Drei Thesen zu Bayer Leverkusen – Hertha BSC

Drei Thesen zu Bayer Leverkusen – Hertha BSC

Die letzte Länderspielpause der Saison hat ein Ende gefunden und die Bundesliga geht endlich weiter. Für Hertha geht es im Saisonendspurt um alles. Ob man absteigt oder am Ende (erneut) den Klassenerhalt feiert, könnte den Verein sportlich, finanziell und vom Ansehen her auf die nächsten Jahre beeinflussen. Doch genug Pathos für diese Einleitung, los geht’s in die letzten Spiele dieser Saison. Den Anfang macht das Rückspiel gegen Bayer Leverkusen. Mit dabei sind ein begeisternder Co-Trainer, ein geschwächtes Top-Team und ein wieder stark aufspielender Sommerzugang.

These 1: Fotheringham wird trotz Magath-Premiere im Rampenlicht stehen

Der eine oder die andere mag es vielleicht bis heute noch immer nicht hundertprozentig glauben können, dass ausgerechnet Felix Magath unsere Hertha trainiert. Und wenn er am Samstag nach überstandener Corona-Infektion endlich das erste Mal an der Seitenlinie der „Alten Dame“ steht, werden viele Kameras auf ihn gerichtet sein.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Es ist allerdings davon auszugehen, dass der ehemalige Meistermacher genau wie im Training eher stiller Beobachter am Rand sein wird. Doch ruhig wird es in der Coaching-Area trotzdem nicht sein. Co-Trainer Mark Fotheringham wird die Mannschaft wie bereits gegen Hoffenheim ständig anpeitschen, ermahnen und motivieren. Und Magath damit während der 90 Minuten fast schon wieder vergessen machen.

These 2: Ersatzgeschwächtes Leverkusen wird keine drei Punkte zu Hause behalten können

Leverkusen spielt auch dieses Jahr um die Champions League mit. Dafür verantwortlich ist vor allem die furiose Offensive rund im Moussa Diaby und Co. Doch die Werkself wird gegen Hertha auf einige Stammspieler verzichten müssen: Strippenzieher Florian Wirtz fällt mit Kreuzbandriss aus, Patrik Schick ist nach seinem Muskelfaserriss noch nicht wieder vollständig einsatzbereit. Mit Amine Adli fällt aufgrund seines Sehnenrisses ein weiterer offensiver Gefahrenherd aus.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Und auch defensiv fehlt für Leverkusen wichtiges Personal: Abräumer Kerem Demirbay (Gelbsperre) sowie die beiden etatmäßigen Rechtsverteidiger Jeremy Frimpong (Syndesmosebandriss) und Timothy Fosu-Mensah (Oberschenkelverletzung) stehen alle nicht zur Verfügung. Da Hertha im Gegensatz fast aus dem Vollen schöpfen kann, werden wir mindestens einen Punkt mit nach Berlin nehmen.

Thema 3: Suat Serdar dreht auf

Er scheint unter Felix Magath wieder richtig aufzublühen: Sommerneuzugang Suat Serdar. Der 24-jährige ist laut Medienberichten im Training absolut motiviert und macht klar, warum man ihn geholt hat.

In der Sommervorbereitung zeigte er, warum er der Mannschaft helfen kann. Mit Balleroberungen, Dribblings in die gegnerische Hälfte und immer wieder gefährlichen Torabschlüssen sollte er Herthas lahmen Mittelfeld ein spielerisches Herz geben.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Während er zu Beginn der Saison noch glänzte, fiel er mit zunehmender Spielanzahl immer weiter ab. Gegen Leverkusen findet er zu alter Stärke zurück und wird mindestens einen Scorer liefern.

[Titelbild: Boris Streubel/Getty Images]

Konkurrenzcheck: Die Abstiegskandidaten im Vergleich

Konkurrenzcheck: Die Abstiegskandidaten im Vergleich

Die letzte Länderspielpause der Saison ist vorbei, ab jetzt geht es ohne Zwischenstopp auf die Zielgerade. Sieben Spieltage bleiben Hertha noch, um das rettende Ufer zu erreichen. Nach dem Sieg gegen Hoffenheim wurden die Karten im Tabellenkeller wieder neu gemischt. Anlass genug, um einen Blick auf die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt zu blicken und eine Prognose zu wagen, für wen es am Saisonende eng werden könnte.

11. Platz: Borussia Mönchengladbach

In einem Artikel über Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach zu erwähnen, zeigt allein schon, wie viel in dieser Spielzeit am Niederrhein schiefläuft. Nachdem schon die Rückrunde der vergangenen Saison unter Marco Rose alles andere als glatt über die Bühne ging, setzte sich dieser Trend unter Nachfolger Adi Hütter nahtlos fort. So waren es zum Hinrundenabschluss gar mickrige zwei Punkte Abstand auf Platz 16. Dazu gab es immer wieder Spiele, in denen sich die Borussia regelrecht abschießen ließ: 1:4 im Derby gegen Köln, 0:6 gegen Freiburg und Dortmund, 0:4 gegen Leverkusen. In froher Regelmäßigkeit werden die „Fohlen“ in dieser Saison deklassiert. Das Spiel gegen Hertha vor drei Wochen wurde dann fast schon zwangsläufig zum Endspiel für den Cheftrainer ausgerufen. Bekannterweise hat Hertha in seiner Rolle als Aufbaugegner nicht enttäuscht.

(Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Formkurve:

Die Partie gegen Hertha könnte sowas wie der (zu) späte Wendepunkt in der Gladbacher Saison gewesen sein. Gleichwohl die Borussia auch hier defensiv alles andere als gefestigt wirkte und ein schwaches Team von Tayfun Korkut auch bei 2:0-Führung noch zu Torchancen kommen ließ, stimmte immerhin vorn die Durchschlagskraft. Ein fast identisches Spiel legte Gladbach gegen den VfL Bochum hin. Auch hier zeigte man sich kaltschnäuzig vor dem gegnerischen Kasten, konnte jedoch gleichzeitig froh sein, dass ein gut aufgelegter Yann Sommer Schlimmeres zu verhindern wusste. So stehen sechs Punkte aus den letzten beiden Spiele zu Buche, was in Anbetracht der Tatsache, dass auch die Konkurrenz derzeit fleißig punktet, Gold wert ist. Übrigens wurden beide Siege ohne Adi Hütter eingefahren, der aufgrund einer Corona-Infektion durch seinen Assistenten Christian Peintinger vertreten wurde.

Restprogramm:

Vermutlich können die nächsten beiden Spiele schon darüber entscheiden, ob Gladbach in dieser Saison nochmal in Abstiegsnöte gerät. Holt man gegen Mainz und Augsburg mindestens vier Punkte, sollte die Mannschaft aus der Verlosung um den Gang in die Zweite Liga herausfallen. Lässt man hier jedoch Zähler liegen, kann es nochmal spannend werden. Am 30. Spieltag empfängt man den 1. FC Köln zum Derby bevor es gegen Freiburg, Leipzig, Frankfurt und Hoffenheim geht. Zwar kann sich Gladbach immer darauf berufen, dass man den mit weitem Abstand stärksten Kader aller Teams im Tabellenkeller hat und eigentlich in der Lage sein sollte, auch gegen die genannten Teams mindestens einfach zu punkten – wie eingangs gezeigt, hat dies allerdings auch nicht davor geschützt, unter anderem gegen Freiburg ein halbes Dutzend zu kassieren.

Prognose:

Trotz der starken Gegner, die man zum Saisonabschluss bespielen muss, reicht es für die Borussia dank der Punkte, die man gegen schon vorher gegen Mainz und Fürth holen wird, um am Ende (komfortabel) über dem Strich zu stehen.

