Hertha BSC: Mit letzter Kraft zum Klassenerhalt

Hertha BSC: Mit letzter Kraft zum Klassenerhalt

Wer als Hertha-Fan nach dem Spiel in Gelsenkirchen noch Nerven übrig hatte, muss wohl Superkräfte haben. Nach sechs Minuten Nachspielzeit in Unterzahl und trotz einer Riesenmöglichkeit für die Hausherren schafften es die Profis der „alten Dame“, den knappen 2:1-Auswärtssieg zu sichern. So haben sie einen vielleicht entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt geschafft. Doch bevor Hertha seinen Profis das Denkmal bauen kann muss noch eine Partie überstanden werden. Am Samstag um 15h30 empfängt Hertha BSC den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf 1. FC Köln.

Krimi an der Ruhr – Jessic Ngankam rettet Hertha

Foto: Ulrich Hufnagel / Hufnagel PR / POOL /IMAGO

19:54 in der Veltins-Arena: während Kapitän Dedryck Boyata erschöpft zu Boden sank, kniete Jessic Ngankam auf dem Platz und brüllte sich die Seele aus dem Leib. Hochemotional reagierten sämtliche Hertha-Profis, eine große Last schien von ihren Schultern zu fallen.

Dass in dieser Partie sehr viel auf dem Spiel stand, war zu erkennen. So bekamen die Fans beider Lager auch leider kein schönes Fußballspiel zu sehen. Beide Seiten erlaubten sich grobe Fehler in der Spielfeldbesetzung und im Passspiel. Die Spannung stieg im Laufe des Spiels jedoch spürbar immer mehr an und erreichte ihren Höhepunkt nach der Führung durch Hertha-Eigengewächs Jessic Ngankam in der 74. Minute.

Ganze sechs Minuten Nachspielzeit mussten dann die Spieler von Pal Dardai ertragen, um die knappe Führung zu verteidigen. Der Doppel-Pfostentreffer durch Gelsenkirchen brachte dann noch alle Herthaner*innen an den Rande eines Nervenzusammenbruchs. Der Abpfiff fühlte sich dann an wie eine große Erlösung. Und ausgerechnet der gebürtige Berliner und ewige Herthaner Jessic Ngankam sorgte für den vielleicht entscheidenden Treffer zum Klassenerhalt.

Spielerisch schwach – Beide Teams mit Ausfällen

Die Ausgangslage ließ kein Fußball-Feuerwerk erwarten. Mehrere Covid-19 Fälle im Königsblauen Lager sorgten für viel Aufruhr, das Spiel wurde jedoch nicht abgesagt. Trotzdem wurde die Vorbereitung beider Teams dadurch nicht leichter.

Zudem zeigte sich Hertha BSC nach vielen Spielen in kürzester Zeit sehr verletzungsgeschwächt. Zu der ohnehin langen Liste der Ausfälle gesellte sich nach der Partie am Sonntag auch Jhon Córdoba, dessen Saisonaus bekannt wurde. Zudem war klar, dass den Hertha-Profis langsam die Frische ausgehen würde. Schließlich schleppten die „Blau-Weißen“ auch noch viel mentalen Druck mit sich, und das seit der ersten Minute.

Durch die Personalsituation fanden sich auch Spieler in der Startelf wieder, die zuletzt nur wenig oder keine Spielpraxis bekamen. Mathew Leckie stand in der Startelf und fand nie wirklich in die Partie. Obwohl er sich sehr bemühte, verhielt er sich nicht positionsgetreu und spielte vogelwild, behinderte teilweise seinen eigenen Mitspieler Krzysztof Piatek.

Kampf, Leidenschaft und gute Standards

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Ganz anders trat der wiedergenesene Marvin Plattenhardt auf. Dessen Standards wurden im Laufe des Spiels sehr wertvoll, nicht nur bei seiner Freistoßvorlage zum 1:1 Ausgleich, und erinnerten an die besten Zeiten unter Pal Dardai.

Allgemein war zu spüren, dass einige Spieler versuchten, spielerische Schwächen mit Kampf und Leidenschaft auszugleichen. Dedryck Boyata zum Beispiel sorgte kurz nach seinem Ausgleichstreffer zum 1:1 per Aussetzer fast für eine erneute Führung für den Club aus Gelsenkirchen. Im Laufe des Spiels aber war der Belgier immer wieder in Luftzweikämpfen der einzige Sieger und hatte per Kopf eine gute Chance zum 2:1.

Besonders auch Spieler wie Lucas Tousart, Peter Pekarik und die später eingewechselten Santiago Ascacibar, Jonas Michelbrink und Jessic Ngankam warfen alles rein. Sie zeigten sich in jeder Situation bissig, bewiesen den nötigen Kampfgeist, um im Abstiegskampf die Punkte zu erzwingen. So schaffte es Hertha, gegen zugegeben erneut schwache Gelsenkirchener mit einer mäßigen Leistung am Ende durch Kampf und Geduld zu bestehen.

Über das Spiel und aktuelle Hertha-Themen haben Lukas, Marc und Alex auch in unserer neuen Podcast-Folge gesprochen!

Hertha zahlt hohen Preis – Saisonaus für Piatek

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Doch die „alte Dame“ musste einen hohen Preis für diese drei Punkte zahlen. Nach der bereits angesprochenen Verletzung von Córdoba steht jetzt auch das Saisonaus von Sturmpartner Piatek fest, der eine Fraktur im Sprunggelenk erlitt.

Bezeichnend für den Kampfgeist im Team ist auch, wie der Pole trotz seiner Verletzung noch wenige Minuten weiterspielte und sogar eine Großchance per Kopf hatte, bevor er mit großen Schmerzen ausgewechselt werden musste. Für ihn kam der Torschütze Jessic Ngankam in die Partie, der wohl auch eine Option für die letzten zwei Pflichtspiele von Hertha sein wird.

Nicht nur durch Verletzungen schwächte sich Hertha. Dodi Lukebakio, der sich gerade erst nach seiner Covid-19 Infektion zurückgemeldet hatte, holte sich die gelb-rote Karte und fehlt im letzten Heimspiel gegen Köln. Das erfreute seinen Trainer Pal Dardai nicht gerade: „Das war blödsinnig und unnötig, das akzeptiere ich nicht. Jetzt kommt der böse Trainer zu ihm. Irgendwann reicht es mit nett sein.“ Ebenfalls ausfallen wird Dauerläufer Vladimir Darida. Der Tscheche holte sich seine fünfte gelbe Karte ab.

Angeschlagene Hertha empfängt den 1. FC Köln

Insgesamt fehlen also Hertha Stand jetzt bereits sicher 7 Spieler für die Partie gegen den 1. FC Köln. Fraglich sind außerdem noch Marton Dardai, Sami Khedira, Matheus Cunha und Maximilian Mittelstädt. Doch ausgerechnet in wenigen Tagen steht das wichtigste Spiel an, das Hertha noch bestreiten wird.

Foto: IMAGO

Der 1. FC Köln konnte aus den letzten drei Partien sechs Punkte holen, verlor am Sonntag zwar deutlich, allerdings eher unglücklich gegen den SC Freiburg mit 1:4. Davor war eine deutliche Formsteigerung bei den Kölnern zu spüren. Besonders Spieler wie Jonas Hector und Ex-Herthaner Ondrej Duda spielten zuletzt sehr stark auf und erzielten wichtige Tore.

