Alexander Schwolow – Mr. Konstanz

Alexander Schwolow – Mr. Konstanz

Kevin Trapp, Gregor Kobel, Jonas Omlin oder Jiri Pavlenka: Wochenlang geisterten die Namen verschiedenster Torhüter im Zusammenhang mit Hertha BSC durch die Medien. Der geforderte neue Torwart wurde letztlich aber Alexander Schwolow, der sich nach langer Hängepartie im letzten Momentdoch für Berlin und gegen Gelsenkirchen entschied.

Freiburg-Blogger und -Experte Mischa (auf Twitter @zerstreuungfuss, Blog unter http://zerstreuung-fussball.de/) beantwortete unsere Fragen zu Alexander Schwolow.

Foto: IMAGO

Eine Ablösesumme von 3,5 Millionen Euro, die sehr wahrscheinlich noch auf sieben Millionen steigen wird, und ein Vertrag bis 2024: So sehen die Eckdaten des Schwolow-Deals für Hertha aus. Seit 2009 stand der 28-Jährige im Breisgau beim SC Freiburg unter Vertrag – nur in der Saison 2014/2015 wurde er zum damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld verliehen, mit dem er das Pokalhalbfinale erreichte. 125 Bundesliga-Partien bestritt Schwolow in dieser Zeit beim SC, nun wechselt er als nach Berlin. Mit seiner Erfahrung und Qualität sieht Cheftrainer Bruno Labbadia den gebürtigen Wiesbadener als perfekte Besetzung für die vakante Position in Herthas Torwart-Konkurrenzkampf: „Er ist mit seinen 28 Jahren erfahren und hat in den vergangenen Jahren gezeigt, auf welchem Niveau er in der Bundesliga spielen kann. Dazu passt er als Typ sehr gut in unseren Kader”, so Labbadia.

Aber was genau macht den Neu-Berliner auf dem Platz aus? Hierzu haben wir SC-Experte Mischa befragt und uns selbst in die Recherche begeben.

Hertha BASE: Was sind Schwolows größte Stärken? Warum hat Hertha ihn geholt?

Mischa: „Schwolow bringt große Konstanz mit, dass wird man in Freiburg an ihm vermissen. Er wehrt Bälle sauber zur Seite oder über das Tor ab, was ihn auch gegenüber seinem Nachfolger Mark Flekken auszeichnet. Seine Fußabwehr im Eins-gegen-Eins ist teilweise spektakulär, im Spielaufbau ist er sehr zuverlässig. Er geht keine unnötigen Risiken ein, wenn er gepresst wird, schlägt er häufig einen langen Ball. Auch wenn er es wahrscheinlich auch flach lösen könnte, ist das eine sehr angenehme Risikoabwägung.“

Auch bei seinen Paraden zeigt sich Schwolow sehr zuverlässig, nach Yann Sommer hat er die zweitbeste Schüsse-Paraden Quote in der Bundesliga. Auch bei den Post-Shot-xG ist Schwolow in der Bundesliga mit einem sechsten Platz gut platziert (zum Vergleich: Rune Jarstein belegte nicht mal einen Top-Ten-Platz).

„Seine größte Stärke ist aber wahrscheinlich, dass Schwolow kaum auffällige Schwächen hat. Es gibt ein paar kleinere Details, die aber nicht wirklich nennenswert sind.“

Was sind denn diese kleinen Schwächen?

„Ab und zu hat Schwolow bei Distanzschüssen das kurze Eck etwas zu offen gelassen. Bei Standards ist er eher vorsichtig mit dem Abfangen von hohen Hereingaben, die ganz klaren Dinger hat er aber – das ist kein großes Problem. Abgesehen von seiner Saison in Bielefeld, als er bei den Siegen im Elfmeterschießen gegen Hertha und Gladbach eine wichtige Rolle gespielt hat, ist er nicht unbedingt ein Elfmeter-Killer.“

Foto: IMAGO

Nun ist Schwolow nicht mehr der erste Ex-Freiburger Torwart in der Bundesliga. Wie würdest du ihn im Vergleich zu Roman Bürki oder Oliver Baumann einordnen?

„Mit seiner Konstanz ähnelt er eher Baumann. Bürki hat höhere Höhen und tiefere Tiefen – der Schweizer ist nun aber auch schon seit 2015 beim BVB und wird gerne etwas unterschätzt. Gerade im Spielaufbau und bei seinen Reflexen hat er wahnsinnige Qualitäten.“

Auch wenn Schwolow also vielleicht nicht ganz an einen Top-Keeper wie Roman Bürki herankommt, wird er bei Hertha durch seine Konstanz und seine geringe Fehleranfälligkeit das Loch auf der Torhüterposition schließen, dass durch einen langsam nachlassenden Rune Jarstein entstanden ist. Das er an guten Tagen auch zu außergewöhnlichen Leistungen fähig ist, bewies er erst in der abgelaufenen Rückrunde: Gegen Eintracht Frankfurt wurde er trotz dreier Gegentreffer mit dreizehn Paraden zum Spieler des Spiels erkoren.

„Generell ist die Torhüter-Ausbildung in Freiburg unter Torwarttrainer Kronenberg ziemlich erfolgreich. Mit Gikiewicz steht ja auch noch ein weiterer Ex-Freiburger bei FC Augsburg unter Vertrag. Und vielleicht kann man ja auch noch Zack Steffen (letztes Jahr Düsseldorf) oder Daniel Batz vom 1. FC Saarbrücken irgendwo unterbringen…“

Was wird man in Freiburg am meisten an Schwolow vermissen?

„Seine Konstanz! In der letzten Saison war er zehn Spiele verletzt, in denen man schon sehen konnte, dass Flekken ein würdiger Ersatz ist. Auch wenn dieser dort sogar eine höhere Paraden-Quote als Schwolow hatte und auch mit dem Ball am Fuß sehr mutig war, kann man von ihm wohl nicht dieselbe Konstanz erwarten. Er geht in all seinen Reaktionen ein sehr hohes Risiko. Bei Schwolow dagegen konnte man sich auf solide – und manchmal auch sehr gute – Leistungen verlassen.“

Labbadia kündigte Schwolow auch mit der Aussage an, der Keeper würde „vom Typ“ gut in die Mannschaft passen. Was für ein Spieler ist er denn auf dem Platz – Lautsprecher oder eher ein ruhigerer Zeitgenosse?

„Schwolow liegt irgendwo dazwischen. Er organisiert die Abwehr, feiert auch mal eine gelungene Parade, dabei wirkt er aber nicht wie ein Oliver Kahn oder Raphael Gikiewicz. Meistens wirkt er konzentriert.“

Was bei den Berliner Fans auch gut ankommen dürfte, ist Schwolows Verhalten bezüglich seines Abgangs in Freiburg: „Bereits im letzten Jahr gab es die Absprache, dass er bei einem Angebot gehen dürfte. Da aber kein Angebot kam, verlängerte Schwolow seinen Vertrag nochmal, damit der SC ihn nicht ablösefrei abgeben musste. Dadurch erklärt sich wahrscheinlich auch, warum man nicht auf den 8 Millionen der Ausstiegsklausel bestanden hat.“

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Mit 28 Jahren ist Schwolow zwar nicht mehr der Jüngste, Torhüter sind aber auch für ihre längeren Karrieren bekannt. Was denkst du, wie lange wird er sein Niveau halten und Hertha auf der Torhüter-Position helfen können?

„Recht lang. Sein Spiel zeichnet sich nicht durch eine besonders physische Komponente aus, wie zum Beispiel bei Manuel Neuer, der sich irgendwann überlegen muss, ob er noch schnell genug ist, um die Bälle 40 Meter vor dem eigenen Tor abzulaufen.“

Mit Alexander Schwolow kommt also einer der solidesten Bundesliga-Keeper mit ordentlich Erfahrung zu Hertha, der über ein ähnliches Stärkenprofil wie Rune Jarstein in dessen besten Zeiten verfügt. Torwartexperte Sascha Felter vom Fußball-Blog cavanisfriseur.de sagt dazu: „Mit seinem guten Grundniveau und ohne herausragende Stärken oder Schwächen mag Schwolows Profil zunächst nicht besonders spektakulär aussehen. Trotzdem ist das für einen Club immens wichtig, wenn der Keeper ein gutes Grundlevel hat. An wirklich sehr guten Tagen wird auch mal eine Weltklasse-Leistung drin sein.“

Hertha darf sich also auf Schwolow freuen – mit seiner Erfahrung und seinen Qualitäten dürfte es ihm nicht besonders schwer fallen, den zuletzt immer wieder unsicher wirkenden Rune Jarstein als Nummer eins zu verdrängen. Und auch Nils-Jonathan Körber dürfte gegenüber dem Neuzugang wohl das Nachsehen haben, war er letzte Saison doch nicht mal mehr Stammkeeper bei seinem Leihverein, dem VfL Osnabrück.

