Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Schalke 04

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Schalke 04

Nein, so wirklich Spaß wollen die Spiele von Hertha BSC im Moment nicht machen. Aber was will man beanstanden, wenn die Mannschaft unter Trainer Jürgen Klinsmann in acht Spielen ganze zwölf Zähler sammelt und sich somit Stück für Stück aus dem Abstiegskampf befreit? Auch gegen den FC Schalke 04 lieferten die Berliner kein spielerisches Glanzstück ab, arbeiteten dafür aber umso disziplinierter gegen den Ball und rangen dem Tabellensechsten somit ein 0:0 ab. Punktgewinn, mal wieder zu null gespielt, abgehakt und weiter geht’s. Diesen Pragmatismus muss man nicht abfeiern, aber es ist anzuerkennen, welch für den Gegner eklig zu bespielende Truppe das Trainerteam geformt hat.

Auch wenn die Begegnung am Freitagabend gegen die “Königsblauen” ohne viele Highlights auskommen musste, haben sich ein paar Herthaner hervorgetan – positiv wie negativ. Diese wollen wir nun genauer unter die Lupe nehmen.

Boyata & Torunarigha – die neue Stamm-Innenverteidigung?

Dass Hertha auch am 20. Spieltag so schwer zu bespielen war, lag zu großen Teilen an der neuen Innenverteidigung. Dedyrick Boyata kehrte nach seiner abgesessenen Gelbsperre zurück in die Startelf der Hausherren, neben ihm lief Jordan Torunarigha auf, der sich durch die sehr guten Leistungen in den vorangegangenen zwei Partien empfohlen hatte. Das Duo, dass gegen den FC Bayern München erstmals gemeinsam auflief, ließ gegen Schalke keinen Zweifel daran, wer in Zukunft die Stamm-Innenverteidigung bei Hertha bilden sollte.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Denn eines ist nach dem Spiel klar: versucht der Gegner (heißt dieser nicht FC Bayern) mit einfachen Mitteln wie Flanken oder dem Distanzschuss Tore zu erzielen, wird er mit Boyata und Torunarigha auf dem Platz keinen Erfolg damit haben. Beide Innenverteidiger Herthas wirkten gegen Schalke über die gesamte Spieldauer hoch konzentriert und souverän. Einzig der in der 57. Minute zu kurz geratene Rückpass Boyatas auf Rune Jarstein, den Benito Raman abfing und zur Torchance umwandelte, war als klarer Fehler abzubuchen. Darüber hinaus gab es noch den sehr gefährlichen Kopfball Michael Gregoritschs in der 85. Minute, der knapp am rechten Pfosten vorbeiging und bei dem Torunarigha etwas zu spät kam, doch ist es auf diesem Niveau nahezu unmöglich, alle Chancen des Gegners abzufangen.

Darüber hinaus ließen die zentralen Abwehrmänner in blau-weiß nichts gefährliches zu. Durch exzellentes Stellungsspiel und Zweikampfverhalten waren beide kaum zu überwinden. Torunarigha gewann einmal mehr alle seine Kopfballduelle, sicherte neun Bälle und klärte vier Aktionen. Hinzu kommen zwei Blocks und zwei abgefangene Bälle. Das Berliner Eigengewächs macht den Eindruck, als sei sein Spiel deutlich erwachsener geworden. Zwei zeigt er wohl weniger spektakuläre Szene als in der Vergangenheit, jedoch unterlaufen ihm zeitgleich deutlich weniger Fehler und Unaufmerksamkeiten. Der 22-Jährige wird erwachsen und das tut seinem Spiel gut – die gelegentlichen Dribblings bis in die gegnerische Hälfte lässt er sich aber dennoch nicht nehmen und das ist auch richtig so, da diese Unordnung beim Gegner und Raumgewinn schaffen. Ansonsten gilt in den letzten Spielen: auf Torunarigha ist Verlass. So ist die Nummer 25 nicht wegzudenken.

