Kaderanalyse 2019/2020 – Herthas Flügelstürmer

Kaderanalyse 2019/2020 – Herthas Flügelstürmer

Eine turbulente Spielzeit hat am 27. Juni ihr Ende gefunden. Zwar hat COVID-19 alle Bundesliga-Team gleichermaßen getroffen, vor der Pandemie hat Hertha BSC das Rennen als von Krisen gebeutelster Verein aber zweifellos gemacht. Selten ist es in der vergangenen Saison um Sportliches gegangen, doch genau diesem Thema wollen wir uns mit dieser Artikelserie widmen: In unserer Kaderanalyse wollen wir die einzelnen Positionen genauer unter die Lupe nehmen und die Frage beantworten, ob Hertha dort nach Verstärkungen für die kommende Saison suchen sollte. In diesem Teil wird die Position der Außenstürmer näher beleuchtet.

Lukebakio und die Veränderung des Stellenprofils

Er war der Spieler, dessen Transfer im Sommer an der Spree für das größte Erstaunen sorgte. Mit der Verpflichtung von Dodi Lukebakio landete Michael Preetz zum wiederholten Male einen echten Coup. Wie schon bei Mitchell Weiser, Valentino Lazaro und Niklas Stark – um nur einige zu nennen – schaffte es „Der Lange“ erneut, einen jungen Spieler mit hohem Entwicklungspotenzial in die Hauptstadt zu lotsen. Ein typischer Preetz-Transfer also? Nicht ganz. Denn die Ablösesumme von rund 20 Millionen Euro war ein Wert, an den man zu diesem Zeitpunkt im blau-weißen Umfeld noch nicht gewohnt war. Dass der Preis nach Lukebakios erster Bundesligasaison in Düsseldorf, in der er 14 Torbeteiligungen in 31 Spielen verzeichnete, seine Berechtigung hatte, daran gab es kaum Zweifel. Dass Hertha jedoch bereit ist, derartige Summen zu zahlen – das war neu. Doch Hertha war im zurückliegenden Transfersommer zweifelsohne zum Handeln gezwungen. Nachdem Valentino Lazaro den Klub gen Mailand verlassen hatte, war klar, dass es zwingend offensive Qualität für die rechte Seite brauchen würde. Auch, weil Mathew Leckie, der diese Position mehr oder weniger im Wechsel mit Lazaro bekleidete, zum einen in der Vorsaison primär durch Verletzungen auffiel und zum anderen auch bei vollständiger Gesundheit weit von der Form zu Beginn seiner Berlin-Zeit entfernt war. Da man sich entschied, auf der Rechtsverteidiger-Position nicht nachzurüsten und stattdessen auf Klünter und Pekarik zu vertrauen, war klar, dass es von nun an ein klar offensiv denkender Mann für den Flügel richten muss, der die fehlende Kreativität und Torgefahr seiner Hinterleute ausgleicht. Dementsprechend groß waren die Erwartungen an den – zu diesem Zeitpunkt – Rekordtransfer.

Lukebakios Treffer zum 2:0 im Derby gegen Union. (Photo by STUART FRANKLIN/POOL/AFP via Getty Images)

Der Start sollte dann jedoch, analog zu dem des Vereins, etwas holprig verlaufen. War er am ersten Spieltag mit dem Tor in München, das Hertha zum Remis verhalf, noch obenauf, ging es danach ebenso rasant bergab. Die folgenden drei Spiele, die Hertha allesamt verlor, sah auch Lukebakio alles andere als gut aus. Immer wieder schlichen sich Schwächen in der Ballbehandlung sowie der Chancenverwertung ein, sodass Trainer Ante Covic seinen Königstransfer am fünften Spieltag erstmals auf die Bank beorderte. Nachdem Hertha gegen Paderborn den ersten Saisonsieg einfuhr, sollte sich Lukebakio auch bei den kommenden beiden Siegen gegen Köln und Düsseldorf sowie dem Remis in Bremen nicht in der Startelf wiederfinden.