[Titelbild: IMAGO]

Kaderanalyse 2019/2020 – Herthas Torhüter

Kaderanalyse 2019/2020 – Herthas Torhüter

Eine turbulente Spielzeit hat am 27. Juni ihr Ende gefunden. Zwar hat COVID-19 alle Bundesliga-Team gleichermaßen getroffen, vor der Pandemie hat Hertha BSC das Rennen als von Krisen gebeutelster Verein aber zweifellos gemacht. Selten ist es in der vergangenen Saison um Sportliches gegangen, doch genau diesem Thema wollen wir uns mit dieser Artikelserie widmen: In unserer Kaderanalyse wollen wir die einzelnen Positionen genauer unter die Lupe nehmen und die Frage beantworten, ob Hertha dort nach Verstärkungen für die kommende Saison suchen sollte.

Auf kaum einer Position gibt es bei Hertha BSC mehr Gerüchte, als um den Torwart. Dabei ist die langjährige Nummer eins noch unter Vertrag. Viel wichtiger also, als die zahlreichen Gerüchte zu kommentieren, wollen wir im ersten Teil unserer Sommer-Kaderanalyse auf die so wichtige und lang unumstrittene Torhüterposition bei der „alten Dame“ blicken.

Das Ende der Jarstein-Zeit?

Seit Ende 2015 gab es bei Hertha keine echte Torwartdiskussion mehr, und das ist vor allem einem Mann zu verdanken: Rune Jarstein. Durch seine Zuverlässigkeit, seine Paraden aber vor allem auch durch seine Strafraumbeherrschung und ruhige Ausstrahlung glänzte er immer wieder. Herthas Turm in der Schlacht, der den Berlinen so manchen Punkte rettete. In Frage gestellt wurde er in dieser Zeit eigentlich kaum, warum auch? Mit Jarstein musste sich kein Hertha-Fan Sorgen machen, dass die Position der Nummer eins nicht perfekt besetzt sei.

Jarstein mit ungewohnten Patzern in der Saison 2019/2020. (Foto: Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Im Laufe der wohl chaotischsten Hertha-Saison seit Langem wandelte sich das Bild allerdings etwas. Zum Saisonstart konnte man dem Norweger nur wenig vorwerfen, obwohl er bereits nach wenigen Spieltagen viel zu oft hinter sich greifen musste. Am 12. Spieltag gegen Augsburg jedoch sorgte er mit einem schlimmen Patzer für das 0:2 und kassierte dabei die rote Karte. Scheinbar hatte die Krise nun auch seine Selbstverständlichkeit angegriffen, wirklich verübeln konnte man es ihm aber kaum. Jarstein saß seine Sperre ab und kehrte anschließend zurück ins Hertha-Tor, wo er seine gewohnt stabilen Leistungen zeigte. Die Rückrunde allerdings verlief nicht nur für Hertha chaotisch, sondern auch für den Schlussmann. Am 22. Spieltag in Paderborn kassierte er einen Treffer im kurzen Winkel zum zwischenzeitlichen 1:1. Beim 0:5 Debakel gegen den 1. FC Köln sah er insbesondere beim 0:3 nicht gut aus und ging mit dem Rest der Mannschaft komplett unter. Ihm war die Verunsicherung anzumerken und es hieß im Hertha-Umfeld, der Norweger leide ganz besonders unter dem Stress der vielen T(orwart)rainerwechsel.

Alexander Nouri wechselte daraufhin für seine zwei letzten Spiele als Hertha-Coach auf der Torhüter-Position und ließ Thomas Kraft ran. Erst nach dem „Re-Start“ unter Bruno Labbadia stand Rune Jarstein wieder im Hertha-Tor, patzte allerdings nochmal gegen RB Leipzig und Freiburg, bevor er dem jungen Dennis Smarsch den Platz im letzten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach überließ, um bei der Geburt seines Kindes dabei sein zu können.

Dieses Mal gab es also keine sorgenfreie Saison für Rune Jarstein, der mit 35 Jahren auch nicht mehr der Jüngste ist. „Die Krake“ hat bereits jetzt die jüngere Geschichte von Hertha BSC als Torhüter geprägt: 156 Bundesliga-Einsätze, davon 47 ohne Gegentreffer. Er ist nach den Hertha-Torwartlegenden Christian Fiedler (271 Einsätze), Gábor Király (252 Einsätze) und Walter Junghans (180 Einsätze) der Keeper mit den meisten Einsätzen für den Hauptstadtclub (171). Das Ende der Jarstein-Zeit könnte aber bereits im Sommer erreicht sein. Doch noch ist nicht abgepfiffen und der Norweger könnte sich erneut gegen seine Konkurrenz durchsetzen. Abgeschrieben wurde er bei Hertha BSC schließlich schon einmal, und meldete sich eindrucksvoll zurück.

Verfrühtes Karriereende für Thomas Kraft

War mitverantwortlich für die Aufholjagd bei Fortuna Düsseldorf: Thomas Kraft. (Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

Mit seinen 32 Jahren ist Thomas Kraft zwar deutlich jünger als sein norwegischer Mannschaftskollege, doch im Sommer ist Schluss mit dem Konkurrenzkampf. Der Spieler mit der Nummer “1” im Rücken wechselte im Sommer 2011 zu Hertha BSC, spielte als Stamm- und Ersatzkeeper viele Jahre für die „alte Dame“. Kein einziges Mal beklagte er öffentlich seine Stellung als zweite Wahl hinter Rune Jarstein und war für die Mannschaft auch in der Kabine ein wichtiger Faktor.

Viele Einsätze hatte der Hertha-Veteran in dieser Saison allerdings nicht, trotz der vielen Trainerwechsel und der Verunsicherung Rune Jarsteins. Nur fünf Pflichtspieleinsätze bekam Kraft, nutzte diese jedoch, um sich im Pokal-Krimi gegen Dresden zum Elfmeterhelden zu krönen und in der Halbzeitpause in Düsseldorf (Stand 0:3) die gesamte Mannschaft wachzurütteln. Erinnerungswürdig bleibt auch seine Pointe in Bezug auf Jürgen Klinsmanns Spielerbewertungen im Training.

Bereits Ende Mai war aber für ihn aufgrund von Rückenproblemen die Saison zu Ende. Auffällig war, dass ihn in den letzten Jahren immer wieder kleinere gesundheitliche Probleme bremsten. Seine Entscheidung, seine Karriere zu beenden kam trotzdem etwas überraschend. Kraft verlässt Hertha BSC als dienstältester Herthaner, als ein Spieler, der Berlin lieben und leben lernte. Er hinterlässt den Eindruck eines Musterprofis, eines mannschaftsdienlichen, sympatischen und ehrlichen Mannes, der sowohl im Team als bei den Fans vermisst werden wird. Wir wünschen ihm an dieser Stelle nochmal alles Gute und bedanken uns für die zahlreichen Jahre seines Einsatzes!

Dennis Smarsch und Nils Körber – “Berliner Jungs” nur zweite Wahl?

Der gebürtige Berliner konnte seinen Pflichtspieldebüt im desaströsen Auswärtsspiel in Augsburg feiern. Beim Stand von 0:2 wurde er eingewechselt, konnte aber die Niederlage in Unterzahl und das Aus für Trainer Ante Covic natürlich nicht verhindern. Nach dem „Re-Start“ saß er auf der Bank, da Thomas Kraft nicht zur Verfügung stand. Somit ersetzte er Rune Jarstein in der letzten Partie der Saison und konnte auch zum ersten Mal in der Profi-Startelf stehen.

Smarsch war zuletzt Nummer zwei, soll aber in die dritte Liga wechseln. (Foto: Wolfgang Rattay/POOL/AFP via Getty Images)

Eigentlich also eine vielversprechende Situation für den 21-Jährigen, doch für die Nummer eins im Tor oder sogar nur Nummer zwei sollte es nicht reichen. Auffällig sind insbesondere seine Athletik und Physis (1,95 Meter groß), die ihm jedoch das eine oder andere Mal auch beim Abtauchen bremsten. Für die Hertha-Verantwortlichen scheint es jedenfalls nicht auszureichen. Die Suche nach einem neuen, bundesligatauglichen Keeper läuft bereits, sodass für Smarsch zumindest für die nächste Saison die Hoffnung auf Profieinsätze deutlich gesunken ist. Beim Eigengewächs stehen die Zeichen also auf Abschied, der 1.FC Saarbrücken sowie Türkgücü München sollen interessiert sein.