Anders als Hertha blieben die Rheinländer in den letzten Wochen von Verletzungen verschont und können jetzt gut erholt in die Partie am Samstag gehen. Einzig Jonas Hector ist leicht angeschlagen, soll aber auch für Samstag eine Option sein. Physisch hat also ganz klar der „Effzeh“ einen Vorteil. Doch mental hat Hertha BSC jetzt wohl die Nase vorn.

Der 1. FC Köln steht nämlich mit dem Rücken zur Wand und muss am Samstag unbedingt siegen, um den vorletzten Tabellenplatz zu verlassen. Hertha kann also grundsätzlich das 0:0 wie eine Führung verteidigen, muss allerdings aufpassen, die Offensive des Gegners nicht in Schwung kommen zu lassen.

Hertha mit letzter Kraft zum Klassenerhalt

Sicher ist Hertha BSC trotz fünf Punkten Vorsprung keineswegs. Köln empfängt am letzten Spieltag Gelsenkirchen und hat somit höchstwahrscheinlich noch drei Punkte sicher. Ein Remis am Samstag würde Hertha reichen, um Köln sicher hinter sich zu lassen und somit den direkten Abstieg zu vermeiden. Damit wäre auch fast die Relegation vermieden: durch das Duell am Wochenende zwischen Augsburg und Bremen nimmt sich die Konkurrenz Punkte weg. Durch die bessere Tordifferenz hat die „alte Dame“ auch ein Ass im Ärmel.

Die Chancen stehen jedenfalls für Hertha BSC nach dem Sieg am Mittwoch gut. Doch so gebeutelt, müde und personell angespannt wie die Hauptstädter jetzt sind, wird es gegen Köln am Samstag eine Herkulesaufgabe werden. Hertha wird nochmal alles reinwerfen müssen, um diese letzte große Aufgabe zu bestehen.

Durch die Ausfälle wird Hertha vor allem offensiv auf junge Spieler wie Ngankam und Michelbrink setzen müssen. „Die Zukunft gehört Berlin“ heißt es so schön – passend also, wenn gerade die eigenen Jugendspieler für den Klassenerhalt sorgen würden.

(Titelbild: Maik Hölter/TEAM2sportphoto/IMAGO)

Zwischen zwei Spielen – Hertha hofft auf Siegesserie

Zwischen zwei Spielen – Hertha hofft auf Siegesserie

Am liebsten hätten die Profis von Hertha BSC nach dem so erlösenden 3:0 Erfolg im Heimspiel gegen den SC Freiburg ordentlich gefeiert. Doch am nächsten Morgen ging bereits die Vorbereitung auf das nächste Spiel los. Im „Monsterprogramm“ kann man sich nun mal nicht lange mit Erfolgen oder Misserfolgen beschäftigen. Zu nah ist die nächste Herausforderung, zu wenig Zeit bleibt zwischen den Partien. Der nächste Gegner heißt Arminia Bielefeld, das Spiel am Sonntagabend könnte dabei entscheidend für das Schicksal im Abstiegskampf werden.

Komplettrotation – 9 Wechsel vor Freiburg

Anders als viele (unsere Redaktion eingeschlossen) erwartet hatten, nahm Cheftrainer Pal Dardai bereits im zweiten Nachholspiel eine (fast) komplette Rotation vor. Neun der zehn Feldspieler wurden aus der Startelf ausgewechselt. Nur Matteo Guendouzi stand wie schon gegen den FSV Mainz 05 von Beginn an auf dem Platz. Auch die gesamte Defensive wurde verändert.

Foto: Matthias Koch / IMAGO

In der Pressekonferenz vor der Partie hatte es Dardai bereits angedeutet. Einige seiner Spieler hätten noch zwei Tage nach der Partie in Mainz Muskelkater und -Schmerzen verspürt. Die zwei Wochen Trainingspause und das erste Spiel nach wenigen Trainingseinheiten hätten sich bemerkbar gemacht. Da sich Hertha im so engen Spielplan kaum Muskelverletzungen erlauben kann – auch keine leichten – ging Dardai auf Nummer sicher.

Dass es Sinn ergab, wurde bei Sami Khedira deutlich: der Weltmeister musste früher als erwartet eingewechselt werden um den schwer am Fuß verletzten Matteo Guendouzi zu ersetzen. Kurz vor Schluss musste der 34-Jährige mit einer Muskelverhärtung runter. Ähnliches hätten die Blau-Weißen bei einigen Stammspielern des Mainz-Spiels erwarten können.

Systemwechsel – von der Dreierkette zur Viererkette

Auch das System wurde für das Duell gegen die Breisgauer geändert. Hertha spielte im 4-2-3-1, mit Krzysztof Piatek als einzige Sturmspitze. Die drei zentralen Mittelfeldspieler bewegten sich dabei sehr gut, ließen sich auch in einigen Situationen auf den Außen fallen, um Vorstöße der Außenverteidiger abzusichern. Auch die Außenspieler Javairo Dilrosun und Nemanja Radonjic arbeiteten viel mit nach Hinten.

Foto: Matthias Koch / IMAGO

Dies nutzten Peter Pekarik und Jordan Torunarigha aus, besonders zu sehen war dies in der Entstehung vom 1:0. In dieser Spielsituation hatten Matteo Guendouzi und Jordan Torunarigha die Positionen getauscht. Auch beim 2:0 fand sich Peter Pekarik in Mittelstürmer-Position im gegnerischen Strafraum wieder, um die Flanke einzuköpfen.

Der SC Freiburg machte es zu Spielbeginn ähnlich wie Mainz und presste die Berliner sehr früh und sehr hoch. Anders als am Montag blieben die Spieler der „alten Dame“ aber ruhig und konzentriert. Alexander Schwolow hatte dadurch in der Anfangsphase der Partie sehr viele Ballkontakte. Auffällig war auch, dass Hertha BSC in der zentrale sehr präsent war. Viele lange Bälle in die Mitte des Platzes erreichten somit Hertha-Spieler. Besonders Vladimir Darida fiel durch herausragende Ballannahmen und -Sicherungen auf. Der Tscheche zeigte ein sehr gutes Spiel.

Optimaler Spielverlauf – Hertha mit Selbstvertrauen

Diese Präsenz im zentralen Mittelfeld stellte die Gäste vor Schwierigkeiten im Spielaufbau. Die Breisgauer kamen vor allem durch Standards und Fernschüsse zu Möglichkeiten. Die hohen Hereingaben konnten die Berliner durch Dedryck Boyata und Omar Alderete fast immer hinausköpfen.

Foto: Matthias Koch / IMAGO

Die bereits erwähnte Variabilität und Mobilität bewies Hertha auch beim 1:0, als sich Torunarigha in zentraler Position wiederfand und den Abschluss suchte. Den abgewehrten Ball konnte dann Piatek verwerten und somit seinen Fehlschuss gegen Mainz wiedergutmachen. Auch beim 2:0 war Jordan Torunarigha beteiligt. Einen clever geworfenen Ball per Einwurf konnte Santiago Ascacibar zentral behaupten. Dessen Anspiel fand Nemanja Radonjic, der sich sehenswert gegen Philipp Lienhart durchsetzte und eine schöne Flanke in die Mitte schlug. Diese verwertete Peter Pekarik per Kopfball und setzte seine verrückte Saison mit 4 Pflichtspieltoren fort.

Mit der Führung im Rücken agierten die Hertha Profis spürbar sicherer, hatten die Partie weitestgehend unter Kontrolle. Erst in der zweiten Halbzeit steigerten sich die Breisgauer. Bereits in der 48. Minute erspielten sie sich nach Standard eine Großchance. Nach und nach bauten sie noch mehr Druck auf. Herthas Trainerstab reagierte und wechselte Matheus Cunha und Jhon Cordoba ein.

