Ausgelastete Labore – Wie geht es mit den Coronatests in der Bundesliga weiter?

Ausgelastete Labore – Wie geht es mit den Coronatests in der Bundesliga weiter?

Die Medizinlabore sind in der zweiten Pandemiewelle komplett ausgelastet. Pro Woche wurden zuletzt knapp 1,7 Millionen Coronatests durchgeführt. Auch die Bundesliga ist auf die Labore angewiesen: Das Hygienekonzept der DFL sieht bei den Profis mehrere Tests pro Woche vor. Um die Labore zu entlasten, sollen jetzt nur noch in seltenen Fällen Symptomlose getestet werden. Müssen sich die Clubs also neue Testmöglichkeiten suchen? Eine Lösung wäre in Aussicht. Ein Überblick.

Das Coronavirus breitet sich weiter rasant aus in Deutschland. Zuletzt gab es bis zu 23.000 Neuinfektionen pro Tag. Nachgewiesen werden diese Infektionen durch sogenannte PCR-Tests – das sind sehr, sehr zuverlässige Tests, die im Schleimhausekret das Vorhandensein von Virus, also eine aktuelle Infektion nachweisen. PCR-Tests sind der Goldstandard aller Testverfahren – sie haben eine Genauigkeit (Spezifität) von mehr als 99,9 Prozent. Sie sind jedoch auch nicht leicht zu analysieren und müssen in Laboren geprüft werden.

Bisher lautete die Strategie des Robert-Koch-Instituts (RKI), dass auch Menschen mit leichteren Erkältungssymptomen und Kontaktpersonen einen PCR-Test erhalten sollen. Doch auf diese Weise sind die knapp 170 testenden Labore in Deutschland an ihre Grenzen gekommen: Bei rund 1,7 Millionen durchgeführten Tests ist zuletzt auch der Rückstau an Proben immer weiter gestiegen. Heißt konkret: Man muss immer länger auf sein Ergebnis warten, die Analysen und Tests auf andere Krankheiten sind dadurch auch beeinträchtigt. Deswegen haben das RKI und das Bundesgesundheitsministerium nun eine andere Teststrategie kommuniziert: Grundsätzlich kommen nur nach Menschen mit ausgeprägten Covid-19-Symptomen in Frage oder solche, die Symptome nach direktem Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall zeigen. Symptomlos oder bei leichten Beschwerden soll niemand mehr getestet werden.

Was bedeutet das für die Bundesliga?

Bei hohen Inzidenzzahlen sieht das Hygienekonzept der DFL, an das sich alle Proficlubs halten, zwei Tests pro Spieler und Woche vor. Laut DFL werden für die 1. Und 2. Liga pro Woche derzeit zwischen 3000 und 3600 Tests benötigt – das entspricht einem Anteil von etwa 0,2 Prozent an allen Tests. Das ist nicht viel, könnte man meinen. Aufgrund der Auslastung der Labore und mit Blick auf die Pandemielage stellt sich trotzdem die Frage: Warum sollen symptomlose Profifußballer getestet werden, um am Wochenende spielen zu können, wenn „normale“ Patienten tagelang auf ihre Testresultate warten müssen?

Foto: IMAGO

Hertha BASE hat der Presseabteilung der DFL unter anderem diese Frage gestellt – keine Reaktion. Auf ihrer Internetseite hat die DFL zur Test-Thematik allerdings kürzlich ein Statement veröffentlicht. Dort heißt es: „Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) haben (…), dass der Anteil der Tests im Profifußball im Promillebereich liege und dadurch keine Gefährdung der medizinischen Versorgung entstehe.“ Die DFL argumentiert ferner, dass die Berufsausübung der Fußballer und der weiteren Beschäftigten der Klubs von den Tests abhänge. Zudem habe man das Hygienekonzept dahingehend geändert, dass die Teams vor einem Auswärtsspiel mehr Zeit für die Tests bekommen.

Hertha zieht mit

Hertha-Pressesprecher Marcus Jung teilte gegenüber Hertha BASE mit, dass auch Hertha „alle die laut DFL Hygienekonzept erforderlichen Testungen durchführen“. Jung wies auch auf die Aussagen der DFL und der Labore hin, dass die Tests im Profifußball keinen wesentlichen Anteil an der Auslastung hätten. Er fügte hinzu: „Wir haben großes Vertrauen in die Arbeit der DFL Task Force Sportmedizin haben, die mit diesem Konzept, welches zudem stetig überprüft und an die Entwicklungen angepasst wird, weltweit hohe Anerkennung genießen.“

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Im Corona-Testbetrieb zeichnet sich derzeit eine deutliche Entspannung ab. Grund dafür sind die sogenannten Antigentests, die nachweisen, ob im Körper Antigene des Sars-Cov2-Virus sind. Die Tests sind zwar nicht ganz so genau wie die PCR-Tests. Sie haben aber einen ganz entscheidenden Vorteil: Antigentests kann man in der Regel selbst durchführen. Sie müssen nicht im Labor analysiert werden und liefern innerhalb von etwa 15 Minuten ein Ergebnis. In Pflegeheimen und Kliniken werden die Tests schon massenhaft angewendet, um Krankenhausinfektionen zu vermeiden und die Labore mit den Massentests nicht zu überlasten.

Antigentests für die Bundesliga?

Für die Bundesliga würden Antigentests aufgrund ihrer einfachen und schnellen Funktionsweise sicherlich auch Sinn ergeben. Zudem könnten die Klubs die Labore entlasten. Selbst wenn der Ligabetrieb nur einen minimalen Anteil an der Auslastung der Labore hat – ein schönes Signal wäre es dennoch, wenn die Klubs hier auf ihren eigenen Beinen stünden. Zudem würden sie sich weniger angreifbar machen.

[Titelbild: IMAGO]

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – VfL Wolfsburg

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – VfL Wolfsburg

Nun, was macht man in Herthas Situation aus einem Unentschieden gegen Wolfsburg? Auf der einen Seite haben die Berliner ohne Zweifel eines ihrer besten Spiele in dieser Saison bestritten und spielerisch gegen eine Mannschaft überzeugt, die sich eigentlich durch eine starke Stabilität auszeichnet. Auf der anderen Seite wurden aufgrund der schwachen Chancenverwertung eher zwei Punkte liegen gelassen und ein Punkt hilft Hertha zumindest tabellarisch kaum weiter. Unterm Strich war das 1:1 am Sonntagabend aber wohl wieder ein Schritt nach vorne und dann müssen die drei Zähler halt gegen den FC Augsburg geholt werden.

Wir wollen auch am 6. Spieltag wieder auf die Leistungen einzelner Herthaner blicken.

