FC Bayern München – Hertha BSC: Do it again, Dodi!

von | Aug 27, 2021 | Bundesliga, Vorbericht | 0 Kommentare

Was gibt es Schlimmeres, als wenn Hertha am Wochenende knapp im Heimspiel verliert? Richtig: wenn das nächste Spiel dann auswärts in München stattfindet. So droht der Mannschaft von Pal Dardai einen Alptraum-Start von null Punkten aus drei Spielen. Dabei präsentierte sich die „alte Dame“ unter Dardai fast immer gut bei den Bayern. Warum auch am Samstag die Chancen auf einen Punktgewinn beim Favoriten noch intakt sind und was für Argumente dafür sprechen, wollen wir genauer besprechen.

Um den Rekordmeister dabei besser einzuschätzen, stand uns wieder Justin Kraft, Autor, Journalist und Podcaster (u.A. von FC-Bayern-Blog Miasanrot.de) zur Seite.

Neuer Trainer – alte Dominanz

Wir wollten zunächst von Justin wissen, ob bereits Tendenzen zu erkennen sind, was der neue Chefcoach Julian Nagelsmann verändern wird: „Tendenzen schon, aber mehr ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Nagelsmann betonte auch selbst oft, dass er vieles von dem, was die Bayern zuletzt ausgezeichnet hat, erstmal übernimmt. Für größere Veränderungen war die Sommervorbereitung viel zu kurz – die meisten Schlüsselspieler standen erst acht Tage im Training, als das Auftaktspiel gegen Gladbach stattfand.“

Foto: IMAGO

Dennoch seien kleinere Anpassungen bereits jetzt zu beobachten, erklärt uns unser Experte: „So positioniert sich vor allem der rechte Außenverteidiger nicht nur recht tief, sondern auch sehr zentral, sodass mit und gegen den Ball eine hohe Kompaktheit entsteht. Obwohl die Bayern nach wie Gegentore kassieren, stehen sie damit sicherer. Auch im Angriffspressing schieben die Außenverteidiger seltener so hoch wie noch unter Flick. Dadurch wirkt das Pressing stabiler.“

„Ansonsten ist vieles noch recht ähnlich.”, sagt schließlich Justin. Tatsächlich ist auch unter Neutrainer Nagelsmann die Ballbesitzquote extrem hoch, die Dominanz im Spiel oft erdrückend. Auch wenn es noch einige Baustellen gibt, scheint sich der Rekordmeister auch diese Saison wieder in jedem Spiel als absoluter Favoriten zu präsentieren.

FC Bayern München noch nicht im Rhythmus – Herthas Chancen

Dabei lief es sowohl in der Vorbereitung als auch im Saisonstart nicht optimal. Nur ein Unentschieden im ersten Saisonspiel gegen Borussia Mönchengladbach und zuletzt ein knapper Sieg gegen den 1. FC Köln, wo der Außenseiter lange Zeit mehr als nur mithalten konnte. Wir haben unseren Experten gefragt, woran es noch hakt und welche Schwächen möglicherweise Hertha ausnutzen könnte.

Foto: IMAGO

„Bayerns größtes Problem ist aktuell noch der Rhythmus. Durch die ungünstige Vorbereitung und die sehr lange Vorsaison sind viele Spieler noch nicht bei 100 % – teils sind sie noch sehr weit davon entfernt. Trotzdem sieht das in Phasen schon richtig gut aus. In den Mittelteilen der jeweiligen Pflichtspiele haben die Bayern angedeutet, was sie können. “

Justin sieht Chancen auch im Fitnessvorteil von Hertha. Schließlich spielten auch die Münchener vier Spiele in zwei Wochen: “Gerade am Ende ging ihnen (den Spielern vom FC Bayern München) oft die Luft aus. Hertha braucht vor allem einen guten Start ins Spiel, um am Ende vielleicht einen möglicherweise vorhandenen Fitnessvorteil auszunutzen. Die Bayern bieten in jedem Fall noch einiges an.”

Leichte Ballverluste im zweiten und letzten Drittel seien noch ein Problem, verrät uns Justin: „Da muss Hertha eng an den Gegenspielern sein und anschließend schnell in die Offensive umschalten. Eine weitere Schwachstelle waren zuletzt Flanken. Sowohl in den Testspielen als auch jetzt gegen Köln schien die kompakte Grundformation über außen anfällig zu sein.”

Dardais Hertha beim FC Bayern– Geduld oder Blitzstart nötig

Doch inwieweit Hertha in der Lage sein wird, diese Schwachstellen auszunutzen, ist unklar. Auf den schwachen Saisonstart der Blau-weißen angesprochen sagt Justin: „Hertha ist nicht gut in die Saison gestartet, aber das bedeutet für Samstag nichts. Bayern hatte schon viele unangenehme Duelle mit der damaligen Dardai-Hertha und ich traue ihnen zu, dass sie am Wochenende ein anderes Gesicht zeigen werden.“

Foto: IMAGO

Dabei könne laut Justin die Spielweise von Pal Dardais Hertha einen Vorteil bringen: “Das ballbesitzorientierte Spiel liegt dem Dardai-Fußball eher nicht, dafür ist man eigentlich stark in offensiven Umschaltmomenten. Bayern wird für einen Sieg vor allem Geduld mitbringen müssen, wenn man keinen Blitzstart hinlegt. Eine kompakte und tiefstehende Defensive auseinanderzuspielen, liegt ihnen eigentlich, aber ob sie so früh in der Saison schon die Kraft dafür haben, das über 90 Minuten zu tun, ist fraglich.”

