Herthaner im Fokus: Korkut provozierte seinen Rauswurf

Herthaner im Fokus: Korkut provozierte seinen Rauswurf

Tayfun Korkut ist nicht mehr. Die Rausschmiss hat sich bereits länger angedeutet, der finale Todesstoß war jedoch der apathische Auftritt Herthas bei Borussia Mönchengladbach. 0:2 verlieren die Berliner und man wird das Gefühl nicht los, dass es mit Ansage passiert ist. Wir blicken auf das Spiel, einzelne Akteure und den am Sonntag entlassenen Trainer.

Korkut wählte mit der Mauertaktik sein eigenes Ende

Ein Krisenduell, was in den Gazetten zuvor bereits als Schicksalsspiel für die jeweiligen Trainer betitelt wurde – und die Qualität des Spiels zeigte, das nicht gelogen wurde und es sich genau darum handelte. Borussia Mönchengladbach empfing unsere Hertha. Zwei der größten Schießbuden der Liga, die in den letzten Wochen viele Niederlagen und noch mehr Gegentore kassierten.

Während der eine Trainer, Adi Hütter, Corona-bedingt kaum in sein Schicksal eingreifen und nicht an der Seitenlinie stehen konnte, begann der andere, Tayfun Korkut, das Spiel mit einer stark umgebauten Mannschaft und rief mit dem 5-3-2 eigentlich nur eine einzige Devise aus: Eine stabile Defensive, alles andere sollte erstmal anscheinend egal sein. Im Tor stand wie zuletzt wieder das Talent Marcel Lotka, was überraschend war, da sich der Stammtorhüter Alexander Schwolow nach seiner Corona-Infektion wieder ins Mannschaftstraining begeben konnte.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Die Fünferkette bot ebenfalls die ein oder andere Überraschung. Kapitän Dedryck Boyata wurde für seine grausame Leistung gegen Frankfurt lediglich mit einem Platz auf der Bank bedacht, Marc Oliver Kempf, Niklas Stark und Linus Gechter bildeten die Innenverteidigung. Peter Pekarik war als rechter Schienenspieler eingeplant, auf der linken Seite Marvin Plattenhardt. Auch hier kann man nur munkeln, weshalb er den Vorzug vor dem wohl besten Herthaner der letzten Monate, Maximilian Mittelstädt, bekam. Das Mittelfeld, bestehend aus Vladimir Darida, Santi Ascacibar und Lucas Tousart sollte einzig und allein zu defensiven Stabilität dienen, großartige Beiträge in der Offensive konnten sie auch nicht bieten. In der Spitze stellte Tayfun Korkut mit Davie Selke und Ishak Belfodil zwei Stürmer, die regelrecht vom Rest der Mannschaft isoliert waren, auf.

Auf dem Papier steht letztendlich nach der 0:2-Niederlage in Mönchengladbach die 7. Niederlage im 9. Spiel der Rückrunde. Wir schauen heute auf den verpufften Systemwechsel, fragen uns nach welchem Prinzip die Spieler für den Kader ausgewählt werden und wer dringend endlich spielen muss und das auch auf der richtigen Position, um endlich dem Team entscheidend im Abstiegskampf helfen zu können.

Marvin Plattenhardt und Peter Pekarik: Völlig verloren auf ihren Posten

Es ist keine Neuigkeit, dass Peter Pekariks und Marvin Plattenhardts Qualitäten in der Offensive stark begrenzt sind. Auch ein Tayfun Korkut sollte das wissen. Wenn es ihm bewusst war, dann stellt sich die Frage, weshalb die beiden als Schienenspieler im 5-3-2- respektive 3-5-2-System fungieren sollten. Möglicherweise war deren beider einzige Aufgabe lediglich in der Defensive auszuhelfen. Aber auch dabei sahen sie gegen das Tempo von Marcus Thuram und Allassane Plea ziemlich alt aus.

Bisher waren Maximilian Mittelstädt und Fredrik-André Bjørkan zumindest in dieser Funktion die bessere Wahl. Bjørkan stand das zweite Spiel in Folge nicht einmal im Kader. Mittelstädt, der sich in jedem Spiel aufreibt, der aktivste und beste Herthaner der letzten Woche und Monate war und mittlerweile ein Führungsspieler des Teams ist, musste 90 Minuten auf der Bank sitzen. Weshalb ist bisher ungeklärt.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Und dabei hat Marvin Plattenhardt sogar relativ okay gespielt. Zumindest wenn man ihn mit dem Durchschnitt des Teams vergleicht. 83 Prozent seiner Pässe sind angekommen, nur vier verfehlten sein Ziel. Zwei seiner drei Zweikämpfe gewann er und seine Eckstöße hatten eine bessere Qualität als zuletzt. Nur leider war es das im Endeffekt schon. 16 Ballverluste sind einfach zu viel gegen eine Offensive, wie die Gladbacher haben. Er biss sich an seinen Flankenversuchen die Zähne aus, sobald er auch nur etwas bedrängt wurde. Sein fehlendes Tempo machte es ihn kaum möglich für Ertrag zu sorgen.

