Nach einer begeisternden ersten Halbzeit und einer Führung, reicht gegen den Vfl Bochum doch nur zu einem 1:1 Unentschieden. Wir sprechen darüber, wie es dazu kommen konnte diskutieren über alles andere, was in dieser Woche bei Hertha BSC los war.
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Das Glück ist des Tüchtigen. Nach dem Spiel gegen den VfL Bochum konnten sich Fans von Hertha BSC mal wieder tief im Phrasendreschen ausprobieren. Vorangegangen war eine Mannschaftsleistung, die ob der grundverschiedenen Halbzeiten kaum zu erklären war. Auf eine der besten Halbzeitleistungen der letzten Wochen oder gar Saison folgte eine ziemlich ernüchternde zweite Hälfte gegen den Aufsteiger, die wie ein Schritt zurück wirkte.
Trainer Tayfun Korkut rotierte kräftig gegenüber der Niederlage gegen den FC Bayern München vor zwei Wochen. Zunächst stellte er das System zurück auf das alte 4-2-2-2. Die Innenverteidigung bildeten wie zu erwarten Neuzugang Marc Oliver Kempf und Kapitän Niklas Stark. Santiago Ascacibar und Vladimir Darida waren für die Zentrale zuständig, während Jurgen Ekkelenkamp und Myziane Maolida auf den Außen wirkten. Im Doppelsturm fanden sich Ishak Belfodil und Stevan Jovetic wieder. Dementsprechend brachte Korkut fünf neue Spieler im Vergleich zum Spiel gegen die Bayern.
Wir schauen heute auf die Neuzugänge, den Sturm, was sich für Alternativen gefunden zu haben scheinen und welche alten Probleme der Mannschaft immer und immer wieder das Genick brechen.
Marc Oliver Kempf: Niklas Starks gesuchter Partner
Tayfun Korkut hat mal wieder das getan, was er am liebsten tut. Ein Pärchen gebildet. Nämlich aus Neuzugang Marc Oliver Kempf und dem gestrigen Mannschaftskapitän Niklas Stark. Die rohen Zahlen des Innenverteidigers, der vor nicht einmal zwei Wochen vom VfB Stuttgart nach Berlin kam, lesen sich eigentlich eher mittelmäßig. 19 seiner 47 Pässe kamen nicht beim Mitspieler an, seine Zweikampfquote von 56 Prozent ist ausbaufähig.
Doch ordnet man diese Zahlen ein, lässt sich ein durchaus gelungenes Debüt sehen. Er konnte drei Aktionen klären und zweimal seine Gegner abfangen. Gerade in der ersten Halbzeit hatten er und Niklas Stark die Offensive der Bochumer gut im Griff, ließen nur sehr wenig zu.
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Die Kommunikation in der Verteidigung war höher als in den letzten Spielen. Kempf koordinierte zusammen mit Stark die Defensive und zeigte, dass er ein routinierter Bundesliga-Verteidiger ist. Er klärte etliche Bälle, die die Bochumer mit langen hohen Pässen in den Strafraum zu spielen versuchten. Das Innenverteidiger-Duo konnte sich gegenseitig Sicherheit verschaffen.
Doch wie die gesamte Mannschaft ließen auch sie in der 2. Halbzeit nach. Das Gegentor in der 48. Minute war auch eine Folge ihres inkonsequenten Handelns nach dem Seitenwechsel. Gerade Sebastian Polter machte der Verteidigung nach seiner Einwechslung das Leben schwer und konnte mit seiner ersten Aktion eine Fehlerkette der Berliner ausnutzen. Doch auch im nächsten Spiel gegen Fürth ist von diesem Innenverteidiger-Duo in der Startelf auszugehen.
Stevan Jovetic und Ishak Belfodil: Jovedil in guten wie in schlechten Zeiten
Ein Pärchen was sich bekanntlich seit vielen Monaten gefunden hat, ist das Sturmduo, bestehend aus Stevan Jovetic und Ishak Belfodil. Und nachdem dieses Duo aufgrund des verletzungsbedingten Fehlens von Jovetic und einer Corona-Infektion von Belfodil einige Wochen auseinandergerissen war, konnten sie gegen den VfL Bochum endlich wieder harmonieren.
