Herthaner im Fokus: TSG Hoffenheim – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: TSG Hoffenheim – Hertha BSC

Nach der unschön anzusehenden, doch im Ergebnis so wichtigen Partie gegen Köln duellierte sich unsere Alte Dame am letzten Spieltag der Saison 2020/2021 mit der TSG Hoffenheim in Sinsheim um die Goldene Ananas. Während auf anderen Plätzen die Kämpfe ums internationale Geschäft und den Klassenerhalt gefochten wurden, konnte Hertha zwar die Ungeschlagen-Serie seit dem 13. März 2021 nicht weiterführen, aber immerhin die obligatorische Klatsche mit vier Toren Differenz zum Saisonabschluss vermeiden.

Wir schauen auf einige ausgewählte Herthaner bei dieser sportlich irrelevanten 1:2-Auswärtsniederlage. Dabei nehmen wir vor allem die Spieler in den Fokus, die sich am Samstag (höchstwahrscheinlich) von Hertha BSC verabschiedet haben.

Peter Pekarik – Mr. Zuverlässig

Herthas ewiger Rechtsverteidiger startete auch im letzten Spiel der Saison rechts in einer Viererkette. In der chancenreiche Anfangsphase war auch der Slowake vorne zu finden und legte in der 17. Minute eine gute Chance für Jessic Ngankam auf, der am Hoffenheimer Keeper Pentke scheiterte. Als das Spiel immer mehr verflachte und kaum Möglichkeiten bot, tauchte Pekarik plötzlich wieder im Hoffenheimer Strafraum auf. In der 41. Minute brachte er von der Grundlinie aus einen Pass in den Rückraum, wo sich Ngankam und Nemanja Radonji nicht einig wurden und die Schusschance verpuffte.

In der 43. Minute hatte sich der Hertha-Verteidiger wieder nach vorne geschlichen und die Defensive der Gastgeber aufgemischt. Auf der anderen Seite des Spielfelds tankte sich Marvin Plattenhardt durch und brachte eine passgenaue Flanke auf den Fünfmeterraum, wo Vladimir Darida den von Pekarik geschaffenen Freiraum nutzte und unbedrängt zur 1:0-Führung einköpfte.

Foto: IMAGO

Auch wenn der 34-jährige Slowake nicht direkt am Tor beteiligt war, so zeigte sich auch hier sein in dieser Saison neu gewonnener Torriecher, der ihn zum fünftbesten Torschützen bei Hertha in dieser Spielzeit machte. Unter seinen drei Bundesliga-Treffern waren dabei auch so wichtige Tore wie das zum 1:1 beim 3:1-Hinspiel-Sieg gegen Union Berlin wie auch das 2:0 beim 3:0-Erfolg im Nachholspiel gegen den SC Freiburg.

Zu Beginn der zweiten Hälfte zeigte sich Pekarik dann aber wie seine Defensiv-Kollegen nach einer Riesenchance für Vladimir Darida zu unaufmerksam und ließ Ryan Sessegnon auf der rechten Abwehrseite zu viel Raum und Platz. Dessen scharfe Hereingabe konnte Sargis Adamyan in der Mitte zum 1:1-Ausgleich verwerten. Diese Unaufmerksamkeit konnte Herthas Rechtsverteidiger aber nicht auf sich sitzen lassen und so warf sich Mr. Zuverlässig in der 52. Minute in höchster Not in einen Schuss von Andrej Kramaric und konnte so noch eben den nächsten Einschlag verhindern.

Danach bewegte sich das Spiel wieder in ruhigere Fahrwasser und Hertha kam lange nicht mehr wirklich in Bedrängnis – wie immer auch ein Verdienst von Peter Pekarik. Nachdem mit der Khedira-Auswechslung endgültig die Sommerpause eingeleitet schien, tröpfelte das Spiel größtenteils vor sich hin. Als die Partie beinahe schon abgepfiffen schien, kamen die Hoffenheimer doch noch spät zu einem verdienten 2:1-Sieg durch den Treffer von Andrej Kramaric.