Matheus Cunha – Alle für einen, einer für alle

Der Brasilianer Matheus Cunha ist Herthas einzige Konstante im Moment. Während sich die Spieler der Abwehrreihe in den ersten Saisonspielen immer wieder durch unglücklich verursachte Elfmeter, Fehlpässe und falsches Stellungsspiel auszeichneten und auch der Rest der Mannschaft nicht gerade glänzt, liefert Cunha ab.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Und das auch heute gegen den VfL Wolfsburg. Schon zu Beginn fiel auf, dass der Brasilianer auf der linken Abwehrseite immer wieder eingriff, um sich dort die Bälle für sein Offensivspiel abzuholen. Nach dem Abseitstor der Wolfsburger sorgte Cunha in der 6. Spielminute dann dafür, dass Hertha nach vier Niederlagen in Folge heute mal wieder einen Punkt mitnimmt. Nach einem tollen Pass von Lucas Tousart geht Dodi Lukébakio über rechts in den Strafraum, legt auf Cunha zurück zur Strafraumgrenze. Der will schießen, rutscht aber aus, lenkt den Ball im Fallen aber trotzdem noch ins linke untere Toreck. 1:0. Natürlich war da etwas Glück dabei und Cunha müsste lügen, wenn er sagte, dass er diesen Ball genauso vollenden wollte. Aber klar ist: Einmal mehr hatte der Brasilianer sich in eine für den Gegner gefährliche Situation gebracht, stand richtig und sah die Lücke zum Abschluss.

Dass Hertha ohne Cunha derzeit wohl noch schlechter dran wäre, zeigten aber diverse Situationen im Mittelfeld. Wenn Cunha dort Zweikämpfe und Dribblings angeht, geht es meistens gut für Hertha aus. Und oft sind genau diese Mittelfeld-Situationen Momente, aus denen anschließend ein gefährlicher Angriff entsteht. Bestes Beispiel: Kurz nach Wiederanpfiff wittert Cunha nach einem schlechten Eröffnungspass von Jonathan Brooks seine Chance, fängt den Ball ab, hat dann durch einen Abpraller aber etwas Glück. Trotzdem behält er den Ball und treibt ihn nach vorne.

Ohnehin war Cunha mal wieder der auffälligste Spieler bei der “alten Dame”. Nach Maxi Mittelstädt hatte der 21-Jährige mit 70 Ballkontakten die meisten aller Herthaner, hinzu kommen drei Schüsse (zusammen mit Jhon Cordoba die meisten) und fünf Schlüsselpässe (Bestwert). Darüber hinaus spielte Cunha äußerst mannschaftsdienlich und weniger egoistisch als noch in den vorherigen Partien. Er ging deutlich seltener ins Dribbling und kombinierte stattdessen lieber – also weniger “Kopf durch die Wand”-Mentalität. Außerdem beteiligte er sich wie bereits erwähnt aktiv am Spiel gegen den Ball, machte ordentlich Meter zurück. So war es vielleicht nicht das spektakulärste Spiel Cunhas, seitdem er bei Hertha spielt, aber ein sehr gewinnbringendes.

Fazit zu Cunha: Wenn nur die Hälfte der Herthaner das Spiel so gut lesen könnten, mit so viel Einsatz in jede Aktion gingen und einen so guten Torriecher hätten, wären wir in einer anderen Tabellensituation.

Jhon Cordoba – Glücklos, aber nicht unsichtbar

Zunächst einmal etwas Ungewöhnliches: An dieser Stelle geht ein Kompliment an Michael Preetz. Denn nachdem Hertha mit Vedad Ibisevic seinen torgefährlichsten Stürmer verloren hatte, war zu befürchten, dass im Sturm eine große Leistungslücke entsteht. Doch mit Jhon Cordoba hat Preetz einen Strafraumstürmer nach Berlin geholt, der sogar noch präsenter in Zweikämpfen ist, technisch auf einem sehr hohen Niveau agiert und immer wieder anspielbar ist.

Foto: IMAGO

Auch am heutigen Sonntagabend gegen den VfL Wolfsburg hatte Cordoba mehrere klare Chancen. Schon kurz vor Cunhas Tor schraubte sich der Kolumbianer nach einer Flanke in Höhe, setzte den kraftvollen Kopfball aber leider deutlich neben das Tor. Mitte der zweiten Hälfte bekommt Cordoba an der rechten Strafraumseite von Cunha angespielt, wartet aber etwas zu lange, sodass die Wolfsburger noch verteidigen können. Drei Tore hat Cordoba schon für Hertha erzielt (in sechs Spielen).

Gegen die Gäste aus Niedersachsen wäre das vierte Tor in blau-weiß bei drei Abschlüssen auch durchaus möglich gewesen, andererseits hatte Cordoba gegen Wolfsburgs Innenverteidigung keinen leichten Stand, die ihm körperlich durchaus auf Augenhöhe begegnen konnten. Mit zwei Schlüsselpässen und einer im letzten Drittel guten Passquote von 80% stellte sich der Sturmtank dennoch in den Dienst der Mannschaft.

Heute hatte Cordoba kein Glück. Spielt er weiter so, wird es nicht bei diesen drei Treffern bleiben. Sein großer Vorteil: Im Gegensatz zu Krzysztof Piatek ist Cordoba bestens ins Spiel eingebunden und spielt gut mit den anderen Offensivkräften zusammen.

Matteo Guendouzi – Sofort präsent

Nachdem er seine COVID-19-Erkrankung gut überstanden hatte und in vergangene Woche erstmals mit seinen neuen Teamkameraden trainieren konnte, kam Matteo Guendouzi in der 57. Minute zu seinem ersten Einsatz für Hertha. Und man hatte nicht den Eindruck, dass Guendouzi da in eine Mannschaft kommt, deren Abläufe ihm absolut unbekannt seien.

Foto: IMAGO

Im Gegenteil: Der 21-jährige Franzose strahlte sofort eine große Präsenz und Sicherheit aus. Guendouzi eroberte einige Bälle, setzte sich gut durch und noch viel erfreulicher war, dass er sich in vielen Situationen für die offensivere Körperdrehung entschied und Richtung gegnerisches Tor „öffnete“. So verzeichnete der Mittelfeldmotor gleich zwei erfolgreiche Dribblings und eine fast 95%ige Passquote – mit weitem Abstand Bestwert in diesem Spiel.

“Ein guter Einstand”, fand auch Bruno Labbadia. “Man hat gesehen, dass er ein sehr ballsicherer Spieler ist, der uns eine Note bringt, die wir brauchen: Ballsicherheit, einfache klare Pässe über vier, fünf Meter. Das hat uns gutgetan. Er muss jetzt natürlich erst in einen Rhythmus kommen, das ist etwas, das er gar nicht haben kann, das wissen wir, aber das ist jetzt eben so.” Tatsächlich verhalf Guendouzi durch seine Passsicherheit dazu, dass Hertha die Spielkontrolle und den Druck auf Wolfsburg in der zweiten Halbzeit auf ganz natürliche Weise aufrecht erhalten konnte.

Ein Debüt, auf dem sich aufbauen lässt. Guendouzi bringt offensichtlich die Fähigkeiten mit, die dem Kader bislang gefehlt hatten. Lucas Tousart, den Guendouzi ersetzte, musste übrigens aufgrund von Knieproblemen ausgewechselt werden – auf seine Leistung war der Tausch also nicht bezogen, schließlich zeigte auch dieser Franzose ein gutes Spiel und leitete 1:0 mit einem sehenswerten Diagonalball ein.

