Herthaner im Fokus: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: Eintracht Frankfurt – Hertha BSC

Im zweiten Spiel unter Jürgen Klinsmann ging es vor allem um eine Sache: Kampf. Die Hertha-Profis lieferten eine körperlich betonte Leistung ab und erkämpften sich einen Punkt in Frankfurt. Trotzdem war bei vielen Fans eine große Enttäuschung zu spüren. Eine 2:0 Führung aus der Hand zu geben ist schließlich nie ein gutes Gefühl. Wir haben uns die Leistung einzelner Spieler genauer angeschaut.

Marko Grujic – Entscheidender Mann

Marko Grujic hat am Freitagabend wohl sein bestes Spiel in der laufenden Saison gezeigt. Dabei gab es zahlreiche Situationen, in denen der Serbe den einen oder anderen Hertha-Fan zur Verzweiflung gebracht hat. Entscheidend war er aber allemal.

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Das 1:0 bereitete der Serbe herausragend vor. Nach einer Balleroberung von Darida leitete er den Gegenangriff selbst ein, schaltete schnell nach vorne um. Im Zusammenspiel mit Marvin Plattenhardt wurde Grujic dann auf der linken Seite angespielt, leitete den Ball zwischen die Beine seines Gegenspielers in den Lauf von Dodi Lukebakio weiter, der zum 1:0 einnetzen konnte. Nicht weniger wertvoll war dann in der zweiten Halbzeit sein Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0. Nach schöner Vorlage von Dedryck Boyata stand der Serbe goldrichtig, musste nur noch aus kurzer Distanz einschieben.

Zwei brillante Szenen, die sinnbildlich für das Potenzial und für die Qualität des aus Liverpool ausgeliehenen Spielers stehen. Solche Szenen zeigte er in den vergangenen Monaten so gut wie nie, und auch gegen Frankfurt fiel er nicht nur durch diese Szenen auf. Beim von Schiedsrichter Christian Dingert zurückgenommenen 1:1 Ausgleich der Frankfurter war Marko Grujic durch einen unnötigen Ballverlust am Ursprung. Beim 2:2 Ausgleich der Heimmannschaft sah er Hinteregger zwar anlaufen, reagierte aber nicht schnell genug, sodass dieser dann zu Rode köpfen konnte.

Im Mittelfeld fiel wieder einmal auf, dass der junge Serbe oft nicht rechtzeitig schaltete, um Angriffe des Gegners zu verhindern. Oftmals lief er seinem Gegenspieler nur hinterher, ohne diesen entscheidend zu stören oder zu bedrängen. Dies zeigt sich auch daran, dass er weniger intensive Läufe (51) aufweisen konnte als Ondrej Duda, der bereits in der 49. Minute ausgewechselt wurde. Im Vergleich dazu wies Laufwunder Vladimir Darida sogar 116 intensive Läufe auf.

Der Serbe teilt sich aktuell mit Robert Andrich von Union Berlin und mit Kingsley Ehizibue aus Köln einen Titel. Sie sind die Spieler mit den meisten Fouls in der Bundesliga. Dagegen fiel Grujic besonders positiv damit auf, dass er nicht nur an beiden Toren direkt beteiligt war, sondern auch allgemein ein Aktivposten im Mittelfeld war. Ganze 11,46 Kilometer lief der Mittelfeldspieler insgesamt. Er war auch der Spieler mit den meisten Ballkontakten (57) und der Spieler mit den meisten Pässen (40, Passquote 70%) bei den Berlinern.

Ondrej Duda – Chance verpasst

Ondrej Duda stand, für viele überraschend, in der Startelf von Hertha BSC. Dabei war er im letzten Spiel gegen Borussia Dortmund nicht mal im Kader. Doch die Chance in seinem ersten Einsatz unter Neutrainer Jürgen Klinsmann guten Eindruck zu hinterlassen konnte er leider nicht nutzen. Seine unbestrittenen Qualitäten, die er vergangene Saison unter Beweis stellen konnte, brachte er nicht auf dem Platz.

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Stattdessen zeigte er genau die Schwächen, die ihm diese Saison wohl zurecht öfter seinen Stammplatz gekostet hatten. Er brachte, wie seine Mitspieler auch, die nötige Härte und Aggressivität auf dem Platz. Dabei konnte er jedoch weder die nötige Präzision noch das nötige Timing bei den Zweikämpfen aufweisen. Dadurch gewann der Slowake so gut wie nie den Ball, beging dafür zahlreiche Fouls.

Bereits in der neunten Minute holte sich der 25-Jährige für ein Foul an Martin Hinteregger die gelbe Karte ab. In der Folge nahm er sich jedoch in Zweikämpfen keineswegs zurück und war bis zur Pause akut gelb-rot gefährdet. Als er dann direkt in der 46. Minute wieder nur knapp der gelb-roten Karte entkommen konnte, wurde er vom Berliner Cheftrainer ausgewechselt.

Damit musste Hertha früh wechseln und hatte im weiteren Verlauf des Spieles eine Wechseloption weniger. Dazu kommt, dass Duda zu oft durch Ballverluste (nur 40 % Zweikampfquote) und Ideenlosigkeit in der Offensive auffiel.  Insgesamt eine schwache Leistung des Slowaken, der in dieser Form für die noch verunsicherten „alten Dame“ keine Verstärkung darstellt.  Er muss hoffen, dass er in den nächsten Partien seine Chance nutzt. Viele schwache Einsätze wird auch Jürgen Klinsmann nicht dulden.

Davie Selke – Laufen und Arbeiten

Langsam wird diese Torflaute bei den Berliner Stoßstürmern problematisch. Selbstverständlich ist Tore schießen eine Mannschaftsleistung, sodass Stürmer nie alleinverantwortlich dafür sind, wenn sie keine Tore schießen. Doch leider hat die Konkurrenzsituation im Sturm, die wir Anfang der Saison beschrieben hatten, nicht dafür gesorgt, dass sich jetzt eine “Tormaschine” in der Startformation durchgesetzt hat.

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Im Gegenteil: Ibisevic und Selke weisen zusammen in dieser Bundesligasaison nur vier Tore auf. Keiner der beiden konnte bisher so richtig überzeugen, dabei braucht Hertha BSC vor allem in einer solchen gefährlichen Phase einen Torgaranten, der gefühlt aus einer halben Chance zwei Treffer erzielt. Diesen gibt es aktuell bei Hertha nicht, auch nicht in Person von Davie Selke

Dieser konnte auch gegen Frankfurt erneut unter Beweis stellen, dass er ein unangenehmer Gegenspieler ist, der sich körperlich komplett reinhängt und um jeden Ball kämpft. Seine Bemühungen und sein Wille sind ihm nicht abzusprechen, sodass es uns schwer fällt, ihn zu kritisieren. Unter Anderem holte er den Freistoß heraus, den Hertha zum zwischenzeitlichen 2:0 nutzen konnte. Dazu zeigte er sich unglaublich laufstark, lief 11,05 km, was für einen Stürmer ein überragend hoher Wert ist. Im Vergleich: Gegenspieler Goncalo Paciencia lief einen Kilometer weniger.

Doch seine Arbeit zahlte sich nur selten in Torgefahr aus. Bloß einen Torschuss in der 68. Minute konnte er abgeben. In sehr guter Position schoss er nach guter Flanke von Marvin Plattenhardt jedoch neben das Tor und vergab damit seine einzige gute Torgelegenheit. Leider zählen am Ende nur die Tore, und diese fallen entweder nicht, werden zurückgenommen oder fallen dann, wenn das Spiel bereits verloren ist (wie im Spiel gegen RB Leipzig).

Bereits jetzt ist in sozialen Netzwerken und Medien davon die Rede, womöglich im Winter einen Torgaranten dazu zu holen. Geld dafür wäre durch das Investment von Lars Windhorst theoretisch da. Dodi Lukebakio zeigt sich zwar Torgefährlich, zeigte sich aber vor allem als Flügelstürmer. Eine „echte“ Neun könnte im Winter kommen, wenn bis dahin weder Ibisevic noch Selke ihre „Torblockade“ lösen können. Im Fußball kann bekanntlich alles sehr schnell gehen. Deshalb bleibt die Hoffnung, dass sich die von Spielern und Trainer angesprochene „Arbeit“ auch bei Davie Selke schon bald wieder in Tore ummünzt. Gegen Borussia Dortmund war es für einen kurzen Moment so gewesen. Bereits am kommenden Wochenende gegen den SC Freiburg hat der 24-Jährige die nächste Möglichkeit.

Dedryck Boyata – Topleistung trotz Gegentreffer

Herthas Probleme mit der defensiven Stabilität sind auch unter Jürgen Klinsmann nicht einfach so über Nacht wie durch einen Zauber verschwunden. Das zeigt sich daran, dass die „blau-weißen“ in Frankfurt wieder zwei Gegentreffer kassieren mussten. Zudem ließen Sie zahlreiche Chancen zu. Beide Gegentreffer fielen nach Ecken, was kein Zufall ist. Ganze 16 Eckbälle bekamen die Hausherren am Freitagabend zugesprochen. Dabei sind Standards eine große Schwachstelle des Hauptstadt-Clubs, und das bereits seit Saisonbeginn.

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Die fehlende Stabilität ist nichts, was man an einer Person fest machen könnte. Ein Hertha-Profi stellte am Freitagabend jedenfalls keinen Unsicherheitsfaktor dar. Dedryck Boyata zeigte eine Topleistung, war zweifellos der Innenverteidiger, der die größte Stabilität ausstrahlte. Die Statistik bestätigt diesen Eindruck: 12 Bälle konnte der Belgier im Laufe des Spieles klären, dazu vier gegnerische Bälle abfangen und mehr als die Hälfte seiner Zweikämpfe gewinnen. Außerdem fiel er durch gute Balleroberungen und Tacklings auf.

Umso bitterer also für ihn, dass Hertha trotz seiner starken Leistung erneut zwei Tore kassierte. Kurz vor dem ersten Gegentreffer konnte der Innenverteidiger zunächst mit einer absoluten Traumgrätsche Goncalo Paciencia den Ball im Strafraum vom Fuß klären. In der anschließenden Ecke und der damit verbundenen Unruhe im Strafraum konnte er den Kopfball von Hinteregger aber nicht verhindern. Aufgrund eines Stellungsfehlers von Marvin Plattenhardt stand der Frankfurter auch nicht im Abseits, sodass der Anschlusstreffer der Hessen auch zählte.

Beim Versuch in der 85. Minute eine Flanke aus dem Strafraum zu schießen versprang ihm der Ball und sorgte für eine weitere Ecke für Eintracht Frankfurt. Diese führte dann zum 2:2 Ausgleich. Gerade für die Innenverteidiger ist die aktuelle Lage besonders schwierig. Trotz größtem Einsatz und Mühe fallen Gegentreffer wie am Fließband und Spielphasen, in denen die Defensive entlastet ist, gibt es nur selten.

Dedryck Boyata entwickelt sich in dieser Phase allerdings weiter zum unumstrittenen Stammspieler. Das kann der „alten Dame“ nur gut tun und Jürgen Klinsmann wird sicher seine Defensive auch um den Belgier herum aufbauen können. Es bleibt abzuwarten, wann sich Hertha-Fans endlich wieder über eine gegentorfreie Partie freuen können. Die letzte gab es Ende September beim 1. FC Köln.

Marvin Plattenhardt – Hoffnung auf mehr

Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images

Eine weitere Überraschung in der Startelf war Marvin Plattenhardt. Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund wurde er noch nicht eingesetzt. Sein erster Einsatz unter Jürgen Klinsmann bei Eintracht Frankfurt verlief recht gut. Besonders beim 1:0 durch Dodi Lukebakio war er besonders wertvoll und konnte durch einen schönen Pass auf Marko Grujic durch zwei Frankfurter hindurch das Tor mit vorbereiten. Auch beim 2:0 war der linke Verteidiger maßgeblich beteiligt. Sein Freistoß von der rechten Angriffsseite war der Ursprung des zweiten Berliner Treffers.

