Nach der bitteren Derbyniederlage gegen Union Berlin geht es für Hertha im kommenden Spiel gegen den FC Augsburg vor allem um die Versöhnung mit den eigenen Fans. Gleichzeitig könnte man sich bei einer Niederlage im schlimmsten Fall auf dem Relegationsplatz wiederfinden. Doch direkte Duelle gegen Konkurrenten gewannen die Blau-Weißen diese Saison bereits.
Im Spiel gegen den FC Augsburg müssen die Berliner nach der Derbyniederlage vor allem ihre Fans wieder froh stimmen. Verzeihen werden sie der Mannschaft die Niederlage wohl auch bei einem Sieg noch nicht, aber eine erneute Pleite könnte die Stimmung vollends zum Kippen bringen.
Aber auch tabellarisch geht es für Hertha um vieles. Mit Platz 14 liegen die Berliner nur einen Platz vor dem kommenden Gegner, FC Augsburg. Bei einer Niederlage könnten die Hertha im schlimmsten Fall bis auf einen Relegationsplatz abrutschen.
In unserer neuen Rubrik “Drei Thesen zum Spiel” möchten wir aufzeigen, worum es in den jeweiligen Duellen geht. Vorab: Keine der Thesen muss eintreffen. Es handelt sich um Vermutungen, die keine Allgemeingültigkeit haben, jedoch aufgrund verschiedener Aspekte durchaus realistisch sind.
These 1: Verliert Hertha gegen Augsburg, sinkt das Schiff – und der Kapitän
Zum Start unserer neuen Rubrik gibt es gleich mal eine gewagte These. Doch: Die Stimmung ist nach der Derbyniederlage im Keller – Hertha ebenso, wenn sie das Spiel verlieren. Fredi Bobic ist als harter Hund in der Branche bekannt. Pal Dardai “hätte eigentlich fliegen müssen”, sagte er noch zu Beginn diesen Monats in einem DAZN-Interview.
Damit spielte Bobic auf die drei Niederlagen zu Beginn der Saison an, aber auch auf den emotionalen Auftritt von Dardai, “ich hänge nicht an meinem Sitz, ich helfe gerade aus”, sagte Dardai nach dem 0:5 gegen den FC Bayern. Bobic sah die Worte Dardais als Fehler an – einen zweiten wird Bobic vermutlich nicht verzeihen. Zumal ein Rausschmiss Dardais bei einer möglichen Niederlage gegen Augsburg durch die Derbyniederlage öffentlich sicher zu rechtfertigen wäre.
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Ist ein Dardai-Rausschmiss wahrscheinlich? Nein. In diesem Geschäft ist jedoch nichts auszuschließen, bleibt die sportliche Entwicklung aus. Mit einer Niederlage gegen den FCA wären es bereits drei Pleiten in den letzten vier Spielen gewesen – nur einen Punkt hätte man in diesem Zeitraum geholt. Mit 13 Punkten nach 13 Spielen würde die Luft für Dardai zumindest sehr dünn werden – schließlich wollte dieser bis Weihnachten “über 20 Punkte” gesammelt haben.
Die blau-weißen Fans erwarten eine Reaktion. Wie sie es schon so oft getan haben. Die Berliner Mannschaft steht überraschend oft in Erklärungsnot. Doch die Erfahrung zeigt: Den ersehnten Offensiv-Fußball kann und wird Hertha BSC nicht zeigen.
Liebend gerne würden die Fans hinter dem offensiven Spiel der Mannschaft ein fundiertes System erkennen – doch es bleibt, wie es ist: Fußballerisch eine graue Maus. Zugegeben, die Mannschaft ist von Bobic gar nicht darauf ausgelegt, offensiv zu glänzen. Auch deshalb hat man einen Cunha oder einen Cordoba abgegeben. Dardai selbst stand noch nie für offensive Ästhetik.
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Doch in ganz wenigen Spielminuten zeigt Hertha immer wieder, dass sie es eigentlich können. Und so fragt man sich: Warum eigentlich nicht immer so? Die Frage bleibt leider weiter unbeantwortet.
Auch der FC Augsburg ist nicht für ansehnlichen Fußball bekannt – schon gar nicht in dieser Saison. Und so wird es ein Hin- und Hergekicke, das überwiegend im Mittelfeld stattfindet. Torszenen werden selten sein, der Schiedsrichter wird viele Nickligkeiten pfeifen und passend dazu erstrahlt der Himmel in seinem schönsten grau.
These 3: Ein Spiel der Langeweile – doch die Hertha gewinnt!
Ja, es gab sie mal: Die erfolgreichen Zeiten bei Hertha BSC. Und die älteren Fans werden sich an den Hertha-Fluch erinnern – wann immer Hertha die Möglichkeit hat, ganz nach oben in die Tabellenregion zu kommen, verlieren sie. Doch es geht auch andersherum.
Wann immer Hertha in dieser Saison gegen direkte Konkurrenten spielte und die untere Tabellenregion drohte, gewannen die Berliner. Etwa am vierten Spieltag gegen den VfL Bochum, am fünften gegen Greuther Fürth oder achten, gegen Eintracht Frankfurt.
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Schon in der letzten Saison bewiesen die Berliner, dass sie “Abstiegsspiele” gewinnen können. Und so wird es auch dieses mal sein – denn irgendwie stolpert ein Berliner den Ball bei grauen Wetter und Nieselregen eben doch hinein.