Ob Peter Pekariks Vertrag noch einmal verlängert wird, ist zweifelhaft. Die Zuverlässigkeit in Person ist seit 2012 bei Hertha, hat in der zweiten Liga, aber auch in der Europa League gespielt. Er hat Pal Dardai kommen, wieder gehen und wieder kommen sehen. Und der stets unscheinbare Slowake war immer dabei.

Danke, Peter!

Mathew Leckie – Internationale Schnelligkeit

Der Australier durfte wie bei seinem Debüt für Hertha gegen den damaligen Aufsteiger VfB Stuttgart im Sommer 2017 auf der rechten Seite im heut wie damals von Dardai favorisierten 4-2-3-1 beginnen.

Doch anders als einst, als Mathew Leckie den Linksverteidiger Ailton des VfB schwindlig spielte und mit einem unvergessenen Ronaldo-Chop links liegen ließ, um zum Doppelpack einzuschieben, konnte Leckie diesem Spiel seinen Stempel nicht aufdrücken. Er fiel zwar auch nicht ab, konnte aber keine entscheidenden Szenen initiieren. Dass der Moderator eines Bezahlsenders bei Leckies Auswechslung dennoch von einer guten Leistung sprach, ist wohl bezeichnend für die Leistungen, die Leckie bei Hertha größtenteils zeigte. Ebenso, dass der für ihn eingewechselte Daishawn Redan, wenngleich glücklos, schon kurz nach seiner Einwechslung für mehr Wirbel sorgte, als Leckie in seinen gesamten Saisoneinsätzen zusammen.

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Hatte Leckie mit seinem Doppelpack beim Debüt 2017 noch Träume geschürt, zeigte sich danach relativ schnell, dass die Skepsis der Hertha-Anhänger:innen wie auch die 2173 Minuten andauernde Torflaute vor dem ersten Treffer gegen die Stuttgarter doch begründet waren. Leckie fehlte es nie am Einsatz, er zeigte allerdings auch keinerlei Torgefahr. Mehr als die von Dardai so heißgeliebte internationale Schnelligkeit konnte der Australier nie vorweisen. Und so verkam er wie schon sein ehemaliger Teamkollege Alexander Esswein immer mehr zum Meme.

Rückblickend wird ihm das nicht gerecht. Leckie fightete immer, soweit ihn seine Füße trugen, war mit Herz und Leidenschaft dabei und beklagte sich nie, wenn ein Trainer seine limitierten Fähigkeiten erkannte und andere Spieler vorzog. Der sympathische Australier deutet die Zeichen der Zeit richtig und bricht trotz einiger Einsatzminuten in dieser Saison seine Zelte in Berlin ab.

Auch wenn Mathew Leckie in seiner Hertha-Zeit selten Wunderdinge vollbrachte, hat er sich Anerkennung und einen warmen Abschied verdient. Und auch der Autor dieser Zeilen wird sich mit einem Lächeln zurückerinnern an den flinken Rechtsaußen und diesen Samstag im Olympiastadion im August 2017.

Danke, Mathew!

Sami Khedira – Der verlängerte Arm des Trainers

Sami Khedira führte im letzten Spiel seiner Karriere Hertha erstmals als Kapitän auf den Platz. Im Dardai‘schen 4-2-3-1 besetzte er die Doppelsechs mit Eduard Löwen, der zu seinem Startelfdebüt in dieser Saison kam. Während sich Löwen anfangs mit einigen Läufen in die Tiefe anbot, bot Khedira wieder den Ballverteiler dar. Die ordnende Hand im Spielaufbau mit dem richtigen Auge für freie Räume und ordentlichem Timing zeigte, wie wichtig Khedira auch sportlich für Hertha hätte sein können. Doch gerade defensiv offenbarten sich auch die bekannten Geschwindigkeitsdefizite, die von wendigen schnellen Stürmern allzu leicht ausgenutzt werden können.

So wurde etwa Hoffenheims Sargis Adamyan nach unentschlossenem Zweikampfverhalten von Marvin Plattenhardt im Strafraum freigespielt, der daraufhin sowohl von Niklas Stark als eben auch Sami Khedira mit einem kleinen Schlenker ausspielte und wuchtig knapp neben das Tor schoss. Mit zunehmender Spielzeit verflachte Herthas Spiel zusehends, auch Khedira konnte sich nicht gegen die drohende Schläfrigkeit der Hertha Mannschaft stemmen, auch wenn der zu diesem Zeitpunkt überraschende Führungstreffer noch vor der Pause fallen sollte.

