Pal Dardai ist seit dem 29. November 2021 nicht mehr Cheftrainer der Profimannschaft von Hertha BSC. An diesem Montagmorgen ist etwas zu Ende gegangen und auch zerbrochen. Doch noch besteht die Hoffnung, dass die Legende dieses Mannes so groß ist, dass der Bruch reparabel ist und man wie am Ende einer Liebesbeziehung versucht ein vernünftiges Miteinander zu ermöglichen und in romantischen Erinnerungen zu schwelgen.
Der verwirrte Blick aufs Handy
An jenem Morgen setzte ich mich gerade an meinen Rechner im Homeoffice, um der allwöchentlichen Germanistik-Vorlesung zu lauschen. Während ich den Worten meines Profs folgte, vibrierte mein Smartphone. Mein bester Freund schickte mir einen Screenshot von einem Artikel, der von der Homepage von Hertha BSC stammen sollte. Pal Dardai sei nicht mehr länger Trainer von Hertha BSC und Tayfun Korkut würde mit sofortiger Wirkung übernehmen war die Quintessenz dieses Textes. Ich schmunzelte ein wenig und beschloss später zu antworten.
(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)
Als netten Spaß abstempelnd wollte ich mich wieder meiner Vorlesung widmen. Doch so richtig ließ mich das Thema nicht los. Ich griff direkt wieder zum Smartphone fragte nach der Quelle und ob das ein Spaß oder Fake oder etwas in der Art sei. Denn auch meine parallele Internetrecherche brachte noch keinen Treffer. Mein alter Freund aus Kindestagen war bekannt für Scherze dieser Art, doch leider bestätigte er mir die Echtheit dieses Artikels.
Wo warst du, als…?
Verwundert und mit einem Anflug von Panik startete ich eine zweite Recherche. Und diese sollte ein Volltreffer sein. Innerhalb weniger Minuten gingen sämtliche einschlägigen Medienhäuser mit dieser Meldung raus, manche zum Teil per Eilmeldung und Push-Benachrichtigungen auf mein Smartphone. Eins war klar, die Vorlesung war für den heutigen Tag durch.
Am späten Abend noch desillusioniert sein, keine Worte für die Situation zu finden und einfach nur das warum und weshalb in Frage stellen – alles Reaktionen, die die Trainerentlassung hervorriefen. Es gibt diese „Wo warst du, als…“-Momente im Leben. Jener Montag am Ende des Novembers 2021 gehört freilich für jeden Fan von Hertha BSC dazu.
In den letzten Jahren hatte man als Herthaner leider einige dieser Momente. Ob es die Klinsmann-Tagebücher waren, das Kalou-Video oder der Moment, als klar war, dass sich die Mannschaft im Saisonendspurt 2020/2021 und im tiefen Abstiegskampf steckend in Quarantäne begeben musste. Immerhin hatte dieses Himmelfahrtskommando ein positives Ende. Entscheidender Akteur dabei: Pal Dardai.
Wie der Spieler, so der Trainer
Als Pal Dardai 1997 sein erstes Spiel für Hertha BSC bestritt, hätte niemand gedacht, dass der FC Augsburg mal so eine feste Größe in der Karriere des Ungarn werden würde. Doch am letzten Spieltag der Saison 2010/2011 wurde er nach 297 Pflichtspielen und damit als Rekordspieler der Hertha verabschiedet. Der FC Augsburg war im restlos ausverkauften Olympiastadion zu Gast.
Gemeinsam stiegen beide Vereine nach einem 2:1 Heimsieg der Hertha in die Bundesliga auf. Dardai erzählte einige Jahre später von seiner Ehrenrunde mit Sohn Bence auf den Schultern. Michael Preetz empfahl ihm damals seinen Sohn mitzunehmen, um zu verhindern, vor der riesigen Masse an Fans in Tränen auszubrechen.
(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Irgendwie beschreibt genau das Pal Dardai. Ein emotionaler Mann, dem vieles nahegeht, der motivieren kann, mit seinen Ausbrüchen auch gerne über die Stränge schlägt und in kleineren Runden, wie im Team und auf Pressekonferenzen, den witzigen und nahbaren Pal zeigt. Doch je größer die Versammlung, desto anonymer möchte er sein. Er ist nicht interessiert an dem großen Brimborium um seine Person. Er möchte nicht die Aufmerksamkeit durch Tränen bekommen.
Genau diese hätte man ihm nach seinem vorerst letzten Spiel als Trainer von Hertha BSC aber durchaus zugestanden. Wieder war es der FC Augsburg, der zu seinem letzten Spiel zu Gast war. Doch die Zeiten sind andere. Das Stadion war wegen der Corona-Pandemie nur spärlich gefüllt, Hertha steckt im Abstiegskampf und ist auf der Suche nach sich selbst.
Pal Dardai: Das Herzstück
In seiner Zeit bei Hertha ist Dardai mehr gewesen, als nur Spieler und Trainer. Er war das Herzstück in einem sich zunehmend verändernden Verein. Als Spieler war er hinter den Zauberern und Genies wie Marcelinho, Gilberto oder Pantelic nicht wegzudenken. Jemand musste schließlich als Malocher fungieren.
Foto: Michael Cooper /Allsport
Mit seinem Siegtreffer beim Spiel gegen die Bayern 2001 machte er sich unsterblich. In jenem Spiel traf mit Andreas „Zecke“ Neuendorf eine weitere Vereinsikone und Teil des entlassenen Trainerteams. Er machte in den vielen Jahren praktisch alles mit, was im Profifußball möglich war. Mit Hertha spielte er Champions League, im Uefa Cup, später in der Europa League; Er stieg ab und nach einem Jahr in der 2. Bundesliga zum Abschied seiner Karriere wieder auf.
2009 hatte er in der legendären Fast-Meistersaison am 33. Spieltag gegen den FC Schalke 04 den Siegtreffer auf dem Fuß. Nicht auszudenken, was möglich gewesen wäre, wenn ihm der Schuss und das Tor geglückt wären.
Ohne sich anzubiedern, sich selbst und Hertha treu geblieben
Als Spieler hatte er es nie nötig hochtrabende Sprüche über sich selbst zu liefern. Er war eher der Mitspieler, der mit Körpereinsatz Bälle und Gegner abräumte. Der arbeitete. Nach dem Spiel ging es nach Hause ins private, wo allerhöchstens noch eine Flasche Rotwein geöffnet wurde.
Wirklich launisch und pointiert wurde er erst als Trainer. Pressekonferenzen und Interviews entwickelten sich gerne mal zu Plauschs mit den Journalisten und es gab genügend markige Sprüche von ihm, die Schlagzeilen und Stoff für die Medienwelt bedeuteten. Von Milchreis-Anekdoten in Hoffenheim, über Alligatoren in der Kabine, bis hin zum Vergleich zwischen Dodi Lukebakio und dem australischen Riesenkänguru bot er zahlreiche witzige Momente.
