Drei Thesen zum Spiel: Hertha BSC gegen Union Berlin

Drei Thesen zum Spiel: Hertha BSC gegen Union Berlin

Flutlicht, ein neuer grüner Rasen und das Hauptstadt-Derby zur besten Sendezeit: Am Mittwoch empfängt die Hertha den Stadtrivalen Union Berlin zum DFB-Pokal-Fight im heimischen Olympiastadion.

Wie gewohnt präsentiert Hertha BASE dazu drei Thesen. Hinweis: Keine der Thesen beanspruchen eine Gültigkeit, jedoch basieren sie auf fundierten Argumenten. Auf geht’s, zur ersten – steilen – These.

Verliert Hertha, ist Union endgültig die neue Nummer Eins in Berlin

Aua. Jedem blau-weißen Fan wird dieser Satz im gleichfarbigen Herzen schmerzen. Leider ist die Aussage aber nicht unbegründet.

Zwar bestreiten die Köpenicker erst ihre dritte Saison im deutschen Fußball-Oberhaus – doch schon vergangene Saison beendete man die Spielzeit auf dem siebten Platz, und damit vor Hertha (Platz 14.). In der Saison 2019/2020 fiel lag man nur einen Platz hinter der Hertha, aus auf Tabellenplatz elf.

Doch in der vergangenen Saison, vor allem auch in dieser, spielt Union schlichtweg erfolgreicher. Auch das Derby in der Hinrunde konnte Union mit 2:0 gewinnen. Und nun hat Union die Hertha auch noch bei den Mitgliederzahlen überholt (40.725 zu 40.224). In den letzten zwei Jahren gibt es kaum ein Argument mehr, weshalb Union nicht die neue „Nummer Eins“ in der Stadt sein sollte – sportliche schon gar nicht.

Photo by DAVID GANNON/AFP via Getty Images)

Lediglich ein einziges Argument spricht für die Hertha: Die jahrelange – auch trotz Abstiege – Bundesliga-Präsenz, die Union Berlin nicht bieten kann. Es ist auch kein schwaches Argument. Schließlich ist es bei weitem keine Selbstverständlichkeit, über Jahrzehnte – teils sogar erfolgreich – in der ersten Bundesliga zu spielen. Allerdings bemisst sich der Fußball selten an der Vergangenheit, sondern an der Gegenwart – und die dominiert Union Berlin.

Sollten die Köpenicker also auch noch ausgerechnet das Derby im DFB-Pokal gewinnen, kann durchaus von eine Ablösung in der Stadt gesprochen werden. Aus blau-weißer Sicht gilt es, dieses Schreckensszenario unbedingt zu verhindern!


Auf welche Duelle es im Derby ankommen kann, und warum der Verlust zweier Leistungsträger Unions dabei zu Herthas Vorteil werden kann, lest ihr hier.


Erst Union, dann Bayern – eine Niederlage im DFB-Pokal würde die Stimmung kippen lassen

Gegen den FC Bayern München darf verloren werden. Hertha-Fans werden gegen den Rekordmeister nie einen Sieg warten – es darf aber bitte gekämpft, geackert und gerackert werden. Demnach ist die Aussage nicht zu steil, dass es am Wochenende in der Bundesliga gegen Bayern wohl eine Niederlage geben wird.

Umso wichtiger ist ein Sieg im Derby gegen Union Berlin. Beide Spiele zu verlieren, würde die Stimmung bei den Fans und in der schnelllebigen Berliner Medienblase wohl vollends kippen lassen. Zumal die Niederlage um Rückrundenauftkagt gegen den 1. FC Köln weiterhin schmerzt – auch gegen den VFL Wolfsburg konnten die Berliner nicht überzeugen.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Eine erneute Trainerdiskussion kann sich Hertha gegenwärtig eigentlich nicht leisten, zumal es unter Taifun Korkut spielerisch deutlich besser aussieht, als noch unter Pal Dardai. Sollte Hertha im Derby verlieren, würde vermutlich auch Fredi Bobic ins Kreuzfeuer geraten. Noch scheinen ihm fans und Medien Zeit zu geben, gerade was Transfers angeht – es scheint, als wolle man vor allem den Sommer abwarten.

