Kaderanalyse 2019/20 – Herthas Innenverteidigung

Kaderanalyse 2019/20 – Herthas Innenverteidigung

Eine turbulente Spielzeit hat am 27. Juni ihr Ende gefunden. Zwar hat COVID-19 alle Bundesliga-Teams gleichermaßen getroffen, vor der Pandemie hat Hertha BSC das Rennen als von Krisen gebeutelster Verein aber wohl gemacht. Selten ist es in der vergangenen Saison um Sportliches gegangen, doch genau diesem Thema wollen wir uns mit dieser Artikelserie widmen: In unserer Kaderanalyse wollen wir die einzelnen Positionen genauer unter die Lupe nehmen und die Frage beantworten, ob Hertha dort nach Verstärkungen für die kommende Saison suchen sollte.

Nachdem wir uns im ersten Teil dieser Artikelserie den Torhütern gewidmet haben, folgen nun die Innenverteidiger der “alten Dame”. Auch auf dieser Position haben die Spieler in der zurückliegenden Saison einige Höhen und Tiefen erlebt, hervorgegangen ist letztendlich aber ein festes Duo, das auch in der kommenden Spielzeit zunächst die besten Karten für einen Stammplatz haben wird.

Dedryck Boyata – Herthas Spieler der Saison?

Von null auf hundert. Im vergangenen Sommer ist Dedryck Boyata ablösefrei von Celtic Glasgow nach Berlin gewechselt – Der Belgier schien die Rolle des abgewanderten Fabian Lustenbergers übernehmen zu sollen: Der erfahrene Recke, der sich ohne Murren auf die Bank setzt und bei einem personellen Engpass bereit steht. Quasi der solide Unterbau für die Innenverteidigung, die eigentlich mit den jüngeren und bereits etablierten Torunarigha, Stark und Rekik besetzt werden sollte. Hinzu kam, dass heute 29-Jährige aus einer langen Verletzung zu Hertha kam, die ihn in Glasgow von Ende März bis Mitte Juli außer Gefecht gesetzt hatte. Dem belgischen Nationalspieler war ohnehin eine gewisse Verletzungsanfälligkeit attestiert worden, die auch sogleich nach seiner Ankunft in Berlin wieder zuschlug: Oberschenkelprobleme, die Boyata schon in der Vergangenheit immer wieder geplagt haben, ließen den Innenverteidiger beinahe die komplette Vorbereitung bei seinem neuen Verein verpassen.

Foto: IMAGO

Auch die ersten drei Spieltage der Saison 2019/20 verpasste Boyata verletzungsbedingt. Am 4. Spieltag bot Trainer Ante Covic gegen den FSV Mainz 05 einer Dreierkette in der Innenverteidigung auf, die Boyata sogleich in die Startelf spülte. Zwar gab es bei der 1:2-Niederlage nur wenig positives festzuhalten, Boyatas Leistung gehört allerdings dazu. Herthas Nummer 20 brauchte keinerlei Anlauf, um sofort Präsenz im Spiel der “alten Dame” zu haben, sowohl mit seinem dynamischen und robusten Zweikampfverhalten als auch in der pressingresistenten Spieleröffnung zeigte er gute Ansätze. Nach diesem Spiel war Boyata nicht mehr wegzudenken – Bis auf drei Partien, in denen er gelb-gesperrt oder verletzt fehlte, stand der Belgier die gesamte Rest-Saison in der Startelf. Boyata hatte sich vom vermeintlichen Innenverteidiger Nummer vier zur größten Konstante im Herthaner Spiel entwickelt.

Mit einer überragenden Konstanz und allen nötigen Werkzeugen eines Innenverteidigers hat Boyata sich seinen Stammplatz in der Innenverteidigung redlich verdient. In einer mehr als turbulenten Saison mit teils vogelwilden Auftritten und sich immer wieder verändernden Aufstellungen war auf den 29-Jährigen stets Verlass. Egal, welche Statistik man heranzieht – Boyata gehörte in der vergangenen Saison zu den besten Innenverteidigern der Liga, was bei Herthas phasenweise katastrophaler Saison noch um ein vielfaches höher zu bewerten ist. Zweikampfranking: Platz elf; Luftzweikampf: Platz zehn; Tacklingquote: Platz zwei; Geklärte Situationen: Platz drei; Abgefangene Bälle: Platz 14; Geblockte Bälle: Platz zehn. Gleichzeitig ist Boyata bei den begangenen Fouls pro Spiel gerade einmal Platz 190 von 258 und bei den Fehlern vor einem Gegentor auf Rang 62 von 70. Hinzu kommt eine durchschnittliche Passquote von 89,4% – Platz 14 im ligaweiten Vergleich. Kurzum: Boyata hat eine atemberaubend starke Saison gespielt, Hertha durch seine Defensivleistungen und immerhin vier Saisontore zahlreiche Punkte gerettet und sich für das interne Rennen um die Auszeichnung als “Spieler der Saison” weit nach vorne geschoben. Der Abwehrmann verfügt über keinen spektakulären Spielstil, welcher allerdings auch gar nicht nötig ist. Mit Jordan Torunarigha, mit der seit dem Re-Start der Liga ein herausragendes Duo bildete, hat Boyata jemanden an seiner Seite, der für die spielerischen Elemente sorgt. In der Form 19/20 ist Boyata keinesfalls mehr aus der Hertha-Stammelf wegzudenken – Ein Stabilisator, ein Anker, jemand, an dem sich die Mitspieler orientieren und aufrichten können. In nur einer Saison hat sich Boyata zu einer absoluten Stütze der Mannschaft entwickelt.

Jordan Torunarigha – Endlich etabliert?

Bei Jordan Torunarigha hat es nie Zweifel an dessen Talent gegeben, nur ob es den Zeitpunkt für den endgültigen Durchbruch bei Hertha geben wird. In der Saison 18/19 kam das Berliner Eigengewächs auf nur 14 Einsätze, gemessen an seinem Potenzial eine mehr als dürftige Bilanz. Und auch in der vergangenen Spielzeit sollte sich der 22-Jährige zunächst einmal hinten anstellen müssen, da sich Covic auf Rekik und Stark als primäre Varianten für die Innenverteidigung festlegte. Nachdem Torunarigha einen enttäuschenden Auftritt als Linksverteidiger in der 1. DFB-Pokalrunde hinlegte, war die Startelf erst einmal kein Thema mehr.

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In der Hinrunde der zurückliegenden Saison ist Torunarigha nur zweimal zum Einsatz gekommen: Im bereits erwähnten Spiel in Mainz gehörte der Innenverteidiger zur Startelf, am 8. Spieltag stand er gegen Werder Bremen nur eine einzige Minute auf dem Feld. In 13 von 17 Hinrundenspielen saß er auf der Reservebank, zweimal stand er gar nicht im Kader. Am 15. Spieltag fehlte Torunarigha, weil er für die zweite Mannschaft auflief, um zumindest irgendeine Form der Spielpraxis zu erlangen. Ein großes Highlight sollte er im Jahr 2019 allerdings noch verbuchen können, als er im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden den so wichtigen 3:3-Ausgleichstreffer in der allerletzten Sekunde der Verlängerung erzielte und damit das so dramatische Weiterkommen ermöglichte.

