Herthaner im Fokus: Hertha BSC – 1. FC Köln

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – 1. FC Köln

Hertha BSC hat es geschafft, trotz Quarantäne und Verletzungsproblemen. Auch in der kommenden Saison wird man in der ersten Bundesliga spielen. Am Ende hat ein spielerisch unschönes 0:0 gegen den 1. FC Köln gereicht. In einer zerfahrenen Partie kommt Hertha nur einmal zum Abschluss, lässt aber auch wenig zu. Wir blicken auf das Spiel und einige Einzelleistungen zurück.

Als Team zum Klassenerhalt

Hertha ging es am Samstagnachmittag von Anfang an nur darum, nicht gegen Köln zu verlieren. So bemühte man sich vor allem darum, kein Gegentor zu kassieren. Bei dem hohen Spielrhythmus und den vielen Ausfällen im Team war aber auch kein fußballerischer Leckerbissen zu erwarten. Die Berliner zeigten kaum Ambitionen, offensiv am Spiel teilzunehmen und fokussierten sich stark darauf, im 4-2-3-1 mit Mittelfeldpressing als Team zu verteidigen. Dieser Plan ging auf. Köln kam kaum zu gefährlichen Abschlüssen und am Ende reichte das 0:0 durch die Ergebnisse in den anderen Spielen, um den Abstieg zu verhindern. Pal Dardai und sein Team haben ihre Aufgabe erfüllt. Man hat den Zusammenhalt im Team gestärkt, eine Mannschaft geformt und diese zum Klassenerhalt geführt. Wie so oft in den letzten Wochen basierte auch der Erfolg in Köln nicht auf Einzelleistungen, sondern auf einer geschlossenen Mannschaftsleistung. So fällt es gar nicht so leicht, die Leistungen einzelner Spieler genauer zu betrachten. Über einige Spieler lohnt es sich aber dennoch, ein paar Worte zu verlieren.

Marton Dardai – Auch auf der Sechs gut

Im vorletzten Spiel der Saison startete Marton Dardai, die Entdeckung dieser Saison, erstmals nicht auf seiner angestammten Position in der Innenverteidigung, sondern eine Reihe weiter vorne auf der Sechs. Von Adaptionsschwierigkeiten oder einer nennenswerten Eingewöhnungszeit kann man aber nach dem Spiel nicht wirklich reden. Nicht unbedingt überraschend, denn bereits in der Jugend wurde er immer wieder im Mittelfeld eingesetzt.

Seine gute Leistung gegen Köln stützt sich dabei vor allem auf seine Zweikampfstärke. Noch mehr als in der Innenverteidigung, wurde er in direkte Duelle verwickelt und ging zumeist als Sieger hervor. Insgesamt führte er in der Luft und auf dem Boden 13 Zweikämpfe, neun davon gewann er. Meistens schaffte er es auf sehr clevere Weise und gar nicht unbedingt durch physische Präsenz, dem Gegner den Ball vom Fuß zu spielen. Nur bei einer Szene kann man ihm einen kleinen Vorwurf machen. In der 17. Minute kam Köln zu einem nicht ungefährlichen Abschluss, auch weil Dardai nicht rausrückte, um näher am Gegenspieler zu stehen. Glücklicherweise parierte Alexander Schwolow jedoch gut zur Seite.

In den wenigen Szenen im Spielaufbau kippte Dardai hin und wieder zwischen die Innenverteidiger ab und ließ so das Kölner Pressing ins Leere laufen. In einem Spiel, in dem Hertha insgesamt nur wenige ruhige Ballbesitzphasen hatte, konnte Dardai nicht allzu viel von seinem guten Passspiel zeigen. Zwei spannende längere Pässe konnte er aber dennoch einstreuen. Auch nach Ballgewinn fand er stets seinen Mitspieler und machte kaum Fehler. Dies schlägt sich auch in seiner Passquote von 89 % nieder. So kann Marton Dardai, der unter der Woche einen langfristigen Vertrag bis 2025 unterschrieb, auch in Zukunft eine sinnvolle Back-up-Option für die Sechs sein.