Höhepunkt war selbstverständlich das Tor in der 23. Minute, als Jovetic einen Freistoß von der linken Seite in den Strafraum flankte und Belfodil mit dem Kopf ins Tor verlängerte. Doch viel mehr konnte der Algerier dem Spiel nicht beitragen. Er wurde von den Bochumern konsequent verteidigt, hatte kaum Möglichkeiten sein kreatives Spiel zu entfalten oder mit Torschüssen das gegnerische Tor wirklich in Gefahr zu bringen. Er gewann nur einen seiner sechs Zweikämpfe und verlor 16 Mal den Ball. 57 Prozent seiner Pässe fanden den Mitspieler. Nach 75 Minuten war für ihn Feierabend. Sein Tor half der Mannschaft entscheidend weiter, mehr konnte er leider nicht beitragen.
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Jovetic dagegen war im Sturm ein ständiger Unruheherd. Doch seine Abschlüsse wirkten oft überhastet oder mit zu viel Frust beladen. Nach 55 Minuten versuchten er und Ekkelenkamp sich mit einem Doppelpass, nach einer Stunde wurde der Schuss des Montenegriners von Soares blockiert. In der 64. Minute verzog er um einige Meter, eine weitere Minute später scheiterte er am Bochumer Torhüter Riemann.
Es war die aktivste Phase des Stürmers, dem im Abschluss allerdings klar das Glück fehlte. Auch er verzweifelte an der gut gestaffelten Verteidigung und gewann nur 36 Prozent seiner Zweikämpfe. Immerhin konnte er 71 Prozent seiner Pässe an den Mann bringen und damit viele Bälle im Angriffsspiel verteilen. Auch dieses Duo werden wir sehr wahrscheinlich in Fürth wiedersehen.
Vladimir Darida und Santi Ascacibar: Pärchenbildung in der Zentrale
Und auch bei den beiden zentralen Mittelfeldspielern scheint Tayfun Korkut ein Duo gefunden zu haben. Durchaus überraschend verzichtete der Trainer auf Suat Serdar und vertraute dem Tschechen und dem Argentinier. Beide spielten 90 Minuten durch, bewegten sich unfassbar viel und waren nahezu überall auf dem Platz zu finden.
Vladimir Darida spulte wieder einmal mit seiner unvergleichbaren Pferdelunge 13,34 km ab und zeigte vor allem zu Beginn der Partie seine Qualitäten in der Offensive. Nach vier Minuten prüfte er mit einem wuchtigen Schuss nach zu kurzer Klärung von Verteidiger Bella-Kotchap das erste Mal Keeper Riemann. Auch in den nächsten Minuten bemühte sich der Routinier das Offensivspiel anzukurbeln. 78 Ballkontakte zeigen sein aktives Spiel, zusätzlich brachte er 80 Prozent seiner Pässe an den Mann.
Doch auch seine Konzentration nahm im Laufe des Spiels immer mehr ab. 13 Fehlpässe unterliefen ihm, nur die Hälfte seiner Zweikämpfe konnte er gewinnen. Gerade am Ende der Partie wirkte er müde und ausgelaugt und dadurch unkonzentriert. Somit konnte er seiner Mannschaft in den späteren Minuten kaum noch den gewünschten Halt geben.
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Santiago Ascacibar dagegen machte das übliche: Kratzen, kämpfen, beißen. Er grätschte Gegenspieler ab, unterband Angriffe, aber auch er musste sich gerade wegen seiner Größe öfter geschlagen geben. Gerade die zweiten Bälle im Angriffsspiel konnte er selten in Kopfballduellen festmachen und somit wenig Druck von hinten aufbauen.
Nichtsdestotrotz hatte er mit 78 Ballkontakten ebenfalls einen enormen spielerischen Anteil, konnte 81 Prozent seiner Pässe zu seinen Mitspielern bringen und gewann sieben Tacklings. Sein Kampfgeist und unermüdlicher Einsatz sind immens wichtig für das Team. Auch wenn sein Offensivspiel nicht immer Früchte trug, konnte er sich nach 15 Minuten mit einem Volleyschuss, der denkbar knapp über das Tor flog, ausprobieren. Zusätzlich bereitete er zwei Torchancen vor.