Dasselbe gilt bereits seit Saisonbeginn für Boyata. Der Belgier bewies gegen die Gelsenkirchener einmal mehr, warum er der konkurrenzlose Abwehrchef der “alten Dame” ist. Als wäre er nie weg gewesen, führte der 29-Jährige die Hertha-Abwehr an, kommunizierte und richtete aus. Für seine Mannschaftskameraden ist klar: wenn ich nicht weiter weiß, schaue ich zu “Dedo” oder gebe ihm den Ball. Während einige Herthaner große Probleme mit dem Schalker Pressing hatten, blieb Boyata ruhig und spielte den gepflegten kurzen Ball. Auch im Abwehrverhalten strahlte der Nationalspieler große Sicherheit aus: elf Ballsicherungen, acht geklärte Aktionen, ein abgefangener und geblockter Ball unterstreichen seine starke Vorstellung. Seine wohl auffälligste Szene hatte Boyata in der 49. Minute, als Schalkes Raman nur noch ihn zu überwinden hatte, um alleine auf das Tor ziehen zu können. Der Innenverteidiger drehte sich allerdings sehr handlungsschnell und fing seinen flinken Landsmann mit beeindruckender Dynamik ein. Eine Szene, die stellvertretend für das Gefühl steht, dass er bei Hertha-Anhängern auslöst: Boyata ist immer zur Stelle.

In dieser Form besteht kein Zweifel daran, dass Boyata und Torunarigha das gesetzte Innenverteidigerduo sein müssen. Beide lassen kaum etwas zu und können zudem mit dem Ball umgehen. Ob Boden oder Luft, sie sind kaum zu besiegen. Während Herthas Innenverteidigung in weiten Teilen der Hinrunde eine riesige Baustelle gewesen ist, strahlt die Konstellation vom Freitagabend große Sicherheit aus. So haben es Niklas Stark und Karim Rekik schwer, wieder in die Startelf zu drängen.

Santiago Ascacibar – sein bislang bester Auftritt?

Es ist bereits beeindruckend gewesen, wie selbstverständlich sich Neuzugang Ascacibar nach nur wenigen Wochen mit der Mannschaft in die Stammelf gespielt hat. Der argentinische Mittelfeldkämpfer stand in jedem der drei gespielten Rückrundenpartien in der Anfangsformation, doch gelang im gegen Schalke sein bisher stärkster Auftritt im blau-weißen Trikot.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Etwas für die Statistik-Freunde: in jedem seiner drei Partien für den Hauptstadtklub war Ascacibar der läufstärkste Spieler auf dem Feld. Das muss für sich genommen noch nichts heißen, doch verbindet der defensive Mittelfeldspieler große Raumbeherrschung und intelligente Laufwege damit. Im Spiel gegen die “Königsblauen” war Ascacibar als Manndecker auf Spielmacher Amine Harit angesetzt und dieser Aufgabe widmete sich Herthas Nummer 18 mit großer Passion. Man sah förmlich, wie der giftige Argentinier seinem Gegenspieler, der für sein Spiel Freiräume und den gewissen “Flow” braucht, Minute um Minute mehr Lust an diesem Spiel nahm. Durch seine Arbeit raubte Ascacibar den Schalkern eine große Menge Kreativität und Unberechenbarkeit. Sobald Harit etwas “starten” wollte, stand ihm Ascacibar bereits auf den Füßen. Es war kein dankbarer Job für den 22-Jährigen, da ihn nicht viele für diesen nach dem Spiel loben werden – das Arbeiten gegen Ball und Gegner ist nicht so ruhmreich wie schöne Pässe zu spielen oder Dribblings anzusetzen. Und doch wussten die Fans seine aufopferungsvolle auf Social Media zu würdigen: “Santi war überall”, “Guter Einkauf mit einem starken Spiel”.

Ascacibars Aufgabenbereich beschränkte sich aber natürlich nicht nur auf das Herausnehmen Harits, generell sollte der Sechser das gegnerische Ballbesitzspiel (zer)stören. Mit fünf Tacklings (zusammen mit Mittelstädt Bestwert), den nach Marko Grujic zweitmeisten gewonnenen Zweikämpfe und zwei abgefangenen Bällen gilt der Auftrag als erfüllt. Ascacibar war ein ständiges Störelement für Schalke, da er große Räume abdeckte und Angriffe bereits im Keim erstickte. Eine rundum starke Vorstellung des Neuzugangs, der mit jedem Spiel selbstbewusster und somit wichtiger für Hertha wird. Einer muss die Drecksarbeit eben machen.

