Am kommenden Wochenende steht Tayfun Korkuts zweites Bundesligaspiel als Hertha-Trainer an. Als erste systematische Veränderung zeichnet sich ab, dass Korkut dauerhaft mir zwei Spitzen spielen lassen will. Ziel ist es, Herthas Offensive neues Leben einzuhauchen. Im zentralen Mittelfeld geht dadurch aber ein Platz verloren. Das kann gut gehen, muss es aber nicht.
Serdar & Tousart zurück: Stau im zentralen Mittelfeld
Was seine Strategien und Taktiken betrifft, will sich Tayfun Korkut weiterhin nicht in die Karten schauen lassen. Auch vor seinem zweiten Hertha-Spiel (am kommenden Samstag im Olympiastadion um 15:30 Uhr gegen Arminia Bielefeld) wollte sich Herthas neuer Trainer nicht genauer dazu äußern, welche Spieler er in welcher Formation auf den Platz schicken wird. Dass Suat Serdar und Lucas Tousart nun wieder fit sind, eröffnen Korkut „Optionen“ – ob einer von beiden oder sogar beide Spielen, dazu wollte er sich aber nicht äußern.
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Eines scheint sich aber jetzt schon abzuzeichnen: In Herthas zentralem Mittelfeld scheint nun regelmäßig ein Platz weniger verfügbar zu sein. Denn: Korkut schickt seine Mannschaften fast traditionell mit zwei Stürmern auf den Platz. Im Stuttgart-Spiel starteten Ishak Belfodil und Stevan Jovetic gemeinsam im Sturm. Beide machten ein gutes Spiel, beide sorgten dafür, dass Hertha schlichtweg mehr Szenen im gegnerischen Strafraum hatte.
Genau das hatten die Blau-Weißen auch bitter nötig: Hertha hatte bislang die wenigsten Strafraumszene der Liga und hat mit 15 Treffern eine der schlechtesten Torausbeuten vorzuweisen. Und so kommt Korkut völlig richtig zu dem Schluss, dass man nicht einfach nur Ballbesitz habe, sondern auch „gefährlichen Ballbesitz“.
Korkuts Offensivkonzept geht aber zulasten der defensiven Stabilität. Denn: Durch den zweiten Stürmer hat ein zentraler Mittelfeldspieler weniger Platz in der Startelf. Gegen Stuttgart spielten Vladimir Darida und Santiago Ascacibar im zentralen Mittelfeld.
Unter Dardai wäre dann noch ein weiterer, offensiver Platz offen gewesen, den oftmals Suat Serdar einnahm. Bleibt Korkut bei seiner Zwei-Stürmer-Taktik, muss also entweder einer der beiden „Sechser“ für Serdar weichen oder Hertha spielt weiterhin mit zwei defensiven, zentralen Mittelfeldspielern (zum Beispiel Tousart/Ascacibar) und verzichtet auf Serdar – aufgrund dessen Klasse ist dies aber recht unwahrscheinlich.
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In jedem Fall bringt diese Taktik auch ein gewisses Risiko mit sich: Denn die Unterbesetzung in der Zentrale könnte in mangelnder Kompaktheit und Stabilität resultieren. Genauso ist es auch im Stuttgart-Spiel passiert: Hertha wurde zweimal eiskalt ausgekontert und hatte in der Mitte wenig Gegenwehr zu bieten.
Eine Möglichkeit, dieses Problem anzugehen, wäre ein Formationswechsel. Korkut hat in der Vergangenheit nicht nur das flache 4-4-2 spielen lassen, sondern auch in einer Raute aufgestellt. Damit schafft man zum einen mehr defensive Stabilität, zum anderen würden auch gleich mehrere zentrale Mittelfeldspieler in diesem System Platz finden. Dafür müsste Hertha die offensiven Flügelspieler aufgeben, die in dieser Saison aber ohnehin eine Schwachstelle darstellen, zumal ein Marco Richter auch als Halbstürmer fungieren kann.
Gegen Bielefeld: Zwischen Geduld und Zielstrebigkeit
Korkut sagte auf der Pressekonferenz am Donnerstag, dass diese „defensiven Schwierigkeiten“ in dieser Woche thematisiert worden seien. Wie genau er mit seinen Spielen über die Abwehrschwächen gesprochen habe, wollte er aber wieder nicht verraten und flüchtete sich in Allgemeinplätze: „Es geht darum, dass wir uns aufeinander verlassen können. Wir müssen die Fehler aus unserem Spiel verbannen“, so Herthas neuer Coach.
Korkut geht jedenfalls davon aus, dass Hertha ein „sehr unbequemer Gegner“ erwarte, der kompakt und leidenschaftlich verteidige. Man müsse geduldig und zielstrebig zugleich sein, so Korkut. Damit dürfte Korkut richtig liegen. Denn Bielefeld hat zwar erst 10 Tore erzielt – aber auch erst 20 kassiert. Insofern ist Herthas neue Doppelspitze am Wochenende gefragt.
Pal Dardai ist seit dem 29. November 2021 nicht mehr Cheftrainer der Profimannschaft von Hertha BSC. An diesem Montagmorgen ist etwas zu Ende gegangen und auch zerbrochen. Doch noch besteht die Hoffnung, dass die Legende dieses Mannes so groß ist, dass der Bruch reparabel ist und man wie am Ende einer Liebesbeziehung versucht ein vernünftiges Miteinander zu ermöglichen und in romantischen Erinnerungen zu schwelgen.
