VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Drei Thesen

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Drei Thesen

Der VfL Wolfsburg steckt seit Wochen in einer tiefen Krise. Die letzten sechs Bundesligaspiele verlor der VfL allesamt, wettbewerbsübergreifend sind es sogar schon acht Niederlagen in Folge. Der Stuhl des erst Ende Oktober verpflichteten Trainers Florian Kohfeldt wackelt gewaltig. Die Niedersachsen sind weit entfernt von ihrer gewünschten Tabellenregion, den internationalen Plätzen, und drohen im Abstiegskampf zu versinken. Spannend wird zu sehen sein, ob der verliehene Dodi Lukebakio nach seiner Corona bedingten Quarantäne zum Einsatz kommen wird und gegen Hertha für Torgefahr sorgen kann.

These 1: Hertha wird kein Aufbaugegner

In der Vergangenheit hatte man als Fan der Hertha oft das Gefühl lediglich ein Aufbaugegner zu sein und krisengebeutelte Vereine zurück in die Erfolgsspur zu führen. Diese Saison ist das anders. Gegen fast jede Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte konnte die Mannschaft von Tayfun Korkut punkten. Vier Siegen stehen zwei Remis gegenüber.

Ausgerechnet gegen den VfL gab es im Hinspiel eine Niederlage. Allerdings waren die Vorzeichen damals nicht vergleichbar mit den heutigen. Schließlich war die Mannschaft aus der Autostadt Champions-League-Teilnehmer. Hertha wird sich keine Blöße geben. Mindestens ein Punkt ist drin.

These 2: Konterfußball liegt Hertha

Der VfL Wolfsburg wird versuchen das Spiel zu machen. Mit ihrer individuell sehr starken Offensive haben sie auch jeden Grund dazu. Die Stürmer werden gesucht und in Szene gesetzt. Steht die Verteidigung um Niklas Stark und möglicherweise den wiedergenesenen Dedryck Boyata gut, kann Hertha mit  konzentrierten Umschaltspiel eiskalte Angriffe starten.

Die Konter können über schnelle und kreative Spieler, wie Marco Richter oder Myziane Maolida, geführt werden. Erwischt Davie Selke einen guten Tag ist er in der Spitze der optimale Anspielpartner und kann für Torgefahr sorgen.

These 3: Belfodil, der Joker

Sollten Davie Selke und Myziane Maolida nicht den entscheidenden Treffer erzielen können, schaffen sie es immerhin die Abwehrspieler des VfL Wolfsburgs sowohl physisch, als auch psychisch zu ermüden. für die letzte halbe Stunde wäre dann Ishak Belfodil eine Variante, die Tayfun Korkut auf der Bank hätte.

Nachdem der Algerier gegen den 1. FC Köln schmerzlich vermisst wurde, wird er nach seiner Quarantäne als Joker kommen, der schon müden nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzenden Wolfsburger Verteidigung das Leben schwer machen und das spielentscheidende Tor erzielen.

(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

Herthaner im Fokus: Ernüchternder Jahresbeginn

Herthaner im Fokus: Ernüchternder Jahresbeginn

Wie schon im Hinspiel unterlag Hertha BSC dem 1. FC Köln zum Rückrundenstart mit 1:3. Ein ideenloser und auch blutleerer Auftritt sollte die Erwartungen nach dem positiven Jahresabschluss 2021 gegen Borussia Dortmund trüben. Wir blicken auf die Partie.

Aufstellung gegen Köln von Corona gezeichnet

Tayfun Korkut musste auf zahlreiche Leistungsträger verzichten. Kapitän Dedryck Boyata konnte sich zwar nach seiner Corona-Infektion freitesten, das Spiel gegen die Kölner kam für ihn allerdings noch zu früh, weshalb wie gegen Dortmund Niklas Stark und Jordan Torunarigha in der Startelf standen. Neben Deyovaisio Zeefuik und dem Neuzugang Fredrik André Bjørkan fehlte auch Ishak Belfodil wegen einer Corona-Infektion. Stevan Jovetic fällt wegen Wadenproblemen weiter aus. So kam es, dass Davie Selke und Suat Serdar für Jurgen Ekkelenkamp und Ishak Belfodil starteten.

Auch wenn dieses Spiel keinen Raum für Lobeshymnen bot, haben wir uns mit den einzelnen Spielern beschäftigt und versuchen auch das letzte bisschen an positiven Punkten aus dieser Partie zu ziehen.

Vladimir Darida: Glückliches Tor, beim Rest nur Pech

Es könnte alles so schön sein. Mit 12,84 km lief der Tscheche mal wieder am meisten. Keiner der Spieler von Hertha und Köln konnten ihm in dieser Statistik das Wasser reichen. Zusätzlich noch ein Tor per Freistoß aus großer Distanz und mit 86 Ballaktionen einer der aktivsten Herthaner.

Doch viel brachte all das nicht. Sein Freistoßtor war eher ein Zufall und dem Glück geschuldet, dass keiner der Leute, denen die Hereingabe galt, mehr an den Ball kam und diesen möglicherweise über oder neben das Tor bugsiert hätte. 81 Prozent seiner Pässe kamen an, was eine recht gute Quote ist. Doch wirklich das Spiel ankurbeln konnte er nur selten. Immerhin gelang es ihm, Maolida in der 28. Minute in Szene zu setzen, ehe dieser scheiterte.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Bis zum Ende merkte man Darida seine Mühe an, doch sowohl in der 32. Minute, als er und Mittelstädt den Einwurf der Kölner, der den Angriff zum 0:2 einleiten sollte, verschliefen, als auch in der Nachspielzeit, als er sich selbst und den Ball nicht kontrollieren konnte und Jan Thielemann praktisch zum Tor einlud, gehörten zu seinen ganz dunklen Momenten in diesem Spiel.