12. Platz: VfL Bochum

Nur einen Punkt hinter den Gladbachern rangiert der VfL Bochum. Der Aufsteiger, dem nicht wenige den direkten Gang zurück in Liga Zwei voraussagten, geht bislang überraschend sorgenlos durch die Spielzeit. Lediglich an den Spieltagen 6 und 7 fand sich das Team von Trainer Thomas Reis auf einem Abstiegsrang wieder. Derzeit sind es sechs Zähler bis zum Relegationsplatz 16. Ausschlaggebend hierfür war vor allem die starke Frühjahresform der Bochumer. Aus den ersten fünf Partien im neuen Kalenderjahr holte der VfL beachtliche neun Punkte – darunter der fulminante 4:2-Sieg gegen Bayern.

Formkurve:

Wie man es in den vergangenen Jahren schon zuhauf erlebt hat, muss ein Sieg gegen den Branchenprimus nicht immer beflügelnd wirken. Auch den Bochumern gelang es nicht, an den Erfolg anzuknüpfen. Konnte man im darauffolgenden Spiel in Stuttgart äußerst glücklich durch einen Foulelfmeter in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielen, setzte es seitdem drei Niederlagen aus vier Spielen. Lediglich gegen Schlusslicht Fürth gelang in diesem Zeitraum ein Sieg. Zur ganzen Wahrheit gehört jedoch auch, dass sich der VfL hierbei trotzdem teuer verkauft. Im zurückliegenden Spiel gegen Gladbach verzeichnete die Mannschaft doppelt so viele Torschüsse wie der Gegner. Grund zur Panik besteht daher aktuell noch nicht.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Restprogramm:

Mit Blick auf das Restprogramm könnte sich an dieser Einschätzung jedoch schnell etwas ändern. Die kommenden drei Spiele bestreitet man gegen Hoffenheim, Leverkusen und Freiburg. Übersetzt sind das die Plätze 6, 3 und 5 der Bundesliga – Mannschaften, die also allesamt die Möglichkeit haben, sich für die Champions League zu qualifizieren. Zwar hat Bochum bereits bewiesen, dass man für Überraschungen gut ist, aber geht man aus diesen Spielen ohne Zählbares heraus, kann es in der Endphase nochmal eng werden. Zumal man am 30. Spieltag gegen den FCA und am 32. Spieltag gegen Arminia Bielefeld – beides unmittelbare Konkurrenten um den Klassenerhalt – spielt. Dazwischen muss der VfL nach Dortmund und zum Abschluss nach Köpenick in die Alte Försterei.

Prognose:

Sechs Punkte Vorsprung mögen aktuell komfortabel erscheinen. Der Blick auf die Formkurve in Kombination mit dem anspruchsvollen Restprogramm wird den Bochumern aber nochmal zum Verhängnis werden und für ein Zittern bis zum letzten Spieltag sorgen.

13. Platz: VfL Wolfsburg

Der Club aus der Autostadt spielt eine Saison gänzlich hinter den Erwartungen. Als Champions-League-Teilnehmer steckte der VfL im Sommer 52,5 Millionen Euro in neue Spieler und verpflichtete Mark van Bommel als Trainer, der auf den nach Frankfurt abgewanderten Oliver Glasner folgte. Schon der Saisonstart machte deutlich: van Bommel und Wolfsburg – das ist keine Liebesbeziehung. Zwar gewannen die Niedersachsen unter dem Niederländer die ersten vier Ligaspiele, alle denkbar knapp, doch im Pokal schied man aufgrund eines Wechselfehlers am grünen Tisch aus. Es folgten sechs sieglose Spiele, dann die Entlassung. Nachfolger Florian Kohfeldt startete ebenfalls mit Siegen, zwei in der Liga und einem in der Champions League, doch die Realität holte die Wölfe schnell ein. Elf sieglose Pflichtspiele am Stück verdeutlichten die Sorgen. Im Winter investierte man weitere 23,6 Millionen, allen voran in Königstransfer Max Kruse und Angreifer Jonas Wind. Auf ein kurzzeitiges Hoch folgte zuletzt wieder nur ein Sieg aus fünf Spielen.

Abstiegskampf
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Formkurve:

Den angesprochene einzige Sieg der letzten fünf Spiele gab es ausgerechnet im vermeintlich schwächsten Spiel der Wolfsburger. Gegen den 1. FC Union siegte man mit 1:0 durch ein Eigentor. Doch die 19 zu 8 Torschüsse zugunsten der Köpenicker unterstrichen, dass der Sieg eher von der glücklichen Sorte war. Deutlich verbessert zeigte sich das Team von Trainer Kohfeldt zuletzt im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen, verlor jedoch mit 0:2. Die Gegentore fing man sich in den letzten fünf Minuten, erspielte sich vorher eigene Top-Chancen. Schafft es Wolfsburg, an diese Leistung anzuknüpfen und die Chancen effizienter zu nutzen, werden die fünf Punkte Abstand, die Hertha zum VfL aktuell hat, nur schwer einzuholen.

Restprogramm:

Wolfsburg blickt noch auf schwierige Aufgaben, muss zu Borussia Dortmund und empfängt den FC Bayern. Doch letztlich haben sie den Klassenerhalt in der eigenen Hand. Die nächsten beiden Spiele sind gegen den FC Augsburg und Arminia Bielefeld. Gewinnt man diese Duelle gegen direkte Konkurrenten, ist dem Tabellenvierten der Vorsaison der Klassenerhalt wohl nicht zu nehmen. Im Saisonendspurt trifft Wolfsburg zudem noch daheim auf Mainz 05 und auswärts auf den VfB Stuttgart und den 1. FC Köln. Ein machbares Restprogramm, doch in der Hinrunde holte der VfL aus den sieben Spielen nur vier Punkte.

Prognose:

Egal wie die Saison ausgeht, Wolfsburg hängt klar hinter den Erwartungen. Auf die Doppelbelastung können sie es nicht schieben, da man nicht nur im Pokal in der ersten Runde ausschied, sondern auch die Champions League trotz einer dankbaren Gruppe mit Lille, Salzburg und Sevilla auf dem letzten Rang beendete. Dennoch spricht die individuelle Klasse im Kader neben dem Restprogramm dafür, dass sie wohl mit einem blauen Auge davon kommen werden.

14. Platz: VfB Stuttgart

Lange sah es düster aus im Schwabenland. Verletzungspech und Last-Minute-Gegentore ließen ein Abstiegsszenario immer wahrscheinlicher aussehen. Nach 24 Spieltagen stand der VfB auf Abstiegsplatz 17, vier Punkte hinter Hertha und Augsburg, sechs Punkte hinter Arminia Bielefeld. Doch die Ruhe, die Trainer Pellegrino Matarazzo stets ausstrahlte, nicht zuletzt, weil er wusste, dass die verletzten Spieler zurückkommen werden, zahlte sich aus. Wurde öffentlich darüber diskutiert, ob dem mit vielen jungen und hochtalentierten Spielern gespickte Kader die Erfahrung fehlt, um die Klasse zu halten, vertraute Matarazzo ebenjenen Spielern.

Abstiegskampf
(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Formkurve:

Sein Team zahlte Matarazzo das Vertrauen zurück. Zuletzt holte Stuttgart sieben Punkte aus drei Spielen. Bemerkenswert war nicht nur die Ausbeute, sondern die Art und Weise. In allen drei Spielen lag der VfB zurück. Dass dabei nicht alles immer schön anzusehen sein muss, zeigten die Schwaben in Berlin beim 1. FC Union, wo man bis tief in die zweite Halbzeit keine echte Torchance hatte, doch in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte. Dass man jedoch auch tollen Fußball spielen kann, zeigte Stuttgart zuletzt im Heimspiel gegen den FC Augsburg. 24 Torschüsse standen hinterher auf dem Papier. Größtes Manko: „Nur“ drei erzielte Tore, trotz zahlreicher Großchancen. Punktetechnisch ist der VfB gerade in seiner besten Saisonphase, erst einmal holte er vorher sieben Punkte in drei Spielen, ließ dann allerdings neun sieglose Spiele folgen.