Für Torunarigha sollte sich das Blatt in der Rückrunde wenden – durch Verletzungen seiner Konkurrenten in die Startelf gespült setzte er sich in eben jener fest. Ab dem 18. Spieltag war das Eigengewächs nur zweimal kein Teil der ersten Elf, endlich scheint er sich zum Stammspieler gemausert zu haben. Mit seinem Kopfballtreffer am 19. Spieltag sicherte er wichtige drei Punkte gegen den VfL Wolfsburg (2:1), ansonsten sorgte er gemeinsam mit Boyata dafür, dass Hertha möglichst wenig Treffer kassierte. Sein Leistungsniveau sollte nach dem Re-Start und mit dem Trainerwechsel von Alexander Nouri zu Bruno Labbadia aber noch einmal einen gewaltigen Sprung machen: Ab dem 26. Spieltag war die Berliner Innenverteidigung ein absolutes Bollwerk – ob am Boden oder in der Luft – Torunarigha und Boyata waren kaum zu überwinden. Dabei stehen die Statistiken der Nummer 25 im Vergleich zu Boyatas Zahlen in kaum etwas nach bzw. in manchen Disziplinen steht er sogar noch besser da: Zweikampfranking: ligaweit Platz 15; Luftzweikampf: Platz sechs; Tacklingquote: Platz 17; Geklärte Situationen: Platz 16; Abgefangene Bälle: Platz 40; Geblockte Bälle: Platz sieben.

Bei der Statistik bzgl. der Fehler vor einem Gegentor taucht Torunarigha gar nicht erst auf, bei der Passquote belegt er immerhin noch Rang 45, welcher auch deshalb merklich schlechter als der von Boyata ist, weil der 22-Jährige sich deutlich mehr lange und riskante Bälle im Spielaufbau zutraut, die von Natur aus seltener ankommen. Torunarigha pflegt einen eher aufsehenerregenden Spielstil, indem er den Ball auch gerne einmal weit in die gegnerische Hälfte trägt, viele Seitenverlagerungen spielt und den Ball im allerletzten Moment noch klärt. All diese Eigenschaften lassen den Linksfuß vollkommen zurecht in Herthas Stammelf stehen, denn niemand anderes im Team verfügt über das spielerische Talent Torunarighas. Des Weiteren hat sich der noch junge Abwehrspieler in seinen Leistungen deutlich stabilisiert, Ausreißer nach unten gibt es kaum noch. In dieser Form gibt es kein Vorbeikommen an ihm, auch wenn er sein Formhoch in der kommenden Saison erst einmal wieder bestätigen muss, um sich endgültig festzuspielen.

Niklas Stark – Erst einmal hinten anstellen

Es wäre legitim, Niklas Stark als Gesicht der vergangenen Saison heranzuziehen: Mit ordentlich Potenzial unter der Haube hoffnungsvoll in die Spielzeit gestartet, brutal aufs Gesicht gefallen, Verletzungsprobleme, mehr Enttäuschungen als alles andere, letztendlich aber ein versöhnliches Ende, das Hoffnung für die kommende Saison macht. Stark, im Sommer mit 24 Jahren an einem entscheidenden Punkt seiner Karriere angekommen, ging als neuer Vizekapitän in die Saison 19/20 – eine Funktion mit viel Verantwortung, da bereits klar war, dass Kapitän Vedad Ibisevic längst nicht alle Spiele von Anfang an machen würde, sodass seine Vertretung oftmals als Spielführer in die Partie gehen wird.

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Es war die Saison, in der sich Stark “endgültig” in seiner Güteklasse einfinden sollte – ein Spieler der gehobenen Bundesliga-Mittelklasse oder doch ein Mann für größere Aufgaben? Nachdem Nationaltrainer Joachim Löw mit Jerome Boateng und Mats Hummels zwei verdiente Innenverteidiger in den Ruhestand geschickt hatte, war auch Stark einer der Namen, die für die Anwärter dieser Position gehandelt wurden – sicherlich nicht so hoch wie ein Niklas Süle, Antonio Rüdiger oder Matthias Ginter, aber für einen Platz auf der Bank schien es bei ansprechenden Leistungen reichen zu können. Stark startete allerdings wie die gesamte Hertha-Mannschaft möglichst unglücklich in die Saison: Nach dem 2:2-Auswärtserfolg beim FC Bayern München folgten drei Niederlagen, besonders beim 0:3 auf Schalke sah Herthas Defensive amateurhaft aus – ein Tag, an dem es eigentlich nicht einmal einen Gegner gebraucht hat, um zu verlieren, schließlich erzielte Stark das 0:1 selbst, das 0:2 steuerte Nebenmann Rekik bei. Ein katastrophaler Saisonstart, der die Blau-Weißen sofort unter Druck setzte und Stark in ein tiefes Leistungsloch fallen ließ. Zwar stand der 25-Jährige in den meisten Hinrundenpartien als Startelfspieler auf dem Platz, zufriedenstellende Darbietungen zeigte der Innenverteidiger allerdings seltenst. “Stark nicht nahe genug bei seinem Gegenspieler”, “Stark kommt nicht in den Zweikampf”, “Da lässt sich Stark zu leicht austanzen” – Diese Sätze fielen in der Hinrunde in beinahe jedem Spiel, Stark wurde immer mehr zu einem Schatten seiner selbst.

Dazu passte auch seine Odyssee beim DFB-Team: 2019 war Stark für jedes Länderspiel der Deutschen nominiert – insgesamt acht Mal – sein Debüt gab er allerdings erst Ende November gegen Nordirland, wo er für die letzten 25 Minuten eingewechselt worden war. Zuvor hatte ihn Löw sechs Mal nicht eingesetzt, doch danach angekündigt, Stark endlich sein Debüt schenken zu wollen – Dann spielte aber Starks Körper in fast schon komödiantischer Weise nicht mit. Gegen Argentinien im Oktober sollte Stark von Anfang an spielen, er fehlte jedoch aufgrund einer Schleimhautentzündung. Dann sollte der Abwehrmann wenige Tage später gegen Estland starten, doch Stark war in der Nacht zuvor im Dunkeln gegen eine Tischkante gelaufen, wobei er sich das Schienbein aufschnitt – erneut kein Debüt. Für die Länderspiele gegen Weißrussland und Nordirland wurde Stark erneut nominiert, das erste Spiel musste er allerdings auch absagen, weil er sich zuvor im Spiel gegen RB Leipzig das Nasenbein gebrochen hatte. Gegen Nordirland war es dann endlich so weit – auch wenn Stark mit einer Gesichtsmaske auflaufen musste.

