Herthaner im Fokus: Hertha BSC – SV Werder Bremen

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – SV Werder Bremen

Ein Spiel in der Bundesliga beginnt beim Stand von 0:0 und dauert 90 Minuten. Bei Hertha BSC ist es etwas anders. Ein Spiel beginnt in der Regel beim Stand von 0:2. Die katastrophalen ersten Spielminuten der Blau-weißen werden in dieser Rückrunde zur Gewohnheit. Zugegeben: die „alte Dame“ konnte gegen Werder Bremen erneut den frühen Rückstand am Ende ausgleichen und punkten. Trotzdem wird deutlich, dass es so unheimlich schwierig wird, Siege zu holen. Wären da nicht diese „Drecksminuten zu Spielbeginn…

Weil diese Wochen für Hertha-Fans schwierig zu verdauen sind, waren wir dieses Mal in unserer Bewertung vor allem auf der Suche nach positiven Aspekten. Diese fanden wir unter anderem auch Niklas Stark, Maximilian Mittelstädt und Matheus Cunha.

Thomas Kraft – Kein Spiel zum glänzen

Aufmerksame Leserinnen und Leser werden festgestellt haben: der neue Stammkeeper wurde in unserer Einleitung nicht erwähnt. Das liegt daran, dass er als einziger, der heute im Fokus stehenden Spieler nicht wegen seiner sportlichen Leistung ins Auge getreten ist. Ihn jedoch kurz anzusprechen lohnt sich, da eine Änderung auf der Torhüterposition im Laufe der Saison eher unüblich ist. Zudem wurde im Anschluss auf das Düsseldorf-Spiel sehr viel über Thomas Kraft diskutiert. Weniger aufgrund seiner sportlichen Leistung, sondern eher wegen seiner Ansprache in der Kabine. Er sei besonders wichtig für die Mannschaft, solle nervenstärker sein als sein Konkurrent Rune Jarstein und deshalb auch in dieser Situation die beste Wahl sein.

Kraft hatte gegen Bremen wenig zu tun. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Umso bitterer also, dass das Spiel gegen Werder Bremen ihm nicht wirklich die Möglichkeit gab, den Fokus auf seine sportliche Rolle zu legen. Schon nach sechs Minuten lag Hertha mit 0:2 zurück, und das Lächeln im Gesicht von Thomas Kraft war von jeglicher Freude oder Heiterkeit befreit. Auch er wird, wie alle Herthafans und -akteure geglaubt haben, im falschen Film zu sein. Beim ersten Gegentreffer konnte Kraft noch nicht viel machen, beim zweiten hingegen wirkte der Spieler mit der Nummer Eins im Rücken äußerst unglücklich. Seine Positionierung beim Kopfball von Davy Klaassen sah alles andere als Souverän aus. Trotzdem muss zu seiner Verteidigung angeführt werden, dass die gesamte Hintermannschaft ihren Keeper völlig im Stich ließen. Lukas Klünter ließ erst Milot Rashica viel Zeit und Raum zum Flanken, dann schlief die Innenverteidigung und Klaassen bedankte sich.

Nach diesen zwei Treffern bekam Thomas Kraft so gut wie gar nichts mehr auf sein Tor. Eine gute Nachricht eigentlich, allerdings konnte sich der 31-Jährige dann auch nicht mehr durch Paraden auszeichnen. Zumindest konnte er durch einzelne schnelle Abwürfe Angriffe seiner Mannschaft einleiten. Am Samstag konnte Kraft also keine Glanztaten zeigen, trotzdem ist zu hoffen, dass bis zum Ende der Saison die Torhüter-Position kein Thema mehr wird. Angesichts dieser Spielzeit ist allerdings noch alles vorstellbar.

Niklas Stark – Nach Gelbsperre zurück ins Rampenlicht

Niklas Stark gehört sicherlich zu den Spielern, die diese Saison weit unter ihren Möglichkeiten gespielt haben. Nach seiner Gelbsperre kehrte er am Samstag zurück in die Startelf und ersetzte dort Dedryck Boyata, der aufgrund von Muskelproblemen ausfiel. Direkt war Stark im Mittelpunkt des Geschehens, und war auch mitverantwortlich für den erneuten Katastrophenstart von Hertha.

Niklas Stark köpft zum 1:2 Anschlusstreffer. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Beim 0:1 machte er seinem Gegenspieler Joshua Sargent zu wenig Druck, sodass dieser ungestört abschließen konnte. Auch beim 0:2 war er schuldhaft beteiligt: der 24-Jährige verlor Davy Klaassen aus den Augen, der dann einköpfen konnte. Keine gute Rückkehr also. Sichtlich verunsichert spielte Stark auch im Anschluss zunächst sehr hektisch und unpräzise. Durch einen gefährlichen Fehlpass in der 24. Minute hätte er sogar einen weiteren Gegentreffer einleiten können.

Er selbst fand poetische Worte, um den Frust der Anfangsphase zu beschreiben: „wir beißen uns selber in den Arsch“. Doch zumindest schaffte es Niklas Stark, die passende Antwort schon in der ersten Halbzeit zu finden. Wie auch die restliche Mannschaft der „alten Dame“ wurde der junge Verteidiger im Verlauf der Partie sicherer. Dadurch, dass sich Hertha auch mehr Kontrolle sicherte, traute er sich auch mehr im Spielaufbau zu, wie zum Beispiel in der 37. Minute, als er nach einem Vorstoß Krzysztof Piątek in Szene setzte. Diese Leistungssteigerung krönte er dann selbst in der 41. Minute, als er den so wichtigen Anschlusstreffer per Kopf erzielte.

In der zweiten Halbzeit war Stark deutlich sicherer, sein Treffer gab ihm sichtlich Selbstvertrauen. Auch war spürbar, dass er hundert Prozent gab, auch wenn manchmal die Abstimmung mit seinen Mitspielern nicht perfekt funktionierte. In der 64. Minute beispielsweise ließ er noch seinen Gegenspieler frei köpfen. Zwei Minuten später warf er sich aufopferungsvoll in einer Defensivaktion rein und klärte den Ball. Der Wille war da bei Niklas Stark, das zeigt sich auch in seiner Statistik. Er klärte nicht nur 7 Bälle (der beste Wert im Hertha-Team), er konnte auch 75 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnen und lief sogar mehr als 10 Kilometer. Es war ihm anzumerken, dass er seiner schwachen Form der letzten Wochen zum Trotz ein gutes Spiel machen wollte. Seine erste halbe Stunde warf letztlich einen Schatten auf sein ansonsten ordentliches Spiel.

Maximilian Mittelstädt – Mittendrin statt nur dabei

Ein weiterer Spieler durfte sich, nach den vielen Wechsel der letzten Wochen, wieder von Beginn an zeigen. Maximilian Mittelstädt übernahm die linke offensivere Seite bei den Blau-weißen. Er nutze die Tatsache, dass er mit Marvin Plattenhardt einen sehr defensiv aufgestellten Verteidiger hinter sich hatte, um sich in den meisten Angriffen von Hertha mit einzuschalten.

Torschütze und Vorbereiter zum 2:2 (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images).

Der 22-Jährige war sehr präsent im Berliner Spiel und schien unermüdlich zu sein. Ganze 11,55 Kilometer lief er, der beste Laufwert hinter Vladimir Darida und Santiago Ascacibar. Dazu kommen 26 Sprints und 78 intensive Läufe: in beiden Werten ist er damit auf Platz drei bei Hertha. Sein Einsatz zeigte sich unter anderem auch in der 28. Minute, als er den weiten Weg bis in den eigenen Strafraum zurück sprintete, um einen Bremer Angriff zu vereiteln. Besonders interessant wird es, wenn man sich die sogenannten „Heatmaps“ anschaut. Während Marius Wolf vor allem auf seiner rechten Seite blieb war Maximilian Mittelstädt fast überall zu sehen, was sich in der 69 Minute zeigte, als er komplett die Seite wechselte, um einen Ball wegzugrätschen.