[Titelbild: Photo by John MacDougall – Pool/Getty Images]
Das erste von drei Berliner Derbys in dieser Saison ist gespielt. In einer fragwürdiger Weise ausverkauftem Alten Försterei erlebte Hertha (mal wieder) ein uninspiriertes Duell gegen den Rivalen aus Köpenick. Wir wollen dennoch den Blick auf einige Herthaner und die wirklich wenigen Lichtblicke dieses Spiels werfen.
Peter Pekarik: Noch einer der besten
Dass hier der Name von Pekarik auftaucht ist symptomatisch für Hertha. Dass der Slowake auch mit 35 Jahren Stammspieler ist und dabei mit die besten Leistungen zeigt, lässt tief in die Kaderzusammenstellung der letzten Jahre blicken. Auch gegen Union war der dienstälteste Herthaner einer der auffälligsten Spieler der Blau-Weißen, hielt die rechte Seite dicht, wagte gelegentliche Vorstöße bis tief in die gegnerische Hälfte und flankte drei Mal.
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Mit 29 von 33 angekommenen Pässen (88%) strahlte er zudem etwas Sicherheit aus. Krönung seiner Leistung war das aufgrund von Piateks Abseitsstellungen ein paar Spielsituationen vorher aberkannte Tor, welches den Spielverlauf potential hätte stark verändern können. Acht Ballverluste und nur 50% gewonnene Zweikämpfe (2 von 4) zeigen allerdings auch, dass Pekarik kein rundum gelungenes Spiel ablieferte.
Im Vergleich zu seinen Kollegen stach er dennoch in seinem Gesamteindruck positiv hervor. In der 70. Minute musste er aufgrund einer Systemumstellung den Platz für Jastrzembski machen.
Suat Serdar: Ohne ihn geht nichts
Und täglich grüßt das Serdar-Tier. Wie so oft war Suat Serdar der mit Abstand auffälligste Herthaner und wenn überhaupt etwas in der Offensive passierte, hatte Serdar seine Füße im Spiel.
Er gab zwei von acht Torschüssen ab, spielte zwei Schlüsselpässe und kurbelte das Spiel aus der Mitte heraus an. Er war es auch, der Pekarik in der 37. Minute in Szene setzte und dieser die bis dahin beste Chance im Spiel hatte (was ebenfalls noch einmal die gute Leistung von Pekarik hervorhebt). Mit nur vier von 15 gewonnen Duellen (27%) und einer Passquote von 59% (13 von 22) zeigte aber auch Serdar nicht sein bestes Spiel im Hertha-Dress.
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Es bleibt dennoch festzuhalten, dass ohne ihn das im Koma liegende Offensivspiel der „Alten Dame“ ohne Zweifel endgültig tot wäre und der ehemalige Nationalspieler eines der ganz wenigen belebenden Elemente und absoluter Schlüsselspieler in dieser Saison ist. Er tut einem beinahe schon leid.
Santiago Ascacibar: So geht Derby
Es gibt kaum einen Spieler in Herthas Kader, der für ein Derby so sehr wie gemacht zu sein scheint, wie Santi Ascacibar. Und das zeigte sich einmal mehr in seinen überragenden Statistiken.
Mit 86 Pässen spielt er die zweitmeisten (nur Dardai hatte vier mehr), von denen 57 angekommen sind (84%). Auch von seinen langen Pässen landeten vier bei seinen Mitspielern Zudem hat der Argentinier trotz seine geringen Körpergröße fünf von sieben Kopfduellen gewonnen, im Gegenzug jedoch nur vier von neun Bodenduellen. Ein geklärter Ball, fünf abgefangene Bälle und ein Tackle unterstreichen seine ansonsten solide Defensivleistung allerdings, die bei nur ein Foul zudem äußerst fair stattfand.
(Photo by Martin Rose/Getty Images)
Wenn der 24-Jährige weiterhin solche Leistungen abruft, wird es für Lucas Tousart zunehmend schwerer, seinen Stammplatz auf der Sechs zurückzuerobern, solange Dardai nicht wie heute mit einer Doppelsechs spielt.
Im Gegenzug zu vielen seiner Teamkollegen wirkte „Santi“ wie einer der wenigen, der erkannt hat welch eminent wichtiges Spiel heute stattfand und agierte bissig und kämpferisch, konnte sich alleine aber auch nicht mehr gegen die Niederlage stemmen.
Und dann waren da noch …
Marton Dardai: Nachdem Dardai schon am letzten Spieltag durch ein Foul in der Nachspielzeit den Leverkusener Ausgleich (mit-)verursachte, läutete er die gestrige Niederlage durch einen haarsträubenden Fehler in der 9. Minute ein. Der 19-Jährige ist vergleichsweise neu in der Bundesliga, „Wachstumsschmerzen“ sind daher zu erwarten und gehören ein Stück weit dazu. Hinzukommt, dass Dardai zuletzt immer wieder körperlich bedingt ausfiel – in der Länderspielpause musste er mit Erkältung von der U21 abreisen – und dadurch wenig Rhythmus hat.
(Photo by Martin Rose/Getty Images)
Maxi Mittelstädt: Zeigt auf der offensiven linken Außenbahn weiterhin seine gute Form, schlug drei Flanken und hatte eine Passquote von 74%. Wenn in der 1. Halbzeit offensiv etwas passierte, so war es meist über Mittelstädt. Warum er in der 60. Minute weichen musste, erschließt sich von Außen nicht. Vermutlich, weil auch seine offensiven Ideen zu nichts führten.