Im Verein lief es für Stark ähnlich durchwachsen. Zwar begann der Vizekapitän die Rückrunde als Stammspieler, Verletzungen und eine Gelbsperre ließen ihn aber zahlreiche Spiele verpassen. Auch seine Leistungen waren erneut ein Spiegelbild der Teamverfassung. Es war die chaotische Phase, in der Jürgen Klinsmann urplötzlich hinschmiss und Nouri eine zutiefst verunsicherte Mannschaft übernahm, welche er nicht stabilisiert bekam – Hertha verlor 1:3 gegen Mainz, gewann holprig 2:1 gegen Paderborn und ging mit 0:5 gegen Köln unter – Stark dabei stets im Epizentrum: der höchst wackeligen Abwehr, der er keinerlei Stabilität verleihen konnte. Zumindest beim 2:2 gegen Werder Bremen am 25. Spieltag konnte der Innenverteidiger mit seinem einzigen Treffer der Saison zu einem Punktgewinn beitragen. Auch beim Re-Start war Stark einer der unglücklichen Protagonisten: Neben Marius Wolf war er der einzige aus dem Kader, der sich zweimal in einer 14-tägige Quarantäne begeben musste, sodass es ihm gar nicht möglich war, sich für Labbadia zu empfehlen. Die Spiele gegen Union Berlin, Leipzig und den FC Augsburg verpasste Stark aufgrund einer Adduktorenverletzung, in der Phase hatten sich Torunarigha und Boyata als Stamm-Duo in der Innenverteidigung bereits festgespielt. Doch hier folgt der versöhnliche Teil der so unglücklichen Saison Starks. Gegen Eintracht Frankfurt (31. Spieltag, 1:4) sah Boyata die rote Karte, sodass Stark aufs Feld gebracht wurde. Zwar konnte er nichts mehr an der deutlichen Niederlage ändern, aber im darauffolgenden Spiel in Freiburg stand er erste Mal seit dem 25. Spieltag wieder in der Startelf und Stark machte seine Sache sehr ordentlich. Auch in den letzten beiden Spielen der vergangenen Saison durfte Stark beginnen, aufgrund der Personallage allerdings im defensiven Mittelfeld. Auch auf dieser Position machte Herthas Nummer fünf einen guten Eindruck.

Zum Ende hin hat sich Stark bei Trainer Labbadia also noch einmal empfohlen – eventuell sogar für eine Position, für die er grundsätzlich gar nicht vorgesehen war. Es war eine mehr als nur durchwachsene Saison für Stark, der maximal unglücklich in diese gestartet ist, große Probleme unter Klinsmann hatte, zwischenzeitlich in den Medien mit einem Vereinswechsel kokettierte und nach der langen Zeit abseits des Mannschaftstraining kein Vorbeikommen an Torunarigha und Boyata sah. Nun werden die Karten jedoch neu gemischt und jeder Spieler hat in der Vorbereitung die Chance, sich aufzudrängen. Stark hat sich sehr lobend über die Art und Arbeit von Labbadia geäußert, nach einem Form -und Stimmungstief scheint er wieder angreifen zu wollen. So ist Stark zwei Wochen früher als seine Mannschaftskollegen in die Sommervorbereitung gestartet – der Konkurrenzkampf ist eröffnet.

Karim Rekik – Ein verlorenes Jahr

Zugegeben, die Reihenfolge, in der die Saison des jeweiligen Innenverteidigers besprochen wird, ist nicht zufällig gewählt. Karim Rekik ist zwar zusammen mit Niklas Stark als Stamminnenverteidigung in die Saison 19/20 gegangen, am Ende dieser aber auf Platz vier im internen Ranking durchgereicht worden. Der Niederländer, bereits in der Saison zuvor mit einer durchwachsenen Leistung, hat solch ein gebrauchtes Jahr hinter sich, dass im Sommer sogar der Abschied nach drei gemeinsamen Jahren erfolgen könnte.

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Wie auch bei Mannschaftskollege Stark begann die Saison insofern positiv, als dass sich Trainer Covic für die linke Innenverteidiger-Position auf Rekik festgelegt hatte und diesen die ersten drei Bundesliga-Partien über 90 Minuten spielen ließ. In diesen Begegnungen sah der 25-Jährige aber genauso wie Stark sehr unglücklich aus, sodass Herthas damaliger Trainer sich gezwungen sah, etwas zu verändern und Rekik von Spieltag vier bis einschließlich sieben auf die Bank zu setzen. Genau in diesen Spielen hatte Hertha seine beste Phase unter Covic (eine Niederlage, drei Siege) und kassierte auch nur drei Gegentreffer. Die guten Leistungen Boyatas schienen einer Wachablösung in der Innenverteidigung gleichzukommen, denn der Belgier zeigte all die Eigenschaften, die vor zwei Jahren noch so sehr an Rekik geschätzt wurden: Resolutes Zweikampfverhalten, perfekt getimte Grätschen, sauberes Passspiel, kaum bis gar keine Fehler. In den beiden darauffolgenden Partien fand Rekik aufgrund der Verletzung von Stark wieder zurück in die Startelf, ohne aber wirklich zu überzeugen, sodass zunächst ein reger Wechsel zwischen Bank -und Startelfplatz stattfand.

Mit dem Wechsel von Covic zu Jürgen Klinsmann veränderte sich auch Rekiks sportliche Lage für eine gewisse Dauer. Klinsmann ließ den Niederländer in seinen ersten fünf Partien als Hertha-Coach von Anfang auflaufen, was Rekik mit zumindest soliden Leistungen in einem extrem defensiven, damit aber auch kompakten Gebilde und dem Siegtreffer gegen Bayer Leverkusen (1:0, 16. Spieltag) dankte. Zum Rückrundenbeginn musste Rekik allerdings wieder mit der Bank vorlieb nehmen, Torunarigha hatte sich zum Stammspieler entwickelt und dies mit starken Vorstellungen untermauert. So mutete es auch eigenartig an, als Interimstrainer Alexander Nouri in drei seiner vier Partien wieder auf Rekik setzte – auch weil dieser bei den Spielen gegen Paderborn (2:1), Köln (0:5) und Düsseldorf (3:3) kein gutes Bild abgab. Wie auch Stark musste Rekik beim dritten Trainerwechsel der Saison verletzt zusehen, wie sich Torunarigha und Boyata zum neuen Stammduo in der Innenverteidigung mauserten. Eine Innenbanddehnung im Knie setzte den Niederländer die ersten vier Spiele unter Labbadia außer Gefecht, doch auch nach seiner Genesung fand Rekik nicht ein einziges Mal mehr in den Kader. Am Ende der Saison verbuchte er damit lediglich 14 Spiele, zuletzt gab Labbadia sogar den Talenten Marton Dardai und Omar Rekik (Karims kleiner Bruder) den Vorzug.

Nach dieser enttäuschenden Saison soll sich Rekik ernsthaft mit einem Abschied auseinandersetzen. Demnach soll er von seinem Berater in England, Spanien und Deutschland angeboten worden sein, berichtet Bild. Der 25-jährige Niederländer hat zwar noch ein Jahr Vertrag in Berlin, im Endspurt der vergangenen Saison hat sich Rekik allerdings zu Innenverteidiger Nummer vier in der internen Hierarchie entwickelt. „Mit mir hat noch niemand gesprochen. Ich fühle mich in Berlin total wohl. Auch mit dem Trainer-Team komme ich super klar“, sagte er, aber solche Statements und ihr Wahrheitsgehalt kennt der geneigte Fußballfan zu genüge. Die Perspektive für Rekik sieht in der kommenden Saison alles andere als gut aus und so scheint es nicht unwahrscheinlich, dass er sich sportlich verändern will und Hertha in Hinsicht auf seinen auslaufenden Vertrag noch eine Ablöse einstreichen will, zumal mit Dardai und Bruder Omar Rekik zwei vielversprechende Innenverteidiger-Talente in den Startlöchern stehen. Es könnte also zum Abschied nach drei gemeinsamen Jahren kommen.

