Kaderanalyse 2020/21 – Herthas zentrales Mittelfeld

Kaderanalyse 2020/21 – Herthas zentrales Mittelfeld

Endlich ist die Alptraum-Saison 2020/2021 vorbei. Nach einer hochemotionalen Schlussphase gab es doch noch ein „Happy End“ für Hertha BSC. Diese verrückte Spielzeit haben wir sehr ausführlich in unserer Saisonrückblick-Podcastfolge besprochen. Doch jetzt wollen wir uns der Kaderanalyse widmen. Dabei gehen wir nicht nur auf die abgelaufene Saison ein, sondern werfen auch einen Blick nach vorne. Welche Kaderstellen müssen Bobic, Dufner, Friedrich und co. noch dringend bearbeiten? Wo hat man Bedarf, welche Spieler werden wohl den Verein verlassen?

Nachdem wir bereits die Torhüter die Innen– und Außenverteidiger ins Visier genommen haben, widmen wir uns jetzt dem zentralen Mittelfeld

Niklas Stark – über die Sechs zu mehr Sicherheit

Blicken wir zunächst an den Anfang der Saison zurück. Bruno Labbadia hatte die Aufgabe, das Team fußballerisch weiterzuentwickeln. Dazu wählte er häufig eine 4-3-3-Formation mit einem Sechser und zwei Achtern davor, ganz ähnlich zu seiner Amtszeit in Wolfsburg. Eine Schlüsselfigur in diesem System war Niklas Stark, der normalerweise eine Reihe weiter hinten in der Innenverteidigung spielt. Er sollte der Mannschaft Stabilität geben und auch selbst wieder Sicherheit gewinnen. Denn die Vorsaison war für ihn von Verletzungen und schwache Leistungen geprägt. Er sollte als „Abräumer“ vor der Abwehr für eine bessere defensive Stabilität sorgen und seine Vorderleute etwas von ihren Defensivaufgaben entlasten.

hertha zentrales mittelfeld
Foto: IMAGO

Stark machte seine Aufgabe dabei sehr solide und wurde von Spiel zu Spiel etwas sicherer. Er war nicht mehr der Risikofaktor, den er in der vorherigen Saison noch zu oft verkörperte. Robustes Zweikampfverhalten, Kopfballstärke und Ballgewinne brachte er in das Hertha-Mittelfeld. Jedoch konnte man sich auch mit Niklas Stark auf der Sechs nie defensiv stabilisieren. Das lag aber weniger an ihm selbst als an mannschaftstaktischen Nachlässigkeiten. Hinzukommt aber, dass Stark das Spiel mit dem Ball in keiner Weise positiv beeinflussen konnte. Er zeigte sich im Mittelfeld mit dem Ball am Fuß teilweise etwas überfordert. Für diesen Bereich des Spiels ist er schlicht nicht der ideale Spielertyp. So entschied sich Bruno Labbadia zum Ende der Hinrunde dazu, Stark wieder in der Innenverteidigung einzusetzen.

Lucas Tousart – Da muss noch mehr kommen

An den vielen Problemen mit und gegen den Ball in der letzten Saison konnte auch Lucas Tousart, der mit sehr hohen Erwartungen nach Berlin kam, wenig ändern. Seine persönliche Saison lief sicherlich nicht katastrophal schlecht, aber es bleibt das Gefühl, dass er ein absolutes Leistungsniveau, das auch seine hohe Ablösesumme von 25 Millionen Euro rechtfertigen könnte, noch nicht erreicht hat.

Zu Beginn der Saison merkte man ihm noch sehr stark an, dass er sich eingewöhnen musste. Ein neues Land, eine neue Sprache und eine lange Phase ohne Training werden die Gründe für diese Startschwierigkeiten gewesen sein. Nach einiger Zeit wurden die Leistungen dann zwar besser, aber immer noch nicht durchgehend zufriedenstellend.

hertha zentrales mittelfeld
Foto: Andreas Gora/IMAGO

Einsatz und Laufbereitschaft konnte man ihm definitiv nicht absprechen. Auch seine starken Ballgewinne und diagonalen Verlagerungen konnte er immer wieder zeigen. Man hatte auch über bestimmte Phasen das Gefühl, dass er von der Erfahrung, die ein Sami Khedira mitbringt, sehr profitiert. Insgesamt war aber in zu vielen Spielen zu unauffällig, um an dieser Stelle ein positiveres Fazit ziehen zu können. Kann er seine Leistung in der kommenden Saison aber steigern, kann er für Hertha der entscheidende Stabilisator im Mittelfeld werden.

Santiago Ascacibar – Erst außen vor, dann kämpferisch

Ascacibar spielte in der ersten Saisonhälfte überhaupt keine Rolle. 13 der 17 Hinrundenspiele verpasste er verletzungsbedingt, die anderen vier, weil Bruno Labbadia nicht auf ihn setzte. Mit Niklas Stark und Lucas Tousart hatte Labbadia bereits zwei defensivstarke Optionen für das Mittelfeld und so musste sich Ascacibar hintenanstellen.

Zwei entscheidende Faktoren sorgten neben seiner eigenen Fitness und Leistung dafür, dass sich das zur Rückrunde änderte. Der eine war sicherlich, dass Stark nun wieder in der Innenverteidigung gefragt war. Der andere, vermutlich noch wichtigere Punkt für Ascacibar, war die Rückkehr von Pal Dardai.

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Foto: IMAGO

Dieser versuchte seine Mannschaft schnellstmöglich zu stabilisieren und die Zahl der Gegentore endlich zu senken. Ascacibar passte gut in dieses Anforderungsprofil. Solide bis gute Leistungen konnte er in der Endphase der Saison zeigen. Mit seiner kämpferischen Art und seiner Stärke Bälle zu gewinnen, war er mit dafür verantwortlich, dass man sich dieser Stabilität in der Rückrunde immer mehr annäherte.

