Hertha BSC­ – Arminia Bielefeld: Drei Thesen zum Spiel

Hertha BSC­ – Arminia Bielefeld: Drei Thesen zum Spiel

Tayfun Korkut startete als neuer Hertha-Trainer mit einem wilden Unentschieden gegen VfB Stuttgart. Wieder konnten die Berliner nach starker Aufholjagd nicht gewinnen. Platzt gegen die Arminia aus Bielefeld endlich der Knoten? Unsere drei Thesen zum Spiel.

Auf dem VfB-Spiel aufbauen

Freude, statt Ernüchterung: Nach dem hart erkämpften Unentschieden gegen den VfB Stuttgart urteilten viele Berliner Fans vermutlich positiv. Nach dem Tor zum 0:2 im ersten Spiel des neuen Berliner Cheftrainers Tayfun Korkut rechneten sicher viele mit noch schlimmeren.

Umso mehr muss die Reaktion der Hertha gelobt werden. Vor allem im offensiven Spiel zeigte sich etwas, was unter Dardai nur ganz selten durchblitzte: Ein Plan und eine Strategie. 15 Torschüsse (in einem Auswärtsspiel) bestätigen das. Auf der anderen Seite hingegen passierte etwas, das unter Dardai grundsätzlich weniger vorkam: Eine enorm bröckelnde Verteidigung. Vor allem im Zentrum fiel man durch eklatante Lücken auf. Auch die Linie des Mittelfelds war gegen Stuttgart viel zu weit von der Defensivlinie entfernt.

Nun kommt mit Arminia Bielefeld der Vorletzte der Tabelle ins Olympiastadion – eigentlich eine Pflichtaufgabe für Hertha. Unsere drei Thesen zum Spiel:

These 1: Viele Tore – auf beiden Seiten

Tayfun Korkut scheint sich in erster Linie den offensiven Problemen der Hertha anzunehmen. Gegen Stuttgart zeigte sich beispielsweise ein anderes Aufbauspiel, als unter Dardai. So spielten die Verteidiger etwa öfter Bälle durch das Zentrum, als über die Außen.

Ein Vorteil, baut man das Spiel über das Zentrum und nicht über die Flügel auf, sind die vielen Anspielstationen – nach vorne, zur Seite auf die Außen oder eben in die defensive. Außenspieler haben zumeist nur die Option nach hinten zu spielen, werden sie zu arg bedrängt – und das offensive Spiel somit zu verschleppen und den Angriff abzubrechen, um ihn neu aufzubauen.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Für Hertha ergeben sich aus der neuen Herngehensweise von Korkut neue spielerische Lösungen, in die gefährlichen Zonen des Gegners zu kommen. Gegen Bielefeld könnte es daher Tore für Hertha regnen.

Aber: Zwar sagte Korkut nach dem Spiel gegen Stuttgart, dass seine bisherigen Mannschaften eigentlich nicht für ihre defensiven Schwächen bekannt gewesen seien – zumindest aber im ersten Spiel unter dem neuen Coach zeigte sich Hertha extrem anfällig. Zudem haben die Berliner ligaweit die zweitmeisten Gegentore (29 Stück). Es bleibt abzuwarten, inwieweit die Berliner Abwehr den Bielefelder Sturm zum Tore schießen einladen wird.

These 2: Der Knoten platzt, drei Punkte bleiben in Berlin

Erfahrung schafft Wissen – vor allem um eigene Fehler. Nach zwei späten Gegentoren trotz Führung (der Ausgleich von Augsburg fiel in der 97. Minute, der von Leverkusen in der 90. Minute) sollte Hertha inzwischen gelernt haben, was es heißt, eine Führung zu verteidigen.

Selbst gegen Stuttgart wäre mit einem weiteren Tor der Sieg drinnen drinnen gewesen. Es wird zwar ein torreiches Spiel – doch letztlich wird Hertha gegen Bielefeld führen und den Spielstand über die Zeit bringen. Der Fluch ist geplatzt, die dringend benötigte Siegesserie kann beginnen.