Fazit

Auch wenn zwei der vier Profi-Innenverteidiger bei Hertha eine Saison zum Vergessen hinter sich haben, ist hier keine Baustelle aufzumachen. Mit Jordan Torunarigha und Dedryck Boyata hat sich möglicherweise eins der besten Innenverteidigerduos der Liga gefunden, zudem wird Niklas Stark höchst motiviert sein, seinen Platz zurückzugewinnen, sodass ein lebendiger Konkurrenzkampf zu erwarten ist. Selbst wenn Karim Rekik den Verein im Sommer verlassen sollte, ist nicht mit einer Neuverpflichtung für diese Position zu rechnen, da Labbadia mit einer Viererkette, als nur zwei Innenverteidigern spielen lässt und mit Marton Dardai (18, vergangene Saison sechs Mal im Profikader dabei gewesen) wie auch Omar Rekik (18, dreimal dabei gewesen) zwei verheißungsvolle Talente in die erste Mannschaft drängen. Hertha ist in der Innenverteidigung für die kommende Saison als gut aufgestellt, die Baustellen des Kaders liegen woanders.

Herthaner im Fokus: Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Fortuna Düsseldorf – Hertha BSC

Als Hertha-Fan hat man das Gefühl, so langsam alles (negative) im Fußball erlebt zu haben. Viel kann es da eigentlich nicht mehr geben, dass einen fassungslos macht. Wie Hertha am Freitagabend jedoch eine katastrophale erste Halbzeit spielte und mit 0:3 zurücklag, um dann im zweiten Durchgang noch per furioser Aufholjagd noch ein 3:3 zu erkämpfen, war wohl auch für jede*r blau-weißen Anhänger*in etwas neues. Zwei so unterschiedliche Halbzeiten für sich einzuordnen und daraus konkrete Bewertungen für die einzelnen Spieler herauszufiltern, scheint nahezu unmöglich, aber wir versuchen uns mal daran.

Jordan Torunarigha – verkappter Linksaußen?

Dass Jordan Torunarigha trotz seiner angestammten defensiven Position stets “geil” auf Offensivausflüge hatte, ist schon lange bekannt. Mindestens einmal pro Spiel probiert sich der Innenverteidiger an Läufen in die gegnerische Spielhälfte. Gegen Fortuna Düsseldorf führte Torunarigha seinen Offensivdrang jedoch auf die Spitze, als er im zweiten Durchgang quasi als Linksaußen auftrat.

Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Überraschend stand Torunarigha am Freitagabend in der Berliner Startelf, nachdem er zuletzt zwei Partien auf der Bank Platz nehmen musste. Ebenfalls überraschend: das Herthaner Eigengewächs lief nicht als Innen- sondern als Linksverteidiger auf, mit Maxi Mittelstädt und Marvin Plattenhardt saßen die zwei angestammten Spieler für diese Position auf der Bank. Trainer Alexander Nouri wird sich davon größere Stabilität in der Abwehr versprochen haben, aber wie die erste Halbzeit mit drei Gegentoren bewies, ging dieser Plan nicht auf. Auch Torunarigha war an einem Gegentreffer direkt beteiligt, als er beim 0:3 Vorlagengeber Zimmermann völlig aus den Augen verlor und so den Weg ebnete. So wie seine Mannschaftskollegen hatte der 22-Jährige große Probleme damit, seine Seite zu schließen – hier scheiterte es immer wieder in der Abstimmung mit Flügelpartner Dilrosun. Zudem verlor der Linksverteidiger immer wieder Bälle im Vorwärtsgang, was Düsseldorf zu Umschaltaktionen einlud. Im ersten Durchgang ging Torunarigha mit seiner Mannschaft unter, einzig seine zwei Torschussvorlagen (9. und 12. Minute) waren positiv hervorzuheben.

Doch wie so viele bei Hertha erlebte Torunarigha in den zweiten 45 Minuten eine unvorhergesehene Leistungssteigerung. Hierfür war auch die Hereinnahme von Maxi Mittelstädt verantwortlich – das Zusammenspiel der beiden Berliner Eigengewächse, die sich seit so vielen Jahren kennen, funktionierte sehr geschmeidig und verpasste Herthas linker Seite nicht nur neue Stabilität, sondern auch mehr Offensivdrang. Hierbei war auffällig, dass Torunarigha mit jeder Minute offensiver wurde und rund um die 60 Minute herum die Rollen mit Mittelstädt tauschte, welcher nun den Linksverteidiger gab. So ergab sich auch, dass die durchschnittliche Positionierung Torunarighas während des Spiels höher verortet war als die Mittelstädts. Dass Torunarigha nun so offensiv agierte, hatte den Vorteil, dass er sich mit seinem wuchtigen Körper sehr gut behaupten und Bälle festmachen konnte. Dadurch schenkte er seinen Kollegen Zeit, die linke Außenbahn zu überladen und somit durchbrechen zu können. So kreierte Hertha im Dreieck mit Mittelstädt, Torunarigha, Cunha oder wahlweise Darida sehenswerte Dreiecks-Situationen, was für Gefahr sorgte. Auch das hohe Pressing Torunarighas im Verbund mit Mittelstädt sorgte für viel Druck, sodass sich Düsseldorf oftmals gar nicht befreien konnte.

Sicherlich gab ein paar Situationen, in denen man sah, dass Torunarigha eben kein kleiner, wieseliger Dribbelkönig wie ein Dilrosun ist – hier und da versprangen Bälle oder kamen Flanken nicht an – aber das war in dieser Partie auch gar nicht von Nöten. Torunarigha ist ein technisch überdurchschnittlich begabter Innenverteidiger, der ein Gespür für Offensivaktionen hat (war in der Jugend lange Mittelstürmer) und mit seinem robusten Körper für Ballsicherheit und Raumgewinn sorgen kann. Ob du die Umstellung von Torunarigha auf die linke Außenbahn tatsächlich Nouris Idee war, werden wir wohl nie erfahren und es ist auch nicht wirklich wahrscheinlich, aber umso imponierender wäre es, wenn der Youngster das Schicksal seiner Mannschaft selbst in die Hand genommen hätte. So oder so war es eine beeindruckende Vorstellung Torunarighas im zweiten Durchgang, nachdem er im ersten genauso wie alle anderen auch untergegangen war.