Statt Stunk zu machen, bewies der Belgier jedoch Moral und empfahl sich über vielversprechende Kurzeinsätze, in denen er in allen drei Spielen jeweils an einem Treffer beteiligt war, wieder für die Startelf, aus der er seitdem auch nicht mehr wegzudenken ist. Sieben Treffer und ebenso viele Vorlagen können sich, insbesondere angesichts der durchwachsenen Saison von Hertha, durchaus sehen lassen. Dennoch ist es keineswegs so, als wäre der Offensivmann frei von Kritik. Zum Saisonendspurt hin wurde er von Labbadia nach schwacher Vorstellung in Dortmund öffentlich für seine Leistung kritisiert und trotz Herthas zu dem Zeitpunkt dünner Personaldecke im Spiel darauf auf die Bank gesetzt. Insbesondere die fehlende Bereitschaft zur Defensivarbeit und seine vermehrt lustlose Körpersprache standen in der Kritik. Doch auch aus diesem Zwischentief konnte sich Lukebakio befreien – erzielte zunächst ein Traumtor gegen Freiburg, das jedoch aberkannt wurde und war beim Überraschungssieg gegen Leverkusen – dann auch regulär – an beiden Treffern direkt beteiligt.

Fazit: Bei all der (berechtigten) Kritik, die sich Lukebakio in seinen beiden Schwächephasen anhören musste, sollte nicht vergessen werden, dass es hierbei um einen 22-jährigen geht, der noch weit entfernt von seinem Leistungszenit ist und aller Widerstände zum Trotz 14 Scorerpunkte vorweisen kann. Wenn Labbadia es schafft, Lukebakios klar benennbare Defizite zu beheben, dann kann Hertha in den kommenden Jahren noch viel Freunde an ihm haben.

Das Juwel im Entwicklungsstopp

Zahlen, wie sie Lukebakio vorweisen kann, hätte man sich in der abgelaufenen Saison auch von Javairo Dilrosun erhofft. Der bis zur Verpflichtung von Matheus Cunha wohl talentierteste und technisch versierteste Spieler im Berliner Kader, bringt in seinen Anlagen alles mit, das es braucht, um eine wichtige Rolle in Herthas ambitionierten Zukunftsplänen zu spielen. Zu Beginn der Saison sah es so aus, als könnte er diesen Erwartungen bereits jetzt schon gerecht werden. Nachdem er den Saisonauftakt verletzungsbedingt verpasste, zählte er ab dem fünften Spieltag zum Stammpersonal und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass Hertha zwischenzeitlich zehn Zähler aus vier Partien einheimsen konnte. Vier Torbeteiligungen sammelte er in diesen Partien. Die drei Tore, die er dabei selbst schoss, waren allesamt solche für die Galerie. In dieser Phase war allein Dilrosuns Spielfreude das Eintrittsgeld wert.

Ließ sein Können leider viel zu selten aufblitzen: Javairo Dilrosun by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Doch leider waren mit dem abrupten Ende des zwischenzeitlichen Aufschwungs Herthas auch die Jubel-Wochen von Dilrosun vorbei. Zwar gehörte er unter allen drei Trainern bis zu Labbadia zum Stammpersonal, allein seine Leistungen rechtfertigten das Vertrauen nicht mehr. Vom siebten bis zum 28. Spieltag gelang dem Niederländer keine einzige Torbeteiligung mehr. Regelmäßig tauchte er komplette 90 Minuten ab. Zweifelsohne kann man die Schuld nicht allein ihm zuschreiben. Auch der fußballverneinende Stil von Klinsmann/Nouri tat sein Übriges. Dennoch darf und muss man von einem Spieler dieser Güteklasse mehr erwarten. Es passt zur Saison Dilrosuns, dass dieser sich, gerade, als Labbadia begann, auf ihn zu setzen und er sich gegen Augsburg mit einem – natürlich – sehenswerten Treffer für das Vertrauen revanchierte, erneut eine Verletzung zuzog und für den Rest der Saison ausfiel.

Fazit: Die nächste Saison könnte der Wegweiser sein, in welche Richtung sich Dilrosuns Karriere entwickelt. Bleibt er im Status des Talents hängen, das hin und wieder seine außergewöhnliche Klasse aufblitzen lässt, oder gelingt es ihm, Konstanz in seine Leistungen zu bringen? Viel wird auch davon abhängen, inwieweit er dabei von Verletzungen verschont bleibt. Ein anderer Faktor ist, welche Position Labbadia für den Flügelflitzer vorsieht. Denn auf Dilrosuns Stammposition – dem linken Flügel – fühlt sich neuerdings noch ein anderer Spieler recht wohl.

