Den Schlusspunkt der Hinrunde setzt Hertha BSC am Samstagabend gegen den BVB. Die Berliner haben eine dramatisch deutliche 0:4-Niederlage gegen Mainz 05 hinter sich und stehen nun vor der undankbaren Aufgabe, gegen den Tabellenzweiten einen versöhnlichen Jahresabschluss zu finden. Wir blicken auf die Partie und filtern die womöglich entscheidendsten Duelle auf dem Platz heraus.
Der BVB unter Rose noch nicht auf Kurs
Auch der BVB war bei der großen Trainerrotation im Sommer nicht außen vor. Lucien Favre musste schon im Laufe der letzten Saison gehen, ihn ersetzte sein Co-Trainer Edin Terzic. Dass Terzic immerhin noch den Pokal gewann, änderte nichts an der Tatsache, dass im Sommer ein neuer Trainer kommen sollte. Am besten einer der eine Ära prägen kann, wie einst Jürgen Klopp. In Gladbachs Trainer Marco Rose war dieser gefunden.
Kurz vor Ende von Roses erster Halbserie ist es schwer, ein Fazit zu ziehen. Der BVB ist voll auf Kurs Vizemeisterschaft, doch in der Champions League reichte es in einer vermeintlich leichten Gruppe nur für den dritten Platz und die Erkenntnis, dass die Bayern einmal mehr tabellarisch das Maß aller Dinge sind, kam bei der 2:3-Heimniederlage schmerzhaft.
Taktisch setzte Rose zunächst auf eine Mittelfeldraute, die er in Gladbach schon erfolgreich spielen ließ. Es mangelte jedoch an Gefahr über die Außen und auch weil Starneuzugang und Stürmer Donyell Malen noch dabei ist, sich einzugewöhnen, stellte Rose auf ein 4-2-3-1 um. Dies kann der BVB sowohl mit breiten außen als auch mit eher eingerückten Flügelspielern umsetzen.
Schlüsselduell eins: Boyata gegen Haaland
53 Spiele in der Bundesliga: 53 Tore, 16 Vorlagen. Seitdem Erling Haaland beim BVB spielt, setzt er neue Maßstäbe und zählt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu den Ausnahmespielern. Sein Können stellte er auch beim letzten Besuch im Olympiastadion unter Beweis. Haalands Arbeitsnachweis: Vier Tore, alle im zweiten Durchgang.
Doch nicht nur sein schier nicht endender Torhunger macht ihn so gefährlich, Haaland ist zugleich ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler. In der laufenden Saison hat er ligaweit die meisten Schlüsselpässe im Strafraum gespielt und die zweitmeisten Chancen kreiert. Erst am vergangenen Wochenende in Bochum hat er technisch anspruchsvoll für Teamkollege Julian Brandt aufgelegt.
Den Bochumern gelang es mit aufopferungsvollem Kampf aber auch einer Menge Glück, Haaland daran zu hindern, selbst ein Tor zu erzielen. Das gelang zuvor in dieser Spielzeit nur dem SC Freiburg und die Breisgauer haben bei ihrem 2:1-Sieg über den BVB eine Blaupause geliefert, wie man den Norweger stoppen kann.
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23 Prozent Ballbesitz reichten dem SCF, um das Spiel zu gewinnen. Tief stehend verhinderte man, dass Haaland sein Spiel aufziehen konnte, indem man ihm mit Nico Schlotterbeck jemanden entgegenstellte, der immer eng an ihm blieb und extrem körperbetont spielte. Entscheidend ist hierbei, Haaland nicht erst im Strafraum zu bearbeiten, sondern ihm frühzeitig den Raum zu nehmen. Denn mit drei Torvorlagen von außerhalb des Strafraums hat Haaland bereits bewiesen, dass er von überall assistieren kann. Kein Mittelstürmer in der Bundesliga hat hier einen höheren Wert.
Freiburgs Mittel waren schnelle Gegenstöße nach provozierten Ballverlusten. Die Rolle Schlotterbecks, die am Samstag beispielsweise Dedrick Boyata übernehmen könnte, war dabei genauso essenziell wie aufopfernd. Der Innenverteidiger hat sein Spiel nur am Verteidigen ausgerichtet. Nur zehn führende Ballaktionen hatte er im Spiel (persönlicher Saisondurchschnitt: ca. 38), dafür aber vier abgefangene Bälle, was über seinem Durchschnitt von 2,4 pro Spiel liegt. Es braucht gegen Haaland also eine disziplinierte, aufopferungsvolle und körperbetonte Leistung. Gleichzeitig muss in den Situationen, wenn das Spiel von hinten raus aufgebaut wird, sehr aufmerksam gespielt werden, denn hoch anlaufende Dortmunder könnten bei Unsauberkeiten Großchancen erzwingen. Zeitgleich könnte sich Hertha Raum bieten, wenn man die Pressinglinie Dortmunds überspielt.
