von Benedict Puls | Dez. 22, 2022 | Hertha BSC, Interview, Spieler, Um den Verein
Nachdem wir im letzten Jahr einen Artikel über die Aktion “Hertha wärmt” von den Harlekins und der Berliner Stadtmission geschrieben haben, wollten wir auch in dieser Weihnachtszeit ein soziales Projekt rund um Hertha BSC vorstellen. Dazu haben wir uns mit Sabine und Thorsten von fans@hertha e.V. zusammengesetzt und mit ihnen über ihre ehrenamtliche Arbeit gesprochen.
Hallo ihr beiden, wer seid ihr? Stellt euch doch gerne mit zwei bis drei Sätzen persönlich vor.
Sabine: Ich bin Sabine 42 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und bin seit 30 Jahren Hertha Fan. Bei fans@hertha e.V. bin ich die 2. Vorsitzende und das Mädchen für alles. Das heißt ich kümmere mich meist um jegliche Orga für unsere Charity Aktionen.
Totti: Ich bin Thorsten, seit 32 Jahren glücklich verheiratet, habe drei Kinder (Jungs, 31, 24 und 16 Jahre alt) sowie 2 Enkelkinder, bin leitender Angestellter in einem mittelständischem Versicherungsunternehmen und seit 1971 Fan von Hertha BSC. Im Verein bin ich seit Gründung 2010 und 1.Vorsitzender. Ich kümmere mich, soweit es meine Zeit zulässt, um die Öffentlichkeitsarbeit und das Fanleben. Daneben versuche ich Sabine bei der Orga zu unterstütze.
Wer oder was ist „Fans at Hertha“ und wie seid ihr entstanden?
fans@hertha e.V. ist 2010 aus einer Xing Hertha Fan-Gruppe entstanden, die den Wunsch hatten etwas Gutes für andere und vornehmlich für Kinder zu tun. Daher werden auch sämtliche Einnahmen von uns aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und ähnlichem nur für den guten Zweck einsetzt.

Was sind Projekte, die ihr so auf die Beine stellt?
Wir sind mit regelmäßigen Aktionen auf der Kinderkrebsstation im Helios Buch. Dort Basteln wird zum Beispiel Adventskränze mit den Kids oder Kochen mit ihnen. Dadurch können sie ihren schweren Alltag für ein paar Stunden vergessen. Auch in den SOS-Kinderdörfern sind wir regelmäßig aktiv. Egal ob mit Stadionbesuchen, Ausflügen ins Jump House und die Hurricane Factory oder gemeinsamen Grill- und Spieleabenden. Es hilft auch schon, wenn man einfach mal nur hilft ein paar Möbel aufzubauen oder Zimmer zu streichen. Es gibt aber noch viele andere Projekte. Meistens geht es darum, den Kindern Wünsche zu erfüllen und Möglichkeiten zu für spannende Erlebnisse zu bieten. Und natürlich verteilen wir regelmäßig Karten für Spiele unserer Hertha.
Wie viele Mitglieder habt ihr im Verein?
Wir haben etwa 100 Mitglieder, von denen circa 20 aktiv bei Aktionen helfen.
“Hertha unterstützt uns schon seit dem ersten Tag”
Unterstützt Hertha euch in irgendeiner Art und Weise, sei es mit Spenden oder persönlichem Einsatz?
Hertha unterstützt uns schon seit dem ersten Tag, Ingo Schiller ist Gründungsmitglied in unserem Verein. Jetzt kommt die meiste Unterstützung durch die CSR Abteilung von Hertha, die immer ein offenes Ohr für uns hat und uns mit Sachspenden und Kartenspenden oder Herthinho-Besuchen unterstützt.

Gibt es auch Spieler, die bei euch mitgeholfen haben?
Ja, auch einige Spieler haben uns unterstützt oder tun das immer noch regelmäßig. Zu nennen sind da zum Beispiel Fabian Lustenberger, Per Skjelbred, Pal Dardai, Zecke, Sami Allagui, Marvin Plattenhardt und Dodi Lukebakio.
Auf welchen Wegen kann man euch auch als Fan unter die Arme greifen?
Über unsere Internetadresse fans-at-hertha.de kann man Mitglied werden. Außerdem gibt es da noch viel mehr Infos zu den Projekten. Bei Interesse an Hilfe für unsere Aktionen schreibt man uns am besten eine E-Mail an info@fans-at.hertha.de und sagt uns, wobei man gerne helfen möchten. Wir antworten dort aber auch auf Fragen jeglicher Art.