Die Rückkehr von Nils Körber an die Spree wird die Chancen von Smarsch auch nicht gesteigert haben. Der 23-Jährige kehrt nach seiner Leihe beim VFL Osnabrück zurück, wo er zunächst in der zweiten Liga gesetzt war, aufgrund mehrerer Verletzungen jedoch seinen Stammplatz verlor und nur noch zu vereinzelten Einsätzen kam. Ob die gesammelte Erfahrung der zwei letzten Jahre für den gebürtigen Berliner ausreichen, um sich gegen Rune Jarstein und den noch unbekannten Neuzugang durchzusetzen, erscheint zunächst als eher unwahrscheinlich. Trotzdem hat Körber die Möglichkeit, sich in der Saisonvorbereitung zu empfehlen und sogar für eine Überraschung zu sorgen.

Wer bekommt die Nummer eins im Rücken?

Thomas Kraft hat seine Karriere beendet, Dennis Smarsch soll den Verein verlassen und weder Rune Jarstein noch Nils Körber sind sicher als Nummer eins etabliert. Es ist also tatsächlich wieder Zeit für eine echte Torhüterdiskussion, mit einer brodelnden Gerüchteküche und wild herumfliegenden Namen. Hertha BSC wird mit zahlreichen Kandidaten in Verbindung gebracht, wobei mit großer Wahrscheinlichkeit nur ein sehr geringer Anteil davon tatsächlich stimmen sollte. Wir wollen an dieser Stelle keine lange Diskussion um alle angeblichen Kandidaten führen. Stattdessen empfehlen wir euch unsere regelmäßig aktualisierte Gerüchteküche

Was fest steht: Hertha braucht einen neuen Keeper. Die neue Torhüter-Diskussion sollte möglichst kurz gehalten werden, um so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen und weiteren Chaos zu vermeiden. Ob ein großer oder „kleiner“ Name, ob ablösefrei oder hohe Ablöse, Hertha wird einen neuen Torhüter holen müssen. Die Trikotnummer „1“ ist jedenfalls erstmal wieder frei.

Herthaner im Fokus: SC Paderborn – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: SC Paderborn – Hertha BSC

Nein, schön war der Auswärtssieg beim SC Paderborn nicht. Dass das 2:1 und die damit verbundenen drei Punkte nach dieser so turbulenten Woche zumindest etwas Balsam für die Berliner Seele sein werden, ist aber unbestritten. Hertha BSC trennen nun immerhin neun Punkte von Tabellenplatz 16, aus dem Gröbsten könnten die Blau-Weißen also bereits raus sein. Da ist der Pragmatismus von Interimstrainer Alexander Nouri schon deutlich leichter zu ertragen, denn auch wenn die Spiele Herthas seit längerem kaum zu unterhalten wissen, bringen sie Punkte ein und besonders im Abstiegskampf zählt nur diese Kennziffer.

Doch auch wenn die Begegnung mit dem SC Paderborn nur streckenweise ordentlichen Fußball zeigte, haben gewisse Hertha-Spieler positiv wie negativ auf sich aufmerksam gemacht. In diesem Format beleuchten wir diese.

Rune Jarstein – ungewohnt unsicher

Dass Rune Jarstein seit Jahren ein exzellenter Schlussmann ist und Hertha bereits sehr viele Punkte festgehalten hat, steht außer Frage. Doch nachdem der Norweger bereits im Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 unglücklich aussah, machte er auch am Samstagnachmittag keine gute Figur.

(Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Dabei gaben ihm die Paderborner gar nicht allzu viele Chancen, ins Spiel einzugreifen. Zwar gaben die Hausherren insgesamt 21 Schüsse ab, aber nur vier davon kamen auch wirklich auf das Tor. Große Gelegenheiten, sich auszuzeichnen, waren also Mangelware. In der 51. Minute aber griff der 35-Jährige ordentlich daneben. Paderborns Stürmer Srbeny gab quasi von der Grundlinie einen Schuss ab, der rein physikalisch schon gar nicht ins Tor gehen konnte, doch bugsierte sich Jarstein den Ball bei seinem Rettungsversuch selber über die Linie. Ein Fehler, der solch einem gestandenen Torhüter natürlich nicht unterlaufen darf, auch wenn Jarstein ebenfalls nur ein Mensch ist und Fehler nun einmal passieren – sieht bei Torhütern erfahrungsgemäß nur blöder aus.

Seinen Patzer zum 1:1 machte Herthas Torhüter allerdings in der 82. Minute wieder wett, indem er einen strammen Distanzschuss Prögers noch mit einem starken Reflex, nachdem er bereits in eine andere Richtung unterwegs war, parieren konnte. Wirklich bestärken wollte ihn diese Szene aber nicht. Immer wieder flog Jarstein unter Hereingaben hindurch und in einer Szene ließ er einen bereits sicher geglaubten Ball wieder fallen, konnte die Aktion aber gerade noch selbst bereinigen. So oft Jarstein bereits der Held des Spiels war, so war er gegen Paderborn eher ein Sicherheitsrisiko. Bis auf seine gute Szene in der 82. Minute strahlte der Keeper keine Sicherheit aus, sodass er froh gewesen sein wird, als der Schlusspfiff ertönte. Man kann nur hoffen, dass sich Jarstein aus diesem kleinen Formtief schnellstens wieder befreit.

Peter Pekarik – Herthas Tiefkühlpizza

“Pekarik ist die Tiefkühlpizza bei Hertha. Holst ihn/sie raus, wenn du nichts anderes mehr da hast, weißt genau was du bekommst und bist am Ende auch satt, fühlst dich aber auch irgendwie schlecht, weil du weißt, was für geile frische Sachen es sonst so gibt”, schrieb ich nach dem Spiel in Paderborn auf Twitter. Viele verstanden die Intention und den Witz dahinter, manch anderer unterstellte mir hingegen, die Leistung des Slowaken, der zum ersten Mal seit 307 Tagen für Herthas Profis auf dem Platz stand, nicht zu würdigen.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Dabei verfolgte der Vergleich nur gute Absichten. Nachdem Lukas Klünter zuletzt eine kleine Formdelle hatte und Marius Wolf nach seiner gelb-roten Karte gegen Mainz 05 gesperrt fehlte, setzte Trainer Alexander Nouri dennoch leicht überraschend auf den 33-jährigen Rechtsverteidiger. Bis dahin hatte Pekarik in der laufenden Spielzeit absolut keine Rolle gespielt, er lag so im Gefrierfach herum. Aber wenn Not in der Startelf/Küche herrscht, holt man die Reserven raus. Herthas Interimstrainer wusste halt, woran er bei dem routinierten Außenverteidiger ist. Pekarik, etwas ungewohnt nicht als reiner Rechtsverteidiger sondern als Schienenspieler eingesetzt, machte einmal mehr ein solides Spiel. Aufgrund seiner offensiveren Rolle stand der slowakische Nationalspieler in seinem 158. Pflichtspiel für Hertha oftmals auffallend hoch und kam zu vielen Flanken – insgesamt sechs schlug er, von denen zwei ankamen und eine zur Torschussvorlage wurde. Pekarik versuchte, seiner ungewohnten Funktion gerecht zu werden und viel Aufwand zu betreiben, so lief er mit 11,25 Kilometern die viertgrößte Strecke aller Herthaner. Es war durchaus imponierend, wie viel Betrieb Pekarik im Angriffsspiel machte, immerhin sammelte er die zweitmeisten Ballkontakte aller Berliner, dennoch fehlte es seinen Aktionen an Effektivität. All diese Aktivität hatte aufgrund der fehlenden Matchpraxis auch ihren Preis, denn in der Schlussphase plagte er sich mit Krämpfen herum.

Das wird auch daran gelegen haben, dass Pekarik mit Antwi-Adjei und Collins zwei äußerst dynamische Gegenspieler zu verteidigen hatte und dadurch viele Sprints wie intensive Läufe anzog. Defensiv lieferte er aber bis auf ein paar unglückliche Szenen eine zufriedenstellende Vorstellung ab. Er ließ einigermaßen wenig zu und klärte insgesamt vier Aktionen. Teilweise kam der alternde Außenverteidiger nicht ganz hinterher, aber große Gefahr entstand daraus nicht. “Ich freue mich, dass ich meinen Teil zum Sieg beitragen konnte. Ich kenne die Jungs schon lange und wir spielen jeden Tag im Training zusammen – jeder weiß, dass ich daher immer bereit bin, wenn ich gebraucht werde”, erklärte Pekarik nach dem Spiel. Mit ihm war es gelungen, die Defensive in einer Fünferkette wieder zu stabilisieren, hinzu kam der gewohnte Kampf und Aufwand, den Pekarik aufs Parquett bringt. Trainer Nouri hatte mit der Entscheidung, ihn aus der Versenkung zurückzuholen, durchaus Mut bewiesen, doch “Mr. Zuverlässig” wurde seiner Aufgabe gerecht. Natürlich ist der 33-Jährige, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, nie ein verkappter Spielmacher der Marke Weiser oder Lazaro gewesen, aber in der passenden Situation kann er ebenso wichtig sein. Jeder gut gefüllte Kühlschrank sollte eben eine Tiefkühlpizza enthalten.

