Herthaner im Fokus: Ein Sieg für die Stimmung

Herthaner im Fokus: Ein Sieg für die Stimmung

Ein wirklich wildes Fußballjahr geht für Hertha BSC zu Ende. Wie schon 2021 beendet man das sehr durchwachsene Jahr letztendlich mit einem Sieg und sorgt damit für gute Stimmung in und um den Verein. Gegen den 1. FC Köln schaffte es das Team zwar nicht altbekannte Schwächen und Probleme abzustellen, doch neben dem vorhandenen Glück in der Defensive konnte man in der Offensive sich endlich für die vielen Mühen belohnen. Beim 2:0-Sieg, den über 60.000 Zuschauer und Zuschauerinnen im gut gefüllten Olympiastadion verfolgten, hatte man gleichzeitig auch einen extrem müden und unkonzentrierten Gegner gegen sich, der sich immer wieder selber im Wege stand.

Zwei Änderungen nach einer langen Englischen Woche

Gegenüber der bitteren Last-Second-Niederlage in Stuttgart änderte Sandro Schwarz seine Mannschaft auf zwei Positionen. Dafür verabschiedete er sich vom 4-4-2 und griff auf das zuvor bewährte 4-3-3 zurück.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Im Tor Dänemarks WM-Fahrer Oliver Christensen. In der Verteidigung stand zunächst Kapitän und Linksverteidiger Marvin Plattenhardt, der allerdings früh verletzungsbedingt Maximilian Mittelstädt Platz machen musste, in der Innenverteidigung Marc-Oliver Kempf und Agustin Rogel und als Rechtsverteidiger Jonjoe Kenny. In der Zentrale vor der Verteidigung war wieder Startelfrückkehrer Ivan Sunjic zu finden. Vor ihm ackerten Lucas Tousart und Jean-Paul Boetius. Im Sturm sollten Dodi Lukebakio, Marco Richter und der vollständig wiedergenesene Wilfried Kanga, der Davie Selke aus der Startelf verdrängte, für Torgefahr sorgen

In unserer Analyse schauen wir heute auf die Torschützen, Herthas andauernde Linksverteidiger-Thema und eine gute Alternative im zentralen Mittelfeld.

Marco Richter: Im richtigen Moment zur Stelle

Gegen den VfB Stuttgart glänzte Marco Richter vor allem durch Diskussionen mit den Gegenspielern und dem Schiedsrichtergespann, Teil des Spiels war er allerdings nicht. Das änderte sich glücklicherweise gegen Köln. Er war wieder motiviert und wusste seine individuellen Qualitäten stets zu nutzen, auch wenn er häufig überhastet abschloss. In seinen 84 Minuten, die er auf dem Platz stand, erarbeitete sich Marco Richter vier Torschüsse. Der Sekundenzeiger hatte noch nicht einmal das erste Mal die ganze Uhr umrundet, da versuchte es der 24-Jährige schon das erste Mal. Wieder einmal begann Hertha ein Spiel hellwach und versuchte früh Druck aufzubauen. In der 14. Minute fehlte es Richter deutlich an Präzision und Ruhe. Sein Schussversuch, der sich eher überraschend für ihn ergab, setzte er deutlich über das Tor. Seinen goldenen Moment hatte er in der 54. Minute. Dodi Lukebakios Hereingabe wurde von Kölns Torhüter Marvin Schwäbe in die Mitte gelenkt, Richter knallte den Abpraller unter die Latte zum vorentscheidenden 2:0.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Der Angreifer hatte es nicht leicht. Vier Mal wurde er von den Kölnern unfair vom Ball getrennt, doch er war endlich wieder Teil der Mannschaft. 45 Ballaktionen zählen die Statistiken, 15 von 22 Pässen kamen an, 58 Prozent seiner Zweikämpfe entschied er für sich. Und auch in der Defensive half Richter ein ums andere Mal aus. Wieder einmal wird deutlich, wie wichtig ein Marco Richter in guter Form ist. Man sollte alles daran setzen, dass das im neuen Jahr so bleibt.

Maximilian Mittelstädt: Plattenhardts Pech wird zu Herthas Glück

Eine Never-ending-Story. Ja, Marvin Plattenhardt konnte sich mit einer Torvorlage – einer wirklich schönen Flanke aus dem linken Halbfeld – mal wieder in die Statistiken eintragen. Und damit hat er einen riesigen Anteil an dem sehr wichtigen Sieg der Hertha. Und verletzt ausgewechselt werden, wünscht man keinem Spieler. Doch mit der Einwechslung von Maximilian Mittelstädt nach 24 Minuten wurde wieder einmal deutlich, dass Herthas besserer Linksverteidiger die meiste Zeit in dieser Saison auf der Bank saß. Statistisch ist das sogar nachweisbar. Und weiterhin befinden wir uns bei einem Vergleich auf dieser Position bei Hertha BSC auf niedrigem Niveau, auch wenn Mittelstädt gegen die Kölner ein wirklich gutes Spiel zeigte.

Mittelstädt war praktisch mit der allerersten Szene mitten im Geschehen. Nachdem Sargis Adamyan Linton Maina in der 25. Minute auf die Reise geschickt hatte, fehlte nicht viel und der gebürtige Berliner – in diesem Fall ist Linton Maina gemeint – hätte den Ausgleich erzielt. Doch das nötige Zielwasser fehlte. Mittelstädt verpasste es, zusammen mit seinen Kollegen das Abseits aufzuheben und so hatte er keine Chance mehr entscheidend einzugreifen.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Mittelstädt sammelte gegen die Kölner Top-Statistiken. 79 Prozent seiner Pässe kamen bei den Mitspielern an, stolze 92 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er. Zusätzlich beendete er fünf von sechs Dribblings erfolgreich. Dem gegenüber stehen trotzdem 13 Ballverluste und auch er hatte das ein oder andere Mal gegen die Kölner Offensive das Nachsehen. Seine Flankenqualität ließ oft zu wünschen übrig, doch manchmal war die gar nicht so wichtig. In der 77. Minute holte er mit seiner schwachen Flanke sogar noch einen Eckball heraus, etwas, was ihm in dem Spiel mehrmals gelang. Und am 2:0 hatte er mit einem Dribbling und einer Balleroberung entscheidenden Anteil.

Wie schon erwähnt, Das Linksverteidiger-Duell, welches seit vielen Jahren zwischen Mittelstädt und Plattenhardt besteht, befindet sich auf keinem hohen Niveau. Immer wieder wechselten sich die beiden ab, je nachdem wer sich gerade in einer besseren Phase befand. Zu Beginn dieser Saison sollte dieses Thema beendet werden, indem Marvin Plattenhardt zum Kapitän ernannt wurde.

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Doch spielerische Argumente, in der Hierarchie vor Mittelstädt zu stehen, konnte er nicht liefern. Interessant wird die Lage im Winter werden. Beide Verträge laufen aus, um einen Abgang von Mittelstädt gibt es immer wieder Gerüchte und mit Lukas Ullrich steht ein heißbegehrtes Linksverteidiger-Talent in den Startlöchern.

Wilfried Kanga: Startelfambitionen untermauert

Auch im Sturm werden im Winter gewisse Entscheidungen getroffen werden müssen. Davie Selke steht vor dem Abschied und bis auf Dodi Lukebakio konnte sich in der Hinrunde kein Spieler als eiskalter Vollstrecker vor dem Tor herauskristallisieren. Umso besser, dass Wilfried Kanga sein Torekonto auf zwei aufstocken konnte. Der Ivorer stand nach seiner schwachen Torausbeute in den letzten Wochen immer mehr in die Kritik und wird sich nach der Winterpause weiter beweisen müssen, um Chancen für die Startelf zu bekommen. Gegen die Domstädter stand er bis zur 84. Minute auf dem Platz und seinen entscheidenden Beitrag leistete er bereits nach neun Minuten. Luca Kilian entwischend nickte er die wunderbare Flanke von Marvin Plattenhardt aus kurzer Distanz in die Maschen.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Er arbeitete, bemühte sich mit spielerischen Elementen am Offensivspiel teilzunehmen. Eine weitere große Chance eröffnete sich ihm in der 28. Minute. Die starke Vorlage von Lukebakio lenkte er Richtung Tor, doch landete lediglich am Außennetz. In der 69. Minute fand er in aussichtsreicher Position in Luca Kilian seinen Meister. Eine von verschiedenen Aktionen, in denen mehr drin gewesen wäre. Nicht nur in diesem Spiel. Die gesamte Saison schon. Doch auch Kanga war – anders als zuletzt – Teil der Mannschaft. 35 Aktionen hatte er am Ball, verteilte 22 Pässe, von denen 14 ankamen. 55 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der Stürmer und defensiv klärte er sogar zwei Aktionen der Kölner. Wilfried Kanga untermauerte seine Startelfambitionen, doch es braucht weiter Zählbares vor dem Tor, um langfristig erster Stürmer von Hertha BSC zu bleiben.

Ivan Sunjic: Starkes Spiel und gute Alternative

Nachdem zuletzt Suat Serdar immer wieder den Vorzug vor den Kroaten bekommen hatte, aber selten etwas Zählbares erspielen konnte, stand gegen Köln Ivan Sunjic wieder einmal in der Startelf. Neben Lucas Tousart spielte er im zentralen Mittelfeld das gesamte Spiel durch. Vor allem defensiv wusste er immer wieder für Ruhe zu sorgen, aber auch offensiv hatte er seine Anteile am Spiel der Hertha.