Während auch die beiden gute Chancen haben gegen Fürth zu spielen, fiel die Leistung Jurgen Ekkelenkamps, der gegen Bochum etwas glücklos agierte, ab. Womöglich die Chance für Suat Serdar, zurück in die Startelf zu rücken.
Dongjun Lee und Fredrik André Björkan: Noch überfordert, aber mit Sturm und Drang
Neben Marc Oliver Kempf durften sich auch zwei weitere Wintertransfers zeigen. Dongjun Lee, der als einziger Spieler aus dem Kader Reisestrapazen und Spiele der Nationalmannschaft in den Knochen hatte, konnte sich auf Grund guter Trainingsleistungen für den Kader empfehlen. Er kam früher als gedacht für den unauffälligen Jurgen Ekkelenkamp nach 58 Minuten.
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Man merkte seine Motivation, er zeigte viel Engagement, doch Herthas erstem Südkoreaner der Vereinsgeschichte war anzumerken, dass die Bundesliga eine Umstellung für ihn bedeuten würde. Mehr als Ansätze gelangen ihm nicht. Immerhin bracht er vier seiner sieben Pässe an den Mann und gewann zwei Tacklings. Doch er verlor auch neun Bälle und konnte nur selten sein Tempo ausnutzen.
Als ihm eben jenes zu nutzen gelang, dribbelte er sich in der 80. Spielminute in den Bochumer Strafraum. Doch sowohl sein Zögern als auch seine mangelhafte Entscheidungsfindung in dieser Aktion beendeten den Angriff recht schnell. Es war ein Auftritt, der Neugier auf mehr weckt. Doch Lee wird noch einige Spiele benötigen, um mit dem körperlichen Spiel in der Bundesliga zurechtzukommen.
Fredrik André Björkan, der bereits gegen den FC Bayern München sein Debüt für Hertha BSC feiern durfte, bekam gegen Bochum nach 75 Minuten die Möglichkeit, sich auszuzeichnen. Ein spannender Spieler, der einen Offensivdrang hat und viele müde Abwehrketten vor Probleme stellen kann.
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Mit Wucht und Schnelligkeit auffallend, fehlt ihm aber häufig noch die Übersicht, um eine Aktion sauber zu Ende zu spielen. Neunmal war er am Ball, drei seiner sechs Pässe kamen an, er versuchte sich mit Flanken und gestikulierte und gab erste Kommandos. Es scheint, als hätte er gute Chancen, noch mehr Minuten zu bekommen.
Alex Schwolow: Es stehen unruhige Zeiten bevor
Er macht es sich immer wieder selbst kaputt. Vor dem Spiel gegen den FC Bayern München regnete es Lobeshymnen für Schwolow, der endlich seine gewünschte Form gefunden zu haben schien. Doch trotz seiner 14 Paraden gegen den Rekordmeister, versaute er sich das Spiel mit einem kapitalen Bock. Und nun selbiges gegen den VfL Bochum.
Sein Abklatscher vor die Füße von Stürmer Polter war sicherlich nicht so ein großer Bock wie vor dem Gegentor des abstaubenden Leroy Sanés, doch wieder einmal sah der Ex-Freiburger alles andere als gut aus. Auch beim Schuss von Pantovic nur wenige Minuten nach dem Ausgleichstreffer konnte er die Situation nur im Nachfassen beruhigen. Man muss ihm zugestehen, dass der Regen ihm das Spiel schwer machte und Torhüter allgemein bei solchen Wetterbedingungen ihre Probleme haben.
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Seine beste Aktion hatte er, als er gegen Sebastian Polter wach blieb und mit einem Ausflug aus dem Strafraum die Gefahr frühzeitig im Keim ersticken konnte. Doch Schwolow entwickelt sich immer mehr zum Unsicherheitsfaktor im Team. Es ist fraglich, wie lange sich das Trainerteam diese Fehler noch mit anschaut. Schwolow wäre es zu wünschen, Rückendeckung zu erhalten.
Doch ihm fehlen zunehmend die Argumente. Denn auch zum Aufbauspiel der Hertha konnte er nur wenig beitragen. Nur 42 Prozent seiner Pässe kamen beim Mitspieler an. Sollte sich die Verletzungssituation bei Herthas Torhütern unter der Woche entspannen, könnte die Torhüterdebatte ein weiteres Mal entfacht werden.