Es wird spannend zu sehen sein, wo sich in der kommenden Saison Platz für den Argentinier ergeben wird. In der Rückrunde konnte sich „Santi“ durchaus empfehlen, ein bedingungsloser Stammplatz wird dennoch nicht drin sein. Eins ist klar: Ascacibar darf man niemals abschreiben.

Vladimir Darida – dauerhafter Dauerläufer

Vladimir Darida ist und bleibt ein faszinierender, aber auch unterschätzter Spieler. Er ist keiner, der im Alleingang ein Spiel entscheiden kann und drei Tore schießt, aber jemand, der so viele andere Qualitäten mitbringt und sie ziemlich konstant abrufen kann. So war er in der vergangenen Saison einer der Schlüsselspieler und vielleicht der konstanteste Mittelfeldspieler.

In 28 Bundesligaspielen kam er zum Einsatz, häufiger als jeder andere Mittelfeldspieler bei Hertha. Das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, wie intensiv Daridas Spielweise ist. Schaut man auf die gelaufenen Kilometer pro Spiel der vergangenen Saison und berücksichtigt nur Spieler, die auf mindestens 1000 Spielminuten kamen, war Darida der durchschnittlich laufstärkste Spieler der gesamten Liga. 12,88 Kilometer lief er durchschnittlich pro Spiel. Neben seiner sehr fleißigen Spielweise ist Darida aber auch ein überdurchschnittlicher Offensivspieler. In seinen Offensivaktionen ist er aber meist sehr direkt und schnörkellos, sodass das nicht unbedingt auf den ersten Blick auffällt. 6 Vorlagen (Topwert bei Hertha), die zweit meisten Torschussvorlagen und die meisten angekommen Pässe in den Strafraum spielte Darida über die letzte Spielzeit.

hertha zentrales mittelfeld
Foto: Koepsel/Witters/Pool/Witters/IMAGO

Da bleibt eigentlich wenig Raum für Kritik. Zwei Aspekte fehlen ihm aber wohl leider, um absolut unverzichtbar für Hertha zu sein. Einerseits ist das die Torgefahr, die ihm seit seiner Zeit bei Freiburg immer mehr verloren ging. Anderseits konnte auch die Darida nicht der tonangebende Akteur im Mittelfeld sein, den Hertha erst in Sami Khedira fand. Er ist ein Spieler, der mit guter und konstanter Leistung vorangeht, nicht aber durch verbale Führungsstärke. So fehlt ein wenig die Präsenz.

Auch unter Pal Dardai war Darida zuletzt mehr Stammspieler. Das wird in der kommenden Saison vermutlich ähnlich sein. Für die möglichst ruhige Saison, die man anstrebt, könnte Darida genau der passende Spieler sein.

Die Zehner-Position

Auf der Zehn hat Hertha mit Vladimir Darida und Matheus Cunha zwei Spieler, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine dribbelstark, ein guter Distanzschütze und häufig sehr verspielt, der andere mit einem riesigen Aktionsradius, einer unglaublichen Lautstärke und Disziplin sowie einem schnörkellosem, aber effektivem Offensivspiel. Der eine hatte in der vergangenen Saison eine sehr schwankende Formkurve mit vielen Formtiefs, der andere hat stets ein solides. Gemeinsam haben Cunha und Darida aber mit Blick auf die vergangene Saison aber, dass sie beide mehrfach auf den Flügel ausweichen mussten, weil Hertha dort sonst kaum Alternativen hatte. Cunha unterlag diesem Schicksal aber noch etwas häufiger als Darida, der meistens in der Schlussphase auf dem Flügel aushelfen musste.

Foto: IMAGO

Auch damit lässt sich sicherlich Cunhas Formtief in der Saison erklären. Auf dem Flügel kann er seine Stärken weniger gut auf den Platz bringen. Cunha bleibt der herausstechendste Spieler bei Hertha und kann das Spiel aus dem Zentrum noch mehr beeinflussen. Zu oft war Hertha auch von seiner Kreativität abhängig und erhöhte so den Druck auf den 22-Jährigen. Dennoch war Matheus Cunha in der vergangenen Saison mit acht Toren und acht Vorlagen Herthas Topscorer und hat sich so eine Vertragsverlängerung verdient. Sollte man ein entsprechendes Angebot bekommen, würde man Cunha wohl dennoch gehen lassen.

Ziel für die kommende Saison sollte hier sein, Cunha einerseits wieder in Form zu bringen, gleichzeitig aber die Abhängigkeit im Offensivspiel von ihm zu verringern. Keine einfache Aufgabe für Pal Dardai und sein Trainerteam.

Wie ist Hertha für die kommende Saison aufgestellt?

In diesem Sommer werden wohl insgesamt drei Mittelfeldspieler den Verein verlassen. Die Leihe von Matteo Guendouzi endet, Sami Khedira hat seine Karriere beendet und Eduard Löwen hat keine Perspektive bei Hertha. Den Kader verstärken werden hingegen Arne Maier, der nach seiner Leihe zu Bielefeld wohl zur Hertha zurückkehren wird und Suat Serdar, der vom Schalke 04 kommt und Kevin-Prince Boateng. Somit besteht Herthas Mittelfeld-Gerüst für die kommende Saison aus zwei defensivstarken Sechsern (Ascacibar und Tousart), einem torgefährlichen Box-to-box-Spieler (Serdar), einen guten Passgeber (Maier) und einen sehr umtriebigen Achter (Darida). Grundsätzlich ist man damit nicht schlecht aufgestellt und jede Position im zentralen Mittelfeld kann besetzt werden.

