Hertha BSC – 1. FSV Mainz 05: Drei Schlüsselduelle

Hertha BSC – 1. FSV Mainz 05: Drei Schlüsselduelle

Mit einem Heimsieg zur besten Spielzeit um 18:30 Uhr kann Hertha BSC am Samstag gegen den 1. FSV Mainz 05 den Klassenerhalt sichern. Worauf es ankommt, lest ihr hier.

Für die letzten beiden Spiele der Saison hat sich Hertha BSC in eine gute Ausgangslage manövriert. Vier Punkte trennen die Berliner von dem VfB Stuttgart, welcher sich auf dem Relegationsplatz befindet.

Der direkte Abstieg scheint derweil abgewendet zu sein. Nur wenn Arminia Bielefeld die letzten beiden Partien gewinnt und Hertha gleichermaßen verliert, würde Hertha wegen der schlechteren Tordifferenz noch direkt absteigen – ein nicht unmögliches, aber durchaus unrealistisches Szenario.

Selbst ein Punkt gegen Mainz könnte Hertha den direkten Klassenerhalt sichern, insofern der VfB Stuttgart nicht gegen die Ibiza-Partykönige aus München gewinnt. Damit Hertha im eigenen Stadion den Klassenerhalt feiern kann, entscheiden folgende Aspekte:

Das Fünfer-Bollwerk knacken

Seit dem ersten Spieltag glaubt Mainz an die eigene defensive Fünferkette – und das nicht zu unrecht. Mit lediglich 42 Gegentoren haben nur drei andere Teams der Liga (Bayern, Freiburg und Union Berlin) weniger Treffer aus dem eigenen Netz fischen müssen. Defensiv spielt Mainz innerhalb der Bundesliga also Champions League.

Stefan Bell, Alexander Hack und Moussa Niakhate bilden dabei die Säulen der Innenverteidigung. Vor allem die beiden Letztgenannten weisen über die gesamte Saison hin starke Zweikampfwerte auf. Laut Kicker gewann Hack in 26 Spielen insgesamt 62 Prozent seiner Zweikämpfe, Niakhate absolvierte 28 Spiele und gewann insgesamt 60 Prozent seiner Zweikämpfe.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Zum Vergleich Marc Oliver Kempf gewann auf der Berliner Seite lediglich 53 Prozent seiner Zweikämpfe, bei Dedryck Boyata sind es immerhin 58 Prozent.

Trotz guter Leistungen in den vergangenen Wochen wird es Hertha – spielerisch stets limitiert – schwer haben, gegen das Mainzer Bollwerk entscheidend durchzubrechen. Wie das dennoch gelingen kann, folgt im nächsten Abschnitt.

Gleichsam muss Hertha vor allem auf die eigene linke Seite aufpassen: Es ist die Offensivere der Mainzer. Selbst Rechtsverteidiger Silva Widmer bereitete diese Saison fünf Treffer vor. Vor ihm steht Anton Stach, auch er steuerte für Mainz vier Assists bei.

Ein angreifendes Hertha-Mittelfeld

Seit dem 1:0-Sieg gegen den FC Augsburg und vor allem seitdem Felix Magath das Zepter übernommen hat, stehen die Berliner kompakter. Die Verteidigung scheint kein Schweizer Käse mehr zu sein – und endlich schießt das Team auch wieder Tore. Doch das zumeist durch Impulse aus der Verteidigung.

Gegen den VfB Stuttgart bereitete Marvin Plattenhardt das 1:0 per Flanke vor, auch gegen die Arminia aus Bielefeld war es Plattenhardt, der einen Eckball auf Lucas Tousart schlug, welcher per Kopf einnetzte. Doch sollte es eigentlich das Mittelfeld sein, welches Treffer maßgeblich einleitet.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Hier scheint vor allem Suat Serdar auf der linken offensiven Außenbahnen in seinen Fähigkeiten beraubt. Als „Achter“ braucht er das Spielfeld vor sich, um Angriffszüge mit tiefen Pässen klug einleiten zu können und dabei gegnerische Spieler mit seinen Pässen zu überspielen. Als zentraler Mittelfeldspieler gelang ihm das deutlich besser, als auf der linken Außenbahn.

