Herthaner im Fokus: Borussia Dortmund – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Borussia Dortmund – Hertha BSC

Auf den ersten Sieg unter Pal Dardai folgte eine verdiente 0:2-Niederlage für Hertha BSC im Signal-Iduna Park bei Borussia Dortmund. Zwar zeigten sich Pal Dardais Spieler erneut sehr kämpferisch und fleißig, doch besonders offensiv enttäuschten sie. So hatten die Berliner insgesamt unter 30 Prozent Ballbesitz und überließen die Spielkontrolle nahezu komplett den Hausherren. Am Ende mussten die Blau-Weißen mit leeren Händen nach Hause fahren, während die Konkurrenz im Abstiegskampf zum Teil wichtige Siege gegen die Favoriten einholen konnten.

Wir wollen jedoch den Fokus auf die eigene Mannschaft behalten: wie jede Woche haben wir uns in unserer Rubrik „Herthaner im Fokus“ einzelne Spielerleistungen genauer angeschaut.

Marton Dardai – Vorsichtige Euphorie

Den Anfang machen wir mit der wohl positivsten Überraschung der letzten Wochen. Marton Dardai stand in seinem sechsten Einsatz bei den Profis zum vierten Mal in Folge in der Startelf. Erneut zeigte er ein sehr solides Spiel gegen eine bärenstarke gegnerische Offensive. Dabei ließ er sich von großen Namen nicht abschrecken. Schon nach zwei Minuten setzte er sich an der eigenen Grundlinie gegen Erling Haaland durch.

In Zusammenarbeit mit seinen Mitspielern in der Verteidigung konnte er den norwegischen Topstürmer weitestgehend aus dem Spiel nehmen. Dieser hatte am Ende nur 17 Ballkontakte und schoss nur ein einziges Mal auf den Berliner Kasten. Nicht nur gegen Haaland war der 19-jährige Berliner im eigenen Strafraum zur Stelle. Trotz seines jungen Alters strahlte er keine Nervosität aus, erschien eher ruhig und abgeklärt. So konnte er die eine oder andere gefährliche Situation entschärfen.

Foto: Alex Gottschalk/POOL DFB/IMAGO

Vor allem aber fiel er (wie schon in den vorherigen Partien) durch seine Beteiligung im Spielaufbau auf. Der junge Verteidiger spielte gute und intelligente Pässen nach vorne, teilweise sogar genau in den Raum zwischen zwei Gegenspielern. Seine langen Bälle kamen seltener an als noch in der letzten Partie gegen den FC Augsburg. Anders als beispielsweise bei Omar Alderete passierten Dardai aber keine gefährlichen Fehlpässe durch die Spielmitte.

In einer ansonsten eher enttäuschenden Partie von Hertha BSC konnte also Marton Dardai erneut einen guten Eindruck erwecken. Seine Einsätze rechtfertigt er durch Leistung, sodass sich eine Diskussion rund um „Trainersöhne“ erübrigt. „Eigentlich ist es für die Kinder immer eine Arschkarte. Er muss immer alles doppelt machen, damit er überhaupt spielt“, hatte Pal Dardai vor einigen Wochen noch über seinen Sohn gesagt. Anscheinend hat sich die doppelte Arbeit für Marton Dardai gelohnt. So stellt er in einer von Verletzung geplagten Defensive eine ernsthafte und solide Option dar und verdrängt sogar Neuzugang Omar Alderete auf die Ersatzbank.

Allerdings sollte man an dieser Stelle bei allem Lob nochmal darauf hinweisen: bei solch jungen Spielern ist immer Vorsicht geboten. Heutzutage werden junge Talente viel zu schnell, viel zu oft zu schnell hochgejubelt. Auch wir haben ihn nach vier Spielen gerade „in den Fokus“ gesetzt. Dabei ist es gerade für die Entwicklung dieser Spieler wichtig, weniger im Spotlight zu stehen. Fehler, Schwächephasen, Formkrisen gehören zur Entwicklung eines Fußball-Profis dazu. Diese Lernphase wird auch Marton Dardai durchmachen müssen. Dessen Profi-Einstieg ist zwar erstmal gelungen. Jetzt sollte man ihn aber in Ruhe weiterarbeiten lassen.

Deyovaisio Zeefuik – Langsam bei Hertha angekommen

Ein weiterer Lichtblick bei Hertha BSC war Deyovaisio Zeefuik. In seiner bisher wohl besten Partie für die Blau-Weißen seit seiner Ankunft konnte er seine Leistungssteigerung der letzten Wochen bestätigen. Erneut zeigte er sich offensiv besonders aktiv. Durch starke Läufe und großer Präsenz belebte er das ansonsten eher blasse Berliner Offensivspiel. Seine gute Flanke sorgte nach etwa 25 Minuten für die beste Chance seiner Mannschaft, die Maximilian Mittelstädt vergab. Ohne Zeefuik lief auf der rechten Offensivseite der „alten Dame“ wenig. So war es wenig überraschend, dass von dort aus nach seiner Auswechslung kaum noch Gefahr entstand.

Foto: Pressefoto Mika Volkmann/IMAGO

Dieses Mal war der 23-Jährige auch defensiv stabil. Er hatte seinen Gegenspieler Nico Schulz eigentlich durchgehend im Griff. So gewann er gerade gegen den Ex-Berliner einige Zweikämpfe und Duelle. Besonders in der Luft schien Zeefuik in dieser Partie unbezwingbar, gewann seine drei Luftzweikämpfe. Mit 75 Prozent gewonnenen Zweikämpfen ging er mit gutem Beispiel voran und kämpfte unermüdlich. Leicht angeschlagen wäre er jedoch schon zur Halbzeit fast schon ausgewechselt worden und wurde nach knapp 60 Minuten durch Matthew Leckie ersetzt.

Nach einer sehr schwierigen Eingewöhnungszeit, in der ihm spielerisch nichts gelingen wollte, scheint sich Zeefuik nun langsam aber sicher in die Mannschaft gespielt zu haben. Sollte er immer stabiler werden und sein Kampfgeist mit etwas mehr Präzision verbinden, könnte er im Abstiegskampf noch zu einem wichtigen Faktor werden. Seine aktuelle Form macht jedenfalls Lust auf mehr.

Vladimir Darida – Unglücklich auf der Zehn

Nach zwei positiven Leistungen müssen wir uns leider einer etwas negativer werden. Vladimir Darida, Herthas Dauerläufer im Mittelfeld, sollte eigentlich eine zentrale Rolle in Herthas Offensive spielen. Cheftrainer Pal Dardai erklärte noch im Interview vor der Partie: der Tscheche solle auf die Zehn für kreative Elemente sorgen und das Spiel somit leiten.

Doch genau das ist eigentlich nicht Daridas Stärke. Zwar hat der 30-Jährige durchaus Qualitäten, die auch für einen Zehner wertvoll sind. Seine Passgenauigkeit, sein Drang für die Offensive sowie seine Spielintelligenz sind allesamt wertvolle Elemente eines Spielmachers. Doch ist er kein Spieler, der das Spiel allein organisieren und leiten kann. Immer mal wieder wurde in der Vergangenheit versucht, Darida auf die Zehn zu setzen. Nur selten gelangen ihm dabei gute Partien. Er machte seine besten Spiele im Hertha-Trikot auf die Achter-Position.

Foto: Pressefoto Mika Volkmann/IMAGO

So wirkte er gegen Borussia Dortmund zwar äußerst bemüht und präsent, jedoch sichtlich überfordert von der Aufgabe, Herthas schüchterne Offensive in Schwung zu bringen. Einen einzigen Schuss konnte er abgeben, keine einzige Torschussvorlage. Die wenigen Angriffe in der ersten Halbzeit entwickelten sich eher über die Außen durch Zeefuik oder durch lange Bälle aus der Verteidigung. Die zweite Halbzeit lief für den Tschechen nicht besser und er war nur selten an guten Aktionen beteiligt.

