Zwischenbericht: Hertha holt Punkt in Mainz – was passiert gegen Freiburg?

Zwischenbericht: Hertha holt Punkt in Mainz – was passiert gegen Freiburg?

Gegen den 1. FSV Mainz 05 sicherte sich Hertha BSC einen Punkt. Nach über 20 Tagen ohne Spiel wirkte die Mannschaft zunächst nervös, konnte sich im weiteren Spielverlauf aber fangen. Gar der der späte Siegtreffer lag auf den Füßen von Krzysztof Piatek, doch vergab er leichtsinnig. Nun wappnet sich Hertha für das zweite Nachholspiel am Donnerstag, gegen den SC Freiburg. Unser Zwischenbericht.

Gegen Mainz noch etliche Fragezeichen

Etliche Fragezeichen standen vor dem ersten der insgesamt drei Nachholspielen von Hertha BSC gegen den 1. FSV Mainz 05. Wie wird die Mannschaft damit umgehen, seit 23 Tagen kein Spiel mehr bestritten zu haben? Lassen sich die Berliner den Druck anmerken, konnte das Team doch nur dabei zugucken, wie die direkten Konkurrenten punkten? Im sky-Interview vor dem Spiel betonte Hertha-Trainer Pál Dardái, dass es vor allem darum gehen wird, „die erste Halbzeit zu überleben“, um in der Pause dann nachzujustieren und korrigierend einzugreifen.

Letztlich zeigt sich: Er sollte recht behalten. Hertha zeigte sich zunächst nervös, wirkte zuweilen unkonzentriert gegenüber dem starken und druckvollen Pressing der Mainzer. Vor allem in der Anfangsphase schien es, als müssten sich die Berliner zunächst an das schnelle Spieltempo gewöhnen, bevor die Automatismen endlich greifen können. Etwa in der achten Spielminute, als nach einem Einwurf der Mainzer Jean-Paul Boetius völlig ungedeckt und frei vor Hertha Torhüter Alexander Schwolow zum Schuss kommt – für viele blau-weiße Fans der erste Schockmoment des Spiels. Doch traf Boetius den Ball nicht sonderlich gut, er ließ die hochprozentige Chance liegen.

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Foto: IMAGO

Nur, um eine Minute später wieder vor Alexander Schwolow aufzutauchen. Sami Khedira hatte den Ball, erneut nach einem Einwurf, in Richtung des eigenen Tores geköpft. Doch auch diese Chance konnte Boetius nicht nutzen – er schoss die Unterkante der Latte an. Glück für Hertha – schon hier hätte die Mannschaft 2:0 zurückliegen können, vielleicht mindestens 1:0 zurückliegen müssen. Man merkte, dass Hertha anschließend bemüht war, eigenen Ballbesitz zu kreieren, den Ball zirkulieren zu lassen und die Automatismen greifen zu lassen. Bis zur 20. Minute – plötzlich tauchte Adam Szalai völlig frei vor Schwolow auf, setzte zum frechen Lupfer an, doch (endlich, möchte man sagen) war das Glück und das Können auf Schwolows Seite. Den Heber konnte er mit seiner rechten Hand stark parieren.

Auf das 0:1 folgt das 1:1 – doch Hertha scheint gewappnet

Es dauerte gut eine halbe Stunde, bis die Berliner wirklich im Spiel waren. Es war nur klug, dass direkt ausnutzen. Nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld von Marton Dardái kommt Lucas Tousart zum Kopfball – und netzte sein erstes Saisontor für Hertha ein. Die Erleichterung dürfte auf Berliner Seite riesig gewesen sein. Dem Mindestziel von vier Punkten aus den drei Nachholspielen war man damit auf einem Schlag sehr Nahe gekommen. Und es folgte fast das 2:0 – doch Matheus Cunha vergab frei vor dem Tor kläglich und kullerte Robin Zentner den Ball in die Arme.

Generell fiel Cunha, wie leider so oft, durch wildes lamentieren und gestikulieren auf. Durchaus zeigt das seine Leidenschaft, auch seinen Willen – doch ist es ein Problem, wenn Meckern und Jammern seine hauptsächlichen Spielszenen sind. Von seinem Genie zeigte er gegen Mainz nichts. Dabei wäre ein Tor aus seiner Großchance so wichtig gewesen – stattdessen aber netzte Phillipp Mwene nur vier Minuten nach der Berliner Führung mit einem Sonntagsschuss ein und glich die Partie damit aus. Es ging in die Halbzeitpause.

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Und Pál Dardái korrigierte ordentlich. Nach der Pause sah man der Mannschaft die Quarantäne kaum noch an. Das Team wirkte solider und gefestigter als in der ersten halben Stunde des Spiels. Spielerische Akzente gab es jedoch kaum welche mehr – beide Teams versuchten vorrangig Fehler zu vermeiden, ist für Beide doch jeder Punkt so wichtig. Bis zur 82. Minute: Vladimir Darida wurde von Nemanja Radonjic geschickt und legte für Piatek auf. Doch der sauste mit viel zu viel Geschwindigkeit an, weshalb er den Ball nicht kontrollieren konnte und er quasi angeschossen wurde, weshalb der Ball letztlich aus etwa fünf Metern neben das Tor fliegt. Etliche Herthaner hatten den Jubelschrei vermutlich schon auf den Lippen, wenn nicht gar rausgeschrien.

