Hertha-Kader im Check: Wer muss gehen, wer darf bleiben?

Hertha-Kader im Check: Wer muss gehen, wer darf bleiben?

Es sind einmal mehr wilde Zeiten in Berlin. Der Verein kommt kaum zur Ruhe und Fredi Bobic baut fleißig am Kader. Doch um entscheidend das Team umzubauen, müssen alte Strukturen aufgerissen und auch Mut bewiesen werden. An der Personalie des derzeit verletzten Kapitäns Dedryck Boyata wird schnell klar, dass bei Hertha BSC kein Spieler unersetzlich ist und jeder sich in der schwierigen Zeit beweisen muss. Fredi Bobic stellte deshalb zuletzt den gesamten Kader auf den Prüfstand. Sämtliche Vertragsgespräche liegen aktuell auf Eis und dabei gibt es eine ganze Menge an Spielern, deren Verträge 2022 bzw. 2023 auslaufen.

Wir haben uns mit den Kandidaten beschäftigt und wägen ab, bei wem eine Vertragsverlängerung sinnvoll wäre, wer in einer anderen Position im Verein passen würde und bei wem ein Transfer das sinnvollste wäre.

Niklas Stark – bis 2022

Niklas Stark ist einer der größten Namen im Team der Hertha. Der 1,90 Meter große Innenverteidiger ist seit 2015 dabei und absolvierte seitdem wettbewerbsübergreifend 189 Pflichtspiele für die Alte Dame. 168 davon in der Bundesliga. Er ist Führungsspieler und hinter Dedryck Boyata Vizekapitän. Der ehemalige Nürnberger ist stets Interviewpartner der Medien und Sprachrohr der Mannschaft. Unter dem ehemaligen Nationaltrainer Joachim Löw durfte er für die deutsche Nationalmannschaft debütieren.

Doch so schön das alles klingen mag, so sehr steht er auch in der Kritik. Seine Leistungen in dieser Saison sind durchwachsen. Sie schwanken zu sehr und auch die in den letzten Monaten sehr zähen Verhandlungen zeigen, dass weder die Verantwortlichen im Verein noch er selbst um jeden Preis eine Verlängerung anstreben. Auch weil der Anspruch von Niklas Stark mittlerweile einer ist, dem Hertha BSC nicht mehr gerecht werden kann. Um möglicherweise wieder Chancen zu bekommen, in der Nationalmannschaft spielen zu können, braucht er einen Verein, der regelmäßig um das europäische Geschäft spielt.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Der Verein könnte bei einem Abgang weiter am Umbau der Hierarchie in der Mannschaft arbeiten und jüngeren Spielern, wie Marton Dardai und Linus Gechter, mehr Chancen einräumen. Sollte sich Niklas Stark in der Rückrunde nicht entscheidend entwickeln oder die Harmonie aus frühen Jugendnationalmannschaften mit Neuzugang Marc-Oliver Kempf verflogen sein, wäre eine Trennung im Sommer für alle Seiten ein sinnvoller Schritt.

Lukas Klünter – bis 2022

Im Sommer 2018 kam Lukas Klünter vom 1. FC Köln, wo er auf der rechten Abwehrseite, als einer der schnellsten Spieler der Liga, für Aufsehen sorgte. Zwei Millionen Euro zahlte Michael Preetz damals, um dem Team mehr Tempo zu verschaffen und den nach Leverkusen verkauften Mitchell Weiser zu ersetzen.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Dreieinhalb Jahre später liest sich die Bilanz recht ernüchternd. In 49 Einsätzen in der Bundesliga bereitete er zwei Tore vor. Immer wieder bremsten ihn schwere Verletzungen aus, wie 2018 zu Beginn seines Engagements ein Muskelbündelriss oder zu Beginn der aktuellen Saison, als er sich am 4. Spieltag in Bochum an der Schulter verletzte und erst zur Rückrunde zurückkam. Seine Leistungen sind in nur seltenen Fällen eine Rechtfertigung für die Startelf.