Sich auf Plattenhardts Flanken zu verlassen, wird gegen die dichte Fünferkette der Mainzer aber schwierig. Wichtig wird sein, dass sich vor allem die offensiven Außenspieler der Hertha maßgeblich in die Offensivbemühungen integrieren, sich dann beispielsweise von den eigenen Verteidigern überlaufen lassen, um den Pass zu ihnen zu spielen oder nach innen, in den Strafraum hinein zu ziehen.

Den Strafraum beherrschen

Zwangsläufig wird sich Herthas Stürmer, vermutlich Davie Selke, zumeist allein im Mainzer Strafraum wiederfinden. Damit sich beispielsweise Boateng als Zehner als hängende Spitze leicht versetzt hinter Selke im Sturm integrieren und ebenfalls den Strafraum besetzen kann, ist Herthas Spiel in der Offensive noch zu schwerfällig. Zu sehr wird Boateng als Initiator vor dem Strafraum gebraucht, als dass er sich selbst dort wiederfinden würde.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Allein wird es Selke gegen die drei Innenverteidiger aber schwer haben. Umso mehr muss Hertha auf die „zweiten Bälle“ lauern. Das bedeutet: Im offensiven Spiel muss das Halbfeld vor dem Mainzer Strafraum mit Hertha Spielern besetzt sein. Im Idealfall drängt man die Defensive, auch die Mittelfeldspieler so weit in den Strafraum hinein, das man vor dem Strafraum auf die zweiten Bälle lauern kann.

Zugegeben: Hertha ist nicht Bayern. Mainz allerdings auch nicht – auch wenn es ihnen gelang, den Partywütigen Meister am vergangenen Spieltag zu schlagen.

[Titelbild: Alex Grimm/Getty Images]

Drei Schlüsselduelle: FC Augsburg – Hertha BSC

Drei Schlüsselduelle: FC Augsburg – Hertha BSC

Nach der desolaten 1:4 Niederlage im Derby gegen Union Berlin hat die seit Wochen anhaltende Krise der Hertha ihren Höhepunkt erreicht. Die Stimmung ist auf einem neuen Tiefpunkt, insbesondere die der Hertha-Anhänger:innen. Gegen den FC Augsburg hat Hertha die Chance einer kleinen Wiedergutmachung mit den eigenen Fans – und die Möglichkeit, extrem wichtige drei Punkte für den Klassenerhalt zu sichern. Damit das gelingt, sind diese drei Faktoren entscheidend.

Herthas Offensive – wer siegen will, braucht Tore

An dieser Stelle beschreiben wir meist Spielerduelle, die für einen Sieg entscheidend sind. Aufgrund der schwachen Offensive von Hertha, steht an dieser Stelle der gesamte Sturm-Block der Berliner.

Gegen Union Berlin stellte Hertha-Trainer Felix Magath wie beispielsweise auch schon gegen Bayer Leverkusen extrem defensiv auf. In einem 4-1-4-1 System sollte die anfällige Hertha-Abwehr gestärkt werden – und über Konter Tore für Hertha fallen.

Beide Male ging das nicht auf: Herthas Offensive schien in beiden Spielen nahezu unsichtbar. Den Offensivspielern kann man dafür kaum die Hauptschuld geben. In einem solch defensiven System ist es für die generell spielerisch schwache Hertha kaum möglich, über eigene Ballstafetten Torchancen zu kreieren.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Nunmehr befindet sich Hertha allerdings mit mageren 26 Punkten auf dem 17. Tabellenplatz. Es blieben nur noch fünf Spiele, um zu punkten. Das bedeutet: Tore müssen her. Entscheidend wird sein, ob Felix Magath sich traut, offensiv aufzustellen. Auch wenn das zu Lasten der defensiven Stabilität geht – aber Gegentore erhält Hertha die gesamte Saison sowieso schon wie am Fließband.

Mit einer offensiven Ausrichtung muss es Hertha gelingen, in Führung zu gehen, diese lange zu halten und über die Führung Selbstvertrauen zu generieren. In den verbleibenden Spielen ist das der Schlüssel zum Sieg.

