Hertha – Leipzig: Drei Schlüsselduelle

Hertha – Leipzig: Drei Schlüsselduelle

Nach den enttäuschenden Resultaten aus den Spielen gegen Bochum und Fürth steht Hertha am Sonntagabend mit Vizemeister RB Leipzig ein harter Brocken bevor. Welchen Leipziger Herthas Hintermannschaft besonders im Blick haben muss, welcher Herthaner mit einer guten Leistung für einen Ruck durch das gesamte Team sorgen kann und auf welchen Positionen Tayfun Korkut ein glückliches Händchen beweisen muss, lest ihr hier.

Christopher Nkunku: Leipzigs Allzweckwaffe

In der NBA gibt es die Auszeichnung des Most Improved Player (MIP), die jedes Jahr an denjenigen Spieler geht, der im Vergleich zur Vorsaison die größte Entwicklung genommen hat. Gäbe es diese oder eine vergleichbare Auszeichnung auch in der Bundesliga, wäre Leipzigs Offensivspieler Christopher Nkunku wohl heißester Anwärter.

Zwar ließ der 24-jährige Franzose schon in seinen ersten beiden Bundesliga-Jahren seine Klasse aufblitzen, doch sein Spiel in dieser Saison ist effizienter und reifer. So ist er für die Leipziger unverzichtbar. In der Bundesliga kommt Nkunku schon auf elf Tore und neun Vorlagen, in der Gruppenphase der Champions League lieferte er überzeugende sieben Tore und zwei Assists – in einer Gruppe mit Paris Saint Germain und Manchester City. Dass er dabei mit dem Kopf, mit dem Fuß, oder auch wie zuletzt gegen den 1. FC Köln per direktem Freistoß erfolgreich ist, zeigt, wie vielseitig das Spiel Nkunkus ist.

Nkunkus größter Trumpf ist seine Polyvalenz. In der Offensive kann er jede Position bekleiden, wird derzeit als zweiter, spielstarker Stürmer neben André Silva eingesetzt. Neben seiner angesprochenen Torgefahr macht ihn so gefährlich, dass er seine Mitspieler gut in Szene setzen kann. 4,44 schusskreierende Aktionen liefert er durchschnittlich pro 90 Minuten, dazu 0,93 torkreierende.

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(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Dazu ist er Leipzigs erste Anlaufstelle im Offensivspiel: 11,48 progressive Pässe (Pässe, die den Ball maßgeblich näher zum gegnerischen Tor bringen) erreichen ihn durchschnittlich pro Spiel – in der Bundesliga ein Top-3%-Wert. Immerhin noch 3,81 progressive Pässe spielt er dabei selber.

Einen Spieler seiner Qualität kann man über 90 Minuten kaum ausschalten. Doch Arminia Bielefeld lieferte am 17. Spieltag beim Gastspiel in Leipzig (2:0-Sieg für die Arminen) den Beweis, dass die Sachsen sich an diszipliniert und stabil verteidigenden Gegnern auch mal die Zähne ausbeißen.

Schafft Hertha es, Nkunku weitgehend aus dem Spiel zu nehmen, nimmt man dem Leipzig-Angriff seine größte Waffe. Eine Aufgabe, die die Herthaner Defensive nur im Verbund lösen kann.


Mit Kelian Nsona hat Hertha ebenfalls einen spannenden Franzosen in seinen Reihen. Der Winterneuzugang kann nach seinem Kreuzbandriss endlich wieder trainieren. Doch was zeichnet Nsona aus? Was sind seine Stärken und Schwächen? Unser ausführliches Portrait kannst du hier lesen.


Marc Oliver Kempf: Zeit, für ein Zeichen

Weiterhin hat Hertha die zweitmeisten Gegentore der Liga. Und die Situation auf der Innenverteidiger-Position machte zuletzt wenig Hoffnung auf Besserung, als gegen Greuther Fürth mit Linus Gechter ein 17-Jähriger Herthas bester Spieler war, während die Etablierten entweder verletzt, krank oder im Formtief sind.

Dabei war noch eine Woche zuvor mit Neuzugang Marc Oliver Kempf ein Innenverteidiger Hoffnungsträger. Der Neuzugang aus Stuttgart stand gegen Bochum in der Startelf und zeigte gute Ansätze. Dann bremste ihn Corona aus. Gegen Leipzig dürfte er wieder gesetzt sein. Ein gutes Spiel von ihm wäre nicht nur sportlich wichtig, sondern auch ein Signal an die ganze Mannschaft. Schafft Kempf es im Verbund mit der restlichen Abwehr, die gefährliche Leipziger Offensive zu bändigen, dürfte im gesamten Team der Glaube an eine stabilere Rückrunde reifen.

Dabei muss Kempf vor allem an die erste Halbzeit aus dem Bochum-Spiel anknüpfen. Hier zeigte er im Verbund mit Niklas Stark (fehlt am Sonntag coronabedingt) eine souveräne Leistung. Er muss aber auch einfache Fehler vermeiden. Das Gegentor gegen Bochum etwa resultierte aus einem Freistoß von Kempf, den er etwas unmotiviert in den Strafraum brachte, wo außer Keeper Riemann niemand den Ball erwartete. Der leitete den Gegenangriff ein, in dem sich Kempf und Stark im Zwei-gegen-zwei gegen Jürgen Locadia und Sebastian Polter etwas naiv anstellten. Gerade gegen Leipzig, deren Spiel stark darauf basiert, gegnerische Fehler zu bestrafen, muss Hertha noch etwas aufmerksamer bleiben.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Gegen Leipzig wird es Kempf aller Voraussicht nach neben Nkunku mit Stürmer Silva zu tun haben. Der ist anders als der spielstarke Nkunku ein echter Strafraumstürmer, hat im Schnitt 7,18 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum pro 90 Minuten. Durchschnittlich schließt Silva aus 11,6 Metern ab. In der Box darf man ihm quasi keinen Raum geben, auf immerhin schon neun Saisontore kommt Silva nach anfänglichen Schwierigkeiten.

Leipzigs weitere Option im Sturm ist Yussuf Poulsen, ein physisch starker Stürmer, der über eine gute Ballkontrolle verfügt und durchaus mannschaftsdienlich spielt. Für einen Mittelstürmer spielt er mit 3,79 überdurchschnittlich viele progressive Pässe. Dazu kommen 3,08 schusskreierende Aktionen.

Keine leichten Aufgaben, die auf Kempf und seine Nebenleute warten. Doch ein gutes und konzentriertes Spiel könnte eine weitreichende Signalwirkung mit sich bringen.

Hertha-Flügel: Gegen Leipzig gefragt

Spielen Suat Serdar und Marco Richter auf den Außen oder im Zentrum besser? Reicht Jurgen Ekkelenkamps Physis aus, um über 90 Minuten in der Bundesliga zu bestehen? Macht Myziane Maolida bald den nächsten Schritt und wird schneller in der Entscheidungsfindung? Sind die Neuzugänge Dong-Jun Lee und Fredrik Andre Björkan schon bereit für die Startelf? Viele Fragen stellen sich die Hertha Fans und sicher auch Trainer Tayfun Korkut, wenn es um die Besetzung der offensiven Außenpositionen geht.