Falls ihr uns mit einer Geldspende unterstützen wollt, könnt ihr das hier tun:
fans at hertha, DE35 1007 0024 0650 9665 00
Gibt es sonst noch etwas, was ihr gerne loswerden wollt?
Wir sollten alle weniger darüber reden, etwas Gutes zu tun und sondern es einfach mal machen. Jeder kann helfen, wenn er möchte. Schaut euch um, was euch am Herzen liegt und tut etwas, es muss nicht immer Geld sein, auch Unterstützung und ein offenes Ohr sind viel Wert.
Vielen Dank für das Interview und frohe Weihnachten!
von Lukas Kloss | Dez. 19, 2022 | Hertha BSC, Podcast
Lang ist die letzte Folge her, daher melden wir uns nochmal vor Weihnachten mit einem kleinen Rückblick auf die bisherige Rückrunde bei euch. Wir starten kurz nach der Relegation, bzw. bei der Wahl von Kay Bernstein und beleuchten noch einmal fast alles, was bis heute passiert ist. Sehr aktuelle Themen werden wir in der nächsten Folge aufgreifen.
Wir wünschen euch ganz viel Spaß mit der neuen Folge und freuen uns über eure Kommentare. Euer Feedback ist sehr motivierend und freut uns immer am meisten.
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr den Podcast mit euren Freund*innen, der Familie oder Bekannten teilt. Wir freuen uns über alle Hörer*innen.
Zecke Interview
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Hertha Zusammenfassungen
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(Photo by Maja Hitij/Getty Images)
von Timm Buchholz | Dez. 13, 2022 | Hertha BSC, Taktiktafel
Wir wollen euch regelmäßig Spielsituationen aus Partien von Hertha BSC, vor allem aus individual- und gruppentaktischer Sicht, detailliert vorstellen und dann anschließend gemeinsam mit euch auf unserem Discord-Server diskutieren.
Fußball, bzw. seine Spielaktionen und letztendlich Tore und Gegentore, muss immer im Kontext betrachtet werden: auch wenn Tore vermeintlich einstudiert sind bzw. gleich aussehen, gleicht keine Situation der anderen: welche Systeme spielen gegeneinander, welche Spieler stehen auf dem Platz, welche Spieltagstaktik wird gespielt, in welcher Spielminute befinden wir uns etc. – die Faktoren sind fast unendlich. Bestes Beispiel hierfür ist das 1:1 der Mainzer in der 94. Spielminute: diese Situation hätte es in der 52. Minute wahrscheinlich nicht gegeben, da die Mainzer hier nicht “Brechstange” (wie es beim Anstoss-Fußballmanager heißt) gespielt hätten.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
Zwar kategorisiere ich die Hertha-Tore nach drei Kategorien, jedoch müssen alle Situationen anders interpretiert werden: nur weil Hertha viele Tore von der (halb-)rechten Seite eingeleitet hat, heißt es nicht unbedingt, dass diese Seite stärker ist. Wie oben beschrieben, kommt es auch immer auf die Gegenspieler bzw. deren Position und taktisches Verhalten (bspw. fehlendes Pressing) an.
Aber genug der Theorie: 19 Tore an 15 Spieltagen erzielten die Herthaner vor der Winterpause. Durchschnittlich 1,3 Tore zu 1,5 Gegentore pro Spiel – nur gegen Union verlor Hertha mit mehr als einem Tor Unterschied. An nur drei Spieltagen (Gladbach, Dortmund, Bremen) gelang unserer Mannschaft kein Tor. Drei Elfmeter haben wir zugesprochen bekommen. Sieben unterschiedliche Torschützen machten unser Angriffsspiel variabel.
Die von Hertha herausgespielten Tore
Die meisten Tore (12) waren gut herausgespielt, bei denen Hertha oftmals den Ball durch konsequente Zweikämpfe oder gutes Positionsspiel eroberte, aber auch individuelle Stärken – wie das 1-gegen-1 – nutzte, um zum Torerfolg zu kommen. Häufigster Vorlagengeber hier (die nächsten beiden Kategorien rausgerechnet) war Chidera Ejuke, der sowohl Lucas Tousart, Dodi Lukébakio als auch Suat Serdar den Ball auflegte.
