Hertha – Frankfurt: Drei Schlüsselduelle

Hertha – Frankfurt: Drei Schlüsselduelle

Hertha ist neben dem VfB Stuttgart das einzige Team im deutschen Oberhaus, das im Kalenderjahr 2022 noch auf den ersten Liga-Sieg wartet. Am Samstag soll es gegen die SG Eintracht Frankfurt im heimischen Olympiastadion endlich klappen. Auf welche Duelle es in der Partie gegen die Hessen, die ihrerseits selber erst bei einem Sieg stehen, ankommen kann, lest ihr hier.

Alles neu in Frankfurt

Viel los war im Sommer bei der Eintracht. Trainer Adi Hütter verabschiedete sich nach Mönchengladbach, Sportvorstand Fredi Bobic zog es nach Berlin und Sportdirektor Bruno Hübner verließ den Verein, um sich privaten Dingen zu widmen. Schon damals betonte Vorstandssprecher Axel Hellmann, dass man nicht in Panik verfallen würde, sondern die Positionen klug besetzen wird. Auf der wichtigsten, der Trainerposition, verpflichtete man mit Oliver Glasner die Wunschlösung. Schließlich hatte der Österreicher sein Können nicht zuletzt unter Beweis gestellt, als er den VfL Wolfsburg in der letzten Saison in die Champions League-Qualifikation geführt hatte.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Die Premierensaison Glasers verläuft indes wie die oft zitierte Achterbahnfahrt. In der Europa League souveräner Gruppenerster, doch in der Liga standen nach elf Spieltagen erst zwei Siege. Auf eine starke Serie mit sechs Siegen aus sieben Ligaspielen zum Jahresausklang folgte in diesem Jahr bis dato erst ein Sieg, zuletzt blieb man sogar dreimal in Serie ohne eigenen Treffer.

Taktisch agiert man variabel, mal mit Doppelspitze, mal mit einem alleinigen Stürmer und wahlweise zwei hängenden Spitzen. Grundlage sind immer drei Innenverteidiger, Schienenspieler auf den Außen und ein robustes zentrales Mittelfeld.

Filip Kostic: Frankfurts Schlüsselspieler

Im Angriffsspiel der Frankfurter ist ein klarer Flankenfokus zu erkennen. Die viertmeisten Flanken aus dem Spiel schlägt man ligaweit. Maßgeblich dafür sorgt Filip Kostic, der sowohl als linker Schienenspieler, als auch als offensiver Flügelspieler aufgestellt werden kann. Durch die Gelbsperre von Christopher Lenz wird Kostic gegen Hertha sicher als Schienenspieler agieren.

6,8 Flanken schlägt Kostic durchschnittlich pro 90 Minuten, ein Top-1%-Wert der Liga. Dabei kommt er auf 0,37 Expected Assists, gehört auch damit auf seiner Position zu den besten ein Prozent. Klar ist: Wenn Kostic am Angriff beteiligt ist, wird’s meist gefährlich. 4,43 schusskreierende Aktionen liefert er pro 90 Minuten, 3,09 Schlüsselpässe spielt er.

Auf bereits sieben Assists nebst drei eigenen Treffern kommt Kostic in dieser Spielzeit. 1,96 Schüsse pro Spiel nimmt er sich durchschnittlich. Auch wenn sein letzter Treffer vom 12. Spieltag datiert, darf man Kostic den Raum zum schießen nicht geben, mit seinem linken Fuß ist er brandgefährlich.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Peter Pekarik wird es bei Filip Kostic mit einem der offensivstärksten Außenverteidiger der Liga zu tun haben. Herthas Rechtsverteidiger muss dafür sorgen, dass Kostic dauerhaft unter Druck steht. Hierfür wird auch die Mithilfe des Mittelfelds entscheidend sein. Durchschnittlich 50,73 Pässe spielt Kostic, nur 7,21 davon unter Druck. Hält man diesen hoch, kann man auch ihn weitgehend aus dem Spiel nehmen. Dazu ist es wichtig, ihn nach Ballgewinnen schnell zu überspielen. Denn übt Kostic im offensiven Drittel noch 4,53 Mal pro Spiel Druck aus (top 9% der Liga), sind es im mittleren Drittel nur noch 5,77 Mal (top 35%) und im defensiven Drittel nur 5,1 Mal (gerade einmal top 72%).

So stark die offensiven Qualitäten, mitunter leiden die defensiven. Lediglich 1,44 Tacklings liefert Kostic durchschnittlich, hat 1,13 geblockte Bälle und 0,57 klärende Aktionen. Es gilt für Hertha also, ihm in der eigenen Hälfte Dauerdruck zu bieten und defensiv zu fordern. Dann kann man aus Frankfurts gefährlichstem Spieler womöglich einen eigenen Vorteil ziehen.

Rafael Borré: Frankfurts erster Verteidiger

Luka Jovic, Sébastien Haller, André Silva: In den letzten Jahren war das Spiel der Eintracht immer von herausragenden Stürmern gezeichnet. Dass man sich derzeit auf Tabellenplatz zehn wiederfindet, hängt auch damit zusammen, dass man es in dieser Spielzeit nicht geschafft hat, den Abgang Silvas nach Leipzig ansatzweise gleichwertig in der Torgefahr zu ersetzen.

Gesetzter Mittelstürmer ist der Neuzugang Rafael Borré, der auf aktuell sechs Saisontore kommt. Und seine Offensiv-Statistiken lesen sich wahrlich nicht wie die eines Spitzenspielers. 1,99 Schüsse nimmt er sich pro 90 Minuten gerade einmal und liegt bei 0,37 Expected Goals. Dazu kommen 0,14 Expected Assists – auch der Stürmer, der seine Mitspieler laufend in Szene setzt, ist Borré nicht. 1,47 progressive Pässe liefert er, spielt im Durchschnitt 0,78 Pässe in den Strafraum und 0,92 Schlüsselpässe. Alles Statistiken, die im ligaweiten Stürmer-Vergleich nicht mal für die bessere Hälfte reichen.