Restprogramm:

Stuttgart muss den positiven Trend fortsetzen, um sich endgültig aus dem Keller zu arbeiten. Schon am Sonnabend steht ein absolutes Schlüsselduell an, wenn man auf Arminia Bielefeld trifft. Es ist das erste von drei Spielen gegen direkte Konkurrenten, Ende des Monats muss der VfB ins Olympiastadion und empfängt in der Woche darauf den VfL Wolfsburg. Für Stuttgart sind es drei ganz wichtige Spiele, denn neben Mainz und Köln warten mit dem BVB und dem FC Bayern noch harte Brocken auf den aktuellen Tabellenvierzehnten. Gegen Mainz, Hertha und Wolfsburg gab es in der Hinrunde die angesprochenen sieben Punkte.

Prognose:

Stuttgart wird bis zum Ende unten drin stehen. Den Beweis, dass sie die zuletzt gezeigten guten Leistung in dieser Saison über eine längere Zeit aufrecht erhalten können, sind sie noch schuldig. Doch die Qualität im Kader ist hoch und der Glauben an den Klassenerhalt definitiv zurück. Das Spiel gegen Bielefeld wird richtungsweisend. Ein Sieg würde sie vermutlich derart beflügeln, dass sie den Klassenerhalt erreichen. Im Falle einer Niederlage wären jedoch viele zuletzt verloren geglaubte Sorgen zurück.

15. Platz: Augsburg

Der größte Konkurrent um den direkten Nicht-Abstiegsplatz ist Stand jetzt der FCA auf Rang 15. Allerdings hat das Team von Markus Weinzierl hierbei noch ein Nachholspiel gegen Mainz in der Rückhand. Dass der FCA derzeit über dem Strich steht, war zu Saisonbeginn nicht unbedingt zu erwarten. Aus den ersten neun Partien gelangen lediglich sechs Zähler. Erst am 31. Oktober konnte die Mannschaft den zweiten Saisonsieg einfahren. Das 4:1 war dann der Auftakt für einen – für Augsburger Verhältnisse – goldenen Spätherbst. 12 Punkte aus acht Spielen sollten es bis zum Jahresende noch werden, darunter ein 2:1-Sieg gegen die Bayern.

Abstiegskampf
(Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Formkurve:

Mit dem Jahreswechsel hat dieses zwischenzeitliche Hoch dann allerdings schon wieder ein jähes Ende gefunden. In der gesamten Rückrunde sammelte der FCA nur acht Punkte. Lediglich Hertha – wer auch sonst – ist in dieser Statistik noch schlechter. Im letzten Spiel gegen den VfB setzte es zudem einen späten Nackenschlag gegen den Konkurrenten aus Stuttgart. Trotz 2:1-Führung bis zur 79. Minute gingen die Augsburger am Ende mit leeren Händen nach Hause. Durch diese späte Niederlage wurde man, abzüglich des noch ausstehenden Nachholspiels, vom VfB überholt und ist dank des Siegs von Hertha nun punktgleich mit Rang 16.

Restprogramm:

Die Wochen der Wahrheit stehen für den FCA im April an. Hier spielt man erst zu Hause gegen Hertha und eine Woche später beim VfL Bochum. Davor stehen Spiele bei Wolfsburg, gegen Mainz sowie in München an, in denen nicht zwingend mit der Maximalausbeute zu rechnen ist – ebenso wenig wie gegen Köln und Leipzig. Ein Vorteil kann derweil darin bestehen, dass zum Saisonabschluss die zu diesem Zeitpunkt mutmaßlich bereits abgestiegene Spielvereinigung aus Fürth in der Fuggerstadt gastiert.

Prognose:

Verglichen mit beispielsweise Bochum hat der FCA das auf dem Papier dankbarere Restprogramm und wird aus den direkten Duellen mit Hertha und Bochum sowie am letzten Spieltag gegen Fürth genug Punkte einfahren, um mindestens in die Relegation einzuziehen.

Platz 17: Arminia Bielefeld

Das verfluchte zweite Jahr. Als Aufsteiger hielt Bielefeld vergangene Saison nach dem Trainerwechsel von Uwe Neuhaus auf Frank Kramer noch spektakulär die Klasse. Dass das zweite Jahr nochmal schwerer ist als das erste, scheint sich in Ostwestfalen gerade wieder zu bewahrheiten. Die Saison ging für die Arminia bereits ernüchternd los. Nach zehn Spielen hatte Arminia noch keinen Sieg auf dem Konto. Dann gab es den Premierensieg und ein klares Aufbäumen war zu erkennen. In danach elf Spielen setzte es nur zwei Niederlagen, bei den Bayern und bei Hertha.

Abstiegskampf
(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Formkurve:

Doch die Formkurve zeigt steil nach unten. Zuletzt blieb Bielfeld viermal in Serie punkt- und torlos. Mit Dortmund und Leverkusen waren sicherlich auch Top-Teams unter den Gegnern, doch gerade die Niederlagen gegen den FC Augsburg und Mainz 05 waren ernüchternd. Gegen Augsburg mangelte es den Bielefeldern an beinahe allem, was es in der Bundesliga braucht. Im heimischen Stadion erzeugten sie keine Torgefahr, verloren im „Sechs-Punkte-Spiel“ mit 0:1. Gegen Mainz gab es zuletzt ein weiteres desolates Spiel. Sogar die Abwehr, mit erst 38 Gegentoren eigentlich Bielefelds großer Trumpf im Abstiegskampf, zeigte sich stümperhaft. Gleich drei Foulelfmeter verursachte sie in weniger als fünfzehn Minuten.

Restprogramm:

Für Bielefeld stehen intensive Heimspiele an, die man dringend besser absolvieren muss als das letzte gegen Augsburg. Mit Stuttgart und Hertha kommen noch zwei direkte Konkurrenten im Abstiegskampf in die SchücoArena. Mit den Bayern und Leipzig empfängt Bielefeld zwei von ganz oben. Hinzu kommen Auswärtsspiele bei Wolfsburg, Köln und Bochum. Hoffnung kann Bielefeld aus den Hinrunden-Ergebnissen schöpfen, als Stuttgart, Bochum und Leipzig geschlagen wurden. Doch gerade Letztere sind derzeit besser drauf und könnten am letzten Spieltag gegen Bielefeld noch wichtige Punkte im Kampf um die Königsklasse benötigen.

Prognose:

Es spricht derzeit nicht viel für die Arminia. Tritt die Mannschaft weiter so auf wie zuletzt, wird sie den Gang in die zweite Liga antreten. Am Sonnabend gegen Stuttgart wird sich zeigen, ob die Länderspielpause genutzt wurde, um im Training neues Selbstvertrauen zu tanken. Sollte es schief gehen, bliebe mit einem Trainerwechsel noch eine letzte Möglichkeit, um für frischen Wind zu sorgen.

Ein Artikel von Alexander Jung und Bruno Sellschopp.

[Titelbild: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images]

Herthaner im Fokus: Hertha im freien Fall – und Korkut noch der richtige?

Herthaner im Fokus: Hertha im freien Fall – und Korkut noch der richtige?

Hat Tayfun Korkut als Hertha-Trainer fertig? „Wer will, wer will, wer hat noch nicht?“, fragt man sich als Hertha-Fan mittlerweile regelmäßig während der Spiele. Es ist völlig egal wer auf dem Rasen steht, es ist egal wie der Gegner heißt, am Ende bricht die Gruppe – und in diesem Fall traut man sich kaum noch von Mannschaft zu sprechen – immer wieder auseinander und zeigt regelrecht Auflösungserscheinungen. Der Blick richtet sich immer mehr auf den Trainerposten.

Viele Startelfänderungen von Korkut, kein Effekt

Aber der Reihe nach. In einem mit 25.000 Zuschauer unter den aktuellen Bedingungen gut gefüllten Olympiastadion spielte die „Alte Dame“ gegen die Frankfurter Eintracht und wollte ein weiteres Mal den Versuch unternehmen, endlich den ersten Dreier im Jahr 2022 einzufahren. Wie zuletzt in verlässlicher Regelmäßigkeit stellte Trainer Tayfun Korkut die Spieler in der 4-3-3-Formation auf und wollte damit über die Außen für Gefahr sorgen.