Wer dachte, dass Pál Dárdai willkürlich Tiervergleiche zieht, der irrt. Nächste Woche dann: Wie Pál einmal Pyrotechniker werden wollte und deswegen genau weiß, was eine Blitzkugel ist. Weltklasse! #hahohepic.twitter.com/5PBBsXHjGy
Mit seiner offenen Art schien er im durchgescripteten Fußball-Business etwas aus der Zeit zu fallen, ebenso wie mit seinem Ballonseide-Trainingsanzug. Während immer mehr Trainer in der Bundesliga im feinen Zwirn an der Seitenlinie ihre Teams coachen, betonte er seine Funktion als arbeitender Trainer.
(Photo by Friedemann Vogel – Pool/Getty Images)
Aber auch nur als für Hertha arbeitender Trainer. Als er 2019 nach 4,5 Jahren als Cheftrainer der Alten Dame in ein Sabbatjahr ging, hielt er sein Wort, nach seiner Pause in die Jugendakademie der Berliner zurückzukehren. Und das trotz einiger Angebote aus der Bundesliga.
Pal Dardai blieb sich, seinem Charakter und Hertha BSC immer treu. Allerdings veränderte sich etwas. Es wirkte manchmal wie das Auseinanderleben in einer Beziehung. Hertha wollte mehr als den Malocher-Fußball, der zwar temporär erfolgreich war, aber nichts langfristiges bot. Der Abschied 2019 war ein sauberer Schnitt. Der zweite Abschied vom Profi-Fußball. Er war müde und ausgelaugt, musste dringend seinen Akku aufladen.
Das Verhältnis zum damaligen Manager Michael Preetz galt als schwer angeschlagen. Journalist:innen watschte er auf Pressekonferenzen ab, er verrannte sich zunehmend in wirren Aussagen, deren Wahrheitsgehalt praktisch gen null ging und warf mit Schuldzuweisungen wild um sich. Während das Team damals wieder einmal in der Rückrunde komplett einbrach, besaß Dardai nicht mehr die Kraft, das Ruder rumzureißen und es zu einem sportlich versöhnlichen Ende zu bringen.
Doch persönlich sollte er das bekommen. Am 34. Spieltag der Saison 2018/2019 kassierte Hertha – wie sollte es anders sein – zwar zum Saisonabschluss eine herbe 1:5-Klatsche gegen Bayer 04 Leverkusen, doch das Spiel war zweitrangig. Denn mit Fabian Lustenberger und Pal Dardai wurden zwei der größten Legenden des Vereins von den Fans mit schier endloser Liebe verabschiedet. Es war das einvernehmliche Ende einer langen Beziehung.
Ohne Dardai fehlte es an Bodenständigkeit und Nahbarkeit
Zwischen dem Abschied im Sommer 2019 und der Rückkehr ins Profigeschäft im Januar 2021 schien eine endlos lange Zeit vergangen zu sein. Die Hertha, die praktisch seit dem Abgang Dardais in einer Selbstfindungsphase war und endlich wieder zur Ruhe kommen wollte, hatte sich beim Versuch mehr als nur die graue Maus der Bundesliga zu sein, ordentlich verhoben.
Der Windhorst-Einstieg, Jürgen Klinsmann als Trainer, die Transferphase im Winter 2020 und ein nie dagewesenes Mediengewitter ließen dem Verein keine Zeit zum Durchatmen. Der Verein hatte sich in seiner Außendarstellung stark verändert und auch innen wurde vor allem mit Carsten Schmidt ein Mann installiert, der Hertha BSC von Grund auf umkrempeln wollte.
Doch Ende 2020 steckte man mit Bruno Labbadia an der Seitenlinie im Abstiegskampf, der nach einem 1:4 gegen Werder Bremen nach dem 18. Spieltag entlassen wurde. Auch mit Michael Preetz, dessen letzte Patrone verschossen war, musste ein Gesicht der Hertha nach 25 Jahre den Verein verlassen. Es war das Ende der Gemütlichkeit und der Akzeptanz im Mittelfeld zu versinken.
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Am Ende benötigte man im Frühjahr also wieder die Hilfe des Ungarn, der in der Jugendakademie seine Berufung gefunden zu haben schien. Zusammen mit seinen Co-Trainern Admir Hamzagic und „Zecke“ Neuendorf kamen altbekannte Gesichter mit ihm zurück und verliehen Hertha wieder eine gewisse Bodenständigkeit und Retro-Look, der in den windigen Zeiten guttat.
Die Rückkehr wird zur Achterbahn der Gefühle
Pal Dardai wieder auf dem Trainingsplatz, auf Pressekonferenzen und auf der Trainerbank zu sehen, tat gut. Nicht unbedingt wegen des Fußballs auf dem Rasen, der nur in seltenen Momenten wirklich ansehnlich war. Vielmehr hatten die Fans wieder jemanden, mit denen man sich identifizieren konnte.
Endlich wurde nicht mehr von Big City Club, Low-Hanging Fruits und der Champions League gequatscht, sondern über das, was den Verein so viele Jahre ausgemacht hatte: Identifizierung, Arbeit und der Teamgedanke. Die Liebe war zurück. Es war, als würde man es nochmal miteinander probieren, nachdem sich jeder in der Beziehungspause ausgetobt hatte.
Die Mannschaft steckte bis zum Ende der Saison im tiefen Abstiegskampf. Pal Dardai und dem Trainerteam kann es nicht hoch genug angerechnet werden, wie sie aus einem Haufen von hochtalentierten Fußballern, aber etlichen Ich-AGs, den nötigen Teamgeist gekitzelt und den Klassenerhalt geschafft haben.
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Nach der Corona-bedingten Quarantäne musste das Team innerhalb von drei Wochen sieben Spiele absolvieren. Die Mannschaft nahm den Kampf an. Das Ende vom Lied war ein strahlender Pal Dardai, der mit Zigarre im Mund dem aktuellen Sportstudio ein Interview gab und damit Bilder für die Ewigkeit lieferte.
Heiße Liebe, die schnell abkühlte
Es folgte eine Sommerpause und Vorbereitung, in der Dardai bemüht war, seine alten Tugenden einfließen zu lassen. Er gab vielen Jugendspielern Chancen, führte sie an den Kader heran. Spielern, wie dem chronisch glücklosen Davie Selke, ermöglichte er etliche Einsätze, die er zumindest in der Vorbereitung auch dankend nutzte.