Einen dieser herausgespielten Treffer möchte ich mir genauer angucken: Der wahrscheinlich emotionalste Treffer gelang unserer Hertha am 11. Spieltag gegen Gelsenkirchen. Nach zehn Spielen ohne Treffer (und Vorlage) gelang Neuzugang Wilfried Kanga in seinem achten Startelfeinsatz der 2:1-Siegtreffer in der 88. Minute, nachdem Hertha gerade erst kurz zuvor den aus meiner Sicht zwar verdienten, aber unnötigen Ausgleich kassiert hatte. Gerade als Trainer ist es ein schmaler Grat, einem erfolglosen Neuzugang (und Stürmer werden nun mal nach Toren und Vorlagen beurteilt) jedes Mal wieder die Chance zu geben. Doch “Willy” nutze seine Chance und gewann spätestens jetzt die Herzen aller Hertha-Fans.
Minute 87:44: Einwurf von Thomas Ouwejan auf Sebastian Polter. Zunächst steht Jonjoe Kenny dicht am Gegenspieler, während es so scheint, als ob Ivan Šunjić seinen Vordermännern sagen will, dass sie nicht zurückrücken müssen, da eine 6:4-Überzahl in der eigenen Hälfte besteht (Simon Terodde und Agustin Rogel nicht im Bild; während ein 3:3 im Mittelfeld herrscht, da Ouwejan durch den Einwurf kurz aus dem Spiel genommen ist und nur Kanga durch zwei Gegenspieler gedeckt wird).

Minute 87:45: Kenny rückt von seinem Gegenspieler Polter etwas weg, coacht Šunjić bereitzustehen, um nach der Ballannahme von Polter blitzschnell zuzuschlagen und mit sehr viel Körpereinsatz den Ball zum unbedrängten Šunjić zu spitzeln.

Bei der Ballannahme von Polter (Minute 87:45) hatte er nur eine direkte Anspielstation auf Danny Latza, da sowohl Šunjić – gerade so – Florent Mollet als auch Lucas Tousart Kenan Karaman zugestellt haben. Polter hätte direkt auf Latza klatschen sollen (und der wiederrum zu Mollet spielen) oder den Ball per Kopf auf Terodde verlängern, statt den Ball anzunehmen und so das 1-gegen-1 zu suchen bzw. das mögliche Foul zu ziehen/Zeit zu schinden.

Doch gerade dieses taktische Verhalten von Polter bringt Šunjić dazu, den Ball in die Spitze auf Kanga zu spielen, der – statt ins 1-gegen-1 zu gehen – auf Dodi Lukébakio klatschen lässt (Minute 87:49).

Statt dass Lukébakio jetzt den direkten Doppelpass zurückspielt, spielt er “über den Dritten” (Stevan Jovetić), der dann mustergültig auf Kanga weiterleitet (Minute 87:52). Neun Ballberührungen nach Balleroberung bis zum Tor brachten 60.165 Zuschauer*innen zum Jubeln bzw. Verzweifeln.

Gerade das konsequente Verteidigen und kollektive Ballerobern in Verbindung mit einem schnellen Umschaltmoment nach Ballgewinn hat Hertha einige Tore gebracht: exemplarisch sind hier noch die Balleroberungen von Suat Serdar gegen Union (Minute 84:15) und Freiburg (Minute 31:34) sowie von Filip Uremovic gegen Leverkusen (Minute 54:50) zu nennen.

Die Sonntagsschüsse
Der Begriff Sonntagsschuss soll in diesem Zusammenhang nicht abwertend oder als “Glückstreffer” gewertet werden, da auch hier wieder gewisse Faktoren eine Rolle spielen – vor allem fehlende Gegenspieler. Natürlich sind hier zuerst die Treffer von Marco Richter aus 32 Metern gegen Leverkusen und von Lucas Tousart aus 31 Metern gegen Gelsenkirchen zu nennen. Aber auch Suat Serdars Treffer aus 25 Metern gegen Freiburg (nachdem er nicht angegriffen wird) und Stevan Jovetić‘ Treffer aus 18 Metern gegen die Leipziger würde ich hier nennen.