In der zweiten Hälfte durfte Khedira dann neben dem eingewechselten Santiago Ascacíbar seine Abschiedsvorstellung weiterführen. Und in der 48. Minute war dieses Duo direkt im Mittelpunkt. Der eingewechselte Argentinier schickte am Sechzehner in Manier seines bekannten Landsmannes vom FC Barcelona drei Hoffenheimer ins Leere, Khedira spitzelte gedankenschnell den Ball aus dem Zentrum nach links zum freistehenden Darida, der sich die Zeit ließ, den Ball anzunehmen und mit etwas zu viel Auge ans rechte Gestänge zu schnörkeln. Auf der Gegenseite trauerte die Hertha-Mannschaft der vergebenen Großchance wohl noch zu sehr hinterher und musste den Ausgleich durch Adamyan fressen.

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Nach diesem furiosen Auftakt in die zweite Hälfte verflachte die Partie zusehends, einzig Redan brachte noch etwas Unruhe in die Hoffenheimer Defensive.

Die Szene des Spiels hatte dann aber wenig mit dem Sportlichen zu tun. In der 74. Spielminute verließ Sami Khedira unter dem Beifall seiner Mannschaftskollegen den Platz. Alle Herthaner vor Ort hatten sich in Trikots der ehemaligen Stationen des Deutschen, Spanischen und Italienischen Meisters vor der Bank aufgestellt, um ihn zum Abschluss seiner Karriere in Empfang zu nehmen. Arne Friedrich ließ es sich nicht nehmen, Khedira in seinem Weltmeister-Trikot des Jahres 2014 in den Arm zu nehmen und ihm noch einige warme Worte mitzugeben. Ein wenig ging unter, dass mit dem eingewechselten Jonas Dirkner ein weiteres Talent der Hertha-Bubis sein Bundesliga-Debüt feierte.

In der Folge lief das Spiel aus und Hertha der Sommerpause entgegen. Die letzte Entschlossenheit fehlte und Hoffenheim kam so noch zu einigen Chancen bis es in der 90. Spielminute dann tatsächlich so weit war – nach einer Hereingabe von rechts stand Topstürmer Andrej Kramaric blitzeblank auf Höhe des Elfemeterpunkts und verwandelte eiskalt ins links untere Eck zum 1:2-Endstand.

Das Ergebnis blieb jedoch nebensächlich. Aus Hertha-Sicht wird der emotionale und gelungene Abschied von Sami Khedira im Gedächtnis bleiben. Trotz verletzungsbedingt nur neun absolvierter Spiele für Hertha, kann man an den Äußerungen der Verantwortlichen seinen Anteil am Klassenerhalt ablesen. Auf dem Platz der erfahrene Lenker war er abseits des Platzes für das so auseinandergedriftete Mannschaftsgefüge Gold wert. Neben seiner Erfahrung und natürlichen Autorität konnte er auch mit seinen Sprachkenntnissen und vorgelebten Professionalität Bindeglied und Vorbild sein.

Sami Khedira wusste im Winter genau, worauf er sich einlässt. Und er hat sich für Hertha entschieden.

Danke, Sami!

Und da war da noch:

Nemanja Radonjić, der insbesondere zu Beginn der Partie als Aktivposten seine Schnelligkeit und Dribbelstärke bewies, das ein oder andere Mal gefährliche Strafraumszenen initiierte und auch selbst zum Abschluss kam. Wieder einmal zeigte sich allerdings seine Schwäche in der Entscheidungsfindung. Mit zunehmender Spielzeit tauchte er wie die meisten seiner Mannschaftskollegen weitestgehend ab. Auch Radonjićs Leihvertrag endet nach diesem Spiel, Hertha soll aber an einer Weiterverpflichtung zu vernünftigen Konditionen interessiert sein. Sicherlich eine sinnvolle Überlegung, ist Hertha doch gerade auf den offensiven Außenpositionen dünn besetzt. Soweit es menschlich passt und man Vertrauen in Dárdais Fähigkeiten hat, den Serben weiterzuentwickeln, dürfte eine Lösung mit seinem Stammverein Olympique Marseille zu finden sein.