Und dann war da noch:

Dodi Lukébakio – Lukébakio hatte Mitte der zweiten Halbzeit die wohl beste Chance für Hertha im gesamten Spiel, als er alleine vor dem Wolfsburger Torhüter Casteels auftauchte, dann aber vergab. Der Belgier war gerade in der zweiten Halbzeit an vielen guten Aktionen beteiligt, in der ersten Hälfte verlor er aber auch einige Bälle und tauchte zwischenzeitlich komplett ab. Durchwachsen.

Omar Alderete – Ein weiterer erfreulicher Neuzugang. Komischerweise waren es bei dem Innenverteidiger aus Paraguay am heutigen Sonntag gar nicht die Defensivsituationen, die positiv auffielen. Vielmehr war Alderete mehrfach im Wolfburger Strafraum aktiv und scheint bei Ecken und Freistößen vorne für Unruhe zu sorgen. Hinzu kommt ein sehr gutes Aufbauspiel, bei dem er die Bälle sehr mutig nach vorne verteilt. Wenn er es dazu noch schafft, die Abwehrt zu stabilisieren, ist Alderete ein echter Zugewinn. Es war bereits jetzt eine Leistungssteigerung zum Leipzig-Spiel zu erkennen.

Fazit:

Hertha hätte dieses Spiel gewinnen müssen. Nicht nur, dass wir diesen Sieg unbedingt gebraucht hätten. Hertha hat auch besser gespielt als Wolfsburg. Cunha, Cordoba aber auch Lukebakio haben insbesondere in der zweiten Hälfte eine stetige Torgefahr ausgestrahlt und dauerhaft Druck ausgeübt. Positiv zu bewerten ist also die Leistungssteigerung nach den vergangenen Spielen. Obwohl die Zweikampfquote, die Anzahl der Sprints und auch die Ballbesitzquote von Hertha vergleichbar mit den Wolfsburger Werten waren, wirkte Hertha im Gegensatz zu den vergangenen Spielen wach und präsent.

Doch was hilft uns das? Nach sechs Spielen stehen da vier Punkte und Platz 14 in der Tabelle. Ein schlechter Saisonstart. Schließlich muss Labbadia endlich für Stabilität in der Abwehr sorgen. Die Entstehung des 1:1 war sinnbildlich für die Situation in Herthas Verteidigung. Nach einer recht harmlosen Situation kommt eine Flanke in den Strafraum, bei der der Ball an mehreren Herthaner vorbeiläuft. Dann wird der Ball auch noch schlecht geklärt, sodass der Gegner am Strafraum ungehindert zum Abschluss kommt. Stellt Hertha dieses Verhalten nicht ab, kann die Saison böse enden. So bleiben positive wie negative Erkenntnisse.

[Titelbild: IMAGO]

Kommentierende Analyse – Wie könnte sich Hertha unter Carsten Schmidt verändern?

Kommentierende Analyse – Wie könnte sich Hertha unter Carsten Schmidt verändern?

Mit Carsten Schmidt hat sich unsere Hertha einen der bekanntesten TV-Manager Deutschlands ins Boot geholt. Warum die oftmals beschriebene Entmachtung Michael Preetz‘ nicht zutreffend ist, in welchen Bereichen Schmidt Hertha helfen kann und was sich zum Negativen verändern könnte, beschreibt Benjamin Rohrer in einer Analyse.

Besonders in den heutigen Zeiten sehr wichtig zu erwähnen: Es handelt sich hierbei um eine Analyse, da journalistisch-investigativ gearbeitet wurde, allerdings steckt auch Meinung in diesem Artikel. Wir bitten, das zu berücksichtigen, da es bei unserem Artikel zu Jens Lehmann, der klar als Kolumne gekennzeichnet ist, zu Missverständnissen kam.

Schmidts Anfänge in der Branche

Hertha BSC hat einen neuen Chef. Carsten Schmidt heißt er und war zuletzt für den Fernsehkonzern Sky tätig. Aber wer ist dieser Carsten Schmidt eigentlich? Und wie könnte er Hertha BSC verändern? Dazu zunächst ein kleiner Blick in Schmidts Vergangenheit: Schmidt wurde 1963 im niedersächsischen Lüneburg geboren. Sein Abitur bewältigte er in Winsen an der Luhe, anschließend zog es ihn nach München, um einige Jahre später an der dortigen Fachhochschule sein Studium als Diplom-Betriebswirt abzuschließen.

Schmidt blieb in München und begann seine Karriere bei dem Sportmedien-Dienstleister Wide Media, wo er zwischen 1992 und 1999 Geschäftsführer für die Bereiche Marketing und Television war. Im Juli 1999 begann Schmidt seine Karriere im Sky-Konzern, der damals noch unter dem Namen Premiere firmierte. Zwischen 2006 und 2015 war er Geschäftsbereichsleiter und somit Vorstandsmitglied bei Sky, zuständig für die Ressorts Sport, Werbezeitenvermarktung und Internet zuständig. Als es 2015 den damaligen Sky-CEO Brian Sullivan zurück in die USA zog, wurde Schmidt zum neuen Konzernchef. Innerhalb des Vorstands verantwortete er den Bereich der Sportsender und des Sportrechteeinkaufs sowie wie Online-Aktivitäten und die Werbezeitenvermarktung.

“Liebe auf den ersten Blick”

In Interviews erklärte der heute 57-jährige Schmidt mehrfach, dass er den Sky-Konzern nicht mehr leiten wolle, wenn er 60 wird. Und so kam es wenig überraschend, dass er im vergangenen Jahr ankündigte, dass er die Konzernleitung zum Ende des Jahres 2019 abgeben wolle. Schmidt blieb dem Konzern allerdings als Berater erhalten. Doch wie sich nun herausstellte, hatte Schmidt in seiner neuen Funktion bei Sky auch schon länger Kontakt mit Hertha. Bei seiner Vorstellung erklärten er und Präsident Werner Gegenbauer, dass die Suche nach einem neuen Vereinsboss schon länger liefen und man auch mit Schmidt schon länger verhandelt habe. Schmidt, der seinen Job bei Hertha im Dezember antreten wird, sprach von einer „Liebe auf den ersten Blick“.

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Seine neue Position bei der Hertha ist der Vorsitz der Geschäftsführung. Somit wird er unmittelbarer Vorgesetzter der anderen Geschäftsführer Michael Preetz (Sport), Ingo Schiller (Finanzen), Thomas E. Herrich (Recht, Personal, etc.) sowie Paul Keuter (Kommunikation, Markenführung, etc.). Schmidts künftige Zuständigkeiten innerhalb der Chefetage liegen in den Bereichen Marketing, Vertrieb, Strategie, Unternehmenskommunikation und Internationalisierung. Somit fällt auf: Er wird gerade von Preetz und Keuter Aufgaben übernehmen. Schließlich war Preetz bislang auch für den Bereich Kommunikation/Medien verantwortlich. Auffällig ist die Deckungsgleichheit zwischen Keuters Arbeitsbereichen und Schmidts Kompetenzen. Wenn hier überhaupt von einer „Entmachtung“ die Rede sein kann, dann nicht für Michael Preetz. Schmidt ist kein Fußballexperte. Er weiß, wie man Großkonzerne leitet, wie man neue Geschäftsbereiche erschließt und (neue) Produkte aussichtsreich im Markt platziert. Eigenschaften, die Hertha BSC bitter nötig hat.

