Herthaner im Fokus: Hertha BSC – SV Werder Bremen

Herthaner im Fokus: Hertha BSC – SV Werder Bremen

Ein Spiel in der Bundesliga beginnt beim Stand von 0:0 und dauert 90 Minuten. Bei Hertha BSC ist es etwas anders. Ein Spiel beginnt in der Regel beim Stand von 0:2. Die katastrophalen ersten Spielminuten der Blau-weißen werden in dieser Rückrunde zur Gewohnheit. Zugegeben: die „alte Dame“ konnte gegen Werder Bremen erneut den frühen Rückstand am Ende ausgleichen und punkten. Trotzdem wird deutlich, dass es so unheimlich schwierig wird, Siege zu holen. Wären da nicht diese „Drecksminuten zu Spielbeginn…

Weil diese Wochen für Hertha-Fans schwierig zu verdauen sind, waren wir dieses Mal in unserer Bewertung vor allem auf der Suche nach positiven Aspekten. Diese fanden wir unter anderem auch Niklas Stark, Maximilian Mittelstädt und Matheus Cunha.

Thomas Kraft – Kein Spiel zum glänzen

Aufmerksame Leserinnen und Leser werden festgestellt haben: der neue Stammkeeper wurde in unserer Einleitung nicht erwähnt. Das liegt daran, dass er als einziger, der heute im Fokus stehenden Spieler nicht wegen seiner sportlichen Leistung ins Auge getreten ist. Ihn jedoch kurz anzusprechen lohnt sich, da eine Änderung auf der Torhüterposition im Laufe der Saison eher unüblich ist. Zudem wurde im Anschluss auf das Düsseldorf-Spiel sehr viel über Thomas Kraft diskutiert. Weniger aufgrund seiner sportlichen Leistung, sondern eher wegen seiner Ansprache in der Kabine. Er sei besonders wichtig für die Mannschaft, solle nervenstärker sein als sein Konkurrent Rune Jarstein und deshalb auch in dieser Situation die beste Wahl sein.

Kraft hatte gegen Bremen wenig zu tun. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Umso bitterer also, dass das Spiel gegen Werder Bremen ihm nicht wirklich die Möglichkeit gab, den Fokus auf seine sportliche Rolle zu legen. Schon nach sechs Minuten lag Hertha mit 0:2 zurück, und das Lächeln im Gesicht von Thomas Kraft war von jeglicher Freude oder Heiterkeit befreit. Auch er wird, wie alle Herthafans und -akteure geglaubt haben, im falschen Film zu sein. Beim ersten Gegentreffer konnte Kraft noch nicht viel machen, beim zweiten hingegen wirkte der Spieler mit der Nummer Eins im Rücken äußerst unglücklich. Seine Positionierung beim Kopfball von Davy Klaassen sah alles andere als Souverän aus. Trotzdem muss zu seiner Verteidigung angeführt werden, dass die gesamte Hintermannschaft ihren Keeper völlig im Stich ließen. Lukas Klünter ließ erst Milot Rashica viel Zeit und Raum zum Flanken, dann schlief die Innenverteidigung und Klaassen bedankte sich.

Nach diesen zwei Treffern bekam Thomas Kraft so gut wie gar nichts mehr auf sein Tor. Eine gute Nachricht eigentlich, allerdings konnte sich der 31-Jährige dann auch nicht mehr durch Paraden auszeichnen. Zumindest konnte er durch einzelne schnelle Abwürfe Angriffe seiner Mannschaft einleiten. Am Samstag konnte Kraft also keine Glanztaten zeigen, trotzdem ist zu hoffen, dass bis zum Ende der Saison die Torhüter-Position kein Thema mehr wird. Angesichts dieser Spielzeit ist allerdings noch alles vorstellbar.

Niklas Stark – Nach Gelbsperre zurück ins Rampenlicht

Niklas Stark gehört sicherlich zu den Spielern, die diese Saison weit unter ihren Möglichkeiten gespielt haben. Nach seiner Gelbsperre kehrte er am Samstag zurück in die Startelf und ersetzte dort Dedryck Boyata, der aufgrund von Muskelproblemen ausfiel. Direkt war Stark im Mittelpunkt des Geschehens, und war auch mitverantwortlich für den erneuten Katastrophenstart von Hertha.