Ausblick in Richtung Sonntag – Hertha mit erneuter Rotation

Diese brachten frischen Wind und neue Frische, die zu einigen Kontersituationen führten. Nemanja Radonjic hatte dadurch auch deutlich mehr Räume und war besonders in der zweiten Halbzeit viel zu sehen. Dabei konnte er sich nach gescheiterten Konterversuchen doch noch belohnen und das 3:0 per schönem Sololauf erzielen.

So waren die drei Punkte gesichert. Hertha blieb mittlerweile im fünften Spiel in Folge ungeschlagen. In zwei Nachholspielen schafften sie es, zunächst einmal den vorletzten Tabellenplatz zu verlassen und aufgrund der Tordifferenz gleich drei Teams hinter sich zu lassen.

Diese so wichtigen drei Punkte gegen Freiburg wird Hertha jedoch am Sonntagabend gegen Bielefeld veredeln müssen. Sollten sich die Spieler der „alten Dame“ auch im zweiten Heimspiel in Folge behaupten und den Sieg holen, hätten sie die direkten Abstiegsplätze fast schon sicher hinter sich gelassen.

Ein großer Vorteil in der grundsätzlich sehr schwierigen Lage der Berliner wird sein, dass Pal Dardai durch die Rotation gegen Freiburg vielen Spielern eine Pause geben konnte. Stammspieler wie Marton Dardai, Maximilian Mittelstädt und Lucas Tousart blieben 90 Minuten auf der Bank. Vizekapitän Niklas Stark, Deyovaisio Zeefuik, Matheus Cunha und Jhon Cordoba spielten nicht mehr als eine halbe Stunde. Diese Spieler werden wohl gegen Bielefeld wieder in die Stammelf rotieren.

Nicht zu unterschätzen – Arminia Bielefeld mit Stärken

Eine erneut große Rotation also soll die nötige Frische gegen körperlich sehr gut aufgestellte Bielefelder bringen. Diese haben sich unter Neutrainer Frank Kramer zuletzt stabilisiert. In den letzten fünf Spielen holten sie acht Punkte und verloren nur das letzte Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.

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Spieler wie Ritsu Doan, Fabian Klos oder Andreas Voglsammer sind besonders gefährlich, defensiv bleibt Bielefeld meistens sehr stabil, steht für geschlossene Teamleistungen. Hertha-Leihgabe Arne Maier bekam mit dem neuen Trainer eine neue Chance und wurde schnell zu einer zentralen Figur des Bielefelder Spiels. Durch die Pause werden die Spieler des Aufsteigers sicherlich frisch und fit sein, was ein Vorteil gegenüber Hertha sein könnte.

Was für Hertha spricht, ist sicherlich die Bilanz der Ostwestfalen. Auswärts konnten sie diese Saison nur zwei Siege holen: im Dezember in Gelsenkirchen und im März überraschend in Leverkusen. Im Letzten Auswärtsspiel in Gladbach verloren sie sogar mit 0:5. Viele Tore schießt die Arminia auch nur selten. Nur in zwei Spielen (gegen den VfB Stuttgart und FC Bayern München) gelang ihnen mehr als zwei Treffer. Die allermeisten Spiele endeten mit einem oder keinem Treffer durch Bielefeld.

Pflichtsieg für den Klassenerhalt – Hertha hofft auf Befreiung

So oder so: ein Sieg ist für Hertha BSC am Sonntag Pflicht. Die Blau-Weißen sind trotz „Monsterspielplan“ und fehlender Frische im Aufwind und könnten mit dem zweiten Heimsieg in vier Tagen einen Riesenschritt in Richtung Klassenerhalt machen. Noch halten die Spieler körperlich den Rhythmus durch und zeigen auch mentale Stärken, die sie in der Hinrunde noch schmerzlich vermissen ließen.

Foto: Matthias Koch / IMAGO

Matteo Guendouzi wird leider diese Saison nicht mehr für Hertha auflaufen können. Sami Khedira wird am Sonntag durch seine Muskelverletzung womöglich nicht zur Verfügung stehen, sollte aber eine Option für das Spiel in Gelsenkirchen werden. Vieles wird am Sonntag davon abhängen, ob sich die Form der zuletzt immer stärker werdenden Spieler auch weiter entwickelt.

Es spricht also einiges dafür, dass Hertha BSC genau im richtigen Zeitpunkt eine positive Serie starten kann. Doch dafür müsste etwas geschafft werden, was bisher in dieser Saison nie funktionierte. Hertha müsste zwei Siege in Folge holen. Immerhin: zwei Heimspiele in Folge schafften sie bereits (2:1 gegen den FC Augsburg und 3:0 gegen Bayer Leverkusen). Wenn das nochmal gelingt, ist die Katastrophen-Saison so gut wie gerettet.

(Titelbild: Matthias Koch / IMAGO)

Wie übersteht Hertha BSC das „Monsterprogramm“?

Wie übersteht Hertha BSC das „Monsterprogramm“?

Endlich war es wieder soweit: am Freitag war die Mannschaft von Hertha BSC wieder auf dem Trainingsplatz. Zwei lange Wochen in Quarantäne waren überstanden. Doch auf die Freude und die Erleichterung folgen jetzt harte Wochen: sechs wichtige Spiele in 20 Tagen. In dieser Zeit wird die Mannschaft von Pál Dárdai alles tun müssen, um wieder aus der Abstiegszone herauszukommen.

Wir versuchen, Herthas Ausgangslage vor dem „Re-Start“ am Montag zu analysieren. Dabei gehen wir nicht nur auf die „alte Dame“ ein. Wir blicken auch auf andere Teams, die eine ähnliche Situation durchmachen und gehen dabei ganz besonders auf unsere Freunde vom Karlsruher SC ein. Dabei unterstützt uns Boris (@gradinho97 bei Twitter) vom Wildpark-Bruddler-Podcast.

Quarantäne bei Hertha BSC – Muskelkater und Fanrückhalt

Gefaulenzt haben die Hertha-Profis trotz Quarantäne sicherlich nicht. Auch die Isolation schützte sie nicht vor den intensiven Einheiten von Fitnesscoach Henrik Kuchno. Das Trainerteam musste sogar nach wenigen Tagen die Intensität des Trainings anpassen, da manche Spieler über Muskelkater und sogar Muskelschmerzen klagten.

In dieser schwierigen Phase zeigte sich besonders auch der Fanrückhalt. In Form mehrerer kleineren Aktionen wie zum Beispiel die Postkarten für erkrankte Teammitglieder oder die Videobotschaften über „GemeinsamHertha“ stellten sich Fans hinter ihre Mannschaft und versprachen ihr volle Unterstützung.

Nun sind fast alle Profis zurück auf dem Platz. Am Freitag leitete Cheftrainer Pal Dardai nach überstandener Covid-19 Infektion die Trainingseinheit. Dieser brachte es auf dem Punkt: „Wir haben zuletzt viel gearbeitet auf Fahrrädern, Laufbändern und mit Thera-Bändern für Stabilisationsübungen. Aber das ist nicht der wahre Fußball. Fußballer wollen auf dem grünen Rasen arbeiten.“

Auch nach der Rückkehr im Mannschaftstraining werden die richtige Trainingsintensität, die richtigen Maßnahmen gesucht. Arne Friedrich machte sich da bei den Methoden anderer Vereine schlau, die mit einem ähnlichen Spielplan umgehen müssen. Schließlich ist Hertha nicht allein im Profifußball mit einer solchen Herausforderung. Der Karlsruher SC, SV Sandhausen oder auch Holstein Kiel mussten ebenfalls in Quarantäne.