Auch seine Werte sind ordentlich: er lief mehr als 10 Kilometer, konnte zweimal in bedrohlichen Situationen klären und gewann alle seine Zweikämpfe. Außerdem kamen 79 % seiner Pässe an. Auf der Schattenseite steht die Situation beim Anschlusstreffer des Heimteams, als er bei der Ecke falsch stand. Dazu kommt, dass der 27-Jährige nur selten zu Vorstößen kam. Nur einmal konnte er auf seiner linken Seite mit viel Platz in den Strafraum flanken. Dabei konnte er aber Davie Selke sehr gut in Szene setzen und hätte durchaus seine dritte Torbeteiligung aufweisen können.

Es ist durchaus eine Leistungssteigerung bei Marvin Plattenhardt zu erkennen. Vor allem seine Beteiligung an beiden Treffern spricht dafür. Für viele ist der linke Verteidiger bereits abgeschrieben, doch sollte er an diese Leistung anknüpfen und sich Woche für Woche steigern könnte er sich zurückmelden. Es bleibt abzuwarten, ob er auch im nächsten Heimspiel gegen den SC Freiburg in der Startelf stehen darf.

1. FC Union Berlin – Hertha BSC: Das etwas andere Derby

1. FC Union Berlin – Hertha BSC: Das etwas andere Derby

Nun heißt es erst einmal ganz tief durchatmen. Ein auf allen Ebenen derart intensives Spiel, wie das am Mittwochabend gegen Dynamo Dresden, hat man als Hertha-Fan lange nicht gesehen. Zum Runterkommen täte es da eigentlich ganz gut, wenn man sich am Wochenende einen schönen Waldspaziergang vornimmt oder in den Park geht und Enten füttert. Doch der Spielplan der DFL meint es in dieser englischen Woche nicht gut mit dem Seelenheil aller blau-weißen Anhänger. Denn schon am Samstag steht das Spiel an, auf das schon seit Wochen hingefiebert wird:

Mit dem Aufstieg Unions kommt es nun erstmals in der Bundesliga zum Stadt-Derby. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Am 27. Mai 2019 war die Überraschung perfekt. Ein 0:0 im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart besiegelte den Aufstieg Unions in die Bundesliga. Nachdem man in den Vorjahren einige Male am Wunder schnupperte, ist der Traum von der ersten Liga nun Realität.

Damit steht auch fest, dass es in dieser Saison erstmalig zum Derby zwischen Union und der Alten Dame im Fußball-Oberhaus kommt. Anlässlich dieses Ereignisses haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen. Ganz im Sinne des 30-jährigen Jubiläums des Mauerfalls haben wir Unioner und Herthaner aus der Podcast/- Bloggerszene zu ihrer Gemütslage vor dem Spiel befragt. Wir wollen wissen, welche Bedeutung das Derby für beide Seiten hat, wie sich die Rivalität der zwei größten Berliner Vereine in den letzten Jahren entwickelt hat und mit welchen Gefühlen beide Fanlager in den Samstag gehen.

Kein Derby wie jedes andere

Das letzte Aufeinandertreffen liegt über sechseinhalb Jahre zurück. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Hört man hierzulande das Wort “Derby”, denkt man zuallererst an Partien wie Dortmund – Schalke, Bayern – 1860 München, Stuttgart – Karlsruhe oder Nürnberg – Fürth. All diese Begegnungen eint eine tief gewachsene Rivalität zwischen den jeweiligen Teams. Der Ausgang des Derbys kann dabei schon mal über eine ansonsten komplett verkorkste Saison hinweghelfen oder den Schmerz zumindest erheblich lindern. So war es beispielsweise der Fall, als Dortmund in der Saison 2006/2007 Schalke am vorletzen Spieltag die Meisterschaft versaute, abgesehen davon jedoch eine enttäuschende Runde spielte und auf Rang 9 abschloss. Über 10 Jahre später bleibt aber vor allem dieses eine Spiel in Erinnerung.

Hertha und Union “fehlt” diese gewachsene Rivalität. Bekanntermaßen bestand zu Zeiten der Teilung und auch noch danach (zumindest in Teilen) eine Freundschaft zwischen beiden Fanlagern. Zudem gab es in der gemeinsamen Geschichte lediglich zwei Spielzeiten, in denen man in derselben Liga spielte. Daher gab es kaum Gelegenheiten, für denkwürdige Spiele oder andere besondere Momente zu sorgen. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren, zumindest beim aktiven Teil der Fanszenen, eine starke Antipathie füreinander entwickelt. So gibt es kaum noch ein Heimspiel der Alten Dame, bei dem es nicht “Scheiß Union” durch das weite Rund schallt. Ein Spiel wie jedes andere ist es also keineswegs. Schon allein deswegen nicht, weil man sich nun weitaus eher auf Augenhöhe begegnet, als es noch zu Zweitligazeiten der Fall war.

Zwar ist Hertha auch jetzt der Favorit, doch waren die Machtverhältnisse im Unterhaus – in dem Hertha mit einem Kader antrat, der an Wettbewerbsverzerrung grenzte und das zu einer Zeit, als Union noch weit davon entfernt war, ernsthafte Aufstiegsambitionen zu haben – weitaus klarer verteilt. Und selbstverständlich darf man auch das Thema Prestige nicht außer Acht lassen. Ein Derbysieg schmeckt dann am Ende des Tages eben doch süßer als Siege gegen Wolfsburg, Hoffenheim und Konsorten.

Die sportliche Bedeutung

Neben der emotionalen Komponente geht es nüchtern betrachtet auch in dieser Partie zunächst einmal um drei Zähler. Diese würden beiden Mannschaften in der aktuellen Situation zupasskommen. Union befindet sich seit Saisonbeginn, wie es nicht anders zu erwarten war, im Abstiegskampf und rangiert punktgleich mit dem 17. auf Rang 15. Auch wenn der Start mit einem 0:4 gegen RB Leipzig gleich mal gehörig daneben ging, hat man seitdem bewiesen, dass man keineswegs chancenlos ist und konnte gerade bei den Siegen gegen Dortmund und Freiburg zeigen, insbesondere vor heimischer Kulisse für die eine oder andere Überraschung gut zu sein. Hertha sollte sich also nicht auf den Derby-Heimfluch (bisher konnte weder Hertha noch Union ein Derby im eigenen Stadion für sich entscheiden) verlassen.

Auch die Alte Dame kann einen Sieg im Derby, nicht nur aus atmosphärischen Gründen, dringend gebrauchen. Nach dem Zwischenhoch mit zehn Punkten aus vier Spielen sorgte die Niederlage gegen Hoffenheim wieder für einen kleinen Dämpfer. Will man den Anschluss an das obere Tabellendrittel nicht verlieren, ist ein Sieg in Köpenick Pflicht.

Um das Stimmungsbild aus beiden Fanlagern möglichst genau abzubilden, haben wir mit je drei Herthanern und drei Unionern aus der Podcast-/ Bloggerszene gesprochen. Genauer gesagt standen uns für Union Sebastian Fiebrig vom Textilvergehen, Daniel Roßbach – ebenfalls bekannt durch u.a. Textilvergehen und Spielverlagerung.de – sowie Benni von der Alten Podcasterei gesprochen.
Auf Herthaner Seite standen uns Steffen vom Damenwahl-Podcast
, Moritz von der Axel Kruse-Jugend sowie Steven, der den Blog sogenannterblogger betreibt, Rede und Antwort.

Wir bedanken uns vielmals bei unseren tollen Interview-Gästen und wünschen viel Spaß beim Lesen!

Hertha BASE: Nur noch ein paar Tage bis zum Derby: Wie sehr kribbelt es schon?

Steven (Hertha-Fan): Jetzt, nach dem wichtigen Pokalspiel, liegt der Fokus natürlich komplett auf dem Derby. Ja, es kribbelt!

Benjamin (Union-Fan): Als viele Unioner nach dem Relegationsrückspiel schon das Derby im Kopf hatten, war ich immens davon genervt. Immerhin waren wir für uns aufgestiegen. Das Abenteuer erste Liga ist eines, welches nicht nur aus zwei Derbys besteht. Nun nähert sich jedoch der Spieltag und ich muss gestehen: ja, ich bin heiß auf das Spiel!

Sebastian (Union-Fan): Bis jetzt noch gar nicht. Aber das hat eher was mit der gesamten Saison zu tun. Ich war so oft so aufgeregt in dieser Spielzeit, das kann ein Derby gar nicht toppen. Man steigt eben nur ein Mal das erste Mal in die Bundesliga auf. Das erste Spiel überhaupt, der erste Punkt, der erste Sieg und so weiter und so fort. Es gibt eine ganze Reihe Gegner, gegen die Union das erste Mal überhaupt in einer Liga spielt. Hertha gehört da nicht dazu, weil ihr uns zwei Mal entgegen gekommen seid. Und dann ist da noch der enge Spielplan. Auswärtsspiel beim FC Bayern, dann Pokal in Freiburg und dann gleich das Derby – viel Zeit für Vorfreude bleibt da nicht. Aber ich bin mir ganz sicher, dass es am Sonnabend Vormittag kribbeln wird.

Steffen (Hertha-Fan): Noch nicht so sehr, wie ich gedacht hätte. Das liegt vermutlich am Pokalspiel, welches der Derbyvorfreude noch so ein wenig im Weg steht. Außerdem habe ich für das Auswärtsspiel bei Union – mal wieder – kein Ticket. Ein TV-Derby und das Aufeinandertreffen direkt im Stadion sind dann nochmal was anderes. Mal schauen, ob das Kribbeln zum Wochenende hin noch zunimmt. Spoiler: Ja, wird es!

Daniel (Union-Fan): Es geht … uns gerade eher auf die Nerven. Wir beim Textilvergehen werden seit einer Weile ständig danach gefragt, wie bedeutend uns nun eigentlich dieses Derby sei, und wie das Verhältnis von Hertha und Union denn nun eigentlich sein sollte. Dabei ist mir Hertha die meiste Zeit über eher etwas egal – zumindest so, dass ich nicht wie offenbar manche Leute im Union-Block in München plötzlich auf die Idee käme, mich über Hoffenheim-Tore zu freuen, weil sie gegen Hertha fallen. Aber natürlich ist Hertha schon ein besonderer Gegner. Das Spiel am Samstag wird nicht eins der Top5 aufregendsten dieses nicht-ganz-uninteressanten Jahres bei Union sein – aber in der Liste auch nicht auf Platz 22 stehen.

Moritz (Hertha-Fan): Auf einer Skala von “Siehst Du, dass ich mich kratze?” – “Nein.” – “Weil es mich nicht juckt.” bis Dschungelprüfung: irgendwo dazwischen. Das Pokalspiel zieht auch einiges an Aufmerksamkeit und es ist doch weniger von der Fanszene und Hertha her passiert, als ich gehofft habe (Kein Public Viewing, kein Begleiten des Busses …). Gefühlt geht es die ganze Zeit darum, wer noch wie von wo ein Ticket kriegt … (Nein, ich habe keins. Nein, ich kann meins auch nicht weitergeben, ich habe keins.)

Hertha BASE: Ist das Gefühl dieses Mal (auch wegen der höheren Spielklasse) ein anderes als noch bei den letzten Aufeinandertreffen?

Steven (Hertha-Fan): Würde ich schon so sehen, ja. In der zweiten Liga war halt immer im Hinterkopf, dass wir eigentlich niemals hätten absteigen dürfen. Die Derbys und viele andere Spiele gegen für uns neue Gegner waren natürlich spannend, aber es war klar, dass der Fokus auf dem Wiederaufstieg liegt. Ein Bundesliga-Derby in der eigenen Stadt ist schon was besonderes und wäre für mich persönlich nur noch zu toppen durch ein Pokal-Derby.

Benjamin (Union-Fan): Das Gefühl ist in der Tat anders als zuvor – aber nicht der Spielklasse wegen. So viele Pflichtspielderbys gegeneinander haben unsere Vereine noch nicht auf dem Buckel und dennoch ist das letzte eine Weile her. Und diese Jahre machen etwas mit dem Fußballgemüt. Ich sehe Hertha heute anders als damals. Das unterscheidet es für mich.