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Matheus Cunha – ein Spieler für die besonderen Momente (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Hacunha Matata

Wo soll man da nur anfangen? All den Ärger, den man mit Hertha in den letzten Jahren, ach, Jahrzehnten hatte; all die verpassten Chancen auf das europäische Geschäft; all die Stresspickel, die hervortreten, wenn man an Jens Lehmann und Jürgen Klinsmann denkt – all das rät für ein paar Minuten in Vergessenheit, wenn man diesen Spieler auf dem Feld bewundern darf. Was Matheus Cunha seit seiner Ankunft aus Leipzig im Winter auf den Rasen zaubert, erinnert phasenweise tatsächlich an den großen Marcelinho.

In gerade einmal elf Partien brillierte sich der Brasilianer ins Herz aller blau-weißen Anhänger. Seine Torgefahr, seine Kreativität, seine Technik, seine Abschlussstärke – eigentlich kann man sich Spiel um Spiel nur verwundert die Augen reiben und fragen, wie sich ein Spieler dieser Qualität nach Berlin verirren konnte. Natürlich kann, wenn die rosa-rote Brille abgesetzt wird, auch hier an der einen oder anderen Stelle noch Luft nach oben erkannt werden. So darf sich Cunha hin und wieder auch gern mal etwas früher vom Ball trennen und sich des eigenen Spielwitzes etwas weniger bewusst sein. Andererseits: Wenn das Resultat dessen solche Tore, wie das gegen Hoffenheim sind, wer möchte ihm dann derartige Aktionen verbieten? In diesem Sinne: Einfach genießen, solange er noch nicht gemerkt hat, dass er eigentlich für Höheres bestimmt ist.

Fazit: Über den Sommer in Watte einpacken und beten, dass er fit bleibt.

Der unwürdige Abgang eines Superstars

Während man bei Cunha aus dem Schwärmen kaum herauskommt, verlief die Saison von Salomon Kalou gänzlich anders. Dabei wurde schon früh deutlich, dass es wohl nicht sein Jahr werden würde. Neu-Coach Ante Covic ließ Kalou lediglich bei der Niederlage gegen Wolfsburg von Beginn an spielen. Unter Klinsmann/Nouri wurde die Bilanz gar noch düsterer. Nur ein Kurzeinsatz über zwölf Minuten am 13. Spieltag gegen den BVB sollte hinzukommen. Dies waren gleichzeitig seine letzten Minuten im blau-weißen Trikot. In das Wintertrainingslager unter Jürgen Klinsmann durfte er nicht mehr mitfahren, ein frühzeitiger Abgang stand im Raum.

Gerade in den großen Spielen trumpfte Kalou immer wieder auf. (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Wie es dann letzten Endes zum finalen Aus bei Hertha kam, wurde hinlänglich durch jedes Medium getrieben und soll an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Die Umstände des Ganzen werfen aber doch ein paar Fragen auf. Dass Kalou für seine Aktion bestraft gehört, ist wohl unstrittig. Ob es aber angemessen war, ihn allein für die Verfehlungen eines ganzen Vereins, oder besser gesagt einer ganzen Branche, verantwortlich zu machen, darf zumindest in Frage gestellt werden. So muss sich Hertha, mal wieder, den Vorwurf gefallen lassen, einen verdienten Spieler nicht den ihm zustehenden Abschied bereitet zu haben. Immerhin muss man sich an der Stelle nochmal in Erinnerung rufen, dass hier von einem Spieler die Rede ist, der in 151 Spielen 65 Torbeteiligungen für Hertha sammelte und maßgenblich daran beteiligt war, aus der einstigen Fahrstuhlmannschaft einen Europa League-Teilnehmer zu machen. Doch nicht nur sportlich war auf den Ivorer Verlass.

Auch für die Kabine war „Sala“ ein enorm wichtiger Spieler, der stets für gute Laune sorgte und für Späße zu haben war. Der letzte „Spaß“ war nun zu viel des Guten. Es würde seiner Karriere aber nicht gerecht werden, wenn man ihn dadurch in Erinnerung behielte. Stattdessen sollte man sich lieber an seine Tore in den großen Spielen gegen Bayern und Dortmund erinnern, seinen Dreierpack zu Hause gegen Gladbach, seinen Hattrick in Hannover mit eingewickeltem Kopf. Und natürlich an dieses unvergessliche Grinsen, das jeden ansteckt.