Doch so blieb es letztlich bei einem für beide Teams verdienten Unentschieden. Insgesamt zeigten die Berliner eine engagierte Leistung – mit 113 Kilometern liefen sie genauso viel wie die Mainzer, mit 84,6 Prozent hatten sie auch die bessere Zweikampfquote. Hertha spielte aggressiv und kämpfte sich durchaus ins Spiel zurück. Doch die alten Probleme sind noch immer da, etwa Chancen zu kreieren. Am Donnerstag trifft die Mannschaft nun auf den SC Freiburg.

Den Spieß umdrehen und die Konkurrenz unter Druck setzen

Für die Freiburger Mannschaft geht es in dieser Saison um nicht mehr viel. Der Klassenerhalt ist mit 41 Punkten gesichert und die internationalen Plätze sind zu weit weg. Für Hertha ergibt sich daraus die Möglichkeit, den Spieß umzudrehen. Denn mit einem Sieg würden die Berliner Köln, Bielefeld und auch Bremen überholen. Konnten die Spieler die letzten zwei Wochen selbst nur zusehen, wie die Konkurrenz gepunktet hat, haben sie es nun wieder selbst in der Hand.

Doch leicht wird es nicht. Freiburg spielt ein starkes Pressing, läuft den Gegner unermüdlich an und zwingt die Spieler so zu Fehlern. Insbesondere für das Berliner Mittelfeld und die Abwehr wird es ein intensives Spiel werden. Hertha muss erneut eine starke Laufleistung aufweisen und die Zweikämpfe wie gegen Mainz so gut annehmen. Und gegen Freiburg könnte auch der offensive Knoten platzen.

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Der SC Freiburg hat in dieser Saison bereits 50 Tore kassiert – nur vier andere Teams kassierten mehr. Zu erwarten ist, und so hat es Dardái auch schon angekündigt, dass er aufgrund der hohen Belastung fleißig rotieren wird. Etwa scheinen Darida und Pekarik sinnvolle Optionen für das Spiel zu sein. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass Hertha das Spiel machen und eine hohe Ballbesitzquote haben wird. Doch werden sich womöglich Lücken in der aufgerückten Fünferabwehrkette der Freiburger ergeben, die Hertha für schnelle und präzise gespielte Konter nutzen kann.

Der Auftritt gegen Mainz macht Mut. Die Befürchtungen, Hertha würde wegen der Quarantäne komplett einbrechen, haben sich bisher nicht bewahrheitet. Das Team zeigte auf die schwierige Situation eine angemessene Reaktion. Es gilt, im Spiel gegen Freiburg genau dort anzusetzen. Und womöglich befindet man sich nach Donnerstag für mindestens ein paar Tage nicht mehr auf einem Abstiegsplatz.

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1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC: Der Marathon beginnt

1. FSV Mainz 05 – Hertha BSC: Der Marathon beginnt

Seit dem 10. April hat Hertha BSC kein Spiel mehr bestritten, inzwischen befindet sich das Team auf dem 17. Tabellenplatz. Mit drei Spielen Rückstand zur Konkurrenz. Am Montag kehrt die Mannschaft vom „Homeoffice“ und der Quarantäne auf den Rasen zurück und spielt gegen die Mannschaft der Stunde – den 1. FSV Mainz 05. Wie fit und schlagkräftig Hertha aus der Quarantäne kommt, scheint unberechenbar zu sein. Mainz jedoch lieferte in den vergangenen Wochen genügend Spielmaterial für eine Analyse. Worauf muss sich Hertha einstellen, wenn das Team gegen den Bayern-Bezwinger siegen möchte?

Darüber, und was wir von Mainz erwarten können, haben wir mit Oliver Heil gesprochen, er ist Fan-Experte bei Spiegel Sport und zusammen mit Mara Pfeiffer Autor des Buches „1. FSV Mainz 05 Fußballfibel“. Nach der Hinrunde lag sein Herzensverein noch auf dem 17. Tabellenplatz, in der Rückrundentabelle belegt die Mannschaft, mit einem Spiel weniger, nun den fünften Platz. Doch ist die starke Punkteausbeute noch kein Grund zur Entspannung, wie Oliver Heil findet.

Hertha und Mainz: Unterschiedliche Gefühlswelten

Für die Hertha-Fans müssen die vergangenen Wochen qualvoll gewesen sein. Die Konkurrenz spielt, während die eigene Mannschaft wegen der Quarantäne nur zu gucken kann. Das Team hielt sich unter Online-Anleitung und Aufsicht von Athletik-Trainer Henrik Kuchno überwiegend auf dem Laufband und mit Trainingsbändern fit. Zuschauen mussten das Team und die Fans auch, als der 1. FSV Mainz 05 am vergangenen Spieltag die Meisterschaftsfeier des FC Bayerns verschob und mit einem 2:1 Sieg wichtige drei Punkte für den Klassenerhalt sicherte.