Schlotterbeck hat gezeigt, wie man Haaland verteidigen kann. Dass neben Fleiß bei einem solchen Ausnahmespieler auch immer Glück dazu gehört, steht außer Frage, doch das kann man zumindest in Teilen erzwingen. Boyata könnte als Kapitän vorangehen und diese Aufgabe übernehmen.
Schlüsselduell zwei: Brandt gegen Plattenhardt
Seitdem Marco Rose Übungsleiter bei den Dortmundern ist, erlebt Julian Brandt ein Formhoch und scheint sich erstmals seit seinem Wechsel 2019 aus Leverkusen endgültig in der Startelf festgespielt zu haben. Seine Polyvalenz ist hier sein großes Argument, denn nicht nur im Zentrum kann Brandt spielen, sondern auch auf der halbrechten Außenbahn, wo Marvin Plattenhardt (oder Maxi Mittelstädt) es mit dem deutschen Nationalspieler zu tun kriegt.
Die neu gewonnene Spielfreude drückt sich auch in Zahlen aus. 0,45 expected assists + expected goals pro 90 Minuten liefert Brandt. In der Vorsaison lag sein Wert bei 0,35. Brandt wird also besser und torgefährlicher. Aktuell liefert er 0,91 torerzeugende Aktionen pro Spiel, eine deutliche Steigerung gegenüber den 0,54 aus der Vorsaison. Zusätzlich entdeckte Brandt seine Freude am Flanken, parallel zur Entwicklung Haalands, der sich in dieser Saison stark verbessert im Kopfballspiel zeigt. Von 1,51 Flanken pro 90 Minuten steigerte sich Brandt auf 2,21 in dieser Spielzeit.
(Photo by Lars Baron/Getty Images)
Ob es am Sonntag Plattenhardt oder aus Leistungsgründen nach dem Auftritt in Mainz womöglich Mittelstädt mit Brandt zu tun kriegen wird: Das Ziel muss es sein, ihm den Spaß zu nehmen. Hier wird es auch auf die offensiven Spieler ankommen, die defensiv unterstützen müssen, um den Dortmunder immer wieder zu doppeln. Ein weiteres Mittel kann es sein, Brandt zu langen Bällen zu zwingen, indem man die unmittelbaren Anspielstationen zustellt. Im sauberen Spielen von langen Bällen liegt eine seiner Schwächen.
Schlüsselduell drei: Serdar gegen Dahoud und Witsel/Can
„Wir wollen mit Mut und Freude in das Spiel gehen“, betonte Tayfun Korkut auf der spielvorbereitenden Pressekonferenz. „Eine resolute Defensivleistung wird wichtig sein, wir müssen alle gemeinsam gegen den Ball arbeiten. Aber auch mit dem Ball wollen wir Elemente sehen, die in Stuttgart und gegen Bielefeld unser Spiel ausgezeichnet haben. Wir wollen selbst Aktionen nach vorne haben.“
Dass die defensive Grundordnung entscheidend ist, wie es auch Korkut formuliert, wurde in Schlüsselduell Eins bereits dargelegt. Doch es muss auch einen Weg nach vorne geben, ein Schlüsselspieler hierbei kann Suat Serdar sein. Ist Dortmunds erste Pressinglinie erstmal überspielt, muss Serdar den sich ihm bietenden Platz klug nutzen. Mittel der Wahl kann immer der lange Ball sein, doch wie Korkut ankündigte, will Hertha auch mit dem Ball was anbieten.
(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)
Von Vorteil könnte es für Serdar und das weitere Hertha-Mittelfeld sein, dass mit Jude Bellingham ein elementarer Mittelfeldspieler Dortmunds gesperrt fehlen wird. Mo Dahoud dürfte auf der Sechs gesetzt sein, neben ihm Axel Witsel oder Emre Can spielen. Wirklich eingespielt wird die Doppelsechs in jedem Fall nicht sein.
Die Stärke von Dahoud liegt im Spiel mit dem Ball. Ihn defensiv zu beschäftigen, noch dazu ohne seinen gewohnten Nebenmann Bellingham, kann ein Schlüssel sein, um eigene Torgefahr auszustrahlen.