Konkrete Pläne für seine Zeit bei Hertha verriet der TV-Manager noch nicht. Schließlich wolle er die derzeit „sehr gut handelnden Kollegen“ nicht respektlos behandeln, so Schmidt. Alle Aussagen darüber, was Schmidt bei Hertha umgestalten könnte, sind daher Vermutungen. Allerdings lässt sich anhand seines Werdegangs abschätzen, wohin die Reise gehen könnte. Klar ist: Schmidt ist in der Fernseh- und Sportmedienbranche einer bekanntesten Manager Deutschlands. In seine Ägide als Sky-Chef fielen unter anderem der Senderstart von Sky Sport News HD, die Einführung neuer Marken wie Sky Q und die Produktion preisgekrönter Sky Originals wie etwa „Das Boot“ und „Babylon Berlin“. Schmidt hat es geschafft, aus einem reinen Fußballsender wie Premiere (Sky) einen Medienkonzern zu machen, der seinen Kunden ein extrem breites Entertainment-Angebot macht. Beispielsweise positionierte er Sky in den vergangenen Jahren im Wettbewerb mit den US-Konzernen Netflix und Amazon, die mit ihrem Serienprogramm in den vergangenen Jahren immer mehr Kunden gewinnen konnten. Unter Schmidts Leitung stieg Sky nicht nur in diesen Wettbewerb der TV-Serien ein, sondern begann auch eigene Serien-Produktionen.

Wandel zum Konzern?

In einem Interview mit dem „GQ Magazin“ sagte der TV-Manager einmal, dass er es bei Sky allen „Skeptikern und Pessimisten“ zeigen wolle, sodass aus „Mitleid Neid wird“. Bei Sky ist ihm das gelungen. Aber dieser Satz lässt sich auch sehr gut auf die Hertha beziehen. Auch das Unternehmen Hertha BSC benötigt in der Öffentlichkeit einen neuen Anstrich. Bei Hertha könnte Schmidt nicht nur – wie damals bei Sky – dafür sorgen, dass der Verein neue Produkte und somit neue Einnahmequellen generiert. Er könnte auch dazu beitragen, dass ein Verein, der insbesondere in den vergangenen Jahren aufgrund diverser interner Unruhen des Öfteren belächelt wurde, wieder in ruhigere Fahrwasser kommt.

Foto: IMAGO

Schmidts Fähigkeit, neue, „gesündere“ Themenschwerpunkte zu setzen, kann Hertha zweifelsohne helfen. Aber sie hat auch einen Preis. Denn machen wir uns nichts vor: Damit Hertha nicht noch einmal ein solches Skandaljahr wie das vergangene erlebt, müssen sich auch intern Strukturen ändern. Was Schmidt diesbezüglich unternehmen möchte, ist natürlich reine Spekulation. Aber auch hier ist ein Blick in seine Vergangenheit erlaubt, um mögliche Szenarien abzuschätzen. Schmidt hat bei Sky einen Konzern mit knapp 2000 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 2 Milliarden Euro geführt. Unter seiner Leitung hat der Sky-Konzern allerdings aufgehört, viele Kennzahlen des Unternehmens zu kommunizieren. Die letztbekannten Entwicklungen der Kundenzahlen und des Umsatzes von Sky stammen beispielsweise aus dem Jahr 2016. Die Strategie dahinter ist klar: Möglichst wenig Angriffsfläche für negative Berichterstattung geben, wenn mal etwas schiefläuft.

Denkbar ist natürlich, dass Schmidt auch bei Hertha konzernähnliche Strukturen einzieht, um Diskussionen besser kontrollieren zu können. Konzernchefs sind in der Regel darauf fokussiert, möglichst wenig über das Innere ihres Unternehmens an die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Auch bei Hertha kann also damit gerechnet werden, dass die Fans immer weniger über das wahre Innenleben des Clubs erfahren. Die nach außen kommunizierten Inhalte dürften abflachen und stetig aufgehübscht wirken. Man kann das Professionalisierung nennen, das Wort „Intransparenz“ wäre aber auch angebracht. Inwieweit sich das mit dem Modell als eingetragener Verein, der seine Mitglieder informiert halten muss, verträgt, muss abgewartet werden.

Bald kein Vereins-TV mehr?

Sehr spannend ist diesbezüglich aber auch eine weitere Aussage Schmidts in dem oben genannten Interview. Der TV-Manager sprach dort über die PR-Aktivitäten der Clubs. Konkret ging es darum, dass die Vereine immer mehr Nachrichten über sich selbst produzieren und diese auf den eigenen Medienkanälen ausspielen. Reine Sportsender, die insbesondere im Fußballbereich als Informationsquelle Nummer eins galten, ist das natürlich ein Strich durch die Marketing-Rechnung – erst recht, wenn man – wie Schmidt Sky Sports News – erst gerade einen teuren Nachrichtensender aufgebaut hat. Schmidt sagte dazu: „Unnachgiebig kritisch bin ich aber mit den Aktivitäten der Clubs, die zusehends selbst Programme entwickeln und dafür auch Zeit von ihren Spielern und Trainern abfordern. Da ist für mich eine Grenze überschritten, weil uns als wirtschaftlich ins Risiko gehenden Partner diese Zeit dann eben nicht mehr zur Verfügung steht und unsere Berichterstattung dadurch mehr und mehr eingeschränkt wird, indem wir weniger Zugang haben zu der journalistischen Betrachtung, die der Zuschauer unabhängig, nicht geprägt durch eine Vereinsbrille, erwartet und für die er zahlt. Dieser Trend gefällt mir nicht und er muss korrigiert werden.“

Als neuer Hertha-Chef dürften es aber genau diese selbst produzierten Inhalte sein, die ihm dabei helfen, die öffentliche Diskussion über Hertha BSC besser zu kontrollieren. Dazu passend sagte Schmidt auch bei seiner Vorstellung in der Hertha-Geschäftsstelle, er wolle weniger Anlass zu negativer und mehr Anlässe zu positiver Berichterstattung geben. Man darf gespannt sein, ob es Formate wie „Hertha TV“, das mit Lena Cassel gerade erst eine neue Moderatorin eingestellt und mit Formaten wie “Hertha030” groß aufgefahren hat, in ein paar Jahren noch gibt. Klar ist: Hertha BSC ist im Wandel und dieser wird durch eine Personalie wie Carsten Schmidt noch rasanter verlaufen.

[Titelbild: IMAGO]

Kaderanalyse 2019/20 – Herthas Sturm

Kaderanalyse 2019/20 – Herthas Sturm

Eine turbulente Spielzeit hat am 27. Juni ihr Ende gefunden. Zwar hat COVID-19 alle Bundesliga-Team gleichermaßen getroffen, vor der Pandemie hat Hertha BSC das Rennen als von Krisen gebeutelster Verein aber zweifellos gemacht. Selten ist es in der vergangenen Saison um Sportliches gegangen, doch genau diesem Thema wollen wir uns mit dieser Artikelserie widmen: In unserer Kaderanalyse wollen wir die einzelnen Positionen genauer unter die Lupe nehmen und die Frage beantworten, ob Hertha dort nach Verstärkungen für die kommende Saison suchen sollte. In diesem Teil wird die Position der Mittelstürmer näher beleuchtet.