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Sebastian (Union-Fan): Es ist sehr viel sehr gleich. Und doch ist manches ein bisschen anders. Die Grundvoraussetzung hat sich geändert und ich glaube, dass uns das allen gefällt: Niemand musste absteigen, damit das Derby stattfinden kann. Und wir befinden uns im natürlichen Habitat von Hertha, in der Bundesliga. Ob diese Liga auch mal ein natürlicher Lebensraum für Union wird, werden wir sehen. Und auch die Bedeutung von Union hat sich geändert. Obwohl Bedeutung vielleicht das falsche Wort ist. Durch den Bundesliga-Aufstieg bekennen sich mehr und mehr Menschen zum 1. FC Union. Auch durch Vereinsmitgliedschaft. Und das führt schon dazu, dass Union zwar noch der Underdog ist, aber der Abstand zu Hertha gefühlt geringer ist, auch wenn da noch sehr viel Weg zu gehen ist, damit Union in Bereichen wie in der Nachwuchsarbeit ansatzweise auf einem ähnlichen Stand ist.

Steffen (Hertha-Fan): Ein Derby ist was besonderes. Ob in der 1. oder 2. Liga ist für mich eher zweitrangig. Ich beschreibe das Derby-Gefühl gern mit “das Weiße in den Augen des Gegners sehen”. Wenn man ein normales Ligaspiel gewinnt oder verliert, dann freut oder ärgert man sich – und dann geht’s weiter. Bei einem Derby kann man nicht so einfach einen Haken dran machen. Da sieht man die Fans des Gegners noch Tage und Wochen später auf der Straße, auf der Arbeit, im Supermarkt. Da möchte man in jedem Fall derjenige sein, der grinst. Nicht der, der angegrinst wird. Bestimmt bekommt das erstklassige Derby deutschlandweit eine andere Aufmerksamkeit. In Berlin empfinde ich das Spiel nicht anders.

Daniel (Union-Fan): Damals waren Spiele von Union gegen Hertha auf jeden Fall noch eine viel asymmetrischere Angelegenheit. Natürlich gibt es jede Menge Aspekte, in denen Union viel toller ist als Hertha, aber sportlich war es eben sehr klar nur vorübergehend dieselbe Liga, und innerhalb der ein großer Unterschied. Das ist jetzt beides nicht mehr (weniger) der Fall.

Moritz (Hertha-Fan): In Liga zwei war ich noch nicht so in die Fanszene eingebunden, aber damals war es definitiv auch was Besonderes. Die Hektik scheint diesmal größer, auch wegen der Mauerfall-Jubiläums-Sache vielleicht. Über Liga eins wird auch mehr in der Presse berichtet… Also unterm Strich: Ja, es ist ein anderes Gefühl.

Hertha BASE: Welches ist deine prägnanteste Erinnerung an die zurückliegenden Derbys?

Steven (Hertha-Fan): Sicherlich der 2:1-Sieg in der Alten Försterei in der Saison 12/13. Ein absolut dreckiges Kampfspiel mit Typen wie Maik Franz, Peter Niemeyer oder eben auch Änis Ben-Hatira und Sandro Wagner. Dazu der Freistoß von Ronny, mit mehr Wucht als Verstand. Spielerisch sicherlich übel, aber es wurde um jeden Ball, um jeden Einwurf gefightet. Wenn die aktuelle Mannschaft es am Samstag schafft, so eine Einstellung auf den Platz zu bringen, mache ich mir angesichts der vorhandenen spielerischen Qualität keine Sorgen.

Benjamin (Union-Fan): Selbstverständlich war das 2:1 im Olympiastadion ein historischer Moment für den 1. FC Union Berlin. Und meine Erinnerung daran bleibt, egal wie irgendein zukünftiges Derby enden sollte.

Sebastian (Union-Fan): Michael Parensens unzählige Verletzungen. Ich erinnere mich, wie ich beim Derby an der Alten Försterei noch in den Krankenwagen schaute, bevor der mit ihm losgefahren ist. Und dann natürlich der Sieg im Olympiastadion. Ich hätte eigentlich in der Sport-Redaktion des Kuriers arbeiten müssen, durfte aber ins Stadion, weil ich eine Familie aufgetan hatte, in der der Vater Unioner und der Sohn Herthaner ist und beide bis zum Stadion begleitete, wo sich beim Einlass deren Wege trennten. Ich bin meinem damaligen Chef Andreas Lorenz immer noch dankbar, dass er mich das hat machen lassen.

Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Steffen (Hertha-Fan): Im Vorfeld des ersten Pflichtspiel-Derbys gegen Union war ich eigentlich ganz entspannt. Hertha und Union waren traditionell keine großen Rivalen, der „echte“ Derby-Gegner war TeBe. Mit Union verband ich eher die Geschichten der „Alten“. Etwa von gegenseitiger Unterstützung zu Mauerzeiten, wenn Unioner zu Auswärtsspielen von Hertha im Europapokal gegen Gegner aus dem Ostblock anreisten oder Herthaner nach Ost-Berlin fuhren, um Union an der Alten Försterei anzufeuern. Geschichten von Blau-Weißen und Rot-Weißen, die sich in den Monaten nach dem Mauerfall bei dem einen oder anderen Spiel glücklich im selben Stadion wieder fanden. Nicht als Gegner, sondern als Menschen in einer plötzlich wiedervereinigten Stadt. Tja, dann zogen die Jahre ins Land und das Verhältnis zwischen Fans und Vereinen kühlte mehr und mehr ab. 2010 war von den alten freundschaftlichen Banden kaum noch etwas zu spüren. Dann entschied sich Union im Vorfeld des ersten Derbys auf einmal die Ost-West-Karte zu spielen und das Spiel als ein Ost-Berlin gegen West-Berlin zu stilisieren. Ich habe das als ehemaliger Ost-Berliner als ziemlich schlimm empfunden. Vielleicht bin ich da auch zu empfindlich, aber für mich war das Derby eine Geschichte des zusammenwachsenden, wiedervereinigten Berlins. Und auf einmal versuchte da jemand, eine neue Spaltung, wenn auch nur sportlich, zu beschwören. Das schwebt bei mir seitdem bei jedem Aufeinandertreffen im Hinterkopf.

Daniel (Union-Fan): Ich bin ja noch gar nicht so lange Unioner, und eh Zugezogener. Das 2-2 im Februar 2013 in Charlottenburg mit dem späten Freistoß von Ronny war tatsächlich eins meiner ersten Union-Spiele in einem Stadion. Die Auswahl ist also nicht so furchtbar groß – aber ich fand den Auswärtsblock (ich war im Union-lastigen neutralen/heim Sektor daneben) damals sehr beeindruckend – vor allem die geschwenkte, schön rote Pyro im Oberrang.

Moritz (Hertha-Fan): Im Olympiastadion noch in der Schlussphase der Ausgleich durch das obligatorische Ronny-Freistoß-Tor… Fühlte sich trotzdem wie eine Niederlage an..

Hertha BASE: Wie hat sich die Rivalität in deinen Augen in den letzten Jahren entwickelt und wie nimmst du sie aktuell wahr?

Steven (Hertha-Fan): Es ist logisch, dass die Rivalität innerhalb einer Stadt größer wird, je öfter man sich sportlich über den Weg läuft. Historisch gesehen ist das sicher nicht vergleichbar mit den großen Rivalitäten wie Dortmund – Schalke, St. Pauli – HSV oder auch Karlsruhe – Stuttgart. Von daher sollte man da nicht die große gewachsene Feindschaft reinreden. Ebenso ist es aber sicher auch kein Freundschaftsderby. Die Kontakte, die es mal gab und die ich niemandem schlecht reden will, sind doch sehr abgekühlt und gerade von Unioner Seite nimmt man eine recht ablehnende Haltung wahr, wenn es um Hertha und die freundschaftlichen Kontakte der Vergangenheit geht.

Benjamin (Union-Fan): In meinem Umfeld bestand die Rivalität auch zu den Zweitligaderbys. Seit den 90ern ist hingegen viel passiert. Beide Vereine, Szenen, Fans driften in der Wahrnehmung auseinander. Das merke ich auch an mir selbst. Hätte ich mich in den letzten Derbys noch über ein gemeinsames “Eisern Berlin” gefreut, so kann ich heute getrost darauf verzichten. Der Alleinstellungsanspruch, der mir nicht nur von den blau-weißen “Wir sind Berlin”-Plakaten an der Bushaltestelle ins Gesicht springt, trägt dazu sicher auch etwas bei. Ihr mögt ganz gerne “Eine Stadt – ein Verein – Hertha BSC” singen. Aber auch ihr wisst hoffentlich, wie bunt die Fußballwelt in Berlin ist. “Eine Stadt – so viele Vereine!”

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Sebastian (Union-Fan): Da ich bekennender Anhänger der Fußball-Ökumene Berlin bin, hat sich für mich wenig geändert. Wir hosten ja als Union-Blog und -Podcast auch den Hertha-Podcast Damenwahl. Ich mochte das Hertha-Echo mit Manne Sangel und ich finde, dass die Ostkurve zu den unterschätztesten Fanszenen in Fußball-Deutschland gehört. Was sich geändert hat? Uns trennt seit 30 Jahren keine Mauer mehr, sodass sich eine normale Rivalität entwickeln konnte, ohne in Hass umzuschlagen. Dazu gehört auch, dass man das Gegenüber als Konkurrenz empfindet. Und ich finde, dass das Hertha als Verein gut tut, um ein Profil jenseits dieser schlimmen Bezeichnungen wie “Hauptstadtklub” zu entwickeln. Abgrenzung tut dem Verein (und hier meine ich explizit die Leute, die im Verein arbeiten und nicht die Fans) ganz gut. Man muss nicht allen gefallen wollen. Und für Union ist es auch ganz gut, sich in Konkurrenz zu befinden. Toll finden wir uns schon von alleine. Da tut kritische Betrachtung ganz gut. Am Ende profitieren beide Klubs davon, dass man sich plötzlich in Berlin bekennen muss: Union oder Hertha?

Steffen (Hertha-Fan): Seit Herthas letztem Aufstieg im Jahr 2013 hat sich für mich persönlich eigentlich nicht so viel verändert. Sicherlich haben sich für beide Klubs in massiver Weise Dinge geändert. Union durchlebt gerade eine ähnliche Wachstumsphase wie Hertha in der zweiten Hälfte der Neunziger. Hertha selbst konnte sich erst einmal aus der ewigen Schuldenfalle befreien. Zu welchem Preis werden wir wohl erst in der Rückschau in einigen Jahren bewerten können. Aber im Verhältnis zwischen Hertha und Union, zwischen Herthanern und Unionern, hat sich in den letzten Jahren nicht allzu viel getan. Man arbeitet professionell miteinander, die Fans betrachten sich argwöhnisch aus der Distanz. Die Unionern marschieren in der ihnen eigenen Art durchs Land und verkünden ihre moralische Überlegenheit, die Herthaner zucken genervt mit den Schultern. Das empfinde ich tatsächlich keinen Deut anders als 2010. Business as usual.

Daniel (Union-Fan): In den letzten Jahren hatten wir bei Union mit Hertha direkt natürlich nicht zu tun – höchstens mal über die Karlsruher Dependance (das finden wir eher merkwürdig). Wenn ich mich mit Herthanern unterhalte, dann nicht selten im Rahmen unserer Podcast-Ökumene mit Damenwahl. Da ist das alles grundsätzlich natürlich freundlich mit Aussicht auf kleine Sticheleien. Und so sehe ich eben auch Hertha insgesamt. Außerdem hat sich in den letzten Jahren ja auch die Bundesliga geändert, in der es nun viele Mannschaften gibt, die ich viel weniger mag als Hertha und/oder die mir (noch) weniger sagen. Und machen wir uns nichts vor, natürlich bietet die Nähe zueinander auch Reibungsfläche.

Moritz (Hertha-Fan): Zu Zweitliga-Zeiten waren die Bus-Beschädigungen ziemlich daneben, das hat mich damals geärgert. Den ständigen Sprüh-Battle an der Autobahn oder auf den Stromkästen wiederum finde ich lustig. Ich höre ständig Herthaner “Scheiß-Union” rufen, egal, gegen wen wir spielen – das ist nicht so meins. Ich hoffe auf ein wirklich nettes und friedliches Spiel, ich kenne so viele Unioner und Herthaner, die sich genau das wünschen – ich finde, wir haben uns ein Freundschaftsderby verdient, es gibt genug Spaltung und Hass in der Gesellschaft, Berlin braucht L I E B E !

