Arne Maier – Trotz Tapetenwechsels kein Durchbruch

Arne Maier – Trotz Tapetenwechsels kein Durchbruch

Bei seinem Leihverein Arminia Bielefeld stand Arne Maier an den letzten drei Spieltagen nicht mehr im Kader und das obwohl er verletzungsfrei zu sein scheint. Wir blicken auf die schwierige Situation des 22-jährigen Mittelfeldspielers in Bielefeld, aber auch auf seine Vergangenheit und Zukunft in Berlin.

Erst Stammspieler, dann verletzt und unzufrieden

Eigentlich war Arne Maier doch schon in der ersten Bundesliga angekommen. In der Saison 2018/2019 gehörte er zum absoluten Stammpersonal bei Hertha und stand in 24 Spielen in der Bundesliga in der Startelf. Mit rund 2.000 Spielminuten war er in der letzten Saison während der ersten Dardai-Zeit der Sechser mit am meisten Spielzeit bei Hertha. Das Eigengewächs schien Gegenwart und Zukunft der „alten Dame“ zu sein. Zum Ende der Saison zog er sich jedoch eine schwere Verletzung am Innenband (Knie) zu und fiel daraufhin insgesamt sieben Monate verletzt aus.

Während dieser Ausfallzeit hat sich bei Hertha viel verändert. Pal Dardai musste gehen und mit Ante Covic kam ein neuer Trainer, Hertha gab die Zusammenarbeit mit Lars Windhorst bekannt und kurz nachdem Maier wieder einsatzbereit war, musste Covic den Verein schon wieder verlassen. Im darauffolgenden Winter machte Hertha bekanntermaßen umfangreich von den neuen finanziellen Mitteln Gebrauch und verpflichtete gleich zwei neue Spieler für das zentrale Mittelfeld. Plötzlich konkurrierte Maier mit Eduard Löwen, Santi Ascacibar und ab Sommer mit Rekordeinkauf Lucas Tousart.

Schon damals liebäugelte der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfene Maier mit einem Wechsel, da er mit seiner Gesamtsituation unzufrieden war. Dazu kam es aber zunächst nicht. Er beendete die Saison bei Hertha und stand in der Rückrunde noch dreimal über 90 Minuten auf dem Platz, hatte aber erneut immer wieder kleinere Verletzungsprobleme.

Foto: IMAGO

Während der darauffolgenden Sommervorbereitung, in der er unter anderem auch die deutsche U21-Nationalmannschaft als Kapitän anführte, schien er wieder mehr in den Fokus gerückt zu sein. Labbadia hatte ihn auch fest für die anstehende Saison eingeplant, Maier selbst entschied sich aber dagegen den Konkurrenzkampf bei Hertha anzunehmen und schätzte seine Einsatzchancen bei Hertha nicht allzu hoch ein. So wechselte er wenig später zum Aufsteiger Arminia Bielefeld.

Glücklos in Bielefeld

Bei der Bekanntgabe des Wechsels erklärte er diesen Schritt noch einmal: „Ich bin noch ein junger Spieler, habe aber einen klaren Plan und habe mir ambitionierte Ziele gesteckt. Möglichst viel Spielzeit ist daher für mich wichtig, um den für mich persönlich nächsten Entwicklungsschritt zu machen. Dafür sehe ich in Bielefeld optimale Bedingungen.“

Mehr als vier Monate später muss man feststellen, dass statt dem nächsten Entwicklungsschritt eher ein Rückschritt für Maier folgte. Zweimal durfte er für die Arminia starten, beide Male wurde er zur Halbzeit wieder ausgewechselt. Dreimal wurde er in den Schlussminuten eingewechselt. Dabei ist es gar nicht so einfach die Gründe dafür, dass Maier so wenig spielt, klar zu benennen.

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Maier kam mit Verletzungsproblemen (erneut am Knie) zu Bielefeld und hatte dementsprechend kaum die Möglichkeit, sich im neuen Umfeld einzugewöhnen. Seine ersten Einsätze machte Maier aber trotzdem nur kurz nach seinem Wechsel. Zu früh, meint Bielefeld-Trainer Uwe Neuhaus mittlerweile und glaubt, dass man ihn damals zu wenig Zeit gegeben hat, um sich vollumfänglich von der Verletzung zu erholen. Zum Jahresende zog er sich dann erneut eine Verletzung zu, diesmal am Sprunggelenk. Auch in Maiers privatem Umfeld scheint es Schwierigkeiten gegeben zu haben, zwischenzeitlich fehlte er aufgrund „privater Angelegenheiten“. Bei seinen ersten Einsätzen für Bielefeld war er zudem an einigen unglücklichen Szenen, die zu Gegentoren führten, direkt beteiligt.

Seit Jahresbeginn trainiert Maier wieder regelmäßig mit der Mannschaft, scheint aber weiterhin nicht zurück in die Spur zu finden. Ob dies nun an seinem Leistungs- oder an seinem Fitnesszustand liegt oder noch andere Gründe hat, lässt sich von außen schwer sagen und lässt auch viele Bielefeld-Fans ratlos zurück. Denn eigentlich hätte Maier die Qualitäten, die Mannschaft spielerisch weiterzubringen. Davon scheint er aber aktuell so weit entfernt zu sein, dass er bei den letzten drei Spielen nicht mal mehr im Kader stand. Aktuell deutet auch wenig auf eine Trendwende hin. Uwe Neuhaus meint dennoch: „Ich glaube, dass die Zeit für ihn spricht: Wenn er gesund bleibt, wird er irgendwann spielen“.

