Covic-Rückkehr und Kaderumbruch – So schlägt sich die Hertha-U23 bislang

von | Aug 25, 2021 | Hertha BSC, U23-Mannschaft | 0 Kommentare

Während die Profis von Hertha BSC gerade erst das zweite Spiel der Saison absolviert haben, haben die Spieler der U23 bereits ihre erste Englische Woche hinter sich und schon sechs Spiele absolviert. Wie schlägt sich die Nachwuchsmannschaft nach der langen Unterbrechung? Was hat sich unter dem neuen alten Trainer Ante Covic bei der Hertha-U23 verändert? Diesen Fragen wollen wir in diesem Artikel nachgehen.

Der Kader – neue Gesichter, altbekannter Trainer

Auch in diesem Sommer gab es wieder zahlreiche Veränderungen im Kader. Einige etablierte Regionalligaspieler haben den Verein verlassen. Darunter zum Beispiel Panzu Ernesto, der 2018 Hertha mit einem Tor zur A-Jugend-Meisterschaft verhalf, Rico Morack, der nach sechs Jahren als erfahrene Stütze in der Innenverteidigung Karriere beendete, und Cihan Kahraman. Omar Rekik und Palko Dardai hatten die zweite Mannschaft bereits im letzten Winter verlassen.

Hinzugekommen sind wie gewohnt sowohl externe Neuzugänge als auch Spieler aus der U19. Von extern kamen unter anderem Cimo Röcker als direkter Ersatz für den eben erwähnten Morack, Joel Bustamante fürs Mittelfeld und Ali Abu-Alfa für die Außenbahn. Aus der U19 hat man wieder eine ganze Reihe an Spielern hochgezogen, bisher haben aber vor allem Emincan Tekin, Marten Winkler, Derry Scherhant, Florian Haxha und Christalino Atemona eine Rolle gespielt.

hertha covic u23
Eigengewächse wie Marten Winkler sollen bei der U23 den nächsten Schritt machen. (Foto: IMAGO)

Es gab also auch dieses Jahr wieder einen Umbruch im Kader, jedoch deutlich weniger umfangreich als zum Beispiel im letzten Jahr. Auffällig ist, dass der Kader qualitativ über die letzten zwei Jahre abgebaut hat. Über Jahre etablierte Spieler wie Florian Baak, Muhammed Kiprit oder Jessic Ngankam stehen nun nicht mehr zur Verfügung und können nicht direkt ersetzt werden. Nicht untypisch für eine zweite Mannschaft, aber eine Situation, mit der man umgehen muss. Es wird Zeit brauchen, bis neue Spieler derart tragende Rollen übernehmen können.

Covic soll an die guten Zeiten bei der Hertha-U23 anknüpfen

Insgesamt ist der Kader in der Offensive sehr breit und im Mittelfeld sehr stark besetzt. Nur auf den defensiven Außenbahnen ist man etwas dünn aufgestellt. Der Kader der zweiten Mannschaft ist jedoch immer sehr fluide. Mal werden Spieler für einige Wochen zu den Profis hochgezogen, mal kommt ein aufstrebendes Talent plötzlich hinzu und mal wird ein Profispieler über die zweite Mannschaft wieder an einen normalen Spielrhythmus herangeführt, sodass keine Planbarkeit mit einem festen Kader über die 38 Spieltage der Regionalligasaison besteht.

Aber nicht nur auf Spielerseite gab es in diesem Sommer wieder viele Veränderungen, sondern auch auf der Trainerbank hat sich erneut etwas getan. Nach Andreas „Zecke“ Neuendorf und dem Interimstrainerduo aus Malik Fathi und Levent Selim hat nun Ante Covic erneut das Traineramt der Hertha-U23 übernommen. Nach seiner eher unglücklichen Amtszeit bei den Profis im Jahr 2019 kehrt er nun also auf seine alte Position im Nachwuchsbereich zurück.

Foto: IMAGO

Denn bereits zwischen 2013 und 2019 war er Cheftrainer der zweiten Mannschaft und prägte damals eine sehr erfolgreiche Zeit mit schönem Fußball und guten Platzierungen. Dies soll sich nun wiederholen. Unterstützt wird Covic dabei unter anderem von dem oben genannten Levent Selim und Jerome Polenz, der zuletzt die Frankfurter U15 trainierte und dem ein oder anderem aus dem Sportschauformat „Broich und Polenz“ bekannt sein dürfte.

Der Saisonstart – neues System, gleiche Ausrichtung, alte Probleme

Am 31.10.2020 absolvierte die U23 ihr letztes Regionalligaspiel vor einer langen coronabedingten Unterbrechung. Mehr als sieben Monate später ging es dann endlich wieder los. Der Saisonstart bei Germania Halberstadt bremste die Ephorie jedoch schnell wieder. 0:4 verlor man am ersten Spieltag. Nach nun sechs gespielten Spielen sieht die Situation deutlich besser aus. Zwei Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen konnte man bis jetzt verbuchen. Mit Blick auf die Ergebnisse also ein sehr durchschnittlicher Saisonstart.