Ein blau-weißes Beispiel – Wie ging der KSC mit der Situation um?

Ähnlich wie Arne Friedrich haben wir uns auch auf der Suche nach ähnlichen Eindrücken gemacht, um besser vorausschauen zu können. Dafür haben wir uns bei unseren Freunden aus Karlsruhe Unterstützung geholt, in Person von Boris, co-Host vom absolut hörenswerten Podcast „Die Wildpark-Bruddler„.

Ähnlich wie den Hertha-Profis ging es den Spielern vom KSC in ihrer Quarantäne: „Alle Spieler haben logischerweise ihre Trainingspläne bekommen, hinzu gab’s Spinning Räder für alle! Man versuchte, die Spieler zuhause so gut wie möglich vorzubereiten. Der ein oder andere hat zuhause mehr Platz, einen Garten oder ein eigenes „Gym“ in einem Zimmer. Untereinander gab es auch eine Core-Challenge, welche der Verein gepostet hat falls Fans die Challenge selber machen wollten.“

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Eine Komplettrotation gab es auch beim KSC in den Nachholspielen bisher nicht. Nur punktuell wurde rotiert, wie uns unser Experte erzählt: „Auch aufgrund von ein paar Ausfällen musste ja rotiert werden. Wimmer kam zum Beispiel zu mehr Einsätzen, auch Gordon hat wieder gespielt.“

Die wenigen Trainingstagen und vielen Spiele scheinen der Motivation der Spieler jedenfalls nicht geschadet zu haben: „Ansonsten fanden die Spieler es nicht so schlimm, mehr zu Spielen und weniger zu trainieren. Alle waren sehr hungrig wieder auf den Platz zu kommen und zu spielen! Sah nicht so aus, als ob man sich beschwert hat. Vielleicht hat das aber auch damit zu tun, dass der Klassenerhalt Gott sei Dank schon sicher war!“

Was Hertha-Fans Mut machen kann: eine große Schwächung des Teams nach der Quarantäne war für Boris nicht erkennbar: „Ich finde, in den letzten Spielen sahen wir jetzt nicht unbedingt „schwächer“ aus! Die Jungs sind fit!“ Angesprochen auf die vielen Unentschieden seines Teams sagt uns Boris noch: „Es scheint manchmal auch so, als wäre die Luft bisschen raus gegangen nachdem die 40ger Marke geknackt wurde. Das ist aber wie gesagt Meckern auf hohem Niveau. Was wir diese Saison auf den Platz gebracht haben, hätte nach der letzten Saison niemand gedacht. Ich bin mega zufrieden mit dieser Saison, und die Mannschaft macht einfach richtig Spaß!“

Muss man Angst vorm Beispiel Dynamo Dresden haben?

Die Zwangspause scheint also keinen großen Schatten auf die Saison des KSC geworfen zu haben. Ganz anders verlief vergangene Saison die Situation für Dynamo Dresden, die am Ende in die dritte Liga absteigen mussten. Doch müssen Hertha-Fans wirklich Angst haben vor einem ähnlichen Szenario?

Die Situation von Dresden damals war deutlich kritischer. Ganze acht Spiele musste man im Dreitagesrhythmus bestreiten. Und das bereits auf dem letzten Tabellenplatz. Dynamo musste also zwei Plätze aufholen, um sich noch in die Relegation zu retten. Anders als Hertha BSC, die erst auf dem direkten Abstiegsplatz runterrutschen mussten, als sie in Quarantäne waren, war Dynamo bereits seit dem 15. Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz.

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Die Quarantäne erfolgte jedoch zum schlimmsten Zeitpunkt: der Klub aus Dresden hatte gerade zwei Siege in Folge geholt und schien im Aufschwung zu sein. In den angesprochenen acht Spielen unter Extrembedingungen nach der Quarantäne holte Dresden nur sieben Punkte. Im Durchschnitt also etwas weniger als ein Punkt pro Spiel, wobei bei so wenigen Spielen ein solcher Durchschnitt nur bedingt aussagekräftig ist.

Man kann also guter Hoffnung sein, dass es bei Hertha etwas anders läuft. Zumindest sind beide Situationen nicht 1:1 vergleichbar. Trotzdem wird es, wie uns Boris beim KSC darstellte, auch in Berlin Änderungen in der Mannschaft geben müssen, um mit der neuen Herausforderung klarzukommen.

Viele Fragezeichen bei Hertha BSC – Klarheit nur beim Torhüter

Wie diese Änderungen aussehen werden, ist schwer vorauszuschauen. Durch die erhöhte Verletzungsgefahr der Spieler bei einem so knappen Spielplan kann sich die Lage täglich verändern. Definitiv nicht zur Verfügung wird Rune Jarstein stehen, dessen auslaufender Vertrag bei Hertha BSC verlängert werden soll. Der Norweger erholt sich weiterhin von seiner schweren Covid-19-Erkrankung.

Rotation auf der Torhüter-Position sollte es also wohl bis auf Sperren oder Verletzungen nicht geben. Alexander Schwolow wird gesetzt sein, im Notfall steht der junge Nils Körber bereit. Auf allen anderen Positionen jedoch findet man einige Fragezeichen. Unklar ist zum Beispiel, wann die beiden an Covid-19 erkrankten Spieler Marvin Plattenhardt und Dodi Lukebakio wieder trainieren dürfen. Ihre Fitness wird zum Thema werden: seit ihrer Infektion galt für beide Spieler absolutes Sportverbot.

Zusätzlich gab es zuletzt Gerüchte rund um einen Abgang von Mathew Leckie. Die Polyvalenz des Australiers auf der rechten Seite wäre jedoch wertvoll, um ein wenig mehr Frische ins Berliner Spiel bringen zu können. Immerhin fanden sich wichtige Elemente wieder am Freitag im Teamtraining wieder: Kapitän Dedryck Boyata zum Beispiel.

„Monsterprogramm“ – wie ein großes Turnier bestreiten

Auch Sami Khedira wird eine Kernrolle spielen. Durch seine Erfahrung, auch mit großen Turnieren, kann er der jungen Hertha-Mannschaft einiges mitgeben. Schließlich ist dieser Dreitagesrhythmus nichts Unbekanntes für ihn. So etwas ähnliches kennt er bereits von der Europa- und Weltmeisterschaft.

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Auch dort spielen Leistungsträger nämlich in kürzester Zeit mehrere wichtige Spiele. Auch dort ist die Rotation nur limitiert und Trainingsmöglichkeiten begrenzt. Katastrophen-Szenarien sind also eher nicht angebracht. So äußerte sich Khedira nach dem Training am Freitag:

„Es wird ein Monsterprogramm werden. Da heißt es, viel und schnell regenerieren, das letzte Spiel schnell abhaken, sich auf den nächsten Gegner fokussieren, gut schlafen, viel trinken, pflegen, professionell leben. Aber wir haben so gearbeitet, dass wir das Level trotzdem halten können.“

Auch beim Weltmeister wird die körperliche Verfassung ausschlaggebend sein. Er wird ganz sicher nicht jede Partie von Beginn an bestreiten können. Doch auch seine Mitspieler auf den zentralen Positionen werden nach wenigen Spielen Schwierigkeiten haben, die nötige Frische aufzubringen.