Doch Borré als unterdurchschnittlichen Bundesliga-Stürmer abzutun, wäre grundlegend falsch. Vielmehr ereilt ihn in seinen Zahlen das Schicksal des Tüchtigen. Denn beim genaueren Hinschauen zeigen sich Borrés Stärken.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

25,96 Mal pro Spiel übt er durchschnittlich Druck auf den Gegner aus (top 1% im Ligavergleich), davon 12,96 Mal im letzten Drittel (ebenfalls top 1%). 7,85 Mal erobert Frankfurt durch seinen Druck innerhalb der nächsten fünf Sekunden den Ball (top 4%). 1,14 erfolgreiche Tacklings liefert er (ebenfalls top 4%). Hinzu kommt, dass er tief mitarbeitet, übt selbst im mittleren Drittel noch durchschnittlich 11,24 Mal pro Spiel Druck aus.

Borré ist gerade gegen den Ball eine Waffe, sorgt immer wieder für Balleroberungen und Umschaltmomente Frankfurts, wovon mitunter die Mittelfeldspieler Jesper Linsdström und Daichi Kamada profitieren. Borré ist sowas wie Frankfurts erster Verteidiger, da er gegen den Ball extrem wichtig und statistisch gesehen auch herausragend gut ist.

Für Herthas Defensive heißt es, bei Balleroberungen und im Aufbauspiel stets hochkonzentriert zu bleiben, um dem ausgeübten Druck nicht zum Opfer zu fallen und den nächsten Frankfurter Angriff zu verursachen.

Die Dreierkette: Erkennbarer Leistungsabfall

36 Gegentore hat Eintracht Frankfurt in der laufenden Bundesliga-Saison kassiert – zu viel für die eigenen Ansprüche, besonders, wenn man sie den 33 eigenen geschossenen gegenüberstellt. Auch wenn Frankfurt zum selben Zeitpunkt in der letzten Saison nur ein paar Tore weniger kassiert hatte, wirkte die Defensive zuletzt doch etwas unsicher. Sinnbildlich hierfür steht Martin Hinteregger.

„Hinti“ galt lange als sichere Bank in der Dreier-Innenverteidigung, doch in dieser Spielzeit läuft es beim Österreicher nicht mehr so rund. Kam er in der letzten Spielzeit noch auf durchschnittlich 1,53 erfolgreiche Tacklings pro Spiel, sind es in dieser Saison nur 1,18. Übte er vergangene Saison noch 7,27 Mal im defensiven Drittel Druck aus, sind es aktuell nur 5,78.

Auch im Spiel von hinten raus nehmen seine Statistiken deutlich ab. Spielte er 2020/21 noch 55,56 erfolgreiche Pässe pro Spiel, sind es derzeit nur 40,13. Sein für einen Innenverteidiger überragender Wert von 5,45 progressiven Pässen ist auf 2,62 gesunken.

(Photo by Alexander Scheuber/Getty Images)

Dazu kommen immer wieder individuelle Fehler, wie im Spiel gegen den VfL Wolfsburg am 23. Spieltag, als er bei der 0:2-Niederlage einen Elfmeter verursachte und beim zweiten Gegentor einen zu kurzen Rückpass spielte, den Dodi Lukebakio dankend annahm und einschoss.

Mit Makoto Hasebe steht den Frankfurtern zwar eine Alternative zur Verfügung, doch für 90 Minuten dürfte es beim zuletzt verletzten Frankfurter Kapitän nicht reichen.

Es wird an der Herthaner Offensive, besonders an Stevan Jovetic Ishak Belfodil, liegen, Hinteregger immer wieder im Aufbau zu stören und zu Fehlern zu zwingen. Mit ihrer Erfahrung können sie erkennen, wann es an der Zeit ist, entscheidend Druck auszuüben. Dazu zeigt Hinteregger Schwächen im Verteidigen von Dribblings – genau hier können Jovetic und Belfodil ihre Stärken ausspielen.

Es sei aber auch vor der Qualität Hintereggers gewarnt, 5,62 klärende Aktionen und 1,66 geblockte Pässe zeigen: Er ist ein aufmerksamer Verteidiger, der sich immer wieder in Aktionen reinarbeiten kann.

[Titelbild: Alex Grimm/Getty Images]

Eine Hertha – Zwei Meinungen: Das Zwischenzeugnis für Fredi Bobic

Eine Hertha – Zwei Meinungen: Das Zwischenzeugnis für Fredi Bobic

In dieser neuen Rubrik werden wir in Zukunft regelmäßig Themen beleuchten, bei denen es kein Schwarz oder Weiß gibt. Dazu wird immer ein Redakteur die Pro-Seite und ein anderer die Contra-Seite vertreten. Den Anfang machen wir mit einer vorläufigen Analyse von Fredi Bobics Arbeit. Anhand von drei Thesen bewerten wir das bisherige Wirken des neuen starken Mannes bei Hertha, wobei Alex die Rolle des „Anklägers“ und Johannes die des „Verteidigers“ einnimmt.