Diesen Kredit behält er aber auch nur, wenn es sportlich „solide“ läuft – was bei einer Niederlage gegen Union schlichtweg nicht mehr der Fall wäre.

Boateng wird zum Derbyhelden!

Zum Abschluss zweier eher mürrischer Thesen, gibt es eine letzte und hoffnungsvollere Aussage: Hertha-Eigengewächs Kevin-Prince Boateng, der, mit der tätowierten Hertha-Fahne auf dem Herzen, wird das entscheidende Tor gegen Union Berlin im DFB-Pokal schießen!

(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Bisher hat man sportlich noch nicht viel von ihm mitbekommen – umso mehr Zeit wird es langsam, oder? Dieses wunderschöne blau-weiße Szenario würde jeder Hertha-Seele gut tun. Der Fußball schreibt oft die kitschigsten Geschichten – Und wer weiß: Im Fußball, allen voran im Pokal, ist doch alles möglich.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Hertha BSC­ – Arminia Bielefeld: Drei Thesen zum Spiel

Hertha BSC­ – Arminia Bielefeld: Drei Thesen zum Spiel

Tayfun Korkut startete als neuer Hertha-Trainer mit einem wilden Unentschieden gegen VfB Stuttgart. Wieder konnten die Berliner nach starker Aufholjagd nicht gewinnen. Platzt gegen die Arminia aus Bielefeld endlich der Knoten? Unsere drei Thesen zum Spiel.

Auf dem VfB-Spiel aufbauen

Freude, statt Ernüchterung: Nach dem hart erkämpften Unentschieden gegen den VfB Stuttgart urteilten viele Berliner Fans vermutlich positiv. Nach dem Tor zum 0:2 im ersten Spiel des neuen Berliner Cheftrainers Tayfun Korkut rechneten sicher viele mit noch schlimmeren.

Umso mehr muss die Reaktion der Hertha gelobt werden. Vor allem im offensiven Spiel zeigte sich etwas, was unter Dardai nur ganz selten durchblitzte: Ein Plan und eine Strategie. 15 Torschüsse (in einem Auswärtsspiel) bestätigen das. Auf der anderen Seite hingegen passierte etwas, das unter Dardai grundsätzlich weniger vorkam: Eine enorm bröckelnde Verteidigung. Vor allem im Zentrum fiel man durch eklatante Lücken auf. Auch die Linie des Mittelfelds war gegen Stuttgart viel zu weit von der Defensivlinie entfernt.

Nun kommt mit Arminia Bielefeld der Vorletzte der Tabelle ins Olympiastadion – eigentlich eine Pflichtaufgabe für Hertha. Unsere drei Thesen zum Spiel:

These 1: Viele Tore – auf beiden Seiten

Tayfun Korkut scheint sich in erster Linie den offensiven Problemen der Hertha anzunehmen. Gegen Stuttgart zeigte sich beispielsweise ein anderes Aufbauspiel, als unter Dardai. So spielten die Verteidiger etwa öfter Bälle durch das Zentrum, als über die Außen.

Ein Vorteil, baut man das Spiel über das Zentrum und nicht über die Flügel auf, sind die vielen Anspielstationen – nach vorne, zur Seite auf die Außen oder eben in die defensive. Außenspieler haben zumeist nur die Option nach hinten zu spielen, werden sie zu arg bedrängt – und das offensive Spiel somit zu verschleppen und den Angriff abzubrechen, um ihn neu aufzubauen.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Für Hertha ergeben sich aus der neuen Herngehensweise von Korkut neue spielerische Lösungen, in die gefährlichen Zonen des Gegners zu kommen. Gegen Bielefeld könnte es daher Tore für Hertha regnen.