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Nils Körber, der seit Rune Jarsteins Corona-Infektion als Herthas Nummer Zwei auf der Bank saß. Seit 2011 im Verein, seit 2015 mit 3-jähriger Leihunterbrechung noch ohne Einsatz für Hertha bei den Profis. Dem Vernehmen nach läuft sein Vertrag aus, eine Ausweitung des Vertrags erscheint aber nicht unmöglich. Nach Jarsteins Verlängerung bleibt aber vorerst weiterhin nur die Perspektive als Nummer Drei, fraglich ob das dem sicherlich zweitligareifen Torhüter in den nächsten Jahren ausreicht.

Mattéo Guendouzi, der das letzte Saisonspiel aufgrund seines gegen Freiburg erlittenen Mittelfußbruchs verpasste und so einen unwürdigen Abschied seines wilden Leihjahres bei Hertha fand. Der Lockenkopf stand beinahe sinnbildlich für das zu selten abgerufene Potenzial der Mannschaft, das ewige Auf und Ab. Konnte er zu Beginn seiner Leihe noch begeistern, trieb er die Fans zwischendurch zur Weißglut, nur um am Ende wieder eine wichtige Stütze im Dardai‘schen System zu sein. Ob er nun tatsächlich in der nächsten Saison bei Arsenal seine Schuhe schnürt, erscheint allerdings eher fraglich. Sicher ist nur („Stand jetzt“), dass eine Verpflichtung für Hertha nicht möglich ist und wir Guendouzi nach der Sommerpause in einem anderen Trikot sehen werden.

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TSG 1899 Hoffenheim – Hertha BSC: Die Kür nach dem Krakftakt

TSG 1899 Hoffenheim – Hertha BSC: Die Kür nach dem Krakftakt

Was vor der Saison für große Ernüchterung gesorgt hätte, ist heute Grund für riesige Erleichterung und Freude: Für Hertha geht es nach dem Klassenerhalt am vergangenen Spieltag in der letzten Partie um rein gar nichts mehr. Gerade, wenn man Freundinnen und Freunde hat, deren Vereine sich gerade noch mittendrin im Abstiegskampf tummeln und um das sportliche Überleben zittern, merkt man, wie brustlösend dieser Satz doch ist. Dank eines sagenhaften Post-Quarantäne-Schlussspurts hat es die Mannschaft vollbracht, in 13 Tagen aus fünf Spielen starke neun Punkte zu sammeln. Das erfreulich ereignisarme 0:0 gegen Köln hat dann schlussendlich aufgrund der Resultate auf den anderen Plätzen den Deckel auf eine verrückte Saison gemacht. Während Hertha nun sogar bei einem Sieg noch bis auf Platz 12 emporklettern könnte, ist bei Hoffenheim, dem kommenden Gegner, der elfte Platz bereits zementiert. Perfekte Bedingungen also für einen lauen Frühlingskick im Kraichgau.

Mehr als nur Ergebniskorrektur

Neben Cunha und Cordoba fehlen sechs weitere Stammkräfte (Matthias Koch, imago images via Getty Images)

Wie wichtig es war, schon vor Samstag den Ligaverbleib zu zementieren, zeigt ein Blick auf die Verletztenliste. Mit Luca Netz, Matteo Guendouzi, Jhon Cordoba, Rune Jarstein, Krzystof Piatek, Maximilian Mittelstädt und Matheus Cunha fehlen sieben potenzielle Stammspieler. Dazu kommt als Nummer Acht noch Jordan Torunarigha mit einer Gelbsperre.

Wer jetzt aber glaubt, Hertha würde dieses Spiel ohne Ambitionen angehen, sieht sich getäuscht, zumindest, wenn es nach Pal Dardai geht. Die kühle BWL-Sicht, die auch der Trainer in der Pressekonferenz dargelegt hat, ist zunächst einmal klar. Je weiter oben Hertha die Saison abschließt, desto mehr Einnahmen durch TV-Gelder gehen damit einher. Doch auch für die nächste Saison kann ein Punktgewinn einen Motivationsschub bedeuten. Neun ungeschlagene Spiele hatte Hertha letztmalig vor 16 Jahren, als Dardai selbst noch die Schuhe an der Seite von Marcelinho und Co. schnürte. Sich nach diesem Spielemarathon in den letzten Wochen nun auch noch mit einen Remis oder Sieg, statt der obligatorischen Klatsche am letzten Spieltag, in die Sommerpause zu verabschieden, wäre die Kirsche auf der Torte.