Die englische Woche und damit auch die Hinrunde der Fußball Bundesliga enden. Nach zwei soliden bis guten Spielen musste Hertha unter der Woche eine harte Klatsche in Mainz einstecken. Sich weiter von den gefährlichen Abstiegsrängen zu distanzieren gelang nicht und die Nullfünfer legten Herthas Schwächen gnadenlos offen. Um nun ein einigermaßen ruhiges Weihnachten feiern zu können, muss ein akzeptabler Auftritt am Samstag-Abend gegen Borussia Dortmund her. Ein Gegner, der selber nicht in seiner besten Phase zu sein scheint, doch natürlich alles andere als im Vorbeigehen zu schlagen ist.
These 1: Hertha wird gegen Dortmund zum Favoritenschreck
Auch wenn es gegen den FC Bayern München und RB Leipzig in dieser Saison herbe Niederlagen gab, hielt die Alte Dame gegen vermeintlich stärkere Gegner oft lange mit, war zum Teil die bessere Mannschaft und sammelte auch Punkte – so zu sehen gegen Leverkusen, Gladbach oder Frankfurt. Die Frage, wie attraktiv der Fußball war, bei einem Punktgewinn gegen die Borussen, sollte sich nicht stellen.
Die Berliner sind nach den ersten drei Spielen unter Tayfun Korkut noch nicht wirklich einzuschätzen und damit schwer für den Gegner auszurechnen.
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Ein nach nur kurzer Zeit schon wieder ramponierter Rasen im Berliner Olympiastadion, Temperaturen um den Gefrierpunkt und ein Borussia Dortmund, welches alles andere als in der gewünschten Form ist und Hertha nach den letzten Leistungen unterschätzen könnte, lassen die Möglichkeit zu, dass Blau-Weißen hier punkten werden.
These 2: Hertha verstärkt gegen Dortmund die Außen
Mit vier zentralen Spielern startete die Mannschaft gegen Mainz 05. Das Spiel kann man durchaus als vercoacht werten. Schließlich war mit Marvin Plattenhardt und Deovaisio Zeefuik die Außenverteidigung viel zu dünn besetzt. Beide waren komplett überfordert und das Ergebnis ist bekannt.
Es wäre kurios, wenn Korkut gegen schnelle Gegenspieler wie Thorgan Hazard, Julian Brandt und Marco Reus auf dieselbe Taktik setzen würde. Peter Pekarik kehrt zurück in die Startelf und verdrängt den in den letzten zwei Spielen schwachen Zeefuik zurück auf die Bank.
BERLIN, GERMANY – NOVEMBER 07: Peter Pekarik of Hertha BSC runs with the ball during the Bundesliga match between Hertha BSC and Bayer 04 Leverkusen at Olympiastadion on November 07, 2021 in Berlin, Germany. (Photo by Boris Streubel/Getty Images)
Marco Richter und möglicherweise Maximilian Mittelstädt, der bisher noch keine Minute unter Korkut spielen durfte und vielleicht überraschend aufgestellt werden könnte, würden die Außen sowohl defensiv als auch offensiv unterstützen.
Myziane Maolida wäre ebenfalls eine Alternative. Dieser hatte sich mit seinen Einsätzen in den letzten Spielen allerdings nicht wirklich für weitere empfohlen.
These 3: Ideenlos + ideenlos = Punktgewinn für Hertha
Bei Borussia Dortmund herrscht aktuell keine gute Stimmung. Das frühe Ausscheiden in der Champions League und die jetzt schon nur noch sehr geringen Chancen den FC Bayern München noch von der Tabellenspitze zu stoßen, lassen die Gemüter etwas geknickt zurück. Und auch das recht öde und ideenlose Spiel unter Trainer Marco Rose lässt im Ruhrpott niemanden zu Luftsprüngen verleiten.
(Photo by Friedemann Vogel – Pool/Getty Images)
Die Offensive des BVBs darf man selbstverständlich nicht unterschätzen, doch in ihrer aktuellen Form scheint sie definitiv zu verteidigen zu sein. Kompakt stehen und vehementer Zweikampfeinsatz sollten der Schlüssel sein um einiges in diesem Spiel zu ermöglichen. Die Offensive der Hertha, der bei einem Fehlen von Suat Serdar und Stevan Jovetic die größte Qualität fehlen würde, wird es gegen die Abwehr der Dortmunder nicht leicht haben.
Allerdings nicht unbedingt wegen der Qualität dieser, eher wegen der fehlenden Qualität in Herthas Offensive. Trotz allem würde dieses ideenlose Spiel bei einem Blick auf die Begegnungen mit Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen für Hertha nicht unbedingt schlecht sein.