Aber: Zwar sagte Korkut nach dem Spiel gegen Stuttgart, dass seine bisherigen Mannschaften eigentlich nicht für ihre defensiven Schwächen bekannt gewesen seien – zumindest aber im ersten Spiel unter dem neuen Coach zeigte sich Hertha extrem anfällig. Zudem haben die Berliner ligaweit die zweitmeisten Gegentore (29 Stück). Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Berliner Abwehr den Bielefelder Sturm zum Tore schießen einladen wird.

These 2: Der Knoten platzt, drei Punkte bleiben in Berlin

Erfahrung schafft Wissen – vor allem um eigene Fehler. Nach zwei späten Gegentoren trotz Führung (der Ausgleich von Augsburg fiel in der 97. Minute, der von Leverkusen in der 90. Minute) sollte Hertha inzwischen gelernt haben, was es heißt, eine Führung zu verteidigen.

Selbst gegen Stuttgart wäre mit einem weiteren Tor der Sieg drinnen drinnen gewesen. Es wird zwar ein torreiches Spiel – doch letztlich wird Hertha gegen Bielefeld führen und den Spielstand über die Zeit bringen. Der Fluch ist geplatzt, die dringend benötigte Siegesserie kann beginnen.

These 3: Korkuts wichtigster Mann – Boateng winkt die Startelf

Für Tayfon Korkut könnte einer ganz wichtig werden, nämlich Kevin Prince Boateng. Anders als der Rest des defensiven Mittelfeldes (deshalb ist hier beispielsweise Serdar ausgenommen), versteht Boateng den Spielaufbau nach vorne. Während Ascacibar, Tousart und Darida die Bälle, die sie aus der Verteidigung bekommen, zumeist wieder in die Defensive zurückspielen, hat Boateng in diesem Punkt deutlich mehr Klasse.

hertha bielefeld
(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

So versteht er es, sich bei der Ballanahme klug zu drehen, so dass er das gesamte Spiel plötzlich vor sich hat. Gleichsam behauptet er die Bälle mit seinem wuchtigen Körper im Mittelfeld stark. Andere Spieler scheinen sich die Drehung mit Ball so nah vor dem eigenen Tor kaum zu glauben – so geht ihr Blick gar nicht erst in die Offensive und Chancen werden verpasst.

Boateng aber positioniert sich so, dass er alle offensiven Spieler und die gegnerische Verteidigung und das Mittelfeld vor sich hat. So führt er Regie und verteilt die Bälle in die Spitze. Oft überspielt dabei das gesamte Mittelfeld und bringt den Ball präzise zum jeweiligen Berliner Stürmer. Für Korkut wird das wichtig werden – kaum ein anderer Spieler im Team versteht so viel vom Spielaufbau wie Boateng.

[Titelbild: Filip Singer – Pool/Getty Images]

Hertha BSC – FC Augsburg: Drei Thesen zum Spiel

Hertha BSC – FC Augsburg: Drei Thesen zum Spiel

Nach der bitteren Derbyniederlage gegen Union Berlin geht es für Hertha im kommenden Spiel gegen den FC Augsburg vor allem um die Versöhnung mit den eigenen Fans. Gleichzeitig könnte man sich bei einer Niederlage im schlimmsten Fall auf dem Relegationsplatz wiederfinden. Doch direkte Duelle gegen Konkurrenten gewannen die Blau-Weißen diese Saison bereits.

Im Spiel gegen den FC Augsburg müssen die Berliner nach der Derbyniederlage vor allem ihre Fans wieder froh stimmen. Verzeihen werden sie der Mannschaft die Niederlage wohl auch bei einem Sieg noch nicht, aber eine erneute Pleite könnte die Stimmung vollends zum Kippen bringen.

