Drei Thesen zu SC Freiburg – Hertha BSC

Drei Thesen zu SC Freiburg – Hertha BSC

So schwierig es in der aktuellen Lage ist: wir werfen den Blick auf das Spiel SC Freiburg – Hertha BSC, das am Samstagnachmittag stattfindet. Die Situation von Hertha BSC könnte man als ungebremste Talfahrt bezeichnen. Noch steht die „alte Dame“ auf einen Nichtabstiegsplatz. Damit es so bleibt, muss die personal-geschwächte Mannschaft von Tayfun Korkut diese Abwärtsspirale stoppen und gegen den SC Freiburg punkten, bestenfalls dreifach.

Der Glaube daran ist auch unter Hertha-Fans nicht sonderlich groß. Doch wie wird die Partie am Samstag verlaufen? Hierzu haben wir wieder drei Thesen vorbereitet.

Serdars Rückkehr belebt Herthas Offensivspiel

Wer auf „Transfermarkt.de“ Herthas Kaderseite aufruft und einen Blick auf die Defensivabteilung wirft (Torhüter und Verteidiger), kann ein interessantes Phänomen beobachten. Es gibt mehr Spieler, die verletzt und gesperrt sind, als Spieler, die tatsächlich spielen könnten. Immerhin sieht es im Mittelfeld und in der Offensive etwas besser aus. Ein Spieler, der am Samstag wieder zur Verfügung steht, ist Suat Serdar.

Foto: Joosep Martinson/Getty Images

Die Rückkehr des 24-Jährigen wird Herthas Offensive gut tun. Kaum ein Spieler im Kader hat das Potenzial, die Offensive aus dem Mittelfeld heraus zu beleben, wie Serdar. Am Samstag, in einer äußerst bedrohlichen Lage, wird er einer der Lichtblicke bei den Blau-Weißen sein. Seine zwei Bundesliga Tore diese Saison hat er bisher auswärts erzielt: ein Doppelpack in Bochum. Es wäre genau der richtige Zeitpunkt, das Kunststück zu wiederholen.

Am Keeper wird es in Freiburg nicht liegen

Der Ausfall von Alexander Schwolow aufgrund einer Corona-Infektion war der nächste Schlag in die Magengrube der Hertha-Fans. Dabei war gerade Schwolow nicht der gewünschte Rückhalt in dieser Saison und auch in den letzten Spielen selten überzeugend.

Da allerdings sowohl Rune Jarstein als auch Oliver Christensen im Aufbautraining sind und nicht zur Verfügung stehen, stellt sich die Frage, wie man ihn ersetzt. Marcel Lotka wird es wohl werden: der junge 20-Jährige wird sein erstes Profispiel für Hertha BSC bestreiten. Als Nummer zwei wird dann der wiedergenesene Nils Körber auf der Bank Platz nehmen.

Foto: Adam Nurkiewicz/Getty Images

Doch am Ende wird die Torhüter-Position das Spiel nicht entscheiden. Ob Herthas Ersatzkeeper ein starkes Spiel macht oder nicht: er bleibt weiterhin abhängig von der Leistung seiner Hintermannschaft, die ebenfalls von Ausfällen gebeutelt ist. Ob Hertha sich gegen Freiburg befreien kann, oder noch tiefer in Abstiegsnot gerät, am Keeper wird es nicht liegen.


In Freiburg will Hertha BSC endlich wieder gewinnen – aufgrund des starken Gegners und Herthas Kadersituation kein einfaches Unterfangen. Unser Blick auf die PK vor dem Spiel.


„Fußball ist heute Sch***egal“

So sehr man sich in Sachen Hertha und Fußball reinsteigern kann, so sehr die Leidenschaft für diesen Sport sowohl Herz als auch Verstand bewegen kann: die Weltlage zeigt, wie wenig Bedeutung dies am Ende hat.

So war diese Woche kaum an Fußball zu denken. Allein die Redaktion dieses Artikels erfolgte mit großem Zweifel und Sorge. Doch am Ende sind es die kleinen Sachen wie der Fußball, die uns den schweren Alltag erleichtern. Wer macht sich denn nicht lieber Sorgen über Herthas drohenden Abstieg, als über den Verlust von Menschenleben und globale Konflikte?

Wenn am Samstagabend das Spiel abgepfiffen wird, wird das Ergebnis nebensächlich sein. Auch wenn sich Hertha-Fans trotzdem über das Ergebnis hochemotional ärgern oder freuen werden.