Hertha und die Stürmer – ein schwieriges Thema. Denn gefühlt hat es nach Michael Preetz, Marcelinho und Marco Pantelic keinen Hertha-Stürmer mehr gegeben, der über Jahre hinweg, ligaweit und konstant für seine Torgefahr gefürchtet war. Durch Herthas neuen Reichtum, hoffnungsvolle Nachwuchsstürmer und die Trainerwechsel hat sich aber auch auf dieser Position in der abgelaufenen Saison viel getan. Grund genug, um den Sturm in unserer Kaderanalyse unter die Lupe zu nehmen.

Vedad Ibisevic – Ein versöhnliches Ende?

Stürmer werden bekanntlich nach Toren bewertet. Schaut man sich die Tor-Statistiken von Hertha aus der vergangenen Saison an, wird klar, dass die Effizienz der Torbeauftragten viel Luft nach oben hat. Denn unter den fünf Spielern mit den meisten Treffern ist Vedad Ibisevic der einzige „echte“ Stürmer. Der Bosnier Ibisevic hat mit zehn Saisontoren (Liga und Pokal) in der vergangenen Saison die meisten Tore erzielt, wobei sieben Tore in Ligaspielen und drei Tore in Pokalspielen erzielt wurden. Auch eine andere Statistik spricht für den 36-Jährigen: Mit durchschnittlich 136 Minuten hat Ibisevic von allen Hertha-Torschützen am wenigsten Zeit benötigt, um erneut zu treffen. Allerdings ist der „Vedator“ mit diesen Werten noch weit von der Ligaspitze entfernt: Robert Lewandowski (34 Ligatore, 72 Minuten/Tor) und Timo Werner (28 Tore / 106 Minuten/Tor) agieren in anderen Sphären.

Und dennoch hat Ibisevic für seine und Herthas Verhältnisse eine gute Saison gespielt, in der weniger die Quantität sondern mehr die Bedeutung seiner Treffer bestach. Man denke nur an das Spiel in Köln in der Hinrunde, in dem der Bosnier den „Effzeh“ nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit quasi im Alleingang mit einem Doppelpack besiegte. Nach einem missglückten Saisonstart war der Sieg gegen Köln im Herbst 2019 eines der wenigen Lebenszeichen der von Ante Covic geleiteten Hertha.

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Schaut man auf die vergangene Saison zurück, waren es eher die Trainer als Ibisevic selbst, die dafür sorgten, dass der „Vedator“ nicht häufiger traf. Denn Covic und Klinsmann setzten beide konstant auf Selke, was sich als krasser Fehler herausstellte. Erst Bruno Labbadia, der mit dem Bosnier schon in Stuttgart erfolgreiche Zeiten erlebt hatte, erkannte die Qualitäten Ibisevics: Er kann aus dem Mittelfeld angespielt werden, die Bälle dabei „festmachen“, holt einige Freistöße in wichtigen Positionen heraus und – das zeigte das oben angesprochene Köln-Spiel par excellence – hat kluge Laufwege, die ihn immer wieder in die gefährlichen Räume bringen. Ein echter Torjäger eben.

Trotzdem soll Ibisevic in der kommenden Saison wohl nicht mehr für die Hertha auflaufen. Trotz spannender Nachwuchspieler und neu eingekaufter Stars ist dies ein riskantes Unterfangen: Ibisevic hatte zwar immer wieder auch schlechte Phasen. In seinen guten Zeiten war er aber immer wertvoll, teils spielentscheidend. Mit 56 Ligatoren für Hertha liegt er auf Platz zehn der Rekordtorschützen unseres Vereins. In allen seinen fünf Spielzeiten in blau-weiß gehörte Ibisevic mindestens zu den drei besten Torschützen der Mannschaft. Er und Salomon Kalou waren viele Jahre die Lebensversicherung der “alten Dame”. Nachdem die Leistungskurve in den jüngeren Zeit allerdings noch unten zeigte, wird die viel wichtigere Frage sein, wie das aus vielen jungen Spielern und Neueinkäufen zusammengesetzte Team den Abgang zweier „Leader“ (Ibisevic und Skjelbred) verkraften kann.

Ein offizielle Verabschiedung des “Vedators” hat es seitens des Vereins allerdings noch immer nicht gegeben. Es ist also nicht zu 100 Prozent auszuschließen, dass der 36-Jährige nicht doch noch eine weitere Saison in Berlin auf Torejagd geht. Hertha soll nach einem neuen Stürmer suchen, doch sollte dieses Unterfangen nicht glücken, weil z.B. kein geeigneter Kandidat zu finden oder nicht zu finanzieren ist, könnte es eine “Rückkehr” Ibisevic’ geben – sollte dieser keine interessantere neue Herausforderung angeboten bekommen. Falls dies jedoch das Ende gewesen sollte, kann Ibisevic als bester Hertha-Torjäger der vergangenen Saison guten Gewissens abdanken.

Davie Selke – Letzte Chance vertan

Nach der Saison 19/20 kann man nun wohl mit Sicherheit feststellen: Davie Selke wird keine Zukunft mehr bei Hertha BSC haben. Nach einer recht guten Saison 17/18 (zehn Tore in 27 Liga- und Pokalspielen) und einer schwächeren zweiten Hertha-Saison (drei Tore in 30 Spielen) folgte eine enttäuschende Hinrunde 2019, in welcher der mit vielen Hoffnungen verbundene Stürmer in 19 Spielen ein einziges Tor schoss.

Foto: IMAGO

Dabei kann sich Selke nicht darüber beschweren, dass er bei Hertha zu wenige Chancen bekommen hätte. Schon in der Saison 18/19 wurde er von Pal Dardai oft bevorzugt, zahlte das Vertrauen aber fast nie zurück. Und auch in der vergangenen Saison setzten Covic und Klinsmann klar auf Selke und degradierten den Mannschaftskapitän Vedad Ibisevic zum Bankdrücker. Klinsmann sah Selke sogar mittel- bis langfristig im Nationalkader – eine von vielen Fehleinschätzungen des ehemaligen Nationaltrainers. Dass Selke auch in der vergangenen Saison keinen Anschluss fand, lag an seinem Spielstil. Er ackert zwar auch im Mittelfeld, um sich Bälle zu erobern. Allerdings kann er im Gegensatz zu Ibisevic nur selten Bälle festmachen, auch seine Dribbling-Qualitäten lassen zu wünschen übrig. Hinzu kommen recht unkreative Laufwege, sodass er nur selten für Dynamik und Überraschungen im Spiel sorgt. Michael Preetz hatte einen ähnlichen Spielstil, der oft etwas unkonventionell bis ungeschickt wirkte. Allerdings hatte Preetz die Gabe, das Spiel besser zu lesen und in den richtigen Momenten am richtigen Fleck zu sein.