Der verwirrte Blick aufs Handy
An jenem Morgen setzte ich mich gerade an meinen Rechner im Homeoffice, um der allwöchentlichen Germanistik-Vorlesung zu lauschen. Während ich den Worten meines Profs folgte, vibrierte mein Smartphone. Mein bester Freund schickte mir einen Screenshot von einem Artikel, der von der Homepage von Hertha BSC stammen sollte. Pal Dardai sei nicht mehr länger Trainer von Hertha BSC und Tayfun Korkut würde mit sofortiger Wirkung übernehmen war die Quintessenz dieses Textes. Ich schmunzelte ein wenig und beschloss später zu antworten.
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Als netten Spaß abstempelnd wollte ich mich wieder meiner Vorlesung widmen. Doch so richtig ließ mich das Thema nicht los. Ich griff direkt wieder zum Smartphone fragte nach der Quelle und ob das ein Spaß oder Fake oder etwas in der Art sei. Denn auch meine parallele Internetrecherche brachte noch keinen Treffer. Mein alter Freund aus Kindestagen war bekannt für Scherze dieser Art, doch leider bestätigte er mir die Echtheit dieses Artikels.
Wo warst du, als…?
Verwundert und mit einem Anflug von Panik startete ich eine zweite Recherche. Und diese sollte ein Volltreffer sein. Innerhalb weniger Minuten gingen sämtliche einschlägigen Medienhäuser mit dieser Meldung raus, manche zum Teil per Eilmeldung und Push-Benachrichtigungen auf mein Smartphone. Eins war klar, die Vorlesung war für den heutigen Tag durch.
Am späten Abend noch desillusioniert sein, keine Worte für die Situation zu finden und einfach nur das warum und weshalb in Frage stellen – alles Reaktionen, die die Trainerentlassung hervorriefen. Es gibt diese „Wo warst du, als…“-Momente im Leben. Jener Montag am Ende des Novembers 2021 gehört freilich für jeden Fan von Hertha BSC dazu.
In den letzten Jahren hatte man als Herthaner leider einige dieser Momente. Ob es die Klinsmann-Tagebücher waren, das Kalou-Video oder der Moment, als klar war, dass sich die Mannschaft im Saisonendspurt 2020/2021 und im tiefen Abstiegskampf steckend in Quarantäne begeben musste. Immerhin hatte dieses Himmelfahrtskommando ein positives Ende. Entscheidender Akteur dabei: Pal Dardai.
Wie der Spieler, so der Trainer
Als Pal Dardai 1997 sein erstes Spiel für Hertha BSC bestritt, hätte niemand gedacht, dass der FC Augsburg mal so eine feste Größe in der Karriere des Ungarn werden würde. Doch am letzten Spieltag der Saison 2010/2011 wurde er nach 297 Pflichtspielen und damit als Rekordspieler der Hertha verabschiedet. Der FC Augsburg war im restlos ausverkauften Olympiastadion zu Gast.
Gemeinsam stiegen beide Vereine nach einem 2:1 Heimsieg der Hertha in die Bundesliga auf. Dardai erzählte einige Jahre später von seiner Ehrenrunde mit Sohn Bence auf den Schultern. Michael Preetz empfahl ihm damals seinen Sohn mitzunehmen, um zu verhindern, vor der riesigen Masse an Fans in Tränen auszubrechen.
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Irgendwie beschreibt genau das Pal Dardai. Ein emotionaler Mann, dem vieles nahegeht, der motivieren kann, mit seinen Ausbrüchen auch gerne über die Stränge schlägt und in kleineren Runden, wie im Team und auf Pressekonferenzen, den witzigen und nahbaren Pal zeigt. Doch je größer die Versammlung, desto anonymer möchte er sein. Er ist nicht interessiert an dem großen Brimborium um seine Person. Er möchte nicht die Aufmerksamkeit durch Tränen bekommen.
Genau diese hätte man ihm nach seinem vorerst letzten Spiel als Trainer von Hertha BSC aber durchaus zugestanden. Wieder war es der FC Augsburg, der zu seinem letzten Spiel zu Gast war. Doch die Zeiten sind andere. Das Stadion war wegen der Corona-Pandemie nur spärlich gefüllt, Hertha steckt im Abstiegskampf und ist auf der Suche nach sich selbst.
Pal Dardai: Das Herzstück
In seiner Zeit bei Hertha ist Dardai mehr gewesen, als nur Spieler und Trainer. Er war das Herzstück in einem sich zunehmend verändernden Verein. Als Spieler war er hinter den Zauberern und Genies wie Marcelinho, Gilberto oder Pantelic nicht wegzudenken. Jemand musste schließlich als Malocher fungieren.
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Mit seinem Siegtreffer beim Spiel gegen die Bayern 2001 machte er sich unsterblich. In jenem Spiel traf mit Andreas „Zecke“ Neuendorf eine weitere Vereinsikone und Teil des entlassenen Trainerteams. Er machte in den vielen Jahren praktisch alles mit, was im Profifußball möglich war. Mit Hertha spielte er Champions League, im Uefa Cup, später in der Europa League; Er stieg ab und nach einem Jahr in der 2. Bundesliga zum Abschied seiner Karriere wieder auf.
2009 hatte er in der legendären Fast-Meistersaison am 33. Spieltag gegen den FC Schalke 04 den Siegtreffer auf dem Fuß. Nicht auszudenken, was möglich gewesen wäre, wenn ihm der Schuss und das Tor geglückt wären.
Ohne sich anzubiedern, sich selbst und Hertha treu geblieben
Als Spieler hatte er es nie nötig hochtrabende Sprüche über sich selbst zu liefern. Er war eher der Mitspieler, der mit Körpereinsatz Bälle und Gegner abräumte. Der arbeitete. Nach dem Spiel ging es nach Hause ins private, wo allerhöchstens noch eine Flasche Rotwein geöffnet wurde.