Titelbild: Alexander Hassenstein/Getty Images

Hertha BSC – SC Freiburg: Einfache Dinge außerordentlich gut machen

Hertha BSC – SC Freiburg: Einfache Dinge außerordentlich gut machen

Hertha BSC wartet weiterhin auf den ersten Sieg im Jahr 2022. Am Samstag geht es dafür im achten Versuch nach Baden-Württemberg zur Mannschaft des SC Freiburg, die diese Saison wieder einmal eindrucksvoll beweist, dass man auch mit kleinem Geld, aber guter und konstanter Arbeit, durchaus um Europa mitspielen kann. Kann Hertha an die zwischenzeitlich guten Minuten gegen Leipzig anknüpfen oder wird man auch hier mit leeren Händen nach Hause fahren?

Erneut dünne Personaldecke, Kapitän aber zurück an Bord

Zuerst die guten Nachrichten: Maxi Mittelstädt (24) und Jurgen Ekkelenkamp (21) konnten sich nach dem positiven Coronabefund in der vergangenen Woche freitesten und stehen damit im kommenden Spiel theoretisch wieder zu Verfügung. Und auch Suat Serdar (24) kehrte wieder in die Mannschaft zurück. Ob die ebenfalls mit Corona infizierten Kevin-Prince Boateng (34), Dong-jun Lee (25), Lukas Klünter (25), Marvin Plattenhardt (30) und Niklas Stark (26) die Isolation noch rechtzeitig verlassen und spielen können, ist momentan noch offen.

Zudem gab Hertha am Donnerstag bekannt, dass auch Stammtorwart Alexander Schwolow (29) positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ein Einsatz scheidet daher definitiv aus. Kelian Nsona (19), Marton Dardai (20), Oliver Christensen (22) und Rune Jarstein (37) befinden sich nach jeweils überstandener Verletzung im Aufbautraining und werden für das Spiel am Wochenende daher auch nicht zur Verfügung stehen.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Nachdem Marc Oliver Kempf (27) aufgrund der berechtigten roten Karte gegen Leipzig für ein Spiel gesperrt ist, hat sich unser Kapitän Dedryck Boyata (31) gerade rechtzeitig für das Duell mit den Breisgauern zurückgemeldet und konnte die gesamte Trainingswoche voll absolvieren. Trainer Korkut (47) zeigte sich bezüglich eines Einsatzes von Boyata optimistisch: „Er hat sehr konzentriert trainiert, von daher ist er mit Sicherheit eine Option. Er ist ein sehr erfahrener Spieler, ich bin guter Dinge, dass er bereit sein wird.“ Schlussendlich wird dem Übungsleiter auch keine andere Wahl bleiben, befindet sich neben Boyata mit Linus Gechter (17) nur noch ein weiterer etatmäßiger Innenverteidiger im Spieltagskader.

Wer hütet das Hertha-Tor in Freiburg?

Wie bereits erwähnt, fällt Schwolow aufgrund seiner Coronainfektion aus. Auch die Torhüter Nummer zwei und drei stehen mit Christensen und Jarstein noch nicht zur Verfügung. Nils Körber (25) trainiert nach wochenlanger Pause erst seit wenigen Tagen wieder voll mit. Es spricht also vieles dafür, dass der zwanzigjährige Nachwuchstorhüter Marcel Lotka sein Profi- und Bundesligadebut feiern dürfte. Der Deutsch-Pole gilt als durchaus talentiert, doch Bundesliganiveau wird er mit Sicherheit noch nicht besitzen. Umso mehr wird er brennen, sich zu beweisen und ein gutes Debüt abzuliefern.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Korkut wollte sich derweil noch nicht in die Karten schauen lassen: „Wir haben natürlich Gedankengänge wie wir es machen können, aber abschließend entschieden haben wir noch nicht.“ Zuversichtlich ist er dennoch: „Für was ist die Nummer drei da, für was ist die Nummer vier da? Die machen hier nicht Urlaub. Ich kann Ihnen sagen, die sind heiß.“ Man darf also gespannt sein, wer am Samstag im Tor steht und wie sich derjenige präsentiert.


In unserer letzten Podcast-Episode sprachen wir über das bittere 1:6 gegen Leipzig. Darüber hinaus sprachen wir aber auch noch über die Aussagen von Lars Windhorst, den möglichen Abgang von Michael Hartmann und Underground of Berlin Staffel 2.