Lukas Klünter wird dieses Jahr 26 Jahre alt und steht somit auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Wenn er das Bedürfnis hat regelmäßige Einsätze zu bekommen, sollte er sich nach einem neuen Verein umschauen. Auch um aus seiner Komfortzone zu kommen.

Kevin-Prince Boateng – bis 2022

Als gebürtiger Berliner und aus der Jugend stammender Herthaner genießt Boateng eine Sonderstellung im Verein, womit er auch gerne kokettiert. Im Sommer 2021 kam er ablösefrei nachdem sich Fredi Bobic bei ihm gemeldet hatte. Neben witzigen Social Media Content, wie Frotzeleien mit Athletik-Trainer Kuchno oder dem damaligen Union-Spieler Kruse, war er für Stimmung und Motivation zuständig. Er freundete sich mit Neuzugängen an, versuchte Davie Selke aus seinem sportlichen Tief zu helfen, motivierte beispielsweise Marco Richter vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, der prompt sehenswert das Siegtor erzielte. Zusätzlich spielt er bei jedem Spiel den Co-Trainer, gibt taktische Anweisungen und unterstützt auch dabei seine Mitspieler.

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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Wenn er selbst das Spielfeld betritt, sieht man oft einen enormen Qualitätsanstieg. Er ist nicht mehr der größte Läufer, doch jede Aktion, die er am Ball hat, ist durchdacht und würde der Mannschaft riesig helfen, wären nur weitere Spieler auf seinem fußballerischen und taktischen Niveau im Team. Doch Boatengs Körper ist bei weitem nicht mehr der, den er noch vor ein paar Jahren hatte und ihn zum FC Barcelona oder Eintracht Frankfurt brachte. Von 20 möglichen Bundesligaspielen kommt er in dieser Saison auf zwölf Einsätze. Der längste Auftritt datierte vom 5. Spieltag gegen die Spvgg Fürth, als er eine Stunde durchhielt. Meistens ging es nicht über Kurzeinsätze hinaus.

Sollten sowohl Verein als auch Spieler mit der aktuellen Situation zufrieden sein, wäre eine Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr eine Option. Kevin-Prince Boateng stellt keinen Startelf-Anspruch, wäre für die Team-Chemie aber weiterhin ein Baustein. Aber egal, ob als Bundesligaspieler oder nicht, der Verein sollte sich bemühen, ihn in irgendeiner Form zu binden. Vielleicht wäre auch ein Platz im Trainerteam, wie ihn Vedad Ibisevic schon hat, möglich.

Peter Pekarik – bis 2022

Der Slowake wird im Oktober 36 Jahre alt und ist in seinem 10. Jahr für Hertha BSC. In der Zeit bestritt der Rechtsverteidiger 205 Pflichtspiele für die Berliner. 169 Spiele waren es in der Bundesliga. Nach so einer langen Zeit im Verein gilt Pekarik mittlerweile als Vereinslegende.

Nachdem er über viele Jahre seine Arbeit grundsolide verrichtete, sich nie beschwerte, wenn er für eine Weile auf der Bank Platz nehmen musste und in den letzten Jahren sogar mit Toren für Aufmerksamkeit sorgte, wirkt er zunehmend überfordert mit Gegnern, die auch nur etwas Tempo in ihrem Spiel haben. Doch es ist eher Herthas schwacher Transferausbeute in der Verteidigung zuzuschreiben, dass Pekarik bis heute immer wieder eine Alternative ist.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Laut Fredi Bobic gilt er auch nicht als Lautsprecher im Team. Trotzdem könnte er mit seiner Erfahrung jüngeren Mitspielern weiterhelfen. Hertha braucht dringend einen starken Rechtsverteidiger für die Startelf. Peter Pekarik sollte höchstens nur noch Ersatz sein. Im Optimalfall hört der Routinier im Sommer mit seiner aktiven Karriere auf und bleibt dem Verein in einer anderen Funktion erhalten.