Niklas Stark köpft zum 1:2 Anschlusstreffer. (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Beim 0:1 machte er seinem Gegenspieler Joshua Sargent zu wenig Druck, sodass dieser ungestört abschließen konnte. Auch beim 0:2 war er schuldhaft beteiligt: der 24-Jährige verlor Davy Klaassen aus den Augen, der dann einköpfen konnte. Keine gute Rückkehr also. Sichtlich verunsichert spielte Stark auch im Anschluss zunächst sehr hektisch und unpräzise. Durch einen gefährlichen Fehlpass in der 24. Minute hätte er sogar einen weiteren Gegentreffer einleiten können.

Er selbst fand poetische Worte, um den Frust der Anfangsphase zu beschreiben: „wir beißen uns selber in den Arsch“. Doch zumindest schaffte es Niklas Stark, die passende Antwort schon in der ersten Halbzeit zu finden. Wie auch die restliche Mannschaft der „alten Dame“ wurde der junge Verteidiger im Verlauf der Partie sicherer. Dadurch, dass sich Hertha auch mehr Kontrolle sicherte, traute er sich auch mehr im Spielaufbau zu, wie zum Beispiel in der 37. Minute, als er nach einem Vorstoß Krzysztof Piątek in Szene setzte. Diese Leistungssteigerung krönte er dann selbst in der 41. Minute, als er den so wichtigen Anschlusstreffer per Kopf erzielte.

In der zweiten Halbzeit war Stark deutlich sicherer, sein Treffer gab ihm sichtlich Selbstvertrauen. Auch war spürbar, dass er hundert Prozent gab, auch wenn manchmal die Abstimmung mit seinen Mitspielern nicht perfekt funktionierte. In der 64. Minute beispielsweise ließ er noch seinen Gegenspieler frei köpfen. Zwei Minuten später warf er sich aufopferungsvoll in einer Defensivaktion rein und klärte den Ball. Der Wille war da bei Niklas Stark, das zeigt sich auch in seiner Statistik. Er klärte nicht nur 7 Bälle (der beste Wert im Hertha-Team), er konnte auch 75 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnen und lief sogar mehr als 10 Kilometer. Es war ihm anzumerken, dass er seiner schwachen Form der letzten Wochen zum Trotz ein gutes Spiel machen wollte. Seine erste halbe Stunde warf letztlich einen Schatten auf sein ansonsten ordentliches Spiel.

Maximilian Mittelstädt – Mittendrin statt nur dabei

Ein weiterer Spieler durfte sich, nach den vielen Wechsel der letzten Wochen, wieder von Beginn an zeigen. Maximilian Mittelstädt übernahm die linke offensivere Seite bei den Blau-weißen. Er nutze die Tatsache, dass er mit Marvin Plattenhardt einen sehr defensiv aufgestellten Verteidiger hinter sich hatte, um sich in den meisten Angriffen von Hertha mit einzuschalten.

Torschütze und Vorbereiter zum 2:2 (Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images).

Der 22-Jährige war sehr präsent im Berliner Spiel und schien unermüdlich zu sein. Ganze 11,55 Kilometer lief er, der beste Laufwert hinter Vladimir Darida und Santiago Ascacibar. Dazu kommen 26 Sprints und 78 intensive Läufe: in beiden Werten ist er damit auf Platz drei bei Hertha. Sein Einsatz zeigte sich unter anderem auch in der 28. Minute, als er den weiten Weg bis in den eigenen Strafraum zurück sprintete, um einen Bremer Angriff zu vereiteln. Besonders interessant wird es, wenn man sich die sogenannten „Heatmaps“ anschaut. Während Marius Wolf vor allem auf seiner rechten Seite blieb war Maximilian Mittelstädt fast überall zu sehen, was sich in der 69 Minute zeigte, als er komplett die Seite wechselte, um einen Ball wegzugrätschen.

Auffällig war auch, dass es ihn auch immer öfter in die zentrale Position zog. Auch durch die Passivität der Bremer nach der Anfangsphase hatte er mehr Freiheiten, probierte vieles nach vorne. Dieser Offensivdrang sorgte auch für den 2:2 Ausgleichstreffer: in der 60. Minute kam Mittelstädt im Strafraum zum Abschluss. Der abgewehrte Ball wurde dann von Matheus Cunha ins Tor geschossen. Auch in der 78. Minute glänzte der gebürtige Berliner, als er einen langen Ball per Vollsprint noch erreichte und in die Mitte auf Vladimir Darida spielte. Dessen Schuss sorgte für den, später zurückgenommenen, Handelfmeter für Hertha.