Perspektive bei Hertha

Unabhängig davon, wie sich seine Leihe weiter gestaltet, steht fest, dass Maier im Sommer wieder zur Hertha zurückkehren wird. Eine an die Leihe geknüpfte Vertragsverlängerung bindet den Mittelfeldspieler noch bis mindestens 2023 an den Verein. Ob er aber wieder ein wichtiger Bestandteil des Teams werden kann, ist zum aktuellen Zeitpunkt zumindest fraglich. Pal Dardai kennt Maier gut und verhalf ihm zu seiner bisher besten Phase in seiner Karriere. Unter ihm feierte Maier sein Bundesligadebüt und wurde zum Stammspieler. Es ist durchaus denkbar, dass Maier unter Dardai, sollte dieser über die aktuelle Saison hinaus bei Hertha bleiben, wieder zu alter Stärke findet.

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Von seinem Spielerprofil würde er weiterhin gut in den Kader der Hertha passen. Gute Passgeber, die besonders beim Übergang vom Spielaufbau ins Angriffsdrittel helfen können, fehlen Hertha aktuell. Besonders wenn Guendouzi den Verein im Sommer verlässt, kann Hertha einen Spielertypen wie Maier gut gebrauchen. Auch für die mittelfristig angepeilte spielerische Weiterentwicklung könnte ein spielstarker Sechser wichtig sein. Dazu muss er zunächst aber wieder ein gutes Fitness- und Leistungsniveau erreichen.

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Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Borussia Dortmund

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Borussia Dortmund

Den Schwung aus dem guten Augsburg-Spiel kann Hertha nicht über die Länderspielpause hinaus mitnehmen und unterliegt deutlich gegen den BVB. Auf eine gute erste Hälfte folgt eine deutlich schwächere Zweite, in der Dortmund fünf Tore erzielt. Wir schauen auf die individuellen Leistungen einiger Herthaner.

Krzysztof Piatek – Chance nicht genutzt

Nach dem Ausfall von Stammstürmer Jhon Cordoba stellte man sich in Berlin die Frage, ob Krzystof Piatek nun seine Chance nutzt und sein 24-Millionen-Euro-Versprechen einlösen würde. Für das Dortmund-Spiel lautet die Antwort auf diese Frage sicherlich nein.

Fairerweise muss hier jedoch erwähnt werden, dass es für den Mittelstürmer kein einfaches Spiel war. Es gab nicht allzu viele Szenen, in denen er sich hätte auszeichnen können und mit Mats Hummels und Manuel Akanji hatte er zwei Innenverteidiger mit guter Tagesform als Gegenspieler gegen sich. Hinzukommt, dass Labbadias Spielweise weiterhin nicht ideal auf seine Stärken zugeschnitten ist.

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Es muss jedoch genauso festgehalten werden, dass Piatek in einigen Phasen des Spiels fast unsichtbar und kaum in das Spiel der Hertha involviert war. So blieb er über weite Strecken des Spiels sehr unauffällig. Nur die Beteiligung am Kopfballduell vor dem 1:0 lässt sich noch wohlwollend hervorheben. Keine Schussaktion und die wenigsten Ballaktionen von allen Herthaspielern, die in der Startelf standen, unterstreichen den Eindruck einer schwachen Leistung noch einmal. Solche Spiele sind für Abschlussstürmer, wie Piatek einer ist, nicht untypisch, aber trotzdem enttäuschend.

Der Mittelstürmer hat wenig angeboten und wurde aber auch selten eingesetzt. Beides muss sich in den nächsten Spielen ändern, wenn er längerfristig als ernsthafter Konkurrent zu Cordoba gelten möchte.

Peter Pekarik – Kein Zeichen von Müdigkeit

Zweimal stand Peter Pekarik in der Woche vor dem Dortmund-Spiel bereits über 90 Minuten für die slowakische Nationalmannschaft auf dem Platz und am Samstag folgte dann direkt der nächste Einsatz im Berliner Olympiastadion. Ein enormes Spielpensum, welches der Rechtsverteidiger in dieser Woche absolviert hat. Umso erstaunlicher ist es, dass er einer der besseren in der Viererkette gegen Dortmund war.

In der ersten Halbzeit ließ er über seine Seite fast gar nichts zu und machte es Raphael Guerreiro schwer. Im Strafraum war Pekarik sehr aufmerksam und blockte unteranderem einen gefährlichen Schuss von Erling Haaland. Auch die Abstimmung mit Vladimir Darida passte und so erledigte er seine Aufgabe gewohnt routiniert. In den Spielaufbau war er aber nicht allzu stark eingebunden.

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In der zweiten Halbzeit lief für den Slowaken defensiv nicht mehr alles so optimal und besonders beim 1:4-Treffer kam er etwas zu spät und konnte Guerreiro nicht mehr ausreichend am Abschluss hindern. Dafür konnte er sich in zwei Szenen nach dem 1:2 offensiv einschalten. In beiden Szenen rückte er hoch bis in den Sechzehner auf und wurde am zweiten Pfosten angespielt. Beide mal konnte er seine Chance auf den Ausgleich jedoch nicht nutzen.

Insgesamt kein einfaches Spiel für Peter Pekarik, in dem man ihm trotz fünf Gegentoren nicht allzu viel vorwerfen kann und der trotz vieler Minuten in den Beinen ein solides Spiel machte.

Omar Alderete und Dedryck Boyata – Ein Rückschritt

Ähnlich wie bei fast allen Spielern von Hertha war auch bei Dedryck Boyata und Omar Alderete der Leistungsunterschied zwischen den beiden Halbzeiten groß. In der ersten 45 Minuten schafften es die Innenverteidiger sehr gut, Dortmund weitestgehend aus dem eigenen Strafraum fernzuhalten. Viele Bälle fing man mit solidem Stellungspiel ab und lies nur wenige Chancen zu. So hatte Dortmund sich zur Halbzeit nur einen xG-Wert von ca. 0,4 erspielt.

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In der zweiten Halbzeit änderte sich dieses Bild komplett. Man bot den Dortmundern deutlich mehr Räume und konnte nicht mit dem herausragend aufspielendem Erling Haaland mithalten. Besonders die Geschwindigkeitsnachteile der beiden Innenverteidiger zeigte dieser noch einmal auf und konnte sich Chance um Chance erspielen. Gleich bei mehreren Gegentoren war zudem der Abstand zu Haaland deutlich zu groß. Außerdem passten Abstimmung und Zusammenspiel in Herthas Defensive in vielen Szenen überhaupt nicht und so machte man es den Dortmundern oft sehr leicht auf dem Weg zum Tor.