Alexander Schwolow: Obwohl Schwolow auch in dieser Saison noch nicht 100% in Berlin angekommen zu sein scheint, lieferte er heute ein solides Spiel ab. Für die zwei Gegentore trug er keine Verantwortung. Gegen Kruse hielt er zwei Mal sehr stark und durch ein gut antizipiertes Herauslaufen in der 70. Minute konnte er ein 1 gegen 1 in einer Unioner Kontersituation präventiv verhindern.
Knapp vier Jahre ist es her, dass Genki Haraguchi Hertha BSC den Rücken kehrte. Zunächst zog es ihn zu Fortuna Düsseldorf, dann zu Hannover 96. In diesem Sommer kehrte Haraguchi zurück in die Hauptstadt und hat das Blau-Weiße Trikot gegen ein Rot-Weißes eingetauscht. Beim 1. FC Union ist er inzwischen Stammspieler, auch weil er eine neue Qualität entdeckt hat.
Haraguchis durchwachsene Zeit bei Hertha
Dreieinhalb Jahre spielte Genki Haraguchi bei Hertha BSC und lieferte 16 Scorer in 106 Pflichtspielen. Bei der alten Dame wurde er zumeist als Links- oder Rechtsaußen eingesetzt. War Haraguchi in seiner zweiten Saison, der Spielzeit 2015/16, noch uneingeschränkter Stammspieler, wurden mit fehlenden Leistungen auch die Einsatzzeiten in der Saison 2016/17 kürzer. Nur drei Torbeteteiligungen gelangen ihm in dieser Spielzeit, alle in den Spielen gegen den späteren Absteiger FC Ingolstadt. Über die Jokerrolle kam er in der Folgesaison nicht mehr hinaus.
(Photo by Boris Streubel/Getty Images for Deutsche Bahn)
Unter dem damaligen wie heutigen Coach Pal Dardai war Haraguchi nur noch sporadisch gefragt, weshalb er in der Winterpause der Saison 2017/18 eine Leihe nach Düsseldorf anstrebte. Weil sein Vertrag im Sommer auslief, aber er die Spielpraxis für die anstehende WM benötigte, verlängerte Haraguchi seinen Vertrag in Berlin, ehe er in Düsseldorf aufschlug. „Wir haben eine sehr gute Lösung gefunden. Genki bekommt bei einem Aufstiegsaspiranten Spielpraxis und wir haben durch die Vertragsverlängerung im Sommer nach der Weltmeisterschaft alle Optionen“, kommentierte Geschäftsführer Michael Preetz den Wechsel damals. Doch so weit sollte es nicht kommen.
Neue Kapitel in Düsseldorf und Hannover
Haraguchi, der bei Düsseldorf in zwölf von 13 möglichen Spielen in der Startelf stand und fünf Torbeteiligungen zum Aufstieg in die erste Liga beisteuerte, entschied sich noch vor der WM, die Hauptstadt endgültig zu verlassen. Statt sich in ein mögliches Schaufenster zu stellen, unterschrieb Haraguchi bei Hannover 96. „Es ist bemerkenswert, dass sich Genki schon vor der WM für uns entschieden hat. Das ist ein tolles Zeichen von ihm, sich bereits vor einem großen Turnier für Hannover 96 zu bekennen“, freute sich der damalige Manager Horst Heldt.
Seine Zeit in Hannover begann unglücklich. Zwar war er von Beginn an gesetzt, wie zu Hertha-Zeiten in der Regel auf dem Flügel, doch Hannover erlebte eine Saison zum Vergessen. Der folgerichtige Abstieg war für Haraguchi kein Grund die Zelte abzubrechen. Die zweite Liga kannte er bereits aus Düsseldorf. Und auch bei Hannover sollte er in der zweiten Liga glänzen. Dass er fortan überwiegend im Zentrum eingesetzt wurde, tat seinem Spiel gut. Elf Torbeteiligungen leistete er in seiner zweiten Spielzeit bei Hannover 96. In seiner dritten und letzten Saison wurde er zum Kopf der Mannschaft, stand in allen 34 Spielen in der Startelf und lieferte 16 Scorer.
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Nur noch vereinzelt auf der Außenbahn spielend, empfahl sich Haraguchi, dessen Vertrag bei Hannover im Sommer auslief, wieder für die erste Liga. Er entschied sich zum zweiten Mal in seiner Karriere für Berlin und unterschrieb beim 1. FC Union, wo er schnell zum Stammspieler reifte. Den Segen von seinem alten Coach Dardai holte er sich dafür nicht extra: „Darüber habe ich auch nicht nachgedacht. Es wäre schwierig gewesen, wenn ich direkt zu Union gewechselt wäre. Aber ich war zwischenzeitlich in Hannover und Düsseldorf. Meiner Meinung nach ist es kein Problem“, so Haraguchi.
Haraguchi erfand sein Spiel neu
Es ist nicht allein die aus Hannover bekannte spielerische Klasse, wegen der sich Haraguchi schnell in der Stammelf der Köpenicker festsetzte, wenngleich sich herausragende Aktionen häufen. Etwa die technisch anspruchsvolle Vorarbeit für Stürmer Awoniyi zum 1:0 am 8. Spieltag gegen Wolfsburg. Viel mehr hat er es in kurzer Zeit geschafft, die Defensivstruktur Unions zu verstehen und mustergültig umzusetzen. Warf man Haraguchi in der niedersächsischen Landeshauptstadt hin und wieder fehlende Präsenz im Defensivverhalten bis hin zur Lustlosigkeit vor, zeichnet ihn die Arbeit gegen den Ball in dieser Saison mit aus.
