von Lenard Baum | Okt. 12, 2022 | Hertha BSC, Rückblick
Von 1999 bis 2002 spielte ein Stürmer bei der Hertha, welcher mit seinen Länderspieltoren einen ganzen Kontinent einnehmen sollte. Es gab keine Rekorde und große Titel bei der Alten Dame. Doch nach 88 Profi-Einsätzen, zwölf Toren und einer unvergesslichen Champions-League-Nacht sangen die Hertha Fans seinen Namen. Unser Text zu “Mr. Goal”, Ali Daei.
Der Spiegel betitelte ihn als “der neue Held von Berlin” nach eben jenem glorreichen Champions-League-Partie. In dieser schien Ali Daei es allein zu schaffen, die Hintermannschaft Chelseas auszuspielen. Es sollte eine Nacht der Überraschung und die des Iraners werden. Keine drei Minuten dauerte das Spiel und Chelsea hatte mit Stürmerstar Gianfranco Zola einen Flachschuss auf Gabor Kiraly abgegeben. Dann fand eine Flanke von Mitspieler Tonny Sanneh Ali Daei im Sechzehner. 1:0 und als Hertha-Fan begann eine magische Nacht.

Foto: Michael Cooper /Allsport
Es sollte mehr geben für Weltmeister Deschamps, Leboeuf und Desailly. Als Letztgenannter in der 70. Spielminute sich bei einem Pass verschätzte, war der quirlige Daei da. Er ließ erst Leboeuf am Boden zurück, Torwart Ed de Goeu erfolgslos herauskommen und schließlich Desailly den Ball aus dem Netz holen. Der 21. September 1999 – das Spiel des Ali Daeis. Doch wie fanden sich der iranische Stürmerstar und die Hertha?
Sichtung eines neuen Helden?
Nach einer herausragenden Asien-Meisterschaft sollte Daei mit Karim Bagheri als erstee Iraner der Bundesliga Arminia Bielefeld vor dem Abstieg retten. Nach einer vielversprechenden Saisonhälfte ging es mit einer Niederlagenserie und einem Eklat zwischen Star Stefan Kuntz und Trainer Middendrop zweitklassig weiter.
Nicht für Daei, welchen es mit sieben Toren zum FC Bayern München zog. In Konkurrenz gegen Namen wie Carsten Jancker, Alex Zickler und Giovane Elber gelangen Daei sechs Tore in 23 Partien. Für die Bayern zu wenig und so verloren die Münchner die Geduld am Mann aus Ardabil. Uli Hoeneß musste im Telefonbuch nicht weit suchen für einen Abnehmer. Mit Hertha-Manager Dieter Hoeneß fand sich dieser in der eigenen Familie. 5,2 Millionen Mark an die Bayern und “den neuen Held” zog es an die Spree.

Foto: Mark Thompson /Allsport
Es waren Namen wie Michael Preetz, Dick Van Burik und Sebastian Deisler unter der Regie von Trainer Jürgen Röber, welche Daei in Berlin erwarteten. Namen, die von uns Fans hochgehalten werden. Jeder von ihnen findet auf seine ganz eigene Weise seinen Platz in der Vereinsgeschichte. Daei kam mit seinen 1,92 Metern, etwas wenig Spielzeit und wenig Hoffnungen zur Hertha. Von Trainer Röber Anfangs noch für fehlende Verteidigungsarbeit gescholten, schaffte Daei die Wende.
Als Doppelspitze im Mittelsturm mit Michael Preetz schaffte Daei in der 1999/2000 Saison mit Sprungkraft seine Kopfballstärke auszuspielen. Schon in der Qualifikation für die Champions League brachte Daei die Hertha näher an die berühmte Hymne. Gegen Außenseiter Famagusta aus Zypern brachte Daei nach zwei Minuten per Kopfball den Favoriten auf Siegeskurs. Der Spruch “Er köpft so hart wie andere schießen”, kam nach dem Spiel auf. Die Weichen für eine magische Nacht waren gegeben.
Volksheld mit Rekorden
Für die Hertha sollten es insgesamt zwölf Tore in knapp vier Saisons werden. Keine überragende Quote im Vergleich zu Sturmpartner Preetz (50 Tore von 99 – 02) und doch hält Daei Rekorde, an die kein Hertha-Stürmer herankam. 1999 Asien Fußballer des Jahres, Welttorjäger 1996 & 2004 und bis letztes Jahr Rekordtorschütze der weltweiten Länderspieltore. 109 Tore in 149 Spielen ist eine Statistik, welche eher an Gerd Müller, Lionel Messi oder Christiano Ronaldo erinnert. Der Portugiese war es, der weltweit Schlagzeilen füllte, nachdem er Daei überholte. In seiner Heimat gilt Daei bis heute ein Volksheld und bis letzten Monat war der heutige Trainer beliebter Experte im Staatsfernsehen.