Aber auch tabellarisch geht es für Hertha um vieles. Mit Platz 14 liegen die Berliner nur einen Platz vor dem kommenden Gegner, FC Augsburg. Bei einer Niederlage könnten die Hertha im schlimmsten Fall bis auf einen Relegationsplatz abrutschen.

In unserer neuen Rubrik “Drei Thesen zum Spiel” möchten wir aufzeigen, worum es in den jeweiligen Duellen geht. Vorab: Keine der Thesen muss eintreffen. Es handelt sich um Vermutungen, die keine Allgemeingültigkeit haben, jedoch aufgrund verschiedener Aspekte durchaus realistisch sind.

These 1: Verliert Hertha gegen Augsburg, sinkt das Schiff – und der Kapitän

Zum Start unserer neuen Rubrik gibt es gleich mal eine gewagte These. Doch: Die Stimmung ist nach der Derbyniederlage im Keller – Hertha ebenso, wenn sie das Spiel verlieren. Fredi Bobic ist als harter Hund in der Branche bekannt. Pal Dardai “hätte eigentlich fliegen müssen”, sagte er noch zu Beginn diesen Monats in einem DAZN-Interview.

Damit spielte Bobic auf die drei Niederlagen zu Beginn der Saison an, aber auch auf den emotionalen Auftritt von Dardai, “ich hänge nicht an meinem Sitz, ich helfe gerade aus”, sagte Dardai nach dem 0:5 gegen den FC Bayern. Bobic sah die Worte Dardais als Fehler an – einen zweiten wird Bobic vermutlich nicht verzeihen. Zumal ein Rausschmiss Dardais bei einer möglichen Niederlage gegen Augsburg durch die Derbyniederlage öffentlich sicher zu rechtfertigen wäre.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Ist ein Dardai-Rausschmiss wahrscheinlich? Nein. In diesem Geschäft ist jedoch nichts auszuschließen, bleibt die sportliche Entwicklung aus. Mit einer Niederlage gegen den FCA wären es bereits drei Pleiten in den letzten vier Spielen gewesen – nur einen Punkt hätte man in diesem Zeitraum geholt. Mit 13 Punkten nach 13 Spielen würde die Luft für Dardai zumindest sehr dünn werden – schließlich wollte dieser bis Weihnachten “über 20 Punkte” gesammelt haben.

Jetzt unsere Podcast-Folge mit Hertha-Präsident Werner Gegenbauer hören, in der wir u.a. über die bislang mangelhafte Kommunikation zwischen Verein und Investor sprechen!

These 2: Ein Spiel der Langeweile

Die blau-weißen Fans erwarten eine Reaktion. Wie sie es schon so oft getan haben. Die Berliner Mannschaft steht überraschend oft in Erklärungsnot. Doch die Erfahrung zeigt: Den ersehnten Offensiv-Fußball kann und wird Hertha BSC nicht zeigen.

Liebend gerne würden die Fans hinter dem offensiven Spiel der Mannschaft ein fundiertes System erkennen – doch es bleibt, wie es ist: Fußballerisch eine graue Maus. Zugegeben, die Mannschaft ist von Bobic gar nicht darauf ausgelegt, offensiv zu glänzen. Auch deshalb hat man einen Cunha oder einen Cordoba abgegeben. Dardai selbst stand noch nie für offensive Ästhetik.

(Photo by John MacDougall – Pool/Getty Images)

Doch in ganz wenigen Spielminuten zeigt Hertha immer wieder, dass sie es eigentlich können. Und so fragt man sich: Warum eigentlich nicht immer so? Die Frage bleibt leider weiter unbeantwortet.

Auch der FC Augsburg ist nicht für ansehnlichen Fußball bekannt – schon gar nicht in dieser Saison. Und so wird es ein Hin- und Hergekicke, das überwiegend im Mittelfeld stattfindet. Torszenen werden selten sein, der Schiedsrichter wird viele Nickligkeiten pfeifen und passend dazu erstrahlt der Himmel in seinem schönsten grau.