Peter Pekarik kann einen leidtun. Mittlerweile wirkt es so, als würde er entweder an seinen Gegenspielern zerschellen oder beim kleinsten Tempounterschied kaum noch Chancen haben eine bundesligataugliche Performance zu zeigen. Er hatte 37 Aktionen, zwölf seiner 17 Pässe kamen an, aber auch er hatte elf Ballverluste und seine gefährlichste Aktion und damit einziger zu erwähnender offensiver Beitrag stammt aus der 56. Minute, als seine Flanke verunglückte und Sommer kurz eingreifen musste. Nach einer Stunde wurde er für den Jungspund Anton Kade ausgewechselt. Weshalb dieser der erste Auswechselspieler war, ist eine weitere Frage, die sich beim Blick auf die Reservebank ebenfalls stellt.

Marc Oliver Kempf: Irgendwo zwischen Übermut und Übermotivation

Es war im Winter ein eigentlich sinnvoller Transfer. Ein gestandener Verteidiger mit Bundesliga-Erfahrung. Doch mittlerweile muss man konstatieren, dass er eher für Unglück als Stabilität sorgt. Wenn er gerade nicht gesperrt, verletzt oder erkrankt fehlt, dann ist er leider viel zu häufig an Gegentreffern, Elfmetern oder völlig verkorksten Situationen beteiligt. Auch wenn sein Mut hilfreich sein kann, ist er aktuell eher Risiko, als Mehrwert für das Team.

Seine beste Aktion leistete Kempf tatsächlich in der Offensive, nachdem er in der 54. Minuten nach einer Ecke von Marvin Plattenhardt zum Kopfball kam und damit Keeper Yann Sommer zu einer Parade zwang. Es war die beste Phase der Herthaner und die einzigen wenigen Minuten, in denen ein Tor möglich gewesen wäre. Stattdessen kassierte Hertha nur wenige Minuten später das zweite Gegentor.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

In der Verteidigung hatte Kempf wieder einige Probleme. 15 Ballverluste, 13 Fehlpässe und nur drei von sieben siegreiche Zweikämpfe sind Zahlen, die in einer Dreier-Innenverteidigung eigentlich nicht zu rechtfertigen sind. Wie kann es sein, dass man sich sobald Kempf am Ball ist, Sorgen machen muss, um das was in wenigen Sekunden geschehen könnte? Wieder leistete er sich haarsträubende Fehler im Aufbauspiel und lud die Gegner praktisch zu Angriffen ein.

Sein schwaches Einsteigen gegen Marcus Thuram im Strafraum in der 23. Minute war für ihn und Hertha einfach bezeichnend. Auch wenn der Franzose die Einladung zum Foul dankend annahm, passt es perfekt ins Bild, was die Berliner Verteidigung zeichnet. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit hatte er bei der nächsten Aktion gegen Thuram sogar Glück, dass der Schiri weiterspielen ließ.

Ishak Belfodil und Davie Selke: Bemüht, aber kaum eingebunden

Es tat weh, den beiden zuzuschauen. Einsatz und Leidenschaft war ihnen nicht abzusprechen, keine Frage, aber die Chancen, die sie sich mit endlos viel Mühe erarbeiteten mussten, waren erst einmal rar gesät und qualitativ einfach nicht brauchbar. Und das liegt nicht einmal an ihrer Qualität, sondern daran, dass aufgrund der Ultra-Defensive kaum ein Angriff überhaupt erst aufgebaut werden konnte. Davie Selke tat sich wie immer schwer, sobald er länger mit dem Ball umgehen musste. 

Möglicherweise wäre die Selke-Belfodil-Aktion in der 45. Minute eine durchaus sehenswerte geworden, wenn nicht – und das gehört zum Pech im Abstiegskampf wohl leider dazu – Schiri Badstübner den Ball abgekriegt hätte. Gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit mühte sich Selke in Kombination mit Suat Serdar, doch in der 47. Minute wurde sein Versuch schnell geblockt. Ansonsten spulte er für einen Stürmer mit über neun Kilometern in 75 Minuten Spielzeit eine durchaus respektable Strecke ab. 38 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er. Zu wenig gegen eine Mönchengladbacher Verteidigung, die sicherlich nicht in Bestform ist.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Ishak Belfodil, der spielerisch bekanntlich mehr drauf hat, als Davie Selke, versuchte sich wie so oft den Ball aus der Tiefe und aus Positionen zu holen, die eigentlich alles andere als sein Territorium darstellen. Sein Distanzschuss aus der 75. Minute war allerdings das einzige ernstzunehmende Ausrufezeichen des Algeriers und es glich fast schon einem Verzweiflungsschuss. Auch er kam kaum durch die Verteidigung, war nicht so stark wie sonst im Eins gegen Eins und war viel zu viel damit beschäftigt Bälle zu bekommen, als zu spielen und zu tragen. Am Ende hatte er 35 Aktionen, spielte 23 Pässe, von denen 16 bei seinen Mitspielern ankamen. Aber bei diesem System sind die Stürmer im Endeffekt einfach die bemitleidenswertesten.