(Photo credit should read KARIM JAAFAR/AFP via Getty Images)
Die mysteriösen Todesumstände von Mahsa Amini lösten dies jedoch ab. Selten gab es im Iran solch eine Welle der Proteste und eine nie dagewesenen feministischen Bewegung. Die junge Frau wurde von der iranischen Sittenpolizei verhaftet, nachdem unter ihrem Kopftuch ihre Haarsträhnen zu sehen waren. Amini verstieß damit gegen die strengen Kleidungsregeln des Landes. Amini selbst verstarb in Polizeigewahrsam, wobei viele von Gewalteinwirkung seitens der Polizei ausgehen. Hunderttausend Menschen stellen sich auf den Straßen Irans gegen die Polizei und die Regierung. Während diese brutal gegen die Proteste vorgehen, meldeten sich Irans Fußballer.
Leverkusens Serdar Azmoun oder Ex-Bayern Spieler Ali Karimi gaben neben Daei via Social Media ihre Unterstützung bekannt und werden seitdem aus dem Staatlichen Rundfunk gestrichen. Daeis Pass wurde kurze Zeit nach seinen Äußerungen dazu noch eingezogen. Es war nicht das erste Mal, dass Daei politisch auftritt. Letztes Jahr schlichtete er einen Familienstreit und verhinderte so die Hinrichtung eines Mannes. Neben Charity Events löste er einen politischen Eklat aus, als er dem damaligen Präsidenten den Handschlag verweigerte. Ali Daei – ein Rekordbrecher sowie Volksheld.
Schon 1999 galt Daei als Hoffnungsträger der Nation, dies jedoch aus sportlicher Sicht. Nach der ersten erfolgreichen Saison samt Champions-League-Teilnahme folgten für Daei und die Hertha eher sportlich enttäuschende Jahre. Aus der Startaufstellung wurden Kurzeinsätze und mit 32 Jahren verabschiedete Daei sich nach Dubai.
Tage der Euphorie
Zurück in eine Septembernacht im Jahr 1999, in welcher Welttorjäger Daei Hertha-Träume aufgehen ließ. Im Iran war er eine Galionsfigur der nationalen Sportwelt, für Hertha-Fans strahlte er den Start in die Champions-League-Saisons aus und in der Hertha-Mannschaft kam nach der großen Überraschung gleich Ideen auf.
Die Überraschung war geglückt, und die Freude der Hertha überschwänglich. Deisler träumte von einem Punkt gegen AC Mailand und Preetz empfand das Olympiastadion als Festung für internationale Teams. Es sollten die Tage der großen Euphorie ausbrechen. Die Ergebnisse sollten neue Helden hervorbringen, Fanlieblinge erschaffen und die Ostkurve bis nach Barcelona tragen. Allein schaffte Ali Daei diese Atmosphäre nicht zu halten und doch war es sein Torriecher, welcher den Start für die erste Champions-League-Saison der Hertha angab.