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(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Dabei können die gegen Leipzig entscheidend sein. In den jüngsten Spielen kassierte das Team von Domenico Tedesco immer wieder Gegentore über die Flügel. Linksverteidiger Angelino ist offensiv eine Waffe, doch defensiv kommt er da nicht ran. Nur 1,44 Tackles liefert er durchschnittlich in 90 Minuten, nur 3,99 Mal übt er erfolgbringend Druck aus. Auf 1,33 abgefangene Bälle kommt er und nur 2,02 klärende Aktionen. Alles Statistiken die verdeutlichen, warum Leipzig über die Seite so anfällig ist. Auf der rechten Seite hat Leipzig mit Benjamin Henrichs und Lukas Klostermann immerhin noch eine Auswahl. Wirklich herausragend sind die Defensivleistungen beider jedoch nicht.

Ausgehend von den Trainingsleistungen in dieser Woche wird Korkut Antworten auf die eingangs gestellten Fragen finden müssen und Außenspieler aufstellen, die in der Lage sind, die Leipziger Anfälligkeit auszunutzen.

[Titelbild: Alexander Hassenstein/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Es brennt lichterloh

Herthaner im Fokus: Es brennt lichterloh

Zwei Punkte für Hertha aus fünf Bundesliga-Spielen im Jahr 2022, dazu das Aus im Pokal. Die neueste Niederlage gegen die Spielvereinigung aus Fürth war nicht nur ernüchternd, sie schlägt vor allem Alarm und das sehr laut. Wir analysieren das niederschmetternde 1:2, welches Hertha knietief im Abstiegskampf versinken lässt.

Fragen über Fragen

Es sind tiefgehende Probleme, die wieder einmal eiskalt offenbart wurden. Nur der VfB Stuttgart steht in der Rückrundentabelle noch schlechter da als Hertha BSC und auch in der gesamten Tabelle sind es gar nicht so viele Punkte, die die Vereine voneinander trennen.

Zum Spiel der Hertha in Fürth stellen sich viele Fragen. Welche, die sich bereits in den letzten Spielen gestellt haben, doch es kommen nach der Niederlage gegen den Tabellenletzten weitere hinzu. Wieder stellte Tayfun Korkut die Mannschaft im 4-2-2-2 auf, welches immer mehr seine Schwächen zu offenbaren zeigt.

Aber es hilft ja nichts. Wir wollen die Fangemeinschaft nicht allein lassen und schauen uns an, woran es gegen Fürth gehapert hat, welche Spieler aktuell mehr mit ihrem Frust zu kämpfen haben, welche Baustellen sich Tayfun Korkut mittlerweile selbst leistet und ja, wir tun es, wir suchen auch nach diesem Spiel die kleinsten positiven Dinge neben den vielen negativen Punkten heraus.

Vladimir Darida: Die Einstellung stimmt, der Ertrag nicht

Daridas Interview unmittelbar nach dem Spiel sprach Bände. Er konnte sich die Leistung in Fürth nicht erklären, verfiel in Floskeln, wirkte nahezu hilflos. Der Tscheche ist in seinem Alter und auch nach Dienstjahren einer der erfahrensten Spieler bei Hertha und hatte viele schwere Zeiten mitgemacht, aber aktuell wirkt auch er verzweifelt. Und das ist in der jetzigen Situationen höchst dramatisch.

Immerhin war er im Spiel ein Antreiber, versuchte viel zu kämpfen und das Offensivspiel anzukurbeln. Doch den ersten dunklen Moment hatte er nach nur wenigen Sekunden, als er in einem heftigen Pressball mit Paul Seguin verwickelt war. Herthas allgemeinen Pech und einer schlecht gestaffelten Abwehr war es geschuldet, dass die Fürther mit dem schnellsten Bundesligator in dieser Saison nach nur 26 Sekunden bereits auf die Siegerstraße einbiegen konnten.

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(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Darida selbst versuchte sich als Ballverteiler, immerhin kamen 87 Prozent seiner Bälle bei den Mitspielern an. Doch viel zu häufig waren es kurze Bälle, die kaum für Entlastung oder gar einen goldenen Moment in der Offensive sorgen konnten. Wieder lief er mit 13,45 km die längste Strecke aller Akteure auf dem Feld. Zusätzlich konnte er mit einer feinen Flanke vor das Tor in der 82. Minute das Tor von Linus Gechter vorbereiten. Doch seine Statistiken lesen sich okay, mehr aber auch nicht.

Überall fehlte ihm das Glück, die Präzision, er wirkte oft überhastet, zu oft wurden seine Schüsse und Flankenversuche geblockt. Bei seiner Erfahrung sollte man erwarten können, dass er mehr als nur sein Standardrepertoir anbieten kann, doch das ist bei Vladimir Darida leider nicht vorhanden gewesen.

Maximilian Mittelstädt: Kampf, Unglück und tiefer Frust

Auch er ließ mit seinen Aussagen nach dem Spiel im TV-Interview tief blicken. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Die Mannschaft schien mit dem Druck des Publikums nicht klargekommen zu sein. Thesen, über die man reden kann, doch sie dürfen keine Ausrede für die Leistung sein.

Maximilian Mittelstädt, der mit seinen 99 Ballaktionen wieder einmal der aktivste Berliner war, war auch in gewisser Weise ein Sinnbild für das Spiel der Hertha gegen den Tabellenletzten. Bemüht, mit vielen Pässen, aber auch immerhin mit 14 zum Teil haarsträubenden Fehlpässen in völlig unnötigen Situationen.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Er versuchte sich regelmäßig in der Offensive, kam zu einem Torschuss selbst, bereitete vier weitere vor, aber auch er konnte in keiner Weise Druck für den Lucky Punch aufbauen. Sein Handspiel in der 69. Minute, welches zum Elfmeter führte, war unglücklich, aber nun einmal existent. Sein anschließender Ausraster gegen Schiedsrichter Daniel Schlager war ob der frustrierenden Situation allzu verständlich nur leider nicht zielführend.

Mittelstädt wollte, das ist ohne Zweifel, doch er konnte nicht. So wie das gesamte Team.

Linus Gechter: Der Sonnenstrahl am stark bewölkten Himmel

Wenn ein 17-jähriges Talent, welches gerade seinen sechsten Profieinsatz absolviert, bester Herthaner auf dem Platz ist, dann sollte dem gesamten Trainerteam und auch der gesamten Mannschaft bewusst sein, dass hier gehörig etwas schiefläuft.

Gechter musste regelmäßig in der Verteidigung brenzlige Situation klären, wie in der 18. Minute, als er den Fehler des in dieser Minute schwach agierenden Alexander Schwolow mit einer Klärungsaktion auf der Linie retten musste. Im Verlauf des Spiels war er 71 Mal am Ball, musste drei Schüsse der Fürther blocken und war im Vergleich zum routinierten Mannschaftskapitän Niklas Stark eindeutig der sicherere Mann.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Insbesondere weil Niklas Stark durch seine frühe gelbe Karte gehandicapt und viel damit beschäftig war, die Mitspieler zu ordnen, musste Gechter eine ganze Menge an spielerischen Situationen erledigen. Mit 11,92 km lief er wahnsinnig viel für einen Verteidiger, was aber auch mit seinen ständigen Läufen in den gegnerischen Strafraum zu erklären ist. Er versuchte es oft mit langen Bällen. Mit mäßigen Ertrag im Endeffekt. Zehn seiner 18 Versuche fanden den Mitspieler.

In der 82. Minute konnte er seine Leistung mit seinem ersten Profitor der Karriere krönen. Es half dem Team nicht mehr nennenswert. Doch auch nach diesem Tor war er der erste, der die Mitspieler antrieb, weiter zu kämpfen. Es wäre schön, diese Leistungen bald in Verbindung mit besseren Ergebnissen zu sehen.