Die Zukunft des 25-Jährigen ist noch nicht final geklärt, schließlich muss Werder Bremen auch in der kommenden Saison die Klasse halten, damit die Kaufpflicht aktiviert wird – mindestens zehn Millionen würde Selke dann einbringen, womöglich sogar 15 Millionen, doch der damit verbundene Umstand, dass Bremen Europa erreicht, ist wohl illusorisch. Das ernüchternde Fazit zu Selke ist, dass der Stürmer ein nicht eingelöstes Versprechen ist. 2017 für damals viel Geld nach Berlin gekommen, sollte er die Zukunft des Berliner Mittelsturms sein, doch bis auf wenige Spiele, wie beispielsweise sein Doppelpack beim 3:2-Sieg über RB Leipzig, ist er diesen Erwartungen hinterhergehinkt. Es sollte nicht sein.

Krzysztof Piątek – Herthas neue Sturm-Hoffnung

Mit 24 Millionen Euro ist der Pole Krzysztof Piątek Herthas zweitteuerster Transfer der Vereinsgeschichte. Seine bisher größten Erfolge feierte Piątek zuvor in Italien, wo er zunächst für den CFC Genova 13 Tore in 19 Spielen machte und später in 36 Einsätzen 13 mal für den AC Mailand traf. Als Zlatan Ibrahimovic dann im Winter 19/20 nach Mailand wechselte, verlor der polnische A-Nationalspieler seinen Stammplatz und geriet zugleich ins Visier der Hertha, die nach einer sehr enttäuschenden Hinrunde eine „Tormaschine“ brauchte.

Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images

Piąteks Stil ist schnörkellos: Bekommt er einen Ball in aussichtsreicher Position, sucht er sofort den Abschluss. Kreatives Passspiel und die Einbindung in längere Ballstafetten gehören offenbar nicht zu seinen Stärken, was oftmals dazu führt, dass Piątek phasenweise „untertaucht“ und etwas wenig Anbindung ans Spiel hat. Das ist aber auch okay – schließlich benötigt Hertha nach den Abgängen von Ibisevic, Selke und Kalou schlichtweg einen Stürmer, der regelmäßig Tore schießt. Dass der Pole diese Rolle bei Hertha in der kommenden Saison einnimmt, ist nicht unwahrscheinlich. Denn in den letzten Saisonspielen zeigte Piątek eine zufriedenstellene Leistung. In seinen 16 Hertha-Spielen (Liga und Pokal) kam Piątek auf fünf Treffer und eine Vorlage.

Dennoch ist weiterhin Luft noch oben klar erkennbar. Das sieht auch Trainer Bruno Labbadia so, der zuletzt gegenüber dem Berliner Kurier sagte: “Er läuft viel und macht viel. Die Statistiken sind sehr gut. Was man sagen kann, Krzysztof arbeitet extrem viel – auch außerhalb des Platzes. Er hat Fähigkeiten, die er mehr einbringen muss. Wir müssen es schaffen, ihn in seiner Position besser einzusetzen. Und er muss auch daran arbeiten. Er muss präsenter im Strafraum werden. Er muss noch effektiver werden.”

Pascal Köpke – Abschied wahrscheinlich

Wenn man sich im Internet nach Toren von Pascal Köpke umschaut, bekommt man einige beeindruckende Szenen zu sehen. Allerdings erzielte Köpke diese Tore fast ausschließlich im Trikot der „Veilchen“ von Erzgebirge Aue. Satte 18 Scorer-Punkte in 34 Zweitliga-Spielen gingen damals in einer Saison auf sein Konto. Zur Hertha wechselte der Stürmer vor der Saison 18/19 und hat seit dem eigentlich nie eine entscheidende Rolle gespielt. In der vergangenen Saison kam Köpke auf vier Ligaspiele und einen Pokaleinsatz.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Dieses eine Pokalspiel hatte es allerdings in sich: Sehr überraschend hatte ihn Jürgen Klinsmann gegen Schalke in die Startelf befördert. Und zum ersten Mal machte Köpke im Hertha-Dress einen Unterschied: In klassischer Mittelstürmer-Manier machte er das 1:0 und legte wenig später das 2:0 vom damaligen Neuzugang Krzysztof Piątek auf. In den Klinsmann-Wochen kam Köpke zu einigen wenigen Einwechslungen. Besonders dürfte diese Zeit für ihn auch gewesen sein, weil sein Vater kurzzeitig Torwarttrainer bei Hertha war.

Unter Bruno Labbadia spielte Köpke dann erneut keine Rolle mehr. Ein Abschied ist mit Blick auf die anstehenden Kaderveränderungen wahrscheinlich. Die damalige Verpflichtung des quirligen Angreifers war eine Spekulation auf die Zukunft: Der Sprung von Aue nach Berlin war so groß, dass es nicht unwahrscheinlich gewesen ist, dass Köpke eben jenen Schritt nicht vollziehen kann. Das Experiment gilt wohl als gescheitert, 13 Einsätze und gerade einmal 264 Minuten in zwei Jahren belegen diese These.

Daishawn Redan – Der ungeschliffene Diamant?

Daishawn Redan ist ein 19 Jahre junger Mittelstürmer, der in der niederländischen Ajax-Schule groß geworden ist, vor einigen Jahren zu Chelsea wechselte und seit Anfang der vergangenen Saison bei Hertha spielt. Redan wurde teilweise als das „Wunderkind“ von Ajax und Chelsea beschrieben – die Verpflichtung durch Hertha weckte daher Hoffnungen. Auch wenn wir von Redan noch nicht viel gesehen haben – seine Statistiken klingen spannend. In der niederländischen Jugendmannschaften traf Redan zuletzt fast in jedem Spiel. In der U18 und der U19 der Londoner erzielte der Niederländer 18 Tore.

Und auch im Hertha-Dress hat Redan schon getroffen: In seinen acht Einsätzen für die U23 von Michael Hartmann kam Redan auf vier Tore. Im Profi-Team wurde er bislang nur einmal eingesetzt: Bei der 0:3 Heimniederlage gegen Wolfsburg am 2. Spieltag. In der Rückrunde wurde Redan dann an den niederländischen Erstligisten FC Groningen verliehen, wo er einige Spiele bewältigte, aber keine Tore machte – bis die Saison 19/20 wegen des Coronavirus abgebrochen wurde. Gemeinsam mit Jessic Ngankam könnte sich Redan in der kommenden Saison um die Rolle des besten Nachwuchsstürmers streiten. In jedem Fall sollte Hertha ihn nicht voreilig ziehen lassen.