Da wir natürlich keine Schelle auslassen, die unsere alte Dame uns verteilt, haben wir unsere Aufnahme erst nach dem Spiel gegen Mainz terminiert. Wir wurden nicht enttäuscht. Nach dem 2:0 Erfolg gegen Bielefeld sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Hertha zerfällt nach dem Erfolg und mit guter Aussicht auf einen Sprung in der Tabelle gegen die Jecken in Mainz mit 0:4. Darüber sprechen wir.
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Nach zwei durchaus ermutigenden Spielen und vier Punkten, musste die Elf um Cheftrainer Tayfun Korkut zum FSV Mainz 05 anreisen. Hertha wurde von einer Mannschaft erwartet, die letzte Saison nach einem Trainerwechsel wie ein Phoenix aus der Asche aufgestiegen war. Dass solch eine Entwicklung nicht selbstverständlich ist, erfuhren die Berliner am eigenen Leib. Mit vier Gegentoren und null Punkten wurde man nach Hause geschickt und muss sich ein ums andere Mal die Frage stellen, welche Strategie die Vereinsführung eigentlich verfolgt.
Im Westen nichts neues
Es ist traurig, aber eigentlich war die Leistung, die die Mannschaft der alten Dame auf den Rasen brachte, wenig überraschend. Wenig Kreativität, Abstimmungsfehler und kaum Zug zum Tor. Hoffte man auf einen vitalisierenden Trainer-Effekt, man wurde in dieser Nacht eines Besseren belehrt. Tayfun Korkut nahm im Vergleich zum Spiel gegen Bielefeld nur eine Änderung vor und ersetzte Marco Richter durch Lucas Tousart.
Damit wurden Torgefahr, Tempo und Offensivdrang gegen defensive Kompaktheit und Balleroberungen getauscht – zumindest in der Theorie. Dass der Plan von Korkut überhaupt nicht aufging und es Hertha allgemein an Synergien mangelt, zeigt sich am besten, wenn man den Blick nicht nur auf einzelne Spieler, sondern auf Spielerpaare wirft.
Lucas Tousart und Santigao Ascacibar – Defensive gewinnt keine Spiele
Die Qualitäten von Tousart, als auch Ascacibar liegen beileibe nicht im Offensivspiel. Das rächt sich insbesondere dann, wenn beide im zentralen Mittelfeld nebeneinander agieren und keinen Spielmacher vor sich haben, dem sie die Bälle zutragen können. Der Spielertyp des Wasserträgers ist relativ nutzlos, wenn es niemanden gibt, der weiß, was man mit dem Wasser anzufangen ist.
Passend dazu agierten Suat Serdar und Vladimir Darida auf der linken beziehungsweise rechten Seite des Mittelfelds. Entsprechende Verlagerungen auf diese Seite scheiterten aber daran, dass die Qualität von Herthas Außenverteidiger kein Hinterlaufen der eigenen Teamkollegen erlaubt und so aus solchen Situationen selten vielversprechende Aktionen erwachsen können.
(Photo by Alex Grimm/Getty Images)
Dazu kommt, dass Tousart extrem tief stand und die Ballverteilung fast immer über Ascacibar lief, der mit dieser Position gegen kompakt stehende Mainzer sichtlich überfordert war. Die Heatmap der Spielerbewegung offenbart außerdem, dass Ascacibar überall auf dem Spielfeld aushelfen musste, um Lücken in Herthas Verteidigung zu stopfen. Tousart brachte insgesamt nur 50 Prozent seiner Pässe, sein argentinischer Mitspieler immerhin 64 Prozent an den Mann. Mit diesen Spielen kann aus dem Mittelfeld keinerlei Torgefahr ausgehen.
Dedryck Boyata und Niklas Stark – Die Berliner Mauer (1991)
Die Innenverteidigung, gebildet von Kapitän und Stellvertreter, gehörte zu den meistbeschäftigsten Abteilung in jener Nacht. Gleichzeitig gab sie ein erschreckendes Bild ab.
Bei fast allen Gegentoren stimmte die Zuordnung zu den Gegenspielern nicht. Die so entstehenden Räume wurden von Mainz gnadenlos genutzt. In der 58. Minute ging Stark in bester Kreisligamanier in den Mainzer Karim Onisiwo rein, dass dieser sichtlich angeschlagen ausgewechselt werden musste.