These 3: Korkuts wichtigster Mann – Boateng winkt die Startelf

Für Tayfon Korkut könnte einer ganz wichtig werden, nämlich Kevin Prince Boateng. Anders als der Rest des defensiven Mittelfeldes (deshalb ist hier beispielsweise Serdar ausgenommen), versteht Boateng den Spielaufbau nach vorne. Während Ascacibar, Tousart und Darida die Bälle, die sie aus der Verteidigung bekommen, zumeist wieder in die Defensive zurückspielen, hat Boateng in diesem Punkt deutlich mehr Klasse.

hertha bielefeld
(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

So versteht er es, sich bei der Ballanahme klug zu drehen, so dass er das gesamte Spiel plötzlich vor sich hat. Gleichsam behauptet er die Bälle mit seinem wuchtigen Körper im Mittelfeld stark. Andere Spieler scheinen sich die Drehung mit Ball so nah vor dem eigenen Tor kaum zu glauben – so geht ihr Blick gar nicht erst in die Offensive und Chancen werden verpasst.

Boateng aber positioniert sich so, dass er alle offensiven Spieler und die gegnerische Verteidigung und das Mittelfeld vor sich hat. So führt er Regie und verteilt die Bälle in die Spitze. Oft überspielt dabei das gesamte Mittelfeld und bringt den Ball präzise zum jeweiligen Berliner Stürmer. Für Korkut wird das wichtig werden – kaum ein anderer Spieler im Team versteht so viel vom Spielaufbau wie Boateng.

[Titelbild: Filip Singer – Pool/Getty Images]

VfB Stuttgart – Hertha BSC: Drei Thesen vor dem Spiel

VfB Stuttgart – Hertha BSC: Drei Thesen vor dem Spiel

Ernüchterung trat nach der gefühlten Niederlage gegen den FC Augsburg ein. In den Schlusssekunden entrissen die Gäste den Herthanern die sicher geglaubten Punkte. Über vieles ließ sich im Anschluss diskutieren: Die Länge der Nachspielzeit, die Vorkommnisse rund um die Rudelbildung an der Eckfahne, die eigene Mentalität. Das sportliche Zustandekommen des Unentschiedens jedenfalls veranlasste die sportliche Führung um Fredi Bobic dazu, einen neuen Weg zu gehen und die zwei Amtszeit Pal Dardais als Trainer zu beenden. Tayfun Korkut ist der neue Mann an der Seitenlinie Herthas. Unsere drei Thesen vor dem Spiel in Stuttgart stehen ganz im Zeichen des Trainerwechsels.

These 1: Punkt(e) zum Einstand – Korkut bleibt sich treu

Drei Stationen kann Tayfun Korkut im deutschen Oberhaus bisher vorweisen. Für Kontinuität auf dem Trainerposten steht sein Name nicht, weshalb seine Verpflichtung bei den Fans der Blau-Weißen nicht unbedingt Jubelstürme ausgelöst hat. Doch es gibt auch gute Nachrichten, zumindest kurzfristiger Natur, denn: Korkut kann Debüts.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Bei seinem Debüt für Hannover 96 sprang gleich mal ein 3:1-Auswärtssieg in Wolfsburg rum. Sein Auftaktspiel mit Bayer Leverkusen endete immerhin noch 1:1 gegen Werder Bremen, ein verschossener Elfmeter in der letzten Sekunde verhinderte gar einen Sieg. Mit dem VfB Stuttgart startete Korkut ebenfalls beim VfL Wolfsburg und holte ein 1:1.

Besonders groß ist die sample size für Korkut-Auftaktspiele zwar nicht, aber die bisherige Ausbeute führt zur These, dass es auch am Sonntag beim VfB Stuttgart für Hertha und Korkut zu mindestens einem Punkt reichen wird.

These 2: Unter 40 Prozent Ballbesitz

Eine taktische Ausrichtung zu erahnen, ist schwierig. Schließlich stand Korkut gut drei Jahre nicht am Spielfeldrand. Es ist aber davon auszugehen, dass sich Korkut auf die Tugenden besinnen wird, die ihm bei seiner letzten Station zumindest kurzfristig Erfolg brachten.

14 Spiele lang trainierte Korkut in der Saison 2017/18 den VfB Stuttgart – und das erfolgreich. Mit einem Punkteschnitt von 2,1 führte er Herthas kommenden Gegner beinahe in die Europa League. Auffällig war, dass Stuttgart sehr laufintensiv und ohne viel Ballbesitz spielte. In 13 von 14 Spielen hatte man weniger Ballbesitz als der Gegner.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Zu Beginn der Folgesaison änderte Stuttgart sein Spiel, probierte mit dem Ball zu agieren. Es folgte eine Serie an sieglosen Spielen und für Korkut war es der Anfang vom Ende. Dass Korkut also wieder auf ein Spiel setzt, in dem man den Ball dem Gegner überlässt, ist anzunehmen.