Ein würdiger Abschied für Herthas Weltmeister

Sein Abschiedsspiel wird Sami Khedira von Beginn an bestreiten. (imago images via Getty Images)

Und dann ist da natürlich noch die romantische Perspektive, die dieses Spiel hat. Sami Khedira, ein ganz Großer dieses Sports, verlässt am Samstagnachmittag die Fußballbühne und wird sein letztes Spiel bestreiten. Dass dies nicht in einem ausverkauften Stadion vor Fans stattfinden darf, macht den Abschied umso wehmütiger. Gerade deswegen ist die Mannschaft in der Verantwortung, dafür zu sorgen, ihm einen gebührenden Schlussakkord zu bereiten. Schließlich hat Khedira, wie Dardai und Friedrich immer wieder betonen, trotz seiner wenigen Spiele, gerade durch seine Erfahrung und Führungsqualität einen großen Anteil am Klassenerhalt. Ein Sieg in seinem letzten Spiel wäre eine schöne Art und Weise, ihm für seinen unermüdlichen Einsatz in dieser schwierigen Phase des Vereins zu danken. Dass Khedira dabei in der Startelf stehen wird, stand laut Pal Dardai auch schon vor der Verkündung seines Karriereendes fest.

Schaulaufen für nächstes Jahr?

Aber auch aus rein egoistischen Gründen ist es für die Spieler wichtig, sich noch einmal von der besten Seite zu zeigen. Die Anzeichen verdichten sich, dass Pal Dardai auch in der kommenden Saison Cheftrainer von Hertha BSC sein wird. Dementsprechend gewichtig wird sein Wort sein, wenn es um die Kaderplanung für die nächste Spielzeit geht. Wie der Ungar selbst sagte, wird er die nächsten Wochen vor dem Urlaub auch dafür nutzen, gemeinsam mit Arne Friedrich zu besprechen, welche Spieler sich als lernfähig erwiesen haben. Das Spiel gegen Hoffenheim ist also die letzte Möglichkeit, den Trainer nochmal von sich zu überzeugen und die Saison mit einem positiven Gefühl zu beschließen. Vielleicht wird der laue Frühlingskick also doch etwas hitziger.

*Titelbild: imago images via Getty Images

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – TSG Hoffenheim

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – TSG Hoffenheim

Mit einer am Ende deutlichen 0:3-Heimniederlage gegen Hoffenheim beendet Hertha BSC die Hinrunde der Saison 2020/2021. Nach einer ordentlichen Anfangsphase (inklusive verschossenem Elfmeter) verpassten es die Berliner, mit letzter Konsequenz auf die Führung zu drücken. Nach einer knappen halben Stunde kamen die Gäste zur schmeichelhaften Führung, im Anschluss gelang Hertha kaum noch etwas.

Bereits nach den beiden letzten Auftritten auf der Alm in Bielefeld (0:1) und gegen den 1. FC Köln (0:0) waren bei den meisten Hertha-Fans die Erwartungen für das Spiel gegen die ebenfalls kriselnden Hoffenheimer (ein Sieg in den letzten sechs Bundesliga-Spielen) gering. Und Hertha wurde einmal mehr seinem Ruf als „Aufbaugegner“ gerecht – individuell gab es dabei nur wenige Lichtblicke.

Maximilian Mittelstädt – nicht wirklich besser als Plattenhardt

Eine Entscheidung Labbadias, die schon in den vergangenen Monaten immer wieder für Diskussionen sorgte, war die Bevorzugung von Marvin Plattenhardt auf der Linksverteidigerposition. Plattenhardt wurde trotz durchwachsener Leistungen immer wieder Maxi Mittelstädt vorgezogen – dabei waren viele Hertha-Fans der Meinung, dass Mittelstädt sich insbesondere zu Saisonbeginn ordentlich präsentiert hatte.