(Photo by Alex Grimm/Getty Images)
Mit dieser Leistung haben sich weder Stark noch Boyata für weitere Einsätze empfohlen. Die Verantwortlichen bei Hertha werden sich die Leistung von Stark ganz genau angucken und ihre Schlüsse ziehen. Sein Vertrag läuft im Sommer aus und mit Marc-Oliver Kempf soll schon ein potentieller Nachfolger in den Startlöchern stehen.
Ishak Belfodil und Stevan „Nicht-so-tief“ Jovetic
Angesichts der eklatanten Kreativitätsdefizite im zentralen Mittelfeld musste sich Top-Torschütze Stevan Jovetic ein ums andere Mal tief fallen lassen um am Spiel teilnehmen zu können. Wie das Überbrücken des nun leeren Zehnerraumes angesichts tief stehender Teamkollegen und Geschwindigkeitsdefizite von Sturmpartner Belfodil gelingen sollte, wusste auch Jovetic nicht zu beantworten. 56 Prozent Passquote sprechen eine deutliche Sprache.
(Photo by Alex Grimm/Getty Images)
Dazu kam, dass der Stürmer aus Montenegro in der 30. Minute gegen den sichtlich engagierteren, aber ebenso glücklosen Davie Selke verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Bringt Jovetic wenigstens noch das Potential für spielentscheidende Einzelleistungen mit, sieht das bei Selke ganz anders aus. Spätestens nach diesem Wechsel war klar, dass hier spielerisch nicht mehr viel zu erwarten war.
Insgesamt konnte Hertha lediglich einen traurigen Torschuss verzeichnen. Die fünft schlechteste Offensive der Liga kommt also nicht von ungefähr.
Vladimir Darida und Deyovaisio Zeefuik – Es reicht
Nominal eigentlich voreinander angeordnet kamen sich Darida und Zeefuik immer wieder in die Quere. Das lag vor Allem daran, dass der niederländische Rechtsverteidiger es nicht schaffte, seine Seite ordentlich zu verteidigen. Von zwölf abgefangenen Bällen konnte nur einer auf der rechten Seite erobert werden. Darida war gezwungen, ständig nach hinten zu arbeiten und konnte so noch weniger am Offensivspiel der Mannschaft teilnehmen.
(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)
Dass er nach Auswechslung von Zeefuik auch noch den Rechtsverteidiger geben musste, ist ein Offenbarungseid für Herthas unausgewogenen Kader. Es stellt sich die Frage, was ein Zeefuik dem Spiel eigentlich geben kann. Was sind seine Qualitäten, die rechtfertigen, ihn aufzustellen? Er kann weder mit Offensiv- noch Defensivaktionen glänzen, von seiner mangelnden Konstanz ganz zu schweigen. Hat sich Hertha auf der linken Abwehrseite schon die dringend benötige Unterstützung geholt, wartet auf rechts die nächste Herausforderung für die Transferverantwortlichen.
Was kann dieser Kader?
In der 88. Minute spielte sich eine Situation ab, die symptomatisch für das ganze Spiel war: Nach einem schnellen Konter hatte Myziane Maolida 18 Meter vor dem Tor die Möglichkeit sowohl zu Selke, als auch Krzysztof Piatek querzulegen. Er entschied sich allerdings für die denkbar schlechteste Alternative und jagte den Ball vier Meter über das Tor.
Das Spiel in Mainz erinnerte an dunkle und leider auch jüngere Tage der Hertha. Es ist keine Verbesserung sichtbar, keine Entwicklung. Die Lichtblicke, die sich ab und zu mal zeigen, verblassen angesichts von Schlechtleistungen am darauffolgenden Spieltag wieder. Der Kader ist so unausgewogen und flach zusammengestellt, dass eine konstante Leistung im Grunde genommen unmöglich ist. Man kann sich nur der verzweifelten Hoffnung hingeben, dass Fredi Bobic einen langfristigen Plan verfolgt, der eine weitere schlechte Saison zum elementaren Bestandteil hat.
Friedrich Nitzsche hat einmal gesagt: „Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens.“ Der Mann war kein Hertha-Fan.
Was für ein Gefühl, nach sieben Wochen konnten Hertha-Fans das emotionale Hoch nach einem Sieg der „Alten Dame“ endlich wieder einmal erleben. Hertha lieferte einer der besten Saisonleistungen, wenn nicht sogar die bisher beste, ab. Auch wenn dies zugegebenermaßen zu einem Teil an der schwachen Arminia aus Bielefeld lag, die positive Entwicklung der Mannschaft in nicht einmal zwei Wochen seit dem Trainerwechsel ist eindeutig und lässt auf eine eventuell doch versöhnlich verlaufende Saison hoffen. Doch das nächste Spiel wartet schon und wird definitiv nicht leichter als gegen Bielefeld.