Im Dreier-Mittelfeld an der Seite von Prömel und Khedira muss er viel Arbeit verrichten, die wenig spektakulär ist und auch nicht immer Spaß macht, aber die essenziell für das Union-Spiel ist. Das System basiert auf Stabilität. Die zentralen Mittelfeldspieler spulen ein hohes Laufpensum ab, um die Räume bei gegnerischen Angriffen immer eng zu halten. Besonders der Abgang von Robert Andrich drohte hier eine Lücke zu reiße. Die insgesamt zehn externen Neuzugänge Unions ließen einen spielerischen und taktischen Umbruch vermuten, den man nicht vollziehen musste, weil sich auch ein Haraguchi so gut und schnell anpassen und den Abgang Andrichs auffangen konnte.
“Ich bin kein Blauer mehr, jetzt bin ich ein Roter”
Dass er dabei schon auf vier Torvorlagen kommt, unterstreicht seine offensive Qualität. Sonderlob erhielt er nach dem letzten Heimspiel gegen Bayern München auch von Trainer Urs Fischer: „Nach ein bisschen Anfangsschwierigkeiten ist er jetzt richtig drin. Er hat eine Klarheit im Spiel, kann immer wieder Situationen kreieren, wo wir Linien überspielen.“
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Mit inzwischen 30 Jahren und den letzten beiden Saisons im deutschen Unterhaus schien der Wechsel zum 1. FC Union wie eine letzte Chance, in der Bundesliga Fuß zu fassen. Eine Chance, die er dem Eindruck der ersten elf Spiele nach genutzt hat. Haraguchi ist im zweiten Anlauf nicht nur angekommen, sondern auch von wichtiger Rolle in Berlin. Er wurde in dieser Saison zum ersten Spieler überhaupt, der für Hertha und Union im deutschen Oberhaus spielte. Nun steht Haraguchi vor seinem ersten Stadtderby.
Dass er für die alten Kollegen keine Geschenke zu verteilen hat, sondern inzwischen ein Eiserner ist, daran ließ Haraguchi schon vor der Saison keine Zweifel aufkommen: „Ich war Herthaner, aber jetzt bin ich Unioner. Ich bin kein Blauer mehr, jetzt bin ich ein Roter.“
Hertha BSC lieferte Bayer Leverkusen über 90 Minuten auf einem abgenutzten Rasen einen guten Kampf und war über weite Phasen auch die bessere Mannschaft. Man ging in Führung, verpasste es dann aber nachzulegen. So erzielte Leverkusen in der 90. Spielminute per Standardsituation noch den bitteren Ausgleich.
Wir blicken auf die individuellen Leistungen einiger Herthaner bei der ersten Punkteteilung der Saison.
Stefan Jovetic – Stürmerproblem gelöst?
Davie Selke war bisher zwar sehr engagiert, aber sonst eher erfolglos. Ähnliches gilt für Krzysztof Piatek, der in einigen Spielen kaum zu sehen war, und Ishak Belfodil. Bleibt noch Stefan Jovetic, der sich nun gegen Leverkusen beweisen durfte und sich als Spielertyp von seinen Konkurrenten unterscheidet.
Die Ausgangssituation für die Stürmer bei Hertha im aktuellen Spielsystem ist nicht gerade einfach. Häufig besteht aufgrund der defensiven Positionierung eine große Entfernung zum gegnerischen Tor, es wird viel Wert auf die Arbeit gegen den Ball gelegt und insgesamt bekommen die Stürmer nur wenige Ballkontakte in Strafraumnähe (ligaweit die wenigsten).
Stefan Jovetic konnte trotz dieser schwierigen Ausgangslage mit einer guten Leistung überzeugen. Gleich die erste Torannäherung in der siebten Minute initiierte er mit einem Weitschuss. In der sonst recht chancenarmen ersten Hälfte konnte er sich aber auch ohne direkte Torgefahr auszustrahlen, immer wieder am Spiel beteiligen. Häufig ließ er sich etwas fallen und bot eine weitere Anspielstation im Spielaufbau, nahm am Kombinationsspiel teil oder ermöglichte mit seiner guten Technik Steil-Klatsch-Kombinationen. Elemente, mit denen seine Konkurrenten im Sturm nicht unbedingt punkten können.
(Photo by Boris Streubel/Getty Images)
Den größten Eindruck konnte er aber mit seinem Tor hinterlassen. In der 42. Minuten verarbeitete er einen Ball an der Strafraumgrenze gut, schloss dann herausragend aus der Drehung ab und erzielte ein Traumtor. Der Ball schlug im Toreck ein und Pal Dardais Matchplan schien vorerst aufzugehen. Die Fans im Olympiastadion jubelten und man schoss, wie so häufig in dieser Saison, ein Tor nach einer tollen Einzelleistung.
Einziger Kritikpunkt ist die Entscheidungsfindung in einigen Umschaltmomenten. Teilweise entschied sich Jovetic gegen den Pass zum Mitspieler und versuchte sich lieber an einem Weitschuss. Auch die Laufwege ohne Ball waren noch ausbaufähig. Darüber hinaus hätte er in der 55. Minute mit mehr Ruhe am Ball auch das 2:0 nachlegen können.
