Players to Watch – Hertha BSC 2023/24

Players to Watch – Hertha BSC 2023/24

In wenigen Tagen startet die Zweitligasaison für Hertha BSC. Zehn Jahre nach dem letzten Besuch in Deutschlands zweithöchster Spielklasse ist der Verein nach vier zermürbenden Saisons hochverdient als Tabellenachtzehnter abgestiegen und wird sich nächstes Jahr mit Vereinen wie Elversberg und Wiesbaden, aber auch Kaiserslautern, dem HSV oder Düsseldorf messen. Der Kader befindet sich noch immer in einer Runderneuerung, auch wenn mittlerweile schon viel passiert ist. Wir wollen einen Blick auf fünf besonders interessante Spieler werfen.

Fabian Reese

Und dabei kommen wir um Neuzugang Fabian Reese nicht drum herum. Der Flügelstürmer wechselt ablösefrei vom Ligakonkurrenten Holstein Kiel an die Spree, bringt dabei die Erfahrung von 163 Zweitligaspielen mit. In der vergangenen Saison konnte Reese mit elf Toren und zehn Vorlagen seine persönlich bisher bestes Jahr aufweisen und kommt mit 25 Jahren langsam ins beste Fußballeralter. Gleichzeitig ist er noch jung genug für weitere Entwicklungsschritte.

Fabian Reese

Photo by Matthias Kern/Getty Images

Reese besticht durch viel Tempo, unermüdlichen Arbeitseifer und einem guten Auge für seine Mitspieler. Daneben bringt er eine gewisse Torgefahr mit. Auch abseits des Platzes hat sich der Linksaußen, der notfalls auch rechts oder im Sturmzentrum spielen kann, mit atemberaubender Geschwindigkeit in die Herzen der Fans gezaubert. In einer Medienrunde zeigt er sich äußerst bodenständig und reflektiert: „Ich habe eine etwas andere Frisur als der Prototyp Fußballer, trage Nagellack und stehe für meine Meinung sowie Wert ein, die ich vertreten möchte. So ich will ich die Vorbildchance, die mal als Fußballer hat, nutzen und jedem Menschen da draußen sagen: Traut euch einfach das, worauf ihr Lust habt, es ist völlig egal, was andere sagen“.

In den Testspielen hat Reese bereits angedeutet, was er der Mannschaft geben kann. Mit zwei Assists und einem wunderschönen Tor gegen RWD Molenbeek konnte er sich direkt an mehreren Treffern beteiligen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er in der kommenden Saison ein absoluter Dreh- und Angelpunkt in der Offensive von Hertha BSC wird und vielleicht sogar die Scorerwerte der vergangenen Saison überbietet.

Marten Winkler

Reeses Gegenstück auf der rechten Außenbahn dürfte aller Voraussicht nach Marten Winkler werden. Auch mit der Rückkehr von Palko Dardai hat Winkler nach der Vorbereitung die Nase wahrscheinlich zunächst vorne und könnte mit einem guten Saisonstart den Anspruch auf einen Stammplatz untermauern. Der gebürtiger Frankfurter (Oder) wechselte vor acht Jahren aus der Jugend von Union Berlin nach Berlin-Charlottenburg und durchlief von dort an alle Jugendmannschaften auf dem Olympiagelände. In der vergangenen Saison war Winkler an den Drittligisten Waldhof Mannheim ausgeliehen, wo er nach Startschwierigkeiten in 31 Spielen neun Tore und fünf Assists sammelte.

Marten Winkler

Photo by Matthias Kern/Getty Images

Der Flügelstürmer zeigte im Interview mit den vereinsinternen Medien vor ein paar Tagen, dass die Leihe ihn auch menschlich vorangebracht hat: „Ich bin viel reifer geworden. Natürlich steckt in mir weiterhin etwas Freches und Kindliches, das soll auch so sein. Dennoch weiß ich mittlerweile meine Grenzen besser einzuschätzen.“ Bei seinem Stammverein möchte Winkler nun in der zweiten Liga die nächsten Schritte machen und beweisen, dass er auch auf höherem Niveau als der dritten Liga sportlich mithalten kann.