Jurgen Ekkelenkamp, Suat Serdar und Marco Richter: Bitte lasst sie spielen!

Das Spiel des Trios bietet Hoffnung, alle drei gaben Schüsse ab, sorgten zumindest für etwas Gefahr. Kaum war Jurgen Ekkelenkamp am Ball, traf er die Latte, wie bei seinem abgefälschten Schuss in der 77. Minute.

Suat Serdar, der zur Halbzeit für den schwachen Santi Ascacibar kam, zügelte merklich das Offensivspiel an. Im Endeffekt mit keinem Ertrag, aber er deutete häufig an, warum er eigentlich so wichtig für die Mannschaft ist.

Marco Richter, der eines der größten Korkut-Opfer ist, bemühte sich, war im Endeffekt aber glücklos im Abschluss.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Alle drei Spieler zeigen wie wichtig und eigentlich unverzichtbar sie für das Spiel der Hertha sind. Der Kader bietet dieses Jahr nicht viel, weshalb die Qualitäten dringend vollends ausgeschöpft werden müssen, um irgendwie Spiele zu gewinnen und die Klasse zu halten.

Tayfun Korkuts Tage sind gezählt und das Spiel war eine Provokation

Mittlerweile ist das Aus von Korkut beschlossene Sache – wenig verwunderlich.

Die Art und Weise, wie Korkut das Team für dieses Spiel eingestellt hatte, glich einer Provokation. Das Spiel des Gegners mit einer stabilen Defensive zu zerstören, konnte selbst Pal Dardai besser und unter ihm gab es zumindest etwas Ertrag. Es glich einem absoluten Nicht-Angriffspakt. Suat Serdar und Marco Richter schienen zum Ende hin noch einmal eine Abreibung vom Trainer bekommen zu haben. Ein neuer Trainer sollte das Team und die Spieler auf ihre Stärken einschwören. Etwas, was noch vor ein paar Monaten auch Korkut mit der Mannschaft vorhatte. Gelungen ist es ihm in gar keiner Form.

Egal wer es wird, es bleiben acht extrem schwierige Endspiele, um die Liga zu halten. Und Fredi Bobic muss sich und seine Entscheidungsfindung sehr stark hinterfragen.  

[Titelbild: TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images]

Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach: Drei legendäre Duelle

Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach: Drei legendäre Duelle

Wenn Hertha am Sonnabend im Topspiel bei Borussia Mönchengladbach zu Gast sein wird, steht vor allem für die Trainer Adi Hütter (der coronabedingt gar nicht vor Ort sein wird) und Tayfun Korkut viel auf dem Spiel. Schließlich gilt bei beiden intern als kommuniziert, dass sie im Falle einer Niederlage einer Entlassung nahe stehen. Nach zuletzt acht sieglosen Spielen in der Liga hat Korkut im Vorfeld noch weniger Argumente, die für ein Abwenden des eigenen Schicksals sprechen, als sein Gegenüber.

Dabei hat zumindest die Vergangenheit gezeigt: Gegen Gladbach ist Hertha in der Lage, Großes auf den Platz zu bringen. Wir blicken auf drei legendäre Duelle zwischen der Elf vom Niederrhein und der “Alten Dame“.

29. März 1969: Hertha 2:1 Mönchengladbach

Auf einem direkten Abstiegsplatz steht Hertha vor dem 28. Spieltag im März 1969 und mit Mönchengladbach kommt ein Meisterschafts-Anwärter zu Gast ins Olympiastadion.

Doch die müssen auf Günther Netzer verzichten und Hertha weiß es auszunutzen, dass das Mittelfeld der Gäste daher neu formiert ist. Nach 18 Minuten bringt Arno Steffenhagen die kampfstarken Berliner per linkem Außenrist in Führung. Und Gladbach findet gegen gut sortierte Gastgeber vor der Pause keine passende Antwort.

Erst in der 60. Minute lassen die Gladbacher ihre Klasse aufblitzen. Herbert Laumen steckt auf Berti Vogts durch und der trifft zum 1:1. Für Hertha kein allzu großer Rückschlag: Nur 60 Sekunden später köpft Hermann Bredenfeld einen Freistoß von Rudolf Kröner ein und trifft zum 2:1-Endstand.

“Es war kein hochklassiges Spiel”, weiß auch Hertha-Trainer Helmut Kronsbein, “aber ein großer Kampf. Unsere Abwehr trug durch genaues Decken entscheidend zum Erfolg bei.”