Wirklich launisch und pointiert wurde er erst als Trainer. Pressekonferenzen und Interviews entwickelten sich gerne mal zu Plauschs mit den Journalisten und es gab genügend markige Sprüche von ihm, die Schlagzeilen und Stoff für die Medienwelt bedeuteten. Von Milchreis-Anekdoten in Hoffenheim, über Alligatoren in der Kabine, bis hin zum Vergleich zwischen Dodi Lukebakio und dem australischen Riesenkänguru bot er zahlreiche witzige Momente.
Wer dachte, dass Pál Dárdai willkürlich Tiervergleiche zieht, der irrt. Nächste Woche dann: Wie Pál einmal Pyrotechniker werden wollte und deswegen genau weiß, was eine Blitzkugel ist. Weltklasse! #hahohepic.twitter.com/5PBBsXHjGy
Mit seiner offenen Art schien er im durchgescripteten Fußball-Business etwas aus der Zeit zu fallen, ebenso wie mit seinem Ballonseide-Trainingsanzug. Während immer mehr Trainer in der Bundesliga im feinen Zwirn an der Seitenlinie ihre Teams coachen, betonte er seine Funktion als arbeitender Trainer.
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Aber auch nur als für Hertha arbeitender Trainer. Als er 2019 nach 4,5 Jahren als Cheftrainer der Alten Dame in ein Sabbatjahr ging, hielt er sein Wort, nach seiner Pause in die Jugendakademie der Berliner zurückzukehren. Und das trotz einiger Angebote aus der Bundesliga.
Pal Dardai blieb sich, seinem Charakter und Hertha BSC immer treu. Allerdings veränderte sich etwas. Es wirkte manchmal wie das Auseinanderleben in einer Beziehung. Hertha wollte mehr als den Malocher-Fußball, der zwar temporär erfolgreich war, aber nichts langfristiges bot. Der Abschied 2019 war ein sauberer Schnitt. Der zweite Abschied vom Profi-Fußball. Er war müde und ausgelaugt, musste dringend seinen Akku aufladen.
Das Verhältnis zum damaligen Manager Michael Preetz galt als schwer angeschlagen. Journalist:innen watschte er auf Pressekonferenzen ab, er verrannte sich zunehmend in wirren Aussagen, deren Wahrheitsgehalt praktisch gen null ging und warf mit Schuldzuweisungen wild um sich. Während das Team damals wieder einmal in der Rückrunde komplett einbrach, besaß Dardai nicht mehr die Kraft, das Ruder rumzureißen und es zu einem sportlich versöhnlichen Ende zu bringen.
Doch persönlich sollte er das bekommen. Am 34. Spieltag der Saison 2018/2019 kassierte Hertha – wie sollte es anders sein – zwar zum Saisonabschluss eine herbe 1:5-Klatsche gegen Bayer 04 Leverkusen, doch das Spiel war zweitrangig. Denn mit Fabian Lustenberger und Pal Dardai wurden zwei der größten Legenden des Vereins von den Fans mit schier endloser Liebe verabschiedet. Es war das einvernehmliche Ende einer langen Beziehung.
Ohne Dardai fehlte es an Bodenständigkeit und Nahbarkeit
Zwischen dem Abschied im Sommer 2019 und der Rückkehr ins Profigeschäft im Januar 2021 schien eine endlos lange Zeit vergangen zu sein. Die Hertha, die praktisch seit dem Abgang Dardais in einer Selbstfindungsphase war und endlich wieder zur Ruhe kommen wollte, hatte sich beim Versuch mehr als nur die graue Maus der Bundesliga zu sein, ordentlich verhoben.
Der Windhorst-Einstieg, Jürgen Klinsmann als Trainer, die Transferphase im Winter 2020 und ein nie dagewesenes Mediengewitter ließen dem Verein keine Zeit zum Durchatmen. Der Verein hatte sich in seiner Außendarstellung stark verändert und auch innen wurde vor allem mit Carsten Schmidt ein Mann installiert, der Hertha BSC von Grund auf umkrempeln wollte.
Doch Ende 2020 steckte man mit Bruno Labbadia an der Seitenlinie im Abstiegskampf, der nach einem 1:4 gegen Werder Bremen nach dem 18. Spieltag entlassen wurde. Auch mit Michael Preetz, dessen letzte Patrone verschossen war, musste ein Gesicht der Hertha nach 25 Jahre den Verein verlassen. Es war das Ende der Gemütlichkeit und der Akzeptanz im Mittelfeld zu versinken.
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Am Ende benötigte man im Frühjahr also wieder die Hilfe des Ungarn, der in der Jugendakademie seine Berufung gefunden zu haben schien. Zusammen mit seinen Co-Trainern Admir Hamzagic und „Zecke“ Neuendorf kamen altbekannte Gesichter mit ihm zurück und verliehen Hertha wieder eine gewisse Bodenständigkeit und Retro-Look, der in den windigen Zeiten guttat.
Die Rückkehr wird zur Achterbahn der Gefühle
Pal Dardai wieder auf dem Trainingsplatz, auf Pressekonferenzen und auf der Trainerbank zu sehen, tat gut. Nicht unbedingt wegen des Fußballs auf dem Rasen, der nur in seltenen Momenten wirklich ansehnlich war. Vielmehr hatten die Fans wieder jemanden, mit denen man sich identifizieren konnte.
Endlich wurde nicht mehr von Big City Club, Low-Hanging Fruits und der Champions League gequatscht, sondern über das, was den Verein so viele Jahre ausgemacht hatte: Identifizierung, Arbeit und der Teamgedanke. Die Liebe war zurück. Es war, als würde man es nochmal miteinander probieren, nachdem sich jeder in der Beziehungspause ausgetobt hatte.