Die größte Stärke des Eigengewächses ist definitiv sein Tempo. Der 20-Jährige bringt darüber hinaus Zug zum Tor mit, bewies dies schon in mehreren den Testspielen. Winkler kann Dodi Lukebakio, der den Verein definitiv noch verlassen wird, natürlich nicht ersetzen. Er weist allerdings zumindest teilweise ähnliche Stärken auf. Verbesserungspotential dürfte definitiv in der körperlichen Robustheit und Technik am Ball bestehen. Es liegt nun an ihm, sich weiter zu entwickeln, damit Herthas Spiel nicht nur über Reese und die linke Außenbahn läuft.

Ibrahim Maza und Bence Dardai

Auch die beiden nächsten Spieler sind primär im letzten Drittel des Spielfeldes aktiv. Ursprünglich war hier nur Maza vorgesehen, doch mit seiner kürzlichen Meniskusverletzung und mehrmonatigen Ausfallzeit wollen wir auch den jüngsten Sohn von Trainer Pal Dardai kurz mit vorstellen. Beide spielen hauptsächlich auf der Zehn im offensiven Mittelfeld und bringen ähnliche Attribute mit. Als klassische Spielmacher können sie Chancen durch eine große Pass- und Dribbelstärke kreieren. Schon in jungen Jahren haben sie in der U17 bzw. U19 viel Flair und Übersicht beweisen, daneben sind sie ab und zu für einen eigenen Treffer gut.

Ibrahim Maza

Photo by Matthias Kern/Getty Images

Während der 17-jährige Maza im Alter von zwölf Jahren von den Reinickendorfer Füchsen zur Alten Dame kam, spielt Bence Dardai wenig überraschend bereits sein ganzes Leben im Trikot der Hertha. Obwohl beide Spieler nur exakt zwei Monate trennen, durfte Maza in der Endphase der vergangenen Saison bereits sein Debüt feiern. Mit seinem Premierentreffer am letzten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg wurde er zudem Herthas jüngster Torschütze. Die Youngster werden sich in der kommenden Spielzeit aller Voraussicht nach um den Platz hinter Marco Richter duellieren. Eigentlich war davon auszugehen, dass Maza hierbei die Nase vorne hat, aufgrund der Verletzung könnte sich das Blatt allerdings wenden.

Bence Dardai

Photo by Boris Streubel/Getty Images for DFB

So hat Bence Dardai insbesondere im Test gegen die Young Boys aus Bern mit Fabian Lustenberger für Aufsehen gesorgt. Mehrere Steckpässe in die Spitze wurden von einem Schlenzer ins rechte obere Toreck aus etwas 20 Metern gekrönt. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich die beiden trickreichen Mittelfeldspieler gegenseitig pushen und wer im Lauf der Saison mehr Spielzeit sammeln kann. Für Hertha eine Win-Win Situation. Daneben sind beide aber auch noch jung genug, um mehr als genügend Einsätze in der U19 oder U23 zu absolvieren. Auf dem Schirm kann und sollte man sie dennoch schon mal haben. Zu erwarten, dass sie dem Spiel des Hauptstadtklubs regelmäßig ihren Stempel aufdrücken, wäre höchstwahrscheinlich aber noch zu vermessen.

Pascal Klemens

Last but not least ist noch Pascal Klemens zu nennen.Genauso wie Bence Dardai hat auch Klemens (zumindest laut transfermarkt.de) noch für keinen Verein außer Hertha BSC gespielt. Der Innenverteidiger war letztes Jahr Kapitän der U19 und empfiehlt sich bereits in jungen Jahrens als Führungsfigur. In der wirklich empfehlenswerten Dokumentation “Herz” von HerthaTV ist er mehrfach in Interviews und auf dem Spielfeld zu sehen, macht dabei einen sehr reifen Eindruck.