Vladimir Darida – ein Motor auf Hochtouren

Zuletzt verkündete Vladimir Darida, dass er sich sehr wohl in Berlin fühle und seinen Berater gebeten habe, Gespräche mit Manager Michael Preetz bezüglich einer Vertragsverlängerung aufzunehmen. Blickt man auf seine Leistung vom Freitagabend, kann man sich dieser Bitte nur anschließen. Man muss festhalten: ohne einen Darida in dessen aktueller Form geht wenig bis gar nichts im Spiel der “alten Dame”.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Es war dieser Sprint in der 64. Minute, der Herthas Aufholjagd einläuten sollte. Geschickt von Torunarigha sprintete Darida dem eigentlich zu steilem Zuspiel hinterher und schaffte es mit einer großen Willensleistung, den Ball – noch gestört von einem Düsseldorfer Gegenspieler – von links in den Strafraum zu schlagen, wo ihn Erik Thommy höchst unglücklich ins eigene Tor bugsierte. Kein schönes Tor, aber eins des Willens. Niemand hätte Darida einen Vorwurf gemacht, wenn er den Ball nicht mehr erreicht hätte, aber der Tscheche zog durch und nahm in Kauf, durch den Check des Düsseldorfers in die Bande gestoßen zu werden. Es war das 1:3-Anschlusstor – was anschließend passierte, weiß der Leser dieses Artikels.

Und auch daran war Darida maßgeblich beteiligt. Durch sein immenses Laufpensum (mit 13,26 Kilometern mit Abstand am meisten gelaufen) und seine klugen Bewegungen im Raum war der 29-Jährige einer der wichtigsten Bestandsteile der Berliner Offensive. Nach den beiden Berliner Innenverteidigern sammelte Herthas Nummer sechs die drittmeisten Ballkontakte und Pässe. Des Weiteren verbuchte er mit drei Torschussvorlagen zusammen mit Torunarigha die meisten bei den Blau-Weißen. Es war überragend, wie Darida das Spiel seiner Mannschaft unermüdlich ankurbelte, als ständige Anspielstation fungierte und den Ball in der gegnerischen Hälfte hielt. Hinzu kommt sein starkes Pressingverhalten, durch das er konstanten Druck auf die Fortuna ausübte. Darida war oftmals erster Abnehmer im Aufbauspiel und gleichzeitig an fast jedem Angriff beteiligt – quasi nichts in Herthas Spiel ging ohne den Nationalspieler, der darüber hinaus äußerst ballsicher agierte (acht Ballsicherungen).

Sicherlich war auch Daridas Performance im ersten Durchgang ausbaufähig, aber bei diesen Aussetzern im Berliner Abwehrverhalten ist es auch schwer, seine Rolle in den ersten 45 Minuten zu bewerten. Fakt ist, dass Darida seinem Ruf als Motor nach der Halbzeitpause mehr als gerecht wurde. Agil, unermüdlich und handlungsschnell gehörte er zu den Hauptfaktoren der Berliner Aufholjagd. In dieser Form führt gar kein Weg an dem Tschechen vorbei: Marko Grujic und Arne Maier müssen eine bis 17 Schippen drauflegen, um Darida Konkurrenz machen zu können.

Matheus Cunha – Herthas Adrenalinspritze

Na gut, na gut – kommen wir zu dem Mann des Spiels. Die Fragerunde auf Twitter, welche Spieler in diesem Artikel behandelt werden sollen, ergab das erwartbare Bild: an Matheus Cunha kommt man nicht vorbei. Wie auch? Der Brasilianer erweist sich aktuell als größtes Faustpfand Herthas im Abstiegskampf.

Wie schon bei Darida hatte eine Szene Cunhas Signalwirkung: nachdem er der Offensivspieler in der 67. Minute, als nur drei Minuten nach dem ersten Berliner Tor, zum 2:3 traf, setzte er zum Jubel an. Dabei präsentierte er kein lässiges, eingeübtes Bewegungsmuster – wie man es im modernen Fußball gewöhnt ist – nein, er fasste sich zunächst an die Hertha-Fahne seines Trikots, um anschließend die klare Geste frei nach Oliver Kahn zu machen: “Eier, wir brauchen Eier!” Der Jubel stand stellvertretend für den gesamten Auftritt Cunhas, der Hertha fast im Alleingang wiederbelebte und dem Spiel seinen Stempel aufdrückte.

Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Wirklich Fahrt nahm die Vorstellung Cunhas ab der 60. Minute an. Zu diesem Zeitpunkt holte sich der 20-Jährige seine gelbe Karte ab, nachdem er im Dribbling gefoult wurde und zu stark mit dem Schiedsrichter gemeckert hatte. Es war Ausdruck der Unzufriedenheit des Angreifers, der sich mit aller Macht gegen den Spielverlauf stemmte. Er zog mit Abstand die meisten Sprints an, verzeichnete die drittmeisten intensiven Läufe, gab die zweitmeisten Torschüsse ab, führte die meisten Zweikämpfe und dribbelte sieben (!) Mal erfolgreich am Gegner vorbei – zusammengefasst: Cunha machte es im zweiten Durchgang zu seinem Spiel, es war sein Feld! Der Brasilianer war einmal mehr überall zu finden, forderte Ball um Ball und nahm es mit der ganzen Düsseldorfer Mannschaft auf. Sicherlich gab er sich in manchen Momenten zu ballverliebt, aber schließlich hatten ihm seine Mannschaftskameraden bislang nicht das Gefühl gegeben, man könne sich auf sie verlassen.

In der 64. Minute schlenzte Cunha den Ball, der noch leicht abgefälscht war, ins rechte Toreck und erzielte damit das 2:3. Infolge der Jubel und infolge darauf die endgültige Spielübernahme Herthas. Und immer wieder war Cunha mittendrin. Seine Zweikampfbilanz war für einen Offensivspieler absolut herausragend, hinzu kommen sechs Ballsicherungen und eine wirklich gute Passquote in der gegnerischen Hälfte von 83 Prozent. Auffällig war, wie tief sich Cunha immer wieder fallen ließ und vom Achterraum heraus das Spiel mitaufbaute (gab einige sehr gute Spielverlagerungen von ihm) oder selbst ins letzte Angriffsdrittel stürmte. Cunha zeigte eine gute Mischung aus brasilianischer Eleganz und einer gehörigen Portion Kampf. Er war giftig, konnte dem Gegner aber auch mit Ball am Fuß weh tun. Beinahe hätte er der Fortuna noch den Todesstoß gegeben, doch sein Schuss in der 90. Minute traf nur den linken Pfosten. Nichtsdestotrotz war es eine herausragende Vorstellung Cunhas, der einmal mehr seinen unschätzbaren Wert für das Team unterstrichen hat. Auch wenn seine Zahlen aus dem Spiel schon bemerkenswert sind, ist es nicht in Ziffern auszudrücken, welch großen Einfluss er auf das Spiel und die Mentalität seiner Mannschaft hat. “Er ist vorangegangen, hat alle mitgerissen. Das war stark”, lobte Trainer Nouri seinen Stürmer nach dem Spiel.

Dilrosun und Lukebakio in dieser Form nicht zu gebrauchen

Man hatte sich vor dem Spiel wohl noch gefreut, als man sah, dass Javairo Dilrosun und Dodi Lukebakio endlich wieder in der Startelf standen. “Endlich schöpft Nouri die Möglichkeiten des Kaders aus! Ohne die beiden geht es nicht”, werden sich viele gedacht haben. Die Entrüstung nach den ersten 45 Minuten in Düsseldorf dürften dementsprechend groß gewesen sein, nachdem die beiden Flügelspieler jeweils eine grausige Leistung gezeigt hatten. Zur Halbzeit wurden mit Maxi Mittelstädt und Marius Wolf zwei zuletzt in Kritik geratene Spieler für die beiden Flügelkünstler eingewechselt, was eine deutliche Wirkung auf das Spiel haben sollte.

Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images

Doch der Reihe nach: Alexander Nouri entschied sich dazu, gegen Düsseldorf eine pendelnde Fünferkette zu spielen, um deren Flügelfokus Einhalt zu gebieten. Je nachdem, auf welcher Seite die Fortuna durchbrechen wollte, sollte ein offensiver Flügelspieler Herthas mit nach hinten rücken und zusammen mit Torunarigha oder Klünter die Flanke schließen. Das funktionierte im ersten Durchgang überhaupt nicht. Beim 0:1 agierte die gesamte Kette viel zu schläfrig, aber besonders bei den beiden darauffolgenden Gegentoren wurde Herthas unterirdisches Abwehrverhalten ersichtlich. Das 0:2 fällt, nachdem Lukebakio Gegenspieler Thommy erst zu viel Platz lässt, um näher von links außen an den Strafraum zu laufen, um anschließend amateurhaft von ihm ausgedribbelt zu werden – eine handelsübliche Finte ließ den Belgier aus dem Zweikampf aussteigen und Thommy freistehend das 0:2 erzielen. Ein weiteres Problem bei dem Gegentreffer war das völlig falsche Stellungsspiel Klünters, der sich nicht direkt hinter Lukebakio positionierte und damit nochmal hätte eingreifen können, sondern viel zu nahm am eigenen Tor stand und einen toten Raum deckte. Die Szene war exemplarisch für die fehlende Abstimmung zwischen Lukebakio und Klünter, der ebenfalls einen rabenschwarzen Tag erwischte. Aber auch Torunarigha und Dilrosun fanden keine gemeinsame Basis. Beim 0:3 standen beide viel zu weit weg von ihren Gegenspielern und ließen den Angriff einfach so passieren. Die Taktik Nouris ging zunächst also überhaupt nicht auf, da Dilrosun und Lukebakio es offensichtlich abgeht, taktisch diszipliniert mit nach hinten zu verteidigen. Offensiv brachten die beiden Individualisten auch nichts auf die Strecke, ein Torschuss und zwei Torschussvorlagen sind zu dünn. Sie nahmen quasi nicht am Spiel Teil, Lukebakio war 18 Mal am Ball und Dilrosun neun Mal.

Nach diesem Spiel ist wohl klar: die beiden Flügelspieler wird man wohl für eine längere Zeit nicht mehr in der Startelf sehen. In diesem krisengebeuteltem Gebilde können Lukebakio und Dilrosun ihre Stärken nicht gewinnbringend einsetzen und ihre Schwächen sind umso ersichtlicher. Als Joker könnten sie weiterhin funktionieren, aber Startelfansprüche können nicht gestellt werden.

Mittelstädt und Wolf überzeugen nach Einwechslung

Nachdem das Trainerteam gesehen hatte, dass die Idee mit Dilrosun und Lukebakio nicht aufgegangen war, entschied es sich dazu, zur zweiten Halbzeit die weniger spektakulären aber defensiv stabileren Maxi Mittelstädt und Marius Wolf einzuwechseln. Es stellte sich heraus, dass es genau das war, was Herthas Spiel gebracht hatte.

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Mit den beiden Einwechslung erhielt deutlich mehr Ernsthaftigkeit und positive Körpersprache Einzug in das Spiel des Hauptstadtklubs. Sicherlich sind Mittelstädt und Wolf in Sachen Technik und Spielwitz weniger begabt als ihre Flügelkonkurrenten, aber dadurch, dass sie deutlich akribischer gegen den Ball und mit nach hinten arbeiten, wirkte Hertha im zweiten Durchgang deutlich stabiler. Wolf und Mittelstädt beteiligten sich tatkräftig am nun deutlich aggressiveren Pressing und übten so ständigen Druck auf das Düsseldorfer Aufbauspiel aus. Es war auffällig, dass Hertha mit den beiden Jokern auf den Außenbahnen deutlich weniger zuließ und besser gegen Umschaltaktionen gewappnet war. Sicherlich rutschte auch in den zweiten 45 Minuten immer wieder ein Angriff durch, aber das ist auf diesem Niveau und durch das starke Flügelspiel der Fortuna auch nicht zu verhindern. Mittelstädt trat gegen den Ball noch etwas besser als Wolf auf und fing insgesamt starke drei Bälle ab. Sein Zusammenspiel mit Torunarigha funktionierte (siehe oben) hervorragend und so war es wenig verwunderlich, dass Düsseldorf wenn überhaupt über seinen linken Flügel gefährlich wurde (erst durch Thommy, später durch Ampomah) – dies lag sicherlich auch daran, dass Rechtsverteidiger Klünter eine gruselige Vorstellung ablieferte und riesige Lücken zuließ, die auch ein Wolf nicht schließen konnte.

Auch im Spiel mit dem Ball wussten die beiden besser zu gefallen. Wolf legte das 2:3 durch einen starken, weil so kraftvoll und präzise gespielten Pass auf, des Weiteren viel er durch ein hohes Laufpensum (sechs Kilometer in einer Halbzeit) auf, durch das er das gesamte Feld beackerte und teilweise auch auf dem linken Flügel auftauchte, um die Seite zu überladen. Auch Mittelstädt hatte offensiv ein paar gute Szenen, auch wenn seine Flankenqualität nach wie vorne ausbaufähig ist. Mit der Zeit avancierte das Berliner Eigengewächs immer mehr zur Absicherung Torunarighas, der nun den offensiven Part übernahm. Diese Arbeitsaufteilung funktionierte wunderbar. Eine Zahl, die belegt, dass Wolf und Mittelstädt deutlich besser in der Partie waren als Dilrosun und Lukebakio: Wolf war 27 Mal am Ball, Mittelstädt sogar ganze 40 Mal.

Sowohl mit als auch besonders gegen den Ball traten Wolf und Mittelstädt eindeutig besser als Dilrosun und Lukebakio auf. Sie fügten sich weitaus präsenter in das Offensivspiel ihrer Mannschaft ein und agierten taktisch deutlich disziplinierter gegen den Ball, sodass Düsseldorf im zweiten Durchgang viel weniger Raum zum bespielen gelassen wurde. Sie waren somit wichtige Faktoren für die Aufholjagd der zweiten Halbzeit.

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Schalke 04

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Schalke 04

Nein, so wirklich Spaß wollen die Spiele von Hertha BSC im Moment nicht machen. Aber was will man beanstanden, wenn die Mannschaft unter Trainer Jürgen Klinsmann in acht Spielen ganze zwölf Zähler sammelt und sich somit Stück für Stück aus dem Abstiegskampf befreit? Auch gegen den FC Schalke 04 lieferten die Berliner kein spielerisches Glanzstück ab, arbeiteten dafür aber umso disziplinierter gegen den Ball und rangen dem Tabellensechsten somit ein 0:0 ab. Punktgewinn, mal wieder zu null gespielt, abgehakt und weiter geht’s. Diesen Pragmatismus muss man nicht abfeiern, aber es ist anzuerkennen, welch für den Gegner eklig zu bespielende Truppe das Trainerteam geformt hat.