Ein klarer Rückschritt zu den Auftritten gegen Wolfsburg und Augsburg, bei denen man sich deutlich stabilisierter in der Abwehr zeigte.

Und dann waren da noch:

Das Mittelfeld: In der ersten Halbzeit machte das Mittelfeld aus Matteo Guendouzi, Niklas Stark und Vladimir Darida das Zentrum dicht und war oft sehr nah am Gegenspieler. In der zweiten wurde man mehrmals deutlich zu einfach überspielt und kam kaum noch in die Zweikämpfe. Guendouzi war erneut der Spielmacher aus dem Mittelfeld und besonders in den Spielaufbau stark eingebunden. Aber auch er zeigte trotz herausgeholtem Elfmeter in der zweiten Hälfte des Spiels nicht mehr seine beste Leistung.

Matheus Cunha: Cunha war auch gegen Dortmund bester Herthaner auf dem Platz und machte besonders mit seinem wunderschönen Fernschusstor erneut auf sich aufmerksam. Er war der Aktivposten in Herthas Offensive und an nahezu jedem Angriff der Hertha beteiligt. Auch die Zahlen stimmten bei ihm erneut: zwei Tore, drei Torschüsse und vier gewonnene Dribblings.  Umso verärgerter zeigte er sich über die zahlreichen Gegentore, die seine Mannschaft kassierte und ließ sich das auch in einigen Szenen anhand seiner Körpersprache anmerken.

[Titelbild: Clemens Bilan – Pool/Getty Images]

Marton Dardai – Zwischen Bundesligadebüt und Regionalligaunterbrechung

Marton Dardai – Zwischen Bundesligadebüt und Regionalligaunterbrechung

Beim Auswärtsspiel gegen Augsburg dürfte Marton Dardai erstmals in das Rampenlicht der Bundesliga treten und sein Profidebüt feiern. Zwar kam er erst in den letzten Minuten des Spiels auf den Platz, ein besonderer Moment in seiner Fußballerkarriere wird es aber trotzdem gewesen sein. Wir werfen einen genaueren Blick auf die letzten Monate, den Spielstil und die aktuelle Situation des 18-jährigen Sohns von Ex-Trainer Pal Dardai.

Ein turbulentes Jahr

Auch für Marton Dardai wird das Jahr 2020 turbulent gewesen sein. Das vermutlich nicht nur weil er, wie viele andere mit den Umständen der Corona-Pandemie konfrontiert wurde, sondern auch weil sportlich für ihn Einiges passierte. Zu Jahresbeginn durfte Dardai zum ersten Mal für die U23 in der Regionalliga auflaufen. Zuvor hatte er anderthalb Jahre sehr erfolgreich bei der U19 gespielt. Dort führte er das Team teilweise als Kapitän auf den Platz und löste sein Ticket für die Teilnahme an der U17-Europameisterschaft mit der deutschen Jugendnationalmannschaft.

In den Jugendwettbewerben wurde im Frühjahr der Spielbetrieb eingestellt und bei Herthas Bundesliga-Mannschaft übernahm Bruno Labbadia im April den Trainerposten. Als der Trainingsbetrieb langsam wieder in Kleingruppen aufgenommen wurde, bildete das Team rund um Labbadia auch eine Gruppe mit acht Jugendspielern, die sich das Trainerteam mal genauer anschauen wollte. Darunter auch Marton Dardai.

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In den letzten neun Bundesligapartien der Saison saß Dardai dann sechsmal auf der Bank und gehörte nun zum erweiterten Kader der Profis. Er scheint also einen positiven Eindruck bei Labbadia hinterlassen zu haben, denn dieser ermöglichte ihm den rasanten Aufstieg von der U19 (über die U23) zu den Profis in nur wenigen Monaten. Die Sommervorbereitung machte Dardai dann ebenfalls bei der ersten Mannschaft mit und trainierte auch in den letzten Monaten bei nahezu jeder Einheit unter Labbadia mit. Spielpraxis sammelt er hingegen bei der zweiten Mannschaft. Dort steht er regelmäßig mit seinem älteren Bruder Palko auf dem Platz. Marton Dardai zeigte gute Trainingsleistungen und hat sich laut Labbadia in einigen Bereichen zuletzt auch noch individuell verbessert. So kam es nun am siebten Spieltag zu seinem Debüt, das der Cheftrainer als „eine logische Folge“ (kicker) sieht.

Ruhig und Spielstark

Marton Dardai spielt am liebsten auf der linken Innenverteidigerposition und lief dort auch die meiste Zeit in den Jugendmannschaften auf. Auf dem Spielfeld ist er sehr weit für sein Alter (18 Jahre) und im Jugendbereich dürfte er auch immer wieder die Rolle des Kapitäns einnehmen. Er kann ein Team anführen und scheut sich nicht davor, es mit lauten Kommandos anzuleiten. Auch mit seiner Spielweise zeigt er sich sehr reif. Gegen den Ball löst er Situationen zumeist sehr souverän und glänzt mit gutem Stellungsspiel. Sein Zweikampfverhalten war in den U-Mannschaften nicht allzu auffällig, aber über die letzten Monate hat er vor allem körperlich nochmal zugelegt. Er wirkt zudem selten nervös, sondern strahlt in den meisten Situationen eine große Ruhe aus und hat ein gutes Kopfballspiel.

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Seine größte Stärke ist aber sein Spielaufbau mit seinem überdurchschnittlich guten linken Fuß. Der zweitjüngste Dardai-Sohn zeigt stets eine gute Übersicht und findet seine Mitspieler fast überall auf dem Feld. Er kann gute linienbrechende Schnittstellenpässe, aber auch lange Bälle hinter die letzte Kette spielen. Genauso liegen ihm Verlagerungen und schnelle Pässe in den Lauf. Sein Passspiel kann den Spielaufbau einer Mannschaft enorm beleben. Typisch für ihn ist außerdem, dass er gegen tiefstehende Jugendmannschaften auch gerne mal etwas weiter vorne auftauchte und aus der zweiten Reihe abzog.