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Omar Alderete – Ungenau, aber nicht unwichtig

Die eben erwähnte Passstärke von Dardai hat Omar Alderete auf jeden Fall nicht. Das konnte man auch im Heimspiel gegen Köln wieder feststellen (75 % Passquote). Gleich zwei gefährliche Fehlpässe, die direkt in den Fuß des Gegenspielers kamen, in den ersten 20 Minuten des Spiels dürften sicherlich den ein oder anderen Herthafan erzürnt haben. Es war zu großen Teilen den Kölnern, die mit dem plötzlichen Ballgewinn nicht viel anzufangen wussten, zu verdanken, dass diese Situationen nicht wirklich gefährlich wurden.

Fairerweise muss aber auch erwähnt werden, dass Alderete über weite Teile des Spiels der Einzige aus der Viererkette war, der sich überhaupt um ein vertikales Spiel bemühte. Wenn man es mal geschafft hat, die Hochgeschwindigkeitsspieler in der Offensive in das Spiel mit einzubeziehen, war Alderete nicht selten beteiligt. Insgesamt fehlt ihm aber weiterhin die Konstanz in seiner Spieleröffnung. Zu viele Bälle landen ziellos beim Gegner.

Gegen den Ball war Alderete eher unauffällig. Das ist bei Innenverteidigern aber nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen. So hat auch Alderete einen wichtigen Anteil daran, dass Köln es nicht schaffte, ein Tor zu erzielen. Er gewann alle seine Zweikämpfe am Boden, die er gewohnt robust führte und klärte insgesamt sechs Bälle. Um sich für die kommende Saison als Stammspieler zu empfehlen, reichte diese Leistung aber sicherlich nicht aus.

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Mathew Leckie – Offensiv nicht existent

Für Mathew Leckie könnte es bereits das letzte Spiel im Trikot von Hertha BSC gewesen sein. Sein Vertrag läuft in wenigen Wochen aus und am 34. Spieltag könnte er mit der Rückkehr von Dodi Lukebakio wieder auf die Bank rotieren. Für eine gute Eigenwerbung wird die Leistung gegen Köln aber zu wenig gewesen sein. Über die rechte Außenbahn sollte er das Umschaltspiel mit seinem Tempo bereichern. Letztendlich war er aber an keiner der wenigen Offensivaktionen wirklich beteiligt. Wenig nachvollziehbar war auch, dass er in der ersten Hälfte immer wieder das Zentrum besetzte, anstatt dem Spiel über den Flügel mehr Breite zu geben. So war er nicht ganz unschuldig daran, dass Hertha insgesamt nur zu einem Abschluss kam.

Bei der Arbeit gegen den Ball kann man ihm keine Vorwürfe machen. Diszipliniert verteidigte er zusammen mit Lukas Klünter auf der rechten Seite und sorgte dafür, dass die Kölner über diese Seite nur zwei Flanken schlagen konnten, von denen keine ankam. Das und fehlende Alternativen werden auch die Gründe dafür gewesen sein, dass Leckie bis zum Abpfiff durchspielte.

So neigt sich seine Zeit bei Hertha dem Ende und es bleiben seit seinem Wechsel 2017 nur wenige positive Erinnerungen. Auch das Spiel bei wechselhaftem Wetter am Samstagnachmittag gegen Köln konnte daran nicht viel ändern.

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Und dann waren da noch…

Jonas Michelbrink:

Auch in seinem zweiten Bundesligaspiel machte der technisch starke Zehner aus der eigenen Akademie wieder auf sich aufmerksam. Mehrfach stellte er seine gute Ballführung und Wendigkeit unter Beweis. Man konnte ihm ansehen, wie gerne er den Ball am Fuß hat. Teilweise verhielt er sich aber noch etwas zu lässig und defensiv nicht immer allzu diszipliniert. Das gefiel Trainer Dardai nicht so sehr und rief daher von der Bank: „Jonas, das ist die A-Mannschaft. Da musst du zurücklaufen!“. Michelbrink ist aber definitiv ein Spieler, der das Spiel von Hertha mit seiner Kreativität bereichern kann. Man darf gespannt sein, welche Rolle er in der kommenden Saison spielen wird.