Fazit: Zu wenig – der Druck wächst
Die 3.000 Zuschauer:innen im verregneten Berliner Olympiastadion sahen eine der besten ersten Halbzeiten Herthas in dieser Saison. Gerade der sich seit Wochen in guter Form befindende Maximilian Mittelstädt, der auch körperlich extrem gereift zu sein scheint, und der oft auch zurecht schwer kritisierte Myziane Maolida konnten über die Außen mit Hilfe eines technisch starken Stevan Jovetic für ein sehenswertes Angriffsspiel zu sorgen.
Doch sowohl bei den temporeichen Gegenstößen der Bochumer, als auch beim druckvollen Spiel der Westfalen im zweiten Durchgang zeigten sich Herthas Defizite im Defensivspiel. Die erste Halbzeit hätte eine große Entwicklung für die nächsten Spiele bewirken können. Einen riesigen Schritt in ruhigere Fahrgewässer.
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Doch die zweite Halbzeit war Ernüchterung pur und wieder einmal passt eine klassische Fußballphrase. Denn ein Spiel hat 90 Minuten und eben nicht nur 45. Die Leistung der Hertha zeigt leider auch, dass aktuell wenig über nicht-einstudiertes geht. Die Wechsel Korkuts, der hauptsächlich Offensivkräfte von der Bank aus brachte, fruchteten kaum, brachten wenig neue Ideen und verfielen schnell in den allgemeinen Trott des Teams. Sie sorgten nahezu für etwas Unsicherheit, da die Defensive durch das Verstärken der Offensive zunehmend an Stabilität verlor.
Was bleibt, ist ein Remis gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Sollte auch gegen Fürth kein Sieg errungen werden, kann es in wenigen Wochen in Anbetracht des Spielplans in Berlin lichterloh brennen.
In der Hinrunde gab es für Hertha im Duell bei Bochum die ersten Punkte der Saison. Und auch in der Rückrunde warten die Blau-Weißen noch auf ein Erfolgserlebnis. Doch den Aufsteiger als leichten Aufbaugegner zu sehen, wäre fatal. Denn Bochum ist in der Liga angekommen und kann seinerseits am Freitagabend einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machen.
Schlüsselduell 1: Holtmann gegen Pekarik
Nur wenigen Fußballern wird die Ehre zuteil, die Auszeichnung „Tor des Jahres“ von der ARD zu erhalten. Der neuste Ehrenträger spielt beim VfL Bochum auf der linken Außenbahn. Der Siegtreffer aus der Hinrundenpartie gegen Mainz 05 unterstreicht all die Qualität, die Gerrit Holtmann auszeichnet. Bochums Außenspieler narrt bei seinem Siegtreffer von links kommend die gesamte Mainzer Hintermannschaft und krönt seinen Sololauf mit einem tollen Abschluss.
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 35,17 km/h zählt Holtmann zu den schnellsten Spielern der Liga. Besonders beeindruckend: Er behält auch mit dem Ball am Fuß ein hohes Tempo. Deshalb ist er im Bochumer Konterspiel die wichtigste Anlaufstelle.
(Photo by Joosep Martinson/Getty Images)
Neben dem Tempo ist das Dribbling seine große Stärke. 4,39 versuchte Dribblings weist Holtmann auf 90 Minuten auf, 2,24 gelingen. Dabei umdribbelt er effektiv durchschnittlich 2,4 Spieler pro Spiel, ein Spitzenwert in Europa.
Besonders gern schließt Holtmann seine Angriffsaktionen mit einer Flanke ab. 2,56 schlägt er pro 90 Minuten. Die durchsetzungsfähigen Stürmer Sebastian Polter und Jürgen Locadia sind ideale Abnehmer.
Dass Rechtsverteidiger Peter Pekarik Temponachteile gegen den schnellen Holtmann haben wird, dürfte klar sein. Hier wird es besonders auf das gute Stellungsspiel des Routiniers ankommen. Außerdem muss der rechte offensive Außenbahnspieler, vermutlich Marco Richter, immer wieder in der Defensive aushelfen.