Maximilian Mittelstädt: Viele Aktionen, aber auch ebenso viele Fehler

Wie erwartet bekam Maximilian Mittelstädt nach seinem guten Spiel gegen Dortmund wieder den Vorzug vor Marvin Plattenhardt und stand in der Startelf.

Und auch er konnte eine Statistik für sich gewinnen. Mit 103 Ballaktionen war er am häufigsten mit dem Spielgerät in Verbindung. 45 von 54 Pässen brachte er an den Mitspieler und er gewann zehn seiner zwölf Zweikämpfe. Mittelstädt wirkte ebenfalls bemüht, biss sich aber auf seiner linken Seite gerade in der Offensive die Zähne aus. Zu wenig Durchsetzungskraft und zu wenig Offensivpower sorgten dafür, dass er keine große Hilfe im Angriffsspiel war.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Immerhin konnte er drei Mal den Ball in brenzligen Situationen klären und vier erfolgreiche Tacklings zeigen zumindest, dass er mit viel Einsatz dabei war. Doch auch er war in der 32. Minute an der Entstehung des Gegentreffers beteiligt und lies Florian Kainz unbedrängt flanken.

Myziane Maolida: Der Killerinstinkt fehlt

Ein weiteres Mal durfte sich Myziane Maolida in der Startelf präsentieren. Auf Grund der prekären Situation in der Offensive blieb Tayfun Korkut auch nur wenig Spielraum, weshalb er den Franzosen in den Sturm neben Davie Selke stellte.

In seinen 69 Minuten agierte er zwar motiviert, aber dennoch ziemlich glücklos. Im Gegensatz zu seinem Sturmpartner gelang es ihm aber zumindest Torchancen zu kreieren. Wie in der 5. Minute, als er im Strafraum aus halbrechter Position zum Schuss kam, den Ball allerdings deutlich am Tor vorbei setzte.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Ein frühes Tor hätte Hertha sicherlich gut getan, wirklich nötig wäre es allerdings in der 28. Minute gewesen. Doch nachdem er von Vladimir Darida in Szene gesetzt wurde, verschoss er aus zentraler Position ziemlich kläglich. Torhüter Marvin Schwäbe hatte keine Probleme mit dem Ball und nur wenige Momente später gingen die Domstädter in Führung.

Maolida wirkte in den meisten Situationen überhastet, fehl am Platz und konnte kaum eine Bindung zum Mittelfeld aufbauen. Er gewann zu dem nicht einen seiner vier Zweikämpfe und musste später den Platz für Kevin-Prince Boateng räumen.

Niklas Stark und Jordan Torunarigha: Zu oft unkonzentriert

Die beiden Innenverteidiger hatten einiges zu tun und kamen mit den agilen und schnellen Kölnern oft nicht zurecht. Mark Uth konnte sich nach 20 Minuten mit Schnelligkeit durch die Berliner Defensive tanken und insbesondere Torunarigha konnte bei seinen Tempodefiziten keine Hilfe sein und von Glück reden, dass Uth knapp das Tor verfehlte. Anthony Modests Wucht machte ihnen ebenfalls regelmäßig zu schaffen. Kurz vor der Halbzeit setzte er sich gegen die beiden Innenverteidiger mustergültig durch und hätte das dritte Kölner Tor schießen können, scheiterte jedoch an Schwolow.

Starks Passquote von 82 Prozent und Torunarighas von 80 Prozent waren zwar einigermaßen okay, doch insbesondere an den langen Bällen kann man erkennen, dass es den Berlinern deutlich an Ideen mangelte. Torunarigha versuchte es sechs Mal, Stark sogar elf Mal, die Stürmer in Szene zu setzen. Beide waren mit ihren Versuchen kaum ertragreich. Trotz allem gelangen ihnen zusammen 20 Klärungsaktionen, womit sie oft für Ruhe sorgten. Torunarighas Zweikampfquote von 62 Prozent ist definitiv ausbaufähig und bei der Entstehung des 0:1 war sein Einsatz zu spät.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Niklas Stark sorgte zudem für den kuriosesten Slapstick-Moment im Spiel, als er in der 67. Minute Schwolow mit einem viel zu hart geschossenen Rückpass zu einer Parade zwingen musste. Den folgenden indirekten Freistoß im Strafraum der Hertha konnte der Keeper sehenswert halten. Die Ruhe und Souveränität von Dedryck Boyata werden dringend gebraucht und aktuell schmerzlich vermisst.

Das Spiel gegen Wolfsburg kann richtungsweisend werden

Auch wenn das Team viele Ausfälle zu verkraften hatte, ist das ideenlose Offensivspiel nur schwer erklärbar. Hertha gelingt es nicht eine Serie und Konstanz aufzubauen. Auf gute Spiele folgen schwache. Und zu häufig sind es Spiele, die man überfordert und blutleer einfach hergibt.

