Hertha gegen Bayern: Drei Schlüsselduelle

von Jan 22, 2022

Die bittere Pokal-Niederlage gegen den Stadtrivalen Union Berlin sitzt noch tief. Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation treffen die Berliner auch noch auf den Rekordmeister. Zählbares mitzunehmen, scheint für die Berliner unwahrscheinlich – doch zeigte der Sieg gegen Borussia Dortmund: Möglich ist alles. Auf welche Schlüsselduelle kommt es am Sonntag an?

Die Verteidigung muss endlich ihren Job machen

Im Spiel gegen Bayern wird es vor allem auf die Verteidigung ankommen, die in der bisherigen Saison schlichtweg grausam agiert. Insgesamt 38 Gegentore – der schlechteste Wert aller Bundesligisten – belegen das. Selbst in der zweiten Bundesliga haben mit jeweils 39 Gegentoren nur Sandhausen und Ingolstadt mehr Treffer ins eigene Tor kassiert.

Positiv ist, dass auch die Verteidigung unter Korkut vermehrt versucht, das Spiel aufzubauen. Gelungen ist das gegen Union ab der 30. Minute, als sich mit Darida oder Ascacibar jeweils ein Sechser zwischen die Innenverteidiger gestellt hat und im kollektiv versucht wurde, den Ball über schnelle und direkte Pässe ins vordere Drittel zu bugsieren.

Im eigenen Defensiverhalten wirkt die Berliner Verteidigung oft – leider muss man es so deutlich sagen – amateurhaft. So sagte Sportdirektor Arne Friedrich bezüglich der Abwehrleistung im Derby: “Wir verteidigen wie eine Schülermannschaft.” Im Spiel gegen Bayern werden vor allem die Außenverteidiger (vermutlich Pekarik und Mittelstädt) gefordert sein.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Bayerns eigene Außenverteidiger überlaufen die offensiven Kräfte oft und schaffen somit ein Überzahlspiel. Gleichsam verlagern sich die zentralen Spieler, etwa Musiala, Goretzka und Kimmich auf die linke oder rechte Seite – je nachdem wo von welcher Seite Bayern aufbaut – um zusätzliche Anspielmöglichkeiten zu schaffen und noch mehr Überzahl entstehen zu lassen.

Für Herthas Außenverteidiger bedeutet das Stress pur – und absolute Konzentration bezüglich der taktischen Ausrichtung. Sie werden zudem Unterstützung der Innenverteidiger und der Sechser brauchen, um gegen das Überzahlspiel der Bayern anzukommen. Ein starkes Kollektiv und das Ausstellen der so vielen individuellen Fehler wird von Nöten sein, um gegen die Münchener defensiv bestehen zu können.

Tiefe Pässe in die Spitze – der Sturm muss gefüttert werden

Gegen Union Berlin versuchte Hertha das offensive Spiel über Belfodil als „Sturmtank“ aufzubauen. Heißt, er wird angespielt und hält den Ball gegen ein, zwei attackierende Verteidiger, bis weitere Spieler nachrücken und er diese mit Pässen in die Tiefe anspielen konnte.

Ein gewohntes Bild im Hertha Spiel – hat man es zuvor genauso etwa mit Jhon Cordoba gemacht. Allerdings kann nur darauf kein offensives Spiel aufbauen. Auch das Mittelfeld muss endlich damit anfangen, die Stürmer mit tiefen Pässen zu füttern – ausgenommen Suat Serdar, der das bisher stark macht.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Zu wenig kommt aber bisher von Vladimir Darida, der zwar bemüht ist, dessen hohe Fehlpassquote und schwache Entscheidungsfindung in der gegnerischen Hälfte jedoch zahlreiche Angriffe zunichte machen. Auch Jurgen Ekkelenkamp, eigentlich exakt für das Herausspielen von Chancen verpflichtet, kann sein Potenzial noch nicht ausschöpfen. Im 4-2-2-2-System von Trainer Tayfun Korkut fühlt er sich als verkappter Außenspieler sichtlich nicht wohl, was in vielen Ballverlusten und wenigen guten Zuspielen mündet.

Da auch von Spielern wie Myziane Maolida zu wenig kommt, liegt die Hoffnung auf eine Rückkehr von Stevan Jovetic. Der Montenegriner fehlte aufgrund von Wadenproblemen in den letzten vier Spielen, bildete zuvor eine starke Doppelspitze mit Belfodil. Trainer Korkut nennt Jovetic einen “Verbindungsspieler” für Mittelfeld und Sturm. Womöglich kann der 32-Jährige diese Fähigkeit gegen den FC Bayern wieder in die Mannschaft bringen.

Stoppt Lewandowski – egal wie

Ganz ausschalten wird man den erst kürzlich zum Weltfußballer geführten Robert Lewandowski nicht können. Zentral wichtig ist es aber, dass er aus dem eigenen Strafraum rausgehalten wird. Bekommt er im Sechzehner den Ball, resultiert daraus nicht selten ein Tor. Ziel muss es sein, ihn per enger Manndeckung aus dem Sechzehner zu drängen und ihn zu zwingen, sich die Bälle hart zu erkämpfen.

hertha bayern
(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Rückt ein Innenverteidiger wegen der Manndeckung dann mit ihm raus, müssen etwa die Sechser schnell schalten und die offene Innenverteidiger-Position kurzfristig besetzten – so lange, bis die Situation geklärt ist. Gegen Borussia Dortmund hatte es Hertha hervorragend verstanden, so Erling Haaland aus dem Spiel zu nehmen – das macht ein wenig Hoffnung.

Wie dem auch sei: Für Hertha wird das Spiel ein Kraftakt werden. Bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft trotz des Spiels unter der Woche noch genug Tank in Reserve hat. Kaum einer wird gegen Bayern einen Sieg erwarten – vor allem aber nach der Niederlage gegen Union erwarten die Fans, dass sich die Mannschaft bis aufs Letzte aufopfert. Durchaus darf das auch der Anspruch sein.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

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ÜBER DEN AUTOR

Steve Reutter

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