Es war nicht alles gut, was der junge Berliner am Samstag zeigte. Vor allem seine hohen Hereingaben waren oft zu ungenau, doch insgesamt weist er eine gute Passquote auf (85 Prozent, im Vergleich: Marius Wolf hatte eine Passquote von 52 Prozent). Nach Matheus Cunha (20) und Ludwig Augustinsson (19) ist Mittelstädt außerdem der Spieler, der die meisten Zweikämpfe gewann. Sein Einsatz, seine Flexibilität und seine Entschlossenheit beim 2:2 waren für das Berliner Spiel sehr wertvoll. Auch deshalb ist davon auszugehen, dass Maximilian Mittelstädt in der nächsten Partie gegen die TSG Hoffenheim erneut von Anfang spielen wird.

Matheus Cunha – Dauergast bei „Herthaner im Fokus“

Aktuell führt in unserer „Herthaner im Fokus“-Rubrik kein Weg an Matheus Cunha vorbei. Da er auch gegen Bremen der auffälligste Spieler auf dem Platz war, können wir erneut nicht auf eine Bewertung verzichten. Cunha war wie auch in der zweiten Halbzeit in Düsseldorf omnipräsent, verlor kaum Bälle, glänzte durch Dribblings und mit einer guten Übersicht. Kein Wunder also, dass er der Spieler ist, der für Hertha in der 20. Minute den ersten Ausrufezeichen setzte, indem er einen Konter im Vollsprint anführte und dann selbst kurz vor dem gegnerischen Strafraum abschloss. Der etwas zu unplatzierte Schuss war das erste Zeichen, dass sich Hertha anfing zu wehren. Dies sollte nur einer von zahlreichen Schüssen werden: Cunha gab mit neun (!) Torschüssen mit großem Abstand die meisten Schüsse von allen Spielern auf dem Platz ab.

Der Brasilianer schießt das so wichtige 2:2 (Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images).

In der 34. Minute zog der junge Stürmer erneut aus der Distanz ab und zwang Keeper Stefanos Kapino zu einer starken Parade. Kaum vier Minuten später war er wieder im Mittelpunkt, setzte sich gegen mehrere Gegenspieler im Strafraum durch und sorgte für den nächsten gefährlichen Angriff. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit hätte er auch mit mehr Glück einen Elfmeter für Hertha rausholen können. Auch mit starken Pässen konnte er glänzen, wie zum Beispiel in der 53. Minute, als er Marvin Plattenhardt sehenswert in Szene setzte, der allerdings durch eine schwache Hereingabe den gefährlichen Angriff verschwendete.

In der 60. Minute war es dann soweit: der Brasilianer belohnte seine erneut starke Leistung und traf zum 2:2. Auch im Anschluss seines Treffers hängte er sich rein. Was auch auffiel: der 20-Jährige lief von allen Berliner Feldspieler am wenigsten, nur 9,27 Kilometer. Seine Läufe waren jedoch intelligent und effektiv. Dies zeigt sich daran, dass er trotz des geringen Laufumfangs an fast allen Berliner Kontern und Angriffen beteiligt war. Zudem gewann er auch die meisten Zweikämpfe (20) und hatte die meisten Sprints (34) und Dribblings.

Auch hier muss bei allen Lobeshymnen festgestellt werden, dass ihm in einigen Situationen die letzte Präzision und Ruhe fehlte. Bestes Beispiel dafür ist die Szene in der 70. Minute, als der junge Stürmer den wunderbar von Jordan Torunarigha eingeleiteten Konter in aussichtsreicher Position nicht gut nutzen konnte. Sein Pass auf Krzysztof Piątek war dann zu ungenau, und eine gute Chance vergeben.

Der laut Werder-Trainer Florian Kohfeldt „beste Spieler auf dem Platz“ Matheus Cunha belebt zweifellos das Berliner Offensivspiel, und sorgt für besondere Momente. In wenigen Spielen hat sich der Brasilianer eigentlich schon komplett unverzichtbar gemacht. Auf ihn wird Hertha in den nächsten Spielen ganz sicher hoffen. Bisher hat er diese Hoffnung nicht enttäuscht.