Stevan Jovetic: Wut und Frustration in Person

Der Montenegriner ist einer der besten Spieler der Mannschaft und auch einer der erfahrensten. Doch Mitspieler in der aktuellen Verfassung hatte er wahrscheinlich noch nie oder nur selten. Wie schon gegen den VfL Bochum leistete sich Jovetic extrem viele Alleingänge. Er zeigte sich mit vielen Aktionen, versuchte zunächst auch seine Mitspieler in Szene zu setzen, verlor mit der Zeit aber an Geduld.

53 Mal war er am Ball, acht Torschüsse waren sein Beitrag in der Offensive. In der 49. Minute war es Keeper Linde, in dem er seinen Meister fand, wenige Minuten später setzte er einen Flachschuss an den Außenpfosten, in der 79. Minute verzog er sogar fünf Meter vor dem Tor stehend und setzte den Ball am Tor vorbei. Er und Marco Richter versuchten in der zweiten Halbzeit, das Spiel in der Offensive komplett an sich zu reißen.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Jovetic gewann zusätzlich 75 Prozent seiner Zweikämpfe, was für einen Offensivspieler eine beachtliche Quote ist. Doch auch er musste mit elf Fehlpässen oft den Angriff aufs gegnerische Tor abbrechen. Mit 11,47 km war er zusätzlich sehr agil. Doch das Spiel und das fehlende Engagement seiner Mitspieler ließ ihn völlig verzweifeln.

Seine Frustration hilft seiner Konzentration und seinem Spiel leider kaum weiter, da er sich schnell in überhasteten Situationen verheddert und das Angriffsspiel der Hertha damit genauso zum Erliegen bringt. Es ist eine vergleichbare Situation wie du von Matheus Cunha in der vergangenen Saison. Hoffentlich kann Jovetic seinen (verständlichen) Ärger in Zukunft besser kanalisieren.

Marco Richter: Mit dem Kopf durch die Wand

Viele Fans fragen sich, warum Marco Richter aktuell so wenige Einsatzzeiten bekommt. Es scheint an mangelnder taktischer Disziplin und schwachen Trainingsleistungen zu liegen. Auch gegen Fürth saß er zunächst nur auf der Bank. Zur zweiten Halbzeit kam er für den schwachen und wirkungslosen Myziane Maolida und riss das Angriffsspiel der Hertha zusammen mit Stevan Jovetic an sich.

Er kam zu fünf Torschüssen, war schnell unterwegs und versuchte in der Offensive, seine Mitspieler oft mit einzubinden. Immerhin kamen 15 seiner 16 Pässe bei den Mitspielern an. Doch so sehr er das Ruder rumreißen und dem Spiel seinen Stempel aufdrücken wollte, so übermotiviert wirkte er zum Teil auch.

(Photo by Joosep Martinson/Getty Images)

Eine Mischung aus Übermotivation und purem Frust bewirkt ein Spiel, dass man gut mit der berühmten Metapher „Mit dem Kopf durch die Wand“ beschreiben könnte. Er war gefährlich, aber nie zwingend genug. Meist folgten gewaltvolle Abschlüsse, denen klar die Präzision fehlten, wie in der 55. Minute, als er auf der linken Seite im Strafraum in guter Position war, um den Ball für einen Mitspieler aufzulegen. Er wählte die brutale Variante und versuchte sich an einem wuchtigen Volley aus viel zu spitzen Winkel, den er ans Außennetz setzte.

Marco Richter ist immer eine Alternative für die Offensive. Er sollte im Normalfall den Vorzug vor Maolida erhalten, ein frustrierter Richter hilft der Mannschaft allerdings nur bedingt weiter. Auch diese Baustelle sollte schleunigst geschlossen werden.

Fazit: Es geht um den Klassenerhalt und um nichts weiter

In Berlin türmt sich ein Gewitter auf und es muss viel passieren, damit dieses einfach nur vorbeizieht. Aber das Risiko, dass es sich demnächst über dem Olympiagelände kräftig entlädt, ist sehr groß. Es gibt kaum noch positive Argumente, die die Mannschaft aktuell auf ihrer Seite hat und die Unruhe rund um den Verein macht das Ganze nicht besser.

Wie eingangs bereits erwähnt stellen sich viele Fragen. Was ist Tayfun Korkuts Plan? Hat er Alternativen für das System? Ist er in der Lage, Spielern wie Suat Serdar oder Jurgen Ekkelenkamp die gewünschten Positionen auf dem Platz zu geben, die sie für ihr Spiel benötigen? Erreicht er überhaupt die Mannschaft? Gelingt es ihm Marco Richter und Stevan Jovetic wieder mehr mit dem Team zu verbinden?

Die Mannschaft wirkt nicht homogen, nicht wie ein Team. Das mussten Vladimir Darida und Maximilian Mittelstädt in ihren Sky-Interviews nach dem Spiel praktisch still und heimlich zugeben. In Berlin brennt der Baum. Noch ist Zeit ihn zu löschen, doch die nächsten Aufgaben sind alles andere als einfach und lassen das Vertrauen in die zuständigen Verantwortlichen nach und nach schwinden.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Hertha BSC in Fürth unter Druck: Ein Sieg ist alternativlos

Hertha BSC in Fürth unter Druck: Ein Sieg ist alternativlos

Die Bundesliga-Rückrunde für Hertha startete ähnlich enttäuschend wie schon die Hinrunde und so stand die Mannschaft letzte Woche wieder stärker unter Druck mit der Erwartung zweier Pflichtsiege gegen die Aufsteiger Bochum und Fürth. Doch die Bochumer stehen mittlerweile vor unserer Hertha und haben sich im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt. Hertha startete zwar gut in die Partie und ging in Führung, doch am Ende reichte es nur für ein Unentschieden. Folglich konnte das Polster zu den Abstiegsrängen nicht ausgeweitet werden und der Abstand zum Relegationsplatz beträgt aktuell nur noch einen Punkt. Um so wichtiger, dass die Jungs in Blau-Weiß am Samstag gegen den Tabellenletzten drei Punkte mit nach Berlin nehmen.

„Die Tabelle interessiert mich nicht“

Ein Blick auf die Tabelle zeigt normalerweise klare Verhältnisse auf. Hertha hat mit 23 Punkten mehr als doppelt so viele wie Fürth. Aber Tayfun Korkut interessiert das nicht. Und zwar aus gutem Grund. Die Franken haben die letzten vier Heimspiele nicht verloren und konnten dabei jeweils zwei Siege und Unentschieden verbuchen.

Darüber hinaus merkte unser Trainer zu Recht an, sich nicht vom Ergebnis der 1:4-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg täuschen zu lassen, denn der Tabellenletzte kassierte unglücklich Gegentore und setzte auch nach vorne einige Nadelstiche. Sie haben sich offensichtlich an das Tempo der Bundesliga gewöhnt. Ein Grund mehr für Korkut, der Mannschaft noch mal klarzumachen, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Eine Devise, die sich bei unserem Trainer als prägendes Merkmal seines Stils bemerkbar macht.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Mit einem gut aufgestellten Underdog rechnen und nach einer bisher sieglosen Rückrunde die eigenen Stärken zeigen – eine durchaus schwierige Aufgabe. Doch laut Korkut war die Trainingswoche wieder gut und kein Spieler hat nachgelassen. Auch die „Verbannten“ Marco Richter, Suat Serdar und Marvin Plattenhardt haben gut mittrainiert. Für unseren Trainer ist die gute Trainingswoche Grund genug, optimistisch zu sein. Wichtig sei es jetzt nur, die gute Leistung im Training endlich in Siege umzumünzen. Ein Versprechen gab es deshalb noch: Wie werden am Samstag die drei Punkte mitnehmen.