Am Sonntag folgt das nächste Spiel. Dann gegen die tief in der Krise steckenden Wolfsburger. Es könnte richtungsweisend werden. Verliert man das Duell und die Konkurrenz punktet, würde man tief im Abstiegskampf stecken. Sollten die einstudierten Abläufe und das Zusammenspiel der Defensive und der Offensive, wie gegen Dortmund zuletzt, aber wieder funktionieren, wäre ein Sieg gegen den VfL allemal drin. Eigentlich ist dieser sogar Pflicht.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Herthaner im Fokus: Starker und versöhnlicher Jahresabschluss

Herthaner im Fokus: Starker und versöhnlicher Jahresabschluss

Mit Kampf und Leidenschaft verabschiedet sich Hertha BSC aus dem Jahr 2021 und kann ein entspanntes Weihnachten feiern. Trotz großer Verletzungssorgen besiegte die Alte Dame Borussia Dortmund und das sehenswert und mit enormen Offensivdrang.

Große Rotation gegen den BVB

Im Vergleich zur 0:4-Pleite in Mainz rotierten sechs Spieler aus der Startelf von Trainer Korkut. Suat Serdar (Knie), Dedryck Boyata (Achillessehne) und Stevan Jovetic (Wade) fehlten verletzungsbedingt.

Marvin Plattenhardt. Deovaysio Zeefuik und Lucas Tousart wurden aus Leistungsgründen nicht aufgestellt, durften aber auch gegen Borussia Dortmund im Laufe des Spiels Minuten sammeln. Mit Kevin-Prince Boateng (Knie) fehlte eine weitere Führungsfigur verletzungsbedingt.

Doch den Verlust der Leitwölfe für dieses Spiel konnte der Rest des Teams eindrucksvoll auffangen. Wir schauen in unserer Analyse auf die Torschützen, Spieler, die von Tayfun Korkut erstmalig oder wieder Vertrauen bekamen und auf die Abteilung Kreativität.

Ishak Belfodil: Fit und mit Spielpraxis aus der Startelf nicht zu verdrängen

Für Ishak Belfodil war das Spiel gegen Borussia Dortmund das Ende eines großen Kampfes gegen sein Pech im Spiel und der bitteren Schiedsrichterentscheidungen. Aber vor allem war es von ihm hart erarbeitet und nach all den wirklich starken Spielen in den letzten Wochen für Hertha auch redlich verdient. In den 87 Minuten, die er auf dem Feld stand, lief Belfodil fast zehn Kilometer, was für einen Stürmer eine beachtenswerte Strecke ist.

Er änderte nicht viel an seinem Stil der letzten Spiele, was auch gar nicht nötig war. Er verteilte wieder einmal viele Bälle, brachte 17 seiner 22 Pässe an den Mitspieler und setzte schon nach sechs Minuten Jurgen Ekkelenkamp mustergültig in Szene, der allerdings an Marvin Hitz scheiterte.

Nach 15 Minuten hatte man allerdings schon wieder den Eindruck, die Hertha würde weiterhin vom Pech verfolgt und Ishak Belfodil wäre die Personifikation dessen. Bei Myziane Maolidas Tor stand er hauchdünn im Abseits, womit mal wieder ein Abseitstor der Berliner aberkannt wurde.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Doch seinen goldenen Moment sollte er in der 51. Spielminute bekommen. Von Vladimir Darida steil geschickt und das Laufduell gegen Axel Witsel gewinnend spitzelte er den Ball an Hitz vorbei ins Tor und brachte die Hertha auch vom Spielstand her zurück in die Partie. Sein erstes Bundesligator für die Blau-Weißen war damit endlich geschossen.

Auch in der 69. Minute beim Treffer zum 3:1 konnte der Algerier sich aktiv beteiligen. Zwar scheiterte er freistehend vor Hitz mit einem Volley, doch der wuchtige Schuss war die ideale Vorlage für den anstürmenden und abstaubenden Marco Richter. Ein Tor und eine Torvorlage sind die nächsten zählbaren Beiträge von Ishak Belfodil.

Marco Richter: Mit Gefühl und Gewalt das Spiel entschieden

Gegen Mainz zunächst auf der Bank sitzend konnte Marco Richter heute wieder von Anfang an die rechte Seite der Berliner beackern. Er und Pekarik sorgten für viel Sicherheit. Seine Angriffsbemühungen waren in der ersten Halbzeit aber nur selten erfolgreich. Er spielte zunächst Fehlpässe, wurde von der Dortmunder Verteidigung lange aus dem Spiel genommen und konnte nur wenig zählbares rausholen. Er gewann in seinen 72 Minuten Spielzeit die Hälfte seiner Zweikämpfe.

Auch wenn die zweite Halbzeit nicht viel auffälliger von ihm war, avancierte Richter, der seine Beidfüßigkeit erfolgreich unter Beweis stellte, zum entscheidenden Mann auf dem Feld. In der 57. Minute schlenzte er mit dem rechten Fuß vom rechten Strafraumeck den Ball ins lange Eck, nachdem er vom schlau mitdenkenden Maolida in Szene gesetzt wurde. Zwölf Minuten später schoss er wuchtig und ansatzlos aus zentraler Position mit seinem linken Fuß Hitzs parierten Ball in die Maschen zum vorentscheidenden 3:1 und ließ die 5000 Fans im Olympiastadion frenetisch jubeln.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Auch wenn er neben seinen beiden Toren nicht sonderlich auffällig agierte, zeigte Richter wieder einmal, wie wichtig er für das Team ist und für welch goldene Momente er im Stande ist zu sorgen. Mit fünf Toren zieht er nun im Teaminternen Kampf zum Toptorjäger mit Stevan Jovetic gleich. Der im Sommer aus Augsburg gekommene Außenspieler kam in allen Bundesligaspielen in der Hinrunde zum Einsatz und konnte seinen Mehrwert (!) in vielen Spielen klar unterstreichen.