Auffällig war auch, dass es ihn auch immer öfter in die zentrale Position zog. Auch durch die Passivität der Bremer nach der Anfangsphase hatte er mehr Freiheiten, probierte vieles nach vorne. Dieser Offensivdrang sorgte auch für den 2:2 Ausgleichstreffer: in der 60. Minute kam Mittelstädt im Strafraum zum Abschluss. Der abgewehrte Ball wurde dann von Matheus Cunha ins Tor geschossen. Auch in der 78. Minute glänzte der gebürtige Berliner, als er einen langen Ball per Vollsprint noch erreichte und in die Mitte auf Vladimir Darida spielte. Dessen Schuss sorgte für den, später zurückgenommenen, Handelfmeter für Hertha.

Es war nicht alles gut, was der junge Berliner am Samstag zeigte. Vor allem seine hohen Hereingaben waren oft zu ungenau, doch insgesamt weist er eine gute Passquote auf (85 Prozent, im Vergleich: Marius Wolf hatte eine Passquote von 52 Prozent). Nach Matheus Cunha (20) und Ludwig Augustinsson (19) ist Mittelstädt außerdem der Spieler, der die meisten Zweikämpfe gewann. Sein Einsatz, seine Flexibilität und seine Entschlossenheit beim 2:2 waren für das Berliner Spiel sehr wertvoll. Auch deshalb ist davon auszugehen, dass Maximilian Mittelstädt in der nächsten Partie gegen die TSG Hoffenheim erneut von Anfang spielen wird.

Matheus Cunha – Dauergast bei „Herthaner im Fokus“

Aktuell führt in unserer „Herthaner im Fokus“-Rubrik kein Weg an Matheus Cunha vorbei. Da er auch gegen Bremen der auffälligste Spieler auf dem Platz war, können wir erneut nicht auf eine Bewertung verzichten. Cunha war wie auch in der zweiten Halbzeit in Düsseldorf omnipräsent, verlor kaum Bälle, glänzte durch Dribblings und mit einer guten Übersicht. Kein Wunder also, dass er der Spieler ist, der für Hertha in der 20. Minute den ersten Ausrufezeichen setzte, indem er einen Konter im Vollsprint anführte und dann selbst kurz vor dem gegnerischen Strafraum abschloss. Der etwas zu unplatzierte Schuss war das erste Zeichen, dass sich Hertha anfing zu wehren. Dies sollte nur einer von zahlreichen Schüssen werden: Cunha gab mit neun (!) Torschüssen mit großem Abstand die meisten Schüsse von allen Spielern auf dem Platz ab.

Der Brasilianer schießt das so wichtige 2:2 (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images).

In der 34. Minute zog der junge Stürmer erneut aus der Distanz ab und zwang Keeper Stefanos Kapino zu einer starken Parade. Kaum vier Minuten später war er wieder im Mittelpunkt, setzte sich gegen mehrere Gegenspieler im Strafraum durch und sorgte für den nächsten gefährlichen Angriff. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit hätte er auch mit mehr Glück einen Elfmeter für Hertha rausholen können. Auch mit starken Pässen konnte er glänzen, wie zum Beispiel in der 53. Minute, als er Marvin Plattenhardt sehenswert in Szene setzte, der allerdings durch eine schwache Hereingabe den gefährlichen Angriff verschwendete.

In der 60. Minute war es dann soweit: der Brasilianer belohnte seine erneut starke Leistung und traf zum 2:2. Auch im Anschluss seines Treffers hängte er sich rein. Was auch auffiel: der 20-Jährige lief von allen Berliner Feldspieler am wenigsten, nur 9,27 Kilometer. Seine Läufe waren jedoch intelligent und effektiv. Dies zeigt sich daran, dass er trotz des geringen Laufumfangs an fast allen Berliner Kontern und Angriffen beteiligt war. Zudem gewann er auch die meisten Zweikämpfe (20) und hatte die meisten Sprints (34) und Dribblings.

Auch hier muss bei allen Lobeshymnen festgestellt werden, dass ihm in einigen Situationen die letzte Präzision und Ruhe fehlte. Bestes Beispiel dafür ist die Szene in der 70. Minute, als der junge Stürmer den wunderbar von Jordan Torunarigha eingeleiteten Konter in aussichtsreicher Position nicht gut nutzen konnte. Sein Pass auf Krzysztof Piątek war dann zu ungenau, und eine gute Chance vergeben.

Der laut Werder-Trainer Florian Kohfeldt „beste Spieler auf dem Platz“ Matheus Cunha belebt zweifellos das Berliner Offensivspiel, und sorgt für besondere Momente. In wenigen Spielen hat sich der Brasilianer eigentlich schon komplett unverzichtbar gemacht. Auf ihn wird Hertha in den nächsten Spielen ganz sicher hoffen. Bisher hat er diese Hoffnung nicht enttäuscht.

Hertha BSC – SV Werder Bremen: Nur Zuhause holen wir nichts

Hertha BSC – SV Werder Bremen: Nur Zuhause holen wir nichts

Am Samstagnachmittag steht das nächste Heimspiel für Hertha BSC an. Dass das kein Grund zur Freude für die Anhänger der „alten Dame“ ist, ist offensichtlich. Im Jahr 2020 gab es Zuhause nur einen Punktgewinn (0:0 gegen Schalke 04). Ansonsten gab es drei hohe Niederlagen, die letzte gegen Köln schmerzte dabei besonders, weil die Mannschaft mit 0:5 komplett unterging. Jetzt kommt mit dem SV Werder Bremen ausgerechnet ein Angstgegner ins Olympiastadion.

Seit 2013 konnte man nicht mehr gegen die Bremer drei Punkte holen. Dazu kommt, dass Hertha diese Saison öfter als Aufbaugegner für verunsicherte Mannschaften glänzen konnte. Um jedoch in dieser turbulenten Zeit nicht in Panik zu verfallen, wollen wir die nächste Partie objektiv betrachten. Dazu haben wir uns einen kompetenten Interviewpartner geholt, in Person von Kim (auf Twitter @kimosch46) der unter anderem beim Weserfunk regelmäßig zu hören ist. Mit ihm blicken wir auf die so wichtige Partie am Samstag.

Gespaltene Medienlandschaft bei Werder Bremen

Hertha BASE: Die klassische Frage zu Beginn: wie ist so die Stimmungslage in Bremen?

Kim: Liebes Tagebuch, im Moment ist es bei Werder sehr unruhig. Es scheint, als spalte sich die Fanszene sowie die Medienlandschaft in zwei Lager. In dem einen Lager sagen sie, Florian Kohfeldt habe keinen Mehrwert mehr für Mehrder… äh, Werder. In dem anderen Lager, zu dem ich mich selbst auch zähle, sagen sie, dass Florian Kohfeldt nach wie vor der richtige Trainer für Werder ist. Aber dazu später mehr. Ansonsten kann man sagen, dass es lange nicht solch eine Unruhe im und um den Verein gab. Dazu kommt eine immer stärker boulevardeske Berichterstattung über Werder. Es wird alles skandalisiert und dramatisiert und das in einer Situation, die sportlich schon dramatisch genug ist. Ach, liebes Tagebuch, es ist wirklich anstrengend zur Zeit.

Trainer Florian Kohfeldt (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Anstrengend war auch das Pokalaus gegen Frankfurt (2:0). Was nimmt die Mannschaft aus dieser Partie mit?