Personal: In der Innenverteidigung wird es knapp  

Ein Blick auf das Personal lässt besonders zwei Problemstellen hervorrufen. Während mit Rune Jarstein, Oliver Christensen und Nils Körber alle Ersatztorhüter ausfallen, ist auch die Innenverteidigung aktuell ziemlich dünn besetzt. Nachdem Kapitän Dedryck Boyata schon gegen Bochum verletzt ausfiel und weiter fehlt, verletzte Marton sich Dardai am Sprunggelenk und Neuzugang Marc Oliver Kempf wurde unter der Woche positiv auf Corona getestet.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Laut Korkut hat dieser auch Symptome und so besteht zwar die Möglichkeit, ihn am Samstag freizutesten, allerdings zweifelte Korkut hier zu Recht die Sinnhaftigkeit eines Einsatzes an. Oberste Priorität ist, dass es dem Spieler gut geht. Sollte er sich gut fühlen und der Test am Samstag fällt negativ aus, müsste Kempf sich immer noch der routinemäßigen kardiologischen Untersuchung nach einer Infektion unterziehen und die Reise ins Frankenland antreten. Ein Ausfall gilt deshalb als sehr wahrscheinlich.

Interessant war außerdem Korkuts Antwort auf die Frage nach Alternativen in der Innenverteidigung. Durch die Leihe von Torunarigha nach Gent bleiben mit Stark und Gechter nur noch zwei nominelle Innenverteidiger im Kader. Ein riskantes Spiel, das der Trainer nicht mit Alternativen aus der U23, sondern Lucas Tousart und Plattenhardt als Back-Ups lösen möchte. Im Hinblick auf die ohnehin schon wackelige Defensive und fehlende Zweikampfstärke auf dem Boden und in der Luft eine durchaus bemerkenswerte Entscheidung. Drücken wir also die Daumen, dass Linus Gechter und Niklas Stark standhaft und fit bleiben.


Nach dem Unentschieden gegen Bochum ist Hertha in Fürth zum Siegen verdammt. Auf welche Duelle es am Samstag ankommt, erfahrt ihr hier.


Von Schwolow bis Lee: Fakten und Fragen zu einzelnen Spielern

Im Zuge der Fragerunde war auch unser zuletzt fehleranfällige Torhüter Alexander Schwolow Thema. Die üblichen Fragen zum Umgang der Verantwortlichen und seiner Reaktion auf die zuletzt häufigen Fehler wurden gestellt. Sowohl Korkut als auch Friedrich hatten hier klare Antworten. Trainer Korkut ist der Ansicht, Spielern in schwierigen Phasen auch Ruhe zu geben und den Raum für eigene Gedanken zu lassen. Angesichts der Erfahrung Schwolows könnte das in der aktuellen Situation der richtige Ansatz sein. Laut Friedrich arbeitet der Torhüter ununterbrochen an sich selbst und ist nach dem Training oft noch für Extraschichten im Kraftraum. Beide sind sich aber am Ende sicher: wir werden am Samstag einen gut aufgelegten “Schwolli” im Kasten erleben.

Neben unseren Torhüter waren auch Jurgen Ekkelenkamp, Serdar und Neuzugang Dongjun Lee Thema. Ekkelenkamp, der zuletzt mehr Spielpraxis bekam, macht nach Ansicht von Korkut und Friedrich eine gute Entwicklung. Wichtig sei es hier, dem Niederländer genug Zeit zu geben und möglichst wenig Druck zu machen. Ob er gegen Fürth wieder starten wird, bleibt abzuwarten. Die Fitness würde es zulassen, denn nachdem er am Mittwoch aufgrund eines Schlages auf den Knöchel das Training abbrechen musste, konnte er gestern wieder voll mitttrainieren. Im Hinspiel kam Ekkelenkamp von der Bank und erzielte seinen ersten Bundesliga-Treffer.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Ein Einsatz von Ekkelenkamp wird auch von Suat Serdar abhängen. Für viele ist der Mittelfeldspieler bisher der wertvollste Herthaner, doch gegen Bochum saß unser Neuzugang aus Schalke überraschend auf der Bank. Korkut ließ durchblicken, dass er zwar gut trainiert habe, machte seinen Einsatz aber von der Trainingsleistung aller Anwärter am Freitag abhängig.

Außerdem war auch diese Woche einer unser jüngsten Neuzugänge Lee Thema der Pressekonferenz. Laut den Verantwortlichen wurde Lee besonders gut in der Mannschaft aufgenommen. Ohne Dolmetscher und mit Gestik, Englisch und Hilfe seiner Mitspieler werden auch besonders komplizierte Spielformen schnell verständlich gemacht. Darüber hinaus hat der Verein einen Externen Helfer gefunden, der Lee bei Eingewöhnung und Kennenlernen der Stadt helfen wird. Man ist insgesamt guter Dinge, gibt aber auch dem Südkoreaner die nötige Zeit.

Wie spielt Hertha am Samstag in Fürth?

Zwar wollte Korkut keine genauen Angaben zu Startelf machen, dennoch sind aufgrund des dünnen Kaders einige Positionen eindeutig. Schwolow genießt weiter volles Vertrauen. Spielt die Mannschaft wieder im gewohnten 4-2-2-2, stellt sich besonders die Frage, ob Mittelstädt seinen Platz im Mittelfeld oder Abwehr finden wird. Die Innenverteidigung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Stark und Gechter bestehen. Serdar oder Ekkelenkamp? Auch diese Frage steht offen. Dennoch glauben wir, dass Korkut folgende Spieler auf den Platz schicken könnte:

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Der Druck ist groß. Ein Sieg wäre enorm wichtig, um für die kommenden Spiele keine Unruhe im Verein zu kreieren. Korkut und Friedrich sind wie immer zuversichtlich. Hoffen wir, dass sich dies am Samstag auch bestätigt.

(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Herthaner im Fokus: Minischritt für Minischritt

Herthaner im Fokus: Minischritt für Minischritt

Das Glück ist des Tüchtigen. Nach dem Spiel gegen den VfL Bochum konnten sich Fans von Hertha BSC mal wieder tief im Phrasendreschen ausprobieren. Vorangegangen war eine Mannschaftsleistung, die ob der grundverschiedenen Halbzeiten kaum zu erklären war. Auf eine der besten Halbzeitleistungen der letzten Wochen oder gar Saison folgte eine ziemlich ernüchternde zweite Hälfte gegen den Aufsteiger, die wie ein Schritt zurück wirkte.

Trainer Tayfun Korkut rotierte kräftig gegenüber der Niederlage gegen den FC Bayern München vor zwei Wochen. Zunächst stellte er das System zurück auf das alte 4-2-2-2. Die Innenverteidigung bildeten wie zu erwarten Neuzugang Marc Oliver Kempf und Kapitän Niklas Stark. Santiago Ascacibar und Vladimir Darida waren für die Zentrale zuständig, während Jurgen Ekkelenkamp und Myziane Maolida auf den Außen wirkten. Im Doppelsturm fanden sich Ishak Belfodil und Stevan Jovetic wieder. Dementsprechend brachte Korkut fünf neue Spieler im Vergleich zum Spiel gegen die Bayern.

Wir schauen heute auf die Neuzugänge, den Sturm, was sich für Alternativen gefunden zu haben scheinen und welche alten Probleme der Mannschaft immer und immer wieder das Genick brechen.

