Piatek verlässt Hertha: Das vorläufige Ende eines Missverständnisses

Piatek verlässt Hertha: Das vorläufige Ende eines Missverständnisses

Krzysztof Piatek (26) wechselt auf Leihbasis von Hertha BSC zur AC Florenz in die Serie A. Der zweitteuerste Zugang der Vereinsgeschichte verlässt den Verein damit (vorläufig) nach zwei sehr durchwachsenen Jahren – sowohl auf Vereins- als auch auf Spielerseite. Wir wollen einen Blick auf mögliche Vor- und Nachteile der Leihe werfen und einen kleinen Ausblick rund um die Personalie Piatek für den Sommer geben.

Wintertransferfenster 2020 – Eine neue Zeitrechnung brach an

Die Erwartungshaltung in jenem Moment war tatsächlich mit bloßen Händen greifbar. Eine ganz besondere Stimmung zirkulierte bei gefühlten 0° Celsius durch die für ein Freitagsspiel mit knapp 50.000 Fans durchaus gut gefüllte Schüssel des Olympiastadions. Wir schreiben den 31.01.2020, Ortszeit ca. 21:50 als Krzysztof Piatek in der 63. Minute von damaligen Cheftrainer und selbst ernannten Möchtegern-Manager Jürgen Klinsmann für Marius Wolf auf das Spielfeld geschickt wurde.

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(Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Das Endergebnis von 0:0 gegen die in der Hinrunde der Saison noch stark aufspielenden Schalker konnte auch Piatek nicht beeinflussen, doch jeder spürte: Es hatte sich was geändert bei Hertha. Circa 80 Millionen Euro hatte der Verein für die Spieler Lucas Tousart (24), Santiago Ascacibar (24), Matheus Cunha (22) und eben Piatek bezahlt. Es waren die weltweit höchsten Ausgaben dieses Transferfenster.

Fast exakt zwei Jahre später hat sich das Kapitel des Polen bei Hertha vorerst erledigt. Es zieht ihn auf Leihbasis zurück in die Liga, in der er seinen Durchbruch geschafft hatte.

Kein Anknüpfen an alte Leistungen

In der Saison 2018/19 erzielte Piatek 19 Tore in 21 Spielen für den Genua CFC. Der damals 23-Jährige hatte sich auf die ganz große Fußballbühne geballert. Die AC Milan wurde aufmerksam und verpflichtete ihn im Winter 2019 für 35 Millionen Euro. In der Rückserie traf der „Pistolero“ auch dort noch elf Mal in ebenfalls 21 Spielen.

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Nachdem er in der Hinrunde 2019/20 deutlich abgebaut hatte (5 Tore in Spielen) verkaufte Milan den Mittelstürmer an die neureiche Hertha aus Berlin. In der Hauptstadt hatte man das Gefühl, bei den Großen angekommen zu sein. Ein Transfer in solcher Höhe von einem Topklub aus Europa ließ viele Fans träumen, eines Tages auf der gleichen Stufe wie die AC Mailand stehen zu können. Und Piatek sollte der Start sein.

Die anschließende Landung war ernüchternd: Lediglich 13 Tore (und vier Vorlagen) aus 59 Spielen im Hertha-Dress sind angesichts der gezahlten Ablöse bei Weitem zu wenig um um Europa mitspielen zu können. Im Gegenteil war es eher gerade genug um Hertha in den vergangenen beiden Spielzeiten in der Bundesliga zu halten.

Kein auf Piatek abgestimmtes Spielsystem

Dass der polnische Nationalspieler gewillt war, kann man ihm nicht absprechen. Gerade nach der schweren Verletzung zu Ende der vergangenen Saison und der dadurch komplett verpassten Sommervorbereitung kämpfte er sich durch seine Reha und legte sogar etwas an Muskelmasse zu.

Doch das Hertha-Spiel der vergangenen zwei Jahre war quasi nie auf Piatek zugeschnitten. Er ist ein klassischer „Knipser“, der durch gnadenlose Effizienz beim Torabschluss glänzt (man erinnere sich an das 3-1 Derby), jedoch nahezu gar nicht in das Herausarbeiten von Chancen eingebunden ist.

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Doch eben dieses Herausspielen fand bei Hertha kaum oder gar nicht statt, der Knipser verhungerte regelmäßig alleine vorne in der Box. Weder kamen Schnittstellenpässe aus dem Mittelfeld noch regnete es Flanken von Außen. Und auch wenn der „Pistolero“ rein menschlich und charakterlich äußerst sympathisch erscheint, zählen schlussendlich die Leistungen auf dem Platz.