Anklagepunkt 1: Der Kader wurde im Sommer massiv verschlechtert

Als die Verpflichtung Fredi Bobics bekanntgegeben wurde, war die Hoffnung groß, dass seine internationalen Kontakte zukünftig Spieler des Kalibers Haller, Jovic und Rebic hervorbringen würden. Nach den ersten zwei Transferphasen ist man davon meilenweit entfernt. Statt die Schwachstellen des Kaders auszumerzen, wurden in Matheus Cunha und Jhon Córdoba die beiden mit Abstand gefährlichsten Offensivakteure der Vorsaison veräußert. Die dadurch generierten Einnahmen machen den sportlichen Verlust nicht wett. Dass man darüber hinaus auch noch Javairo Dilrôsun und Dodi Lukebakio per Leihe (also ohne satten Transfererlös) abgab, erschließt sich beim besten Willen nicht.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Klar darf man zu beiden Spielern geteilter Meinung sein, aber hier wurde ohne Not eine Lücke auf den offensiven Flügeln geschaffen, die zu Saisonbeginn dafür sorgte, dass Dennis Jastrzembski, der im Vorjahr noch in der 3. Liga spielte, aushelfen musste. Wo in der Saison 20/21 noch Córdoba knipste, ging man aufgrund der Verletzung Piąteks zunächst mit Davie Selke, dessen Torgefahr vor Jahren auf der Strecke geblieben ist, als Stürmer Nummer eins in die Saison. Zwar wurden die Lücken in Person von Ishak Belfodil und Stevan Jovetić noch geschlossen. Besonders Letzterer kann aber in dieser Saison nur als Teilzeitkraft eingeplant werden – verpasste bereits acht Spiele verletzungsbedingt. Auch das seit Jahren klaffende Qualitätsproblem auf den Außenverteidigerpositionen wurde nicht behoben. Unter dem Strich bleibt damit ein Kader, der im Vergleich zum Vorjahr deutlich an Qualität verloren hat – was fatal ist, wenn man bedenkt, dass man mit ebenjenem Kader beinahe abgestiegen wäre – und der sich nun erneut in einem viel zu großen Umbruch befindet.

Einer Mannschaft, der zuvor bereits eine Achse gefehlt hat, um die elementaren Leistungsträger zu berauben, in der Hoffnung, dies mit „Mentalität“ wettmachen zu können, zeugt von Naivität. In Frankfurt wurde er zwar mit einem Team, das gespickt war von diesem Typus, Pokalsieger. Allerdings war ein Kevin Prince-Boateng zu diesem Zeitpunkt auch noch schlappe vier Jahre jünger und in der Blüte seines Schaffens, während er aktuell – nun ja…

Entlastungsargument: Bobic hat den Kader mit Bedacht verändert und auf Langfristigkeit ausgerichtet

Als Fredi Bobic bei Hertha BSC unterschrieben hat, war ihm die finanzielle Lage des Vereins nicht bekannt. So viel wissen wir mittlerweile. Es wäre durchaus möglich gewesen, bei stabileren Finanzen Spieler größeren Kalibers zu verpflichten. Somit war Fredi Bobic gezwungen, Gelder einzunehmen und musste zusätzlich den Kader nach der Mentalität ordnen. Es ergab absolut Sinn, sich von Spielern wie Matheus Cunha und Jhon Córdoba zu trennen, deren Qualität weit über dem Durchschnitt des Kaders lag und deren Ziele andere waren, als die der Hertha, weshalb man sich gerade im persönlichen Bereich bereits auseinandergelebt hatte. Ebenfalls mangelte es Dodi Lukabakio erheblich an Motivation und Javairo Dilrôsun konnte sein Talent nur selten und niemals konstant für Hertha abrufen.

Mit Cunha und Córdoba verließen Hertha im Sommer die zwei Top-Scorer der Vorsaison. (SOEREN STACHE/POOL/AFP via Getty Images)

Jessic Ngankam brauchte Spielpraxis, welche er bei Fürth ohne seinen Kreuzbandriss ohne Zweifel bekommen hätte. Auch in Hinblick auf die Konkurrenz im Sturm bei Hertha, wo im Sommer mit Stevan Jovetic, Ishak Belfodil, Krzystof Piątek und Davie Selke vier Stürmer in der Hierarchie über ihm standen, ergab die Leihe nur Sinn. Der Corona-bedingt schwierige Markt, die vielen personellen Umstellungen im Verein und das generelle Gewitter um den Verein, welches seit 2019 anhält, machen es keiner agierenden Person leicht. Fredi Bobic hat ohne zu meckern seine Arbeit versucht zu erledigen.

Mit Kevin-Prince Boateng wurde ein Lautsprecher fürs Team geholt, Marco Richter ist mit Stevan Jovetic und Ishak Belfodil eine weitere torgefährliche Komponente im Sturm. Suat Serdar ist einer der besten Spieler der Bundesliga im zentralen Mittelfeld und hat das Potential, in der Nationalmannschaft zu spielen. Jurgen Ekkelenkamp, Oliver Christensen, Frederik-André Björkan und Dong-Jun Lee, sowie Kevin Nsona und zahlreiche Jugendspieler, die in den letzten Wochen Profiverträge unterschrieben haben, zeigen in welche Richtung der Kader für die Zukunft verändert werden soll.

Anklagepunkt 2: Die Entlassung von Pál Dárdai war ohne Not – und ohne Alternativplan

Bobics undurchdachte Trainerentscheidungen waren schon zu seiner Zeit in Stuttgart ein großer Kritikpunkt an seiner Arbeit. Jetzt droht sich dieses Muster zu wiederholen. An Spieltag 13, obwohl man nicht auf einem Abstiegsplatz stand, Pál Dárdai zu entlassen, war eine Kurzschlusshandlung, die viel zu früh erfolgte. Eine Trainerentlassung sollte immer die letzte Maßnahme sein, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das Spiel gegen Augsburg, nachdem Dárdai seinen Hut nehmen musste, war eines der besseren der Hinrunde. Statt darauf aufzubauen, hat man nun ohne Not den Mann freigestellt, der schon mehrfach bewiesen hat, dass er Abstiegskampf kann.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Eine derart gravierende Entscheidung darf nur getroffen werden, wenn man ein Ass im Ärmel hat. Ist die Nachbesetzung jedoch ein Trainer ist, der zuvor drei Jahre lang ohne Anstellung blieb und auch bei seinen vorherigen Stationen nicht zu überzeugen wusste, dann ist dies schlichtweg unverantwortlich. Wenn Bobics so gut gefülltes Telefonbuch am Ende zu solch einem Ergebnis führt, kann man nur hoffen, dass er sich bis zum Sommer eine neue Kontaktliste anlegt.