Auch wenn die Begegnung am Freitagabend gegen die “Königsblauen” ohne viele Highlights auskommen musste, haben sich ein paar Herthaner hervorgetan – positiv wie negativ. Diese wollen wir nun genauer unter die Lupe nehmen.

Boyata & Torunarigha – die neue Stamm-Innenverteidigung?

Dass Hertha auch am 20. Spieltag so schwer zu bespielen war, lag zu großen Teilen an der neuen Innenverteidigung. Dedyrick Boyata kehrte nach seiner abgesessenen Gelbsperre zurück in die Startelf der Hausherren, neben ihm lief Jordan Torunarigha auf, der sich durch die sehr guten Leistungen in den vorangegangenen zwei Partien empfohlen hatte. Das Duo, dass gegen den FC Bayern München erstmals gemeinsam auflief, ließ gegen Schalke keinen Zweifel daran, wer in Zukunft die Stamm-Innenverteidigung bei Hertha bilden sollte.

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Denn eines ist nach dem Spiel klar: versucht der Gegner (heißt dieser nicht FC Bayern) mit einfachen Mitteln wie Flanken oder dem Distanzschuss Tore zu erzielen, wird er mit Boyata und Torunarigha auf dem Platz keinen Erfolg damit haben. Beide Innenverteidiger Herthas wirkten gegen Schalke über die gesamte Spieldauer hoch konzentriert und souverän. Einzig der in der 57. Minute zu kurz geratene Rückpass Boyatas auf Rune Jarstein, den Benito Raman abfing und zur Torchance umwandelte, war als klarer Fehler abzubuchen. Darüber hinaus gab es noch den sehr gefährlichen Kopfball Michael Gregoritschs in der 85. Minute, der knapp am rechten Pfosten vorbeiging und bei dem Torunarigha etwas zu spät kam, doch ist es auf diesem Niveau nahezu unmöglich, alle Chancen des Gegners abzufangen.

Darüber hinaus ließen die zentralen Abwehrmänner in blau-weiß nichts gefährliches zu. Durch exzellentes Stellungsspiel und Zweikampfverhalten waren beide kaum zu überwinden. Torunarigha gewann einmal mehr alle seine Kopfballduelle, sicherte neun Bälle und klärte vier Aktionen. Hinzu kommen zwei Blocks und zwei abgefangene Bälle. Das Berliner Eigengewächs macht den Eindruck, als sei sein Spiel deutlich erwachsener geworden. Zwei zeigt er wohl weniger spektakuläre Szene als in der Vergangenheit, jedoch unterlaufen ihm zeitgleich deutlich weniger Fehler und Unaufmerksamkeiten. Der 22-Jährige wird erwachsen und das tut seinem Spiel gut – die gelegentlichen Dribblings bis in die gegnerische Hälfte lässt er sich aber dennoch nicht nehmen und das ist auch richtig so, da diese Unordnung beim Gegner und Raumgewinn schaffen. Ansonsten gilt in den letzten Spielen: auf Torunarigha ist Verlass. So ist die Nummer 25 nicht wegzudenken.

Dasselbe gilt bereits seit Saisonbeginn für Boyata. Der Belgier bewies gegen die Gelsenkirchener einmal mehr, warum er der konkurrenzlose Abwehrchef der “alten Dame” ist. Als wäre er nie weg gewesen, führte der 29-Jährige die Hertha-Abwehr an, kommunizierte und richtete aus. Für seine Mannschaftskameraden ist klar: wenn ich nicht weiter weiß, schaue ich zu “Dedo” oder gebe ihm den Ball. Während einige Herthaner große Probleme mit dem Schalker Pressing hatten, blieb Boyata ruhig und spielte den gepflegten kurzen Ball. Auch im Abwehrverhalten strahlte der Nationalspieler große Sicherheit aus: elf Ballsicherungen, acht geklärte Aktionen, ein abgefangener und geblockter Ball unterstreichen seine starke Vorstellung. Seine wohl auffälligste Szene hatte Boyata in der 49. Minute, als Schalkes Raman nur noch ihn zu überwinden hatte, um alleine auf das Tor ziehen zu können. Der Innenverteidiger drehte sich allerdings sehr handlungsschnell und fing seinen flinken Landsmann mit beeindruckender Dynamik ein. Eine Szene, die stellvertretend für das Gefühl steht, dass er bei Hertha-Anhängern auslöst: Boyata ist immer zur Stelle.

In dieser Form besteht kein Zweifel daran, dass Boyata und Torunarigha das gesetzte Innenverteidigerduo sein müssen. Beide lassen kaum etwas zu und können zudem mit dem Ball umgehen. Ob Boden oder Luft, sie sind kaum zu besiegen. Während Herthas Innenverteidigung in weiten Teilen der Hinrunde eine riesige Baustelle gewesen ist, strahlt die Konstellation vom Freitagabend große Sicherheit aus. So haben es Niklas Stark und Karim Rekik schwer, wieder in die Startelf zu drängen.

Santiago Ascacibar – sein bislang bester Auftritt?

Es ist bereits beeindruckend gewesen, wie selbstverständlich sich Neuzugang Ascacibar nach nur wenigen Wochen mit der Mannschaft in die Stammelf gespielt hat. Der argentinische Mittelfeldkämpfer stand in jedem der drei gespielten Rückrundenpartien in der Anfangsformation, doch gelang im gegen Schalke sein bisher stärkster Auftritt im blau-weißen Trikot.

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Etwas für die Statistik-Freunde: in jedem seiner drei Partien für den Hauptstadtklub war Ascacibar der läufstärkste Spieler auf dem Feld. Das muss für sich genommen noch nichts heißen, doch verbindet der defensive Mittelfeldspieler große Raumbeherrschung und intelligente Laufwege damit. Im Spiel gegen die “Königsblauen” war Ascacibar als Manndecker auf Spielmacher Amine Harit angesetzt und dieser Aufgabe widmete sich Herthas Nummer 18 mit großer Passion. Man sah förmlich, wie der giftige Argentinier seinem Gegenspieler, der für sein Spiel Freiräume und den gewissen “Flow” braucht, Minute um Minute mehr Lust an diesem Spiel nahm. Durch seine Arbeit raubte Ascacibar den Schalkern eine große Menge Kreativität und Unberechenbarkeit. Sobald Harit etwas “starten” wollte, stand ihm Ascacibar bereits auf den Füßen. Es war kein dankbarer Job für den 22-Jährigen, da ihn nicht viele für diesen nach dem Spiel loben werden – das Arbeiten gegen Ball und Gegner ist nicht so ruhmreich wie schöne Pässe zu spielen oder Dribblings anzusetzen. Und doch wussten die Fans seine aufopferungsvolle auf Social Media zu würdigen: “Santi war überall”, “Guter Einkauf mit einem starken Spiel”.

Ascacibars Aufgabenbereich beschränkte sich aber natürlich nicht nur auf das Herausnehmen Harits, generell sollte der Sechser das gegnerische Ballbesitzspiel (zer)stören. Mit fünf Tacklings (zusammen mit Mittelstädt Bestwert), den nach Marko Grujic zweitmeisten gewonnenen Zweikämpfe und zwei abgefangenen Bällen gilt der Auftrag als erfüllt. Ascacibar war ein ständiges Störelement für Schalke, da er große Räume abdeckte und Angriffe bereits im Keim erstickte. Eine rundum starke Vorstellung des Neuzugangs, der mit jedem Spiel selbstbewusster und somit wichtiger für Hertha wird. Einer muss die Drecksarbeit eben machen.