Nach dem 28. Spieltag, also vor Beginn der Quarantäne für Hertha BSC, stand Mainz mit 28 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz. Hertha rangierte mit zwei Punkten weniger direkt dort hinter, auf dem 15. Tabellenplatz. Das direkte Duell gegeneinander musste wegen der Quarantäne verschoben werden. Zwei Spiele später und sechs Punkte mehr, hat sich Mainz bis auf den 12. Tabellenplatz hochgekämpft und inzwischen satte 34 Punkte gesammelt. Seit sieben Spieltagen hat Mainz nicht mehr verloren, das verschobene Spiel gegen Hertha ausgenommen.

Der Lasso-schwingende Hype-Train aus Mainz

„Die Überzeugung ist nach dem Sieg gegen Bayern, und vor allem durch die Art wie er herausgespielt wurde, natürlich gewachsen“, sagt er. Damit habe Mainz einige Teams hinter sich gelassen, denen man nicht unbedingt einen Lauf zutraue. Damit wurden wichtige Schritte in Richtung des eigenen Klassenerhalts gemacht. Das Spiel gegen Hertha „ist dadurch aber nicht weniger wichtig. Ich bin null entspannt“, sagt Oliver Heil weiter. Vor allem, weil es unberechenbar scheint, wie Hertha nach der langen Pause in Form sein wird.

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„Hat die Quarantäne die Mannschaft zu einer Schicksalsgemeinschaft geformt oder ist sie in ihre Einzelteile zerfallen?“, fragt sich auch Oliver Heil. Die Beispiele Kiel und Sandhausen würden zeigen, dass Teams tatsächlich auch mit Schwung aus solchen Pausen kommen können. „Aber dann triffst du halt auf Mainz, wo gefühlt gerade jeder Spieler das Lasso schwingend auf dem Hype-Train reitet“, sagt Oliver Heil sichtlich begeistert von seiner Mannschaft. Hätte er vor zwei Wochen noch auf ein ödes Unentschieden getippt, ist er sich nun sicher: „Mainz gewinnt. Für Montag gibt es noch keine Punkte für euch, aber danach bestimmt“, sagt er zwinkernd.

Zumindest der Tonus scheint bei Hertha aber schon einmal zu stimmen. Meckern oder jammern wollte niemand im Team, „Wir nehmen diese Situation an, wir hadern nicht nicht mit der Situation“, sagte etwa Geschäftsführer Carsten Schmidt, kurz nachdem die positiven Tests bekannt wurden. Und er ergänzte: „Die Motivation ist maximal, ich spüre so so einen Spirit: Jetzt erst recht.“

Das Mainzer Spiel ist gefährlich, könnte der Hertha aber liegen

Selten zeichnen sich Mannschaften im Abstiegskampf durch passsicheren Ballbesitz-Fußball aus. So ist es etwa auch beim 1. FSV Mainz 05. Dennoch ist es laut Oliver Heil durchaus unangenehm, gegen die Mannschaft zu spielen. „Du musst wahnsinnig viel laufen, musst ständig versuchen, dich aus Presseng-Situationen zu befreien. Das Spiel der Mainzer lebt also vom Umschaltmoment“, beschreibt er den Fußball seiner Mannschaft. Für Hertha könnte es nach der langen Pause ohne Ball am Fuß gefährlich werden, sich einem ständigen Mainz-Gegenpressing gegenüber zu sehen. Maximale Konzentration, schnelles Denken und Lesen des Spiels, sowie eine hohe Passsicherheit werden entscheidend sein, um sich aus diesen Situationen zu befreien. Für eine Mannschaft ohne Spielrhythmus könnte das durchaus ein Problem werden.

Foto: Poolfoto Patrick Scheiber/Jan Huebner/IMAGO

Doch gelingt das, sind die Mainzer für ihr Pressing erst einmal aufgerückt und Hertha schafft es, die Situationen auszuspielen, kann es nach vorne in die Spitze sehr schnell gehen – stimmt dann noch der Abschluss, kann Hertha durchaus zählbares mit nachhause nehmen. Auch Hertha braucht den Ball nicht ständig am Fuß und glänzt etwa in Umschaltmomenten. Oft mit Jhon Cordoba, der den Ball in der Spitze fest macht und auf die Flügel verlagert. Von dort schlagen entweder die Außenverteidiger ihre Flanken hinein oder etwa ein Cunha geht ins Dribbling und zieht in den Strafraum.

Ein wichtiger Parameter dafür scheint das Passsiel der Mainzer zu sein. Denn das ist laut Oliver Heil „von der Statistik unterirdisch“. Und tatsächlich liegen die Mainzer mit 75,4 Prozent angekommener Pässe in dieser Saison auf dem letzten Tabellenplatz. Hertha hingegen befindet sich mit 82,1 Prozent angekommener Pässe auf dem achten Tabellenplatz. Ob sich Hertha durch kluges und schnelles Passspiel von dem gegnerischen Pressing befreien kann, wird also eine entscheiden Frage in diesem Spiel sein.