Das Transferfenster ist zu. Wir besprechen im Podcast die letzten Aktivitäten von Hertha BSC auf dem Spielermarkt und werfen nochmal einen Blick auf das Team, welches den Abstieg verhindern soll. Wie sieht unsere Aufstellung aus? Was hätten wir uns noch gewünscht?


Linus Gechter – bis 2022

Der Teenager ist eine der großen Entdeckungen der Hertha in dieser Saison und ein Hoffnungsträger in den stürmischen Zeiten. Seine ersten Auftritte versprechen eine große Zukunft. Dafür braucht er Spiele, Spiele, Spiele. Diese würde er bei Bestätigung seiner Leistungen definitiv bekommen, vor allem wenn Hertha mit einer Dreierkette auflaufen sollte.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Aktuell besitzt er noch einen Jugendvertrag, der per Option um zwei Jahre verlängert werden kann. Das Ziehen der Option gilt als sicher. Allerdings sollten die Verantwortlichen zeitnahe in Vertragsverhandlungen einsteigen, um dem Talent einen geeigneten, langfristigen Vertrag zu geben, nachdem man selbiges beim letzten Talent, Luca Netz, verschlafen hatte.

Nils-Jonathan Körber – bis 2022

In den letzten Jahren konnten sich keine Eigengewächse der Hertha auf der Torhüter-Position durchsetzen. Und danach sieht es auch weiterhin aus. Körber droht der Weg, den auch schon Dennis Smarsch und Marius Gersbeck gegangen sind. Als eigentlich große Talente auf der Torhüterposition, ohne Chance am Stammpersonal vorbeizukommen.

Körber, der in den Jahren bei Osnabrück seine Qualität zeigen konnte, kam für Hertha noch nicht einmal zum Zug. In der Hierarchie der Torhüter befindet er sich aktuell auf Platz vier hinter Alexander Schwolow, Oliver Christensen und Rune Jarstein.

Im Sommer könnte es auf der Position Bewegung geben. Schwolow steht in der Kritik und könnte den Platz als Nummer eins verlieren. Christensen gilt als starker Herausforderer. Fraglich ist, ob Jarstein nach seinen Corona-Nachwirkungen jemals wieder Bundesliga spielen kann. Wenn der Verein Körber einen gerechten Zweikampf mit Christensen ermöglichen würde, wäre eine Verlängerung denkbar.

Allerdings stehen zu viele Konjunktive rund um das Thema Torhüter bei Hertha. Eine Luftveränderung um endlich regelmäßig spielen zu können, wäre für Nils-Jonathan Körber das sinnvollste.

Ishak Belfodil – bis 2022

Der Algerier gehört zu den unterschätztesten Stürmern der Bundesliga. Das ist zumindest die Meinung von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann, unter dem Ishak Belfodil in Hoffenheim seine stärkste Saison in der Bundesliga gespielt hatte.

Zunächst wurde er als Paniktransfer abgestempelt und galt als Sinnbild für den unruhigen Transfersommer in Berlin. Fredi Bobic stattete ihn mit einem Einjahresvertrag aus. Belfodil wusste sich für das Vertrauen mit Leistung zu bedanken. Mittlerweile gilt er als einer der besten Spieler der Hertha. Die Zahlen fehlen zwar noch, aber wegzudenken aus dem Berliner Spiel ist er aktuell nicht.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Insbesondere im Zusammenspiel mit seinen Mitspielern, wie Stevan Jovetic oder Suat Serdar belebt er die Offensive der Herthaner. Eine Verlängerung um mindestens ein weiteres Jahr wäre sowohl für ihn, als auch für die Mannschaft eine schöne Sache und würde allen Beteiligten guttun.

Maximilian Mittelstädt – bis 2023

Maximilian Mittelstädt galt 2015 als großes Talent auf der linken Seite der Hertha. Pal Dardai setzte ihn damals sowohl in der Defensive als auch in der Offensive ein.