Arne Maier – ab wann ist Kritik erlaubt?

Die Bewertung von Spielern, die aus einer langen Verletzung kommen, ist immer so eine Sache. Wie viel Zeit muss vergehen, wie viele Spiele müssen sie gemacht haben, bis Kritik erlaubt ist? Arne Maier ist aktuell so ein Fall. Gegen Paderborn hat der 21-Jährige das dritte Mal infolge in der Startelf gestanden, so langsam könnte also wieder eine gewisse Routine in sein Spiel kommen. Bislang ist das Berliner Eigengewächs seinem Status als großes Talent und kommender Nationalspieler jedoch nicht gerecht geworden.

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Mit Ascacibar und Skjelbred im Rücken agierte Maier gegen Paderborn einmal mehr als offensivster Part der Mittelfeldzentrale – klare Aufgabe: er soll das Spiel lenken und die Offensivspieler in Szene setzen. Und “Offensivspieler” meinte gegen den Aufsteiger die beiden Stürmer Cunha und Piatek, da sonst keine Spieler auf dem Feld standen, die nur nach vorne denken sollten. Diese Rolle scheint Maier jedoch nicht zu liegen, bzw. fehlt ihm (noch) der Mut, sie auszufüllen. Als wichtigster Drahtzieher, ohne einen Duda oder Grujic an seiner Seite, fehlt dem jungen Mittelfeldmann die Präsenz und das Gespür für raumöffnende Pässe. Blickt man auf das Pass-Übersicht Maiers, fällt auf, wie wenige in gefährliche Zonen gespielt wurden (nicht ob sie angekommen sind, sondern dass er sich diese gar nicht getraut hat) und wie viele Zuspiele er nach hinten verbuchte. Mit 79% angekommenen Pässen hat seine Genauigkeit ebenso Luft nach oben.

Es ist nicht so, als würde Maier sonderlich schwache Spiele abliefern, doch gemessen an seinem Talent und seinen Ambitionen ist es aktuell zu wenig. Natürlich müssen sein Alter und die lange Ausfallzeit miteinbezogen werden, dennoch ist es erstaunlich, wie wenig “besonderes” er auf dem Feld produziert. Es ist momentan wenig von seiner großen Ballsicherheit und seinem strategischen Denken zu sehen, stattdessen beobachtet man leichtere Ballverluste, Pässe ohne großen Raumgewinn und äußerst zaghafte Vorstöße. Sicherlich ist Maier (50 Pflichtspiele für Hertha, kein Tor, eine Vorlage) eben kein Duda, der besonders im letzten Angriffsdrittel aufblüht, sondern eher jemand, der Toni-Kroos-artig das Spiel aufziehen will, aber ist es schwer zu vermitteln, dass ein Per Skjelbred im Offensivspiel aufbrausender und dynamischer wirkte. Es ist vollkommen klar, dass man Maier weiter die Zeit geben muss, sich nach der langen Verletzungspause wieder zu finden, aber momentan gibt er der Mannschaft nur wenig. Man könnte auch angesichts seiner deutlichen Worte in der Winterpause und dem formulierten Wechselwillen sagen: wer sich so groß macht, muss dann auch liefern. In der aktuellen Form wird zumindest kein internationaler Topverein anklopfen. In den nächsten Wochen ist Maier dazu angehalten, mehr aus seinem Potenzial herauszuholen.

Matheus Cunha – genau das, was man gebraucht hat?

Zusammen mit der Hereinnahme Pekariks war es wohl die größte Überraschung bei Hertha, dass Neuzugang Matheus Cunha nach nur zwei Tagen in Berlin gegen den SC Paderborn sogleich in der Startelf stand. Die Entscheidung des Trainerteams sollte sich, auch wenn der junge Brasilianer teils negativ auf sich aufmerksam machte, auszahlen.

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Doch wie wir es in der Schule gelernt haben – zunächst das Positive. Denn das Matheus Cunha das gewünschte “belebende” Element für Hertha war, ist nicht abzustreiten. Passierte etwas nennenswertes auf dem Feld, hatte der 20-Jährige sehr oft seine Füße im Spiel. Cunha arbeitete sehr gut mit Sturmpartner Piatek zusammen, indem der Pole mit seiner Ballsicherheit und Übersicht für die nötige Ruhe im Angriffsspiel sorgte und Cunha als freischwebender Komet um ihn herumwirbelte. Schnell wurde klar, dass der Winterneuzugang technisch mehr drauf hat, als viele seiner Kollegen auf dem Feld. Mit großem Spielwitz und dem stets nach vorne gerichteten Blick sorgte Cunha immer mal wieder für interessante und gewinnbringende Momente. Zwar war der brasilianische U-Nationalspieler nur 31 Mal am Ball, dennoch schien er das Spiel seiner Mannschaft wirklich zu prägen und überall zu sein. Oftmals fand man Cunha in der eigenen Hälfte, wie er Bällen hinterherjagte. Es war offensichtlich, dass dem Angreifer im Vorfeld wenige taktische Vorgaben gemacht wurden – er sollte einfach kicken und das Spiel seiner Mannschaft beleben. Das gelang Cunha auch, niemand gab so viele Schüsse wie er (fünf) ab, hinzu kommt eine Torschussvorlage, vier herausgeholte Freistöße und eine positive Zweikampfbilanz (für Stürmer sehr ungewöhnlich). Cunha war kaum einzufangen und belohnte sich in der 67. Minute mit seinem Debütreffer zum 2:1. Sehenswert verwandelte der Torjäger die Kugel mit der Hacke, nachdem zuvor noch Darida und Piatek gescheitert war. So lässt sich ein Einstand feiern.

Doch war nicht alles glanzvoll, was Cunha bei seinem ersten Spiel für die “alte Dame” zeigte. Nein, Hertha hat sich da durchaus ein Enfant terrible verpflichtet. So belebend der junge Stürmer auch war, teilweise übersteuerte er und ließ sich zu fragwürdigen Aktionen hinziehen. Bestes Beispiel war die Torchance aus der 61. Minute, bei der Cunha alleine auf Paderborns Keeper zulief, ewig den Ball hielt und sich letztendlich dazu entschloss, es aus zu kurzer Distanz mit dem Lupfer zu probieren. Hier greift der Klassiker “Er wollte es zu schön machen”. Nachdem es anschließend keinen Elfmeter gab (Zingerle hatte Cunha zu Fall gebracht, dieser ihn aber vorher am Hals gehalten), ließ sich Cunha zu einer abwertenden Geste gegenüber Schiedsrichterin Steinhaus hinreißen und hatte großes Glück, dafür nicht gelb gesehen zu haben. Die Verwarnung holte er sich dann acht Minuten später aber, nachdem er einen Paderborner völlig unnötig und überhart auf die Bretter schickte. Seine letzten Minuten waren davon geprägt, sich mit muskulären Problem zunächst noch über den Platz zu schleppen um dann in der 83. Minute ausgewechselt zu werden.

Ja, Cunha sorgte für ordentlich Aufsehen. Dazu gibt es zwei Lesarten: positiv lässt sich sagen, dass der junge Brasilianer ein deutlich belebendes Element für seine Mannschaft ist, merklich unbeschwert wie selbstbewusst auftritt und somit spielerisch viel auffängt. Auch seine akribische Arbeit gegen den Ball war lobenswert. Auf der anderen Seite der Medaille steht, dass Cunha in manchen Szenen den Ernst der Lage seines Vereins nicht ganz verstanden zu haben schien und oftmals unnötig Risiko einging. Er überdrehte oft, hatte einen Hang zur Theatralik und war stark gelb-rot-gefährdet. Wohlwollend muss aber festgehalten werden, dass Cunha gerade einmal 20 Jahre alt und somit noch leicht unbeherrscht ist, zumal er bei seinem Debüt sicherlich besonders viel zeigen wollte und daher überhitzte. Grundsätzlich ist es toll, solch einen Instinktfußballer in seinen Reihen zu haben, der an die vielen Brasilianer aus den Herthaner 2000er Jahren erinnert. Cunha wird seinem Team und den Fans wohl noch viele graue Haare wie Glücksmomente schenken und solche Spieler bleiben schließlich in Erinnerung.