Foto: Michael Cooper /Allsport
Der Iraner hatte nie die Spieleanzahl eines Lustenbergers, den Fanstatus von „Zecke“ oder eine Vereinsbindung wie Kiraly. Er ließ an diesem 22. September aber nicht nur tausenden Hertha-Fans ein Spiel nie vergessen, sondern brachte Hertha BSC ein Gefühl an Weltklasse, wenn auch nur für eine Nacht. Einer von uns (wenn auch nur kurz).
[Titelbild: Gary Prior /Allsport]
von Lukas Kloss | Okt. 10, 2022 | Hertha BSC, Podcast
von Benedict Puls | Okt. 9, 2022 | Bundesliga, Drei Thesen, Hertha BSC, Pressekonferenz, Rückblick, Transfers, Um den Verein, Vorbericht
Nach all den Vorkommnissen der letzten zwei Wochen kann man durchaus fast vergessen, dass hier und da auch Fußball gespielt wird bei Hertha BSC. Und mit dem kommenden Gegner aus Freiburg wartet eine nicht gerade einfache Aufgabe. Dabei wären drei Punkte mit Blick auf die Tabelle wichtig, anderenfalls würde man den Anschluss ans Tabellenmittelfeld vorläufig verlieren.
Unsere drei Thesen zum Spiel gegen den SC Freiburg
These 1: Fanszene meldet sich erneut zu Wort
Am liebsten würde man sich rein aufs Sportliche konzentrieren. Doch die Causa Windhorst ist momentan leider einfach zu groß, als dass man darum herumkommen könnte. Ähnliches wird sich auch die aktive Fanszene in der Ostkurve denken. Nachdem bereits im letzten Spiel mehrere Banner und Plakate gegen den (Noch-)Investor präsentiert wurden, dürfte sich das im kommenden Heimspiel wiederholen.

Am Mittwoch bot Lars Windhorst der Vereinsführung von Hertha BSC an, die seit 2019 erworbenen Anteile zurückzukaufen – und das zum damals gezahlten Preis. Eine Forderung, die so grotesk wie unrealistisch ist. Dementsprechend werden die Fans darauf nicht schweigen und den ein oder anderen deutlichen Spruch in Richtung des Mehrheitsanteilseigners äußern.
These 2: Rogel liefert gute Argumente für weitere Einsätze
Nachdem sich Filip Uremovic im vergangenen Spiel gegen die TSG Hoffenheim verletzt hat und zu Pause ausgewechselt werden musste, feierte Neuzugang Agustin Rogel sein Debüt im Herthatrikot. Mittlerweile steht fest, dass Uremovic auch für die nächsten Spiele ausfallen wird. Dementsprechend stelle Sandro Schwarz auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Breisgauer klar, dass Rogel starten wird. Der 1,91 m große Uruguayer lieferte in der vergangenen Partie eine mehr als solide Leistung ab. Er wirkte ruhig, konzentriert und abgeklärt, vor Augen bleibt beispielsweise sein starker Zweikampf gegen Georginio Rutter. Gegen die Gäste am Sonntag wird Rogel diese Qualität bestätigen und erneut positiv auffallen. Und damit weitere Argumente für weitere Spielminuten sammeln, selbst nach der Rückkehr von Uremovic.
These 3: Mindestens ein Herthaner feiert seine Torpremiere
Mit bisher lediglich acht Toren stellt Hertha gemeinsam mit dem VfL Bochum die bisher torärmste Offensive der Liga (wenn auch mit einem Spiel weniger). Dies lässt sich unter anderem damit begründen, dass sich bisher nur Dodi Lukebakio, Marco Richter, Suat Serdar und Lucas Tousart in die Torschützenliste eintragen konnte.

Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
Chidera Ejuke und Wilfried Kanga hingegen warten noch auf ihren ersten Treffer. Beide Spieler haben ihren unbestreitbaren Wert für Herthas Offensivspiel, doch am eigenen Erfolg mangelt es noch. Gegen die Gäste aus Baden-Württemberg erleben wir allerdings eine Torpremiere. Ob das die genannten Offensivspieler oder nicht doch einer der beiden Innenverteidiger nach einem Standard sein werden, überlassen wir eurer Wahl.
Titelbild: Martin Rose/Getty Images
von Timm Buchholz | Okt. 8, 2022 | Hertha BSC, Taktiktafel
Wir wollen euch regelmäßig Spielsituationen aus Partien von Hertha BSC, v. a. aus individual- und gruppentaktischer Sicht, detailliert vorstellen und dann anschließend gemeinsam mit euch auf unserem Discord-Server diskutieren.
Nach einer kleinen Pause der Taktiktafel, gibt es heute eine frische Ausgabe mit den Eindrücken zu den Gegentoren gegen Dortmund, Leverkusen, Mainz und Hoffenheim. Nur beim Auswärtsspiel in Augsburg am 5. Spieltag blieb Hertha in dieser Saison ohne Gegentor und ließ dabei nur sieben Torschüsse zu, wovon nur ein Schuss auf das Tor ging – am Ende hatten die Fuggerstädter einen xG-Wert von 0,3 (BVB: 3,0 / B04: 1,4 / M05: 0,8 / TSG: 1,8).
5/5 – Unsere Gegentore im und um den Strafraum
Einwurf Marius Wolf, Klatschpass Salih Özcan, Doppelpass Wolf, Flanke Özcan (31:33) – so einfach war das Rezept der Dortmunder für den Siegtreffer in der 32. Minute durch Anthony Modeste. Marc-Oliver Kempf (1,86 m) ist im Kopfballduell mit Modeste (1,87 m) kein Vorwurf zu machen, eher dem passiven Verhalten unserer linken Seite (Marvin Plattenhardt, Chindera Ejuke). In dieser Situation hätte es einen Lucas Tousart auf Außen gebraucht, der den angreifenden Spieler doppelt und eine Gleich– oder Überzahl in Ballnähe herstellt (wie hier beschrieben).

Es folgte die Partie gegen ein kriselndes Leverkusen, welche noch für viel Gesprächsstoff sorgen sollte. In der Situation vor dem Freistoß zum 0:1 durch Kerem Demirbay, zeigte Hertha wieder alte Schwächen: Ivan Šunjić spielt von rechts eine Verlagerung auf die linke Seite, wo Ejuke das Kopfballduell gegen Jeremie Frimpong nicht gewinnt und der Ball ins Zentrum gelangt, welches von Hertha wieder kläglich unbesetzt ist. Hier hat Adam Hlozek Zeit und Platz, um zum Dribbling anzusetzen. Parallel setzt sich Moussa Diaby aus dem Zentrum ab (47:19) und bekommt dann den Ball vor die Füße, den Šunjić Hlozek weggrätschen kann (47:21).

Diaby, der seit Ballverlagerung keinen Gegenspieler hatte, braucht drei Sekunden bis zum Strafraum, wo ihn nur Šunjić stoppen kann, da der zurückeilende Suat Serdar kein Foul ziehen durfte, weil er in der ersten Hälfte bereits mit Gelb verwarnt wurde.

Beim 2:2 von Leverkusen darf „Besetzung“ im Zusammenhang mit dem eigenen Strafraum von Hertha gar nicht genannt werden – einerseits sind die Lücken zu den Leverkusenern viel zu groß, anderseits spielt sich Leverkusen eine 3:2-Überzahl direkt vor dem Tor heraus (78:46).