Fazit: Danke, Sala!

Zeit für neue Aufgaben

Dass sich Hertha derzeit im Umbruch befindet, das zeigen die Transfers eindeutig. Verpflichtungen wie die von Piatek und Cunha wären noch vor einem Jahr ins Reich der Fabeln verwiesen worden. Mit den neuen Ansprüchen – ganz gleich, wie man diese empfindet – muss es zwangsläufig auch zu Abgängen kommen. Die Trainersöhne Palko Dardai und Maurice Covic werden unter Labbadia wohl keine Rolle spielen. Selbiges gilt für Mathew Leckie. Der Australier, der vor drei Jahren an die Spree wechselte und einen beeindruckenden Start hinlegte, konnte seither, teils wegen Verletzungen, teils aufgrund endlos scheinender Länderspielreisen, nicht mehr an seinen Beginn anknüpfen. Vor einigen Monaten gab er öffentlich zu Protokoll, im Sommer einen neuen Verein suchen zu wollen. Angesichts der Konkurrenz auf seiner Position und seinen sehr überschaubaren Spielminuten ein absolut nachvollziehbarer und konsequenter Schritt.

Empfehlung: Ein weiterer Allrounder muss her

Wenn man die aktuellsten Gerüchte um Cunha mal als solche verbucht und darauf vertraut, dass Herthas neue Liquidität auch dazu führt, größere Summen ablehnen zu können, hat man in dem Brasilianer sowie Lukebakio wohl die feste Flügelzange für die anstehende Saison. Dahinter hat man in Javairo Dirosun allerdings aktuell nur einen Spieler, der ein würdiger Vertreter sein kann und das auch nur, wenn er fit und in Form ist – beides hatte in seinen nun zwei Jahren in der Hauptstadt Seltenheitswert. Ein Spieler mit Offensivdrang, der im Idealfall beide Seiten bespielen kann und speziell Lukebakio unter (Leistungs-)Druck setzt, sollte in diesem Sommer auf Michael Preetz’ Einkaufsliste stehen.

Titelbild: STUART FRANKLIN/POOL/AFP via Getty Images

Kaderanalyse 2019/2020 – Herthas Torhüter

Kaderanalyse 2019/2020 – Herthas Torhüter

Eine turbulente Spielzeit hat am 27. Juni ihr Ende gefunden. Zwar hat COVID-19 alle Bundesliga-Team gleichermaßen getroffen, vor der Pandemie hat Hertha BSC das Rennen als von Krisen gebeutelster Verein aber zweifellos gemacht. Selten ist es in der vergangenen Saison um Sportliches gegangen, doch genau diesem Thema wollen wir uns mit dieser Artikelserie widmen: In unserer Kaderanalyse wollen wir die einzelnen Positionen genauer unter die Lupe nehmen und die Frage beantworten, ob Hertha dort nach Verstärkungen für die kommende Saison suchen sollte.

Auf kaum einer Position gibt es bei Hertha BSC mehr Gerüchte, als um den Torwart. Dabei ist die langjährige Nummer eins noch unter Vertrag. Viel wichtiger also, als die zahlreichen Gerüchte zu kommentieren, wollen wir im ersten Teil unserer Sommer-Kaderanalyse auf die so wichtige und lang unumstrittene Torhüterposition bei der „alten Dame“ blicken.

Das Ende der Jarstein-Zeit?

Seit Ende 2015 gab es bei Hertha keine echte Torwartdiskussion mehr, und das ist vor allem einem Mann zu verdanken: Rune Jarstein. Durch seine Zuverlässigkeit, seine Paraden aber vor allem auch durch seine Strafraumbeherrschung und ruhige Ausstrahlung glänzte er immer wieder. Herthas Turm in der Schlacht, der den Berlinen so manchen Punkte rettete. In Frage gestellt wurde er in dieser Zeit eigentlich kaum, warum auch? Mit Jarstein musste sich kein Hertha-Fan Sorgen machen, dass die Position der Nummer eins nicht perfekt besetzt sei.