Entlastungsargument: Die Entlassung von Pál Dárdai war der richtige Schritt – Tayfun Korkut die Notlösung

Unter Dárdai gab es keinerlei Entwicklung des Teams. Es fehlte gänzlich der Spielplan und die Idee, wie man ein Spiel gewinnen sollte. Das einzige, was ihn gehalten hatte, war der Name und sein Legendenstatus. Hätte Fredi Bobic die Chance gehabt, hätte er sich bereits im Sommer von ihm trennen wollen und Hertha mit einem gestandenen Trainer ausstatten können. Doch der Klassenerhalt in der letzten Saison ermöglichte dem Trainerteam eine Vertragsverlängerung, weshalb in dieser Hinsicht Bobic die Hände gebunden waren.

Der Trainerwechsel hin zu Korkut brachte bislang nicht den erwünschten Effekt. (Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Die Trennung hätte vermutlich sogar noch früher erfolgen können, was aber aufgrund fehlenden Interesses verschiedener Trainer nicht möglich war umzusetzen. Tayfun Korkut war die Notlösung. Dieser hatte durch seine letzte Station beim VfB Stuttgart durchaus Argumente auf seiner Seite, ein Team aus einer Krise zu führen. Dass der Trainerwechsel letztendlich nicht gefruchtet hat, ist nicht der Fehler Fredi Bobics. Noch hat er eine weitere Patrone, um einen Trainer-Wechsel zu ermöglichen.

Anklagepunkt 3: Bobic fehlt das Korrektiv – und sein wichtigster Mann

Der Rekordspieler entlassen, Zecke Neuendorf im Gleichschritt und Arne Friedrich räumt auf eigenen Wunsch ab Sommer sein Büro in der Hanns-Braun-Straße. Hinzu kommen die Abgänge vom ehemaligen Leiter der Fußballakademie Benjamin Weber und dem langjährigen Nachwuchstrainer und einstigem Hertha-Spieler Michael Hartmann. Bobic darf nicht den Fehler machen, dass der Verein auf Schlüsselpositionen zu beliebig wird und die Identifikation verloren geht. Es braucht Leute, die Hertha BSC und seine Interessen kennen und hochhalten.

In Frankfurt hat dieses Gespann um starke Personen wie Axel Hellmann und Bruno Hübner dafür gesorgt, dass Bobic Korrektive hatte, die im Ernstfall auch mal Widerrede leisten konnten. Ob ein Dirk Dufner, der ähnlich wie Tayfun Korkut ohne das Zutun von Bobic wohl nicht mehr an eine derart verantwortungsvolle Position bei einem Bundesligisten gekommen wäre, diese Person sein kann, darf zumindest angezweifelt werden. Welche Auswirkungen es haben kann, wenn ein einzelner Mann zu viel Verantwortung trägt, ohne dass ihm jemand über die Schulter schaut, sollten zwölf Jahre Michael Preetz gelehrt haben.

Entlastungsargument: Bobic musste mit schwierigen Witterungsbedingungen umgehen

Die Zeit in Berlin ist seit seinem Amtsantritt noch stark vom Chaos begleitet. Aber ob das wirklich an ihm liegt, darf bezweifelt werden. Pablo Thiam, der für den Nachwuchs zuständig ist, hat sich mittlerweile als eloquenter Zeitgenosse, mit viel Fachwissen gezeigt und durch Einstellungen verschiedener Personen auf zum Teil neu geschaffene Posten, bricht Bobic alte Strukturen auf. Etwas, was es seit zwölf Jahren bei Hertha nicht mehr gegeben hatte und deshalb Zeit braucht. Möglicherweise ist die Strategie des Vereins, das auch intern zu halten.

In Frankfurt stand Bobic auch für unangenehme Entscheidungen – die in der Regel jedoch in Erfolg resultierten. (Frederic Scheidemann/Getty Images)

Zusätzlich ist mit Carsten Schmidt ein extrem wichtiges Glied aus der Vorstandsriege aus privaten Gründen zurückgetreten. Die Aufgaben seines Bereichs werden seitdem von Bobic aufgefangen, was einen nicht unbeträchtlichen Teil der Arbeit einnimmt.

Fredi Bobic steht für unpopuläre Entscheidungen und wurde dafür schon in Frankfurt kritisiert. Der langfristige Erfolg gab ihm schlussendlich aber recht. Die Frankfurter Eintracht stieg im ersten Jahr beinahe ab, konnte damals noch durch den letztendlich maximal erfolgreichen Niko Kovac gerettet werden. In Frankfurt wurde der Vertrag der Eintracht-Legende Alexander Meier nicht mehr verlängert, mit Adi Hütter holte er einen in Deutschland unbekannten Trainer. Zusätzlich war seine Zeit in Frankfurt zunächst vor der Corona-Pandemie und ließ mehr Flexibilität zu. Einen Erfolg, den er in Frankfurt hatte, konnte er außerdem bereits bei der Hertha verzeichnen. Ähnlich wie Filip Kostic, verpflichtete er mit Ishak Belfodil einen Spieler, der als gescheitert galt und mittlerweile zu den unverzichtbaren Leistungsspielern gehört.

Titelbild: Maja Hitij/Getty Images

Podcast #182 Schrödingers brutaler Trainer

Podcast #182 Schrödingers brutaler Trainer

Wir besprechen das Spiel gegen den SC Freiburg und ziehen ein weiteres Zwischenfazit der Arbeit von Fredi Bobic. Wir versuchen die Frage zu beantworten: Was kann Hertha BSC jetzt noch tun, um einen Impuls zu setzen, bzw. Ein Momentum zu kreieren?

Wir wünschen euch viel Spaß und freuen uns über eure Kommentare. Wir lassen uns die Laune nicht verderben!

Teilt den Podcast gerne mit euren Freund*innen, der Familie oder Bekannten. Wir freuen uns über alle Hörer*innen.