Lukas Klünter – Herthas Schwachpunkt?

Gut, die Eingangsfrage ist wohl sehr provokant formuliert, schließlich gehört Lukas Klünter zu den konstantesten Spielern der laufenden Spielzeit. Besonders im Verhalten gegen den Ball ist dem Rechtsverteidiger nur seltenst ein Vorwurf zu machen, doch kristallisierte sich vor allem im Spiel gegen Schalke ein großes Problem auf: Klünter ist vom Gegner als Pressingopfer ausgemacht worden und das zurecht.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/getty Images

Es ergab sich am Freitgabend immer wieder dasselbe Bild: Schalke presste äußerst aggressiv und lief bis zur Viererkette an. Dabei lenkten sie Herthas Abwehrspieler so, dass Boyata den Ball letztendlich auf Rechtsverteidiger Lukas Klünter spielte. Hier schnappte die Falle der Schalker zu, denn sobald Herthas Nummer 13 am Ball war, wurde er von zwei Gegenspielern attackiert. Hier kamen die technischen Mängel Klünters zum Vorschein: da er sich nicht durch ein Dribbling o.ä. im engen Raum lösen konnte, wählte er stets den Befreiungsschlag, woraus in nahezu allen Fällen ein Ballgewinn der Schalker resultierte. Indem S04 dem Außenverteidiger möglichst wenig Platz ließ, musste er auf den langen Ball zurückgreifen, um keinen Ballverlust am eigenen Strafraum zu riskieren. Dass mit Marius Wolf ebenfalls kein Edeltechniker auf seiner Seite spielte, um ihn aus solch brenzlichen Situationen herauszuholen, trug auch dazu bei, dass man sich kaum aus der Pressingfalle befreien konnte. Eine nahezu sichere Ballgewinn-Strategie der “Königsblauen”, die Herthas Aufbauspiel massiv behinderte.

Gerade einmal 56% von Klünters Zuspielen kamen beim Mitspieler an – eine grausige Quote. Auch sonst wollte dem so schnellen Außenverteidiger, der gegen Wolfsburg noch das so wichtige 2:1-Siegtor vorbereitet hatte, nicht viel gelingen. Im Gegensatz zu Mittelstädt schaltete sich der 23-Jährige kaum mit nach vorne ein. Das lag zum Teil sicherlich daran, dass Hertha im Defensivverbund oftmals in einer Fünferkette auftrat, in der Klünter den rechten Innenverteidiger gab und Wolf den Außenverteidiger, aber dennoch hätte es Gelegenheiten für Offensivausflüge gegeben. Auch ließ Klünter mehr gefährliche Flanken als sein Pendant auf der linken defensiven Außenbahn zu. Insgesamt also kein allzu guter Tag für ihn.

Nun will man Klünter aufgrund seiner bislang wirklich soliden Saison und vor allem wegen seiner starken Defensivleistungen nicht unverzüglich verdammen, aber es fällt durchaus auf, dass er in der bisherigen Rückrunde eher unglücklich auftritt. Was fehlt, sind Alternativen, die ihn bei einem kleinen Formtief ersetzen könnten. Auf Pekarik scheint nicht mehr gesetzt zu werden (zuletzt zwar dreimal infolge im Kader, aber ohne eine einzige Einsatzminute in dieser Saison) und Wolf hat sich, spielte er als Außenverteidiger oder alleiniger Schienenspieler, bislang äußerst unglücklich präsentiert. Es bleibt also zu hoffen, dass Klünter wieder zu seinem unaufgeregten Spiel zurückfindet und das Trainerteam eine Lösung dafür findet, ihn bei Pressingsituation nicht so alleine zu lassen. Hierzu hat am Freitag nämlich eindeutig ein Impuls von außen gefehlt. Klünter ist kein Lazaro – das wurde schon oft genug festgestellt – aber richtig eingesetzt kann er dieser Mannschaft gut tun.

Krzysztof Piatek – bereit für die Startelf?

Die mediale Aufmerksamkeit hätte kaum größer sein können, doch so etwas bringt eine Ablösesumme zwischen 22 und 27 Millionen Euro halt mit sich. Krzysztof Piatek hatte zuvor zwar keine einzige Minute mit der Mannschaft trainiert und trotzdem stand der Neuzugang vom AC Mailand sofort im Spieltagskader. Dass er Hertha helfen kann, hat der 24-jährige Mittelstürmer trotz fehlender Eingespieltheit aber bereits bewiesen.