Das Abwehr-„Bellwerk“ brechen

Eine weitere Stärke der Mainzer liegt laut Oliver Heil im Abwehrverhalten. „In Mainz sprechen wir schon vom ‚Bellwerk‘, weil Stefan Bell da hinten der Turm in der Schlacht ist, der stabile Anker“, sagt er. Ergänzen würden ihn vor allem auch Moussa Niakhaté und Jeremiah St. Juste, „zwei technisch starke und sehr schnelle Verteidiger, die sich jederzeit ins Angriffsspiel einschalten können“, beschreibt er die verbesserte Defensivarbeit der Mainzer vor allem in der Rückrunde.

Doch bleibt die schwache Passquote der Mainzer – womöglich kann Hertha das mit eigenem Pressing für sich nutzen und das Ruder somit herumdrehen. Doch sind die Berliner nicht für ein starkes Spiel mit Pressing auf den Ball und zulaufen der Anspielstationen bekannt – weshalb es womöglich auf direkte Duelle der Berliner Edeltechniker mit der Mainzer Abwehr hinauslaufen wird.

Foto: Andreas Gora/IMAGO

Einen Vorteil für Mainz sieht Oliver Heil darin, dass sein Team den Abstiegskampf bereits angenommen habe – und auch, dass der Kader dafür ausgelegt sei. „Was Bo Svensson zusammen mit dem neuen Sportdirektor Martin Schmidt super hinbekommen hat, ist, die Mannschaft komplett auf den Abstiegskampf einzuschwören und alle mitzunehmen“, sagt er. Er sei nicht dicht an Hertha und dem Team dran, doch seiner Einschätzung nach, ist das in Berlin noch nicht der Fall. „Zumindest meiner Wahrnehmung nach ist das Dárdai in Berlin nicht so gelungen. Ich weiß nicht, ob die Stärken, die in diesem Kader stecken, die sind, die in der jetzigen Situation weiterhelfen“, sagt er.

Ob er Recht hat oder das Berliner Team vor Kampf und Motivation nur so strotzt, wird sich am Montag zeigen. Vier Punkte aus den drei Nachholspielen sind laut Pál Dárdai das Minimalziel – mehr dürften es aber gerne sein. „Den Druck muss die Mannschaft überleben, das ist eine machbare Aufgabe. Danach müssen wir über den nächsten Druck reden“, sagte der Hertha-Trainer in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Mainz. Damit beginnt für die Berliner am Montag der entscheiden Fußball-Marathon, mit sechs Spielen innerhalb von nur 20 Tagen.

[Foto: xUwexKoch/xEibner-Pressefotox/IMAGO]

Vorschau: VfB Stuttgart – Hertha BSC: Sind aller guten Dinge drei?

Vorschau: VfB Stuttgart – Hertha BSC: Sind aller guten Dinge drei?

Zum Auftakt seiner erneuten Amtsführung gab es für Pal Dardai zwei Niederlagen. Weder gegen Eintracht Frankfurt, noch gegen den FC Bayern München konnte gepunktet werden. Nun steht das dritte Spiel in der Saison mit Dardai als Trainer an, gegen den VfB Stuttgart. Doch was können wir von den Schwaben erwarten – und was von Hertha?

Darüber haben wir mit den Stuttgart-Experten Sebastian Rose und Andreas Zweigle von vertikalpass.de gesprochen.

Der VfB Stuttgart spielt so, wie man es von einem Aufsteiger nicht unbedingt erwartet. Ihr Spiel ist von frischem, torhungrigem Offensivfußball durch junge Charaktere geprägt. Zurück in der ersten Bundesliga präsentieren sich die Schwaben, als wären sie nie weggewesen. Zurecht haben sie sich in der aktuellen Saison im Mittelfeld etabliert.

Starker VfB: Davor muss sich Hertha in Acht nehmen

„Viele Spieler haben den nächsten Schritt gemacht“, sagen die Stuttgart-Experten Sebastian Rose und Andreas Zweigle über ihre Mannschaft. Einige sogar den Übernächsten, finden sie. Etwa Mateo Klimowicz oder Tanguy Coulibaly, die in der zweiten Bundesliga kaum eine Rolle gespielt hätten – nun aber beide einen Dauerplatz in der Startelf inne haben.

Eine große Stärke von Stuttgart und „den jungen Wilden“ liege darin, dass die Mannschaft nie aufgeben würde. „Auch bei Rückständen nicht“, sagen die Beiden. Aber wie es oft bei einer jungen Mannschaft ist, so schwankt auch bei den Schwaben die Formkurve häufig. Als Beleg dienen dabei das letzte Spiel, eine 2:5-Niederlage gegen Bayer Leverkusen. Auch gegen Bielefeld unterlag man mit 0:3 deutlich. Wohingegen die Schwaben zu Hause gegen Gladbach einen Punkt holen und Borussia Dortmund auswärts mit 5:1 besiegen konnten.

(Photo by Focke Strangmann – Pool/Getty Images)

Der VfB spielt flexiblen Offensivfußball, mit schnellen Spielern, die immer wieder in die Tiefe stoßen und so Gegenspieler an sich binden. „Das Team such immer die spielerische Lösung und glaubt immer an den Erfolg“, sagen Sebastian Rose und Andreas Zweigle. Vom tiefstehendem Aufsteiger, welcher mit langen Bällen in die Spitze operiert, kann hier nicht die Rede sein.