Der fehlende Leader: Die Zeit vom Prinzen

Nahezu die gesamte Saison über nahm Kevin-Prince Boateng auf der Bank Platz. Lediglich Kurzeinsätze gab es für ihn – 421 Minuten hat er laut transfermarkt.de in dieser Saison insgesamt gespielt. Was er in diesen wenigen Minuten gezeigt hat ist, dass er das Spiel auf der achter Position spielerisch durchaus bereichern kann – mit schnellen Entscheidungen und klugen Pässen in die Spitze. Beides fehlt Hertha, allen voran wenn Suat Serdar nicht spielt oder auf dem Flügel eingesetzt wird.

Zudem ist er ein Leader und Kämpfer – wohl der Einzige im gesamten Team, wie auch Felix Magath gegenüber Sky äußerte: „Er könnte seine Mitspieler mitreißen und Spiele wie gegen Union mit seiner Mentalität umbiegen.“ Doch immer wieder ist er von Verletzungen geplagt. Hertha muss es gelingen, Boateng fit zu bekommen. Für den Abstiegskampf würde seine Präsenz auf dem Spielfeld ein weiterer Antrieb sein.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Wenn es nicht gelingt. ihn über 90 Minuten spielen zu lassen, dann doch mindestens eine Halbzeit. Bis jetzt, zum 30. Spieltag spielte Boateng spielerisch keine Rolle und hatte genügend Zeit zur Regeneration und um seinen Körper fit zu kriegen: Jetzt ist die Zeit für ihn, um auf das Spielfeld zu treten.


Nach der peinlichen 1:4-Niederlage gegen Union Berlin sieht sich Hertha BSC am Rande des Abstiegs. Nur noch fünf Spiele bleiben, um auch nächste Saison in der Bundesliga spielen zu dürfen. Ein Weckruf.


Niklas Dorsch und Arne Maier: Das Augsburg-Herz

Niklas Dorsch, vor der Saison bei Hertha gehandelt und der verliehene Herthaner Arne Maier bilden das Herzstück des Augsburger Spiels. In der Defensive rackert sich vor allem Dorsch ab, Maier glänzt mit einem guten Stellungsspiel und läuft die Räume zu. In der Offensive verlagern sie das Spiel oft auf die Flügel – und initiieren die Angriffe aus den Achter-Positionen heraus.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Beide Spieler muss Hertha kalt stellen, um die Offensive von Augsburg lahmzulegen. Die Spieler dazu hat Hertha: Mit einem giftigen Ascacibar und laufstarken Spielern wie Tousart und Darida, welche die Passwege der beiden Augsburger zu laufen können.

Gleichsam braucht Hertha gegen Augsburg schnelle Balleroberungen im Mittelfeld, um über wenige Stationen die Offensive ankurbeln zu können – denn läge Ballstafetten liegen den Berliner nicht.

[Titelbild: Matthias Kern/Getty Images]

Drei Thesen zum Spiel: Hertha BSC vs Gladbach

Drei Thesen zum Spiel: Hertha BSC vs Gladbach

Reißt womöglich am Samstag der Geduldsfaden der leiderprobten Hertha-Fans? Fakt ist: Eine Niederlage dürfen sich die Berliner im „Topduell“ am Samstag nicht leisten. Doch was kann den Berliner Fans im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach Hoffnung geben? Unsere drei Thesen zum Spiel.

Kaum Fokus bei Hertha aufs Sportliche

Wann war die letzte Woche, in denen Hertha-Fans mal ein wenig Leid erspart blieb und sie nicht die Stirn runzeln mussten über das Handeln im Verein? Und damit sind noch nicht einmal die desolaten Ergebnisse und Spiele gemeint, welche das Team seit Monaten abliefern.

Viel mehr gab es in dieser Woche den vorzeitigen Abgang von Sportdirektor und Club-Legende Arne Friedrich zu verkraften. Sein Abschied zum Saisonende war schon länger klar – nun verlässt er noch früher das Schiff. Und auch Lars Windhorst fühlte sich genötigt, sich öffentlich über die Hertha zu äußern – beziehungsweise über die gedrehte Dokumentation über die Mannschaft, die nun doch nicht ausgestrahlt wird.