Foto: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images

Rund 30 Minuten reichten als erste Visitenkarte. Unverzüglich nach seiner Einwechslung brachte Piatek ordentlich Schwung in das Spiel seiner neuen Mannschaft, sofort war seine Präsenz zu spüren. Das mag auch an den vielen Kameras gelegen haben, die auf den Polen gerichtet waren, aber waren es vor allem seine Aktionen, die dem Publikum auf Anhieb klar machten: “Oh, da steht jemand, der kicken kann.” Zwar litt auch Piatek unter dem wenig dynamischen Spiel, doch brachte er zumindest etwas Elan hinein. “Mit dem Krzysztof haben wir Komponente, die Zug und Leben reinbringt, um die sich der Gegner Gedanken machen muss”, erklärte Klinsmann nach Schlusspfiff.

Die Zahlen belegen es: zwar verzeichnete der Nationalspieler nur neun Ballaktionen, jedoch auch ganze drei Schüsse (Hertha gab insgesamt neun ab). In der 66. Minute schloss Piatek nach starker Maier-Flanke und einer schnellen Drehung sofort ab, und deutete damit schon einmal seine Handlungsschnelligkeit an. Der Schuss wurde noch abgeblockt. In der 72. Minute war der Torjäger seinem ersten Treffer für Hertha noch näher, doch sein Kopfball nach einer Ecke von Lukebakio verfehlte das Schalker Gehäuse nur knapp. Und schließlich Piateks Einzelaktion in der 80. Minute, bei der der Mittelstürmer bewies, dass er obendrein noch schnell ist. Wieder eingesetzt von Maier sprintete er die rechte Seite entlang, stoppte den Ball mit einer schnellen Bewegung, sah aber, dass kein Mitspieler wirklich mitgelaufen war und so schloss er selbst ab. Zwar verfehlte er das Tor erneut, jedoch aus schwierigem Winkel.

Bei Herthas derzeitigem Offensivspiel zu glänzen, ist als Mittelstürmer wirklich nicht leicht, doch Wintereinkauf Piatek machte das beste daraus. Er strahlte sofort Gefahr und Tatendrang aus und zeigte, weshalb man ihn holte: schnelle zackige Bewegungen, der absolute Torriecher und auch das Auge für den Mitspieler. Wie schnell Piatek zünden wird, ist natürlich schwer zu sagen, doch würde es nicht verwundern, wenn Klinsmann ihn am kommenden Dienstag im Pokal in die Startelf stellen würde. Der gute erste Eindruck wird dem Polen zumindest dabei helfen, zugleich von Beginn an zu spielen.

Herthaner im Fokus: FC Schalke 04 – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: FC Schalke 04 – Hertha BSC

Als im Sommer klar wurde, wie das Auftaktprogramm von Hertha BSC in dieser Saison aussehen würde, machten sich nicht wenige Sorgen darüber, dass es mit dem frühen Punkte Sammeln schwierig werden könnte. Angesichts der bisherigen Gegner ist ein Punkt in drei Spielen sicherlich kein Beinbruch. Beim 0:3 in Gelsenkirchen war es jedoch wieder die Art der Niederlage, die die Fans am meisten verärgerte – wie auch schon im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg.

Gefühlt chancenlos musste man sich am Wochenende geschlagen geben. Dazu warf man sich zum Teil mit zwei Eigentoren und fahrlässigem Defensivverhalten selbst aus der Bahn. Offensiv war das Spiel der „alten Dame“ größtenteils von Ideenlosigkeit und Ungenauigkeiten geprägt. In unserer Einzelkritik werfen wir einen Blick auf die Spieler, die dabei besonders auffielen.

Karim Rekik und Niklas Stark – im Selbstzerstörungsmodus

Karim Rekik kann in dieser Saison bisher nicht überzeugen (Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Zwei Eigentore in einem Spiel gibt es sicher nicht häufig, schon gar nicht in der Bundesliga (zuletzt übrigens 2009). Bezeichnend ist dabei auch, dass es in Gelsenkirchen gleich beide Stammkräfte in der Innenverteidigung erwischte. Sowohl Niklas Stark als auch Karim Rekik fielen durch folgenschwere Patzer auf, es war für beide Spieler ein Tag zum vergessen. Doch den gab es leider auch schon gegen den VfL Wolfsburg.