Die Elfmeter für Hertha
Drei Elfmeter hat Hertha zugesprochen bekommen: die beiden Handelfmeter gegen den damaligen Tabellenzweiten aus Freiburg und Leipzig waren unstrittig, über den Foulelfmeter von Benjamin Pavard an Davie Selke gegen Bayern, der ihn dann auch selbst schießt, lässt sich streiten. Über einen nicht-gegebenen Elfmeter gegen Leverkusen wurde sowieso zu viel gestritten.
Ist da System im Spiel?
Hertha erzielte acht Mal den Führungstreffer (Frankfurt, Köln, Mainz, 2 x Gelsenkirchen, Augsburg, Freiburg, Leverkusen), woraus 13 Punkte aus sieben Spielen übrigblieben. Fast alle Punkte wurden also geholt, als Hertha zu Hause in Führung ging (nur Mainz und Augsburg auswärts). Vier Mal schaffte Hertha den Ausgleich nach einem Rückstand (Stuttgart, Freiburg, Hoffenheim, Leverkusen), woraus drei Punkte aus vier Spielen übrigblieben. Drei Mal gab es eine Ergebniskorrektur ohne Punktgewinn (Bayern, Leipzig, Union) und zwei Mal machte Hertha von allein den “Sack zu” (Köln, Augsburg).
Nach einer Ecke bzw. einem Freistoß hat Hertha bisher keinen Treffer erzielen können. Die einzigen beiden Jokertore (Führungstreffer gegen Leverkusen und das 2:0 gegen Augsburg) erzielte Marco Richter. Auffällig hoch waren die Tore nach einem Einwurf: sowohl zwei eigene Einwürfe (gegen Köln und Bayern) führten zu Toren bzw. einem Elfmeter, als auch das Zurückerobern von gegnerischen Einwürfen (gegen Hoffenheim, Gelsenkirchen, Leverkusen) führte Hertha zu entscheidenden Toren.
Diese 19 Tore sorgen dafür, dass wir nach 15 Spieltagen mit 14 Punkten auf Platz 15 stehen. Dem gegenüber stehen 22 Gegentore, von denen ich schon einige an dieser Stelle analysiert habe. Zehn Punkte holte Hertha im heimischen Stadion, nur vier Punkte konnte unser Team auswärts erkämpfen.
Besonders auffällig und sehr emotional: wären die Spiele von Hertha in der 75. Minute abgepfiffen worden, stünde Hertha mit acht Punkten mehr (22 Punkte, 16:16 Tore) auf Platz neun der Tabelle. Die längste Phase ohne Gegentor hatte Hertha zwischen der 55. – 77. Minute (in der Zeit würde Hertha sechs Tore schießen).

Nach diesen 23 Minuten gibt es eine Vielzahl an möglichen Faktoren, warum Hertha die Punkte nicht über die Zeit bringt und stattdessen in der 78. – 98. Minute sechs Gegentore bekommt: fehlende Kondition, fehlende Qualität von der Bank oder die Bereitschaft, sich mental 90+x Minuten auf das Spiel einzulassen.

Frage 1: welches Tor der „Hinrunde“ von Hertha wird dir lange in Erinnerung bleiben?
Frage 2: woran liegt es, dass Hertha in der Schlussviertelstunde Punkte liegen lässt?
(Titelbild: Matthias Kern/Getty Images)
von Lukas Kloss | Nov. 15, 2022 | Hertha BSC, Podcast
Lukas ist in den letzten Zügen seiner Renovierung, daher hat sich Marc mit Benny und Louis alleine hingesetzt und über das letzte Heimspiel des Jahres gegen Köln sowie die Mitgliederversammlung gesprochen.
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Kasimir Weichert, Hertha-Fotograf:
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(Photo by Boris Streubel/Getty Images)
von Johannes Boldt | Nov. 15, 2022 | Bundesliga, Einzelkritik, Hertha BSC
Ein wirklich wildes Fußballjahr geht für Hertha BSC zu Ende. Wie schon 2021 beendet man das sehr durchwachsene Jahr letztendlich mit einem Sieg und sorgt damit für gute Stimmung in und um den Verein. Gegen den 1. FC Köln schaffte es das Team zwar nicht altbekannte Schwächen und Probleme abzustellen, doch neben dem vorhandenen Glück in der Defensive konnte man in der Offensive sich endlich für die vielen Mühen belohnen. Beim 2:0-Sieg, den über 60.000 Zuschauer und Zuschauerinnen im gut gefüllten Olympiastadion verfolgten, hatte man gleichzeitig auch einen extrem müden und unkonzentrierten Gegner gegen sich, der sich immer wieder selber im Wege stand.