Hertha gleich in diesen Tagen mehr einem Boulevard- und Entertainment-Angebot, als einer professionellen Sportmannschaft. Nichtsdestotrotz soll es am Samstag in Mönchengladbach gegen die dortige Borussia wieder sportlich werden. Unsere drei Thesen dazu.

These 1: Ein Trainer, der untergeht

Sollte Hertha BSC auch dieses Spiel verlieren, fliegt Trainer Tayfun Korkut vom sowieso schon sinkenden Hertha-Schifff. Gegen Köln verlor man zum Rückrundenauftakt mit 1:3, gegen Bayern 1:4, auch gegen Abstiegskonkurrent Greuther Fürth ging man 2:1 unter. Es folgten noch schlimmere Niederlagen gegen Leipzig, Freiburg und Frankfurt.

Im DFB-Pokal schied man gegen den Stadtrivalen aus. Dem gegenüber stehen magere zwei Punkte in diesem Jahr: 0,75 Punkte pro Spiel weist Korkut bei Hertha BSC auf – ein grausamer Wert.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Schon jetzt kann Geschäftsführer Fredi Bobic kaum mehr Argumente besitzen, an Korkut festzuhalten. Zwar sahen die ersten Spiele unter Korkut vor allem im offensiven Bereich deutlich besser aus als unter Pal Dardai – Bobic und auch viele Fans hatten sich das gewünscht – doch fehlt der Wert dahinter, wenn die Punkte nicht eingebracht werden. Zumal inzwischen auch die guten Ansätze aus den ersten Spielen vollends weg sind – das Selbstbewusstsein der Mannschaft ist desaströs, die Abwehr noch instabiler geworden, als unter Dardai.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine Niederlage gegen Gladbach für Korkut das Aus als Hertha-Trainer bedeutet.

These 2: Hertha-Fans, die verbal ihren Frust äußern

„Oh, wie ist das schön!“, riefen die Hertha-Fans noch am vergangenen Spieltag, als die Mannschaft gegen Frankfurt mit 4:1 zurücklag. Das letzte Tor bekam die Mannschaft, als sie eine Minute zuvor selbst trafen. Der Galgenhumor der Hertha-Fans ist bewundernswert. Nachdem Abpfiff sollten dennoch Buh-Rufe folgen.

Und irgendwie ist es verwunderlich – teils eben auch bewundernswert – wie sehr die Hertha-Fans ihr Team Spieltag für Spieltag lange, lange Zeit anfeuern und ihr bestes geben, die Mannschaft zu pushen. Denn im Gegenzug gibt es von den Spielern Aktionen, die nicht einmal mehr Zweitligatauglich sind.

Vor allem hier ist die Abwehr zu nennen: Was allen voran Dedryck Boyata, Marc Oliver Kempf und Peter Pekarik für Fehler passieren, ist schlichtweg peinlich. Etliche Fehlpässe, grauenhafte Zweikämpfe und Unvermögen, einen soliden Spielaufbau aus der Abwehr heraus zu gestalten, sind nicht nur für die zweitmeisten Gegentore in der Liga verantwortlich – sondern auch für eine völlig verunsicherte Mannschaft.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Gleichsam schafft es auch das Mittelfeld nicht, sich der Abwehr anzubieten – es wirkt, als hätten sie Angst vor dem Ball. Erbarmt sich dann doch mal ein Spieler, folgen keine klugen Bewegungen und Drehungen, keine Pässe in die Tiefe, die aufgrund einer guten Übersicht möglich sind – sondern Rückpässen. Hertha BSCs Aufbauspiel in a nutshell.

Und fast vergessen: Regelmäßig rutscht ein Spieler aus, wie etwa Boyata gegen Frankfurt, was ebenfalls zu Gegentoren führt.