These 3: Ein Spiel der Langeweile – doch die Hertha gewinnt!

Ja, es gab sie mal: Die erfolgreichen Zeiten bei Hertha BSC. Und die älteren Fans werden sich an den Hertha-Fluch erinnern – wann immer Hertha die Möglichkeit hat, ganz nach oben in die Tabellenregion zu kommen, verlieren sie. Doch es geht auch andersherum.

Wann immer Hertha in dieser Saison gegen direkte Konkurrenten spielte und die untere Tabellenregion drohte, gewannen die Berliner. Etwa am vierten Spieltag gegen den VfL Bochum, am fünften gegen Greuther Fürth oder achten, gegen Eintracht Frankfurt.

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(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Schon in der letzten Saison bewiesen die Berliner, dass sie “Abstiegsspiele” gewinnen können. Und so wird es auch dieses mal sein – denn irgendwie stolpert ein Berliner den Ball bei grauen Wetter und Nieselregen eben doch hinein.

[Titelbild: Photo by John MacDougall – Pool/Getty Images]

Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach: Kann Hertha eine Serie starten?

Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach: Kann Hertha eine Serie starten?

Gegen die Eintracht aus Frankfurt zeigte Hertha BSC die bisher beste Saisonleistung. Doch kann das gegen die Borussia bestätigt werden? Gladbach ist schwach in die Saison gestartet – das kann gut oder schlecht für die Berliner Mannschaft sein.

Im Vorfeld der Partie haben wir mit Gladbach-Expertin Yvonne Marjan über die neue Ausrichtung unter Trainer Adi Hütter, den Entwicklungsstand und Luca Netz gesprochen.

Ein ähnlicher Ansatz?

Hoch anlaufen, vehement pressen, Passwege zustellen und den Gegner zu langen Bällen zwingen, samt eines schnellen Umschalt- und Konterspiels: Gegen Eintracht Frankfurt besinnten sich die Berliner Mannschaft auf Tugenden, die ihr in den vergangenen Jahren gut zu Gesicht stand.

Hertha spielte zumeist dann stark, wenn sie die Gegner tief in der eigenen Hälfte pressten und bei Ballgewinn in der eigenen Spielhälfte schnell umschalteten. Nun trifft Hertha auf ein angeschlagenes Gladbach – das eben jenen Spielstil ebenfalls favorisiert.

Angeschlagenes und verändertes Gladbach

Auch Gladbach spielte in den vergangenen Jahren ein laufintensives, pressingstarkes Spiel, samt schnellen Pässen in die Spitze, bei eigenem Ballgewinn. Und das durchaus erfolgreich. Nunmehr sitzt Adi Hütter auf der Trainerbank – und so richtig scheint die Mannschaft noch nicht in Fahrt gekommen zu sein.

Die deutlichste Änderung im Gladbacher-Spiel zeigt sich in der Defensive. Spielten die Fohlen in den vergangenen Jahren zumeist in einer Viererkette, greift man nun auf drei Innenverteidiger und zwei defensiven Schienenspielern zurück. „Unser Problem war in der vergangenen Saison die Flut auf Gegentoren“, weiß Gladbach-Expertin Yvonne Marjan. Dies abzustellen, sei das erste Ziel von Hütter gewesen. So kassierten die Fohlen in acht Spielen lediglich elf Gegentreffer.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Doch birgt das auch seine Schattenseiten. Denn gleichzeitig schossen die Fohlen nur zehn Tore. „Dadurch leidet erst einmal das Spielerische und es fehlt an Torgefahr“, stellt auch Yvonne fest. Doch steckt die Gladbacher Mannschaft voller individuell starker Spieler. So scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie anfangen zu zünden.