Schlüsselduell 2: Kempf und Stark gegen Polter/Locadia
Boyata verletzt, Kempf neu gekommen, Torunarigha verliehen, M. Dardai beinahe verliehen, Stark im letzten Vertragsjahr – Auf der Innenverteidiger-Position ist dieser Tage viel Bewegung bei der Hertha. Doch mitten im Abstiegskampf gibt es keine Zeit für Eingewöhnungsphasen. Die Verteidigung muss schon gegen Bochum, im ersten Spiel nach der Transferperiode, funktionieren. Dafür soll Neuzugang Marc Oliver Kempf an der Seite von Vizekapitän Niklas Stark spielen. Gut, dass beide sich schon aus der gemeinsamen Zeit bei der Deutschen U21-Nationalmannschaft kennen. Gemeinsam holten sie 2017 den EM-Titel. Im ersten gemeinsamen Spiel auf Vereinsebene werden sie gleich mal eine schwierige Aufgabe vor sich haben.
Wie bereits angesprochen, hat der VfL die Wahl aus gleich zwei Mittelstürmern, die beide über die Physis kommen. Sebastian Polter ist mit seinen 1,91 Metern extrem unangenehm zu Verteidigen. Dabei ist er kein klassischer Abschlussstürmer, sondern spielt sehr mannschaftsdienlich. Wie zuletzt beim Unentschieden gegen den 1. FC Köln, als er Takuma Asano den entscheidenden Ausgleichstreffer auflegte. Auf immerhin noch sechs eigene Treffer kommt Polter dabei.
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Mit Jürgen Locadia hat der VfL seit diesem Winter eine weitere Alternative für das Sturmzentrum. Bei seinem ersten Startelfeinsatz gegen Köln zeigte sich auch Locadia mannschaftsdienlich, legte Holtmann mustergültig dessen Tor auf. Eigene Torgefahr entwickelte er zwar noch nicht, doch die zusätzlichen Trainingseinheiten während der Länderspielpause dürften ihn näher an die Mannschaft gebracht und noch gefährlicher gemacht haben.
Ob nun Polter, Locadia oder im Laufe des Spiels beide. Stark und Kempf müssen gegen den physisch starken Mittelsturm Bochums körperlich dagegenhalten und sich gut absprechen. Denn lässt man einem der beiden zu viel Platz oder Zeit, wird er es entweder mit einem Abschluss oder einer Vorarbeit für einen Mitspieler auszunutzen wissen.
Schlüsselduell 3: Belfodil und Jovetic gegen Leitsch und Bella Kotchap
Gegen Bochum darf Tayfun Korkut endlich wieder auf sein kongeniales Sturmduo Stevan Jovetic und Ishak Belfodil setzen. An Erfahrung mangelt es den beiden nicht, schließlich stehen mit ihnen über 650 Profi-Spiele im Angriff der Hertha. Ihre direkten Gegenspieler beim VfL sind davon noch weit entfernt.
Die Bochumer Innenverteidiger Maxim Leitsch (23) und Armel Bella Kotchap (20) spielen jeweils ihre erste Bundesliga-Saison. Doch dass die Bochumer mit erst 29 Gegentoren unter dem Liga-Durchschnitt liegen, ist auch ihr Verdienst.
(Photo by Joosep Martinson/Getty Images)
Für das Duo spricht, dass sie die Schwächen des jeweils anderen ergänzen. Bella Kotchap hat 7,5 klärende Aktionen pro 90 Minuten (top 4% in Europa), 2,57 Balleroberungen, und übt 13,1 Mal Druck aus. Er ist ein sehr aktiver Verteidiger und weiß, wann er einen Angriff des Gegner wie unterbinden kann. Leitsch ergänzt ihn, indem er etwa 1,64 Torschüsse pro 90 Minuten blockt (top 1% in Europa) und 1,48 erfolgreiche Tacklings liefert. Dazu kommt ebenfalls ein Top-Wert von 3,28 eroberten Bällen.
Leitsch und Bella Kotchap haben sich im Oberhaus zurechtgefunden. Doch erfahrene Spieler wie Belfodil und Jovetic können immer in der Lage sein, ihre Schwächen zu erkennen und zu nutzen. Im Kopfballspiel bietet sich etwa eine Chance für Hertha, denn während Bella Kotchap immerhin noch 69,6% seiner Luftduelle gewinnt, sind es bei Leitsch nur 48%. Hinzu kommt, dass beide im Verteidigen von Dribblings Schwächen aufzeigen – bekannterweise Stärken Belfodils und Jovetics.