Einige Probleme der vergangenen Saison lassen sich auch mit der Kaderstruktur fürs zentrale Mittelfeld zurückführen. Anhand derer lässt sich auch ganz gut einordnen, wie Hertha aktuell für die kommende Saison aufgestellt ist und an welchen Ecken es vielleicht noch fehlt. So fehlte zum Beispiel ein Spieler, der aus dem zentralen Mittelfeld heraus sowohl gefährliche Situationen kreieren kann, aber auch selbst torgefährlich ist. Bei diesem Problem soll in der kommenden Saison Suat Serdar Abhilfe schaffen. Phasenweise konnte er genau diese Qualitäten auch bei Schalke zeigen. Es ist aber gut vorstellbar, dass Serdar zunächst etwas Zeit braucht, um wieder an frühere Leistungen, die ihm auch zum Nationalspieler gemacht haben, anzuknüpfen.

Foto: IMAGO

Noch viel schwerwiegender war aber, dass der Mannschaft auch ein bestimmter Spielertyp fehlte, der eine spielerische Weiterentwicklung deutlich erleichtert hätte. Ein kontrollgebender, sicherer pressingresistenter Passgeber, der das Ballbesitzspiel strukturieren kann, aber auch ein kreatives Element mitbringt. Diese Lücke im Kader könnte Rückkehrer Arne Maier schließen. Er ist jedoch aktuell der einzige Sechser, der durch spielerische Elemente herausragt. Man wünscht ihm, dass er diese Chance endlich richtig nutzen kann und an seine zuletzt guten Leistungen bei der U21-EM und bei Bielefeld anknüpfen kann. Gelingt ihm das unter seinem größten Förderer (Pal Dardai), kann er eine wichtige Rolle spielen. Man kann aber zumindest hinterfragen, ob es vielleicht nicht noch eine spielstarke Alternative bräuchte, falls sich Maier erneut verletzen sollte oder sein Leistungsniveau nicht halten kann. Es fehlt in der breite an guten Passgebern im Mittelfeld.

Außerdem fehlen Führungsspieler im Mittelfeld. Das kann auch in der kommenden Saison ein Problem werden. Sami Khedira ist nicht mehr da und hinterlässt damit vor allem als Persönlichkeit eine Lücke. Ob der 34-Jährige Kevin-Prince Boateng allein für dieses Problem eine gute Lösung sein kann, wird man abwarten müssen. So richtig scheint man diese Aufgabe aber auch aktuell keinem anderen Mittelfeldspieler zuzutrauen.

[Titelbild: IMAGO]

Arne Maier – Trotz Tapetenwechsels kein Durchbruch

Arne Maier – Trotz Tapetenwechsels kein Durchbruch

Bei seinem Leihverein Arminia Bielefeld stand Arne Maier an den letzten drei Spieltagen nicht mehr im Kader und das obwohl er verletzungsfrei zu sein scheint. Wir blicken auf die schwierige Situation des 22-jährigen Mittelfeldspielers in Bielefeld, aber auch auf seine Vergangenheit und Zukunft in Berlin.

Erst Stammspieler, dann verletzt und unzufrieden

Eigentlich war Arne Maier doch schon in der ersten Bundesliga angekommen. In der Saison 2018/2019 gehörte er zum absoluten Stammpersonal bei Hertha und stand in 24 Spielen in der Bundesliga in der Startelf. Mit rund 2.000 Spielminuten war er in der letzten Saison während der ersten Dardai-Zeit der Sechser mit am meisten Spielzeit bei Hertha. Das Eigengewächs schien Gegenwart und Zukunft der „alten Dame“ zu sein. Zum Ende der Saison zog er sich jedoch eine schwere Verletzung am Innenband (Knie) zu und fiel daraufhin insgesamt sieben Monate verletzt aus.

Während dieser Ausfallzeit hat sich bei Hertha viel verändert. Pal Dardai musste gehen und mit Ante Covic kam ein neuer Trainer, Hertha gab die Zusammenarbeit mit Lars Windhorst bekannt und kurz nachdem Maier wieder einsatzbereit war, musste Covic den Verein schon wieder verlassen. Im darauffolgenden Winter machte Hertha bekanntermaßen umfangreich von den neuen finanziellen Mitteln Gebrauch und verpflichtete gleich zwei neue Spieler für das zentrale Mittelfeld. Plötzlich konkurrierte Maier mit Eduard Löwen, Santi Ascacibar und ab Sommer mit Rekordeinkauf Lucas Tousart.

Schon damals liebäugelte der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfene Maier mit einem Wechsel, da er mit seiner Gesamtsituation unzufrieden war. Dazu kam es aber zunächst nicht. Er beendete die Saison bei Hertha und stand in der Rückrunde noch dreimal über 90 Minuten auf dem Platz, hatte aber erneut immer wieder kleinere Verletzungsprobleme.

Foto: IMAGO

Während der darauffolgenden Sommervorbereitung, in der er unter anderem auch die deutsche U21-Nationalmannschaft als Kapitän anführte, schien er wieder mehr in den Fokus gerückt zu sein. Labbadia hatte ihn auch fest für die anstehende Saison eingeplant, Maier selbst entschied sich aber dagegen den Konkurrenzkampf bei Hertha anzunehmen und schätzte seine Einsatzchancen bei Hertha nicht allzu hoch ein. So wechselte er wenig später zum Aufsteiger Arminia Bielefeld.