Wir wollen einen kleinen Ausblick auf die Partie gegen Mainz 05 werfen und haben uns dafür die Pressekonferenz vor der Begegnung angeschaut.
Korkut: Viel Hertha, wenig Berlin
Viel Zeit, das Vereinsgelände, geschweige denn die Stadt zu erkunden, hatte Tayfun Korkut bisher nicht. Momentan sei für ihn nur die Mannschaft wichtig. Bisher scheint seine Prioritätensetzung zu greifen, verbesserte Hertha sich sowohl in der Art zu Spielen als auch in den Ergebnissen im Vergleich zu den vorherigen Wochen.
Mit vier Punkten aus zwei Spielen ist auch Arne Friedrich glücklich, aber er betont ebenfalls, dass vor allem die Spielweise die Verantwortlichen an der Hans-Braun-Straße sehr zufrieden mache. Eine Analyse, der sich wohl viele Hertha-Fans so anschließen würden. Der Trainer gibt sich bescheiden und verweist auf die Mannschaft, die aufmerksam und neugierig sei, dadurch auch gut mitziehe.
Die Stärken der Spieler erkennen
Dass dem so ist, kann und sollte man dennoch dem Trainer zu schreiben. Korkut hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, dass die Spieler wieder Spaß am Fußball verspüren, den Ball haben wollen und offensiver agieren als noch unter Pal Dardai. Das Erfolgsrezept des Übungsleiters ist es, sich auf die Stärken des Kaders zu besinnen. Dieser habe schon eher zentrumslastige und tendenziell weniger flügelorientierte Spieler. Doch während sein Vorgänger darauf als Problem verwies, macht Korkut aus der Not eine Tugend und nutzt das Potential seines Kaders besser aus.
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Das beste Beispiel dafür liefert Suat Serdar. Während dieser unter Dardai öfter auf den Flügel oder die Sechser-Position ausweichen musste, darf er unter dem aktuellen Chef auf seiner Paraderolle, der Acht, spielen. Korkut beschreibt, dass Serdar sich dort wohler fühle, er Situationen kreieren und mit Tempodribblings oder dem letzten Pass in die Spitze das Spiel positiv beeinflussen könne. Mit den Dingen, die Serdar dabei besser machen könne, beschäftige sich Korkut momentan aber nicht, es gehe darum: „Was kann er? Woran ist er gut?“ Und für den Moment scheint genau dieser Ansatz sehr gut zu funktionieren.
Dass es dazu nicht zwangsläufig eines langen Gesprächs mit jedem Spieler brauche, stellt er am Beispiel von Jovetic dar. Mit diesem hätte er sich noch gar nicht wirklich ausgetauscht, doch wenn der Trainer die richtigen Entscheidungen treffe, sei dies auch eine Art von Kommunikation. Mit Blick auf die Leistungen von Jovetic (Drei Tore in zwei Spielen) scheint Korkut Recht zu behalten.
Dass Jovetic so glänzt, liegt mit Sicherheit aber auch an seinem neuen Sturmpartner: Ishak Belfodil. Neben dem Trainer ist auch Arne Friedrich begeistert: „Ishak macht das wirklich hervorragend, hat in den letzten beiden Spielen gezeigt, was seine Qualitäten sind“. Dazu müsse aber auch gesagt werden, dass er jetzt fitter als noch zu Saisonbeginn sei. Besonders gefällt Friedrich dabei die Beweglichkeit von Belfodil und die Art wie er die Bälle abschirmt.
Es wird interessant zu sehen, ob Belfodil und Jovetic ihr Pensum in der englischen Woche durchhalten könne, war doch gerade die Fitness eine der Problemzonen beim Stürmerduo. Doch selbst wenn sie nicht die Kraft haben sollten, macht sich Korkut keine Sorgen. Passend zu seiner bisherigen Marschroute schaut er lieber auf das Positive. Und stellt dabei klar: Mit Piatek und Selke, der gegen Bielefeld sein erstes Bundesligator der laufenden Saison schoss, habe man Stürmer auf hohem Niveau, die man einwechseln könne.
Der fordernde Gegner aus Mainz
Dass der Gegner aus Rheinland-Pfalz eine, zumindest gefühlt, sehr starke Saison spielt, ist natürlich auch vor den Augen von Korkut nicht verborgen geblieben. Sie würden mit hoher Intensität und schnellem Umschaltspiel sowohl nach vorne als auch nach hinten auf jeden Fall eine Herausforderung für die Berliner werden.