Kim: So, genug Bezug zu Tagebüchern jeglicher Art. Das Pokalspiel steht für die sportliche Misere: Zunächst steht Werder defensiv solide und versucht situativ den Gegner unter Druck und offensive Nadelstiche zu setzen. Dann kommt ein Rückschlag, meist durch einen Standard, und es gibt Unruhe. Im Pokalspiel war es noch okay nach dem Gegentor, offensiv fand Werder jedoch kaum statt. Die beiden einzigen Tore für Werder in der Liga im Jahr 2020 waren Eigentore. Einzig das Pokalspiel gegen den BVB ließ die Stürmer jubeln, ansonsten herrscht Ebbe in der Offensive. Was man jedoch mitnehmen kann: Defensiv war es weitestgehend in Ordnung und in den meisten Statistiken lag Werder vorne. Punkte in der Liga gibt es dafür jedoch keine.

Und trotzdem scheint Florian Kohfeldt das Vertrauen der Vereinsführung zu behalten. Was denkst du über die Trainersituation?

Kim: Ich halte Kohfeldt nach wie vor für einen talentierten Trainer, der für Werder der richtige Coach ist. Die Situation ist auch gänzlich anders als bei Skripnik und Nouri zu bewerten. Kohfeldt ist großartig in der Kommunikation, die Mannschaft steht hinter ihm und spricht sich auch für ihn aus. Ein Bruch zwischen Team und Trainer ist nicht auszumachen. Darüber hinaus stellt sich ja auch immer die Frage nach einer Alternative: Wer wäre denn für Werder überhaupt verfügbar und auch ein klares Upgrade zu Kohfeldt? Der Kader ist so wie er halt ist, im defensiven Mittelfeld klafft eine eklatante Lücke, was aber in erster Linie Baumann anzukreiden ist und nicht Kohfeldt. Ich bin nach wie vor voller Hoffnung, dass Bremen mit Kohfeldt den Turnaround schafft!

Ohne Selke, Toprak und Pavlenka nach Berlin

Wie gut kann Bremen die Müdigkeit bis Samstag wegstecken?

Kim: Von Mittwoch bis Samstag sollte genug Regeneration möglich sein, zumal die Mannschaft auch von Frankfurt direkt nach Berlin reist. Das darf keine Ausrede sein!

Wie schätzt du die Stärken eures Teams ein? Was kann euch denn da unten raus holen?

Kim: Rashica, Selke (der gegen Hertha fehlt) und Bittencourt werden (hoffentlich bereits am Samstag) den Schalter umlegen und die Liga kurz und klein schießen. Nur durch Eigentore des Gegners wird man die Klasse nicht halten können.

Dafür habt ihr ja Hertha-Schreck Claudio Pizarro auf der Bank. Allerdings fallen jetzt Ömer Toprak und Torhüter Jiri Pavlenka (Muskelfaserriss) aus. Was wird sich im Team durch die Ausfälle am Samstag verändern?

Kim: Toprak ist glücklicherweise nicht so schwer verletzt wie befürchtet, wird gegen die alte Dame jedoch fehlen. Vogt wird deshalb vermutlich in die Innenverteidigung rücken und wohl Sahin in die Mannschaft spülen. Selke darf ja nicht spielen – was für eine Klausel, ach du meine Güte, Baumann! – was vielleicht zum Startelfdebüt von Nick Woltemade führen wird. Vielleicht wird aber auch Josh Sargent starten.

Davie Selke darf aufgrund einer Klausel nicht gegen Hertha spielen. (Gif: https://giphy.com/bundesliga )

À propos Selke: wie macht er sich bisher bei euch? Was hälst du von ihm?

Kim: Der Transfer ließ mich zwiegespalten zurück: Finanziell für Werder ein ordentliches Wagnis, dazu ist Davie auch nicht der Spieler, der die 10+x Tore garantiert. Aber er ist jemand, der voran geht und sich nicht versteckt, dazu für Kohfeldt Art des Fußballs auch der richtige Zielspieler. Ich hätte mir im Winter gewünscht, dass das Geld in einen zentralen Mittelfeldspieler gesteckt wird, aber das ist ja nicht Selke anzulasten. Im Pokal gegen den BVB hat man gesehen, welche Qualitäten er hat und ich hoffe, dass er diese nun konstant und über den Sommer hinaus für Werder zeigen wird.

Und zum Schluss noch die obligatorische Frage nach deinem Tipp für die Partie:

Kim: Die ersten Frames wird Hertha sich holen, dann wird Werder jedoch mit einem Maximum Break das Ruder herumreißen und großartiges Snooker spielen. 9:5 für Werder!

Erwachen der Macht im Hertha-Kader?

Wie wir bereits in unserer Rubrik „Herthaner im Fokus“ feststellten, war das Spiel in Düsseldorf vor allem durch die Spieler geprägt. Nouris taktische Umstellungen trugen keine Früchte, wieder einmal mussten die Berliner zur Halbzeit zwei mal wechseln. Nur durch eine Reaktion innerhalb der Mannschaft, insbesondere gepusht durch die erfahrenen Spieler im Team, konnte die Aufholjagd realisiert werden. Jetzt heißt es aber im Hinblick auf das Spiel am Samstag: war es nur eine einmalige Situation? Oder gab es im Hertha-Kader eine Art „Erwachen der Macht“?

Viel wurde spekuliert, dass sich die Mannschaft quasi „selbst“ leitet. Hertha scheint auch auf diese Reaktion aufbauen zu wollen: Thomas Kraft wurde in der Pressekonferenz als aktuelle Nummer Eins im Tor bekräftigt. Vor allem seine Rolle fürs Teamgefüge sei wichtig für die nächsten Partien. Auch Vladimir Darida, der eine der wenigen Säulen im Team zuletzt darstellt, wird wohl wieder in der Startelf stehen. Eine wichtige Säule fällt hingegen mit Dedryck Boyata weg. Der belgische Abwehrchef leidet noch unter Muskelproblemen. Er wird in der Innenverteidigung wohl durch Niklas Stark ersetzt, der nach Gelbsperre zurückkehrt. Zudem fällt weiterhin auch Peter Pekarik aus, Per Skjelbred hingegen könnte noch rechtzeitig fit werden. Auch Santiago Ascacibar steht wieder zur Verfügung.

Dedryck Boyata fällt am Samstag verletzt aus. (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Kein Spiel für schwache Nerven

Die taktische Ausrichtung bleibt eine große Frage. Die ständigen Wechsel der letzten Wochen führen auch dazu, dass die Startelf kaum vorherzusagen ist. Sollte Hertha den Schwung der zweiten Halbzeit in Düsseldorf mitnehmen wollen, wird die Aufstellung am Samstag um 15:30 Uhr wohl ähnlich aussehen, wie in dieser zweiten Hälfte.

Die Antworten unseres Werder-Experten deuten schon an, dass Hertha auf eine Mannschaft am Samstag treffen wird, die ums Überleben kämpft. Bremen ist angeschlagen, unter Druck und dazu noch personell geschwächt. Hertha könnte durch einen Sieg einen Riesen-Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Bei dieser Ausgangslage klingeln bei allen Hertha-Fans schon die Alarmglocken.

Doch dieses Gerede von Aufbaugegner, Heimschwäche und positiven Druck muss endlich ein Ende finden. Die Mannschaft muss den Charakter-Test bestehen und endlich wieder gegen die Konkurrenz im Abstiegskampf ein Zeichen setzen. Die Trainerdiskussion gibt der Mannschaft keine Ausreden mehr. Die zweite Halbzeit in Düsseldorf und der anschließende Austausch der Spieler mit den Fans und später mit dem Trainer müssen eine positive Energie erzeugen. Diese Kraft wird notwendig sein: das Spiel am Samstag wird wieder kein Spiel für schwache Nerven.

Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC: Abstiegskampf mit “Déjà-vu”

Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC: Abstiegskampf mit “Déjà-vu”

Leichter wird es im Verlauf dieser Rückrunde nicht, Woche für Woche die Vorberichte zu schreiben. Als Hertha-Fan ist die aktuelle Lage so belastend, wie lange nicht mehr. Trotzdem geht das Leben weiter und es sind noch genug Spiele, um die Saison wieder einigermaßen versöhnlich zu beenden. Den Anfang könnte Hertha BSC direkt am Freitagabend machen, wenn es zu Fortuna Düsseldorf ins Rheinland geht.