SC Freiburg – Verein mit Vorbildcharakter

Dass sich der Gegner gut präsentieren wird, steht indes so gut wie fest. Durch eine sehr ordentliche Hinrunde stehen die Breisgauer trotz eines leichten Einbruchs in den vergangenen Wochen mit 37 Punkten auf Tabellenplatz sechs und würden sich damit Stand jetzt für die Europa League qualifizieren. Manager Fredi Bobic zeigt offen seine Anerkennung: „Die machen das wirklich hervorragend und mit einer sympathischen Art, meine Wertschätzung ist groß.“ Und er macht auch die Faktoren für die guten Leistungen des Konkurrenten treffend aus: „Die haben sich eine gute Mannschaft in den letzten Jahren zusammengebaut und es ist eine gute Kontinuität da, auch auf den Positionen der Entscheider.“

Eines der Kernmerkmale der Freiburger ist dabei vor allem die Weiterentwicklung junger Spieler, welche dann mit hohem Gewinn weiterverkauft werden können. So gehen im Südwesten der Republik sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand. Ein Szenario, welches man sich auch in Berlin bei Hertha BSC gut vorstellen kann.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Tayfun Korkut hat auch schon ausgemacht durch welche Art und Weise der kommende Gegner so gut dasteht: „Wir treffen auf eine Mannschaft, die die einfachen Dinge außerordentlich gut macht und die als Mannschaft unglaublich gut funktioniert.“

Während es die 25.000 zugelassenen Zuschauer im neuen Europa-Park Stadion des SC Freiburg so schwer wie möglich machen werden, liegt es an Korkut und seiner Mannschaft, es den Breisgauern nachzueifern, die einfachen Dinge außerordentlich gut zu machen und so endlich die ersten drei Punkte in diesem Jahr einzufahren.

Das Spiel ist am Samstag um 15:30 live auf Sky zu sehen.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Hertha BSC – SC Freiburg: Mit Katerstimmung zum nächsten Richtungsweiser

Hertha BSC – SC Freiburg: Mit Katerstimmung zum nächsten Richtungsweiser

Der vergangene Samstagnachmittag dürfte auch für die größten Optimisten im blau-weißen Lager ein Augenöffner gewesen sein. Das 0:6 in Leipzig hat einmal mehr deutlich gemacht, wo Hertha aktuell steht. Die auch in dieser Höhe verdiente Klatsche war das folgerichtige Resultat einer nicht erklärbaren Transferpolitik. Als deren Konsequenz steht nun ein Kader auf dem Platz, der zwar gegen Fürth und Bochum genügen mag, darüber hinaus aber in dieser Konstellation noch weitere Pleiten zu befürchten haben muss. Es fehlt die Fantasie, wie das in absehbarer Zeit besser werden soll. Auch der kommende Kontrahent darf mitnichten als Aufbaugegner bezeichnet werden. Denn mit dem SC Freiburg kommt am Wochenende der – neben dem FC Bayern – einzig ungeschlagene Bundesligist ins Olympiastadion.

Gemeinsam mit Alex, unter anderem bekannt vom Spodcast Freiburg, blicken wir auf den SC.

So geht Kontinuität

Beständigkeit ist in dieser Saison Trumpf beim SC Freiburg (Bild: imago images via Getty images)

Die Worte, die Fredi Bobic vor vier Monaten bei seiner Antritts-Pressekonferenz wählte, wirken aus heutiger Sicht wie blanker Hohn. „Kontinuität ist das Wichtigste“ ließ der neue, starke Mann an der Hanns-Braun-Straße damals verlauten, bevor er wenige Monate später den halben Kader umwarf und damit die Hauptverantwortung für die sportliche Situation trägt.

Dass es sich auszahlen kann, wenn Kontinuität nicht nur propagiert, sondern tatsächlich gelebt wird, beweist der SC Freiburg schon seit Jahren, aber in dieser Saison besonders. Sage und schreibe ein Spieler wurde in Maximilian Eggestein an die Dreisam geholt und mit Baptiste Santamarika lediglich ein Stammspieler abgegeben.