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – SC Freiburg

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – SC Freiburg

“Endlich” will der Hertha-Fan schreien – endlich haben die Blau-Weißen wieder gewinnen können. Nach zuletzt sieben sieglosen Spielen infolge konnte mit dem 1:0-Heimerfolg gegen den SC Freiburg der Bann gebrochen werden. Der satte Distanzschuss von Vladimir Darida entschied ein umkämpftes wie fußballerisch armes Spiel, das auch mit einer Punkteteilung hätte enden können – aber der geneigte Hertha-Fan wird sich nicht beschweren, dass es doch noch zum Treffer des Tages kam. Die Einzelkritik zu einer engagierten, jedoch verkrampften Mannschaftsleistung.

Vladimir Darida – der Matchwinner

Selten war der Titel des “Matchwinners” wohl so verdient wie im Fall der Leistung von Vladimir Darida gegen den SC Freiburg. Quasi im Alleingang befreite er seine Mannschaft, die vor und nach seinem sehenswerten Distanztreffer nicht wirklich wusste, wie sie die Freiburger Defensive knacken sollte.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Die starke Leistung des Tschechen ist allerdings nicht allein auf seinen Treffer zurückzuführen. Auch darüber hinaus zeigte Darida eine gute Vorstellung, die ihn auch unter Trainer Jürgen Klinsmann unentbehrlich machen wird. Das fängt bereits mit seiner Arbeit gegen den Ball an, denn auch gegen seinen Ex-Verein präsentierte sich Darida äußerst engagiert und diszipliniert. Einmal mehr lief er mehr als jeder andere Spieler auf dem Feld, dieses Mal waren 13,2 Kilometer – erneut ein großartiger Wert. Kein Herthaner verbuchte mehr erfolgreiche Tacklings (vier), zudem fing er einen Ball ab und klärte eine Aktion. Hinzu kommen vier Ballsicherungen und eine 66%ige Zweikampfquote.

Auch im Spiel mit dem Ball war der 29-Jährige von großer Bedeutung. Er legte vier Chancen auf – so viele wie kein anderer Herthaner. Generell war sein Passspiel am Samstagnachmittag eines der besseren: 81,6% seiner Zuspiele kamen an, sogar 80% in der gegnerischen Hälfte. Darida war zusätzlich Spitzenreiter seiner Mannschaft, was Ballkontake anging: 66 Mal war der zentrale Mittelfeldspieler am Ball, Nebenmann Grujic nur 49 Mal.

In der 57. Minute war es dann soweit – der Auftritt des Vladimir Daridas. Er selbst stieß mit dem Ball in die Freiburger Hälfte, spielte einen klugen Doppelpass mit Davie Selke und schloss aus gut 20 Metern unhaltbar für SC-Keeper Mark Flekken ab – der letztendliche Siegtreffer eine Willensleistung der Nummer sechs. Sicherlich gab es Phasen in der Partie, in der Herthas Mittelfeldzentrale die Dominanz abhanden ging, jedoch auch, weil Darida und Grujic nur zu zweit waren. Der Tscheche versuchte zumindest alles in seiner Macht stehende, um der Partie seinen Stempel aufzudrücken. Mission erfolgreich!

Karim Rekik – bald wieder der Alte?

Das erste Mal seit dem 4:0-Sieg gegen den 1. FC Köln am 29. September hat Hertha wieder die Null gehalten. Ein Faktor dafür war die wirklich ordentliche Leistung von Karim Rekik, der bereits gegen Eintracht Frankfurt leicht verbessert auftrat und sein seit dem Saisonbeginn anhaltendes Formtief eventuell überwinden könnte.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

So war es dieses Mal Rekik, der den unsicheren Nebenmann – in diesem Fall Dedryck Boyata – kompensieren musste. Sein belgischer Kollege erwischte keinen allzu starken Tag und brauchte lange, um in der Begegnung anzukommen. Rekik allerdings war von der ersten Minute an konzentriert und hielt seinen Wirkungsbereich sauber. Der niederländische Innenverteidiger sicherte vier Bälle, klärte ganze sechs Aktionen und blockte zwei Schüsse ab. Rekik war – und das ist bei seiner Saison wirklich keine Selbstverständlichkeit – über 90 Minuten auf der Höhe des Geschehens. Vor allen Dingen bei hohen Bällen und Standardsituationen, die in den Berliner Strafraum geschlagen wurden und Hertha in den vergangenen Wochen große Probleme bereiteten, war der 25-Jährige hellwach.

Auch im Aufbauspiel war Verlass auf Rekik, der 92% seiner Pässe zum Mitspieler brachte und sich auch lange Bälle zutraute (zum Vergleich: Rekik schlug acht lange Bälle, von den sogar fünf ankamen, Boyata spielte hingegen nicht einen einzigen). Es war eine insgesamt zufriedenstellende Leistung Rekiks und das ist nach den letzten Wochen eine wirklich positive Nachricht. Sicherlich wurde Herthas Innenverteidigung von der Freiburger Offensive nicht allzu sehr gefordert, aber das hatte Rekik in den letzten Wochen ja auch nicht von individuellen Fehlern und Einladungen für den Gegner abgehalten. In dieser Verfassung ist ein Stammplatz tatsächlich gerechtfertigt.

Dodi Lukebakio & Javairo Dilrosun – Mehr gearbeitet als gespielt

Es gibt so Tage, da läuft’s einfach nicht. Bälle verspringen, Schüsse haben nicht die gewohnte Härte. Solche Formschwankungen erleben meist Spielertypen wie Dodi Lukebakio und Javairo Dilrosun – schnelle Dribbler, die auf ihre Technik und ihren Spielwitz angewiesen sind. Beide Flügelspieler waren am Samstag nicht gut aufgelegt, spielerisch wollte ihnen nicht viel gelingen. Doch anstatt abzutauchen, bissen sich die beiden Offensivspieler in die Partie.

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Hertha-Fans machten große Augen, als sie die von Trainer Jürgen Klinsmann ins Rennen geschickte Aufstellung sahen. Nicht nur, dass er mit Davie Selke und Vedad Ibisevic zwei klare Sturmspitzen aufstellte, mit Dilrosun und Lukebakio gesellten sich darüber hinaus noch zwei sehr offensive Flügelspieler hinzu. Das damit versprochene Offensivspektakel wurde es leider nicht, auch weil Herthas Flügelachse nie so wirklich ins Spiel fand. Während Dilrosun zumindest noch mit ein paar sehr dynamischen Läufen über die linke Seite überzeugte, die aber auch nichts einbrachten, war Lukebakio kaum zu sehen. Zusammen kamen die beiden Außenbahnspielern auf gerade einmal 61 Ballkontakte, also weniger als Vladimir Darida (66) und Karim Rekik (62).

Zwei Schüsse (einer ungefährlich aufs Tor, einer vorbei) und keine Torschussvorlage seitens Dilrosun, zwei Schüsse (einer ohne Gefahr, einer vorbei) und ebenfalls kein Vorlage seitens Lukebakio – nein, es war nicht ihr Tag. Und doch hatten beide einen Wert für ihre Mannschaft, da sie im Spiel gegen den Ball auffällig engagiert und intelligent auftraten. Dilrosun, wie auch Lukebakio nicht für seine ausgezeichnete Defensivarbeit bekannt, gewann die Mehrzahl seiner Zweikämpfe, tackelte dreimal erfolgreich (nur Darida war besser) und fing einen Ball ab. Auch Lukebakio half seinem Hintermann Lukas Klünter tatkräftig, indem er sechs Bälle sicherte, starke drei Bälle abfing und immer wieder die intensiven Läufe wie Sprints von Gegenspieler Christian Günter mitmachte. So gelang es Hertha, das Freiburger Flügelspiel, welches immens wichtig für deren Torproduktion ist, oftmals einzudämmen. So war es zwar offensiv eine nahezu wirkungslose Vorstellung von Dilrosun und Lukebakio, doch sollte ihre wichtige Defensivarbeit nicht vergessen werden. Ein weiterer Beleg dafür, welch verbesserte Mentalität Klinsmann und sein Trainerteam der Mannschaft eingeimpft haben.

Rune Jarstein – Noch etwas wackelig

Nachdem Herthas Nummer eins seine Rotsperre abgesessen hat, durfte Jarstein gegen den SC Freiburg zurück zwischen die Pfosten. Bei seiner Rückkehr nach zwei Partien sah der Norweger allerdings nicht immer glücklich aus und braucht anscheinend noch ein wenig Zeit, um wieder bei 100% anzukommen.