Jarstein mit ungewohnten Patzern in der Saison 2019/2020. (Foto: Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Im Laufe der wohl chaotischsten Hertha-Saison seit Langem wandelte sich das Bild allerdings etwas. Zum Saisonstart konnte man dem Norweger nur wenig vorwerfen, obwohl er bereits nach wenigen Spieltagen viel zu oft hinter sich greifen musste. Am 12. Spieltag gegen Augsburg jedoch sorgte er mit einem schlimmen Patzer für das 0:2 und kassierte dabei die rote Karte. Scheinbar hatte die Krise nun auch seine Selbstverständlichkeit angegriffen, wirklich verübeln konnte man es ihm aber kaum. Jarstein saß seine Sperre ab und kehrte anschließend zurück ins Hertha-Tor, wo er seine gewohnt stabilen Leistungen zeigte. Die Rückrunde allerdings verlief nicht nur für Hertha chaotisch, sondern auch für den Schlussmann. Am 22. Spieltag in Paderborn kassierte er einen Treffer im kurzen Winkel zum zwischenzeitlichen 1:1. Beim 0:5 Debakel gegen den 1. FC Köln sah er insbesondere beim 0:3 nicht gut aus und ging mit dem Rest der Mannschaft komplett unter. Ihm war die Verunsicherung anzumerken und es hieß im Hertha-Umfeld, der Norweger leide ganz besonders unter dem Stress der vielen T(orwart)rainerwechsel.

Alexander Nouri wechselte daraufhin für seine zwei letzten Spiele als Hertha-Coach auf der Torhüter-Position und ließ Thomas Kraft ran. Erst nach dem „Re-Start“ unter Bruno Labbadia stand Rune Jarstein wieder im Hertha-Tor, patzte allerdings nochmal gegen RB Leipzig und Freiburg, bevor er dem jungen Dennis Smarsch den Platz im letzten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach überließ, um bei der Geburt seines Kindes dabei sein zu können.

Dieses Mal gab es also keine sorgenfreie Saison für Rune Jarstein, der mit 35 Jahren auch nicht mehr der Jüngste ist. „Die Krake“ hat bereits jetzt die jüngere Geschichte von Hertha BSC als Torhüter geprägt: 156 Bundesliga-Einsätze, davon 47 ohne Gegentreffer. Er ist nach den Hertha-Torwartlegenden Christian Fiedler (271 Einsätze), Gábor Király (252 Einsätze) und Walter Junghans (180 Einsätze) der Keeper mit den meisten Einsätzen für den Hauptstadtclub (171). Das Ende der Jarstein-Zeit könnte aber bereits im Sommer erreicht sein. Doch noch ist nicht abgepfiffen und der Norweger könnte sich erneut gegen seine Konkurrenz durchsetzen. Abgeschrieben wurde er bei Hertha BSC schließlich schon einmal, und meldete sich eindrucksvoll zurück.

Verfrühtes Karriereende für Thomas Kraft

War mitverantwortlich für die Aufholjagd bei Fortuna Düsseldorf: Thomas Kraft. (Foto: Lukas Schulze/Bongarts/Getty Images)

Mit seinen 32 Jahren ist Thomas Kraft zwar deutlich jünger als sein norwegischer Mannschaftskollege, doch im Sommer ist Schluss mit dem Konkurrenzkampf. Der Spieler mit der Nummer “1” im Rücken wechselte im Sommer 2011 zu Hertha BSC, spielte als Stamm- und Ersatzkeeper viele Jahre für die „alte Dame“. Kein einziges Mal beklagte er öffentlich seine Stellung als zweite Wahl hinter Rune Jarstein und war für die Mannschaft auch in der Kabine ein wichtiger Faktor.

Viele Einsätze hatte der Hertha-Veteran in dieser Saison allerdings nicht, trotz der vielen Trainerwechsel und der Verunsicherung Rune Jarsteins. Nur fünf Pflichtspieleinsätze bekam Kraft, nutzte diese jedoch, um sich im Pokal-Krimi gegen Dresden zum Elfmeterhelden zu krönen und in der Halbzeitpause in Düsseldorf (Stand 0:3) die gesamte Mannschaft wachzurütteln. Erinnerungswürdig bleibt auch seine Pointe in Bezug auf Jürgen Klinsmanns Spielerbewertungen im Training.