Alex begründet die Transferpolitik wie folgt: „Es ist dieses Jahr sicherlich ein Mix von Gründen, von denen man profitiert hat. Zum einen sind da die pandemiebedingten Auswirkungen auf den so oft zitierten „überhitzen Markt“, welche diesen wohl ein wenig runtergeführt haben. Der SC, der – trotz Stadionneubau – sehr gut wirtschaftet, war nicht im allergrößten Zugzwang, Spieler zu verkaufen und konnte seine Leistungsträger wie Lienhart oder Sallai halten und sogar verlängern. Diese wären im Normalfall Spieler, welche bereit sind „für den nächsten Schritt“. Außerdem haben wir eine große Anzahl an Spielern, die bei Freiburg ihren Platz gefunden haben und sich sehr mit dem Verein identifizieren (u.a. Petersen, Grifo, Günter, Höfler, etc.) – das ist Gold wert für die Stabilität im Kader.“

Der neidische Blick gen Süden

Speziell die defensive Stabilität ist ein wichtiger Faktor für den Freiburger Erfolg. (Bild: BEAUTIFUL SPORTS / Gerd Gruendl, imago images via Getty images)

Auch in weiteren Aspekten kann man als Herthaner derzeit nur neidisch in den Breisgau schauen. Da wäre zum Beispiel das neue Stadion… aber das soll jetzt nicht Thema sein. Aus sportlicher Sicht fällt vor allem die Ausgewogenheit des Kaders auf, die ein entscheidender Grund dafür ist, dass Freiburg mit 3 Siegen und 3 Remis nach sechs Spieltagen auf Platz 5 rangiert.

„Auf manchen Positionen wie in der Innenverteidigung (Lienhart, Gulde, Heintz, K. & N. Schlotterbeck) und im defensiven Mittelfeld (Höfler, Haberer, Eggestein, Keitel) sind wir für unsere Verhältnisse fast schon überbesetzt und stehen vor der Herausforderung, dass alle auf ihre Einsatzzeiten kommen. Bei anderen Positionen haben wir klarere Stammspieler wie Günter und Grifo – allerdings auch viele Spieler aus der erfolgreichen zweiten Mannschaft die den alten Hasen weiterhin Druck machen und heiss sind. Das scheint alles ganz gut zu passen.“, bewertet Alex den Kader.

Auch deswegen waren im Sommer wohl so gut wie keine Transferaktivitäten nötig, da der Kader quasi keine Schwachstellen offenbart. Zudem ist beim SC Freiburg unter Christian Streich seit Jahren zu beobachten, dass Spieler mitunter auch mal eine komplette Saison benötigen, um sich an das intensive Spielsystem zu gewöhnen und dann im Folgejahr ihren Durchbruch erleben. Daher schätzt unser Experte auch, „dass Europa dieses Jahr ein realistisches Szenario ist“.

Breite Brust oder grauer Beton?

Es läuft also an allen Stellen rund beim SC Freiburg, der damit als klarer Favorit in die Partie am Samstag geht. Grund zum grenzenlosen Optimismus sieht Alex deshalb allerdings nicht: „Es gibt genau zwei Szenarien:

1. Der SC müsste eigentlich voller Selbstvertrauen nach Berlin fahren und hat absolut gar nichts zu verlieren. Ich wünsche mir Mut zur Offensive und ein ordentliches Pressing auf eine verunsicherte und unter Druck stehende Berliner Mannschaft. Ich wünsche mir ein 2-0, Hauptsache Schwoli muss gegen seine alten Kollegen mal hinter sich greifen.

2. – und das ist viel wahrscheinlicher. Es wird kalt, der Wind zieht durchs Stadion, es wird wie immer bei der Hertha ein absoluter Grottenkick und geht entweder 0-0 oder 1-0 für die Hertha (Traumtor von Davie Selke) aus. Unser Trainerteam neigt bei solchen Spielen ab und zu auch mal zur pragmatischen, nicht so ansehnlichen Taktik wie zuletzt in Mainz. Ich hoffe auf Szenario 1.“

Traumtor von Davie Selke – nun ja, träumen muss wohl noch erlaubt sein.

Die Fünferkette als Allheilmittel?

So schwer es in der sportlichen Situation auch fallen mag, das zu glauben – es gibt sie noch, die guten Nachrichten. So lichtet sich das Berliner Lazarett gemächlich. In der Pressekonferenz vom Donnerstag zeigte sich Trainer Pal Dardai zuversichtlich, dass sowohl Kapitän Boyata als auch Zeefuik wieder mit von der Partie sein dürften. Damit wäre auch die von Dardai bevorzugte Fünferkette, von der er sich die in Leipzig so schmerzhaft vermisste Stabilität erhofft, wieder eine Option.

