VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Drei Thesen

VfL Wolfsburg – Hertha BSC: Drei Thesen

Der VfL Wolfsburg steckt seit Wochen in einer tiefen Krise. Die letzten sechs Bundesligaspiele verlor der VfL allesamt, wettbewerbsübergreifend sind es sogar schon acht Niederlagen in Folge. Der Stuhl des erst Ende Oktober verpflichteten Trainers Florian Kohfeldt wackelt gewaltig. Die Niedersachsen sind weit entfernt von ihrer gewünschten Tabellenregion, den internationalen Plätzen, und drohen im Abstiegskampf zu versinken. Spannend wird zu sehen sein, ob der verliehene Dodi Lukebakio nach seiner Corona bedingten Quarantäne zum Einsatz kommen wird und gegen Hertha für Torgefahr sorgen kann.

These 1: Hertha wird kein Aufbaugegner

In der Vergangenheit hatte man als Fan der Hertha oft das Gefühl lediglich ein Aufbaugegner zu sein und krisengebeutelte Vereine zurück in die Erfolgsspur zu führen. Diese Saison ist das anders. Gegen fast jede Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte konnte die Mannschaft von Tayfun Korkut punkten. Vier Siegen stehen zwei Remis gegenüber.

Ausgerechnet gegen den VfL gab es im Hinspiel eine Niederlage. Allerdings waren die Vorzeichen damals nicht vergleichbar mit den heutigen. Schließlich war die Mannschaft aus der Autostadt Champions-League-Teilnehmer. Hertha wird sich keine Blöße geben. Mindestens ein Punkt ist drin.

These 2: Konterfußball liegt Hertha

Der VfL Wolfsburg wird versuchen das Spiel zu machen. Mit ihrer individuell sehr starken Offensive haben sie auch jeden Grund dazu. Die Stürmer werden gesucht und in Szene gesetzt. Steht die Verteidigung um Niklas Stark und möglicherweise den wiedergenesenen Dedryck Boyata gut, kann Hertha mit  konzentrierten Umschaltspiel eiskalte Angriffe starten.

Die Konter können über schnelle und kreative Spieler, wie Marco Richter oder Myziane Maolida, geführt werden. Erwischt Davie Selke einen guten Tag ist er in der Spitze der optimale Anspielpartner und kann für Torgefahr sorgen.

These 3: Belfodil, der Joker

Sollten Davie Selke und Myziane Maolida nicht den entscheidenden Treffer erzielen können, schaffen sie es immerhin die Abwehrspieler des VfL Wolfsburgs sowohl physisch, als auch psychisch zu ermüden. für die letzte halbe Stunde wäre dann Ishak Belfodil eine Variante, die Tayfun Korkut auf der Bank hätte.

Nachdem der Algerier gegen den 1. FC Köln schmerzlich vermisst wurde, wird er nach seiner Quarantäne als Joker kommen, der schon müden nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzenden Wolfsburger Verteidigung das Leben schwer machen und das spielentscheidende Tor erzielen.

(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

Vor dem Wolfsburg-Spiel: Vorsicht vor Versprechen!

Vor dem Wolfsburg-Spiel: Vorsicht vor Versprechen!

Tayfun Korkut verspricht allen Hertha-Fans, dass individuelle Fehler in der Abwehr nicht mehr passieren werden. Schaut man sich Herthas größte Schwächen der vergangenen Jahre und die Fehlerquote an, ist das gewagt. Und: Vor dem Wolfsburg-Spiel hat Korkut die Qual der Wahl im Sturm. Dabei könnte doch alles so einfach sein …

Es ist wie in der Politik

In der Pandemie machen viele Politiker:innen gerade die Erfahrung, von zu abschließenden Aussagen und Versprechen eingeholt zu werden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und andere prominente Politiker:innen versprachen noch vor wenigen Monaten, dass es keine Impfpflicht geben werde und FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner ging im Wahlkampf mit dem Versprechen auf die Straße, dass ungeimpfte Menschen keinerlei Einschränkungen erfahren würden.