Hertha BASE: Viele Herthaner aus meinem Umfeld haben sich über den Aufstieg Unions gefreut. Wie sah das bei dir bzw. in deinem Umfeld aus?

Steven (Hertha-Fan): Die Vorfreude auf das Derby war natürlich sofort da, aber es war bei mir persönlich sicher nicht so, dass ich Union im Endspurt die Daumen gedrückt habe. Es gibt zwar durchaus einiges bei Union, was mir gefällt; Die klare Positionierung pro 50+1, den Fokus aufs Stadionerlebnis, das Verhältnis zwischen Fans und Verein oder die Tatsache, dass man nicht bei jeder Fackel einen Tobsuchtsanfall bekommt. Allerdings hat der sportliche Erfolg Unions in den letzten Jahren natürlich auch viele Leute angezogen, die sich von diesem Mythos um den alternativen Kultklub angezogen fühlen. Da reden dann plötzlich Leute von der “Union-Familie”, die vor ein paar Jahren noch ins Olympiastadion gegangen sind, um Bremen oder Dortmund die Daumen zu drücken. Leute, die eher dem Klischee des zugezogenen Prenzlauer Berg Hipsters entsprechen, als dem Arbeiter-Milieu. Dafür kann Union an sich nicht so viel. Wenn sich aber Herr Zingler dann hinstellt und in Bezug auf das Derby vom “Klassenkampf” spricht, dann frage ich mich, ob er den Bezug zur Realität verloren hat. Eine Äußerung, die er noch dazu tätigt, nachdem man in Köpenick mit Adidas einen sehr lukrativen Ausrüstervertrag, sowie einen Hauptsponsorvertrag mit dem Immobilien-Unternehmen Aroundtown geschlossen hat. Ein Unternehmen, was sich nicht zwingend mit dem Image des kleinen, sich seiner sozialen Verantwortung bewussten Vereins in Einklang bringen lässt. Nun ist es sicherlich so, dass es gerade auch bei Hertha in dieser Richtung Entwicklungen gab, mit denen viele Fans nicht zwingend glücklich sind. Allerdings gerieren wir uns auch eher selten als letzte anti-kommerzielle Bastion des Profifußballs.

Moritz (Hertha-Fan): Die meisten haben sich zunächst total gefreut, allerdings ging ja damals schon vor der Relegation der Union-Hype los, plötzlich wurde uns wieder bewusst, WIE grau unsere graue Maus noch immer (angeblich) ist. Jetzt sind die meisten eher trotzig: schön dass Union mitmacht, es ist eine Bereicherung, aber wir sollten zeigen, was wir draufhaben. Hertha ist Kult seit dem 25. Juli 1892.

Hertha BASE: Welche Bedeutung hat der Ausgang des Derbys für den Rest der Saison? Erhoffst du dir bei einem Sieg einen besonderen Schub und befürchtest du umgekehrt im Falle der Niederlage einen Knick?

Steven (Hertha-Fan): Mit Blick auf die Tabelle wäre ein Sieg, auch ohne die besondere Bedeutung des Derbys, immens wichtig. Speziell aufgrund der Situation, dass sich in der Mannschaft einige Hierarchien geändert haben, Spieler wie Salomon Kalou eine neue Rolle akzeptieren müssen und man einen neuen, im Profibereich unerfahrenen Trainer hat, kann so ein Derbysieg sicherlich eine Wirkung haben, die über das Wochenende hinaus geht. Mit einer Niederlage befasse ich mich, wenn es soweit ist. Dauert also noch.

Benjamin (Union-Fan): Das Derby ist ein Fußballspiel mit besonderem emotionalen Wert. In diesem Sinne ist es ein (nicht DER) Höhepunkt der Saison. Dennoch geht es auch hier nur um drei Punkte – wichtige Punkte für Union, ja. Aber genau so wichtig wie gegen Freiburg, Schalke oder Köln. Mehr nicht.

Sebastian (Union-Fan): Weder noch. Ich hätte gerne die Punkte, weil es Punkte im Kampf um den Klassenerhalt sind. Zwar macht ein Sieg gegen Hertha besonders viel Spaß. Und umgekehrt sicher auch, denn sonst hätte nicht ewig vor Herthas Pressekonferenz-Raum ein Bild von Sandro Wagner nach seinem Tor gegen Union gehangen. Aber würde eine Fee vor mir stehen und fragen: Klassenerhalt oder Derbysieg? Dann würde ich mich sofort für den Klassenerhalt entscheiden. Die Aufmerksamkeit, die ein Jahr Bundesliga generiert, schafft man in zehn Jahren zweite Liga nicht. Und Union braucht das, um sich weiter irgendwie im Profibereich der 20 besten Mannschaften Deutschlands zu etablieren. Ihr wisst, wovon ich rede. Es ist wahnsinnig schwierig, sich in der Bundesliga zu etablieren, wenn nicht gerade von extern signifikant viel Geld dazugeschossen wird. Und ich glaube, dass der Abstand zwischen Bundesliga und zweiter Liga immer größer wird und entsprechend mit jedem Jahr das Fenster kleiner, sich überhaupt in der Ersten Liga etablieren zu können, wie das mal Mainz oder Freiburg gemacht haben.

Foto: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Steffen (Hertha-Fan): Ein einziges Spiel kann schon mal bedeutend für den Verlauf einer ganzen Saison sein. Ich glaube aber nicht, dass dieses Derby-Hinspiel so ein entscheidendes Spiel ist. Hertha wird sich diese Saison im Niemandsland der Tabelle einpendeln. Wir sind aktuell, vor allem Defensiv, nicht stabil genug, um Ansprüche auf höhere Tabellenregionen anmelden zu dürfen. Dafür gibt es diese Saison zu viele stabil performende Mannschaften in der oberen Tabellenhälfte. Union hat an den ersten Spieltagen genug Punkte und Selbstvertrauen getankt, da würde unser Nachbar auch bei einer klaren Niederlage nicht hoffnungslos in den Abstiegskampf zurückfallen. Ich denke, am Samstag geht es einzig und allein darum, wer bis Weihnachten mit Dauergrinsen im Gesicht herumlaufen darf.

Daniel (Union-Fan): Das Momentum aus dem Spiel halte ich für weniger wichtig als die schlichten drei Punkte. Hertha fällt in die Klasse von Gegnern, die Union zuhause schlagen kann, und hin und wieder auch schlagen muss, um am Ende auf 35-40 Punkte zu kommen. Natürlich würde ein Sieg darüber hinaus auch noch etwas Selbstvertrauen und Schwung für die nächsten Wochen geben, in denen Union noch einige Spiele hat, in denen Urs Fischer wohl Punkte budgetiert hat (Union spielt noch gegen vier der fünf anderen Mannschaften im letzten Drittel der Tabelle).

Moritz (Hertha-Fan): Für das Verhältnis Trainer/Fans ist es wahrscheinlich am wichtigsten, da hängt schon etwas davon ab. Abgesehen davon sind es nur drei Punkte und wir sind noch früh in der Saison. Ich befürchte weder einen Knick noch verspreche ich mir einen Schub. Ich denke, die Fußballer von heute sind Profis und hören sich hinterher auf YouTube eine Seelenreise an, die Ihnen die traumatische Erfahrung der Niederlage zu überwinden hilft.

Wie lautet dein Tipp für das Spiel?

Steven (Hertha-Fan): Ich bin sehr optimistisch, dass Ante Covic es versteht, seine Mannschaft auf so ein Spiel einzustellen. Dazu haben wir genügend Spieler im Kader, die mit solchen Situationen umgehen können und sich durch nichts beeindrucken lassen. Ich tippe auf ein 3:1 für Hertha.

Benjamin (Union-Fan): Egal ob Derby oder nicht: wenige Tage vor einem Spiel flüstert der Kopf nur noch und das Herz schreit um so lauter: “Die hau’n wa weg!”. Die Punkte bleiben in Köpenick: 2:1 für die Guten, so wie damals im Leichtathletikstadion.

Sebastian (Union-Fan): 2:1 für Union. Es wird mal Zeit für einen Heimsieg im Derby.

Steffen (Hertha-Fan): Derbys werden gewonnen! Diese Saison, nächste Saison und darüber hinaus. (Hertha, ey, bitte gewinne dieses verdammte Spiel!)

Daniel (Union-Fan): <a
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target=”_blank” rel=”noopener”>Union immer 3-0!</a>

Moritz (Hertha-Fan): Hertha gewinnt 2:1. Ich würde Selke ein Tor wünschen, aber vielleicht ist das zuviel, es ist ja noch nicht Weihnachten. Also Kalou und Ibi, wie immer.

*Titelbild: Boris Streubel/Bongarts/Getty Images

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – TSG 1899 Hoffenheim

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – TSG 1899 Hoffenheim

Es war eine sehr unglückliche Niederlage von Hertha BSC gegen die TSG Hoffenheim, und doch kann man die verlorenen Punkte nicht einfach mit Pech erklären. Aluminumtreffer und ungünstige Schiedsrichter-Entscheidungen sind nur ein Aspekt des 2:3. Auch die defensiven Fehler und phasenweise schwache Einzelleistungen sorgten dafür, dass man sich nicht belohnen konnte. Und das obwohl es phasenweise ein gutes Fußballspiel der Blau-weißen war und Ante Covic wieder ein gutes Händchen bewies.

In unserer Einzelkritik zum spektakulären Heimspiel haben wir uns wieder Spieler genauer angeschaut, die uns sowohl negativ als auch positiv besonders aufgefallen sind.

Marko Grujic – noch ein langer Weg bis nach Liverpool

Hoch waren die Erwartungen an Marko Grujic, als er im Sommer noch einmal vom FC Liverpool ausgeliehen wurde. Bisher tut sich der Serbe allerdings schwer, diese Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. Auch allein im Mittelfeld konnten Vladimir Darida oder Per Skjelbred bis heute mehr auf sich aufmerksam machen. Dabei konnte er in den ersten Spieltagen bereits zwei Mal treffen. Dass der 23-Jährige große Fähigkeiten hat, weiß in Berlin jeder. Am Samstag gegen TSG Hoffenheim allerdings zeigte er seine bisher wohl schwächste Leistung in dieser Spielzeit.

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Und das obwohl er noch vor zwei Wochen den Wunsch äußerte, endlich beim FC Liverpool spielen zu dürfen. Viele Vorstellungen wie am Samstag sollte es dafür nicht geben, denn was in der Bundesliga nicht ausreicht, wird erst recht nicht in der Mannschaft von Jürgen Klopp zu Einsatzzeiten führen. Inbesondere bei seinen Defensivaufgaben war Grujic erneut nicht auf der Höhe.

Die zugegeben sehr starke zentrale der Gäste konnte im Olympiastadion zu oft ungestört agieren und Konter durch das Zentrum konnten frei ausgespielt werden. Grujic ließ seine Gegenspieler mehrmals sträflich frei im Mittelfeld größere Distanzen laufen. Diese konnten dann vor dem Berliner Strafraum angespielt werden und abschließen. So entstanden größere Chancen (z.B. 29. und 30. Minute) und auch das erste Gegentor zum 0:1. Gefühlt den halben Platz konnte Florian Grillitsch ungestört entlangsprinten, um dann auf Jürgen Locadia zu spielen, der die Führung erzielte – Grujic fungierte hier nur als Begleitschutz.

In dieser sowie in einigen anderen Aktionen stand Grujic zu weit weg vom Gegenspieler, was sich auf einem so hohen Niveau wie in der Bundesliga rächt. Da wo ein anderer Spieler sicherlich ein taktisches Foul gezogen oder im Vollsprint die Anspielstation behindert hätte, lief die Leihgabe teilweise nur hinterher. Dabei hätte er seine schwache Leistung kurz vor der Halbzeit noch retten können. Sein Schuss nach guter Vorarbeit von Dodi Lukebakio landete jedoch nur an den Pfosten.