Am Freitag steht für Hertha BSC der 21. Spieltag in der Bundesliga an. Nach einer Länderspielpause und einer Transferoffensive kommt es im Berliner Olympiastadion zum Spiel gegen den VfL Bochum. Die Westfalen spielen für einen Aufsteiger eine sehr gute Saison und liegen aktuell im Mittelfeld der Tabelle in relativ ruhigen Gewässern. Die Hertha, die mit nur einem Punkt aus drei Spielen und dem Ausscheiden im Pokal denkbar schlecht in das neue Jahr gestartet ist, steht unter Zugzwang, um nicht komplett in den Abstiegssog gezogen zu werden.
Hertha wird zu null spielen
Zwei Wochen sind vergangen, bis auf Neuzugang Lee hat niemand Zeit bei einer Nationalmannschaft verbracht und es ist wieder etwas Ruhe eingekehrt. Die Blicke sind geschärft und das Team wird fokussiert und mit freien Köpfen in das Spiel gegen den VfL Bochum starten.
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Gerade die Innenverteidigung um Kapitän Niklas Stark und Neuzugang Marc-Oliver Kempf wird ein Bollwerk sein und nur wenig zulassen. Im Tor steht mit Alexander Schwolow zur Not ein Mann, der zuletzt in guter Form war und seinen Fehler gegen den FC Bayern München vergessen hat und dadurch sämtliche Bälle halten wird.
Lee wird zur überraschenden Waffe
Neuzugang Dong-Jun Lee hat noch nicht viel Zeit mit seiner neuen Mannschaft verbracht. Dem Südkoreaner stecken noch ein wenig die letzten Tage mit der Nationalmannschaft in den Knochen, doch seine Trainingsleistungen ermöglichen ihn laut Trainer Tayfun Korkut einen Platz im Kader.
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Lee wird für die Schlussphase einige Minuten bekommen und mit seinem schnellen Tempo direkt für Gefahr sorgen und mit einem Jokertor dem Spiel seinen Stempel aufdrücken und dem Team entscheidend helfen – ähnlich wie Myziane Maolida im Hinspiel.
Hertha macht das Spiel und zieht Bochum zurück in den Abstiegskampf
Die Alte Dame wird das Spiel machen und das auch mit viel Offensivdruck. Stevan Jovetic und Ishak Belfodil werden wieder harmonieren und viele Chancen herausarbeiten. Suat Serdar wird mit seiner Kreativität und seinem Offensivdrang für das Einleiten dieser verantwortlich sein.
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Santi Ascacibar wird der Offensive den Rücken freihalten und fleißig abräumen. Die Hertha wird das Spiel mit Leidenschaft gewinnen und den VfL Bochum in der Tabelle überholen, zurück in den Abstiegskampf ziehen und sich selbst ein wenig absetzen.
Eines der größten Themen unserer Zeit ist Nachhaltigkeit und, damit verbunden, nachhaltiges Verhalten innerhalb unserer Gesellschaft. Diese Gewissheit ist mittlerweile in fast allen Bereichen des Lebens angekommen und betrifft natürlich auch den Sport und seine Akteure.
Auch im Fußball ist es gewünscht und erwartet, dass sich Vereine und Verbände nachhaltig verhalten, sei es ökologisch oder bei sozialen Themen wie Diversität und Inklusion. Das gilt natürlich auf allen Ebenen, für den Bundesliga-Verein sowie für den Kreisliga-Trupp des Nachbardorfes. Es gibt eine Verantwortung, im Business-Sprech auch gerne CSR (Corporate Social Responsibility) genannt.
Gemeinsam mit euch will unser Partner, die Plattform FanQ in Zusammenarbeit mit Sports for Future und dem SID herausfinden, welche Erwartungen Fans an die verschiedenen Akteure im Sport haben, welche Verantwortungen erfüllt werden und welche erfüllt werden sollten. Wie zufrieden seid ihr mit dem bisherigen Engagement und welche Verbesserungen würdet ihr euch wünschen? Hierüber könnt ihr jetzt auch bei uns direkt abstimmen:
Im Anschluss an die groß angelegte Umfrage werden die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet und über zahlreiche Medien gestreut werden, aber auch direkt Entscheidungsträgern in Politik und Sport vorgelegt. Gemeinsam soll ein so aussagekräftiges Bild entstehen, dass die Stimme der Fans bei dem wichtigen Thema Nachhaltigkeit von den richtigen Menschen gehört und ernstgenommen wird.