Insgesamt lässt sich Marton Dardai als ein sehr ruhiger und spielstarker Innenverteidiger beschreiben.

Es ist kompliziert

Auch wenn das Bundesliga-Debüt anderes vermuten lässt, ist die Situation für Marton Dardai bei den Profis nicht leicht. Auf seiner Position hat er mit Omar Alderete und Jordan Torunarigha zwei Spieler vor sich, die zuletzt zu überzeugen wussten und wohl den Platz in der linken Innenverteidigung zunächst unter sich ausmachen werden. Ob er in naher Zukunft zu weiteren, eventuell auch längeren Einsätzen kommen wird, hängt dabei also unter anderem von der Verletzungssituation und Faktoren, die er selbst nicht beeinflussen kann ab. Das weiß auch Bruno Labbadia und meint: „Sein Bundesliga-Debüt war jetzt nur der kleine Anfang. Der weitere Weg wird noch ein Stück dauern.“

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Erschwerend kommt für Dardai und die anderen Talente nun noch hinzu, dass die Saison in der Regionalliga unterbrochen wurde. Die für Talente und ihre Entwicklung so wichtige Spielzeit wird für den 18-Jährigen also vorerst wegfallen. Insgesamt also keine einfachen Umstände für den jungen Innenverteidiger. Der erste Einsatz unter Labbadia lässt sich so auch als eine Art Motivationsanschub für die schwierigen nächsten Wochen und Monate sehen. Für Dardai gilt also weiterhin: geduldig sein und hart arbeiten. Sollte die Profimannschaft in den nächsten Monaten konstanter gute Ergebnisse einfahren, wird es Bruno Labbadia sicherlich auch leichter fallen, den jungen Spielern mehr Spielzeit zu geben.

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Herthas U23 – Wie schlägt sich Berlins Zukunft?

Herthas U23 – Wie schlägt sich Berlins Zukunft?

Während die erste Bundesliga bisher nur zum dritten Spieltag fortgeschritten ist, spielte die Truppe von Andreas „Zecke“ Neuendorf in der Regionalliga bereits gegen neun verschiedene Gegner aus dem Nordosten Deutschlands. Zeit für einen Blick auf den Saisonstart, den Kader und einige Einzelspieler der U23.

Noch läuft nicht alles

Bei der zweiten Mannschaft von Hertha BSC hat sicherlich die Weiterentwicklung der Jugendspieler Vorrang gegenüber dem sportlichen Erfolg. Dennoch wollen wir hier einen kurzen Blick auf die gesamtmannschaftliche Lage in der Anfangsphase der Regionalligasaison werfen.  Schaut man auf die Ergebnisse der ersten neun Spiele bis zur Länderspielpause, deutet sich ein recht durchwachsener Saisonbeginn an. Drei Siege, drei Niederlagen und drei Remis bei einem Torverhältnis von elf geschossenen zu viertzehn kassierten Toren konnte die U23 verbuchen. Anders als in der vergangenen Saison, in die man mit sechs Siegen aus den ersten sieben Spielen sehr erfolgreich gestartet war, glich die Anfangsphase dieser Saison eher einem Auf und Ab. Denn den zwei siegreichen ersten Spielen folgte eine Phase aus sechs Spielen in denen man sieglos blieb, darunter auch eine 2:5-Niederlage gegen den Berliner AK. Zuletzt konnte man sich wieder etwas fangen und die Spiele vor der Unterbrechung etwas erfolgreicher gestalten. Dennoch läuft in einigen Bereichen noch nicht alles wie gewünscht.

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Ein paar mögliche Ursachen und Umstände dafür, dass bei der Mannschaft von Andreas „Zecke“ Neuendorf noch nicht alles optimal läuft, lassen sich aber herausarbeiten. Ein Grund dafür mag sicherlich der Umbruch im Kader sein, der in diesem Jahr besonders groß war. Insgesamt sieben Spieler aus der U19 sind nun fester Bestandteil der zweiten Mannschaft und müssen sich teilweise erst an den Männerfußball in der Regionalliga gewöhnen. In der verkürzten Vorbereitung fehlte außerdem Zeit, um sich als Team besser zusammenzufügen und das Zusammenspiel zu verbessern. Das Resultat: in der Mannschaft fehlt es an Abstimmung und man ist auf dem Platz noch nicht so gut aufeinander eingespielt. Ganz ähnliche Probleme also wie in der Profimannschaft von Bruno Labbadia.

Dass viele junge Spieler die Vorbereitung nicht in der zweiten Mannschaft mitmachten, sondern zunächst bei den Profis trainierten und teilweise eher spontan zum Team stoßen, mag ein weitere Ursache für dieses Problem sein. Darunter litt auch das Offensivspiel der Mannschaft, bei dem viel Wert auf gut abgestimmte und schnelle Kombinationen gesetzt wird. Man zeigte zwar fast nie eine schlechte Leistung, doch die aus den vergangenen Jahren bekannte offensive Wucht und Dominanz konnte man bis jetzt kaum zeigen. Trotz mehr Ballbesitz blieb man oft zu ungefährlich und zeigte sich defensiv wiederum anfällig. Die Länderspielunterbrechung könnte der zweiten Mannschaft hier jetzt entgegenkommen. Zwar muss man auch einige Spieler für die Jugendnationalmannschaften abstellen, jedoch ist die Zahl der Spieler hier deutlich geringer als beim Team von Bruno Labbadia. So kann man die Trainingszeit gut nutzen, um besser als Team zusammenzuwachsen und die Abstimmung zu verbessern, sodass man in der Tabelle wieder etwas nach oben klettert.