Ein entscheidender Sieg, Hertha lässt ein Unentschieden und drei Siege folgen und hält am Ende die Klasse.

02. Oktober 1998: Hertha 4:1 Gladbach

Jubiläum für Michael Preetz: Am 7. Spieltag der Saison 1998/99 absolviert der Angreifer sein 100. Bundesliga-Spiel. Hertha scheint ihm zum Hundertsten einen Sieg schenken zu wollen und tritt sehr dominant auf. Doch Gladbach hält dagegen. Die Führung von Sixten Veit (14.) egalisiert Toni Polster (23.) und hinten spielt Gladbachs Torhüter Robert Enke sehr aufmerksam, sodass es mit einem 1:1 in die Pause geht.

Die zweite Halbzeit sollte dann dem Jubilar gehören. Per Direktabnahme erzielt Preetz nach 58 Minuten das 2:1. Per Flachschuss ins lange Eck macht er in der 80. Minute dann alles klar. Seinen 100. Einsatz in der Bundesliga krönt Preetz dann in der 89., indem er eine Flanke von Dariusz Wosz verwertet. Lupenreiner Hattrick.

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Foto: Michael Cooper /Allsport

“Wir haben sehr konzentriert angefangen, gut kombiniert und sind auch zurecht in Führung gegangen. Nach dem Ausgleichstor haben wir Probleme bekommen, sind dann nach der Pause aber wieder besser ins Spiel gekommen. Entscheidend war, dass wir immer bemüht waren, über außen zu spielen”, so Trainer Jürgen Röber.


Und wie geht die Begegnung zwischen Mönchengladbach und Hertha am 26. Spieltag der Bundesliga-Saison 2021/22 aus? Unsere Drei Thesen zum Spiel könnt ihr hier lesen.


17. Dezember 1977: Hertha 2:1 Mönchengladbach

Ein Meisterschaftsrennen zwischen Rivalen — was für eine Ausgangslage vor dem 19. Spieltag der Saison 1977/78. Tabellenzweiter und amtierender Meister Gladbach steht nur zwei Punkte hinter dem amtierenden Pokalsieger 1. FC Köln.

Im Olympiastadion ist für Gladbach also der nächste Sieg im Rennen um den Titel eingeplant, doch Gastgeber Hertha spielt gut mit. Nach 13 Minuten trifft Karl-Heinz Granitza gar zur 1:0-Führung. Gladbach wird stärker, doch Torhüter Norbert Nigbur zeigt ein überragendes Spiel.

Erst in der 65. Minute treffen die Gladbacher ins Tor. Doch Jupp Heynckes´ Ausgleichstreffer kontert Hertha nur eine Minute später mit dem 2:1 durch Dieter Nüssing. Das Endergebnis vor 40.000 Zuschauern im Olympiastadion.

Fehlende Punkte, die Gladbach am Saisonende schmerzen sollten. Trotz Punktgleichheit wird Köln wegen des besseren Torverhältnisses (obowhl Gladbach am letzten Spieltag 12:0 gegen Dortmund gewinnt) Deutscher Meister.

[Titelbild: Stuart Franklin/Getty Images]

Drei Thesen zum Spiel: Hertha BSC vs Gladbach

Drei Thesen zum Spiel: Hertha BSC vs Gladbach

Reißt womöglich am Samstag der Geduldsfaden der leiderprobten Hertha-Fans? Fakt ist: Eine Niederlage dürfen sich die Berliner im „Topduell“ am Samstag nicht leisten. Doch was kann den Berliner Fans im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach Hoffnung geben? Unsere drei Thesen zum Spiel.

Kaum Fokus bei Hertha aufs Sportliche

Wann war die letzte Woche, in denen Hertha-Fans mal ein wenig Leid erspart blieb und sie nicht die Stirn runzeln mussten über das Handeln im Verein? Und damit sind noch nicht einmal die desolaten Ergebnisse und Spiele gemeint, welche das Team seit Monaten abliefern.

Viel mehr gab es in dieser Woche den vorzeitigen Abgang von Sportdirektor und Club-Legende Arne Friedrich zu verkraften. Sein Abschied zum Saisonende war schon länger klar – nun verlässt er noch früher das Schiff. Und auch Lars Windhorst fühlte sich genötigt, sich öffentlich über die Hertha zu äußern – beziehungsweise über die gedrehte Dokumentation über die Mannschaft, die nun doch nicht ausgestrahlt wird.

Hertha gleich in diesen Tagen mehr einem Boulevard- und Entertainment-Angebot, als einer professionellen Sportmannschaft. Nichtsdestotrotz soll es am Samstag in Mönchengladbach gegen die dortige Borussia wieder sportlich werden. Unsere drei Thesen dazu.