Das Virus ist mutiert, die Sachlage hat sich geändert, die Politik muss reagieren, ihre Versprechen brechen und einsehen, dass einige Aussagen voreilig getroffen wurden. Letztlich kann das in Politikverdrossenheit und Vertrauensverlust resultieren.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Bei Hertha BSC geht es „nur“ um Fußball. Und doch sieht man in diesen Tagen einige Parallelen zwischen diesen politischen Fehlgriffen und den Aussagen von Hertha-Trainer Tayfun Korkut. Schon nach dem Köln-Spiel reduzierte er die Niederlage vielleicht ein bisschen zu sehr auf individuelle Fehler und wiederholte dann auch bei der heutigen Vor-Spieltags-Pressekonferenz: „Diese Fehler werden so nicht mehr passieren. Wir werden viel, viel stabiler stehen im nächsten Spiel.“ Schließlich sei es im Köln-Spiel nur um „Nuancen“ gegangen, die man im Training nun abschließend ausgebessert habe. „Keine großen Themen“, so Korkut.

Die Niederlage gegen Köln war symptomatisch

Insbesondere mit Blick auf Herthas teils löchrige Abwehrarbeit in den vergangenen Jahren ist das ein sehr gewagtes Versprechen. Denn die meisten Niederlagen hatten zwei systematisch verankerte Ursachen: Erstens mangelnde Überzeugung (uninspirierte Offensive, zu große Abstände zum Gegenspieler, teils abwesende Pressing-Arbeit, reaktives Spiel, etc.) und zweitens Präzision, also genau diese individuellen Fehler.

Das erste Gegentor im Union-Hinspiel, das 1:1 in der 97. Minute gegen Augsburg, das völlig desolate Abwehrverhalten in der ersten Hälfte im Stuttgart-Spiel liefern zumindest Hinweise darauf, dass Herthas Abwehrfehler doch etwas größer sind. Aber: Wir lassen uns gerne vom Gegenteil überzeugen und hoffen darauf, dass Korkut nicht wie einige Spitzenpolitiker:innen in wenigen Tagen analysieren muss, dass er seine Vorhersage revidieren muss.

Welches Pärchen stürmt gegen Wolfsburg?

Es gibt ja auf der anderen Seite auch durchaus gute Gründe, warum man Korkut Vertrauen schenken sollte. Seine Umstellungen in Herthas Offensive haben beispielsweise dafür gesorgt, dass das Team nun viel mehr Szenen im gegnerischen Strafraum hat. Viele konnten sich nicht vorstellen, dass Herthas Kader nach all den Dardai-Jahren auf eine Doppelspitze ausgelegt ist. Doch nach Korkuts ersten Spielen kann man fast festhalten, dass es fast egal ist, welches Pärchen da vorne spielt – in jedem Fall ist man gefährlicher, flexibler und agiler geworden.

Besonders aufgefallen ist allerdings die Paarung Jovetic-Belfodil. Diese wird am kommenden Wochenende allerdings nicht gemeinsam auflaufen, weil Stevan Jovetic immer noch an seinen Wadenproblemen leidet. Immerhin: Yshak Belfodil ist wieder genesen. Dass Korkut nun auf einen Ein-Mann-Sturm ausweicht, ist ausgeschlossen. Bei der heutigen Pressekonferenz philosophierte er vielmehr darüber, welches Pärchen denn am besten zum Gegner passen könnte.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Wie gewohnt, blieb der Hertha-Trainer hier aber vage, um nicht zu viel preiszugeben. Korkut wörtlich: „Ich habe noch nicht entschieden, wir haben da zum Glück Möglichkeiten. Ishak und Myziane sind sehr beweglich vorne, Davie ist eher ein zentralerer Stürmer.“ In jedem Fall sei er froh darüber, dass er in der zweiten Halbzeit einen „echten Stürmer“ einwechseln könne.

Die Zahlen der Hertha-Stürmer

Dabei könnte die Auswahl des Stürmer-Paares recht einfach sein – wenn man sich ausschließlich von Zahlen leiten lässt: Belfodil hat in den Profi-Ligen und Pokalwettbewerben Italiens, Frankreichs, Deutschlands und Japans sowie im Europapokal 64 Tore in 271 Spielen erzielt – rein rechnerisch schießt Belfodil also etwa 0,24 Tore pro Spiel, oder statistisch gesehen in jedem vierten Spiel ein Tor.