Jessic Ngankam – Herthas eigenes Sturm-Juwel

Immer wieder kommen aus der Hertha-Jugend vielversprechende Talente in die Profi-Mannschaft. Dass diese Spieler aber schon mit 18 oder 19 Jahren von mehreren europäischen Spitzenclubs gejagt werden, passiert nicht sehr oft. Bei Jessic Ngankam ist das aber der Fall. Obwohl im Mai dieses Jahres von Interesse aus München und Salzburg berichtet wurde, unterschrieb das Berliner Eigengewächs seinen ersten Profivertrag bei Hertha. Belohnt wurde er von Bruno Labbadia mit mehreren Einwechslungen. Im letzten Saisonspiel gegen Mönchengladbach sammelte Ngankam sogar seinen ersten Scorer-Punkt, als er Ibisevic seinen wohl letzten Hertha-Treffer auflegte. In Hartmanns U23 zeigte Ngankam in der vergangenen Saison, was in ihm steckt: In 22 Spielen traf er elf Mal – seine Torquoten in den Jugendmannschaften Herthas sind noch beeindruckender. Schön, dass Labbadia den Nachwuchsspielern häufig Chancen gibt. Ngankam hat sie verdient – es wäre toll, wenn er sich einen Platz im Team ergattert.

Muhammed Kiprit – Geht da noch was?

Einen ähnlichen Text wie über Ngankam hätte man in den vergangenen Jahren vor Saisonbeginn jeweils auch über Muhammed Kiprit schreiben können. Der gebürtige Berliner hat in der Jugend für Hertha viele Tore geschossen, 2018 wurde er dann zum Hertha-Profi. Doch seitdem steht die Entwicklung still. In der Rückrunde 18/19 wurde Kiprit für ein paar Monate nach Innsbruck verliehen. In der vergangenen Saison lief er dann wieder 21 mal für die U23 von Hertha auf – und machte beachtliche 16 Tore bei fünf Vorlagen. Alleine diese Werte zeigen, dass Kiprit als Stürmer wertvoll sein kann. Vielleicht bekommt er bei Labbadia ja noch eine Chance – es ist allerdings nicht davon auszugehen.

Fazit

Obwohl Hertha in der vergangenen Saison mit Ibisevic und später auch Piątek zwei klassische Strafraumstürmer hatte, die für wichtige Tore sorgten, gibt es nach wie vor ein Stürmerproblem. Das zeigen mehrere Statistiken. Mit sieben Ligatreffern sind Vedad Ibisevic und Dodi Lukebakio Herthas erfolgreichste Torschützen und rangieren damit auf Platz 33 der Torjäger-Liste der Bundesliga. Dass bei Hertha die Torgefahr zumeist nicht von Stürmern sondern von offensiven Mittelfeldspielern (Lukebakio, Cunha, Kalou, etc.) ausgeht, zeigt auch ein Blick in die Scorer-Liste der Liga. Mit sieben Treffern und sechs Vorlagen ist Lukebakio auf Platz 31 bester Herthaner. Das mag sicherlich auch an den vielen Trainerwechseln der vergangenen Saison liegen: Denn unter Klinsmann und Covic hatte der einzige treffsichere Stürmer Ibisevic in der Hinrunde wenig Einsatzzeit. Wer weiß, wie viele Tore der „Vedator“ gemacht hätte, wenn er Selkes Spielzeit bekommen hätte …

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Hoffnung machen aber die jüngsten Entwicklungen unter Bruno Labbadia, der selbst jahrelang auf Torejagd ging. Einerseits erkannte Labbadia, dass Ibisevic nach seinen Hertha-Jahren als Stürmer am besten mit dem Rest der Mannschaft verbunden ist – der Bosnier zahlte dies mit guten Leistungen und Treffern zurück. Andererseits baute Labbadia gleichzeitig Neuzugang Piątek auf – der Pole wurde von Spiel zu Spiel besser und konnte zeigen, dass er Ibisevics Platz als gefährlicher Strafraumstürmer einnehmen könnte. Hoffnung machen auch Nachwuchs-Talente wie Ngankam oder Redan, die unter Labbadia sicherlich ihre Zeit bekommen werden.

Ganz egal, wer vorne spielt – Hertha muss auch spielerische Probleme lösen. Sowohl mit Ibisevic als auch mit Selke und Piątek hat es in der vergangenen Saison zu oft so gewirkt, als habe der Sturm keinen Anschluss ans Mittelfeld gehabt. Der Abstand der Stürmer zu den kreativen Passgebern war oft zu groß, sodass nur selten spielerisch-dynamisch Gefahr entstanden ist. Wünschenswert wäre es daher, dass der Strafraumstürmer Piątek einen weiteren spielstarken Stürmer an seine Seite bekommt. Vielleicht können diese Aufgabe ja die Talente Ngankam und Redan erfüllen – vielleicht aber auch ein weiterer Neuzugang.

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Interview Andrew Ullmann (FDP) „Stufenweise Wiedereröffnung der Stadien verantwortbar“

Interview Andrew Ullmann (FDP) „Stufenweise Wiedereröffnung der Stadien verantwortbar“

Die vergangenen Monate haben uns Herthafans einiges abverlangt. Nach einer Chaos-Saison kam es zur Corona-Pause, es folgte die Wiederaufnahme des Spielbetriebs – ohne Zuschauer. Tolle Hertha-Spiele, wie den Derby-Sieg, konnten wir nur am Fernseher miterleben. Wenn Mitte September die Liga wieder startet, könnte das so weitergehen. Denn Großveranstaltungen sind bis Ende Oktober untersagt. Doch es kommt Bewegung in die Sache: Die DFL hat ein Konzept zur Wiedereröffnung der Stadien vorgelegt. Und auch in der Politik gibt es Befürworter.

Hertha BASE sprach mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Andrew Ullmann. Ullmann ist Klinikprofessor für Infektiologie und sitzt im Gesundheitsausschuss des Bundestages – er kennt sich aus mit dem Coronavirus. Im Interview erklärt er, wie aus medizinischer Sicht Fußballspiele wieder mit Fans stattfinden könnten.

Hertha BASE: Herr Ullmann, Sie wohnen in Würzburg, sind Klinikprofessor für Infektiologie und seit 2017 Bundestagsabgeordneter für die FDP. Im Bundestag kümmern Sie sich normalerweise um gesundheitspolitische Themen. Kürzlich forderten Sie in einer Pressemitteilung aber, dass Spiele im Profifußball wieder mit Zuschauern stattfinden sollen. Was hat Sie zu dieser Forderung bewegt? Der inzwischen feststehende Aufstieg der Würzburger Kickers, infektiologische Beurteilungen oder politische Strategien?

Prof. Dr. Ullmann: Ich habe mich sehr über den Aufstieg gefreut, bin auch Dauerkartenbesitzer bei den Kickers. Natürlich war ich etwas traurig, dass der Aufstieg nicht gemeinsam mit den Fans in der Stadt gefeiert werden konnte. Meine Forderung nach den Zuschauern im Stadion ist aber politischer Natur. Ich habe mich kürzlich mit einigen Fraktionskollegen unterhalten, sie fragten mich, wie ich aus medizinischer Sicht mögliche Lockerungen bei Großveranstaltungen bewerten würde.

HB: Inzwischen sind die meisten Corona-Maßnahmen ja wieder zurückgeschraubt worden. Die Einschränkungen für Großveranstaltungen gelten allerdings noch, werden in den Ländern allerdings unterschiedlich ausgelegt. Gleichzeitig breitet sich das Coronavirus in anderen Teilen der Welt teils ungebremst aus. Meinen Sie wirklich, man sollte alle Maßnahmen zurückfahren?