So nennt Yvonne etwa Jonas Hofmann, der diese Saison bereits drei Mal einnetzte. Auch Breel Embolo und Lars Stindl sind für ihre offensiven Stärken bekannt. Doch für wichtiger erachtet Yvonne gegenwärtig den erst 20-jährigen Kouadio Krone, „der sich ganz klar zu einem Schlüsselspieler entwickelt“, wie sie sagt.

Mit dem zehnten Tabellenplatz aber werden die Gladbacher alles andere als zufrieden sein und gegen Hertha womöglich offensiver aufgestellt sein.

Zwei Spielweisen, aber drei Punkte werden nur einmal vergeben

Wie Hertha agieren wird, kann gegenwärtig nur gewürfelt werden. Viele Fans werden hoffen, dass sie an die Spielweise wie gegen Frankfurt anknüpfen wird. Doch ist Pal Dardai auch Liebhaber davon, die gegnerische Mannschaft erst ab der Mittellinie anzulaufen und viel Raum in der eigenen Hälfte zu überlassen. Um hinten dich zu stehen und mit langen Bällen nach vorne Akzente zu setzen. Entscheidend wird sein, wie Dardai aufstellen wird.

Gegen Gladbach könnte sich ein bissiges Mittelfeld als gewinnbringend erweisen. Mit laufstarken Spielern, die das Gladbacher Umschaltspiel schon im Ansatz zerstören und die keinen Zweikämpfen aus dem Weg gehen. Das Dreiermittelfeld aus Santiago Ascacibar, Vladimir Darida und Suat Serdar brachte genau diese Tugenden in Frankfurt auf den Platz und dürfte daher wohl wieder starten.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Vorstellbar ist aber auch, dass Edel-Joker Ekkelenkamp in die Startelf rückt. Auch Jovetic und Maolida sind Optionen – das System Gladbachs wäre dann gespiegelt und man würde mit einem spielstarken Mittelfeld schnell in die offensive vordringen wollen.

„Ich nehme Hertha als sehr unangenehmen Gegner war“, sagt Yvonne. So sei nie klar, was einen erwartet. Unrecht hat sie damit nicht. Dennoch ist sie optimistisch: „Sorge habe ich zwar nicht, aber eine gewisse Anspannung ist schon da. Unterschätzen wird man Hertha auf keinen Fall – darf man auch nicht“, sagt sie.

Und Luca Netz?

Im Sommer musste Hertha mit Luca Netz einen bitteren Abgang hinnehmen. Das Eigengewächs verließ Berlin für vier Millionen Euro Richtung Mönchengladbach. Das ehemalige Berliner Top-Talent scheint in Gladbach angekommen zu sein. „Er hat sich schnell in das Team integriert und hat gezeigt, dass er durchaus eine Verstärkung sein kann“, sagt Yvonne.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Auch offensiv sehe sein Spiel gut aus. In sechs Spielen konnte er bisher eine Vorlage liefern. Doch ist Konkurrent Bensebaini inzwischen wieder im Mannschaftstraining. Ist er wieder vollends fit, glaubt Yvonne, dass Netz für ihn weichen muss. „Ich sehe seine Zeit erst in der nächsten Saison“, sagt sie.

Ihre Hoffnung für das Spiel ist, dass sich Hertha nicht hinten reinstellt. „Wenn beide Teams mit der selben Spielidee ins Duell gehen, wie am letzten Spieltag, wird es unterhaltsam“, sagt sie. Für das Spiel wünscht sie sich zwar ein 2:0 für Gladbach, „ich fürchte aber fast, dass wir das erste Unentschieden der Saison für die Hertha sehen werden: 1:1“, sagt sie. Nehmen wir.

Titelbild: Clemens Bilan – Pool/Getty Images

Hertha gegen Fürth: Aus Drei mach Sechs

Hertha gegen Fürth: Aus Drei mach Sechs

Hertha muss nach dem verkorksten Saisonstart dringend punkten. Das Spiel gegen Greuther Fürth wird wegweisend sein – geht der Blick für die Berliner nach oben oder nach unten? Doch auch die Kleeblätter stehen schon jetzt mit dem Rücken zur Wand. Es könnte eine Schlammschlacht werden.