Hertha und Nachhaltigkeit: Im Oktober 2021 äußerte Ex-CEO Carsten Schmidt, dass Hertha eine Zertifizierung als nachhaltiger Verein anstrebe. Das berichtete die dpa. “Ich wäre nicht überrascht, wenn wir im nächsten Jahr einen Nachhaltigkeits-Beauftragten hätten”, sagte der 57-Jährige, “das wird auch ein Geschäftsleitungs-Thema bei Hertha.”
Die instabile Defensive, eine unstrukturierte und planlose Offensive: Nachdem Hertha mit Spielen wie gegen Dortmund oder Bielefeld vor Weihnachten so etwas wie Aufbruchsstimmung entfacht hatte, wurde diese im neuen Jahr schon im Keim wieder erstickt. Eine große Rolle spielen dabei altbekannte Probleme – die auch der neue Trainer Tayfun Korkut offensichtlich nicht in den Griff bekommt.
Viele Trainer haben sich bei Hertha in den vergangenen drei Jahren ausprobiert. Covic, Klinsmann, Nouri, Dárdai und Tayfun Korkut haben dabei alle etwas gemeinsam: Eine klare Spielidee brachten sie nicht mit zu Hertha. In seiner ersten Pressekonferenz beschrieb etwa der aktuelle Trainer Korkut seine Spielphilosophie so, dass er „Spiele gewinnen“ wolle. Darüber hinaus wolle er seine Taktik daran anpassen, was am besten zum Kader passe.
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Auch wenn seine Vorgänger ihre Herangehensweise gegenüber der Öffentlichkeit teilweise anders präsentierten, die Ergebnisse auf dem Platz sehen seit drei Jahren mehr oder weniger gleich aus. Was die Frage aufwirft: Sind Herthas Probleme dadurch begründet, dass Hertha eben Hertha ist? Oder kann man etwas dagegen tun?
Verschiedene Vorbilder in der Bundesliga
Aktuell gibt es in der Bundesliga zwei Vereine, die sich vor nicht allzu langer Zeit in einer ähnlichen Situation wie Hertha befunden haben. Trainerwechsel nach Trainerwechsel, eine sich immer weiter drehende Abwärtsspirale – das dürfte den meisten Köln- oder Mainz-Fans nur allzu bekannt vorkommen. Beide Vereine sind Hertha dabei einen Schritt voraus, aktuell stehen sie nämlich nicht nur tabellarisch deutlich besser da als die Berliner.
Geschafft haben beide Vereine das durch einen Trainerwechsel und der damit einhergehenden Installation einer klaren Spielphilosophie, die sich nicht nur nach Kader oder Gegner richtet. Sowohl Svensson bei Mainz als auch Baumgart in Köln übernahmen dabei Mannschaften, die noch näher am Abgrund standen als Hertha es aktuell tut. Erste Erfolge stellten sich aber bei beiden schnell ein – und das auch, obwohl die Kader nicht perfekt auf den jeweiligen Fußball abgestimmt waren.
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Dass beide Teams dabei vor allem durch ihren Pressingfußball glänzen, ist aber nur Zufall. Andere Mannschaften wie Union oder Bochum zeichnen sich auf andere Art und Weise aus. Und auch in Dárdais erster Amtszeit war Hertha mit einer klaren Philosophie unterwegs.
Was ist ein Plan?
Aber was ist überhaupt eine „Spielphilosophie“? Natürlich gibt es nicht die eine Definition, ein möglicher Erklärungsansatz könnte sich aber zum Beispiel an den vier Phasen eines Fußballspiels nach Louis van Gaal entlanghangeln.
Für jede dieser vier Phasen braucht eine Mannschaft einen klaren Plan, an dem sie sich orientieren kann, und insgesamt müssen sich diese Teilideen zu einer konsistenten und funktionierenden Gesamtidee zusammensetzen lassen. Wenn diese Gesamtidee in jedem Spiel im Großen und Ganzen dieselbe ist, kann man von einer Spielphilosophie sprechen.