Und spätestens in dieser Saison funktionierte selbst das reine Abschließen nur noch sehr bedingt. Als Beispiele sind die Kopfballchance gegen Frankfurt (8. Spieltag) oder die Großchance gegen Bielefeld (15. Spieltag) zu nennen. Auch wenn Piatek aus einer schweren Verletzung kam, ist das im Ergebnis leider einfach zu wenig. Der Wechsel zurück nach Italien, zur „Fiorentina“, scheint daher ein logischer Schritt zu sein, um an alte Leistungen anknüpfen zu können.

Vlahovic Nachfolger in Florenz?

In Florenz trifft Piatek auf einen der heiß gehandelsten Stürmer Europas: Dusan Vlahovic (21). Der Kroate traf diese Saison bereits 18 Mal in 21 Spielen und besitzt einen Marktwert von 70 Millionen Euro. Ein Abgang im Sommer ist extrem wahrscheinlich, im Winter zumindest möglich. Die Fiorentina spielte in dieser Saison bisher überwiegend in einem 4-3-3 mit lediglich einem zentralen Stürmer.

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Der zweite Mittelstürmer im Kader, Aleksandr Kokorin (30), kam bisher gerade mal auf vier Einsätze und damit nur zwei Prozent der möglichen Spielminuten. Es gibt somit zwei Szenarien: Entweder bleibt Vlahovic noch ein halbes Jahr, dann wird Piatek sich auch in Italien mit der Jokerrolle zufriedengeben müssen. Sollte sein Konkurrent noch im Winter wechseln könnte er Stürmer Nummer eins und Stammspieler werden.

Die AC Florenz befindet sich damit in einer komfortablen Lage. Piatek kann ein Halbjahr im Training und gegebenenfalls in Spielen begutachtet werden, man hätte einen potentiellen Ersatz für Vlahovic oder zumindest einen guten Back-Up für ihn. Passt Piatek in Verein, Umfeld und zeigt er in seinen Einsätzen gute Leistungen könnte Florenz mit der Kaufoption in Höhe kolportierten 15 Millionen Euro einen integrierten und funktionierenden Spieler verpflichten. Zündet er nicht wird er nach Berlin zurückgeschickt.

Doch auch Hertha und Piatek profitieren vom Deal.

Geldsegen für Hertha, Einsatzzeiten für Krzysztof Piatek

Mit über fünf Millionen Euro Jahresgehalt gehört Piatek zu den absoluten Topverdienern in Berlin. Ein Status, der anhand der gezeigten Leistungen kaum zu rechtfertigen ist. Da Florenz das Gehalt für ein halbes Jahr übernimmt, hat man zwischen zwei und drei Millionen Euro mehr auf dem Konto.

Geld, das durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und benötigte Spieler dringend gebraucht wird. Der polnische Nationalstürmer ist hinter Stevan Jovetic (32), Ishak Belfodil (29), Davie Selke (26) und zu Teilen Myziane Maolida (22) nur noch Stürmer Nummer vier bei Hertha. Selbst wenn Vlahovic in Florenz bleiben würde, stiege Piatek in der Hierarchie vermutlich deutlich auf und erhöht seine Chance auf Einsatzzeiten.

Ein Szenario, was sowohl sportlich für ihn selbst als auch marktwerttechnisch und somit finanziell für Hertha gut klingt. Es besteht natürlich dennoch die Gefahr, dass der Stürmer auch in Florenz nur Bankdrücker ist. Doch selbst in diesem Fall würde sich für ihn kaum etwas ändern, der Geldsegen aufgrund des eingesparten Gehalts für Hertha bleibt jedoch.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wie geht es nach dem Abgang weiter? Sollte Hertha im Sturm nachrüsten? Diese Fragen stellen sich gerade vermutlich viele Hertha-Fans. In der aktuellen Saison wird sich wahrscheinlich vorläufig nicht viel ändern. Da Piatek ohnehin nicht zu viel Einsatzzeiten kam, wird man den Abgang sportlich vermutlich gut auffangen können.