Hertha BSC – SV Werder Bremen: Nur Zuhause holen wir nichts

Hertha BSC – SV Werder Bremen: Nur Zuhause holen wir nichts

Am Samstagnachmittag steht das nächste Heimspiel für Hertha BSC an. Dass das kein Grund zur Freude für die Anhänger der „alten Dame“ ist, ist offensichtlich. Im Jahr 2020 gab es Zuhause nur einen Punktgewinn (0:0 gegen Schalke 04). Ansonsten gab es drei hohe Niederlagen, die letzte gegen Köln schmerzte dabei besonders, weil die Mannschaft mit 0:5 komplett unterging. Jetzt kommt mit dem SV Werder Bremen ausgerechnet ein Angstgegner ins Olympiastadion.

Seit 2013 konnte man nicht mehr gegen die Bremer drei Punkte holen. Dazu kommt, dass Hertha diese Saison öfter als Aufbaugegner für verunsicherte Mannschaften glänzen konnte. Um jedoch in dieser turbulenten Zeit nicht in Panik zu verfallen, wollen wir die nächste Partie objektiv betrachten. Dazu haben wir uns einen kompetenten Interviewpartner geholt, in Person von Kim (auf Twitter @kimosch46) der unter anderem beim Weserfunk regelmäßig zu hören ist. Mit ihm blicken wir auf die so wichtige Partie am Samstag.

Gespaltene Medienlandschaft bei Werder Bremen

Hertha BASE: Die klassische Frage zu Beginn: wie ist so die Stimmungslage in Bremen?

Kim: Liebes Tagebuch, im Moment ist es bei Werder sehr unruhig. Es scheint, als spalte sich die Fanszene sowie die Medienlandschaft in zwei Lager. In dem einen Lager sagen sie, Florian Kohfeldt habe keinen Mehrwert mehr für Mehrder… äh, Werder. In dem anderen Lager, zu dem ich mich selbst auch zähle, sagen sie, dass Florian Kohfeldt nach wie vor der richtige Trainer für Werder ist. Aber dazu später mehr. Ansonsten kann man sagen, dass es lange nicht solch eine Unruhe im und um den Verein gab. Dazu kommt eine immer stärker boulevardeske Berichterstattung über Werder. Es wird alles skandalisiert und dramatisiert und das in einer Situation, die sportlich schon dramatisch genug ist. Ach, liebes Tagebuch, es ist wirklich anstrengend zur Zeit.

Trainer Florian Kohfeldt (Foto: Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Anstrengend war auch das Pokalaus gegen Frankfurt (2:0). Was nimmt die Mannschaft aus dieser Partie mit?

Kim: So, genug Bezug zu Tagebüchern jeglicher Art. Das Pokalspiel steht für die sportliche Misere: Zunächst steht Werder defensiv solide und versucht situativ den Gegner unter Druck und offensive Nadelstiche zu setzen. Dann kommt ein Rückschlag, meist durch einen Standard, und es gibt Unruhe. Im Pokalspiel war es noch okay nach dem Gegentor, offensiv fand Werder jedoch kaum statt. Die beiden einzigen Tore für Werder in der Liga im Jahr 2020 waren Eigentore. Einzig das Pokalspiel gegen den BVB ließ die Stürmer jubeln, ansonsten herrscht Ebbe in der Offensive. Was man jedoch mitnehmen kann: Defensiv war es weitestgehend in Ordnung und in den meisten Statistiken lag Werder vorne. Punkte in der Liga gibt es dafür jedoch keine.

Und trotzdem scheint Florian Kohfeldt das Vertrauen der Vereinsführung zu behalten. Was denkst du über die Trainersituation?

Kim: Ich halte Kohfeldt nach wie vor für einen talentierten Trainer, der für Werder der richtige Coach ist. Die Situation ist auch gänzlich anders als bei Skripnik und Nouri zu bewerten. Kohfeldt ist großartig in der Kommunikation, die Mannschaft steht hinter ihm und spricht sich auch für ihn aus. Ein Bruch zwischen Team und Trainer ist nicht auszumachen. Darüber hinaus stellt sich ja auch immer die Frage nach einer Alternative: Wer wäre denn für Werder überhaupt verfügbar und auch ein klares Upgrade zu Kohfeldt? Der Kader ist so wie er halt ist, im defensiven Mittelfeld klafft eine eklatante Lücke, was aber in erster Linie Baumann anzukreiden ist und nicht Kohfeldt. Ich bin nach wie vor voller Hoffnung, dass Bremen mit Kohfeldt den Turnaround schafft!