Glücklos in Bielefeld

Bei der Bekanntgabe des Wechsels erklärte er diesen Schritt noch einmal: „Ich bin noch ein junger Spieler, habe aber einen klaren Plan und habe mir ambitionierte Ziele gesteckt. Möglichst viel Spielzeit ist daher für mich wichtig, um den für mich persönlich nächsten Entwicklungsschritt zu machen. Dafür sehe ich in Bielefeld optimale Bedingungen.“

Mehr als vier Monate später muss man feststellen, dass statt dem nächsten Entwicklungsschritt eher ein Rückschritt für Maier folgte. Zweimal durfte er für die Arminia starten, beide Male wurde er zur Halbzeit wieder ausgewechselt. Dreimal wurde er in den Schlussminuten eingewechselt. Dabei ist es gar nicht so einfach die Gründe dafür, dass Maier so wenig spielt, klar zu benennen.

Foto: nordphotoxEngler/IMAGO

Maier kam mit Verletzungsproblemen (erneut am Knie) zu Bielefeld und hatte dementsprechend kaum die Möglichkeit, sich im neuen Umfeld einzugewöhnen. Seine ersten Einsätze machte Maier aber trotzdem nur kurz nach seinem Wechsel. Zu früh, meint Bielefeld-Trainer Uwe Neuhaus mittlerweile und glaubt, dass man ihn damals zu wenig Zeit gegeben hat, um sich vollumfänglich von der Verletzung zu erholen. Zum Jahresende zog er sich dann erneut eine Verletzung zu, diesmal am Sprunggelenk. Auch in Maiers privatem Umfeld scheint es Schwierigkeiten gegeben zu haben, zwischenzeitlich fehlte er aufgrund „privater Angelegenheiten“. Bei seinen ersten Einsätzen für Bielefeld war er zudem an einigen unglücklichen Szenen, die zu Gegentoren führten, direkt beteiligt.

Seit Jahresbeginn trainiert Maier wieder regelmäßig mit der Mannschaft, scheint aber weiterhin nicht zurück in die Spur zu finden. Ob dies nun an seinem Leistungs- oder an seinem Fitnesszustand liegt oder noch andere Gründe hat, lässt sich von außen schwer sagen und lässt auch viele Bielefeld-Fans ratlos zurück. Denn eigentlich hätte Maier die Qualitäten, die Mannschaft spielerisch weiterzubringen. Davon scheint er aber aktuell so weit entfernt zu sein, dass er bei den letzten drei Spielen nicht mal mehr im Kader stand. Aktuell deutet auch wenig auf eine Trendwende hin. Uwe Neuhaus meint dennoch: „Ich glaube, dass die Zeit für ihn spricht: Wenn er gesund bleibt, wird er irgendwann spielen“.

Perspektive bei Hertha

Unabhängig davon, wie sich seine Leihe weiter gestaltet, steht fest, dass Maier im Sommer wieder zur Hertha zurückkehren wird. Eine an die Leihe geknüpfte Vertragsverlängerung bindet den Mittelfeldspieler noch bis mindestens 2023 an den Verein. Ob er aber wieder ein wichtiger Bestandteil des Teams werden kann, ist zum aktuellen Zeitpunkt zumindest fraglich. Pal Dardai kennt Maier gut und verhalf ihm zu seiner bisher besten Phase in seiner Karriere. Unter ihm feierte Maier sein Bundesligadebüt und wurde zum Stammspieler. Es ist durchaus denkbar, dass Maier unter Dardai, sollte dieser über die aktuelle Saison hinaus bei Hertha bleiben, wieder zu alter Stärke findet.

(Photo credit should read ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Von seinem Spielerprofil würde er weiterhin gut in den Kader der Hertha passen. Gute Passgeber, die besonders beim Übergang vom Spielaufbau ins Angriffsdrittel helfen können, fehlen Hertha aktuell. Besonders wenn Guendouzi den Verein im Sommer verlässt, kann Hertha einen Spielertypen wie Maier gut gebrauchen. Auch für die mittelfristig angepeilte spielerische Weiterentwicklung könnte ein spielstarker Sechser wichtig sein. Dazu muss er zunächst aber wieder ein gutes Fitness- und Leistungsniveau erreichen.

[Titelbild: IMAGO]

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Borussia Dortmund

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Borussia Dortmund

Den Schwung aus dem guten Augsburg-Spiel kann Hertha nicht über die Länderspielpause hinaus mitnehmen und unterliegt deutlich gegen den BVB. Auf eine gute erste Hälfte folgt eine deutlich schwächere Zweite, in der Dortmund fünf Tore erzielt. Wir schauen auf die individuellen Leistungen einiger Herthaner.

Krzysztof Piatek – Chance nicht genutzt

Nach dem Ausfall von Stammstürmer Jhon Cordoba stellte man sich in Berlin die Frage, ob Krzystof Piatek nun seine Chance nutzt und sein 24-Millionen-Euro-Versprechen einlösen würde. Für das Dortmund-Spiel lautet die Antwort auf diese Frage sicherlich nein.

Fairerweise muss hier jedoch erwähnt werden, dass es für den Mittelstürmer kein einfaches Spiel war. Es gab nicht allzu viele Szenen, in denen er sich hätte auszeichnen können und mit Mats Hummels und Manuel Akanji hatte er zwei Innenverteidiger mit guter Tagesform als Gegenspieler gegen sich. Hinzukommt, dass Labbadias Spielweise weiterhin nicht ideal auf seine Stärken zugeschnitten ist.

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Es muss jedoch genauso festgehalten werden, dass Piatek in einigen Phasen des Spiels fast unsichtbar und kaum in das Spiel der Hertha involviert war. So blieb er über weite Strecken des Spiels sehr unauffällig. Nur die Beteiligung am Kopfballduell vor dem 1:0 lässt sich noch wohlwollend hervorheben. Keine Schussaktion und die wenigsten Ballaktionen von allen Herthaspielern, die in der Startelf standen, unterstreichen den Eindruck einer schwachen Leistung noch einmal. Solche Spiele sind für Abschlussstürmer, wie Piatek einer ist, nicht untypisch, aber trotzdem enttäuschend.