Doch ein unterirdischer Saisonstart zeigte altbekannte Probleme und Abnutzungserscheinungen zwischen Trainer und Verein. Durch den neuen Sportvorstand Fredi Bobic war die Leine für Dardai viel kürzer als noch vor zwei Jahren unter Michael Preetz. Die Leistungen des Teams und insbesondere sein Anteil wurden kritischer beäugt als zuvor. Seine Äußerungen wurden von nun an kommentiert und bewertet. Fredi Bobic sprach offen darüber, dass er Pal Dardai hätte entlassen müssen.
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Dieser verfiel wieder in altbekannte Muster. Wie schon 2019 in den Wochen vor dem Ende seiner ersten Amtszeit äußerte sich Dardai auf Pressekonferenzen extrem Ruf-schädigend. Er bot mehrfach seinen Rücktritt an, sprach von sich selbst in der dritten Person und redete sich und seine Leistungen klein, sowie die angebliche Erwartungshaltung von außen unermesslich groß.
Der Eindruck, einfach so schnell es geht wieder aus der Schusslinie der Medien zu gelangen, festigte sich und machte ihn angreifbar. Hertha BSC und Pal Dardai hatten sich in gewisser Weise voneinander distanziert, die Gefühle füreinander waren schon lange abgekühlt.
Eine Rückkehr für Dardai muss möglich sein
Auch wenn die Entlassung nach dem Spiel gegen den FC Augsburg recht überraschend kam, ist sie durchaus vertretbar. Die Frage, wie Pal Dardai selbst das sieht, muss gestellt werden. Aber wahrscheinlich hat er es nicht nötig, die Antwort der Öffentlichkeit zu geben.
Es bleibt zu hoffen, dass das Verhältnis zu Fredi Bobic soweit intakt ist, dass beide Seiten bereit wären, es nochmal miteinander zu versuchen. Auf absehbare Zeit bestimmt nicht als Cheftrainer der Profimannschaft. Sicherlich wäre aber für Pal Dardai, dem Rekordspieler Hertha BSCs, einer lebenden Vereinslegende, beispielsweise ein Platz im Jugendbereich, seinem Wunschort, frei.
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Doch bis es dazu wieder kommt muss Zeit vergehen. Man muss sich wieder vermissen lernen, um einen neuen Versuch miteinander zu starten. Zusätzlich muss sich Hertha BSC endlich komplett von Dardai unabhängig machen. Eine Situation, wie die im Früher 2021, in der er der einzige Ausweg zu sein schien, darf es nicht noch einmal geben. Um das zu realisieren muss aber an ganz anderen Punkten im Verein angegriffen werden.
Im Frühjahr sollen laut Fredi Bobic Verhandlungen über die Zukunft geführt werden. Pal Dardai ist Hertha und Hertha ist Pal Dardai, aber bitte nie wieder unter Zwang.
Mit einem 2:2 gegen den VfB Stuttgart startete Tayfun Korkut in seinen neuen Job bei der Hertha. Das Debüt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zeigte mal wieder übliche Schwächen des Teams und trotzdem die ersten Entwicklungsschritte seit dem Trainerwechsel. Wir schauen auf eine immer stärker werdende Offensive und die Sorgenkinder der Mannschaft.
Stevan Jovetic: Fit und in Topform eine brutale Waffe
Stevan Jovetics Körper, der in dieser Saison oft für Probleme sorgte und keine Konstanz ermöglichte, scheint aktuell auf einem hohen Level, vielleicht sogar auf seinem höchsten Level zu sein. Und so ist es mehr als erfreulich, den Stürmer endlich in Top-Verfassung zu sehen.
Das Spiel gegen den VfB Stuttgart war ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Im von Trainer Korkut neu gebauten 4-4-2-System musste sich die Offensive finden. Zwischen Stevan Jovetic, Ishak Belfodil, Marco Richter und Myziane Maolida schien es zunächst nicht zu harmonieren. Die Laufwege wirkten zu statisch, die Durchsetzungskraft war ausbaufähig und die Pässe landeten oft beim Gegner. Die ersten Angriffsbemühungen waren eher individuelle Maßnahmen. Im Verlauf der Partie gelang es den Spielern aber, diese Mängel immer mehr abzustellen.
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Und trotzdem benötigte es wieder einmal eine Einzelleistung, um auch Tore-technisch anzukommen. Als sich Jovetic in der 40. Minute von Torunarigha den Ball im Mittelfeld abholte, machte es ihm die Abwehr der Schwaben auch alles andere als schwer. Ein Solo und ein Schlenzer in das rechte obere Eck eröffneten Herthas Comeback. Mit 37 Pässen konnte er seinen Wert unterstreichen. Ihm gelang es, Chancen zu kreieren, Mitspieler in Szene zu setzen und auch sich selbst als ständigen Unruheherd zu inszenieren.
In der 73. Minute zeigte Jovetic mit einem Freistoß zusätzlich seine immense Schusskraft. Eine herausragende Aktion von Torhüter Müller verhinderte nur knapp ein Traumtor. Das Zusammenspiel der Offensive gipfelte in der 76. Minute in dem wohl am schönsten herausgespielten Tor der Herthaner in dieser Saison. Nach Plattenhardts Flanke gelang das Zusammenspiel mit Ishak Belfodil auf engstem Raum, um den Ausgleich zu erzielen.
Mit vier Toren aus acht Bundesligaspielen hat Jovetic eine akzeptable Quote und ist Herthas Toptorjäger. Seine Leistungskurve und Form steigen klar an. Der Wert für die Mannschaft ist kaum in Worte zu fassen, insbesondere wenn es ihm weiterhin gelingt das Offensivspiel auch als Vorlagengeber anzukurbeln.
Ishak Belfodil: Weiterhin in Topform und mit entscheidenden Zahlen
Ishak Belfodil knüpfte gegen den VfB Stuttgart direkt an seiner Leistung gegen den FC Augsburg an und konnte diese endlich auch in spielendscheidenden Zahlen umwandeln. Bereits nach vier Minuten kam der Algerier aus spitzen Winkel zum Schuss. Wie Stevan Jovetic gelang es ihm, sowohl Ballverteiler, als auch Anspielstation zu sein.
Belfodils persönlicher Höhepunkt gegen den VfB hätte in der 23. Minute sein sollen, als er einen sehenswerten Schlenzer vom linken Strafraumeck im Tor unterbrachte. Doch nach VAR-Eingriff wurde der Treffer wegen einer streitbaren Abseitsstellung Vladimir Daridas kassiert.
(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)
Während des Spiels ließ Belfodil sich oft ins offensive Mittelfeld fallen, zog zwischendurch auf die Außen und ermöglichte der Offensive durch seine Laufwege und Aktionen viel Flexibilität. 35 Aktionen und 76 Prozent Passquote beweisen sein Auge für die Mannschaft. In seinen 85 Minuten Spielzeit bereitete Belfodil zwei Torschüsse vor, den entscheidenden in der 76. Minute für Jovetic.