Beim Blick auf die Startelf gab es einige Änderungen, die zum Teil nachvollziehbar waren, zu einem gewissen Maße aber auch stutzig machten. Im Tor stand wie gegen den SC Freiburg Marcel Lotka, an Stelle des sich noch in Quarantäne befindenden Alexander Schwolow. Der im Breisgau schwer überforderte Fredrik André Björkan wurde ersetzt durch Maximilian Mittelstädt, der seine Corona-Infektion überstanden hatte.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

In der Innenverteidigung macht der zuletzt meist überzeugende Youngster, aber möglicherweise noch angeschlagene Linus Gechter Platz für Marc-Oliver Kempf, der nach seiner Rot-Sperre wieder zurück in die Startelf rotierte. Kapitän Dedryck Boyata und Peter Pekarik komplettierten die Verteidigung. Während das zentrale Mittelfeld seit einigen Spielen unverändert bleibt,  gab es eine Veränderung im Sturm, die durchaus für Aufsehen sorgte. Statt des nimmermüden und mit viel Einsatz zu gefallenen Ishak Belfodils durfte Neuzugang Dung-Jun Lee zum ersten Mal von Anfang an spielen.

Viel ändern sollten die neuen Kräfte im Vergleich zu den letzten Spielen allerdings nicht. Sang- und klanglos wurde man von Frankfurt zeitweise vorgeführt. Doch auch nach diesem Spiel gibt es noch einen Funken Hoffnung. Wir gehen heute auf die katastrophale Verteidigung ein, wer anscheinend völlig überfordert ist und auf wen und was man im Abstiegskampf setzen muss, um die Klasse zu halten.

Marc Oliver Kempf und Dedryck Boyata: Habt ihr euch schon einmal gesehen?

Kaum zu glauben, aber schon wieder musste Hertha eine neue Innenverteidigung bilden. Möglicherweise setzte der Pferdekuss aus dem Spiel gegen Freiburg Linus Gechter immer noch so sehr zu, dass für ihn nur ein Platz auf der Bank in Frage kam. Alles andere wäre fragwürdig gewesen, wo doch Gechter in den letzten Spielen der beste Verteidiger war und ein weiteres Zerreißen der Verteidigung nur für Unsicherheit sorgen würde.

Aber eigentlich handelt es sich bei Marc Oliver Kempf und Dedryck Boyata um gestandene Verteidiger, die schon viele Schlachten geschlagen haben, die Bundesliga kennen und zu Leistungsträgern des Vereins gehören. Dedryck Boyata ist Kapitän und belgischer Nationalspieler. Von all dem sah man herzlich wenig. Es wirkte, als hätten die beiden sich noch nie zuvor gesehen. Es war zwar auch das erste Spiel, welches die beiden gemeinsam absolviert hatten, doch auch von Spielern dieser Klasse sollte besseres abgerufen werden.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Die Kommunikation war nur selten vorhanden und beide leisteten sich haarsträubende Fehler, wie Kempf, als er schon in der 6. Minute einen völlig unnötigen Fehlpass spielte, den er zwar selbst wieder ausbügelte, doch solche Szenen zeigen auch seine Verunsicherung. Boyata leistete sich Ballverluste, wie in der 15. Minute gegen Borré und konnte in keiner Weise für die dringend notwendige Stabilität sorgen, die es gebraucht hätte. Beide haben mit 84 Prozent angekommener Pässe – in Boyatas Fall 77 Prozent – zwar ganz gute Passquoten, doch zu viel davon stammt vom ideenlosen Hintenrum-Spiel. Beide leisteten sich über zehn Ballverluste. Wie soll so eine Verteidigung im Spielaufbau die Mitspieler in Szene setzen können? Auch die Versuche mit langen Bällen die Angriffe zu starten, verpufften praktisch. Nur drei von acht langen Bällen kamen an.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Boyata selbst hatte seinen dunkelsten Moment des Tages als er in der 63. Minute in keiner Weise seine Klasse zeigen konnte, sich von Borré und Kamada völlig überspielen ließ und durch seinen Sturz zu Boden keinerlei Eingriffschance mehr beim endgültigen Todesstoß zum 1:4 hatte. Zusammen konnten sie zwar auch noch fünf Bälle klären, drei weitere Schüsse des Gegners blocken und somit eine noch höhere Klatsche verhindern, aber ihre Überforderung ist schwer in Worte zu fassen.

Dong-Jun Lee: Eine bemitleidenswerte Überforderung

Der Wechsel des Südkoreaners nach Berlin ist sicherlich eine interessante Perspektivverpflichtung, die Fredi Bobic da getätigt hat. Doch es muss noch viel passieren, bis Lee ein Bundesligaspieler wird und Hertha helfen kann. In der aktuellen Situation hat man Mitleid mit ihm.

Gegen eine Abwehrkante wie Evan N’Dicka hatte er praktisch keine Chance, war überfordert und konnte seinen einfach zu schmächtigen und leichten Körper kaum nutzen, um in Zweikämpfe zu gehen. In der 32. Minute hatte aber auch Lee Pech mit dem Schiedsrichter, als der Einsatz N’Dickas unbeachtet blieb. Für Freiburg gab es in der letzten Woche für weniger Elfmeter. Hier hätte der Einsatz des VAR durchaus für Fairness gestanden. Das Schiri-Pech gehört für die Hertha in dieser Saison dazu wie das blau-weiße Trikot. Es ist verrückt, wie viele brenzlige Aktionen immer gegen beziehungsweise nie für die Mannschaft gepfiffen werden.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Dong-Jun Lee hatte 22 Ballaktionen, immerhin konnte er alle seine sechs Pässe an den Mann bringen. Dazu kommen allerdings auch acht Ballverluste und nur ein gewonnener Zweikampf von acht. Sein Mehrwert für die Offensive ging gen null und es ist zu hinterfragen, weshalb er an Stelle von Ishak Belfodil spielen durfte. Seine überforderte Performance mündete letztendlich sogar darin, dass er mit zunehmender Spieldauer kaum noch ins Spiel der Hertha eingebunden wurde und die Offensive versuchte den Angriff ohne ihn aufzubauen. Nach 56 Minuten wurde er für Kevin-Prince Boateng ausgewechselt.

Marcel Lotka: Auf Teamniveau innerhalb eines Spiels

Gegen Freiburg war er noch als positives Beispiel zu sehen. Er zeigte, was im Team fehlte: Ehrgeiz, Bock auf Hertha, Motivation. Doch all das scheint innerhalb einer Woche weg zu sein. Dem nach Dortmund wechselnden Lotka ist nach diesem Spiel nun auch eine schwache Leistung vorzuwerfen.

Seine so hochgelobte Kommunikation ließ sehr schnell nach, seine Abwehr konnte er kaum noch pushen und auch im Tor konnte er sich dieses Mal nicht so auszeichnen wie noch gegen Freiburg. Immerhin war er 43 Mal am Ball, versuchte die Bälle gewissenhaft zu verteilen oder mal einen Angriff einzuleiten, doch es verpuffte nahezu alles wirkungslos. Während seine sehr gewagten Ausflüge aus dem Strafraum mit zusätzlichen Fehlpass gegen Freiburg noch unbestraft blieben, leistete er seiner Mannschaft gegen die Eintracht einen kapitalen Bärendienst.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

In der 56. Minute lief er völlig ohne Not und in fehlender kommunikativer Absprache mit seiner Verteidigung, insbesondere Boyatas, aus dem Strafraum, um die Situation zu klären. Doch sein Fehlpass war die hervorragende Einladung an Lindström, der per feinen Heber das vorentscheidende 3:0 für Frankfurt erzielte. Marcel Lotka ist damit innerhalb einer Woche auf das verunsicherte Niveau der Mitspieler gefallen.