Die Gegentore der letzten Wochen fielen zwar alle viel zu leicht, doch den Ball für den Gegner selber über die Linie zu drücken, ist wohl ein neuer Tiefpunkt. Zwar konnte die Hertha-Defensive dieses Mal einen Strafstoß vermeiden, trotzdem fiel erneut auf, wie unglücklich und zum Teil kopflos die Berliner Abwehr agierte. Als bestes Beispiel dafür dient neben den Eigentoren auch die Szene in der 44. Minute. Niklas Stark war im eigenen Strafraum im Ballbesitz, doch anstatt in Ruhe zu klären, wartete er darauf, dass Rune Jarstein sich den Ball holt. Sein Torhüter aber blieb im Tor, sodass sich Stark den Ball von Burgstaller abnehmen ließ und nur ein Fehlschuss vom Stürmer aus Gelsenkirchen schlimmeres verhinderte.

Ein Totalausfall, der nicht isoliert zu betrachten ist, weil es solche Aktionen zuletzt zu oft gab. „Im Moment muss der Gegner nicht viel machen, um gegen uns zu treffen“, sagte Ante Covic am Sonntag dazu. Das ist zweifelsfrei wahr: so überragend nach vorne spielten sowohl die Wolfsburger als auch die Königsblauen nicht. Am Ende kassierten die Hauptstädter trotzdem sechs Gegentreffer.

Cheftrainer Covic stellte sich zwar schützend vor seinen Innenverteidigern, sprach von „Pech“ und stellte klar: „Es hilft nur eins dagegen – arbeiten und Ärmel hochkrempeln“. Doch was auch immer die Gründe für die Anfälligkeit der blau-weißen Defensive ist, es stellt sich langsam die Frage, ob nicht ein personeller Wechsel von Nöten ist. Auf der Bank wartet nämlich Jordan Torunarigha, der Startelfambitionen hegt und nur auf seine Chance wartet. „So kann es nicht weitergehen“, hieß es von Niklas Stark nach der desaströsen Vorstellung in Gelsenkirchen. Ein treffender Abschlusssatz zu der aktuellen Situation in der Defensive. Nach vier Pflichtspielen stehen neun Gegentreffer zu Buche.

Dodi Lukebakio – undankbarer Beginn im neuen Team

Lukebakio blieb in Gelsenkirchen glücklos. (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Eigentlich war Dodi Lukebakio einer der aktiveren Spieler der Partie. Viel wurde über ihn versucht, oft mit langen Bällen nach vorne. Erneut wurde der Belgier auf der rechten Seite aufgestellt. Dieses Mal fiel er leider vor allem durch schwache Ballannahmen auf. Zu oft versprang ihm der Ball, oft dauerte es zu lange, ehe der 21-jährige mit der Kugel urchstarten konnte.

Dabei war er es, der in der 10. Minute die bis dahin größte Chance des Spiels hatte. Aus sehr guter Position konnte er jedoch Alexander Nübel nicht bezwingen und verpasste die Gelegenheit, Hertha zum ersten Mal in dieser Bundesliga-Spielzeit mit 1:0 in Führung zu bringen. In der zweiten Halbzeit zeichnete sich ebenfalls ab, dass es nicht sein Spiel werden würde. 35 Ballkontakte und nur 33 % gewonnene Zweikämpfe weisen auch darauf hin, dass der Berliner Angreifer Schwierigkeiten hatte, sich durchzusetzen.

Trotz seiner schwachen Leistung sollte hier nicht der Fehler begangen werden, voreilige Schlüsse über den Rekordtransfer zu ziehen. Sowohl in der Fitness als auch in der Abstimmung im Team hat Lukebakio einiges nachzuholen und ist mit Sicherheit noch nicht bei 100 Prozent. Er wird die Gelegenheit haben, sich zu steigern und diese Saison eine wichtige Rolle für die „alte Dame“ zu spielen. Der Wechsel von Marius Wolf könnte zudem die Qualität der rechten Seite bei Hertha BSC steigern und auch Lukebakio zu Gute kommen.