Doch die erhofften Leistungsexplosionen blieben aus und aus dem ehemaligen U-Nationalmannschaftsspieler entwickelte sich ein durchschnittlicher Bundesligaspieler. auf der linken Seite wechselte er sich praktisch ohne nennenswerten Konkurrenzkampf mit Marvin Plattenhardt ständig ab. Wettbewerbsübergreifend kommt er auf 128 Spiele für Hertha.

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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)

Wäre Mittelstädt nicht aus der Jugend der Hertha und dadurch einen Welpenschutz genießen, wäre er wahrscheinlich schon früher auf dem Abstellgleis gewesen. Er strahlt weder nennenswerte Torgefahr aus, noch durchgehende Sicherheit in der Verteidigung.

Aber die Leistungen der letzten Wochen lassen aufhorchen und hoffen. Er scheint sich in den Monaten der Krise aus der Komfortzone begeben zu haben und zeigt mit seinem aktiveren Spielstil mehr Einsatz und Führungsstärke. Kann er diese Form in der Rückrunde bestätigen, sollte Fredi Bobic mit ihm Gespräche über eine Vertragsverlängerung führen.

Marvin Plattenhardt – bis 2023

2014 kam der Linksverteidiger vom 1. FC Nürnberg und arbeitete sich mit starken Leistungen von der 2. Mannschaft der Hertha bis in die deutsche Nationalmannschaft. 2017 gewann er mit einem aufstrebenden Team den Confederations-Cup, 2018 war er im Kader der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland. Beim ersten Gruppenspiel gegen Mexiko kam er sogar zum Einsatz.

Mittlerweile hat er 199 Pflichtspiele für Hertha BSC absolviert. Doch wie bei Maximilian Mittelstädt stagnierten seine Leistungen zum Teil über Jahre. Seit der Weltmeisterschaft 2018 ist er praktisch durchgehend im Formtief. Die Zeiten in den er einer der gefürchtetsten Freistoßschützen der Liga war und Vereine aus England zweistellige Millionenbeträge boten, sind lange vorbei.

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(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Er ist kein Führungsspieler und bietet der Mannschaft aktuell nichts, um sie voranzubringen. Trotz der schwachen Jahre von Hertha betonte der 30-Jährige öfter wie glücklich er in Berlin ist und dass er sich ein Karriereende bei Hertha durchaus vorstellen könnte. So sympathisch solche Aussagen sein mögen, so sehr zeugen sie auch von einer viel zu großen Komfortzone, in der sich Plattenhardt seit Jahren befindet. Für beide Seiten wäre es das Beste, sich im Sommer zu trennen.

Vladimir Darida – bis 2023

Seit seinem Wechsel vom SC Freiburg 2015 hat der Tscheche Höhen und Tiefen bei Hertha durchgemacht. Über 174 Mal lief er wettbewerbsübergreifend für Hertha BSC auf. Mal war er unumstrittener Stammspieler, mal litt er unter langfristigen Verletzungen, aktuell unter einem Formtief. Als Pferdelunge und Laufwunder hat Darida in den vergangenen Jahren einen bleibenden Eindruck hinterlassen und sogar den Bundesliga-Rekord mit den meisten Kilometern Laufleistung pro Spiel gebrochen.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Doch trotz seines Alters und seiner langjährigen Teamzugehörigkeit ist Vladimir Darida kein Lautsprecher oder Führungsspieler, was auch Fredi Bobic schon kritisch angesprochen hatte. Bei den technischen Schwierigkeiten und der geringen Funktion für den Spielaufbau ist Darida keine Hilfe für die Startelf. Sollte sich Darida aber mit der Rolle des Ersatzspielers zufrieden geben und sich beispielsweise als eine Art Mentor um jüngere Spieler kümmern, spricht nichts dagegen, ihn bis 2023 zu behalten.

Sollte der 31-Jährige aber den Anspruch haben regelmäßig zu spielen, wäre ein Wechsel ratsam. Das Standing in der Bundesliga und im Ausland hätte er allemal. Aber auch er würde charakterlich für eine Position innerhalb des Vereins nach seiner aktiven Spielerkarriere in Frage kommen.