Insgesamt lieferte Jovetic aber eine gute Leistung ab und erzielte mit nur insgesamt drei Ballberührungen im gegnerischen Strafraum über das ganze Spiel seinen zweiten Saisontreffer in der Bundesliga und hat nun mit rund 0,6 Toren pro 90 Minuten den besten Torschnitt unter den Stürmern bei Hertha.
Die linke Seite – Früher Konkurrenz, heute gute Teamarbeit
Über Jahre lauteten die Optionen für die Linksverteidigerposition Marvin Plattenhardt oder Maximilian Mittelstädt. Abwechselnd hatte mal der eine, dann der andere die Nase vorn. Keiner konnte sich aber dauerhaft durchsetzen. Nun spielen in dieser Saison regelmäßig beide gemeinsam auf der linken Seite. Mittelstädt auf der offensiveren Position auf der Außenbahn, Plattenhardt dahinter.
Beiden Spielern scheint sowohl ihre Rolle als auch das System entgegenzukommen. So zeigte bei beiden die Leistungskurve zuletzt wieder nach oben. Auch gegen Leverkusen lieferte das Duo eine gute Leistung ab. Vor dem Spiel konnte man sich die Frage stellen, wie man das Tempo der Leverkusener Flügelspieler Moussa Diaby und Jeremie Frimpong in den Griff bekommen möchte. Rückblickend war Diaby nahezu unsichtbar, was auch an der guten Defensivleistung von Plattenhardt und Mittelstädt lag. Beide verteidigten diszipliniert und doppelten stets die Leverkusener Spieler. So konnte Diaby kein einziges seiner Dribblings erfolgreich gestalten, während Mittelstädt und Plattenhardt jeweils die Mehrheit ihrer Zweikämpfe für sich entscheiden konnten.
(Photo by Boris Streubel/Getty Images)
Besonders Mittelstädt lieferte eine gute Leistung und gewann insgesamt die meisten Zweikämpfe auf dem Feld (18). In der Luft verlor er kein einziges seiner sieben Duelle. Mit genau so einem gewonnenen Luftzweikampf bereitete er auch das Tor von Jovetic vor. Zusätzlich legte er noch zwei weitere Schüsse auf und beteiligte sich intensiv am Mittelfeldpressing. Die gute Arbeit gegen den Ball wird auch der Grund gewesen sein, warum Mittelstädt an Stelle seines Konkurrenten Myziane Maolida aufgestellt wurde. Mit Ball muss Mittelstädt besonders im letzten Drittel noch entschlossener und abgeklärter werden. Auch muss er den Zug zum Tor erhöhen, selbst wenn er bei seinen letzten fünf Einsätzen nun bereits schon drei Vorlagen beisteuern konnte.
Insgesamt hat sich Herthas linke Seite in dieser Konstellation, passend zur aktuellen Entwicklung, sehr stabilisiert, ohne spielerisch zu glänzen – sehr passend zum Dardai-Stil.
Niklas Stark – Abwehrchef auf Abruf
Gegen Hoffenheim wurde der Kapitän Dedryck Boyata für ein unglückliches Foul mit Rot bestraft und für drei Spiele gesperrt. So musste sich die Abwehr der Hertha für das Spiel gegen Leverkusen erneut neu formieren. Stark blieb, nahm jedoch die Rolle des zuletzt stabilen Boyata ein. Seine gute Leistung gegen Leverkusen war einer der Gründe für den Fortbestand der defensiven Stabilität.
Im Spiel gegen den Ball lieferte Niklas Stark über 90 Minuten eine fehlerfreie Leistung ab und konnte teilweise sogar mit einigen wirklich starken Szenen überzeugen. In der 68. Minute vereitelte er zum Beispiel mit einer starken Grätsche eine Chance, bei der der Leverkusener sonst frei vor Schwolow zum Abschluss gekommen wäre. Das gute Stellungsspiel und höchste Konzentration im Abwehrverhalten (zwölf Ballsicherungen und sechs klärenden Aktionen von Niklas Stark) waren die Grundlage für eine gute Defensivleistung. So kam Leverkusen über das gesamte Spiel nur zu acht Abschlüssen.
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Ebenfalls beeindruckend war die Leistung von Stark im Spiel gegen den Ball. Dazu ein paar Zahlen aus dem Statistikbereich: 58/69 Pässe angekommen, 20/25 lange Bälle angekommen, nur ein Fehlpass in der zweiten Halbzeit, vier progressive Pässe, zwei schusserzeugende Aktionen und ein angekommener „throughball“ – ein Pass, der alle Gegenspieler überspielt, sodass der angespielte Mitspieler allein vor dem Torwart steht.
Das sind Zahlen, die sonst nur Marton Dardai, der mit Niklas Stark ein gegen Leverkusen ein spielstarkes Innenverteidigerduo bildete, bei Hertha erreicht. Spielerisch eine wirklich gute Leistung, die man von Niklas Stark nicht unbedingt immer so gewohnt ist. Besonders der angesprochene Pass zu Beginn der zweiten Hälfte, als Stark aus dem Stand einen punktgenauen Pass hinter die Leverkusener Kette spielte, stach heraus. Hätte Stefan Jovetic etwas weniger überhastet abgeschlossen, wäre dies eine Großchance auf das 2:0 gewesen.