„Wenn das Team Raum für sein schnelles Umschaltspiel bekommt, dann ist der VfB nur sehr schwer zu verteidigen“, sagen die Beiden. Denn dann geht es mit schnellen Pässen von hinten nach vorne – Konterfußball, der gekonnt ist. Stuttgart funktioniert vor allem als „Underdog“, wenn der Gegner den Ball hat und das Spiel zu lenken gedenkt. Dann aber grätscht das kompakte Mittelfeld der Schwaben am liebsten zu, geht aggressiv in das Pressing und erobert sich den Ball, um ihn schnell und direkt in die Spitzen zu spielen.

Für Hertha ist der VfB Stuttgart ein durchaus ungemütlicher Gegner, liegen den Berlinern doch selbst auch Mannschaften eher, die selbst das Spiel gestalten. Rückt Hertha in diese Rolle, weiß das Team zu oft zu wenig mit dem Ball anzufangen.

Was für ein Spiel werden wir also sehen?

Skeptisch betrachtet wird es ein Spiel bestehend aus dem Mittelfeld beider Teams und einer großen Portion Langeweile. Läuft es klassisch, findet Hertha nicht die Lücken in der Abwehr des Gegners und schiebt den Ball dauerhaft hin und her, von der einen Seite zur Anderen – und zum Torwart, vermutlich Rune Jarstein. Auch Stuttgart wird es dann schwer haben, gegen eine tiefe und dichtstehende Berliner Abwehr. Aber, es kann auch alles anders laufen.

„Als Problemzone hat sich in den letzten Spielen die rechte Defensivseite entpuppt“, sagen die zwei Experten. Weder Pascal Stenzel noch Dinos Mavropanos haben sich hier dauerhaft beweisen können. Und die favorisierte Dreierkette in der Abwehr könnte für die schnelle und technisch starke Offensive der Berliner wie gerufen kommen.

(Photo by STEFANIE LOOS/AFP via Getty Images)

Gespannt sein darf man in jedem Fall auf die Aufstellung von Pal Dardai. Sowohl gegen Frankfurt als auch gegen Bayern wusste er mit einigen Änderungen zu überraschen. Darüber zu spekulieren wie gespielt wird, scheint deshalb sehr (wage)mutig. Also wieder zum VfB:

Mit Nicolas Gonzales fällt der drittbeste Scorer des Teams aus. Sorgen bereitet das Sebastian Rose und Andreas Zweigle aber nicht. „Er fehlte bereits zu Beginn der Saison und die Mannschaft konnte das gut kompensieren“, sagen sie. Etwa durch Sasa Kalajdzic, der ein gänzlich anderer Spielertyp sei und vor allem durch seine hohe Körpergröße von zwei Metern und dem einergehendem Kopfballspiel auffallen würde. Bekanntlich sind die Berliner bei Standards auch durchaus anfällig. Dennoch „sollte er nicht nur auf sein Kopfballspiel reduziert werden“, sagen die beiden weiter. Kalajdzic könne vielseitig einsetzbar sein, etwa im Kombinationsspiel oder auch als „klassischer Wanderspieler“, der die Meter macht und ins Gegenpressing geht. „Acht Tore sprechen für sich“, fassen die Beiden über ihn zusammen.

Und die Beiden haben eine Warnung an die Berliner Mannschaft: „Im Prinzip aber müsst ihr auf alle aufpassen, nur unseren Keeper Kobel könnt ihr ungedeckt lassen“, sagen sie. Na dann.

Ascacibar und Khedira an alter Wirkungsstätte

Angesprochen auf die Hertha, nennen die Beiden Matheus Cunha. „Er scheint euer Unterschiedsspieler zu sein“, sagen sie. Und nach seiner verpassten Chance in den Schlussminuten gegen Bayern und weiteren Spielen, in denen Cunha eben nicht den Unterschied gemacht hat, wird er heiß darauf sein, gegen Stuttgart etwas wieder gut zu machen.

Auch Santiago Ascacibar wird vermutlich wieder spielen. Dardai steht einfach auf Kämpfer und jene, die mit Herzblut und Leidenschaft dabei sind, also auch die nötige Härte mit sich bringen. Gegen Bayern überzeugte der „junge Skjelbred“, wie ihn Dardai taufte, mit starken Tacklings, Grätschen und wusste es gut, die Lücken zu schließen. Wer weiß, was dem Ex-Stuttgarter gegen seinen alten Verein noch so einfällt.

Zu überzeugen wusste vor allem auch Neuzugang Nemanja Radonjic. Gegen Bayern wurde er zwar erst in der 63. Minute eingewechselt, überzeugte in der guten halben Stunde aber mit extrem starken Dribblings auf seiner linken Seite, welche teilweise sogar die Bayern-Defensive schwindelig werden lies. Ihm könnte gegen Stuttgart gar ein Startelfeinsatz winken. Anders als Sami Khedira, dem man die viele Zeit ohne Spiele bei Juventus Turin ansah. Gleichsam spürte man aber auch seine Präsenz auf dem Platz – die Antwort ist ja: Er kann der Leader sein, den Hertha brauchte. 99 Spiele hat er in der Bundesliga schon auf dem Buckel – 98 davon beim VfB Stuttgart. Vielleicht folgt gegen sie mit einer Einwechslung sein 100.