Zentrale Achse soll bleiben – Komplettrotation utopisch

Denn wie wir bereits beim KSC festgestellt haben: eine „Komplettrotation“ von Spiel zu Spiel ist auch bei der „alten Dame“ völlig utopisch. Trotz Verletzungsrisiko ist eine stabile zentrale Achse besonders wichtig, um gerade Stabilität und Sicherheit auszustrahlen. Gerade dies gestaltet sich bei so vielen Partien in so wenig Zeit schwierig.

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Zu dieser Achse gehören nämlich nicht nur zentrale Mittelfeldspieler. Auch die Innenverteidiger und mindestens ein Zielspieler im Sturm sollten so oft wie möglich in der Startelf gleichbleiben. Nur so bilden sich Automatismen, die für Konstanz in der Leistung einer Mannschaft führen. Problematisch: abgesehen von potenziellen Verletzungen und Sperren gehören die Spieler dieser „Achse“ zu den Dauerläufer der Mannschaft. 

Besonders kritisch wird es bei den Spielern, die fast jedes Spiel über elf Kilometer rennen. Insbesondere die zentralen Mittelfeldspieler und die Innenverteidiger laufen eine unheimlich große Distanz. Dieses Laufpensum alle drei Tage zu leisten wird auch für Laufmonster wie Vladimir Darida schwierig werden. Auf dieser Position müsste also grundsätzlich jede Wechselmöglichkeit ausgeschöpft werden.

Doch gerade da sind Wechsel in engen Spielen eher riskant. Spieler wie Lucas Tousart, Niklas Stark, Vladimir Darida, Marton Dardai, Matheus Cunha und Jhon Cordoba könnten die allermeisten Partien von Beginn an bestreiten. Im Laufe der Partie werden je nach Spielstand Wechselmöglichkeiten extrem wertvoll werden. Laufstarke Spieler hat Hertha BSC schließlich genug.

Teilrotation und Wechsel – Frische einbringen, Stabilität erhalten

Wie also könnte Hertha die nötige Frische einbringen, ohne dafür die Stabilität zu opfern? Zusätzlich zu der angesprochenen zentralen Achse wird auf einzelnen Positionen eine Rotation schwierig werden. Durch die Ausfälle von Dodi Lukebakio, Marvin Plattenhardt und Luca Netz ist auf der linken Verteidigerposition sowie auf der rechten Außenbahn nicht mehr allzu viel Kaderbreite.

Einige Spieler könnten dadurch auf einer weniger beliebten Position spielen. Jordan Torunarigha wird man beispielsweise mit großer Wahrscheinlichkeit mal auf der linken Verteidigerseite spielen sehen. Deyovaisio Zeefuik könnte man auch offensiv auf dem rechten Flügel sehen. Zudem wird die Mannschaft im Spielsystem flexibel bleiben müssen.

Schließlich könnten die Blau-Weißen noch einen Vorteil haben. Spieler, die zuletzt wenig zum Zuge kamen, könnten durch die Rotation und den vielen Wechsel deutlich mehr Einsatzminuten erhalten. Spieler wie Matthew Leckie, Dedryck Boyata, Omar Alderete, Jessic Ngankam, Eduard Löwen oder auch Daishawn Redan könnten sich wieder in Form spielen und damit Hertha BSC helfen. Womöglich könnten auch Spieler wie Javairo Dilrosun und Nemanja Radonjic wieder in der Offensive eine größere Rolle spielen.

Durch ein komplettes Ausschöpfen der Wechselmöglichkeiten und ein intelligentes „Teilrotieren“ von Spiel zu Spiel kann das Trainerteam also vermeiden, dass die Leistungsträger körperlich nicht mehr mithalten. Dazu könnten einzelne Spieler die Lage nutzen, um im Team doch noch eine größere Rolle zu übernehmen. Die Möglichkeiten sind also da für Hertha.

Kämpfen und Siegen – Hertha BSC vor einer großen Schlacht

Ein erhöhtes Verletzungsrisiko wird zum Alltag der „alten Dame“ gehören, das scheint unvermeidbar. Doch zwei komplette Teams, wie zuletzt diskutiert, wird Hertha nicht brauchen. Abschließend kann man also sagen: eine gleichbleibende Startelf wird es von Spiel zu Spiel nicht geben. Ein „Kern“ der Mannschaft von etwa 14-15 Spielern wird abwechselnd immer wieder starten. Die restlichen Spieler werden durch ihre Einsätze die dringend notwendige Frische einbringen müssen.

Es kommen auf alle Spieler, Trainer und Fans hochemotionale Wochen zu. Gerade jetzt werden Rückschläge sowie Erfolge schnell wieder abgehakt werden müssen, um jeglichen Fokus auf die nächste Aufgabe setzen zu können. Dabei wird die Mannschaft von Pal Dardai nur bestehen können, wenn sie die Aufgabe als Team annimmt und solidarisch statt eigenwillig agiert.

Hertha BSC steht vor einer großen Schlacht, dessen Ausgang noch völlig offen ist. Passend dazu war die Botschaft der Hertha-Ultras auf dem Trainingsgelände: „Kämpfen und Siegen – für Hertha“. Abgestiegen ist die Mannschaft jedenfalls noch lange nicht. Dafür hat sie noch zu viel selbst in der Hand … oder auf dem Fuß.

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Hertha BSC – Bayer 04 Leverkusen: Punkte gegen die Abstiegsangst

Hertha BSC – Bayer 04 Leverkusen: Punkte gegen die Abstiegsangst

Am Sonntag muss Hertha BSC gegen Bayer 04 Leverkusen antreten. Nach Borussia Dortmund hat Pal Dardais Mannschaft also den nächsten großen Gegner vor der Brust. Die Ausgangslage dürfte jedem klar sein. Hertha ist in der „roten Zone“ angekommen und benötigt dringend Punkte, um einen drohenden Abstieg zu verhindern. Leverkusen ist allerdings der letzte hochfavorisierte Gegner, auf den die „alte Dame“ trifft, bevor es nach der Länderspielpause in eine alles entscheidende Phase geht. Beginnend mit dem Derby gegen Union Berlin am 4. April wird sich dann im nächsten Monat die Abstiegsfrage endgültig klären. Um mit einer besseren Ausgangslage in diesen „Schlusssprint“ zu gehen, werden die Blau-Weißen Zuhause gegen Leverkusen punkten müssen.

Doch wie stehen Herthas Chancen am Sonntag überhaupt? Wie ist die Ausgangslage bei den Gästen und welche Spieler werden im Mittelpunkt stehen? Diese Fragen versuchen wir zu klären. Dabei war uns Bastian eine große Hilfe, um Bayer 04 Leverkusen besser einschätzen zu können.

Aus im DFB-Pokal und in der Europa League – Bosz unter Druck

Den Anfang machen wir gleich mit unserem Gegner. Die Mannschaft aus dem Rheinland erlebte eine teilweise herausragende Hinrunde und war sogar zwischenzeitlich Tabellenführer. Die Rückrunde allerdings gestaltet sich bisher deutlich komplizierter. Nach dem Aus im DFB-Pokal und in der Europa-League ist die „Werkself“ in der Bundesliga mittlerweile auf den sechsten Platz zurückgefallen. Dazu musste die Mannschaft von Cheftrainer Peter Bosz vergangenes Wochenende eine überraschende Niederlage gegen Arminia Bielefeld einstecken.