Die Mannschaft steckte bis zum Ende der Saison im tiefen Abstiegskampf. Pal Dardai und dem Trainerteam kann es nicht hoch genug angerechnet werden, wie sie aus einem Haufen von hochtalentierten Fußballern, aber etlichen Ich-AGs, den nötigen Teamgeist gekitzelt und den Klassenerhalt geschafft haben.
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Nach der Corona-bedingten Quarantäne musste das Team innerhalb von drei Wochen sieben Spiele absolvieren. Die Mannschaft nahm den Kampf an. Das Ende vom Lied war ein strahlender Pal Dardai, der mit Zigarre im Mund dem aktuellen Sportstudio ein Interview gab und damit Bilder für die Ewigkeit lieferte.
Heiße Liebe, die schnell abkühlte
Es folgte eine Sommerpause und Vorbereitung, in der Dardai bemüht war, seine alten Tugenden einfließen zu lassen. Er gab vielen Jugendspielern Chancen, führte sie an den Kader heran. Spielern, wie dem chronisch glücklosen Davie Selke, ermöglichte er etliche Einsätze, die er zumindest in der Vorbereitung auch dankend nutzte.
Doch ein unterirdischer Saisonstart zeigte altbekannte Probleme und Abnutzungserscheinungen zwischen Trainer und Verein. Durch den neuen Sportvorstand Fredi Bobic war die Leine für Dardai viel kürzer als noch vor zwei Jahren unter Michael Preetz. Die Leistungen des Teams und insbesondere sein Anteil wurden kritischer beäugt als zuvor. Seine Äußerungen wurden von nun an kommentiert und bewertet. Fredi Bobic sprach offen darüber, dass er Pal Dardai hätte entlassen müssen.
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Dieser verfiel wieder in altbekannte Muster. Wie schon 2019 in den Wochen vor dem Ende seiner ersten Amtszeit äußerte sich Dardai auf Pressekonferenzen extrem Ruf-schädigend. Er bot mehrfach seinen Rücktritt an, sprach von sich selbst in der dritten Person und redete sich und seine Leistungen klein, sowie die angebliche Erwartungshaltung von außen unermesslich groß.
Der Eindruck, einfach so schnell es geht wieder aus der Schusslinie der Medien zu gelangen, festigte sich und machte ihn angreifbar. Hertha BSC und Pal Dardai hatten sich in gewisser Weise voneinander distanziert, die Gefühle füreinander waren schon lange abgekühlt.
Eine Rückkehr für Dardai muss möglich sein
Auch wenn die Entlassung nach dem Spiel gegen den FC Augsburg recht überraschend kam, ist sie durchaus vertretbar. Die Frage, wie Pal Dardai selbst das sieht, muss gestellt werden. Aber wahrscheinlich hat er es nicht nötig, die Antwort der Öffentlichkeit zu geben.
Es bleibt zu hoffen, dass das Verhältnis zu Fredi Bobic soweit intakt ist, dass beide Seiten bereit wären, es nochmal miteinander zu versuchen. Auf absehbare Zeit bestimmt nicht als Cheftrainer der Profimannschaft. Sicherlich wäre aber für Pal Dardai, dem Rekordspieler Hertha BSCs, einer lebenden Vereinslegende, beispielsweise ein Platz im Jugendbereich, seinem Wunschort, frei.
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Doch bis es dazu wieder kommt muss Zeit vergehen. Man muss sich wieder vermissen lernen, um einen neuen Versuch miteinander zu starten. Zusätzlich muss sich Hertha BSC endlich komplett von Dardai unabhängig machen. Eine Situation, wie die im Früher 2021, in der er der einzige Ausweg zu sein schien, darf es nicht noch einmal geben. Um das zu realisieren muss aber an ganz anderen Punkten im Verein angegriffen werden.
Im Frühjahr sollen laut Fredi Bobic Verhandlungen über die Zukunft geführt werden. Pal Dardai ist Hertha und Hertha ist Pal Dardai, aber bitte nie wieder unter Zwang.
Fußballerisch hat Hertha-Neuzugang Fredrik André Bjørkan schon einiges erlebt. Der norwegische Linksverteidiger ist zwar erst 23 Jahre alt, trotzdem hat er mit seinem Heimatverein Bodø/Glimt schon fast alles durch, was der Fußball zu bieten hat: Vom Abstieg aus der Eliteserien 2016 bis zum ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte 2020 war Bjørkan dabei, von Spielen in der norwegischen zweiten Liga bis zu einem historischen 6:1 gegen die AS Roma und „The Special One“ José Mourinho. Zum neuen Jahr wechselt der Linksverteidiger nun zu Hertha BSC.
Endet die Plattenhardt-Ära?
Internationaler Fußball, der erste Titel seit langer Zeit, eine klare Spielphilosophie, Eigengewächse als tragende Säulen des Teams: Bodø/Glimt ist gewissermaßen dort, wo Hertha BSC gerne wäre. Der Transfer eines einzelnen Spielers aus Nord-Norwegen nach Berlin wird zwar nicht dazu führen, dass Hertha BSC im kommenden Sommer deutscher Meister wird. Und trotzdem, Fredrik André Bjørkan bringt das Potenzial mit, den Verein zumindest auf der Linksverteidiger-Position entscheidend voranzubringen.