Korkut wird in seinem 4-4-2 weiterhin auf das Duo Jovetic–Belfodil setzen und Selke einwechseln. Und selbst mit den tendenziell verletzungsanfälligen Jovetic und Belfodil hätte man mit Maolida und Marco Richter weitere Spieler, die im Sturm aushelfen können. Sofern ein zusätzlicher Rechtsaußen verpflichtet wird, wäre mit Richter sogar noch ein Spieler vorhanden, der theoretisch im Sturm spielen könnte. Zudem besteht auch die Option mit Spielern aus dem Nachwuchs wie Ruwen Werthmüller (20) oder Tony Rölke (18) nachzurüsten.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Wie es dann im Sommer mit Piatek weitergeht, steht allerdings in den Sternen. Zunächst kommt es natürlich darauf an, ob Florenz die Kaufoption zieht, eine andere Ablöse aushandelt oder Piatek nach Berlin zurückkehrt. Der Vertrag von Belfodil läuft aus, Selke soll dem Vernehmen nach verkauft werden. Mit Lukebakio und Ngankam werden zwei weitere Leihspieler zurückkehren.

Eine Aussage für den kommenden Sommer zu treffen, ist damit nahezu unmöglich. Die Karten liegen allerdings zunächst bei der AC Florenz und vor allem bei Piatek selbst. Durch gute Leistungen kann er sich ins Schaufenster spielen, die Verantwortlichen bei Florenz überzeugen und zumindest seinen Markt selbst erschaffen.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Herthaner im Fokus: Mit Pärchen gegen Bielefeld gewonnen

Herthaner im Fokus: Mit Pärchen gegen Bielefeld gewonnen

Endlich war es mal wieder soweit. Im zweiten Spiel unter Tayfun Korkut gelang Hertha BSC der erste Sieg nach zuvor fünf Spielen in Folge ohne drei Punkte. Das Spiel zeigte weitere Fortschritte und Dinge, die seit dem Trainerwechsel besser funktionieren. Allerdings offenbarten sich auch die größten Schwachstellen der Hertha. Wir schauen heute auf interessante Pärchenbildungen, die verschiedenen Joker und wessen Plätze in der Startelf bedenklich wackeln.

Stevan Jovetic und Ishak Belfodil: Zwei, die sich gefunden haben

Es ist mittlerweile eine regelmäßige Wiederholung der letzten Wochen, dass diese beiden Spieler hier immer wieder aufgelistet werden. Sie lassen uns aber schlichtweg keine andere Wahl. Seit Wochen brillieren die beiden Stürmer miteinander und werden immer erfolgreicher.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Stevan Jovetics Passquote von 74 Prozent und seine Zweikämpfe, von denen er 67 Prozent für sich entscheiden konnten, sind für einen Stürmer eine starke Quote. Wieder einmal hatte er mit 54 Ballaktionen einen großen Anteil am Kreativspiel. Er bereitete zwei Chancen für seine Mitspieler vor und kam selber drei Mal zum Abschluss. Sein Freistoß in der 28. Minute war wie schon gegen den VfB Stuttgart brandgefährlich.

Das Sahnehäubchen der Partie war sein Volleytor, welches er in der 53. Minute nach Ishak Belfodils Ablage mit Wucht erzielen konnte. Kurios war, dass Hertha BSC nach Jovetics zurecht aberkannten Abseitstor in der 42. Minute nun in vier Spielen in Folge fünf Tore erzielt hat, die wegen Abseitsstellungen nicht gegeben wurden.

Ishak Belfodil, der mittlerweile komplett im Team der Hertha angekommen zu sein scheint, setzte weiterhin seine spielerischen Mittel ein, verteilte – 71 Prozent seiner gespielten Pässe fanden seine Mitspieler – und empfing Bälle und bereitete mustergültig auf Jovetic vor. Vier Mal suchte er selbst den Abschluss. Wermutstropfen ist sein fehlender persönlicher Torerfolg, der ihm bisher vergönnt war.

Belfodil könnte eben jenes erzwingen, indem er sich die nötige Spritzigkeit und Kaltschnäuzigkeit aneignet, die ihm oftmals noch in Aktionen fehlt. Seine Bemühungen sind ohne Zweifel vorhanden, doch wirkt es oft so, als wäre er einen Schritt zu langsam oder zu sehr mit dem Kopf beschäftigt.

Suat Serdar und Santiago Ascacibar: Das sich ergänzende Duo

Suat Serdar war wie erhofft nach seinem durch eine Erkältung begründeten Fehlen gegen Stuttgart wieder dabei und brachte genau das ins Hertha-Spiel, was gegen die Schwaben noch in Teilen gefehlt hatte: Kreativität und Torgefahr.