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Wir wollten von Bastian wissen, wie zufrieden man in Leverkusen eigentlich mit der aktuellen Lage ist. „Überhaupt nicht zufrieden. Auch wenn das eigentliche Saisonziel, nämlich die Champions League zu erreichen, noch möglich ist, hat man durch das vermeidbare Ausscheiden in DFB-Pokal und Europa League jede Chance auf einen Titel frühzeitig verspielt. Zudem zeigt die Formkurve aktuell deutlich nach unten.“

Die obligatorische Frage nach dem Trainer beantwortet uns Bastian wie folgt: „Einerseits ist Peter Bosz durch seine sympathische Art und bisher durchaus erfolgreiche Arbeit sehr beliebt, andererseits sind diese Formschwankungen unter seiner Führung nicht neu. Ich denke, bei dieser Personalie scheiden sich die Geister.“

Sieg gegen Gladbach keine Befreiung – Führungsspieler verletzt

Sollten die Ergebnisse nicht besser werden, scheint es für Peter Bosz in Leverkusen eng zu werden: „Aktuell ist es jedenfalls schwer vorstellbar, dass Bosz in der nächsten Saison noch Trainer in Leverkusen ist. Aber im Fußball kann sich das Blatt auch sehr schnell wieder wenden“, sagt unser Experte dazu.

Dabei hätte sich das Blatt auch schon nach dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach vor zwei Wochen wenden können. Doch besonders aussagekräftig war dieser Erfolg dann doch nicht: „Der Sieg gegen Mönchengladbach hat da wohl etwas getäuscht. Auf dem Papier war das ein Big Point, in Realität gewinnt aktuell so ziemlich jede Mannschaft gegen Gladbach. Niederlagen gegen Freiburg und Bielefeld sprechen dagegen eine deutlichere Sprache“, meint Bastian.

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Verletzungssorgen plagen den Verein aus dem Rheinland ebenfalls. Darunter habe Bayer 04 weniger an Qualität verloren, sondern eher an Führungsspielern: „Mit Lars und Sven Bender, Lukas Hradecky und Julian Baumgartlinger fallen gleich vier erfahrene Anführer aus. Der von Bosz ernannte Kapitän Charles Aranguiz ist zwar seit einiger Zeit wieder dabei, hat aber mehr mit sich selbst und seiner Form zu tun. Gerade in der Offensive, wo es derzeit noch am meisten hapert, fehlt zudem gar keiner.“

Große Dominanz und Spielstärke – Schwächen beim Torabschluss

Doch bei all den Problemen in Leverkusen bleibt Bayer 04 eine sehr starke Mannschaft mit großen Qualitäten. „Wenn man das Leverkusener Spiel mit dem der sehr erfolgreichen Hinrunde vergleicht, fallen einem gar keine großen Unterschiede auf“, sagt unser Experte. „Bayer hat immer deutlich mehr Ballbesitz als der Gegner und in der Regel auch mehr und bessere Torchancen. Während zu Saisonbeginn aber noch aus einer halben Chance ein Tor erzielt wurde, reichen jetzt drei, vier Gelegenheiten nicht mehr aus, um den Ball ins Netz zu befördern. Es scheint also vor allem eine Kopfsache zu sein, eine Frage des Selbstvertrauens.“

Bastian sieht auch andere Gründe für Leverkusens momentaner Formschwäche: „Dazu wird immer deutlicher, dass der Ballbesitzfußball und die Transferpolitik, vor allem schnelle Spieler zu verpflichten, nicht besonders gut zusammenpassen. Mit etwas mehr Konterfußball sähe das womöglich anders aus.“ Keine große Hilfe wird dabei Mitchell Weiser sein. Der Ex-Herthaner hat sich auch im dritten Jahr am Rhein nicht durchgesetzt.

Wir haben Bastian dazu befragt: „Ganz schwieriges Thema. Er belegt bei Bayer den letzten Kaderplatz (wenn überhaupt) und wenn es einen Abnehmer gegeben hätte, wäre er wohl schon längst nicht mehr da. Er wurde für nicht gerade wenig Geld als Rechtsverteidiger geholt und hat recht schnell gezeigt, dass er diese Position auf diesem Niveau nicht spielen kann. Ich hätte ihn gerne in einer offensiveren Rolle gesehen, aber da war die Konkurrenz bisher groß und Bosz hatte nicht diesen Plan. Nach knapp drei Jahren in Leverkusen muss man sagen, dass dieser Transfer nicht aufgegangen ist.“

Die Rückkehr des Cunhas – Herthas Hoffnungsträger wieder fit

Was tippt also unser Experte zum Schluss für das Sonntagspiel? „Das ist unheimlich schwierig. Ich gehe eigentlich davon aus, dass irgendwann der Knoten platzt und mal wieder etwas mehr Effizienz im Torabschluss einkehrt. Dann müsste ein angeschlagener Gegner wie Hertha eigentlich locker bezwungen werden. Viel hängt auch davon ab, wie Hertha auftritt. Gegen sehr defensiv eingestellte Mannschaften tut sich Bayer traditionell schwer und ist bei Kontern anfällig. Deshalb hoffe ich, dass Hertha einer Heimmannschaft entsprechend offensiv auftritt.“

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Sehr wahrscheinlich scheint dies nicht zu sein. Pal Dardai brachte zuletzt vor allem defensive Stabilität zurück. Volle Offensive wird Hertha am Sonntag auch trotz der brenzligen Lage wohl nicht gehen. Tatsächlich fordert Herthas Cheftrainer aber von seiner Mannschaft ein anderes Gesicht. Insbesondere in der Offensive solle man besser auftreten als gegen Borussia Dortmund.

„Wir haben dort bis 30 Meter vor dem gegnerischen Tor gut gespielt. Danach waren das Können, der Mut, der richtige Abschluss nicht da. In der Endzone muss man Mut haben. Da müssen wir uns umstellen“, so der Trainer. Er erwarte „ein gutes, leidenschaftliches Spiel“ seiner Mannschaft. Ein wichtiger Faktor für ein besseres Offensivspiel bei Hertha wird zweifellos ein Spieler sein, der diese Woche endlich wieder im Mannschaftstraining zu sehen war. Matheus Cunha ist wieder fit und wird Pal Dardai für die Partie definitiv zur Verfügung stehen.

Dass sofort viel Verantwortung auf seinen Schultern liegen wird, ist wohl unvermeidbar. Trotzdem blieb Sportdirektor Arne Friedrich in der Pressekonferenz am Freitag optimistisch: „Er wird unser Unterschiedsspieler sein. Aber wir haben elf Spieler auf dem Platz, es wird sich nicht alles auf ihn fokussieren. Diese Leichtigkeit wollen wir ihm geben.“ Auch Herthas Defensive, die zuletzt viel gelobt wurde, wird wieder eine große Aufgabe vor der Brust haben. Für das zentrale Mittelfeld sind die gegen Dortmund ausgefallenen Matteo Guendouzi und Santiago Ascacibar wieder mit dabei. Eduard Löwen fehlt weiterhin, wie auch Sami Khedira und Dedryck Boyata. Vladimir Darida fehlt wegen seiner Rotsperre.

Hertha BSC gegen Bayer 04 Leverkusen – Verzweifelte Punktejagd im Endspurt

Jetzt steht Hertha BSC also wie lange nicht mehr mit dem Rücken zur Wand. Die entscheidenden Wochen im Abstiegskampf im April will man nicht auf einen direkten Abstiegsplatz beginnen. Der Druck wird von Woche zu Woche größer, die Konkurrenz zeigt sich nicht abgeschlagen. Was Hertha Mut machen könnte: Arminia Bielefeld könnte man mit einem Punkt gegen Leverkusen am Sonntag wieder überholen.