Gleichzeitig betont er, dass man um die eignen Stärken wisse und mit Sicherheit auch die Mainzer selbst fordern könne. Mit Blick auf die Tabelle könnte er Recht behalten. Obwohl Mainz gefühlt eine deutlich stärkere Saison als die Hertha abliefert, sind es gerade mal drei Punkte, die zwischen uns und dem Tabellenachten liegen. Und nach dem Sieg gegen Bielefeld ist das Selbstvertrauen in der Mannschaft gewachsen.
(Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)
Korkut meint: „Es gibt keinen Ersatz für Siege“. Wichtig sei aber, dass man im kommenden Spiel von der ersten Sekunde an das Selbstvertrauen weiter erarbeite. Es wird sich zeigen, ob die Mannschaft dieses Selbstvertrauen zeigt und nutzen kann oder ob sich der Faden der letzten Monate und Jahre durchzieht und man nach ein bis zwei überzeugenden Spielen wieder unerklärlich schlecht spielt. Sollte man in Mainz mindestens einen Punkt mitnehmen, dürfte Korkut sich in seinem Ansatz, auf die Stärken des Kaders zu setzen und weniger auf das Negative zu achten, erneut bestätigt fühlen.
Und vielleicht findet er spätestens nach dem Spiel gegen Dortmund am kommenden Samstag dann auch die Zeit, sich das weihnachtliche Berlin etwas anzuschauen und in dieser Stadt endgültig anzukommen.
Es fehlen: Rune Jarstein, Lukas Klünter, Peter Pekarik Das Spiel ist am Dienstag um 20:30 live auf sky zu sehen.
Nach zuletzt fünf sieglosen Spielen in Serie konnte unsere Hertha im Abstiegskampf mit dem Heimdreier gegen Arminia Bielefeld ein wichtiges Erfolgserlebnis einfahren und einen direkten Konkurrenten distanzieren. Doch auch andere Kellerkinder stockten ihr Punktekonto auf. Und so bleibt der Blick bei weiterhin nur zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz nach unten gerichtet.Umso wichtiger, nun den ordentlichen Start von Neu-Trainer Tayfun Korkutfortzusetzen und beim nächsten nominell ebenbürtigen Team zu punkten.
Dienstag ist die alte Dame in Mainz zu Gast und könnte mit einem Sieg sogar punktetechnisch zu den Nullfünfern aufschließen. Unsere drei Thesen zu diesem Duell.
These 1: Never change a running system
Zwei Spiele, vier Punkte – kaum ein Grund für Korkut, größere Anpassungen vorzunehmen. Und so wird er auch im Auswärtsspiel am Dienstagabend die erfolgsbewährte Grundformation des 4-4-2 beibehalten. Personell dürfte die selbe Elf beginnen wie zuletzt gegen Bielefeld. Ansonsten wird in einer englischen Woche gern durchgewechselt, doch es drängt sich der Eindruck auf, dass Korkut der erfolgreichen Elf vertraut.
Im Vergleich zum Stuttgart-Spiel setzte Korkut gegen Bielefeld im Vierer-Mittelfeld allerdings auf den genesenen Suat Serdar statt des glücklosen Myziane Maolida. So ersetzte er einen klaren Flügelspieler durch einen zentralen Mittelfeldmann.
Eine weise Entscheidung, war doch gegen Stuttgart Herthas Zentrale zu oft verwaist und gegen mehrere Angreifer auf sich allein gestellt. Dies zeigte sich insbesondere beim Konter zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung der Stuttgarter.
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Mit der Hereingabe von Serdar kam nun ein weiterer zentral orientierter Spieler dazu, der dieses Problem beheben konnte. Der Plan, das Zentrum dicht zu machen, funktionierte zwar gegen wenig kreative und tempoarme Bielefelder. Es birgt aber das Risiko, dass ein clevererer Gegner über die nunmehr unterbesetzten Flügel Herthas Defensive zu knacken versuchen dürfte. Für die zentrumsorientierten Spieler bedeutet das hohe Laufarbeit, da sie sowohl defensiv als auch offensiv Mitte wie Außen abdecken müssen. So kann es auf den defensiven Außen häufiger mal zu Überzahlsituationen der gegnerischen Angreifer kommen.