Zwei Änderungen nach einer langen Englischen Woche
Gegenüber der bitteren Last-Second-Niederlage in Stuttgart änderte Sandro Schwarz seine Mannschaft auf zwei Positionen. Dafür verabschiedete er sich vom 4-4-2 und griff auf das zuvor bewährte 4-3-3 zurück.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)
Im Tor Dänemarks WM-Fahrer Oliver Christensen. In der Verteidigung stand zunächst Kapitän und Linksverteidiger Marvin Plattenhardt, der allerdings früh verletzungsbedingt Maximilian Mittelstädt Platz machen musste, in der Innenverteidigung Marc-Oliver Kempf und Agustin Rogel und als Rechtsverteidiger Jonjoe Kenny. In der Zentrale vor der Verteidigung war wieder Startelfrückkehrer Ivan Sunjic zu finden. Vor ihm ackerten Lucas Tousart und Jean-Paul Boetius. Im Sturm sollten Dodi Lukebakio, Marco Richter und der vollständig wiedergenesene Wilfried Kanga, der Davie Selke aus der Startelf verdrängte, für Torgefahr sorgen
In unserer Analyse schauen wir heute auf die Torschützen, Herthas andauernde Linksverteidiger-Thema und eine gute Alternative im zentralen Mittelfeld.
Marco Richter: Im richtigen Moment zur Stelle
Gegen den VfB Stuttgart glänzte Marco Richter vor allem durch Diskussionen mit den Gegenspielern und dem Schiedsrichtergespann, Teil des Spiels war er allerdings nicht. Das änderte sich glücklicherweise gegen Köln. Er war wieder motiviert und wusste seine individuellen Qualitäten stets zu nutzen, auch wenn er häufig überhastet abschloss. In seinen 84 Minuten, die er auf dem Platz stand, erarbeitete sich Marco Richter vier Torschüsse. Der Sekundenzeiger hatte noch nicht einmal das erste Mal die ganze Uhr umrundet, da versuchte es der 24-Jährige schon das erste Mal. Wieder einmal begann Hertha ein Spiel hellwach und versuchte früh Druck aufzubauen. In der 14. Minute fehlte es Richter deutlich an Präzision und Ruhe. Sein Schussversuch, der sich eher überraschend für ihn ergab, setzte er deutlich über das Tor. Seinen goldenen Moment hatte er in der 54. Minute. Dodi Lukebakios Hereingabe wurde von Kölns Torhüter Marvin Schwäbe in die Mitte gelenkt, Richter knallte den Abpraller unter die Latte zum vorentscheidenden 2:0.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)
Der Angreifer hatte es nicht leicht. Vier Mal wurde er von den Kölnern unfair vom Ball getrennt, doch er war endlich wieder Teil der Mannschaft. 45 Ballaktionen zählen die Statistiken, 15 von 22 Pässen kamen an, 58 Prozent seiner Zweikämpfe entschied er für sich. Und auch in der Defensive half Richter ein ums andere Mal aus. Wieder einmal wird deutlich, wie wichtig ein Marco Richter in guter Form ist. Man sollte alles daran setzen, dass das im neuen Jahr so bleibt.
Maximilian Mittelstädt: Plattenhardts Pech wird zu Herthas Glück
Eine Never-ending-Story. Ja, Marvin Plattenhardt konnte sich mit einer Torvorlage – einer wirklich schönen Flanke aus dem linken Halbfeld – mal wieder in die Statistiken eintragen. Und damit hat er einen riesigen Anteil an dem sehr wichtigen Sieg der Hertha. Und verletzt ausgewechselt werden, wünscht man keinem Spieler. Doch mit der Einwechslung von Maximilian Mittelstädt nach 24 Minuten wurde wieder einmal deutlich, dass Herthas besserer Linksverteidiger die meiste Zeit in dieser Saison auf der Bank saß. Statistisch ist das sogar nachweisbar. Und weiterhin befinden wir uns bei einem Vergleich auf dieser Position bei Hertha BSC auf niedrigem Niveau, auch wenn Mittelstädt gegen die Kölner ein wirklich gutes Spiel zeigte.