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80 Prozent seiner Pässe waren erfolgreich. Sechs seiner acht Zweikämpfe entschied er für sich. Auch diese 75 Prozent sind eine wirklich starke Statistik für den Defensivspieler. Eine Aktion der Kölner klärte er im eigenen Strafraum, einen weiteren Schuss blockte er, sechs Tacklings entschied Sunjic für sich. Dem gegenüber stehen zwar sieben Ballverluste, doch insgesamt polierte er in diesem  Spiel seine Statistiken ordentlich auf. Offensiv wurde er nach 45 Minuten von Dodi Lukebakio in Szene gesetzt. Sein Torschuss wurde aber von Schwäbe stark gehalten, seinem nachfolgenden Kopfball konnte er nicht die nötige Kraft verleihen, um den Torhüter ein weiteres Mal herauszufordern.  Ein wirklich gutes Spiel von Ivan Sunjic, der damit auch den Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld wieder ankurbelt.

Mit viel Glück für Ruhe gesorgt – Die Baustellen sind bekannt

Hertha konnte mit dem Sieg gegen den 1. FC Köln für etwas Ruhe sorgen und damit zumindest ohne Trübsal zu blasen in die Pause gehen. Das Spiel offenbarte allerdings auch, wie viel Glück die Mannschaft von Sandro Schwarz noch benötigt, um die Punkte mit nach Hause fahren zu können. Allein Sargis Adamyan hätte Hertha abschießen können, scheiterte letztendlich aber denkbar unglücklich an sich selbst und den anstrengenden vergangenen Wochen. Hertha hat auf vielen Mannschaftsteilen enorme qualitative Probleme, die im Winter besprochen und bearbeitet werden müssen. Die finanzielle Lage ermöglicht keine großen Handlungen auf dem Transfermarkt, auf Fredi Bobic und Sandro Schwarz kommt herausfordernde Arbeit zu. Die Saison könnte wieder einmal sehr lang werden, doch die Vorzeichen sind um einiges besser als noch vor einem Jahr. Während damals ein schwer gezeichneter Verein vorzufinden war, dessen gesamte Fanszene auch schwer zerrüttet war und die Lage dunkler und unterkühlter kaum sein konnte, ist dieses Mal der Verein geeint.

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In und um den Verein herrscht trotz der schwierigen sportlichen Lage, eine seit Jahren nicht mehr so groß gelebte Einheit. Die Stimmung ist gut, über das Miteinander wird nicht nur gesprochen, es wird auch gelebt. Einen großen Anteil daran hat auch Präsident Kay Bernstein und damit Wunsch und Wohl der Fans. Im Übrigen eines der großen positiven Ereignisse dieses so verrückten Fußballjahres von Hertha BSC.

(Titelbild: Boris Streubel/Getty Images)

Herthaner im Fokus: Mit Krampf ins Leid geschafft

Herthaner im Fokus: Mit Krampf ins Leid geschafft

Eine Frage: Welches dubiose und skrupellose Unternehmen bzw. Verband kam eigentlich auf die Idee eine Weltmeisterschaft in einen Schurkenstaat kurz vor Weihnachten zu vergeben? Diese miese Aktion, die insbesondere Menschenrechte und Menschenleben und auch die Fußballkultur mit Füßen tritt, sorgt ganz nebenbei dafür, dass die meisten Fußballer auf der Welt vollkommen überspielt sind, weil sie eine Englische Woche nach der nächsten spielen müssen, da sich jeder nationale Verband dieser Idee unterordnen musste. Die Folge von überspielten Spielern sind Unkonzentriertheit, Müdigkeit, Ungenauigkeiten, viel zu starke Übermotivation und ein enorm hohes Verletzungsrisiko. Jede noch so kleine Verletzung kann wenige Tage vor der WM, die ja nicht einmal eine ernsthafte Vorbereitung ermöglicht, das Ende der größten Träume eines Fußballers bedeuten. Allein im Spiel zwischen Hertha BSC und dem VfB Stuttgart, gab es Schreckmomente für drei Spieler. Während Herthas dänischer Torwart Oliver Christensen nach einem Sturz weiterspielen konnte und Herthas Kroate Ivan Sunjic fragwürdigerweise mit Turban nach einem Zusammenprall mit Stuttgarts Wataru Endo weiter auf dem Platz blieb, musste eben jener Japaner mit einer schweren Kopfverletzung und zwischenzeitlicher Ohnmacht vom Platz getragen werden und nun um seine WM-Teilnahme bangen. Wir wünschen schnelle und beste Genesung!

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Neben den bitteren Vorfällen wurde aber noch Bundesliga-Fußball gespielt. Die Hertha unterlag am 14. Spieltag in Stuttgart dem VfB in letzter Sekunde mit 1:2 und liegt nun mit 11 Punkten auf dem Relegationsplatz. Guirassys frühes Tor konnte noch in der ersten Halbzeit Lukebakio kontern, ehe Mavropanos den Ball in letzter Sekunde nach einer Ecke ins Netz köpfen konnte.

Sandro Schwarz ändert nichts

Beim Blick auf die Aufstellungen fiel direkt auf, dass Sandro Schwarz gegenüber dem Spiel gegen die Bayern auf Änderungen verzichtete.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Oliver Christensen, der einen Tag zuvor von Kasper Hjulmand in den dänischen WM-Kader berufen wurde, stand im Tor. Die Verteidigung bildeten, die sich als Stammverteidigung etablierten, Marvin Plattenhardt, Marc-Oliver Kempf, Agustin Rogel und Jonjoe Kenny. Davor sollten im Zentrum Suat Serdar und Lucas Tousart schalten und walten. Auf den Außen Jean-Paul Boetius und Marco Richter. Im Sturm Davie Selke und Dodi Lukebakio. Das 4-3-3-System, welches Schwarz zu Beginn der Saison hatte einspielen wollen, scheint aktuell eher von einem 4-4-2-System abgelöst worden zu sein.

In unserer heutigen Analyse versuchen wir trotzdem Positives zu suchen. Wir schauen auf die Lichtblicke des Teams, müssen uns aber auch mit der erschreckend harmlosen Offensive auseinandersetzen, fehleranfälligen Verteidigern und wieder einmal stellt uns die Aufstellung unseres Kapitäns vor Fragen.

Jonjoe Kenny und Dodi Lukebakio: Aus Jovedil wird Joebakio

Vier Niederlagen in den letzten fünf Spielen. Auf dem Relegationsplatz angekommen. Die Hertha-Welt ist kurz vor der WM-Pause ganz dunkel. Doch an irgendwelchen Kleinigkeiten muss man sich festhalten und wenn es nur einzelne Aktionen sind. Letzte Saison waren die wenigen Lichtblicke das phasenweise tolle Zusammenspiel zwischen Stevan Jovetic und Ishak Belfodil, was dem Duo den liebenswürdigen Kosenamen „Jovedil“ durch die Fans ermöglichte. In den letzten Wochen fiel bei Hertha immer wieder auf, dass auf der linken Seite herzlich wenig zusammenläuft. Umso besser, dass die rechte Seite zumindest einigermaßen Leistung zeigt. Sommerneuzugang Jonjoe Kenny und Sozusagen-Neuzugang Dodi Lukebakio scheinen sich nach Anfangsschwierigkeiten endlich gefunden zu haben. Sie sind neben Herthas starken Keeper Oliver Christensen (fünf Paraden) die beiden einzigen Spieler, denen es regelmäßig gelingt, Leistung zu zeigen. Am Samstag machte es Kenny schon Sadio Mané und Kingsley Coman das Leben schwer, gegen den VfB Stuttgart glänzte er auch endlich als Vorlagengeber. Dodi Lukebakio drückte seine perfekte Halbfeldflanke in die Maschen. Das gute Miteinander des Rechtsverteidigers und Herthas diesjährigen Top-Torjägers ist einer der Lichtblicke dieser Bundesliga-Hinrunde. Vielleicht kann man ja bei entsprechendem Mannschaftserfolg mal über einen neuen liebevollen Namen sprechen. “Joebakio” zum Beispiel?

Doch wie gesagt, mehr als ein paar Lichtblicke waren das auch nicht. Das zeigen auch die Zahlen der beiden. Dodi Lukebakio war zwar wie üblich motiviert und zunächst auch gefährlich für die Verteidigung des VfBs. Nach etwa acht Sekunden war Hertha drauf und dran eines der frühesten Bundesligatore aller Zeiten zu erzielen. Doch Lukebakios entscheidender Pass in die Spitze wurde von Stuttgarts an diesem Tag hervorragend spielenden Mavropanos abgefangen. Besser machten es er und Jonjoe Kenny in der 19. Minute.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Ansonsten konnte Lukebakio kaum zählbare Momente erzeugen. Nur ein Dribbling von sechs Versuchen beendete er erfolgreich. 50 Mal war der Belgier, der auch noch auf eine WM-Nominierung hofft, am Ball. In 13 Zweikämpfe ging er, von denen er allerdings nur fünf für sich entscheiden konnte. 20 Ballverluste musste er hinnehmen, Lukebakios Durchsetzungskraft war in der Vergangenheit schon deutlich besser. Zusätzlich wurde er aber auch dreimal recht übel gefoult und war immer wieder unter den Stuttgarter Fittichen, die ihm kaum Möglichkeiten zur Entfaltung gaben. Herthas einziger sich in Form befindender Offensivspieler ist dementsprechend auch eigentlich Herthas einzige Waffe. Wird er kaltgestellt, wird es mit der Offensive der Berliner problematisch.