Davie Selke, Maxi Mittelstädt und Lucas Tousart: Die Einstellung stimmt

Irgendwo muss man die Hoffnung suchen. Immerhin geben sich nicht alle auf, das kann und muss man festhalten. Nach dem Spiel gaben Marc Oliver Kempf und Davie Selke bei Sky-Interviews, die einerseits voller Frust, aber eben auch voller Wahrheit waren. Es muss was geschehen, sonst wird es dunkel. Doch es stellt sich die Frage, ob sich ein Kempf, der eine mehr als schwache Leistung gegen Frankfurt zeigte, solch große Töne spucken und über Statisten reden sollte, während er selbst der Mannschaft in keiner Weise Stabilität bietet.

Davie Selke ist wahrlich kein Leistungsträger und auch keiner der in den letzten Jahren Bundesliganiveau zeigte. Weshalb es immer etwas bizarr anmutet, wenn er versucht, die Mannschaft anzufeuern. Aber immerhin tut er es. Sein Tor ist eines der schönsten Tore der Hertha in dieser Saison. Ein starker Volley. Der Ball ist ihm aber auch in dieser Situation sehr dankbar vor den Fuß gelegt worden. Es war ein Zufallsprodukt, wie wir es bei Hertha in dieser Saison so oft hatten. Er kam in der 56. Minute für Vladimir Darida in die Partie um noch irgendwas in der Offensive ausrichten zu können. Er rieb sich auf, könnte den einen oder anderen Ball verteilen. Immerhin brachte  er sieben seiner elf Pässe zu den Mitspielern. Auch seine vier gewonnen Zweikämpfe zeigen, dass er sich kämpferisch gibt. Doch was nützt all das, wenn sich die Mannschaft nach dem einzigen Hoffnungsschimmer, direkt wieder niederringen lässt?

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Lucas Tousart scheint die Situation und Lage verstanden zu haben. Immerhin kämpft er, wirkt wacher und nicht mehr so lethargisch und überfordert, wie in den vielen Wochen und Monaten zuvor. 12,11 km lief er, mehr als jeder andere. Doch auch seine Statistiken zeigen zu wenig Ertrag. 17 Ballverluste, nur fünf von elf gewonnenen Zweikämpfen. Das ist zu wenig. 57 Prozent seiner Pässe kamen an. Nur einer seiner sechs langen Bälle kam beim Mitspieler an. Statistisch war Tousart keine Hilfe, das muss man festhalten, aber er zeigt, was Einsatz ist und was Abstiegskampf bedeutet. Es wäre schön, wenn es ihm gelänge, das in Konstanz umzumünzen.

Maximilian Mittelstädt hatte zuletzt gefehlt. Und das sehr. Aktuell ist er das Herz der Mannschaft, so viel Leidenschaft, wie er noch versprüht. Und es gibt wenige bei Hertha, die die Fans gerade so mitreißen können, wie er. Er war wieder einer der aktivsten, hatte 69 Ballaktionen, gewann fünf Tacklings, 85 Prozent seiner 33 Pässe kamen beim richtigen Adressaten an. Er gewann neun seiner zwölf Zweikämpfe, eine vernünftige Quote. Doch auch er verlor wie seine Mitspieler zu viele Bälle. 13 an der Zahl waren es letztendlich. 

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Sein Ausraster vor der gelben Karte in der 74. Minute war die Gefühlswelt der Hertha-Fans, die den Frust im Abstiegskampf Woche für Woche spüren. Man merkt, wie nahe Mittelstädt die aktuelle Situation geht. Er ist in dieser Saison enorm gereift und zum Führungsspieler gewachsen und wird in den nächsten Wochen eine sehr wichtige Komponente im Abstiegskampf werden.

Korkut: Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch sie schwindet

Von Anfang an lief die Hertha dem Ball hinterher. Die Spieler spielten, als hätten sie Zementsäcke an den Beinen, waren mit allem was sie taten überfordert und mit dem Kopf ganz weit weg. Es kamen schwerwiegende individuelle Fehler dazu. Aber was über allem steht, ist, dass diese Mannschaft keine Mannschaft ist und auch nicht die Qualität für ein gutes Bundesliga-Spiel hat.

Hertha hat mittlerweile die schlechteste Punkteausbeute der Rückrunde. Der VfB Stuttgart hat den Abstiegskampf angenommen und beginnt zu punkten, genauso wie alle anderen, die unten stehen. Nur noch einen Punkt sind die Schwaben dahinter und sind drauf und dran, die Lichter in Berlin immer dunkler zu schalten. Fredi Bobic wollte sich nach dem Spiel nicht äußern, weshalb, darf gemunkelt werden. Tayfun Korkut, der wieder einmal eine klägliche Figur im Interview abgab, hat keine Argumente auf seiner Seite, scheint gänzlich das Team verloren zu haben. Die Frage, ob er es jemals wirklich erreicht hatte, muss gestellt werden, bei einer Gegentorflut, die ihres Gleichen sucht. Hoffnung macht der Einsatz Einzelner.

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(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Zusätzlich waren Spieler wie Marc Oliver Kempf und Davie Selke nach dem Spiel sehr offen und haben klar gesagt, dass sich etwas ändern muss. Allerdings befinden wir uns mittlerweile in einem Teil der Saison, wo Interviews rein gar nichts mehr bringen. Leistung und Einsatz müssen abgerufen werden und wenn das nur von einigen wenigen kommt, ist es zu wenig im Abstiegskampf.

[Titelbild Maja Hitij/Getty Images]

Hertha – Frankfurt: Drei Schlüsselduelle

Hertha – Frankfurt: Drei Schlüsselduelle

Hertha ist neben dem VfB Stuttgart das einzige Team im deutschen Oberhaus, das im Kalenderjahr 2022 noch auf den ersten Liga-Sieg wartet. Am Samstag soll es gegen die SG Eintracht Frankfurt im heimischen Olympiastadion endlich klappen. Auf welche Duelle es in der Partie gegen die Hessen, die ihrerseits selber erst bei einem Sieg stehen, ankommen kann, lest ihr hier.

Alles neu in Frankfurt

Viel los war im Sommer bei der Eintracht. Trainer Adi Hütter verabschiedete sich nach Mönchengladbach, Sportvorstand Fredi Bobic zog es nach Berlin und Sportdirektor Bruno Hübner verließ den Verein, um sich privaten Dingen zu widmen. Schon damals betonte Vorstandssprecher Axel Hellmann, dass man nicht in Panik verfallen würde, sondern die Positionen klug besetzen wird. Auf der wichtigsten, der Trainerposition, verpflichtete man mit Oliver Glasner die Wunschlösung. Schließlich hatte der Österreicher sein Können nicht zuletzt unter Beweis gestellt, als er den VfL Wolfsburg in der letzten Saison in die Champions League-Qualifikation geführt hatte.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Die Premierensaison Glasers verläuft indes wie die oft zitierte Achterbahnfahrt. In der Europa League souveräner Gruppenerster, doch in der Liga standen nach elf Spieltagen erst zwei Siege. Auf eine starke Serie mit sechs Siegen aus sieben Ligaspielen zum Jahresausklang folgte in diesem Jahr bis dato erst ein Sieg, zuletzt blieb man sogar dreimal in Serie ohne eigenen Treffer.

Taktisch agiert man variabel, mal mit Doppelspitze, mal mit einem alleinigen Stürmer und wahlweise zwei hängenden Spitzen. Grundlage sind immer drei Innenverteidiger, Schienenspieler auf den Außen und ein robustes zentrales Mittelfeld.

Filip Kostic: Frankfurts Schlüsselspieler

Im Angriffsspiel der Frankfurter ist ein klarer Flankenfokus zu erkennen. Die viertmeisten Flanken aus dem Spiel schlägt man ligaweit. Maßgeblich dafür sorgt Filip Kostic, der sowohl als linker Schienenspieler, als auch als offensiver Flügelspieler aufgestellt werden kann. Durch die Gelbsperre von Christopher Lenz wird Kostic gegen Hertha sicher als Schienenspieler agieren.