Der fleißige Mittelfeldspieler ließ sich schließlich am Ende zu einem unglücklichen Foulspiel gegen Marko Reuß hinreißen. Von hinten versuchte er Dortmunds Kapitän vom Ball zu trennen und erwischte diesen dabei hart am Bein. Völlig verdient musste er sich für diese Aktion die rote Karte abholen. Obwohl der Tscheche ein absolut fairer Sportsmann ist (es war seine erste glatt rote Karte im Hertha-Trikot) und er in dieser Aktion seinen Gegenspieler nicht verletzen wollte, könnte diese Szene Folgen für seine Mannschaft haben. Herthas Mittelfeld wurde zuletzt bereits von Verletzungen geradezu überflutet.

Gleich fünf zentrale Mittelfeldakteure fehlten gegen Dortmund. Eduard Löwen fiel kurzfristig aus, Sami Khedira fehlte bereits die zweite Partie infolge. Matteo Guendouzi und Santiago Ascacibar hatten sich laut Dardai schlecht im Training präsentiert. Die Rotsperre von Darida dürfte eine weitere Last für seine Mannschaft werden. Immerhin blieb Lucas Tousart, der bei vier gelben Karten stand, gegen Dortmund ohne Verwarnung und wird gegen Bayer Leverkusen zur Verfügung stehen. Maximilian Mittelstädt und Niklas Stark könnten ebenfalls Optionen sein. Auch der junge Jonas Michelbrink dürfte sich Hoffnungen auf Einsatzminuten machen können. Dieser stand am Samstag zum ersten Mal im Profi-Kader.

Rune Jarstein – Tragische Held in Dortmund

Am liebsten würden wir gar nicht darüber schreiben wollen. Schließlich hat Rune Jarstein in den Spielen unter Pal Dardai mit herausragenden Paraden einige gegnerische Abschlüsse abwehren können und war auch in Dortmund zunächst einmal der Held. In der 33. Minute packte er den „Kraken“-Arm aus und wehrte den Schuss des freistehenden Jude Bellingham sensationell ab. Dabei war dieser Schuss sogar gegen seine Laufrichtung und äußerst schwierig zu halten.

Besonders bitter ist es also, dass er bei beiden Gegentreffern unglücklich aussah. Während er beim 0:2 den Schuss von Wunderkind Youssoufa Moukoko aus spitzem Winkel einfach durch die Hosenträger durchließ, ging das 0:1 ganz klar auf seine Kappe. Obwohl der Flatterball von Julian Brandt mit viel Kraft abgegeben wurde, blieb der Abwehrversuch des Keepers äußerst bizarr und ineffektiv.

Foto: Jürgen Fromme/firo Sportphoto/poolfoto/IMAGO

Nach dem 0:1-Rückstand lief bei Hertha so gut wie gar nichts mehr. Immerhin konnte er auf den Rückhalt seiner Mitspieler zählen, die ihm den Fehler nicht übelnahmen. Niklas Stark formulierte es nach der Partie eindrucksvoll: „Rune hat uns in der ersten Halbzeit schon den Arsch gerettet, auch in den Spielen davor. Keine Ahnung, wie der Ball da kam, ist mir auch wurscht. Rune ist ein super Torwart, keine Kritik an ihm.“

An Jarstein lag es auch bei aller Kritik ohnehin nicht, dass die „alte Dame“ mit leeren Händen nach Berlin reisen musste. Beim 0:0 wäre es wohl ohnehin nicht geblieben. Die Dortmunder hatten die Spielkontrolle und einige Möglichkeiten in der zweiten Halbzeit, um in Führung zu gehen. Die Berliner hatten deutlich zu wenig Offensivkraft in dieser Partie, um für eine Überraschung gegen den Favoriten zu sorgen.

Dass Herthas Cheftrainer seinen Spielern individuelle Fehler verzeiht, zeigte er bereits im Falle Lukas Klünter. So stellte sich Dardai nach der Partie schützend vor seinem Keeper: „Ich weiß nicht, wie viel km/h der Schuss hatte. Ich sage nur eins: Torhüter sind immer da, wo Tore passieren. Deswegen wird da immer viel drüber geredet, wenn ein Fehler passiert. Das ist bei Stürmern nicht so.“

Rune Jarstein wird also zweifellos die Gelegenheit bekommen, seine Fehler gegen Dortmund wieder gut zu machen. Vielleicht schon in der nächsten Partie, wenn Hertha BSC gegen Bayer Leverkusen spielen muss. Wie man den Rheinländern als Abstiegskandidat Punkte abnehmen kann, hat Arminia Bielefeld am Sonntag gezeigt, und damit Berlin noch tiefer in Richtung Abstieg befördert.

Und dann war da noch…

Javairo Dilrosun: Diese Nachricht hat wohl alle Hertha-Fans im Vorfeld gefreut. Nach langer Verletzungspause war der Niederländer endlich zurück im Kader. Zwar konnte er gegen Dortmund in seinen knapp 22 Minuten Einsatzzeit keinen besonderen Eindruck hinterlassen. Seine Rückkehr macht jedoch trotzdem Mut und bietet eine weitere Option auf den Außenpositionen. Hertha-Fans werden vor allem hoffen, dass er dieses Mal verletzungsfrei bleibt.

Lucas Tousart: Der Franzose hätte eigentlich diese Woche wieder einen Platz im Fokus verdient. Seine Werte waren am Samstag erneut sehr gut. Wieder zeigte er sich stabil und immer wieder offensiv bemüht. Auch gegen einen starken Gegner war er auf der Höhe, war mit 13,27 Kilometer der laufstärkste Spieler auf dem Platz. Doch auch er konnte die Niederlage und die offensive Armut seiner Mannschaft nicht verhindern.

Marvin Plattenhardt: Auch er kehrte nach längerer Verletzung zurück in die Mannschaft. Nicht nur das: er stand sofort in der Startelf. Dabei trat er nicht besonders in Erscheinung, was man angesichts des Spielverlaufs auch zu seinem Gunsten werten kann. Unter Pal Dardai wird er sicherlich noch diese Saison eine Rolle spielen können. Seine Beziehung zum Cheftrainer ist bekanntlich eine besondere. Unter Dardai hatte Marvin Plattenhardt seine beste Zeit und wurde zwischenzeitlich Nationalspieler.

[Titelbild: Alex Gottschalk/POOL DFB/IMAGO]

Herthaner im Fokus: VfB Stuttgart – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: VfB Stuttgart – Hertha BSC

So wirklich zufrieden kann Hertha BSC mit dem Punktgewinn beim VfB Stuttgart nicht sein. Wie schon öfters in dieser Saison kamen die Berliner in der ersten Halbzeit nicht in die Partie. Nach einer grausigen Leistung in Halbzeit eins lief man lange einem Rückstand hinterher, bevor der junge Luca Netz doch noch einen Auswärtspunkt sicherte. Wie jede Woche versuchen wir etwas detaillierter auf einzelne Spielerleistungen einzugehen.

Herthas Problem ist jedoch schon länger die Tatsache, dass Individualitäten an sich nichts bedeuten, wenn die Profis sich nicht als Mannschaft verstehen. Auch unter Pal Dardai hat sich eines noch nicht verändert: Hertha BSC ist noch keine Einheit auf dem Platz. In Stuttgart war die erste Halbzeit ein kollektives Versagen. Wir versuchen trotzdem auf individuelle Spielerleistungen einzugehen.

Mannschaftspressing Fehlanzeige – Defensive Standardschwäche

Eigentlich sah es in den ersten Minuten nicht verkehrt aus. Hertha übte in den ersten Momenten des Spiels ein hohes Pressing auf die Stuttgarter Spieler aus, an dem sich alle Blau-Weißen beteiligten. So wurde der Spielaufbau des VfBs schon in deren Hälfte des Feldes gestört, Herthas Profis trauten sich Vorstöße zu und konnten mehrere Bälle erobern.