Spielerisch möchte man wie gewohnt dominant und aktiv agieren, das Spiel selbst gestalten. Dazu hat man in dieser Saison ein neues Spielsystem implementiert. Covic hat sich von dem eigentlich favorisiertem 4-3-3 getrennt und lässt bei der Hertha-U23 nun ein System mit Dreierkette und zwei Halbraumstürmern spielen, das 3-4-2-1.

Dieses System bringt gleich mehrere Vorteile mit. Wie immer bei einer Dreierkette hat man im Spielaufbau meist eine Überzahl und kann das Pressing des Gegners ins Leere laufen lassen. Gleichzeitig können sich die Halbraumstürmer stets gut zwischen den Linien bewegen und das System ermöglicht eine große Variabilität in der Offensive. Auf den offensiven Halbpositionen lassen sich nämlich je nach taktischer Maßgabe sehr unterschiedliche Spielertypen einsetzen.

Genau das kommt dem Kader wiederum sehr gut entgegen. Denn wie bereits erwähnt ist man in der Offensive sehr breit besetzt. Mit Marten Winkler, Ruwen Werthmüller, Daishawn Redan, Emincan Tekin und Derry Scherhant hat man gleich fünf Stürmer im Kader. Alle wurden bereits auf dieser Position eingesetzt. Insgesamt interpretiert man das System sehr offensiv. So werden auf den Außenbahnen auch keine gelernten Außenverteidiger, sondern offensive Flügelspieler wie Neuzugang Abu-Alfa, Maurice Covic, Dennis Jastrzembski oder Anton Kade eingesetzt. Alles Spieler, die über viel Tempo verfügen.

Die U23 plagen unter Covic noch Offensiv-Probleme

Trotz der offensiven Ausrichtung hat man bisher aber erst drei Tore in sechs Spielen erzielt. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Bei den ersten drei Spielen der Saison musste man auf zahlreiche Spieler verzichten, die noch im Trainingslager der Profis in Leogang waren. So mussten für die U23 zunächst drei 18-Jährige (Scherhant, Winkler, Tekin) mit wenig Regionalligaerfahrung und langer Pause ohne Spielpraxis im Sturm spielen. Ihnen fehlte trotz solider Leistungen noch die körperliche Robustheit und Effizienz, um sich konstant gegen deutlich erfahrenere Regionalligaspieler durchzusetzen.

Damit zusammenhängend ist die Chancenverwertung eines der größten Probleme bisher gewesen. Anders als in den Jahren zuvor fehlt in dieser Saison ein Torgarant mit hoher Effizienz, wie es Kiprit oder Ngankam lange waren. Ruwen Werthmüller und Daishawn Redan müssen noch deutlich konsequenter im Abschluss werden. Möglicherweise kann hier Vedad Ibisevic helfen, der sich als Offensivtrainer auch um die Akademiespieler kümmern soll.

Foto: xSebastianxRäppold/MatthiasxKochx

Ein weiteres Problem ist die Durchschlagskraft. Die Hertha-U23 von Ante Covic hat häufig viel Ballbesitz, auch weit in der gegnerischen Hälfte. Doch es kommen zu wenig Abschlüsse dabei heraus. Das beste Beispiel dafür war das Spiel gegen Chemie Leipzig. Über die ganze Partie dominierte man das Spielgeschehen und ließ den Ball durch die eigenen Reihen laufen. Leipzig zog sich tief in die eigene Hälfte zurück, doch es gelang den Berlinern viel zu selten, gefährlich vors Tor zu kommen. Man ist nicht zielstrebig genug und verliert am Ende sehr unglücklich trotz klarer Überlegenheit. Ein Problem, das man auch unter Vorgänger Neuendorf auch schon hatte.

Gegen den Ball passt es bereits

Gegen den Ball hat man sich nach der Auftaktniederlage in Halberstadt deutlich stabilisiert und in den fünf Spielen danach nur zwei Tore kassiert. Besonders im Pressing und Gegenpressing wirkt das Team häufig sehr griffig. Auch die verbesserte Absicherung durch die Dreierkette kommt der Mannschaft entgegen. Am meisten Probleme hat man noch in der Strafraumverteidigung unter Druck. Da neigt man immer wieder zu Fehlern.

Insgesamt gab es zum Saisonstart bisher deutlich weniger Spektakel als noch in anderen Jahren. Man steht relativ stabil, ist offensiv bemüht, aber insgesamt noch zu harmlos. So steht man nach sechs Spielen auf dem elften Tabellenplatz, hat aber noch ein Nachholspiel gegen Babelsberg 03.