6,8 Flanken schlägt Kostic durchschnittlich pro 90 Minuten, ein Top-1%-Wert der Liga. Dabei kommt er auf 0,37 Expected Assists, gehört auch damit auf seiner Position zu den besten ein Prozent. Klar ist: Wenn Kostic am Angriff beteiligt ist, wird’s meist gefährlich. 4,43 schusskreierende Aktionen liefert er pro 90 Minuten, 3,09 Schlüsselpässe spielt er.

Auf bereits sieben Assists nebst drei eigenen Treffern kommt Kostic in dieser Spielzeit. 1,96 Schüsse pro Spiel nimmt er sich durchschnittlich. Auch wenn sein letzter Treffer vom 12. Spieltag datiert, darf man Kostic den Raum zum schießen nicht geben, mit seinem linken Fuß ist er brandgefährlich.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Peter Pekarik wird es bei Filip Kostic mit einem der offensivstärksten Außenverteidiger der Liga zu tun haben. Herthas Rechtsverteidiger muss dafür sorgen, dass Kostic dauerhaft unter Druck steht. Hierfür wird auch die Mithilfe des Mittelfelds entscheidend sein. Durchschnittlich 50,73 Pässe spielt Kostic, nur 7,21 davon unter Druck. Hält man diesen hoch, kann man auch ihn weitgehend aus dem Spiel nehmen. Dazu ist es wichtig, ihn nach Ballgewinnen schnell zu überspielen. Denn übt Kostic im offensiven Drittel noch 4,53 Mal pro Spiel Druck aus (top 9% der Liga), sind es im mittleren Drittel nur noch 5,77 Mal (top 35%) und im defensiven Drittel nur 5,1 Mal (gerade einmal top 72%).

So stark die offensiven Qualitäten, mitunter leiden die defensiven. Lediglich 1,44 Tacklings liefert Kostic durchschnittlich, hat 1,13 geblockte Bälle und 0,57 klärende Aktionen. Es gilt für Hertha also, ihm in der eigenen Hälfte Dauerdruck zu bieten und defensiv zu fordern. Dann kann man aus Frankfurts gefährlichstem Spieler womöglich einen eigenen Vorteil ziehen.

Rafael Borré: Frankfurts erster Verteidiger

Luka Jovic, Sébastien Haller, André Silva: In den letzten Jahren war das Spiel der Eintracht immer von herausragenden Stürmern gezeichnet. Dass man sich derzeit auf Tabellenplatz zehn wiederfindet, hängt auch damit zusammen, dass man es in dieser Spielzeit nicht geschafft hat, den Abgang Silvas nach Leipzig ansatzweise gleichwertig in der Torgefahr zu ersetzen.

Gesetzter Mittelstürmer ist der Neuzugang Rafael Borré, der auf aktuell sechs Saisontore kommt. Und seine Offensiv-Statistiken lesen sich wahrlich nicht wie die eines Spitzenspielers. 1,99 Schüsse nimmt er sich pro 90 Minuten gerade einmal und liegt bei 0,37 Expected Goals. Dazu kommen 0,14 Expected Assists – auch der Stürmer, der seine Mitspieler laufend in Szene setzt, ist Borré nicht. 1,47 progressive Pässe liefert er, spielt im Durchschnitt 0,78 Pässe in den Strafraum und 0,92 Schlüsselpässe. Alles Statistiken, die im ligaweiten Stürmer-Vergleich nicht mal für die bessere Hälfte reichen.

Doch Borré als unterdurchschnittlichen Bundesliga-Stürmer abzutun, wäre grundlegend falsch. Vielmehr ereilt ihn in seinen Zahlen das Schicksal des Tüchtigen. Denn beim genaueren Hinschauen zeigen sich Borrés Stärken.

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(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

25,96 Mal pro Spiel übt er durchschnittlich Druck auf den Gegner aus (top 1% im Ligavergleich), davon 12,96 Mal im letzten Drittel (ebenfalls top 1%). 7,85 Mal erobert Frankfurt durch seinen Druck innerhalb der nächsten fünf Sekunden den Ball (top 4%). 1,14 erfolgreiche Tacklings liefert er (ebenfalls top 4%). Hinzu kommt, dass er tief mitarbeitet, übt selbst im mittleren Drittel noch durchschnittlich 11,24 Mal pro Spiel Druck aus.

Borré ist gerade gegen den Ball eine Waffe, sorgt immer wieder für Balleroberungen und Umschaltmomente Frankfurts, wovon mitunter die Mittelfeldspieler Jesper Linsdström und Daichi Kamada profitieren. Borré ist sowas wie Frankfurts erster Verteidiger, da er gegen den Ball extrem wichtig und statistisch gesehen auch herausragend gut ist.

Für Herthas Defensive heißt es, bei Balleroberungen und im Aufbauspiel stets hochkonzentriert zu bleiben, um dem ausgeübten Druck nicht zum Opfer zu fallen und den nächsten Frankfurter Angriff zu verursachen.

Die Dreierkette: Erkennbarer Leistungsabfall

36 Gegentore hat Eintracht Frankfurt in der laufenden Bundesliga-Saison kassiert – zu viel für die eigenen Ansprüche, besonders, wenn man sie den 33 eigenen geschossenen gegenüberstellt. Auch wenn Frankfurt zum selben Zeitpunkt in der letzten Saison nur ein paar Tore weniger kassiert hatte, wirkte die Defensive zuletzt doch etwas unsicher. Sinnbildlich hierfür steht Martin Hinteregger.

„Hinti“ galt lange als sichere Bank in der Dreier-Innenverteidigung, doch in dieser Spielzeit läuft es beim Österreicher nicht mehr so rund. Kam er in der letzten Spielzeit noch auf durchschnittlich 1,53 erfolgreiche Tacklings pro Spiel, sind es in dieser Saison nur 1,18. Übte er vergangene Saison noch 7,27 Mal im defensiven Drittel Druck aus, sind es aktuell nur 5,78.

Auch im Spiel von hinten raus nehmen seine Statistiken deutlich ab. Spielte er 2020/21 noch 55,56 erfolgreiche Pässe pro Spiel, sind es derzeit nur 40,13. Sein für einen Innenverteidiger überragender Wert von 5,45 progressiven Pässen ist auf 2,62 gesunken.

(Photo by Alexander Scheuber/Getty Images)

Dazu kommen immer wieder individuelle Fehler, wie im Spiel gegen den VfL Wolfsburg am 23. Spieltag, als er bei der 0:2-Niederlage einen Elfmeter verursachte und beim zweiten Gegentor einen zu kurzen Rückpass spielte, den Dodi Lukebakio dankend annahm und einschoss.

Mit Makoto Hasebe steht den Frankfurtern zwar eine Alternative zur Verfügung, doch für 90 Minuten dürfte es beim zuletzt verletzten Frankfurter Kapitän nicht reichen.

Es wird an der Herthaner Offensive, besonders an Stevan Jovetic Ishak Belfodil, liegen, Hinteregger immer wieder im Aufbau zu stören und zu Fehlern zu zwingen. Mit ihrer Erfahrung können sie erkennen, wann es an der Zeit ist, entscheidend Druck auszuüben. Dazu zeigt Hinteregger Schwächen im Verteidigen von Dribblings – genau hier können Jovetic und Belfodil ihre Stärken ausspielen.

Es sei aber auch vor der Qualität Hintereggers gewarnt, 5,62 klärende Aktionen und 1,66 geblockte Pässe zeigen: Er ist ein aufmerksamer Verteidiger, der sich immer wieder in Aktionen reinarbeiten kann.

[Titelbild: Alex Grimm/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Es wird immer dunkler

Herthaner im Fokus: Es wird immer dunkler

Zu aller erst: Wir befinden uns in Zeiten, in denen es schwer ist, sich auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren. Es fühlt sich nicht richtig an, Fußball zu schauen und die Spiele zu analysieren, während ein paar hundert Kilometer entfernt ein Krieg in Europa wütet, der Menschenleben kostet. Ich denke ich kann für die gesamte Redaktion sagen, dass wir uns mit der Ukraine und den dort lebenden Menschen solidarisch zeigen. Und auch wenn es schwerfällt, wollen wir alle versuchen unser Leben normal zu gestalten und uns wie euch die Freude machen, weiter Texte zu schreiben.