Die Körpersprache, die Präzision und das Stellungsspiel – all diese Aspekte stimmten bei Grujic in der gestrigen Partie überhaupt nicht. Das spiegelt auch seine Zweikampfquote wieder (nur 33% gewonnene Zweikämpfe). Cheftrainer Covic reagierte beim 0:2-Rückstand in der Pause und wechselte Ondrej Duda ein. Angesichts der Leistung des Liverpool-Leihspielers ist es kein Wunder, dass Grujic weichen musste. Zu der Auswechslung sagte Ante Covic: “Ich war der Meinung, dass wir auf der Position etwas ändern mussten. Wir haben zur Pause auch im Grundsatz das System verändert, weil wir im letzten Drittel mehr Zugriff benötigt haben.”

Aktuell scheint beim Serben die Luft ein wenig raus zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass der so oft gelobte Mittelfeldspieler schon nächste Woche gegen Union Berlin ein anderes Gesicht zeigt. Dann muss nämlich der Ausfall von Vladimir Darida (gelb-rot Sperre) spielerisch wie läuferisch kompensiert werden.

Dedryck Boyata – Die tragische Figur

Wenn wir bei den schwächeren Einzelleistungen des Spieles sind, müssen wir zum ersten Mal die Leistung von Dedryck Boyata ansprechen. Der Sommer-Neuzugang brachte zuletzt viel Stabilität in die Berliner Defensive und wurde auch von uns viel gelobt. Leider war er eine der “tragischen” Figuren im Spiel gegen die TSG aus Hoffenheim und verletzte sich zudem in der zweiten Halbzeit.

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Doch gerade inm ersten Durchgang konnte er in der starken Phase der Hoffenheimer nicht die gewohnte Sicherheit ausstrahlen. In der 30. Minute hätte er durch einen voreiligen und dadurch zu kurz greifenden Klärungsversuch im Strafraum bereits ein Gegentreffer verursachen können. Beim 0:1 durch Jürgen Locadia stand er ein paar Schritte zu weit weg vom Gegenspieler und wurde bei dessen Schuss unglücklich getunnelt, sodass Rune Jarstein im Kasten keine Abwehrchance hatte. Auch seine Zweikampfwerte blieben unterdurchschnittlich, der Belgier gewann nur die Hälfte seiner Duelle (im Vergleich gewann Karim Rekik 73 % seiner Zweikämpfe).

Obwohl es nicht sein Tag war: ein Mentalitätsproblem hat Boyata sicher nicht. Dies zeigte sich ganz besonders kurz nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit, als er den Ball in gefährlicher Position verlor und einen sehr gefährlichen Angriff für den Gegner zuließ. Mit aller Kraft lief er hinterher und konnte den Schuss von Skov abblocken. Trotzdem zeigte auch diese Szene, dass der 28-jährige Innenverteidiger nicht wirklich auf der Höhe des Geschehens war.

Es passiert jedem Spieler gelegentlich eine schwache Partie zu spielen und für Dedryck Boyata ist es wohl die erste schwächere Leistung, seitdem er im Hertha-Trikot Pflichtspiele absolviert. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Spiel aus Gesundheitsgründen nicht zu teuer für ihn wird. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, hat er Beschwerden in der Leistengegend, eine MRT-Untersuchung soll am Montag folgen. Da Boyata allerdings in den letzten Jahren immer wieder für längere Zeit aufgrund von Muskelproblemen ausfallen musste, ist auch an dieser Stelle eine längere Pause nicht auszuschließen.

Lukebakio – Per Traumtor zum Stammspieler?

Bereits gegen Werder Bremen war Dodi Lukebakio nach seiner Einwechslung einer der auffälligsten Spieler und konnte durch eine starke individuelle Szene einen Punkt an der Weser retten. Gegen Hoffenheim stand der Rekordtransfer von Hertha von Beginn an in der Startelf und wusste in den ersten gut 20 Minuten der Hauptstädter zu überzeugen. Dribbelstark und gefährlich, mit guten Sprints in die Spitze (wie zum Beispiel in der 16. Minute) und intelligenten Läufen – Lukebakio war in der Berliner Offensive omnipräsent und bildete mit Marius Wolf auf der anderen Seite eine sehr ansehnliche Flügeloffensive.

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Sein Fallrückzieher zum zwischenzeitlichen 1-2 war nicht nur ein wunderbarer Treffer, sondern auch ein Hoffnungsschimmer, welcher der gesamten Mannschaft und den Fans neuen Schwung gab. Ein Tor, das gute Technik und einen stark ausgeprägten Torriecher verkörpert. Auch wenn bei ihm nicht immer alles funktionierte, war er hochmotiviert und mit guter Mentalität unterwegs.

Eine Szene, die gerade diesen unbedingten Willen zeigt, konnte man in der 60. Minute sehen. Ein guter Angriff von Hertha wurde eingeleitet und der Ball kam zum Flügelstürmer, der in aussichtsreicher Position einige Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung hatte. Sein Pass in die Spitze misslang jedoch völlig, was ihn aber selber am meisten ärgerte. Lukebakio warf sich kurz hin und schlug vor Ärger auf dem Boden, bevor er aber gleich wieder aufstand und weiter lief. Dieser kurze Frust-Moment, obwohl er wenige Minuten zuvor ein Traumtor erzielen konnte, ist auch ein Anzeichen dafür, dass der junge Belgier hohe Ansprüche an sich und sein Team hat.

Besonders viel lief der Belgier mit 9,98 Kilometer nicht. Allerdings nutzte er die ihm gebotenen Räume sinnvoll, konnte 69 intensive Läufe und 23 Sprints aufweisen. Marius Wolf, der ebenfalls ein gutes Spiel zeigte, lief ganze 11,69 Kilometer und wies sogar 80 intensive Läufe auf. Mit vier Torschüssen, einer Torschussvorlage und einer beachtlichen 87-prozentigen Passquote kann sich die Statistik von Dodi Lukebakio sehen lassen.

Der Wille, die Körpersprache und die einzigartigen Momente wie beim 1:2 – es passt momentan beim Stürmer, der langsam seine Ablösesumme vergessen lässt. Das, was ihm auch gegen Hoffenheim fehlte, ist die Präzision. Insbesondere seine Flanken sind ausbaufähig, gleiches gilt für flache Hereingaben in den Strafraum. Wenn auch diese besser ankommen, könnte er den Hertha Fans noch viel Freude bereiten. Über ein paar weitere Fallrückzieher-Tore im Olympiastadion wird sich wohl auch keiner beschweren. Sein Cheftrainer bringt es ganz gut auf dem Punkt: “Er ist ein Spieler, der für die Überraschungsmomente sorgt – aber manchmal auch für zwei graue Haare.”

Duda und Kalou – Wechsel kann Covic

Wer die gute Leistung der beiden Joker Ondrej Duda und Salomon Kalou am Samstagnachmittag lobt, muss auch A wie Ante Covic sagen. Jokertore entwickeln sich fast schon zu einer Art Leitmotiv bei Hertha BSC in dieser Hinrunde. Dieses Mal war es Salomon Kalou, der seinen Treffer nach Einwechslung erzielen konnte. In der 64. Minute kam er für den verletzten Boyata ins Spiel und brauchte für sein erstes Saisontreffer nur etwa fünf Minuten.

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Bei der Hereingabe von Vladimir Darida fackelte er nicht lange und bezwang aus kurzer Distanz den Hoffenheim Schlussmann Oliver Baumann. Damit baut der 34-Jähriger seine Torbilanz im Hertha-Trikot aus (53 Tore). Noch drei Treffer und er würde Marko Pantelic einholen. Dieser steht aktuell mit 56 Toren auf Patz neun der ewigen Hertha-Torschützenliste. Kalou war nach seiner Einwechslung ein Aktivposten. Er konnte in seiner relativ kurzen Einsatzzeit drei Torschüsse abgeben und einen vorbereiten und zeigte sich in guter Verfassung.

Das Tor durch den Ivorer wurde sehenswert von Ondrej Duda eingeleitet, der zur Halbzeit für Marko Grujic eingewechselt wurde. Durch ein sehr intelligentes und gut getimtes Abspiel in den Lauf von Vladimir Darida zeigte der Slowake endlich wieder, was ihn letzte Saison so wertvoll für die „alte Dame“ gemacht hatte. In Ansätzen war in der zweiten Halbzeit viel Gutes vom 24-Jährigen zu sehen, der sehr präsent war und viele interessante Pässe spielte. Seine Passquote blieb dabei mit 84 % sehr gut und er war deutlich öfter am Ball (31 Mal) als Marko Grujic in der ersten Halbzeit (17 Mal).

Trotz der Niederlage wird die positiv verlaufene Einwechslung beiden Spielern mit großer Wahrscheinlichkeit gut tun. Die bereits angesprochene Sperre von Vladimir Darida könnte Ondrej Duda im Derby gegen Union Berlin eine Einsatzgarantie geben. Sollte „Number 10“ dort ein starkes Spiel machen, könnte er das Ruder wieder umdrehen. Offensive Optionen auf der Bank wird Ante Covic auch in den nächsten Spielen genug haben. Wir können hoffen, dass dabei die Jokertore auch wieder zum Sieg für Hertha führen.

Herthaner im Fokus: SV Werder Bremen – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: SV Werder Bremen – Hertha BSC

Mit einem 1:1-Unentschieden hat sich Hertha BSC aus Bremen verabschiedet – ein Auswärtspunkt, mit dem die Berliner aufgrund des Spielverlaufs wohl zufrieden sein können. Zwar zeigten die Blau-Weißen phasenweise wieder guten Fußball, den man bereits gegen Fortuna Düsseldorf gesehen hatte, doch waren es die Werderaner Gastgeber, die über 90 Minuten gesehen mehr vom Spiel und die besseren Torgelegenheiten hatten. Die Einzelkritik zu einem Ergebnis und einer Leistung, die jeweils in Ordnung gehen.

Rune Jarstein – den Punkt festgehalten

“Einen Ball habe ich gut gehalten, das war natürlich schön. Ich fühle mich fit und gut, habe auch durch die Nationalmannschaft zuletzt viele Spiele gemacht”, so die Worte von Rune Jarstein am Morgen nach dem 1:1 im Weserstadion. Der Berliner Torhüter bewahrte seine Mannschaft wie bereits gegen den 1. FC Köln vor einer Niederlage, indem er den ein oder anderen gefährlichen Schuss noch parierte.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Beim Bremer Führungstreffer durch Sargent war der norwegische Schlussmann allerdings noch machtlos, der Schuss des US-Amerikaners wurde unhaltbar von Vordermann Dedryck Boyata abgefälscht, sodass er sich über Jarstein hinweg ins Tor senkte. Daraufhin war jedoch keinerlei Vorbeikommen mehr, Herthas Keeper brachte die Gastgeber teilweise zur Verzweiflung.

Seine wohl auffälligste Szene verbuchte der 35-Jährige in der 64. Minute, als er beim Abschluss von Rashica blitzschnell ins rechte Toreck hechtet und diesen noch abwehrt, um anschließend noch einmal nach vorne zu springen und so den Nachschuss bzw. die Ecke zu verhindern. Nur zwei Minuten zuvor war Jarstein bereits auf dem Posten, auch in dieser Szene verhinderte er das Tor von Rashica. Insgesamt vier Paraden zeigte Herthas Nummer 22 am Samstagnachmittag und sicherte seinem Team somit einen Punkt.

Eine einmal mehr hervorhebenswerte Darbietung des Berliner Schlussmanns, der sich in einer guten Form befindet.

Maxi Mittelstädt – Stammplatz verteidigt

Zwar zeigte Hertha im Weserstadion sicherlich keine schlechte Leistung, doch wirklich viele Feldspieler ließen sich individuell nicht positiv herausheben – einer der wenigen war Maxi Mittelstädt, der gegen Bremen seine wohl beste Saisonleistung präsentierte und sowohl defensiv als auch offensiv einer der prägenden Spieler war.