Myziane Maolida und Maximilian Mittelstädt: Das Vertrauen zurückgezahlt

Tayfun Korkut, der in seinen ersten Spielen komplett auf das Hertha-Eigengewächs Mittelstädt verzichtete und Maolida zwar Einsatzzeiten ermöglichte, die dieser allerdings nicht wirklich nutzen konnte, stellte beide Spieler in die Startelf.

Insbesondere mit einem Einsatz von Maximilian Mittelstädt war nach den zuletzt schwachen Auftritten von Marvin Plattenhardt zu rechnen. Seine Leistung war solide und auf Anhieb durfte er über die volle Distanz mitwirken. Auch wenn Mittelstädt zunächst Probleme mit dem sehr aktiven Thomas Meunier hatte und nicht entscheidend Dortmunder Flanken verhindern konnte, waren ihm seine Bemühungen anzusehen.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Und diese lesen sich auch in Zahlen. Er gewann jeden seiner sieben Zweikämpfe, seine Passquote von 76 Prozent lässt sich sehen und mit 68 Ballkontakten war er auf seiner linken Seite extrem aktiv. Während des gesamten Spiels kam er ohne Foul aus. Die Leistung ein wenig schmälern tut sein unglückliches Einsteigen vor dem 0:1 der Dortmunder, als er Julian Brandt den Ball unter Druck zuspielte. Doch mit zunehmender Spielpraxis werden ihm auch solche Fehler nicht mehr unterlaufen. Die Spielpraxis wird er sicherlich bekommen. Denn sein Auftritt war wesentlich besser als Plattenhardts in den letzten Wochen.

Myziane Maolida, der in vielen Spielen für Hertha glücklos agierte und oftmals unmotiviert wirkte, zeigte gegen die Borussia eines seiner besten Spiele für Hertha BSC. Er vertrat den verletzten Stevan Jovetic und agierte als Sturmpartner von Ishak Belfodil. Der Franzose gewann die Hälfte seiner Zweikämpfe und war an 22 Aktionen beteiligt.

Wenn man sich dazu seine Laufleistung von über zehn Kilometern anschaut, kommt man zu dem Schluss, dass er sich mittlerweile häufiger in der Defensive zeigt, viel ohne Ball unterwegs ist und Räume für Mitspieler freimacht. In der 15. Spielminute hätte er das Tor verdient gehabt, welches auf Grund der bekannten Abseitsstellung Belfodils allerdings aberkannt wurde.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Doch auch er konnte seine Leistung mit einer offiziellen Statistik aufpolieren. Mit Konzentration und Spielintelligenz konnte er in der 57. Minute den kapitalen Fehler der Dortmunder Verteidigung eiskalt nutzen, machte den Ball fest, setzte seine Technik hervorragend ein und wartete intelligent auf den abschließenden Marco Richter.

Es war ein wirklich mannschaftsdienliches Spiel Maolidas, auf dem sich nach Einstudieren der Automatismen im Team der Hertha, defintiv aufbauen lässt.

Jurgen Ekkelenkamp: Viel Einsatz, aber noch zu wenig Ertrag

Dem Niederländer merkt man die Lust am Spiel mit jeder Ballberührung an. Seine Kreativität ist erfrischend und jede Spielminute, die er erhält, tut ihm gut. Der 21-Jährige spielte im linken offensiven Mittelfeld, verteilte und empfing viele Bälle. Seine Passquote von 61 Prozent ist dabei definitiv ausbaufähig, aber recht ordentlich für ein Spiel gegen eine Topmannschaft wie Borussia Dortmund.

Allerdings zeigen 20 Prozent gewonnene Zweikämpfe noch deutlich, dass es ihm an Durchsetzungskraft fehlt. Ekkelenkamp hätte schon früh in der Partie die Richtung vorzeigen können, scheiterte aber nach feinem Zuspiel im Strafraum von Belfodil mit einem Flachschuss am stark reagierenden Marvin Hitz.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Während man die Situation in der 6. Minute noch gut und gerne als haltbaren Torschuss deklarieren konnte, war man als Hertha-Fan in der 15. Minute nahe der Verzweiflung, als Ekkelenkamp einen kapitalen Fehler von Axel Witsel und Marin Pongracic nicht zu nutzen wusste und aus wenigen Metern kläglich am Tor vorbeischoss. Doch er bemühte sich weiter, konnte immer wieder Akzente in der Offensive setzen und glänzte in der 69. Minute vor dem Treffer zum 3:1 als Pre-Assistgeber für Ishak Belfodil. Nachdem er Julian Brandts Ballverlust eiskalt ausnutzte, leitete er den entscheidenden Siegtreffer mit einem feinen Chip ein.

Korkut wird Ekkelenkamp in den nächsten Spielen sicherlich weitere Minuten ermöglichen. Vielleicht auch weiterhin so viele wie am heutigen Tag. Kann er die Einsatzzeiten nutzen, hat er durchaus das Zeug zu einer echten Alternative in der Offensive zu werden.