Es ist blanker Hohn, was die Mannschaft den eigenen Fans zumutet. Samt der peinlichen Darstellung in der Öffentlichkeit, scheint das Fass langsam endgültig voll. Entsteht auch gegen Gladbach ein negativer Spielverlauf, werden die Fans mit der Mannschaft brechen. Lautstarke Pfiffe gegen die eigene Mannschaft werden die Folge sein – deutlich mehr und konsequenter, als jetzt.

These 3: Was gibt Hoffnung?

Aus Hertha-Sicht wohl nicht viel. Selbst das Gladbach im vergangenen Spiel gegen Stuttgart eine 2:0 Führung verspielt und letztlich noch 2:3 verlor, scheint kein Funken der Hoffnung für die Blau-Weißen zu sein. Gladbach wird alles daran setzen, dass sich das nicht wiederholt, zumal sich die eigene Krise dadurch eklatant verstärken würde. Spielerisch ist Gladbach dazu in der Lage.

Dennoch: Tabellenplatz 13 und nur vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, samt 51 Gegentoren, sprechen nicht für Gladbach und zeichnen ein Bild einer verunsicherten Mannschaft, die in dieser Saison keinen roten Faden mehr ins eigene Spiel bekommen zu scheint.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Womöglich gelingt Hertha ausnahmsweise gar mal ein früher Treffer, welcher die angeschlagene Gladbacher Mannschaft weiter verunsichern dürfte. Schafft es Hertha, sich die Schwäche in der Gladbacher Abwehr zu nutze zu machen, kann ein Sieg gelingen. Somit die These: Geht Hertha in Führung, gewinnen sie das Spiel.

[Titelbild: Matthias Kern/Getty Images]

SpVgg Greuther Fürth gegen Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

SpVgg Greuther Fürth gegen Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

Am Samstag sind die Berliner zu Gast in Greuther Fürth. Nach dem enttäuschenden Unentschieden gegen den VfL Bochum, werden dringend drei Punkte gegen den Aufsteiger benötigt. Wie das gelingen kann und auf welche Duelle es ankommt, erfahrt ihr hier.

Das Duell der Torhüter: Schwolow gegen Linde

Gegen den VfL Bochum ist es zum wiederholten Male in dieser Saison passiert: Hertha-Keeper Alexander Schwolow patzte und wehrte in der 48. Spielminute einen Schuss von Jürgen Locadia schwach ab – und genau in die Füße von VfL-Stürmer Sebastian Polter. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Schwolow durch eigene Fehler auffiel.

Schrieb man in der vergangenen Saison noch fehlendes Torwartglück zu, weil viele Bälle einfach schwer kamen oder 60/40-Schüsse waren, die er zwar hätte halten können, nicht aber muss, sieht es in dieser Saison anders aus. Die Hertha-Gemeinschaft scheint sich auch einig zu sein und wünscht sich einen Wechsel zwischen den Pfosten. Doch daraus wird zumindest gegen Greuther Fürth erst einmal nichts.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Rune Jarstein, rehabilitiert derzeit nach einer Knie-OP und hatte lange mit den Folgen einer Corona-Erkrankung zu kämpfen, kommt für das Spiel nicht in Frage. Auch Neuverpflichtung Oliver Christensen fällt wegen muskulärer Probleme aus. Einmal mehr also, wird Alexander Schwolow das blau-weiße Tor hüten müssen.

Aber auch bei Fürth bahn sich ein Torwartwechsel an. So patzte Ex-Herthanr Sascha Burchert vor dem 1:2 und war maßgeblich an dem Gegentreffer beteiligt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Neuzugang Andreas Linde gegen die Hertha im Tor stehen wird.

Entscheidend wird also sein, wer seine Abwehr besser im Griff hat – und im Falle Schwolows, ob er sich selbst im Griff hat und eine fehlerfreie Leistung zeigen kann.


In unserem Podcast haben wir eine Torhüter-Diskussion geführt. Ist Schwolow noch die richtige Nummer eins? Könnte Christensen ihn bereits beerben? Muss man auch auf Torwarttrainer Menger blicken? Hört gerne rein!


Belfodil – tankt er Hertha zum Sieg?