Der Mittelstürmer hat wenig angeboten und wurde aber auch selten eingesetzt. Beides muss sich in den nächsten Spielen ändern, wenn er längerfristig als ernsthafter Konkurrent zu Cordoba gelten möchte.

Peter Pekarik – Kein Zeichen von Müdigkeit

Zweimal stand Peter Pekarik in der Woche vor dem Dortmund-Spiel bereits über 90 Minuten für die slowakische Nationalmannschaft auf dem Platz und am Samstag folgte dann direkt der nächste Einsatz im Berliner Olympiastadion. Ein enormes Spielpensum, welches der Rechtsverteidiger in dieser Woche absolviert hat. Umso erstaunlicher ist es, dass er einer der besseren in der Viererkette gegen Dortmund war.

In der ersten Halbzeit ließ er über seine Seite fast gar nichts zu und machte es Raphael Guerreiro schwer. Im Strafraum war Pekarik sehr aufmerksam und blockte unteranderem einen gefährlichen Schuss von Erling Haaland. Auch die Abstimmung mit Vladimir Darida passte und so erledigte er seine Aufgabe gewohnt routiniert. In den Spielaufbau war er aber nicht allzu stark eingebunden.

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In der zweiten Halbzeit lief für den Slowaken defensiv nicht mehr alles so optimal und besonders beim 1:4-Treffer kam er etwas zu spät und konnte Guerreiro nicht mehr ausreichend am Abschluss hindern. Dafür konnte er sich in zwei Szenen nach dem 1:2 offensiv einschalten. In beiden Szenen rückte er hoch bis in den Sechzehner auf und wurde am zweiten Pfosten angespielt. Beide mal konnte er seine Chance auf den Ausgleich jedoch nicht nutzen.

Insgesamt kein einfaches Spiel für Peter Pekarik, in dem man ihm trotz fünf Gegentoren nicht allzu viel vorwerfen kann und der trotz vieler Minuten in den Beinen ein solides Spiel machte.

Omar Alderete und Dedryck Boyata – Ein Rückschritt

Ähnlich wie bei fast allen Spielern von Hertha war auch bei Dedryck Boyata und Omar Alderete der Leistungsunterschied zwischen den beiden Halbzeiten groß. In der ersten 45 Minuten schafften es die Innenverteidiger sehr gut, Dortmund weitestgehend aus dem eigenen Strafraum fernzuhalten. Viele Bälle fing man mit solidem Stellungspiel ab und lies nur wenige Chancen zu. So hatte Dortmund sich zur Halbzeit nur einen xG-Wert von ca. 0,4 erspielt.

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In der zweiten Halbzeit änderte sich dieses Bild komplett. Man bot den Dortmundern deutlich mehr Räume und konnte nicht mit dem herausragend aufspielendem Erling Haaland mithalten. Besonders die Geschwindigkeitsnachteile der beiden Innenverteidiger zeigte dieser noch einmal auf und konnte sich Chance um Chance erspielen. Gleich bei mehreren Gegentoren war zudem der Abstand zu Haaland deutlich zu groß. Außerdem passten Abstimmung und Zusammenspiel in Herthas Defensive in vielen Szenen überhaupt nicht und so machte man es den Dortmundern oft sehr leicht auf dem Weg zum Tor.

Ein klarer Rückschritt zu den Auftritten gegen Wolfsburg und Augsburg, bei denen man sich deutlich stabilisierter in der Abwehr zeigte.

Und dann waren da noch:

Das Mittelfeld: In der ersten Halbzeit machte das Mittelfeld aus Matteo Guendouzi, Niklas Stark und Vladimir Darida das Zentrum dicht und war oft sehr nah am Gegenspieler. In der zweiten wurde man mehrmals deutlich zu einfach überspielt und kam kaum noch in die Zweikämpfe. Guendouzi war erneut der Spielmacher aus dem Mittelfeld und besonders in den Spielaufbau stark eingebunden. Aber auch er zeigte trotz herausgeholtem Elfmeter in der zweiten Hälfte des Spiels nicht mehr seine beste Leistung.

Matheus Cunha: Cunha war auch gegen Dortmund bester Herthaner auf dem Platz und machte besonders mit seinem wunderschönen Fernschusstor erneut auf sich aufmerksam. Er war der Aktivposten in Herthas Offensive und an nahezu jedem Angriff der Hertha beteiligt. Auch die Zahlen stimmten bei ihm erneut: zwei Tore, drei Torschüsse und vier gewonnene Dribblings.  Umso verärgerter zeigte er sich über die zahlreichen Gegentore, die seine Mannschaft kassierte und ließ sich das auch in einigen Szenen anhand seiner Körpersprache anmerken.

[Titelbild: Clemens Bilan – Pool/Getty Images]

Marton Dardai – Zwischen Bundesligadebüt und Regionalligaunterbrechung

Marton Dardai – Zwischen Bundesligadebüt und Regionalligaunterbrechung

Beim Auswärtsspiel gegen Augsburg dürfte Marton Dardai erstmals in das Rampenlicht der Bundesliga treten und sein Profidebüt feiern. Zwar kam er erst in den letzten Minuten des Spiels auf den Platz, ein besonderer Moment in seiner Fußballerkarriere wird es aber trotzdem gewesen sein. Wir werfen einen genaueren Blick auf die letzten Monate, den Spielstil und die aktuelle Situation des 18-jährigen Sohns von Ex-Trainer Pal Dardai.