Das Spiel gegen den SC Freiburg stand ganz im Zeichen des Krieges in der Ukraine. Vor dem Spiel gab es, wie in jedem Bundesligastadion, eine Minute, in der an den Schrecken und den Menschen in Osteuropa gedacht wurde.

Hertha: Vieles neu und dann doch das Alte

Sportlich scheint die Talfahrt für die Hertha kein Ende zu nehmen. Auch im Breisgau konnte sich die Mannschaft nicht aus der schweren Krise befreien und verlor letztendlich verdient mit 0:3. Wie schon gegen Leipzig schickte Trainer Tayfun Korkut seine Mannschaft im 4-3-3 aufs Feld. Aufgrund der roten Karte für Marc Oliver Kempf gegen Leipzig war er wieder einmal gezwungen die Innenverteidigung umzustellen. Und um es vorweg zu nehmen, möglicherweise muss er nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Linus Gechter auch im nächsten Spiel auf eine neue Innenverteidigung bauen. Kapitän Dedryck Boyata startete neben dem Youngster. Außerdem begann Suat Serdar an Stelle von Santiago Ascacibar, der sich 90 Minuten lang mit der Bank zufriedenstellen musste.

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(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Während Hertha wieder einmal nur schleppend in die Gänge kam, viel Energie für normalerweise einfachste Schritte aufbringen musste und auch vom Trainer und den Jokern keinerlei nennenswerten Aufschwung erlangen konnte, musst man sich auch mit kritischen Schiedsrichterentscheidungen auseinandersetzen. Das Spiel war zwölf Minuten alt, als Linus Gechter anscheinend Rolland Sallai zu Fall brachte, entscheidend aufklären konnte man die Situation nicht. Die Entscheidung des Schiris war Elfmeter. Lange war das Spiel offen, doch selbst eine durchschnittliche Freiburger Mannschaft war am Ende der relativ deutliche Sieger, gegen eine einfach qualitativ schwache Berliner Mannschaft.

Aber sei es drum. Wir schauen heute auf ein trotz drei Gegentoren gelungenes Debüt, auf eine überraschend gute Leistung, wer anscheinend zu viel mit Starallüren beschäftigt ist und wie sich die Winter-Neuzugänge im Team einfügen konnten. Und ab wann darf man eigentlich die Trainerfrage stellen?

Marcel Lotka: Die gesuchte Nummer eins für Hertha?

Der 5. Torhüter in der Hierarchie im Verein ist 20 Jahre alt und spielt sonst in der 2. Mannschaft von Hertha BSC. Wie in der gesamten Mannschaft ist die Torhüter-Situation extrem prekär. Doch möglicherweise war diese Notsituation ein zukünftiges Glück für Hertha. Nachdem Alexander Schwolow sich mit Corona abgemeldet hatte und Rune Jarstein sowieso seit Monaten nicht einsatzfähig ist und seit letzter Woche auch Oliver Christensen mit muskulären Problemen ausfällt, sollte nun eigentlich die Zeit von Eigengewächs Nils-Jonathan Körber schlagen. Doch es scheint so, als würde er weiter auf sein Bundesliga-Debüt warten müssen, denn auch für dieses Spiel wurde er nicht rechtzeitig fit und musste wieder einmal nur auf der Bank sitzen.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Also stand recht überraschend mit Marcel Lotka ein noch jüngerer Mann zwischen den Pfosten und wurde praktisch ins kalte Wasser geworfen. Und er machte es gut. Sogar sehr gut. Auch wenn er drei Tore kassierte, an denen er herzlich wenig ausrichten konnte, wurde er zu zwei Weltklasse-Paraden gezwungen. Den Freistoß von Vincenzo Grifo in der 6. Minute lenkte er mit den Fingerspitzen über die Latte, in der 34. Minute parierte er spektakulär nach einem wuchtigen Abschluss von Maximilian Eggestein. Zusätzlich kam er auf 77 Prozent Passquote, konnte viele Bälle verteilen und hatte eine starke Ausstrahlung. Er pushte seine Mitspieler, kommandierte, motivierte, war emotional. In der 49. Minute unterlief ihm ein Fehlpass, bei einem Ausflug aus dem Strafraum raus, der glücklicherweise unbestraft blieb. Es war sein größter Fehler im Spiel.

Möglicherweise haben wir Herthaner hier einen Torhüterwechsel auf längere Zeit mit ansehen können. Verdient hätte es sich Lotka allemal, wo doch Schwolow seit Wochen im Formtief steckt.

Lucas Tousart: Einer der wenigen Ausreißer nach oben

Der Franzose hatte gegen die Freiburger tatsächlich einen guten Tag. Ein Ausreißer, den man nur selten von ihm bekommt. Zu oft wurde er positionsfremd eingesetzt oder konnte dem Team nicht die gewünschte Stabilität geben. Und auch wenn er ein gutes Spiel zeigte, befinden wir uns immernoch auf einem recht mäßigen Niveau.

Aber er bemühte sich. Mit zwei Torschüssen und einer Torschussvorlage konnte er sich zum Teil ins Offensivspiel einbinden, verteilte dazu 44 Bälle, von denen immerhin 84 Prozent den Mitspieler fanden. Mit acht langen Bällen versuchte er von hinten Druck aufzubauen, sieben davon kamen an. Und auch hinten konnte er ein ums andere Mal aushelfen, klärte vier Situationen und fing dreimal den Ball von seinen Gegenspielern ab.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Seine Passsicherheit verhalf dem Team lange zu Stabilität und Sicherheit, doch auch er konnte in den Schlussminuten nur noch wenig Gegenwehr leisten, als die Mannschaft aufmachte und das 0:2 und 0:3 kassierte. Kann Tousart an diese Leistung anknüpfen und sie konstant aufs Feld bringen, wäre er die gewünschte Zentrale des Teams.

Stevan Jovetic: Zu wenig Jovetic, zu viel Cunha

Es ist frustrierend. Stevan Jovetic ist der wohl beste Spieler des Teams und immer für einen genialen Moment gut, noch dazu Herthas bester Torschütze der Saison mit sechs Bundesligatreffern. Gegen Freiburg erarbeitete er sich vier Torschüsse, bereitete drei Torschüsse zusätzlich vor. Insbesondere sein traumhafter Pass auf Peter Pekarik in der 38. Minute zeigte wieder einmal seine Genialität, Übersicht und Technik am Ball. Der Rechtverteidiger scheiterte am herausstürmenden Keeper Mark Flekken. Ein Tor hätte der Mannschaft zu dem Zeitpunkt sicherlich gutgetan.

Doch Jovetics Genialität hat auch ihre Kehrseiten. Der Montenegriner wirkt seit Wochen schwer frustriert, lamentiert, diskutiert, wirkt zu oft demotiviert und nicht wie ein Teil des Teams. In der 24. Minute sah er schon von Schiri Jablonski die gelbe Karte, wollte die Entscheidung nicht wahrhaben, diskutierte und stand oft nahe einer weiteren Karte, die einen Platzverweis bedeutet hätte.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

In der 80. Minute verlor er in der eigenen Hälfte nach einem schwachen Zweikampfverhalten den Ball, ermöglichte den Freiburgern so eine riesige Torchance. Er selbst setzte nicht nach, sondern blieb bis Ende der Aktion einfach frustriert auf dem Rasen sitzen.

Seine Verhalten hat viel von dem, was in der letzten Saison über weite Strecken das Dilemma mit Matheus Cunha war, der ebenfalls der Star der Mannschaft war. Mental schien der dem Abstiegskampf nicht gewachsen, die Mannschaft war nur leider zu abhängig von seinem spielerischen Talent. Ähnlich wie aktuell mit Jovetic.

Fredrik-André Björkan und Donjun Lee: Noch kein Bundesliganiveau

Die beiden Winter-Neuzugänge sind sicherlich interessante Spieler und haben Talent. Doch sie sind, so muss man nach einigen Wochen feststellen, keine direkte Hilfe. Sie haben das Potential mit viel Training und Integration zur nächsten Saison eine wichtige Rolle im Team einzunehmen, doch aktuell fehlen die Spieler, die sie ersetzen sollen, extrem.