Doch nach etwa zehn Minuten verschwand dieses Mannschaftspressing von Hertha fast komplett. Von Minute zu Minute wurde die Defensive immer individueller geführt. Nur noch einzelne Spieler pressten die Schwaben und wurden dabei relativ einfach umspielt. Dies führte dazu, dass die Gastgeber immer besser ins Spiel kamen und deutlich dominanter auftraten als die Gäste. Herthas Verteidiger waren zunehmend im Blickpunkt. Peter Pekarik und Maximilian Mittelstädt kamen in der ersten Halbzeit nur zu wenigen Vorstößen, die auch schnell verpufften.

Foto: IMAGO

Herthas Innenverteidigung blieb trotz allem weitestgehend stabil und erlaubte sich nur wenige grobe Fehler. Auffällig war in beiden Halbzeiten, dass der Spielaufbau von Hinten oft von Omar Alderete übernommen wurde. Dieser hatte jedoch große Schwierigkeiten, seine Mitspieler zu finden. Immer wieder musste er lange Bälle schlagen, die nur selten ankamen. Zudem verlor er den Ball gleich zwei Mal in gefährlicher Lage vor dem eigenen Strafraum, was zu Chancen für den VfB führte.

In der wohl schlechtesten Phase, die Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit, war Pal Dardais Team insbesondere defensiv schwach. Defensivstandards wurden außergewöhnlich schlecht verteidigt. Mehrmals standen bei Eckbällen und Freistöße gleich zwei oder sogar drei gegnerische Spieler frei im Strafraum und konnten auf Jarsteins Kasten köpfen. So war es keine große Überraschung mehr, als Sasa Kalajdzic in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit völlig frei zum Flugkopfball kam und traf. Hertha ging mal wieder mit einem Rückstand in die Halbzeitpause.

Steigerung in Halbzeit zwei – Eiskalt eingenetzt

In der zweiten Halbzeit hatte Hertha BSC deutlich mehr Spielanteile. Dadurch wurde auch die Defensive entlastet und Herthas Außenverteidiger konnten etwas mehr Vorstöße riskieren. Vor allem Maximilian Mittelstädt wurde auf seiner linken Seite aktiver. Dieser versuchte einige Vorstöße und schlug einige Flanken. Dabei fehlte erneut die Präzision, sodass er trotz großen Aufwands kaum eine Chance einleiten konnte. Seine Passquote (nur 67 Prozent) war am Ende leider eine der schwächsten auf dem Platz. Auch seine Zweikampfquote war mit 42 Prozent nicht besonders zufriedenstellend. Im Vergleich wies der etwas defensiver agierende Peter Pekarik eine Passquote von 86% auf.

Beide Verteidiger wurden schließlich zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt. Mathew Leckie und Luca Netz kamen in die Partie. Der 17-Jährige krönte sich nach nur drei Minuten zum jüngsten Torschützen der Hertha-Geschichte. Sein etwas glücklicher Treffer zum Punktgewinn kommt dabei nicht allzu überraschend. Schon in seinen ersten Einsätzen für die Profis war er insbesondere durch seine gefährlichen Vorstöße aufgefallen.

(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Obwohl der junge Berliner noch am Anfang seiner Entwicklung steht, wird ihn sein erstes Bundesligator sicherlich beflügeln. Seine Sorglosigkeit tat jedenfalls seiner Mannschaft in der Schlussphase gut und sorgte dafür, dass die „alte Dame“ nicht erneut mit leeren Händen nach Hause fliegen musste.

Hört auch im Hertha Base Podcast rein: in der aktuellen Folge besprechen wir das Auswärtsspiel in Stuttgart!

Khediras Einwechslung bringt neuen Schwung

Ausschlaggebend dafür war auch ein gewisser Sami Khedira. Der 33-Jährige schlug die Vorlage für seinen fast doppelt so jungen Mitspieler. Erst in der 58. Minute wurde er für Santiago Ascacibar eingewechselt. Der Südamerikaner zeigte sich wie schon gegen Eintracht Frankfurt und FC Bayern München bissig und fleißig.

Foto: Matthias Hangst/Getty Images

Allerdings ging er genauso wie seine Mitspieler in der ersten Halbzeit komplett unter. Ascacibar gewann nur wenige Zweikämpfe (Zweikampfquote 29 Prozent) und stand oft nicht richtig. Außerdem erlaubte er sich Foulspiele in Strafraumnähe, die zu gefährlichen Freistöße für seinen Ex-Klub führten. Auch Matteo Guendouzi hatte große Schwierigkeiten, auf der offensiven zentralen Mittelfeldposition für Aufsehen zu sorgen. Das tat der Franzose vielmehr im negativen Sinne, da er sich einige schmerzhafte Ballverluste erlaubte.

Die Einwechslung von Sami Khedira brachte sofort eine spürbare Dominanz und Ruhe zurück in das zentrale Mittelfeld. Der Weltmeister hatte fast genauso viele Ballaktionen wie Ascacibar (mit weniger Spielzeit) und zeigte sich dafür zweikampfstark und passgenau. Einige Bälle des VfBs konnte er abfangen. Seine fehlende Spritzigkeit und Geschwindigkeit machte er mit gutem Stellungsspiel wieder wett. Hinzu kommt seine so wichtige, aber auch etwas zufällige Torvorlage für Netz.

Herthas Suche nach der Achse

Außerdem gab er Lucas Tousart (von Sky-Kommentatoren neuerdings „Nicolas Toussart“ getauft) mehr Sicherheit. Der Franzose war bis dahin im Vergleich zu seinen Mitspielern im zentralen Mittelfeld einer der aktivsten. Er führte viele Zweikämpfe und unterbrach einige Angriffe der Schwaben.

Er steigerte sich aber nach der Einwechslung von Khedira nochmal spürbar und konnte mehr Akzente nach vorne setzen. In der Schlussphase (85.) beispielsweise, als er einen Konter mit einleitete und Nemanja Radonjic in die Spitze schicken konnte. Am Ende war er mit 12,87 gelaufene Kilometer auch der laufstärkste Spieler auf dem Platz.

Herthas Achse steht also weiterhin nicht fest. Lucas Tousart dürfte wohl nach zuletzt drei guten Auftritten in Folge gesetzt sein. Matteo Guendouzi strahlte hingegen zuletzt weniger Frische und Spielwitz als noch vor einigen Monaten aus. Die neue Rolle von Sami Khedira könnte da ein wichtiger Faktor werden. Dessen Präsenz scheint seine Mitspieler zu beflügeln und zumindest ein wenig Ruhe in das Chaos zu bringen. Die nächsten Wochen werden zeigen, wer sich im zentralen Mittelfeld endgültig durchsetzen kann. Dardai muss mal wieder Lego spielen.

Matheus Cunha – Weiter glücklos

Endgültig durchgesetzt hat sich Matheus Cunha bei Hertha schon lange. Doch der wohl gefährlichste Spieler in den Berliner Reihen wartet mittlerweile schon seit November 2020 auf einen eigenen Treffer. Nachdem er kurz vor Ende der Partie gegen Bayern schon eine Riesenmöglichkeit vergeben hatte, bekam er auch in Stuttgart einige Möglichkeiten. Viele dieser Möglichkeiten leitete er selbst ein.

Der Brasilianer war erneut ein Aktivposten, war für seine Gegenspieler nur sehr schwer zu halten und zeigte sich auch im Pressing und in Defensivzweikämpfen sehr fleißig. Er gewann die meisten Berliner Zweikämpfe (22) und war erneut mit Abstand der Spieler auf dem Platz mit den meisten erfolgreichen Dribblings (8). Was bei ihm erneut fehlte, war der Glück im Abschluss.