Er selber kam zu zwei Abschlüssen, die nur mit Bielefelder Glück nicht im Netz landeten. Insbesondere sein Zusammenspiel mit Jovetic in der 14. Minute hätte einen erfolgreichen Abschluss verdient gehabt. Nilsson klärte dabei auf der Linie hinter dem bereits geschlagenen Ortega.

Serdar war extrem aktiv, hatte in seinen 69 Minuten, die er auf dem Platz stand, ehe er für Jurgen Ekkelenkamp ausgewechselt wurde, 62 Ballkontakte und brachte 79 Prozent seiner Pässe an den Mann und half viel bei der Kreierung von Torchancen. Mit 68 Prozent gewonnener Zweikämpfe hat er eine sehenswerte Quote, die seine Robustheit zeigt und seinen Wert für das Spiel der Hertha unterstreicht.

(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Während Suat Serdar der Offensive seinen Stempel aufdrückte,  machte Santi Ascacibar selbiges in der Defensive. Dabei hielt er vor allem Serdar den Rücken frei, räumte unermüdlich Bälle und Gegner ab und verteidigte und verteilte Bälle mit purer Leidenschaft. Mit 74 Ballkontakten war er einer der Herthaner, die am häufigsten den Ball hatten. Er gewann in dem Spiel, welches er über die volle Distanz bestreiten konnte,  69 Prozent seiner Zweikämpfe.

Zusammen bilden diese beiden ein sich top ergänzendes Duo im zentralen Mittelfeld. Die Frage wer der dritte zentrale Mittelfeldspieler zukünftig sein soll, konnte Vladimir Darida bisher nicht mit Nachdruck beantworten.

Dedryck Boyata und Niklas Stark: Das Abwehrbollerk, das einfach wegverteidigt

Wie erwartet kam Niklas Stark nach Jordan Torunarighas Leistungabfall in Stuttgart zurück in die Startelf. Die Frage wie er auf die Gerüchte um einen Wechsel, die unter der Woche wieder lauter wurden, spielerisch reagieren würde, beantwortete er recht klar mit einer sehr soliden Leistung.

Zusammen mit Kapitän Dedryck Boyata hielt er die Verteidigung zusammen. Beide gestikulierten und kommunizierten durchgehend mit ihren Mitspielern und wurden ihrer Rolle als Leader gerecht. Stark hatte im Vergleich zum Spiel in Augsburg keinen Querschläger drin.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Während beide mit vielen Aktionen am Ball für einen sehr strukturierten Spielaufbau sorgten, konnten sie sich auch immer wieder im Offensivspiel der Hertha einbringen. Beide hatten eine Passquote von weit über 80 Prozent, im Fall von Stark sogar 95 Prozent. Keiner der beiden musste auch nur ein einziges Foul ziehen, sie gewannen jeweils fast alle ihrer Zweikämpfe. Zusammen klärten sie ganze 15 Bälle aus der Gefahrenzone.

Niklas Stark hatte nach zehn Minuten die erste nennenswerte Kopfballmöglichkeit. Im Laufe der Partie gelang es Dedryck Boyata sogar drei Mal zum Abschluss zu kommen. Der gesamten Mannschaft war anzumerken, dass die beiden Kapitäne der Mannschaft Ruhe ermöglichen und sie ihnen vertrauen konnten.

Krzystof Piatek und Davie Selke: Joker unter Zugzwang

Beide Stürmer, die in der Hierarchie der Stürmer ganz klar hinter Belfodil und Jovetic stehen, bekamen in den letzten Wochen vor allem Kurzeinsätze. Beiden war der Einsatz nicht abzusprechen, doch es fehlte meistens an Glück und Qualität.

Piatek, der erst ein Saisontor verbuchen konnte, sucht seit Wochen nach seiner Form. Nach 78 Minuten bekam er die Chance, sich zu präsentieren. Mit 14 Ballkontakten war er in seinen Minuten, die er bekam, sehr aktiv. Viel Ertrag gelang ihm nicht. In der 83. Minute scheiterte er an einer Fußabwehr von Ortega freistehend vor dem Tor. Er gewann keinen Zweikampf. Um mehr Einsatzzeiten zu bekommen und endlich wieder alte Form zu erlangen, muss er zukünftig gerade in Kurzeinsätzen solche Chancen nutzen, um den nötigen Konkurrenzkampf im Team zu provozieren.