In Düsseldorf hat die “alte Dame” zuletzt nur Horror-Szenarien erlebt und muss sich noch von der letzten Pleite erholen (1:4). Dazu kommt das “déjà-vu”: nach einer anderen Horror-Saison traf man in der Relegation aufeinander. Gute Erinnerungen sind diese zwei Spiele für Hertha-Fans sicher nicht. Dabei laufen Auswärtsspiele in dieser Rückrunde deutlich besser als die Auftritte zu Hause. Kann Hertha endlich wieder für positive Schlagzeilen sorgen?

Unser Fortuna-Düsseldorf-Experte Dennis (auf Twitter @Scheff83), und Podcaster bei “Neues vonne Pommesbude” , stand uns wieder einmal zur Seite. Er beantwortet unsere Fragen zu unseren Gastgebern.

“Mit neuem Feuer im Abstiegskampf”

Hertha BASE: Zunächst einmal: in Berlin ist gerade die Hölle los, wie ruhig ist es aktuell vergleichsweise in Düsseldorf, trotz Abstiegskampf?

Dennis: Bei der Fortuna war es in den letzten Wochen auch sehr unruhig, auch wenn das Ausmaß nicht diese “HSV-Züge” wie aktuell bei der Hertha angenommen hat. Nach der Entlassung von Friedhelm Funkel nach der Pleite in Leverkusen, hat in der letzten Woche überraschenderweise auch der sportliche Leiter Lutz Pfannenstiel seinen Abschied verkündet. Er wird aus persönlichen Gründen F95 am Saisonende nach erst knapp 1 1/2 Jahren verlassen. Kontinuität auf den wichtigsten Positionen im sportlichen Bereich sieht anders aus… 

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Im letzten Spiel konnte die Fortuna 2:0 in Freiburg siegen. Wie ist die Form der Mannschaft im Moment wirklich einzuschätzen?

Dennis: Seitdem Uwe Rösler das “Trainer-Zepter” schwingt, steht die Fortuna kompakter und spielt auch offensiver. Man ist wieder im Stande Chancen herauszuspielen und weniger von “Geniestreichen” eines Rouven Hennings abhängig. Der Sieg in Freiburg war sehr bedeutend, da dadurch nun der Abstand zum 15. Platz auf zwei Zähler geschmolzen ist. Schon in den Partien gegen Frankfurt und Wolfsburg (beide 1:1) wären Siege meines Erachtens verdient gewesen. Gegen Mönchengladbach spielte man eine Hälfte gut mit, am Ende fiel die 1:4-Niederlage um ein bis zwei Tore zu hoch aus. 

Wie schätzt du die Stärken deines Teams ein? Was macht sie so stark im Vergleich zu den anderen Abstiegskandidaten?

Dennis: Die letzten Spiele haben Mut gemacht. Gegen Freiburg hat man gut verteidigt und die Chancen auch endlich mal genutzt. Erik Thommy hat herausragend gespielt. Trotz der angesprochenen Turbulenzen im Verein scheint die Mannschaft unbeeindruckt und agiert durch den Trainerwechsel mit “neuem Feuer” im Abstiegskampf. Jedem Spieler ist bewusst, dass allein der Klassenerhalt zählt und scheinbar ist deswegen auch F95 ein Schritt weiter als beispielsweise Werder Bremen. Die Mannschaft steht wieder deutlich kompakter und lässt wenige Großchancen im Strafraum zu. Das ist meines Erachtens aktuell der große Trumpf, da außer Hennings insgesamt leider doch wenig Torgefahr von der Fortuna ausgeht. 

Unter Uwe Rösler wieder unangenehm zu bespielen

Wird es am Freitag im Team zu Änderungen kommen? Wer ist bei euch gesperrt oder verletzt?

Dennis: Fraglich ist Suttner in der hinteren Dreierreihe. Gießelmann hat ihn aber sehr gut gegen Freiburg vertreten. Vielleicht wird aber auch Jörgensen hinten aufgeboten. Als Aufbauspieler wäre Gießelmann aber besser geeignet. Ansonsten kann Rösler aus dem Vollen schöpfen. Kenan Karaman hat nach seiner langen gesundheitlichen Pause (Lungenentzündung) gegen Freiburg einen vielversprechenden Eindruck gemacht. Ich denke, er wird neben Hennings wieder als zweite Spitze auflaufen. 

Wie stellt Funkel-Nachfolger Uwe Rösler sein Team auf? Was hat sich taktisch verändert?

Dennis: Er hat ein neues System etabliert mit einer Dreierkette und zwei Schienenspielern auf den Seiten. Fortuna spielt nun im 5-3-2 oder 3-5-2, je nach Spielverlauf. Die äußeren Innenverteidiger wie z. B. Ayhan sind sehr aktiv im Spielaufbau und das bringt eine große Dynamik ins Fortuna-Spiel. Wichtig für das Offensivspiel ist, dass Kevin Stöger nach seiner Kreuzbandverletzung wieder spielt. Er macht im zentralen Mittelfeld mit Winterneuzugang Valon Berisha den Unterschied aus. Beide Spieler bringen technische- und Pass-qualitäten mit, die im Kader vorher nicht vorhanden waren. Fortuna ist wieder unangenehm zu bespielen, die große offensive Durchschlagskraft fehlt aber weiterhin.

Schafft es Hertha mit individueller Klasse?

Was müsste Hertha schaffen, um bei euch Freitag zu punkten?

Dennis: Bei aller Häme in der letzten Woche – Hertha weiß, wie man auswärts punkten muss. In den letzten drei Auswärtsspielen gab es drei Siege, auch wenn das zum Teil fürchterliches Gebolze war. Dementsprechend gehe ich davon aus, dass das Spiel am Freitag kein Augenschmaus werden wird und von beiden eher defensiv geprägt ist. Hertha verfügt über die individuelle Klasse das Spiel nach Hause zu fahren.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Dodi Lukebakio kehrt zurück an alter Wirkungsstätte: wie wird er in Düsseldorf empfangen?

Dennis: Ich denke es wird gemischte Reaktionen des Publikums geben. Er hat eine tolle Saison bei der Fortuna gespielt, war aber auch nur ein Jahr hier. 

Zum Schluss noch die Frage: was ist dein Tipp für Freitag?

Dennis: So wie die Saison läuft, wird Hertha kurz vor Schluss das 1:1 schießen. 

Der sportliche Stand bei der “alten Dame”

Während der (noch in Lyon spielende) Hertha-Neuzugang Lucas Tousart in der Champions League zum Matchwinner gegen Juventus Turin wurde, verbrachten seine zukünftigen Mitspieler erneut eine turbulente Woche in Berlin. Abstiegskampf wäre an sich schon schwer genug, da hätten die Blau-Weißen gerne diese Woche auf den erneuten Wirbel um Jürgen Klinsmann und seinen Machtspielchen mit der Hertha-Chefetage verzichtet. Dabei wollen wir an dieser Stelle nur auf das sportliche eingehen, in der Hoffnung, dass es sich auch demnächst wieder nur um den runden Ball drehen wird.

Die schwierige Aufgabe in Düsseldorf muss Hertha BSC ohne Niklas Stark bestreiten. Dieser fehlt bei den Rheinländern gelb-gesperrt. Auch auf Santiago Ascacibar wird Hertha aufgrund dessen in Stuttgart gesammelten Karten verzichten müssen. Das könnte in Theorie eine Systemumstellung mitbringen, allerdings könnte Alexander Nouri auch einfach positionsgetreu seine gesperrten Spieler ersetzen.