These 1: Ein Trainer, der untergeht

Sollte Hertha BSC auch dieses Spiel verlieren, fliegt Trainer Tayfun Korkut vom sowieso schon sinkenden Hertha-Schifff. Gegen Köln verlor man zum Rückrundenauftakt mit 1:3, gegen Bayern 1:4, auch gegen Abstiegskonkurrent Greuther Fürth ging man 2:1 unter. Es folgten noch schlimmere Niederlagen gegen Leipzig, Freiburg und Frankfurt.

Im DFB-Pokal schied man gegen den Stadtrivalen aus. Dem gegenüber stehen magere zwei Punkte in diesem Jahr: 0,75 Punkte pro Spiel weist Korkut bei Hertha BSC auf – ein grausamer Wert.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Schon jetzt kann Geschäftsführer Fredi Bobic kaum mehr Argumente besitzen, an Korkut festzuhalten. Zwar sahen die ersten Spiele unter Korkut vor allem im offensiven Bereich deutlich besser aus als unter Pal Dardai – Bobic und auch viele Fans hatten sich das gewünscht – doch fehlt der Wert dahinter, wenn die Punkte nicht eingebracht werden. Zumal inzwischen auch die guten Ansätze aus den ersten Spielen vollends weg sind – das Selbstbewusstsein der Mannschaft ist desaströs, die Abwehr noch instabiler geworden, als unter Dardai.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine Niederlage gegen Gladbach für Korkut das Aus als Hertha-Trainer bedeutet.

These 2: Hertha-Fans, die verbal ihren Frust äußern

„Oh, wie ist das schön!“, riefen die Hertha-Fans noch am vergangenen Spieltag, als die Mannschaft gegen Frankfurt mit 4:1 zurücklag. Das letzte Tor bekam die Mannschaft, als sie eine Minute zuvor selbst trafen. Der Galgenhumor der Hertha-Fans ist bewundernswert. Nachdem Abpfiff sollten dennoch Buh-Rufe folgen.

Und irgendwie ist es verwunderlich – teils eben auch bewundernswert – wie sehr die Hertha-Fans ihr Team Spieltag für Spieltag lange, lange Zeit anfeuern und ihr bestes geben, die Mannschaft zu pushen. Denn im Gegenzug gibt es von den Spielern Aktionen, die nicht einmal mehr Zweitligatauglich sind.

Vor allem hier ist die Abwehr zu nennen: Was allen voran Dedryck Boyata, Marc Oliver Kempf und Peter Pekarik für Fehler passieren, ist schlichtweg peinlich. Etliche Fehlpässe, grauenhafte Zweikämpfe und Unvermögen, einen soliden Spielaufbau aus der Abwehr heraus zu gestalten, sind nicht nur für die zweitmeisten Gegentore in der Liga verantwortlich – sondern auch für eine völlig verunsicherte Mannschaft.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Gleichsam schafft es auch das Mittelfeld nicht, sich der Abwehr anzubieten – es wirkt, als hätten sie Angst vor dem Ball. Erbarmt sich dann doch mal ein Spieler, folgen keine klugen Bewegungen und Drehungen, keine Pässe in die Tiefe, die aufgrund einer guten Übersicht möglich sind – sondern Rückpässen. Hertha BSCs Aufbauspiel in a nutshell.

Und fast vergessen: Regelmäßig rutscht ein Spieler aus, wie etwa Boyata gegen Frankfurt, was ebenfalls zu Gegentoren führt.

Es ist blanker Hohn, was die Mannschaft den eigenen Fans zumutet. Samt der peinlichen Darstellung in der Öffentlichkeit, scheint das Fass langsam endgültig voll. Entsteht auch gegen Gladbach ein negativer Spielverlauf, werden die Fans mit der Mannschaft brechen. Lautstarke Pfiffe gegen die eigene Mannschaft werden die Folge sein – deutlich mehr und konsequenter, als jetzt.

These 3: Was gibt Hoffnung?

Aus Hertha-Sicht wohl nicht viel. Selbst das Gladbach im vergangenen Spiel gegen Stuttgart eine 2:0 Führung verspielt und letztlich noch 2:3 verlor, scheint kein Funken der Hoffnung für die Blau-Weißen zu sein. Gladbach wird alles daran setzen, dass sich das nicht wiederholt, zumal sich die eigene Krise dadurch eklatant verstärken würde. Spielerisch ist Gladbach dazu in der Lage.

Dennoch: Tabellenplatz 13 und nur vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, samt 51 Gegentoren, sprechen nicht für Gladbach und zeichnen ein Bild einer verunsicherten Mannschaft, die in dieser Saison keinen roten Faden mehr ins eigene Spiel bekommen zu scheint.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Womöglich gelingt Hertha ausnahmsweise gar mal ein früher Treffer, welcher die angeschlagene Gladbacher Mannschaft weiter verunsichern dürfte. Schafft es Hertha, sich die Schwäche in der Gladbacher Abwehr zu nutze zu machen, kann ein Sieg gelingen. Somit die These: Geht Hertha in Führung, gewinnen sie das Spiel.