Jonjoe Kenny, der ebenfalls wieder 90 Minuten auf dem Platz ackerte, hatte gegen die Stuttgarter Offensive einiges zu tun. Er konnte eine Aktion klären, blockte einen weiteren Schuss, fing zwei Bälle ab, entschied zwei Tacklings für sich. Doch seine Schwächen, die altbekannt sind, wurden gegen den VfB schnell wieder deutlich.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

70 Mal war er am Ball, einer der Höchstwerte bei Hertha. Doch dem gegenüber stehen auch 20 Ballverluste und 15 Fehlpässe. Ein Grund, weshalb Hertha kaum in der Lage war, einen Spielzug aufzubauen. Immerhin entschied er von seinen fünf Zweikämpfen drei für sich. Doch oft fehlen dem Briten die letzten Prozent Kreativität und Qualität im Passspiel. Doch auf der Habenseite Kennys steht seine Motivation und Leidenschaft. Dinge, die im Abstiegskampf noch wichtig werden können, schließlich geht es nur um dieses Thema in dieser Saison.

Marco Richter: Mehr Frust als Leistung

Marco Richters auffälligste Aktion war in der 34. Minute zu sehen, als er Konstantinos Mavropanos an der Seitenlinie anging und dafür die gelbe Karte sah. Den komischen Zwist mit dem Griechen schloss sich immer wieder auch Davie Selke an, wobei man nicht so ganz erkennen konnte, wer dort die angreifende und wer die schlichtende Rolle einnahm. Eben die klassischen Frotzeleien im Abstiegskampf, wenn man spielerisch stark limitiert ist.

(Photo by Daniel Kopatsch/Getty Images)

Sportlich hing Marco Richter in der Luft. Seit Wochen ist er außer Form und kann in keiner Weise das leisten, was Hertha in der aktuellen Situation benötigt. Gegen den VfB war Richter 24 Mal im Ballbesitz. Seine Passquote von 87 Prozent lässt sich zwar sehen, als Offensivspieler nur zwei von 15 Pässen fehlzuleiten, ist stark. Doch auch bei ihm mangelt es an Kreativität und vor allem Qualität. Nur zwei seiner sechs Zweikämpfe entschied er für sich. Nur einmal versuchte sich Richter an einem Dribbling, was letztendlich auch nicht in Erfolg umgemünzt werden konnte. Zusätzlich leistete sich Richter sieben Ballverluste.

Dass Richter aktuell in fast jedem Spiel in der Luft hängt und sich immer mehr wieder in Frustaktionen verstrickt, ist nicht seine alleinige Schuld. Das Offensivspiel der Hertha ähnelte nämlich zu großen Teilen dem Derby am ersten Spieltag. Auch dort war die Offensive praktisch kein Teil des Teams. Damals lag das an denselben Gründen, wie plötzlich jetzt auch wieder. Fehlende spielerische Klasse. Zwischen Angriff und Mittelfeld fehlt ein Bindeglied. Eigentlich ein Teil der Basics, die man mittlerweile trainiert haben müsste.

Davie Selke und Marvin Plattenhardt: Alibi-Fußball unter Bundesliga-Niveau

Sie mögen sympathische Persönlichkeiten sein, aber fußballerisch sind sie in keiner Weise auf einem geeigneten Niveau, um Hertha BSC in der aktuellen Situation zu helfen. Das zeigte der Auftritt in Stuttgart einmal mehr. Beide hatten einen Auftritt, den man genauso schon etliche Male gesehen hat. Während Davie Selke manchmal an eine Art schreckliches Abbild von Cristiano Ronaldo erinnert, leider aber nicht im sportlichen Sinne, sondern im nörgelnden und lamentierenden Bereich, vergisst man in feiner Regelmäßigkeit, dass Marvin Plattenhardt überhaupt auf dem Platz steht.

Davie Selke hatte eine Kopfballchance nach 38 Minuten. Viel mehr steht nicht auf der Habenseite des Stürmers. Die meiste Zeit war er beschäftigt mit Scharmützeln mit Waldemar Anton, Konstantinos Mavropanos oder dem Schiedsrichtergespann. Nebenbei war er in seinen 61 Minuten Spielzeit noch 13 Mal im Ballbesitz und brachte immerhin vier von seinen sechs Pässen an den Mann. Er gewann vier seiner zehn Zweikämpfe, verlor aber dem gegenüberstehend auch fünf Bälle. Wie Marco Richter litt Davie Selke unter dem nicht vorhandenen Aufbauspiel. Kaum ein Ball kam in eine für ihn aussichtsreiche Position, genauso muss er aber auch an seinen Laufwegen arbeiten. Zu oft zieht es ihn eher Richtung Außenpositionen, wo er noch weniger Einfluss auf das Spiel hat und oftmals nicht einmal die Bälle ankommen.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Im Winter muss und wird Hertha in Person von Fredi Bobic sicherlich handeln. Möchte man den Gerüchten glauben, steht Selke ein halbes Jahr vor Vertragsende zum Verkauf. Sowohl für Hertha, als auch für ihn, wäre es eine sportliche Befreiung. Hertha braucht einen abschluss- und spielstarken Stürmer. Davie Selke schon lange nicht mehr und Wilfried Kanga noch nicht scheinen diese Rolle verkörpern zu können.

Sandro Schwarz dürfte eigentlich keine Argumente mehr auf seiner Seite haben, Marvin Plattenhardt weiterhin Chance um Chance als Linksverteidiger zu geben. Plattenhardt ist wie der Schüler, der bei den Lehrern noch immer einen Stein im Brett hat, weil er vor Jahren mal einer der Klassenbesten war. Ausgeruht auf alten Leistungen, hat er mehr oder weniger alle seine Stärken mittlerweile verloren. Und dabei war Marvin Plattenhardts Leistung gegen die Stuttgarter nicht einmal seine persönlich schlechteste in dieser Saison. Bis zum bitteren Ende war er auf dem Platz zu sehen, klärte zwei Aktionen, konnte zwei Tacklings für sich entscheiden und auch einen Ball abfangen. Aber das war es auch schon.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

14 Mal verlor der Kapitän den Ball und hatte enorme Probleme mit Stuttgarts pfeilschnellen Außenstürmer Silas. Nur drei seiner neun Zweikämpfe konnte er für sich entscheiden. Auf Sicherheitsbälle bedacht konnte er immerhin 18 seiner 22 Pässe bei den Mitspielern unterbringen. Als Kapitän und als Defensivspieler sowieso, sollte man zumindest kommunikativ auf der Höhe sein. Beim 0:1 nach nur drei Minuten war Plattenhardt in einem Raum auf dem Feld, der jenseits von Gut und Böse war. Seine Position auf der linken Seite hatte er schon lange verlassen, um wie eine Art Innenverteidiger in dieser Situation zu agieren. Stuttgarts Guirassy lief Marc-Oliver Kempf im Rücken und Marvin Plattenhardt allgemein davon und schloss eiskalt ab. Plattenhardt konnte aufgrund seiner Tempodefizite nichts ausrichten, gleichzeitig Kempf aber auch in keiner Weise kommunikativ instruieren. Es ist zum Verzweifeln. Auch auf dieser Position wäre ein Personalwechsel im Winter dringend von Nöten.

Agustin Rogel: Krasses Leistungstief zur Unzeit

Der Uruguayer hatte in den letzten Wochen durch seine rustikale, körperliche Spielweise auf sich aufmerksam gemacht und sich als Partner von Marc-Oliver Kempf in der Innenverteidigung etabliert. Doch in den letzten Wochen befindet sich auch Agustin Rogel in einem Formtief, welches nicht nur zur Unzeit kommt, sondern auch für viele gefährliche Situationen vor dem Tor der Hertha sorgt.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Abgefälschte Bälle, Querschläger und unnötige Eckbälle reihen sich in seinem Spiel immer mehr an. Er konnte keinen Zweikampf für sich entscheiden. Immerhin sorgte er mit sieben Klärungsaktionen öfter für Ruhe im Berliner Strafraum. 66 Mal war er am Ball, zehn Mal verlor er diesen. Auch er versuchte im lahmenden Aufbauspiel der Hertha Sicherheit auszustrahlen. Viel mehr als defensive Zuspiele gelangen ihm allerdings nicht. 49 seiner 59 Pässe kamen bei den Mitspielern an, offensiv hatte er keine nennenswerten Momente. Schwach wie seine gesamte Vorstellung war dann sein Zweikampfverhalten in der letzten Aktion, als er Mavropanos nicht am Kopfball hindern konnte. Die Schwächephase von Rogel passt leider zur Gesamtsituation. Aktuell gelingt es ihm nicht seinen massigen Körper einzusetzen und der Abwehr die nötige Stabilität zu geben. Vielleicht hilft ihm die Winterpause zu alter Stärke zurückzufinden, wobei auch seine WM-Ambitionen noch vorhanden sein dürften.