Davie Selke, der in dieser Bundesligasaison vom Pech verfolgt zu sein schien, konnte eben jenen Kurzeinsatz nutzen. Sein Einsatz sollte noch später als Piateks starten. Er kam erst in der 88. Minute, allerdings nutzte er diese mit seiner bekannten Motivation. Er gewann zwei Zweikämpfe, hatte zwei Torchancen, von denen er seine zweite mit dem Schlusspfiff eiskalt nutzte.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Das Tor erarbeitete er sich in den Schlusssekunden des Spiels selbst, als er ein schlampiges Defensivspiel der Bielefelder eiskalt ausnutzte und mit Wucht und Wut im Bauch in das lange rechte Ecke traf. Wie viel Frust und Arbeit in diesem Moment abfielen, war am emotionalen Jubel im Anschluss zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass es sich nicht nur um ein Zufallsprodukt handelte.

Vladimir Darida und Deyovaisio Zeefuik: Aktuell keine Hilfe und überfordert

Der tschechische Mittelfeldspieler kassierte schon früh in der 15. Spielminute eine gelbe Karte, welche er für ein unnötiges taktisches Foul erhielt. Dieser Rucksack ließ ihn in seinen defensiven Aktionen nur wenig Spielraum. Er wirkte nicht gewohnt sicher und konnte mit 57 Prozent gewonnener Zweikämpfe nur knapp über die Hälfte gewinnen, was im zentralen Mittelfeld ungünstig ist.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Immerhin konnte er in der 36. Minute mit einem wuchtigen Schuss aus der Distanz den oft unsicher wirkenden Ortega auf die Probe stellen. Den flatternden Ball konnte der Torhüter nur mit viel Mühe zur Ecke lenken. Insgesamt fiel Daridas Leistung im Vergleich zu seinen Kollegen Ascacibar und Serdar deutlich ab, was leider einen Trend im Vergleich zu den letzten Spielen zeigt. Um seinen Platz in der Startelf weiterhin inne zu haben, muss sich der Routinier dringend wieder steigern.

Die Leistung von Deyovaisio Zeefuik sollte ebenfalls zu Denken geben. Nicht nur Tayfun Korkut, sondern Zeefuik selbst. Der Niederländer schien mit dem Spiel in der Defensive komplett überfordert zu sein. Bereits nach vier Minuten unterliefen ihm zwei Schnitzer hintereinander.

Das sollte sich durch das gesamte Spiel ziehen. Unnötige Ecken, Fehlpässe, ungünstige Pässe, die die Mitspieler unter Druck setzten, nur 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe und Fouls in gefährlichen Situationen, wie in der 31. Minute, als er Alessandro Schöpf recht plump kurz vor dem Strafraum zu Fall brachte, unterstreichen seine mangelhafte Leistung. In der 65. Minute verpasste er durch schlechtes Stellungsspiel den Ball und hatte Glück, dass Krüger beim folgenden Schuss nur das Außennetz traf.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Zu Gute halten kann man Zeefuik, dass er vier Bälle klären konnte und im Offensivspiel starke Ansätze und Einsatz zeigte. Vor allem sein Nachsetzen in der 14. Minute und das Einleiten der Großchance von Suat Serdar war ein Lichtblick im Offensivspiel. Viel mehr als das sollte ihm aber auch nicht mehr gelingen. Sobald Peter Pekarik wieder bereit für einen Einsatz ist, wird Zeefuik aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Bank sitzen müssen.

Fazit: Die Stärken des Kaders nutzen hilft

Dem Team gelang ein immens wichtiger Sieg, um sich vom Konkurrenten aus Ostwestfalen absetzen zu können. 20 Schüsse, neun davon auf das Tor der Arminia, sind ein deutliches Zeichen. Man bemüht sich um viel mehr Offensivpower, die zweifelsohne im Kader vorhanden ist, sofern alle fit sind. Dem zentralen Mittelfeld gelingt es ebenfalls immer mehr zu einer Einheit zu verschmelzen und in der Verteidigung bietet es sich an mit souveräner Erfahrung zu arbeiten.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Das Polster auf Platz 17 beträgt nun acht Punkte und lässt die Verantwortlichen zumindest temporär ein paar Nächte ruhig schlafen, bis es Dienstag gegen den FSV Mainz 05 um die nächsten Zähler geht.

Auch wenn es im Endeffekt “nur” Arminia Bielefeld war, kann man positiv festhalten, dass es Hertha gelingt gegen die direkte Konkurrenz in dieser Saison zu punkten. Gegen Bielefeld setzte die Mannschaft an den guten Ansätzen aus Stuttgart an. Nun gilt es diese immer weiter zu fordern und zu fördern, um ruhige Weihnachten zu haben.

[Titelbild: Matthias Kern/Getty Images]