Mittelstädt war praktisch mit der allerersten Szene mitten im Geschehen. Nachdem Sargis Adamyan Linton Maina in der 25. Minute auf die Reise geschickt hatte, fehlte nicht viel und der gebürtige Berliner – in diesem Fall ist Linton Maina gemeint – hätte den Ausgleich erzielt. Doch das nötige Zielwasser fehlte. Mittelstädt verpasste es, zusammen mit seinen Kollegen das Abseits aufzuheben und so hatte er keine Chance mehr entscheidend einzugreifen.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Mittelstädt sammelte gegen die Kölner Top-Statistiken. 79 Prozent seiner Pässe kamen bei den Mitspielern an, stolze 92 Prozent seiner Zweikämpfe gewann er. Zusätzlich beendete er fünf von sechs Dribblings erfolgreich. Dem gegenüber stehen trotzdem 13 Ballverluste und auch er hatte das ein oder andere Mal gegen die Kölner Offensive das Nachsehen. Seine Flankenqualität ließ oft zu wünschen übrig, doch manchmal war die gar nicht so wichtig. In der 77. Minute holte er mit seiner schwachen Flanke sogar noch einen Eckball heraus, etwas, was ihm in dem Spiel mehrmals gelang. Und am 2:0 hatte er mit einem Dribbling und einer Balleroberung entscheidenden Anteil.
Wie schon erwähnt, Das Linksverteidiger-Duell, welches seit vielen Jahren zwischen Mittelstädt und Plattenhardt besteht, befindet sich auf keinem hohen Niveau. Immer wieder wechselten sich die beiden ab, je nachdem wer sich gerade in einer besseren Phase befand. Zu Beginn dieser Saison sollte dieses Thema beendet werden, indem Marvin Plattenhardt zum Kapitän ernannt wurde.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)
Doch spielerische Argumente, in der Hierarchie vor Mittelstädt zu stehen, konnte er nicht liefern. Interessant wird die Lage im Winter werden. Beide Verträge laufen aus, um einen Abgang von Mittelstädt gibt es immer wieder Gerüchte und mit Lukas Ullrich steht ein heißbegehrtes Linksverteidiger-Talent in den Startlöchern.
Wilfried Kanga: Startelfambitionen untermauert
Auch im Sturm werden im Winter gewisse Entscheidungen getroffen werden müssen. Davie Selke steht vor dem Abschied und bis auf Dodi Lukebakio konnte sich in der Hinrunde kein Spieler als eiskalter Vollstrecker vor dem Tor herauskristallisieren. Umso besser, dass Wilfried Kanga sein Torekonto auf zwei aufstocken konnte. Der Ivorer stand nach seiner schwachen Torausbeute in den letzten Wochen immer mehr in die Kritik und wird sich nach der Winterpause weiter beweisen müssen, um Chancen für die Startelf zu bekommen. Gegen die Domstädter stand er bis zur 84. Minute auf dem Platz und seinen entscheidenden Beitrag leistete er bereits nach neun Minuten. Luca Kilian entwischend nickte er die wunderbare Flanke von Marvin Plattenhardt aus kurzer Distanz in die Maschen.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)
Er arbeitete, bemühte sich mit spielerischen Elementen am Offensivspiel teilzunehmen. Eine weitere große Chance eröffnete sich ihm in der 28. Minute. Die starke Vorlage von Lukebakio lenkte er Richtung Tor, doch landete lediglich am Außennetz. In der 69. Minute fand er in aussichtsreicher Position in Luca Kilian seinen Meister. Eine von verschiedenen Aktionen, in denen mehr drin gewesen wäre. Nicht nur in diesem Spiel. Die gesamte Saison schon. Doch auch Kanga war – anders als zuletzt – Teil der Mannschaft. 35 Aktionen hatte er am Ball, verteilte 22 Pässe, von denen 14 ankamen. 55 Prozent seiner Zweikämpfe gewann der Stürmer und defensiv klärte er sogar zwei Aktionen der Kölner. Wilfried Kanga untermauerte seine Startelfambitionen, doch es braucht weiter Zählbares vor dem Tor, um langfristig erster Stürmer von Hertha BSC zu bleiben.