Ein Umstand, den sich insbesondere das variable Mainzer Sturmduo aus Karim Onisiwo und Jonny Burkardt gegen die nicht besonders temporeichen Marvin Plattenhardt und Peter Pekarik oder den im Zweikampf häufig zu stümperhaften Zeefuik zunutze machen dürfte.
These 2: Auch gegen Mainz funktioniert der Oldie-Sturm
Es hatte sich gegen Stuttgart angedeutet und nun gegen Bielefeld fortgesetzt – Hertha hat ein neues Sturmduo. Stevan Jovetic und Ishak Belfodil harmonieren unverhofft gut und verleihen Hertha dabei so etwas wie Offensivgefahr. Und auch gegen Mainz werden sich die beiden gefährlich vor den gegnerischen Kasten durchkombinieren.
Stevan Jovetic lässt zurzeit die Herzen der Hertha-Fans höher schlagen. Hat er den Ball und führt ihn vor sich her am Fuß, scheint eine geniale Idee nicht weit. Dabei treibt sich Jovetic nicht nur im Sturmzentrum herum, sondern holt sich immer wieder auch Bälle auf den Außenpositionen. Oder er stößt in Freiräume zwischen den gegnerischen Verteidigungsketten, um mit dem Ball aufzudrehen und mit etwas Tempo auf den gegnerischen Verteidiger zuzudribbeln oder auch zielstrebig und clever den Abschluss zu suchen.
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Belfodil hingegen ist der etwas positionstreuere Zielspieler. Er kann nach Anspielen den Ball ordentlich festmachen und behauptet sich auch mit Gegenspieler im Rücken. Er kann, selbst wenn ihm das Tempo sichtlich fehlt, auch ein paar Schritte ins Dribbling gehen und auf den durchstoßenden Jovetic oder nachrückende Mittelfeldspieler wie Marco Richter, Suat Serdar oder Jurgen Ekkelenkamp ablegen und sie so in Abschlusssituationen bringen.
Nachdem Belfodil gegen Stuttgart ein eigener Treffer noch vom VAR aberkannt wurde, könnte sein zweieinhalb Jahre währender Tor-Knoten jetzt endlich platzen. Allerdings – wer auflegt oder trifft, ist uns eigentlich egal. Ein Scorer aus dem Oldie-Duo wird aber dabei sein!
These 3: Und trotzdem coacht Bo Svensson Korkut aus
Unser abschließende Blick richtet sich auf den Gegner. Die Mainzer leisteten am Wochenende starke Gegenwehr bei Bayern München und unterlagen nach zwischenzeitlicher Führung und couragierter Leistung nur knapp mit 2:1. Kein Zufall, stellt Mainz doch gemeinsam mit Bayern die zweitbeste Defensive der Liga und steht auch sonst mit Platz acht ordentlich da.
In der 1. Bundesliga wohlgemerkt – ein Umstand, den sich selbst eingefleischte Mainz-Fans vor knapp einem Jahr kaum vorstellen konnten. Als Bo Svensson nach dem 14. Spieltag der letzten Saison die Nullfünfer übernahm, standen diese mit nur sechs Punkten abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz (noch hinter der rückblickend historisch schlechten Mannschaft aus Gelsenkirchen). Was folgte, war eine beispiellose Aufholjagd, die in der besten Rückrunde der Mainzer Bundesliga-Historie mündete und in dieser Saison seine Fortsetzung fand.
(Photo by Christof Koepsel/Getty Images)
Der Erfolg hängt eng mit Cheftrainer Svensson zusammen. Er setzt auf ein kompaktes System, fand für seine offensive Idee schnell die richtige Mischung an variablen Angreifern und bereitet seine Mannschaft optimal auf jeden Gegner vor. Er orientiert sich dabei effektiv an den Stärken und Schwächen des jeweiligen Kontrahenten und ärgert mit seinen cleveren Matchplänen auch den ein oder anderen großen Namen.
Ein Vorteil für Hertha dürfte aber darin bestehen, dass die Herangehensweise der Herthaner unter dem neuen Coach Korkut insgesamt noch recht unbekannt und wenig vorhersebar ist. Klar ist, dass Svensson in seiner Spielvorbereitung besonderes Augenmerk auf Jovetic und Belfodil legen dürfte. Und sich für die zwei etwas Kluges überlegt.
Mainz ist formstark und taktisch immer wieder optimal auf den Gegner eingestellt. Doch auch Hertha scheint unter Korkut eine bessere Balance zwischen defensiver Kompaktheit und offensiver Durchschlagskraft gefunden zu haben. Dennoch – aus Mainz nehmen wir höchstens einen Punkt mit.
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