Flasche leer – Herthaner im Fokus nach Köln-Spiel mal anders

by | Jan 17, 2021 | Bundesliga, Einzelkritik | 0 comments

Was soll man über dieses Spiel sagen? Eigentlich sollten in diesem Format einzelne Spieler im Vordergrund stehen, doch man muss in dieser Zeit die ganze „Mannschaft“ in die Pflicht nehmen. Was dort auf dem Rasen geschieht, hat wenig mit der ersten Bundesliga zu tun.

Was erlauben Stark

Dabei sah es streckenweise gar nicht mal so schlecht aus. Nach einer ereignislosen Anfangsphase fand man griffig ins Spiel und konnte nach 13 Minuten einen Torschuss vorweisen. Der abschließende Krzystof Piatek scheiterte am stark parierendem Timo Horn. Im gesamten Spiel war ein gewisser Offensivdrang zumindest in Ansätzen erkennbar. Konkret hieß das, dass immer wieder vertikale und oft lange Bälle gespielt wurden.

Insbesondere Niklas Stark wählte diesen Weg. Von seinen 20 (!) langen Bällen kamen allerdings nur elf an. Zum Vergleich: Vladimir Darida spielte 13 lange Bälle, von denen auch elf ankamen. Das Vertikalspiel Herthas kam über diese „hoch-und-weit“ Strategie nicht hinaus. Keinen einzigen Steilpass verzeichnete die Mannschaft.

Foto: IMAGO

Es ist bezeichnend, dass von den 13 abgegebenen Schüssen zwei Drittel von außerhalb des Strafraums abgegeben wurden. Hertha fehlen die Ideen, um einen direkten Zug zum Tor zu entwickeln und auch Spieler, um diese Ideen zu verwirklichen. Es prinzipiell zu versuchen, ist löblich, aber dann bitte auch mit Sinn und Verstand.

Dos and Dodi’s

Sinnbildlich für die Leistung der extrem alten Dame steht der Auftritt Dodi Lukebakios. Der Belgier spielte in einer ungewohnten Position hinter der Doppelspitze Cordoba-Piatek und mimte so einen Cunha-Ersatz. In den ersten Minuten noch unauffällig ging er in der 30. Minute ins starke Dribbling und zeigte in der 32. mit einem schönen Hackenpass zumindest ein Fünkchen Kreativität, nur um sich drei Minuten später im Zentrum festzudribbeln.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Lukebakio kann auf der Zehn sein Tempo nicht wirklich ausnutzen. Gleichzeitig verhindert seine Körperstatur, dass er auf engem Raum seine Dribblings vollenden kann. Der wohl größte Unterschied zwischen ihm und Cunha dürfte aber die brutale Lustlosigkeit des Belgiers sein. Kämpft Cunha um jeden Ball und ist sich nicht zu schade auch mal am eigenen Strafraum zu holen, ist gegen den Ball nur der Abstand von Hertha zu Union größer als der von Lukebakio zu seinen Gegenspielern.

Erst hatten wir Pech, dann konnten wir es nicht besser

Es gibt bei Hertha kein Zusammenspiel, keine Abstimmung. Jhon Cordoba kann zwar die auf ihn geschlagenen Bälle fest machen, mangels Anspielstationen muss er aber ins Dribbling gehen, was meist mit einem Ballverlust endet. Man neigt dazu in solchen Spiel von Pech zu sprechen.

Anlässe gab es viele. Piatek setze in der 74. Minute einen Schuss nur knapp am linken Außenpfosten vorbei. Dem gleichen Pfosten statte der Ball in der 84. Minute einen Besuch, nach Schuss von Matteo Guendouzi, ab. Wenige Minuten vorher hatte es eine strittige Szene gegeben, als der Ball an den Arm von Sebastian Bornauw sprang, der Schiedsrichter das Spiel aber weiterlaufen ließ und der VAR sich auch nicht meldete.

Foto: IMAGO

Irgendwann ist es aber kein Pech mehr, sondern schlechte Leistung. Wieder bezeichnend eine Szene in der 93. Minute. Hertha hat die Möglichkeit zum Kontern, Cunha will es zu schön machen und ein schlechter Hackenpass beendete die Aktion.

Nichts klappt

Man kommt nicht umhin, als der ganzen Mannschaft ein kollektives Versagen vorzuwerfen. Das liegt auch an der Zusammenstellung der Gleichen. Bruno Labbadia ist aufgrund von Verletzungen ständig gezwungen das System, umzustellen. Das es keine Spieler gibt, die die Lücke einfach schließen können und das das Spiel komplett anders ist, wenn ein bestimmter Spieler mal nicht teilnehmen kann, ist ein Armutszeugnis für jeden Kaderplaner.

Foto: IMAGO

Es funktioniert nicht im 4-3-2-1, es funktioniert nicht im 4-4-2, nicht im 4-3-3 und auch nicht im heutigen 4-3-1-2. Das Spiel musste aufgrund von personellen Engpässen mehr durch das Zentrum gestaltet werden. Dafür kippen die 6er nicht mehr Diagonal ab und die Flügel werden von den Außenverteidigern allein bespielt. Hertha ist dabei aber so ausrechenbar, dass eine einfache Fünferkette, wie von Köln und auch von Union gezeigt, ausreicht, um jegliche Angriffsbemühungen zu neutralisieren. Wird sich im aktuellen Transferfenster nicht ein bisschen Kreativität eingekauft, sieht es schlecht für die Rückrunde aus.

Grundsätzlich macht das alles keinen Spaß. Es macht keine Freude Hertha-Spiele zu gucken, Artikel über Hertha-Spiele zu schreiben oder sich mit Hertha allgemein zu beschäftigen. Hertha ist ein ein Verein, wie eine Raufasertapete. In dieser Hinsicht trifft das ewige Mantra dieser Zeit, dass die Pandemie auch etwas Gutes hätte jedoch zu: Niemand muss sich dieses Elend live im Stadion antun.

[Titelbild: IMAGO]

ÜBER DEN AUTOR

Niklas Döbler

Niklas Döbler

Hat Psychologie nur deshalb studiert um mit dem Frust umgehen zu können. Schreibt viel zu komplizierte Texte über viel zu einfache Themen.

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