#hahohe #podcast #herthabsc #bundesliga #herthabase

HIER GEHTS ZU UNSEREM DISCORD: https://discord.gg/CyzqXTN3Yp

SPOTIFY AUSWÄRTSFAHRT PLAYLIST: https://tinyurl.com/y9s79eqp 

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Herthaner des Monats (Feb 2022): Linus Gechter

Herthaner des Monats (Feb 2022): Linus Gechter

Der Februar 2022 war ein weiterer ernüchternder und siegloser Monat aus Hertha-Sicht. Ein Monat, in dem die Schwächen des Kaders einmal mehr gnadenlos offensichtlich wurden. Immerhin einer konnte den Februar dennoch nutzen, um sich sportlich nachhaltig zu empfehlen: Linus Gechter ist Hertha BASE-Herthaner des Monats.

Ein Monat der Premieren für Gechter

Es war ein Monat der Premieren für den am 27. Februar 18 Jahre alt gewordenen Gechter. Nicht alle waren schön, doch als Mensch und Sportler werden ihn alle weiterbringen. Da wäre zum Beispiel sein erster verursachter Foulelfmeter in der Fußball-Bundesliga, im Spiel gegen den SC Freiburg. Für einen Verteidiger immer eine bittere Erfahrung, das Gefühl zu haben, an einem Gegentor durch ein Foul- oder Handspiel Schuld zu sein. Zur Wahrheit bei Gechters erstem verursachten Strafstoß gehört aber auch, dass der Pfiff sich als Fehlentscheidung herausstellte.

Eine bedeutend schönere Premiere feierte er da zwei Wochen vorher, mit seinem ersten Bundesliga-Tor gegen Greuter Fürth. Bei vielen Teams ist es Brauch, dass junge Spieler nach ihrem ersten Tor ein Mannschaftsessen ausgeben oder zumindest einen Kasten Bier in die Kabine stellen.

Doch für den Umstand, dass Gechter sein erstes Bundesliga-Tor mit gerade einmal 17 Jahren nicht in aller Euphorie und mit den mitgereisten Fans feiern konnte, sondern den Ball aus dem Tor holte um schnell weiter zu spielen, muss ihm eigentlich jeder einzelne Mitspieler ein Abendessen spendieren. War es schließlich Gechter, der Hertha mit zwei auf der Linie geklärten Bällen überhaupt erst im Spiel hielt. Am Ende sollte allerdings auch sein Tor nichts mehr an der Niederlage ändern.

“Mit 17 ins kalte Wasser geworfen und gut abgeliefert”

Drei seiner vier Startelfeinsätze im deutschen Oberhaus hatte Gechter im Februar, die Tendenz zeigt für ihn in die richtige Richtung. Dass mit Marton Dardai, Dedryck Boyata, Marc Oliver Kempf und Niklas Stark reihenweise Innenverteidiger ausfielen, begünstigte seine Einsätze zwar. Er erwies sich trotz seines jungen Alters jedoch als absolut würdiger Vertreter.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Auch von den Fans gibt es dafür Wertschätzung. „Für sein Alter sehr abgeklärt in seinen Aktionen und geht im richtigen Moment auch mal mit Ball am Fuß in die gegnerische Hälfte, wenn der Aufbau von hinten nicht geht“, lobt Twitter-User @a_sucrow. Für @nikkristoffer war beeindruckend, dass Gechter dem Druck standhielt, als er durchspielen musste, schon allein, weil Tayfun Korkut keine Alternative zur Verfügung hatte: „Gechter hat keine Chance bekommen und wäre bei schlechten Leistungen wieder raus gewesen, sondern musste praktisch spielen und sich der Situation annehmen.“ – „Mit 17 ins kalte Wasser geworfen und hat gut abgeliefert“, fasst es @mr_taylor83 zusammen.

Gechter erstmal wieder in der zweiten Reihe?

„Er ist motiviert, gibt extrem viel und hat trotz seines Alters eine echt gute Ballbehandlung und Übersicht“, sagt @HAUherthabsc zum Spiel Gechters. Auch Führungsqualitäten lässt er im jungen Alter durchblicken, wie @princeofbel_in findet: „Er war direkt da, als er in die Startelf geworfen werden musste, springt für unsere beiden Kapitäne ein und man wird das Gefühl nicht los, dass er mit 18 bessere Führungsqualitäten als unsere anderen Innenverteidiger hat. Macht er weiter so, ist er bald unverzichtbar.“ @BscJessy wirft außerdem neben Gechter den Namen Marcel Lotka ins Rennen, der als nomineller fünfter Torwart gegen den SC Freiburg spielte: „Für ihr Alter haben sie einen super Einstand gehabt. Das macht Lust auf mehr.“

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Trotz der zuletzt ansprechenden Leistungen wird sich Gechter in den kommenden Woche sicherlich auch wieder auf der Bank wiederfinden. Die weiteren Innenverteidiger kommen von Sperren, Verletzungen und Corona-Erkrankungen zurück und nicht selten setzen Trainer im Kampf gegen den Abstieg primär auf Erfahrung. Doch Gechter hat sich als Alternative empfohlen und gezeigt, dass er bereit für die Bundesliga ist.

[Titelbild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Es wird immer dunkler

Herthaner im Fokus: Es wird immer dunkler

Zu aller erst: Wir befinden uns in Zeiten, in denen es schwer ist, sich auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren. Es fühlt sich nicht richtig an, Fußball zu schauen und die Spiele zu analysieren, während ein paar hundert Kilometer entfernt ein Krieg in Europa wütet, der Menschenleben kostet. Ich denke ich kann für die gesamte Redaktion sagen, dass wir uns mit der Ukraine und den dort lebenden Menschen solidarisch zeigen. Und auch wenn es schwerfällt, wollen wir alle versuchen unser Leben normal zu gestalten und uns wie euch die Freude machen, weiter Texte zu schreiben.