Herthas Schwäche liege seiner Meinung nach vor allem darin, dass sich das Team noch nicht optimal gefunden habe. „Wenn Bayern sie mit vielen Läufen unter Druck setzt, sind sie für Fehler gut.“ So erwartet er „eine Hertha-Mannschaft, die aggressiv, kompakt, aber eben auch sehr tief verteidigen wird. Alles wird davon abhängen, wie Bayern ins Spiel findet und welche Angebote sie machen. Behalten sie ihre bisherige Entwicklung bei, sollte es aber zu einem Heimsieg reichen.”

Belfodil im Kader, Boateng noch nicht fit, Lukebakio in Form

Unser Experte nimmt also doch Schwachstellen beim Rekordmeister wahr. Das wird auch Pal Dardais Trainerteam nicht entgangen sein. Doch Hertha hat wie bereits von Justin angesprochen einige Probleme damit, sich als Mannschaft zu finden. Zwar ist bald die Transferperiode vorbei: Fragezeichen gibt es leider noch einige.

Foto: Sebastian Räppold/Matthias Koch/IMAGO

individuell wird es wohl Änderungen im Hertha-Kader geben. Neuzugang Ishak Belfodil wird im Kader stehen. Dafür kommt es für den am Rücken lädierten Kevin-Prince Boateng wohl noch zu früh. Auch Marton Dardai und Krzysztof Piatek fallen weiter aus. Für den noch in der Reha stehenden Rune Jarstein wurde diese Woche für die Torhüterposition mit Oliver Christensen einen talentierten Keeper geholt, der Alexander Schwolow einen größeren Konkurrenzkampf bieten soll.

Auf einen Spieler, bei dem zuletzt die Formkurve nach oben zeigte, setzen natürlich die Berliner ganz besonders. Dodi Lukebakio trifft bekanntlich besonders gerne gegen den FC Bayern München. Gerade er war gegen Wolfsburg sehr auffällig, wurde fast zum Matchwinner. Da Hertha weiterhin die Optionen auf den offensiven Außenpositionen fehlen, ist davon auszugehen, dass der Belgier von Beginn an auflaufen wird.

Hertha will sich treu bleiben – auch gegen Bayern

Doch auch Lukebakio wird laut Justin nicht das Spiel entscheiden: „Hertha wird ein unangenehmer Gegner sein, letztendlich aber nicht genug entgegensetzen können. Ich tippe ein 3:1, wobei das dritte Bayern-Tor eher später fällt.” Einen kompletten Fehlstart will aber Hertha mit aller Kraft (höhö) verhindern, und auch gegen den so starken FC Bayern irgendwie punkten.

Bei aller Enttäuschung nach dem ersten Heimspiel der neuen Saison konnte die „alte Dame“ dabei auch Optimismus schöpfen. Die Spielweise gegen den VfL Wolfsburg, insbesondere in der zweiten Halbzeit, war im Vergleich zum Spiel in Köln stark verbessert. Pal Dardais Mannschaft konnte phasenweise guten Fußball zeigen und einen eigentlich stärkeren Gegner im eigenen Stadion dominieren.

Herthas Chefcoach sprach in der Pressekonferenz vor der Partie davon, dass sich Hertha „treu bleiben“, und nicht die Spielweise vom 1. FC Köln gegen den Rekordmeister imitieren wolle. Man habe „einen Plan“ und wolle wie in den guten Phasen gegen Köln und Wolfsburg sein Spiel durchziehen, die eigenen Stärken nutzen.

Ob das für einen Punkt reicht, bleibt natürlich eher unwahrscheinlich. Doch in dieser Phase der Saison stehen die Chancen gegen die Münchener besser als im späteren Verlauf. Verlieren kann Hertha nicht viel: zu gewinnen sind dafür die ersten Punkte der Saison. Hochmotiviert werden die Hertha-Profis dementsprechend sein, und sicherlich bis zur letzten Minute um diese Punkte kämpfen.

(Titelbild: IMAGO)

ÜBER DEN AUTOR

Chris Robert

Chris Robert

Exilherthaner, Franzose, Student und Fußballromantiker. Egal wie wütend ihr nach Hertha-Spielen seid, ich bin wütender. Ich brauche keinen Videoschiedsrichter um zu wissen, dass der Schiri immer gegen Hertha pfeift.

Weitere Artikel

Podcast #163 Magnet für destruktive Kritiker

Podcast #163 Magnet für destruktive Kritiker

Wieder kein Sieg. Uns lässt das auch ein wenig ratlos zurück. Dennoch versuchen Christopher, Steven und Lukas die Partie gegen den SC Freiburg einzuordnen und sprechen auch darüber, ob es mit Pal Dardai weitergehen kann. Was sind die Alternativen? Was muss passieren?...