Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

von Aug 19, 2022

Nach dem ersten Punktgewinn im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt will Hertha erstmals in der Saison dreifach punkten. Doch mit Borussia Mönchengladbach empfängt eine formstarke Mannschaft die Herthaner. Wir schauen uns an, auf welche Schlüsselduelle es im Spiel zwischen der Elf vom Niederrhein und der alten Dame ankommen kann.

Genau wie bei Hertha fand bei den “Fohlen” im Sommer ein Trainerwechsel statt. Den insgesamt eher glücklosen Adi Hütter ersetzte Daniel Farke. Und der Ex-Norwich-Coach fügte sich in Mönchengladbach gleich gut ein. Auf das souveräne Weiterkommen im Pokal folgte ein 3:1-Sieg zum Ligaauftakt gegen Hoffenheim, ehe man am letzten Spieltag gegen Schalke die drei Punkte erst in letzter Sekunde hergab. Das Team findet derzeit zurück zu alter Offensivfreude. Besonders auffällig: Farke vertraut seiner ersten Elf ungemein. In seinen beiden ersten Ligaspielen setzte er auf die selben elf Spieler in der Startformation, wechselte jeweils nur zweimal in den Schlussminuten. Hertha BSC und Sandro Schwarz wissen also worauf sie sich einzustellen haben: Einen formstarken Gegner.

Schlüsselduell: Mittelstädt gegen Hofmann

Zum Saisonbeginn nicht einmal Teil des Aufgebots, musste Maxi Mittelstädt gegen Frankfurt gleich in der Startelf ran, weil Kapitän Marvin Plattenhardt verletzt fehlte. Und Mittelstädt war direkt voll auf der Höhe, machte ein gutes Spiel. Dass er auf dem Papier ein Spieler ist, dem das System Schwarz liegen sollte, ist unbestritten. Doch bisher sollte es zwischen dem neuen Trainer und dem Linksverteidiger nicht funken. Ein gutes Spiel gegen Gladbach könnte Mittelstädt einem Stammplatz deutlich näher bringen. Doch mit Jonas Hofmann steht ihm der absolute Unterschiedsspieler der Gladbacher gegenüber.

5,59 schusskreierende Aktionen pro 90 Minuten – Mit diesem Durchschnittswert aus der Saison 2021-22 zählte Hofmann zu den besten 1 Prozent aller Flügelstürmer der Bundesliga. Dabei kam er auf einen Wert von 0,63 expected goals (ohne Elfmeter) + assists – Top 7 Prozent. Seine 3,21 direkt vorgelegten Schüsse sind ebenfalls ein Top-1-Prozent-Wert.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Zahlen, die nicht nur Hofmanns Wert für Gladbach unterstreichen, auch ist er inzwischen wichtiger Teil der deutschen Nationalmannschaft. So wichtig macht Hofmann nicht zuletzt seine Flexibilität, er ist keiner, der an der Außenbahn klebt. Im Gegenteil, immer wieder zieht es ihn ins Zentrum. Es wird also nicht nur an Mittelstädt liegen, ihn in seinen Aktionen zu limitieren. Besonders im eigenen Aufbauspiel muss Hertha ein Auge auf Hofmann haben. 20,9 Mal setzte er in der vergangenen Saison durchschnittlich im Spiel einen Gegner unter Druck – so viel wie kein anderer Gladbacher. 

Ein Tor gelang Hofmann an den ersten beiden Spieltagen bereits. Nun möchte Hofmann, der seine Mitspieler so gut aussehen lassen kann wie kaum ein Zweiter in der Liga, auch erste Assists sammeln. Das zu verhindern, wird für Mittelstädt eine große Aufgabe, für die er die Unterstützung der gesamten Defensive benötigt.

Schlüsselspieler bei Gladbach: Ko Itakura

An kaum einem Spieler hatten die Fans von Schalke 04 in der vergangenen Saison so viel Freude wie an Ko Itakura. Von Manchester City ausgeliehen, hatte der polyvalente Japaner maßgeblichen Anteil an der Zweitliga-Meisterschaft. Doch im Sommer folgte die Trennung, zu hoch war die Kaufklausel. Nutznießer war Mönchengladbach, die die geforderten fünf Millionen an Manchester zahlten.

Und Itakura macht da weiter, wo er in Gelsenkirchen aufgehört hat, nämlich guten Fußball zu spielen, was zuletzt sogar die alten Kollegen zu spüren bekamen. 126 Ballkontakte, neun geklärte Bälle, acht gewonnene Luftzweikämpfe, zwei geblockte Schüsse, eine Zweikampfquote von 64 Prozent und eine Passquote von 89 Prozent: Gegen Schalke war Itakura der beste Gladbacher.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Nicht nur Herthas Sturmreihe um Wilfried Kanga wird es mit Innenverteidiger Itakura zu tun bekommen. Als gelernter Sechser ist er es gewohnt, auch immer mal wieder den Raum vor der Abwehr zu beackern. Itakura ist ein Kämpfer, der seine Mitspieler mitreißt. Ihn muss Hertha stets im Auge haben.

Schlüsselspieler bei Hertha: Dodi Lukebakio

Zwei Tore hat Hertha in der Liga bisher erzielen können. Mit einem geschossenen und einem vorbereiteten war Dodi Lukebakio an beiden beteiligt. Der Leih-Rückkehrer vom VfL Wolfsburg galt lange als Verkaufskandidat, doch ist nun umso wichtiger. Gegen Frankfurt zuletzt war er der offensive Dreh- und Angelpunkt.

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(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Und auch gegen Gladbach wird er eine wichtige Rolle einnehmen. Denn sein Gegenspieler ist Ramy Bensebaini, was zum einen verspricht, dass Lukebakio defensiv gefordert sein wird, aber sich ihm offensiv auch Räume bieten werden.

Mit 0,16 expected goals pro Spiel zählte Bensebaini in der letzten Saison nicht nur zu den torgefährlichsten zwei Prozent der Verteidiger in der Liga, auch im Erspielen von Chancen legte der Linksverteidiger (unter Hütter eher linker Innenverteidiger) Top-Werte auf. 1,16 schusskreierende (top-10-Prozent im Ligavergleich) und 0,18 torkreierende Aktionen (top-16-Prozent) standen auf seinem Zettel. Tendenz steigend, denn unter Farke scheint er wieder als reiner Flügelverteidiger gefragt zu sein. Ihn zu verteidigen muss schon vorne bei Lukebakio anfangen und darf nicht erst an Jonjoe Kenny hängenbleiben.

Doch unter dem starken Offensiv-Output Bensebainis leidet mitunter sein defensives Spiel. Bei abgefangenen Bällen zählt er zwar zu den Ligabesten, doch was erfolgreiche Tacklings und klärende Aktionen angeht, ist er im unteren Drittel zu finden. Auch übt Bensebaini auffällig selten Druck aus (10,29-mal pro 90 Minuten, weniger als 60 Prozent auf seiner Position) und das auch noch mit wenig Erfolg (30,7-Prozent Erfolgsquote, schwächste 5 Prozent der Liga). Hier können sich für einen spiel- und formstarken Spieler wie Lukebakio gefährliche Situationen ergeben.

Titelbild: Frederic Scheidemann/Getty Images

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Bruno Sellschopp

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