Alexander Nouri sah sein Spielsystem allerdings nicht als Thema, wie er auf der Pressekonferenz vor dem Spiel erklärte. Was wir in unserer letzten Podcast-Folge zu Herthas Taktik zu sagen hatten, findet ihr hier:

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Gute Spieler hat Hertha noch in der Hinterhand. Jordan Torunarigha könnte zum Beispiel nach zuletzt starken Leistungen endlich wieder in der Startelf stehen. Arne Maier ist zurück im Mannschaftstraining und bis auf Peter Pekarik, der noch fraglich ist, stehen Alexander Nouri alle Profis zur Verfügung. Ausreden gibt es für den noch-Cheftrainer nicht: Hertha muss in Düsseldorf punkten.

Hertha BSC – 1.FC Köln: Karneval oder Samba in Berlin?

Hertha BSC – 1.FC Köln: Karneval oder Samba in Berlin?

Bunt, turbulent, laut, ein Hauch von Skandal und für Außenstehende zum Teil lächerlich und nüchtern schwer zu ertragen. Nein, es ist keine Beschreibung vom Kölner Karneval, sondern von den letzten Wochen bei Hertha BSC. So wirklich ist in Berlin keine Ruhe eingekehrt, trotz des knappen 2:1 Erfolgs gegen den SC Paderborn vergangenes Wochenende. Am Samstag um 15.30 Uhr ist der 1. FC Köln zu Gast im Olympiastadion. Die Kölner haben nur drei Punkte weniger im Abstiegskampf und wollen daher unbedingt zu Hertha aufschließen.

Während in Köln aktuell Karneval gefeiert wird, gab es in Berlin zuletzt nur selten Party-Stimmung, auch wenn ein Hauch von Samba in Person von Matheus Cunha zu spüren war. Um herauszufinden, welche Mannschaft am Samstag wohl die besseren Chancen hat, haben wir uns erneut Verstärkung geholt. Mit Thomas Reinscheid, Chefredakteur von effzeh.com blicken wir auf die Partie Hertha BSC – 1. FC Köln.

Der Gisdol-Effekt

Die starken Ergebnisse unter Neu-Coach Markus Gisdol in den letzten Monaten sorgen natürlich für gute Stimmung in der Domstadt. Thomas sagt uns zu der Lage am Rhein: „Die Stimmung ist mittlerweile prächtig, auch wenn es lange nicht danach aussah. Durch die starken Auftritte zum Ende der Hinrunde und den Heimsiegen zum Jahresstart hat sich der FC ein ordentliches Polster auf die Abstiegsränge geschaffen und kann etwas entspannter in die Spiele gehen. Nun muss das Team allerdings auch dran bleiben und die wichtigen direkten Duelle im Abstiegskampf für sich entscheiden.“

Köln in den letzten Monaten mit vielen Siegen. ( Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Zuletzt gab es nur zwei Niederlagen gegen Borussia Dortmund und den FC Bayern München. Ansonsten sammelte Köln seit der Niederlage gegen Union Berlin nur Siege. Auf die Frage, was sich, unter anderem mit dem Trainerwechsel zu Markus Gisdol, verändert habe sagt uns Thomas: „Die Mannschaft tritt geschlossener auf, läuft mehr und wirft sich in jeden Zweikampf. Es scheint, als haben die Spieler begriffen, was es im Abstiegskampf braucht, um erfolgreich zu sein. Vor allem durch die jungen Spieler wie Ismail Jakobs oder Noah Katterbach ist eine andere Intensität auf dem Platz zu erleben. Dazu hat der FC auch das notwendige Spielglück, das ihm über weite Strecken der Hinrunde nicht hold war.“

Die Niederlage vergangene Woche gegen den amtierenden Deutschen Meister sei bereits abgehakt. „Wie schon in Dortmund hat der FC zu Beginn der Partie seine Grenzen aufgezeigt bekommen, was aber gegen solche Spitzenteams nicht schlimm ist. Man muss daraus lernen – und das Positive, das in der zweiten Halbzeit gezeigt wurde, in die Partie in Berlin mitnehmen.“

Kölner Standards die große Gefahr für Hertha

Als größte Waffe bringen die Rheinländer dazu ihre Standardstärke mit: „Wir sind bei Ecken ungemein torgefährlich, zusammen mit Eintracht Frankfurt haben wir dort die meisten Treffer erzielt. Insgesamt sind unsere Standardsituationen eine echte Waffe geworden – völlig ungewohnt für den FC.“

Standards sind jedoch nicht die einzige Stärke unserer Gegner am Samstag: „Darüber hinaus hat die Gisdol-Elf mit Jonas Hector, Ellyes Skhiri und Mark Uth ein spiel- und laufstarkes Mittelfeldzentrum und mit Jhon Cordoba über einen körperlich beeindruckenden Angreifer, der sich in jeden Zweikampf wirft.“

Wir haben unseren Köln-Experten auch gefragt, womit sich der „FC“ noch schwer tut. Dazu sagt Thomas: „Aktuell verpennt der FC regelmäßig den Start ins Spiel. In Dortmund und gegen die Bayern hat uns das wohl das Spiel gekostet, gegen Wolfsburg und Freiburg konnte der Gegner das zum Glück nicht nutzen. Dazu ist im Spiel nach vorne noch viel Luft nach oben. Wir erobern uns regelmäßig in recht aussichtsreichen Situationen den Ball, um ihn dann durch große Hektik im Umschaltspiel leicht wieder herzuschenken.“

„Aggressiv und Zweikampforientiert“

Zu der Frage, wie sich die Karnevalszeit auf die Kölner Leistung auswirkt, antwortet unser Köln-Experte: „Eigentlich ist die Bilanz an Karneval fürchterlich, besonders in der Bundesliga. Liegt zumeist daran, dass der FC auswärts spielen muss. Aber: Im vergangenen Jahr holte der FC einen Tag vor Rosenmontag tatsächlich einen Sieg. Hoffentlich gelingt eine Wiederholung in dieser Saison.“

Sebastiaan Bornauw fehlt in Berlin aufgrund einer gelb-Sperre. (Foto: TF-Images/Getty Images)

Was die Aufstellung der Kölner angeht, wird es gezwungenermaßen zu Änderungen kommen. Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw fehlt gelb-gesperrt, Linksverteidiger Noah Katterbach ist verletzt. Thomas verrät uns, wie Gisdol wohl beide Stammspieler ersetzen wird: „Für Katterbach wird sicherlich Jakobs nach hinten rücken und als Linksverteidiger agieren. Bei Bornauw, dessen Sperre echt unnötig zustande gekommen ist, ist die Frage, ob FC-Coach Markus Gisdol mit Toni Leistner eher auf die rustikale Variante setzt oder doch der spielerisch stärkere Jorge Meré zum Einsatz kommt. Ich tippe, um ehrlich zu sein, auf ersteres.“ Genannter Mere hatte auch einen eher unglücklichen Auftritt im Hinspiel, als er für ein grobes Foul an Vladimir Darida die rote Karte sah.

Trotz dieser beiden Wechsel tippt unser Köln-Experte nicht auf große Änderungen in der taktischen Einstellung der Mannschaft: „Wir werden keine Experimente versuchen, auch wenn zwei wichtige Stammspieler ausfallen. Intensiv gegen den Ball, mit schnellem Umschaltspiel nach vorne – das wird die Marschroute sein. Das sieht nicht immer schön aus, hat sich bisher aber als erfolgreich erwiesen.“ In der Presskonferenz sagt der Cheftrainer der Kölner, man wolle „aggressiv und zweikampforientiert spielen“.

1. FC Köln, Lieblingsgegner von Vedad Ibisevic

Köln wird also wie erwartet erneut eine schwere Aufgabe für die Mannschaft von Alexander Nouri werden. Die Bundesliga-Heimbilanz der „alten Dame“ gegen die Kölner kann sich zumindest sehen lassen: aus den letzten fünf Heimspielen holte man vier Siege und einen Remis. Die letzte Bundesliganiederlage Zuhause geht auf das Jahr 2009 zurück (0:1), im Pokal hingegen gewann Köln im Olympiastadion im Jahr 2017 mit 3:1.