Björkan spielte über die gesamte Spielzeit als Linksverteidiger. Stammkraft Maxi Mittelstädt stand nach überstandener Corona-Infektion wieder im Kader, war aber wohl noch nicht bereit für einen Einsatz. Björkan versuchte seinen kompakten Körper so gut es ging einzusetzen, gewann zwei Tacklings, klärte zwei Aktionen der Freiburger und hatte mit 88 Prozent Passquote ein durchaus hohen Anteil am Aufbauspiel. Allerdings gewann er nur sechs seiner zehn Zweikämpfe, hatte sieben Ballverluste und musste drei Fouls ziehen. Er schien häufig überfordert und zeigte sowohl beim 0:2 als auch beim 0:3 ein schwaches Zweikampfverhalten.

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(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Dong-Jun Lee wurde in der 70. Spielminute für Vladimir Darida eingewechselt. Beim Stand von 0:1 war es seine Aufgabe von den Außen für Gefahr zu sorgen. Doch seine Schnelligkeit ist zwar oftmals hoffnungsvoll und nett anzusehen, sonderlich viel Einfluss hatte er am Spiel nicht. Immerhin hatte der Südkoreaner neun Ballkontakte und lange versucht mit seinen Mitspielern das Ruder rumzureißen, doch viel ausrichten konnte er nicht. Seine beste Chance hatte er im Abseits stehend, als er aus wenigen Metern aus spitzen Winkel am Tor vorbeischoss. Er scheint noch nicht in der Bundesliga angekommen zu sein und wird sicherlich noch eine ganze Weile dafür brauchen. Aktuell scheint er nicht die erhoffte Hilfe im Abstiegskampf zu sein.

Tayfun Korkut und Fredi Bobic: Bitte in der Realität ankommen!

Man sucht nach Argumenten für die aktuelle Situation, wo man nur kann. Und man hat sie auch. Corona, Verletzungen, der Umbruch im Umbruch, sechs Trainer seit 2019. Aber zwei Punkte und 19 Gegentore aus den bisher sieben Rückrundenspielen, mit 54 Gegentoren die zweitschwächste Verteidigung der gesamten Saison und tief im Abstiegskampf steckend ist schwer besorgniserregend.

Zusätzlich kommt eine bedenkliche Entwicklung, die Trainer Tayfun Korkut und Hertha-Sportvorstand Fredi Bobic gerade nehmen. Die Versuche, die brutalen Niederlagen, wie gegen Leipzig und in Freiburg, schönzureden geht nicht nur an der Realität vorbei, als Fan fühlt man sich auch zunehmend veralbert. Wer weiß wie intern über die aktuellen Leistungen gesprochen wird, aber die Außendarstellung lässt vermuten, dass der Ernst der aktuellen Lage nicht erkannt wird.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Korkut hat kaum noch Argumente auf seiner Seite und scheint taktisch so extrem limitiert zu sein, dass er nicht einmal in der Lage ist, seine Antritts-Aussage – die Taktik nach Stärken der Spieler auszurichten – zu bestätigen. Der Trainerwechsel von Dardai zu Korkut ist im großen Stil gescheitert. Fredi Bobic muss sich die Frage gefallen lassen, die er seit Wochen gestellt bekommt. Weshalb Tayfun Korkut? Was ist der Plan? Denn der wird bei Hertha aktuell händeringend gesucht.

[Titelbild: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images]

Drei Thesen zu SC Freiburg – Hertha BSC

Drei Thesen zu SC Freiburg – Hertha BSC

So schwierig es in der aktuellen Lage ist: wir werfen den Blick auf das Spiel SC Freiburg – Hertha BSC, das am Samstagnachmittag stattfindet. Die Situation von Hertha BSC könnte man als ungebremste Talfahrt bezeichnen. Noch steht die „alte Dame“ auf einen Nichtabstiegsplatz. Damit es so bleibt, muss die personal-geschwächte Mannschaft von Tayfun Korkut diese Abwärtsspirale stoppen und gegen den SC Freiburg punkten, bestenfalls dreifach.

Der Glaube daran ist auch unter Hertha-Fans nicht sonderlich groß. Doch wie wird die Partie am Samstag verlaufen? Hierzu haben wir wieder drei Thesen vorbereitet.

Serdars Rückkehr belebt Herthas Offensivspiel

Wer auf „Transfermarkt.de“ Herthas Kaderseite aufruft und einen Blick auf die Defensivabteilung wirft (Torhüter und Verteidiger), kann ein interessantes Phänomen beobachten. Es gibt mehr Spieler, die verletzt und gesperrt sind, als Spieler, die tatsächlich spielen könnten. Immerhin sieht es im Mittelfeld und in der Offensive etwas besser aus. Ein Spieler, der am Samstag wieder zur Verfügung steht, ist Suat Serdar.

Foto: Joosep Martinson/Getty Images

Die Rückkehr des 24-Jährigen wird Herthas Offensive gut tun. Kaum ein Spieler im Kader hat das Potenzial, die Offensive aus dem Mittelfeld heraus zu beleben, wie Serdar. Am Samstag, in einer äußerst bedrohlichen Lage, wird er einer der Lichtblicke bei den Blau-Weißen sein. Seine zwei Bundesliga Tore diese Saison hat er bisher auswärts erzielt: ein Doppelpack in Bochum. Es wäre genau der richtige Zeitpunkt, das Kunststück zu wiederholen.

Am Keeper wird es in Freiburg nicht liegen

Der Ausfall von Alexander Schwolow aufgrund einer Corona-Infektion war der nächste Schlag in die Magengrube der Hertha-Fans. Dabei war gerade Schwolow nicht der gewünschte Rückhalt in dieser Saison und auch in den letzten Spielen selten überzeugend.

Da allerdings sowohl Rune Jarstein als auch Oliver Christensen im Aufbautraining sind und nicht zur Verfügung stehen, stellt sich die Frage, wie man ihn ersetzt. Marcel Lotka wird es wohl werden: der junge 20-Jährige wird sein erstes Profispiel für Hertha BSC bestreiten. Als Nummer zwei wird dann der wiedergenesene Nils Körber auf der Bank Platz nehmen.

Foto: Adam Nurkiewicz/Getty Images

Doch am Ende wird die Torhüter-Position das Spiel nicht entscheiden. Ob Herthas Ersatzkeeper ein starkes Spiel macht oder nicht: er bleibt weiterhin abhängig von der Leistung seiner Hintermannschaft, die ebenfalls von Ausfällen gebeutelt ist. Ob Hertha sich gegen Freiburg befreien kann, oder noch tiefer in Abstiegsnot gerät, am Keeper wird es nicht liegen.


In Freiburg will Hertha BSC endlich wieder gewinnen – aufgrund des starken Gegners und Herthas Kadersituation kein einfaches Unterfangen. Unser Blick auf die PK vor dem Spiel.


„Fußball ist heute Sch***egal“

So sehr man sich in Sachen Hertha und Fußball reinsteigern kann, so sehr die Leidenschaft für diesen Sport sowohl Herz als auch Verstand bewegen kann: die Weltlage zeigt, wie wenig Bedeutung dies am Ende hat.

So war diese Woche kaum an Fußball zu denken. Allein die Redaktion dieses Artikels erfolgte mit großem Zweifel und Sorge. Doch am Ende sind es die kleinen Sachen wie der Fußball, die uns den schweren Alltag erleichtern. Wer macht sich denn nicht lieber Sorgen über Herthas drohenden Abstieg, als über den Verlust von Menschenleben und globale Konflikte?

Wenn am Samstagabend das Spiel abgepfiffen wird, wird das Ergebnis nebensächlich sein. Auch wenn sich Hertha-Fans trotzdem über das Ergebnis hochemotional ärgern oder freuen werden.

Titelbild: Alexander Hassenstein/Getty Images