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Javairo Dilrosun:

Der junge Niederländer half auch gegen Köln wieder im zentral offensiven Mittelfeld auf der Zehn aus. Insgesamt blieb er aber recht unauffällig und hatte kaum wichtige Aktionen. Nur zwanzig Ballaktionen und elf Pässe verbuchte Dilrosun. Zu oft befand er sich im Deckungsschatten der Kölner und nicht immer stimmte die Abstimmung mit Sturmspitze Jessic Ngankam. Sobald Vladimir Darida und Matheus Cunha wieder spielen können/dürfen, wird Dilrosun also wieder auf die Außen rücken.

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Hertha BSC: Mit letzter Kraft zum Klassenerhalt

Hertha BSC: Mit letzter Kraft zum Klassenerhalt

Wer als Hertha-Fan nach dem Spiel in Gelsenkirchen noch Nerven übrig hatte, muss wohl Superkräfte haben. Nach sechs Minuten Nachspielzeit in Unterzahl und trotz einer Riesenmöglichkeit für die Hausherren schafften es die Profis der „alten Dame“, den knappen 2:1-Auswärtssieg zu sichern. So haben sie einen vielleicht entscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt geschafft. Doch bevor Hertha seinen Profis das Denkmal bauen kann muss noch eine Partie überstanden werden. Am Samstag um 15h30 empfängt Hertha BSC den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf 1. FC Köln.

Krimi an der Ruhr – Jessic Ngankam rettet Hertha

Foto: Ulrich Hufnagel / Hufnagel PR / POOL /IMAGO

19:54 in der Veltins-Arena: während Kapitän Dedryck Boyata erschöpft zu Boden sank, kniete Jessic Ngankam auf dem Platz und brüllte sich die Seele aus dem Leib. Hochemotional reagierten sämtliche Hertha-Profis, eine große Last schien von ihren Schultern zu fallen.

Dass in dieser Partie sehr viel auf dem Spiel stand, war zu erkennen. So bekamen die Fans beider Lager auch leider kein schönes Fußballspiel zu sehen. Beide Seiten erlaubten sich grobe Fehler in der Spielfeldbesetzung und im Passspiel. Die Spannung stieg im Laufe des Spiels jedoch spürbar immer mehr an und erreichte ihren Höhepunkt nach der Führung durch Hertha-Eigengewächs Jessic Ngankam in der 74. Minute.

Ganze sechs Minuten Nachspielzeit mussten dann die Spieler von Pal Dardai ertragen, um die knappe Führung zu verteidigen. Der Doppel-Pfostentreffer durch Gelsenkirchen brachte dann noch alle Herthaner*innen an den Rande eines Nervenzusammenbruchs. Der Abpfiff fühlte sich dann an wie eine große Erlösung. Und ausgerechnet der gebürtige Berliner und ewige Herthaner Jessic Ngankam sorgte für den vielleicht entscheidenden Treffer zum Klassenerhalt.

Spielerisch schwach – Beide Teams mit Ausfällen

Die Ausgangslage ließ kein Fußball-Feuerwerk erwarten. Mehrere Covid-19 Fälle im Königsblauen Lager sorgten für viel Aufruhr, das Spiel wurde jedoch nicht abgesagt. Trotzdem wurde die Vorbereitung beider Teams dadurch nicht leichter.

Zudem zeigte sich Hertha BSC nach vielen Spielen in kürzester Zeit sehr verletzungsgeschwächt. Zu der ohnehin langen Liste der Ausfälle gesellte sich nach der Partie am Sonntag auch Jhon Córdoba, dessen Saisonaus bekannt wurde. Zudem war klar, dass den Hertha-Profis langsam die Frische ausgehen würde. Schließlich schleppten die „Blau-Weißen“ auch noch viel mentalen Druck mit sich, und das seit der ersten Minute.

Durch die Personalsituation fanden sich auch Spieler in der Startelf wieder, die zuletzt nur wenig oder keine Spielpraxis bekamen. Mathew Leckie stand in der Startelf und fand nie wirklich in die Partie. Obwohl er sich sehr bemühte, verhielt er sich nicht positionsgetreu und spielte vogelwild, behinderte teilweise seinen eigenen Mitspieler Krzysztof Piatek.