Insgesamt sorgte Niklas Stark zusammen mit Marton Dardai dafür, dass man deutlich weniger Probleme mit dem Gegnerdruck im Spielaufbau hatte und selbst besser spielerisch in die gegnerische Hälfte kam. Möchte man die spielerische Entwicklung weitertreiben, könnte das auch künftig das favorisierte Duo in der Innenverteidigung sein.
Fazit
Trotz des bitteren und äußerst unnötigen Ausgleiches von Leverkusen in der 90. Minute kann man durchaus positiv auf das Spiel blicken. Nach der eher schwächeren Leistung gegen Hoffenheim konnte man sich die Frage stellen, ob die kurze Phase der Stabilität schon wieder vorbei ist. Nach diesem Spiel muss man dies definitiv verneinen. Defensiv stimmen die Automatismen und auch die Einstellung passt. Gegen den Ball kommt man über das Kollektiv, mit Ball ist man weiterhin von Einzelspielern abhängig. Verbessert man sich weiter im Umschaltspiel und findet mehr Lösungen für den eigenen Ballbesitz, kann das Ziel einer „Saison der Stabilität“ erfüllt werden.
Gegen die Eintracht aus Frankfurt zeigte Hertha BSC die bisher beste Saisonleistung. Doch kann das gegen die Borussia bestätigt werden? Gladbach ist schwach in die Saison gestartet – das kann gut oder schlecht für die Berliner Mannschaft sein.
Im Vorfeld der Partie haben wir mit Gladbach-Expertin Yvonne Marjan über die neue Ausrichtung unter Trainer Adi Hütter, den Entwicklungsstand und Luca Netz gesprochen.
Ein ähnlicher Ansatz?
Hoch anlaufen, vehement pressen, Passwege zustellen und den Gegner zu langen Bällen zwingen, samt eines schnellen Umschalt- und Konterspiels: Gegen Eintracht Frankfurt besinnten sich die Berliner Mannschaft auf Tugenden, die ihr in den vergangenen Jahren gut zu Gesicht stand.
Hertha spielte zumeist dann stark, wenn sie die Gegner tief in der eigenen Hälfte pressten und bei Ballgewinn in der eigenen Spielhälfte schnell umschalteten. Nun trifft Hertha auf ein angeschlagenes Gladbach – das eben jenen Spielstil ebenfalls favorisiert.
Angeschlagenes und verändertes Gladbach
Auch Gladbach spielte in den vergangenen Jahren ein laufintensives, pressingstarkes Spiel, samt schnellen Pässen in die Spitze, bei eigenem Ballgewinn. Und das durchaus erfolgreich. Nunmehr sitzt Adi Hütter auf der Trainerbank – und so richtig scheint die Mannschaft noch nicht in Fahrt gekommen zu sein.
Die deutlichste Änderung im Gladbacher-Spiel zeigt sich in der Defensive. Spielten die Fohlen in den vergangenen Jahren zumeist in einer Viererkette, greift man nun auf drei Innenverteidiger und zwei defensiven Schienenspielern zurück. „Unser Problem war in der vergangenen Saison die Flut auf Gegentoren“, weiß Gladbach-Expertin Yvonne Marjan. Dies abzustellen, sei das erste Ziel von Hütter gewesen. So kassierten die Fohlen in acht Spielen lediglich elf Gegentreffer.
(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)
Doch birgt das auch seine Schattenseiten. Denn gleichzeitig schossen die Fohlen nur zehn Tore. „Dadurch leidet erst einmal das Spielerische und es fehlt an Torgefahr“, stellt auch Yvonne fest. Doch steckt die Gladbacher Mannschaft voller individuell starker Spieler. So scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie anfangen zu zünden.
So nennt Yvonne etwa Jonas Hofmann, der diese Saison bereits drei Mal einnetzte. Auch Breel Embolo und Lars Stindl sind für ihre offensiven Stärken bekannt. Doch für wichtiger erachtet Yvonne gegenwärtig den erst 20-jährigen Kouadio Krone, „der sich ganz klar zu einem Schlüsselspieler entwickelt“, wie sie sagt.
Mit dem zehnten Tabellenplatz aber werden die Gladbacher alles andere als zufrieden sein und gegen Hertha womöglich offensiver aufgestellt sein.
Zwei Spielweisen, aber drei Punkte werden nur einmal vergeben
Wie Hertha agieren wird, kann gegenwärtig nur gewürfelt werden. Viele Fans werden hoffen, dass sie an die Spielweise wie gegen Frankfurt anknüpfen wird. Doch ist Pal Dardai auch Liebhaber davon, die gegnerische Mannschaft erst ab der Mittellinie anzulaufen und viel Raum in der eigenen Hälfte zu überlassen. Um hinten dich zu stehen und mit langen Bällen nach vorne Akzente zu setzen. Entscheidend wird sein, wie Dardai aufstellen wird.
Gegen Gladbach könnte sich ein bissiges Mittelfeld als gewinnbringend erweisen. Mit laufstarken Spielern, die das Gladbacher Umschaltspiel schon im Ansatz zerstören und die keinen Zweikämpfen aus dem Weg gehen. Das Dreiermittelfeld aus Santiago Ascacibar, Vladimir Darida und Suat Serdar brachte genau diese Tugenden in Frankfurt auf den Platz und dürfte daher wohl wieder starten.