Myziane Maolida ist viel jünger, hat aber nach 2016 in 94 Profispielen in Frankreich und Deutschland elf Tore geschossen – eine Quote von etwa 0,12. Davie Selke hat in 254 Profispielen 58 Treffer erzielt – eine Pro-Tor-Quote von rund 0,22, also ähnlich wie Belfodil und ebenfalls besser als Maolida.

Natürlich spricht aber auch einiges gegen das Stürmer-Pärchen Selke-Belfodil. Belfodil hat in Verbindung mit Jovetic gezeigt, dass er von einem beweglichen, spielerisch kreativen Stürmer an seiner Seite profitiert. Diesen würde er wohl eher in Myziane Maolida neben sich haben.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Podcast #174 Privatjet aufm Tennisplatz

Podcast #174 Privatjet aufm Tennisplatz

Wir wünschen euch ein frohes neues Jahr und hoffen, dass euer Start in 2022 besser verlaufen ist, als der von Hertha BSC. Coronainfektionen und eine Heimniederlage zum Auftakt des neuen Jahres lassen wieder nichts Gutes erahnen. Benny, Marc und Lukas sprechen über das gestrige Spiel und alle Transfernews.

Wir wünschen euch viel Spaß und freuen uns über eure Kommentare.

Teilt den Podcast gerne mit euren Freund*innen, der Familie oder Bekannten. Wir freuen uns über alle Hörer*innen.

https://www.rbb24.de/sport/beitrag/2022/01/hertha-koeln-rueckrundenstart-fc-fussball-niederlage-analyse.html

#hahohe #podcast #herthabsc #bundesliga #herthabase

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(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Herthaner im Fokus: Ernüchternder Jahresbeginn

Herthaner im Fokus: Ernüchternder Jahresbeginn

Wie schon im Hinspiel unterlag Hertha BSC dem 1. FC Köln zum Rückrundenstart mit 1:3. Ein ideenloser und auch blutleerer Auftritt sollte die Erwartungen nach dem positiven Jahresabschluss 2021 gegen Borussia Dortmund trüben. Wir blicken auf die Partie.

Aufstellung gegen Köln von Corona gezeichnet

Tayfun Korkut musste auf zahlreiche Leistungsträger verzichten. Kapitän Dedryck Boyata konnte sich zwar nach seiner Corona-Infektion freitesten, das Spiel gegen die Kölner kam für ihn allerdings noch zu früh, weshalb wie gegen Dortmund Niklas Stark und Jordan Torunarigha in der Startelf standen. Neben Deyovaisio Zeefuik und dem Neuzugang Fredrik André Bjørkan fehlte auch Ishak Belfodil wegen einer Corona-Infektion. Stevan Jovetic fällt wegen Wadenproblemen weiter aus. So kam es, dass Davie Selke und Suat Serdar für Jurgen Ekkelenkamp und Ishak Belfodil starteten.

Auch wenn dieses Spiel keinen Raum für Lobeshymnen bot, haben wir uns mit den einzelnen Spielern beschäftigt und versuchen auch das letzte bisschen an positiven Punkten aus dieser Partie zu ziehen.

Vladimir Darida: Glückliches Tor, beim Rest nur Pech

Es könnte alles so schön sein. Mit 12,84 km lief der Tscheche mal wieder am meisten. Keiner der Spieler von Hertha und Köln konnten ihm in dieser Statistik das Wasser reichen. Zusätzlich noch ein Tor per Freistoß aus großer Distanz und mit 86 Ballaktionen einer der aktivsten Herthaner.

Doch viel brachte all das nicht. Sein Freistoßtor war eher ein Zufall und dem Glück geschuldet, dass keiner der Leute, denen die Hereingabe galt, mehr an den Ball kam und diesen möglicherweise über oder neben das Tor bugsiert hätte. 81 Prozent seiner Pässe kamen an, was eine recht gute Quote ist. Doch wirklich das Spiel ankurbeln konnte er nur selten. Immerhin gelang es ihm, Maolida in der 28. Minute in Szene zu setzen, ehe dieser scheiterte.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Bis zum Ende merkte man Darida seine Mühe an, doch sowohl in der 32. Minute, als er und Mittelstädt den Einwurf der Kölner, der den Angriff zum 0:2 einleiten sollte, verschliefen, als auch in der Nachspielzeit, als er sich selbst und den Ball nicht kontrollieren konnte und Jan Thielemann praktisch zum Tor einlud, gehörten zu seinen ganz dunklen Momenten in diesem Spiel.