Pascal Klemens

Photo by Matthias Kern/Getty Images

Die Mitnahme ins Trainingslager der Profis in diesem Sommer war daher der nächste logische Schritt. Mit den Abgängen von Tolga Cigerci, Jean-Paul Boetius, Lucas Tousart und voraussichtlich Suat Serdar klafft in Herthas zentralem, defensivem Mittelfeld derzeit eine große Lücke. Marton Dardai wurde aus der Innenverteidigung eine Position weiter nach vorne gezogen. Den Part daneben füllte in den letzten Wochen Pascal Klemens aus. Und obwohl der 18-Jährige bisher nahezu ausschließlich als Verteidiger unterwegs war, steigerte er sich spürbar von Testspiel zu Testspiel. Zu seinen Stärken gehört seine körperliche Robustheit, die für sein Alter sehr beachtlich ist. Unter anderem dadurch ist er bei seinem Debüt am letzten Spieltag der vergangenen Saison bereits positiv aufgefallen. Mangels Alternativen wird Klemens zumindest zum Saisonstart gegen Düsseldorf höchstwahrscheinlich sein zweites Profispiel bestreiten.

in Anbetracht der aktuellen Kadersituation ist zudem nicht ausgeschlossen, dass er auch im Laufe der Saison immer wieder auf der Sechs zum Einsatz kommt. Als Stammspieler dürfte er dennoch nicht eingeplant sein. Gerade was das Spiel mit Ball und die Ruhe am Spielgerät angeht, muss er sich noch steigern. Doch das ist etwas, was mit zunehmenden Einsätzen und Erfahrung nicht unrealistisch erscheint. Für den Moment kann man Klemens, ähnlich wie Bence Dardai und Maza, als interessanten Ergänzungsspieler im Kopf behalten, der zu eine der positiven Überraschungen in der kommenden Spielzeit bei Hertha BSC avancieren könnte.

[Titelbild: Photo by Matthias Kern/Getty Images]

Podcast #217 mit Kay Bernstein

Podcast #217 mit Kay Bernstein

Vor einem guten Jahr trafen wir uns für den Podcast schon mit unserem ehemaligen Präsidenten Werner Gegenbauer. Auch unser aktueller Vizepräsident Fabian Drescher war schon zu Gast. Nun durften wir auch mit Kay Bernstein über seine Arbeit als Präsident, Vereinspolitik, Ticketpreise, Lars Windhorst, Fredi Bobic und über die anstehenden Spiele sprechen. Ein sehr angenehmes Gespräch, das hoffentlich nicht das letzte war.

Wir wünschen euch ganz viel Spaß mit der neuen Folge und freuen uns über eure Kommentare. Euer Feedback ist sehr motivierend und freut uns immer am meisten.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr den Podcast mit euren Freund*innen, der Familie oder Bekannten teilt. Wir freuen uns über alle Hörer*innen.

#hahohe #podcast #herthabsc #bundesliga #herthabase

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Interview mit fans@hertha e.V. – eine Fan-Gruppe für den guten Zweck

Interview mit fans@hertha e.V. – eine Fan-Gruppe für den guten Zweck

Nachdem wir im letzten Jahr einen Artikel über die Aktion “Hertha wärmt” von den Harlekins und der Berliner Stadtmission geschrieben haben, wollten wir auch in dieser Weihnachtszeit ein soziales Projekt rund um Hertha BSC vorstellen. Dazu haben wir uns mit Sabine und Thorsten von fans@hertha e.V. zusammengesetzt und mit ihnen über ihre ehrenamtliche Arbeit gesprochen.

Hallo ihr beiden, wer seid ihr? Stellt euch doch gerne mit zwei bis drei Sätzen persönlich vor.

Sabine: Ich bin Sabine 42 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und bin seit 30 Jahren Hertha Fan. Bei fans@hertha e.V. bin ich die 2. Vorsitzende und das Mädchen für alles. Das heißt ich kümmere mich meist um jegliche Orga für unsere Charity Aktionen.