Chidera Ejuke: Mit dem Kopf durch die Wand

Ab der 61. Minute ersetzte der Nigerianer Marco Richter. Im Gegensatz zum ehemaligen deutschen Juniorennationalspieler konnte er zumindest für etwas Wind und Druck sorgen. Doch immer wieder fehlt Chidera Ejuke die Übersicht und es wirkt wie das berühmte Agieren mit dem Kopf durch die Wand. Exemplarisch dafür die 84. Minute, als er nach einem üblen Fehlpass von Stuttgarts Torhüter Müller in Abschlussposition kam. Nach einem Dribbling, dem es aber schon an Tempo fehlte und immer mehr in symbolischer Kopflosigkeit mündete, ging sein Schuss aus zentraler und aussichtsreicher Position über das Tor.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Ihm fehlt nicht nur die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, sondern auch der Blick für seine Mitspieler. Nicht nur Wilfried Kanga wäre in diesem Moment in einer besseren Abschlussposition gewesen. Es sollte das einzige erfolgreiche Dribbling Ejukes bleiben. Insgesamt versuchte er sich an vier Stück. Die weiteren drei verpufften wirkungslos. 19 Ballaktionen stehen zudem sechs Ballverluste gegenüber. Trotz fehlender Übersicht könnte er vielleicht sogar wieder ein wenig vor Richter stehen. Allerdings ist auch diese Form des Konkurrenzkampfes auf erschreckend niedrigem Niveau.

Willkommen im Abstiegskampf

Wer die Situation noch nicht verstanden hat, der ist wohl fehl am Platz. Hertha steckt im tiefen Abstiegskampf, die Konkurrenz punktet und eigene Punkte sammelt man vergeblich. Das Spiel gegen die Stuttgarter ähnelte in vielerlei Hinsicht dem Spiel gegen den FC Schalke 04, als man mit Glück noch drei Punkte sammeln konnte. Nun fehlte Hertha das Glück und wie schon in Bremen kassiert man einen späten Nackenschlag. All das hat nichts mit Glück und Pech zu tun. Es ist die eiskalte und harte Realität, dass auch dieser Kader nicht das Niveau hat, um mehr als die aktuelle Platzierung zu ermöglichen. Diese Saison wird lang und endet schmerzhaft, wenn sich die Beteiligten und Verantwortlichen nicht im Winter ernsthaft zusammensetzen und ehrlich ihre Arbeit bewerten.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Sandro Schwarz muss erklären, was er mit seinen verschiedenen Systemen bewirken möchte, weshalb Marvin Plattenhardt Kapitän und Stammspieler ist, Fredi Bobic muss seine Transferpolitik einmal mehr hinterfragen und Spieler wie Davie Selke, sollten sich Gedanken machen, inwiefern man dem Team helfen kann. Es wird ein stürmischer Winter und eine brutale Saison, wenn sich nicht ganz schnell etwas bewegt. Ein Spiel vor der WM steht noch an. Müde und überspielte Kölner. Eigentlich auch ein Pflichtsieg, wenn man konkurrenzfähig bleiben möchte.

(Titelbild: Alex Grimm/Getty Images)

Herthaner im Fokus: Routine schlägt Kampfgeist

Herthaner im Fokus: Routine schlägt Kampfgeist

Ein ausverkauftes Berliner Olympiastadion, eine weitere ansprechende Leistung der Hertha und am Ende steht eine Niederlage gegen den FC Bayern München fest. Höhepunkte der Veranstaltung sollten definitiv die zahlreichen Banner gegen die WM in Katar sein, die in beiden Fanlagern präsentiert wurden. Auf dem Rasen fand ein Spiel statt, welches zwei sehr verschiedene Halbzeiten zu bieten hatte. Während nach 45 Minuten und einer wilden ersten Halbzeit bereits der 2:3-Endstand auf der Anzeigetafel zu sehen war, war die zweite Hälfte bis auf einer kurzen Druckphase der Bayern durch solide Abwehrleistungen geprägt. Und die Gründe für die Niederlage waren insbesondere in der Topform und eiskalten Spielweise verschiedener Bayern-Spieler, wie Jamal Musiala oder Eric-Maxim Choupo-Moting zu finden. Und leider auch darin, dass Herthas Verteidigung in manch einem Moment überfordert und unaufmerksam war.

Schwarz setzt erstmals auf ein 4-4-2

Gegen den Rekordmeister stellte Sandro Schwarz seine Mannschaft in einem 4-4-2-System auf. Personell musste er verletzungs- bzw. gesundheitsbedingt zweimal wechseln. Jean-Paul Boetius ersetzte den in Bremen verletzt ausgewechselten Stevan Jovetic, Davie Selke den unter der Woche an Magen-Darm erkrankten Wilfried Kanga im Sturm. Dort wurde Selke von Dodi Lukebakio unterstützt, der von den Außen in die Mitte gewechselt ist. Boetius nahm zunächst die Position des linken Außenspielers dafür ein. Auf der rechten Seite agierte dafür Marco Richter. Im zentralen Mittelfeld war die übliche Achse, bestehend aus Lucas Tousart und Suat Serdar, zu finden. In der Verteidigung sollte sich wieder nichts verändern. Links Kapitän Marvin Plattenhardt, in der Innenverteidigung Marc-Oliver Kempf, Agustin Rogel und Jonjoe Kenny. Im Tor stand Oliver Christensen.

In unserer heutigen Analyse schauen wir auf die Offensivakteure, jemanden, der zum Leistungsträger herangewachsen ist und die Einwechslungen.

Dodi Lukebakio: Gegen Bayern gefährlich wie immer

Eigentlich sind alle Lobeshymnen über Dodi Lukebakio gesungen. Er ist in dieser Saison einfach einer der besten Spieler von Hertha BSC. Der Belgier wächst immer mehr zum Führungsspieler heran, was auch seine Ansprache ans Team vor dem Spiel zeigte. Und wie üblich gegen die Bayern, war er auch vor dem Tor gefährlich. Die kleine Umstellung von den Außen in die Sturmzentrale sollte sich auszahlen. Schon nach vier Minuten und einem siegreichen Laufduell gegen Dayot Upamecano zwang er Manuel Neuer zu seiner ersten Parade. Seinem Schuss auf die obere Torecke fehlte aber die nötige Kraft, um den wiedergenesenen deutschen Nationaltorhüter wirklich vor Probleme zu stellen. In der 40. Minute konnte er seine Mühe und seinen Einsatz vergolden. Nach einer Flanke von Richter ließ er Neuer per Direktabnahme keine Chance. Das 1:3 weckte Hertha kurz vor der Pause nochmal auf.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Insgesamt war Lukebakio 38 Mal am Ball, spielte 71 Prozent erfolgreiche Pässe, gewann 50 Prozent seiner Zweikämpfe und vollzog drei von vier Dribblings erfolgreich. Insgesamt wirklich starke Statistiken für einen Stürmer. Hinzu kommen drei Torschüsse, er bereitete einen weiteren vor, aber er hatte auch 12 Ballverluste, die man allerdings wohl gegen die Bayern mit einberechnen muss. In der zweiten Halbzeit konnte aber auch er kaum noch nennenswerte Akzente in der Offensive setzen. Dodi Lukebakios Form ist enorm wichtig für das Team. Er ist der beste Offensivspieler, Toptorjäger und der einzige, der regelmäßig zählbare Leistung liefern kann. In Herthas Situation Gold wert, aber leider zu wenig, wenn seine Mitspieler nicht ähnliches liefern können.

Jonjoe Kenny: Zum Leistungsträger herangewachsen

Einer, der nicht in der Offensive zu sehen ist, aber ebenfalls mittlerweile oft mit starken Leistungen glänzen kann, ist Rechtsverteidiger Jonjoe Kenny. Der Engländer brauchte einige Spiele, um im Team anzukommen, doch mittlerweile ist er kaum noch wegzudenken. Neben Oliver Christensen, ist er der einzige Herthaner, der noch keine Minute in dieser Saison verpasst hat. Und auch gegen die Bayern zeigte er eine absolut ansprechende Leistung. Ganz nebenbei waren mit Sadio Mané und Kingsley Coman zwei absolute Weltstars seine direkten Gegenspieler.

(Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Er war 42 Mal am Ball, spielte 60 Prozent erfolgreiche Pässe und konnte solide 71 Prozent Zweikämpfe für sich entscheiden. In der Verteidigung hatte er gegen die stürmenden Bayern allerhand zu tun. Sechsmal klärte er den Ball aus dem Strafraum, blockte zwei Schüsse, lief drei Bälle ab und entschied fünf Tacklings für sich. Stolze Zahlen für den Dauerbrenner. Jonjoe Kenny ist sicherlich kein Spieler für die Galerie, doch er hat Herthas Dienstältesten Fußballer, Peter Pekarik, auf dieser Position endlich ersetzen können. Wahrscheinlich auch weil er dem Slowaken eben manchmal recht ähnlich ist.

Davie Selke: Deutscher Choupo-Moting… oder andersrum?