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Bereits Ende Mai war aber für ihn aufgrund von Rückenproblemen die Saison zu Ende. Auffällig war, dass ihn in den letzten Jahren immer wieder kleinere gesundheitliche Probleme bremsten. Seine Entscheidung, seine Karriere zu beenden kam trotzdem etwas überraschend. Kraft verlässt Hertha BSC als dienstältester Herthaner, als ein Spieler, der Berlin lieben und leben lernte. Er hinterlässt den Eindruck eines Musterprofis, eines mannschaftsdienlichen, sympatischen und ehrlichen Mannes, der sowohl im Team als bei den Fans vermisst werden wird. Wir wünschen ihm an dieser Stelle nochmal alles Gute und bedanken uns für die zahlreichen Jahre seines Einsatzes!

Dennis Smarsch und Nils Körber – “Berliner Jungs” nur zweite Wahl?

Der gebürtige Berliner konnte seinen Pflichtspieldebüt im desaströsen Auswärtsspiel in Augsburg feiern. Beim Stand von 0:2 wurde er eingewechselt, konnte aber die Niederlage in Unterzahl und das Aus für Trainer Ante Covic natürlich nicht verhindern. Nach dem „Re-Start“ saß er auf der Bank, da Thomas Kraft nicht zur Verfügung stand. Somit ersetzte er Rune Jarstein in der letzten Partie der Saison und konnte auch zum ersten Mal in der Profi-Startelf stehen.

Smarsch war zuletzt Nummer zwei, soll aber in die dritte Liga wechseln. (Foto: Wolfgang Rattay/POOL/AFP via Getty Images)

Eigentlich also eine vielversprechende Situation für den 21-Jährigen, doch für die Nummer eins im Tor oder sogar nur Nummer zwei sollte es nicht reichen. Auffällig sind insbesondere seine Athletik und Physis (1,95 Meter groß), die ihm jedoch das eine oder andere Mal auch beim Abtauchen bremsten. Für die Hertha-Verantwortlichen scheint es jedenfalls nicht auszureichen. Die Suche nach einem neuen, bundesligatauglichen Keeper läuft bereits, sodass für Smarsch zumindest für die nächste Saison die Hoffnung auf Profieinsätze deutlich gesunken ist. Beim Eigengewächs stehen die Zeichen also auf Abschied, der 1.FC Saarbrücken sowie Türkgücü München sollen interessiert sein.

Die Rückkehr von Nils Körber an die Spree wird die Chancen von Smarsch auch nicht gesteigert haben. Der 23-Jährige kehrt nach seiner Leihe beim VFL Osnabrück zurück, wo er zunächst in der zweiten Liga gesetzt war, aufgrund mehrerer Verletzungen jedoch seinen Stammplatz verlor und nur noch zu vereinzelten Einsätzen kam. Ob die gesammelte Erfahrung der zwei letzten Jahre für den gebürtigen Berliner ausreichen, um sich gegen Rune Jarstein und den noch unbekannten Neuzugang durchzusetzen, erscheint zunächst als eher unwahrscheinlich. Trotzdem hat Körber die Möglichkeit, sich in der Saisonvorbereitung zu empfehlen und sogar für eine Überraschung zu sorgen.

Wer bekommt die Nummer eins im Rücken?

Thomas Kraft hat seine Karriere beendet, Dennis Smarsch soll den Verein verlassen und weder Rune Jarstein noch Nils Körber sind sicher als Nummer eins etabliert. Es ist also tatsächlich wieder Zeit für eine echte Torhüterdiskussion, mit einer brodelnden Gerüchteküche und wild herumfliegenden Namen. Hertha BSC wird mit zahlreichen Kandidaten in Verbindung gebracht, wobei mit großer Wahrscheinlichkeit nur ein sehr geringer Anteil davon tatsächlich stimmen sollte. Wir wollen an dieser Stelle keine lange Diskussion um alle angeblichen Kandidaten führen. Stattdessen empfehlen wir euch unsere regelmäßig aktualisierte Gerüchteküche

Was fest steht: Hertha braucht einen neuen Keeper. Die neue Torhüter-Diskussion sollte möglichst kurz gehalten werden, um so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen und weiteren Chaos zu vermeiden. Ob ein großer oder „kleiner“ Name, ob ablösefrei oder hohe Ablöse, Hertha wird einen neuen Torhüter holen müssen. Die Trikotnummer „1“ ist jedenfalls erstmal wieder frei.