Prof. Dr. Ullmann: Der Lockdown hat nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen gesellschaftlichen Schaden hinterlassen. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen haben die Menschen teilweise wie in Einzelhaft gelebt – wochenlang. Es gab familiäre Stresssituationen. Da ich fest von einer zweiten Infektionswelle ausgehe, finde ich es wichtig, dass wir den Menschen jetzt in den Bereichen, die Spaß und Freude bringen, wieder Luft zum Atmen geben.

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HB: Erwiesen ist es nicht, aber es gibt die Theorie, dass einige Europapokalspiele im Februar und März sogenannte „Superspreading Events“ gewesen sein könnten. Wie könnte Ihre Forderung nach Zuschauern im Stadion trotzdem umgesetzt werden?

Prof. Dr. Ullmann: Wir brauchen ein absolut schlüssiges Konzept, weil wir nach wie vor sehr vorsichtig sein müssen und keine Ausbruchsituationen im Sinne von Superspreader-Events verursachen dürfen. Nach den heutigen Zahlen muss es eine stufenweise Wiedereröffnung der Stadien geben. Das wäre verantwortbar. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass man zunächst 25 bis 30 Prozent der ursprünglichen Besucher zulässt. Vielleicht könnte es ein Losverfahren geben, bei dem die Zuschauer per Mail einen Platz zugewiesen bekommen. Fest steht, dass wir den Abstand im Stadion brauchen. Wenn es keinen großen Ausbruch in Deutschland gibt und die erste Stufe eine Zeit lang gut funktioniert, könnte man ja irgendwann auf 50 Prozent der Zuschauer erhöhen. Im Fanblock, also auf den Stehplätzen wird es sicherlich schwierig sein, den Abstand einzuhalten. Aber auch hier könnten provisorische Absperrungsbänder eingezogen werden.

HB: Im Stadion lässt sich der Abstand vielleicht noch irgendwie realisieren. Aber die wirklich engen und „gefährlichen“ Kontakte gibt es doch vor und nach dem Spiel in der U-Bahn, am Bierstand oder in der Schlange vor dem Stadion. Ist der Blick ins Stadion daher nicht etwas zu kurz gedacht?

Prof. Dr. Ullmann: Natürlich muss es nicht nur im Stadion ein gutes Hygienekonzept geben. Deswegen plädiere ich auch dafür, dass zur Umsetzung der neuen Normalität in Stadien Round Tables in allen betroffenen Landkreisen gebildet werden. Da müssen die Vereine, die Gesundheitsämter aber auch der ÖPNV mit am Tisch sitzen und das Konzept ganzheitlich durchdenken.

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HB: Inzwischen sind ja auch die Grundzüge eines Hygienekonzeptes für Bundesligastadien mit Zuschauern der DFL bekannt. Sie sind aber eher dafür, dass die Hygienemaßnahmen vor Ort, also am Spielort geplant werden?

Prof. Dr. Ullmann: Es kann und sollte schon ein zentrales Hygienekonzept geben, das aber regional angepasst werden sollte. Je nach Infektionsgeschehen und den örtlichen Gegebenheiten sind in manchen Stadien vielleicht strengere Maßnahmen nötig als in anderen. In Berlin sollte sich beispielsweise unbedingt U- und S-Bahn an dem Konzept beteiligen. In kleineren Städten gibt es keine U-Bahn, dafür stehen die Menschen vor dem Stadion enger zusammen und sollten hier mehr getrennt werden.

HB: Die Maskenpflicht steht ja zurzeit in der Diskussion. Fußballspiele finden im Freien statt, würden Sie bei einer möglichen Öffnung der Stadien trotzdem für eine Maskenpflicht beim Fußball plädieren?

Prof. Dr. Ullmann: Nein, ich denke, dass das nicht möglich sein wird. Allerdings möchte ich festhalten, dass ich für eine Beibehaltung der Maskenpflicht im Einzelhandel und ÖPNV bin. Viel wichtiger wäre für mich ein grundsätzliches Alkoholverbot.

HB: Das müssen Sie bitte erklären.

Prof. Dr. Ullmann: Auch wenn bei SARS-CoV-2 die Infektion wohl auch über Aerosole möglich ist, geht von der Tröpfcheninfektion wohl immer noch die größte Gefahr aus. Die Abstandsregeln sind daher sehr wichtig, auch im Freien. Alkohol enthemmt und verleitet die Menschen dazu, Regeln zu vernachlässigen.

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HB: Ein eigenes Hygienekonzept liegt ja inzwischen auch von Union Berlin vor. Der Verein will alle Fans ins Stadion lassen, allerdings nur, wenn sie einen PCR-Test vorweisen können, der jünger als 24 Stunden ist. Union will diese Tests selbst bezahlen. Was halten Sie davon?

Prof. Dr. Ullmann: Grundsätzlich finde ich es gut, dass jetzt kreative Ideen bekannt werden. Man kann sich durchaus überlegen, einem solchen Versuchsballon mal eine Chance zu geben. Aus medizinischer Sicht ist das mit den Tests aber schwierig. Es ist durchaus vorstellbar, dass Menschen mit einem zunächst negativen PCR-Test 24 Stunden später trotzdem infektiös sind. Außerdem hört sich das Ganze sehr teuer an und ich sehe die Gefahr, dass Testkapazitäten an ihre Grenzen kommen. Aber was wir jetzt brauchen sind gute Ideen, Realitätsinn und Mut. Denn es ist die falsche Annahme, dass wir bald wieder zur alten Normalität auch in Stadien zurückkehren können, es wird eine neue Normalität geben, die wir uns erst noch schaffen müssen.

HB: Können wir davon ausgehen, dass die FDP-Fraktion in diesem Bereich nach der Sommerpause tätig wird?

Prof. Dr. Ullmann: Wir arbeiten derzeit schon an einigen Vorschlägen, die sich mit dem Umgang weiterer Ausbrüche aber auch mit der Prävention beschäftigen.

Foto: Andrew Ullmann

Zur Person:
Andrew Ullmann wurde 1963 in Los Angeles geboren. Anfang der 70er-Jahre zog er mit seiner Familie dann aber nach Deutschland, machte in Nordrhein-Westfalen Abitur und studierte in Bochum Medizin. Einen Teil seiner medizinischen Ausbildung bewältigte er in New York und an der Harvard Medical School. 2008 habilitierte er an der Uni-Klinik Mainz, 2012 folgte er einem Ruf als Universitätsprofessor für Infektiologie an die Uni-Klinik Würzburg. Seit 2003 ist Ullmann FDP-Mitglied.

In den vergangenen Jahren intensivierte er seine Parteiarbeit in der FDP Bayern, seit 2013 ist er Mitglied des Landesfachausschusses für Gesundheit in Bayern und auch des Bundesfachausschusses. 2015 wurde er zum Vorsitzenden der FDP in Würzburg gewählt. 2017 folgte der Einzug in den Bundestag über die Landesliste der FDP Bayern. Ullmann ist auch Fußballfan: Er ist Dauerkarteninhaber bei den Würzburger Kickers.