Jordan Torunarigha und Vladimir Darida: Formtiefs überwunden

Nachdem er gegen Mainz 05 und Arminia Bielefeld jeweils nicht zum Einsatz kam, stand Jordan Torunarigha gegen Borussia Dortmund für den angeschlagenen Dedryck Boyata in der Startelf und blieb bis zum Schlusspfiff auf dem Feld. Und er wusste diesen Einsatz für Eigenwerbung auf weitere Startelfnominierungen zu nutzen. Zusammen mit Kapitän Niklas Stark nahm er Erling Haaland komplett aus dem Spiel und brachte dem Team mit acht Interceptions und fünf klärenden Aktionen viel Sicherheit in der Defensive.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Torunarighas Offensivdrang ist bekannt und auch seine Ballsicherheit bewies er schon häufiger. So auch in diesem Spiel. 42 Bälle verteilte er, 79 Prozent der Pässe fanden den Mann. Als Hertha-Fan freut man sich ungemein, Jordan Torunarigha in guter Form zu sehen. Es bleibt zu hoffen, dass das lang der Fall bleibt. Sofern Dedryck Boyata und Niklas Stark fit bleiben sollten, werden die beiden die Stamm-Innenverteidigung bilden und Torunarigha zurück auf die Bank verdrängen. Doch er zeigt, dass auf einen fitten Torunarigha durchaus Verlass ist.

Vladimir Darida wirkte in den letzten Wochen überfordert und oftmals überspielt. Er agierte unglücklich, musste auf für ihn ungünstigen Positionen aushelfen und konnte der Mannschaft nicht die Ruhe und Stabilität früherer Tage ermöglichen. Doch genau an diesen früheren Tagen konnte er gegen Borussia Dortmund anknüpfen. Zusammen mit Ascacibar in der defensiven Zentrale agierend konnte er Dortmunds Angriffsbemühungen oft unterbinden und half selbst viel im Spielaufbau mit. Fünf seiner sechs langen Bälle kamen bei seinen Mitspielern an, 44 Pässe verteilte er, 91 Prozent waren davon erfolgreich, was beachtlich ist.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Zwar unbedrängt, aber trotzdem technisch hochwertig und sehenswert bereitete er mit einem Chip über die Dortmunder Abwehr Belfodil schickend in der 51. Minute den wichtigen Ausgleich vor. Der Tscheche ist Führungsspieler und Identifikationsfigur der Hertha. Tayfun Korkut bewies in den letzten Wochen viel Geduld mit ihm und schenkte Darida immer wieder das Vertrauen. In jedem Spiel unter Korkut stand er in der Startelf, möglicherweise auch aus Mangel an Alternativen, aber gegen den BVB wusste er endlich wieder zu überzeugen.

Fazit: Eines der stärksten Spiele führt zu einem versöhnlichen Jahresabschluss

Nach der deutlichen Niederlage unter der Woche in Mainz wurde es um Hertha BSC noch einmal laut und ungemütlich. Und im Überschwang der Emotionen wirkte das auch durchaus notwendig. Doch die Klatsche scheint eine Art Initialzündung und ein Motivationsschub für Spieler und Trainer gewesen zu sein.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Nüchtern betrachtet hat Hertha seit dem Derby in Köpenick in den letzten fünf Spielen lediglich ein Spiel – jenes in Mainz – verloren und befindet sich in der aktuellen Formtabelle der Bundesliga auf einem sehenswerten sechsten Platz. Tayfun Korkut hat die Mannschaft stabilisiert, hatte bei der Niederlage in Rheinland-Pfalz seinen eigenen schwarzen Tag und konnte nun mit einer starken Reaktion die Mannschaft zu einem Sieg gegen Borussia Dortmund coachen. Eine Situation, auf der sich aufbauen lässt.

2021 war wieder einmal ein verrücktes Jahr für Hertha BSC. Abstiegskampf, der nächste Umbruch im Team, brutale Klatschen, eine emotionale Trainerentlassung, doch am Ende steht Hertha da, wo man sie eigentlich immer verortet: im tiefen Mittelmaß der Bundesligatabelle. Mit dem elften Tabellenplatz lässt es sich momentan ganz gut leben. Frohe Weihnachten und Guten Rutsch!

[Titelbild: Boris Streubel/Getty Images]

Hertha BSC – Borussia Dortmund: Drei Thesen zum Spiel

Hertha BSC – Borussia Dortmund: Drei Thesen zum Spiel

Die englische Woche und damit auch die Hinrunde der Fußball Bundesliga enden. Nach zwei soliden bis guten Spielen musste Hertha unter der Woche eine harte Klatsche in Mainz einstecken. Sich weiter von den gefährlichen Abstiegsrängen zu distanzieren gelang nicht und die Nullfünfer legten Herthas Schwächen gnadenlos offen. Um nun ein einigermaßen ruhiges Weihnachten feiern zu können, muss ein akzeptabler Auftritt am Samstag-Abend gegen Borussia Dortmund her. Ein Gegner, der selber nicht in seiner besten Phase zu sein scheint, doch natürlich alles andere als im Vorbeigehen zu schlagen ist.

These 1: Hertha wird gegen Dortmund zum Favoritenschreck

Auch wenn es gegen den FC Bayern München und RB Leipzig in dieser Saison herbe Niederlagen gab, hielt die Alte Dame gegen vermeintlich stärkere Gegner oft lange mit, war zum Teil die bessere Mannschaft und sammelte auch Punkte – so zu sehen gegen Leverkusen, Gladbach oder Frankfurt. Die Frage, wie attraktiv der Fußball war, bei einem Punktgewinn gegen die Borussen, sollte sich nicht stellen.