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Sicherlich war es auch kein dankbares Spiel für einen Torhüter: kalt-nasses Wetter und ein Gegner, der einen nicht allzu oft prüft (in der Partie kamen nur zwei Freiburger Schüsse direkt aufs Tor) und vor allem mit Standards operiert, bei denen man als Keeper ja oftmals gar nicht mehr eingreifen kann. Und dennoch sah Jarstein in einigen Szenen etwas unglücklich aus. So war vor allem sein Spielaufbau sehr fehlerhaft, immer wieder missglückten ihm die Abschläge, sodass diese beim Gegner oder in der eigenen Hälfte landeten. So brachte der 35-Jährige seine Mannschaft immer mal wieder in Bedrängnis und zwang z.B. Darida in der 12. Minute zu einem Foul.

In der 59. Minute hatte sich Jarstein bei einem Eckball verschätzt und gerade noch die Fingerspitzen an die Hereingabe bekommen, um damit schlimmeres zu verhindern. Ansonsten sah der Schlussmann bei den gegnerischen hohen Bällen souverän aus, fischte insgesamt drei Breisgauer Flanken aus der Luft. Durch Paraden konnte sich Jarstein mangels Freiburger Torschüssen nicht auszeichnen. So war es ein etwas wackeliger Auftritt des Keepers.

Hertha und seine Torhüter: Vergangenheit, Torwart und Zukunft

Hertha und seine Torhüter: Vergangenheit, Torwart und Zukunft

Das letzte Drittel der Bundesliga-Saison 18/19 ist längst angebrochen, es wird um die Meisterschaft, Europa und den Nicht-Abstieg gespielt. Doch neben dem Rennen um begehrte Tabellenplätze setzen sich die Geschäftsstellen der 18 Vereine aktuell auch mit längerfristigen Zukunftsentscheidungen auseinander. Erste Vorkehrungen bezüglich des Spielerkaders werden getroffen, sodass zwecks einer produktiven Sommervorbereitung möglichst frühzeitig das Aufgebot für die kommende Spielzeit feststeht. Bei Hertha BSC ist es nicht anders, zahlreiche Vertragsgespräche laufen und vor allem auf der Torhüter-Position bedarf es einer weitsichtigen Planung. In diesem Artikel sollen die sieben realistischen Torhüter für Herthas Profi-Team und deren Verbleibschancen bzw. weiterer Weg beleuchtet werden.

Herthas Torhüterteam ist im Bundesliga-Vergleich ein Sonderling – das zeigt allein das aktuelle Mannschaftsfoto der Berliner, auf dem ganze fünf Keeper nebeneinander sitzen: Rune Jarstein, Thomas Kraft, Jonathan Klinsmann, Marius Gersbeck und Dennis Smarsch. Jeder von ihnen gehört zum Profi-Team des Hauptstadtvereins, allerdings mit verschiedensten Ausgangslagen und Ambitionen. Zahlreichen Medienberichten zufolge steckt Herthas Geschäftsführer Sport Michael Preetz mitten in Gesprächen, welche die Zukunft einiger der genannten Namen klären soll. Es folgt eine Übersicht und Einordnung der aktuellen Berichterstattung, sodass am Ende des Artikels ersichtlich wird, wie die Nahrungskette der Berliner Keeper in der kommenden Spielzeit oder den nächsten Jahren aussehen könnte.

Die etablierten Routiniers

Neben den vielen aufstrebenden Torhüter-Talenten in Herthas Reihen gibt es mit Rune Jarstein und Thomas Kraft auch zwei erfahrene Recken, die Vergangenheit und Gegenwart des Berliner Tores widerspiegeln. Jahrelang konnte an ihrem Status nicht gerüttelt werden, doch der Zahn der Zeit nagt auch auch an gefühlt Ewigen zwischen den Pfosten.

Rune Jarstein – Der Unüberwindliche bis 2021

Zugegeben, um Rune Jarstein ist es momentan sehr ruhig. Aufgrund seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung im April letzten Jahres bis 2021 lassen sich keine Medienberichte zu seiner Zukunft finden – die ist soweit geklärt. Der Norweger hat allerdings den begehrten Platz an der Sonne, also bei Pflichtspielen der Profi-Mannschaft zwischen den Pfosten und ist somit stets in die Torwartfragen bei Hertha eingebunden.

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Seit 2015 hat Jarstein den Status als Stammkeeper der “alten Dame” inne, nachdem er den verletzungsbedingt lange ausfallenden Thomas Kraft als dessen Nachfolger ablöste. Verdrängen ließ sich der 34-Jährige nicht mehr, 132 Pflichtspiele absolvierte er seitdem und den absoluten Großteil dieser in herausragender Manier. Jarstein entwickelte sich trotz des bereits vorangeschrittenen Fußballeralters merklich weiter und dadurch zu einem der beständigsten Torhüter der Bundesliga.

Auch für den starken Berliner Start in die laufende Saison war Jarstein immens wichtig, sicherte durch überragende Leistungen viele Punkte (seine ersten vier Spieltagsnoten in unserer Einzelkritik: 1, 1, 1-, 2). Dieses Top-Niveau konnte Norwegens Nummer eins zwar nicht gänzlich halten, dennoch spielte er eine wirklich starke Hinrunde. Die aktuelle Rückrunde Jarsteins ist allerdings die vielleicht schwächste Halbserie seiner Hertha-Zeit. Sowohl im DFB-Pokal als auch im Liga-Rückspiel gegen den FC Bayern München gingen die Niederlagen zu keinem unwesentlichen Anteil auf sein Konto, da er sich zweimal beim Herauslaufen verschätzt hatte und so zu entscheidenden Gegentreffern hinleitete. 2019 konnte Herthas Schlussmann seinem Team in noch keiner Partie Punkte retten, vielmehr wirkt er in seiner Stafraumbeherrschung verunsichert.

Überbewerten sollte man seine letzten Leistungen jedoch nicht, denn Jarstein brilliert aktuell zwar kaum, von “schlechten” Vorstellungen kann (ausgenommen die beiden Spiele gegen Bayern) allerdings auch keine Rede sein. Auch in seinem Alter sind gewisse Durststrecken legitim, sodass nicht sofort von einem altersbedingten Leistungsabsturz ausgegangen werden kann. Jarstein genießt weiterhin vollstes Vertrauen und das wird voraussichtlich bis zu seinem Vertragsende 2021 auch so bleiben. “Ich bin hier zur richtigen Zeit am richtigen Ort und will mein Niveau halten, bis ich 40 bin”, sagte der 34-Jährige dem kicker vor genau einem Jahr. Ob er so lange in Berlin bleiben wird, ist aufgrund der nachrückenden Torhütergeneration in Berlin fraglich, doch gute zweieinhalb Jahre sind Jarstein noch zuzutrauen. Es gibt also keinen Grund, bereits an seinem Status als Herthas Nummer eins zu zweifeln.

Thomas Kraft – noch ein letztes Jahr in Berlin

Ebenso wenig Zweifel lässt die Rolle von Thomas Kraft zu, der seit der Wachablösung Jarsteins die klare Nummer zwei der Blau-Weißen ist. Diese Rangordnung wird dem so ehrgeizigen Kraft nicht immer geschmeckt haben, doch mit der Zeit gewöhnte sich der 30-Jährige an sie und wurde zu einem äußerst verlässlichen und dadurch wichtigen Zahnrad im Herthaner Getriebe.

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Es sind nur diese ein bis zwei Spiele pro Saison, in denen ein Ersatztorhüter sich beweisen darf. Dann gilt es, auf den Punkt 100 Prozent Leistung zu zeigen, fehlender Rhythmus darf kein Argument sein. Für Kraft waren es in dieser Saison bislang zweieinhalb Halbzeiten in der Liga und ein Einsatz in der ersten DFB-Pokalrunde. Zweimal spielte der ehemalige Münchener dabei zu Null, gegen Werder Bremen (1:3) kassierte er nach seiner Einwechslung nur einen der drei Gegentreffer. Besonders in der Begegnung mit seinem Ex-Verein, dem deutschen Rekordmeister, machte Kraft nach längerer Zeit wieder auf sich aufmerksam, indem er seinen Kasten trotz größerer Bemühungen der Münchener sauber hielt. Seit Jahren beweist Kraft, dass auf ihn Verlass ist und sich wohl jeder Bundesligist eine Nummer zwei wie ihn wünscht.

Tatsächlich wünschen sich ein paar Vereine wohl sogar mehr als das. Wie der kicker berichtet, zeigen die beiden vom Abstieg bedrohten Vereine aus Hannover und Nürnberg Interesse an Herthas Ersatztorwart. Sowohl Hannover 96 als auch der “Club” sollen Kraft im Falle eines Abstiegs gerne als neuen Stammtorhüter verpflichten wollen. Trotz dieser Angebote und einer damit einhergehenden Beförderung zur Nummer eins wird der 30-Jährige aber wohl ein weiteres Jahr in Berlin bleiben. Hertha soll ihm eine einjährige Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrages angeboten haben, welches er dem Bericht nach annehmen wird. 2020 wird Krafts Sohn eingeschult, weshalb der Keeper erst in einem Jahr über seinen neuen Lebensmittelpunkt und eine langfristige Vertragsbindung entscheiden möchte.