Vor der Saison hätte vermutlich kaum einer gedacht, wie stark sich Ishak Belfodil bei der Hertha präsentieren würde. An nahezu jedem Angriff der Herthaner ist er beteiligt – ob im Zusammenspiel mit Zauberfuß Suat Serdar oder als Abnehmer von Stevan Jovetics Pässen und Flanken.

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(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Nach vier Gegentoren gegen den VfL Wolfsburg wird es für die angeknackste Abwehr von Fürth also darauf ankommen, vor allem Ishak Belfodil in den Griff zu bekommen. In 15 Einsätzen traf er bisher zwei Mal und legte zwei weitere Tore auf – er wird großes Interesse daran haben, sein Konto gegen Fürth aufzustocken.

Gegen Hertha wartet ein Dreiersturm – steht die Abwehr?

Gegen Bochum präsentierte sich Neu-Herthaner Marc Oliver Kempf mit einer soliden Leistung an der Seite von Niklas Stark. Inzwischen ist aber klar: Kempf hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Somit muss die Hertha-Defensive erneut durchgewirbelt werden – wie so oft in dieser Saison.

Mit Dedryck Boyata und Marton Dardai fehlen zwei weitere Innenverteidiger. Korkut hat sich auf der Pressekonferenz bereits auf Linus Gechter als Kempf-Ersatz festgelegt. In seinen bisherigen fünf Spielen machte es der 17-Jährige meist gut. Doch gegen Greuther Fürth muss sich die Defensive auf einen Dreiersturm einstellen – das verlangt von den Verteidigern viel taktische Disziplin.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Zwar ist Greuther Führt nicht für ihr Offensivspiel bekannt, doch bedeuten drei Stürmer immer, dass zu jeder Zeit einer, zwei, gar alle drei, tiefe Läufe gehen und in den Strafraum eindringen können. Gleichsam könnten alle drei auch als „Sturmtanks“ fungieren und sich als spieleinleitende Stürmer bis zur Mittellinie zurückfallen lassen. Hier wird entscheidend sein, wie die Hertha-Verteidiger samt des Mittelfelds mit den drei Stürmern umgehen werden – und ob Herthas Defensive sie händeln können.

(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Hertha gegen Bayern: Drei Schlüsselduelle

Hertha gegen Bayern: Drei Schlüsselduelle

Die bittere Pokal-Niederlage gegen den Stadtrivalen Union Berlin sitzt noch tief. Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation treffen die Berliner auch noch auf den Rekordmeister. Zählbares mitzunehmen, scheint für die Berliner unwahrscheinlich – doch zeigte der Sieg gegen Borussia Dortmund: Möglich ist alles. Auf welche Schlüsselduelle kommt es am Sonntag an?

Die Verteidigung muss endlich ihren Job machen

Im Spiel gegen Bayern wird es vor allem auf die Verteidigung ankommen, die in der bisherigen Saison schlichtweg grausam agiert. Insgesamt 38 Gegentore – der schlechteste Wert aller Bundesligisten – belegen das. Selbst in der zweiten Bundesliga haben mit jeweils 39 Gegentoren nur Sandhausen und Ingolstadt mehr Treffer ins eigene Tor kassiert.

Positiv ist, dass auch die Verteidigung unter Korkut vermehrt versucht, das Spiel aufzubauen. Gelungen ist das gegen Union ab der 30. Minute, als sich mit Darida oder Ascacibar jeweils ein Sechser zwischen die Innenverteidiger gestellt hat und im kollektiv versucht wurde, den Ball über schnelle und direkte Pässe ins vordere Drittel zu bugsieren.

Im eigenen Defensiverhalten wirkt die Berliner Verteidigung oft – leider muss man es so deutlich sagen – amateurhaft. So sagte Sportdirektor Arne Friedrich bezüglich der Abwehrleistung im Derby: “Wir verteidigen wie eine Schülermannschaft.” Im Spiel gegen Bayern werden vor allem die Außenverteidiger (vermutlich Pekarik und Mittelstädt) gefordert sein.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Bayerns eigene Außenverteidiger überlaufen die offensiven Kräfte oft und schaffen somit ein Überzahlspiel. Gleichsam verlagern sich die zentralen Spieler, etwa Musiala, Goretzka und Kimmich auf die linke oder rechte Seite – je nachdem wo von welcher Seite Bayern aufbaut – um zusätzliche Anspielmöglichkeiten zu schaffen und noch mehr Überzahl entstehen zu lassen.