Kampf, Leidenschaft und gute Standards

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Ganz anders trat der wiedergenesene Marvin Plattenhardt auf. Dessen Standards wurden im Laufe des Spiels sehr wertvoll, nicht nur bei seiner Freistoßvorlage zum 1:1 Ausgleich, und erinnerten an die besten Zeiten unter Pal Dardai.

Allgemein war zu spüren, dass einige Spieler versuchten, spielerische Schwächen mit Kampf und Leidenschaft auszugleichen. Dedryck Boyata zum Beispiel sorgte kurz nach seinem Ausgleichstreffer zum 1:1 per Aussetzer fast für eine erneute Führung für den Club aus Gelsenkirchen. Im Laufe des Spiels aber war der Belgier immer wieder in Luftzweikämpfen der einzige Sieger und hatte per Kopf eine gute Chance zum 2:1.

Besonders auch Spieler wie Lucas Tousart, Peter Pekarik und die später eingewechselten Santiago Ascacibar, Jonas Michelbrink und Jessic Ngankam warfen alles rein. Sie zeigten sich in jeder Situation bissig, bewiesen den nötigen Kampfgeist, um im Abstiegskampf die Punkte zu erzwingen. So schaffte es Hertha, gegen zugegeben erneut schwache Gelsenkirchener mit einer mäßigen Leistung am Ende durch Kampf und Geduld zu bestehen.

Über das Spiel und aktuelle Hertha-Themen haben Lukas, Marc und Alex auch in unserer neuen Podcast-Folge gesprochen!

Hertha zahlt hohen Preis – Saisonaus für Piatek

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Doch die „alte Dame“ musste einen hohen Preis für diese drei Punkte zahlen. Nach der bereits angesprochenen Verletzung von Córdoba steht jetzt auch das Saisonaus von Sturmpartner Piatek fest, der eine Fraktur im Sprunggelenk erlitt.

Bezeichnend für den Kampfgeist im Team ist auch, wie der Pole trotz seiner Verletzung noch wenige Minuten weiterspielte und sogar eine Großchance per Kopf hatte, bevor er mit großen Schmerzen ausgewechselt werden musste. Für ihn kam der Torschütze Jessic Ngankam in die Partie, der wohl auch eine Option für die letzten zwei Pflichtspiele von Hertha sein wird.

Nicht nur durch Verletzungen schwächte sich Hertha. Dodi Lukebakio, der sich gerade erst nach seiner Covid-19 Infektion zurückgemeldet hatte, holte sich die gelb-rote Karte und fehlt im letzten Heimspiel gegen Köln. Das erfreute seinen Trainer Pal Dardai nicht gerade: „Das war blödsinnig und unnötig, das akzeptiere ich nicht. Jetzt kommt der böse Trainer zu ihm. Irgendwann reicht es mit nett sein.“ Ebenfalls ausfallen wird Dauerläufer Vladimir Darida. Der Tscheche holte sich seine fünfte gelbe Karte ab.

Angeschlagene Hertha empfängt den 1. FC Köln

Insgesamt fehlen also Hertha Stand jetzt bereits sicher 7 Spieler für die Partie gegen den 1. FC Köln. Fraglich sind außerdem noch Marton Dardai, Sami Khedira, Matheus Cunha und Maximilian Mittelstädt. Doch ausgerechnet in wenigen Tagen steht das wichtigste Spiel an, das Hertha noch bestreiten wird.

Foto: IMAGO

Der 1. FC Köln konnte aus den letzten drei Partien sechs Punkte holen, verlor am Sonntag zwar deutlich, allerdings eher unglücklich gegen den SC Freiburg mit 1:4. Davor war eine deutliche Formsteigerung bei den Kölnern zu spüren. Besonders Spieler wie Jonas Hector und Ex-Herthaner Ondrej Duda spielten zuletzt sehr stark auf und erzielten wichtige Tore.