In Berlin wird man ein weiteres Jahr mit Kraft auf der Bank gut annehmen können. Der 30-Jährige wird neben seinem sportlichen Wert vor allem für seine Führungsrolle innerhalb der Mannschaft geschätzt. Kraft lebt Professionalität vor, nimmt jede Trainingseinheit ernst und ist somit ein Vorbild für die vielen jungen Spieler bei Hertha. Der Abschied von Fabian Lustenberger im Sommer ist bereits offiziell, weitere Abgänge von erfahrenen Säulen der Mannschaft (Ibisevic, Darida, Pekarik) ist nicht ausgeschlossen, sodass ein Verbleib Krafts gegen ein Vakuum an Führungsqualität helfen könnte.

Ihnen gehört die Zukunft

Hinter den zwei etablierten Routiniers Jarstein und Kraft scharrt ein ganzes Quintett an aufstrebenden Torhüter-Talenten mit seinen Hufen. Ein größere Rolle in den Planungen Hertha dürften allerdings nur folgende drei Namen spielen.

Nils Körber – Der König der Dritten Liga

Hertha wird immer mutiger, was das Ausleihen seiner Spieler angeht. Im Winter wurden mit Sidney Friede, Alexander Esswein, Muhammed Kiprit und Maximilian Pronichev gleich vier Berliner Kicker für ein halbes Jahr abgegeben. Die Tür für diese neue Transferpolitik wird Nils Körber aufgrund seines derzeitigen Erfolgs mit geöffnet haben.

Der 22-Jährige wurde im zurückliegenden Sommer zum VfL Osnabrück verliehen. Versuch Nummer zwei, denn zuvor war das Berliner Eigengewächs bereits für ein Gastspiel bei Preußen Münster, fand dort nach einer Verletzung aber keinen Anschluss mehr, sodass die Leihe als wenig erfolgreich gewertet wurde. In Osnabrück sollte es gänzlich anders laufen, denn Körber wurde auf Anhieb Stammkeeper der Niedersachsen und einer Hauptfaktoren für deren derzeitigen Höhenflug.

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Der VfL belegt mit 61 Punkten nach 30 Spielen den ersten Tabellenplatz der dritten Liga, der erste Zweitligaufstieg seit 2010 ist zum Greifen nahe. Osnabrück dominiert die Liga regelrecht, stand an 22 von 30 Spieltagen an der Tabellenspitze und stellt mit gerade einmal 21 Gegentoren die ligaweit beste Defensive. Maßgeblichen Anteil daran hat Leihgabe Körber, der eine atemberaubende Saison spielt. Der kicker bemisst seine Durchschnittsnote mit 2,46 – niemand in der Liga schneidet bislang besser ab. In 29 Einsätzen hat Körber 14 Mal, also statistisch in jedem zweiten Spiel, zu Null gespielt, weshalb er auch immer öfter auf dem Radar des DFB auftaucht und für die U21-Nationalmannschaft nominiert wurde. Es ist also legitim zu sagen, dass Körber seine Leihe vollends ausnutzt und sich im Profibereich etabliert. Er gehört zu den absoluten Leistungsträgern seines Vereins, wird von den Osnabrücker Fans sehr geschätzt und wirkt mit seinen erst 22 Jahren schon äußerst reif.

Diese Entwicklung bleibt nicht unbemerkt, denn laut dem kicker hat Körber das Interesse eines deutschen Zweitligisten und dem niederländischen Erstligisten VVV-Venlo geweckt. Hertha soll gewillt sein, seinen 2020 auslaufenden Vertrag zu verlängern und ihn dann erneut zu verleihen. Fraglich ist nur wohin und das hängt sicherlich mit der Endplatzierung Osnabrücks ab. Sollte der VfL aufsteigen, könnte Körber in einem bereits bekannten Umfeld eine Etage höher spielen und wichtige Erfahrungen sammeln. Die niederländische Eredevisie stellt allerdings auch eine spannende Option dar, denn gegen Ajax Amsterdam oder PSV Eindhoven zu spielen, wäre eine interessante Herausforderung. Es scheint zumindest festzustehen, dass Körber auch die kommende Saison außerhalb Berlins verbringen wird, um sich durch regelmäßige Einsatzzeiten weiterzuentwickeln. Stück für Stück wird das Eigengewächs darauf vorbereitet, eine ernsthafte Alternative für Herthas Bundesliga-Mannschaft zu werden.

Dennis Smarsch – ein weiteres Lehrjahr steht an

Mit seinen 1,95 und geschätzten 90 Kilo ist Dennis Smarsch mit seinen gerade einmal 20 Jahren bereits eine sehr imposante Erscheinung. Dabei unterschrieb das Eigengewächs erst im vergangenen Sommer seinen ersten Profi-Vertrag. “Dennis hat sich in den vergangenen Jahren stets entwickelt und in unseren Nachwuchsteams als großer Rückhalt überzeugt. Auch im Training der Profis zeigt er sein großes Talent, das wir ­weiter fördern wollen”, erklärte Michael Preetz damals.

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Vorschusslorbeeren konnte Smarsch in der vergangenen A-Bundesliga-Saison sammeln, als er mit seiner Mannschaft die deutsche Meisterschaft nach Berlin holte. Arne Maier, Muhammed Kiprit, Dennis Jastrzembski, Palko Dardai, Florian Baak, Julias Kade – die Liste an Spielern, die es aus diesem Team bis in die Bundesliga geschafft haben, ist lang und soll irgendwann durch Smarsch erweitert werden. Das Torhüter-Talent hat großen Anteil an der ersten A-Jugend-Meisterschaft Herthas, er überzeugte sowohl mit seinem Torwartspiel, als auch durch seine Führungsqualitäten. Bereits mit jungen Jahren strahlt Smarsch eine große Sicherheit aus, die sich auf seiner Vordermänner überträgt. Auch bei dem A-Jugend-Hallenturnier in Sindelfingen, welches Hertha ebenfalls gewinnen und konnte und bei dem Herthas BASE vor Ort war, war der gebürtige Berliner eine der prägenden Figuren. Trotz seiner Statur zeigte Smarsch auf dem Kleinfeld, über welch starke Reflexe er verfügt und so war er wohl der stärkste Keeper dieses Turniers.

All diese Leistungen blieben offensichtlich nicht unbeobachtet und so darf Smarsch in der laufenden Spielzeit erste Erfahrungen im Männerbereich sammeln. Das durchgängige Mittrainieren im Profi-Torwart-Aufgebot Herthas und die regelmäßigen U23-Einsätze in der Regionalliga (Smarsch darf in rund der Hälfte der Partien von Anfang an spielen) gewöhnen den 20-Jährigen an den Männerbereich, dazu kommen zwei Nominierungen für die Bundesliga-Mannschaft. Es gibt keinerlei Medienberichte, die nahelegen, dass Hertha plant, Smarsch in der kommenden Saison zu verleihen und wie der weitere Verlauf dieses Artikels aufzeigen wird, scheint der Keeper in der kommenden Spielzeit die feste Berliner Nummer drei und in der U23 der Stammtorhüter zu werden – kleine aber bedächtige Schritte für den Hünen.

Luis Klatte – Profi-Vertrag in Aussicht?

Herthas Kader verfügt aktuell über sechs Torhüter mit Profi-Verträgen, drei davon wurden in der eigenen Jugendakademie ausgebildet. Auch hier zeigt sich, über welches Talent der Hauptstadtverein in seinen eigenen Reihen verfügt und wie gezielt er eben jenes weiterentwickelt und zu Bundesliga-Material formt. Der nächste Name, der in diese Riege stoßen könnte, ist Luis Klatte.

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Vielen vielleicht noch kein Begriff, konnte der 19-Jährige, der seit 2012 für Hertha spielt, in den letzten Wochen im Rahmen der UEFA Youth League auf sich aufmerksam machen. Besonders bei der 0:3-Niederlage im Rückspiel gegen Titelverteidiger Barcelona zeigte der gebürtige Berliner eine grandiose Leistung, für die er anschließend Lob von Michael Preetz erhielt. In der laufenden Saison hat Klatte den zur U23 beförderten Smarsch als Stammtorhüter der Herthaner A-Jugend-Mannschaft beerbt, nachdem er in vergangenen Spielzeit noch als Ersatzkeeper acht Liga-Spiele bestritt. Nun führt kein Weg mehr an Klatte vorbei, der mittlerweile sogar internationale Erfahrung sammeln durfte.