Durch Plattenhardts Verletzung durfte Mittelstädt gegen Hoffenheim zum zweiten Mal hintereinander von Beginn an ran, das Fazit fällt eher weniger gut aus.

In der Anfangsphase war Mittelstädt unauffällig: Defensiv könnte man das durchaus als Kompliment auffassen, allerdings übten die Gäste auch nur wenig Druck aus, Hertha hatte Ballbesitzanteile von über 70 Prozent.

Und auch offensiv war Mittelstädt quasi unsichtbar. Guendouzi übernahm im Aufbau seine Position hinten links – wohin Mittelstädt auf diese Rochade hin verschwand, war nicht immer leicht festzustellen. Nach einer knappen halben Stunde setzte er mal Córdoba mit einer Flanke in Szene, der Kolumbianer köpfte allerdings über den Kasten. Kurz nach der Halbzeit wiederholte sich dieses Muster: Am Hoffenheimer Strafraum bekam Mittelstädt von Guendouzi den Ball, fand mit seiner Flanke Córdoba – und dieser setzte seinen Kopfball übers Tor.

Foto: IMAGO

Bei der Entstehung des ersten Gegentores machte Mittelstädt eine unglückliche Figur. Er rückte aus der Viererkette, um den Ballführenden Baumgartner unter Druck zu setzen – kam dabei allerdings zu spät und öffnete so den Raum für den Torschützen Sebastian Rudy.

Insbesondere sein zu Saisonbeginn besserer Offensivoutput im Vergleich mit Plattenhardt wurde Mittelstädt hoch angerechnet, gegen Hoffenheim war davon allerdings nur wenig zu sehen. Defensiv unterliefen Herthas Eigengewächs eigentlich keine großen Fehler, trotzdem sprach seine Auswechslung nach 60 Minuten Bände für seine Leistung. Auch weil der erst 17-jährige Luca Netz keinen Deut schlechter machte.

Omar Alderete – Das Thema mit den Ansätzen

In der Hertha-Innenverteidigung lief einmal mehr der Paraguayer Omar Alderete neben Kapitän Niklas Stark auf. Defensiv waren beide in der Anfangsphase kaum gefordert, dafür aber umso mehr im Spielaufbau. Dabei übernahm Alderete einmal mehr den risikoreicheren Part, und zumindest in der ersten halben Stunde war er ein ums andere Mal der X-Faktor in Herthas Spielaufbau: Mit flachen Pässen ins Zentrum auf Cunha, eine der beiden Spitzen oder Guendouzi gelang es ihm gleich mehrere Male, zumindest eine der Hoffenheimer Verteidigungslinien zu überspielen.

Allerdings schlichen sich auch hin und wieder kleinere Fehler ins Spiel Alderetes – einmal vertändelte er in zentraler Lage fast den Ball an einen Hoffenheimer, aus einem Fehlpass nah am eigenen Tor konnten die Hoffenheimer kein Kapital schlagen. Und auch eine Situation, in der Alderete seinen Gegenspieler mit etwas übertriebenem Körpereinsatz „rammte“ und abdrängte, dürfte für die eine oder andere gehobene Augenbraue gesorgt haben.

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In der zweiten Halbzeit waren aber auch bei Alderete jegliche spielerische Anlagen verschwunden, die man in der ersten Hälfte noch bestaunen durfte. Wie auch sein Nebenmann Stark agierte Alderete meistens nach der Devise „lang und weit bringt Sicherheit“, wenn keine einfache Lösung in Sicht war.

Defensiv war der Paraguayer eigentlich nur beim 0:1 zu weit von seinem Gegenspieler entfernt, sonst konnte der Neuzugang die eine oder andere brenzlige Situation bereinigen. Gleichzeitig strahlte er mit seiner etwas aggressiveren Spielweise aber auch nicht unbedingt Ruhe aus.

Dodi Lukébakio – symptomatisch für eine ganze Saison

Nach einigen enttäuschenden Auftritten zuletzt hatte Labbadia mit der Rückkehr von Matheus Cunha die Möglichkeit, Dodi Lukébakio zunächst einmal auf der Bank zu lassen. Nach seiner Einwechslung gelang es dem Belgier allerdings nicht mehr, noch etwas Nennenswertes zu Herthas Offensivbemühungen beizutragen.