Die Doppelspitze scheint eine echte Alternative und Variante für das Spiel unter Tayfun Korkut zu werden. Jovetic und Belfodil liefern momentan genug Argumente, dass sie als Doppelspitze in die nächsten Spiele gehen. Die Einbindung der Außenspieler muss bei Festigung der Spitze allerdings dringend Thema im Training werden. Die Automatismen sind noch nicht komplett vorhanden, doch mit der Zeit scheint es möglich zu sein.
Myziane Maolida: Wer bist du und was hast du mit Dodi Lukebakio gemacht?
Unter der Woche wurde bereits viel vermutet und gemunkelt. Bei Pal Dardai war der französische Neuzugang zuletzt komplett außen vor. Neben schwachen Leistungen und Verletzungen, stand er wegen mangelnder Disziplin in der Kritik. Tayfun Korkut setzte ein Zeichen und stellte den 22-Jährigen auf die linke Außenbahn. Dieser versuchte, das Vertrauen zu rechtfertigen – es gelang ihm zum Teil. Mit 40 Ballkontakten war er zwar häufig am Ball, doch Tempo aufnehmen und Chancen kreieren konnte er dabei nur selten. Seine Flexibilität in der Offensive fiel im Vergleich zu seinen offensiven Mannschaftskollegen deutlich ab.
Zu Gute kann man ihm aber halten, dass er mit einer Zweikampfquote von 60 Prozent der Stärkste in der Offensive war. Und auch er hatte die Möglichkeit, seiner Leistung einen zählbaren Stempel aufzudrücken. In der 56. Minuten fehlte es ihm allerdings an Spielintelligenz und Entscheidungsfindung, was wahrscheinlich seiner geringen Spielpraxis verschuldet war. Nachdem er von Marco Richter auf der linken Seite mit einem gechippten Ball in Szene gesetzt wurde, konnte er mit einer Mischung aus Pass und Torschuss Florian Müller aber vor keine ernsthafte Herausforderung stellen.
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Neben seinem Potential in der Offensive litt allerdings sein Einsatz in der Defensive. Unterstützung bot er seinen Mitspielern kaum. Unrühmlicher Höhepunkt war sein unmotiviertes Zurücktraben – welches er am Ende sogar abbrach – in der 19. Minute als Philipp Förster komplett unbedrängt das 2:0 für den VfB Stuttgart erzielen konnte. Anzumerken ist aber, dass auch weder Vladimir Darida noch Santiago Ascacibar in dieser Situation überzeugende Gegenwehr leisteten.
Myziane Maolidas Auftritt ließ zum Teil Erinnerungen an den im Sommer an den VfL Wolfsburg verliehenen Dodi Lukebakio aufleben. Offensiv zwar bemüht, aber mit wenig zählbaren und an Defensivarbeit nicht interessiert, scheint Maolida noch keine Hilfe zu sein. Vielleicht kann er sich über regelmäßige Einsätze empfehlen, ansonsten ist er leider kein Upgrade zum ebenfalls in der Kritik stehenden Lukebakio.
Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha: Solides Duo mit fehlendem Tempo
Kapitän Dedryck Boyata bekam von Tayfun Korkut das Vertrauen in der Startelf zu stehen. Nachdem der Belgier drei Spiele gesperrt gefehlt hatte, sollte er als Abwehrchef die Defensive zusammenhalten. Seine Leistung war nicht restlos überzeugend. Zehn Bälle konnte er klären, zwei Schüsse blockte er und mit 93 Prozent Passquote integrierte er sich durchgehend im Aufbauspiel.
(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)
Während Boyata allerdings mit nur 38 Prozent gewonnener Zweikämpfe kein bedingungsloser Sicherheitsposten in der Defensive war, konnte sein Innenverteidiger-Partner, Jordan Torunarigha, 62 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnen und dadurch Mängel seines Kapitäns ausgleichen. Auch Torunarigha war mit 52 Ballaktionen wichtiger Bestandteil im Aufbauspiel. 73 Prozent seiner Pässe fanden den Mitspieler und die Vorlage für Jovetics Tor zum 1:2 geht auf seine Kappe. Mit der Zeit wirkte Torunarigha jedoch immer unsicherer, mehrere Klärungsversuche gerieten zu kurz und Fehlpässe reihten sich aneinander. In der 72. Minute wechselte Tayfun Korkut den 24-Jährigen aus, weil die Stabilität in der Abwehr verloren gegangen war.
Das Innenverteidiger-Duo war auch an beiden Gegentoren beteiligt. In der 15. Minute gelang es ihnen nicht annähernd mit dem Tempo Omar Marmoushs mitzuhalten und mussten auf Grund schwachen Stellungspiels das 0:1 durch einen Konter hinnehmen. Nur wenige Minuten später kassierte Hertha BSC das 0:2 und auch in dieser Aktion glänzten beide mehr durch Passivität, als mit aktiven Zweikampfverhalten.
(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)
Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha wirken körperlich aktuell fit. Gelingt es ihnen in den nächsten Spielen, ihre Tempodefizite mit intelligentem Stellungspiel auszugleichen und mit Spielpraxis zur alten Routine zurückzufinden, hat Hertha gute Chancen, alternativ zu Niklas Stark eine sichere Verteidigung auf dem Platz zu haben.
Fazit: Stärken vertieft und Schwächen eindrucksvoll bekämpft
Es ist sicherlich nicht alles besser. Doch bei diesem Remis konnte man erste Fortschritte im Team der Hertha erkennen. Im Vergleich zu vergangenen Spielen in dieser Saison gelang ein entscheidender Fortschritt. Zwar lagen die Berliner durch altbekannte Schwächen nach einem Doppelschlag schon früh 0:2 zurück. Doch dieses Mal gelang es den freien Fall zu verhindern und sogar ein Comeback.
Unter Pal Dardai folgte nach frühen Gegentoren oft eine komplette Verkrampfung. Es ereigneten sich Klatschen wie gegen den FC Bayern und RB Leipzig. Oder uninspirierte Auftritte wie in Hoffenheim und bei Union Berlin. Inwiefern der Trainerwechsel mit diesem Punkt zu tun hat, ist rein spekulativ, doch das Comeback gegen den VfB Stuttgart lässt Hoffnung auf sehenswerte Auftritte in den nächsten Wochen zu.
(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)
Momentan wirken Angriff, Mittelfeld und Verteidigung noch nicht wie eine verschmolzene Einheit. Das Leistungsgefälle ist noch recht hoch. Auf Tayfun Korkut kommen viele Aufgaben zu. Das Gute ist, dass klar ist, an welchen Schrauben er drehen muss. Zu hoffen ist außerdem, dass Suat Serdar nur eine leichte Erkältung hat und schnell wieder ins Geschehen eingreifen kann. Seine individuelle Stärke hätte dem Team gutgetan.