Stevan Jovetic – bis 2023

Sein Wechsel im letzten Sommer hat sich bezahlt gemacht. Mit fünf Toren ist er zusammen mit Marco Richter der torgefährlichste Spieler im Team. Ein großes Problem ist aktuell die daraus resultierende Abhängigkeit vom 32-jährigen Stürmer. Denn bisher konnte er in lediglich 11 der 20 Bundesligapartien mitwirken. Der Montenegriner ist extrem verletzungsanfällig.

(Photo by JOHN MACDOUGALL/AFP via Getty Images)

Doch ähnlich wie bei Ishak Belfodil und Kevin-Prince Boateng hebt sich seine Leistung vom Durchschnitt der Mannschaft ab. Ist er fit und in Form, ist er eine absolute Waffe und kann einem Spiel seinen Stempel aufdrücken. Bei ihm steht man aktuell nicht unter Zeitdruck. Man sollte abwarten, wie sich seine Leistungen und der Körper in den nächsten eineinhalb Jahren entwickeln. Am Ende der nächsten Saison würde Jovetic auf die 34 Jahre zugehen.

Schön wären sowohl ein schönes Ende des Kapitels, als auch eine Verlängerung, sollte es sich für alle Beteiligten dann noch lohnen.

Davie Selke – bis 2023

Der mittlerweile 27-jährige Mittelstürmer lässt seit Jahren Bundesliganiveau vermissen. Auch die Leihe an seine alte Wirkungsstätte nach Bremen endete alles andere als erfolgreich.

In der aktuellen Saison kommt er auf wettbewerbsübergreifend 17 Einsätze, viele davon nur über wenige Minuten. Auch wenn man ihm Motivation und Einsatz nicht absprechen kann, fehlt ihm Qualität in Technik und Torabschluss. Erst zwei Saisontore sind ihm gelungen, eins davon im Pokal gegen den unterklassigen SV Meppen.

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Es ist bekannt, dass Fredi Bobic den ehemaligen U-Nationalmannschaftsspieler verkaufen möchte. Sollte nicht ein unerwarteter Qualitätsanstieg geschehen, wird das im Sommer 2022 auch geschehen.

Jonas Michelbrink – bis 2023

Mit seinen 20 Jahren gilt Jonas Michelbrink noch als Talent und genießt Welpenschutz. Bisher kam er unter Pal Dardai am Ende der Saison 2020/2021 zu zwei Kurzeinsätzen. Ansonsten spielt der Nachwuchsspieler regelmäßig für die 2. Mannschaft.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)

Eine Verlängerung wäre denkbar, wenn man ihn für ein bis zwei Jahre verleihen würde, um ihm Spielpraxis zu ermöglichen. In einem Team, das kein stabiles Gerüst verfügt, dürfte er aktuell keine Chance auf Einsatzzeiten haben.

Rune Jarstein – bis 2023

Der Norweger kam in der Saison 2013/2014 zunächst als Ersatztorwart für Thomas Kraft. 2015 verdrängte er diesen und blieb über fünf Jahre Herthas unumstrittener Stammkeeper. Seine Leistungen zählten zwischenzeitlich zu den besseren der Liga.

2020 wurde er als Nummer eins von Alexander Schwolow abgelöst, den er in der Rückrunde unter den zurückgekehrten Pal Dardai wiederum verdrängte. Mit 179 Spielen für Hertha gehört er ins Regal der Torwartgrößen Christian Fiedler und Gabor Kiraly, die ebenfalls über viele Jahre das Tor in Berlin hüteten.

(Photo by TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images)

Doch seine schwere Corona-Infektionen und die folgenden Nachwirkungen setzten ihm schwer zu und machen seit Monaten ein Comeback unmöglich. Mittlerweile befindet er sich im Aufbautraining, doch es darf bezweifelt werden, dass er jemals zu alter Form zurückkehrt.