Anders als Hertha blieben die Rheinländer in den letzten Wochen von Verletzungen verschont und können jetzt gut erholt in die Partie am Samstag gehen. Einzig Jonas Hector ist leicht angeschlagen, soll aber auch für Samstag eine Option sein. Physisch hat also ganz klar der „Effzeh“ einen Vorteil. Doch mental hat Hertha BSC jetzt wohl die Nase vorn.

Der 1. FC Köln steht nämlich mit dem Rücken zur Wand und muss am Samstag unbedingt siegen, um den vorletzten Tabellenplatz zu verlassen. Hertha kann also grundsätzlich das 0:0 wie eine Führung verteidigen, muss allerdings aufpassen, die Offensive des Gegners nicht in Schwung kommen zu lassen.

Hertha mit letzter Kraft zum Klassenerhalt

Sicher ist Hertha BSC trotz fünf Punkten Vorsprung keineswegs. Köln empfängt am letzten Spieltag Gelsenkirchen und hat somit höchstwahrscheinlich noch drei Punkte sicher. Ein Remis am Samstag würde Hertha reichen, um Köln sicher hinter sich zu lassen und somit den direkten Abstieg zu vermeiden. Damit wäre auch fast die Relegation vermieden: durch das Duell am Wochenende zwischen Augsburg und Bremen nimmt sich die Konkurrenz Punkte weg. Durch die bessere Tordifferenz hat die „alte Dame“ auch ein Ass im Ärmel.

Die Chancen stehen jedenfalls für Hertha BSC nach dem Sieg am Mittwoch gut. Doch so gebeutelt, müde und personell angespannt wie die Hauptstädter jetzt sind, wird es gegen Köln am Samstag eine Herkulesaufgabe werden. Hertha wird nochmal alles reinwerfen müssen, um diese letzte große Aufgabe zu bestehen.

Durch die Ausfälle wird Hertha vor allem offensiv auf junge Spieler wie Ngankam und Michelbrink setzen müssen. „Die Zukunft gehört Berlin“ heißt es so schön – passend also, wenn gerade die eigenen Jugendspieler für den Klassenerhalt sorgen würden.

(Titelbild: Maik Hölter/TEAM2sportphoto/IMAGO)

Flasche leer – Herthaner im Fokus nach Köln-Spiel mal anders

Flasche leer – Herthaner im Fokus nach Köln-Spiel mal anders

Was soll man über dieses Spiel sagen? Eigentlich sollten in diesem Format einzelne Spieler im Vordergrund stehen, doch man muss in dieser Zeit die ganze „Mannschaft“ in die Pflicht nehmen. Was dort auf dem Rasen geschieht, hat wenig mit der ersten Bundesliga zu tun.

Was erlauben Stark

Dabei sah es streckenweise gar nicht mal so schlecht aus. Nach einer ereignislosen Anfangsphase fand man griffig ins Spiel und konnte nach 13 Minuten einen Torschuss vorweisen. Der abschließende Krzystof Piatek scheiterte am stark parierendem Timo Horn. Im gesamten Spiel war ein gewisser Offensivdrang zumindest in Ansätzen erkennbar. Konkret hieß das, dass immer wieder vertikale und oft lange Bälle gespielt wurden.

Insbesondere Niklas Stark wählte diesen Weg. Von seinen 20 (!) langen Bällen kamen allerdings nur elf an. Zum Vergleich: Vladimir Darida spielte 13 lange Bälle, von denen auch elf ankamen. Das Vertikalspiel Herthas kam über diese „hoch-und-weit“ Strategie nicht hinaus. Keinen einzigen Steilpass verzeichnete die Mannschaft.

Foto: IMAGO

Es ist bezeichnend, dass von den 13 abgegebenen Schüssen zwei Drittel von außerhalb des Strafraums abgegeben wurden. Hertha fehlen die Ideen, um einen direkten Zug zum Tor zu entwickeln und auch Spieler, um diese Ideen zu verwirklichen. Es prinzipiell zu versuchen, ist löblich, aber dann bitte auch mit Sinn und Verstand.