Foto: xMatthiasxKochx/IMAGO

Schlussendlich prognostizieren die Beiden kein schönes Spiel. Eben weil beide Teams sich gegenseitig neutralisieren könnten und es beiden Teams schwer fällt, das Spiel über den eigenen Ballbesitz heraus gefährlich zu gestalten. „Am Ende wird es aber zwei zu eins für den VfB ausgehen“, glauben sie. Doch das prognostizierte Tor für Hertha, solle dabei ein ganz besonderes sein. „Den Treffer für die Hertha erzielt natürlich Sami Khedira in seinem 100. Bundesligaeinsatz.

[Titelbild: Photo by Maja Hitij/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC

Nach wenigen Tagen im Amt war es „Spiel Eins“ für Pal Dardai. Und bei seinem Comeback änderte er die Startaufstellung kräftig durch. Deshalb schauen wir in unserer Bewertung auch vor allem auf die „neuen“ Spieler. Insgesamt zeigte das Team eine engagierte und kämpferische Leistung. Aber, wie so oft in dieser Saison, präsentierte sich die Mannschaft vor allem in der Defensive stark anfällig.

Rune Jarstein bewahrte das Team lange mit herausragenden Paraden vor einem Rückstand. Letztlich musste er aber dennoch drei mal hinter sich greifen. Eintracht Frankfurt springt mit dem Sieg auf den dritten Tabellenplatz – und Hertha BSC ist endgültig im Abstiegskampf angekommen.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner nach diesem Spiel.

Rune Jarstein – Er kann es noch!

Der Startelfeinsatz von Rune Jarstein für Alexander Schwolow war vermutlich die größte Überraschung zu Beginn des Spieltags. Doch rechtfertigte Jarstein das Vertrauen von Trainer Pal Dardai. Immer wieder glänzte er mit herausragenden Paraden und bewahrte die Mannschaft schon in der ersten Halbzeit vor einem Rückstand. Etwa in der 28. Minute, in der Frankfurts Kamada vor Jarstein auftauchte und aus kurzer Distanz abschloss. Blitzartig tauchte Jarstein ab und parierte den Schuss.

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Dem 36-jährigen Routinier war die lange Zeit auf der Bank nicht anzumerken. Er strahlte viel Ruhe und Konzentration aus. Doch wird er auch mit seiner Verteidigung sprechen müssen – letztlich im Stich gelassen und ohne eigene Schuld, musste er drei mal hinter sich greifen. „Ich glaube, Rune war gut, er hat der Mannschaft gut getan“, sagte Dardai nach dem Spiel. Ob der Norweger auch im kommenden Spiel wieder ran darf, wird noch abzuwarten sein, seine Leistung hat es aber nicht unwahrscheinlicher gemacht.

Santiago Ascacibar – Auffällig unauffällig

Viel war im blau-weißen Trikot noch nicht vom 1,68 Meter kleinen Argentinier zu sehen. Lange Zeit ist Santiago Ascacibar verletzungsbedingt ausgefallen, war er fit, wurde er nicht berücksichtigt. Unter Dardai hat er nun seine Chance bekommen. Vermutlich auch, weil Ascacibar bekannt als Kämpfer ist, als einer, der auch mal dreckig ist und leidenschaftlich spielt.

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Zumindest mit seinen Laufdaten bestätigte er die Entscheidung. Kein Herthaner ist weitere Wege gegangen als er (fast 12 Kilometer). Nach hinten stellte er die Passwege oft gut zu und präsentierte ein solides Stellungsspiel. Nach vorne hin ging bei ihm aber auch wenig. Auch wenn dies primär nicht seine Aufgabe ist. Doch gute Ansätze waren zu sehen – mit mehr Spielpraxis, wer weiß, wie wichtig er noch werden kann. Seine kämpferischen Attribute sind es im Abstiegskampf allemal.

Zusammen mit Tousart hatte es der 23-Jährige gut verstanden, die offensiven Mittelfeldspieler Frankfurts, Kamada und Younes, zu bearbeiten. Drei Tacklings und vier abgefangene ´Bälle unterstreichen seinen Eifer und die permanent hohe Aufmerksamkeit. Dardais Bewertung: „Herz, Leidenschaft, Balleroberung, Wege machen. Er steht immer auf. Ich glaube, er hat auch eine gute Leistung gebracht.“

Lukas Klünter – engagiert, spielerisch aber limitiert

Auf der rechten Seite von Lukas Klünter herrschte Dauerbetrieb. Immer wieder tauchte vor allem Filip Kostic vor ihm auf und ging gegen Klünter ins Tempodribbling. Nicht selten verlor Klünter das Duell und die Frankfurter konnten in die Mitte flanken. Etwa bei der postwendenden Antwort zum 1:1, nachdem die Berliner kurz vorher erst in Führung gegangen sind. Kostic konnte seine Flanke an Klünter vorbei bringen und spielte sie perfekt auf den Kopf von Andre Silva.