Ein turbulentes Jahr

Auch für Marton Dardai wird das Jahr 2020 turbulent gewesen sein. Das vermutlich nicht nur weil er, wie viele andere mit den Umständen der Corona-Pandemie konfrontiert wurde, sondern auch weil sportlich für ihn Einiges passierte. Zu Jahresbeginn durfte Dardai zum ersten Mal für die U23 in der Regionalliga auflaufen. Zuvor hatte er anderthalb Jahre sehr erfolgreich bei der U19 gespielt. Dort führte er das Team teilweise als Kapitän auf den Platz und löste sein Ticket für die Teilnahme an der U17-Europameisterschaft mit der deutschen Jugendnationalmannschaft.

In den Jugendwettbewerben wurde im Frühjahr der Spielbetrieb eingestellt und bei Herthas Bundesliga-Mannschaft übernahm Bruno Labbadia im April den Trainerposten. Als der Trainingsbetrieb langsam wieder in Kleingruppen aufgenommen wurde, bildete das Team rund um Labbadia auch eine Gruppe mit acht Jugendspielern, die sich das Trainerteam mal genauer anschauen wollte. Darunter auch Marton Dardai.

Foto: IMAGO

In den letzten neun Bundesligapartien der Saison saß Dardai dann sechsmal auf der Bank und gehörte nun zum erweiterten Kader der Profis. Er scheint also einen positiven Eindruck bei Labbadia hinterlassen zu haben, denn dieser ermöglichte ihm den rasanten Aufstieg von der U19 (über die U23) zu den Profis in nur wenigen Monaten. Die Sommervorbereitung machte Dardai dann ebenfalls bei der ersten Mannschaft mit und trainierte auch in den letzten Monaten bei nahezu jeder Einheit unter Labbadia mit. Spielpraxis sammelt er hingegen bei der zweiten Mannschaft. Dort steht er regelmäßig mit seinem älteren Bruder Palko auf dem Platz. Marton Dardai zeigte gute Trainingsleistungen und hat sich laut Labbadia in einigen Bereichen zuletzt auch noch individuell verbessert. So kam es nun am siebten Spieltag zu seinem Debüt, das der Cheftrainer als „eine logische Folge“ (kicker) sieht.

Ruhig und Spielstark

Marton Dardai spielt am liebsten auf der linken Innenverteidigerposition und lief dort auch die meiste Zeit in den Jugendmannschaften auf. Auf dem Spielfeld ist er sehr weit für sein Alter (18 Jahre) und im Jugendbereich dürfte er auch immer wieder die Rolle des Kapitäns einnehmen. Er kann ein Team anführen und scheut sich nicht davor, es mit lauten Kommandos anzuleiten. Auch mit seiner Spielweise zeigt er sich sehr reif. Gegen den Ball löst er Situationen zumeist sehr souverän und glänzt mit gutem Stellungsspiel. Sein Zweikampfverhalten war in den U-Mannschaften nicht allzu auffällig, aber über die letzten Monate hat er vor allem körperlich nochmal zugelegt. Er wirkt zudem selten nervös, sondern strahlt in den meisten Situationen eine große Ruhe aus und hat ein gutes Kopfballspiel.

Foto: IMAGO

Seine größte Stärke ist aber sein Spielaufbau mit seinem überdurchschnittlich guten linken Fuß. Der zweitjüngste Dardai-Sohn zeigt stets eine gute Übersicht und findet seine Mitspieler fast überall auf dem Feld. Er kann gute linienbrechende Schnittstellenpässe, aber auch lange Bälle hinter die letzte Kette spielen. Genauso liegen ihm Verlagerungen und schnelle Pässe in den Lauf. Sein Passspiel kann den Spielaufbau einer Mannschaft enorm beleben. Typisch für ihn ist außerdem, dass er gegen tiefstehende Jugendmannschaften auch gerne mal etwas weiter vorne auftauchte und aus der zweiten Reihe abzog.

Insgesamt lässt sich Marton Dardai als ein sehr ruhiger und spielstarker Innenverteidiger beschreiben.

Es ist kompliziert

Auch wenn das Bundesliga-Debüt anderes vermuten lässt, ist die Situation für Marton Dardai bei den Profis nicht leicht. Auf seiner Position hat er mit Omar Alderete und Jordan Torunarigha zwei Spieler vor sich, die zuletzt zu überzeugen wussten und wohl den Platz in der linken Innenverteidigung zunächst unter sich ausmachen werden. Ob er in naher Zukunft zu weiteren, eventuell auch längeren Einsätzen kommen wird, hängt dabei also unter anderem von der Verletzungssituation und Faktoren, die er selbst nicht beeinflussen kann ab. Das weiß auch Bruno Labbadia und meint: „Sein Bundesliga-Debüt war jetzt nur der kleine Anfang. Der weitere Weg wird noch ein Stück dauern.“

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Erschwerend kommt für Dardai und die anderen Talente nun noch hinzu, dass die Saison in der Regionalliga unterbrochen wurde. Die für Talente und ihre Entwicklung so wichtige Spielzeit wird für den 18-Jährigen also vorerst wegfallen. Insgesamt also keine einfachen Umstände für den jungen Innenverteidiger. Der erste Einsatz unter Labbadia lässt sich so auch als eine Art Motivationsanschub für die schwierigen nächsten Wochen und Monate sehen. Für Dardai gilt also weiterhin: geduldig sein und hart arbeiten. Sollte die Profimannschaft in den nächsten Monaten konstanter gute Ergebnisse einfahren, wird es Bruno Labbadia sicherlich auch leichter fallen, den jungen Spielern mehr Spielzeit zu geben.

[Titelbild: IMAGO]

Herthas U23 – Wie schlägt sich Berlins Zukunft?