Erwartbare Inkonstanz

Der kleinere Leistungseinbruch soll hier aber auch gar nicht größer gemacht werden, als er war. In einer Krise befindet sich die Mannschaft keineswegs und eine gewisse Inkonstanz war sogar zu erwarten. Denn die Mannschaft ist das jüngste Team der Liga und gleicht in vielen Teilen eher einer U21 als einer U23. So ist nach dieser ersten Saisonphase unter den zehn Spielern mit den meisten Einsatzminuten nur ein Spieler gewesen, der älter als 21 ist. Und das ist der 30-jährige Kapitän Tony Fuchs. 16 Spieler aus dem Kader sind 19 Jahre alt oder jünger. Ein so junges Team darf Fehler machen. 

Umso erstaunlicher ist es, dass man weiterhin nahezu jeden Gegner, was die Ballbesitz und Passzahlen angeht, dominiert. Und das gegen Spieler, die zum Teil zehn Jahre älter und körperlich deutlich weiter und robuster sind. Nur an offensiver Durchschlagskraft und Effizienz vor dem Tor mangelt es dem Team aktuell ein wenig. Aber auch das ist wenig überraschend, da der Toptorschütze der letzten Saison, Muhammed Kiprit, zum Drittligisten Uerdingen wechselte und Jessic Ngankam, Spieler mit den meisten Scorerpunkten in der letzten Saison, zuletzt vor allem bei den Profis zu finden war. Nachrückende Spieler benötigen meist etwas Zeit, um sich an das gesteigerte Niveau zu gewöhnen. Geduld ist gefragt und die bringt Trainer „Zecke“ Neuendorf mit.

Auffällige Einzelspieler

Abgänge und Umbruch bedeuten auch es gibt einige neue Gesichter, die sich nun in der Mannschaft von Zecke Neuendorf zeigen können. Wir wollen nun einen kurzen Blick auf einige Einzelspieler werfen, die über die letzten Wochen aufgefallen sind oder neu im Team sind.

Jonas Michelbrink

Michelbrink ist einer von nur drei Spielern, die bisher in jedem Spiel der Saison auf dem Platz standen. Diese Zeit nutzte er gut und machte mächtig auf sich aufmerksam. Michelbrink spielt in der U23 auf der Zehn und war in der letzten Saison Stammspieler in der U19. Dort stand er aber immer ein wenig im Schatten von Lazar Samardzic. Nun nutzte der 19-Jährige seine Chance und konnte besonders zu Saisonbeginn seine Stärken fantastisch auf den Platz bringen. Der gebürtige Hannoveraner bringt eine tolle Technik sowie eine gute und vor allem enge Ballführung mit. Das macht ihn für seine Gegenspieler schwer zu greifen und er kann sich auch im dicht besetzten Zentrum mit Ball am Fuß behaupten.

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Außerdem verfügt er über eine gute Übersicht. Immer wieder gelingt es ihm mit seinem starken rechten Fuß seine Mitspieler gut einzusetzen und Gefahrensituationen zu kreieren. Wenn sich die Gelegenheit bietet, setzt Michelbrink auch gerne mal zu einem Dribbling an. Wie zum Beispiel am dritten Spieltag beim Auswärtsspiel gegen Chemie Leipzig als er mit einem tollen Dribbling an seinem Gegenspieler vorbeiging und so von links in den Strafraum eindringen konnte. Kurz vor dem Tor legte er dann überlegt zu Muhammed Kiprit rüber, der dann zum 1:0 verwandeln konnte.

In den letzten Spielen zeigte Jonas Michelbrink sich nicht mehr ganz so auffällig, gehörte aber definitiv zu den besseren Spielern im Team. Insgesamt ist Michelbrink aber ein Spieler, der das Offensivspiel der U23 mit seiner Kreativität beleben kann und dem zurzeit recht dezimierten Regionalligapublikum mit seinen Aktionen immer wieder ein Raunen entlockt. Schafft er es, sich auch in schwierigen Spielen noch mehr zu zeigen, kann man mit einer tollen Saison bei der U23 von ihm rechnen. Seine gute Leistung wurde nun auch von Cheftrainer Bruno Labbadia honoriert indem er Michelbrink während der Länderspielpause erste Trainingseinheiten bei den Profis mitmachen ließ.

Luca Netz

Netz gilt als eines der größten Talente bei Hertha und sogar in Deutschland. Hinter ihm liegt ein turbulenter Sommer mit einer Verletzung, einer Auszeichnung mit der Fritz-Walter-Medaille und seiner ersten Saisonvorbereitung bei den Profis. Als die Saison bei den dann Profis begann, sammelte Luca Netz seine ersten Einsätze bei der zweiten Mannschaft, um Spielpraxis zu bekommen. Netz ist der einzige Spieler aus dem 2003er-Jahrgang im Team von „Zecke“ Neuendorf und er könnte mit seinen 17 Jahren eigentlich noch bei der U17 spielen.

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Drei Spiele machte der Linksverteidiger bisher in der Regionalliga und konnte seine Qualitäten bereits recht gut einbringen. Er ist ein Linksverteidiger, der sich sehr gerne am Offensivspiel beteiligt und immer wieder tief in der gegnerischen Hälfte zu finden ist. Mit Ball sucht er gerne den direkten Weg in den Sechzehner, auch mal mit einem cleveren Dribbling, oder zur Grundlinie. So kommt er gut in Positionen aus denen er gefährliche Hereingaben ins Zentrum spielen kann. Besonders im Spiel gegen den Chemnitzer FC am 8. Spieltag konnte mehrfach solche Hereingaben von ihm beobachten. Halbherzige Halbraumflanken sieht man also von ihm eher weniger.

Um rechtzeitig wieder auf seine Position im Spiel gegen den Ball zu kommen, verfügt er über das nötige Tempo und ist außerdem recht laufstark. Er muss bei seiner Defensivarbeit aber noch etwas konsequenter werden. Die Regionalliga ist da sicher ein guter Zwischenschritt für ihn, um auch sein Zweikampfverhalten noch zu verbessern.