(Photo by RALPH ORLOWSKI/POOL/AFP via Getty Images)

Lob gab es diese Woche dafür vom neuen Mitspieler Sami Khedira: „Matheus Cunha ist ein unfassbarer Fußballer“. Doch gerade im Abstiegskampf wird seine Qualität auch zu Toren führen müssen. Die Enttäuschung über die vergebenen Chancen war Matheus Cunha immer wieder anzumerken. Gegen den Ex-Club Leipzig bekommt der 21-Jährige die nächste Chance, die Durststrecke zu beenden.

Nemanja Radonjic – noch kein Durchbruch

Ebenfalls enttäuscht von der eigenen Leistung dürfte Nemanja Radonjic sein. Der Neuzugang war wie schon im ersten Einsatz gegen Bayern in einigen Szenen zu sehen. Dass Geschwindigkeit allein nicht zum Erfolg führt, ist selbstverständlich. Warum der junge Flügelstürmer allerdings auf seine stärkste Waffe im entscheidenden Moment verzichtete, bleibt ein Rätsel. Gleich zwei Mal lief der Serbe gegen Stuttgart mit dem Tempo eines Windhundes seinen Gegenspielern davon, beide Male stoppte er jedoch völlig unerklärlich ab und ging ins Dribbling.

Somit gab er seinen Vorsprung freiwillig auf und schaffte sich unnötige Hindernisse. Dazu verstolperte er mehrere Bälle und war mitverantwortlich dafür, dass Herthas Angriffe in der Schlussphase zu oft nicht zu Ende gebracht wurden. Womöglich bremste ihn auch eine leichte Verletzung. Über die vergebenen Chancen dürfte er sich trotzdem tierisch ärgern.

Lukebakio mehr Flamingo als Känguru

Wer „tierisch“ liest, musste diese Woche schnell an Pal Dardai denken. Dieser gab in der Pressekonferenz einen kleinen Exkurs über Kängurus und erklärte, welche Gemeinsamkeiten dieses Tier mit Dodi Lukebakio hat. Ähnlich wie ein rotes Känguru also, soll Dodi Lukebakio sein. Da müssen wir ihm leider widersprechen. Auch wir bei Hertha BASE sind nämlich echte Tierexperten.

Kängurus sind kräftige Tiere, die sich nur schwer aus dem Gleichgewicht bringen lassen und zum Teil auch durch ihre Körpergröße bedrohlich wirken können. Was die Physis angeht, ähnelt Dodi Lukebakio in der Tierwelt vielleicht eher dem Flamingo, der mit einem Fuß sein ganzes Körpergewicht hält. Ein solches kann man durch einen kleinen Schubser schon aus dem Weg räumen. Wie auch in so vielen Partien in dieser Spielzeit konnte sich der Belgier nämlich körperlich nie gegen seine Gegenspieler durchsetzen.

Foto: IMAGO

Die vom Cheftrainer gelobte Geschwindigkeit des Angreifers konnte dieser ebenfalls nur selten unter Beweis stellen. Zu oft stand am Ende eines Vorstoßes nur ein einfacher Ballverlust. Zu oft war schnell die Enttäuschung in seinem Gesicht zu lesen. Allgemein war die Körpersprache von Dodi Lukebakio wieder alles andere als inspirierend. Seine Mitspieler wird er damit sicher nicht mitreißen können. Ob Flamingo oder Känguru: der belgische Nationalspieler spielt bisher eine höchst enttäuschende Saison.

Alligatoren oder Schafe und Lämmer – Hertha braucht einen Leitwolf

Lukebakio ist nicht der Einzige, der bisher in dieser Saison seine Charakterstärke vermissen lässt. Pal Dardai muss nicht wie befürchtet „20 Alligatoren“ managen, doch eine Mannschaft voller Schafe und Lämmer möchte ein Trainer sicherlich auch nicht haben. Momentan ist die blau-weiße Truppe noch ein bunter Haufen völlig unterschiedlicher Spieler und Charakter, mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Die fehlende Kohäsion der Spieler untereinander war in der ersten Halbzeit gegen Stuttgart stark zu spüren. Dabei sah das Team weniger nach einer hungrigen Wolfsmeute und eher wie die Arche Noah aus.

Vielleicht kann ein Alpha-Tier, ein Leitwolf diese Meute doch noch vereinen. Die Hoffnung auf eine zufriedenstellende Saison ist nach den letzten Ergebnissen jedenfalls verschwunden. Jetzt bleibt noch die Hoffnung, den kompletten Absturz zu verhindern. Dafür wird die „alte Dame“ auch im schweren Programm der nächsten Wochen punkten müssen.

*Titelbild: IMAGO

Nemanja Radonjic – mit 37 km/h von Marseille nach Berlin

Nemanja Radonjic – mit 37 km/h von Marseille nach Berlin

Ganz so teuer wurde dieses Jahr die Winter-Shoppingtour bei Hertha BSC nicht. 78 Millionen Euro gab man vergangene Wintertransferperiode für neue Spieler aus, darunter Matheus Cunha, Lucas Tousart, Santiago Ascacibar und Krzysztof Piatek. Dieses Mal gab die „alte Dame“ deutlich weniger Geld aus: Sami Khedira und Nemanja Radonjic sollten die dringend notwendigen Verstärkungen für die Rückrunde darstellen. Wir werfen einen Blick auf den deutlich weniger prominenten Serben, der aus dem krisengebeutelten Olympique de Marseille per Leihgeschäft kommt.

Dabei konnten wir auf die Eindrücke eines echten „OM“-Kenners zählen. Boris (auf Twitter @Marsilien) twittert seit einigen Jahren in deutscher Sprache über den südfranzösischen Verein. Er hat uns dabei geholfen, den jungen Serben besser einzuschätzen.

Radonjic in Marseille – Enttäuschte Erwartungen

Wirklich glücklich wurde Nemanja Radonjic in Marseille nie, wo er ab der Saison 2018/2019 spielte. Warum erklärt uns Boris: „Er kam als vermeintliches Riesentalent aus Belgrad, mit guten Referenzen als Flügelspieler der sowohl Tore als auch Assists schießen kann. Ich denke mal die Idee dahinter war einen Ersatz für (Florian) Thauvin zu haben, der eigentlich einen Wechsel in 2019 in Aussicht hatte.“

Foto: GERARD JULIEN/AFP via Getty Images

„Er hat sich aber nicht so richtig als Ersatz behaupten können“, musste unser Experte feststellen. „Zwar hat er eine gewisse Torgefährlichkeit zeigen können, besonders in schnellen Kontersituationen, aber seine Leistung im Spielaufbau hat Mängel aufgezeigt. Er kam auch dementsprechend zu sehr wenigen Assists. „ Tatsächlich konnte er in der verkürzten Spielzeit 2019/2020 in 21 Einsätzen nur eine Torvorlage abgeben, dafür immerhin fünf eigene Treffer erzielen.

So richtig rund lief es in der laufenden Saison auch nicht. Was ihm vorgeworfen wurde, verrät uns unser Experte: „Es mag hart klingen, aber am meisten wurde seine mangelnde Spielintelligenz kritisiert. Er ist noch ein bisschen unvollkommen, vergisst ein wenig seine Spielpartner. Seine Dribbelstärke und seine Schnelligkeit werden ihm oft zum Verhängnis, weil er oft versucht alleine durchzuziehen, anstatt im richtigen Moment zu passen.“

Allerdings muss Boris auch feststellen: „Die ganze Mannschaft hatte regelmäßige Probleme mit der Offensive, er war nicht der Einzige der es schwer hatte, unsere Stürmer zu finden.“ Viel heftiger wurden die hochbezahlten Stars wie Florian Thauvin oder Dimitri Payet kritisiert, die ebenfalls immer wieder enttäuschten.