Die Talentschmiede von Hertha BSC zählt zweifelsohne zu den besseren in der Bundesrepublik Deutschland. Es gibt die Mittelstädts, die sich langfristig bei der Alten Dame durchsetzen konnten, es gibt die Boatengs, die eine riesige Weltkarriere starteten und zwischenzeitlich zu den besten Spielern der Welt gehörten und es gibt die, die einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben. Er galt zwischenzeitlich als gescheitert. Doch mittlerweile spielt sich Hany Mukhtar wieder in den Fokus. Was macht das ehemalige Berliner Juwel eigentlich?
Das erste und letzte Mal
Im Juli 2016 war es soweit. Hany Mukhtars Einwechslung in der 58. Minute war perfekt. Sein erster Europa-League-Einsatz. Das Publikum im ausverkauften Berliner Jahn-Sportpark klatschte freundlich. Großartige Akzente konnte er im Qualifikationsspiel zwischen Hertha BSC und Bröndby IF nicht mehr setzen, in dem Hertha einen 1:0-Sieg über die Zeit rettete.
Ganz anders im Rückspiel in Kopenhagen nur wenige Wochen später. Mit einer Torvorlage und mächtig Wirbel in der Offensive verdiente sich der Sohn eines sudanesischen Vaters die Kicker-Note 2,0. Nach einer 1:3 Niederlage musste Hertha früh die Segel streichen, während es für Mukhtar noch eine Runde weitergehen sollte, ehe auch er sich aus dem Wettbewerb verabschieden würde. Zu der Zeit war er schon lange kein Spieler von Hertha BSC mehr. Als Profi von Bröndby IF war dieser Auftritt allerdings der bis heute Letzte, der seinen Weg mit Hertha kreuzte.
Unspektakulärer Start für Mukhtar
Hany Mukhtar galt als riesiges Talent, ein Kreativspieler, der 2012 dem biederen Jos Luhukay-Fußball einen frischen Anstrich hätte verleihen können. Es war die zweite Saison seit 2010, die die Berliner in der 2. Bundesliga verbringen mussten. Mit Raffael verließ im Sommer der wichtigste Kreativspieler der letzten Jahre den Verein.
Als Ersatz für diesen sollte ausgerechnet sein Bruder Ronny fungieren. Dessen Position war nie wirklich definiert. Der Brasilianer schaffte es weniger wegen seiner Kreativität, sondern viel mehr dank seines brachialen Schusses für Aufmerksamkeit und Tore zu sorgen und spielte sich als Stammspieler auf der Zehner-Position fest.
(Photo by Boris Streubel/Getty Images for Deutsche Bahn)
Mit Änis-Ben Hatira gab es einen weiteren Berliner Jungen im Kader der Offensive. Doch auch seine Kreativität fiel langen Verletzungspausen zum Opfer. Also eigentlich alles wie gemacht für ein künstlerisches Talent. Der Pool der möglichen Debütanten der Hertha, so muss man zugeben, platzte 2012 nicht gerade aus allen Nähten. Bei einem Blick auf den damaligen Kader der 2. Mannschaft muss man registrieren, dass sich von den Feldspielern lediglich Robert Andrich nachhaltig in der Bundesliga etablieren konnte.
Am 7. Spieltag der Saison 2012/2013 feierte Hany Mukhtar gegen Dynamo Dresden sein Profidebüt. Bis zum Ende der Saison, an dem der Wiederaufstieg in die Bundesliga verzeichnet werden konnte, kamen für ihn sechs weitere Einsätze hinzu. Mehr als Kurzeinsätze sollten es jedoch nicht sein. Sein Spielstil war kreativ und nett anzusehen, allerdings alles andere als ertragreich.
Verletzungen, undankbare Spiele und ein goldener Sommer
Auch in der folgenden Bundesliga-Saison konnte er sich nicht nachhaltig durchsetzen. Zunächst verpasst er den Beginn der Saison durch einen Außenbandriss, eher er im Verlauf des Spieljahres von Luhukay den ein oder anderen Einsatz bekam.
Seine Spielzeiten wurden zwar länger, doch bei Niederlagen gegen den FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen wussten weder er, noch die Mannschaft zu überzeugen. Am 34. Spieltag durfte das Talent seinen ersten Einsatz über die volle Distanz feiern. Gegen Borussia Dortmund gab es mit einem 0:4 allerdings die obligatorische Saisonabschluss-Klatsche für die Hertha.
(Photo by Boris Streubel/Getty Images for Deutsche Bahn)
Am Ende der Saison 2013/2014 standen zehn Einsätze zu Buche. Eine Torbeteiligung gelang ihm nicht. Diese sollte ihm aber wenige Wochen später im Finale der U19-Europameisterschaft gegen Portugal gelingen. An der Seite von Niklas Stark und Davie Selke erzielte er den Siegtreffer.
Kein Vertrauen von Jos Luhukay, Jugendtrainer Pal Dardai knapp verpasst
In der Transferphase zur Saison 2014/2015 kam mit Genki Haraguchi, Valentin Stocker, Roy Beerens und insbesondere Salomon Kalou enorm starke Offensivpower dazu. Die Einsatzchancen für ein interessantes, bisher aber nicht zu überzeugen wissendes Talent wie Hany Mukhtar, sollten sich auf ein Minimum reduzieren. Bis zur Winterpause erhielt er keine einzige Minute mehr.
“Junge Spieler wie Hany reinzubringen, wenn das Gerüst fehlt, ist schwer”, sagte Jos Luhukay damals. In der Tat stand es um die Mannschaft alles andere als gut. Nach einem 0:5 gegen die TSG 1899 Hoffenheim am 17. Spieltag stand das Team auf Platz 13 und nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt.
Die Situation sollte sich in den nächsten Wochen weiter verschärfen. Jos Luhukay wurde nach einer Sieglosserie und einem 0:1 gegen Bayer 04 Leverkusen nach dem 19. Spieltag entlassen. Pal Dardai, als großer Jugend- und Mukhtar-Förderer bekannt, übernahm die Mannschaft auf dem letzten Platz. Da war Hany Mukhtar allerdings seit drei Wochen schon bei Benfica Lissabon. Seinen ehemaligen Mentor hatte er somit knapp verpasst.
Schwere Jahre in Portugal und Österreich für Mukhtar
Für 500.000 Euro wechselte der Mittelfeldspieler zu Benfica Lissabon. Aber auch in Portugal konnte er sich nicht durchsetzen. In einem mit vielen Kreativspielern gespickten Team kam Mukhtar lediglich zu einem 15-minütigen Kurzeinsatz. Immerhin konnte er sich am Ende dieser Saison offiziell Portugiesischer Meister nennen. Im Sommer ließ sich der Juniorennationalspieler nach Österreich verleihen.