Lukas Klünter – Herthas Schwachpunkt?

Gut, die Eingangsfrage ist wohl sehr provokant formuliert, schließlich gehört Lukas Klünter zu den konstantesten Spielern der laufenden Spielzeit. Besonders im Verhalten gegen den Ball ist dem Rechtsverteidiger nur seltenst ein Vorwurf zu machen, doch kristallisierte sich vor allem im Spiel gegen Schalke ein großes Problem auf: Klünter ist vom Gegner als Pressingopfer ausgemacht worden und das zurecht.

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Es ergab sich am Freitgabend immer wieder dasselbe Bild: Schalke presste äußerst aggressiv und lief bis zur Viererkette an. Dabei lenkten sie Herthas Abwehrspieler so, dass Boyata den Ball letztendlich auf Rechtsverteidiger Lukas Klünter spielte. Hier schnappte die Falle der Schalker zu, denn sobald Herthas Nummer 13 am Ball war, wurde er von zwei Gegenspielern attackiert. Hier kamen die technischen Mängel Klünters zum Vorschein: da er sich nicht durch ein Dribbling o.ä. im engen Raum lösen konnte, wählte er stets den Befreiungsschlag, woraus in nahezu allen Fällen ein Ballgewinn der Schalker resultierte. Indem S04 dem Außenverteidiger möglichst wenig Platz ließ, musste er auf den langen Ball zurückgreifen, um keinen Ballverlust am eigenen Strafraum zu riskieren. Dass mit Marius Wolf ebenfalls kein Edeltechniker auf seiner Seite spielte, um ihn aus solch brenzlichen Situationen herauszuholen, trug auch dazu bei, dass man sich kaum aus der Pressingfalle befreien konnte. Eine nahezu sichere Ballgewinn-Strategie der “Königsblauen”, die Herthas Aufbauspiel massiv behinderte.

Gerade einmal 56% von Klünters Zuspielen kamen beim Mitspieler an – eine grausige Quote. Auch sonst wollte dem so schnellen Außenverteidiger, der gegen Wolfsburg noch das so wichtige 2:1-Siegtor vorbereitet hatte, nicht viel gelingen. Im Gegensatz zu Mittelstädt schaltete sich der 23-Jährige kaum mit nach vorne ein. Das lag zum Teil sicherlich daran, dass Hertha im Defensivverbund oftmals in einer Fünferkette auftrat, in der Klünter den rechten Innenverteidiger gab und Wolf den Außenverteidiger, aber dennoch hätte es Gelegenheiten für Offensivausflüge gegeben. Auch ließ Klünter mehr gefährliche Flanken als sein Pendant auf der linken defensiven Außenbahn zu. Insgesamt also kein allzu guter Tag für ihn.

Nun will man Klünter aufgrund seiner bislang wirklich soliden Saison und vor allem wegen seiner starken Defensivleistungen nicht unverzüglich verdammen, aber es fällt durchaus auf, dass er in der bisherigen Rückrunde eher unglücklich auftritt. Was fehlt, sind Alternativen, die ihn bei einem kleinen Formtief ersetzen könnten. Auf Pekarik scheint nicht mehr gesetzt zu werden (zuletzt zwar dreimal infolge im Kader, aber ohne eine einzige Einsatzminute in dieser Saison) und Wolf hat sich, spielte er als Außenverteidiger oder alleiniger Schienenspieler, bislang äußerst unglücklich präsentiert. Es bleibt also zu hoffen, dass Klünter wieder zu seinem unaufgeregten Spiel zurückfindet und das Trainerteam eine Lösung dafür findet, ihn bei Pressingsituation nicht so alleine zu lassen. Hierzu hat am Freitag nämlich eindeutig ein Impuls von außen gefehlt. Klünter ist kein Lazaro – das wurde schon oft genug festgestellt – aber richtig eingesetzt kann er dieser Mannschaft gut tun.

Krzysztof Piatek – bereit für die Startelf?

Die mediale Aufmerksamkeit hätte kaum größer sein können, doch so etwas bringt eine Ablösesumme zwischen 22 und 27 Millionen Euro halt mit sich. Krzysztof Piatek hatte zuvor zwar keine einzige Minute mit der Mannschaft trainiert und trotzdem stand der Neuzugang vom AC Mailand sofort im Spieltagskader. Dass er Hertha helfen kann, hat der 24-jährige Mittelstürmer trotz fehlender Eingespieltheit aber bereits bewiesen.

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Rund 30 Minuten reichten als erste Visitenkarte. Unverzüglich nach seiner Einwechslung brachte Piatek ordentlich Schwung in das Spiel seiner neuen Mannschaft, sofort war seine Präsenz zu spüren. Das mag auch an den vielen Kameras gelegen haben, die auf den Polen gerichtet waren, aber waren es vor allem seine Aktionen, die dem Publikum auf Anhieb klar machten: “Oh, da steht jemand, der kicken kann.” Zwar litt auch Piatek unter dem wenig dynamischen Spiel, doch brachte er zumindest etwas Elan hinein. “Mit dem Krzysztof haben wir Komponente, die Zug und Leben reinbringt, um die sich der Gegner Gedanken machen muss”, erklärte Klinsmann nach Schlusspfiff.

Die Zahlen belegen es: zwar verzeichnete der Nationalspieler nur neun Ballaktionen, jedoch auch ganze drei Schüsse (Hertha gab insgesamt neun ab). In der 66. Minute schloss Piatek nach starker Maier-Flanke und einer schnellen Drehung sofort ab, und deutete damit schon einmal seine Handlungsschnelligkeit an. Der Schuss wurde noch abgeblockt. In der 72. Minute war der Torjäger seinem ersten Treffer für Hertha noch näher, doch sein Kopfball nach einer Ecke von Lukebakio verfehlte das Schalker Gehäuse nur knapp. Und schließlich Piateks Einzelaktion in der 80. Minute, bei der der Mittelstürmer bewies, dass er obendrein noch schnell ist. Wieder eingesetzt von Maier sprintete er die rechte Seite entlang, stoppte den Ball mit einer schnellen Bewegung, sah aber, dass kein Mitspieler wirklich mitgelaufen war und so schloss er selbst ab. Zwar verfehlte er das Tor erneut, jedoch aus schwierigem Winkel.

Bei Herthas derzeitigem Offensivspiel zu glänzen, ist als Mittelstürmer wirklich nicht leicht, doch Wintereinkauf Piatek machte das beste daraus. Er strahlte sofort Gefahr und Tatendrang aus und zeigte, weshalb man ihn holte: schnelle zackige Bewegungen, der absolute Torriecher und auch das Auge für den Mitspieler. Wie schnell Piatek zünden wird, ist natürlich schwer zu sagen, doch würde es nicht verwundern, wenn Klinsmann ihn am kommenden Dienstag im Pokal in die Startelf stellen würde. Der gute erste Eindruck wird dem Polen zumindest dabei helfen, zugleich von Beginn an zu spielen.