Von Chaosclub zu Chaosclub

Auch deshalb hinterlässt Radonjic trotz wenigen Einsatzminuten keine schlechten Erinnerungen in Marseille. Im Training sei er „nie schlecht aufgefallen, ich würde sagen dass er ziemlich spielfreudig ist und stets motiviert war“, sagt Boris. „Spielerisch wird er wohl keinen größeren Eindruck hinterlassen, aber er war den Leuten irgendwie sympathisch, er ist so eine Frohnatur. Ich denke mal, dass sich die Leute an ihn erinnern werden. Und er hat doch immerhin das eine oder andere Tor geschossen (sein Meisterwerk ist wahrscheinlich ein Siegestreffer in der Schlussminute gegen Brest).“

Wohl ein Highlight einer eher durchwachsenen Zeit in Marseille – sein Last-Minute Treffer gegen Brest

Radonjic spielte in der Hinrunde zwölf Partien in der Liga (zwei Tore, eine Vorlage) und zwei in der Champions League. Obwohl der 24-Jährige zuletzt wieder zum Einsatz kam und auch in der letzten Partie gegen Monaco treffen konnte, entschied er sich für den Neustart in Berlin. Dabei wird zusätzlich zur suboptimalen sportlichen und finanziellen Lage möglicherweise die Eskalation der Situation in Marseille zwischen Clubführung und Fans eine Rolle gespielt haben.

Mittlerweile befindet sich „OM“ in einer derart chaotischen Situation, dass selbst Hertha Fans in der Saison 2019/2020 schockiert wären. Am Wochenende stürmten Anhänger gewaltsam das Vereinszentrum und Anfang dieser Woche warf Trainer Vilas-Boas völlig überraschend das Handtuch. Was das angeht ist der serbische Nationalspieler also bestens gerüstet für seine Zeit in Berlin: mit großen Chaosclubs kennt er sich nun aus.

Radonjic – der nächste Serbe in der Hauptstadt

Hertha BSC und serbische Nationalspieler: da war doch was. Tatsächlich dürften einige Hertha-Fans noch schöne Spielszenen mit Marko Pantelic oder Gojko Kacar in emotionaler Erinnerung haben. In jüngerer Vergangenheit war es Marko Grujic, der als Serbe für Hertha BSC auf dem Platz stehen durfte. Letzterer soll tatsächlich auch eine Rolle im Transfer von Nemanja Radonjic gehabt haben.

Herthas Neuzugang erklärte, er sei sofort mit dem Ex-Herthaner in Kontakt getreten. „Marko war tatsächlich der Erste, den ich angerufen habe, nachdem klar war, dass Hertha Interesse hat (lacht). Er hat mir in unserem Gespräch nur das Beste über den Club und die Stadt erzählt, was mich in meinem guten Gefühl bestätigt hat!“, erzählte der 24-Jährige im Interview mit Hertha BSC.

Bis zum Sommer darf der junge Serbe für die „alte Dame“ zunächst auflaufen. Besonders teuer wird dieser Deal für Hertha BSC erstmal nicht. Die Leihgebühr ist wohl (auch mit Einsatz-Boni) unter einer Million geblieben und die Kaufoption sollte in dieser Höhe (12 Millionen Euro) eher eine Sicherheit für „OM“ darstellen. Hertha wird, sollte der junge Serbe überzeugen, am Ende der Spielzeit mit dem französischen Club sicherlich neu verhandeln. Eine ähnlich hohe Kaufoption gab es auch im Leihgeschäft mit Marius Wolf. Auch diese wurde nicht gezogen.

Was für ein Spielertyp ist Radonjic?

Das neue Umfeld scheint für den Serben jedenfalls nicht beunruhigend zu wirken: „Es ist für mich inzwischen auch nichts Neues mehr, an einen anderen Ort zu ziehen und dort anzukommen – daher denke ich, dass ich mich auch schnell an eine tolle Stadt wie Berlin gewöhnen kann und werde!“ Tatsächlich hat der 24-Jährige bereits einige Stationen in Europa hinter sich. Außerdem spielte er in der Champions League und bestritt 20 A-Länderspiele mit Serbien (4 Treffer).

Foto: Srdjan Stevanovic/Getty Images

Boris erwähnte bereits seine Schwächen, aber auch seine Stärken: Dribbelstärke, Torgefahr und Schnelligkeit. Letzteres sprach Radonjic in der Pressekonferenz selbst an, und erwähnte, dass er in Marseille bei Leistungstests im Training mit 37 Kilometer pro Stunde geblitzt wurde. Was Hertha sicher besonders helfen wird: der Flügelspieler ist beidfüßig und kann sowohl auf der favorisierten linken wie auch auf der rechten Außenbahn spielen.

Trotz der enttäuschenden Zeit in Marseille traut Boris dem Serben in Berlin etwas zu: „Es kann sich alles ändern, wenn er sich mit seinen Kollegen bei Hertha besser verträgt. Und ich meine auch, dass die Bundesliga ein besseres Spielfeld für solche Stürmerprofile ist, er wird wahrscheinlich nicht so eingeengt wie es in Frankreich der Fall ist.“

Dabei helfen könnte ihm seine Physis. Anders als sein Konkurrent auf der rechten Seite Dodi Lukebakio kann sich Radonjic durchaus auch körperlich durchsetzen. Das kann in der Bundesliga besonders wertvoll werden. So sieht es auch Arne Friedrich: „Er ist ein kleiner Bulle und hat die Robustheit für die Bundesliga“, und wenn Jemand über Robustheit sprechen kann, dann ist das sicherlich Herthas neuer Sportdirektor.

Nemanja Radonjic – für Hertha kein Risiko-Transfer

Obwohl er im Vergleich zu Sami Khedira für deutlich weniger Gesprächsstoff sorgt, sind die Chancen des Serben in den nächsten Wochen in der Startelf zu landen, deutlich größer. Dabei hilft ihm die personelle Situation bei Hertha BSC. Der verletzungsanfällige Javairo Dilrosun, der formschwache Dodi Lukebakio und der noch sehr junge Jessic Ngankam stellen seine stärkste Konkurrenz dar. Hertha hat schon seit dem Sommer 2020 zu wenig Optionen auf den Außenbahnen. Eine solche Alternative haben die Berliner jetzt mit dem Flügelstürmer endlich holen können.

So entschied sich Hertha also doch gegen die sehr teuren Alternativen. Eine Verpflichtung von Milot Rashica (an den Hertha Gerüchten zufolge interessiert war) hätte ähnliche Dimensionen eingenommen, wie vergangenen Winter ein Transfer von Matheus Cunha. Die Berliner gehen also eher einen Schritt zurück. Dieser Transfer erinnert eher an Zeiten vor den Tennor-Millionen. Doch genau das könnte der richtige Weg sein.

Schließlich stecken die Hauptstädter tief im Abstiegskampf und müssen mit Pal Dardai erstmal bis zum Sommer die Wende schaffen. Herthas Spiel wird in dieser Phase wohl nicht mehr revolutioniert werden. Mit Radonjic will man keinen Hurra-Fußball spielen, sondern so schnell wie möglich aus der roten Zone der Tabelle raus. Dabei könnten schnelle und robuste Spieler wie er möglicherweise noch sehr wertvoll werden.

Partygänger oder Instagram-Icon?