Aus Davie Selke wird in diesem Leben wohl kein eiskalter Vollstrecker vor dem Tor mehr. Zumindest nicht im Hertha-Trikot. Etwas, was man vor wenigen Wochen auch über Eric-Maxim Choupo-Moting dachte, bis der auf einmal in die Form seines Lebens kam und mittlerweile beim FC Bayern für etliche Tore sorgt. These: Würden Choupo-Moting und Selke die Teams wechseln, würde auch Selke eine Statistik wie der Kameruner vorweisen können. Im Endeffekt liegt es dann doch zu großen Teilen an den Mitspielern und am Kopf. Die beiden Tore, die Choupo-Moting Hertha einschenkte, hätte Selke nicht schöner veredeln können. Luftloch schießen und im Fallen mit dem Standbein den Ball ins Tor drücken – eben eine hohe Kunst besonderer Stürmer …

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(Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Davie Selke war gegen die Münchner 64 Minuten lang auf dem Platz, eher er Wilfried Kanga Platz machen musste. Und wie immer war er bemüht, umtriebig und war hochmotiviert. Nach elf Minuten hatte er seine erste von drei Möglichkeiten vor dem Tor. Die Hereingabe von Marvin Plattenhardt konnte er aber nicht mit dem nötigen Druck auf Neuers Tor bringen. Keine Gefahr im Endeffekt. 30 Mal war Selke am Ball, spielte elf von siebzehn Pässen erfolgreich, gewann die Hälfte seiner Zweikämpfe und holte kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit den Elfmeter raus, als ihm Benjamin Pavard auf den Fuß stieg. Den Elfmeter verwandelte er selbst sicher. Der Anschlus war hergestellt.

Auch wenn die Statistiken von Selke keinesfalls schlecht sind, so fehlt ihm doch einiges, um ein wirklich entscheidender Faktor im Spiel der Hertha zu sein. Zu oft fehlt ihm das nötige Gefühl in der Ballbehandlung, wie in der 27. Minute, als es ihm nicht gelang den Ball in extrem aussichtsreicher Position zu kontrollieren. Die unfreiwillige Abgabe war immerhin die Vorlage einer guten Chance Marco Richters. Glück hatte Selke zusätzlich in der 16. Minute, als sein rüdes Foul gegen Upamecano eigentlich mit gelb hätte bestraft werden müssen. Der Stürmer war wie immer bemüht, konnte dank des Elfmeters Zählbares produzieren, insgesamt aber zu harmlos.

Marco Richter: Gut begonnen, stark nachgelassen

Marco Richter war wie immer sehr motiviert und glücklicherweise trotz Schwierigkeiten auf dem Platz nicht so schnell frustriert, wie häufiger in manchen Spielen in der Vergangenheit. In der 27. Minute hatte Richter schlichtweg Pech, es mit einem der besten Torhüter der Welt zu tun zu haben. Seinen wirklich sehenswerten Schlenzer aus der Drehung auf das linke, obere Toreck, hielt Manuel Neuer mit einer absoluten Glanzparade. Nicht viele Bundesligatorhüter sind in der Lage, solch einen Ball noch aus der Ecke zu fischen. In den meisten Spielen hätte Hertha hier wohl ein Tor feiern können. In der 40. Minute konnte er sich mit seinem Assist in die Statistiken eintragen. Seine Flanke von der rechten Seite war wohlgetimt, um Lukebakio den perfekten Torabschluss zu ermöglichen.

(Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Gegen die Bayern war Richter 78 Minuten dabei, ehe er von Myziane Maolida ersetzt wurde. Die Verteidigung machte es ihm durchgehend schwer sich zu entfalten. 28 Mal war er am Ball, spielte acht von vierzehn Pässen erfolgreich, konnte aber nur drei von zehn Zweikämpfen für sich entscheiden. Zudem kommen zwölf Ballverluste. Insbesondere ab der zweiten Halbzeit konnte er kaum noch Einfluss auf das Offensivspiel der Hertha nehmen. Insgesamt hat Richter aktuell im Zweikampf um den Startelfplatz gegen Chidera Ejuke leicht die Nase vorn.

Die Wechsel verpuffen ohne nennenswerten Einfluss auf das Spiel

Und da sind wir bei einem Problem, was sich seit einigen Spielen bei Hertha durchzieht. Die Einwechslungen bringen aktuell kaum Zählbares zustande. Sie ordnen sich nahezu unsichtbar ins Spiel der Berliner ein, ohne Frische ins Team zu bringen oder einen gewissen Einfluss zu haben. Auch ein Grund, weshalb Richter ohne Probleme vor Ejuke in der Hierarchie stehen kann. Der Nigerianer hat natürlich ein bestechendes Tempo, aber seine Fehler in der Entscheidungsfindung auf dem Platz lassen einfach keine hilfreichen Aktionen zu. Pässe spielt er zu spät oder gar nicht, mal einen Torschussversuch abgeben, sucht man bei ihm ebenso vergeblich. Ejuke ist seit Wochen außer Form und schafft es Richter nicht zu ersetzen.

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Myziane Maolidas Vorstellung gegen Bayern war kläglich. Eingewechselt in der 78. Minute sollte er nochmal Offensivschwung bringen, herausgekommen ist rein gar nichts. Er war sieben Mal am Ball, davon verlor er ihn sechsmal. Keiner seiner drei Pässe kam beim Mitspieler an, nicht einmal aus kürzester Entfernung. Myziane Maolida fehlt Spielpraxis, ist aber kaum als Teil des Teams zu erkennen und sehr weit von Bundesliganiveau entfernt.

Wilfried Kanga und Kevin-Prince Boateng bemühten sich, konnten aber auch nichts in der Offensive ausrichten. Kanga wurde von Bayerns Abwehr kaltgestellt, lag in der Luft und brachte keinen Schuss oder auch nur Versuch auf das Tor von Neuer. Für Boateng ist das Spiel gegen die Bayern schlichtweg zu schnell gewesen, er ist nicht mehr in der Lage auf solch einem hohen Niveau noch mitzuhalten und dann auch noch klare Akzente zu setzen.

Maximilian Mittelstädt kam schon nach 65 Minuten für Marvin Plattenhardt. Auch wenn er keinen großen Einfluss auf das Spiel hatte, wurde in diesen Minuten schnell wieder deutlich, dass er einfach der bessere Linksverteidiger im Kader ist. Plattenhardt sah blass aus, allerdings konnten auch nicht Marc-Oliver Kempf und vor allem nicht Agustin Rogel überzeugen. Gerade Rogel hatte unglückliche Aktionen bei den Gegentoren.

Viel Lob bringt keine Punkte

Ja, eine Niederlage gegen die Bayern ist okay. Gegen den Rekordmeister zu punkten kann man nicht verlangen und schon gar nicht einplanen. Und Hertha gelang es wie gegen Leipzig nach einem deutlichen Rückstand das Spiel nochmal spannend zu machen, eine Qualität der Mannschaft. Aber am Ende sind nicht die Punkte, die man gegen Leipzig oder Bayern abgeben musste, das Problem. Da werden fehlende Punkte gegen Bremen, Hoffenheim oder Mainz zu einem Problem. Hertha steht nach 13 Spieltagen mit elf Punkten auf Platz 15. Zwei Siegen, stehen fünf Remis und sechs Niederlagen gegenüber. Das ist zu wenig, um von einer guten Bundesligasaison zu sprechen. Es hilft nichts, sich an immer den gleichen Lobeshymnen festzuhalten. Gute Spiele bedeuten nicht gleich Punkte und da ist letztendlich auch jede xGoals-Statistik unwichtig. Die Restsaison wird unglaublich hart, wenn man nicht gegen Stuttgart oder Köln einen Sieg, eigentlich zwei Siege, einfährt. In einer Woche wissen wir mehr.

(Titelbild: Maja Hitij/Getty Images)

Herthaner im Fokus: Ernüchterung in Bremen

Herthaner im Fokus: Ernüchterung in Bremen

Nach der Party folgt der Kater. So auch geschehen am Freitag bei Hertha BSC. Nachdem die „Alte Dame“ einige Tage zuvor noch im Olympiastadion den FC Schalke 04 niederringen konnte, die Stimmung im und um den Verein wohl kaum besser sein konnte, folgte am Freitag in Bremen die große Ernüchterung. Ein Spiel, ähnlich wie gegen Gelsenkirchen, was auch ein Remis verdient gehabt hätte. Doch es sollte das Gegenteil zum späten Sieg in Berlin eintreffen. Gegen die Bremer kassierte man kurz vor Schluss das entscheidende Gegentor durch Niclas Füllkrug. Immerhin sollten die Mannschaft in Bremen über 4000 mitgereiste Hertha-Fans unterstützen. Und das nicht ohne Probleme beim Einlass.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Sandro Schwarz wechselt einmal

Im Vergleich zum Schalke-Spiel entschied sich Trainer Sandro Schwarz lediglich für einen Wechsel in der Startelf. Chidera Ejuke machte auf der linken Außenbahn Platz für Marco Richter. Ein Wechsel, den Schwarz bereits zur Halbzeit im vorangegangenen Spiel vollzogen hatte. Das 4-2-3-1-System blieb bestehen. Ansonsten vertraute Schwarz auf sein mittlerweile eingespieltes Defensivgerüst. Im Tor Oliver Christensen, die Verteidigung bildeten Kapitän Marvin Plattenhardt, Marc-Oliver Kempf, Agustin Rogel und Jonjoe Kenny. Im zentralen Mittelfeld agierten Suat Serdar und Lucas Tousart. Auf der rechten Seite spielte Dodi Lukebakio und den Sturm bildeten Stevan Jovetic als hängende Spitze, mit Kontakt zum Mittelfeld und Wilfried Kanga als klarer Neuner.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

In unserer heutigen Analyse schauen wir auf einen Fels in der Brandung, ein belebendes Element im Mittelfeld und die zahlreichen Sorgenkinder der Mannschaft. Manch einer ist schon bekannt, andere drohen es zu werden.