Dos and Dodi’s

Sinnbildlich für die Leistung der extrem alten Dame steht der Auftritt Dodi Lukebakios. Der Belgier spielte in einer ungewohnten Position hinter der Doppelspitze Cordoba-Piatek und mimte so einen Cunha-Ersatz. In den ersten Minuten noch unauffällig ging er in der 30. Minute ins starke Dribbling und zeigte in der 32. mit einem schönen Hackenpass zumindest ein Fünkchen Kreativität, nur um sich drei Minuten später im Zentrum festzudribbeln.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Lukebakio kann auf der Zehn sein Tempo nicht wirklich ausnutzen. Gleichzeitig verhindert seine Körperstatur, dass er auf engem Raum seine Dribblings vollenden kann. Der wohl größte Unterschied zwischen ihm und Cunha dürfte aber die brutale Lustlosigkeit des Belgiers sein. Kämpft Cunha um jeden Ball und ist sich nicht zu schade auch mal am eigenen Strafraum zu holen, ist gegen den Ball nur der Abstand von Hertha zu Union größer als der von Lukebakio zu seinen Gegenspielern.

Erst hatten wir Pech, dann konnten wir es nicht besser

Es gibt bei Hertha kein Zusammenspiel, keine Abstimmung. Jhon Cordoba kann zwar die auf ihn geschlagenen Bälle fest machen, mangels Anspielstationen muss er aber ins Dribbling gehen, was meist mit einem Ballverlust endet. Man neigt dazu in solchen Spiel von Pech zu sprechen.

Anlässe gab es viele. Piatek setze in der 74. Minute einen Schuss nur knapp am linken Außenpfosten vorbei. Dem gleichen Pfosten statte der Ball in der 84. Minute einen Besuch, nach Schuss von Matteo Guendouzi, ab. Wenige Minuten vorher hatte es eine strittige Szene gegeben, als der Ball an den Arm von Sebastian Bornauw sprang, der Schiedsrichter das Spiel aber weiterlaufen ließ und der VAR sich auch nicht meldete.

Foto: IMAGO

Irgendwann ist es aber kein Pech mehr, sondern schlechte Leistung. Wieder bezeichnend eine Szene in der 93. Minute. Hertha hat die Möglichkeit zum Kontern, Cunha will es zu schön machen und ein schlechter Hackenpass beendete die Aktion.

Nichts klappt

Man kommt nicht umhin, als der ganzen Mannschaft ein kollektives Versagen vorzuwerfen. Das liegt auch an der Zusammenstellung der Gleichen. Bruno Labbadia ist aufgrund von Verletzungen ständig gezwungen das System, umzustellen. Das es keine Spieler gibt, die die Lücke einfach schließen können und das das Spiel komplett anders ist, wenn ein bestimmter Spieler mal nicht teilnehmen kann, ist ein Armutszeugnis für jeden Kaderplaner.

Foto: IMAGO

Es funktioniert nicht im 4-3-2-1, es funktioniert nicht im 4-4-2, nicht im 4-3-3 und auch nicht im heutigen 4-3-1-2. Das Spiel musste aufgrund von personellen Engpässen mehr durch das Zentrum gestaltet werden. Dafür kippen die 6er nicht mehr Diagonal ab und die Flügel werden von den Außenverteidigern allein bespielt. Hertha ist dabei aber so ausrechenbar, dass eine einfache Fünferkette, wie von Köln und auch von Union gezeigt, ausreicht, um jegliche Angriffsbemühungen zu neutralisieren. Wird sich im aktuellen Transferfenster nicht ein bisschen Kreativität eingekauft, sieht es schlecht für die Rückrunde aus.

Grundsätzlich macht das alles keinen Spaß. Es macht keine Freude Hertha-Spiele zu gucken, Artikel über Hertha-Spiele zu schreiben oder sich mit Hertha allgemein zu beschäftigen. Hertha ist ein ein Verein, wie eine Raufasertapete. In dieser Hinsicht trifft das ewige Mantra dieser Zeit, dass die Pandemie auch etwas Gutes hätte jedoch zu: Niemand muss sich dieses Elend live im Stadion antun.

[Titelbild: IMAGO]