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In den vergangenen Jahren gab es bei Hertha kaum eine Position, die keiner Veränderung unterworfen wurde. Im Zuge des Windhorst-Einstiegs wurde der Kader mehrfach umgebaut. Nur hinten links, da blieb alles, wie es seit dem Abgang von Johannes van den Berg war: Marvin Plattenhardt als Stammkraft, Maximilian Mittelstädt als sein Thronfolger. Mit Bjørkan kommt nun auch hier ein neuer Spieler – endlich, mag so mancher denken.
Bjørkan: Ein offensiver Linksverteidiger für Hertha?
In seinem ersten Interview bei Hertha beschreibt sich Bjørkan als „offensiver Linksverteidiger“, das Spiel nach vorne liegt ihm nach eigenen Aussagen am meisten. Dazu bringt er fünf Tore und vierzehn Vorlagen aus den letzten drei Jahren als Empfehlung mit – und dabei tritt er im Gegensatz zu Marvin Plattenhardt keine Standards.
Bjørkans größte Stärken kommen ohne Frage dann zum Tragen, wenn er den Ball am eigenen Fuß hat. Mit seinen technischen Fähigkeiten und seiner Physis kann er Drucksituationen gut im Dribbling lösen. Mit 54 erfolgreichen Dribblings in der aktuellen Saison liegt er in dieser Kategorie auf Platz eins in der Eliteserien. Dabei ist er aber längst nicht eindimensional und berechenbar und dribbelt immer die Linie entlang, sondern zieht auch gerne in die Mitte.
Dazu ist Bjørkan auch sehr kombinationssicher und bringt eine gute Übersicht mit: In der aktuellen Saison hat er ligaweit die meisten Pässe im letzten Drittel an den Mann gebracht, dazu stellt er mit 42 Torschussvorlagen den Bestwert in dieser Kategorie bei Bodø-Glimt. Beides ist für einen Außenverteidiger eher ungewöhnlich – und Zeichen dafür, wie wichtig Bjørkan für den Erfolg des Vereins ist und war.
Allerdings lassen sich auch andere Gründe für diese Zahlen finden. Durch die extrem hohen Ballbesitzanteile in der Eliteserien agiert Bodø/Glimt zumeist nur im Spielaufbau im 4-3-3 und in der gegnerischen Hälfte eher in einer Art 2-3-5, wobei Bjørkan in zwei verschiedenen Rollen eingesetzt wurde:
Häufig rückte Bjørkan ins Mittelfeld ein und spielte als invertierter Außenverteidiger in einer relativ zentralen Rolle im Dreiermittelfeld, in der seine Aufgaben eher denen eines zentralen Mittelfeldspielers ähnelten. Es ist in weiterer Beweis dafür, dass der 23-Jährige ein größeres Skillset als Herthas aktuelle Linksverteidiger mitbringt.
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Bjørkan spielte aber auch oft dort, wo man einen Linksverteidiger in der Offensive klassischerweise erwartet: Auf Linksaußen in der Nähe der Außenlinie. Dort stellte er auch seine Fähigkeit zu flanken unter Beweis, wobei er meist versucht, Situationen spielerisch und nicht mit hohen Bällen ins Zentrum zu lösen.
Und auch defensiv hat Bjørkan durchaus seine Stärken. Ligaweit hat er die meisten Bodenzweikämpfe gewonnen, bei einer Zweikampfquote von knapp 60 Prozent. Bei Kopfballduellen muss er dagegen noch zulegen, hier gewinnt er gerade einmal knapp jeden dritten. Wieviel Sicherheit und Stabilität Bjørkan in der Bundesliga ausstrahlen wird, lässt sich aber schwer abschätzen.
Aus Bodø ist er zudem ein aggressives Gegenpressing sowie generell hohes Pressing gewohnt. Vielleicht ist er also auch ein Vorgriff für den Fußball, den Hertha ab kommendem Sommer mit dem neuen Trainer spielen möchte.
Wie groß ist der Sprung aus der Eliteserien in die Bundesliga?
Angesichts der aktuellen Leistungen von Herthas Linksverteidigern dürfte eine Frage vielen Fans besonders unter den Nägeln brennen: Wie viel Zeit wird Bjørkan brauchen, bis er eine ernsthafte Alternative hinten links darstellt? Natürlich kann man diese Frage ohne hellseherische Fähigkeiten nicht beantworten. Aber man kann mithilfe von Quervergleichen zumindest versuchen, eine Antwort abzuschätzen.
Ein naheliegender Vergleichs-Kandidat ist mit Sicherheit Frankfurts Jens Petter Hauge, der im vergangenen Sommer von Bodø/Glimt nach Mailand wechselte. In seiner ersten Saison gelangen ihm für Milan fünf Tore und eine Vorlage in 23 Spielen, wobei er zumeist nur als Joker eingesetzt wurde. Allerdings war die Konkurrenzsituation in Milans Offensive auch eine andere, als Bjørkan sie bei Hertha auf seiner Position vorfinden wird.
Jens Petter Hauge versucht, sich bei Eintracht Frankfurt durchzusetzen. (Photo by Juergen Schwarz/Getty Images)
Auch zu Birger Meling lassen sich von Bjørkan aus einige Parallelen ziehen. Der Norweger wechselte vorletzten Sommer von Rosenborg Trondheim zu Nîmes Olympique nach Frankreich. Meling ist genau wie Bjørkan Linksverteidiger – und war in Nîmes vom Zeitpunkt seiner Ankunft nicht wegzudenken. In seiner ersten Ligue-1-Saison überzeugte er sogar so sehr, dass er zur neuen Saison zu Stade Rennais wechselte, dem Tabellen-Sechsten des Vorjahres.