Wie so oft in den vergangenen Wochen ging in seinen knapp 30 Minuten auf dem Platz quasi keine Gefahr von Lukébakio aus. Mit seiner ersten Aktion rutschte er auf dem Rasen des Olympiastadions weg – direkt in einen Hoffenheimer Gegenspieler, eine (etwas harte) gelbe Karte war die Konsequenz.

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Und auch beim 0:2 demonstrierte Lukébakio einmal mehr eine seiner gravierendsten Schwächen: Schon in der Entstehung war er zu weit von seinem Gegenspieler entfernt, woraufhin dieser den Ball relativ unbedrängt in den Rückraum zurücklegen konnte. Allerdings hatte Lukébakio den Spieler schon bis zur Grundlinie verfolgt – und weil er sich im Anschluss nicht schnell genug wieder nach vorne bewegte, hob er das Abseits des Torschützen Kramaric auf.

Mit seinem Joker-Einsatz sollte Lukébakio wohl eigentlich zeigen, warum er in Zukunft wieder die richtige Wahl für die Hertha-Startelf wäre. Mit diesem Auftritt ist ihm das aber sicherlich nicht gelungen – eher im Gegenteil.

Lucas Tousart – endlich Stütze und Ballverteiler

Wenn es dann doch noch eine positiv hervorzuhebende Leistung an diesem aus Hertha-Sicht sehr tristen Abend gab, war das mit Sicherheit Lucas Tousart. Der Franzose scheint nach seiner Verletzung immer besser in Tritt zu kommen, gegen Hoffenheim machte er trotz seiner schwachen Mitspieler ein ordentliches Spiel und zeigte, warum Hertha ihn geholt haben könnte.

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Immer wieder konnte Tousart das Spiel erfolgreich verlagern, insbesondere seine hohen Seitenwechsel auf die aufgerückten Außenverteidiger deuteten seine Klasse hier und da an. In einigen Situationen zeigte sich der Franzose aber auch als kombinationssicher, löste unter Mithilfe seiner Nebenleute die eine oder andere Pressingsituation.

Nach dem Seitenwechsel war Tousart dann vor allem als Organisator zwischen den beiden Hertha-Innenverteidigern gefragt. Als Sechser wusste der Franzose in den vergangenen Wochen mit dem Ball deutlich mehr zu überzeugen als zuvor Niklas Stark – sehr wahrscheinlich, dass Tousart auch nach der Genesung von Dedryck Boyata weiterhin Herthas defensiver Mittelfeldspieler Nummer eins bleibt.

Und dann waren da noch …

Deyovaisio Zeefuik, der nach seiner Einwechslung zur Halbzeit defensiv nicht wirklich auf der Höhe wirkte und offensiv zumindest zwei haarsträubende Fehlpässe spielte.

Krzysztof Piatek, der in der ersten Viertelstunde Herthas beste Tormöglichkeit vom Punkt vergab. Danach wirkte der Pole engagiert – und profitierte durchaus von Sturmpartner Jhon Córdoba, er wirkte besser ins Hertha-Spiel eingebunden als in seinen Einsätzen als alleinige Spitze.

Matheus Cunha, der Herthas Offensive eben auch nicht immer retten kann – gegen Hoffenheim erwischte der Brasilianer wieder einen schlechteren Tag, ließ sich durch viele kleine Nickligkeiten der Gegner provozieren und rieb sich daraufhin in Diskussionen auf.

Mattéo Guendouzi, bei dem im Spielverlauf der Verzweiflungspegel ins Unermessliche stieg – in der Schlussphase versuchte der Franzose, es mit allen allein aufzunehmen und ein Solo-Tor à la Cunha zu erzielen. War dabei aber eher weniger erfolgreich und konnte Herthas Spiel auch sonst nicht die Struktur geben, für die er in seinen ersten Spielen gesorgt hatte.

Das Fazit fällt nach dem Spiel gegen Hoffenheim ernüchternd aus – es wird sich wohl etwas ändern müssen bei Hertha BSC, damit sich langfristige Verbesserungen einstellen. Punkt.

[Titelbild: Photo by Boris Streubel/Getty Images]