[Titelbild: Matthias Kern/Getty Images]

Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach: Kann Hertha eine Serie starten?

Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach: Kann Hertha eine Serie starten?

Gegen die Eintracht aus Frankfurt zeigte Hertha BSC die bisher beste Saisonleistung. Doch kann das gegen die Borussia bestätigt werden? Gladbach ist schwach in die Saison gestartet – das kann gut oder schlecht für die Berliner Mannschaft sein.

Im Vorfeld der Partie haben wir mit Gladbach-Expertin Yvonne Marjan über die neue Ausrichtung unter Trainer Adi Hütter, den Entwicklungsstand und Luca Netz gesprochen.

Ein ähnlicher Ansatz?

Hoch anlaufen, vehement pressen, Passwege zustellen und den Gegner zu langen Bällen zwingen, samt eines schnellen Umschalt- und Konterspiels: Gegen Eintracht Frankfurt besinnten sich die Berliner Mannschaft auf Tugenden, die ihr in den vergangenen Jahren gut zu Gesicht stand.

Hertha spielte zumeist dann stark, wenn sie die Gegner tief in der eigenen Hälfte pressten und bei Ballgewinn in der eigenen Spielhälfte schnell umschalteten. Nun trifft Hertha auf ein angeschlagenes Gladbach – das eben jenen Spielstil ebenfalls favorisiert.

Angeschlagenes und verändertes Gladbach

Auch Gladbach spielte in den vergangenen Jahren ein laufintensives, pressingstarkes Spiel, samt schnellen Pässen in die Spitze, bei eigenem Ballgewinn. Und das durchaus erfolgreich. Nunmehr sitzt Adi Hütter auf der Trainerbank – und so richtig scheint die Mannschaft noch nicht in Fahrt gekommen zu sein.

Die deutlichste Änderung im Gladbacher-Spiel zeigt sich in der Defensive. Spielten die Fohlen in den vergangenen Jahren zumeist in einer Viererkette, greift man nun auf drei Innenverteidiger und zwei defensiven Schienenspielern zurück. „Unser Problem war in der vergangenen Saison die Flut auf Gegentoren“, weiß Gladbach-Expertin Yvonne Marjan. Dies abzustellen, sei das erste Ziel von Hütter gewesen. So kassierten die Fohlen in acht Spielen lediglich elf Gegentreffer.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Doch birgt das auch seine Schattenseiten. Denn gleichzeitig schossen die Fohlen nur zehn Tore. „Dadurch leidet erst einmal das Spielerische und es fehlt an Torgefahr“, stellt auch Yvonne fest. Doch steckt die Gladbacher Mannschaft voller individuell starker Spieler. So scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie anfangen zu zünden.

So nennt Yvonne etwa Jonas Hofmann, der diese Saison bereits drei Mal einnetzte. Auch Breel Embolo und Lars Stindl sind für ihre offensiven Stärken bekannt. Doch für wichtiger erachtet Yvonne gegenwärtig den erst 20-jährigen Kouadio Krone, „der sich ganz klar zu einem Schlüsselspieler entwickelt“, wie sie sagt.

Mit dem zehnten Tabellenplatz aber werden die Gladbacher alles andere als zufrieden sein und gegen Hertha womöglich offensiver aufgestellt sein.

Zwei Spielweisen, aber drei Punkte werden nur einmal vergeben

Wie Hertha agieren wird, kann gegenwärtig nur gewürfelt werden. Viele Fans werden hoffen, dass sie an die Spielweise wie gegen Frankfurt anknüpfen wird. Doch ist Pal Dardai auch Liebhaber davon, die gegnerische Mannschaft erst ab der Mittellinie anzulaufen und viel Raum in der eigenen Hälfte zu überlassen. Um hinten dich zu stehen und mit langen Bällen nach vorne Akzente zu setzen. Entscheidend wird sein, wie Dardai aufstellen wird.

Gegen Gladbach könnte sich ein bissiges Mittelfeld als gewinnbringend erweisen. Mit laufstarken Spielern, die das Gladbacher Umschaltspiel schon im Ansatz zerstören und die keinen Zweikämpfen aus dem Weg gehen. Das Dreiermittelfeld aus Santiago Ascacibar, Vladimir Darida und Suat Serdar brachte genau diese Tugenden in Frankfurt auf den Platz und dürfte daher wohl wieder starten.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Vorstellbar ist aber auch, dass Edel-Joker Ekkelenkamp in die Startelf rückt. Auch Jovetic und Maolida sind Optionen – das System Gladbachs wäre dann gespiegelt und man würde mit einem spielstarken Mittelfeld schnell in die offensive vordringen wollen.