In die Karten dürfte da spielen, dass sich der VfB Stuttgart schwer mit Gegnern tut, die den Ball nicht wollen. Arminia Bielefeld reichten in dieser Spielzeit 34 Prozent Ballbesitz, um in Stuttgart zu gewinnen, dem FC Augsburg genügten 33 Prozent. Der SC Freiburg siegte mit 36 Prozent.


Wie Tayfun Korkut mit Hertha spielen lassen will, hat er sich noch nicht ganz entlocken lassen. Auf der Pressekonferenz verriet aber zumindest Teile seines Ansatzes. Wir haben seine Aussagen analyisiert!


These 3: Altbekannt – Ascacibar wird Schlüsselspieler

Wenn im laufenden Spielbetrieb ein Trainerwechsel stattfindet, dann ist das oft für diejenigen Spieler gut, welche zuletzt außen vor waren. In der aktuellen Lage könnte etwa ein Myziane Maolida davon profitieren. Anders ist es bei Spielern, die als gesetzt galten und sich plötzlich neu beweisen und womöglich ihre Komfortzone verlassen müssen.

Ein Spieler, der seit dem Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt am 8. Spieltag nicht mehr aus der Startelf verdrängt wurde, ist im defensiven Mittelfeld Santiago Ascacibar. Doch auch unter Korkut dürften seine Chancen gut stehen, vielmehr dürfte ihm eine Schlüsselrolle gehören. Denn als einziger Spieler im Hertha-Kader arbeitete Ascacibar bereits mit Korkut zusammen und könnte eine Art Bonus, einen Vertrauensvorschuss genießen.

stuttgart hertha
(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Als Korkut 2017/18 den VfB Stuttgart übernahm, setzte er fortan in jedem möglichen Spiel auf Ascacibar in der Startelf. In den meisten Fällen ließ Korkut eine Doppelsechs auflaufen und stellte Ascacibar einen defensiv orientierten Spieler wie Dennis Aogo oder Holger Badstuber an die Seite. Gut denkbar also, dass Ascacibar und beispielsweise Lucas Tousart die Achse im Mittelfeld bilden werden und „Santi“ als altbekannter Wegbegleiter der verlängerte Arm Korkuts auf dem Platz sein wird.

[Titelbild: Matthias Hangst/Getty Images]

Hertha BSC – FC Augsburg: Drei Thesen zum Spiel

Hertha BSC – FC Augsburg: Drei Thesen zum Spiel

Nach der bitteren Derbyniederlage gegen Union Berlin geht es für Hertha im kommenden Spiel gegen den FC Augsburg vor allem um die Versöhnung mit den eigenen Fans. Gleichzeitig könnte man sich bei einer Niederlage im schlimmsten Fall auf dem Relegationsplatz wiederfinden. Doch direkte Duelle gegen Konkurrenten gewannen die Blau-Weißen diese Saison bereits.

Im Spiel gegen den FC Augsburg müssen die Berliner nach der Derbyniederlage vor allem ihre Fans wieder froh stimmen. Verzeihen werden sie der Mannschaft die Niederlage wohl auch bei einem Sieg noch nicht, aber eine erneute Pleite könnte die Stimmung vollends zum Kippen bringen.

Aber auch tabellarisch geht es für Hertha um vieles. Mit Platz 14 liegen die Berliner nur einen Platz vor dem kommenden Gegner, FC Augsburg. Bei einer Niederlage könnten die Hertha im schlimmsten Fall bis auf einen Relegationsplatz abrutschen.

In unserer neuen Rubrik “Drei Thesen zum Spiel” möchten wir aufzeigen, worum es in den jeweiligen Duellen geht. Vorab: Keine der Thesen muss eintreffen. Es handelt sich um Vermutungen, die keine Allgemeingültigkeit haben, jedoch aufgrund verschiedener Aspekte durchaus realistisch sind.