Bei Bjørkan kann das natürlich alles ganz anders kommen – vom Senkrechtstarter, der Hertha-Fans ein bisschen träumen lässt, bis zu einer langen Eingewöhnungsphase à la Rune Jarstein scheint bei ihm alles möglich zu sein. Wenn er die Umstellung von der Eliteserien zur Bundesliga packt, bringt er aber Anlagen mit, die Herthas Abwehr in den kommenden Jahren entscheidend prägen können.
Das erste Spiel unter Tayfun Korkut hat uns einen Punkt gebracht. Darüber freuen sich Louis, Marc und Lukas, sehen aber auch einige Schattenseiten am ersten Auftritt unserer alten Dame unter dem neuen Cheftrainer. Wie sie das Spiel gesehen haben und welche News sonst noch rund um Hertha BSC erwähnenswert waren, hört ihr hier.
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Mit einem 2:2 gegen den VfB Stuttgart startete Tayfun Korkut in seinen neuen Job bei der Hertha. Das Debüt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zeigte mal wieder übliche Schwächen des Teams und trotzdem die ersten Entwicklungsschritte seit dem Trainerwechsel. Wir schauen auf eine immer stärker werdende Offensive und die Sorgenkinder der Mannschaft.
Stevan Jovetic: Fit und in Topform eine brutale Waffe
Stevan Jovetics Körper, der in dieser Saison oft für Probleme sorgte und keine Konstanz ermöglichte, scheint aktuell auf einem hohen Level, vielleicht sogar auf seinem höchsten Level zu sein. Und so ist es mehr als erfreulich, den Stürmer endlich in Top-Verfassung zu sehen.
Das Spiel gegen den VfB Stuttgart war ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Im von Trainer Korkut neu gebauten 4-4-2-System musste sich die Offensive finden. Zwischen Stevan Jovetic, Ishak Belfodil, Marco Richter und Myziane Maolida schien es zunächst nicht zu harmonieren. Die Laufwege wirkten zu statisch, die Durchsetzungskraft war ausbaufähig und die Pässe landeten oft beim Gegner. Die ersten Angriffsbemühungen waren eher individuelle Maßnahmen. Im Verlauf der Partie gelang es den Spielern aber, diese Mängel immer mehr abzustellen.
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Und trotzdem benötigte es wieder einmal eine Einzelleistung, um auch Tore-technisch anzukommen. Als sich Jovetic in der 40. Minute von Torunarigha den Ball im Mittelfeld abholte, machte es ihm die Abwehr der Schwaben auch alles andere als schwer. Ein Solo und ein Schlenzer in das rechte obere Eck eröffneten Herthas Comeback. Mit 37 Pässen konnte er seinen Wert unterstreichen. Ihm gelang es, Chancen zu kreieren, Mitspieler in Szene zu setzen und auch sich selbst als ständigen Unruheherd zu inszenieren.
In der 73. Minute zeigte Jovetic mit einem Freistoß zusätzlich seine immense Schusskraft. Eine herausragende Aktion von Torhüter Müller verhinderte nur knapp ein Traumtor. Das Zusammenspiel der Offensive gipfelte in der 76. Minute in dem wohl am schönsten herausgespielten Tor der Herthaner in dieser Saison. Nach Plattenhardts Flanke gelang das Zusammenspiel mit Ishak Belfodil auf engstem Raum, um den Ausgleich zu erzielen.
Mit vier Toren aus acht Bundesligaspielen hat Jovetic eine akzeptable Quote und ist Herthas Toptorjäger. Seine Leistungskurve und Form steigen klar an. Der Wert für die Mannschaft ist kaum in Worte zu fassen, insbesondere wenn es ihm weiterhin gelingt das Offensivspiel auch als Vorlagengeber anzukurbeln.
Ishak Belfodil: Weiterhin in Topform und mit entscheidenden Zahlen
Ishak Belfodil knüpfte gegen den VfB Stuttgart direkt an seiner Leistung gegen den FC Augsburg an und konnte diese endlich auch in spielendscheidenden Zahlen umwandeln. Bereits nach vier Minuten kam der Algerier aus spitzen Winkel zum Schuss. Wie Stevan Jovetic gelang es ihm, sowohl Ballverteiler, als auch Anspielstation zu sein.
Belfodils persönlicher Höhepunkt gegen den VfB hätte in der 23. Minute sein sollen, als er einen sehenswerten Schlenzer vom linken Strafraumeck im Tor unterbrachte. Doch nach VAR-Eingriff wurde der Treffer wegen einer streitbaren Abseitsstellung Vladimir Daridas kassiert.
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Während des Spiels ließ Belfodil sich oft ins offensive Mittelfeld fallen, zog zwischendurch auf die Außen und ermöglichte der Offensive durch seine Laufwege und Aktionen viel Flexibilität. 35 Aktionen und 76 Prozent Passquote beweisen sein Auge für die Mannschaft. In seinen 85 Minuten Spielzeit bereitete Belfodil zwei Torschüsse vor, den entscheidenden in der 76. Minute für Jovetic.
Die Doppelspitze scheint eine echte Alternative und Variante für das Spiel unter Tayfun Korkut zu werden. Jovetic und Belfodil liefern momentan genug Argumente, dass sie als Doppelspitze in die nächsten Spiele gehen. Die Einbindung der Außenspieler muss bei Festigung der Spitze allerdings dringend Thema im Training werden. Die Automatismen sind noch nicht komplett vorhanden, doch mit der Zeit scheint es möglich zu sein.
Myziane Maolida: Wer bist du und was hast du mit Dodi Lukebakio gemacht?