Ruwen Werthmüller

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Werthmüller kam genau wie Michelbrink dieses Jahr von der U19 zur zweiten Mannschaft von Hertha BSC und stand ebenfalls bisher in jedem Spiel auf dem Platz. Er spielt bevorzugt im Sturmzentrum oder auf der linken Außenbahn. Seine größte Stärke ist sicherlich seine hohe Endgeschwindigkeit gepaart mit einem guten Antritt. So kann er immer wieder zu gefährlichen Tiefenläufen ansetzten und sorgt besonders dann für Gefahr, wenn er mit hoher Geschwindigkeit auf das gegnerische Tor oder die Abwehr zu laufen kann. Wie zum Beispiel am ersten Spieltag, als Lok Leipzig in der Schlussphase noch einmal Druck machte, aber der eingewechselte Werthmüller bei einem Konter denn Ball entscheidend in Richtung des Strafraums trieb und so das entschiedene 3:1 vorbereitete.

Da Hertha jedoch sehr häufig gegen tiefstehende Gegner spielt, kommt es nicht allzu oft zu solchen Situationen. Das Kombinationsspiel und die Technik gehören nicht zu Werthmüllers größten Stärken. So gab es Spiele, in denen er kaum auffiel und wenig Gefahr ausstrahlte. Und auch vor dem Tor muss der Schweizer noch effizienter werden. Unter Trainer Neuendorf erhält die nötige Spielpraxis, um sich in diesen Bereichen noch zu verbessern und weiterzuentwickeln.

[Titelbild: IMAGO]

Herthaner im Fokus: SV Werder Bremen – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: SV Werder Bremen – Hertha BSC

Nach dem turbulenten Pokalaus in Braunschweig ging es am ersten Bundesligaspieltag für die Mannschaft der „Alten Dame“ in die Hansestadt nach Bremen. Erneut schoss man vier Tore, jedoch konnten die Berliner dieses Mal mit einem Sieg in der Tasche nach Hause fahren. Man zeigte einen deutlich stabileren Auftritt und konnte seine individuelle Qualität offensiv gut auf den Platz bringen. Auch in dieser Saison wollen wir auf herausstechende – positiv wie negativ – Leistungen von Herthanern blicken – heute für den 4:1-Sieg über den SV Werder Bremen.

Dedryck Boyata – sorgt für Stabilität

Zum Pokalspiel letzte Woche wurde Dedryck Boyata aufgrund von Beschwerden an der Achillessehne noch schmerzlich vermisst. Nun kehrte der Belgier zusammen mit Jordan Torunarigha in die Herthaner Innenverteidigung zurück und konnte sogleich mit einer starken Leistung überzeugen.

In der insgesamt chancenarmen ersten Hälfte des Spiels hatte Hertha die größeren Spielanteile und 60% Ballbesitz. Boyata war also vor allem im flachen Spielaufbau der Hertha gefragt. Gewohnt sicher verteilte er die Bälle ohne dabei zu sehr ins Risiko zu gehen. 53 seiner 59 Pässe kamen so beim Mitspieler an, Bestwert unter allen 22 Spielern. Die meisten davon spielte er nicht in die Tiefe, sondern zu seinen Partnern in der Viererkette, einem abkippenden Mittelfeldspieler oder Alexander Schwolow im Tor. Nur eine Szene im Spielaufbau muss man dem 29-Jährigem ankreiden: in der 30. Minute spielte er unbedrängt einen Fehlpass zum Gegenspieler. Werder konnte von diesem Fehler dank einer Parade von Alexander Schwolow aber nicht mit einem Treffer profitieren. Sonst blieb Boyata fehlerfrei und stand stets als Anspielstation in der Viererkette zur Verfügung. Insgesamt kommt „Dedo“ so auf 76 Ballkontakte. Höchstwert bei der Hertha.

Photo by Martin Rose/Getty Images

In der zweiten Hälfte nahm das Spiel mehr Fahrt auf und die Bremer übten nach Rückstand gezwungenermaßen zeitweise mehr Druck aus. So waren auch die Defensivspieler stärker gefragt. Besonders Boyata konnte neben Torunarigha bei der Arbeit gegen den Ball glänzen. Zahlreiche Hereingaben fing er durch kluges Stellungsspiel ab, Flanken klärte er mit starkem Kopfballspiel und insgesamt zeigte er eine große Präsenz rund um den eigenen Sechszehner. Einige Angriffe konnte Boyata bereits früh unterbrechen indem er herausrückte, um den Gegenspieler unter Druck zu setzen. Diese starke Defensivleistung schlägt sich auch in den Statistiken nieder: Sieben geklärte (alle zentral am und im Strafraum), drei abgefangene Bälle.

Nur einmal sorgte Boyata bei seiner Defensivarbeit für einen Schreckmoment, als er einen Fernschuss gefährlich per Kopf ablenkte. Doch Schwolow war auch hier zur Stelle. Ansonsten zeigte sich der rechte Innenverteidiger deutlich stärker im Zweikampf und in der Arbeit gegen den Ball als seine Kollegen eine Woche zuvor. Auch seine Bedeutung bei Standards konnte er gegen Bremen zeigen, als er sich in der 71. Minute bei einer Ecke gut durchsetzte und den Kopfball knapp über das Tor köpfte. Ähnlich stark präsentierte er sich auch defensiv bei den ruhenden Bällen.

Boyata war durch seine gute Leistung mit dafür verantwortlich, dass Werder Bremen über weite Teile so wenig Gefahr ausstrahlte. Zusammengefasst erfüllte Boyata also die Hoffnungen auf einen stabileren Auftritt mit ihm in der Innenverteidigung und zeigte, wie schon in weiten Teilen der letzten Saison, eine gewohnt starke Darbietung als Abwehrchef.