Maximilian Mittelstädt: Viele Aktionen, aber auch ebenso viele Fehler

Wie erwartet bekam Maximilian Mittelstädt nach seinem guten Spiel gegen Dortmund wieder den Vorzug vor Marvin Plattenhardt und stand in der Startelf.

Und auch er konnte eine Statistik für sich gewinnen. Mit 103 Ballaktionen war er am häufigsten mit dem Spielgerät in Verbindung. 45 von 54 Pässen brachte er an den Mitspieler und er gewann zehn seiner zwölf Zweikämpfe. Mittelstädt wirkte ebenfalls bemüht, biss sich aber auf seiner linken Seite gerade in der Offensive die Zähne aus. Zu wenig Durchsetzungskraft und zu wenig Offensivpower sorgten dafür, dass er keine große Hilfe im Angriffsspiel war.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Immerhin konnte er drei Mal den Ball in brenzligen Situationen klären und vier erfolgreiche Tacklings zeigen zumindest, dass er mit viel Einsatz dabei war. Doch auch er war in der 32. Minute an der Entstehung des Gegentreffers beteiligt und lies Florian Kainz unbedrängt flanken.

Myziane Maolida: Der Killerinstinkt fehlt

Ein weiteres Mal durfte sich Myziane Maolida in der Startelf präsentieren. Auf Grund der prekären Situation in der Offensive blieb Tayfun Korkut auch nur wenig Spielraum, weshalb er den Franzosen in den Sturm neben Davie Selke stellte.

In seinen 69 Minuten agierte er zwar motiviert, aber dennoch ziemlich glücklos. Im Gegensatz zu seinem Sturmpartner gelang es ihm aber zumindest Torchancen zu kreieren. Wie in der 5. Minute, als er im Strafraum aus halbrechter Position zum Schuss kam, den Ball allerdings deutlich am Tor vorbei setzte.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Ein frühes Tor hätte Hertha sicherlich gut getan, wirklich nötig wäre es allerdings in der 28. Minute gewesen. Doch nachdem er von Vladimir Darida in Szene gesetzt wurde, verschoss er aus zentraler Position ziemlich kläglich. Torhüter Marvin Schwäbe hatte keine Probleme mit dem Ball und nur wenige Momente später gingen die Domstädter in Führung.

Maolida wirkte in den meisten Situationen überhastet, fehl am Platz und konnte kaum eine Bindung zum Mittelfeld aufbauen. Er gewann zu dem nicht einen seiner vier Zweikämpfe und musste später den Platz für Kevin-Prince Boateng räumen.

Niklas Stark und Jordan Torunarigha: Zu oft unkonzentriert

Die beiden Innenverteidiger hatten einiges zu tun und kamen mit den agilen und schnellen Kölnern oft nicht zurecht. Mark Uth konnte sich nach 20 Minuten mit Schnelligkeit durch die Berliner Defensive tanken und insbesondere Torunarigha konnte bei seinen Tempodefiziten keine Hilfe sein und von Glück reden, dass Uth knapp das Tor verfehlte. Anthony Modests Wucht machte ihnen ebenfalls regelmäßig zu schaffen. Kurz vor der Halbzeit setzte er sich gegen die beiden Innenverteidiger mustergültig durch und hätte das dritte Kölner Tor schießen können, scheiterte jedoch an Schwolow.

Starks Passquote von 82 Prozent und Torunarighas von 80 Prozent waren zwar einigermaßen okay, doch insbesondere an den langen Bällen kann man erkennen, dass es den Berlinern deutlich an Ideen mangelte. Torunarigha versuchte es sechs Mal, Stark sogar elf Mal, die Stürmer in Szene zu setzen. Beide waren mit ihren Versuchen kaum ertragreich. Trotz allem gelangen ihnen zusammen 20 Klärungsaktionen, womit sie oft für Ruhe sorgten. Torunarighas Zweikampfquote von 62 Prozent ist definitiv ausbaufähig und bei der Entstehung des 0:1 war sein Einsatz zu spät.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Niklas Stark sorgte zudem für den kuriosesten Slapstick-Moment im Spiel, als er in der 67. Minute Schwolow mit einem viel zu hart geschossenen Rückpass zu einer Parade zwingen musste. Den folgenden indirekten Freistoß im Strafraum der Hertha konnte der Keeper sehenswert halten. Die Ruhe und Souveränität von Dedryck Boyata werden dringend gebraucht und aktuell schmerzlich vermisst.