„Ich nehme Hertha als sehr unangenehmen Gegner war“, sagt Yvonne. So sei nie klar, was einen erwartet. Unrecht hat sie damit nicht. Dennoch ist sie optimistisch: „Sorge habe ich zwar nicht, aber eine gewisse Anspannung ist schon da. Unterschätzen wird man Hertha auf keinen Fall – darf man auch nicht“, sagt sie.

Und Luca Netz?

Im Sommer musste Hertha mit Luca Netz einen bitteren Abgang hinnehmen. Das Eigengewächs verließ Berlin für vier Millionen Euro Richtung Mönchengladbach. Das ehemalige Berliner Top-Talent scheint in Gladbach angekommen zu sein. „Er hat sich schnell in das Team integriert und hat gezeigt, dass er durchaus eine Verstärkung sein kann“, sagt Yvonne.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Auch offensiv sehe sein Spiel gut aus. In sechs Spielen konnte er bisher eine Vorlage liefern. Doch ist Konkurrent Bensebaini inzwischen wieder im Mannschaftstraining. Ist er wieder vollends fit, glaubt Yvonne, dass Netz für ihn weichen muss. „Ich sehe seine Zeit erst in der nächsten Saison“, sagt sie.

Ihre Hoffnung für das Spiel ist, dass sich Hertha nicht hinten reinstellt. „Wenn beide Teams mit der selben Spielidee ins Duell gehen, wie am letzten Spieltag, wird es unterhaltsam“, sagt sie. Für das Spiel wünscht sie sich zwar ein 2:0 für Gladbach, „ich fürchte aber fast, dass wir das erste Unentschieden der Saison für die Hertha sehen werden: 1:1“, sagt sie. Nehmen wir.

Titelbild: Clemens Bilan – Pool/Getty Images

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – Borussia Mönchengladbach

Man wird aus dieser Mannschaft einfach nicht schlau. Während im Union-Spiel die Offensive nicht existierte, leistete sich im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach einmal mehr die Defensive mehrere Patzer. Hinzu kommt, dass weiterhin die Arbeitseinstellung einiger Spieler nicht zum Ernst der Tabellenlage passt. Herthas Südamerika-Fraktion ist es zu verdanken, dass das Gladbach-Spiel trotz 75-minütiger Überzahl nicht verloren ging. Die Herthaner im Fokus.

Santiago Ascacibar – Ein neuer Faktor in Herthas Offensive

Keine Ahnung, ob es gewollt war oder nicht. Aber dass Santiago Ascacibar am Samstag im zentralen Mittelfeld vor Matteo Guendouzi spielte, hat gewirkt. Herthas Trainer Pal Dardai hatte schon vor dem Spiel gesagt, dass Ascacibar ein Spieler für Balleroberungen ist.

Und genau das tat der Argentinier auch mehrfach. Dadurch, dass diese Eroberungen nicht vor dem eigenen sondern vor dem gegnerischen Strafraum stattfanden, war Ascacibar ein neuer, unerwarteter Faktor in Herthas Offensive. Gleich in der 9. Minute holte er sich den Ball am linken Gladbacher Strafraumeck und legte Matheus Cunha so eine gute Chance vor. Durch seine vorgezogene Position kam auch Ascacibar selbst einige Male zu Abschlüssen – wie etwa in der 23. Spielminute, als er den Ball kurz nach der roten Karte gegen Gladbachs Torhüter Yann Sommer zum 1:0 ins Tor lenkte. Vor diesem Hintergrund war Dardais Entscheidung Ascacibar in der 57. Minute gegen Sami Khedira auszutauschen, zunächst nicht ganz nachvollziehbar. Dardai erklärte den Wechsel im Nachhinein damit, mehr Kopfballstärke auf dem Feld haben zu wollen.

Hertha Mönchengladbach
Foto: IMAGO

Weltmeister Khedira übernahm Guendouzis Position vor der Abwehr, während der Franzose auf „Santis“ Position vorrückte. Beide spielten nicht schlecht, erreichten aber bei Weitem nicht Ascacibars Effizienz. Ein Hinweis darauf sind die Zweikampfquoten der drei zentralen Mittelfeldspieler: Während Khedira und Guendouzi nur jeden zweiten Zweikampf für sich entschieden, war „Santi“ in knapp 70 Prozent aller Duelle der Sieger. Sollte seine Reaktion auf die Auswechslung kein Nachspiel haben, hätte er sich mit drei Schüssen, vier Tacklings und zwei abgefangenen Bällen eine weitere Startelfnominierung also durchaus verdient.