Die Kardinalsfrage einer jeden Philosophie ist dabei die Herangehensweise, mit der man sich Tore erarbeiten will. Das Vertrauen in die Fähigkeiten einzelner Spieler ist natürlich eine Möglichkeit – dafür, dass das aber keine besonders gute Idee ist, gibt es in den letzten Jahren bei Hertha aber einige Beispiele.
Bei Hertha sind es dagegen in der jüngeren Vergangenheit nicht nur die Formationen gewesen, die von Woche zu Woche wechselten. Auch die grundlegende taktische Herangehensweise wurde immer wieder verändert – was es den Spielern nicht einfacher machte, sich auf ihre Aufgaben einzustellen.
Mögliche Verbesserungen sind nicht immer offensichtlich
Ein besonders gutes, weil noch sehr präsentes Beispiel ist dabei das Spiel gegen Mainz im Dezember: Hertha ging mit einer eher abwartenden und passiven Haltung ins Spiel, lief die Mainzer also nicht früh an, sondern verharrte eher abwartend in einem flachen 4-4-2.
Bei Ballbesitz sollte die Mannschaft dann in ein 4-Raute-2 umschalten – das gelang allerdings nur äußerst selten, weil die Mainzer nach eigenen Ballverlusten sofort energisch nachsetzten und die Hertha-Spieler keinen Plan hatten, um a) dieses Pressing ins Leere laufen zu lassen und damit b) dem eigenen Mittelfeld genug Zeit zu geben, sich zur Raute umzustrukturieren.
(Photo by Alex Grimm/Getty Images)
Auch beim „Mentalitätsproblem“, das bei Hertha immer wieder gerne angeführt wird, könnte ein klarer Plan etwas ändern. Weder der Mainzer noch der Kölner Kader waren vor zwei Jahren als Mentalitätsmannschaften verschrien. Durch ihre klaren taktischen Marschrouten fällt es den Spielern dort aktuell aber leichter, auch bei Rückschlagen an den eigenen Erfolg zu glauben.
Dass eine Spielphilosophie auch Herthas Defensive stabilisieren und der Offensive zu mehr Gefahr verhelfen könnte, steht dabei eigentlich außer Frage. Die Qualität im Kader ist abgesehen von der Rechtsverteidigerposition ähnlich hoch wie bei anderen Mittelklasse-Bundesligisten, nur macht Hertha aktuell zu wenig aus den Stärken seiner Einzelspieler.
Trotzdem, und das zeigt spätestens das Scheitern von Bruno Labbadia bei Hertha, muss auch eine gewisse Kompatibilität zwischen Kader und Spielphilosophie gegeben sein. Ein Gedanke, den Fredi Bobic bei der Trainersuche mit Sicherheit im Hinterkopf behalten wird.
Sollte im Sommer ein Trainer mit einer ähnlichen Pressing-Philosophie wie Baumgart oder Svensson übernehmen, würde sich zum Beispiel die Frage stellen, wie man Ishak Belfodil in ein solches System integriert. Verpflichtungen wie Marco Richter oder Suat Serdar im vergangenen Sommer deuten aber daraufhin, dass Bobic einen solchen Stil favorisieren könnte.
(Photo by Joosep Martinson/Getty Images)
Falls Hertha das Spiel dagegen mehr über den eigenen Ballbesitz definieren möchte, fehlt eigentlich ein Organisator im Mittelfeld. Eine Rolle, die vielleicht Lucas Tousart ausfüllen könnte, sollte er nach bisher anderthalb durchwachsenen Jahren seine Form aus Vor-Hertha-Zeiten wiederfinden. Dafür könnten sich Jurgen Ekkelenkamp oder auch Fredrik Bjørkan in einem solchen System wohlfühlen, weil sie bei ihren alten Vereinen viel Ballbesitz und Dominanz gewöhnt waren.
Insgesamt zeigt aber der Blick nach Köln und Mainz, das Spieler auch in neue Rollen hineinwachsen und sich auch im höheren Fußballalter noch weiterentwickeln können. Nötig ist dafür vor allem ein Trainer, der ihnen eine Entwicklung zutraut, ihnen spezifische Aufgaben gibt und sie dabei unterstützt, mit ihren Herausforderungen umzugehen.
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