Als mittlerweile 37-Jähriger befindet er sich im Spätherbst der Karriere. Als dritter Torhüter könnte er seinen Mitspielern den Rücken freihalten. Eine mögliche Anstellung nach seiner Karriere wurde schon häufiger besprochen. Sollten alle Beteiligten sich eine Zusammenarbeit vorstellen, wäre er 2023 ein Kandidat für den Posten des Torwarttrainers.

[Titelbild: Maja Hitij/Getty Images]

Herthas U23 – Wie schlägt sich Berlins Zukunft?

Herthas U23 – Wie schlägt sich Berlins Zukunft?

Während die erste Bundesliga bisher nur zum dritten Spieltag fortgeschritten ist, spielte die Truppe von Andreas „Zecke“ Neuendorf in der Regionalliga bereits gegen neun verschiedene Gegner aus dem Nordosten Deutschlands. Zeit für einen Blick auf den Saisonstart, den Kader und einige Einzelspieler der U23.

Noch läuft nicht alles

Bei der zweiten Mannschaft von Hertha BSC hat sicherlich die Weiterentwicklung der Jugendspieler Vorrang gegenüber dem sportlichen Erfolg. Dennoch wollen wir hier einen kurzen Blick auf die gesamtmannschaftliche Lage in der Anfangsphase der Regionalligasaison werfen.  Schaut man auf die Ergebnisse der ersten neun Spiele bis zur Länderspielpause, deutet sich ein recht durchwachsener Saisonbeginn an. Drei Siege, drei Niederlagen und drei Remis bei einem Torverhältnis von elf geschossenen zu viertzehn kassierten Toren konnte die U23 verbuchen. Anders als in der vergangenen Saison, in die man mit sechs Siegen aus den ersten sieben Spielen sehr erfolgreich gestartet war, glich die Anfangsphase dieser Saison eher einem Auf und Ab. Denn den zwei siegreichen ersten Spielen folgte eine Phase aus sechs Spielen in denen man sieglos blieb, darunter auch eine 2:5-Niederlage gegen den Berliner AK. Zuletzt konnte man sich wieder etwas fangen und die Spiele vor der Unterbrechung etwas erfolgreicher gestalten. Dennoch läuft in einigen Bereichen noch nicht alles wie gewünscht.

Foto: IMAGO

Ein paar mögliche Ursachen und Umstände dafür, dass bei der Mannschaft von Andreas „Zecke“ Neuendorf noch nicht alles optimal läuft, lassen sich aber herausarbeiten. Ein Grund dafür mag sicherlich der Umbruch im Kader sein, der in diesem Jahr besonders groß war. Insgesamt sieben Spieler aus der U19 sind nun fester Bestandteil der zweiten Mannschaft und müssen sich teilweise erst an den Männerfußball in der Regionalliga gewöhnen. In der verkürzten Vorbereitung fehlte außerdem Zeit, um sich als Team besser zusammenzufügen und das Zusammenspiel zu verbessern. Das Resultat: in der Mannschaft fehlt es an Abstimmung und man ist auf dem Platz noch nicht so gut aufeinander eingespielt. Ganz ähnliche Probleme also wie in der Profimannschaft von Bruno Labbadia.

Dass viele junge Spieler die Vorbereitung nicht in der zweiten Mannschaft mitmachten, sondern zunächst bei den Profis trainierten und teilweise eher spontan zum Team stoßen, mag ein weitere Ursache für dieses Problem sein. Darunter litt auch das Offensivspiel der Mannschaft, bei dem viel Wert auf gut abgestimmte und schnelle Kombinationen gesetzt wird. Man zeigte zwar fast nie eine schlechte Leistung, doch die aus den vergangenen Jahren bekannte offensive Wucht und Dominanz konnte man bis jetzt kaum zeigen. Trotz mehr Ballbesitz blieb man oft zu ungefährlich und zeigte sich defensiv wiederum anfällig. Die Länderspielunterbrechung könnte der zweiten Mannschaft hier jetzt entgegenkommen. Zwar muss man auch einige Spieler für die Jugendnationalmannschaften abstellen, jedoch ist die Zahl der Spieler hier deutlich geringer als beim Team von Bruno Labbadia. So kann man die Trainingszeit gut nutzen, um besser als Team zusammenzuwachsen und die Abstimmung zu verbessern, sodass man in der Tabelle wieder etwas nach oben klettert.