Ohne Selke, Toprak und Pavlenka nach Berlin

Wie gut kann Bremen die Müdigkeit bis Samstag wegstecken?

Kim: Von Mittwoch bis Samstag sollte genug Regeneration möglich sein, zumal die Mannschaft auch von Frankfurt direkt nach Berlin reist. Das darf keine Ausrede sein!

Wie schätzt du die Stärken eures Teams ein? Was kann euch denn da unten raus holen?

Kim: Rashica, Selke (der gegen Hertha fehlt) und Bittencourt werden (hoffentlich bereits am Samstag) den Schalter umlegen und die Liga kurz und klein schießen. Nur durch Eigentore des Gegners wird man die Klasse nicht halten können.

Dafür habt ihr ja Hertha-Schreck Claudio Pizarro auf der Bank. Allerdings fallen jetzt Ömer Toprak und Torhüter Jiri Pavlenka (Muskelfaserriss) aus. Was wird sich im Team durch die Ausfälle am Samstag verändern?

Kim: Toprak ist glücklicherweise nicht so schwer verletzt wie befürchtet, wird gegen die alte Dame jedoch fehlen. Vogt wird deshalb vermutlich in die Innenverteidigung rücken und wohl Sahin in die Mannschaft spülen. Selke darf ja nicht spielen – was für eine Klausel, ach du meine Güte, Baumann! – was vielleicht zum Startelfdebüt von Nick Woltemade führen wird. Vielleicht wird aber auch Josh Sargent starten.

Davie Selke darf aufgrund einer Klausel nicht gegen Hertha spielen. (Gif: https://giphy.com/bundesliga )

À propos Selke: wie macht er sich bisher bei euch? Was hälst du von ihm?

Kim: Der Transfer ließ mich zwiegespalten zurück: Finanziell für Werder ein ordentliches Wagnis, dazu ist Davie auch nicht der Spieler, der die 10+x Tore garantiert. Aber er ist jemand, der voran geht und sich nicht versteckt, dazu für Kohfeldt Art des Fußballs auch der richtige Zielspieler. Ich hätte mir im Winter gewünscht, dass das Geld in einen zentralen Mittelfeldspieler gesteckt wird, aber das ist ja nicht Selke anzulasten. Im Pokal gegen den BVB hat man gesehen, welche Qualitäten er hat und ich hoffe, dass er diese nun konstant und über den Sommer hinaus für Werder zeigen wird.

Und zum Schluss noch die obligatorische Frage nach deinem Tipp für die Partie:

Kim: Die ersten Frames wird Hertha sich holen, dann wird Werder jedoch mit einem Maximum Break das Ruder herumreißen und großartiges Snooker spielen. 9:5 für Werder!

Erwachen der Macht im Hertha-Kader?

Wie wir bereits in unserer Rubrik „Herthaner im Fokus“ feststellten, war das Spiel in Düsseldorf vor allem durch die Spieler geprägt. Nouris taktische Umstellungen trugen keine Früchte, wieder einmal mussten die Berliner zur Halbzeit zwei mal wechseln. Nur durch eine Reaktion innerhalb der Mannschaft, insbesondere gepusht durch die erfahrenen Spieler im Team, konnte die Aufholjagd realisiert werden. Jetzt heißt es aber im Hinblick auf das Spiel am Samstag: war es nur eine einmalige Situation? Oder gab es im Hertha-Kader eine Art „Erwachen der Macht“?

Viel wurde spekuliert, dass sich die Mannschaft quasi „selbst“ leitet. Hertha scheint auch auf diese Reaktion aufbauen zu wollen: Thomas Kraft wurde in der Pressekonferenz als aktuelle Nummer Eins im Tor bekräftigt. Vor allem seine Rolle fürs Teamgefüge sei wichtig für die nächsten Partien. Auch Vladimir Darida, der eine der wenigen Säulen im Team zuletzt darstellt, wird wohl wieder in der Startelf stehen. Eine wichtige Säule fällt hingegen mit Dedryck Boyata weg. Der belgische Abwehrchef leidet noch unter Muskelproblemen. Er wird in der Innenverteidigung wohl durch Niklas Stark ersetzt, der nach Gelbsperre zurückkehrt. Zudem fällt weiterhin auch Peter Pekarik aus, Per Skjelbred hingegen könnte noch rechtzeitig fit werden. Auch Santiago Ascacibar steht wieder zur Verfügung.