Für das Spiel am Freitagabend haben wir uns mit Fürth-Experte Michael Fischer ausgetauscht. Dieser ist Sportredakteur bei den Nürnberger Nachrichten und dort zuständig für die ständige Berichterstattung zum “Kleeblatt”.

Trotz Sieg gegen Bochum ein schlechter Saisonstart

Nur drei Punkte aus vier Spielen – das ist für Hertha zu wenig. Selbst das ausgesprochene Ziel einer ruhigen Saison mit Platz in der Mittelfeldtabelle scheint gegenwärtig schwierig zu erreichen. Viel eher wird sich so mancher Fan auf eine ähnlich turbulente Spielzeit wie die Vergangene eingestellt haben. Das Spiel gegen Greuther Fürth ist demnach immens wichtig, um die Mittelfeldplätze nicht aus den Augen zu verlieren – und um nicht final im Abstiegskampf dieser so frühen Saison anzukommen.

Foto: IMAGO

Doch was gibt den Hertha-Anhängern Hoffnung für das Spiel gegen die Kleeblätter? Ehrlicherweise relativ wenig. Bis auf die erste erste halbe Stunde gegen Köln spielte Hertha bisher ernüchternd. Die Defensive wackelt wie eh und je und auch das offensive Spiel wirkt weiterhin ideenlos und ohne Zug zum Tor. Doch: Aufsteiger Fürth kämpft gegenwärtig mit ähnlichen Problemen. So haben sie in dieser Saison gemeinsam mit Hertha elf Gegentore kassiert – Tiefwert in der Liga. Und auch das offensive Spiel mit lediglich zwei Toren kann den Hertha-Fans Hoffnung geben.

Hertha droht gegen Fürth ein K(r)ampfspiel

Es ist weiterhin schwer zu prognostizieren, wie Hertha spielen wird. Zwar trainierten Selke, Piatek und Plattenhardt nach ihren Verletzung in dieser Woche erstmals wieder. Doch auch wenn es für das Spiel gegen Fürth reichen sollte, werden sie Zeit brauchen, bis sie wieder bei 100 Prozent sind. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Marton Dardai – dieser würde wohl durch den jungen Linus Gechter ersetzt werden, der gegen Bochum sein Profidebüt feierte. Auch beim Leader Boateng hat es bisher nie zu den vollen 90 Minuten gereicht. Selbst die Formation scheint noch nicht klar – Hertha könnte mit startete mit einer Fünfer- oder Viererkette auflaufen.

So kann bisher auch kaum prognostiziert werden, ob Hertha versuchen wird, das Spiel zu machen oder – so wie gegen Aufsteiger Bochum – versuchen wird, hinten stabil zu stehen und auf Chancen zu lauern. Doch auch wenn Fürths Abwehr ähnliche Probleme wie die der Berliner hat – solche Einladungen wie gegen Bochum, als Serdar zwei Mal in aller Ruhe einnetzen konnte, wird es wohl nicht wieder geben.

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Zu erwarten ist, dass es von beiden Mannschaften ein vorsichtiges Spiel wird, wissen Beide doch um ihre Anfälligkeit in der Defensive. Wie so oft bei Hertha ist das wenig attraktiv – doch scheut Dardai das große Risiko. In Anbetracht der Abwehr, kann man ihm das vermutlich nicht vorwerfen.

Eine andere These ist, dass es nicht zur erwarteten Schlammschlacht kommt. So könnten besonders die Neuzugänge noch nicht vom Hertha-Blues infiziert sein. Suat Serdar scheint es bisher zumindest noch nicht und agiert mit zielstrebigen Pässen in die Tiefe und klugen raumgewinnenden Laufwegen. Ähnliches erhofft man sich von Ekkelenkamp, der gegen Fürth zum Einsatz kommen könnte. Vorne könnte dann etwa Maolida als flinker und wendiger Abnehmer der Pässe bereit stehen.