Herthas U23 – Wie schlägt sich Berlins Zukunft?

Während die erste Bundesliga bisher nur zum dritten Spieltag fortgeschritten ist, spielte die Truppe von Andreas „Zecke“ Neuendorf in der Regionalliga bereits gegen neun verschiedene Gegner aus dem Nordosten Deutschlands. Zeit für einen Blick auf den Saisonstart, den Kader und einige Einzelspieler der U23.

Noch läuft nicht alles

Bei der zweiten Mannschaft von Hertha BSC hat sicherlich die Weiterentwicklung der Jugendspieler Vorrang gegenüber dem sportlichen Erfolg. Dennoch wollen wir hier einen kurzen Blick auf die gesamtmannschaftliche Lage in der Anfangsphase der Regionalligasaison werfen.  Schaut man auf die Ergebnisse der ersten neun Spiele bis zur Länderspielpause, deutet sich ein recht durchwachsener Saisonbeginn an. Drei Siege, drei Niederlagen und drei Remis bei einem Torverhältnis von elf geschossenen zu viertzehn kassierten Toren konnte die U23 verbuchen. Anders als in der vergangenen Saison, in die man mit sechs Siegen aus den ersten sieben Spielen sehr erfolgreich gestartet war, glich die Anfangsphase dieser Saison eher einem Auf und Ab. Denn den zwei siegreichen ersten Spielen folgte eine Phase aus sechs Spielen in denen man sieglos blieb, darunter auch eine 2:5-Niederlage gegen den Berliner AK. Zuletzt konnte man sich wieder etwas fangen und die Spiele vor der Unterbrechung etwas erfolgreicher gestalten. Dennoch läuft in einigen Bereichen noch nicht alles wie gewünscht.

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Ein paar mögliche Ursachen und Umstände dafür, dass bei der Mannschaft von Andreas „Zecke“ Neuendorf noch nicht alles optimal läuft, lassen sich aber herausarbeiten. Ein Grund dafür mag sicherlich der Umbruch im Kader sein, der in diesem Jahr besonders groß war. Insgesamt sieben Spieler aus der U19 sind nun fester Bestandteil der zweiten Mannschaft und müssen sich teilweise erst an den Männerfußball in der Regionalliga gewöhnen. In der verkürzten Vorbereitung fehlte außerdem Zeit, um sich als Team besser zusammenzufügen und das Zusammenspiel zu verbessern. Das Resultat: in der Mannschaft fehlt es an Abstimmung und man ist auf dem Platz noch nicht so gut aufeinander eingespielt. Ganz ähnliche Probleme also wie in der Profimannschaft von Bruno Labbadia.

Dass viele junge Spieler die Vorbereitung nicht in der zweiten Mannschaft mitmachten, sondern zunächst bei den Profis trainierten und teilweise eher spontan zum Team stoßen, mag ein weitere Ursache für dieses Problem sein. Darunter litt auch das Offensivspiel der Mannschaft, bei dem viel Wert auf gut abgestimmte und schnelle Kombinationen gesetzt wird. Man zeigte zwar fast nie eine schlechte Leistung, doch die aus den vergangenen Jahren bekannte offensive Wucht und Dominanz konnte man bis jetzt kaum zeigen. Trotz mehr Ballbesitz blieb man oft zu ungefährlich und zeigte sich defensiv wiederum anfällig. Die Länderspielunterbrechung könnte der zweiten Mannschaft hier jetzt entgegenkommen. Zwar muss man auch einige Spieler für die Jugendnationalmannschaften abstellen, jedoch ist die Zahl der Spieler hier deutlich geringer als beim Team von Bruno Labbadia. So kann man die Trainingszeit gut nutzen, um besser als Team zusammenzuwachsen und die Abstimmung zu verbessern, sodass man in der Tabelle wieder etwas nach oben klettert.

Erwartbare Inkonstanz

Der kleinere Leistungseinbruch soll hier aber auch gar nicht größer gemacht werden, als er war. In einer Krise befindet sich die Mannschaft keineswegs und eine gewisse Inkonstanz war sogar zu erwarten. Denn die Mannschaft ist das jüngste Team der Liga und gleicht in vielen Teilen eher einer U21 als einer U23. So ist nach dieser ersten Saisonphase unter den zehn Spielern mit den meisten Einsatzminuten nur ein Spieler gewesen, der älter als 21 ist. Und das ist der 30-jährige Kapitän Tony Fuchs. 16 Spieler aus dem Kader sind 19 Jahre alt oder jünger. Ein so junges Team darf Fehler machen. 

Umso erstaunlicher ist es, dass man weiterhin nahezu jeden Gegner, was die Ballbesitz und Passzahlen angeht, dominiert. Und das gegen Spieler, die zum Teil zehn Jahre älter und körperlich deutlich weiter und robuster sind. Nur an offensiver Durchschlagskraft und Effizienz vor dem Tor mangelt es dem Team aktuell ein wenig. Aber auch das ist wenig überraschend, da der Toptorschütze der letzten Saison, Muhammed Kiprit, zum Drittligisten Uerdingen wechselte und Jessic Ngankam, Spieler mit den meisten Scorerpunkten in der letzten Saison, zuletzt vor allem bei den Profis zu finden war. Nachrückende Spieler benötigen meist etwas Zeit, um sich an das gesteigerte Niveau zu gewöhnen. Geduld ist gefragt und die bringt Trainer „Zecke“ Neuendorf mit.

Auffällige Einzelspieler

Abgänge und Umbruch bedeuten auch es gibt einige neue Gesichter, die sich nun in der Mannschaft von Zecke Neuendorf zeigen können. Wir wollen nun einen kurzen Blick auf einige Einzelspieler werfen, die über die letzten Wochen aufgefallen sind oder neu im Team sind.