(Photo by Alex Grimm/Getty Images)
Vorstellbar ist aber auch, dass Edel-Joker Ekkelenkamp in die Startelf rückt. Auch Jovetic und Maolida sind Optionen – das System Gladbachs wäre dann gespiegelt und man würde mit einem spielstarken Mittelfeld schnell in die offensive vordringen wollen.
„Ich nehme Hertha als sehr unangenehmen Gegner war“, sagt Yvonne. So sei nie klar, was einen erwartet. Unrecht hat sie damit nicht. Dennoch ist sie optimistisch: „Sorge habe ich zwar nicht, aber eine gewisse Anspannung ist schon da. Unterschätzen wird man Hertha auf keinen Fall – darf man auch nicht“, sagt sie.
Und Luca Netz?
Im Sommer musste Hertha mit Luca Netz einen bitteren Abgang hinnehmen. Das Eigengewächs verließ Berlin für vier Millionen Euro Richtung Mönchengladbach. Das ehemalige Berliner Top-Talent scheint in Gladbach angekommen zu sein. „Er hat sich schnell in das Team integriert und hat gezeigt, dass er durchaus eine Verstärkung sein kann“, sagt Yvonne.
(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)
Auch offensiv sehe sein Spiel gut aus. In sechs Spielen konnte er bisher eine Vorlage liefern. Doch ist Konkurrent Bensebaini inzwischen wieder im Mannschaftstraining. Ist er wieder vollends fit, glaubt Yvonne, dass Netz für ihn weichen muss. „Ich sehe seine Zeit erst in der nächsten Saison“, sagt sie.
Ihre Hoffnung für das Spiel ist, dass sich Hertha nicht hinten reinstellt. „Wenn beide Teams mit der selben Spielidee ins Duell gehen, wie am letzten Spieltag, wird es unterhaltsam“, sagt sie. Für das Spiel wünscht sie sich zwar ein 2:0 für Gladbach, „ich fürchte aber fast, dass wir das erste Unentschieden der Saison für die Hertha sehen werden: 1:1“, sagt sie. Nehmen wir.
Mit einer überaus überzeugenden Leistung, die wie aus dem Nichts kam, hat Hertha BSC überraschend mit 2:1 bei Eintracht Frankfurt gewonnen. Defensiv sehr kompakt, immer mit einer klaren Spielidee und viel Leidenschaft war die Berliner Mannschaft im Vergleich zu den Vorwochen nicht wiederzuerkennen. Unsere Einzelkritik.
Nach sehr spannenden 94 Minuten in Frankfurt ist unsere Hertha am Samstag als Sieger vom Platz gegangen. Die Zahlen dieses Spiels sprechen allerdings eine andere Sprache: Frankfurt hatte mehr Ecken, knapp 60 Prozent Ballbesitz, rund 130 Pässe mehr gespielt und auch eine deutlich bessere Passquote. Aber Frankfurts Spiel war recht einfach zu lesen und auf den letzten Metern aufgrund unpräziser Flanken und zahlreicher Fehlpässe schlichtweg zu ungefährlich. Hertha nutzte die Schwächen der Frankfurter intelligent, indem Konter effizient ausgespielt wurden und die Herthaner im Gegensatz zu den vergangenen Wochen wieder an das glaubten, was sie eigentlich stark macht.
Krzysztof Piatek – Come back stronger
Auch wenn es sich komisch liest: Obwohl Krzysztof Piatek im Spiel gegen Frankfurt kein Tor gemacht hat, war er das Sinnbild für den Hertha-Sieg. Denn während die Hessen zahlreiche Flanken vors Tor gaben, ohne dass irgendein Stürmer auch nur in Nähe des hereinfliegenden Balls stand, spielte Hertha gerade diese Standard-Variante im Fußball sehr effizient.
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Schon beim 0:1 gab es aus Hertha-Sicht eigentlich keine großen Hoffnungen auf ein Tor. Doch Marco Richter stand einfach besser als die Verteidiger und lenkte den Ball entscheidend ab. Auch die Situation entsprach diesem recht simplen Flanken-Mittelstürmer-Prinzip. Obwohl Piatek keines dieser beiden Tore geschossen hat, war er in Halbzeit eins gewissermaßen der Stimulus für dieses Spiel. Nach dem Führungstreffer vor zwei Wochen gegen Freiburg hatten Herthas Außen – allen voran ein starker Maxi Mittelstädt – wieder das Gefühl, einen Ballabnehmer in der Mitte zu haben. Piatek war mehrfach Anspielstation und hätte vor der Halbzeit eigentlich noch zweimal treffen müssen.
Vor seiner Verletzung wirkte Piatek noch oft wie das fünfte Rad am Wagen in Herthas Angriffsspiel – in den vergangenen beiden Spielen wirkte alles sehr abgestimmt. Piatek war konstanter Unruheherd im Frankfurter Strafraum. Auch ließ er sich immer wieder auf die Außen fallen, um Bälle festzumachen und Angriffe mit einzuleiten. So stellte der 26-Jährige – auch durch gute Pressingmomente – die Frankfurter Defensive immer wieder vor Probleme. Geht das auf dem Niveau weiter, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der polnische Nationalspieler wieder trifft.
Dedryck Boyata – Hertha-Leuchtturm in Frankfurt
In Herthas bisheriger Saison wirkte die Innenverteidigung oft überfordert. Vielleicht lag das auch daran, dass Trainer Pal Dardai die Abwehr in fast allen Spielen verletzungsbedingt neu zusammenstellen musste. Nach dem Frankfurt-Spiel sollte ein Platz in der Verteidigung aber fest vergeben sein.