Das Spiel gegen den SC Freiburg stand ganz im Zeichen des Krieges in der Ukraine. Vor dem Spiel gab es, wie in jedem Bundesligastadion, eine Minute, in der an den Schrecken und den Menschen in Osteuropa gedacht wurde.

Hertha: Vieles neu und dann doch das Alte

Sportlich scheint die Talfahrt für die Hertha kein Ende zu nehmen. Auch im Breisgau konnte sich die Mannschaft nicht aus der schweren Krise befreien und verlor letztendlich verdient mit 0:3. Wie schon gegen Leipzig schickte Trainer Tayfun Korkut seine Mannschaft im 4-3-3 aufs Feld. Aufgrund der roten Karte für Marc Oliver Kempf gegen Leipzig war er wieder einmal gezwungen die Innenverteidigung umzustellen. Und um es vorweg zu nehmen, möglicherweise muss er nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Linus Gechter auch im nächsten Spiel auf eine neue Innenverteidigung bauen. Kapitän Dedryck Boyata startete neben dem Youngster. Außerdem begann Suat Serdar an Stelle von Santiago Ascacibar, der sich 90 Minuten lang mit der Bank zufriedenstellen musste.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Während Hertha wieder einmal nur schleppend in die Gänge kam, viel Energie für normalerweise einfachste Schritte aufbringen musste und auch vom Trainer und den Jokern keinerlei nennenswerten Aufschwung erlangen konnte, musst man sich auch mit kritischen Schiedsrichterentscheidungen auseinandersetzen. Das Spiel war zwölf Minuten alt, als Linus Gechter anscheinend Rolland Sallai zu Fall brachte, entscheidend aufklären konnte man die Situation nicht. Die Entscheidung des Schiris war Elfmeter. Lange war das Spiel offen, doch selbst eine durchschnittliche Freiburger Mannschaft war am Ende der relativ deutliche Sieger, gegen eine einfach qualitativ schwache Berliner Mannschaft.

Aber sei es drum. Wir schauen heute auf ein trotz drei Gegentoren gelungenes Debüt, auf eine überraschend gute Leistung, wer anscheinend zu viel mit Starallüren beschäftigt ist und wie sich die Winter-Neuzugänge im Team einfügen konnten. Und ab wann darf man eigentlich die Trainerfrage stellen?

Marcel Lotka: Die gesuchte Nummer eins für Hertha?

Der 5. Torhüter in der Hierarchie im Verein ist 20 Jahre alt und spielt sonst in der 2. Mannschaft von Hertha BSC. Wie in der gesamten Mannschaft ist die Torhüter-Situation extrem prekär. Doch möglicherweise war diese Notsituation ein zukünftiges Glück für Hertha. Nachdem Alexander Schwolow sich mit Corona abgemeldet hatte und Rune Jarstein sowieso seit Monaten nicht einsatzfähig ist und seit letzter Woche auch Oliver Christensen mit muskulären Problemen ausfällt, sollte nun eigentlich die Zeit von Eigengewächs Nils-Jonathan Körber schlagen. Doch es scheint so, als würde er weiter auf sein Bundesliga-Debüt warten müssen, denn auch für dieses Spiel wurde er nicht rechtzeitig fit und musste wieder einmal nur auf der Bank sitzen.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Also stand recht überraschend mit Marcel Lotka ein noch jüngerer Mann zwischen den Pfosten und wurde praktisch ins kalte Wasser geworfen. Und er machte es gut. Sogar sehr gut. Auch wenn er drei Tore kassierte, an denen er herzlich wenig ausrichten konnte, wurde er zu zwei Weltklasse-Paraden gezwungen. Den Freistoß von Vincenzo Grifo in der 6. Minute lenkte er mit den Fingerspitzen über die Latte, in der 34. Minute parierte er spektakulär nach einem wuchtigen Abschluss von Maximilian Eggestein. Zusätzlich kam er auf 77 Prozent Passquote, konnte viele Bälle verteilen und hatte eine starke Ausstrahlung. Er pushte seine Mitspieler, kommandierte, motivierte, war emotional. In der 49. Minute unterlief ihm ein Fehlpass, bei einem Ausflug aus dem Strafraum raus, der glücklicherweise unbestraft blieb. Es war sein größter Fehler im Spiel.

Möglicherweise haben wir Herthaner hier einen Torhüterwechsel auf längere Zeit mit ansehen können. Verdient hätte es sich Lotka allemal, wo doch Schwolow seit Wochen im Formtief steckt.

Lucas Tousart: Einer der wenigen Ausreißer nach oben

Der Franzose hatte gegen die Freiburger tatsächlich einen guten Tag. Ein Ausreißer, den man nur selten von ihm bekommt. Zu oft wurde er positionsfremd eingesetzt oder konnte dem Team nicht die gewünschte Stabilität geben. Und auch wenn er ein gutes Spiel zeigte, befinden wir uns immernoch auf einem recht mäßigen Niveau.

Aber er bemühte sich. Mit zwei Torschüssen und einer Torschussvorlage konnte er sich zum Teil ins Offensivspiel einbinden, verteilte dazu 44 Bälle, von denen immerhin 84 Prozent den Mitspieler fanden. Mit acht langen Bällen versuchte er von hinten Druck aufzubauen, sieben davon kamen an. Und auch hinten konnte er ein ums andere Mal aushelfen, klärte vier Situationen und fing dreimal den Ball von seinen Gegenspielern ab.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Seine Passsicherheit verhalf dem Team lange zu Stabilität und Sicherheit, doch auch er konnte in den Schlussminuten nur noch wenig Gegenwehr leisten, als die Mannschaft aufmachte und das 0:2 und 0:3 kassierte. Kann Tousart an diese Leistung anknüpfen und sie konstant aufs Feld bringen, wäre er die gewünschte Zentrale des Teams.