Auch für die Offensive macht Herthas Trainer Hoffnung auf personelle Besserung. So reicht es für den wieder genesenen Stevan Jovetic wohl für eine Halbzeit und auch der in Leipzig eingewechselte Piatek soll laut Dardai bis zu 30 Minuten auflaufen können. Und falls es für beide doch nicht reichen sollte, muss eben ein Traumtor von Davie Selke herhalten.

Titelbild: Matthias Koch, imago images via Getty images

Zwischenbericht: Hertha holt Punkt in Mainz – was passiert gegen Freiburg?

Zwischenbericht: Hertha holt Punkt in Mainz – was passiert gegen Freiburg?

Gegen den 1. FSV Mainz 05 sicherte sich Hertha BSC einen Punkt. Nach über 20 Tagen ohne Spiel wirkte die Mannschaft zunächst nervös, konnte sich im weiteren Spielverlauf aber fangen. Gar der der späte Siegtreffer lag auf den Füßen von Krzysztof Piatek, doch vergab er leichtsinnig. Nun wappnet sich Hertha für das zweite Nachholspiel am Donnerstag, gegen den SC Freiburg. Unser Zwischenbericht.

Gegen Mainz noch etliche Fragezeichen

Etliche Fragezeichen standen vor dem ersten der insgesamt drei Nachholspielen von Hertha BSC gegen den 1. FSV Mainz 05. Wie wird die Mannschaft damit umgehen, seit 23 Tagen kein Spiel mehr bestritten zu haben? Lassen sich die Berliner den Druck anmerken, konnte das Team doch nur dabei zugucken, wie die direkten Konkurrenten punkten? Im sky-Interview vor dem Spiel betonte Hertha-Trainer Pál Dardái, dass es vor allem darum gehen wird, „die erste Halbzeit zu überleben“, um in der Pause dann nachzujustieren und korrigierend einzugreifen.

Letztlich zeigt sich: Er sollte recht behalten. Hertha zeigte sich zunächst nervös, wirkte zuweilen unkonzentriert gegenüber dem starken und druckvollen Pressing der Mainzer. Vor allem in der Anfangsphase schien es, als müssten sich die Berliner zunächst an das schnelle Spieltempo gewöhnen, bevor die Automatismen endlich greifen können. Etwa in der achten Spielminute, als nach einem Einwurf der Mainzer Jean-Paul Boetius völlig ungedeckt und frei vor Hertha Torhüter Alexander Schwolow zum Schuss kommt – für viele blau-weiße Fans der erste Schockmoment des Spiels. Doch traf Boetius den Ball nicht sonderlich gut, er ließ die hochprozentige Chance liegen.

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Foto: IMAGO

Nur, um eine Minute später wieder vor Alexander Schwolow aufzutauchen. Sami Khedira hatte den Ball, erneut nach einem Einwurf, in Richtung des eigenen Tores geköpft. Doch auch diese Chance konnte Boetius nicht nutzen – er schoss die Unterkante der Latte an. Glück für Hertha – schon hier hätte die Mannschaft 2:0 zurückliegen können, vielleicht mindestens 1:0 zurückliegen müssen. Man merkte, dass Hertha anschließend bemüht war, eigenen Ballbesitz zu kreieren, den Ball zirkulieren zu lassen und die Automatismen greifen zu lassen. Bis zur 20. Minute – plötzlich tauchte Adam Szalai völlig frei vor Schwolow auf, setzte zum frechen Lupfer an, doch (endlich, möchte man sagen) war das Glück und das Können auf Schwolows Seite. Den Heber konnte er mit seiner rechten Hand stark parieren.

Auf das 0:1 folgt das 1:1 – doch Hertha scheint gewappnet

Es dauerte gut eine halbe Stunde, bis die Berliner wirklich im Spiel waren. Es war nur klug, dass direkt ausnutzen. Nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld von Marton Dardái kommt Lucas Tousart zum Kopfball – und netzte sein erstes Saisontor für Hertha ein. Die Erleichterung dürfte auf Berliner Seite riesig gewesen sein. Dem Mindestziel von vier Punkten aus den drei Nachholspielen war man damit auf einem Schlag sehr Nahe gekommen. Und es folgte fast das 2:0 – doch Matheus Cunha vergab frei vor dem Tor kläglich und kullerte Robin Zentner den Ball in die Arme.