Und die Zeit bei Red Bull Salzburg begann mit einem ersten Ausrufezeichen. Direkt im ersten Einsatz sollte ihm eine Torvorlage gelingen. Doch wieder einmal konnte sich Mukhtar nicht entscheidend durchsetzen und verzeichnete lediglich Kurzeinsätze. Am Ende der Saison stand er 13 Mal auf dem Platz. Immerhin gelang ihm sein erstes Ligator. Zwei Einsätze im Österreichischen Pokal kamen hinzu.
Auch nach dieser Saison konnte das ehemalige Hertha-Talent Titel feiern. Er war Liga – und Pokalsieger. Drei Torbeteiligungen in 15 Einsätzen überzeugten die Klubführung allerdings nicht, weshalb man von einer festen Verpflichtung absah.
Der Durchbruch in Dänemark
Im Sommer 2016 wechselte Hany Mukhtar für eine kolportierte Ablösesumme von 2,5 Millionen Euro zum dänischen Verein Bröndby IF. Mit 21 Jahren galt er durchaus noch als ein Talent. Allerdings wurde das öffentliche Interesse an seiner Person zunehmend ruhiger. Seine bisherigen Einsatzzeiten waren nicht die erhofften, wenngleich seine Vita und Titelsammlung für einen Fußballer in seinem Alter mehr als beachtenswert waren.
(Photo by Vincent Kalut/Photonews/Getty Images)
Der nächste Tapetenwechsel zündete. In Dänemark blieb er weitgehend verletzungsfrei und neben den Einsatzzeiten stimmte auch endlich der Ertrag. In wettbewerbsübergreifend 38 Einsätzen gelangen ihm 20 Torbeteiligungen. Er entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der besten Spieler der dänischen Superligaen. In den Scorerlisten fand man ihn in seinen ersten beiden Jahren jeweils unter den besten zehn Spielern der Liga.
Und auch seine Titelsammlung konnte er 2018 mit dem Sieg des Sydbank Pokalen, dem nationalen Pokalwettbewerb, erweitern. Im Finale gegen Silkeborg IF steuerte er beim 3:1 zwei Vorlagen bei. Bis zum Ende des Jahres 2019 gelangen dem ehemaligen Hertha-Talent wettbewerbsübergreifend in Dänemark in 134 Spielen 28 Tore und 36 Assists.
Der Lockruf aus den USA
Im Winter 2020 wechselte der heute 26-Jährige für 2,7 Millionen Euro zum neuen amerikanischen Franchise Nashville SC, aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee, in die MLS. Aus dem ehemaligen Talent ist mittlerweile ein gestandener Profi geworden.
Das Team aus Nashville wurde um ihn aufgebaut und Mukhtar gilt neben seiner Funktion als Führungsspieler mittlerweile als absoluter Star der MLS. Im ersten Jahr schaffte es das Team bis in das Viertelfinale der Playoffs. Die Chancen, in diesem Jahr noch weiter zu kommen, standen nicht schlecht. Mukhtar und Nashville mussten sich im Halbfinale allerdings gegen Philadelphia Union geschlagen geben. Der Ex-Herthaner hatte auch in diesem Spiel getroffen, das Elfmeterschießen verlor man jedoch.
(Photo by Brett Carlsen/Getty Images)
Hany Mukhtar schießt Tore am laufenden Band, ist der Star der Liga und gilt bei den Amerikanern als absoluter MVP. Massig Skill- und Tor-Videos sind auf den einschlägigen Plattformen im Netz zu sehen. Den schnellsten Hattrick der MLS-Geschichte erzielte er und 37 Torbeteiligungen in 51 Spielen seit seiner Ankunft in den USA sprechen eine deutliche Sprache.
Hany Mukhtars Leistungen sind in Europa nicht verborgen geblieben. Und insbesondere die Fans von Hertha BSC verfolgen gespannt, wie es um den einstigen Sohn des Vereins bestellt ist. Die Bindung zu seinem Jugendverein besteht immer noch und die Bundesliga scheint für ihn noch nicht abgehakt. Doch aktuell genießt er die Zeit in den USA.
Es ist wie damals 2012. Hertha BSC fehlt die Kreativität im Mittelfeld. Die Situation ist brenzlig und man treibt gesichtslos in unruhigen Gewässern. Möglicherweise würde in einer ruhigeren Situation der Name Hany Mukhtar bei Hertha gar nicht fallen, aber jemanden mit Kreativität und guter Laune sollte man in Berlin nicht ignorieren. Schon gar nicht, wenn es um einen Berliner Jungen geht und Identifikationsfiguren dieser Tage händeringend gesucht werden.
Am heutigen Morgen schlug das Thema ein wie eine Bombe. Pal Dardai ist nicht mehr länger Trainer von Hertha BSC. Mit einer Meldung auf der Homepage kamen die Berliner mit dieser Nachricht um die Ecke. Im selben Atemzug wird Tayfun Korkut als Nachfolger präsentiert. Ein Mann, der das letzte Mal 2018 einen Job im Fußball-Business hatte. Es stellen sich viele Fragen, ob Antworten gefunden werden, muss die Zukunft sagen.
Hertha BSC und der Berliner Winter: Zu viele Gemeinsamkeiten
Die Zeiten sind grau, kalt und es wirkt wie eine schier unendliche Periode, die nicht enden mag. Die Berliner Millionenstadt wird zunehmend stiller und ungemütlicher, am Wochenende gesellte sich zu den eisigen Temperaturen auch noch der erste Schneefall dazu.
Als jemand, der in Berlin lebt, hat man hier aktuell nicht viel zu lachen. Irgendwie wirkt alles etwas betäubter und dunkler als sonst. Als Fan von Hertha BSC prasseln diese Gefühle praktisch doppelt ein. Der Klub macht seit mittlerweile zwei Jahren einen nicht wirklich zielführenden Eindruck. Um den Verein herrscht eine dunkle Stimmung, die niemand so wirklich im Stande zu sein scheint, aufzuhellen.
(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)
Am heutigen Morgen erlangte all das ein neuen unrühmlichen Höhepunkt. Hertha BSC trennte sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Pal Dardai und seinen Co-Trainern Andreas „Zecke“ Neuendorf und Admir Hamzagic. Haben der Alten Dame zuvor bereits Kopf und Gesicht gefehlt, wurde nun das Herz entfernt.
Fredi Bobic: Mehr Business als Feingefühl
Am frühen Morgen teilte Geschäftsführer Sport Fredi Bobic Pal Dardai und dem Trainerteam mit, dass sie mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben freigestellt sein würden. Die Nachfolge war schnell, dem Vernehmen nach schon vor der Entlassung, gefunden. Mit Tayfun Korkut und dem ehemaligen Herthaner Ilija Aracic (von 1999 – 2000 25 Bundesligaspiele für Hertha BSC) als Co-Trainer präsentierte Fredi Bobic ein Team, welches streitbar ist und zunächst mit immens kritischen Augen von der Fanbase und der Medienwelt gesehen wird.