Das Spiel gegen Wolfsburg kann richtungsweisend werden

Auch wenn das Team viele Ausfälle zu verkraften hatte, ist das ideenlose Offensivspiel nur schwer erklärbar. Hertha gelingt es nicht eine Serie und Konstanz aufzubauen. Auf gute Spiele folgen schwache. Und zu häufig sind es Spiele, die man überfordert und blutleer einfach hergibt.

Am Sonntag folgt das nächste Spiel. Dann gegen die tief in der Krise steckenden Wolfsburger. Es könnte richtungsweisend werden. Verliert man das Duell und die Konkurrenz punktet, würde man tief im Abstiegskampf stecken. Sollten die einstudierten Abläufe und das Zusammenspiel der Defensive und der Offensive, wie gegen Dortmund zuletzt, aber wieder funktionieren, wäre ein Sieg gegen den VfL allemal drin. Eigentlich ist dieser sogar Pflicht.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

1. FC Köln – Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

1. FC Köln – Hertha BSC: Drei Schlüsselduelle

Schon wieder ist ein halbes Jahr Bundesliga vorbei und so wirklich zur Ruhe kommt unsere Hertha mal wieder nur bedingt. Als unsere Alte Dame mit Neu-Manager Fredi Bobic im August gegen Köln in die Saison 2021/22 startete, war die Hoffnung auf einen positiven Umschwung groß. Doch Hertha wäre nicht Hertha, wenn das auch eingetreten wäre und spätestens nach Schließung des Transferfensters war die Euphorie aufgrund des dünnen Kaders verflogen. Mit einigen Totalausfällen gegen Bayern, Leipzig, Köpenick, Lichtblicken gegen Frankfurt, Gladbach und Dortmund und einem Trainerwechsel hat die Mannschaft die Hinrunde irgendwie überstanden. Jetzt gilt es den positiven Schwung vom Sieg gegen Dortmund mit in die Rückrunde zu nehmen und mehr Konstanz zu beweisen.

Steffen Baumgart hat den Effzeh wiederbelebt

Die Rheinländer zählen definitiv zu den Überraschungen der Hinrunde. Mit der Verpflichtung von Trainer Steffen Baumgart ist der Vereinsführung ein absoluter Glücksgriff gelungen, denn dem gebürtigen Rostocker ist es gelungen, der Mannschaft eine Spielphilosophie zu geben.

(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Darüber hinaus sprechen die Zahlen für sich: Köln steht nach 17 Spieltagen mit 25 Punkten auf dem 8. Tabellenplatz. Nachdem die Mannschaft in der vergangenen Saison mit Glück in der Relegation die Klasse hielt, schielen sie aktuell eher auf die europäischen Plätze als auf die Abstiegsränge. Wir schauen, auf welche Schlüsselduelle es ankommen wird, um die formstarken Kölner zu ärgern.

Stark/Torunarigha vs. Modeste

Wenn ein Spieler vom Trainerwechsel besonders profitiert hat, dann Anthony Modeste. Der Franzose hatte seit seiner Rückkehr nach Köln nicht mehr richtig Fuß fassen können, schaffte es unter Baumgart aber, zu alter Stärke zurückzufinden. In 19 Pflichtspielen erzielte Modeste 13 Treffer und legte ein weiteres Tor auf. Dabei fiel der Stürmer besonders durch seine Kopfballstärke auf, die auch im kommenden Spiel eine Gefahr für unsere anfällige Innenverteidigung werden kann.

hertha köln
(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Durch den Corona-bedingten Ausfall von Kapitän Boyata fällt zudem eine wichtige Säule unserer Abwehr weg, die diese Tendenzen in diesem Schlüsselduell zugunsten der Rheinländer verschiebt. Aktuell gehen wir von dem Innenverteidiger-Duo Stark/ Torunarigha aus. Während Stark nur bedingt für Wucht im Zweikampf und Kopfballstärke steht, hat Jordan bisher nur selten in der Hinrunde seine unbestreitbare Defensivstärke zeigen können. Umso wichtiger ist es, dass die beiden Verteidiger gut kommunizieren, aufmerksam bei hohen Bällen sind und Modeste nie aus den Augen verlieren.