Totti: Ich bin Thorsten, seit 32 Jahren glücklich verheiratet, habe drei Kinder (Jungs, 31, 24 und 16 Jahre alt) sowie 2 Enkelkinder, bin leitender Angestellter in einem mittelständischem Versicherungsunternehmen und seit 1971 Fan von Hertha BSC. Im Verein bin ich seit Gründung 2010 und 1.Vorsitzender. Ich kümmere mich, soweit es meine Zeit zulässt, um die Öffentlichkeitsarbeit und das Fanleben. Daneben versuche ich Sabine bei der Orga zu unterstütze.

Wer oder was ist „Fans at Hertha“ und wie seid ihr entstanden?

fans@hertha e.V. ist 2010 aus einer Xing Hertha Fan-Gruppe entstanden, die den Wunsch hatten etwas Gutes für andere und vornehmlich für Kinder zu tun. Daher werden auch sämtliche Einnahmen von uns aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und ähnlichem nur für den guten Zweck einsetzt.

Was sind Projekte, die ihr so auf die Beine stellt?

Wir sind mit regelmäßigen Aktionen auf der Kinderkrebsstation im Helios Buch. Dort Basteln wird zum Beispiel Adventskränze mit den Kids oder Kochen mit ihnen. Dadurch können sie ihren schweren Alltag für ein paar Stunden vergessen. Auch in den SOS-Kinderdörfern sind wir regelmäßig aktiv. Egal ob mit Stadionbesuchen, Ausflügen ins Jump House und die Hurricane Factory oder gemeinsamen Grill- und Spieleabenden. Es hilft auch schon, wenn man einfach mal nur hilft ein paar Möbel aufzubauen oder Zimmer zu streichen. Es gibt aber noch viele andere Projekte. Meistens geht es darum, den Kindern Wünsche zu erfüllen und Möglichkeiten zu für spannende Erlebnisse zu bieten. Und natürlich verteilen wir regelmäßig Karten für Spiele unserer Hertha.

Wie viele Mitglieder habt ihr im Verein?

Wir haben etwa 100 Mitglieder, von denen circa 20 aktiv bei Aktionen helfen.

“Hertha unterstützt uns schon seit dem ersten Tag”

Unterstützt Hertha euch in irgendeiner Art und Weise, sei es mit Spenden oder persönlichem Einsatz?

Hertha unterstützt uns schon seit dem ersten Tag, Ingo Schiller ist Gründungsmitglied in unserem Verein. Jetzt kommt die meiste Unterstützung durch die CSR Abteilung von Hertha, die immer ein offenes Ohr für uns hat und uns mit Sachspenden und Kartenspenden oder Herthinho-Besuchen unterstützt.

hertha

Gibt es auch Spieler, die bei euch mitgeholfen haben?

Ja, auch einige Spieler haben uns unterstützt oder tun das immer noch regelmäßig. Zu nennen sind da zum Beispiel Fabian Lustenberger, Per Skjelbred, Pal Dardai, Zecke, Sami Allagui, Marvin Plattenhardt und Dodi Lukebakio.

Auf welchen Wegen kann man euch auch als Fan unter die Arme greifen?

Über unsere Internetadresse fans-at-hertha.de kann man Mitglied werden. Außerdem gibt es da noch viel mehr Infos zu den Projekten. Bei Interesse an Hilfe für unsere Aktionen schreibt man uns am besten eine E-Mail an info@fans-at.hertha.de und sagt uns, wobei man gerne helfen möchten. Wir antworten dort aber auch auf Fragen jeglicher Art.

Falls ihr uns mit einer Geldspende unterstützen wollt, könnt ihr das hier tun:

fans at hertha, DE35 1007 0024 0650 9665 00

Gibt es sonst noch etwas, was ihr gerne loswerden wollt?