Dass auch der kriselnde Patrick Schick gegen Hertha trifft und sein bisher bestes Spiel (Kickernote 3,0) macht, hat er auch der Abwehr von Hertha zu verdanken.
Clever oder dreckig: Hertha muss sich besser bei Klärungen verhalten
Wie schon gegen Leverkusen hat Hertha (in dem Fall Marco Richter) einen Spieler komplett aus den Augen verloren – hier den Mainzer Torschützen Anthony Caci. Dieser schafft es, sich innerhalb von 11 Sekunden unbemerkt in den Strafraum zu schleichen (93:09) und mit einem Last-Minute-Tor (xG = 0,04) Herthas zweiten Saisonsieg zu vereiteln.

Auch wenn ich einen Punktgewinn vor dem Spiel gegen die TSG aus Sinsheim unterschrieben hätte: so einfach darf das 1:0 nicht fallen: sowohl Dodi Lukébakio (Kopfball ins Zentrum), als auch Filip Uremović (spitzelt den Ball weg), schaffen es nicht, den Ball aus Strafraumnähe wegzuhalten. Mit einem einfachen Hinterlaufen von Andrej Kramarić schafft es José Tasende, den entscheidenden Pass vorzubereiten (24:47).

Hier fordert der alleingelassene Ozan Kabak bereits den Ball, den er vier Sekunden später bekommt und auf das Tor bringt (24:51), wo der wiederum alleingelassene, in den Strafraum eilende, Kramarić den Ball entscheidend abfälscht.

Sechs Punkte bei 6:5 Toren hat Hertha aus den letzten fünf Spielen geholt. Mit dem Punkt vom 2. Spieltag steht Hertha nun mit 7 Punkten (8:10 Toren) auf Platz 14 der Tabelle. Die nächsten Gegner im Oktober heißen Freiburg (2.), Leipzig (11.), Gelsenkirchen (15.) und Bremen (8.), die alle bisher offensiven Fußball spielen (zusammen 53 Tore).
Und jetzt freuen wir uns auf die Diskussion zur Frage: wie schafft es Hertha, früher und konsequenter zu verteidigen?
(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
von Lukas Kloss | Okt. 3, 2022 | Hertha BSC, Podcast
Es war eine neue Ruhe bei Hertha BSC eingekehrt, die nun durchbrochen wurde. Darüber sprechen wir natürlich sehr ausführlich in dieser Episode unseres Podcasts. Allerdings soll auch der erneute Punktgewinn gegen Hoffenheim nicht zu kurz kommen.
Wir wünschen euch ganz viel Spaß mit der neuen Folge und freuen uns über eure Kommentare. Euer Feedback ist sehr motivierend und freut uns immer am meisten.
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr den Podcast mit euren Freund*innen, der Familie oder Bekannten teilt. Wir freuen uns über alle Hörer*innen.
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(Photo by Martin Rose/Getty Images)
von Steve Reutter | Okt. 2, 2022 | Drei Thesen, Hertha BSC
Die Länderspielpause ist vorbei und für Hertha BSC geht es im heimischen Olympiastadion gegen die stark aufspielende TSG aus Hoffenheim. Holt Hertha den zweiten Dreier dieser Saison? Unsere drei Thesen zum Spiel.
Mit einem (unnötigen) Unentschieden gegen Mainz 05 verabschiede sich Hertha BSC in die Länderspielpause. Erst in der 94. Spielminute fing man sich das 1:1 – nachdem man in der zweiten Halbzeit oftmals in alte Verhaltensmuster gekehrt war.
Nach einer passablen ersten Halbzeit entglitt den Berlinern das Spiel in der Halbzeit zunehmend. Man überließ den Mainzern den Ball – rannte viel hinterher und sorgte kaum mehr für offensive Entlastung. Der Ausgleich in der 94. Minute war das konsequente Resultat dieser Partie.
Aber dennoch: In der bisherigen Saison zeigte Hertha nach insgesamt sieben Spieltagen vor allem spielerisch starke Leistungen. Vermutlich ist das Nervenkostüm bei vielen Herthanern immer noch angespannt: So sehr man den aktuellen Fußball der alten Dame genießt, schwingt auch immer die Angst mit, dass die Mannschaft einbricht.
Gegen Hoffenheim hat Hertha BSC am Sonntag eine weitere Chance, den zweiten Dreier in dieser Saison einzufahren. Drei Thesen zum Spiel.
Es geht rauf und runter: Tore, Tore, Tore!
Bisher zeigte Hertha BSC in dieser Saison vor allem Offensiv viel. Es zeigt sich, wie wertvoll „richtige“ Flügelstürmer wie Ejuke (2 Vorlagen) und Lukebakio (2 Tore, 1 Vorlage) sind. Mit ihrer Schnelligkeit und ihren starken Tempodribblings sorgen sie immer wieder für Gefahr über die Flügel und prägen Herthas Offensivspiel bis hierhin maßgeblich.