These 1: Verliert Hertha gegen Augsburg, sinkt das Schiff – und der Kapitän

Zum Start unserer neuen Rubrik gibt es gleich mal eine gewagte These. Doch: Die Stimmung ist nach der Derbyniederlage im Keller – Hertha ebenso, wenn sie das Spiel verlieren. Fredi Bobic ist als harter Hund in der Branche bekannt. Pal Dardai “hätte eigentlich fliegen müssen”, sagte er noch zu Beginn diesen Monats in einem DAZN-Interview.

Damit spielte Bobic auf die drei Niederlagen zu Beginn der Saison an, aber auch auf den emotionalen Auftritt von Dardai, “ich hänge nicht an meinem Sitz, ich helfe gerade aus”, sagte Dardai nach dem 0:5 gegen den FC Bayern. Bobic sah die Worte Dardais als Fehler an – einen zweiten wird Bobic vermutlich nicht verzeihen. Zumal ein Rausschmiss Dardais bei einer möglichen Niederlage gegen Augsburg durch die Derbyniederlage öffentlich sicher zu rechtfertigen wäre.

(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Ist ein Dardai-Rausschmiss wahrscheinlich? Nein. In diesem Geschäft ist jedoch nichts auszuschließen, bleibt die sportliche Entwicklung aus. Mit einer Niederlage gegen den FCA wären es bereits drei Pleiten in den letzten vier Spielen gewesen – nur einen Punkt hätte man in diesem Zeitraum geholt. Mit 13 Punkten nach 13 Spielen würde die Luft für Dardai zumindest sehr dünn werden – schließlich wollte dieser bis Weihnachten “über 20 Punkte” gesammelt haben.

Jetzt unsere Podcast-Folge mit Hertha-Präsident Werner Gegenbauer hören, in der wir u.a. über die bislang mangelhafte Kommunikation zwischen Verein und Investor sprechen!

These 2: Ein Spiel der Langeweile

Die blau-weißen Fans erwarten eine Reaktion. Wie sie es schon so oft getan haben. Die Berliner Mannschaft steht überraschend oft in Erklärungsnot. Doch die Erfahrung zeigt: Den ersehnten Offensiv-Fußball kann und wird Hertha BSC nicht zeigen.

Liebend gerne würden die Fans hinter dem offensiven Spiel der Mannschaft ein fundiertes System erkennen – doch es bleibt, wie es ist: Fußballerisch eine graue Maus. Zugegeben, die Mannschaft ist von Bobic gar nicht darauf ausgelegt, offensiv zu glänzen. Auch deshalb hat man einen Cunha oder einen Cordoba abgegeben. Dardai selbst stand noch nie für offensive Ästhetik.

(Photo by John MacDougall – Pool/Getty Images)

Doch in ganz wenigen Spielminuten zeigt Hertha immer wieder, dass sie es eigentlich können. Und so fragt man sich: Warum eigentlich nicht immer so? Die Frage bleibt leider weiter unbeantwortet.

Auch der FC Augsburg ist nicht für ansehnlichen Fußball bekannt – schon gar nicht in dieser Saison. Und so wird es ein Hin- und Hergekicke, das überwiegend im Mittelfeld stattfindet. Torszenen werden selten sein, der Schiedsrichter wird viele Nickligkeiten pfeifen und passend dazu erstrahlt der Himmel in seinem schönsten grau.

These 3: Ein Spiel der Langeweile – doch die Hertha gewinnt!

Ja, es gab sie mal: Die erfolgreichen Zeiten bei Hertha BSC. Und die älteren Fans werden sich an den Hertha-Fluch erinnern – wann immer Hertha die Möglichkeit hat, ganz nach oben in die Tabellenregion zu kommen, verlieren sie. Doch es geht auch andersherum.

Wann immer Hertha in dieser Saison gegen direkte Konkurrenten spielte und die untere Tabellenregion drohte, gewannen die Berliner. Etwa am vierten Spieltag gegen den VfL Bochum, am fünften gegen Greuther Fürth oder achten, gegen Eintracht Frankfurt.

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(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Schon in der letzten Saison bewiesen die Berliner, dass sie “Abstiegsspiele” gewinnen können. Und so wird es auch dieses mal sein – denn irgendwie stolpert ein Berliner den Ball bei grauen Wetter und Nieselregen eben doch hinein.

[Titelbild: Photo by John MacDougall – Pool/Getty Images]