Marc Oliver Kempf: Niklas Starks gesuchter Partner

Tayfun Korkut hat mal wieder das getan, was er am liebsten tut. Ein Pärchen gebildet. Nämlich aus Neuzugang Marc Oliver Kempf und dem gestrigen Mannschaftskapitän Niklas Stark. Die rohen Zahlen des Innenverteidigers, der vor nicht einmal zwei Wochen vom VfB Stuttgart nach Berlin kam, lesen sich eigentlich eher mittelmäßig. 19 seiner 47 Pässe kamen nicht beim Mitspieler an, seine Zweikampfquote von 56 Prozent ist ausbaufähig.

Doch ordnet man diese Zahlen ein, lässt sich ein durchaus gelungenes Debüt sehen. Er konnte drei Aktionen klären und zweimal seine Gegner abfangen. Gerade in der ersten Halbzeit hatten er und Niklas Stark die Offensive der Bochumer gut im Griff, ließen nur sehr wenig zu.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Die Kommunikation in der Verteidigung war höher als in den letzten Spielen. Kempf koordinierte zusammen mit Stark die Defensive und zeigte, dass er ein routinierter Bundesliga-Verteidiger ist. Er klärte etliche Bälle, die die Bochumer mit langen hohen Pässen in den Strafraum zu spielen versuchten. Das Innenverteidiger-Duo konnte sich gegenseitig Sicherheit verschaffen.

Doch wie die gesamte Mannschaft ließen auch sie in der 2. Halbzeit nach. Das Gegentor in der 48. Minute war auch eine Folge ihres inkonsequenten Handelns nach dem Seitenwechsel. Gerade Sebastian Polter machte der Verteidigung nach seiner Einwechslung das Leben schwer und konnte mit seiner ersten Aktion eine Fehlerkette der Berliner ausnutzen. Doch auch im nächsten Spiel gegen Fürth ist von diesem Innenverteidiger-Duo in der Startelf auszugehen.  

Stevan Jovetic und Ishak Belfodil: Jovedil in guten wie in schlechten Zeiten

Ein Pärchen was sich bekanntlich seit vielen Monaten gefunden hat, ist das Sturmduo, bestehend aus Stevan Jovetic und Ishak Belfodil. Und nachdem dieses Duo aufgrund des verletzungsbedingten Fehlens von Jovetic und einer Corona-Infektion von Belfodil einige Wochen auseinandergerissen war, konnten sie gegen den VfL Bochum endlich wieder harmonieren.

Höhepunkt war selbstverständlich das Tor in der 23. Minute, als Jovetic einen Freistoß von der linken Seite in den Strafraum flankte und Belfodil mit dem Kopf ins Tor verlängerte. Doch viel mehr konnte der Algerier dem Spiel nicht beitragen. Er wurde von den Bochumern konsequent verteidigt, hatte kaum Möglichkeiten sein kreatives Spiel zu entfalten oder mit Torschüssen das gegnerische Tor wirklich in Gefahr zu bringen. Er gewann nur einen seiner sechs Zweikämpfe und verlor 16 Mal den Ball. 57 Prozent seiner Pässe fanden den Mitspieler. Nach 75 Minuten war für ihn Feierabend. Sein Tor half der Mannschaft entscheidend weiter, mehr konnte er leider nicht beitragen.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Jovetic dagegen war im Sturm ein ständiger Unruheherd. Doch seine Abschlüsse wirkten oft überhastet oder mit zu viel Frust beladen. Nach 55 Minuten versuchten er und Ekkelenkamp sich mit einem Doppelpass, nach einer Stunde wurde der Schuss des Montenegriners von Soares blockiert. In der 64. Minute verzog er um einige Meter, eine weitere Minute später scheiterte er am Bochumer Torhüter Riemann.

Es war die aktivste Phase des Stürmers, dem im Abschluss allerdings klar das Glück fehlte. Auch er verzweifelte an der gut gestaffelten Verteidigung und gewann nur 36 Prozent seiner Zweikämpfe. Immerhin konnte er 71 Prozent seiner Pässe an den Mann bringen und damit viele Bälle im Angriffsspiel verteilen. Auch dieses Duo werden wir sehr wahrscheinlich in Fürth wiedersehen.

Vladimir Darida und Santi Ascacibar: Pärchenbildung in der Zentrale

Und auch bei den beiden zentralen Mittelfeldspielern scheint Tayfun Korkut ein Duo gefunden zu haben. Durchaus überraschend verzichtete der Trainer auf Suat Serdar und vertraute dem Tschechen und dem Argentinier. Beide spielten 90 Minuten durch, bewegten sich unfassbar viel und waren nahezu überall auf dem Platz zu finden.

Vladimir Darida spulte wieder einmal mit seiner unvergleichbaren Pferdelunge 13,34 km ab und zeigte vor allem zu Beginn der Partie seine Qualitäten in der Offensive. Nach vier Minuten prüfte er mit einem wuchtigen Schuss nach zu kurzer Klärung von Verteidiger Bella-Kotchap das erste Mal Keeper Riemann. Auch in den nächsten Minuten bemühte sich der Routinier das Offensivspiel anzukurbeln. 78 Ballkontakte zeigen sein aktives Spiel, zusätzlich brachte er 80 Prozent seiner Pässe an den Mann.

Doch auch seine Konzentration nahm im Laufe des Spiels immer mehr ab. 13 Fehlpässe unterliefen ihm, nur die Hälfte seiner Zweikämpfe konnte er gewinnen. Gerade am Ende der Partie wirkte er müde und ausgelaugt und dadurch unkonzentriert. Somit konnte er seiner Mannschaft in den späteren Minuten kaum noch den gewünschten Halt geben.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Santiago Ascacibar dagegen machte das übliche: Kratzen, kämpfen, beißen. Er grätschte Gegenspieler ab, unterband Angriffe, aber auch er musste sich gerade wegen seiner Größe öfter geschlagen geben. Gerade die zweiten Bälle im Angriffsspiel konnte er selten in Kopfballduellen festmachen und somit wenig Druck von hinten aufbauen.

Nichtsdestotrotz hatte er mit 78 Ballkontakten ebenfalls einen enormen spielerischen Anteil, konnte 81 Prozent seiner Pässe zu seinen Mitspielern bringen und gewann sieben Tacklings. Sein Kampfgeist und unermüdlicher Einsatz sind immens wichtig für das Team. Auch wenn sein Offensivspiel nicht immer Früchte trug, konnte er sich nach 15 Minuten mit einem Volleyschuss, der denkbar knapp über das Tor flog, ausprobieren. Zusätzlich bereitete er zwei Torchancen vor.

Während auch die beiden gute Chancen haben gegen Fürth zu spielen, fiel die Leistung Jurgen Ekkelenkamps, der gegen Bochum etwas glücklos agierte, ab. Womöglich die Chance für Suat Serdar, zurück in die Startelf zu rücken.

Dongjun Lee und Fredrik André Björkan: Noch überfordert, aber mit Sturm und Drang

Neben Marc Oliver Kempf durften sich auch zwei weitere Wintertransfers zeigen. Dongjun Lee, der als einziger Spieler aus dem Kader Reisestrapazen und Spiele der Nationalmannschaft in den Knochen hatte, konnte sich auf Grund guter Trainingsleistungen für den Kader empfehlen. Er kam früher als gedacht für den unauffälligen Jurgen Ekkelenkamp nach 58 Minuten.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Man merkte seine Motivation, er zeigte viel Engagement, doch Herthas erstem Südkoreaner der Vereinsgeschichte war anzumerken, dass die Bundesliga eine Umstellung für ihn bedeuten würde. Mehr als Ansätze gelangen ihm nicht. Immerhin bracht er vier seiner sieben Pässe an den Mann und gewann zwei Tacklings. Doch er verlor auch neun Bälle und konnte nur selten sein Tempo ausnutzen.