Agustin Rogel: Der Fels in der Brandung

Eigentlich kaum zu glauben, dass ausgerechnet Niclas Füllkrug in der 85. Minute der Lucky Punch gelingen sollte. Doch Tüchtigkeit ist des Bremer Glücks und das ist in dieser Saison bei den Werderanern gerade in den Schlussminuten in großer Zahl vorhanden. Der Stürmer hatte während des gesamten Spiels enorme Schwierigkeiten überhaupt richtig teilhaben zu können. Agustin Rogel machte ihn das Leben enorm schwer. Am Ende gewann Füllkrug nur 27 Prozent seiner Zweikämpfe. Rogel konnte bei der Aktion vor dem Gegentor leider herzlich wenig ausrichten.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Insgesamt war der Uruguayer 43 Mal am Ball und verteilte diesen fleißig, wie auch zuletzt in seinem Spiel. 78 Prozent seiner Pässe kamen beim Mitspieler an, auch wieder dank seines sicheren und ruhigen Aufbauspiels mit Marc-Oliver Kempf. Zu seinen 30 erfolgreichen Pässen, gesellen sich noch sechs von zehn erfolgreiche lange Bälle, auch er hatte einen gewissen Anteil beim Antrieb der Offensive. Seine eigene Zweikampfquote von nur 40 Prozent siegreicher Aktionen lässt sich zwar nicht unbedingt sehen, doch sein Stellungspiel und seine allgemeine körperliche Robustheit machten es der Bremer Offensive allgemein sehr schwer. Rogel begeistert, auch wenn er immer wieder sehr stark ins Risiko geht, gerne mal den ein oder anderen Ball gefährlich abfälscht und noch nicht alles funktioniert. Aber erinnern wir uns an die Anfangszeit in Berlin von Kempf, der dieselben Attribute verkörperte und mittlerweile der Abwehrchef ist. Agustin Rogel ist auf dem besten Wege es ihm gleich zu tun.

Jean-Paul Boetius: Ein belebendes Element

Nicht nur ein gebrauchter Tag für Hertha, auch einer für Stevan Jovetic. Der Montenegriner musste nach 32 Minuten verletzungsbedingt das Spielfeld verlassen. Hoffen wir, dass er schnell fit wird. Sein Ersatz, Jean-Paul Boetius, durfte nach seiner Rückkehr seinen zweiten Einsatz feiern. Und direkt über eine Stunde lang. Und er wusste mit guten Leistungen aufzufallen. Als belebendes Element hielt er die Zügel des Hertha-Spiels im offensiven Mittelefeld. 41 Mal war der Niederländer am Ball und sammelte starke Statistiken. 21 von 25 Pässen kamen erfolgreich bei seinen Mitspielern an, 77 Prozent seiner Zweikämpfe entschied er für sich. Eine tolle Quote für einen Offensivspieler.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Voll mit frischem Selbstbewusstsein setzte er zu drei Dribblings an, von denen er zwei erfolgreich beendete. Immer wieder versuchte er seine Mitspieler in Szene zu setzen. Zwei Torschüsse bereitete er vor. Einen davon in der 79. Minute. Doch Ejuke schloss die vielversprechende Möglichkeit überhastet ab. Seine Gefahr für die Bremer Defensive zeigt sich auch in weiteren Zahlen. Am Ende des Spiels wurde Boetius fünfmal gefoult. Insgesamt ist Boetius ein Spieler, der das Offensiv- und Kreativspiel der Hertha ordentlich ankurbeln kann. Für die nächsten Spiele könnte er auf jeden Fall zu einen Kandidaten für die Startelf werden.

Marvin Plattenhardt: Eine Pause täte ihm gut

Eines vorweg: Unsere Kritik an Marvin Plattenhardt, die wir leider mittlerweile fast wöchentlich äußern, gilt ausschließlich dem Fußballer Marvin Plattenhardt und dessen Leistungen als Kapitän und Linksverteidiger von Hertha BSC. Unsere Kritik ist niemals persönlich zu werten. Bekanntlich ist Platte privat ein sehr sympathischer Typ, wenn man sich beispielsweise Interviews auf Hertha TV anschaut. Aber aktuell ist die Position Plattenhardts eine der problematischsten im Kader von Hertha BSC.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Marvin Plattenhardt ist seit Wochen vollkommen außer Form und bringt der Mannschaft kaum Verstärkung. Ihm gelingt es nicht offensiv auf das Spiel einzuwirken und auch defensiv brennt es auf der linken Seite von Hertha immer wieder lichterloh. 63 Mal war der Kapitän im Ballbesitz, spielte 21 erfolgreiche Pässe, am Ende nur 57 Prozent. Wieder alarmierend war die Zahl seiner Ballverluste. 22 Stück waren es wieder. Defensiv konnte er immerhin mit vier Klärungsaktionen glänzen, doch es gibt zu große Spielabschnitte, in denen der 30-Jährige vollkommen untergeht. Ihm zugestehen muss man, dass es im Team allgemein auf der linken Seite krankt. Auch Chidera Ejuke und Marco Richter suchen nach ihrer Form, während Jonjoe Kenny und Dodi Lukebakio mittlerweile ein eingespieltes Team auf der rechten Seite sind, die auch mit Leistung vorangehen. Mittlerweile schafft es Plattenhardt in keiner Weise mehr, seine Stärken ins Spiel einfließen zu lassen. Praktisch keine seiner Flanken bringt ernsthafte Gefahr oder stellt die gegnerische Abwehr wirklich vor Probleme. Insbesondere in der ersten Halbzeit wurde jeder seiner Versuche mühelos geklärt.

Marvin Plattenhardt täte etwas Ruhe gut. Eine Pause, weniger Verantwortung, die ihn aufzufressen scheint. Weiterhin gibt es mit Maximilian Mittelstädt einen bundesligatauglichen Linksverteidiger im Team. Umso dramatischer, dass in den letzten Tagen Gerüchte um einen möglichen Mittelstädt-Abgang im Winter aufgekommen sind.

Marco Richter und Chidera Ejuke: Überspielt und übermotiviert

Mit Marco Richter und Chidera Ejuke hat Hertha BSC zwei Offensivakteure auf der linken Seite, die eigentlich mit enormen Talent ausgestattet sind, dieses aber aktuell kaum ummünzen können, in brauchbare Leistungen. Die beiden wirken zunehmen überspielt und in gewisser Weise auch übermotiviert. Ihre Aktionen wirken meist überhastet und bringen dem Team kaum Mehrwert. Während Richter noch eine recht passable erste Halbzeit spielte und sich immer wieder in der Offensive einschalten konnte, baute er in der zweiten Hälfte des Spiels schnell und deutlich ab. Er versuchte sich mit zwei Abschlüssen selbst. Direkt in der 2. Minute landete ein Schuss von ihm am Außennetz.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Auch ein Beispiel für den überhasteten Abschluss und das fehlende Auge für die Situation. Immerhin konnte Richter in seinen 72 Minuten 14 von 15 erfolgreiche Pässe spielen, doch für viel Gefahr sorgten seine Zuspiele nicht. Er gewann nur drei seiner acht Zweikämpfe. Am Ende musste er Chidera Ejuke Platz machen, der ebenfalls seit einigen Spielen außer Form ist. Nach 12 Spieltagen muss man generell konstatieren, dass der statistische Einfluss Ejukes auf das Spiel der Mannschaft zu wünschen übrig lässt. Lediglich drei Vorlagen gelangen dem Nigerianer in 12 Einsätzen. Sein Tempo ist seine große Stärke, doch zu oft fehlt ihm das Auge für die Mitspieler. Gegen Bremen war er 14 Mal am Ball, verlor diesen aber auch vier Mal wieder.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Ein erfolgreiches Dribbling konnte er für sich verzeichnen, ein weiteres misslang. Seine große Chance nach 79 Minuten zeigte, wie überspielt er ist und wie wenig Ruhe aktuell in ihm steckt. Marco Richter und Chidera Ejuke tun sich aktuell extrem schwer und sind ein Symptom von Herthas Inkonstanz in den letzten Wochen. Die Folge ist, dass Herthas Offensivspiel zu berechenbar ist und schließlich kann auch nicht jeder Angriff über Dodi Lukebakio laufen.

