Wie lange noch, Michael?

von | Jan 12, 2021 | Kolumne, Um den Verein | 0 Kommentare

Der Zustand von Hertha BSC ist erschreckend. Eine Glosse.

Es läuft nicht in der Hanns-Braun-Straße. Der Lutter & Wegner Sekt, Mampe und der Kaviar aus dem KaDeWe – nach dem Einstieg Tennors noch in rauen Mengen geordert – sind längst aufgebraucht. Die neue Lieferung, die eigentlich für die Herbstmeisterschaftsfeier ankommen sollte, wurde heimlich still und leise abbestellt. 16 Punkte aus 15 Spielen. Nur die Bilanz von WireCard ist weiter von Anspruch und Wirklichkeit entfernt, als die der alten Dame aus Berlin.

Dass es so weit kommen konnte, ist auch der Verdienst des Michael P. Während seiner 11-Jährigen Amtszeit sind seine Haare grauer geworden. Sinnbildlich für die Entwicklung des Vereins, für den er als Geschäftsführer Sport die Verantwortung trägt. Nun kann man Haare färben, Punkte aber nicht. Seit einiger Zeit bewegt sich die technisch limitierten, aber im Strafraum hocheffektiven Stürmer-Ikone immer weiter ins Abseits. Das Berlins begabtester Shopping-King dort steht, ist auch selbstverschuldet. Mit Bruno L. und Arne F. wurden zwei kompetente Gehilfen geholt, die dem GFS nicht nur in Sachen Ausstrahlung und PK-Präsenz den Rang ablaufen, sondern ihn auch, wenn es darum geht, den attraktivsten Hertha-Funktionär zu identifizieren, auf die hinteren Plätze verweisen. Als Hertha-Fan betet man nach jedem verkorksten Spieltag und der Corona-konformen, einsam durchzechten Frustsaufnacht, zum Fußballgott, auf dass der neue starke Mann Carsten S. den erlösenden Abseitspfiff endlich ertönen lasse mögen.

Elf Jahre ohne nennenswerte Fortschritte. Findige ÖRR-Kabarettisten würden an dieser Stelle launige Vergleiche mit dem BER anstellen. Die müden Rentner in den ersten drei Reihen hätten gelacht und ihren Freunden beim Zoom-Canasta-Abend vom „Klasse Auftritt“ erzählt, den sie letztens erlebt haben. Wie schön wäre es, dieses Prädikat auch mal wieder und vor allem regelmäßig bezüglich Hertha anbringen zu dürfen. Deuteten die Vorzeichen vor neuen Saison noch auf ein Live-Spektakel à la Superbowl-Show hin, fanden sich Mannschaft und Fans schnell in einem Zustand wieder, der eher an den Auftritt von Helene Fischer beim DFB-Pokal 2017 erinnerte.

Apropos Pokal. Wunder sind möglich. Doch als Hertha-Fan klagt man den Fußball-Gott auch diese Saison wie schon so oft an, warum er einen den verlassen hat. Will man keine Affäre mit der kultigen, aber ein bisschen zu sehr nach 2,50€ Brautwurst und Berliner Pilsner riechenden, Dame von „Drüben“ anfangen, bleibt dem krisenerfahrenen Verehrer der Charlottenburger Möchtegern-GILF nur die andere Wange hinzuhalten oder der Rückzug in den Stoizismus. Vergebt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

O Zeiten, O Sitten. Die Fans bemerken es, doch der Präsident schweigt und genießt. Wie lange unsere Geduld noch missbraucht werden soll, weiß nur er selbst. Doch eins ist sicher: Offiziell ist‘s, wenn der Lange nicht mehr twittert.

ÜBER DEN AUTOR

Niklas Döbler

Niklas Döbler

Hat Psychologie nur deshalb studiert um mit dem Frust umgehen zu können. Schreibt viel zu komplizierte Texte über viel zu einfache Themen.

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