Lukebakio ist wieder wichtig geworden für Hertha BSC. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
Aber auch Hoffenheim fällt diese Saison durch treffsichere Spieler auf: Mit insgesamt zwölf erzielten Toren liegt die TSG in der Liga auf Platz vier. Dabei haben sie nicht diesen „einen“ Stürmer, der die Liga zerschießt. Die Last verteilt sich auf viele treffsichere Spieler. So haben insgesamt drei Spieler doppelt getroffen, insgesamt fünf Spieler einmal.
Es verspricht ein Spiel für die Zuschauer zu werden: Ein schnelles offensives, mit vielen kurzen Ballkontakten und schnellen Pässen in die Spitze, samt vieler Torchancen. Wer nicht einschaltet, ist selbst schuld.
Kanga für Zwei – oder Drei?
Bisher ohne Tor in dieser Saison blieb Neuzugang Wilfried Kanga. Aber auch ohne eigenen Treffer weiß der Franko-Ivorer bisher zu überzeugen. „Ich empfinde, dass er für die Mannschaft viel arbeitet und dass er sehr fleißig ist“, sagte Trainer Sandro Schwarz kürzlich über ihn. Und tatsächlich: Auch Kanga ist ein Grund dafür, warum Hertha diese Saison spielerisch so stark auftritt.

Bisher ist Kanga auch ohne Tore wichtig für Hertha. Schießt er sich gegen Hoffenheim warm? (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
So weiß er genau, den Ball fest zu machen, damit seine Mitspieler nachrücken können. Gleichzeitig hat er kluge Verlagerungen auf die Flügel in Petto, die dort oftmals eine Überzahl schaffen. Nur eben der eigene Treffer fehlt ihm noch.
Und nicht selten, schießen sich glücklose Stürmer den Frust in einem einzigen Spiel von der Seele. Und treffen dann gerne mehrmals. Geht die erste These auf, wird es sehr offenes und offensives Spiel: Die perfekte Gelegenheit für Kanga, den Hoffenheimern ein paar Tore ins Netz zu legen.
Chef auf dem Platz: Boateng übernimmt die Führung
Viele Herthaner warten sehnlichst auf den „Durchbruch“ von Boateng. So wichtig er neben dem Platz für die Mannschaft ist – auf dem Feld konnte er sich in der laufenden Spielzeit noch nicht nachhaltig auszeichnen. Glücklicherweise muss Jean-Paul Boetius sich keiner Chemotherapie unterziehen, sein Comeback wird dennoch wohl ein paar Wochen in Anspruch nehmen.
Für Boateng kann das die Chance sein, zu zeigen, was er auf dem Platz kann: Ein Spiel an sich reißen, mit klugen Bewegungen das Spiel ordnen und mit direkten Pässen in die Spitze schnell gestalten. Und womöglich gelingt ihm dann auch bald sein „erstes“ Hertha-Tor.

Auch auf dem Platz kann Boateng zum Leader werden. (Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)
Insofern sein Körper mitmacht, kann er in dieser Saison ein wichtiger Faktor werden: Und ein Leader auch auf dem Platz.
(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
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