Dedryck Boyata fällt am Samstag verletzt aus. (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Kein Spiel für schwache Nerven

Die taktische Ausrichtung bleibt eine große Frage. Die ständigen Wechsel der letzten Wochen führen auch dazu, dass die Startelf kaum vorherzusagen ist. Sollte Hertha den Schwung der zweiten Halbzeit in Düsseldorf mitnehmen wollen, wird die Aufstellung am Samstag um 15:30 Uhr wohl ähnlich aussehen, wie in dieser zweiten Hälfte.

Die Antworten unseres Werder-Experten deuten schon an, dass Hertha auf eine Mannschaft am Samstag treffen wird, die ums Überleben kämpft. Bremen ist angeschlagen, unter Druck und dazu noch personell geschwächt. Hertha könnte durch einen Sieg einen Riesen-Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Bei dieser Ausgangslage klingeln bei allen Hertha-Fans schon die Alarmglocken.

Doch dieses Gerede von Aufbaugegner, Heimschwäche und positiven Druck muss endlich ein Ende finden. Die Mannschaft muss den Charakter-Test bestehen und endlich wieder gegen die Konkurrenz im Abstiegskampf ein Zeichen setzen. Die Trainerdiskussion gibt der Mannschaft keine Ausreden mehr. Die zweite Halbzeit in Düsseldorf und der anschließende Austausch der Spieler mit den Fans und später mit dem Trainer müssen eine positive Energie erzeugen. Diese Kraft wird notwendig sein: das Spiel am Samstag wird wieder kein Spiel für schwache Nerven.

Herthaner im Fokus: SV Werder Bremen – Hertha BSC

Herthaner im Fokus: SV Werder Bremen – Hertha BSC

Mit einem 1:1-Unentschieden hat sich Hertha BSC aus Bremen verabschiedet – ein Auswärtspunkt, mit dem die Berliner aufgrund des Spielverlaufs wohl zufrieden sein können. Zwar zeigten die Blau-Weißen phasenweise wieder guten Fußball, den man bereits gegen Fortuna Düsseldorf gesehen hatte, doch waren es die Werderaner Gastgeber, die über 90 Minuten gesehen mehr vom Spiel und die besseren Torgelegenheiten hatten. Die Einzelkritik zu einem Ergebnis und einer Leistung, die jeweils in Ordnung gehen.

Rune Jarstein – den Punkt festgehalten

“Einen Ball habe ich gut gehalten, das war natürlich schön. Ich fühle mich fit und gut, habe auch durch die Nationalmannschaft zuletzt viele Spiele gemacht”, so die Worte von Rune Jarstein am Morgen nach dem 1:1 im Weserstadion. Der Berliner Torhüter bewahrte seine Mannschaft wie bereits gegen den 1. FC Köln vor einer Niederlage, indem er den ein oder anderen gefährlichen Schuss noch parierte.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Beim Bremer Führungstreffer durch Sargent war der norwegische Schlussmann allerdings noch machtlos, der Schuss des US-Amerikaners wurde unhaltbar von Vordermann Dedryck Boyata abgefälscht, sodass er sich über Jarstein hinweg ins Tor senkte. Daraufhin war jedoch keinerlei Vorbeikommen mehr, Herthas Keeper brachte die Gastgeber teilweise zur Verzweiflung.

Seine wohl auffälligste Szene verbuchte der 35-Jährige in der 64. Minute, als er beim Abschluss von Rashica blitzschnell ins rechte Toreck hechtet und diesen noch abwehrt, um anschließend noch einmal nach vorne zu springen und so den Nachschuss bzw. die Ecke zu verhindern. Nur zwei Minuten zuvor war Jarstein bereits auf dem Posten, auch in dieser Szene verhinderte er das Tor von Rashica. Insgesamt vier Paraden zeigte Herthas Nummer 22 am Samstagnachmittag und sicherte seinem Team somit einen Punkt.

Eine einmal mehr hervorhebenswerte Darbietung des Berliner Schlussmanns, der sich in einer guten Form befindet.

Maxi Mittelstädt – Stammplatz verteidigt

Zwar zeigte Hertha im Weserstadion sicherlich keine schlechte Leistung, doch wirklich viele Feldspieler ließen sich individuell nicht positiv herausheben – einer der wenigen war Maxi Mittelstädt, der gegen Bremen seine wohl beste Saisonleistung präsentierte und sowohl defensiv als auch offensiv einer der prägenden Spieler war.