Die Berliner sind nach den ersten drei Spielen unter Tayfun Korkut noch nicht wirklich einzuschätzen und damit schwer für den Gegner auszurechnen.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Ein nach nur kurzer Zeit schon wieder ramponierter Rasen im Berliner Olympiastadion, Temperaturen um den Gefrierpunkt und ein Borussia Dortmund, welches alles andere als in der gewünschten Form ist und Hertha nach den letzten Leistungen unterschätzen könnte, lassen die Möglichkeit zu, dass Blau-Weißen hier punkten werden.


Nach zwei ordentlichen Auftritten fiel Hertha BSC beim FSV Mainz 05 völlig auseinander. Ein Offenbarungseid, der viele Fragen aufwirft.


These 2: Hertha verstärkt gegen Dortmund die Außen

Mit vier zentralen Spielern startete die Mannschaft gegen Mainz 05. Das Spiel kann man durchaus als vercoacht werten. Schließlich war mit Marvin Plattenhardt und Deovaisio Zeefuik die Außenverteidigung viel zu dünn besetzt. Beide waren komplett überfordert und das Ergebnis ist bekannt.

Es wäre kurios, wenn Korkut gegen schnelle Gegenspieler wie Thorgan Hazard, Julian Brandt und Marco Reus auf dieselbe Taktik setzen würde. Peter Pekarik kehrt zurück in die Startelf und verdrängt den in den letzten zwei Spielen schwachen Zeefuik zurück auf die Bank.

BERLIN, GERMANY – NOVEMBER 07: Peter Pekarik of Hertha BSC runs with the ball during the Bundesliga match between Hertha BSC and Bayer 04 Leverkusen at Olympiastadion on November 07, 2021 in Berlin, Germany. (Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Marco Richter und möglicherweise Maximilian Mittelstädt, der bisher noch keine Minute unter Korkut spielen durfte und vielleicht überraschend aufgestellt werden könnte, würden die Außen sowohl defensiv als auch offensiv unterstützen.

Myziane Maolida wäre ebenfalls eine Alternative. Dieser hatte sich mit seinen Einsätzen in den letzten Spielen allerdings nicht wirklich für weitere empfohlen.

These 3: Ideenlos + ideenlos = Punktgewinn für Hertha

Bei Borussia Dortmund herrscht aktuell keine gute Stimmung. Das frühe Ausscheiden in der Champions League und die jetzt schon nur noch sehr geringen Chancen den FC Bayern München noch von der Tabellenspitze zu stoßen, lassen die Gemüter etwas geknickt zurück. Und auch das recht öde und ideenlose Spiel unter Trainer Marco Rose lässt im Ruhrpott niemanden zu Luftsprüngen verleiten.

hertha dortmund
(Photo by Friedemann Vogel – Pool/Getty Images)

Die Offensive des BVBs darf man selbstverständlich nicht unterschätzen, doch in ihrer aktuellen Form scheint sie definitiv zu verteidigen zu sein. Kompakt stehen und vehementer Zweikampfeinsatz sollten der Schlüssel sein um einiges in diesem Spiel zu ermöglichen. Die Offensive der Hertha, der bei einem Fehlen von Suat Serdar und Stevan Jovetic die größte Qualität fehlen würde, wird es gegen die Abwehr der Dortmunder nicht leicht haben.

Allerdings nicht unbedingt wegen der Qualität dieser, eher wegen der fehlenden Qualität in Herthas Offensive. Trotz allem würde dieses ideenlose Spiel bei einem Blick auf die Begegnungen mit Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen für Hertha nicht unbedingt schlecht sein.

[Titelbild: Lars Baron/Getty Images]

Herthaner im Fokus: Mit Pärchen gegen Bielefeld gewonnen

Herthaner im Fokus: Mit Pärchen gegen Bielefeld gewonnen

Endlich war es mal wieder soweit. Im zweiten Spiel unter Tayfun Korkut gelang Hertha BSC der erste Sieg nach zuvor fünf Spielen in Folge ohne drei Punkte. Das Spiel zeigte weitere Fortschritte und Dinge, die seit dem Trainerwechsel besser funktionieren. Allerdings offenbarten sich auch die größten Schwachstellen der Hertha. Wir schauen heute auf interessante Pärchenbildungen, die verschiedenen Joker und wessen Plätze in der Startelf bedenklich wackeln.

Stevan Jovetic und Ishak Belfodil: Zwei, die sich gefunden haben

Es ist mittlerweile eine regelmäßige Wiederholung der letzten Wochen, dass diese beiden Spieler hier immer wieder aufgelistet werden. Sie lassen uns aber schlichtweg keine andere Wahl. Seit Wochen brillieren die beiden Stürmer miteinander und werden immer erfolgreicher.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Stevan Jovetics Passquote von 74 Prozent und seine Zweikämpfe, von denen er 67 Prozent für sich entscheiden konnten, sind für einen Stürmer eine starke Quote. Wieder einmal hatte er mit 54 Ballaktionen einen großen Anteil am Kreativspiel. Er bereitete zwei Chancen für seine Mitspieler vor und kam selber drei Mal zum Abschluss. Sein Freistoß in der 28. Minute war wie schon gegen den VfB Stuttgart brandgefährlich.