Unter der Woche wurde bereits viel vermutet und gemunkelt. Bei Pal Dardai war der französische Neuzugang zuletzt komplett außen vor. Neben schwachen Leistungen und Verletzungen, stand er wegen mangelnder Disziplin in der Kritik. Tayfun Korkut setzte ein Zeichen und stellte den 22-Jährigen auf die linke Außenbahn. Dieser versuchte, das Vertrauen zu rechtfertigen – es gelang ihm zum Teil. Mit 40 Ballkontakten war er zwar häufig am Ball, doch Tempo aufnehmen und Chancen kreieren konnte er dabei nur selten. Seine Flexibilität in der Offensive fiel im Vergleich zu seinen offensiven Mannschaftskollegen deutlich ab.
Zu Gute kann man ihm aber halten, dass er mit einer Zweikampfquote von 60 Prozent der Stärkste in der Offensive war. Und auch er hatte die Möglichkeit, seiner Leistung einen zählbaren Stempel aufzudrücken. In der 56. Minuten fehlte es ihm allerdings an Spielintelligenz und Entscheidungsfindung, was wahrscheinlich seiner geringen Spielpraxis verschuldet war. Nachdem er von Marco Richter auf der linken Seite mit einem gechippten Ball in Szene gesetzt wurde, konnte er mit einer Mischung aus Pass und Torschuss Florian Müller aber vor keine ernsthafte Herausforderung stellen.
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Neben seinem Potential in der Offensive litt allerdings sein Einsatz in der Defensive. Unterstützung bot er seinen Mitspielern kaum. Unrühmlicher Höhepunkt war sein unmotiviertes Zurücktraben – welches er am Ende sogar abbrach – in der 19. Minute als Philipp Förster komplett unbedrängt das 2:0 für den VfB Stuttgart erzielen konnte. Anzumerken ist aber, dass auch weder Vladimir Darida noch Santiago Ascacibar in dieser Situation überzeugende Gegenwehr leisteten.
Myziane Maolidas Auftritt ließ zum Teil Erinnerungen an den im Sommer an den VfL Wolfsburg verliehenen Dodi Lukebakio aufleben. Offensiv zwar bemüht, aber mit wenig zählbaren und an Defensivarbeit nicht interessiert, scheint Maolida noch keine Hilfe zu sein. Vielleicht kann er sich über regelmäßige Einsätze empfehlen, ansonsten ist er leider kein Upgrade zum ebenfalls in der Kritik stehenden Lukebakio.
Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha: Solides Duo mit fehlendem Tempo
Kapitän Dedryck Boyata bekam von Tayfun Korkut das Vertrauen in der Startelf zu stehen. Nachdem der Belgier drei Spiele gesperrt gefehlt hatte, sollte er als Abwehrchef die Defensive zusammenhalten. Seine Leistung war nicht restlos überzeugend. Zehn Bälle konnte er klären, zwei Schüsse blockte er und mit 93 Prozent Passquote integrierte er sich durchgehend im Aufbauspiel.
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Während Boyata allerdings mit nur 38 Prozent gewonnener Zweikämpfe kein bedingungsloser Sicherheitsposten in der Defensive war, konnte sein Innenverteidiger-Partner, Jordan Torunarigha, 62 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnen und dadurch Mängel seines Kapitäns ausgleichen. Auch Torunarigha war mit 52 Ballaktionen wichtiger Bestandteil im Aufbauspiel. 73 Prozent seiner Pässe fanden den Mitspieler und die Vorlage für Jovetics Tor zum 1:2 geht auf seine Kappe. Mit der Zeit wirkte Torunarigha jedoch immer unsicherer, mehrere Klärungsversuche gerieten zu kurz und Fehlpässe reihten sich aneinander. In der 72. Minute wechselte Tayfun Korkut den 24-Jährigen aus, weil die Stabilität in der Abwehr verloren gegangen war.
Das Innenverteidiger-Duo war auch an beiden Gegentoren beteiligt. In der 15. Minute gelang es ihnen nicht annähernd mit dem Tempo Omar Marmoushs mitzuhalten und mussten auf Grund schwachen Stellungspiels das 0:1 durch einen Konter hinnehmen. Nur wenige Minuten später kassierte Hertha BSC das 0:2 und auch in dieser Aktion glänzten beide mehr durch Passivität, als mit aktiven Zweikampfverhalten.
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Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha wirken körperlich aktuell fit. Gelingt es ihnen in den nächsten Spielen, ihre Tempodefizite mit intelligentem Stellungspiel auszugleichen und mit Spielpraxis zur alten Routine zurückzufinden, hat Hertha gute Chancen, alternativ zu Niklas Stark eine sichere Verteidigung auf dem Platz zu haben.
Fazit: Stärken vertieft und Schwächen eindrucksvoll bekämpft
Es ist sicherlich nicht alles besser. Doch bei diesem Remis konnte man erste Fortschritte im Team der Hertha erkennen. Im Vergleich zu vergangenen Spielen in dieser Saison gelang ein entscheidender Fortschritt. Zwar lagen die Berliner durch altbekannte Schwächen nach einem Doppelschlag schon früh 0:2 zurück. Doch dieses Mal gelang es den freien Fall zu verhindern und sogar ein Comeback.
Unter Pal Dardai folgte nach frühen Gegentoren oft eine komplette Verkrampfung. Es ereigneten sich Klatschen wie gegen den FC Bayern und RB Leipzig. Oder uninspirierte Auftritte wie in Hoffenheim und bei Union Berlin. Inwiefern der Trainerwechsel mit diesem Punkt zu tun hat, ist rein spekulativ, doch das Comeback gegen den VfB Stuttgart lässt Hoffnung auf sehenswerte Auftritte in den nächsten Wochen zu.