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Allerdings dürfte hier vor allem auch Jordan Torunarigha die größte Schuld treffen. Er ließ Silva einen kurzen Moment aus dem Augen, so dass dieser sich absetzen und einnetzen konnte. Oft war Klünter auch sein spielerisches Limit anzusetzen. Im Spielaufbau ging wenig bis gar nichts, immer wieder suchte er stattdessen den Rückpass. Teilweise wirkte er mit dem Ball am Fuß gar überfordert, anstatt seinen Körper so zu drehen und zu bewegen, das Pässe nach vorne oder auf kurze Distanz ins Mittelfeld möglich wären.

Der Einsatz stimmte beim Saisondebütanten allemal, jedoch sind in diesem Spiel zu viele Defizite auf einmal ersichtlich geworden.

Luca Netz – technisch fein, aber das Stellungsspiel

Es war der zweite Startelfeinsatz in Folge für den erst 17-Jährigen. Und oft zeigte er sein Talent. Schon gegen Bremen waren seine Laufwege in der Offensive eine Gefahr. Zudem spielt er präzise Flanken. Offensiv hat Netz alles, was ein moderner Außenverteidiger braucht.

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Doch in der Defensive entstehen zu oft Lücken, weil er zu weit weg von seinem Gegenspieler steht. Gegen Frankfurt entstand deshalb keine Gefahr, doch vielleicht auch deshalb, weil Dardai ihn zur Halbzeit auf der Bank ließ und Maxi Mittelstädt einwechselte, welcher wiederum beim 1:2-Gegentor nicht gut aussah. Auch offensiv traf das Eigengewächs zu viele Fehlentscheidung, beispielsweise als er beim Stand von 0:0 lieber selbst abschloss, als die vielen freien Mitspieler vor dem Tor anzuspielen. Hinzu kamen einige ungenaue Pässe und Ballverluste.

Vor allem offensiv kann Netz ein Gewinn sein. Und in einer wackelnden und sich stets ändernden Defensive Routine zu bekommen, ist auch schwer. Das Potenzial ist eindeutig da, nun muss sich an das Bundesliga-Niveau, das volle Aufmerksamkeit und Handlungsschnelligkeit voraussetzt, gewöhnt werden.

Und insgesamt?

Wie Eingangs erwähnt spielte Hertha durchaus engagiert. Während das Mittelfeld mit Tousart und Ascacibar als Sechser und einem offensiverem Guendouzi gefestigter wirkten, bleibt vor allem aber die Abwehr ein Problem. Hätte Jarstein nicht oft genug glänzend pariert, hätte das Ergebnis noch deutlicher sein können. Lobende Worte gibt es an dieser Stelle (und der Redakteur kann es selbst kaum glauben) für den Spielaufbau von Niklas Stark. Bei seinen Pässen nach vorne traute er sich mehr, auch mal etwas Risiko und es gelang. Oft traute er sich gar bis über die MIttellinie, sind doch sonst eher Rückpässe sein großes Markenzeichen.

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Auch Krzysztof Piatek zeigte wieder, warum Hertha ihn gebrauchen kann. Sein Anlaufverhalten war zwar recht verhalten, doch sein Tor beschreibt einen Strafraumstürmer, wie der Pole es ist, perfekt. Ohne viel Kontakt und Zeit den Abschluss suchen – und drin ist das Ding. Dodi Lukebakio ist schon seit Wochen ein Schatten seiner selbst. Leider fällt er mehr dadurch auf, Bälle zu verstolpern und sie zu verlieren, als mit seinen möglichen schnellen Tempodribblings und seinem guten Schuss. Vor allem Dilrosun wird als Alternative für die Außen schmerzlich vermisst.

In den kommenden Spielen trifft Hertha auf spielstarke Gegner, kommende Woche etwa auf gegen Bayern München. Für Hertha-Fans könnten die nächsten Wochen nicht weniger schmerzvoll werden, als schon die gesamte Saison. Doch präsentierte sich Hertha gegen starke Teams selbst auch immer passabel. Wer weiß, wo Dardai und sein Team den Gegnern vielleicht wichtige Punkte im Abstiegskampf abluchsen können.

[Titelbild: Photo by Alex Grimm/Getty Images]

Vorschau: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC: Comeback gegen einen ungemütlichen Gegner

Vorschau: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC: Comeback gegen einen ungemütlichen Gegner

Es liegt eine turbulente Woche hinter Hertha BSC. Nun soll mit Pal Dardai die Trendwende gelingen: Weg von den Abstiegsplätzen und den Verein im Mittelfeld sicher stabilisieren. Doch die vermeintlich „leichteren“ Gegner aus der unteren Tabellenhälfte kamen schon. Gepunktet wurde dabei zu wenig. Nun folgen Teams, die allesamt Ambitionen haben und teilweise um das internationale Geschäft mitspielen. Etwa Eintracht Frankfurt, das ein ungemütlicher Gegner für Dardai sein wird. Das hat uns Sportjournalistin und Eintracht-Expertin Solveig Haas bestätigt.

Er würde nie eine Mannschaft inmitten einer laufenden Saison übernehmen. Pal Dardai habe sich das einmal geschworen, wie er bei seiner Vorstellung unter der Woche verriet. Doch für seine blau-weiße Liebe habe er eine Ausnahme machen müssen.