Junge, unerfahrene, aber kämpferische Kleeblätter

Auch Fürth-Experte Michael Fischer glaubt eher an ein Kampfspiel, „weil beide Mannschaften nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzen“, wie er sagt. Seine Mannschaft sieht er in einem 4-4-2 antreten. Mit dieser Formation ist die Mannschaft aufgestiegen und „das spielstarke Mittelfeld war das Herzstück des Erfolges“, sagt Michael. Mit Sechser Anton Stach und Zehner Sebastian Ernst haben die Kleeblätter jedoch zwei Stützen des Mittelfelds verloren. Paul Seguin und Julian Green (beide Achter) seien laut Michael bisher noch kein gleichwertiger Ersatz. „Beide kämpfen noch ein bisschen mit dem Tempo und der Robustheit in Liga Eins“, sagt er. Hier könnten vor allem die bissigen Ascacibar und Boateng dem Fürther Mittelfeld gehörig Druck machen.

Neben dem Mittelfeld brillierten in der Aufstiegssaison laut Michael vor allem die Außenverteidiger, etwa der zu Hoffenheim abgewanderte David Raum. 15 Assists steuerte er in der Aufstiegssaison bei. „Oft hat man mit den vier Mittelfeldspielern eine Seite überladen und dann die Seitenverlagerung gewählt, wo die Außenverteidiger dann Räume hatten und die Stürmer in der Mitte dann verwandelten“, sagt er.

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Am letzten Spieltag gegen Wolfsburg hätten die Kleeblätter aber etwas für sie untypisches gemacht. So stellten sie als zweite Sturmspitze neben Hrgota den am Deadline-Day verpflichteten Hünen Itten auf. Er soll als Wandspieler fungieren, „um nicht so viel Energie im Spielaufbau zu verschwenden und keine gefährlichen Ballverluste nahe des eigenen Tores zu provozieren“, wie Fürths Trainer, Stefan Leitl, sagt. Laut Michael sei das bisher jedoch nur mäßig erfolgreich gewesen.

„Auch, weil die Raumbesetzung für die zweiten Bälle nicht optimal war“, wie er sagt. Gegen Hertha jedoch, könnte das besser funktionieren. Die Offensive ist nicht für ein Fehler provozierendes Pressing bekannt – schon gar nicht ohne Selke. Auch die zweiten Bälle landen zu selten bei der Hertha, hier ist ein hohes Fußball-IQ, schnelles Denken, Handeln und Entschiedenheit von Nöten, was den Berlinern aktuell nicht unbedingt nachgesagt wird.

Fürth versucht sich gegen Hertha im Kontern

Angst vor den Berlinern hat Michael auf jeden Fall nicht. Das Spiel gegen Bochum hat er nebenbei laufen gelassen und „überzeugt hat mich das so gar nicht“, sagt er. Er prognostiziert, dass seine Fürther zunächst darauf bedacht sein werden, nicht wieder in einen frühen Rückstand zu geraten. Ligaübergreifend kassierte man acht Mal in Folge das 0:1. „Man wird wohl eher auf die Chance nach schnellem Umschalten aus sein“, sagt er. Zumindest sei das im Training diese Woche geübt worden. Da Hertha nun auch nicht für das offensive Feuerwerk bekannt ist, könnte es wohl doch auf die befürchtete Schlammschlacht hinaus laufen.

Jedoch ist das auch nur zweitrangig, insofern zumindest das Ergebnis stimmt, etwa wie gegen Bochum. „1:2“ tippt Michael, womit er Hertha endgültig in den Abstiegskampf befördern würde. Tipp des Hertha-Base-Redakteurs: Ein genauso dreckiges 3:1 wie gegen Bochum – und ein Platz in der Sonne im unteren Mittelfeld.

[Titelbild: IMAGO]