Stevan Jovetic: Zu wenig Jovetic, zu viel Cunha

Es ist frustrierend. Stevan Jovetic ist der wohl beste Spieler des Teams und immer für einen genialen Moment gut, noch dazu Herthas bester Torschütze der Saison mit sechs Bundesligatreffern. Gegen Freiburg erarbeitete er sich vier Torschüsse, bereitete drei Torschüsse zusätzlich vor. Insbesondere sein traumhafter Pass auf Peter Pekarik in der 38. Minute zeigte wieder einmal seine Genialität, Übersicht und Technik am Ball. Der Rechtverteidiger scheiterte am herausstürmenden Keeper Mark Flekken. Ein Tor hätte der Mannschaft zu dem Zeitpunkt sicherlich gutgetan.

Doch Jovetics Genialität hat auch ihre Kehrseiten. Der Montenegriner wirkt seit Wochen schwer frustriert, lamentiert, diskutiert, wirkt zu oft demotiviert und nicht wie ein Teil des Teams. In der 24. Minute sah er schon von Schiri Jablonski die gelbe Karte, wollte die Entscheidung nicht wahrhaben, diskutierte und stand oft nahe einer weiteren Karte, die einen Platzverweis bedeutet hätte.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

In der 80. Minute verlor er in der eigenen Hälfte nach einem schwachen Zweikampfverhalten den Ball, ermöglichte den Freiburgern so eine riesige Torchance. Er selbst setzte nicht nach, sondern blieb bis Ende der Aktion einfach frustriert auf dem Rasen sitzen.

Seine Verhalten hat viel von dem, was in der letzten Saison über weite Strecken das Dilemma mit Matheus Cunha war, der ebenfalls der Star der Mannschaft war. Mental schien der dem Abstiegskampf nicht gewachsen, die Mannschaft war nur leider zu abhängig von seinem spielerischen Talent. Ähnlich wie aktuell mit Jovetic.

Fredrik-André Björkan und Donjun Lee: Noch kein Bundesliganiveau

Die beiden Winter-Neuzugänge sind sicherlich interessante Spieler und haben Talent. Doch sie sind, so muss man nach einigen Wochen feststellen, keine direkte Hilfe. Sie haben das Potential mit viel Training und Integration zur nächsten Saison eine wichtige Rolle im Team einzunehmen, doch aktuell fehlen die Spieler, die sie ersetzen sollen, extrem.

Björkan spielte über die gesamte Spielzeit als Linksverteidiger. Stammkraft Maxi Mittelstädt stand nach überstandener Corona-Infektion wieder im Kader, war aber wohl noch nicht bereit für einen Einsatz. Björkan versuchte seinen kompakten Körper so gut es ging einzusetzen, gewann zwei Tacklings, klärte zwei Aktionen der Freiburger und hatte mit 88 Prozent Passquote ein durchaus hohen Anteil am Aufbauspiel. Allerdings gewann er nur sechs seiner zehn Zweikämpfe, hatte sieben Ballverluste und musste drei Fouls ziehen. Er schien häufig überfordert und zeigte sowohl beim 0:2 als auch beim 0:3 ein schwaches Zweikampfverhalten.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Dong-Jun Lee wurde in der 70. Spielminute für Vladimir Darida eingewechselt. Beim Stand von 0:1 war es seine Aufgabe von den Außen für Gefahr zu sorgen. Doch seine Schnelligkeit ist zwar oftmals hoffnungsvoll und nett anzusehen, sonderlich viel Einfluss hatte er am Spiel nicht. Immerhin hatte der Südkoreaner neun Ballkontakte und lange versucht mit seinen Mitspielern das Ruder rumzureißen, doch viel ausrichten konnte er nicht. Seine beste Chance hatte er im Abseits stehend, als er aus wenigen Metern aus spitzen Winkel am Tor vorbeischoss. Er scheint noch nicht in der Bundesliga angekommen zu sein und wird sicherlich noch eine ganze Weile dafür brauchen. Aktuell scheint er nicht die erhoffte Hilfe im Abstiegskampf zu sein.

Tayfun Korkut und Fredi Bobic: Bitte in der Realität ankommen!

Man sucht nach Argumenten für die aktuelle Situation, wo man nur kann. Und man hat sie auch. Corona, Verletzungen, der Umbruch im Umbruch, sechs Trainer seit 2019. Aber zwei Punkte und 19 Gegentore aus den bisher sieben Rückrundenspielen, mit 54 Gegentoren die zweitschwächste Verteidigung der gesamten Saison und tief im Abstiegskampf steckend ist schwer besorgniserregend.

Zusätzlich kommt eine bedenkliche Entwicklung, die Trainer Tayfun Korkut und Hertha-Sportvorstand Fredi Bobic gerade nehmen. Die Versuche, die brutalen Niederlagen, wie gegen Leipzig und in Freiburg, schönzureden geht nicht nur an der Realität vorbei, als Fan fühlt man sich auch zunehmend veralbert. Wer weiß wie intern über die aktuellen Leistungen gesprochen wird, aber die Außendarstellung lässt vermuten, dass der Ernst der aktuellen Lage nicht erkannt wird.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Korkut hat kaum noch Argumente auf seiner Seite und scheint taktisch so extrem limitiert zu sein, dass er nicht einmal in der Lage ist, seine Antritts-Aussage – die Taktik nach Stärken der Spieler auszurichten – zu bestätigen. Der Trainerwechsel von Dardai zu Korkut ist im großen Stil gescheitert. Fredi Bobic muss sich die Frage gefallen lassen, die er seit Wochen gestellt bekommt. Weshalb Tayfun Korkut? Was ist der Plan? Denn der wird bei Hertha aktuell händeringend gesucht.