Erwartbare Inkonstanz

Der kleinere Leistungseinbruch soll hier aber auch gar nicht größer gemacht werden, als er war. In einer Krise befindet sich die Mannschaft keineswegs und eine gewisse Inkonstanz war sogar zu erwarten. Denn die Mannschaft ist das jüngste Team der Liga und gleicht in vielen Teilen eher einer U21 als einer U23. So ist nach dieser ersten Saisonphase unter den zehn Spielern mit den meisten Einsatzminuten nur ein Spieler gewesen, der älter als 21 ist. Und das ist der 30-jährige Kapitän Tony Fuchs. 16 Spieler aus dem Kader sind 19 Jahre alt oder jünger. Ein so junges Team darf Fehler machen. 

Umso erstaunlicher ist es, dass man weiterhin nahezu jeden Gegner, was die Ballbesitz und Passzahlen angeht, dominiert. Und das gegen Spieler, die zum Teil zehn Jahre älter und körperlich deutlich weiter und robuster sind. Nur an offensiver Durchschlagskraft und Effizienz vor dem Tor mangelt es dem Team aktuell ein wenig. Aber auch das ist wenig überraschend, da der Toptorschütze der letzten Saison, Muhammed Kiprit, zum Drittligisten Uerdingen wechselte und Jessic Ngankam, Spieler mit den meisten Scorerpunkten in der letzten Saison, zuletzt vor allem bei den Profis zu finden war. Nachrückende Spieler benötigen meist etwas Zeit, um sich an das gesteigerte Niveau zu gewöhnen. Geduld ist gefragt und die bringt Trainer „Zecke“ Neuendorf mit.

Auffällige Einzelspieler

Abgänge und Umbruch bedeuten auch es gibt einige neue Gesichter, die sich nun in der Mannschaft von Zecke Neuendorf zeigen können. Wir wollen nun einen kurzen Blick auf einige Einzelspieler werfen, die über die letzten Wochen aufgefallen sind oder neu im Team sind.

Jonas Michelbrink

Michelbrink ist einer von nur drei Spielern, die bisher in jedem Spiel der Saison auf dem Platz standen. Diese Zeit nutzte er gut und machte mächtig auf sich aufmerksam. Michelbrink spielt in der U23 auf der Zehn und war in der letzten Saison Stammspieler in der U19. Dort stand er aber immer ein wenig im Schatten von Lazar Samardzic. Nun nutzte der 19-Jährige seine Chance und konnte besonders zu Saisonbeginn seine Stärken fantastisch auf den Platz bringen. Der gebürtige Hannoveraner bringt eine tolle Technik sowie eine gute und vor allem enge Ballführung mit. Das macht ihn für seine Gegenspieler schwer zu greifen und er kann sich auch im dicht besetzten Zentrum mit Ball am Fuß behaupten.

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Außerdem verfügt er über eine gute Übersicht. Immer wieder gelingt es ihm mit seinem starken rechten Fuß seine Mitspieler gut einzusetzen und Gefahrensituationen zu kreieren. Wenn sich die Gelegenheit bietet, setzt Michelbrink auch gerne mal zu einem Dribbling an. Wie zum Beispiel am dritten Spieltag beim Auswärtsspiel gegen Chemie Leipzig als er mit einem tollen Dribbling an seinem Gegenspieler vorbeiging und so von links in den Strafraum eindringen konnte. Kurz vor dem Tor legte er dann überlegt zu Muhammed Kiprit rüber, der dann zum 1:0 verwandeln konnte.