Fredi Bobic zeigte auf der Vorstellungspressekonferenz ein gefasstes und überzeugtes Gesicht. Er bedankte sich beim scheidenden Trainerteam und sprühte vor Optimismus und war bemüht Tayfun Korkut als neuen starken Mann zu präsentieren.
(Photo by Alex Grimm/Getty Images)
Es zeigt, wie sehr sich der Wind in der Hauptstadt gedreht hat. Während noch vor einem Jahr Michael Preetz als emotionaler Mann die Geschicke leitete, sich zunehmend emotional in Pressekonferenzen gab und seine Liebe zur Hertha nicht leugnete, vermittelt sein Nachfolger einen Eindruck als fokussierter, aber eiskalter Manager.
Nach einer denkwürdigen Transferphase im Sommer ist es die nächste Situation, in der Fredi Bobic im Mittelpunkt steht und nicht gerade mit Sympathiepunkten überhäuft wird. Doch das scheint ihm egal zu sein. Seine Überzeugung steht über dem Bedürfnis, beliebt bei den Fans zu sein.
Tayfun Korkut: Ungewöhnliche Wahl, aber möglicherweise unterschätzt
Die unpopuläre Entscheidung, Tayfun Korkut zum neuen Cheftrainer zu machen, sorgt im kurzlebigen Fußballgeschäft zunächst für Häme und Spott. Doch das interessiert Fredi Bobic nicht, der seit mehreren Wochen seine Entscheidung Pal Dardai zu entlassen, getroffen zu haben scheint.
Und wie schon in der Transferphase sorgen seine Entscheidungen keinesfalls für Luftsprünge und Aufbruchsstimmung. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das überhaupt nötig ist. Auch laut Fredi Bobic sei die Mannschaft in Takt, brauche lediglich nur Orientierung. Entscheidend ist also, dass die neue Lösung viel mehr nach innen, als nach außen wirkt. Tayfun Korkut hat sich über die Jahre in Fußball-Deutschland einen Namen gemacht. Leider keinen guten. Stationen bei Hannover und Kaiserslautern waren praktisch zum Scheitern verurteilt, bei Leverkusen gelangen ihm in elf Bundesligaspielen lediglich zwei Siege.
(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
Hoffnung bietet allerdings seine letzte Station in der Bundesliga. Nämlich beim VfB Stuttgart. 2018 übernahm Korkut den VfB nach 20 Spieltagen auf Platz 14 und im tiefen Abstiegskampf. Mit 31 Punkten aus 14 Spielen starteten er und die Mannschaft eine furiose Aufholjagd, die am Ende beinahe mit der Qualifikation zur Europa League endete. Wobei auch hier viele VfB-Fans einordnend behaupten, dass wenig Plan und viel Glück von großer Bedeutung waren.
Fazit: Eine Patrone, die ein Risiko birgt und sitzen muss
Fredi Bobic geht ein enormes Risiko. Die Mannschaft, die auch nach seinen eigenen Worten intakt ist, muss sich in einer brenzligen Situation auf etwas neues einstellen. Versteckte Energien könnten freigesetzt werden. Genauso besteht allerdings das Risiko, dass die Verkrampfung im Hertha-Spiel vertieft und eine Weiterentwicklung blockiert.
Außerdem stellt sich die Frage, ob die Zeit in Stuttgart nur eine Nebelkerze war oder sich Korkut in seiner Karriere weiterentwickelt hat und nun die Chance nutzen kann, endgültig aus der Schublade des chronisch erfolglosen Trainers zu steigen. Sollte das klappen, haben Hertha-Fans im Berliner Winter eine Sorge weniger.
Das Spiel gegen den FC Augsburg am 13. Spieltag stand einzig und allein im Zeichen der Wiedergutmachung. Und in der Tat zeigte Hertha BSC ein anderes Gesicht im Vergleich zum blutleeren Auftritt beim Derby in Köpenick. Trotzdem zeigten sich alte Schwächen, die zum am Ende in einer ewig andauernden Nachspielzeit eiskalt bestraft wurden. Wir blicken auf ein Comeback und auf welche Leistungen aufgebaut werden muss, um endlich zurück in die Erfolgsspur zu finden.
Jurgen Ekkelenkamp: Endlich in der Startelf und auf der richtigen Position
Unter der Woche überlegte Pal Dardai bereits öffentlich ihn aufzustellen. Seinen Worten ließ er Taten folgen und ermöglichte Jurgen Ekkelenkamp einen Platz in der Startelf. Und das auch auf der richtigen Position.
Während Ekkelenkamp bei seinem letzten Startelf-Auftritt im Pokal gegen Preußen Münster glücklos auf der rechten Seite des Mittelfelds agierte, durfte er gegen den FC Augsburg auf der Zehn ran und die kreativen Geschicke leiten. Bis zur 67. Minute wirkte er mit, ehe er von Stevan Jovetic ersetzt wurde.
(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)
71 Prozent seiner Bälle brachte er an den Mann und gerade Stürmer Ishak Belfodil wusste er in Szene zu setzen, der dank des Niederländers immerhin zu einer Torchance kam und eine weitere nur knapp verpasste. Ekkelenkamp selbst bekam in der 61. Minute die Chance das Tor zu erzielen, als wiederum Belfodil ihn im Strafraum bediente. Unter Bedrängnis schoss er allerdings flach am Tor vorbei.
Auf diesem Auftritt lässt sich aufbauen. Wenn Ekkelenkamp in der Lage ist sein Durchsetzungsvermögen zu steigern, kann er sich zu einer enormen Waffe für das Spiel der Herthaner entwickeln. Sein Pressingverhalten und ständige Aktivität waren schon einmal gute Argumente. Zur Zeit sprechen allerdings seine schwachen Zweikampfwerte (nur 22 Prozent gewonnen) und die ausbaufähige Ruhe am Ball noch dagegen.
Ishak Belfodil: Aktuell die stärkste Alternative zu Stevan Jovetic
Zunächst wird sich der ein oder andere Hertha-Fan beim Blick auf die Aufstellung verwundert die Augen gerieben haben. Ishak Belfodil in der Startelf, während Krzystof Piatek und Davie Selke die Bank drückten. Dass Stevan Jovetic nach seiner Corona-Infektion noch nicht für die Startelf bereit war, sollte vor dem Spiel bereit klar gewesen sein.