Als ihm eben jenes zu nutzen gelang, dribbelte er sich in der 80. Spielminute in den Bochumer Strafraum. Doch sowohl sein Zögern als auch seine mangelhafte Entscheidungsfindung in dieser Aktion beendeten den Angriff recht schnell. Es war ein Auftritt, der Neugier auf mehr weckt. Doch Lee wird noch einige Spiele benötigen, um mit dem körperlichen Spiel in der Bundesliga zurechtzukommen.

Fredrik André Björkan, der bereits gegen den FC Bayern München sein Debüt für Hertha BSC feiern durfte, bekam gegen Bochum nach 75 Minuten die Möglichkeit, sich auszuzeichnen. Ein spannender Spieler, der einen Offensivdrang hat und viele müde Abwehrketten vor Probleme stellen kann.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Mit Wucht und Schnelligkeit auffallend, fehlt ihm aber häufig noch die Übersicht, um eine Aktion sauber zu Ende zu spielen. Neunmal war er am Ball, drei seiner sechs Pässe kamen an, er versuchte sich mit Flanken und gestikulierte und gab erste Kommandos. Es scheint, als hätte er gute Chancen, noch mehr Minuten zu bekommen.

Alex Schwolow: Es stehen unruhige Zeiten bevor

Er macht es sich immer wieder selbst kaputt. Vor dem Spiel gegen den FC Bayern München regnete es Lobeshymnen für Schwolow, der endlich seine gewünschte Form gefunden zu haben schien. Doch trotz seiner 14 Paraden gegen den Rekordmeister, versaute er sich das Spiel mit einem kapitalen Bock. Und nun selbiges gegen den VfL Bochum.

Sein Abklatscher vor die Füße von Stürmer Polter war sicherlich nicht so ein großer Bock wie vor dem Gegentor des abstaubenden Leroy Sanés, doch wieder einmal sah der Ex-Freiburger alles andere als gut aus. Auch beim Schuss von Pantovic nur wenige Minuten nach dem Ausgleichstreffer konnte er die Situation nur im Nachfassen beruhigen. Man muss ihm zugestehen, dass der Regen ihm das Spiel schwer machte und Torhüter allgemein bei solchen Wetterbedingungen ihre Probleme haben.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Seine beste Aktion hatte er, als er gegen Sebastian Polter wach blieb und mit einem Ausflug aus dem Strafraum die Gefahr frühzeitig im Keim ersticken konnte. Doch Schwolow entwickelt sich immer mehr zum Unsicherheitsfaktor im Team. Es ist fraglich, wie lange sich das Trainerteam diese Fehler noch mit anschaut. Schwolow wäre es zu wünschen, Rückendeckung zu erhalten.

Doch ihm fehlen zunehmend die Argumente. Denn auch zum Aufbauspiel der Hertha konnte er nur wenig beitragen. Nur 42 Prozent seiner Pässe kamen beim Mitspieler an. Sollte sich die Verletzungssituation bei Herthas Torhütern unter der Woche entspannen, könnte die Torhüterdebatte ein weiteres Mal entfacht werden.

Fazit: Zu wenig – der Druck wächst

Die 3.000 Zuschauer:innen im verregneten Berliner Olympiastadion sahen eine der besten ersten Halbzeiten Herthas in dieser Saison. Gerade der sich seit Wochen in guter Form befindende Maximilian Mittelstädt, der auch körperlich extrem gereift zu sein scheint, und der oft auch zurecht schwer kritisierte Myziane Maolida konnten über die Außen mit Hilfe eines technisch starken Stevan Jovetic für ein sehenswertes Angriffsspiel zu sorgen.

Doch sowohl bei den temporeichen Gegenstößen der Bochumer, als auch beim druckvollen Spiel der Westfalen im zweiten Durchgang zeigten sich Herthas Defizite im Defensivspiel. Die erste Halbzeit hätte eine große Entwicklung für die nächsten Spiele bewirken können. Einen riesigen Schritt in ruhigere Fahrgewässer.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Doch die zweite Halbzeit war Ernüchterung pur und wieder einmal passt eine klassische Fußballphrase. Denn ein Spiel hat 90 Minuten und eben nicht nur 45. Die Leistung der Hertha zeigt leider auch, dass aktuell wenig über nicht-einstudiertes geht. Die Wechsel Korkuts, der hauptsächlich Offensivkräfte von der Bank aus brachte, fruchteten kaum, brachten wenig neue Ideen und verfielen schnell in den allgemeinen Trott des Teams. Sie sorgten nahezu für etwas Unsicherheit, da die Defensive durch das Verstärken der Offensive zunehmend an Stabilität verlor.

Was bleibt, ist ein Remis gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Sollte auch gegen Fürth kein Sieg errungen werden, kann es in wenigen Wochen in Anbetracht des Spielplans in Berlin lichterloh brennen.

[Titelbild: Stuart Franklin/Getty Images]

Hertha gegen Bayern: Fünf legendäre Duelle

Hertha gegen Bayern: Fünf legendäre Duelle

„München ist wie ein Zahnarztbesuch. Muss jeder mal hin. Kann ziemlich wehtun. Kann aber auch glimpflich ausgehen“, sagte der ehemalige Verteidiger Werder Bremens Sebastian Prödl 2015 und sicherte sich damit den Titel des „Fußballspruch des Jahres“. Den obligatorischen Zahnarztbesuch brachte Hertha schon am dritten Spieltag dieser Saison hinter sich. Mit 0:5 ging es nicht gerade glimpflich aus, glich eher einer Wurzelbehandlung – ohne Betäubung. Nun kommt es zum Wiedersehen.

Ob der Besuch eines Zahnarztes in den eigenen vier Wänden so viel angenehmer ist? Die derzeitige Form Herthas spricht nicht gerade dafür. Und auch die Bayern, derzeit auf dem besten Weg die zehnte Meisterschaft in Serie einzufahren, machen nicht den Eindruck, als würden sie mit freundlichen Absichten nach Berlin anreisen.

Mit Blick auf den kommenden Gegner Herthas gibt es sicher viel Erwähnenswertes. Ihren Stürmer Robert Lewandowski zum Beispiel, der einen Torrekord nach dem nächsten jagt. Oder Torhüter Manuel Neuer, der auch im Alter von 35 Jahren noch Woche für Woche Weltklasse-Leistungen abspult. All das soll an gebotener Stelle auch getan werden, doch es lohnt sich auch ein Blick auf vergangene Aufeinandertreffen zwischen dem Hauptstadtclub und dem Rekordmeister. Hier kommen fünf bemerkenswerte Duelle zwischen Hertha und Bayern.

01. Februar 1975: Hertha 4:1 Bayern

Nicht nur am kommenden Wochenende reist das Team von Trainer Julian Nagelsmann mit Weltstars an, bereits 1975 kommt der FC Bayern als amtierender Deutscher Meister mit den ganz großen Namen ins Olympiastadion. Maier, Beckenbauer, Müller Rummenigge – trainiert wird das Starensemble von Dettmar Cramer (1925-2015). Der heuerte zu Saisonbeginn als neuer Hertha-Trainer an, doch löste seinen Vertrag nach acht Tagen und nur einer einzigen Trainingseinheit aus „persönlichen Gründen“ wieder auf. Im Januar kehrte er in die Bundesliga zum FC Bayern zurück.