In den letzten Spielen zeigte Jonas Michelbrink sich nicht mehr ganz so auffällig, gehörte aber definitiv zu den besseren Spielern im Team. Insgesamt ist Michelbrink aber ein Spieler, der das Offensivspiel der U23 mit seiner Kreativität beleben kann und dem zurzeit recht dezimierten Regionalligapublikum mit seinen Aktionen immer wieder ein Raunen entlockt. Schafft er es, sich auch in schwierigen Spielen noch mehr zu zeigen, kann man mit einer tollen Saison bei der U23 von ihm rechnen. Seine gute Leistung wurde nun auch von Cheftrainer Bruno Labbadia honoriert indem er Michelbrink während der Länderspielpause erste Trainingseinheiten bei den Profis mitmachen ließ.

Luca Netz

Netz gilt als eines der größten Talente bei Hertha und sogar in Deutschland. Hinter ihm liegt ein turbulenter Sommer mit einer Verletzung, einer Auszeichnung mit der Fritz-Walter-Medaille und seiner ersten Saisonvorbereitung bei den Profis. Als die Saison bei den dann Profis begann, sammelte Luca Netz seine ersten Einsätze bei der zweiten Mannschaft, um Spielpraxis zu bekommen. Netz ist der einzige Spieler aus dem 2003er-Jahrgang im Team von „Zecke“ Neuendorf und er könnte mit seinen 17 Jahren eigentlich noch bei der U17 spielen.

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Drei Spiele machte der Linksverteidiger bisher in der Regionalliga und konnte seine Qualitäten bereits recht gut einbringen. Er ist ein Linksverteidiger, der sich sehr gerne am Offensivspiel beteiligt und immer wieder tief in der gegnerischen Hälfte zu finden ist. Mit Ball sucht er gerne den direkten Weg in den Sechzehner, auch mal mit einem cleveren Dribbling, oder zur Grundlinie. So kommt er gut in Positionen aus denen er gefährliche Hereingaben ins Zentrum spielen kann. Besonders im Spiel gegen den Chemnitzer FC am 8. Spieltag konnte mehrfach solche Hereingaben von ihm beobachten. Halbherzige Halbraumflanken sieht man also von ihm eher weniger.

Um rechtzeitig wieder auf seine Position im Spiel gegen den Ball zu kommen, verfügt er über das nötige Tempo und ist außerdem recht laufstark. Er muss bei seiner Defensivarbeit aber noch etwas konsequenter werden. Die Regionalliga ist da sicher ein guter Zwischenschritt für ihn, um auch sein Zweikampfverhalten noch zu verbessern.

Ruwen Werthmüller

Foto: IMAGO

Werthmüller kam genau wie Michelbrink dieses Jahr von der U19 zur zweiten Mannschaft von Hertha BSC und stand ebenfalls bisher in jedem Spiel auf dem Platz. Er spielt bevorzugt im Sturmzentrum oder auf der linken Außenbahn. Seine größte Stärke ist sicherlich seine hohe Endgeschwindigkeit gepaart mit einem guten Antritt. So kann er immer wieder zu gefährlichen Tiefenläufen ansetzten und sorgt besonders dann für Gefahr, wenn er mit hoher Geschwindigkeit auf das gegnerische Tor oder die Abwehr zu laufen kann. Wie zum Beispiel am ersten Spieltag, als Lok Leipzig in der Schlussphase noch einmal Druck machte, aber der eingewechselte Werthmüller bei einem Konter denn Ball entscheidend in Richtung des Strafraums trieb und so das entschiedene 3:1 vorbereitete.

Da Hertha jedoch sehr häufig gegen tiefstehende Gegner spielt, kommt es nicht allzu oft zu solchen Situationen. Das Kombinationsspiel und die Technik gehören nicht zu Werthmüllers größten Stärken. So gab es Spiele, in denen er kaum auffiel und wenig Gefahr ausstrahlte. Und auch vor dem Tor muss der Schweizer noch effizienter werden. Unter Trainer Neuendorf erhält die nötige Spielpraxis, um sich in diesen Bereichen noch zu verbessern und weiterzuentwickeln.

[Titelbild: IMAGO]