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Vor der Partie bestand noch die Frage, welchen Linksverteidiger Trainer Ante Covic aufs Feld stellen würde: den wiedergenesen Marvin Plattenhardt oder Mittelstädt, der die vergangenen drei Partien bestritt? Herthas Chefcoach entschied sich für Mittelstädt und sollte damit eine vorzügliche Wahl getroffen haben, denn das Berliner Eigengewächs unterstrich in Bremen seine Ambition, in der laufenden Spielzeit endgültig zum Stammspieler zu reifen. Diesen Anspruch untermauerte er zunächst einmal mit den Grundtugenden eines Abwehrspielers: dem Verteidigen. Der 22-Jährige wirkte über 90 Minuten hoch fokussiert und war jederzeit sehr nahe an seinem Gegenspieler zu finden, dem er den Schneid abkaufte und für immer in einer robusten Truhe verstaute. Zehn seiner elf Zweikämpfe gewann Mittelstädt, dazu alle fünf seiner Kopfballduelle. Zusätzlich sicherte er zwölf Bälle ab, klärte fünf Aktionen und fing vier Bälle ab – allesamt überdurchschnittliche Werte, die seine glänzend aufgelegte Form an diesem Tag nur unterstreichen. Mittelstädt bestach durch äußerst abgeklärtes Zweikampfverhalten und intelligentes Positionsspiel.

Aber auch im Spiel mit dem Ball wusste Herthas Nummer 17 zu überzeugen. Mit 94 Ballkontakten verbuchte Mittelstädt mit großem Abstand (Darida hatte 75) die meisten aller Herthaner, doch ist reiner Ballbesitz noch kein Argument für eine gute Vorstellung, man muss auch etwas mit diesem anzufangen wissen – und das tat Mittelstädt. Es ging stets konstruktiv nach vorne, hatte der ehemalige Juniorennationalspieler den Ball, mit einer 76%igen Passquote waren die meisten seiner Zuspiele hinzukommend auch präzise. Insgesamt drei Torschüsse bereitete der Herthaner am Samstag vor, auch der Assist für das Tor von Lukebakio ging auf sein Konto. In der 16. Minute hätte Mittelstädt sogar beinahe sein erstes Saisontor erzielt, doch sein beherzter Distanzschuss nach einer Ecke touchierte nur die Latte.

Es war ein insgesamt sehr intelligenter und fehlerfreier Auftritt von Mittelstädt, der im Defensivverhalten keine seiner durchaus bekannten kopflosen Aktionen produzierte und im Spiel nach vorne eine prägende Figur abgab. Er war stets Herr der Lage und ein absoluter Aktivposten seiner Mannschaft. In dieser Form ist Mittelstädt nicht aus der Startelf wegzudenken.

Vedad Ibisevic – glücklos

“Die Situation mit Pavlenka war für mich ein klarer Elfmeter. Es ist schade, dass der Schiedsrichter das nicht gepfiffen hat. Wenn es kein Elfmeter war, hätte er mir die Gelbe Karte für eine Schwalbe geben müssen”, zeigte sich Vedad Ibisevic nach dem Schlusspfiff sichtlich erzürnt über den nicht-gegebenen Elfmeter. Der Berliner Kapitän sähe sich in einer Schublade und aufgrund dessen würden viele Entscheidungen im Zweifel gegen ihn gepfiffen werden.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Gemeint ist die Szene aus der 12. Minute, in der Ibisevic perfekt bedient von Marius Wolf auf Bremens Tor zulief und in letzter Sekunde von SVW-Keeper Pavlenka von den Beinen geholt wurde. Schiedsrichter Dr. Felix Brych entschied, dass Bremens Schlussmann den Ball gespielt habe und es somit kein Strafstoß war – eine eindeutig diskutable Entscheidung, die vor allem dadurch an Brisanz gewann, dass der Videobeweis nicht eingriff und zumindest Herrn Brych zum Monitor am Spielfeldrand bemühte, um sich diese Szene noch einmal anzuschauen. Anzumerken ist auch, dass daraufhin nicht einmal einen Eckball für Hertha gab – kurios, da Pavlenka ja den Ball gespielt haben soll, der daraufhin ins Torlinienaus rollte. Ohne weiter ausholen zu wollen: über einen Elfmeter hätten sich die Bremer wohl nicht beschweren dürfen.

Zum einen wurde hiermit Hertha die Chance auf einen sehr frühen Ausgleichstreffer genommen, zum anderen Ibisevic die Möglichkeit, sich auf dem Spielzettel zu verewigen – sei es durch den herausgeholten Elfmeter an sich oder durch ein Tor, wäre er der Schütze gewesen (nicht unwahrscheinlich). Von der Szene abgesehen zeigte Herthas Kapitän eine durchaus zufriedenstellende Leistung. Zwar kam er selbst in keine Abschlusspositionen, doch arbeitete der 35-Jährige viel für seine Mannschaft. Regelmäßig ließ sich der Bosnier in die eigene Hälfte fallen, um als Anspielstation zu dienen und Bälle festzumachen – das klappte mal mehr und mal weniger gut. Es gab allerdings einige gute Dribblings und Seitenverlagerungen des “Vedators” zu sehen, der sichtlich bemüht war, das Spiel seiner Mannschaft anzukurbeln. Mit der Zeit verflachte dieser Aufwand jedoch, sodass Trainer Covic sich dazu entschied, Ibisevic nach 77 Minuten für den frischen Davie Selke auszuwechseln.

Ein ordentlicher Auftritt von Ibisevic, der zunächst an der Elfmeter-Szene zu knabbern hatte, sich jedoch aufraffte und daraufhin ein wichtiger Bestandteil des Berliner Aufbauspiels wurde.

Dodi Lukebakio – Edeljoker

So langsam wird es zur Gewohnheit: wechselt Trainer Covic seinen Flügelspieler Dodi Lukebakio ein, kann sich der Gegner auf eine Torbeteiligung seinerseits einstellen. Bereits im dritten Spiel infolge ist Herthas Rekordneuzugang nun als Einwechselspieler an einem Treffer beteiligt gewesen, dieses Mal traf der Edeljoker selbst.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

“Der Trainer hat mir vor der Einwechslung gesagt, dass ich alles geben soll, was ich drauf habe. Das hat gut geklappt und der Punkt ist nicht unbedeutend für uns”, zeigte sich Lukebakio nach seinem erneut mehr als gelungenen Joker-Einsatz zufrieden. Der Belgier wurde in 56. Minute für den wirkungslos gebliebenen Javairo Dilrosun eingewechselt und sollte dessen Position auf dem linken Flügel übernehmen. Dort hielt es ihn die ersten Minuten jedoch nicht, immer wieder zog der 22-Jährige in den “Achterraum”, um dort die Anspiele zu fordern. Eine Maßnahme, die zwar Lukebakios Motivation unterstrich, allerdings nicht dem Plan von Covic folgte. Herthas Trainer beorderte Lukebakio daraufhin wieder auf die linke Außenbahn, dort sollte Herthas Nummer 28 die Breite halten, Bremen auseinanderziehen und durch sein Tempo und seine Dribbelstärke in direkte Duelle verwickeln.

In der 57. Minute legte Lukebakio sogleich eine Chance auf, nachdem er auf dem linken Flügel durchgebrochen war und Ibisevic bedienen wollte. Dieser konnte sich allerdings nicht im Strafraum durchsetzen, wodurch die Chance verpuffte. In der 70. Minute fasste sich der belgische U21-Nationalspieler dann selbst ein Herz, ließ drei Bremer durch zwei Haken stehen und schloss seine großartige Einzelaktion mit einem wuchtigen wie präzisen Schuss ins rechte Toreck zum 1:1-Ausgleich ab. Der Plan Covics, Lukebakio in Eins-gegen-Eins-Duelle zu schicken, ging damit hervorragend auf, der Joker zeigte in dieser Szene all seine Fähigkeiten: Tempo, Dribbelkünste, der Riecher für die besondere Aktion und der starke Abschluss.

Mit seinem zweiten Saisontor und dritten Scorerpunkt in Serie sicherte Lukebakio Hertha den Auswärtspunkt und etabliert sich allmählich zum absoluten Edeljoker. “Die Aktion zum 1:1 war eine geile Aktion von Dodi Lukébakio. Er hat schon gegen Düsseldorf einen starken Assist gehabt, jetzt war es für ihn wichtig, dass er trifft”, lobte ihn Mannschaftskollege Per Skjelbred nach dem Spiel. Nun steht Trainer Covic vor der wenig beneidenswerten Aufgabe, sich in der kommenden Woche für Dilrosun oder Lukebakio zu entscheiden, wenn es um die Startelf gegen die TSG Hoffenheim geht.

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf

Drei Siege infolge – das gab es für Hertha BSC zuletzt zwischen dem ersten und dritten Spieltag der Saison 2016/17. Und was das für ein Sieg am Freitagabend gegen Fortuna Düsseldorf war: die Berliner Fans sahen im Olympiastadion das bislang beste Saisonspiel ihrer Mannschaft, die zwar drei Tore schoss, mit insgesamt 17 Schüssen jedoch Chancen für ein weitaus höheres Ergebnis hatte. Dies resultierte aus einem attraktiven Ballbesitzspiel, sauberer Defensivarbeit und auffällig großem Aufwand seitens der Blau-Weißen. Nach langer Zeit ist der Herthaner wieder voll des Lobes – so fällt auch diese Ausgabe der Einzelkritik aus.

Per Skjelbred – Mister Stabilität

“Ich soll Balance in unser Spiel bringen, zwischen Offensive und Defensive. Meine Hauptaufgaben sind mehr Kontrolle und die Defensivarbeit”, beschrieb Per Skjelbred seine aktuelle Rolle in der Mannschaft. Diese Funktion macht den Norweger seit nun ein paar Spielen unentbehrlich für die Mannschaft und Trainer Ante Covic – gegen Düsseldorf gelang “Schelle” sein wohl bester Auftritt seit langer Zeit.


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Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

“Der Ansatz war, einen Spieler mehr im Aufbauspiel zu haben, damit wir flach rauskommen, ohne permanent den Torwart einbeziehen zu müssen“, erklärte Covic nach der Partie dem Tagesspiegel. „Wir hatten viele gute Passagen aus dem hinteren Bereich, ohne lange Bälle spielen zu müssen.“ Der Berliner Coach ließ Skjelbred eine besondere Rolle im Ballbesitzspiel zukommen. Der 32-Jährige agierte als Libero, schob sich im Spielaufbau stets zwischen die beiden Innenverteidiger, Niklas Stark und Dedryck Boyata, um so mehr Anspielstationen zu schaffen und das Spiel zu verbreitern. War Skjelbred am Ball, konnten die Innenverteidiger weiter rausrücken, sodass Herthas Flügelspieler noch weiter noch vorne stießen – dadurch ergab sich eine sehr dynamische Spieleröffnung, die durch Skjelbreds Ruhe am Ball und Passsicherheit getragen wurde. Niemand auf dem Feld war öfter am Ball als Herthas Nummer drei (76 Mal), niemand spielte mehr Pässe (63) – allein diese Werte zeigen, welch große Bedeutung Skjelbred für das Spiel hatte. Dass der defensive Mittelfeldspieler dann auch noch eine 97%ige Passquote und zwölf Ballsicherungen verbucht, ist pure Klasse.

Hinzu kommt die gewohnt starke Arbeit gegen den Ball. Skjelbred spulte nach Vladimir Darida mal wieder die besten Laufwerte aller Herthaner ab, lief knapp zwölf Kilometer und zog 84 intensive Läufe an. Dieses Pensum erlaubte Skjelbred eine ungeheure Dominanz im Mittelfeld, das er zusammen mit Marko Grujic beherrschte. Nahezu kein Umschaltmoment seitens der Düsseldorfer konnte erfolgreich durch die Mitte ausgespielt werden, da Skjelbred und Grujic diesen durch intelligentes Positionsspiel und Zweikampfverhalten im Keim erstickten. Skjelbred war über 90 Minuten hellwach, gewann Zweikampf um Zweikampf und verarbeitete den Ballgewinn sauber in den eigenen Reihen. Aufgrund seiner Leistung war Hertha am Freitagabend so erdrückend dominierend, sowohl mit als auch gegen den Ball. Seine vielleicht auffälligste Szene hatte Skjelbred vor dem 1:1-Ausgleichstreffer in der 36. Minute: er eroberte einen Düsseldorfer Fehlpass, rannte mitsamt Ball weit in die gegnerische Hälfte, um so Fortuna-Spieler an sich zu binden und dann den freistehenden Marius Wolf anzuspielen, der Ibisevic zum Tor bediente.