CHRISTOPHE SIMON/AFP via Getty Images

Wer den einen oder anderen Fan-Kommentar aus Marseille über Radonjic liest, dürfte sich etwas wundern. Ein Running-Joke scheint zu sein, dass der Serbe besonders feierwütig ist. Die Wahrheit sieht etwas anders aus, wie uns Boris erzählt. „Als er kam, hatte er eine Reputation als Partytyp, weil er in seiner Jugend deswegen vom Nachwuchszentrum von AS Rom geflogen ist. Es gab in Marseille zwar keine Vorfälle, aber er hat irgendwie diese Reputation behalten.“

Hertha-Affine Instagram-Nutzer:innen dürften auch gespannt sein: „Leute haben sich auch über ihn lustig gemacht, weil er auf Instagram einschlägige Frauenfotos geliked hat“, meint unser Experte. „Und dazu passend wäre auch dieses bizarre Video im US-Rapper/ModeIcon Style, das er im letzten Sommer gepostet hat. Ich kann mir vorstellen, dass er in Berlin bestimmt neuen Stoff für seinen Instagram-Account finden wird.“

Auf dem Platz wird Nemanja Radonjic Hertha BSC sofort weiterhelfen müssen. „Ich verspreche mir Tore und Torvorlagen“, hieß es von Arne Friedrich. Eine Garantie gibt es dafür natürlich nie. Ob Nemanja Radonjic wie sein Landsmann Marko Pantelic „die alte Dame“ langfristig prägt, ist vielleicht unwahrscheinlich. Das braucht Hertha BSC aber aktuell gar nicht primär.

Am Ende sind nicht die großen Namen, sondern die Zusammenstellung und die Breite des Kaders entscheidend. Hertha hat dringend einen fitten, schnellen und international erfahrenen Spieler gebraucht, der auf den Außenbahnen mit einer gewissen Sorglosigkeit für Entlastung sorgen kann. Genau einen solchen Spieler haben sich die Hauptstädter jetzt mit Nemanja Radonjic ins Boot geholt.

*Titelbild: IMAGO

Vorschau: Hertha BSC – SV Werder Bremen: Topspiel am Abgrund

Vorschau: Hertha BSC – SV Werder Bremen: Topspiel am Abgrund

Am Samstag um 18.30 Uhr wird das Topspiel des Bundesligaspieltags angepfiffen. Dass es dann ausgerechnet ein Kellerduell zwischen zwei schwächelnden Mannschaften wird, wird die neutralen Zuschauer sicherlich nicht erfreuen. Noch weniger erfreut sind dafür Hertha-Fans nach den letzten Spielen ihrer Mannschaft. Sollte am Samstagabend die „alte Dame“ erneut verlieren, könnte es nun das Ende für Cheftrainer Bruno Labbadia und Manager Michael Preetz bedeuten. Es könnte also im Spiel Hertha BSC – Werder Bremen um einiges gehen. Umso besser vielleicht, dass dafür die große leere Bühne unter Flutlicht bereitsteht, und die ganze Bundesliga zuschauen darf. Immerhin wird Hertha mal im Mittelpunkt stehen.

SV Werder Bremen – stark gegen die Schwachen

Herthas Gegner am Ende einer erneut misslungenen „englischen Woche“ heißt SV Werder Bremen. Eigentlich ein Angstgegner für die Berliner: in der Bundesliga gab es für die Blau-Weißen in 75 Duellen nur 20 Siege, dafür 36 Niederlagen. Immerhin konnte man zuletzt die Bilanz etwas verbessern. Die letzte Niederlage in Berlin gegen Werder ist über vier Jahre her.

Auch für die Bremer gab es in der Saison 2020/21 bisher nicht allzu viel zu feiern. Im ersten Saisonspiel gegen Hertha gab es eine 1:4 Niederlage. Danach konnte die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt allerdings eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage hinlegen. Davon gingen fünf Spiele mit 1:1 unentschieden aus. In der Hinrunde konnten die Bremer nur vier Siege holen, gleich viele wie die Elf von Bruno Labbadia. Nur ein Punkt trennt beide Mannschaften, die jeweils auf Tabellenplätze 13. (Bremen) und 14. (Hertha) hängen.

Die schlechte Nachricht für Hertha-Fans dürfte die Tatsache sein, dass Werder (bis auf das Auftaktspiel) kein einziges Duell gegen Konkurrenten im Abstiegskampf mehr verlor. Gegen Gelsenkirchen, Mainz, Bielefeld und Augsburg gab es Siege, gegen Köln und Hoffenheim ein Unentschieden. Gerade gegen „schwächere“ Gegner konnte Kohfeldts Elf also überzeugen.

Werders gemischte Bilanz im Jahr 2021  

Am Dienstagabend ging es Auswärts nach Mönchengladbach. Dort konnte Werder trotz ordentlicher Leistung nicht punkten. Doch so schlecht sieht die Formkurve im Jahr 2021 nicht aus. Zwar musste man sich gegen den 1. FC Union Berlin geschlagen geben, holte anschließend aber einen Punkt in Leverkusen. Vergangenes Wochenende schlugen die Bremer den FC Augsburg mit 2:0. Wie gut oder schlecht Werder Bremen nun wirklich in dieser Saison ist, bleibt schwer einzuschätzen.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Großartigen Fußball spielt man an der Weser auch diese Saison sicherlich nicht. Dafür hat man weniger Probleme damit, auf kämpferischer Art und Weise die Spiele an sich zu reißen. Abstiegskampf kennen die Bremer Spieler von letzter Saison noch zu gut. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Kohfeldt sein Team wie im Spiel gegen den FC Augsburg mit einer Dreierkette auf den Rasen im Olympiastadion schicken.

Sollte es Hertha dann erneut gegen drei großgewachsene Innenverteidiger nur mit Flanken versuchen, könnte das Spiel für die „alte Dame“ ähnlich verlaufen wie am Dienstagabend gegen die TSG aus Hoffenheim. Eine Bremer Personalie wird am Samstag jedenfalls wieder zum Thema werden: Davie Selke wird zum ersten Mal seit seiner Rückkehr an der Weser im Olympiastadion gegen Hertha spielen.

Hertha im Abstiegskampf – Kritik wird immer lauter

Doch im Grunde genommen geht es weniger darum, wie Herthas Gegner heißt oder wie dieser aufgestellt ist. Die letzten Wochen zeigten sehr gut, dass die „alte Dame“ mit sich selbst am meisten zu kämpfen hat. Zu den bereits bestehenden Schwächen, wie die Standardschwäche und die Probleme im Aufbauspiel, kamen neue hinzu. Jetzt schaffen es die Blau-Weißen nicht mal mehr zu treffen. Seit dem Sieg gegen Gelsenkirchen gab es keinen eigenen Treffer mehr.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Über die aktuelle Situation am Schenkendorffplatz wurde in den letzten Tagen bereits sehr viel geschrieben. Besonders Manager Michael Preetz steht im Mittelpunkt der Kritik. Cheftrainer Bruno Labbadia zeigte sich in der Pressekonferenz vor der Partie wie gewohnt realistisch: „Wir können alle die Tabelle lesen und wissen, dass wir aufgrund der Ergebnisse immer mehr unter Druck sind. Das ist normal“. Gegen Bremen gelte es „die Ärmel hochzukrempeln, sich gegen Widerstände zu wehren und nicht mit einer Angst reinzugehen“. Das Problem: ähnliche Parolen konnte man auch nach den Spielen gegen Bielefeld und Köln von Michael Preetz und Bruno Labbadia hören. Eine spürbare Wirkung, die sich auch in Punktgewinne manifestiert, blieb bisher jedoch aus.

Was sich im Vorfeld auf das Spiel Bremen-Spiel veränderte, war eine gewisse „Jetzt-erst-Recht“-Haltung von Trainer Labbadia: „Ich muss vorangehen. Wir liegen ein wenig am Boden. Da kann man liegenbleiben. Aber davon war ich noch nie ein Freund.“ Mit dem Rücken zur Wand wird die Mannschaft jetzt reagieren und punkten müssen. Viele Möglichkeiten bleiben den aktuellen Verantwortlichen wohl nicht mehr, um das Ruder herumzureißen.

Auch in unserer letzten Podcast-Folge ging es um die Kritik an Michael Preetz und die allgemeine Lage im Verein.