Generell fiel Cunha, wie leider so oft, durch wildes lamentieren und gestikulieren auf. Durchaus zeigt das seine Leidenschaft, auch seinen Willen – doch ist es ein Problem, wenn Meckern und Jammern seine hauptsächlichen Spielszenen sind. Von seinem Genie zeigte er gegen Mainz nichts. Dabei wäre ein Tor aus seiner Großchance so wichtig gewesen – stattdessen aber netzte Phillipp Mwene nur vier Minuten nach der Berliner Führung mit einem Sonntagsschuss ein und glich die Partie damit aus. Es ging in die Halbzeitpause.

Foto: IMAGO

Und Pál Dardái korrigierte ordentlich. Nach der Pause sah man der Mannschaft die Quarantäne kaum noch an. Das Team wirkte solider und gefestigter als in der ersten halben Stunde des Spiels. Spielerische Akzente gab es jedoch kaum welche mehr – beide Teams versuchten vorrangig Fehler zu vermeiden, ist für Beide doch jeder Punkt so wichtig. Bis zur 82. Minute: Vladimir Darida wurde von Nemanja Radonjic geschickt und legte für Piatek auf. Doch der sauste mit viel zu viel Geschwindigkeit an, weshalb er den Ball nicht kontrollieren konnte und er quasi angeschossen wurde, weshalb der Ball letztlich aus etwa fünf Metern neben das Tor fliegt. Etliche Herthaner hatten den Jubelschrei vermutlich schon auf den Lippen, wenn nicht gar rausgeschrien.

Doch so blieb es letztlich bei einem für beide Teams verdienten Unentschieden. Insgesamt zeigten die Berliner eine engagierte Leistung – mit 113 Kilometern liefen sie genauso viel wie die Mainzer, mit 84,6 Prozent hatten sie auch die bessere Zweikampfquote. Hertha spielte aggressiv und kämpfte sich durchaus ins Spiel zurück. Doch die alten Probleme sind noch immer da, etwa Chancen zu kreieren. Am Donnerstag trifft die Mannschaft nun auf den SC Freiburg.

Den Spieß umdrehen und die Konkurrenz unter Druck setzen

Für die Freiburger Mannschaft geht es in dieser Saison um nicht mehr viel. Der Klassenerhalt ist mit 41 Punkten gesichert und die internationalen Plätze sind zu weit weg. Für Hertha ergibt sich daraus die Möglichkeit, den Spieß umzudrehen. Denn mit einem Sieg würden die Berliner Köln, Bielefeld und auch Bremen überholen. Konnten die Spieler die letzten zwei Wochen selbst nur zusehen, wie die Konkurrenz gepunktet hat, haben sie es nun wieder selbst in der Hand.

Doch leicht wird es nicht. Freiburg spielt ein starkes Pressing, läuft den Gegner unermüdlich an und zwingt die Spieler so zu Fehlern. Insbesondere für das Berliner Mittelfeld und die Abwehr wird es ein intensives Spiel werden. Hertha muss erneut eine starke Laufleistung aufweisen und die Zweikämpfe wie gegen Mainz so gut annehmen. Und gegen Freiburg könnte auch der offensive Knoten platzen.

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Foto: IMAGO

Der SC Freiburg hat in dieser Saison bereits 50 Tore kassiert – nur vier andere Teams kassierten mehr. Zu erwarten ist, und so hat es Dardái auch schon angekündigt, dass er aufgrund der hohen Belastung fleißig rotieren wird. Etwa scheinen Darida und Pekarik sinnvolle Optionen für das Spiel zu sein. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass Hertha das Spiel machen und eine hohe Ballbesitzquote haben wird. Doch werden sich womöglich Lücken in der aufgerückten Fünferabwehrkette der Freiburger ergeben, die Hertha für schnelle und präzise gespielte Konter nutzen kann.

Der Auftritt gegen Mainz macht Mut. Die Befürchtungen, Hertha würde wegen der Quarantäne komplett einbrechen, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Das Team zeigte auf die schwierige Situation eine angemessene Reaktion. Es gilt, im Spiel gegen Freiburg genau dort anzusetzen. Und womöglich befindet man sich nach Donnerstag für mindestens ein paar Tage nicht mehr auf einem Abstiegsplatz.