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Durch die 0:1-Niederlage der Ostwestfalen gegen RB Leipzig am Freitagabend und die schlechtere Tordifferenz (-25 für Bielefeld, -17 für Hertha) reicht der „alten Dame“ schon ein Punkt, um wieder die Nase vorn zu haben. Eines scheint sicher zu sein: jeder Punkt wird zählen, wohl bis zum letzten Spieltag. Hertha kann das Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen nicht mehr als „Bonusspiel“ betrachten. Auch gegen den Favoriten müssen Punkte her, am besten dreifach. Wie stark der Gegner ist, kann als Ausrede nicht mehr weiter gelten.

Die Blau-Weißen können sich als Beispiel ihr letztes Heimspiel gegen die „Werkself“ nehmen. Damals konnten sie mit 2:0 das Spiel für sich entscheiden (Torschützen damals Matheus Cunha und Dodi Lukebakio). Doch das Spiel am Sonntag wird wieder eine andere Geschichte sein. Eine gute Halbzeit wie beim Sieg gegen den FC Augsburg wird nicht ausreichen. Hertha BSC wird zwei gute Halbzeiten benötigen. Zwei richtig gute Halbzeiten. Dann ist vielleicht auch die Abstiegsangst, die bei allen Hertha-Fans stark zu spüren ist, vielleicht für ein paar Stunden wieder weg.

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Herthaner im Fokus: Borussia Dortmund – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Borussia Dortmund – Hertha BSC

Auf den ersten Sieg unter Pal Dardai folgte eine verdiente 0:2-Niederlage für Hertha BSC im Signal-Iduna Park bei Borussia Dortmund. Zwar zeigten sich Pal Dardais Spieler erneut sehr kämpferisch und fleißig, doch besonders offensiv enttäuschten sie. So hatten die Berliner insgesamt unter 30 Prozent Ballbesitz und überließen die Spielkontrolle nahezu komplett den Hausherren. Am Ende mussten die Blau-Weißen mit leeren Händen nach Hause fahren, während die Konkurrenz im Abstiegskampf zum Teil wichtige Siege gegen die Favoriten einholen konnten.

Wir wollen jedoch den Fokus auf die eigene Mannschaft behalten: wie jede Woche haben wir uns in unserer Rubrik „Herthaner im Fokus“ einzelne Spielerleistungen genauer angeschaut.

Marton Dardai – Vorsichtige Euphorie

Den Anfang machen wir mit der wohl positivsten Überraschung der letzten Wochen. Marton Dardai stand in seinem sechsten Einsatz bei den Profis zum vierten Mal in Folge in der Startelf. Erneut zeigte er ein sehr solides Spiel gegen eine bärenstarke gegnerische Offensive. Dabei ließ er sich von großen Namen nicht abschrecken. Schon nach zwei Minuten setzte er sich an der eigenen Grundlinie gegen Erling Haaland durch.

In Zusammenarbeit mit seinen Mitspielern in der Verteidigung konnte er den norwegischen Topstürmer weitestgehend aus dem Spiel nehmen. Dieser hatte am Ende nur 17 Ballkontakte und schoss nur ein einziges Mal auf den Berliner Kasten. Nicht nur gegen Haaland war der 19-jährige Berliner im eigenen Strafraum zur Stelle. Trotz seines jungen Alters strahlte er keine Nervosität aus, erschien eher ruhig und abgeklärt. So konnte er die eine oder andere gefährliche Situation entschärfen.

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Vor allem aber fiel er (wie schon in den vorherigen Partien) durch seine Beteiligung im Spielaufbau auf. Der junge Verteidiger spielte gute und intelligente Pässen nach vorne, teilweise sogar genau in den Raum zwischen zwei Gegenspielern. Seine langen Bälle kamen seltener an als noch in der letzten Partie gegen den FC Augsburg. Anders als beispielsweise bei Omar Alderete passierten Dardai aber keine gefährlichen Fehlpässe durch die Spielmitte.

In einer ansonsten eher enttäuschenden Partie von Hertha BSC konnte also Marton Dardai erneut einen guten Eindruck erwecken. Seine Einsätze rechtfertigt er durch Leistung, sodass sich eine Diskussion rund um „Trainersöhne“ erübrigt. „Eigentlich ist es für die Kinder immer eine Arschkarte. Er muss immer alles doppelt machen, damit er überhaupt spielt“, hatte Pal Dardai vor einigen Wochen noch über seinen Sohn gesagt. Anscheinend hat sich die doppelte Arbeit für Marton Dardai gelohnt. So stellt er in einer von Verletzung geplagten Defensive eine ernsthafte und solide Option dar und verdrängt sogar Neuzugang Omar Alderete auf die Ersatzbank.

Allerdings sollte man an dieser Stelle bei allem Lob nochmal darauf hinweisen: bei solch jungen Spielern ist immer Vorsicht geboten. Heutzutage werden junge Talente viel zu schnell, viel zu oft zu schnell hochgejubelt. Auch wir haben ihn nach vier Spielen gerade „in den Fokus“ gesetzt. Dabei ist es gerade für die Entwicklung dieser Spieler wichtig, weniger im Spotlight zu stehen. Fehler, Schwächephasen, Formkrisen gehören zur Entwicklung eines Fußball-Profis dazu. Diese Lernphase wird auch Marton Dardai durchmachen müssen. Dessen Profi-Einstieg ist zwar erstmal gelungen. Jetzt sollte man ihn aber in Ruhe weiterarbeiten lassen.

Deyovaisio Zeefuik – Langsam bei Hertha angekommen

Ein weiterer Lichtblick bei Hertha BSC war Deyovaisio Zeefuik. In seiner bisher wohl besten Partie für die Blau-Weißen seit seiner Ankunft konnte er seine Leistungssteigerung der letzten Wochen bestätigen. Erneut zeigte er sich offensiv besonders aktiv. Durch starke Läufe und großer Präsenz belebte er das ansonsten eher blasse Berliner Offensivspiel. Seine gute Flanke sorgte nach etwa 25 Minuten für die beste Chance seiner Mannschaft, die Maximilian Mittelstädt vergab. Ohne Zeefuik lief auf der rechten Offensivseite der „alten Dame“ wenig. So war es wenig überraschend, dass von dort aus nach seiner Auswechslung kaum noch Gefahr entstand.

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Dieses Mal war der 23-Jährige auch defensiv stabil. Er hatte seinen Gegenspieler Nico Schulz eigentlich durchgehend im Griff. So gewann er gerade gegen den Ex-Berliner einige Zweikämpfe und Duelle. Besonders in der Luft schien Zeefuik in dieser Partie unbezwingbar, gewann seine drei Luftzweikämpfe. Mit 75 Prozent gewonnenen Zweikämpfen ging er mit gutem Beispiel voran und kämpfte unermüdlich. Leicht angeschlagen wäre er jedoch schon zur Halbzeit fast schon ausgewechselt worden und wurde nach knapp 60 Minuten durch Matthew Leckie ersetzt.

Nach einer sehr schwierigen Eingewöhnungszeit, in der ihm spielerisch nichts gelingen wollte, scheint sich Zeefuik nun langsam aber sicher in die Mannschaft gespielt zu haben. Sollte er immer stabiler werden und sein Kampfgeist mit etwas mehr Präzision verbinden, könnte er im Abstiegskampf noch zu einem wichtigen Faktor werden. Seine aktuelle Form macht jedenfalls Lust auf mehr.

Vladimir Darida – Unglücklich auf der Zehn

Nach zwei positiven Leistungen müssen wir uns leider einer etwas negativer werden. Vladimir Darida, Herthas Dauerläufer im Mittelfeld, sollte eigentlich eine zentrale Rolle in Herthas Offensive spielen. Cheftrainer Pal Dardai erklärte noch im Interview vor der Partie: der Tscheche solle auf die Zehn für kreative Elemente sorgen und das Spiel somit leiten.