Köln, Lieblingsgegner von Vedad Ibisevic.

Auch das letzte Spiel gegen die Rheinländer wird in beiden Fanlagern noch in den Köpfen sein. Mit 4:0 konnten sich die Herthaner durchsetzen. Zwei Treffer konnte dabei Kapitän Vedad Ibisevic erzielen, der allgemein besonders gerne gegen den „Effzeh“ trifft. In acht Spielen gegen die Kölner erzielte er neun (!) Treffer. Dazu schoss der gebürtige Bosnier seine zwei ersten Treffer für die Blau-Weißen im Olympiastadion gegen die Rheinländer (am 22.09.2015).

Unser FC Köln-Experte Thomas ist sich dieser Tatsache bewusst und hofft darauf, dass Ibisevic nicht zum Einsatz kommt: „(…) der Bosnier trifft gefühlt in jedem Spiel gegen den FC mehrfach. Im Hinspiel hat er das ja auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ich hatte gehofft, er hätte sich am vergangenen Wochenende die fünfte Gelbe Karte abgeholt, aber leider steht er euch gegen den FC zur Verfügung.“

Wer als Hertha-Fan hingegen auf ein (dieses Mal von der DFL anerkanntes) Tor von Matheus Cunha hofft, wird sich an einen anderen Brasilianer erinnern, der gegen den FC Köln ein unsterbliches Tor erzielte.

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Wer soll es gegen Köln richten?

Zwar sind Alex-Alves-Vergleiche an dieser Stelle wohl verfrüht, allerdings scheint auch der Hype um Cunha aktuell sehr groß zu sein. Auch deshalb ist es wahrscheinlich, dass der 20-Jährige am Samstag erneut in der Startaufstellung der Hauptstädter stehen wird. Doch wie wird die Startelf der Berliner am Samstag aussehen?

Im Auswärtserfolg gegen den SC Paderborn überraschte Cheftrainer Alexander Nouri mit seiner Startelf. Peter Pekarik spielte von Beginn an, genauso wie Neuzugang Matheus Cunha. Die Doppelspitze Cunha-Piatek überzeugte phasenweise, obwohl beide bisher kaum miteinander trainiert hatten. Ob Nouri erneut auf diese Doppelspitze setzt, oder womöglich auf Köln-Schreck Ibisevic setzt, ist eine spannende Frage. Tatsächlich wurde der Bosnier in Paderborn gegen Spielende eingewechselt.

Darf Lukas Klunter gegen den Ex-Club spielen? (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

In der Pressekonferenz ließ sich Nouri nicht in die Karten schauen und gab keine Hinweise darauf, wer für das Spiel am Samstagnachmittag die Nase vorn hat. Optionen wird er genug haben: sowohl Niklas Stark als auch Per Skjelbred sind wieder fit und auch Marius Wolf ist nach seiner Sperre wieder verfügbar. Ein Luxusproblem im Abstiegskampf also, wenn man sich beispielsweise die Verletzungsmisere von Werder Bremen anschaut.

Fraglich ist auch, ob Ex-Kölner Lukas Klünter den Vorzug vor Peter Pekarik bekommt. Der gebürtige Euskirchener spielte in der Jugend des 1. FC Kölns und wurde dort auch Profi. Bereits 18 Mal wurde er diese Saison in der Bundesliga eingesetzt. In den beiden letzten Partien spielte er jedoch nicht. Auch Jordan Torunarigha und Vladimir Darida dürfen sich Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen. Beide wurden gegen den SC Paderborn eingewechselt und konnten überzeugen.

Endlich wieder ein Heimsieg?

Ob Nouri den Schwung aus Paderborn mitnehmen will oder doch punktuell Änderungen vornimmt, wird sich zeigen. Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio werden sicher auch nicht lange mit Tribünen- oder Bankplätze zufrieden sein. Im Tor wird Thomas Kraft nach seiner kuriosen Handverletzung ausfallen, als zweiter Torwart wird der junge Dennis Smarsch auf der Ersatzbank sitzen.

Am tollen Support der Ostkurve liegt die negative Heimserie nicht. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Fakt ist: die Mannschaft tut sich gerade Zuhause schwer. Das letzte Mal konnten die Berliner am 14. Dezember 2019 gegen Freiburg mit 1:0 Zuhause gewinnen. Optimismus kommt also nicht so leicht auf, gerade für Hertha-Fans, die noch das letzte Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 im Kopf haben (1:3-Niederlage).

Thomas hingegen glaubt an seine Mannschaft und tippt auf einen 2:0-Auswärtserfolg der Kölner: „Ein frühes Tor, dann irgendwann in der zweiten Halbzeit ein erfolgreicher Konter.“ Genau dieses Szenario wird Hertha BSC verhindern müssen. Sollten die Berliner die Schwäche des 1. FC Kölns in der Anfangsphase nutzen können, könnte das Spiel auch schnell in die „richtige“ Richtung kippen. Ob mit Köln-Schreck Ibisevic oder mit dem Brasilianer Cunha: die „alte Dame“ hat es selbst in der Hand. Ein Sieg, und der Klassenerhalt wäre zum Greifen nahe. Vielleicht kehrt dann auch wieder Ruhe in die Hauptstadt ein…zumindest bis zum Derby am 21. März.

Lucas Tousart – Wieso, weshalb, warum?

Lucas Tousart – Wieso, weshalb, warum?

Die Verpflichtung von Lucas Tousart bringt viele Fragen mit sich, die ohne interne Informationen nur schwer für Fans zu beantworten sind. Ist er die hohe Ablösesumme wert? Wieso kommt der Franzose erst im Sommer zu Hertha? Warum wollten ihn zahlreiche Fans in Lyon nicht mehr? Welche Rolle kann er bei Hertha einnehmen?

Wir widmen uns im nachfolgenden Text zunächst der Vorgeschichte von Lucas Tousart, bevor wir versuchen, einige dieser Fragen bestmöglich zu beantworten. Dafür haben wir uns bei “Coeur de Gone“, einem der größten Fanblogs rund um den Olympique Lyonnais, Verstärkung geholt. Idèr, der sein Club schon sehr lange intensiv verfolgt, gab uns viele nützliche Informationen rund um Lucas Tousart und dessen Laufbahn in Lyon. Seine Antworten gab er uns auf Französisch. Die Zitate sind also frei von unserem Redakteur Chris übersetzt.

Von der Reserve zum Stammspieler

Bevor wir uns den Fragen widmen, wollen wir uns die Laufbahn des neuen Rekordtransfers von Hertha BSC genauer anschauen. Wie er sehr jung zu „OL“ (Olympique Lyonnais) kam, seine Chance nutze in die Profi-Startelf zu kommen und sich zum Stammspieler etablierte. Das alles erzählt uns Idèr: „Als er 2015 bei uns angekommen ist, war er zuerst lange bei der Reserve (U23). Danach hat er in der Saison 2016/2017 angefangen stark aufzuspielen. Maxime Gonalons, damals der Stammspieler auf seiner Position, bekam eine rote Karte und vier Spiele Sperre im Spiel gegen Bordeaux. Tousart wurde daraufhin regelmäßig eingesetzt, konnte sehr gute Leistungen zeigen. Er brachte genau die Frische und Energie, die Gonalons zuletzt fehlte.”