Denn insbesondere in Frankfurts Hardcore-Druckphasen kurz vor Schluss war es Hertha-Kapitän Dedryck Boyata, der auch durch sein starkes Kopfballspiel viele Angriffe im Keim erstickte. Sieben seiner elf Kopfballduelle gewann der Belgier in diesem Spiel.
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Aber auch in der ersten Halbzeit, als Frankfurt nach dem 0:1 zurückkommen wollte, ließ sich Boyata nicht beirren. Dass die Hessen ihre Stürmer nicht in Aktion bringen konnten, lag auch an Herthas Innenverteidigung. Herthas Spielführer klärte dabei herausragende zehn Situationen, dazu fing er drei Bälle ab und brachte zwei Tacklings durch. Nahezu magnetisch zog er die Bälle an, um sie dann aus der Gefahrenzone zu bugsieren. Darüber hinaus war Boyata ein großer Faktor für Herthas sicheres Aufbauspiel, indem er stets eine Anspielstation war und seine Bälle sicher zum Mann brachte.
Boyata ist jetzt Anfang 30. Man kann nur hoffen, dass er Hertha auf diesem Niveau noch einige Jahre weiterhilft – und endlich verletzungsfrei bleibt.
Peter Pekarik – Kostics Albtraum
Wenn man gegen Eintracht Frankfurt eine Chance haben will, muss man Filip Kostic unter Kontrolle bringen. Hertha hat das geschafft – dank Peter Pekarik.
Wie wichtig Pekariks aggressives Vorgehen auf Frankfurts linker Außenbahn war, zeigte sich in den Schlussminuten. Mehrfach wurde Kostic aus dem zentralen Mittelfeld angespielt, doch seine Flanken kamen zumeist gar nicht bis ins Zentrum, weil sie von Pekarik unterbunden wurden. Der Slowake stand Kostic durchgängig auf den Füßen, brachte ihn mit seiner Zweikampfhärte und dem guten Positionsspiel zur Verzweiflung.
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Stellvertretend war eine Szene, in der sich Pekarik einmal mehr gegen Kostic durchsetzte und dieser entnervt abwinkte. Zehn von 14 Zweikämpfen gewonnen, neun Ballsicherungen, vier klärende Aktionen und drei abgefangene Bälle sprechen eine klare Sprache. Es war höchst imponierend, wie aufopferungsvoll Pekarik seine Aufgabe interpretierte. Ein Paradebeispiel dafür, wie es bei Hertha nur gehen kann, wenn man erfolgreich sein will.
Dardai hat auch aufgrund des chronischen Personalmangels viel ausprobiert auf den Außenverteidigerpositionen in den vergangenen Monaten. Mit Blick auf die vergangenen Jahre gibt es aber eine Personalie, die stets Klarheit und solide Leistungen mit sich brachte – und die heißt Petr Pekarik. Herthas Mister Zuverlässig.
Und dann waren da noch …
Vladimir Darida: Endlich mal wieder eine starke Leistung des Tschechen. Darida entpuppte sich als perfekter Konterspieler. In den Situationen als Frankfurt wieder einmal leichtfertig den Ball verlor, war es in der Regel Darida, der die Angriffe klug einleitete. Insbesondere das Zusammenspiel mit Maxi Mittelstädt, der oft viel Platz hatte auf der linken Seite funktionierte gut. Beide – Darida und Mittelstädt – waren die Gründungsväter des 0:2, ohne das Hertha mit einem Punkt in den Flieger gestiegen wäre. Lauf-, zweikampf- und spielstark – ein Darida in Topform kann Hertha so viel geben.
Jurgen Ekkelenkamp: Herthas Neuzugang wird immer mehr zum Phänomen. Bei seinem Hertha-Debüt reichten dem Niederländer 87 Sekunden für sein erstes Tor. Gegen Frankfurt waren es ganze 93 Sekunden nach seiner Einwechslungen, bis Ekkelenkamp einmal mehr jubeln durfte. Beim 2:0 lief er mustergültig den hinteren Raum des Sechszehners auf und schob sicher ein. Unkend müsste man meinen, der 21-Jährige dürfe nur noch eingewechselt werden und nicht der Startelf stehen.
Photo by Alex Grimm/Getty Images
Suat Serdar: Wie ist Matheus Cunha zu ersetzen? Diese Frage stellten sich viele Herthaner, als der Brasilianer Hertha in Richtung Madrid verließ. Die Antwort lautet: Suat Serdar. Der Neuzugang aus Schalke ähnelt Cunha in seiner Spielweise sehr. Beide holen sich ihre Bälle tief im Mittelfeld, um dann oftmals auch allein in Richtung gegnerisches Tor zu starten. Der angenehme Unterschied ist nur, dass Serdar mit Ball am Fuß unheimlich zweikampfstark und unheimlich schwer vom Ball zu trennen ist. Cunha verlor den Ball zu oft, ließ sich auch schnell fallen, während Serdar mit seinen Vorstößen nicht selten am Strafraum des Gegners ankommt und dort dann einen klugen Pass spielt oder selbst schießen kann. Gegen Frankfurt war Serdar nicht einmal so auffällig wie zuletzt, mit seiner Zweikampf- und Laufstärke war er dennoch ein wichtiger Faktor.
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