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Vor der Partie bestand noch die Frage, welchen Linksverteidiger Trainer Ante Covic aufs Feld stellen würde: den wiedergenesen Marvin Plattenhardt oder Mittelstädt, der die vergangenen drei Partien bestritt? Herthas Chefcoach entschied sich für Mittelstädt und sollte damit eine vorzügliche Wahl getroffen haben, denn das Berliner Eigengewächs unterstrich in Bremen seine Ambition, in der laufenden Spielzeit endgültig zum Stammspieler zu reifen. Diesen Anspruch untermauerte er zunächst einmal mit den Grundtugenden eines Abwehrspielers: dem Verteidigen. Der 22-Jährige wirkte über 90 Minuten hoch fokussiert und war jederzeit sehr nahe an seinem Gegenspieler zu finden, dem er den Schneid abkaufte und für immer in einer robusten Truhe verstaute. Zehn seiner elf Zweikämpfe gewann Mittelstädt, dazu alle fünf seiner Kopfballduelle. Zusätzlich sicherte er zwölf Bälle ab, klärte fünf Aktionen und fing vier Bälle ab – allesamt überdurchschnittliche Werte, die seine glänzend aufgelegte Form an diesem Tag nur unterstreichen. Mittelstädt bestach durch äußerst abgeklärtes Zweikampfverhalten und intelligentes Positionsspiel.

Aber auch im Spiel mit dem Ball wusste Herthas Nummer 17 zu überzeugen. Mit 94 Ballkontakten verbuchte Mittelstädt mit großem Abstand (Darida hatte 75) die meisten aller Herthaner, doch ist reiner Ballbesitz noch kein Argument für eine gute Vorstellung, man muss auch etwas mit diesem anzufangen wissen – und das tat Mittelstädt. Es ging stets konstruktiv nach vorne, hatte der ehemalige Juniorennationalspieler den Ball, mit einer 76%igen Passquote waren die meisten seiner Zuspiele hinzukommend auch präzise. Insgesamt drei Torschüsse bereitete der Herthaner am Samstag vor, auch der Assist für das Tor von Lukebakio ging auf sein Konto. In der 16. Minute hätte Mittelstädt sogar beinahe sein erstes Saisontor erzielt, doch sein beherzter Distanzschuss nach einer Ecke touchierte nur die Latte.

Es war ein insgesamt sehr intelligenter und fehlerfreier Auftritt von Mittelstädt, der im Defensivverhalten keine seiner durchaus bekannten kopflosen Aktionen produzierte und im Spiel nach vorne eine prägende Figur abgab. Er war stets Herr der Lage und ein absoluter Aktivposten seiner Mannschaft. In dieser Form ist Mittelstädt nicht aus der Startelf wegzudenken.

Vedad Ibisevic – glücklos

“Die Situation mit Pavlenka war für mich ein klarer Elfmeter. Es ist schade, dass der Schiedsrichter das nicht gepfiffen hat. Wenn es kein Elfmeter war, hätte er mir die Gelbe Karte für eine Schwalbe geben müssen”, zeigte sich Vedad Ibisevic nach dem Schlusspfiff sichtlich erzürnt über den nicht-gegebenen Elfmeter. Der Berliner Kapitän sähe sich in einer Schublade und aufgrund dessen würden viele Entscheidungen im Zweifel gegen ihn gepfiffen werden.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Gemeint ist die Szene aus der 12. Minute, in der Ibisevic perfekt bedient von Marius Wolf auf Bremens Tor zulief und in letzter Sekunde von SVW-Keeper Pavlenka von den Beinen geholt wurde. Schiedsrichter Dr. Felix Brych entschied, dass Bremens Schlussmann den Ball gespielt habe und es somit kein Strafstoß war – eine eindeutig diskutable Entscheidung, die vor allem dadurch an Brisanz gewann, dass der Videobeweis nicht eingriff und zumindest Herrn Brych zum Monitor am Spielfeldrand bemühte, um sich diese Szene noch einmal anzuschauen. Anzumerken ist auch, dass daraufhin nicht einmal einen Eckball für Hertha gab – kurios, da Pavlenka ja den Ball gespielt haben soll, der daraufhin ins Torlinienaus rollte. Ohne weiter ausholen zu wollen: über einen Elfmeter hätten sich die Bremer wohl nicht beschweren dürfen.