Wir sollten alle weniger darüber reden, etwas Gutes zu tun und sondern es einfach mal machen. Jeder kann helfen, wenn er möchte. Schaut euch um, was euch am Herzen liegt und tut etwas, es muss nicht immer Geld sein, auch Unterstützung und ein offenes Ohr sind viel Wert.

Vielen Dank für das Interview und frohe Weihnachten!

Taktiktafel: Unsere Tore und die Frage, warum Hertha ab der 75. Minute Punkte liegen lässt

Taktiktafel: Unsere Tore und die Frage, warum Hertha ab der 75. Minute Punkte liegen lässt

Wir wollen euch regelmäßig Spielsituationen aus Partien von Hertha BSC, vor allem aus individual- und gruppentaktischer Sicht, detailliert vorstellen und dann anschließend gemeinsam mit euch auf unserem Discord-Server diskutieren.

Fußball, bzw. seine Spielaktionen und letztendlich Tore und Gegentore, muss immer im Kontext betrachtet werden: auch wenn Tore vermeintlich einstudiert sind bzw. gleich aussehen, gleicht keine Situation der anderen: welche Systeme spielen gegeneinander, welche Spieler stehen auf dem Platz, welche Spieltagstaktik wird gespielt, in welcher Spielminute befinden wir uns etc. – die Faktoren sind fast unendlich. Bestes Beispiel hierfür ist das 1:1 der Mainzer in der 94. Spielminute: diese Situation hätte es in der 52. Minute wahrscheinlich nicht gegeben, da die Mainzer hier nicht “Brechstange” (wie es beim Anstoss-Fußballmanager heißt) gespielt hätten.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Zwar kategorisiere ich die Hertha-Tore nach drei Kategorien, jedoch müssen alle Situationen anders interpretiert werden: nur weil Hertha viele Tore von der (halb-)rechten Seite eingeleitet hat, heißt es nicht unbedingt, dass diese Seite stärker ist. Wie oben beschrieben, kommt es auch immer auf die Gegenspieler bzw. deren Position und taktisches Verhalten (bspw. fehlendes Pressing) an.

Aber genug der Theorie: 19 Tore an 15 Spieltagen erzielten die Herthaner vor der Winterpause. Durchschnittlich 1,3 Tore zu 1,5 Gegentore pro Spiel – nur gegen Union verlor Hertha mit mehr als einem Tor Unterschied. An nur drei Spieltagen (Gladbach, Dortmund, Bremen) gelang unserer Mannschaft kein Tor. Drei Elfmeter haben wir zugesprochen bekommen. Sieben unterschiedliche Torschützen machten unser Angriffsspiel variabel.

Die von Hertha herausgespielten Tore

Die meisten Tore (12) waren gut herausgespielt, bei denen Hertha oftmals den Ball durch konsequente Zweikämpfe oder gutes Positionsspiel eroberte, aber auch individuelle Stärken – wie das 1-gegen-1 – nutzte, um zum Torerfolg zu kommen. Häufigster Vorlagengeber hier (die nächsten beiden Kategorien rausgerechnet) war Chidera Ejuke, der sowohl Lucas Tousart, Dodi Lukébakio als auch Suat Serdar den Ball auflegte.

Einen dieser herausgespielten Treffer möchte ich mir genauer angucken: Der wahrscheinlich emotionalste Treffer gelang unserer Hertha am 11. Spieltag gegen Gelsenkirchen. Nach zehn Spielen ohne Treffer (und Vorlage) gelang Neuzugang Wilfried Kanga in seinem achten Startelfeinsatz der 2:1-Siegtreffer in der 88. Minute, nachdem Hertha gerade erst kurz zuvor den aus meiner Sicht zwar verdienten, aber unnötigen Ausgleich kassiert hatte. Gerade als Trainer ist es ein schmaler Grat, einem erfolglosen Neuzugang (und Stürmer werden nun mal nach Toren und Vorlagen beurteilt) jedes Mal wieder die Chance zu geben. Doch “Willy” nutze seine Chance und gewann spätestens jetzt die Herzen aller Hertha-Fans.