“So stark war die Leistung von Tousart in dieser Zeit, dass ihn sein Trainer Genesio nicht mehr aus der Startelf nahm, auch nicht als Gonalons zurückkehrte. Dieser war als Kapitän nicht wegzudenken, sodass beide Spieler nunmehr als „Doppel-Sechs“ sehr erfolgreich agierten. Später wechselte Gonalons und Tousart wurde zum unumstrittenen Stammspieler. Zunächst mit viel Erfolg, dann jedoch leidete seine Entwicklung unter der fehlenden Konkurrenz.“

Tousart wurde als Kapitän von Frankreichs U19 Europameister (Foto: Daniel Roland/AFP/Getty Images)

Während er sich in der Ligue 1 hocharbeitete, glänzte Herthas Neuzugang schon im frühen Alter in der Junioren-Nationalmannschaft Frankreichs. Er gewann 2016 als Kapitän der U19 zusammen mit Spielern wie Kylian Mbappé, Markus Thuram und Amine Harit die Europameisterschaft. Er ist auch aktuell der meistberufene Spieler der U19 Frankreichs, mit 21 Spielen. Im Sommer 2019 trug er erneut die Kapitänsbinde, dieses Mal bei der U21-EM, und führte seine Mannschaft bis ins Halbfinale, wo man sich allerdings gegen Spanien geschlagen geben musste.

Schwierige Saison für OL und Tousart

Dann kam die Saison 2019/20. Eine Saison, die für Lyon alles andere als gut begann. Man verpflichtete die Clublegende Juninho als Sportdirektor und wechselte den Trainer. Bruno Génésio musste gehen und wurde von Sylvinho ersetzt.

„Der Sportdirektor Juninho erklärte zum Saisonstart, dass er auf der Position von Tousart Neuverpflichtungen holen wolle. Dieser aber zauberte im August förmlich, insbesondere gegen Monaco (0:3 Sieg der Lyonnais, wo Lucas Tousart sogar ein Tor erzielte). Letzten Endes wurde Thiago Mendes rekrutiert (für 22 Millionen Euro), der aber keine Leistung brachte. Der Stammplatz von Tousart war also weiterhin nicht in Gefahr.“

Der Saisonstart verlief noch gut für Tousart und OL. (Foto: Valery Hache/AFP/Getty Images)

So spielte Tousart also auch fast jede Partie, konnte aber nicht die Negativserie seines Vereins verhindern. Lyon spielte monatelang schwach und im Oktober war nach weniger als sechs Monaten für Neutrainer Sylvinho Schluss. Rudi Garcia übernahm die Verantwortung und setzte ebenfalls auf Tousart. Aktuell läuft es deutlich besser für Lyon, die Negativserie hat aber viel Zeit und Punkte gekostet. Ganze fünf Punkte trennen die Lyonnais noch von Platz drei in der Ligue 1.

„Warum wollen ihn so viele OL-Fans wechseln sehen?”

Wie also festgestellt, setzte sich Lucas Tousart recht zügig als Stammspieler durch, war in den Junioren-Nationalmannschaften einer der wichtigsten Spieler Frankreichs und ließ sich auch nicht im Konkurrenzkampf hängen. Warum also wird Herthas Neuzugang dann von so vielen Lyon-Anhänger verspottet und zum Teil sogar in sozialen Netzwerken als Witzfigur betrachtet? Wir haben diese Frage auch Idèr gestellt:

„ (Tousart) ist jung, aber mit einer Entwicklung, die seit etwa zwei Jahren stockt. Technisch ist er nicht sehr stark. Er hat auch Schwierigkeiten im Spiel nach vorne, sucht oft auf den Seiten und hinter ihm Anspielstationen.“

„In den Spielen, wo OL den Ball hat und das Spiel machen muss, hat er Schwierigkeiten, das Offensivspiel zu organisieren, obwohl er auf einer Position ist, in der er ein Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft sein müsste. Man hört oft, dass seine Abwesenheit im Ligaspiel gegen Marseille (1:2 Niederlage) ein Zeichen dafür ist, dass er unumstritten sein sollte. Ich bin nicht ganz einverstanden. Außerdem: wenn er gegen Marseille gefehlt hat, dann nicht aufgrund einer Verletzung, sondern weil er wegen zu vielen gelben Karten gesperrt war: ein Sinnbild dafür, wie viele Fouls er begeht.“

Kritikpunkt: Tousart sieht viele Karten. (Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP/Getty Images)

Hauptkritikpunkt der Fans ist jedoch das, was im Fußball immer zuerst auffällt: technische Defizite. „Seine Schwächen im technischen Bereich hindern ihn daran, sich vom gegnerischen Pressing zu lösen und nach vorne zu gehen.“ Sein Rolle ist zwar eher in der Stabilität und Kompaktheit im zentralen Mittelfeld, doch viele Lyon-Fans waren insbesondere in den schlechten Phasen ihrer Mannschaft auf der Suche nach einem Sündenbock.

Dass Tousart in einer schlecht funktionierenden und verunsicherten Mannschaft Schwierigkeiten hatte, nach vorne zu arbeiten, ist eine Sache, die man kritisieren kann. Sich nur darauf zu fokussieren, wäre aber auch zu engstirnig. Gerade auf der defensiven Position im zentralen Mittelfeld sind die meisten Aspekte des Spiels unsichtbar. Ob das Positionsspiel, das Spiel gegen den Ball und die physische Präsenz: diese Aspekte sind schwieriger für Fans zu erkennen als eine schlechte Ballannahme oder misslungene Dribblings.

Auch Idèr gibt zu: „Alles ist nicht so schlecht, wie teilweise dargestellt. (…) Er könnte sich woanders zeigen, aber ich glaube er hat in Lyon eine Art „Plateau“ erreicht, da der theoretische Spielstil des Vereins nicht unbedingt zu seinen primären Stärken passt.“

„25 Millionen Euro? Ist er die hohe Ablöse wert?“

Wer sich über hohe Ablösesummen im aktuellen Fußball ärgert, wird viele Nerven verlieren. Tatsächlich steigen diese Summen immer weiter, und auch Hertha BSC ist da nicht isoliert zu betrachten. Betrachtet man den Marktwert von Lucas Tousart auf transfermarkt.de, kommt man auf rund 20 Millionen Euro.

Tousart beim Tor gegen den FC Barcelona (Foto: Josep Lago/AFP/Getty Images)

Für einen 22-jährigen zentralen Mittelfeldspieler, der bereits jetzt viele Jahre Profifußball-Erfahrung hat, ist dies nicht unüblich. Insgesamt weist der junge Mittelfeldspieler 108 Spiele in der Ligue 1 (drei Tore, drei Vorlagen), 16 in der Europa League (Ein Treffer, eine Vorlage) und sogar 14 in der Champions League (Ein Treffer, eine Vorlage) auf. Um einen Vergleich bei Hertha BSC zu machen: Arne Maiers Marktwert auf transfermarkt.de beträgt ebenfalls 20 Millionen Euro. Seine Bilanz beträgt 44 Bundesligaspiele (keine Tore, eine Vorlage) und drei Internationale Partien (in der Europa League). Maier ist aber mit seinen 21 Jahren noch ein dreiviertel Jahr jünger.

Der genaue Kaufpreis ist beim Transfer von Tousart zu Hertha BSC nicht bekannt. Er soll aber um die 25 Millionen Euro betragen. Dass ein junger Spieler mit viel Potenzial über Marktwert verkauft wird, ist leider insbesondere im Wintertransfermarkt üblich. Als Hertha-Fan kann man sich darüber ärgern, als Lyon-Fan darüber freuen. Doch unverhältnismäßig hoch ist die Summe nicht, man kann sie mit einem Wort beschreiben: Marktüblich.

Jean-Michel Aulas, der Präsident von „OL“, ist dafür bekannt, seine jungen Spieler für sehr hohe Ablösesummen zu verkaufen. Er hat einen Ruf, besonders hartnäckig in Transferverhandlungen zu sein. Im letzten Sommer beispielsweise wechselte Tanguy Ndombélé von „OL“ zu Tottenham Hotspurs. Die Ablösesumme ging sogar bis etwa 60 Millionen Euro.