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Die folglich Konsequenz daraus: Es fehlen Wochen der Vorbereitung, in denen Dardai vor Beginn einer Saison auf das Team einwirken könnte. Lediglich eine Woche hatte er nun Zeit, dass Team auf den kommenden Gegner Eintracht Frankfurt einzustellen.

Inwieweit Dardai personelle Änderung vollziehen wird, wird sich am Samstag zeigen. Medial wird gemunkelt, dass Jordan Torunarigha oder auch Marvin Plattenhardt womöglich wieder eine Chance erhalten. Auch wird über einen möglichen Einsatz von Santiago Ascacibar im Tausch gegen den bisher eher enttäuschenden Lucas Tousart spekuliert. Eines ist jetzt schon klar: Gegen die seit sieben Spielen ungeschlagene Eintracht wird es ein ungemütliches Spiel.

Offensiv kann die Eintracht alles, Defensiv ist Hertha anfällig

Die wohl wichtigste Frage wird sein, ob es Dardai gelingt eine funktionierende Achse zu finden. Aus welcher sich Spieler zeigen, die in etwaigen Spielsituationen das Kommando übernehmen können. Eine weitere Baustelle ist aber die Defensive. 32 Gegentore hat die Mannschaft bisher kassiert. Nur die beiden Schlusslichter Mainz und Bielefeld haben bisher mehr Gegentore gefangen. Gegen Frankfurt kann das 90 Minuten Dauergefahr bedeuten.

„Eigentlich ist fast jeder, der da auf dem Platz steht, potenziell torgefährlich“, sagt Frankfurt-Expertin Solveig Haas. Auch sonst gebe es kaum etwas, auf das die Frankfurter Offensive nicht reagieren könne. „Wir haben jemanden für die feine Klinge – und wenn das nicht klappt, dann geht es eben mit Kraft und Willen“, beschreibt sie den Offensivfußball ihrer Mannschaft.

Insbesondere Stürmer Andre Silva zeigte sich in den letzten Spielen besonders torhungrig. Blickt man aktuell auf die Liste der Torschützen, bildet er zusammen mit Erling Hallend den zweiten Platz hinter Robert Lewandowski. 14 mal hat Silva in dieser Saison bisher getroffen. Und auch Rückkehrer und bisheriger Edel-Joker Luka Jovic netzte in drei Spielen drei mal ein.

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Für Solveig Haas war die Rückkehr von Jovic aus Madrid „magisch“. Damit spricht sie vermutlich vielen Eintracht-Fans aus der Seele. Doch bekanntlich spielt Frankfurt nur mit einer Spitze vorne drin. Doch glaube sie nicht an Probleme zwischen den beiden Stürmern. „Ich habe sogar das Gefühl, dass er Andre Silva bisher eher entlastet als unter Druck setzt“, sagt sie.

Zudem scheint der Transfer das gesamte Team beflügelt zu haben. Als Beispiel nennt sie etwa Filip Kostic. „Wie er seitdem wieder aufdreht, ist auch ein Traum“, sagt sie. Vier Vorlagen und ein Tor in den letzten drei Spielen unterstreichen diese Wahrnehmung. Dennoch glaube sie nicht, dass Trainer Adi Hütter Jovic von Beginn an aufstellen wird. „Er sagt ja auch selbst, dass ihm dafür noch ein wenig die Fitness fehlt“, stellt Solveig Haas fest. Doch warnt sie auch – sie könne sich vorstellen, dass Jovic je nach Spielverlauf deutlich früher eingewechselt wird.

Doch Dardai kann Defensiv – gibt es einen „Trainereffekt“?

In viereinhalb Jahren als Trainer von Hertha hat Dardai aber schon von 2015 bis 2019 bewiesen, dass er vor allem Defensive kann. Mitunter war das sogar einer der Gründe, warum ihn Michael Preetz damals entließ. Zu langweilig sei der Fußball, Hertha wolle attraktiven Offensivfußball spielen. Nicht wenige Hertha-Fans schlossen sich der Meinung damals an. Auch wenn nun die Mehrzahl der Anhänger glücklich darüber scheint, dass das blau-weiße Urgestein und der Sympathieträger wieder zurück ist.

Dardai selbst war ein Kämpfer auf dem Platz. Vor allem die taktische Disziplin sei ihm wichtig, wie er bei seiner Vorstellung betonte. Inwieweit das etwa ein Dodi Lukebakio oder ein temperamentvoller Matheus Cunha beherzigen können oder wollen, wird sich zeigen – wenn sie denn spielen.

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Und dann wäre da noch der Mythos „Trainereffekt“. Oft scheint es, als würden Teams vor allem das erste Spiel mit neuem Trainer gewinnen. Auch Solveig Haas glaubt an den Effekt. Doch finde sie, hänge er von den individuellen Problemen einer Mannschaft ab. „Ich glaube nicht, dass das Problem bei der Hertha auf der Trainerbank saß, deshalb wird auch ein neuer (alter) Trainer es nicht kurzfristig lösen können“, sagt sie.

So oder so habe sie Vertrauen in ihre Eintracht, die durchaus Selbstbewusst aufspielen dürfte. „Diese Eintracht kann auch gegen neu motivierte Berliner gewinnen“, sagt sie. Ihr Tipp: „Drei zu eins für die Eintracht.“

[Titelbild: IMAGO]