Keine Cunha-Sperre und Gerüchte um Gómez

Zur Verfügung stehen Herthas Cheftrainer wohl dieselben Spieler wie unter der Woche gegen Hoffenheim. Personell hat sich nicht viel in den wenigen Tagen verändert. Eine große Schwächung wäre eine mögliche „Last-Minute“-Sperre von Matheus Cunha gewesen. Das Verfahren gegen den Brasilianer wurde jedoch am Freitagnachmittag eingestellt.

Bruno Labbadia wird auch gegen Bremen auf Kapitän Dedryck Boyata und Flügelstürmer Javairo Dilrosun verzichten müssen. Auch Eduard Löwen, Marvin Plattenhardt und Márton Dárdai fallen weiter verletzt aus. Es ist somit wahrscheinlich, dass die Startelf am Samstagabend mehr oder weniger dieselbe sein wird, wie die am Dienstagabend. Womöglich wird man jedoch auf der einen oder anderen Position aus Fitnessgründen rotieren müssen. Doch leider gibt es auf bestimmten Positionen aktuell nicht viele Alternativen.

Gerade die fehlenden Alternativen auf den Außenbahnen und im kreativen Mittelfeld sind ein Problem, das kurzfristig nur mit Winterneuzugängen zu lösen wäre. Manager Michael Preetz scheint jedoch bei der Suche wenig Erfolg zu haben. Das Gerücht um eine mögliche Leihe von Papu Gómez von Atalanta Bergamo erscheint angesichts der unattraktiven Situation von Hertha BSC zurzeit eher unwahrscheinlich. Dabei wäre der Argentinier genau der Spielertyp, den die Berliner dringend brauchen würden. Ein spielstarker, erfahrener Spieler mit großem Charakter auf einer offensiven Position.

Stattdessen wird die „alte Dame“ hoffen müssen, dass beispielsweise der zuletzt sehr schwach spielende Dodi Lukebakio oder die im Abschluss glücklosen Stürmer Krzysztof Piatek und Jhon Córdoba ein plötzliche Formsteigerung erleben. Wie schon so oft in dieser Saison bleibt ansonsten nur noch eine Einzelaktion von Matheus Cunha, um die Torflaute und die Formkrise zu beenden.

Eine Mannschaft schnell aus dem Hut zaubern

Viel schöner und wichtiger wäre natürlich eine geschlossene, stabile und engagierte Mannschaftsleistung der „blau-weißen“. Doch genau das scheint bei Hertha ein großes Problem zu sein. Vize-Kapitän Niklas Stark gab im Interview nach der Partie gegen TSG Hoffenheim diesbezüglich eine sehr unglückliche Figur ab. Nach dem Mannschaftsgefühl von Hertha gefragt zögerte der 25-Jährige viel zu lange bevor er zögerlich: „Natürlich sind wir eine Mannschaft, auch wenn das Ganze auch schwierig ist“ antwortete. Alles andere als überzeugend also.

Foto: xUwexKoch Eibner-Pressefotox EP_EER (IMAGO)

Aktuell gibt es leider einfach keinen Grund für Hertha-Fans optimistisch zu sein, zu enttäuschend waren die letzten Ergebnisse und Auftritte. Cheftrainer Labbadia drückte es im Vorfeld in aller Deutlichkeit aus: „Ich muss vorangehen. Wir liegen ein wenig am Boden. Da kann man liegenbleiben. Aber davon war ich noch nie ein Freund.“

Damit Hertha BSC wieder vom Boden aufsteht, müsste sich aus den vielen verunsicherten Einzelspielern im Kader eine Einheit bilden. Ein Zaubertransfer im Winter wird es sicherlich nicht tun. Nur ein Funken Hoffnung bleibt also noch, dass sich die Spieler gemeinsam aus dieser schwierigen Lage herauskämpfen, und Ihre Einheit somit zu entdecken. Am besten durch einen knappen, umkämpften Sieg gegen Werder Bremen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

[Titelbild: Patrik Stollarz / AFP/Getty]

Vorschau: 1. FC Köln – Hertha BSC: Hauptsache kein 0:0

Vorschau: 1. FC Köln – Hertha BSC: Hauptsache kein 0:0

Der großen Erleichterung nach dem Heimsieg gegen den FC Schalke 04 folgte die herbe Enttäuschung auf der Bielefelder Alm. Anstatt mit einer Siegesserie beginnt das Jahr 2021 also für Hertha BSC erneut mit großen Schwierigkeiten. Am Samstag ist die Elf von Bruno Labbadia beim 1.FC Köln zu Gast, wo sich zwei Teams in chaotischen Lagen treffen. Beim abstiegsgefährdeten „Effzeh“ wird wie schon gegen Arminia Bielefeld ein Sieg der „alten Dame“ erwartet, doch Optimismus macht sich angesichts der Form und der personellen Ausfälle in Berlin nicht wirklich breit.

Wir werfen einen Blick auf die Ausgangslage beider Clubs. Dabei werden wir wieder von Thomas Reinscheid, Chefredakteur von effzeh.com unterstützt, der seine Expertise über den 1. FC Köln mit uns teilt.

Große Abstiegssorgen in Köln, Debakel in Freiburg

Das Jahr 2021 fängt für den 1. FC Köln alles andere als gut an. Erst die 0:1 Heimspielniederlage gegen den FC Augsburg, dann ein 0:5 in Freiburg. Den letzten Bundesligasieg holten die Kölner Mitte Dezember, beim knappen 1:0 beim FSV Mainz 05. Dort erzielten sie auch ihren letzten Bundesligatreffer. So richtig läuft es also nicht, und die Sorgen am Geißbockheim werden größer.

Foto: IMAGO

Wir haben unseren Experten gefragt, wie groß denn die Abstiegssorgen beim „Effzeh“ nun wirklich sind: „Groß. Sehr groß. Was aber weniger an der aktuellen Tabellensituation liegt, sondern vielmehr an den unfassbar schwachen Auftritten, die sich durch die ganze Saison ziehen. Es ist auch nach 15 Saisonspielen noch nicht erkennbar, wie der FC Tore erzielen will.“ Der negative Höhepunkt kam bereits im zweiten Spiel in 2021, als der 1. FC Köln in Freiburg mit 0:5 unterging. „Ein gebrauchter Tag letztlich. Ohne die Leistung der Freiburger schmälern zu wollen: Alle fünf Tore hat sich der FC praktisch selber ins Tor gehauen, da war keinerlei Gegenwehr zu spüren“, sagt unser Experte.

Dabei sei auch die mangelnde Qualität in der Offensive ein Problem: „Die Mannschaft ist fußballerisch nicht gerade mit Leistungsträgern gesegnet, kommt im Offensivspiel kaum Bundesliga-tauglich daher. Irgendwann schlägt sich dies natürlich auch auf die Stabilität im Abwehrverbund durch, wenn jeder Ball postwendend zurückkommt. Zumal der FC selbst in den erfolgreichen Spielen Glück hatte, dass die Gegner nachlässig in der Chancenverwertung waren. Diesen Gefallen hat Freiburg dem Team nicht getan.“

Großes Vertrauen in die eigene Mannschaft hatten die Fans schon vor dem Freiburg-Spiel nicht mehr, und so hilft nur der Blick auf andere schwächelnde Clubs : „So ist eigentlich nur zu hoffen, dass es zwei, wenn nicht sogar drei dümmere in der Bundesliga gibt.“ Letztes Wochenende zeigte jedoch, dass die Konkurrenz im Abstiegskampf durchaus noch punkten kann. So brauchen die Kölner dringend eigene Punkte, auch für Trainer Markus Gisdol.

Gisdol unter Druck, Zurückhaltung bei der Clubführung

Kölns Chefcoach steht nämlich stark in der Kritik, der Rückhalt der Mannschaft wird schwächer: „Sollte es stimmen, dass die Mannschaft irritiert war, die Trainingsinhalte aus der Woche vor dem Freiburg-Spiel nicht in der Herangehensweise an die Partie wiederzufinden, dann kann der Rückhalt nicht mehr allzu groß sein.“ Kein Wunder also, dass nach einer so deutlichen Niederlage wie gegen Freiburg, in einer ohnehin brenzlichen Lage, der Trainer infrage gestellt wird.