Es ist beeindruckend, wie Skjelbred innerhalb von ein paar Wochen vom Bankdrücker zum Leistungsträger geworden ist. Er bringt große Stabilität in das Spiel seiner Mannschaft, ist eine echte Stütze und in dieser Form nicht aus der Mannschaft herauszudenken.

Marko Grujic – mehr Regisseur als Hauptrolle

Gegen Düsseldorf glänzten Spieler wie Wolf, Dilrosun, Darida oder Ibisevic. Einer, der sich hingegen im Hintergrund aufhielt, war Marko Grujic. Der 23-Jährige gehörte in den vergangenen Wochen zu den Spielern, die sich im Formtief befinden. Indem er sein Spiel umstellte, zeigte der Serbe gegen Düsseldorf jedoch still und leise seine bislang beste Saisonleistung.

Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Das hatte vor allem mit seinem Aufgabenbereich am Freitagabend zu tun. Grujic, normalerweise ein Box-to-Box-Player, also jemand, der das gesamte Feld beackert und sowohl offensiv als auch defensiv die besonderen Momente sucht, agierte gegen die Fortuna als absoluter Fixpunkt im zentralen Mittelfeld. Nach Skjelbred war die Liverpooler Leihgabe am öftesten am Ball (73 Mal) und spielte die drittmeisten Pässe (50). Bei nahezu jedem Angriff diente Grujic als Übergangsstation zwischen eigener Hälfte und letztem Angriffsdrittel. Sei es durch sehenswerte Dribblings (fünf erfolgreiche – Bestwert zusammen mit Wolf), mit denen er tief in Düsseldorfer Hälfte vorstieß oder präzise gespielte Pässe in Lücken oder als Seitenverlagerungen. Insgesamt 90% der Zuspiel von Berlins Nummer 15 kamen, 83% fanden in der gegnerischen Hälfte ihr Ziel – jeweils sehr starke Zahlen. Da sich Skjelbred bei eigenem Ballbesitz sehr tief fallen ließ und Darida weit nach vorne drückte, war Grujic oftmals alleine im zentralen Mittelfeld, doch aufgrund seiner enormen Ballsicherheit und gutem Passspiel war das gar kein Problem. Vielmehr war es so, dass der großgewachsene Zentrumsspieler selbst gegen mehrere Gegenspieler seelenruhig das Spiel aufzog (sechs Ballsicherungen) und so eine sichtbare Tiefe wie Breite kreierte. Grujic konzentriert sich also eher auf die unspektakuläreren aber mindestens ebenso wichtigen Aufgaben eines zentralen Mittelfeldspielers und ließ dadurch andere im Rampenlicht stehen. Es gab kaum Läufe in den Strafraum oder Abschlüsse, die man Grujic gewohnt ist, dafür aber ein wirklich intelligentes Aufbau- und Positionsspiel.

Letzteres bewies Grujic auch gegen den Ball. Wie bereits erwähnt, fungierten er und Skjelbred bei Düsseldorfer Konterversuchen als Berliner Türsteher und jeder, der in der Hauptstadt schon einmal feiern war, weiß, wie hart es sein kann, an solchen vorbeizukommen. So war Grujic kaum zu überwinden, gewann zehn seiner 16 Zweikämpfe und klärte vier Situationen. Hinzu kommen clever eingestreute Fouls, die Düsseldorf den Spielfluss nahmen. Dafür nahm Grujic ein beachtliches Laufpensum auf sich und riss 11,6 Kilometer ab. Zwar verzeichnete er am Freitag nicht eine Glanzszene nach der anderen, jedoch war er eminent wichtig für das die Mannschaft und ließ andere Spieler im Rampenlicht stehen.

Dodi Lukebakio – angekommen

Die Düsseldorfer Gegenspieler werden ernüchtert durchgeschnauft haben, als sie 30 Minuten vor Spielende an den Spielfeldrand blickten und sahen, dass Ex-Mannschaftskamerad Dodi Lukebakio aufs Feld gesprintet kam. Zum einen, weil sie seine Qualitäten bestens kennen, zum anderen, weil Hertha-Coach Covic ihnen gerade einen nach einstrengenden 60 Minuten und einem 1:2-Rückstand den Prototypen eines Konterspielers vor die Nase stellte.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Und Covic sollte einmal mehr ein goldenes Händchen bei einer seiner Einwechslungen beweisen. Bereits mit seinen ersten Ballkontakten zeigte Lukebakio seine Spielfreude und Dynamik. Sobald der Belgier an den Ball kam, ging es schnurstracks nach vorne und das in einem atemberaubenden Tempo. Nur 90 Sekunden nach seiner Einwechslung sollte Lukebakio bereits seinen großen Auftritt haben: zunächst gewann er ein Kopfballduell, sodass der Ball nach einem Düsseldorfer Angriff sofort zur Umschaltaktion führen konnte. Darauf folgend sprintete der 21-Jährige mit irrem Tempo in die gegnerische Spielhälfte, wurde von Ibisevic perfekt bedient, heizte unaufhaltsam bis zum gegnerischen Strafraum, um dann den Ball perfekt zwischen zwei Gegenspieler hindurch auf Darida zu spielen, der den 3:1-Schlusstreffer markierte.

Eine unwiderstehliche Szene von Lukebakio, der alle seine Fähigkeiten, für die man im Sommer 20 Millionen bezahlte, auf einmal aufblitzen ließ: Schnelligkeit, Dribbelstärke, das Gespür für die besondere Aktion. “Ich wollte meinem Team helfen, das hat ganz gut geklappt und fühlt sich gut an. Ante Covic hilft mir, mich hier Schritt für Schritt zu verbessern”, sagte der Neuzugang, nachdem er ja bereits in Köln als Einwechselspieler einen Treffer aufgelegt hatte. Nachdem durch das 3:1 alles entschieden war und er seinen Beitrag geleistet hatte, spielte Lukebakio befreit auf, unterhielt das Stadion sogar mit dem einen oder anderen Kabinettsstückchen. Drei Torschussvorlagen, darunter der Assist für Darida, sind für 30 Minuten Spielzeit ein herausragender Wert und werden Herthas Nummer 28 eine breite Brust für die kommenden Wochen bescheren.

Vladimir Darida – 10/10 auf der 10

Es hatte sich bereits in der Vorbereitung angedeutet und im Auswärtserfolg gegen den 1.FC Köln bestätigt. Jetzt gegen Fortuna Düsseldorf war es nicht mehr zu übersehen: Vladimir Darida ist zurück zu alter Stärke. Dass der Tscheche der Mann des Spiels war, ist unumstritten. Ein Treffer, eine Vorlage, dazu acht Torschussbeteiligungen und eine 90%ige Passquote sprechen eine klare Sprache. Er war auf dem Platz am Freitagabend omnipräsent und überzeugte erneut auf der „Zehner“-Position.

Dabei war er nicht einmal der Spieler mit den meisten Ballbesitzphasen. Wenn er den Ball hatte, wusste er so gut wie immer wohin er diesen spielen sollte, doch sein Spiel in Düsseldorf ist ein Musterbeispiel dafür, wie man als Spieler ohne Ball arbeiten muss. Durch intelligente und taktisch sinnvolle Läufe war er oft in guten Aktionen anspielbar, konnte Räume für seine Mitspieler frei machen und war auch ein wichtiger Faktor in den Defensivphasen der „alten Dame“.

Foto: Thomas F. Starke/Bongarts/Getty Images

Auch wenn der 29-Jährige dafür bekannt ist viel zu laufen, sind seine Laufwerte gefühlt nicht mehr von dieser Welt: 13,6 Kilometer ist Darida gelaufen, fast zwei Kilometer mehr als der zweitbeste Läufer, Per Skjelbred (11,95 Kilometer). Dazu weist er die meisten Sprints (38) sowie die meisten intensiven Läufe (113) auf. Eine solche Laufleistung ist vor allem deshalb so wertvoll, weil diese Läufe wie angesprochen auch sehr effektiv waren. Immer wieder war Herthas Nummer sechs in den Zwischenräumen und auf den Außen zu finden, sodass er eklatant wichtig für das Kombinationsspiel und die Durchsetzungskraft der Berliner war. So verwundert es auch nicht, dass er beim Treffer zum 2:1 plötzlich an der Grundlinie den Ball bekam und perfekt in den Rückraum für Dilrosun auflegte. Dass er derjenige ist, der beim 3:1 nach der schönen Vorbereitung von Dodi Lukebakio zum einnetzen bereit steht, ist die Krönung seiner hervorragenden Leistung.

Darida bestätigt seine Hochform auch gegen Düsseldorf und ist in einer solchen Verfassung gar nicht mehr von der Startelf von Ante Covic wegzudenken. Kein Wunder also, dass es auch Lob vom Cheftrainer gab. So kann er die momentane Formschwäche eines Ondrej Dudas ausnutzen. Es bleibt abzuwarten, wie sich Vladimir Darida nach der Länderspielpause macht, wenn es gegen, auf dem Papier zumindest, qualitativ stärkere Gegner geht.

Marius Wolf – Mit großen Schritten zum Stammspieler

Hertha kann Last-Minute Neuzugänge – das wurde in den vergangenen Spielzeiten klar. Auch Marius Wolf scheint keine Ausnahme zu sein, zumindest zeigte er auch gegen Düsseldorf, warum ihn damals Borussia Dortmund verpflichtet hatte. Auf seiner rechten Seite harmonierte der 24-Jährige herausragend mit dem ebenfalls starken Lukas Klünter und war sowohl offensiv als auch defensiv wertvoll für das Berliner Spiel. Seine Gegenspieler auf der linken Abwehrseite von Fortuna Düsseldorf spielte er zeitweise schwindelig, setzte sich oft durch starke Dribblings und Beschleunigungen im eins gegen eins durch. Durch diese vielen direkten Duelle ist seine Zweikampfquote von 54% absolut ansehnlich.

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Auch in seinen ersten Einsätzen deutete er an, dass er sich in solchen Situationen gut durchsetzen kann. Oft gelang ihm jedoch der letzte Pass oder die letzte Geste nicht. Am Freitagabend aber war er deutlich erfolgreicher in diesen Anschlussaktionen. Ein gutes Beispiel ist da seine schlaue Flanke aus dem Halbfeld auf Vedad Ibisevic zum 1:1-Ausgleich für Hertha. Im ganzen Spiel schlug er drei Flanken, was zusammen mit Lukas Klünter der höchste Wert im Kader der Hauptstädter darstellt. An dem 2:1 Führungstreffer war der Leihspieler aus Dortmund erneut direkt beteiligt: mal wieder konnte er sich im direkten Duell sehenswert durchsetzen und leitete den Angriff ein, den Javairo Dilrosun dann per Volley vollendete. Seine Laufwerte können sich ebenfalls sehen lassen: Wolf lief in 80 Minuten 9,79 Kilometer und wies nach Vladimir Darida die meisten Sprints auf (31).

Es zeigt sich immer mehr, dass Marius Wolf in dieser Saison noch wichtig sein könnte. Seine Fähigkeit, durch ein Dribbling oder eine Beschleunigung die Linie des Gegners zu durchbrechen, könnten sich als sehr wertvoll erweisen. Dadurch, dass er auch zur defensiven Stabilität seines Teams beitragen kann, ist auch er unmittelbar eine große Verstärkung und eine feste Säule in der Mannschaft von Ante Covic geworden.

Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf: Siegesserie oder Angstgegner?

Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf: Siegesserie oder Angstgegner?

Hertha BSC gegen Fortuna Düsseldorf – für viele Herthaner weckt diese Begegnung schlimme Erinnerungen. Das Relegationsdrama im Jahr 2013 werden noch die meisten Berliner im Kopf haben. Die letzte Saison konnte alte Wunden auch nicht gerade heilen: Hertha verlor beide Begegnungen gegen die Rheinländer, der fast schon der neue Angstgegner darstellt. Jetzt eröffnen beide Mannschaften den siebten Spieltag am Freitagabend im Olympiastadion. Hertha will den dritten Sieg in Folge holen, die Fortuna endlich wieder drei Punkte.