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Momentan wirken Angriff, Mittelfeld und Verteidigung noch nicht wie eine verschmolzene Einheit. Das Leistungsgefälle ist noch recht hoch. Auf Tayfun Korkut kommen viele Aufgaben zu. Das Gute ist, dass klar ist, an welchen Schrauben er drehen muss. Zu hoffen ist außerdem, dass Suat Serdar nur eine leichte Erkältung hat und schnell wieder ins Geschehen eingreifen kann. Seine individuelle Stärke hätte dem Team gutgetan.
Ernüchterung trat nach der gefühlten Niederlage gegen den FC Augsburg ein. In den Schlusssekunden entrissen die Gäste den Herthanern die sicher geglaubten Punkte. Über vieles ließ sich im Anschluss diskutieren: Die Länge der Nachspielzeit, die Vorkommnisse rund um die Rudelbildung an der Eckfahne, die eigene Mentalität. Das sportliche Zustandekommen des Unentschiedens jedenfalls veranlasste die sportliche Führung um Fredi Bobic dazu, einen neuen Weg zu gehen und die zwei Amtszeit Pal Dardais als Trainer zu beenden. Tayfun Korkut ist der neue Mann an der Seitenlinie Herthas. Unsere drei Thesen vor dem Spiel in Stuttgart stehen ganz im Zeichen des Trainerwechsels.
These 1: Punkt(e) zum Einstand – Korkut bleibt sich treu
Drei Stationen kann Tayfun Korkut im deutschen Oberhaus bisher vorweisen. Für Kontinuität auf dem Trainerposten steht sein Name nicht, weshalb seine Verpflichtung bei den Fans der Blau-Weißen nicht unbedingt Jubelstürme ausgelöst hat. Doch es gibt auch gute Nachrichten, zumindest kurzfristiger Natur, denn: Korkut kann Debüts.
(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
Bei seinem Debüt für Hannover 96 sprang gleich mal ein 3:1-Auswärtssieg in Wolfsburg rum. Sein Auftaktspiel mit Bayer Leverkusen endete immerhin noch 1:1 gegen Werder Bremen, ein verschossener Elfmeter in der letzten Sekunde verhinderte gar einen Sieg. Mit dem VfB Stuttgart startete Korkut ebenfalls beim VfL Wolfsburg und holte ein 1:1.
Besonders groß ist die sample size für Korkut-Auftaktspiele zwar nicht, aber die bisherige Ausbeute führt zur These, dass es auch am Sonntag beim VfB Stuttgart für Hertha und Korkut zu mindestens einem Punkt reichen wird.
These 2: Unter 40 Prozent Ballbesitz
Eine taktische Ausrichtung zu erahnen, ist schwierig. Schließlich stand Korkut gut drei Jahre nicht am Spielfeldrand. Es ist aber davon auszugehen, dass sich Korkut auf die Tugenden besinnen wird, die ihm bei seiner letzten Station zumindest kurzfristig Erfolg brachten.
14 Spiele lang trainierte Korkut in der Saison 2017/18 den VfB Stuttgart – und das erfolgreich. Mit einem Punkteschnitt von 2,1 führte er Herthas kommenden Gegner beinahe in die Europa League. Auffällig war, dass Stuttgart sehr laufintensiv und ohne viel Ballbesitz spielte. In 13 von 14 Spielen hatte man weniger Ballbesitz als der Gegner.
(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Zu Beginn der Folgesaison änderte Stuttgart sein Spiel, probierte mit dem Ball zu agieren. Es folgte eine Serie an sieglosen Spielen und für Korkut war es der Anfang vom Ende. Dass Korkut also wieder auf ein Spiel setzt, in dem man den Ball dem Gegner überlässt, ist anzunehmen.
In die Karten dürfte da spielen, dass sich der VfB Stuttgart schwer mit Gegnern tut, die den Ball nicht wollen. Arminia Bielefeld reichten in dieser Spielzeit 34 Prozent Ballbesitz, um in Stuttgart zu gewinnen, dem FC Augsburg genügten 33 Prozent. Der SC Freiburg siegte mit 36 Prozent.
These 3: Altbekannt – Ascacibar wird Schlüsselspieler
Wenn im laufenden Spielbetrieb ein Trainerwechsel stattfindet, dann ist das oft für diejenigen Spieler gut, welche zuletzt außen vor waren. In der aktuellen Lage könnte etwa ein Myziane Maolida davon profitieren. Anders ist es bei Spielern, die als gesetzt galten und sich plötzlich neu beweisen und womöglich ihre Komfortzone verlassen müssen.
Ein Spieler, der seit dem Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt am 8. Spieltag nicht mehr aus der Startelf verdrängt wurde, ist im defensiven Mittelfeld Santiago Ascacibar. Doch auch unter Korkut dürften seine Chancen gut stehen, vielmehr dürfte ihm eine Schlüsselrolle gehören. Denn als einziger Spieler im Hertha-Kader arbeitete Ascacibar bereits mit Korkut zusammen und könnte eine Art Bonus, einen Vertrauensvorschuss genießen.
(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)
Als Korkut 2017/18 den VfB Stuttgart übernahm, setzte er fortan in jedem möglichen Spiel auf Ascacibar in der Startelf. In den meisten Fällen ließ Korkut eine Doppelsechs auflaufen und stellte Ascacibar einen defensiv orientierten Spieler wie Dennis Aogo oder Holger Badstuber an die Seite. Gut denkbar also, dass Ascacibar und beispielsweise Lucas Tousart die Achse im Mittelfeld bilden werden und „Santi“ als altbekannter Wegbegleiter der verlängerte Arm Korkuts auf dem Platz sein wird.
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