Wilfried Kanga und Davie Selke: Das Stürmerproblem

Weitere Sorgenkinder sind Wilfried Kanga und Davie Selke. Hertha droht ein Stürmerproblem, sollten nicht schnellstmöglich die Knoten der beiden endgültig platzen. Auf das erste Tor Kangas gegen Schalke folgte eine extrem dünne Vorstellung in Bremen. Seine Bemühungen kann man ihm nicht absprechen, doch sein Einfluss auf das Spiel der Hertha ist verschwindend gering, sobald er es mit einer einigermaßen eingespielten Verteidigung zu tun bekommt.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

In seinen 72 Minuten Spielzeit gewann der Ivorer nur einen seiner neun Zweikämpfe, verlor fünf Mal den Ball in teilweise aussichtsreichen Positionen und konnte auch durch individuelle Dribblings nichts ausrichten. Seine größte und einzige Möglichkeit hatte er in der 49. Minute, als er am Tor vorbeischoss.

Dass aus Davie Selke kein eiskalter Torjäger mehr wird, damit haben sich die Berliner mittlerweile abgefunden. Doch auch als Joker bringt Selke praktisch nichts mehr mit, was dem Offensivspiel guttut.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Er konnte sich in seinen knapp 20 Minuten Spielzeit nicht eine einzige Torchance erarbeiten, genauso wenig konnte er seine Mitspieler in Szene setzen. Ballverluste, Sicherheitspässe und viele Alibiläufe, das ist Davie Selke. Die Geduld der Verantwortlichen in Berlin dürfte am Ende sein. Zumindest empfiehlt sich Selke in keiner Weise mit Leistung für einen neuen Vertrag.

Die Lage ist brandgefährlich

Das positivste im Verein ist die Stimmung. Die Ruhe, das Verhältnis zwischen Verein und Fans und dass es weiterhin keinen üblen Zerfall der Mannschaft gibt, bei Gegentoren. Doch die Lage ist brandgefährlich und auch Sandro Schwarz und Fredi Bobic müssen sich Kritik stellen.

(Photo by Cathrin Mueller/Getty Images)

Wie letztes Jahr steht Hertha auf dem 14. Platz in der Tabelle. Letztes Jahr hatte man sogar zwei Punkte mehr auf dem Konto, das Torverhältnis war allerdings um einiges schlechter. Zusätzlich gab es vergleichbare Spiele, die in letzter Minute verspielt wurden oder Siege gegen direkte Konkurrenten im Keller. Ein Spiel später wurde Pal Dardai übrigens entlassen und Tayfun Korkut kam. Nach 15 Spieltagen (dieses Jahr der Break vor der WM) hatte Hertha 18 Punkte auf dem Konto. Eine Statistik, die schwer zu erreichen ist in diesem Jahr.

Und auch wenn die Stimmung anders, ja wesentlich besser ist, sollte man sich davon in keiner Weise blenden lassen. Hertha ist im tiefen Abstiegskampf und wird dort, wenn man keine Siegesserie starten kann, bis zum Ende der Saison bleiben. So lange alle im und um den Verein aber zusammenhalten und alles daran setzen, das Ziel Klassenerhalt zu erreichen und in dieser brenzligen Situation wach bleiben und nichts über- oder unterschätzen, ist die Saison händelbarer als die letzte.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

 

Herthaner im Fokus: Ein verdienter Punktgewinn

Herthaner im Fokus: Ein verdienter Punktgewinn

Dass Hertha-Präsident Kay Bernstein nicht wie er ursprünglich angekündigt hatte, bei unter 50.000 Zuschauern und Zuschauerinnen gegen Leverkusen wieder nach Hause gehen würde, war im Endeffekt sein Glück! Sicherlich, die Aussage war spaßig gemeint. Glücklicherweise, denn gegen die Werkself traten nur 40.643 Fans den Weg ins Berliner Olympiastadion an. Aber die sorgten nicht nur für eine grandiose Stimmung auf den Rängen, sie konnten vor allem ein starkes Bundesligaspiel der Hertha beobachten. Und auch der Präsident genoss die Stimmung.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Nachdem die erste Halbzeit ein rassiges Duell mit zahlreichen Torchancen auf beiden Seiten war, aber torlos endete, sorgten die Leverkusener in Person von Kerem Demirbay per Freistoß, Suat Serdar nach tollem Spielzug und  Marco Richter per Traumtor für Hertha und am Ende wieder Patrick Schick für Leverkusen, in der zweiten Halbzeit für die Tore. Dass das Spiel nur 2:2 endete, war vor allem deshalb diskussionswürdig, weil in den Schlussminuten Hertha BSC ein durchaus verdienter Handelfmeter verwehrt blieb, der die Gemüter tief erregte.

Sandro Schwarz baut eine Hertha-Achse

Auffallend war, dass Trainer Sandro Schwarz im Vergleich zum Augsburg-Spiel nicht viel änderte. Getreu dem alten Rehhagel-Motto „Never change a winning team“, sollte die Startelf sogar gänzlich gleich bleiben. Auch das 4-3-3-System blieb dementsprechend.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Im Tor stand Oliver Christensen, die Verteidigung bestand aus Kapitän und Linksverteidiger Marvin Plattenhardt, Marc-Oliver Kempf und Filip Uremovic in der Innenverteidigung und auf der rechten Seite Jonjoe Kenny. Davor agierten im zentralen Mittelfeld Ivan Sunjic, Suat Serdar und Lucas Tousart. Offensiv wechselten sich in der Spitze und auf den Außen Chidera Ejuke, Wilfried Kanga und Dodi Lukebakio ab. Einzig auf der Bank sollte der wiedergenesene Kevin-Prince Boateng Maximilian Mittelstädt verdrängen. Der Linksverteidiger war damit nicht einmal im Kader. Sandro Schwarz ist dabei eine feste Achse zu bauen. Das sieht man auch an den Wechseloptionen, die er tätigt. Immer mehr kristallisiert sich eine Stammelf und deren Vertreter heraus. Etwas, was man in Berlin lange vermissen musste.

In unserer heutigen Analyse schauen wir auf den immer sicherer werdenden Torhüter, eine Transformation zum endgültigen Abwehrchef, die Flexibilität in der Offensive und Lerneffekte.

Oliver Christensen: Ein immer sicherer Rückhalt

Bei Oliver Christensen lautet die Devise in gewisser Weise „Learning by doing“. Der Däne steigert sich mittlerweile von Spiel zu Spiel. Leistete er sich in den ersten Spielen noch einige Unsicherheiten, kann er sich mittlerweile auszeichnen und seinem Team wichtige Punkte retten. Christensen entwickelt sich aktuell zu einem der besseren Torhüter der Liga und insbesondere zu einem modernen und mitspielenden Keeper, was sich auch an Zahlen belegen lässt. Er besitzt den Mut, den Strafraum in brenzligen Situationen zu verlassen und Bälle zu klären, bevor sie überhaupt erst richtig gefährlich werden. Insgesamt war er 55 Mal am Ball. Regelmäßig wird er ins Aufbauspiel eingebunden, verteilt Bälle an seine Mitspieler – immerhin kamen dabei 31 seiner 45 Pässe an. Genauso versucht er es gerne auf direktem Weg die Offensive in Szene zu setzen. Denn auch an langen Bällen probiert sich der 23-Jährige. 16 seiner 23 Versuche fanden den Mitspieler. Zusätzlich brillierte er auch in den klassischen Torwartdisziplinen.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Während seine Strafraumbeherrschung immer besser wird, wurde er gegen Leverkusen zu drei Paraden gezwungen. Schon in der 11. Minuten reagierte er hervorragend nach Schicks Kopfballversuch aus wenigen Metern Entfernung. In der 26. Minute scheiterte Adam Hlozek mit einem Schuss am Schlussmann. Auch Torschütze Kerem Demirbay scheiterte zuvor am Torhüter. An den Gegentoren von eben jenem Demirbay und Schick konnte Christensen letztendlich herzlich wenig ausrichten. Insgesamt wächst in Berlin gerade ein hervorragender Torhüter heran. Wahrscheinlich sogar einer der Besseren in den letzten Jahren.

Marc-Oliver Kempf: Endgültig der Hertha-Abwehrchef

Eins kann der Innenverteidiger hervorragend: Blocken. Marc-Oliver Kempf blockt im Durchschnitt pro Spiel 1,8 Bälle – die meisten aller Bundesliga-Spieler. Eine Statistik, die sein Spiel wunderbar beschreibt. Die Spielweise des 27-Jährigen ist zwar hochriskant, aber oftmals die letzte und spektakulärste Rettung des Teams. Symptomatisch dafür seine Grätsche in der Nachspielzeit, mit der er Patrick Schicks Versuch klären konnte. Es war eine der letzten Aktionen des Spiels, das letzte bisschen an Kraftreserven pumpte Kempf aus sich raus, um den möglichen späten Gegentreffer zu verhindern. Insgesamt machte er seine Arbeit solide. Mit 63 Ballberührungen war er extrem aktiv. Er bot sich an, leistete viel Arbeit im Spielaufbau, brachte 43 seiner 57 Pässe, also 75 Prozent, bei seinen Mitspielern unter und konnte 67 Prozent seiner Zweikämpfe, also sechs von neun Aktionen, für sich entscheiden. Auch er versucht sich immer wieder an langen Bällen. Er spielte 13 Stück, sieben fanden ihr Ziel.