Peter Pekarik – nicht nur defensiv gefragt

Der Ein oder Andere wird sicherlich überrascht gewesen sein als am Samstag um 14:30 die Aufstellung bekannt gegeben wurde. Denn nicht etwa der vielversprechende Neuzugang Deyovaisio Zeefuik startete für die Berliner auf der Rechtsverteidigerposition, sondern Peter Pekarik, der über die letzten Jahre eigentlich nur als Ersatzspieler gefragt war. Der Slowake sollte seine Berufung in die Startelf jedoch absolut rechtfertigen.

In der Anfangsphase machte Pekarik nur in einer Szene wirklich auf sich aufmerksam. Nach einem Einwurf auf der rechten Seite tief in der Bremer Hälfte erhielt Pekarik den Ball. Er schaltete schnell und schlug eine präzise Flanke genau auf den Elfmeterpunkt. Dort lauerte bereits Piatek, setzte sich stark gegen zwei Gegenspieler durch und lenkte den Ball per Kopf an die Latte. Die erste richtige Tormöglichkeit für Hertha. Ansonsten nahm Pekarik solide am Kombinationsspiel und den längeren Ballbesitzstaffetten der Mannschaft teil. Aber so wie das ganze Spiel zu Beginn sonst recht ereignislos blieb, war auch Pekarik nicht sonderlich auffällig, machte seine Arbeit aber solide. Wie unter Labbadia üblich positionierte sich der Rechtsverteidiger etwas höher, während Darida abkippte. Von seiner Positionierung profitierte Pekarik dann auch in 41. Minute als das 1:0 fiel. Pekarik entschied sich bei einer potentiellen Gefahrensituation dazu, mit bis in den Strafraum der Bremer zu gehen. Pekariks Gespür und die gute Strafraumbesetzung der Berliner zahlte sich aus, denn Mittelstädt brachte den Ball nun von links mit viel Schnitt in den Raum zwischen Torwart und Bremer Defensivspielern. Während Lucas Tousart und Krzysztof Piatek den Ball zentral knapp verpassten, lauerte Pekarik am zweiten Pfosten und versenkte den Ball im Netz.

Foto: IMAGO

Nur drei Minuten später stand Peter Pekarik erneut im Fokus. Am rechten Strafraumrand erhielt er den Ball und versuchte mitsamt an Gegenspieler Marco Friedl vorbei in den Strafraum zu gehen. Dieser konnte ihn jedoch nur mit einem Foul aufhalten und brachte Pekarik zu Fall. Schiedsrichter Sasha Stegemann entschied zunächst auf Elfmeter, wurde dann aber vom VAR informiert und gab Freistoß, da das Foul außerhalb des Strafraums begonnen habe. Eine knappe Entscheidung nach der erneut starken Aktion des 33-Jährigen.

Nach der Halbzeit war Pekarik vor allem defensiv gefordert, denn das Spiel wurde zerfahrener und Herthas Ballbesitzphasen kürzer. Und auch das machte er gewohnt stark. Nur einmal kamen die Bremer über seine Seite gefährlich vors Tor. Pekarik setzte Flankengeber Ludwig Augustinson nicht ausreichend unter Druck. So schlug dieser den Ball an den zweiten Pfosten, wo Davie Selke nur noch einköpfen musste. Sonst gab es kaum ein durchkommen für die Bremer auf der rechten Seite und Pekarik verteidigte stark. Dafür sprechen auch die fünf abgefangenen Bälle, die vier Ballsicherungen und zwei klärenden Aktionen. Hinzukommt, dass er ganz ohne Foul auskam.

Erneut zeigt Pekarik also eine insgesamt sehr starke Leistung und knüpfte an seine Einsätze aus der letzten Saison an. Nach dem Spiel bekam er auch von Trainer Bruno Labbadia Lob: Pekarik sei ein „Vorbild für jeden jungen Spieler“ und würde sich stets sehr professionell verhalten. Pekarik zeigte sich in Bremen als ältester Spieler bei Hertha auf dem Platz vielleicht nicht als der dringend gesuchte Wortführer, aber er ging die mit seiner starken Leistung voran und führte das Team so zum Sieg. Spiet Pekarik so weiter, wird es nicht leicht für Neuzugang Zeefuik an ihm vorbeizukommen.

Matheus Cunha – da geht noch mehr

Matheus Cunha spielte am Samstag, wie auch schon in der Vorbereitung, als kreatives Element hinter dem Mittelsturm. Er ließ sich zwar oftmals fallen, um als Anspielstation zu dienen, konnte aber in den ersten 40 Minuten nicht dazu beitragen, mehr Zug zum Tor und Dynamik in das Spiel zu bringen. Dabei ist Cunha einer der wenigen Spieler in Herthas Kader, die das Ballbesitzspiel mit ihrer Kreativität noch unberechenbarer und gefährlicher machen können. Diese Qualität ließ er zwar immer wieder aufblitzen, einen bleibenden Eindruck aus der ersten Halbzeit konnte er aber nicht schaffen. Aber auch als Mannschaft schaffte man es zu wenig Cunha in Eins-gegen-eins-Situationen zubringen, in denen er so gefährlich sein kann.

Photo by PATRIK STOLLARZ/AFP via Getty Images

In der zweiten Hälfte war Cunha vor allem in Umschaltsituationen involviert, nachdem er sich auch recht fleißig im Gegenpressing und in der Arbeit gegen den Ball präsentierte. Neun Ballsicherungen und vier abgefangene Bälle sind für einen Angreifer ein sehr guter Wert. In den angesprochenen Umschaltmomenten zeigte sich Cunha nicht immer allzu glücklich. Öfters wählte er die falsche Entscheidung oder ihm fehlte die nötige Übersicht. So zum Beispiel in der 58. Minute als er anstatt den freistehenden Tousart anzuspielen, den eigenen Abschluss wählte. Und es gab weitere Situationen, bei denen man das Gefühl hatte, dass man diese hätte besser lösen können. Teilweise blieb Cunha zu lang am Ball oder verschleppte das Tempo ein wenig. So hatte der Brasilianer insgesamt 20 Ballverluste zu verantworten.