Minute 87:44: Einwurf von Thomas Ouwejan auf Sebastian Polter. Zunächst steht Jonjoe Kenny dicht am Gegenspieler, während es so scheint, als ob Ivan Šunjić seinen Vordermännern sagen will, dass sie nicht zurückrücken müssen, da eine 6:4-Überzahl in der eigenen Hälfte besteht (Simon Terodde und Agustin Rogel nicht im Bild; während ein 3:3 im Mittelfeld herrscht, da Ouwejan durch den Einwurf kurz aus dem Spiel genommen ist und nur Kanga durch zwei Gegenspieler gedeckt wird).

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Minute 87:45: Kenny rückt von seinem Gegenspieler Polter etwas weg, coacht Šunjić bereitzustehen, um nach der Ballannahme von Polter blitzschnell zuzuschlagen und mit sehr viel Körpereinsatz den Ball zum unbedrängten Šunjić zu spitzeln.

Bei der Ballannahme von Polter (Minute 87:45) hatte er nur eine direkte Anspielstation auf Danny Latza, da sowohl Šunjić – gerade so – Florent Mollet als auch Lucas Tousart Kenan Karaman zugestellt haben. Polter hätte direkt auf Latza klatschen sollen (und der wiederrum zu Mollet spielen) oder den Ball per Kopf auf Terodde verlängern, statt den Ball anzunehmen und so das 1-gegen-1 zu suchen bzw. das mögliche Foul zu ziehen/Zeit zu schinden.

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Doch gerade dieses taktische Verhalten von Polter bringt Šunjić dazu, den Ball in die Spitze auf Kanga zu spielen, der – statt ins 1-gegen-1 zu gehen – auf Dodi Lukébakio klatschen lässt (Minute 87:49).

Statt dass Lukébakio jetzt den direkten Doppelpass zurückspielt, spielt er “über den Dritten” (Stevan Jovetić), der dann mustergültig auf Kanga weiterleitet (Minute 87:52). Neun Ballberührungen nach Balleroberung bis zum Tor brachten 60.165 Zuschauer*innen zum Jubeln bzw. Verzweifeln.

Gerade das konsequente Verteidigen und kollektive Ballerobern in Verbindung mit einem schnellen Umschaltmoment nach Ballgewinn hat Hertha einige Tore gebracht: exemplarisch sind hier noch die Balleroberungen von Suat Serdar gegen Union (Minute 84:15) und Freiburg (Minute 31:34) sowie von Filip Uremovic gegen Leverkusen (Minute 54:50) zu nennen.

Die Sonntagsschüsse

Der Begriff Sonntagsschuss soll in diesem Zusammenhang nicht abwertend oder als “Glückstreffer” gewertet werden, da auch hier wieder gewisse Faktoren eine Rolle spielen – vor allem fehlende Gegenspieler. Natürlich sind hier zuerst die Treffer von Marco Richter aus 32 Metern gegen Leverkusen und von Lucas Tousart aus 31 Metern gegen Gelsenkirchen zu nennen. Aber auch Suat Serdars Treffer aus 25 Metern gegen Freiburg (nachdem er nicht angegriffen wird) und Stevan Jovetić‘ Treffer aus 18 Metern gegen die Leipziger würde ich hier nennen.

Die Elfmeter für Hertha

Drei Elfmeter hat Hertha zugesprochen bekommen: die beiden Handelfmeter gegen den damaligen Tabellenzweiten aus Freiburg und Leipzig waren unstrittig, über den Foulelfmeter von Benjamin Pavard an Davie Selke gegen Bayern, der ihn dann auch selbst schießt, lässt sich streiten. Über einen nicht-gegebenen Elfmeter gegen Leverkusen wurde sowieso zu viel gestritten.

Ist da System im Spiel?