Um unsere Fragen zu beantworten, stand uns dieses Mal Dennis (auf Twitter @Scheff83) zur Seite. Dennis ist nicht nur Fortuna-Experte, er hat auch einen hörenswerten Fußball-Podcast: „Neues vonne Pommesbude“. Er hilft uns heute, unseren Gegner am Freitag besser einzuschätzen.

Fortuna Düsseldorf – ein Saisonstart, wie er zu erwarten war

Im Derby gegen Gladbach verlor Fortuna Düsseldorf mit 1:2 (Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Düsseldorf hatte in den ersten Spielen zwar noch nicht den FC Bayern München als Gegner, trotzdem war das Auftaktprogramm alles andere als leicht. Nachdem man Werder Bremen im ersten Spiel noch mit 3:1 auswärts besiegen konnte, verlor man erst gegen Bayer Leverkusen (Heimniederlage 1:3), danach folgten sehr knappe Partien gegen Eintracht Frankfurt (2:1 Auswärtsniederlage), den VfL Wolfsburg (1:1) und Borussia Mönchengladbach (2:1 Auswärtsniederlage). Das letzte Spiel des letztjährigen Aufsteigers war eine 1:2 Heimniederlage am vergangenen Sonntag gegen den aktuell sehr formstarken SC Freiburg.

Die letzten vier Partien waren also allesamt knappe Spiele, in denen am Ende das Ergebnis für Düsseldorf nicht stimmte. Besonders schmerzt unseren Düsseldorf-Experten Dennis die Niederlage im Derby gegen Mönchengladbach: „Insbesondere in der ersten Halbzeit hat die Fortuna gegen einen deutlich stärkeren Gegner sehr gut gespielt. Das 2:1 von den “Fohlen” in der 87. Minute war dann schon sehr bitter“. Im Spiel gegen Freiburg hingegen sei das Ergebnis leichter zu erklären: „Die Mannschaft hat nicht sehr gut performt“.

Doch angesichts der Möglichkeiten in Düsseldorf und des komplizierten Auftaktprogramms macht sich keine große Enttäuschung breit. „Punktetechnisch ist der Saisonstart verlaufen, wie man ihn auch erwarten konnte“, sagt uns Dennis dazu. „Allerdings hat man seit nunmehr fünf Spielen nicht gewonnen und aus den letzten vier Spielen, in denen man immer jeweils mit 1:0 in Führung gegangen ist, nur einen Punkt geholt“.

Auch deshalb müssen in den nächsten Partien wieder die Ergebnisse stimmen: „In den nächsten drei Spielen gegen Hertha, Mainz und Paderborn muss die Fortuna dringend Punkte holen, damit es nicht ungemütlich wird“, so Dennis’ Einschätzung. Mit vier Punkten aus sechs Spielen ist der Abstand zu den letzten Plätzen nicht gerade groß, viele leichte Spiele wird es auch diese Saison nicht geben. Am Ende der Spielzeit würden die meisten Fortuna-Fans „einen 14. Platz wie aktuell aber schon gerne nehmen“.

Verletzungspech in Düsseldorf – auch Kownacki fällt aus

Im Fortuna-Sturm fehlt David Kownacki gegen Hertha. (Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

Doch ein Hindernis könnte momentan das Verletzungspech in der Mannschaft darstellen. Aktuell fallen einige wichtige Spieler aus. Zuletzt verletzte sich Stürmer David Kownacki erneut und fällt am Freitag aus. „Er ist unser großes Versprechen in der Offensive“, verrät uns Dennis, „aber in dieser Saison noch nicht so in Schwung gekommen – bitter“.

Besonders schmerzhaft ist seiner Meinung nach der Ausfall von Mittelfeldspieler Kevin Stöger. „Er war in der abgelaufenen Rückrunde Dreh-und Angelpunkt des Offensivspiels und hat auch in der Defensive immer die Räume sehr eng gemacht. Durch einen Kreuzbandriss im letzten Saisonspiel gegen Hannover 96, wird er vermutlich erst wieder im November/Dezember zurückerwartet. Sein Ersatz, Chelsea-Leihagabe Lewis Baker, wird dem bisher noch nicht gerecht. Außer einer guten Partie in Bremen konnte er bisher kaum Akzente setzen.“

Zu der Verletzungssituation sagte Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel: “So etwas hat es in anderen Vereinen zwar auch schon gegeben, aber das ist eine Serie, die ich in dieser Form noch nie erlebt habe. (…) Wir haben im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert in der Trainingssteuerung oder im Konditions- und Athletik-Training”. Es ist also keine leichte Phase für den Trainer-Veteranen, der im Vergleich zu seinem Gegenüber Ante Covic deutlich weniger Auswahlmöglichkeiten im Kader hat.

Legende Funkel – mit Standards als Waffe gegen Berlin?

Genießt in Düsseldorf fast schon Legendenstatus – Friedhelm Funkel (Foto: Ina Fassbender/AFP/Getty Images)

Dafür genießt der 65-Jährige in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen quasi schon „Legendenstatus bei den Fans“. Dieser Status sorge auch dafür, dass Funkel „aktuell wohl so sicher im Sattel sitzt, wie kaum ein anderer Trainer in der Bundesliga“. Zu der Frage, was Funkel so besonders macht, antwortet Dennis: „Was er auch in vielen anderen Trainerstationen unter Beweis stellen konnte – Solidität. Der Fußball ist nicht unbedingt schön anzusehen und taktisch mega komplex ist es auch selten. Dennoch weiß man, was man bekommt – die Mannschaft arbeitet sehr viel und ist dadurch selten wirklich unterlegen.”

Trotzdem hat sich im Vergleich zu der letzten Saison etwas geändert: “Der tolle Konterfußball der letzten Saison lässt sich (…) noch nicht umsetzen. Entweder hat er nicht mehr die Spieler dafür wie Lukebakio, Stöger und Raman, und/oder die anderen Teams haben sich auch auf die Spielweise von F95 besser eingestellt. Dementsprechend sind er und sein Trainerteam nun gefordert, mit etwas anderen Mittel die nötigen Ergebnisse einfahren zu können.“

Diese Mittel könnten laut Dennis präzise Standardsituationen sein. Da sollte Hertha besonders aufpassen.“ Gerade für solche Disziplinen hat Düsseldorf im Kader die richtigen Spieler. „Adams und Ayhan sind sehr kopfballstark und bei Standards gefährlich.“

Dabei wird Funkel wohl im altbekannten 4-3-3 System aufstellen: „Die Dreierkette in der ersten Halbzeit in Gladbach sah zwar vielversprechend aus, war aber im Endeffekt defensiv zu anfällig. Als Herthaner wisst ihr ja, Friedhelm hält es da eher mit den Wahlslogans der CDU aus den 1950er Jahren – ‘Keine Experimente’”. Auch über einen weiteren Rückkehrer dürfen sich die Hertha-Fans freuen: „Der gebürtige Berliner Morales wird als 6er zurückerwartet.“

Neue Leistungsträger bei Hertha BSC

Überzeugt als neuer Abwehrchef – Dedryck Boyata (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

In der Hauptstadt hingegen ist die Verletztenliste vergleichsweise kurz. Arne Maier fällt bekanntlich länger aus, Marvin Plattenhardt hingegen ist schon wieder zurück im Training: „Er hatte heute seinen Hauptbelastungstag mit Individualtraining”, so Covic. “Wir werden morgen schauen, wie er darauf reagiert. Wenn er morgen zur Mannschaft zurückkehrt, ist er ein Thema. Wenn der Körper eine Reaktion zeigt, werden wir kein Risiko eingehen und Marvin rausnehmen.”

Es klingt also zunächst so, als würde erneut Maximilian Mittelstädt als linker Verteidiger am Freitag beginnen.  Beide Optionen auf der linken Seite sind im bisherigen Saisonverlauf nicht ganz zufriedenstellend gewesen. Auch Cheftrainer Covic sah in der Pressekonferenz vor dem Spiel am Freitag Verbesserungspotenzial und wünschte sich, dass sowohl Plattenhardt als auch Mittelstädt ihre alte „Stabilität“ wiederfinden, um wiederum auch mehr „Zug nach vorne entwickeln zu können“.

Allgemein sind die Leistungsträger bei Hertha BSC momentan nicht unbedingt die, die man vor der Saison erwartet hätte. Da wo ursprünglich die Namen Ondrej Duda, Marko Grujic, Davie Selke, Dodi Lukabakio und Niklas Stark gefallen wären, glänzen vor allem Herthas “neuer Abwehrchef“ Dedryck Boyata, Stabilisator Per Skjelbred, Unterschiedsspieler Javairo Dilrosun und Knipser Vedad Ibisevic. Auch gegen Köln zeigten diese Spieler erneut, wie wichtig sie in der jetzigen Situation für die Mannschaft sind.

Dilrosun hat auch Dennis in Köln gut gefallen: „Er hat das Potenzial richtig durchzustarten“. Zu der Frage, welchen Hertha-Spieler er auffällig findet, antwortet Dennis auch noch: „Ansonsten mag ich Grujic und natürlich Lukebakio gerne sehen. Die schnellen Außenspieler (Dilrosun, Lukebakio, Klünter und Wolf) könnten die Fortuna vor einige Probleme stellen“.

Wie wird Hertha spielen?

Gegen den Ex-Club auf der Bank? – Dodi Lukebakio (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Gerade um den so „unangenehmen Gegner“ bezwingen zu können, will man in der Hauptstadt die „spielerische Entwicklung“, die laut Ante Covic im Auswärtserfolg in Köln bereits in Teilen zu sehen war, weiterführen. Gegen die wohl tief stehenden Düsseldorfer wird es darauf ankommen, wie Hertha den Spielaufbau gestalten wird. Dabei wird auch die Einbindung der bereits angesprochen Außenspieler wichtig werden.

Ob Ex-Fortune Dodi Lukebakio seine Chance von Beginn an gegen den alten Arbeitgeber bekommt ist eher unwahrscheinlich. Seine Torvorlage zum 4:0 für Dedryck Boyata in Köln wird allerdings ein Argument für ihn darstellen. Sturmpartner Davie Selke hingegen wird eher zurück auf die Ersatzbank wandern. Da hat im Stürmerduell Vedad Ibisevic eindeutig wieder die Nase vorn. Dennis hat es für uns schön formuliert: „Der “ewige” Vedad scheint wieder seinen x-ten Frühling zu erleben und wird am Freitag vermutlich auch ‘ne Nuss’ machen“.

„Never change a winning team“ wird in diesem Fall wohl nicht ganz zutreffen, wenn der gebürtige Bosnier in die Startelf zurückrotiert. Darüber hinaus könnte jedoch die Mannschaft am Freitagabend ähnlich aussehen, wie schon letzten Sonntag in Köln. Insbesondere im Mittelfeld konnte Vladimir Darida einen besseren Eindruck abgeben, als der eigentlich angedachte Stammspieler auf der Spielgestalterposition – Ondrej Duda. Dieser saß in Köln 90 Minuten auf der Bank und enttäuschte bisher in dieser Saison.

Lukebakio mit Last-Minute Treffer?

Es erwartet uns eine spannende Partie. Für beide Teams geht es um sehr viel – Hertha hat sich durch zwei Siege erstmal aus der „roten Zone“ herausgezogen und brennt darauf, wieder positive Schlagzeilen zu produzieren. In Köln konnte man erstmalig in dieser Saison für solche sorgen. Gerade gegen Düsseldorf wünschen sich nicht wenige Hertha-Fans den dritten Saisonsieg infolge, um deutlich entspannter in die bevorstehende Länderspielpause einzukehren.

Was tippt denn Fortuna-Experte Dennis? „Dodi Lukebakio trifft für die Hertha in der 89. Minute zum 2:2“. So sehr so ein Last-Minute Treffer im Olympiastadion für extreme Emotionen sorgen würde, ein Punkt würde eigentlich keiner Mannschaft so richtig weiterhelfen. Auch deshalb werden beide Teams auf Sieg spielen. Es könnte sich also ein spannendes und offensivreiches Spiel entwickeln, bei dem  Düsseldorf hoffentlich nicht erneut als Berliner Angstgegner auftrumpft.