Jonas Michelbrink

Michelbrink ist einer von nur drei Spielern, die bisher in jedem Spiel der Saison auf dem Platz standen. Diese Zeit nutzte er gut und machte mächtig auf sich aufmerksam. Michelbrink spielt in der U23 auf der Zehn und war in der letzten Saison Stammspieler in der U19. Dort stand er aber immer ein wenig im Schatten von Lazar Samardzic. Nun nutzte der 19-Jährige seine Chance und konnte besonders zu Saisonbeginn seine Stärken fantastisch auf den Platz bringen. Der gebürtige Hannoveraner bringt eine tolle Technik sowie eine gute und vor allem enge Ballführung mit. Das macht ihn für seine Gegenspieler schwer zu greifen und er kann sich auch im dicht besetzten Zentrum mit Ball am Fuß behaupten.

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Außerdem verfügt er über eine gute Übersicht. Immer wieder gelingt es ihm mit seinem starken rechten Fuß seine Mitspieler gut einzusetzen und Gefahrensituationen zu kreieren. Wenn sich die Gelegenheit bietet, setzt Michelbrink auch gerne mal zu einem Dribbling an. Wie zum Beispiel am dritten Spieltag beim Auswärtsspiel gegen Chemie Leipzig als er mit einem tollen Dribbling an seinem Gegenspieler vorbeiging und so von links in den Strafraum eindringen konnte. Kurz vor dem Tor legte er dann überlegt zu Muhammed Kiprit rüber, der dann zum 1:0 verwandeln konnte.

In den letzten Spielen zeigte Jonas Michelbrink sich nicht mehr ganz so auffällig, gehörte aber definitiv zu den besseren Spielern im Team. Insgesamt ist Michelbrink aber ein Spieler, der das Offensivspiel der U23 mit seiner Kreativität beleben kann und dem zurzeit recht dezimierten Regionalligapublikum mit seinen Aktionen immer wieder ein Raunen entlockt. Schafft er es, sich auch in schwierigen Spielen noch mehr zu zeigen, kann man mit einer tollen Saison bei der U23 von ihm rechnen. Seine gute Leistung wurde nun auch von Cheftrainer Bruno Labbadia honoriert indem er Michelbrink während der Länderspielpause erste Trainingseinheiten bei den Profis mitmachen ließ.

Luca Netz

Netz gilt als eines der größten Talente bei Hertha und sogar in Deutschland. Hinter ihm liegt ein turbulenter Sommer mit einer Verletzung, einer Auszeichnung mit der Fritz-Walter-Medaille und seiner ersten Saisonvorbereitung bei den Profis. Als die Saison bei den dann Profis begann, sammelte Luca Netz seine ersten Einsätze bei der zweiten Mannschaft, um Spielpraxis zu bekommen. Netz ist der einzige Spieler aus dem 2003er-Jahrgang im Team von „Zecke“ Neuendorf und er könnte mit seinen 17 Jahren eigentlich noch bei der U17 spielen.

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Drei Spiele machte der Linksverteidiger bisher in der Regionalliga und konnte seine Qualitäten bereits recht gut einbringen. Er ist ein Linksverteidiger, der sich sehr gerne am Offensivspiel beteiligt und immer wieder tief in der gegnerischen Hälfte zu finden ist. Mit Ball sucht er gerne den direkten Weg in den Sechzehner, auch mal mit einem cleveren Dribbling, oder zur Grundlinie. So kommt er gut in Positionen aus denen er gefährliche Hereingaben ins Zentrum spielen kann. Besonders im Spiel gegen den Chemnitzer FC am 8. Spieltag konnte mehrfach solche Hereingaben von ihm beobachten. Halbherzige Halbraumflanken sieht man also von ihm eher weniger.

Um rechtzeitig wieder auf seine Position im Spiel gegen den Ball zu kommen, verfügt er über das nötige Tempo und ist außerdem recht laufstark. Er muss bei seiner Defensivarbeit aber noch etwas konsequenter werden. Die Regionalliga ist da sicher ein guter Zwischenschritt für ihn, um auch sein Zweikampfverhalten noch zu verbessern.

Ruwen Werthmüller

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Werthmüller kam genau wie Michelbrink dieses Jahr von der U19 zur zweiten Mannschaft von Hertha BSC und stand ebenfalls bisher in jedem Spiel auf dem Platz. Er spielt bevorzugt im Sturmzentrum oder auf der linken Außenbahn. Seine größte Stärke ist sicherlich seine hohe Endgeschwindigkeit gepaart mit einem guten Antritt. So kann er immer wieder zu gefährlichen Tiefenläufen ansetzten und sorgt besonders dann für Gefahr, wenn er mit hoher Geschwindigkeit auf das gegnerische Tor oder die Abwehr zu laufen kann. Wie zum Beispiel am ersten Spieltag, als Lok Leipzig in der Schlussphase noch einmal Druck machte, aber der eingewechselte Werthmüller bei einem Konter denn Ball entscheidend in Richtung des Strafraums trieb und so das entschiedene 3:1 vorbereitete.

Da Hertha jedoch sehr häufig gegen tiefstehende Gegner spielt, kommt es nicht allzu oft zu solchen Situationen. Das Kombinationsspiel und die Technik gehören nicht zu Werthmüllers größten Stärken. So gab es Spiele, in denen er kaum auffiel und wenig Gefahr ausstrahlte. Und auch vor dem Tor muss der Schweizer noch effizienter werden. Unter Trainer Neuendorf erhält die nötige Spielpraxis, um sich in diesen Bereichen noch zu verbessern und weiterzuentwickeln.

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