Es ist aufgrund der guten Leistungen des U-Nationalspielers davon auszugehen, dass Hertha ihm für die kommende Saison einen Profi-Vertrag und die Rolle der Nummer zwei mit ersten Einsätzen in der U23 anbieten wird. Ob das Eigengewächs diesen Weg einschlagen wird oder qua der internen Konkurrenz keine attraktive Perspektive bei Hertha sieht, bleibt abzuwarten. Dass die “alte Dame” ihn aber gerne halten und somit den wahrscheinlichen Abgang von zwei Keepern auffangen will, scheint wohl sicher.

Zwei wohl sichere Abgänge

Die Länge dieses Artikels macht bereits das Dilemma offensichtlich, dass Hertha über wohl zu viele Torhüter verfügt und sich im kommenden Sommer auf dieser Position verändern muss. Zwei leidtragende werden Jonathan Klinsmann und Marius Gersbeck sein.

Jonathan Klinsmann – eine gute Ausbildung, aber keine Übernahme

“Er ist bei Hertha in die Lehre gegangen und hat in den letzten 20 Monaten sein Handwerk gelernt. Jetzt steht er vorm Gesellenbrief”, resümierte Jonathans Vater Jürgen Klinsmann die zwei Jahre seines Sohnes in Berlin. Und auch wenn Hertha ein Ausbildungsbetrieb ist, der nach Möglichkeit all seine Lehrlinge übernehmen wollen würde, stehen die Zeichen bei dem 21-Jährigen auf Abschied.

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2017 wechselte Klinsmann von der UC Berkeley an die Spree, erstmals weit weg von zu Hause und der Familie. Nicht überraschend brauchte der Torhüter mit berühmten Nachnamen einige Monate der Eingewöhnungszeit, in denen er sich an die Ansprüche einer deutschen Profi-Mannschaften und die Stadt Berlin anpassen musste. In dieser Zeit rief der US-Nachwuchsnationalspieler nur unregelmäßig sein volles Potenzial ab, was ihm vor einem Jahr größere Kritik seitens Torwarttrainer Zsolz Petry einbrachte. Es waren harte Worte, die der Ungar damals gewählt hatte und auch die Art der öffentlichen Kritik war diskutabel, doch letztlich sollte Petrys Ansage etwas in Klinsmann ausgelöst haben. Der 21-Jährige tritt seitdem deutlich selbstbewusster auf, zeigt mehr Willen, sich im harten Profi-Geschäft durchsetzen zu wollen. “Zsolt Petry hat einen gigantischen Job gemacht. Ich muss auch Jonathan ein riesen Kompliment machen. Er ist hier zum Mann geworden, hat Deutsch gelernt und fährt durch die Stadt, als sei er hier aufgewachsen”, lobte Vater Jürgen die Entwicklung seines Sohnes in der Berliner Zeitung.

Durchsetzen wird sich Jonathan Klinsmann bei Hertha dennoch nicht. Wie der kicker berichtet, planen die Vereinsverantwortlichen nicht über den Sommer hinaus mit ihm, denn die Rolle der Nummer zwei ist vergeben und eine Leihe steht nicht im Raum. “Jetzt liegt es am Klub, zu sagen: Wir ziehen ihn hoch als Nummer zwei – oder er geht auf Wanderschaft”, blickte Vater Jürgen voraus. Da Kraft Medienberichten zufolge ein weiteres Jahr bleiben wird, wird Klinsmann wohl die Wanderschuhe auspacken müssen – das Experiment zwischen ihm und Hertha scheint im Sommer zu enden und so bleibt es bei einem Profi-Einsatz für die Blau-Weißen in der Europa League gegen Östersund (1:1), in dem er einen Elfmeter halten konnte. “Das Spiel war eine Erleuchtung für ihn. Er hat gemerkt, dass er mithalten kann.” In drei Monaten wird Klinsmann mit dem Gesellenbrief in der Hand Berlin verlassen. Wo er seine Meisterprüfung absolvieren wird, ist unklar, doch laut Papa Jürgen wird Jonathan in Europa bleiben.

Marius Gersbeck – eine Verletzung bremste den Publikumsliebling aus

Auf unterschiedlichstem Wege sind Jonathan Klinsmann und Marius Gersbeck zu Hertha BSC gekommen, doch eine Bilanz werden sich die beiden Keeper im Sommer wohl teilen: nach nur einem Einsatz für die Berliner Profi-Mannschaft folgt der Abschied.

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Dabei schien der Weg von Gersbeck schon vorprogrammiert: ein überraschendes Highlight-Spiel gegen Borussia Dortmund (2:1) im Jahr 2013, das ihn als gebürtigen Berliner und originalen Ostkurvengänger bei den blau-weißen Fans gefühlt schon unsterblich machte, daraufhin zwei Leihen, die ihn auf die Bundesliga vorbereiten sollten und dann der offene Kampf um die Nummer eins – es sollte anders kommen. Nachdem sich das Eigengewächs durch seine starke Leistung als Bundesliga-Debütant gegen den BVB als Nachwuchshoffnung etabliert hatte, lieh ihn Hertha zweimal in die dritte Liga aus – zunächst nach Chemnitz (nur fünf Einsätze), dann für zwei Jahre zum VfL Osnabrück, bei dem er durch 74 Pflichtspiele an Erfahrung dazugewonnen hatte. Der nächste Schritt sollte eine Leihe zu einem deutschen Zweitligisten oder in eine mittelstarke europäische Liga sein, doch Gersbeck riss sich im April 2018 das Kreuzband und sollte für elf Monate ausfallen. Am vergangenen Donnerstag gab der 23-Jährige im Testspiel gegen Holstein Kiel (1:3) sein Comeback und überzeugte auf Anhieb mit starken Szenen. “Es macht wieder Spaß. Das ist das, worauf ich hingearbeitet habe”, sagte er nach dem Spiel.

Nun hofft Gersbeck auf ein paar Einsätze bei Herthas U23, um wieder Matchpraxis zu sammeln und in den Rhythmus zu kommen. Sein Vertrag wurde im Juni vergangenen Jahres bis 2020 verlängert, da die Verantwortlichen ihn nach seiner schweren Verletzung nicht fallen lassen wollten. Trotz seines noch laufenden Kontrakts werden sich die Wege im Sommer nach 15 gemeinsamen Jahren wohl trennen. Gersbeck wird im Sommer 24 Jahre alt, somit nicht mehr als Talent gelten und auf allen relevanten Positionen in Herthas Torwart-Hierarchie haben sich andere Namen etabliert. Laut dem kicker ist sein Abgang bereits sicher.

Fazit – Herthas Plan bis 2021 und darüber hinaus

Schenkt man den Informationen des kicker Glauben und schätzt den Rest persönlich ein, so ergibt sich bei Hertha für die kommende Saison und folgenden Jahre eine recht klare Struktur auf der Torhüter-Position.

Grundlage für Herthas Zukunftsplan für seine Keeper ist, dass Rune Jarstein bis zu seinem Vertragsende im Sommer 2021 der Stammtorhüter bleiben wird. Der Norweger wird dann 37 Jahre alt und bis dahin noch zwei Saisons für Hertha zwischen den Pfosten gestanden haben. Was folgt, wäre eine sehr saubere Trennung nach siebeneinhalb Jahren und wohl über 200 Pflichteinsätzen für die “alte Dame”.

Ebenso geklärt scheint die Zukunft von Thomas Kraft, der noch ein weiteres Jahr Herthas Nummer zwei sein wird und dann das Feld für einen jüngeren Keeper räumt, der Jarstein in seinem letzten Jahr für Hertha herausfordern soll. Um diese Rolle werden voraussichtlich Nils Körber und Dennis Smarsch konkurrieren, die noch zwei Jahre Zeit haben, sich ohne Druck weiterzuentwickeln. Ziel scheint zu sein, Jarstein in der Saison 2020/21 ein aufstrebendes Eigengewächs an die Seite zu stellen, dass Ansprüche auf die Stammelf hat und als Nummer zwei dazulernen kann. Wie offen der Kampf um die Nummer eins sein wird, lässt sich heute noch nicht abschätzen.

Für die kommende Saison gilt: Nummer eins – Rune Jarstein, Nummer zwei – Thomas Kraft, Nummer drei und U23-Stammtorhüter – Dennis Smarsch, Nummer vier und damit U23-Ersatztorhüter – Luis Klatte, Leihspieler in einer höheren Liga – Nils Körber, Abgänge – Jonathan Klinsmann und Marius Gersbeck.