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Insgesamt leistete er sich allerdings auch auf Grund seines gefährlichen Spiels 16 Ballverluste.  Auch sein Stellungsspiel lässt oft zu wünschen übrig. Bei Schicks Kopfball in der 11. Minute war er nicht dicht genug am Mann. Bei Leverkusens Versuch in der 63. Minute war er zu weit vom Geschehen entfernt, als wieder Schick die Chance aufs Tor hatte. Beim Gegentreffer zum 2:2 wirkte er zu passiv und konnte weder Serdar Azmoun noch Schick verteidigen. Dennoch, die Ausstrahlung Kempfs gefällt, er ist aktiv, kommunikativ, steigerte im Vergleich zum Saisonbeginn seine Leistungen und zahlt das Vertrauen aktuell zurück. Gerade weil die Hierarchie mit den Abgängen von Niklas Stark, Jordan Torunarigha und Dedryck Boyata in der Verteidigung komplett aufgebrochen wurde, ist es immens wichtig, dass er die Rolle des Abwehrchefs hervorragend ausfüllt.

Suat Serdar: Geniale Momente – Aber nur in der Spitze

Jemand, der in dieser Saison die Rolle des Mittelfeldmotors noch nicht ideal ausfüllen konnte, ist Suat Serdar. Gegen Leverkusen spielte er zwar ein besseres Spiel als zuletzt, doch oft bleibt er unter seinen Möglichkeiten. Seinen goldenen Moment wollte er am liebsten schon nach 47 Minuten haben. Einen abgefälschten Schuss von Chidera Ejuke staubte er aus kurzer Distanz ins Tor ab. Zurecht wurde der Treffer wegen Abseits aberkannt. Auf seinen dann auch wirklich zählbaren goldenen Moment musste er noch neun Minuten warten. Den Leverkusener Führungstreffer von Kerem Demirbay egalisierte er nach feiner und schneller Kombination von Wilfried Kanga und Chidera Ejuke mit einem platzierten Schuss ins linke untere Toreck.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Der 25-Jährige war in seinen 67 Minuten umtriebig, war an 40 Aktionen beteiligt und konnte 17 seiner 21 Pässe bei seinen Mitspielern unterbringen. Zusätzlich lieferte er drei lange Bälle. Seine Zweikampfwerte ließen zu wünschen übrig. Nur fünf seiner 13 Zweikämpfe gewann er. Suat Serdar verfiel auch gegen Leverkusen oft in Verhaltensweisen und Spielzüge aus den letzten Spielen. Zu oft lieferte er sich Dribblings, die keinen Wert hatten. Seine gelbe Karte, die er nach einem Foul an Charles Aranguiz erhielt, war gerechtfertigt. Schwarz erkannte den Konzentrationsverlust und entschied sich zum richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel und brachte Jean-Paul Boetius. Suat Serdar kann Spaß machen und versucht auch in jedem Moment seine enorme fußballerische Klasse zu zeigen. Doch zu häufig entscheidet er sich für unnötige und inhaltsleere Aktionen, die dem Spiel der Mannschaft nicht weiterhelfen.

Lukebakio und Kanga: Irgendwann fallen die Tore

Die Offensive der Hertha gewinnt immer mehr an Flexibilität. Und insbesondere Dodi Lukebakio konnte auch schon mit Zahlen auf sich aufmerksam machen. Zwei Tore hat der Belgier bereits auf der Habenseite. Wilfried Kanga dagegen wartet noch auf sein erstes Erfolgserlebnis. Gegen Bayer Leverkusen standen beide 81 Minuten auf dem Feld.

Dodi Lukebakio war in der Offensive wieder einmal extrem umtriebig und sorgte stets für Gefahr. 31 Mal war er am Ball und schon nach vier Minuten hatte er mit der ersten Chance die mögliche Führung auf dem Fuß. Beziehungsweise auf dem Kopf, nachdem er von Marvin Plattenhardts Flanke in Szene gesetzt wurde, den Ball aber nicht mit Druck aufs Tor befördern konnte. In der 20. Minute setzte der einen weiteren Schuss am Tor vorbei, in der 70. Minute prüfte er Leverkusens Torhüter Lukas Hradecky. In der 37. Minute fehlte nicht viel und er hätte einen weiteren Assist auf seinem Konto. Doch seine gefühlvolle Vorlage konnte Wilfried Kanga nicht entscheidend verwerten. Insgesamt gewann der Belgier 67 Prozent seiner Zweikämpfe und spielte 73 Prozent erfolgreiche Pässe. Keine schlechten Bilanzen für einen Offensivspieler. Seine Form ist weiterhin in einem sehr starken Bereich.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Wilfried Kanga kämpft und ist bemüht. Doch vor dem Tor soll es aktuell noch nicht so klappen wie gewünscht. 33 Mal war er an Ballaktionen beteiligt, ließ sich immer wieder tiefer oder auf die Außen fallen, um Bälle festzumachen. Um sich hochkarätige Chancen auszuspielen, war er schlichtweg zu oft vom Tor entfernt. Zwölf von 21 Pässen konnte er bei Mitspielern unterbringen. 45 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er. Auch für ihn als Offensivspieler keine schlechten Quoten. In der 37. Minute hatte er die Berliner Führung auf dem Fuß. Der Pfosten rettete Leverkusen und verhinderte den ersten Treffer Kangas.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Beim Ausgleichstreffer konnte er den Pass von Lucas Tousart mit dem Weiterleiten auf Vorlagengeber Chidera Ejuke hervorragend verwerten. Auch wenn er also selbst noch nicht zählbar in den Statistiken vorkommt, bewies er hier einmal mehr, wie wichtig er für das Team sein kann. Macht er so weiter, werden auch ihm irgendwann die Tore gelingen.

Chidera Ejuke: Richtige Entscheidungen bedeuten Zählbares

Chidera Ejuke spielte 67 Minuten und brachte zwei von sechs Dribblings erfolgreich zu Ende. Und da zeigt sich das Problem des Nigerianers. Zu oft ist er auf den individuellen Erfolg aus und will seine zweifelsohne hochklassige Kreativität spielen lassen. Doch zu häufig enden seine Versuche beim Gegner. Er kam auf 42 Ballaktionen, spielte 20 erfolgreiche Pässe und gewann sieben Zweikämpfe.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

83 Prozent Passquote lassen sich sehen, 54 Prozent Zweikampfquote könnte viel mehr sein, wenn der Linksaußen intelligenter spielen würde. Diese Intelligenz zeigte er in der 56. Minute, als er sich nicht für das Dribbling gegen die Leverkusener Verteidigung entschied, sondern den Ball für den freien Suat Serdar ablegte. Heißt also, richtige Entscheidungen bedeuten auch zählbaren Erfolg. Ein Learning für Ejuke, was hoffentlich zu mehr Effizienz und Erfolg führt.

Marco Richter: Der Konkurrenzkampf in der Offensive ist eröffnet

Der nächste Joker-Einsatz und wieder konnte Marco Richter dem Spiel seinen Stempel aufdrücken. Nach 67 Minuten kam er für Chidera Ejuke ins Spiel und lieferte eine ansprechende und vor allem wache Leistung. Einen ersten Warnschuss gab er nach 73 Minuten ab, als ihm der Ball von Kanga vorgelegt wurde. Den Schuss setzte er aber links am Tor vorbei. Nur eine Minute später nutzte er eine Leverkusener Unaufmerksamkeit, nahm sich ein Herz und schoss den Ball sehenswert aus über 20 Metern ins linke Toreck. Ein Traumtor, wohl das schönste an diesem Spieltag.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Richter zeigte extreme Präsenz in den letzten Spielminuten war 18 Mal am Ball, spielte sieben erfolgreiche Pässe und gewann 80 Prozent seiner Zweikämpfe. Schade, dass sein Traumtor am Ende nicht der Siegtreffer war. Mittlerweile gilt er als ernsthafte Alternative in der Offensive. Es ist das gelungen, was der Plan war. Er kurbelt den Konkurrenzkampf an.

Die Einstellung und Leistung bei Hertha stimmen – Das Glück muss erzwungen werden

17:11 Schüsse, sechs km mehr als der Gegner gelaufen, 55 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, zahlreiche sehenswerte Aktionen herausgespielt. Die aktuelle Hertha-Mannschaft leistet starke Arbeit. Gegen Leverkusen stimmte einmal mehr die Einstellung, die Spieler gingen ins Risiko, trauten sich Angriffe zu starten und kämpften leidenschaftlich um den Punkt. Auch wenn man immer noch auf Platz 15 steht, ist die Stimmung gut und die Chancen unten rauszukommen höher denn je.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)

Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich vieles geändert, was auch die Fanszene zu schätzen weiß. Das Glück im Abschluss – wie beispielsweise in Person von Wilfried Kanga – fehlt noch und muss möglicherweise erzwungen werden. Dazu gehört allerdings auch, dass man das “Glück” bei den Schiedsrichterentscheidungen wiederfindet. Die fragwürdige Bewertung des Handspiels von Odilon Kossounou durch Schiedsrichter Benjamin Brand in der 82. Minute erhitzte zurecht die Gemüter. Doch eins sollten diese Diskussionen bleiben – nämlich fair. Die Posse um den Twitter-Account Collinas Erben ist mehr als bedauerlich und wird der eigentlichen Leistung der Hertha nicht gerecht. Denn machen die Spieler auf dem Feld so weiter, werden Punkte bessere Tabellenplätze folgen.

(Photo by Reinaldo Coddou H./Getty Images)