Gelingt es unserer Abwehr, den Stürmer auszuschalten, verliert Köln einen riesigen Eckpfeiler ihrer Offensive, was auch das nächste Schlüsselduell beweist.


Hertha BSC will gegen den 1. FC Köln gut in die Rückrunde starten. Wir prognostizieren, ob das gelingt und welcher Spieler dafür liefern muss.


Unausgewogenes Duell auf den Außen

Während Hertha auf den Außen eher dünn besetzt ist, ist das Offensivspiel des 1. FC Köln stark von diesen Positionen abhängig, denn genau diese Spieler füttern Modeste mit starken Flanken. Das gilt für die Außenverteidiger und die offensiven Flügelspieler.

Sowohl der „Kölsche Cafú“ Benno Schmitz als auch Ex-Nationalspieler Jonas Hector überzeugten in der Hinrunde besonders in der Offensive und legten jeweils vier Treffer auf. Ähnlich stark war Mittelfeldspieler Florian Kainz, der weitere vier Vorlagen beisteuerte. Hinzu stellen Alternativen wie Thielmann und Schaub weitere Optionen da und auch Mark Uth spielte unter Baumgart zum Ende der Hinrunde auf den Flügelpositionen. Insgesamt legten die Außenverteidiger und offensiven Flügelspieler 70 Prozent der 27 Kölner Tore auf – ein beachtlicher Wert.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Mit diesen Statistiken kommt eine große Wucht auf unsere Außenverteidigung zu. Sollte sich Marvin Plattenhardt nicht rechtzeitig von seiner Erkältung erholen, werden voraussichtlich Maxi Mittelstädt und Peter Pekarik diese Aufgabe übernehmen. Besonders Mittelstädt überzeugte in der Hinrunde eher in der Offensive und weißte defensiv immer wieder Defizite auf. Plattenhardt machte diesen Job nicht unbedingt besser. Auch hier müssen Mittelstädt/ Plattenhardt enorm aufmerksam verteidigen und mit gutem Stellungsspiel die Flanken der Kölner Außenspieler im Optimalfall schon vorher verhindern.

Mehr Zugriff über das Zentrum

Während die Außenbahnen zum Problemfall gegen Köln werden können, bietet sich für Hertha eine Chance im zentralen Mittelfeld und der Innenverteidigung. Mit Ljubičić und Özcan spielen im defensiven Mittelfeld eher offensiv ausgerichtete Sechser/ Achter. Dementsprechend muss es Herthas schaffen, den Zugriff im zentralen Mittelfeld zu gewinnen und die Angriffe über Box-to-Box Spieler Suat Serdar einzuleiten.

hertha köln
(Photo by UWE KRAFT/AFP via Getty Images)

Weiter fraglich ist Jovetić, der mit seiner starken Technik weitere Bälle gut festmachen könnte und somit besonders im Spiel gegen Köln enorm wertvoll wäre. Dennoch stehen mit Richter, Maolida, Ekkelenkamp und Belfodil Optionen zur Verfügung, die technisch auch für diese Aufgabe gewachsen sind. Hier liegt es besonders an Trainer Korkut, diese Akteure taktisch gut vorzubereiten, um die defensiven Defizite im Mittelfeld auszunutzen.

Hinzu fällt mit Abgang Czichos weitere defensive Stabilität im Abwehrzentrum weg. Innenverteidiger Kilian und Hübers sind noch nicht eingespielt. Die Kölner könnten demzufolge neben dem zentralen Mittelfeld auch in Abwehrzentrum anfällig sein.

Modeste ausschalten, Flanken verhindern und Nadelstiche in der Zentrale

Die drei Schlüsselduelle klingen auf den ersten Blick simpel. In der Realität wird diese Aufgabe für Hertha dennoch schwer. Mit der nötigen taktischen Schulung, Aufmerksamkeit und Formstärke aus dem Hinrundenabschluss gegen Dortmund haben wir trotzdem eine realistische Chance, die Punkte in Berlin zu behalten.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)