Doch eben jene Weltstars in seinen Reihen sind es, die vor 80.000 Zuschauern im dichten Nebel patzen. Ausgerechnet Franz Beckenbauer, Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft, trifft nach neun Minuten ins eigene Tor zur Hertha-Führung. Zwar gleicht Karl-Heinz Rummenigge nur zwei Minuten später aus, doch weitere Fehler führen zum deutlichen Hertha-Sieg. Einen verunglückten Rückpass von Gerd Müller verwertet Erich Beer nach 47 Minuten zum 2:1. Aus einem Abspielfehler Beckenbauers resultiert 15 Minuten später das 3:1 durch Wolfgang Sidka.

Den Schlusspunkt setzt erneut Beer in der 85. Minute. Auch ein verschossener Elfmeter Uwe Kliemanns in der Schlussphase und damit die Chance auf einen noch höheren Erfolg trüben die Stimmung nicht. Denn mit dem Sieg ist Hertha nach 19 Spieltagen punktgleich mit Tabellenführer Gladbach.

19. Februar 1977: Hertha 4:2 n. V. Bayern

Nur zwei Punkte aus den letzten sieben Liga-Spielen. Und nun kommt der FC Bayern im Pokal. Hoffnung zieht Hertha unter der Führung des stark angezählten Trainers Georg Kessler lediglich daraus, dass der Gast mit Gerd Müller, Uli Hoeneß, Bernd Dürnberger und Georg Schwarzenbeck gleich vier Leistungsträger ersetzen muss.

Doch die Partie ist nur sechs Minuten alt, da gehen die Münchener durch Hans-Josef Kapellmann in Führung. Hertha ist in der Folge am Drücker, aber muss bis in die 51. Minute warten. Dann wird Gerhard Grau im Strafraum zu Fall gebracht, den fälligen Strafstoß verwandelt Karl-Heinz Granitza zum 1:1.

Es geht in die Verlängerung und wieder gehen die Bayern in Führung. Kapellmanns Vorarbeit veredelt Josef Weiß in der 95. Minute zum 1:2. Wieder steckt Hertha nicht auf, kommt nur fünf Minuten später zum Ausgleich. Erneut durch Granitza, dieses Mal per Kopf. Hertha will nun die Entscheidung und trifft in der 108. und 116. Minute jeweils nach einer Ecke. Die eingewechselten Lorenz Horr und Bernd Gersdorff sorgen für die entscheidenden Tore.

Kessler darf auch wegen dieses Spiels trotz der Liga-Misere weitermachen, führt Hertha in dieser Saison ins Pokalfinale, wo sich der 1. FC Köln erst im Rückspiel durchsetzt.

14. Februar 1998: Hertha 2:1 Bayern

Siege gegen die Bayern sind doch immer etwas Schönes – im Februar 1998 ist das der Hertha in der Liga allerdings seit 19 Jahren und elf Monaten nicht mehr gelungen. Als Tabellenzweiter und amtierender Meister reist das Team von Giovanni Trapattoni um Spieler wie Lothar Matthäus, Oliver Kahn, Mario Basler und Mehmet Scholl zum Aufsteiger Hertha BSC und wird Zeuge eines Doppelpacks der ganz besonderen Art.

Es ist die Heimmannschaft, die leidenschaftlich und beherzt auftritt. Keine nennenswerte Chance lässt die Abwehrkette um Dick van Burik, Steffen Karl und Eyjolfur Sverrisson im ersten Durchgang zu. Stattdessen trifft auf der Gegenseite Michael Preetz nach 18 Minuten durch die Beine Kahns. Im zweiten Durchgang legt Preetz dann mit einer Torvorlage nach. Seine Hereingabe von der linken Seite veredelt in der 70. Minute Ante Covic zum 2:0.

Ein weiteres Tor sollte Preetz auch noch gelingen – jedoch in das falsche Gehäuse. Per Kopf überwindet er in der 84. Minute nach einer Ecke den eigenen Keeper Gabor Kiraly. Für die Bayern nicht mehr als Ergebniskosmetik, es bleibt beim 2:1. „Der Sieg ist hochverdient“, lässt der zufriedene Hertha-Trainer Jürgen Röber hinterher verlauten.

12. Juni 1976: Bayern 7:4 Hertha

Hohe Niederlagen in München sind die meisten Bundesligisten seit Jahren gewohnt. Sieben Gegentore hat dabei auch der eine oder andere schon schlucken müssen. Wirklich bemerkenswert wird es allerdings, wenn der Gegner dem immerhin noch vier eigene Tore entgegenzusetzen hat. So wie Hertha im Sommer 1976.

Am letzten Spieltag der Saison 1975/75 geht es für Hertha um nichts mehr. Und so spielen sie auch. Hatte Trainer Georg Kessler vor dem Spiel noch gefordert „Wir wollen den Bayern ein offenes Spiel liefern“, ist davon im ersten Durchgang gar nichts zu sehen. Mit 0:6 aus Hertha-Sicht geht es in die Pause. Allein Gerd Müller trifft vier Mal. „Bei Halbzeit hatte ich Angst, wir würden zweistellig verlieren“, gesteht Kessler hinterher.

Hatte Bayern-Torhüter Sepp Maier im ersten Durchgang mehrfach gut gerettet, klappt in der zweiten Halbzeit auch bei den Herthanern mehr. Müller trifft zwar noch ein fünftes Mal, doch Hans Weiner und dreimal Detlev Szymanek betreiben Ergebniskosmetik und bieten einen mit elf Toren sehenswerten Saisonabschluss. „Ein Tor war schöner als das andere“, fand sogar Bayerns Trainer Dettmar Cramer, „auch die gegen uns“.

02. Dezember 2001: Hertha 2:1 Bayern

Mit Gabor Kiraly, Sebastian Deisler, Marko Rehmer, Stefan Beinlich und Alex Alves fehlen Jürgen Röber gleich fünf wichtige Spieler, als im Winter 2001 ausgerechnet der FC Bayern zu Gast ist. „Wir hatten zunächst zu viel Respekt und konnten uns nur langsam davon befreien“, so Röber später.

Und dann trifft auch noch ein gebürtiger Berliner für den FCB kurz nach der Pause zum 0:1. Nach einem Freistoß gelingt Bayerns Niko Kovac die zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente Führung. Zuvor hatte Kiraly-Vertreter Christian Fiedler Schlimmeres verhindert. „Die Elf fand aber über den Kampf wieder ins Spiel“, so Röber. Hertha wird stärker und kommt in der 71. Minute zum verdienten Ausgleich. Nach einem Freistoß setzt „Zecke“ Neuendorf entscheidend nach, sein Schuss aus der Drehung ist unhaltbar.

Nun will die „Alte Dame“ mehr und belohnt sich tatsächlich für eine starke zweite Hälfte. Pal Dardai ist es nach 84 Minuten, der auf Vorarbeit vom starken René Tretschok zum 2:1 trifft. Der erste Sieg gegen den Rekordmeister im neuen Jahrtausend.

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Herthaner im Fokus: Nullnummer vor dem Saisonhighlight

Herthaner im Fokus: Nullnummer vor dem Saisonhighlight

So richtig entscheiden konnte man sich am Samstagabend nicht: war das 0:0 gegen den VfL Wolfsburg jetzt ein Rückschlag oder eher eine leichte Verbesserung? Am Ende holt Hertha Auswärts immerhin einen wichtigen Punkt und hält den dünnen Abstand zum Tabellenkeller. Da bei dieser Partie gerade in der Offensive wenig passiert, werfen wir einen Blick auf Herthas Hintermannschaft.