Das Sahnehäubchen der Partie war sein Volleytor, welches er in der 53. Minute nach Ishak Belfodils Ablage mit Wucht erzielen konnte. Kurios war, dass Hertha BSC nach Jovetics zurecht aberkannten Abseitstor in der 42. Minute nun in vier Spielen in Folge fünf Tore erzielt hat, die wegen Abseitsstellungen nicht gegeben wurden.

Ishak Belfodil, der mittlerweile komplett im Team der Hertha angekommen zu sein scheint, setzte weiterhin seine spielerischen Mittel ein, verteilte – 71 Prozent seiner gespielten Pässe fanden seine Mitspieler – und empfing Bälle und bereitete mustergültig auf Jovetic vor. Vier Mal suchte er selbst den Abschluss. Wermutstropfen ist sein fehlender persönlicher Torerfolg, der ihm bisher vergönnt war.

Belfodil könnte eben jenes erzwingen, indem er sich die nötige Spritzigkeit und Kaltschnäuzigkeit aneignet, die ihm oftmals noch in Aktionen fehlt. Seine Bemühungen sind ohne Zweifel vorhanden, doch wirkt es oft so, als wäre er einen Schritt zu langsam oder zu sehr mit dem Kopf beschäftigt.

Suat Serdar und Santiago Ascacibar: Das sich ergänzende Duo

Suat Serdar war wie erhofft nach seinem durch eine Erkältung begründeten Fehlen gegen Stuttgart wieder dabei und brachte genau das ins Hertha-Spiel, was gegen die Schwaben noch in Teilen gefehlt hatte: Kreativität und Torgefahr.

Er selber kam zu zwei Abschlüssen, die nur mit Bielefelder Glück nicht im Netz landeten. Insbesondere sein Zusammenspiel mit Jovetic in der 14. Minute hätte einen erfolgreichen Abschluss verdient gehabt. Nilsson klärte dabei auf der Linie hinter dem bereits geschlagenen Ortega.

Serdar war extrem aktiv, hatte in seinen 69 Minuten, die er auf dem Platz stand, ehe er für Jurgen Ekkelenkamp ausgewechselt wurde, 62 Ballkontakte und brachte 79 Prozent seiner Pässe an den Mann und half viel bei der Kreierung von Torchancen. Mit 68 Prozent gewonnener Zweikämpfe hat er eine sehenswerte Quote, die seine Robustheit zeigt und seinen Wert für das Spiel der Hertha unterstreicht.

(Photo by Thomas Eisenhuth/Getty Images)

Während Suat Serdar der Offensive seinen Stempel aufdrückte,  machte Santi Ascacibar selbiges in der Defensive. Dabei hielt er vor allem Serdar den Rücken frei, räumte unermüdlich Bälle und Gegner ab und verteidigte und verteilte Bälle mit purer Leidenschaft. Mit 74 Ballkontakten war er einer der Herthaner, die am häufigsten den Ball hatten. Er gewann in dem Spiel, welches er über die volle Distanz bestreiten konnte,  69 Prozent seiner Zweikämpfe.

Zusammen bilden diese beiden ein sich top ergänzendes Duo im zentralen Mittelfeld. Die Frage wer der dritte zentrale Mittelfeldspieler zukünftig sein soll, konnte Vladimir Darida bisher nicht mit Nachdruck beantworten.

Dedryck Boyata und Niklas Stark: Das Abwehrbollerk, das einfach wegverteidigt

Wie erwartet kam Niklas Stark nach Jordan Torunarighas Leistungabfall in Stuttgart zurück in die Startelf. Die Frage wie er auf die Gerüchte um einen Wechsel, die unter der Woche wieder lauter wurden, spielerisch reagieren würde, beantwortete er recht klar mit einer sehr soliden Leistung.

Zusammen mit Kapitän Dedryck Boyata hielt er die Verteidigung zusammen. Beide gestikulierten und kommunizierten durchgehend mit ihren Mitspielern und wurden ihrer Rolle als Leader gerecht. Stark hatte im Vergleich zum Spiel in Augsburg keinen Querschläger drin.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Während beide mit vielen Aktionen am Ball für einen sehr strukturierten Spielaufbau sorgten, konnten sie sich auch immer wieder im Offensivspiel der Hertha einbringen. Beide hatten eine Passquote von weit über 80 Prozent, im Fall von Stark sogar 95 Prozent. Keiner der beiden musste auch nur ein einziges Foul ziehen, sie gewannen jeweils fast alle ihrer Zweikämpfe. Zusammen klärten sie ganze 15 Bälle aus der Gefahrenzone.

Niklas Stark hatte nach zehn Minuten die erste nennenswerte Kopfballmöglichkeit. Im Laufe der Partie gelang es Dedryck Boyata sogar drei Mal zum Abschluss zu kommen. Der gesamten Mannschaft war anzumerken, dass die beiden Kapitäne der Mannschaft Ruhe ermöglichen und sie ihnen vertrauen konnten.

Krzystof Piatek und Davie Selke: Joker unter Zugzwang

Beide Stürmer, die in der Hierarchie der Stürmer ganz klar hinter Belfodil und Jovetic stehen, bekamen in den letzten Wochen vor allem Kurzeinsätze. Beiden war der Einsatz nicht abzusprechen, doch es fehlte meistens an Glück und Qualität.