[Foto: IMAGO]

Herthaner im Fokus: SC Freiburg – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: SC Freiburg – Hertha BSC

Mit einer 1:4-Niederlage in Freiburg verabschiedet sich Hertha BSC in die Mini-Winterpause. Die Niederlage an sich wäre kein Problem. Doch die sich wiederholenden Leistungseinbrüche des Teams, die lustlose bis patzige Haltung einzelner Spieler aber auch taktische Fehleinschätzungen des Trainerteams lassen nach dem Freiburg-Spiel leider nur eine Schlussfolgerung zu: Hertha hat ein systematisches Problem.

Nach dem Spiel unserer Hertha gegen Mönchengladbach ging ein lautes Entspannungsseufzen durch das ganze Fanlager. Denn erstens hatte Hertha gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellendrittel eine solide Leistung gebracht und zweitens war klar, dass nun ausschließlich Spiele gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel anstehen. Zeit zum Punkten also. Doch zumindest der Anfang in diese Serie der vermeintlich leichteren Spiele ist erschreckend schlecht verlaufen. Nach einem fußballerischen Tiefpunkt-Spiel gegen Mainz (0:0) folgte nun eine krachende Niederlage gegen Freiburg, nach der sich die Verantwortlichen im Verein Grundsatzfragen stellen sollten. Eine Einzelbewertung der Spieler fällt nach dem Spiel schwer, weil aus blau-weißer Sicht nur wenige positive Momente gab. Dafür gab es einige Spieler, die besonders negativ auffielen.

Javairo Dilrosun – Warum nicht von Anfang?

Der Niederländer wurde in der Halbzeit für einen enttäuschenden Matheus Cunha eingewechselt. Dilrosun war der einzige Herthaner, der am heutigen Sonntag Lust auf Fußball hatte. Er setzte einige schnelle Läufe und Dribblings über die Außen an und sorgte am Anfang der zweiten Halbzeit dafür, dass nochmal kurz Hoffnung aufkam. Denn Dilrosun flankte kurz nach Wideranpfiff nach einem schönen Dribbling über die linke Seite an den langen Pfosten, wo Dodi Lukebakio stand und nur noch den Fuß hinhalten musste.

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Auch in der Folge war Dilrosun flexibel unterwegs, zeigte sich auf beiden Seiten anspielbar und suchte als einziger Herthaner immer wieder Eins-gegen-Eins-Situationen. Schon gegen Union war Dilrosun maßgeblich nach seiner Einwechslung für den Erfolg verantwortlich. Eine der strategischen Fragen, die sich Labbadia gefallen lassen muss, ist, warum der Niederländer derzeit nicht stets von Anfang an spielen darf.

Matheus Cunha – Setzen, sechs!

Es passiert eigentlich selten, dass Trainer ihre eigenen Spieler nach einem Spiel – auch bei schlechter Leistung – öffentlich in die Pflicht nehmen. Doch nach Cunhas Leistung und seiner Auswechslung zur Halbzeit erklärte Bruno Labbadia nach dem heutigen Spiel, dass der Brasilianer „unterirdisch“ gespielt und er ihn deswegen frühzeitig heruntergenommen habe.

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Recht hatte er. Nur: Labbadia hat auch selbst ein wenig zu verantworten, dass Cunha so schlecht ins Spiel kam. Denn das Freiburg-Spiel war ein neuer Beweis dafür, dass Cunha sich nicht als Außenspieler eignet. Der 21-Jährige kam in den ersten etwa 20 Minuten auffällig oft über links. Und in einer solchen Situation verlor auch viel zu einfach den Ball, setzte dann nicht ausreichend nach, woraus eine Flanke resultierte, die dann – nach ebenso schlechter Manndeckung in der Innenverteidigung – zum 0:1 führte.

Im Anschluss fiel der Brasilianer eigentlich nur noch durch Fouls, verlorene Zweikämpfe und Schiedsrichterbeschwerden auf. Auf Twitter hat sich Cunha mittlerweile bei den Fans für die schlechte Leistung erklärt. Es wird spannend zu sehen sein, wie der Brasilianer aus der Weihnachtspause kommen wird, denn aktuell ist klar: Cunha befindet sich seit Wochen in einem Formtief und darunter leidet das Hertha-Spiel brutal.