Ivan Sunjic: Starkes Spiel und gute Alternative
Nachdem zuletzt Suat Serdar immer wieder den Vorzug vor den Kroaten bekommen hatte, aber selten etwas Zählbares erspielen konnte, stand gegen Köln Ivan Sunjic wieder einmal in der Startelf. Neben Lucas Tousart spielte er im zentralen Mittelfeld das gesamte Spiel durch. Vor allem defensiv wusste er immer wieder für Ruhe zu sorgen, aber auch offensiv hatte er seine Anteile am Spiel der Hertha.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)
80 Prozent seiner Pässe waren erfolgreich. Sechs seiner acht Zweikämpfe entschied er für sich. Auch diese 75 Prozent sind eine wirklich starke Statistik für den Defensivspieler. Eine Aktion der Kölner klärte er im eigenen Strafraum, einen weiteren Schuss blockte er, sechs Tacklings entschied Sunjic für sich. Dem gegenüber stehen zwar sieben Ballverluste, doch insgesamt polierte er in diesem Spiel seine Statistiken ordentlich auf. Offensiv wurde er nach 45 Minuten von Dodi Lukebakio in Szene gesetzt. Sein Torschuss wurde aber von Schwäbe stark gehalten, seinem nachfolgenden Kopfball konnte er nicht die nötige Kraft verleihen, um den Torhüter ein weiteres Mal herauszufordern. Ein wirklich gutes Spiel von Ivan Sunjic, der damit auch den Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld wieder ankurbelt.
Mit viel Glück für Ruhe gesorgt – Die Baustellen sind bekannt
Hertha konnte mit dem Sieg gegen den 1. FC Köln für etwas Ruhe sorgen und damit zumindest ohne Trübsal zu blasen in die Pause gehen. Das Spiel offenbarte allerdings auch, wie viel Glück die Mannschaft von Sandro Schwarz noch benötigt, um die Punkte mit nach Hause fahren zu können. Allein Sargis Adamyan hätte Hertha abschießen können, scheiterte letztendlich aber denkbar unglücklich an sich selbst und den anstrengenden vergangenen Wochen. Hertha hat auf vielen Mannschaftsteilen enorme qualitative Probleme, die im Winter besprochen und bearbeitet werden müssen. Die finanzielle Lage ermöglicht keine großen Handlungen auf dem Transfermarkt, auf Fredi Bobic und Sandro Schwarz kommt herausfordernde Arbeit zu. Die Saison könnte wieder einmal sehr lang werden, doch die Vorzeichen sind um einiges besser als noch vor einem Jahr. Während damals ein schwer gezeichneter Verein vorzufinden war, dessen gesamte Fanszene auch schwer zerrüttet war und die Lage dunkler und unterkühlter kaum sein konnte, ist dieses Mal der Verein geeint.

(Photo by Boris Streubel/Getty Images)
In und um den Verein herrscht trotz der schwierigen sportlichen Lage, eine seit Jahren nicht mehr so groß gelebte Einheit. Die Stimmung ist gut, über das Miteinander wird nicht nur gesprochen, es wird auch gelebt. Einen großen Anteil daran hat auch Präsident Kay Bernstein und damit Wunsch und Wohl der Fans. Im Übrigen eines der großen positiven Ereignisse dieses so verrückten Fußballjahres von Hertha BSC.
(Titelbild: Boris Streubel/Getty Images)
von Lenard Baum | Nov. 12, 2022 | Bundesliga, Drei Thesen, Hertha BSC, Spieler, Um den Verein
Ein Stich ins Fanherz brachte die Hertha in der 90+8 Minute gegen Stuttgart um einen Punkt und zur dritten Niederlage in Folge. Nun heißt es Bär gegen Geißbock. Die Gäste aus Köln sehnen sich nach einer nicht allzu schlimmen, aber genauso drastischen Niederlagenserie einen Sieg herbei. Im Olympiastadion steht ein hartes Duell zwischen zwei Teams an, welche vor der Winterpause drei Punkte mitnehmen wollen.
Unsere drei Thesen zum Spiel gegen den 1.FC Köln.
Ein letzter Gruß nach Qatar
“15.000 Tote für 5.760 Minuten Fußball! Schämt euch”. Bei der letzten Heimpartie, wo ein volles Olympiastadion den FC Bayern begrüßte, sollte dieser Spruch vom Gästeblock und in der Ostkurve durch die Medien gehen. Eine gemeinsame Kooperation zwischen den Fanlagern zeigte nicht nur im Olympiastadion die Position der nationalen Fanlager. Im Olympiastadion sollte es nicht das einzige Banner in dieser Partie sein und man kann in der nun letzten Heimpartie vor der großen Winter-WM-Unterbrechung auf mehr warten. Ein jeder Fußballfan richtet seinen Blick auf das Wüstenemirat und die Ostkurve wird sicherlich nicht ruhig Teile der Mannschaft verabschieden.