Und obwohl Cunha bei weitem nicht sein bestes Spiel zeigte, traf er erneut. Nach einem langen Ball und der Weiterleitung über Cordoba und Darida, zielte er auf das lange Toreck, traf den Ball aber nicht optimal. Jiri Pavlenka schaffte es dennoch nicht den Ball zu halten und so konnte Cunha mit dem Team das 3:0 bejubeln. Außerdem muss auch seine Dribbelstärke erneut hervorgehoben werden. Fünfmal schaffte er es seine Gegenspieler auszuspielen und ermöglichte dem Team so oft einen wichtigen Raumgewinn oder sich aus dem Druck zu befreien.

Schafft es Cunha noch etwas konstanter in seinen Aktionen zu werden und seine Entscheidungsfindung zu verbessern, steht einer tollen Saison mit vielen Torbeteiligungen als Unterschiedsspieler nichts im Weg.

Valdimir Darida – Spieler des Spiels

Vladimir Darida wurde gegen Bremen zum Spieler des Spiels. An seiner Leistung gab es quasi nichts zu kritisieren und an fast allen Offensivaktionen war er beteiligt. Im Ballbesitz ließ er sich viel auf die Rechtsverteidigerposition fallen und beteiligte sich so am Spielaufbau. Aus genau so einer Situation spielte er auch einen sehenswerten langen Ball auf Piatek. Dieser nahm den Ball gut an, stand jedoch knapp im Abseits. Immer wieder löste sich der Tscheche von seinem Gegenspieler, war anspielbar und bildete Dreiecke auf der rechten Seite. 

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Besonders das Zusammenspiel mit Pekarik hinterließ einen positiven Eindruck. Beim Lattentreffer von Piatek legte er den Ball zu Pekarik zurück, der dann die Flanke schlug. Beim beinahe gegebenen Elfmeter in der 44. Minute steckte Darida dann den Ball clever zu Pekarik durch. Eine Minute später war er erneut am Angriff beteiligt. Den Ballgewinn von Cunha in zentraler Position nutzte Darida herausragend und spielte einen perfekt getimten Schnittstellenpass auf den einlaufenden Dodi Lukebakio, der sicher verwandelte. In der 62. Minute gab es eine ganz ähnliche Situation. Jhon Cordoba schirmte einen Ball gut ab, Darida übernahm und spielte erneut mit viel Übersicht einen guten Pass auf den besser positionierten Cunha, der ebenfalls traf. Die Antwort auf die Frage, wer den Angriff jetzt eigentlich eingeleitet hatte, lautete gegen Bremen fast immer Darida. Er behielt stets die Übersicht und traf gute Entscheidungen.

Das gilt auch für die Defensivarbeit. Mit hoher Intensität beteiligte sich Darida am Pressing und Gegenpressing und unterstütze Pekarik auf der rechten Seite. Sehr diszipliniert verrichtete er seine Arbeit und war gewohnt laufstark (13,1 Kilometer, 34 Sprints und 109 Intensive Läufe sind jeweils Bestwert der Partie). Auch in anderen Bereichen lohnt sich ein Blick auf die Zahlen: zwei Torvorlage, drei Torschussvorlagen, eine herausgespielte Großchance, ein Keypass, drei abgefangene Bälle und sechs Ballsicherungen. Alle Werte unterstreichen seine Leistung noch einmal.

Rundum also eine starke Leistung von Valdimir Darida, der sowohl für die nötige Stabilität sorgte und gleichzeitig wichtiger Bestandteil im Offensivspiel war.

Jhon Cordoba – schlägt direkt ein

Erst am Dienstag wurde der Transfer von Jhon Cordoba offiziell gemacht. Zu seiner Vorstellung wurde mit den Attributen „Wucht, Dynamik und Durchsetzungsvermögen“ von Michael Preetz beschrieben. Vier Tage später kam er bereits zu seinem ersten Einsatz für Hertha.

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In der 61. Minute kam Cordoba für Piatek, der nicht seine beste Leistung zeigte, auf den Platz. Nur wenig später konnte er diese Stärken das erste Mal zeigen. Einen langen Abschlag von Alexander Schwolow schirmte er perfekt vom Gegenspieler ab, setzte dafür seinen Körper gut ein und ermöglichte Darida die Torvorlage zum 3:0. Nur rund zehn Minuten später hatte Cordoba dann selbst die Chance auf ein Tor. Nach einem Ballgewinn startete Torunarigha einen seiner berüchtigten Offensivläufe, war nicht zu stoppen und spielte einen tollen Pass auf den startenden Cordoba. Dieser stand nun allein vorm Torwart, vergab jedoch eine Riesenmöglichkeit. Zwei weitere Male kam Cordoba in der Schlussphase noch zu nennenswerten Abschlüssen, bevor er sein Debüt-Tor feiern konnte und den Sieg der Hertha endgültig besiegelte. Ein schöner Konter über Tousart und den ebenfalls eingewechselten Mathew Leckie, der gut in die Tiefe startete und den Ball überlegt mit dem Außenrist rüber zum freistehenden Cordoba legte, führte zum ersten Tor des Kolumbianers für seinen neuen Verein.

Insgesamt wirkte Cordoba in den etwas mehr als 30 Minuten deutlich präsenter als zuvor Piatek. Das lag auch an der ereignisreicheren Schlussphase des Spiels, aber der 15-Millionen-Neuzugang schaffte es in der kurzen Zeit sehr gut sich in die Mannschaft einzufügen und konnte mit seiner physischen Präsenz für Gefahr sorgen. Noch ein kurzer Blick auf die Zahlen bestätigt diesen Eindruck. Vier Torschüsse, alle sieben Pässe angekommen und ein Tor sind für einen in der 61. Minute eingewechselten Spieler sehr starke zahlen.    

Cordoba brauchte also keine lange Eingewöhnungszeit und bereitet Vorfreude auf weitere Auftritte.

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