Hertha erzielte acht Mal den Führungstreffer (Frankfurt, Köln, Mainz, 2 x Gelsenkirchen, Augsburg, Freiburg, Leverkusen), woraus 13 Punkte aus sieben Spielen übrigblieben. Fast alle Punkte wurden also geholt, als Hertha zu Hause in Führung ging (nur Mainz und Augsburg auswärts). Vier Mal schaffte Hertha den Ausgleich nach einem Rückstand (Stuttgart, Freiburg, Hoffenheim, Leverkusen), woraus drei Punkte aus vier Spielen übrigblieben. Drei Mal gab es eine Ergebniskorrektur ohne Punktgewinn (Bayern, Leipzig, Union) und zwei Mal machte Hertha von allein den “Sack zu” (Köln, Augsburg).

Nach einer Ecke bzw. einem Freistoß hat Hertha bisher keinen Treffer erzielen können. Die einzigen beiden Jokertore (Führungstreffer gegen Leverkusen und das 2:0 gegen Augsburg) erzielte Marco Richter. Auffällig hoch waren die Tore nach einem Einwurf: sowohl zwei eigene Einwürfe (gegen Köln und Bayern) führten zu Toren bzw. einem Elfmeter, als auch das Zurückerobern von gegnerischen Einwürfen (gegen Hoffenheim, Gelsenkirchen, Leverkusen) führte Hertha zu entscheidenden Toren.

Diese 19 Tore sorgen dafür, dass wir nach 15 Spieltagen mit 14 Punkten auf Platz 15 stehen. Dem gegenüber stehen 22 Gegentore, von denen ich schon einige an dieser Stelle analysiert habe. Zehn Punkte holte Hertha im heimischen Stadion, nur vier Punkte konnte unser Team auswärts erkämpfen.

Besonders auffällig und sehr emotional: wären die Spiele von Hertha in der 75. Minute abgepfiffen worden, stünde Hertha mit acht Punkten mehr (22 Punkte, 16:16 Tore) auf Platz neun der Tabelle. Die längste Phase ohne Gegentor hatte Hertha zwischen der 55. – 77. Minute (in der Zeit würde Hertha sechs Tore schießen).

hertha

Nach diesen 23 Minuten gibt es eine Vielzahl an möglichen Faktoren, warum Hertha die Punkte nicht über die Zeit bringt und stattdessen in der 78. – 98. Minute sechs Gegentore bekommt: fehlende Kondition, fehlende Qualität von der Bank oder die Bereitschaft, sich mental 90+x Minuten auf das Spiel einzulassen.

hertha

Frage 1: welches Tor der „Hinrunde“ von Hertha wird dir lange in Erinnerung bleiben?

Frage 2: woran liegt es, dass Hertha in der Schlussviertelstunde Punkte liegen lässt?

(Titelbild: Matthias Kern/Getty Images)

VfB Stuttgart – Hertha BSC: Drei Thesen

VfB Stuttgart – Hertha BSC: Drei Thesen

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, das merkt Hertha in dieser Woche, auch ohne international zu spielen, besonders deutlich. Bereits drei Tage nach dem knapp verlorenen Heimspiel gegen den FC Bayern München müssen sich die Männer von Sandro Schwarz auf den rund 600 km langen Weg nach Stuttgart machen, wo sie gegen die Schwaben vom VfB antreten. Kein einfaches, aber dafür umso wichtigeres Spiel für die Blau-Weißen Gäste.

Unsere drei Thesen zum Spiel in Stuttgart.

These 1: Frühes Tor für die Hauptstädter

Der VfB Stuttgart hat mit 24 Gegentoren die fünftmeisten der Liga kassiert. Zu nennen ist hier vor allem Torwart Florian Müller, der des Öfteren unglücklich aussieht und sich den einen oder anderen Patzer leistet. Erwähnenswert ist außerdem, dass acht der 24 Gegentore und damit ein Drittel der Treffer innerhalb der Anfangsviertelstunde fielen. Exemplarisch sind hier insbesondere die vergangenen drei Spieltage. Gegen Dortmund, Gladbach und Augsburg lag man nach zwei bzw. jeweils vier Minuten bereits in Rückstand. Zumindest gegen die Fuggerstädter konnte das Spiel durch ein Tor von Waldemar Anton in der Nachspielzeit noch gewonnen werden. Ein kleiner Flashback zum Last-Second Klassenerhalt in der letzten Saison, wodurch die Herthaner in die Relegation mussten.