Für Herthas Außenverteidiger bedeutet das Stress pur – und absolute Konzentration bezüglich der taktischen Ausrichtung. Sie werden zudem Unterstützung der Innenverteidiger und der Sechser brauchen, um gegen das Überzahlspiel der Bayern anzukommen. Ein starkes Kollektiv und das Ausstellen der so vielen individuellen Fehler wird von Nöten sein, um gegen die Münchener defensiv bestehen zu können.

Tiefe Pässe in die Spitze – der Sturm muss gefüttert werden

Gegen Union Berlin versuchte Hertha das offensive Spiel über Belfodil als „Sturmtank“ aufzubauen. Heißt, er wird angespielt und hält den Ball gegen ein, zwei attackierende Verteidiger, bis weitere Spieler nachrücken und er diese mit Pässen in die Tiefe anspielen konnte.

Ein gewohntes Bild im Hertha Spiel – hat man es zuvor genauso etwa mit Jhon Cordoba gemacht. Allerdings kann nur darauf kein offensives Spiel aufbauen. Auch das Mittelfeld muss endlich damit anfangen, die Stürmer mit tiefen Pässen zu füttern – ausgenommen Suat Serdar, der das bisher stark macht.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Zu wenig kommt aber bisher von Vladimir Darida, der zwar bemüht ist, dessen hohe Fehlpassquote und schwache Entscheidungsfindung in der gegnerischen Hälfte jedoch zahlreiche Angriffe zunichte machen. Auch Jurgen Ekkelenkamp, eigentlich exakt für das Herausspielen von Chancen verpflichtet, kann sein Potenzial noch nicht ausschöpfen. Im 4-2-2-2-System von Trainer Tayfun Korkut fühlt er sich als verkappter Außenspieler sichtlich nicht wohl, was in vielen Ballverlusten und wenigen guten Zuspielen mündet.

Da auch von Spielern wie Myziane Maolida zu wenig kommt, liegt die Hoffnung auf eine Rückkehr von Stevan Jovetic. Der Montenegriner fehlte aufgrund von Wadenproblemen in den letzten vier Spielen, bildete zuvor eine starke Doppelspitze mit Belfodil. Trainer Korkut nennt Jovetic einen “Verbindungsspieler” für Mittelfeld und Sturm. Womöglich kann der 32-Jährige diese Fähigkeit gegen den FC Bayern wieder in die Mannschaft bringen.

Stoppt Lewandowski – egal wie

Ganz ausschalten wird man den erst kürzlich zum Weltfußballer geführten Robert Lewandowski nicht können. Zentral wichtig ist es aber, dass er aus dem eigenen Strafraum rausgehalten wird. Bekommt er im Sechzehner den Ball, resultiert daraus nicht selten ein Tor. Ziel muss es sein, ihn per enger Manndeckung aus dem Sechzehner zu drängen und ihn zu zwingen, sich die Bälle hart zu erkämpfen.

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(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Rückt ein Innenverteidiger wegen der Manndeckung dann mit ihm raus, müssen etwa die Sechser schnell schalten und die offene Innenverteidiger-Position kurzfristig besetzten – so lange, bis die Situation geklärt ist. Gegen Borussia Dortmund hatte es Hertha hervorragend verstanden, so Erling Haaland aus dem Spiel zu nehmen – das macht ein wenig Hoffnung.

Wie dem auch sei: Für Hertha wird das Spiel ein Kraftakt werden. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft trotz des Spiels unter der Woche noch genug Tank in Reserve hat. Kaum einer wird gegen Bayern einen Sieg erwarten – vor allem aber nach der Niederlage gegen Union erwarten die Fans, dass sich die Mannschaft bis aufs Letzte aufopfert. Durchaus darf das auch der Anspruch sein.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)