„Warum erst im Sommer? Hertha braucht ihn jetzt!“

Viele waren darüber überrascht, dass Lucas Tousart zwar bereits bei Hertha BSC unter Vertrag steht, allerdings erst im Sommer in der Hauptstadt zur Verfügung stehen wird. Für den Rest der Saison wird er weiter in Lyon als Leihspieler spielen. Dies hat zwei Gründe:

Der erste Grund ist, dass wie bereits angesprochen Jean-Michel Aulas gut verhandeln kann und Lyon Lucas Tousart für den Rest der Saison noch braucht. Seine Konkurrenz konnte bisher nicht überzeugen und auch der junge Maxence Caqueret weist mit seinen 19 Jahren noch nicht die gleiche Sicherheit auf. „OL“ wollte sich also nicht schon im Winter von Tousart trennen. Es ist also davon auszugehen, dass Hertha Tousart gar nicht erst bekommen hätte, hätte man der anschließenden Leihe für die Rückrunde nicht zugestimmt. Ein saurer Apfel, in den Preetz und co. wohl beißen mussten.

Doch auch für Hertha ergibt der Deal Sinn. Aktuell ist der Kader der Berliner sehr groß und die Unzufriedenheit mancher Spieler kommt immer mehr zum Vorschein. In dieser komplizierten Lage noch einen weiteren Spieler mit Stammelfansprüchen zu holen, würde noch mehr Unruhe schaffen. Im Sommer werden allerdings einige Spieler gehen, allen voran Marko Grujic, dessen Leihe bei Hertha BSC endet. Auch Per Skjelbred wird wohl den Haupstadtclub verlassen, sodass gleich zwei zentrale Mittelfeldspieler weniger im Kader stünden. Manager Michael Preetz sagte zum Deal: „Diese Verpflichtung ist ein Vorgriff auf den Sommer und ein Investment in die Zukunft von Hertha BSC“.

„Kommt Tousart als Ersatz für Arne Maier?“

Gerade als die Verpflichtung von Lucas Tousart offiziell wurde, äußerte sich Arne Maier in den Medien und forderte einen Wechsel. Ob es sich da tatsächlich um eine tiefe Unzufriedenheit handelt, eine Flucht vor Konkurrenzkampf oder um Gehaltsverhandlungen geht, ist den meisten Fans unklar.

Michael Preetz jedoch äußerte sich diese Woche deutlich dazu, dass die Verpflichtung von Lucas Tousart keineswegs regelmäßige Einsätze von Arne Maier gefährde. Im Gegenteil: der Franzose sei als Ersatz für den Abgang von Marko Grujic gedacht. Preetz bestätigte außerdem auch, dass Tousart und Maier unterschiedliche Spielertypen sind und nicht dieselbe Position auf dem Platz haben.

Tatsächlich hat Lucas Tousart eher eine defensive Rolle und Arne Maier eher eine strategische, offensivere Aufgabe. Der 22-Jährige Franzose kommt also gerade nicht als Ersatz für Arne Maier, sondern könnte ein gutes Pendant sein.

„Wie stark ist er überhaupt? Warum will ihn Hertha unbedingt?“

Unser Lyon-Experte Idès sagt zu den Stärken von Tousart: „Er ist ein körperlich starker Spieler, gut in den Zweikämpfen und mit einer guten Mentalität. (…) In den schwierigen Spielen, besonders auswärts, sind seine Power und seine Durchsetzungskraft unheimlich wertvoll.“

Herthas Neuzugang glänz mit Zweikampfstärke und Robustheit. (Foto: Carlos Costa/AFP/Getty Images)

Auf seiner Position im defensiven Mittelfeld bringt Tousart also genau das mit, was überaus wichtig ist. Robustheit, Handlungsschnelligkeit und Spielintelligenz zeichnen ihn aus. Er ist ein Spieler, der eine Sache wie kaum einer in Lyon beherrscht: das Kämpfen. Auch wenn es nicht seine primäre Stärke ist, weiß er auch wo das Tor steht, trifft gerne auch aus der Distanz oder gibt Vorlagen. Sogar im Camp Nou gegen den FC Barcelona gelang ihm ein Treffer.

Dazu kommt seine Erfahrung. Wie bereits festgestellt, bringt der Franzose trotz seines jungen Alters große Routine mit. Durch diese vielen absolvierten Spiele wird er im Mittelfeld von Hertha BSC in einer jungen Mannschaft die nötige Ruhe und Gelassenheit einbringen. Auch seine Erfahrung in der Junioren-Nationalmannschaft könnte sehr wertvoll werden. Das langjährige Tragen der Kapitänsbinde zeigt, dass Verantwortung übernehmen kann und ein wahrer Charakter-Spieler ist. Bei den Blau-Weißen gibt es nicht allzu viele Führungsspieler und mit Skjelbred und Ibisevic könnten weiterer dieser Sorte im Sommer gehen. Tousart könnte diese Lücke füllen.

Für Idèr glänzt der U19-Europameister vor allem dann, wenn er gefordert wird: „Ich denke vor allem, dass er ein guter Spieler ist wenn er in einer Konkurrenzsituation gestellt wird. Sobald er in seiner Komfortzone ist, wie seit etwa zwei Jahren in Lyon, steigert er sich weniger.“ Komfortzonen gibt es in neuen Klubs nicht, egal wie teuer die Ablöse war. Tousart wird sich zwischen starken zentralen Mittelfeldspielern wiederfinden und sich seinen Platz erkämpfen müssen. Die Ausgangslage erscheint also perfekt, damit sich der Franzose auch spielerisch weiterentwickelt.

Was für den 22-Jährigen auch spricht, ist, dass er bisher jeden seiner Trainer überzeugen konnte. In den letzten Jahren musste er unter drei verschiedenen Trainern agieren, dazu die Übungsleiter in den Jugend-Nationalmannschaften und bekam immer seine Einsätze. Es ist eine Sache, wenn Fans und Beobachter von außerhalb über Spieler urteilen, eine ganz Andere wenn es seine Trainer sind, die deutlich näher dran stehen und die Qualitäten am besten beurteilen können.

Insgesamt können sich Hertha-Fans über einen kampfstarken und durchsetzungsfähigen Spieler freuen, der gerade im Konkurrenzkampf aufblüht, sich nicht aufgibt und mit seinen 22 Jahren noch viel Entwicklungspotenzial hat.

Wo wird er im Spielsystem von Hertha BSC spielen?

Foto: Loic Venance/AFP/Getty Images

Mit seinen angesprochenen Schwächen und Qualitäten wird er vor allem eine Option im defensiveren Mittelfeld sein, bestenfalls als Sechser, notfalls auch als Achter. Der Franzose kann im System mit zwei Sechsern spielen, oder die Rolle als alleiniger defensiven Mittelfeldspieler übernehmen. Hertha spielte zuletzt immer wieder mit drei zentralen Spielern im Mittelfeld. Zwei mit einer eher defensiveren Rolle, einer eher offensiv. Genau dieses System kennt der U19-Europameister auswendig und würde sich da perfekt einordnen können. Als Schalter zwischen den sehr defensiven Santiago Ascacibar und einen offensiveren Arne Maier oder Vladimir Darida wäre er ähnlich wie Grujic sehr wertvoll.

Idèr sagt zum Mittelfeldmann weiter: „Er ist keineswegs ein schlechter Spieler, aber er würde sich sicherlich wohler und wichtiger in einer weniger dominanten Mannschaft fühlen. In der Liga muss „OL“ gegen 90 Prozent der Mannschaften das Spiel machen. Das ist nicht seine Stärke. Seine Power und seine Zweikampfstärke würden ihn aber in einer weniger spielerischen Mannschaft zum sehr guten Spieler machen.”

So sehr sich Hertha BSC ein attraktives Offensivspiel wünscht: um die spielerische Entwicklung voranzutreiben, braucht es die nötige Stabilität. Ansonsten ist die Gefahr groß, komplett zusammenzufallen, wie zu Beginn der Saison unter Ante Covic. Ohne das Fundament lässt sich kein Haus bauen. Genau dafür wird Lucas Tousart unglaublich wertvoll werden. Und auch darauf können sich die Hertha-Fans im Sommer bereits freuen.