Maxi Mittelstädt – Gleichbleibend harmlos

Unter der Woche war zu lesen, dass Labbadia auf der linken Außenbahn ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“ zwischen Maxi Mittelstädt und Marvin Plattenhardt sieht. Am heutigen Sonntag durfte Mittelstädt mal wieder von Anfang an starten. Als Hertha-Fan muss man Maxi einfach mögen – er ist ein Hertha-Urgestein und einfach ein bodenständiger, ruhiger und sympathischer Typ.

Mit Blick auf seine Leistungen muss man spätestens nach dem Freiburgspiel allerdings festhalten, dass ihm der endgültige Durchbruch bei Hertha einfach nicht gelingen will. Bis auf einen Torabschluss hatte Maxi keine einzige gefährliche Szene, setzte sich nie auf der Außenbahn durch, seine wenigen Flankenversuche kamen nicht an, zudem verlor er einfach zu viele Zweikämpfe. Auch hier muss sich Labbadia die Frage gefallen lassen, wie er zu seiner Einschätzung eines Zweikampfes kommt. Denn in den vergangenen Wochen hatte Plattenhardt zumindest ordentliche Leistungen gezeigt.

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Labbadia sollte sich bei seinen Personalentscheidungen vielleicht weniger von den Trainingsleistungen leiten lassen, sondern mehr von den Matchleistungen – siehe Matthew Leckie. Seit nun schon längerer Zeit ist festzuhalten, dass dieser Konkurrenzkampf zwischen Mittelstädt und Plattenhardt keinen von beiden wohl sonderlich pusht – sonst kämen bessere Leistungen bei herum. Und so langsam muss auch auf der Linksverteidiger-Position die Frage gestellt werden, ob hier genug Qualität vorhanden ist.

Und dann war da noch:

Die Innenverteidiger: Eigentlich hatte man das Gefühl, dass sich Herthas Innenverteidigung mit Jordan Torunarigha und Dedrick Boyata stabilisiert hat. Nach den Spielen gegen Union, Gladbach und Mainz hatte man wieder ein ausgedehnteres Sicherheitsgefühl bei gegnerischen Angriffen. Doch auch Torunarigha und Boyata machten am Sonntag wieder Fehler und schenkten dem Gegner sprichwörtlich Tore. Beim ersten Gegentreffer steht Hertha zu fünft gegen zwei Freiburger, die Flanke fliegt trotzdem, das Tor fällt trotzdem. Und beim zweiten Gegentreffer legt Jordan das Tor für Freiburg per technischem Fehler auf.

Krzysztof Piatek: Allein wegen seiner beiden Tore im Derby fällt es einem als Hertha-Fan schwer, drastische Maßnahmen gegen den dauerhaft schlecht spielenden Polen zu fordern. Aber sein wir ehrlich: Piatek war auch gegen Freiburg wieder kein Faktor in Herthas Spiel. In der zweiten Halbzeit nahm er eine Flanke gefährlich per Kopf ab – das war’s.

Fazit: Ein erschreckend schlechter Jahresabschluss

Beängstigend ist, dass Freiburg nicht einmal eine wirklich starke Leistung brauchte, um Hertha mit 4:1 zu besiegen. Eigentlich reichte den Breisgauern ein bisschen Robustheit im Mittelfeld, den Rest erledigte Hertha mit Fehlpässen und falschem Stellungsspiel. Auch die Fakten zur Tabellensituation sind alarmierend: Hertha hat nach 13 Spielen drei Punkte vor der Relegationszone und befindet sich mal wieder im Abstiegskampf, im Pokal ist man seit Runde eins nicht mehr dabei. Hertha hat inzwischen die drittmeisten Gegentore der Liga kassiert, auch im Pokalspiel gegen aufgestiegene Zweitliga-Braunschweiger kassierte man fünf Tore.

Aber auch qualitativ muss man sich Sorgen machen. Labbadia ist es nicht gelungen, die Mannschaft nach dem harten Umbruch zusammenzuschweißen – nach 14 Pflichtspielen muss es erlaubt sein, zu diesem Fazit zu kommen. Labbadia nach nicht einmal einem Jahr des Amtes zu entheben, würde die Situation wahrscheinlich noch weiter destabilisieren. Aber mit 1,18 Punkten pro Spiel hat er den schlechtesten Punkte-pro-Spiel-Wert seit Otto Rehhagel. Es liegt vieles im Argen.

[Titelbild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images]