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Hertha BSC – SC Freiburg: Einfache Dinge außerordentlich gut machen

Hertha BSC – SC Freiburg: Einfache Dinge außerordentlich gut machen

Hertha BSC wartet weiterhin auf den ersten Sieg im Jahr 2022. Am Samstag geht es dafür im achten Versuch nach Baden-Württemberg zur Mannschaft des SC Freiburg, die diese Saison wieder einmal eindrucksvoll beweist, dass man auch mit kleinem Geld, aber guter und konstanter Arbeit, durchaus um Europa mitspielen kann. Kann Hertha an die zwischenzeitlich guten Minuten gegen Leipzig anknüpfen oder wird man auch hier mit leeren Händen nach Hause fahren?

Erneut dünne Personaldecke, Kapitän aber zurück an Bord

Zuerst die guten Nachrichten: Maxi Mittelstädt (24) und Jurgen Ekkelenkamp (21) konnten sich nach dem positiven Coronabefund in der vergangenen Woche freitesten und stehen damit im kommenden Spiel theoretisch wieder zu Verfügung. Und auch Suat Serdar (24) kehrte wieder in die Mannschaft zurück. Ob die ebenfalls mit Corona infizierten Kevin-Prince Boateng (34), Dong-jun Lee (25), Lukas Klünter (25), Marvin Plattenhardt (30) und Niklas Stark (26) die Isolation noch rechtzeitig verlassen und spielen können, ist momentan noch offen.

Zudem gab Hertha am Donnerstag bekannt, dass auch Stammtorwart Alexander Schwolow (29) positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ein Einsatz scheidet daher definitiv aus. Kelian Nsona (19), Marton Dardai (20), Oliver Christensen (22) und Rune Jarstein (37) befinden sich nach jeweils überstandener Verletzung im Aufbautraining und werden für das Spiel am Wochenende daher auch nicht zur Verfügung stehen.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Nachdem Marc Oliver Kempf (27) aufgrund der berechtigten roten Karte gegen Leipzig für ein Spiel gesperrt ist, hat sich unser Kapitän Dedryck Boyata (31) gerade rechtzeitig für das Duell mit den Breisgauern zurückgemeldet und konnte die gesamte Trainingswoche voll absolvieren. Trainer Korkut (47) zeigte sich bezüglich eines Einsatzes von Boyata optimistisch: „Er hat sehr konzentriert trainiert, von daher ist er mit Sicherheit eine Option. Er ist ein sehr erfahrener Spieler, ich bin guter Dinge, dass er bereit sein wird.“ Schlussendlich wird dem Übungsleiter auch keine andere Wahl bleiben, befindet sich neben Boyata mit Linus Gechter (17) nur noch ein weiterer etatmäßiger Innenverteidiger im Spieltagskader.

Wer hütet das Hertha-Tor in Freiburg?

Wie bereits erwähnt, fällt Schwolow aufgrund seiner Coronainfektion aus. Auch die Torhüter Nummer zwei und drei stehen mit Christensen und Jarstein noch nicht zur Verfügung. Nils Körber (25) trainiert nach wochenlanger Pause erst seit wenigen Tagen wieder voll mit. Es spricht also vieles dafür, dass der zwanzigjährige Nachwuchstorhüter Marcel Lotka sein Profi- und Bundesligadebut feiern dürfte. Der Deutsch-Pole gilt als durchaus talentiert, doch Bundesliganiveau wird er mit Sicherheit noch nicht besitzen. Umso mehr wird er brennen, sich zu beweisen und ein gutes Debüt abzuliefern.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Korkut wollte sich derweil noch nicht in die Karten schauen lassen: „Wir haben natürlich Gedankengänge wie wir es machen können, aber abschließend entschieden haben wir noch nicht.“ Zuversichtlich ist er dennoch: „Für was ist die Nummer drei da, für was ist die Nummer vier da? Die machen hier nicht Urlaub. Ich kann Ihnen sagen, die sind heiß.“ Man darf also gespannt sein, wer am Samstag im Tor steht und wie sich derjenige präsentiert.


In unserer letzten Podcast-Episode sprachen wir über das bittere 1:6 gegen Leipzig. Darüber hinaus sprachen wir aber auch noch über die Aussagen von Lars Windhorst, den möglichen Abgang von Michael Hartmann und Underground of Berlin Staffel 2.


SC Freiburg – Verein mit Vorbildcharakter

Dass sich der Gegner gut präsentieren wird, steht indes so gut wie fest. Durch eine sehr ordentliche Hinrunde stehen die Breisgauer trotz eines leichten Einbruchs in den vergangenen Wochen mit 37 Punkten auf Tabellenplatz sechs und würden sich damit Stand jetzt für die Europa League qualifizieren. Manager Fredi Bobic zeigt offen seine Anerkennung: „Die machen das wirklich hervorragend und mit einer sympathischen Art, meine Wertschätzung ist groß.“ Und er macht auch die Faktoren für die guten Leistungen des Konkurrenten treffend aus: „Die haben sich eine gute Mannschaft in den letzten Jahren zusammengebaut und es ist eine gute Kontinuität da, auch auf den Positionen der Entscheider.“

Eines der Kernmerkmale der Freiburger ist dabei vor allem die Weiterentwicklung junger Spieler, welche dann mit hohem Gewinn weiterverkauft werden können. So gehen im Südwesten der Republik sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand. Ein Szenario, welches man sich auch in Berlin bei Hertha BSC gut vorstellen kann.

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Tayfun Korkut hat auch schon ausgemacht durch welche Art und Weise der kommende Gegner so gut dasteht: „Wir treffen auf eine Mannschaft, die die einfachen Dinge außerordentlich gut macht und die als Mannschaft unglaublich gut funktioniert.“

Während es die 25.000 zugelassenen Zuschauer im neuen Europa-Park Stadion des SC Freiburg so schwer wie möglich machen werden, liegt es an Korkut und seiner Mannschaft, es den Breisgauern nachzueifern, die einfachen Dinge außerordentlich gut zu machen und so endlich die ersten drei Punkte in diesem Jahr einzufahren.

Das Spiel ist am Samstag um 15:30 live auf Sky zu sehen.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)