Schwolow – Endlich wieder weiße Weste

Die Kritik an Alexander Schwolow wurde zuletzt etwas lauter. Zu viele Gegentore, zu wenig Spiele zu Null. Dabei hatte es Herthas Keeper diese Saison mit seiner Defensive nun wirklich nicht leicht und wurde immer wieder in Stich gelassen, wie auch am vergangenen Wochenende im Heimspiel gegen den 1. FC Köln.

Wahr ist: gerade die Konkurrenz auf dieser Position ist aktuell eher gering. Rune Jarstein trainiert noch individuell und Oliver Christensen fällt aufgrund einer Covid-19 Infektion aus. So saß am Samstag Nils Körber als Ersatzkeeper auf der Bank. Doch große Sorge sollte nicht aufkommen: Schwolow zeigte sich von Beginn an besonders aufmerksam und hellwach.

Foto: Stuart Franklin/Getty Images

Das extrem hohe Pressing des Heimteams zum Beispiel erkannte der Keeper früh und wechselte von kurzen zu langen Abstößen, um seine Mannschaft zu entlasten. Zudem war er bei den Wolfsburger Torchancen zur Stelle, erlaubte sich keine Fehler. Auch beim Rauslaufen, wie in der 80. Minute gegen Dodi Lukebakio, bleib er konzentriert.

Ganz besonders Schwolow sollte sich darüber freuen, dass am Ende Hertha endlich wieder zu Null spielte. Es war nur das dritte Mal diese Saison, dass der 29-Jährige mit einer weißen Weste ein Bundesligaspiel zu Ende bringen konnte. Nur in den Heimspielen gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) und Arminia Bielefeld (2:0) musste er nicht hinter sich greifen.

Maximilian Mittelstädt – „Under Pressure“

Bereits vergangenes Wochenende war Maximilian Mittelstädt bei uns im „Fokus“. Wie auch gegen Köln konnte der 24-Jährige in Wolfsburg Offensiv kaum Akzente setzen. Dieses Mal jedoch wurde er ganz besonders gefordert und musste gerade in der Anfangsphase hohe Konzentration und Nervenstärke beweisen.

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Die Offensive des VfL presste in den ersten 20 Minuten der Partie extrem hoch und lief Herthas Defensive früh an. Gerade Mittelstädt wurde von seinen Gegenspielern Baku und Steffen oft unter Druck gesetzt. Er durfte sich keinen Fehler erlauben. So ist es kein Wunder, dass er laut „Bundesliga.com“ der Spieler war, der am häufigsten unter Druck gesetzt wurde (ganze 48 Mal). Diesem Druck hielt Mittelstädt allerdings stand, gewann viele Zweikämpfe (17, bester Wert bei Hertha) und fing drei wichtige Bälle ab.

Im Ergebnis war die linke Seite der Blau-Weißen in der ersten Halbzeit deutlich weniger anfällig für Wolfsburgs Angriffe. Wie auch seine Mitspieler traute er sich im Laufe der zweiten Hälfte etwas mehr zu, hatte dabei jedoch genauso wenig Erfolg. Der Linksverteidiger lieferte insgesamt eine solide Leistung ab und hatte seinen Anteil daran, dass Hertha am Ende zu Null spielte.

Lukas Klünter – Einsatz in Notfalllage

Ob es viele gibt, die vor einigen Wochen darauf gewettet hätten, dass am 19. Spieltag Lukas Klünter in Herthas Startelf stehen würde, ist zu bezweifeln. Doch Herthas Personallage sorgte dafür: nach dem Wechsel von Deyovaisio Zeefuik und der kurzfristigen Covid-19 Infektion von Peter Pekarik stand nur noch ein gelernter Rechtsverteidiger zur Verfügung. Der 25-Jährige absolvierte im Auswärtsspiel in Wolfsburg die kompletten 90 Minuten.

Beeindruckend, wenn man bedenkt, dass er drei Monate aufgrund einer Schulter-Operation ausfiel, erst vor kurzem wieder ins Mannschaftstraining einstieg und sein letzter Startelf-Einsatz Mitte September war. „Ich kann meinem Körper in solchen Situationen nach Verletzungen vertrauen, auch nach dem Muskelbündelriss 2018 war ich recht schnell wieder fit“, sagte Klünter noch Anfang Januar zu seiner Rückkehr.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Dass die lange Verletzung nicht spurlos an ihm vorbei gegangen ist, merkte man allerdings zu Beginn der Partie. Herthas rechte Seite war besonders anfällig, gerade Jérôme Roussillon stellte Klünter vor großen Schwierigkeiten. Klünter selbst hatte Anfangs Probleme mit den Abständen, war oft ein Schritt zu spät oder zu weit vom Gegenspieler weg. Im Laufe der Partie steigerte er sich allerdings. So nahm Wolfsburgs Druck über die rechte Seite ab.

Der 25-Jährige hatte dann gegen Ende der Partie erneut Schwierigkeiten. Es war zu spüren, dass der Tank langsam leer wurde. So musste er öfter zu Fouls greifen und hatte am Ende Glück, nicht mit gelb-rot vom Platz zu fliegen. Mit 33,44 km/h war er immerhin der schnellste Spieler bei Hertha und ackerte unermüdlich auf der rechten Seite bis zum Abpfiff. Seine Rückkehr kommt zum richtigen Zeitpunkt, im Hinblick auf Herthas Personallage. Es bleibt zu hoffen, dass auch für Klünter die Rückrunde besser läuft als die Hinrunde.

Santi Ascacibar – Defensiv unermüdlich, Offensiv un-inspiriert

Wie die gesamte Mannschaft von Hertha BSC war auch von Santiago Ascacibar am Samstag offensiv wenig zu sehen. Zwar gab er zu Beginn der zweiten Halbzeit einen Schuss per Direktabnahme ab, dies war aber die einzige Aktion, die einen Hauch von Torgefahr mit sich brachte. Auch konnte er seine Mitspieler in der Offensive kaum in Szene setzen und fokussierte sich auf die Defensivarbeit.

Dies gelang ihm recht ordentlich: zwei Bälle konnte er abfangen und zwei weitere klären. Besonders auffällig war jedoch seine Passgenauigkeit: 87% seiner 73 Pässe fanden den richtigen Mitspieler (Höchstwert bei Hertha). Auch wenn diese meistens nach Hinten gespielt wurden, konnte er damit immerhin das Spiel beruhigen und vermied unnötige Ballverluste.

Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

In einzelnen Szenen zeigte er sich auch mal unkonzentriert und überhastet, wie in der 45. Minute, wo er mit beiden Beinen am Gegner vorbei grätschte und damit überspielt wurde. Auch bei Luftzweikämpfen konnte er in der Zentrale wenig Bälle behaupten – bei einer Körpergröße von nur 1,68m aber keine große Überraschung.

Der 24-Jährige Argentinier zeigte gegen Wolfsburg, warum er in solchen Spielen wertvoll sein kann. Es zeigte sich aber auch, dass das Duo Darida-Ascacibar im zentralen Mittelfeld nur sehr begrenzt dafür geeignet ist, durch die Zentrale eine Offensive anzukurbeln. Die Abwesenheit von Suat Serdar war dabei besonders stark zu verspüren.

[Titelbild: Stuart Franklin/Getty Images]