Gegentreffern führten. Die chaotische Zeit unter und nach Jürgen Klinsmann brachte auch beim Serben viel Unsicherheit. Die ständigen Wechsel in der Zentrale (mal spielte Skjelbred, mal Darida neben Grujic) halfen dabei sicherlich auch nicht.

Im Winter kam Klinsmanns Wunschspieler Santiago Ascacibar vom VfB Stuttgart und übernahm für die letzten Partien seines Trainers die Position des klassischen Sechsers. Der Argentinier kam in einer denkbar ungünstigen Zeit an, in welcher der Hauptstadtclub immer mehr im Chaos versank. Nach dem „Re-Start“ zog sich der 23-Jährige eine schwere Fußprellung und fiel für die restlichen Spiele aus. Allerdings muss man dem “Giftzwerg” zugute halten, dass er seine Aufgabe in den wenigen Spielen zufriedenstellend erledigte und noch zu den positiven Erscheinungen der Mannschaft gehörte.

Neues Selbstvertrauen im Mittelfeld unter Bruno Labbadia

Vladimir Darida für Labbadia nicht wegzudenken. (Foto: Lars Baron/Getty Images)

Als es dann wieder mit der Bundesliga losging und Hertha BSC unter Bruno Labbadia eindrucksvoll nach nur wenigen Spielen den Klassenerhalt sicher machte, glänzte ein Spieler ganz besonders. Die „Lunge der Liga“ Vladimir Darida sammelte nicht nur Rekorde durch seine Laufleistungen, er überzeugte auch spielerisch und gab der gesamten Mannschaft Sicherheit.  Dabei übernahm er erneut den etwas offensiveren Part zwischen „klassischer Zehn“ und „Achter“. Es war zu spüren, dass der 29-Jährige dann besonders stark ist, wenn er im System mit drei zentralen Mittelfeldspielern den offensiveren Part übernehmen kann. Auch das Pressing unter Bruno Labbadia passt perfekt zum Mittelfeld-Allrounder. Insgesamt konnte er drei Treffer erzielen und fünf weitere vorlegen.

Dabei unterstützt wurde er von einem wieder erstarkten Marko Grujic, der sich zu Saisonende nochmal spürbar verbessert zeigte. Auch Per Skjelbred zeigte starke Leistungen, bevor er aufgrund einer Verletzung ausfiel und erst in der letzten Partie einen Kurzeinsatz zum Abschied bekam. Arne Maier fiel fast die gesamte Hinrunde wegen einer Knieverletzung aus, kam aber trotz einer für ihn eher unrühmlichen Transferperiode in der Rückrunde zu vier Startelf- und acht Kurzeinsätzen. Niklas Stark musste auf der „Sechs“ für kurze Zeit aushelfen und sogar Lazar Samardzic feierte sein Debüt.

Die Saison fand also auch im zentralen Mittelfeld ein versöhnliches Ende, brachte aber auch für die Sommerpause viele Fragen mit sich, angesichts der vielen anstehenden Wechsel. Von den im Laufe unseres Rückblicks genannten Spielern sind einige keine Option mehr für die nächste Saison: Eduard Löwen, Per Skjelbred und Sidney Friede sind definitiv nicht mehr im Kader. Auch Marko Grujic ist nach Liverpool zurückgekehrt. Es steht noch nicht fest, ob ihn Hertha erneut für eine Saison an die Spree locken kann, oder ihn womöglich sogar fest verpflichtet. Was bleiben bei Hertha also für Optionen?

Offensive Optionen im Zentralen Mittelfeld

Dudas Rückkehr mit Fragezeichen. (Foto: Tim Keeton/Pool/AFP via Getty Images)

Mit Vladimir Darida wird glücklicherweise aus Hertha-Sicht weiter zu rechnen sein. Derzeit sollen die Verantwortlichen ein Angebot zur frühzeitigen Verlängerung für den Tschechen erarbeiten, dessen Vertrag aktuell noch bis 2021 läuft. Ein Verbleib ist also hochwahrscheinlich, Cheftrainer Labbadia stellte bereits klar, dass er auf den Laufstarken Spieler setzt. Die Blau-Weißen haben also mit ihm eine sehr gute Option für alle zentralen Positionen, wobei er insbesondere als offensiverer „Achter“ glänzen könnte.

Eine weitere Option für das offensive zentrale Mittelfeld wird der Rückkehrer Ondrej Duda sein. Dieser bleibt aber ein großes Fragezeichen, da er sich zunächst im Labbadia-System zurechtfinden muss. Da er bisher nur in einer Saison bei Hertha BSC so richtig einschlagen konnte, ist es schwierig ihn als „sichere“ Lösung anzusehen. Winterneuzugang und neuer Publikumsliebling Matheus Cunha ist als Offensiv-Allrounder zwar grundsätzlich auch als „Zehner“ denkbar. Im System unter Bruno Labbadia ist er jedoch eher als hängende Spitze oder frei in der Offensive gesetzt worden. Den Brasilianer besprechen wir in unserer Artikelserie, wenn wir bei Herthas Sturm angelangen.