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)
Zwar stehen einige finale Kader noch aus, doch manche Hertha-Spieler haben schon einen guten Stand, solange nicht noch eine Verletzung dazwischenkommt. Einen Kaderplatz etwa hat Schlussmann Oliver Christensen schon sicher. Seit seinem Aufstieg in den Hertha-Reihen hat der 23-Jährige neben den meisten eigenen Fans auch Nationaltrainer Kasper Hjulmand überzeugt. Weitere Chancen kann sich Dodi Lukebakio als Nachrücker machen, welcher neben der bisherigen Saison mit einem guten Auftritt gegen Köln sicherlich Eindruck hinterlassen will.
Gelbes Kartenfestival
Vom Politischen gehen wir zu den Raufereien auf den Platz. Mit nun 43 Gelben Karten führen die Kölner beeindruckend darin die Bundesligatabelle an. Steffen Baumgarts aggressiver „Vollgasfußball“ zieht einige Karten mit sich. Dass die Hertha mit nun 33 Gelben Karten auf Platz zwei dieser Tabelle steht, lässt auf eine stark physisch geführte Partie schließen. Allein in der letzten Partie konnten sich mit Marco Richter sowie Marc Oliver Kempf gleich zwei weitere Gelb gegen Stuttgart abholen. Karten bedeuten bekanntermaßen nicht gleich unfaires Spiel. Beide Teams zeigen sich im Mittelfeld der Fouls am Gegner, gehen aber stetig intensiv in Spiele rein. Dies lässt sich anhand der Spielstile beider Trainer gut ablesen. Während rund ums Olympiastadion auf „Urvertrauen“ und eine „positive Grundstimmung” gesetzt wird, bringt man mit Steffen Baumgart das im Fußball sagenumwobene Wort „Mentalität“ in Verbindung.

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)
Für die Berliner setzte es zuletzt drei Niederlagen infolge, von den letzten neun Partien wurde nur eine gewonnen. Gute Stimmung hin oder her, das stimmt niemanden auf einem Relegationsplatz zufrieden. Die Gäste unter dem ehemaligen Union-Stürmer stehen mit zwei Niederlagen und damit vier sieglosen Partien in Folge zwar etwas besser da, doch eine Niederlage gegen die Hertha samt dem Verlust von wichtigen Punkten sieht man vor der Pause ungern.
Kanga für Selke in die Startelf
Zwar will nach Medienberichten Hertha schon im Winter nach einem neuen Mittelstürmer fahnden. Im Moment blickt man noch auf die Optionen, welche der Kader hergibt. Nachdem Selke in einem packenden Duell im letzten Heimspiel gegen die Bayern noch per Elfmeter ein Tor rausholen konnte, gab es gegen Stuttgart wenig Erfolgreiches für den Schwaben. So spräche taktisch vieles für einen Startelfeinsatz Wilfried Kangas. Die Rückkehr des physisch stärkeren Ivorers in die Startelf sollte insbesondere gegen die Kölner Abwehr für die anlaufenden Flügelspieler in Form von Lukebakio wie Richter Gegenspieler auf sich ziehen.

(Photo by Matthias Kern/Getty Images)
Mit dem weitergehenden Ausfall von Kangas 4-4-2 Stürmerpartner Stevan Jovetic könnte Trainer Schwarz es sich offenhalten, dazu zum 4-3-3 System zurückzukehren. Ebenso besser und schneller zeigte sich Leihgabe Ejuke gegenüber Marco Richter, welcher wie Selke in der 61. Minute ausgewechselt wurde.
Ein Sieg vor einer speziellen anstehenden Winterpause könnte neben dem Sicherstellen einer höheren Tabellensituation und dem Beruhigen des eigenen Fanherzes insbesondere Schwarz viel gelobte Grundstimmung halten. Trainer Schwarz fasst es passend zusammen, „Es wäre ein guter Zeitpunkt, das am Samstag zu haben. Wir haben die Qualität, das Spiel zu gewinnen.”
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