Piatek, der erst ein Saisontor verbuchen konnte, sucht seit Wochen nach seiner Form. Nach 78 Minuten bekam er die Chance, sich zu präsentieren. Mit 14 Ballkontakten war er in seinen Minuten, die er bekam, sehr aktiv. Viel Ertrag gelang ihm nicht. In der 83. Minute scheiterte er an einer Fußabwehr von Ortega freistehend vor dem Tor. Er gewann keinen Zweikampf. Um mehr Einsatzzeiten zu bekommen und endlich wieder alte Form zu erlangen, muss er zukünftig gerade in Kurzeinsätzen solche Chancen nutzen, um den nötigen Konkurrenzkampf im Team zu provozieren.

Davie Selke, der in dieser Bundesligasaison vom Pech verfolgt zu sein schien, konnte eben jenen Kurzeinsatz nutzen. Sein Einsatz sollte noch später als Piateks starten. Er kam erst in der 88. Minute, allerdings nutzte er diese mit seiner bekannten Motivation. Er gewann zwei Zweikämpfe, hatte zwei Torchancen, von denen er seine zweite mit dem Schlusspfiff eiskalt nutzte.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Das Tor erarbeitete er sich in den Schlusssekunden des Spiels selbst, als er ein schlampiges Defensivspiel der Bielefelder eiskalt ausnutzte und mit Wucht und Wut im Bauch in das lange rechte Ecke traf. Wie viel Frust und Arbeit in diesem Moment abfielen, war am emotionalen Jubel im Anschluss zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass es sich nicht nur um ein Zufallsprodukt handelte.

Vladimir Darida und Deyovaisio Zeefuik: Aktuell keine Hilfe und überfordert

Der tschechische Mittelfeldspieler kassierte schon früh in der 15. Spielminute eine gelbe Karte, welche er für ein unnötiges taktisches Foul erhielt. Dieser Rucksack ließ ihn in seinen defensiven Aktionen nur wenig Spielraum. Er wirkte nicht gewohnt sicher und konnte mit 57 Prozent gewonnener Zweikämpfe nur knapp über die Hälfte gewinnen, was im zentralen Mittelfeld ungünstig ist.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Immerhin konnte er in der 36. Minute mit einem wuchtigen Schuss aus der Distanz den oft unsicher wirkenden Ortega auf die Probe stellen. Den flatternden Ball konnte der Torhüter nur mit viel Mühe zur Ecke lenken. Insgesamt fiel Daridas Leistung im Vergleich zu seinen Kollegen Ascacibar und Serdar deutlich ab, was leider einen Trend im Vergleich zu den letzten Spielen zeigt. Um seinen Platz in der Startelf weiterhin inne zu haben, muss sich der Routinier dringend wieder steigern.

Die Leistung von Deyovaisio Zeefuik sollte ebenfalls zu Denken geben. Nicht nur Tayfun Korkut, sondern Zeefuik selbst. Der Niederländer schien mit dem Spiel in der Defensive komplett überfordert zu sein. Bereits nach vier Minuten unterliefen ihm zwei Schnitzer hintereinander.

Das sollte sich durch das gesamte Spiel ziehen. Unnötige Ecken, Fehlpässe, ungünstige Pässe, die die Mitspieler unter Druck setzten, nur 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe und Fouls in gefährlichen Situationen, wie in der 31. Minute, als er Alessandro Schöpf recht plump kurz vor dem Strafraum zu Fall brachte, unterstreichen seine mangelhafte Leistung. In der 65. Minute verpasste er durch schlechtes Stellungsspiel den Ball und hatte Glück, dass Krüger beim folgenden Schuss nur das Außennetz traf.

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(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Zu Gute halten kann man Zeefuik, dass er vier Bälle klären konnte und im Offensivspiel starke Ansätze und Einsatz zeigte. Vor allem sein Nachsetzen in der 14. Minute und das Einleiten der Großchance von Suat Serdar war ein Lichtblick im Offensivspiel. Viel mehr als das sollte ihm aber auch nicht mehr gelingen. Sobald Peter Pekarik wieder bereit für einen Einsatz ist, wird Zeefuik aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Bank sitzen müssen.

Fazit: Die Stärken des Kaders nutzen hilft

Dem Team gelang ein immens wichtiger Sieg, um sich vom Konkurrenten aus Ostwestfalen absetzen zu können. 20 Schüsse, neun davon auf das Tor der Arminia, sind ein deutliches Zeichen. Man bemüht sich um viel mehr Offensivpower, die zweifelsohne im Kader vorhanden ist, sofern alle fit sind. Dem zentralen Mittelfeld gelingt es ebenfalls immer mehr zu einer Einheit zu verschmelzen und in der Verteidigung bietet es sich an mit souveräner Erfahrung zu arbeiten.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Das Polster auf Platz 17 beträgt nun acht Punkte und lässt die Verantwortlichen zumindest temporär ein paar Nächte ruhig schlafen, bis es Dienstag gegen den FSV Mainz 05 um die nächsten Zähler geht.

Auch wenn es im Endeffekt “nur” Arminia Bielefeld war, kann man positiv festhalten, dass es Hertha gelingt gegen die direkte Konkurrenz in dieser Saison zu punkten. Gegen Bielefeld setzte die Mannschaft an den guten Ansätzen aus Stuttgart an. Nun gilt es diese immer weiter zu fordern und zu fördern, um ruhige Weihnachten zu haben.

[Titelbild: Matthias Kern/Getty Images]