Vedad Ibisevic – Der Wille ist da, das Tor nicht

Wartet noch auf sein erstes Saisontor: Vedad Ibisevic (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Zugegeben: es war ein undankbares Spiel für Vedad Ibisevic. Es klappte für seine Mannschaft nach vorne so gut wie gar nichts, er selber wurde sehr selten in Szene gesetzt und musste oft den Ball weit vom Tor suchen. Er führte zwölf Zweikämpfe, gewann 50 % davon, konnte zwei Freistöße herausholen. Heraus kam leider zu wenig. Nur eine gute Chance konnte sich der gebürtige Bosnier herausarbeiten, als er kurz vor der Halbzeit den Ball per Kopf über den Kasten beförderte. Dazu holte er sich eine eher unnötige gelbe Karte ab.

Man kennt und schätzt den 35-Jährigen in Berlin für seine eiskalte Art vor dem Tor, und seine Fähigkeit aus Halbchancen mal ein Tor zu erzielen. Auf einen solchen Treffer warten die Berliner Fans jedoch in dieser Bundesliga-Saison weiterhin. Auch gegen Gelsenkirchen gelang ihm kein Torerfolg. In der 50. Minute traf Ibisevic zwar das Tor, allerdings aus eindeutiger Abseitssituation. Es wurde korrekterweise nicht gegeben.

Nur zehn Minuten später war dann der Arbeitstag vom Hertha-Kapitän auch wieder zu Ende. Konkurrent Davie Selke kam in die Partie, konnte dieser allerdings auch nicht sein Stempel auflegen. Das Stürmerduell zwischen Ibisevic und Selke kann bisher niemanden so richtig befriedigen. Ibisevic hat zwar die Nase vorn, doch weder er, noch Selke können die so wichtigen Treffer für Hertha erzielen. Es sollte ein erbarmungsloser Konkurrenzkampf zweier torhungrigen Vollstürmern werden, bisher fehlen nach vorne jedoch einfach die Ideen, um auch nur einen der beiden gut in Szene zu setzen.

Für Ante Covic wird es jedenfalls nicht leichter, seine Mannschaft im nächsten Spiel aufzustellen. Hertha braucht dringend wieder Tore, inbesondere auch von seinen Torgaranten.

Javairo Dilrosun – ein Funken Hoffnung

Dilrosun letztes Jahr noch als Vorbereiter für Ondrej Duda. (Foto: Patrik Stollarz/AFP/Getty Images)

Ein Spieler trat am Samstag doch leicht positiv in Erscheinung. Im vergangenen Jahr konnte er in Gelsenkirchen kurz nach seiner Einwechslung sehenswert einen Treffer von Ondrej Duda vorbereiten. Dies gelang Javairo Dilrosun dieses Mal zwar nicht, als er in der 61. Minute für den blass gebliebenen Maximilian Mittelstädt eingewechselt wurde.

Doch auch ohne Torvorlage war es der Niederländer, der in den letzten zwanzig Minuten die wenigen Berliner Angriffe einleitete. Nach seiner Verletzung zeigte sich der junge Flügelstürmer hochmotiviert und gefährlich. In einer knappen halben Stunde kam er auf 27 Ballkontakte, einen mehr als Mittelstädt, der die doppelte Spielzeit hatte. In der 67. Minute bereits konnte Dilrosun in Erscheinung treten, schlug den Ball an der Strafraumgrenze über das Tor von Nübel. Kurz vor Schluss fehlte nicht allzu viel, um noch den Ehrentreffer zu erzielen: sein Freistoß landete nur am Außennetz.

Zugegeben: eine überragende Vorstellung war es vom schnellen Niederländer auch nicht. Trotzdem verspricht seine Einwechslung eine gute Alternative auf den Außen. Seine Rückkehr weckt die Hoffnung, dass endlich wieder Gefahr und Unberechenbarkeit über die Flügel der Berliner zurückkehrt. Tatsächlich ist die fehlende Gefahr der Offensive aktuell ein fast so großes Problem, wie die anfällige Defensive. Ein Funken Hoffnung also in sonst eher düsteren Hertha-Wochen.