Dardai sprach dem Algerier gute Trainingsleistungen zu und belohnte diese mit einem Platz in der Startelf. In seinen 73 Minuten Spielzeit war Belfodil ein echter Aktivposten, ihm fehlte lediglich das Glück und die nötige Ruhe vor dem Tor gegen einen gut aufgelegten Rafal Gikiewicz, wie bei seiner Chance aus spitzem Winkel in der 21. Spielminute.
(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)
Belfodil machte im Verlauf des Spiels viele Bälle fest, hatte mit 76 Prozent eine sehr passable Passquote und konnte so für viele gefährliche Offensivaktionen sorgen. Immer wieder ließ sich der Algerier intelligent ins Mittelfeld oder auf die Außenbahnen fallen, um als Anspielstation zu fungieren. So kam Herthas Offensivspiel deutlich besser ins Rollen. Aktuell hat er in der Stürmer-Hierarchie bei Hertha BSC ganz klar die Nase vor Davie Selke und Krystof Piatek.
Wenn es ihm noch gelingen sollte, entscheidende Zahlen vor dem Tor zu verzeichnen, hat er gute Chancen sich in der Startelf festzuspielen. Insbesondere besteht viel Potential im Zusammenspiel mit Jurgen Ekkelenkamp.
Suat Serdar: Unverzichtbar
Wieder einmal war Suat Serdar einer der besten, ja womöglich sogar der Beste, im Hertha-Spiel. 11 Kilometer Laufleistung zeigen seinen unermüdlichen Einsatz. Er verteilte stets Bälle am Fließband, kurbelte das Spiel enorm von hinten an und scheute sich nicht, die ein oder andere Grätsche auszupacken.
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Im Vergleich zum Derby in Köpenick vor einer Woche verdoppelte Serdar seine Zweikampfquote auf 62 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Seine Leistung hätte er in der 62. Minute krönen können, als er sich mit Schnelligkeit und Wucht von der linken Seite aus dem Mittelfeld kommend in die zentrale Position dribbelte und lediglich am herausragend reagierenden Gikiewicz von der Strafraumgrenze aus scheiterte. Es war eine Aktion, die man in dieser Saison schon häufiger bei ihm beobachten konnte.
Wenn diese noch mehr Ertrag bringen würden, wäre Hertha sicherlich nicht auf dem Platz in der Tabelle, den sie aktuell inne haben.
Marco Richter: Aktivposten und Torjäger
Still und heimlich mausert sich Marco Richter zum Torjäger der Hertha. Nur gut, da eben genau so einer aktuell im Kader fehlt. Gegen Augsburg erzielte Richter seinen dritten Saisontreffer. So viele Tore schoss er für eben jenen FC Augsburg in der gesamten letzten Saison.
Er hat nicht viel Anlaufzeit benötigt und sich zu einem nicht wegzudenkenden Aktivposten auf der – meist rechten – Außenbahn entwickelt. Seine Tempoläufe und Antizipation auch ohne Ball können jeder Zeit für Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgen. Sein Tor, was er aufgrund seiner 9-jährigen Vergangenheit bei den Fuggerstädtern verständlicherweise sehr zurückhaltend zur Kenntnis nahm, war natürlich an Kuriosität nicht zu überbieten. Und genau dieses Tor zeigt das große Problem der Hertha. Ähnlich wie gegen Leverkusen am 11. Spieltag benötigte die Mannschaft einen Zufall und Fehler des Gegners.
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Aktuell besitzt die Hertha einfach nicht die Kaltschnäutzigkeit, um aus ihren wenigen Chancen und kreativen Momenten ein Tor zu erzielen. Das Aufbau – und Kombinationsspiel, welches sich im Vergleich zur letzten Woche zwar deutlich gesteigert hatte, reicht auch noch nicht, um Tore herauszuspielen. Somit brauchte es einen Fehler des Abwehrspielers Robert Gumny, den Richter eiskalt ausnutzen konnte. Mit 49 Ballkontakten, 27 Pässen und einer Passquote von 70 Prozent war Richter einer der aktivsten Herthaner auf dem Feld.
Jordan Torunarigha: Starkes Comeback und für ein paar Sekunden gefeierter Held
Nach zweieinhalb Monaten feierte Jordan Torunarigha sein Comeback. Dass er das direkt in der Startelf tun würde, war ursprünglich nicht geplant. Da sich allerdings Marton Dardai bereits beim Warmmachen verletzte, musste Torunarigha ins kalte Wasser geworfen werden.
Dem Innenverteidiger war die fehlende Spielpraxis kaum anzumerken. Er gewann 100 Prozent seiner Zweikämpfe. Zugegeben, es war nur ein einziger, den er zu erledigen hatte. Mit vier Klärungsaktionen sorgte er des Öfteren für Ruhe im Strafraum, sechs abgefangene Bälle kamen hinzu. Während des gesamten Spiels hatte er es nicht ein einziges Mal nötig ein Foul zu ziehen. Für den Spielaufbau war Jordan Torunarigha ein wichtiger Baustein. 59 Ballaktionen, eine Passquote von 91 Prozent und drei seiner sechs langen Bälle fanden den Mitspieler.
Dieses starke Comeback hätte noch fast eine kitschige Note bekommen. In der 75. Minute erzielte er nach Vorarbeit von Stevan Jovetic ein Tor. Es wäre das wahrscheinlich vorentscheidende 2:0 gewesen. Der Jubel in der Ostkurve war emotional, sollte aber nur von kurzer Dauer sein. Auf Grund einer Abseitsposition wurde der Treffer aberkannt. Den bitteren Gegentreffer in der 7. Minuten der Nachspielzeit konnte aber auch er letztendlich nicht verhindern.
Trotzdem macht seine Leistung große Lust auf mehr und lässt die Hoffnung auf eine starke Abwehr weiter steigern.
Fazit: Ein Team, das lebt und im entscheidenden Moment den Fokus verliert
Als in der 77. Minute der FC Augsburg bei einer Aktion drei Schüsse hintereinander nicht im Tor unterbrachte, umarmten sich Torunarigha und Torhüter Schwolow innig. Man spürte, was für ein Druck auf ihnen lag.
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Man sah ihnen aber auch an, wie sie füreinander einstehen, füreinander fighten und sich gegenseitig pushen. Das Team lebt. Doch reicht das, wenn es an Qualität fehlt? Wie viele Nackenschläge, ob blutleere Auftritte im Derby oder späte Ausgleichstreffer wie gegen Leverkusen und nun Augsburg, sorgen für einen lehrreichen Effekt? Ab wann sind Enttäuschung und Demoralisierung stärker, als die gesammelte Erfahrung und eine Trotzreaktion im nächsten Spiel?
Fakt ist, Hertha braucht Punkte und Siege um in ruhigere Fahrgewässer zu kommen. Die Konkurrenz macht es vor. In Stuttgart ist der nächste Schritt und die nächste Reaktion gefordert.
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