Doch genau das ist eigentlich nicht Daridas Stärke. Zwar hat der 30-Jährige durchaus Qualitäten, die auch für einen Zehner wertvoll sind. Seine Passgenauigkeit, sein Drang für die Offensive sowie seine Spielintelligenz sind allesamt wertvolle Elemente eines Spielmachers. Doch ist er kein Spieler, der das Spiel allein organisieren und leiten kann. Immer mal wieder wurde in der Vergangenheit versucht, Darida auf die Zehn zu setzen. Nur selten gelangen ihm dabei gute Partien. Er machte seine besten Spiele im Hertha-Trikot auf die Achter-Position.

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So wirkte er gegen Borussia Dortmund zwar äußerst bemüht und präsent, jedoch sichtlich überfordert von der Aufgabe, Herthas schüchterne Offensive in Schwung zu bringen. Einen einzigen Schuss konnte er abgeben, keine einzige Torschussvorlage. Die wenigen Angriffe in der ersten Halbzeit entwickelten sich eher über die Außen durch Zeefuik oder durch lange Bälle aus der Verteidigung. Die zweite Halbzeit lief für den Tschechen nicht besser und er war nur selten an guten Aktionen beteiligt.

Der fleißige Mittelfeldspieler ließ sich schließlich am Ende zu einem unglücklichen Foulspiel gegen Marko Reuß hinreißen. Von hinten versuchte er Dortmunds Kapitän vom Ball zu trennen und erwischte diesen dabei hart am Bein. Völlig verdient musste er sich für diese Aktion die rote Karte abholen. Obwohl der Tscheche ein absolut fairer Sportsmann ist (es war seine erste glatt rote Karte im Hertha-Trikot) und er in dieser Aktion seinen Gegenspieler nicht verletzen wollte, könnte diese Szene Folgen für seine Mannschaft haben. Herthas Mittelfeld wurde zuletzt bereits von Verletzungen geradezu überflutet.

Gleich fünf zentrale Mittelfeldakteure fehlten gegen Dortmund. Eduard Löwen fiel kurzfristig aus, Sami Khedira fehlte bereits die zweite Partie infolge. Matteo Guendouzi und Santiago Ascacibar hatten sich laut Dardai schlecht im Training präsentiert. Die Rotsperre von Darida dürfte eine weitere Last für seine Mannschaft werden. Immerhin blieb Lucas Tousart, der bei vier gelben Karten stand, gegen Dortmund ohne Verwarnung und wird gegen Bayer Leverkusen zur Verfügung stehen. Maximilian Mittelstädt und Niklas Stark könnten ebenfalls Optionen sein. Auch der junge Jonas Michelbrink dürfte sich Hoffnungen auf Einsatzminuten machen können. Dieser stand am Samstag zum ersten Mal im Profi-Kader.

Rune Jarstein – Tragische Held in Dortmund

Am liebsten würden wir gar nicht darüber schreiben wollen. Schließlich hat Rune Jarstein in den Spielen unter Pal Dardai mit herausragenden Paraden einige gegnerische Abschlüsse abwehren können und war auch in Dortmund zunächst einmal der Held. In der 33. Minute packte er den „Kraken“-Arm aus und wehrte den Schuss des freistehenden Jude Bellingham sensationell ab. Dabei war dieser Schuss sogar gegen seine Laufrichtung und äußerst schwierig zu halten.

Besonders bitter ist es also, dass er bei beiden Gegentreffern unglücklich aussah. Während er beim 0:2 den Schuss von Wunderkind Youssoufa Moukoko aus spitzem Winkel einfach durch die Hosenträger durchließ, ging das 0:1 ganz klar auf seine Kappe. Obwohl der Flatterball von Julian Brandt mit viel Kraft abgegeben wurde, blieb der Abwehrversuch des Keepers äußerst bizarr und ineffektiv.

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Nach dem 0:1-Rückstand lief bei Hertha so gut wie gar nichts mehr. Immerhin konnte er auf den Rückhalt seiner Mitspieler zählen, die ihm den Fehler nicht übelnahmen. Niklas Stark formulierte es nach der Partie eindrucksvoll: „Rune hat uns in der ersten Halbzeit schon den Arsch gerettet, auch in den Spielen davor. Keine Ahnung, wie der Ball da kam, ist mir auch wurscht. Rune ist ein super Torwart, keine Kritik an ihm.“

An Jarstein lag es auch bei aller Kritik ohnehin nicht, dass die „alte Dame“ mit leeren Händen nach Berlin reisen musste. Beim 0:0 wäre es wohl ohnehin nicht geblieben. Die Dortmunder hatten die Spielkontrolle und einige Möglichkeiten in der zweiten Halbzeit, um in Führung zu gehen. Die Berliner hatten deutlich zu wenig Offensivkraft in dieser Partie, um für eine Überraschung gegen den Favoriten zu sorgen.

Dass Herthas Cheftrainer seinen Spielern individuelle Fehler verzeiht, zeigte er bereits im Falle Lukas Klünter. So stellte sich Dardai nach der Partie schützend vor seinem Keeper: „Ich weiß nicht, wie viel km/h der Schuss hatte. Ich sage nur eins: Torhüter sind immer da, wo Tore passieren. Deswegen wird da immer viel drüber geredet, wenn ein Fehler passiert. Das ist bei Stürmern nicht so.“

Rune Jarstein wird also zweifellos die Gelegenheit bekommen, seine Fehler gegen Dortmund wieder gut zu machen. Vielleicht schon in der nächsten Partie, wenn Hertha BSC gegen Bayer Leverkusen spielen muss. Wie man den Rheinländern als Abstiegskandidat Punkte abnehmen kann, hat Arminia Bielefeld am Sonntag gezeigt, und damit Berlin noch tiefer in Richtung Abstieg befördert.

Und dann war da noch…

Javairo Dilrosun: Diese Nachricht hat wohl alle Hertha-Fans im Vorfeld gefreut. Nach langer Verletzungspause war der Niederländer endlich zurück im Kader. Zwar konnte er gegen Dortmund in seinen knapp 22 Minuten Einsatzzeit keinen besonderen Eindruck hinterlassen. Seine Rückkehr macht jedoch trotzdem Mut und bietet eine weitere Option auf den Außenpositionen. Hertha-Fans werden vor allem hoffen, dass er dieses Mal verletzungsfrei bleibt.

Lucas Tousart: Der Franzose hätte eigentlich diese Woche wieder einen Platz im Fokus verdient. Seine Werte waren am Samstag erneut sehr gut. Wieder zeigte er sich stabil und immer wieder offensiv bemüht. Auch gegen einen starken Gegner war er auf der Höhe, war mit 13,27 Kilometer der laufstärkste Spieler auf dem Platz. Doch auch er konnte die Niederlage und die offensive Armut seiner Mannschaft nicht verhindern.

Marvin Plattenhardt: Auch er kehrte nach längerer Verletzung zurück in die Mannschaft. Nicht nur das: er stand sofort in der Startelf. Dabei trat er nicht besonders in Erscheinung, was man angesichts des Spielverlaufs auch zu seinem Gunsten werten kann. Unter Pal Dardai wird er sicherlich noch diese Saison eine Rolle spielen können. Seine Beziehung zum Cheftrainer ist bekanntlich eine besondere. Unter Dardai hatte Marvin Plattenhardt seine beste Zeit und wurde zwischenzeitlich Nationalspieler.

[Titelbild: Alex Gottschalk/POOL DFB/IMAGO]