Hertha-U23: Auffällige Einzelspieler

Im Nachwuchsbereich stehen aber ja nicht unbedingt die Ergebnisse im Vordergrund, sondern vor allem die Spieler und ihre Entwicklung. Auf diesen Aspekt wollen wir nun in diesem Abschnitt eingehen. Jedoch gab es in dieser Saison bisher kaum überragende Einzelspieler mit konstant guten Leistungen, die sich mit ihren Leistungen für die Profis empfehlen konnten. Dennoch gibt es einige erwähnenswerte Einzelspieler, auf die wir in diesem Abschnitt kurz blicken wollen.

Tony Fuchs – die Konstante

Für Tony Fuchs ist es bereits die achte Saison bei der zweiten Mannschaft von Hertha BSC. Im Sommer 2014 kam er zur U23 und blieb. 174 Regionalligaspiele hat er in diesem Zeitraum absolviert und ist zum unverzichtbaren Anführer für das Team geworden. Der 31-Jährige ist nicht nur wortführender Kapitän auf dem Platz, sondern auch verlängerter Arm des Trainers und Mentor für die vielen jungen Spieler.

Foto: IMAGO

Unter Ante Covic spielt der Methusalem der Hertha-U23 immer. Er ist der einzige Spieler, der in dieser Saison bisher in jedem Spiel in der Startelf stand. Dabei musste er sich in dieser Saison in einer neuen spielerischen Rolle beweisen. Eigentlich spielt Fuchs auf den defensiven Außenbahnen. In dieser Saison ist der 1,68 m große Rechtsfuß jedoch das zentrale Glied der Dreierkette. Auch damit kommt er gut zurecht und gibt als Abwehrchef wichtige Kommandos. Er hält das Team zusammen und strahlt Sicherheit aus.

Am Ende dieser Saison endet sein Vertrag. Tony Fuchs nicht mehr als Kapitän der zweiten Mannschaft zu sehen, wäre ein ungewohntes Gefühl. Sein Abgang wäre vermutlich schwerer zu kompensieren als der Verlust von so manchem Talent.

Ruwen Werthmüller – Pressingmonster

Werthmüller ist ein sehr cleverer Spieler, der sich häufig gut von seinem Gegenspieler absetzt und mit klugen Laufwegen überzeugt. Hinzukommen sein guter Antritt auf den ersten Metern sowie eine hohe Endgeschwindigkeit. Diese Facetten seines Spiels konnte man in dieser Saison auch immer wieder im Pressing wiedererkennen.

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Foto: xSebastianxRäppold/MatthiasxKochx/IMAGO

Werthmüller ist sehr aktiv im Anlaufen und schneidet seinem Gegenspieler meist mit seinem Laufweg die Passoptionen ab. Mit langen Schritten sprintet er auf seine Gegenspieler zu und erzwingt so regelmäßig lange Bälle. Auch nachdem er überspielt wurde, bleibt Werthmüller aktiv und konnte so schon mehrfach gefährliche Ballgewinne erzeugen, die auch zu Torchancen führten.

So entstand zum Beispiel auch der Freistoß im Spiel gegen den Chemnitzer FC, den Timur Gayret zum Siegtor verwandelte, aus einem Ballgewinn im Pressing von Werthmüller. Das Pressing ist bei vielen Stürmern nicht unbedingt die beliebteste Aufgabe, Werthmüller übt diese jedoch sehr engagiert und clever aus.

Emincan Tekin – Stürmer mit feinem Fuß

Tekin kam in diesem Sommer aus der U19 fest zur zweiten Mannschaft und dürfte besonders in den ersten Spielen viel Spielzeit sammeln. Der 18-Jährige war 2019 mit 26 Toren Torschützenkönig der B-Junioren Bundesliga Nord/Nordost, ist aber kein klassischer Strafraumstürmer, sondern ein mitspielender Neuner, der auch aufgrund seiner nur 1,68 Meter über einen niedrigen Körperschwerpunkt verfügt.

Hertha Covic U23
Foto: IMAGO

Besonders auffällig ist seine Dribblingstärke. Er führt den Ball häufig ganz eng am Fuß und kommt so auch auf engem Raum zurecht. Ein gutes Beispiel dafür war der Treffer von Marten Winkler beim Sieg gegen Meuselwitz. Zuvor zog nämlich Tekin mit seinem Dribbling gleich vier Spieler auf sich, sodass Winkler schließlich ausreichend Raum und Zeit für einen tollen Fernschuss hatte.

Tekin hat in 72 Spielen für Herthas Nachwuchsteams bisher 69 Scorerpunkte gesammelt. Ein Spieler, auf dessen weiteren Karriereweg man gespannt sein darf.

[Titelbild: IMAGO]

ÜBER DEN AUTOR

Martin Thurn

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