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Doch ein Rauswurf scheint nicht so simpel zu sein, wie sich das viele Außenstehende vorstellen. Thomas erklärt: „Eigentlich, das muss deutlich gesagt werden, hätte dieses Debakel mit den anschließenden Äußerungen Gisdols Folgen haben müssen. Eigentlich müsste auch eine Niederlage gegen die Hertha Folgen haben. Wir reden aber immer noch über den 1. FC Köln. Und da das Schicksal des Sportchefs sehr eng mit dem des Trainers verknüpft ist, der Club aufgrund miserablem Wirtschaften arm wie eine Kirchenmaus ist, die Verantwortlichen im Vorstand eher auf Tauchstation gehen, dürfte zumindest in der Englischen Woche nichts passieren.“

Einigen Hertha-Fans sollte diese Beschreibung, bis auf die der wirtschaftlichen Lage, bekannt vorkommen. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen beiden Clubs, wo nicht nur der Trainer oder die Spieler für die sportliche Lage verantwortlich gemacht werden. Das sieht auch unser Köln-Experte: „die Gründe der Misere sind vermutlich die Gleichen. Bescheidene Kaderzusammenstellung, viel Geld für wenig Leistung und schwache Entscheidungsträger. (…) von außen betrachtet scheint mir das Team und dessen vermeintliche Leistungsfähigkeit von den Verantwortlichen ähnlich überschätzt zu sein wie am Geißbockheim.“

Bekannte Gesichter in der Kölner Startelf

Wie also will der 1. FC Köln im Heimspiel gegen Hertha BSC das Spiel angehen? Wie ist die taktische Organisation? „Das ist eins der Hauptprobleme derzeit: Der FC wechselt zwischen Vierer- und Fünferkette, zwischen einer Formation mit zwei „falschen Neunen“ und einer mit Stoßstürmer hin und her, ohne sich auch nur in einer dieser taktischen Marschrouten wirklich wohlzufühlen“, meint unser Experte.

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„Viel Wert wurde zumindest zuletzt auf die defensive Stabilität gelegt, was bis zum Freiburg-Spiel auch größtenteils funktionierte. Jedoch ging das massiv auf Kosten der Offensivbemühungen – so richtig gefunden hat der FC seine Identität in dieser Saison noch nicht.“ Wenig helfen konnten dabei zuletzt die Ex-Herthaner Ondrej Duda und Marius Wolf, die am Samstag zum ersten Mal gegen die „alte Dame“ spielen werden. Bei beiden sei noch ordentlich Luft nach oben, sagte uns Thomas.

Dabei tue ihm Ondrej Duda sogar ein wenig Leid: „denn er zeigt immer wieder in Ansätzen, welch feiner Fußballer er doch sein kann. Leider deckt sich dieser Eindruck nicht mit den Befunden bei seinen Mitspielern. Dieses „Hoch und weit“, das unter Gisdol einen Großteil des Spielaufbaus ausmacht, kommt ihm dabei wahrlich nicht entgegen. Er müht sich trotzdem nach Kräften und ist definitiv einer der Besseren in dieser Saison.“

„Das gilt auch für Marius Wolf, der auf der rechten Seite schon jede Position übernehmen musste.“, fügt er hinzu. „Als Rechtsverteidiger war das wenig überzeugend, nach vorne macht er aber ordentlich Druck und zeigt sich auffälliger als seine Pendants auf der anderen Seite.“ Thomas sieht im Hinblick auf das Samstagsspiel ohnehin weniger die Individualitäten im Mittelpunkt: „Es wird in meinen Augen weniger darauf ankommen, ob ein einzelner Spieler die Hoffnungen erfüllt, sondern ob es der Mannschaft gelingt, im Kollektiv stabiler zu agieren. Und vielleicht sogar anfangen, etwas auf den Rasen zu bringen, das annähernd an Fußball erinnert.“

Personelle Sorgen bei Labbadia – eine Chance für Luka Netz?

Dasselbe wird wohl auch für den Hauptstadtclub gelten. Schließlich wird man aufgrund von vielen Ausfällen gerade nicht auf alle Individualitäten zählen können. Neben den ohnehin verletzten Dedryck Boyata und Javairo Dilrosun sind auch Leistungsträger wie Matheus Cunha oder Vladimir Darida fraglich. „Das bedeutet für uns, noch enger zusammenzurücken“, meinte Bruno Labbadia in der Pressekonferenz vor der Partie.

Auch Marvin Plattenhardt wird nicht zur Verfügung stehen, was allerdings dem jungen Luca Netz Hoffnungen machen dürfte, zum ersten Mal in der Startelf stehen zu dürfen. Da Maximilian Mittelstädt wohl als linker Verteidiger spielen muss, könnte Netz auf die linke offensive Außenbahn rutschen. „Wir haben keine Scheu davor“, meinte Herthas Chefcoach, „er macht einen guten Eindruck.“

Eine weitere Option wäre ein Einsatz von Jordan Torunarigha auf der linken Verteidigerposition. Der 23-Jährige stand bisher in 2021 keine Spielminute auf dem Platz. Als linker Innenverteidiger spielte stattdessen Neuzugang Omar Alderete, der jedoch gegen Arminia Bielefeld eine schwache Leistung zeigte. Ob als linker oder als Innenverteidiger: ein erster Einsatz von Torunarigha in 2021 scheint jedenfalls am Samstag wahrscheinlich.

Sollten sowohl Matheus Cunha als auch Vladimir Darida ausfallen, hätte Labbadia auf die zentral offensive Position keine Option mehr und wäre zum Systemwechsel gezwungen. Es wird also bis kurz vor der Partie ein großes Rätsel bleiben, wie die Startaufstellung von Hertha BSC tatsächlich im Rhein Energie Stadion aussehen wird.

Schützenfest oder 0:0?

Während im Hintergrund auf Herthas Führungsebene einiges in Bewegung gesetzt wird, steht weiterhin die sportlich gefährliche Lage im Vordergrund. Wie bereits festgestellt, sieht es bei unseren Gegnern aus Köln ähnlich aus. Keine besonders guten Vorzeichen für attraktiven Fußball am Wochenende. Die beiden geschwächten Teams im Geisterspiel werden es nicht leicht haben, wieder ein Schützenfest abzuliefern. Dabei ging es vergangene Saison im Hin- und Rückspiel ordentlich rund: das Heimteam ließ sich jeweils vor eigenem Publikum abschießen, ganz zur Freude der Auswärtsfahrer.

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Auch unser Köln-Experte erwartet dieses Mal nicht gerade ein hohes Ergebnis: „Das Duell wirkt tatsächlich wie der Krisengipfel des kommenden Wochenendes. Viel Erbauliches ist da in meinen Augen nicht zu erwarten. Dazu dürfte der Druck auf beiden Seiten die Beine und Köpfe zu schwer machen. Ich tendiere daher tatsächlich Richtung 0:0.“  Ein 0:0 wäre dabei eigentlich für beide Seiten kein gutes Ergebnis und würde weder etwas an der schwierigen Lage verändern noch handfeste Gründe für eine Trainer- oder Managerentlassung liefern.

Auf einen Spieler wird Hertha leider nicht aufbauen können, der in der Vergangenheit öfters in Köln die Punkte für die „alte Dame“ durch seine Tore sicherte. „Immerhin besteht diesmal nicht die Sorge, dass einen Vedad Ibisevic zum x-ten Mal abschießen wird“, stellt Thomas fest. Im Gegenzug wird Jhon Córdoba nicht mehr für Köln treffen können. Stattdessen könnte er der Spieler sein, der dafür sorgt, dass das Spiel doch nicht mit 0:0 endet.

*Titelbild: IMAGO