Zum einen wurde hiermit Hertha die Chance auf einen sehr frühen Ausgleichstreffer genommen, zum anderen Ibisevic die Möglichkeit, sich auf dem Spielzettel zu verewigen – sei es durch den herausgeholten Elfmeter an sich oder durch ein Tor, wäre er der Schütze gewesen (nicht unwahrscheinlich). Von der Szene abgesehen zeigte Herthas Kapitän eine durchaus zufriedenstellende Leistung. Zwar kam er selbst in keine Abschlusspositionen, doch arbeitete der 35-Jährige viel für seine Mannschaft. Regelmäßig ließ sich der Bosnier in die eigene Hälfte fallen, um als Anspielstation zu dienen und Bälle festzumachen – das klappte mal mehr und mal weniger gut. Es gab allerdings einige gute Dribblings und Seitenverlagerungen des “Vedators” zu sehen, der sichtlich bemüht war, das Spiel seiner Mannschaft anzukurbeln. Mit der Zeit verflachte dieser Aufwand jedoch, sodass Trainer Covic sich dazu entschied, Ibisevic nach 77 Minuten für den frischen Davie Selke auszuwechseln.

Ein ordentlicher Auftritt von Ibisevic, der zunächst an der Elfmeter-Szene zu knabbern hatte, sich jedoch aufraffte und daraufhin ein wichtiger Bestandteil des Berliner Aufbauspiels wurde.

Dodi Lukebakio – Edeljoker

So langsam wird es zur Gewohnheit: wechselt Trainer Covic seinen Flügelspieler Dodi Lukebakio ein, kann sich der Gegner auf eine Torbeteiligung seinerseits einstellen. Bereits im dritten Spiel infolge ist Herthas Rekordneuzugang nun als Einwechselspieler an einem Treffer beteiligt gewesen, dieses Mal traf der Edeljoker selbst.

Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

“Der Trainer hat mir vor der Einwechslung gesagt, dass ich alles geben soll, was ich drauf habe. Das hat gut geklappt und der Punkt ist nicht unbedeutend für uns”, zeigte sich Lukebakio nach seinem erneut mehr als gelungenen Joker-Einsatz zufrieden. Der Belgier wurde in 56. Minute für den wirkungslos gebliebenen Javairo Dilrosun eingewechselt und sollte dessen Position auf dem linken Flügel übernehmen. Dort hielt es ihn die ersten Minuten jedoch nicht, immer wieder zog der 22-Jährige in den “Achterraum”, um dort die Anspiele zu fordern. Eine Maßnahme, die zwar Lukebakios Motivation unterstrich, allerdings nicht dem Plan von Covic folgte. Herthas Trainer beorderte Lukebakio daraufhin wieder auf die linke Außenbahn, dort sollte Herthas Nummer 28 die Breite halten, Bremen auseinanderziehen und durch sein Tempo und seine Dribbelstärke in direkte Duelle verwickeln.

In der 57. Minute legte Lukebakio sogleich eine Chance auf, nachdem er auf dem linken Flügel durchgebrochen war und Ibisevic bedienen wollte. Dieser konnte sich allerdings nicht im Strafraum durchsetzen, wodurch die Chance verpuffte. In der 70. Minute fasste sich der belgische U21-Nationalspieler dann selbst ein Herz, ließ drei Bremer durch zwei Haken stehen und schloss seine großartige Einzelaktion mit einem wuchtigen wie präzisen Schuss ins rechte Toreck zum 1:1-Ausgleich ab. Der Plan Covics, Lukebakio in Eins-gegen-Eins-Duelle zu schicken, ging damit hervorragend auf, der Joker zeigte in dieser Szene all seine Fähigkeiten: Tempo, Dribbelkünste, der Riecher für die besondere Aktion und der starke Abschluss.

Mit seinem zweiten Saisontor und dritten Scorerpunkt in Serie sicherte Lukebakio Hertha den Auswärtspunkt und etabliert sich allmählich zum absoluten Edeljoker. “Die Aktion zum 1:1 war eine geile Aktion von Dodi Lukébakio. Er hat schon gegen Düsseldorf einen starken Assist gehabt, jetzt war es für ihn wichtig, dass er trifft”, lobte ihn Mannschaftskollege Per Skjelbred nach dem Spiel. Nun steht Trainer Covic vor der wenig beneidenswerten Aufgabe, sich in der kommenden Woche für Dilrosun oder Lukebakio zu entscheiden, wenn es um die Startelf gegen die TSG Hoffenheim geht.