Maxi Mittelstädt – Weder nach hinten noch nach vorne gut

Leider ist es nicht das erste Mal in dieser Saison, dass Maxi Mittelstädt ein Unsicherheitsfaktor in Herthas Defensive ist. Auch am Samstag hat Herthas Eigengewächs auf seiner linken Abwehrseite zu viele Lücken offengelassen, in welche die Gladbacher immer wieder hineinstachen. Beim ersten Gegentor merkte er nicht, dass Alassane Pléa auf seiner Seite durchstartete und konnte das Tor dann nicht mehr verhindern. Auch nach vorne kamen keine Impulse von Mittelstädt, seine Auswechslung zur Halbzeit erfolgte zurecht. Marvin Plattenhardt tat sich etwas leichter und gab wenigstens ein paar Flanken in den Strafraum.

Hertha Mönchengladbach
Foto: IMAGO

Dardais Defensiv-Plan ist kein Hexenwerk, weil es in den meisten Profimannschaften heutzutage genauso gelebt wird: In Offensiv-Situationen und im Spielaufbau bildet sich eine Dreierkette, die in Defensiv-Momenten durch die beiden Außen (heute Mittelstädt und Zeefuik) zu einer Fünferkette ergänzt wird. Die Außenspieler müssen also im besten Fall für Gefahr über die Flügel sorgen, gleichzeitig aber keine Angriffe und Lücken auf ihrer Seite zulassen. Leider hat Hertha derzeit auf der linken Seite keinen Spieler, der diesen Anforderungen gerecht wird.

Dodi Lukébakio – Rückfall in alte Verhaltensmuster

Nach extrem schwachen Leistungen in der Hinrunde war Dodi Lukébakio zuletzt wieder sehr wichtig für Hertha. Seine beiden Elfmeter gegen Augsburg und Union sowie das starke Spiel gegen Leverkusen sicherten Punkte für die Blau-Weißen. Umso erstaunlicher ist es, dass der Belgier im Gladbach-Spiel wieder eine fast provokativ schlechte Leistung zeigte.

Hertha Mönchengladbach
Foto: Andreas Gora/IMAGO

Ohne großen Antrieb trabte er zumeist im Sturmzentrum herum, lief den Gegner kaum an und hatte mit 40 Prozent auch eine schlechte Zweikampfquote. Dardai zählte den Belgier mehrfach lautstark an, bemängelte insbesondere, dass Lukébakio nicht – wie vorgegeben – die linke Offensiv-Seite hielt. Nach einem schwachen Abschluss von Dodi (in aussichtsreicher Position kurz vor der Strafraumlinie) konnte man an den Gesichtern des Trainerteams schon erkennen, dass die Auswechslung Lukébakios schon in der Halbzeit kommen würde.

Und dann waren da noch…

Jhon Cordoba: Der Kolumbianer war einmal mehr ungemein wichtig für Hertha. Natürlich hat Cordoba die rote Karte von Sommer nicht durch eine Schwalbe provoziert. Aber er hat die Situation – Dardais genialen, eröffnenden Pass und den herauseilenden Sommer – eben gut erkannt und wusste: Wenn ich mir den Ball vorbeilegen kann, kann er mich eigentlich nur noch umhauen. Und beim Ausgleichstreffer ist es einfach toll zu sehen, mit welcher körperlichen Wucht der Kolumbianer im Sturmzentrum wirkt.

Hertha Mönchengladbach
Foto: IMAGO

Die Ecken: Alleine im Gladbach-Spiel hatte Hertha elf Ecken. Aus keiner einzigen dieser Eckstöße hat Hertha einen Hauch von Torgefahr entwickeln können. Noch viel schlimmer: In der gesamten laufenden Saison ist dem Team noch kein einziger Ecken-Treffer gelungen. Das ist eine erschreckende Bilanz, denn gerade in den kommenden Abstiegsspielen könnte es dazu kommen, dass man keine spielerische Lösung zum Sieg findet. Spätestens dann sollte Hertha damit anfangen die Ecken in das Offensiv-Sortiment mit aufzunehmen.

Fazit: Niederlagentschieden

Aus blau-weißer Sicht tut der Blick in die Statistiken des Gladbach-Spiels einfach nur weh. In keiner einzigen Kategorie waren die „Fohlen“ unserer Hertha überlegen. 23:7 Torschüsse, 7 Kilometer mehr Laufleistung, 86 Prozent Passquote, etc. Natürlich hätten wir wohl vor dem Spiel einen Punkt gegen Gladbacher gerne angenommen – schließlich hatte das Team von Marco Rose in den vergangenen Wochen wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden.

Mit Blick auf die 75-minütige Überzahl und die deutliche Überlegenheit in der zweiten Hälfte wirkt das Unentschieden aber eher wie eine Niederlage. Nach wie vor fehlt es dem Team an Ausgewogenheit, Abstimmung und Erfahrung. Denn nach einer frühen roten Karte für den Gegner und der anschließenden Führung darf es schlichtweg niemals passieren, dass man innerhalb weniger Minuten den Sieg aus der Hand gibt.

[Titelbild: IMAGO]