Schließlich könnte auch der junge Lazar Samardzic in der neuen Saison eine Chance bekommen, sich zu zeigen. Der 18-Jährige machte sein Bundesligadebüt im Derby gegen Union Berlin (4:0) und bekam zwei weitere Kurzeinsätze. Der gebürtige Berliner gilt als Riesentalent, trat jedoch zuletzt für Hertha Fans eher negativ in Erscheinung: angeblich wolle er oder seine Berater einen Wechsel im Sommer forcieren. Sollte er jedoch bleiben, wäre sein Profil besonders interessant, da er auf seiner Position momentan nicht die größte Konkurrenz hat.

Maiers Rückkehr – Tousart und Ascacibar mit Rückstand

Tousart hat monatelang nicht mehr gespielt. (Foto: Philippe Desmazes/AFP via Getty Images)

Für die defensiveren Aufgaben steht wieder Arne Maier zur Verfügung. Verletzungen warfen den 21-Jährigen in dieser Saison zurück und bremsten seine bisher rasante Entwicklung im Profibereich. Sollte er jedoch fit bleiben und eine komplette Sommervorbereitung unter Bruno Labbadia absolvieren geht er mit einer sehr guten Ausgangslage in die neue Saison. Noch wichtiger als seine Qualitäten im defensiven Mittelfeld ist seine Fähigkeit, auf der „Acht“ eine Verbindung zwischen Defensive und Offensive herzustellen. Dafür wird er in Topform aufspielen müssen und einen defensiv aufgestellten Mitspieler im Mittelfeld als Absicherung brauchen, um im den Rücken freizuhalten.

Mit Lucas Tousart hat sich die „alte Dame“ einen Spieler für die kommende Saison geholt, der genau diese Absicherung herstellen kann. Er bringt nämlich Zweikampfstärke, Physische Präsenz, bedingungsloser Einsatz und Qualität mit. Über seine Stärken und Schwächen haben wir bereits im Januar einen längeren Artikel geschrieben: hier. Allerdings kommt der Franzose nicht gerade unter optimalen Umständen in die Hauptstadt an. Durch die frühzeitige Beendigung des Ligabetriebs in Frankreich und die anstehende Sommerpause fehlen ihm monatelange Spielpraxis. Er wird viele anspruchsvolle Trainingseinheiten unter Bruno Labbadia benötigen, um den Fitness-Rückstand aufzuholen und wieder auf Topniveau zu kommen. Schließlich wird er sich an die neue Liga, Mannschaft und Heimat gewöhnen müssen.

Es ist also eher unwahrscheinlich, zum Saisonstart einen topfitten und gut aufgestellten Lucas Tousart zu erwarten, sowohl Fans als auch Verein werden da geduldig sein müssen. Ähnliches wird mit Abstrichen auch für Santiago Ascacibar gelten: Die Corona-Pause und seine anschließende Verletzung werden zu einem ähnlichen Fitness-Zustand geführt haben. Seine Qualitäten als klassischer Sechser könnten allerdings im Verlauf der kommenden Saison, vor allem im Hinblick auf den Abgang von Per Skjelbred, besonders wertvoll werden.

Braucht Hertha noch Verstärkung?

Auch Santiago Ascacibar hat lange gefehlt. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Sowohl im offensiven, als auch im defensiven zentralen Mittelfeld gibt es also einige Unsicherheiten. Zwar klingt es zunächst sinnvoll, einen kreativen, offensivstarken zentralen Mittelfeldspieler zu holen, da es gerade dort nicht viele klare Optionen gibt. Doch mit der Rückkehr von Ondrej Duda, der Hochform von Vladimir Darida und den Qualitäten von Matheus Cunha ist die Baustelle in diesem Sommer womöglich etwas weiter hinten anzustellen.

Sowohl Ascacibar als Tousart sind für harte Zweikämpfe bekannt und sammeln regelmäßig Karten. Gelb- und womöglich auch Rot-Sperren sind vorprogrammiert, sodass die Möglichkeit besteht, dass beide zur selben Zeit nicht zur Verfügung stehen. Niklas Stark ist da sicherlich eine Option, um im defensiven Mittelfeld auszuhelfen, wenn in der Innenverteidigung kein Engpass besteht. Der junge Julian Albrecht aus der eigenen Jugend könnte ebenfalls seine Chance bekommen. Doch ein weiterer Spieler, der sowohl defensiv wie auch offensiv aushelfen könnte, würde eine mögliche Schwachstelle im „Herzstück“ der Mannschaft verhindern.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Hertha sehr daran interessiert ist, Marko Grujic wieder zur Verfügung zu haben. Der 24-Jährige kennt mittlerweile sowohl die Bundesliga als auch seine Mitspieler bestens und wäre sofort eine Verstärkung, so inkonstant diese sein mag. Wenn ein gutes Mittelfeld ein gutes Team bedeutet, wird Hertha jedenfalls auch im zentralen Mittelfeld sehr überlegt agieren müssen, um angemessen gerüstet für die neue Spielzeit zu sein. Andernfalls werden auch potenzielle millionenschwere Einkäufe im Sturm nicht ausreichen, um endlich eine sorgenfreie Spielzeit von Hertha BSC zu erleben.

Die wichtigsten Gerüchte um weitere Kandidaten im zentralen Mittelfeld könnt ihr in unserer Gerüchteküche verfolgen!