Florian Müller

Photo by Maja Hitij/Getty Images

Womit wir zur Alten Dame kommen. Diese startet in dieser Saison regelmäßig gut in Spiele, ist meist sofort hellwach, griffig und mutig. Zwar konnte trotz dieses Aufwandes nur ein Tor vor der 15. Minute geschossen werden (Serdar gegen Frankfurt am zweiten Spieltag), doch verschlafen wurde nahezu kein Spiel. Hier liegt also durchaus eine Chance für Hertha, früh in Führung zu gehen. Stuttgart wird allerdings ein ganz besonderes Augenmerk drauflegen, nicht erneut ab Spielbeginn einem Rückstand hinterherzulaufen. Es ist daher natürlich bei Weitem kein Selbstläufer, solch einen Blitzstart hinzulegen.

These 2: Kempf mit einem arbeitsreichen Spiel

Marc Oliver Kempf kehrt nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart zu Hertha BSC im vergangenen Winter erstmals in die Mercedes Benz Arena zurück. Der dort ehemalige Kapitän wird hierbei zusammen mit seinem Innenverteidiger-Partner Agustin Rogel einiges zu tun haben. Verantwortlich dafür wird allem an Borna Sosa sein. Der kroatische linke Außenverteidiger schaltet sich gerne offensiv mit ein, sein Hauptwerkzeug dafür sind Flanken. Mit vier Torvorlagen führt Sosa diese Statistik teamintern an. Nachdem Sasa Kalajdzic die Schwaben im Sommer Richtung England verließ, heißen die Hauptabnehmer der Flanken mittlerweile Serhou Guirassy und Luca Pfeiffer.

Kempf und Sosa

Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images

Gleichzeitig stehen mit Silas Katompa-Mvumpa und Tiago Tomas zwei äußerst schnelle und technisch starke Stürmer bereit, die die Abwehr der Alten Dame auch auf dem Boden mehr als fordern werden. Für die letzte Reihe der Herthaner, allen voran Ex-Stuttgarter Kempf, wartet also viel Arbeit, wenn man erfolgreich aus dem Duell gehen möchte.

These 3: Hertha bleibt vor Stuttgart

Es ist kein Geheimnis: Hertha spielt besser, als es die Tabelle vermuten lässt. Es ist allerdings auch kein Geheimnis, dass es nach der Saison niemanden interessiert, ob man gut gespielt hat oder nicht, sollte der Abstieg die Folge sein. Positiv festzustellen ist, dass die Charlottenburger bisher beide ihrer „Muss-Spiele“ gegen Augsburg und Schalke gewinnen konnte. Allgemein fällt auf: Die Hauptstädter haben gegen jedes Team der momentanen Top-10 gespielt, auf der anderen Seite nur gegen drei der anderen sieben Mannschaften von der unteren Seite der Tabelle. Sollte auch das dritte „Muss-Spiel“ gegen den VfB Stuttgart gewonnen werden, stünde man drei Punkte vor den Gastgebern, und das mit dem deutlich besseren Torverhältnis. Die Chancen wären somit hoch, dass Hertha BSC die lange WM-Pause hinweg nicht auf einem Abstiegsplatz verbringen müsste. Bei einem Unentschieden bliebe man bis mindestens Samstag, ca. 17:25 Uhr vor dem heutigen Gastgeber.

Und da Hertha in Stuttgart nicht verlieren wird, stehen die Blau-Weißen so oder so auch nach dem 14. Spieltag vor den Schwaben.

[Titelbild: Maja Hitij/Getty Images]